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Freitag, 24. Dezember 2010, 12:02 Uhr

Was sich Wulff nicht traut

Bundespräsident Christian Wulff hat eine schöne Weihnachtsansprache gehalten. Befreit vom präsidialer Steifheit, stehend vor Menschen, die sich im Ehrenamt verdient gemacht haben. Das ist sicher lobenswert, genauso wie sein Grundthema: Anerkennung, Respekt.

Leider hat Wulff beim Respekt eine Gruppe vergessen, die Hartz-IV-Empfänger. Wann erweist endlich einmal ein Präsident ihnen Respekt? Respekt vor ihrer Lebensleistung, bevor sie arbeitslos wurden, Respekt vor dem täglichen (Über-) Lebenskampf, Respekt davor, dass sie sich die Finger wundschreiben mit ihren erfolglosen Bewerbungen, Respekt vor ihrer Würde, vor ihren Leistungen bei der Erziehung ihrer Kinder, insbesondere Respekt vor den alleinerziehenden Müttern?

Wir haben uns daran gewöhnt, Hartz-IV-Empfänger nur noch als teure und lästige Transferempfänger zu sehen und richten den Fokus auf die Antriebslosen, die sich mit ihrem Schicksal resginiert abgefunden haben oder auf diejenigen, die den Sozialstaat ausnutzen. Das aber ist nur eine Minderheit, genauso wie die Integrationsverweigerer nur eine Minderheit der Migranten sind.

Die Hartz-IV-Empfänger gehören genauso wie die muslimischen Zuwanderer zu den Verlierern des Jahres. Die einen stigmatisiert durch die Diskussion um die Erhöhung der Regelsätze (Warum sollen wir denen auch noch Geld für Alkohol und Zigaretten geben?), die anderen durch das Buch von Thilo Sarrazin, die Medienkampagnen und die Diskussion darüber. Zum Islam und zu den Zuwanderern hat Wulff  Richtungsweisendes gesagt, mit dem er sich schon heute für die Geschichtsbücher qualifiziert hat.

An den Respekt vor den Hartz-IV-Empfängern hat sich Wulff nicht herangetraut. Das scheint ihm offenbar zu unpopulär. Schade.

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67 Kommentare

1) StefanP, Freitag, 24. Dezember 2010, 12:52 Uhr

Respekt hat grundsätzlich jeder Mensch verdient, warum jemanden besonders herausheben? Anerkennung? Anerkennung kann und sollte jemanden doch nur für besondere Leistungen zuteil werden. Für was sollte man einer Gruppe pauschal Anerkennung zollen? Dann müsste man sie doch nach Typologien bewerten. Doch so genau möchte Herr Spreng nicht hinschauen und so geht seine Weihnachtsbotschaft völlig fehl.

“Respekt vor ihrer Lebensleistung, bevor sie arbeitslos wurden (..)”

Der wesentliche Teil der Langzeitarbeitslosen befindet sich seit Jahren in ihrer Lage. Wer Hartz-IV bezieht, ist unter Berücksichtigung der eingebauten Stufen seit mindestens 3 Jahren nicht mehr berufstätig – oder war es nie in nennenswerten Umfang. Die Gruppe der Hartz-IV-Empfänger rekrutiert sich hauptsächlich aus drei Personenkreisen: ältere Erwerbslose, auf die der Begriff mit der Anerkennung der Lebensleistung noch am ehesten zutrifft. Alleinerziehende, die zum Großteil jung sind, häufig ohne Ausbildung und wo es einen statistischen Bezug gibt zwischen dem Altersabstand der Kinder und der Bezugsdauer des Elterngeldes. Alleinerziehende haben darüber eine bewusste Wahl getroffen, ihre Kinder in Armut groß zu ziehen. Nein, der Status “Alleinerziehende” berechtigt ganz und gar nicht Anerkennung zuteil werden zu lassen. Die dritte Gruppe ist die der Geringqualifzierten, also aus den rund 17 Prozent der Bevölkerung, die es nicht fertiggebracht haben, überhaupt einen Schulabschluss oder mehr als 9 Jahre Hauptschule hinzulegen. Oft, wie in Ostdeutschland oder Migrantengruppen, handelt es sich dabei sogar um echte Bildungsverweigerer.

“Respekt vor dem täglichen (Über-) Lebenskampf”

Das gilt für Unternehmen und viele Steuerzahler genauso, vor allem mit der staatlichen Bürokratie. Ein Hartz-IV-Empfänger hat sein garantiertes Auskommen, die die dieses bezahlen, nicht umbedingt. Wer verdient da mehr Respekt?

“Respekt davor, dass sie sich die Finger wundschreiben mit ihren erfolglosen Bewerbungen”

Unter Beachtung des oben Gesagten: Ist es tatsächlich schon eine Leistung, eine Bewerbung zu schreiben, die Null Effekt hat? In Zeiten von Copy & Paste ist eine Bewerbung schnell geschrieben, die Arbeit beschränkt sich auf die Anpassung des Einleitungssatzes. Wahrlich, eine herausragende Leistung! Wer 100, 200 Bewerbungen schreibt ohne überhaupt eingeladen zu werden, hat vor allem eins bewiesen: das er nicht weiß, wie es geht.

“Respekt vor ihrer Würde, vor ihren Leistungen bei der Erziehung ihrer Kinder, insbesondere Respekt vor den alleinerziehenden Müttern?”

Diese Kinder, zu einem Großteil mit den Kreisen identisch, die man als “bildungsferne Schichten” bezeichnet, sind bei Einschulung so rückständig, dass mehr als die Hälfte vom Schulbesuch zurückgestellt werden muss. Während die Zähne ihre Altersgenossen weitgehend intakt sind, haben sie noch nicht den Umgang mit Zahnbürste und Zahnpaste gelernt. Vielen Kindern aus Hartz-IV-Haushalten fehlen grundsätzliche mortorische Fähigkeiten und Können: Schuhe binden, rückwärts laufen etc. Verdient eine solche Ausbildungsleistung von Eltern, die im Gegensatz zu anderen den ganzen Tag Zeit haben, Anerkennung?

Bitte, das sind keine Horrorgemälde oder Klischees, die können nachgelesen werden, die gibt es in ausreichenden Fachzeitschriften, die weiß jeder, der mit diesen Kindern arbeitet. Herr Spreng, malen Sie hier nicht das Bild von Hartz-IV-Empfängern, das es so in der Mehrheit nicht gibt.

Deutschland hat den höchsten Anteil von Langzeitarbeitslosen an den Erwerbsfähigen. Hören wir auf, uns Kleister auf die Augen zu schmieren, fangen wir an zu fragen, warum das so ist und wie wir es ändern können. Denn eins ist klar: wer arbeitet, empfindet Würde, ist gesünder, hat eine längere Lebenserwartung und ist einfach glücklicher. Menschen dazu zu bringen, das wäre ein guter Vorsatz für 2011.

2) Sanníe, Freitag, 24. Dezember 2010, 13:00 Uhr

Manche trinken auf Staatskosten Wein für 93 Euro die Flasche, und manchen wird mit großer Geste der Empörung nicht mal ein Aldi-Prosecco zugestanden.

Während es bisher klar schien, daß es nur wenige Abzocker gibt, hat es sich in diesem Jahr umgekehrt und es ist normal geworden zu sagen “Naja, nicht alle HartzIV-Empfänger sind faul.” Das ist eine traurige Entwicklung, ich habe aber vom Bundespräsidenten nicht erwartet, diesen Trend zu brechen.

3) Homo politicus, Freitag, 24. Dezember 2010, 13:22 Uhr

Leider wahr. Ich nehme es von der Leyen übrigens übel, als sie letztens wieder bezüglich der Forderung nach höheren ALG II Leistungen sagte, dann solle man sagen wofür, ob etwa für Alkohol und Tabak. Sie als zuständige Ministerin sollte es besser wissen, dass es nicht um Wodka und Camel geht. Aber das Einschlagen auf gesellschaftliche Randgruppen bzw. wenigstens die polemischen Attacken sind halt eher in Mode und Wulff hat wohl schlicht nicht daran gedacht, die sozial Schlechtergestellten zu erwähnen (also allgemein Arbeitslosen und auch Aufstocker) – man käme ja auch bei bestimmten Gruppierungen der Regierung gleich in Verdacht, dass man nicht die Leistungen der “Leistungsträger” lobt (was für mich eher der bei diesem Wetter arbeitende Arbeiter, Angestellte und Polizist ist als das, was die FDP meist darunter versteht). Als ob man nicht beides gleichermaßen tun könnte… denn soweit ich noch weiß, differenziert das GG nicht die Menschenwürde nach Produktivität und das ist auch gut so.

4) Dieter Carstensen, Freitag, 24. Dezember 2010, 13:38 Uhr

Lieber Michael Spreng.

unsere Politiker verschliessen offenkundig ihre Augen vor den gesellschaftlichen Realitäten. Warum sollte Herr Wulff, nur weil er Bundespräsident ist, eine Ausnahme sein?

Ihm geht es doch gut.

Christliche Nächstenliebe bei der Partei mit dem “C”?

Wer das noch glaubt, glaubt auch an den Osterhasen, den Weihnachtsmann und den Sechser im Lotto.

Im Gegensatz zu Ihnen, finde ich das Weihnachtsvideo von Bundespräsident Wulff höcht peinlich. Er versucht eine heile, bürgerliche Familenwelt anbiedernd zur Schau zu stellen, inclusive seine Sohnemannes, vor opulent gestalteter Kulisse, von der die 30% Verarmten in unserer Bevölkerung nur träumen können.

Sein Video hat mir der realen Lebenswirklichkeit im Staate Absurdistan, vormalige BRD, so viel zu tun, wie ein Arbeiter mit einem Generaldirektor.

Gut finde ich, dass Sie in Ihrem lesenswerten Kommentar klar zur Situation der Hartz IV Bedürftigen Stellung nehmen.

Unsere Politiker sind leider von der UNVERSCHULDETEN Not dieser Menschen so weit weg, wie die Erde vom Jupiter.

Für mich ist Herr Wulff das beste Beispiel dafür, dass wir in der BRD schon längst eine völlig abgehobene, realitsferne “Politnomenklatura” haben, eine Wortschöpfung, soweit ich micht entsinne, des “Spiegel” bezogen auf die Führungselite der DDR Diktatur.

An diesem Punkt scheint die sog. “Wiedervereinigung”, sarkastisch formuliert, bestens geklappt zu haben.

M.f.G.

Dieter Carstensen

5) Peter, Freitag, 24. Dezember 2010, 13:45 Uhr

Schade, dass nach so einem sachlichen ersten Kommentar dann doch nur wieder die Klischee- und Betroffenheitskeule geschwungen wird.

6) orlando, Freitag, 24. Dezember 2010, 14:00 Uhr

Ja, Respekt vor den Hartz-4 Empfängern wäre eine schöne Sachen. So wie jeder Mensch, übrigens unabhängig von seiner Lebensleistung, unabhängig , ob vor oder nach einem Schicksalsschlag wie Arbeitslosigkeit Resekt und Anerkennung verdient. Schön wäre es, wenn Herr Wulff das gesagt hätte. Noch schöner wäre es, wenn er das auch gemeint hätte und nicht nur als Kalkül sagen würde. Und am schönsten wäre es, wenn das keine Worte für Sonntagsreden von Politikern ohne Macht wären, sondern gelebte Politik der Regierung. Nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Wie viel Respekt vor den Menschen ohne Arbeit in Deutschland wirklich besteht, kann man leicht sehen, wenn man sich die aktuelle Gesetzgebung und die Diskussionen in den Medien, aber auch im privaten Bereich anhört. Da verprassen böse Menschen unser hat verdientes Geld! Ja, so denken wir. Und auch so, dass wir mehr Geld hätten, wenn die anderne noch weniger hätten. Die sollen was arbeiten.

Sie schreiben, verehrter Herr Spreng: “Wir haben uns daran gewöhnt, Hartz-IV-Empfänger nur noch als teure und lästige Transferempfänger zu sehen”. Ich glaube, dass viele Menschen das gerade nicht so sehen, auch wenn die öffentliche Meinung immer wieder in diese Richtung geht, angeschoben von Politikern, die die dramatische Entsolidatisierung unserer Gesellschaft mit den Schwachen auch noch forcieren, die sich im Recht fühlen, wenn sie eine große Gruppe von Menschen pauschal als faul, dumm, gar als Schmarrotzer diffamieren. Dabei reicht eine einfache Rechnung, nämlich die Zahl der Arbeitslosen minus die Zahl der offenen Stellen, um zu sehen, dass das Problem nicht so einfach ist, und dass eben nicht, wenn alle Arbeitslosen nur wollen würden (und die meisten wollen sehr und tun auch viel dafür), dass sie dann auch Arbeit finden würden.

Aber ein warmes Wort des Bundespräsidenten wäre in der Tat schön gewesen. Immerhin eine Geste, wenn auch nicht mehr. Und hätte nichts gekostet. Wenn auch ein warmes Wort keines des Probleme der Menschen in Not lösen würde. Und uns allen würde bei dieser Diskussion gut tun, uns zu fragen, wie wir den Menschen in Harzt 4 gedanklich begenen? Aus der Position des Überlegen? “Ja, Du bist eine arme Sau! Ich weiß, was gut für Dich ist! Such Dir doch einen Job. Nur Mut! Früher warst Du doch auch ein wertvoller Mensch, als Du noch Arbeit hattest. Du kannst es schaffen.” Was uns die Menschen in Not wert sind, sieht man daran, wie Menschen, die sich für klug halten, immer wieder über, aber nie mit den Betroffenen diskutieren. Wir haben eine Gesellschaft des Egoissmus, einen Regierung des Egoissmus, und selbst die Kirchen ergehen sich nur in windelweichen Allgemeinplätzen. Wo ist eine kraftvolle Rede, wo legt mal einer den Finger in die Wunder, so dass es weh tut, dass man es nicht weglächeln kann? Ja, das wäre schön gewesen – eine Brandrede, eine Wutrede. Wenn schon nicht aus Überzeugung und von Herzen, so doch wenigstens, um an Weihnachten allen zu zeigen, dass man ein guter Mensch ist. Aber das lässt die Taktik, das Kalkül nicht zu. Schade drum.

7) Xpomul, Freitag, 24. Dezember 2010, 14:09 Uhr

Danke Herr Spreng !

Sagt einer mit 33 Jahren Lebensleistung die heute keinen Pfifferling mehr wert ist.

8) Andreas, Freitag, 24. Dezember 2010, 14:13 Uhr

Auch Ihr Engagement für die Schwächeren in der Gesellschaft in allen Ehren, Herr Spreng, aber ich finde, die Diskussion um diesen Teil der Gesellschaft nimmt schon seit langem einen viel zu großen Raum in der politischen Diskussion ein. Unbeachtet bleibt die Mehrheit bestehend aus denjenigen, die nicht nur ihren sondern auch den Lebensunterhalt vieler anderer dadurch sichern, dass sie jeden Tag zur Arbeit geben, sich abrackern und dafür sorgen, dass ihre Kinder eine ordentliche Erziehung und Ausbildung erhalten. Diesem Personenkreis sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn er bildet das Rückgrat unserer Gesellschaft und unseres Wohlstandes.

9) Politikverdruss, Freitag, 24. Dezember 2010, 14:45 Uhr

@Stephan P.,
und Ihnen mein Respekt für diesen treffende Gegendarstellung.

10) totes Humankapital, Freitag, 24. Dezember 2010, 16:10 Uhr

Ihre Worte sind Balsam für meine Seele, Herr Spreng.
Ich führe solch einen Überlebenskampf mit Hartz-IV. Die meisten Menschen, die mal länger im Bezug wahren wissen worüber sie Schreiben. Da allen in unserer Regierung diese Erfahrungen fehlen, und sie sich nur auf Statistiken und Mathematik berufen, denke ich ja sowieso das sie nicht einschätzen können was in einem Hartzer vorgeht. Ich konnte das auch nicht, als mein Erwerbsleben noch in Ordnung war.

Ich widme mich wieder meinen Haferflocken.

Ein frohes Fest. :-)

11) mee, Freitag, 24. Dezember 2010, 16:35 Uhr

@StefanP
1) Leider, also bedauerlicherweise geht ihr Beitrag völlig am Thema vorbei. In einer kaum verbrämten Oberlehrermanier ziehen sie über die Menschen her, die via Hartz 4 am Rande Ihrer Existenz stehen und – siehe letzte Massnahmen der Regierung – denen das völlige Abgleiten in die Armut droht.
So ist auch – so gut kennen Sie sich aus – die Aussage falsch ” Wer Hartz-IV bezieht, ist unter Berücksichtigung der eingebauten Stufen seit mindestens 3 Jahren nicht mehr berufstätig “… Alle Übergangsleistungen von ALGI in ALGII sind mit den letzten Massnahmen gestrichen worden, ebenso die Anerkennung von Rentenanwartschaften während HartzIV.
2) Ihre Aussage “Alleinerziehende, die zum Großteil jung sind, häufig ohne Ausbildung und wo es einen statistischen Bezug gibt zwischen dem Altersabstand der Kinder und der Bezugsdauer des Elterngeldes. Alleinerziehende haben darüber eine bewusste Wahl getroffen, ihre Kinder in Armut groß zu ziehen.” wimmelt nur so von Stigmatisierungen und Vorurteilen, besonders perfide ist die Aussage dass “Alleinerziehende haben darüber eine bewusste Wahl getroffen, ihre Kinder in Armut groß zu ziehen “, da lässt sogar die Grossrhetorikerin v.d. Leyen einen stärkeren Realitätsbezug erkennen.
3) Ihre Aussage “Die dritte Gruppe ist die der Geringqualifzierten, also aus den rund 17 Prozent der Bevölkerung, die es nicht fertiggebracht haben, überhaupt einen Schulabschluss oder mehr als 9 Jahre Hauptschule hinzulegen” geht nicht nur völlig an Erkenntnissen über die soziale Auslese unseres Bidlungssystems vorbei (zigfach durch internationale Studien dokumentiert), sondern stigmatisiert wieder die Betroffenen ( die haben es einfach nicht fertig gebracht).
Die Frage, die sich mir bei Ihrem Beitrag stellt: fühlen Sie sich eigentlich irgendwie besser als diese Menschen ? Glauben Sie mehr geleistet zu haben, weil Sie nicht zu dieser Gruppe gehören ?
Statt Stigmatisierung und “sich-besser-fühlen” fände ich es angebracht noch viel klarer zu überlegen was wir (Politik, Unternehmen , Bürger etc.) unternehmen können um diese Menschen wieder eine Beschäftigung bzw. eine menschenwürdige Existenz zu verschaffen.

12) Rhein Sieg, Freitag, 24. Dezember 2010, 20:02 Uhr

@ Peter: Welcher “sachlichen ersten Kommentar” meinen Sie bitte ? Ich sehe da nur einen der mit der von ihnen benannten “Klischeekeule” stark um sich haut. Besonders entlarvend ist dabei vor allem, dass immer nur von den arbeitslosen HARTZ IV-Beziehern die Rede ist. Die sogenannten “Aufstocker” (immerhin auch nur 1,4 Millionen dt. Bürger) die Arbeit haben und trotzdem HARTZ IV beziehen müssen, weil die Arbeitgeber zu schlechte Löhne zahlen, werden dagegen gar nicht von Herrn P. erwähnt. Aber die passen natürlich auch in das Klischee des faulen/unqualifizierten HARTZ IV-Beziehers nicht rein. Oder taugen nur die von Herrn P. gelesenen “Fachzeitschriften” nichts ?

Was mich aber wirklich an diesem Beitrag ärgert, dass da mit diesem extrem lächerlich neo-liberalen Denkschema “Wer unten ist, ist selber schuld” hantiert wird. Damit lässt sich ja nun wirklich alles inkl. Diskriminierung und Rassismus rechtfertigen. Warum @ “Politikverdruss” für dieses sehr zweifelhafte Gesamtkonstrukt “Respekt” ausspricht, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Zumal es jetzt auch nicht gerade so ist, als ob es sich dabei um eine derzeit besonders unpopuläre Ansicht handeln würde:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33857/1.html

Ironischer weise ist es allerdings gerade die von Herrn P. verinnerlichte Ideologie und ihre Auswirkungen auf die Politik, die diese Zustände erst möglich gemacht hat. HARTZ IV-Bezieher können zwar für all das gar nichts, geben aber natürlich von den Profiteuren dieser Zustände, begrüßte Sündenböcke ab.

@Andreas: “Aufmerksamkeit” ist nicht zwangsläufig positiv. “Migranten” hatten in jüngerer Vergangenheit auch sehr viel “Aufmerksamkeit”. Herr Spreng ist in Punkto HARTZ IV-Bezieher da eher die erfreuliche Ausnahme, denn die Regel.

13) StefanP, Freitag, 24. Dezember 2010, 21:23 Uhr

@mee

Danke für Ihre Replik, doch ich teile Ihre Ansicht weitgehend nicht. Ich habe gerade den direkten Bezug zum Beitrag von Herrn Spreng gesucht und mich bemüht, einzelne Punkte zu widerlegen. Ansonsten hat Herr Spreng begonnen, pauschal und ohne Ansehen (oder Verwerflichkeit) der Person einer gesellschaftlichen Gruppe seinen Respekt und seine Anerkennung auszusprechen bzw. diese einzufordern. Dann muss man sich logischerweise auch gruppenspezifisch und nicht individuell damit auseinandersetzen.

Sie werden es von mir nie erleben, dass ich einen Teil der Gesellschaft pauschal als faul oder mit sonstigen negativen Eigenschaften abqualifiziere. Ich möchte das daher auch nicht unterstellt bekommen. Jedes meiner Worte kann ich belegen aufgrund öffentlich zugänglicher Informationen.

“” Wer Hartz-IV bezieht, ist unter Berücksichtigung der eingebauten Stufen seit mindestens 3 Jahren nicht mehr berufstätig “… Alle Übergangsleistungen von ALGI in ALGII sind mit den letzten Massnahmen gestrichen worden”

Nun, aber bisher gilt das von mir Geschriebene als Rechtslage, oder? Wer lange gearbeitet hat, wird über Stufen von drei Jahren auf Hartz-IV-Niveau herabgeschleust, was nichts anderes bedeutet, als dass wer heute den Regelsatz bezieht entweder mindestens drei Jahre vergeblich auf Jobsuche ist oder es nie zu einer ausreichenden Beschäftigung gebracht hat.

““Alleinerziehende haben darüber eine bewusste Wahl getroffen, ihre Kinder in Armut groß zu ziehen “, da lässt sogar die Grossrhetorikerin v.d. Leyen einen stärkeren Realitätsbezug erkennen.”

Sie finden, Partnerwahl wäre keine bewusste Lebensentscheidung? Was denn sonst? Bitte erklären Sie mir dann, warum in Westdeutschland mit irgendwo zwischen 7 und 8 Prozent fast nur halb soviel Alleinerziehende leben als in Ost-Deutschland mit rund 14 Prozent, obwohl doch mehr Frauen als Männer aus den neuen Bundesländern abwandern? Und diese Frauen wiederum gehen zu über 90% in die Statistik als Niedrigeinkommensbezieher ein. Alles reiner Zufall, Schicksalswendungen des Lebens? Wer Kinder hat und in einer gefestigten Partnerschaft lebt, hat kein höheres Armutsrisiko als der Rest der Bevölkerung, nur bei Alleinerziehenden potenziert sich das. Umgekehrt: es gibt kaum staatliche Möglichkeiten, die Armut von Kinder von Singlemüttern zu vermeiden, dazu müssen die Frauen (und Männer) schon einen Beitrag leisten.

Und falls Sie mir den Punkt mit den jungen Müttern im Hartz-IV-Bezug nicht glauben, so weise ich Ihnen das gerne nach, ebenso, dass sich die Fruchtbarkeit dieser Frauen zu dem Zeitpunkt beschleunigt hat, als der Bezug des Elterngeldes von 3 auf 1 Jahr herabgesetzt wurde.

Zur Selektion der Schulen: umgekehrt schaffen es 83 Prozent der Kinder, einen qualifizierten Schulabschluss hinzulegen, obwohl sie auf die gleichen Schulen gehen. Und: das Schulsystem ist nicht daran Schuld, wenn bestimmte 6jährige nicht die entsprechende Reife zu ihrem Besuch mitbringen. Kindern aus gebildetem Elternhaus (bei denen ein signifikanter Zusammenhang zu höherem Einkommen besteht) passiert das fast gar nicht. Dort betreuen die Mütter ihre Kinder selbst ohne Kindergartenbesuch weit besser. Erklärung? Ohne Fingerzeig auf persönliches Versagen kommt man da kaum aus.
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/82423/diw_sp0100.pdf

“Die Frage, die sich mir bei Ihrem Beitrag stellt: fühlen Sie sich eigentlich irgendwie besser als diese Menschen ? Glauben Sie mehr geleistet zu haben, weil Sie nicht zu dieser Gruppe gehören ?”

Das ist etwas, was ich überhaupt nicht leiden kann. Ich setze keinen persönlich herab, frage nicht nach seinen Motiven. Bitte unterlassen Sie das auch in Bezug auf mich. Auch das ist eine Frage des gegenseitigen Respekts.

“Statt Stigmatisierung (..) fände ich es angebracht noch viel klarer zu überlegen was wir (Politik, Unternehmen , Bürger etc.) unternehmen können um diese Menschen wieder eine Beschäftigung bzw. eine menschenwürdige Existenz zu verschaffen.”

Lesen Sie mein Schlussstatement, genau das hatte ich geschrieben. Das bedingt jedoch Interesse von beiden Seiten. Im Gegensatz zu manch anderem finde ich es nicht verwerflich, wenn jemand mit 3, 5, 18 Jahren Arbeitslosenhistorie keine Motivation mehr zur Arbeitsaufnahme besitzt, erstaunlich fände ich eher, wenn sie noch vorhanden wäre. Auch hier wird umgekehrt ein Schuh daraus (blicken Sie nach Skandinavien oder in die Schweiz): wie verhindern wir, dass jemand erst so lange arbeitslos wird? Das ist das Grundproblem, nicht die Albernheit mit der Gegenüberstellung offener Stellen mit der Zahl der Arbeitslosen.

14) RueSchue, Freitag, 24. Dezember 2010, 21:41 Uhr

“Zum Islam und zu den Zuwanderern hat Wulff Richtungsweisendes gesagt, mit dem er sich schon heute für die Geschichtsbücher qualifiziert hat.”

Geht’s noch? Müssen wir den Arzt rufen?

15) JG, Samstag, 25. Dezember 2010, 00:38 Uhr

Sie haben recht, Herr Spreng, denn sicher verstehen Sie ja, welches System hinter all dem steckt: Hartz-IV-Empfänger müssen stigmatisiert werden, immer und immer wieder als faule, asoziale Proleten dargestellt, natürlich rauchend und saufend, demnächst auch – wenn die Kampagnen gegen Tabak- und Alkoholgenuß erschöpft sind – Kaffee trinkend und Schokolade essend. Hartz-IV-Empfänger müssen als der letzte Dreck erscheinen – damit jeder sich davor fürchtet, selbst einer zu werden.

Die Bundesrepublik, wie sie durch Rot-Grün, die zweite Große Koalition und Merkels Schwarz-Gelb deformiert wurde, benötigt diese Drohkulisse, um die Arbeitnehmer zu disziplinieren, welche sich gefälligst mit immer mieserer Behandlung, immer schlechteren Arbeitsbedingungen, immer geringerer Bezahlung zufriedengeben sollen.

Deshalb können die herrschenden Kreise auch keinerlei Interesse an einer ernsthaften Bekämpfung der Arbeitslosigkeit haben – ein wenig die Zahlen reduzieren, damit das Volk ruhiggestellt ist, das schon, aber das schafft man ja, wie in den letzten Jahren eindrucksvoll vorgeführt wurde, auch, indem man einfach die Zahlen frisiert. Doch wahre Vollbeschäftigung, Verhältnisse wie in der ersten Hälfte der sechziger Jahre, mit Arbeitslosenquoten von 0,6 oder 0,4 Prozent (ja, das gab es tatsächlich mal – OHNE Manipulation), wären doch ein Albtraum für jeden Arbeitgeber: Arbeit wäre wirklich etwas wert, Arbeitnehmer könnten sich dessen bewußt werden und Forderungen stellen. Am Ende wollten sie gar etwas tun, das ihnen Freude bereitet und in dem sie nicht nur insofern einen Sinn sehen, als sie irgendwie Geld verdienen müssen. Am Ende nimmt noch jemand das zu jedem 1. Mai verbreitete Gerede von der “Würde der Arbeit” ernst.

Zum Glück haben so sympathische, von Solidarität und Gemeinsinn durchdrungene Politiker wie Gerhard Schröder oder Wolfgang Clement dafür gesorgt, daß mit solchem Firlefanz aufgeräumt wurde. Seit ihren grandiosen, von der politischen Klasse noch heute regelmäßig bejubelten “Reformen” heißt es: Friß oder stirb. Nein, noch schlimmer: Schluck’s oder Du rutschst ab in Hartz IV.

Nebenher gibt es ja auch Leute, die meinen, die Deutschen sollten möglichst viele Kinder kriegen – aber doch bitte nur, wenn sie gut ausgebildet sind und einen sicheren (haha) Arbeitsplatz haben. Auch manch Kommentator hier scheint ja zu finden, alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger hätten sich besser enthaltsam zeigen oder gleich sterilisieren lassen sollen, statt dem Staat durch unverantwortliche Vermehrung auf der Tasche zu liegen.

Eine schöne Botschaft zu jenem Fest, an dem wir die Geburt des Kindes eines bettelarmen Paares feiern, das in einem Stall hauste. Pfui deibel, da käme heute gleich das Jugendamt, und weg wär das Jesuskind!

In diesem Sinne ein gesegnetes Fest.

16) Sabine Zielke-Esser, Samstag, 25. Dezember 2010, 09:01 Uhr

@mee
Zu Ihrem letzten Satz: Genau das ist der Punkt.

Unsere Politiker sagen, dass HartzIV ja kein Dauerzustand sondern nur eine Übergangshilfe sein soll. „Wir müssen die Menschen wieder in Arbeit bringen“. Schöne Worte, allein es fehlen die Taten. Ich vermisse jeden, aber wirklich jeden kreativen Ansatz hierfür.

Arbeit ist genug da. Aber so lange der Mensch nur noch als Kostenfaktor gesehen wird und Unternehmer einen regulären Arbeitsvertrag scheuen wie der Teufel das Weihwasser, so lange bleibt Deutschland ein Niedriglohnland (was es angeblich nie hätte werden sollen).

Unser Bildungssystem, unser Sozialsystem, unser Steuersystem verhindert in seiner Verkrustung jede Anpassung an neue Entwicklungen. Wir schleppen den Staat wie einen Buckel mit uns herum. Und so subventionieren wir die Billiglöhne der Aufstocker aus Steuergeldern und es gibt Wissenschaftler wie der unsägliche „Professor“ Sinn vom Ufo-Institut für Wirtschafts-Astrologie, die das absolut in Ordnung finden.

17) EduardC, Samstag, 25. Dezember 2010, 09:29 Uhr

Herr Spreng: Vielen Dank! Ein hervorragender Kommentar.

@StefanP
Peinlich. Traurig. Falsch.

18) M.M., Samstag, 25. Dezember 2010, 11:33 Uhr

Die Liebe ist erkaltet! So ist das wenn die Lebensleistung nicht mehr anerkannt wird. Das Motto lautet: Kannst du noch nicht von den Zinsen deiner Zinsen leben?! Schön blöd. Dass es sich bei dieser Gruppe der Bevölkerung mittlerweile um fast 7 Millionen Leute handelt ist ungenügend bekannt.

19) StefanP, Samstag, 25. Dezember 2010, 11:41 Uhr

@Rhein Sieg

Tja, gegenüber Ihnen kann ich mich als die Sachlichkeit in Person fühlen:

“Die sogenannten “Aufstocker” (immerhin auch nur 1,4 Millionen dt. Bürger) die Arbeit haben und trotzdem HARTZ IV beziehen müssen, weil die Arbeitgeber zu schlechte Löhne zahlen, werden dagegen gar nicht von Herrn P. erwähnt.”

Mit einer solchen Bemerkung verlieren Sie jeden Job, jeden Auftrag, jeden Anspruch, ernst genommen zu werden. Nicht, weil man hier über Ansichten streiten könnte oder ein Sachverhalt diskutabel wäre. Nein, einfach, weil es entweder wissender Unsinn ist oder – für den Beruf besonders gefährlich – man einfach keine Ahnung und seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Verzeihen Sie mir, dass das vorangestellt werden muss.

Woher haben Sie die 1,4 Millionen Aufstocker? Richtig, aus der monatlichen Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Hervorragend, Quelle gefunden. Leider ist das alles, Sie haben nicht mal den Satz richtig gelesen, geschweige denn verstanden: “Im Juli 2010 bezogen insgesamt 1.411.00 (..) der erwerbsfähigen Leistungsbezieher in der Grundsicherung Einkommen aus Erwerbstätigkeit – (..). 1.293.000 der erwerbstätigen Leistungsbezieher übten eine abhängige Beschäftigung aus, während 128.000 ausschließlich oder zusätzlich einer selbständigen Tätigkeit nachgingen.”

Meinen Sie, jemand muss so hohe Preise verlangen, dass er sich auch als Selbständiger über Wasser halten kann? Aber wer beutet ihn dann aus? Oder wollten Sie einfach die Zahl aufblähen? Mit Sicherheit zweiteres, denn hätten Sie weitergelesen wüssten Sie: “Im April 2010 waren mit 344.000 von 1,26 Millionen abgängig beschäftigten Hilfe-bedürftigen 27 Prozent in sozialversicherungs-pflichtiger Vollzeit beschäftigt, darunter 48.000 Auszubildende.”

Rechnen wir bitte mal kurz nach, so kommen wir zu dem Ergebnis, dass weniger als 300.000 abhängige Erwerbstätige von ihrem Lohn nicht leben können – von 36 Millionen abhängig Beschäftigten. Das sind weniger als 1%, wo nach Ihrer Diktion Arbeitgeber so niedrige Löhne zahlen, das jemand davon nicht leben kann. Wahrlich, ein grandioses Problem!
http://www.arbeitsagentur.de/nn_216654/Navigation/zentral/Veroeffentlichungen/Statistik/Statistik-Nav.html

Da ich Ihnen nach der gemachten Erfahrung nicht zutraue, die Stelle unfallfrei zu finden: gehen Sie bitte auf Seite 22/23.

Was bleibt von Ihrer Behauptung? Nun, das sollten Sie selbstkritisch selber beurteilen. Eins kann ich Ihnen dagegen versichern: wer in Deutschland Arbeit haben oder Aufträge akquirieren will, muss deutlich sorgfältiger vorgehen.

20) marcpool, Samstag, 25. Dezember 2010, 12:41 Uhr

@ StephanP

Ihre Meinung – beruht sicher auf ein ” stabiles, freudiges finanzsicheres ” eigenes Leben . Eben dem schlauen sich Anlesen von Fakten und Prozenten !
Aber es lässt auch empfingen , das der Satz von Herrn Spreng : ” ….. richten den Fokus auf die Antriebslosen, die sich mit ihrem Schicksal resginiert abgefunden haben oder auf diejenigen, die den Sozialstaat ausnutzen. ” – bei ihrem Kommentar nachhaltig mitschwingt.
Selbstbild – Fremdbild sage ich da nur ! Würde Ihnen gerne empfehlen mal einen Monat – in einer Art Selbstkasteiung ” mit dem Regelsatz auszukommen .
Ihr O-ton : ” Hören wir auf, uns Kleister auf die Augen zu schmieren, fangen wir an zu fragen, warum das so ist und wie wir es ändern können ? ”
Bitte mit Vergnügen ! Frohe Weihnachten und den Menschen ein Wohlgefallen !!

21) totes Humankapital, Samstag, 25. Dezember 2010, 13:07 Uhr

Es wird Zeit, das wir Hartz-IV in die Tonne hauen. Entschuldigen Sie meine “proletarische” Ausdrucksweise, ich mag “clear Speech” – rethorische Schwurbler haben wir in diesem Land schon genug.

Ich sehe im bedingungslosen Grundeinkommen eine menschenwürdige Alternative. Frage ich andere Hartz-Fear Empfänger, was dann für Sie anders wäre, bekomme ich oft nur ein Schulterzucken als Antwort. Aber wenn Kinder mit ihrem bedingungslosen Grundeinkommen gross werden würden, wäre es doch so das sie es nicht anders kenen würden – und für Sie wäre es selbstverständlich, sich eine erfüllende Tätigkeit zu suchen.

Ich selbst sehe Hartz-IV schon wie eine Art von Grundeinkommen. Man muss lernen, damit umzugehen, seinen Kopf frei davon machen, eine Erwerbsarbeit haben zu müssen, gerade wenn man wie ich, der mit über 30 noch eine neue Ausbildung angefangen ist – und diese nicht fortsetzen konnte, weil die Bedingungen für Azubis heute einfach nur noch mies sind. Ich musste die Ausbildung abbrechen, weil ich aufgrund massivem Untergewichts kollabiert bin, dann bin ich gleich wieder in Hartz 4 gerutscht.

Deshalb fällt es mir jetzt leicht, Hartz-4 als Grundeinkommen zu sehen. Wenn man wie ich keine familiäre Unterstützung mehr hat, dann kriegt man die Schläge von allen Seiten in unserer Ellbogengesellschaft. Einer meiner Bekannten hat sich ebenfalls noch mal um Lehrstellen beworben – dort war es wie bei mir: Sie wollten gar keinen “Lehrling”, sondern einen fertigen Arbeiter, der eben billig ist.

Aber besonders Schlimm ist das beurteilt werden von anderen. Nach meinem Ausbildungsabbruch wurde ich überschüttet mit Vorwürfen – alle meinten es besser zu wissen, obwohl sie gar nicht in meiner Situation waren. Das Ende vom Lied war, das ich mir selbst schwere Vorwürfe gemacht habe, bis ich gelernt habe, auf ide Meinung anderer zu … .

Jetzt helfe ich Berufstätigen Freunden – mache Ihnen für Umsonst den Garten, passe auf die Kinder auf, repariere Ihren PC, wenn mal was nicht rundläuft. Und die meisten sagen mit einem Schmunzeln: “Für Dich zahle ich gern ein paar Cent Steuern.”

22) Doktor Hong, Samstag, 25. Dezember 2010, 13:28 Uhr

@ StefanP

Zitat: “Das ist etwas, was ich überhaupt nicht leiden kann. Ich setze keinen persönlich herab, frage nicht nach seinen Motiven. Bitte unterlassen Sie das auch in Bezug auf mich. Auch das ist eine Frage des gegenseitigen Respekts.”

Dann hauen Sie einen Satz heraus wie: “Da ich Ihnen nach der gemachten Erfahrung nicht zutraue, die Stelle unfallfrei zu finden: gehen Sie bitte auf Seite 22/23.”

Und hinterher wundern Sie sich, dass man Ihnen Charaktereigenschaften “unterstellt”, die sozial als wenig akzeptiert gelten?

Beim Steuerrecht mag es vielleicht so sein, dass man sich durch Berufung auf den Wortlaut aus einer Sache herauswinden kann, in sozialen Situationen gilt das nicht. Dort ist der Subtext einer Mitteilung wichtig und wird gemeinhin auch wahrgenommen.

Es ist ja in der Sache nicht alles falsch, was Sie sagen. Sicher, man kann sich über die Interpretation der Faktenlage streiten, denn Fakten sprechen eben nicht immer für sich. Nur das Menschenbild, das Sie haben, spricht allzu deutlich aus Ihren Kommentaren und ist auch mit ein Grund dafür, dass Sie bisweilen auf heftige Ablehnung stoßen.

23) StefanP, Samstag, 25. Dezember 2010, 13:36 Uhr

@Sabine Zielke-Esser

Ich habe mich bei Ihrem Beitrag über ein paar Stellen sehr gewundert:

“Unsere Politiker sagen, dass HartzIV ja kein Dauerzustand sondern nur eine Übergangshilfe sein soll”

Sehen Sie das etwa anders? Aus vielerlei Gründen, und dazu zählt nicht an erster Stelle die finanzielle Belastung der Gesellschaft, kann Arbeitslosigkeit niemals ein wünschenswerter Zustand für einen Menschen sein – selbst dann nicht, wenn die Lohnhöhe und die Arbeitsbedingungen nicht optimal sind.

Es sind nicht so sehr kreative Ansätze, die dem Staat fehlen, um Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen. Andere Staaten um uns herum haben gezeigt, wie es geht. Nur geht das nicht, ohne eben diesen Langzeitarbeitslosen auch deutlich etwas abzuverlangen. Sie sagen: Niedriglöhne? Geht nicht. Aufstockung geringer Einkommen? Geht nicht. Zeitarbeit? Geht nicht. Und so weiter.

Sie müssen sich ansehen, welche Qualifikationen diese Menschen haben und welche Vermittlungschancen bestehen. Das DIW aber auch andere Studien haben herausgefunden, was eigentlich Common Sense ist, aber immer wieder gesagt werden muss: Beides ist deutlich schlechter als bei Kurzzeitarbeitslosen, die schnell wieder eine Anstellung finden. Wenn jemand eine schlechtere Qualifikation hat und seine Berufserfahrung schon lange brach liegt, so kann sein Lohnanspruch unmöglich demjenigen sein, der im dort weit überlegen ist.

Sicher, in manche Jobs kommt man relativ leicht wieder rein, bei anderen nicht. Als Vertriebler sind Sie davon abhängig, ständig Ihr Netzwerk zu pflegen, als Entwickler die neueste Technologie drauf zu haben, als Finanzier up-to-date mit Finanz- und Rechnungslegungsentwicklungen zu sein. Vielen fällt das schon im Job schwer, zumindest ab einem gewissen Alter. Wenn jedoch jemand schnell sein Können nachweisen kann und Profit (ja, für manche ein häßliches Wort) abwirft, dann steigt damit auch sein Einkommen.

Leider zeigt sich jedoch, dass der Großteil der Hartz-IV-Empfänger, der einen Job antritt, diesen spätestens nach einem halben Jahr wieder verloren hat. Was gegen deren Erfahrung und Können spricht.

“Arbeit ist genug da. Aber so lange der Mensch nur noch als Kostenfaktor gesehen wird und Unternehmer einen regulären Arbeitsvertrag scheuen wie der Teufel das Weihwasser, so lange bleibt Deutschland ein Niedriglohnland”

Wer für das, was er tut, ein Entgelt haben will, ist ein Kostenfaktor. Das gilt für den Zeitarbeiter genauso wie für den hochbezahlten Rechtsexperten. Und noch immer sind in Deutschland der Großteil – um die 70-75 Prozent der Arbeitsverhältnisse auf Dauer mit einem sozialversicherten Anstellungsvertrag unterlegt. Nur vielleicht ist das ja nicht die Normalität? Würden Sie einen Menschen heiraten, wo man Ihnen bei Eheschließung sagt, dass Sie sich selbst dann nicht von demjenigen trennen dürfen, wenn Sie ihn nicht mehr ausstehen können? Der Sie betrügen darf und Sie dennoch mit ihm Tisch und Bett teilen müssen? Wo Sie nachweisen müssen, dass er sich charakterlich dramatisch verändert hat und und die Trennung für ihn nicht eine besondere Härte darstellen würde?

Nein, Sie würden auf der Stelle kehrt machen und ein lockeres Arrangement treffen. Wie sozial sind eigentlich unsere Unternehmen, dass sie trotz alledem eine solche Ehe eingehen?

24) Grundrechteforum, Samstag, 25. Dezember 2010, 14:30 Uhr

Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt. Das Amt des 10. Bundespräsidenten sollte am 30.06.2010 von der 14. Bundesversammlung gewählt werden. Erfolgt die Besetzung eines Wahlgremiums nicht vorschriftsmäßig, im Falle der Wahl zum Bundespräsidenten gehen diese Vorschriften aus dem Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung (BPräsWahlG) hervor, so ist die Wahl ungültig. So geschehen am 30.06.2010 in der 14. Bundesversammlung Berlin.

Warum die 14. Bundesversammlung nicht vorschriftsmäßig besetzt wurde, lesen Sie im Grundrechteforum – soviel sei vorweg gesagt, es war ein Musterbeispiel, wie achtlos die herrschende Klasse inzwischen mit ihren eigenen Gesetzen umgeht. Mehr dazu unter:

1. http://grundrechteforum.de/thema/causa-wulff/
2. http://grundrechteforum.de/2010/rechtswirklichkeit/chronologie-eines-staatsstreiches/

25) Rhein Sieg, Samstag, 25. Dezember 2010, 15:15 Uhr

@Herr P.

Wie sieht es denn mit der eigenen Selbstkritik aus ? Auch nachdem sie mir jetzt unfallfrei auf die Seite der ARGE geholfen haben, bleibt mir festzuhalten, dass Sie es trotz offensichtlich besseren Wissens, nicht für notwendig hielten, die arbeitenden HARTZ IV-Bezieher zu erwähnen. Was letztlich der Kern meines Vorwurfs war. Dass ich (und offenbar nicht nur ich) zur Schlussfolgerung komme, als würden SIE HARTZ IV-Beziehern pauschal unterstellen faul/arbeitsunwillig zu sein, ist gemessen an besagtem extrem einseitig negativen Eintrag wohl auch recht naheliegend. Wenn Sie wirklich so stark missverstanden wurden, dann haben Sie sich das allerdings auch selbst zuzuschreiben.

Und was die “Albernheit mit der Gegenüberstellung offener Stellen mit der Zahl der Arbeitslosen” betrifft: Ihre damalige Argumentation ging in die Richtung, dass die Fluktuation der Arbeitslosen so stark ist, dass jeder Arbeit bekommen könnte. Und mal unabhängig davon wie realistisch so eine Argumentation ist, auch das las sich vor allem als Vorwurf an Arbeitslose. Natürlich ist absolut nichts dagegen zu sagen, dass jeder in Arbeit kommt, aber es ist auch eine “Albernheit” Arbeitslosen die Arbeitslosigkeit zum Vorwurf zu machen, wenn nun mal nicht genügend Arbeitsstellen da sind. Da sind jetzt erstmal die Unternehmer gefragt.

Ansonsten wollen Sie hoffentlich nicht bestreiten, dass der hiesige Niedriglohnsektor insbesondere durch HARTZ IV und dessen rigiden Sanktionspraxis massiv befördert wurde und somit auch einstmals besser bezahlte Löhne unter Druck gesetzt werden. Dank der hiesigen Flexiblisierung des Arbeitsmarktes werden ehemalige Vollzeitstellen denn auch gerne mal in Minijobs umgewandelt. Was zwangsläufig wohl auch die Anzahl der HARTZ IV-Bezieher weiter erhöhen dürfte. Wenn überall die Löhne abgesenkt werden, ist es wohl irgendwann auch für besser zahlende Unternehmer eine Frage des Wettbewerbes, mithalten zu können. Und das ist in der Tat “ein grandioses Problem”.

26) Sin, Samstag, 25. Dezember 2010, 15:57 Uhr

“Mit einer solchen Bemerkung verlieren Sie jeden Job, jeden Auftrag, jeden Anspruch, ernst genommen zu werden. Nicht, weil man hier über Ansichten streiten könnte oder ein Sachverhalt diskutabel wäre. Nein, einfach, weil es entweder wissender Unsinn ist oder – für den Beruf besonders gefährlich – man einfach keine Ahnung und seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Verzeihen Sie mir, dass das vorangestellt werden muss.”

Und Sie finden, dass Sie andere nicht Herabsetzen, Herr Stefan P. ????

Da zitieren wir doch mal die Bibel: “An Ihren Früchten, sollt Ihr sie erkennen.”

“Sie haben nicht mal den Satz richtig gelesen, geschweige denn verstanden”

Ziemlich unterirdisch.

Warum beschränken Leute wie Sie, sich eigentlich nie einfach auf das Wesentliche. Anstatt gewaltig Rumzuschwadronieren und anderen zu Zeigen wie Groß Ihr Gehirn ist…. beschränken Sie sich doch einfach auf einen Fäkalausdruck……Kurz, knapp und prägnant…..dass ist dann auch Lesefreundlicher.

Sie könnten Ihre Machtdemonstrationen auch literarisch gestalten…..”siehe Goethe Götz von Berchlingen”….

Das wäre dann wenigstens Orginiell und Witzig….anstatt nervig und traurig.

27) mee, Samstag, 25. Dezember 2010, 16:32 Uhr

@StefanP
Ihre “Argumente” gegenüber RheinSieg und auch mir gegenüber sind leider mehr als dürftig.
So z.B. bzgl. der Aufstocker und Hartz IV. In Ihrer Argumentation verschwinden alle Hartz Iv Mini-Jobber und Teilzeitbeschäftigten ( ca. 1,3 Mio) . Und natürlich hat RheinSieg insofern Recht, wenn er sagt, dass diese Menschen nicht von Ihrem “Lohn” leben können. Was fehlt sind zum einen Vollzeitjobs zu einem fairen Stundenlohn für diese Menschen ( und eben nicht die bei Arbeitgebern beliebten so beliebten Mini Jobs, und eben auch nicht Leiharbeitsjobs etc. ).
Übrigens schliesst sich hier der Kreis auch zu den alleinerziehenden Müttern ( selbst Leyen hat das inhaliert) : speziell alleinerziehende Mütter haben grosse Probleme einen Vollzeitjob übernehmen weil keine Krippen/Kindergartenplätze für Kinder, Arbeitgeber zielen mit ihren Mini-jobs nur zu gern auf diese Gruppe … Und der circulus vitiosus dreht sich ( alleinerziehende kommen nicht aus dem Problem raus …)
Es sind grade diese Teufelskreise die das Schicksal von Hartz IV Empfängern bzw. von Armutsgruppen kennzeichnen.
Und sie müssen sich natürlich – wie jeder – die Frage gefallen lassen : Cui bono , also: “laufe ich mit meiner argumentation absichtlich & zielgerichtet in eine Richtung, in der ich Sachverhalte zuungunsten anderer ausblende”. Ich denke sie verstehen …
Was H. Spreng angestossen hat mit “Respekt vor Lebensleistung von Menschen die nun in/an der Armutsgrenze leben” ist genau dieses solidarische Verstehen der Teufelskreise in die diese Menschen hineingeraten sind und so einfach und ohne die Solidarität der Gesellschaft nicht wieder entkommen.

28) Peter I., Samstag, 25. Dezember 2010, 16:43 Uhr

Es ist wichtig und richtig, auch den Hartz-IV Empfängern mal ein paar nette Worte zukommen zu lassen. Wenn man einmal das Medienspektakel, nicht nur diesen Jahres zurück verfolgt, wo diese Bevölkerungsschicht immer wieder stigmatisiert worden ist, halte ich das schon für angebracht.

Im Übrigen sollte nicht vergessen werden, dass wir seit nahezu 20 Jahren mit der Massenarbeitslosigkeit zu kämpfen haben. Unterm Strich hat sich auch daran nichts geändert. Oder habe ich etwas verpasst. Ferner sei darauf hingewiesen, dass die Hartz-IV Gesetzgebung der Auslöser für die Einführung des größten Niedriglohnsektors in Europa war. Der Ex-Buka Schröder hat das in Davos 2004 ausdrücklich in seiner Rede betont.

Interessant wird es aber erst dann, wenn man sich die Entwicklung des Volksvermögens seit dem Jahr 1991 bis zum Jahr 2009 verfolgt. Fündig wird man auf Seite 39 einer Publikation des Finanzministeriums: http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_618/DE/BMF__Startseite/Service/Broschueren__Bestellservice/Steuern/20250__Datensammlung__zur__Steuerpolitik__2010,templateId=raw,property=publicationFile.pdf

Massenarbeitslosigkeit und Hartz-IV ist demzufolge ein Bombengeschäft, wenn man sich diese Entwicklung einmal verinnerlicht. Im Übrigen zahlt der Steuerzahler auch noch jährlich ca. 12 Milliarden Euro an Unternehmenssubventionen für Eingliederungsmaßnahmen; mehr somit als für die reinen Hartz-IV Sätze.

Diese ganzen Diskussionen sind dementsprechend abscheulich, weil die harten Fakten immer wieder ausgeblendet werden. Aber es ist offensichtlich, dass sich der Mittelstand sehr gut instrumentalisieren lässt, Die Oberschicht lenkt und die Mittelschicht glaubt zu wissen, dass die Unterschicht ihnen die sauer verdienten Steuern Steuergelder aus den Taschen saugt. Das ist leider ein Trugschluss. Die Mittelschicht zahlt die Zeche, die die Oberschicht nicht zahlen möchte. Massenarbeitslosigkeit und Hartz-IV wären kein Thema, wenn es ausreichend gut bezahlte Arbeitsplätze geben würde. Aber wie gesagt. Das Vermögen muss ja wachsen und nicht wieder schrumpfen. Dann doch lieber unter staatlichen Rettungsschirmen zocken.

29) Frank Reichelt, Samstag, 25. Dezember 2010, 17:47 Uhr

Amüsant zu beobachten, wie Ihr es Euch sogar an Weihnachten ordentlich gebt! Schon mal was von Besinnlichkeit gehört?
Normalerweise zofft man sich doch Weihnachten innerhalb der Familie über Nichtigkeiten, Ihr scheint diesbezüglich nicht ausgelastet zu sein.
Ich persönlich werde mich erst nächstes Jahr wieder so richtig aufregen, Frohe Weihnachten!

30) Mathilde, Samstag, 25. Dezember 2010, 18:51 Uhr

Ich hab mein Weihnachten mit Obdachlosen verbracht… weiter runter geht´s ja nicht mehr und was die im tägliche Überlebenskampf “leisten”, ist schier unbeschreiblich.

Respekt hat im übrigen jeder verdient, wir sollten endlich aufhören, Menschen danach zu beurteilen, was sie leisten.

Ich selber bin arbeitslos (aber noch ALG 1) und hab Weihnachten ehrenamtlich gearbeitet…. wie passt das denn in das Weltbild mancher hier…..

31) Don Corleone, Samstag, 25. Dezember 2010, 18:52 Uhr

Fröhliche Weihnachten, Herr Spreng!
Ihre Seitenhiebe gegen Thilo Sarrazin, die nicht minder ahnungslos erscheinen wie jene von Frau Merkel, Herrn Wulff et al., offenbaren leider, dass Sie sein Buch ebensowenig gelesen haben wie diese eilfertigen Zensoren.
Vielleicht finden Sie in der stillen Zeit des Jahres ein wenig Zeit, die offensichtlich überfällige Lektüre nachzuholen. Dann mögen Sie sich damit auseinandersetzen, am besten hier und ein wenig ins bislang unwidersprochene Detail gehen. Aber pauschal-diffuse Anwürfe, die Sie Ihren Lesern quasi im Vorübergehen gönnen, und keineswegs zum ersten Mal, sind unter Ihrem Niveau.
Seien Sie bitte so freundlich, uns wissen zu lassen, worin der Hugenotte Ihrer Ansicht nach irrt. Meine Wenigkeit, seit Mitte September im Besitz von “Deutschland schafft sich ab”, sieht Sarrazin täglich mehr durch die Realität bestätigt.

32) StefanP, Samstag, 25. Dezember 2010, 19:10 Uhr

@marcpool
@Doktor Hong und andere

Jetzt muss ich mich echt kurz fassen, weil ich sonst nicht fertig werde. Also:

“Ihre Meinung – beruht sicher auf ein …” Soweit ich keine Vorurteile haben möchte (möchte ich nicht), beruht eine Meinung auf den mir zur Verfügung stehenden Informationen und der Gewichtung von Fakten nach meinem Wertesystem. Mein Wertesystem ist aufgrund Erziehung, Erfahrung und ethischen Überzeugungen gebildet – wie bei jedem anderen auch.

“Würde Ihnen gerne empfehlen mal einen Monat – in einer Art Selbstkasteiung ” mit dem Regelsatz auszukommen”

Trösten Sie sich: ich habe während meines Studiums viele Jahre mit weniger Geld gelebt – ohne zu hungern, ohne auf alles verzichten zu müssen. Ich habe in einer sehr einfachen Studentenbude gehaust ohne jeden Luxus. Ich weiß, was es heißt, wenig Geld zu haben.

Lieber Herr Doktor Hong, wen jemand mit einer Behauptung kommt, die er gelesen hat und dann etwas völlig anders erzählt, wie soll man das nett ausdrücken? Faul, dumm usw. sind nach meinem Verständnis dagegen Begriffe, die man nicht klassifizieren kann: wann ist jemand faul, wann dumm? Wenn jemand aber objektiv etwas Falsches sagt, dann lässt sich nicht mehr viel diskutieren.

“Nur das Menschenbild, das Sie haben,(..)” Das Sie nicht kennen können. Hat jemand ein gutes Menschenbild, der Nachsicht für jeden hat, der Geld in Robin-Hood-Manier verteilen will (von anderen Leuten) ein gutes Menschenbild? Lösen wir uns bitte von solchen Begriffen, das sozialistische Menschenbild ist nicht besser als die konservative oder liberale Einstellung. Es ist einfach das: eine Einstellung.

33) StefanP, Samstag, 25. Dezember 2010, 19:33 Uhr

@Rhein Sieg

Selbstkritik ist nach innen bezogen, also kein Anlass für einen öffentlichen Striptease. Deswegen hatte ich das auch nicht von Ihnen verlangt.

“Dass ich (und offenbar nicht nur ich) zur Schlussfolgerung komme, als würden SIE HARTZ IV-Beziehern pauschal unterstellen faul/arbeitsunwillig zu sein…”

Aus welchem Teil Sie das herauslesen, erschließt sich mir nicht. Da möchte ich Sie bitten, konkreter zu werden. Übrigens: ich halte es für sehr schwer ja fast übermenschlich, nach 10 Jahren und mehr Arbeitslosigkeit noch Kraft und Motivation für eine ernsthafte Arbeitssuche aufzubringen. Er erwarte von niemanden Übermenschliches (mir soll allerdings niemand so etwas erzählen). Ich werfe niemanden vor, dass er nach mehr als 10 Jahren (und auch schon davor) keine Lust hat, auf eine für ihn aussichtslos erscheinende Suche zu gehen. Erstaunlicherweise meinen das ja gerade sehr gutwillig Denkende immer herauslesen zu können. Nein, mein Ansatz ist, wie in anderen Ländern auch zu verhindern, dass genau das passiert. Und da bin ich wiederum hart: da ist es besser, jemanden nach 12, 18 Monaten durch Zeitarbeit oder befristete Beschäftigungsverhältnisse wieder ins Erwerbsleben zu bringen als der fatalen Hoffnung anzuhängen, nach 24, 48 Monaten ginge es besser.

Nehmen wir mal die Schweiz, dort gibt es 3% und etwas Arbeitslosigkeit und mehr Arbeitssuchende als offene Stellen. dennoch gibt es praktisch keine Langzeitarbeitslosigkeit und kein Schweizer käme auf die absurde Idee, die Arbeitslosen könnten ja gar keine Stelle finden. Wie jeder Markt ist auch der Arbeitsmarkt dynamisch, da geht es rein und raus. Niemand ist davor gefeit, arbeitslos zu werden. Nur wenn jemand den Zugang nicht mehr findet, muss er sich irgendwann fragen, wo seine Verantwortung liegt.

“Ansonsten wollen Sie hoffentlich nicht bestreiten, dass der hiesige Niedriglohnsektor insbesondere durch HARTZ IV und dessen rigiden Sanktionspraxis massiv befördert wurde ”

Ein unheimlich populäres Argument, nur mit wenig Substanz. Deutschland hat viele hochqualifizierte Menschen und eine breite Planax an sehr gut ausgebildeten Fachkräften. Erstaunlicherweise hat Deutschland allerdings auch mit den höchsten Anteil an Geringqualifizierten. Das sind Erwerbsfähige, die im internationalen Begriff über den primären Bildungssektor sind hinausgekommen sind. In Deutschland als entweder keine Berufsausbildung oder Hauptschulabschluss besitzen. Inzwischen weiß hoffentlich jeder, dass mit diesen Bildungsvorraussetzungen kaum jemand sich noch dauerhaft im Erwerbsleben halten kann. In Deutschland sind das 17 Prozent, im Gegensatz zum OECD-Trend in der letzten Dekade auf 18 Prozent bei den Schulabgängern gewachsen.

Die Frage an jeden, der das obrige Argument verwendet: was soll jemand verdienen, der, wie wissenschaftliche Messungen ergeben haben, über kaum einen höheren Sprachschatz und Mathematikkenntnisse als ein Grundschüler verfügt? Dieses knappe Fünftel der Gesellschaft wird keine großen Einkommensaussichten besitzen, das ist schlicht die Wahrheit.

Ich war in letzter Zeit öfters in Osteuropa. In Riga treffen Sie problemlos viele junge Leute, die sehr gut ausgebildet sind, nicht hinter Deutschen zurückstehen und als Webdesigner, Marketingfachmann, Verwaltungsfachfrau gerade 40-60 Prozent eines vergleichbaren deutschen Mitarbeiters verdienen. Das ist der Vergleich und es geht nicht darum, ob man das richtig oder falsch findet.

34) Cornelia Beck, Samstag, 25. Dezember 2010, 19:35 Uhr

Ein Einwurf am Rande: Ich war mit 20 Jahren Mutter eines Sohnes, alleinerziehend, ohne Ausbildung, ohne Wohnung, ohne Geld. Eigentlich ein Fall fürs “Amt” – und zwar dauerhauft.
Trotzdem wurde ich nie auf dem Amt vorstellig, sondern begann mein Leben in die Hand zu nehmen. Ich suchte eine Betreuung für mein Kind, begann ein Studium (das ich erfolgreich abschloss) und finanzierte mich vollständig selbst, indem ich alle möglichen Jobs annahm. Ich erinnere mich sehr gut an diese entbehrungsreichen Jahre am Rande der Armutsgrenze oder auch darunter. Es gab Winter, da war ich finanziell nicht in der Lage mir Winterschuhe zu kaufen, die fürs Kind bekam ich geschenkt. Aus dieser Notlage heraus wuchs mein Ehrgeiz dieser Armut zu entkommen und ich schaffte es – aber nicht mit Sozialhilfe, sondern mit harter Arbeit und eisernem Willen. Das betrachte ich als meine Leistung ( ich sage nicht “Lebensleistung “- ich bin erst 40) . Natürlich hätte ich auch Sozialhilfe bekommen, aber ob ich dann so weit gekommen wäre? Ich bezweifle das.
Was ich damit sagen möchte ist Folgendes: um aus der Armut herauszukommen, bedarf es eigenen Antriebs. Wer den nicht hat, der bleibt in seiner Armut sitzen und mit Verlaub, davor habe ich keinen Respekt.
(Und noch etwas: das Baby von damals machte in diesem Jahr als bester seines Jahrgangs das Abitur und studiert inzwischen. Alleinerziehend zu sein ist eben kein Synonym für Bildungsarmut)

35) StefanP, Samstag, 25. Dezember 2010, 19:38 Uhr

@Sin

Rhein Sieg hatte behauptet, 1,4 Millionen Aufstocker könnten von ihrem Lohn nicht leben. Warum sagt er das, weil er beeindrucken will, aufmerksam machen auf einen großen Missstand. Nur ist das völlig falsch, schließlich reden wir nicht von 1,4 Millionen Menschen, die trotz Vollzeitarbeit nicht ausreichend verdienen, sondern von weniger als 300.000. Was ist daran unterirrdisch? Warum nennen Sie nicht die verteilten Informationsfetzen mit falschem Ergebnis unterirrdisch?

Würden Sie mit Kraftausdrücken hantieren, wenn ich Ihnen gegenübersitze. Nein, hoffentlich nicht und zu recht fühlen sich die meisten Menschen von so einem Verhalten abgestoßen. Es ist einfach kein zivilisierter noch demokratischer Umgang miteinander. Und Frauen mit Stil kann man damit auch nicht beeindrucken. ;-)

36) StefanP, Samstag, 25. Dezember 2010, 19:53 Uhr

@mee

Leider kommen Sie nicht gerade mit einer geballten Ladung fundierter Argumente:

“Was fehlt sind zum einen Vollzeitjobs zu einem fairen Stundenlohn für diese Menschen ( und eben nicht die bei Arbeitgebern beliebten so beliebten Mini Jobs, und eben auch nicht Leiharbeitsjobs etc. ).”

Sie meinen, Arbeitgeber wären Schuld, dass viele der Aufstocker nur Teilzeit arbeiten? Das DIW hatte vor zwei Jahren untersucht, wie sich diese Gruppe zusammensetzt und vieviel sie genau arbeiten. Ergebnis: völlig überraschend verdienen diese Menschen im Zuverdienst genau soviel, dass sie die Sozialversicherungsuntergrenzen nicht erreichen. Das ist eine meßbare Schwelle. Das hat nichts mit Arbeitgebern zu tun, das hat damit zu tun, dass auch ein Hartz-IV-Empfänger rechnen kann (was kaum verwerflich ist).

In Deutschland gibt es ein einseitiges Recht, dass ein Arbeitnehmer auf Antrag seine Arbeitszeit verkürzen kann. Arbeitgeber haben dieses Recht nicht, sie können nur vorab einen Vertrag auf bestimmte Zeiten begrenzen. Ihre Kritik kann sich somit nur an Neueinstellungen der letzten 7 Jahre richten, dabei dachte ich, Hartz-IV-Empfänger hätten zuvor viele Jahre gearbeitet?

Bitte wagen Sie sich doch mal an die Frage heran, warum es soviele Alleinerziehende gibt gerade trotz dem extrem hohen Armutsrisiko. Und wagen Sie einen Erklärungsversuch, warum seltsamerweise in Ostdeutschland viel mehr Frauen alleinerziehend sind.

Die 10 Gebote fordern die Achtung der Eltern durch die Kinder. Warum? Weil Eltern ihre Kinder groß ziehen, sie pflegen, umsorgen, erziehen für sie aufkommen. Das ist eine einseitige Anerkennung für eine Leistung. Kulturell finden wir diesen Bezug auch beim Muttertag oder Vatertag. Herr Spreng sprach von der Anerkennung der Leistung der Hartz-IV-Empfänger, leider hat sich in diesem Jahr keiner zuerst für die Anerkennung der Leistung der vielen Steuer- und Beitragszahler eingesetzt. Muss das nicht an erster, zweiter und dritter Stelle kommen. Ich möchte keine besondere Anerkennung dafür, dass ich tue, was selbstverständlich ist: gut verdienen, meinen selbstverständlichen Verpflichtungen nachkommen, für meine Familie sorgen und ordentlich Steuern zahlen. Dann stößt es mir aber besonders auf, wenn Anerkennung für jene eingefordert wird, die genau das nicht tun.

37) Recht Unbedeutend, Samstag, 25. Dezember 2010, 20:31 Uhr

So anregend Herr P. für die Diskussion ist, so sinnlos, da in sich widersprüchlich, sind seine Beiträge. Ich wünsche allen frohe Weihnachten (Herr Wulff darf das nicht mehr, er muß von jahreszeitlichen Feiern reden), und ich wünsche uns allen und Herrn Spreng, daß er sich mit dem Begriff “Troll” mal auseinandersetzt. Um einen solchen handelt es sich nämlich mMn bei StefanP.

Armut hat es übrigens schon immer gegeben, Armut in Würde ist allerdings die Ausnahme – Diogenes läßt grüßen. Die Alimentierung der Schwachen gilt der Beruhigung des eigenen Gewissens und der Befriedung des gesellschaftlichen Lebens. Eine Reduzierung der eigenen Gewissensregungen und eine stärkere Bewehrung der durch Unfrieden wirtschaftlich bedrohten Gruppen kann zum gleichen Ziel führen. Und jetzt raten wir alle mal, was passiert, zwischen SUVs mit Batterieantrieb aus “seltenen Erden”, und den “Sicherheitsmännern” am Eingang der “Malls”. Es grüßt heute ausnahmsweise “recht herzlich” – R.U.

38) M.M., Samstag, 25. Dezember 2010, 23:14 Uhr

@Frank Reichelt
So besinnlich wie beim ZDF? Papst ohne Ton!

39) Alex, Sonntag, 26. Dezember 2010, 02:31 Uhr

Es ist wohl eher umgekehrt. Jede politische Diskussion, die über ALG2 geht, wird abgewürgt, weil politisch unkorrekt.

Lassen Sie mich einfach mal Egoist sein.
Ich bin ledig, habe einen Sachbearbeiterjob, bin ein Mann, Deutscher und bin in die nächste Umgebung meines Jobs gezogen. Ich bin wegen Jobs umgezogen, nehme Rücksicht auf Kinder im Kollegenkreis und habe Kleinkinder in der Mietwohnung über mir erlebt. Ich spende ein paar Mal im Jahr und feiere dieses Jahr wegen des Wetters Weihnachten allein. Ich habe auch jede Menge Bewerbungen geschrieben, von denen eine angenommen wurde.

Ich bin so wenig zu unterstützende MInderheit, dass ich wohl durchs Raster falle…

Ich war dieses Jahr allein zu Weihnachten, Herr Spreng, das waren sie hoffentlich nicht, das waren die meisten ALG2 Empfänger nicht. Ich hatte weniger Geschenke als jedes Hartz4-Kind. Einfach nur, weil ich für mein Geld arbeiten gehe.

Sie haben einfach nur den ganz normalen Menschen vergessen

Sorry für die Polemik, aber in der Weihnachtsnacht muss man mal auskotzen.

40) Tharben, Sonntag, 26. Dezember 2010, 11:49 Uhr

Weia. Herr Spreng macht sich immer unbeliebter bei den Neocons. Andererseits treibt das den Kommentarzähler nach oben. Allerdings: Wer will solche Kommentare lesen? Halten Sie durch, Herr Spreng.

41) Drumhead, Sonntag, 26. Dezember 2010, 13:00 Uhr

Man muss es mit der Veropferung der Gesellschaft auch nicht übertreiben. Würde und Respekt verdienen alle, und ich kann nicht erkennen, dass diese Gesellschaft kalt und herzlos über Schicksale hinweggeht. Es wird gespendet, es wird Sozialarbeit in beachtlichem Ausmaß betrieben und es gibt kaum noch eine Debatte, in der Hartz-IV-Bezieher nicht berücksichtigt würden. Ich habe auch schon auf der Straße gesessen nach einer Betriebspleite, und ich will dafür keinen Respekt. Vielleicht braucht mancher in dieser Situation Ermutigung oder Anschub. Aber es ist schon ein wenig schräg, wenn man sich davor verneigen sollte. Das klingt mir alles ein wenig Sozial-Romantik eines Gutsituierten mit schlechtem Gewissen. Auch Migrant-Sein ist kein Schicksal, vor dem einen die Rührung packen müsste. Da wir hier nicht über Flüchtlinge oder Asylanten reden, sondern über Einwanderer, die freiwillig hierher kommen, sollten wir hoffen, dass sie hier die Chancen bekommen, die sie sich vorgestellt haben – zu ihrem, wie unserem Vorteil. Und den harten, radikal-islamischen Kern sollte man ebenso klar benennen dürfen. Die friedlichen Muslime müssen sich gegen die Radikalen in ihrer Mitte wehren. Eher als wir. Da sehe ich recht wenig Bewegung.

42) höllenhund, Sonntag, 26. Dezember 2010, 15:29 Uhr

Ihr redet und redet und schlagt aufeinander ein–wartet ein wenig , vielleicht schafft ihr es auch bald in Hartz 4 und dann auch ohne Bezüge ,weil kein Geld mehr da ist

43) Dierke, Sonntag, 26. Dezember 2010, 16:52 Uhr

@ Don Corleone

Der Kommentar ist ganz auf meiner Linie, seitdem ich die besinnliche und schneereiche Weihnachtszeit nutze, um “Deutschland schafft sich ab” von Sarrazin zu lesen. Mit seiner vorschnellen Verurteilung des Buches hat sich Wulff selbst disqualifiziert. In die Geschichtsbücher gehört er sicherlich nicht. Eigentlich war er schon als Ministerpräsident von Niedersachsen “überfordert” ! Ob er nun zu Hartz IV etwas sagt oder nicht, ist in den Augen der meisten Bundesbürger genauso überflüssig wie seine ganze Weihnachtsansprache !!

44) Barönchen von der Kleinegg, Sonntag, 26. Dezember 2010, 20:08 Uhr

@Stefan P. “Man” kann Sie nicht wirklich ernst nehmen
@Spreng Der Ansatz ist gelungen. Mein Kompliment.

Frohe Weihnachten

45) heat2wave, Montag, 27. Dezember 2010, 18:50 Uhr

@Stefan P.: Sie versuchen Leute, die sich schlafend stellen, zu wecken. Das ist vergebliche Mühe. Ich bewundere Ihre klare, vernünftige, belegbare Argumentation. Die Schreihälse und Besserwisser, die Ihnen so vehement und aggressiv widersprechen, haben noch nie ein gesellschaftliches Problem gelöst. Respekt vor Ihrem Mut und Ihrem Fachwissen!

46) Peter Christian Nowak, Montag, 27. Dezember 2010, 20:08 Uhr

@heat2wave

^<Respekt vor Ihrem Mut und Ihrem Fachwissen<

Die Beiträge von @stefan P. strotzen nur so von Verallgemeinerungen und tumben Diffamierungen. Und Sie sprechen von Fachwissen? Der Herr hat noch nie etwas von Differenzierungen gehört, geschweige denn, daß er differenziert denken kann! Den kann man nicht ernst nehmen. Daher lohnt es sich nicht über seine Schreibe nachzudenken; es sei denn, man würde sich über solche Zeitgenossen lustig machen dürfen. Aber da hat Herr Spreng was dagegen…daher…sei´s drum.

47) armerMoldavier, Montag, 27. Dezember 2010, 20:50 Uhr

Würde Herr Spreng sich die Mühe machen seine Logfiles hier zu lesen, es erstaunte mich nicht, wenn etliche “SchreiberInnen” eine identische IP haben.

Warum kommt mir nun PI in den Sinn? *grübel*

48) Peter Christian Nowak, Montag, 27. Dezember 2010, 21:28 Uhr

@Cornelia Beck
<Was ich damit sagen möchte ist Folgendes: um aus der Armut herauszukommen, bedarf es eigenen Antriebs. Wer den nicht hat, der bleibt in seiner Armut sitzen und mit Verlaub, davor habe ich keinen Respekt.<

Schön, daß Sie es geschafft haben. Und ich füge hinzu: Die Kraft, die Sie hierzu bekamen, verdient sicherlich auch Ihrerseits ein hörbares "Danke" an Ihren Schöpfer, falls Sie an den glauben. Sie sollten aber bedenken, daß es Menschen gibt, die sich genauso anstrengen, aber scheitern; aus den verschiedensten Ursachen. Es ist eben so, daß Menschen unterschiedlich stark mit Fähigkeiten ausgestattet sind. Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht das Selbe. Man wird zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
Es stellt sich also die Frage, inwieweit eine Gesellschaft Menschen "ertragen" kann, die nicht so leistungsfähig sind. Schon im Januar 2008 konnte Heitmeyer bei der Vorstellung der “Deutschen Zustände – Folge 6″ feststellen, dass mit dem Wandel von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft eine Ökonomisierung des Sozialen mit negativen Folgen für “Überflüssige” und “Nutzlose” einhergehe.

Nun kommt es darauf an, ob wir eine rein utilitaristische Gesellschaft sein wollen, in der der Mensch lediglich nach ökonomischen Maßstäben bewertet wird, oder ob wir auch Fehlleistungen diesbezüglich kompensieren können. "Einer trage des Anderen Last" – heißt es im Neuen Testament. Das Bild des Homo Oeconomicus aber, der wirtschaftlich bewertete Mensch, macht den Menschen zu einem an die Interessen der Wirtschaft angepasstes, dressiertes Individuum. UtilitaristischeThesen wie beispielsweise die Sloterdijks macht eine "rohe Bürgerlichkeit" sichtbar, die sich Freiheit ganz eigensinnig buchstabiert: "Der Sozialstaat ist tot, es lebe die Gesellschaft der Reichen, die auch ab und an mal was spenden".
Die angesprochene Rohheit zeichnet sich dadurch aus, dass es infolge von ökonomischen wie gesellschaftlichen Kriseneffekten offenbar deutliche Hinweise auf eine "entsicherte wie entkultivierte Bürgerlichkeit" gibt, die auch über "angeblich liberale Tages- und Wochenzeitungen" verbreitet wird. Die neue Formel des Abbaus von sozialstaatlichem Anrecht auf Unterstützung laute: Gnade durch Wohlhabende und Selbstverantwortung der sozial Schwachen. Genau das predigt Sloterdijk.

Während ihrer sieben Jahre in der Regierung betrieb die Sozialdemokratie eine radikale Umverteilung von unten nach oben. Um zeitweilig bis zu 26 Milliarden Euro jährlich senkte die Schröder-Regierung die Steuerlast für Konzerne, Kapitalgesellschaften und Besserverdiener, während sie gleichzeitig die Unterstützungsleistungen für Arbeitslose zusammenstrich… Parallel dazu betrieb die Regierung eine Lohnsenkung auf breiter Front. Die Arbeitsmarktreformen bis Hartz IV waren der Einstieg in den von vielen neoliberalen Okonomen – von Sinn bis Hüther – gepriesenen Hungerlohnsektor.
Gleichzeitig wird die Umverteilung von unten nach oben fortgesetzt. Ganz nach dem Willen dieser Sloterdijks.
Wohlhabendere fühlen sich ungerecht behandelt – obwohl es eine Umverteilung von unten nach oben gebe. "Der semantische Klassenkampf von oben wird ungeniert offenbart", schreiben die Wissenschaftler. Zudem werten Höherverdienende Langzeitarbeitslose deutlich mehr ab, als Befragte in niedrigeren Einkommensgruppen dies tun.

Wer eine ökonomistische Sichtweise teilt, also Menschen nach ihrem Nutzen beurteilt, neigt nach meiner Wahrnehmung deutlich eher zur Abwertungen schwacher Gruppen. Der Zusammenhang ist bei denen besonders hoch, die sich selbst "oben" verorten, obwohl sie es real nicht sind!
Zivilisierte, tolerante, differenzierte Einstellungen in höheren Einkommensgruppen scheinen sich in unzivilisierte, intolerante Einstellungen zu wandeln.

Was sich bemerkbar macht ist eine Entwicklung, die man nicht für gutheißen kann: Ein Trend zur gesellschaftlichen Eugenik.

49) deraxel, Dienstag, 28. Dezember 2010, 02:25 Uhr

@StefanP: bin ihrer meinung…

50) StefanP, Dienstag, 28. Dezember 2010, 09:25 Uhr

@Peter Christian Nowak

Herr Spreng hat verallgemeinert, in dem er Respekt und vor allem Anerkennung für alle Hartz-IV-Empfänger eingefordert hat. Natürlich wird, wenn man über eine soziologisch oder sozial abgrenzbare Gruppe mit bestimmten Merkmalen diskutiert wird, nicht nach “dem und dem” individualisiert.

Hier hat zum Beispiel auch eine sehr beachtenswerte Alleinerziehende anschaulich ihre Entwicklung geschildert. Nur zählt sie weder zu den allleinerziehenden Hartz-IV-Empfängerinnen und in der Armutsfalle scheint sie auch nicht mehr zu sitzen. Hier ist das angebracht, was Herr Spreng einforderte, aller höchsten Respekt, wenn wir die Geschichte auch nicht nachprüfen können. Nur ist das nicht die Normalität, rund 90 Prozent der Alleinerziehenden landen im Armutsbereich und davon der wesentliche Teil in H4. Folglich müssen wir vor allem über die 90 Prozent sprechen und den Ausnahmefällen sagen: a la bonheur.

Ich pamp’ nicht jeden an, der nicht sehr respektabel von mir schreibt. Halten Sie es umgekehrt doch auch so. Stil ist etwas Wunderbares!

P.S.: Wenn man genau sagt, wo ich (in Relation zum Leitbeitrag) zu sehr verallgmeinert habe, bin ich bereit mich damit auseinanderzusetzen.

51) StefanP, Dienstag, 28. Dezember 2010, 09:41 Uhr

@Peter Christian Nowak

Warum schreiben Sie eigentlich einen so langen Beitrag am Thema vorbei? Sie behaupten in Penetranz die angebliche Umverteilung von Unten nach Oben. Dazu müsste es erst mal etwas von unten nach oben zu verteilen geben. Gleichzeitig wird aber kritisiert, “die unten” hätten nichts. Kann man einem nackten Mann in die Tasche greifen? Und wie verträgt sich das mit der weiter zugenommenen Konzentration der Einkommensteuer auf die oberen 20 Prozent der Einkommenspyramide – selbst wenn sich angeblich dort welche rausnehmen?

Im Jahre 1975 – Willy Brandt war gerade als Kanzler abgelöst worden – betrugen die Unternehmenssteuern (Corporate Taxes) 1,5% des BIP. Im Jahre 2000, also kurz vor der behaupteten Entlastung, waren es 1,8%. Im Jahre 2006 waren es …. na wieviel? 2,1%, tolle Entlastung!
http://www.oecd.org/dataoecd/48/27/41498733.pdf

Zudem: 2000 war eine Höchstbelastung der deutschen Steuer- und Beitragszahler. Danach gab es eine Absenkung für alle, denn ständig den Zugriff des Staates steigern, geht auch nicht. Soviel zu den Fakten, von denen Sie ja angeblich immer gerne hören möchten.

52) Benjamin, Dienstag, 28. Dezember 2010, 11:53 Uhr

“Ein Trend zur gesellschaftlichen Eugenik” – das klingt erst einmal sehr hart, ich würde es auch anders umschreiben, aber der Sachverhalt scheint seit Sarrazin nicht mehr ganz falsch. Der Soziologe Michael Hartmann, der hauptsächlich Eliteforschung betreibt, hat letztens noch auf neuere Studien verwiesen, wonach sich die Einstellung gerade von Personen in oberen Einkommensgruppen aufgrund der Krise der letzten beiden Jahre auch gegenüber sozial schwächeren Gruppen verschlechtert hat, man sei auch insgesamt intoleranter geworden (siehe Einstellung zur Migration). Eine Gesellschaft zeigt ihre Stärke auch im Umgang mit denen, den es aus welchen Gründen auch immer (auf die teilweise sehr polemischen Pauschalurteile manch anderer hier lohnt es sich nicht einzugehen).schlechter geht. Es gibt immer eine Hol- und eine Bringschuld und man muss seine Mitmenschen nicht mögen. Eine moderne Gesellschaft sollte sich aber sehr davor hüten, die Menschen in nützlich und (sagen wir es vorsichtig) weniger nützlich zu unterteilen. Die gesellschaftliche Stimmung scheint sich aber dem Wetter anzupassen…

53) dissenter, Dienstag, 28. Dezember 2010, 20:23 Uhr

@StefanP.:

Sie verschweigen, dass die veranlagte (!) Einkommensteuer, die tendenziell bei den oberen Zehntausend erhoben wird, nur rund ein Zehntel des gesamten Steueraufkommens ausmacht. Den Löwenanteil des Steueraufkommens bringen Umsatz- und Verbrauchssteuern, die von jedem zu zahlen sind, unabhängig von Einkommen und Vermögen. Sie suggerieren, dass “die oberen 20 Prozent der Einkommenspyramide” im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen den bei Weitem größten Beitrag zur Finanzierung des Staates leiste und dringend entlastet werden müsse. Sie vergessen dabei, dass unser Steuersystem u.a. auf dem Prinzip der Besteuerung nach Leistungsfähigkeit beruht, wovon Sie offenbar weg wollen.

Daher werfen Sie Nebelkerzen wie den “Anteil der Unternehmenssteuern am BIP” zwischen 1975 und 2000. Tststs…

54) Dr. Dr. Joachim Seeger, Mittwoch, 29. Dezember 2010, 16:13 Uhr

Wulffals Multi-Kulti-Präsident!

Christian Wulff verleugnet seine Herkunft. Viele traditionelle CDU-Wähler rücken von dieser extravaganten Persönlichkeit ab, die vehement die “bunte Republik” fordert. Dieses tut Wulff, um mit den Stimmen von SPD, FDP, den Grünen und sogar der Linkspartei wiedergewählt zu werden. Wulff ist ein großer Opportunist und Heuchler, denn er ist machtbesessen. Er möchte natürlich auf jeden Fall wiedergewählt werden. Er würde sich selbst von Kommunisten wählen lassen, davon bin ich überzeugt. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Mann in fünf Jahren haushoch abgewählt würde. Wulff ist ein Präsident, der wenig Sympathie in der Bevölkerung genießt. Würde die Wahl des Bundespräsidenten direkt vom Volk durchgeführt werden, wäre dieser Mann niemals gewählt worden.
Dr. Dr. Joachim Seeger, Recklinghausen

55) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 29. Dezember 2010, 18:35 Uhr

@mee

“Die Frage, die sich mir bei Ihrem Beitrag stellt: fühlen Sie sich eigentlich irgendwie besser als diese Menschen ? Glauben Sie mehr geleistet zu haben, weil Sie nicht zu dieser Gruppe gehören ?”

Die Frage ist berechtigt. Die Antwort blieb @stefanp. schuldig, bzw. da kam nur heiße Luft. Mit Leuten zu diskutieren, die nicht gebildet genug sind, um in einem solchen Forum mitzuhalten, ist gleich den Perlen, die man vor die Säue wirft: Verlorene Zeit. Leider dürfen diese Zeitgenossen auch noch zur Wahl gehen! Da kann ich nur noch schmunzeln (grins).
Herr Stefan P. wird sich an den Gedanken gewöhnen müssen, daß er sehr bald mehr Einkommenssteuer zahlen wird (falls er überhaupt Arbeit hat, außer hier zu bloggen), weil der Staat, die Länder und Kommunen so gut wie pleite sind, und weil unbedingt die Regelsätze den Vorgaben des BvfG steigen müssen (und nicht nur um magere 5 Euro); spätestens nach Wiedervorlage der Klage in Karlsruhe. Im übrigen halte ich eine deftige Erhöhung der Einkommenssteuer gerade für Gutverdiener, Spitzenverdiener für längst überfällig und die Bundesregierung mit Sicherheit auch. Das Einnahmeproblem in diesem Lande ist einfach erdrückend. Die Abschlagssteuer von 25% für Zocker ist einfach nur lächerlich klein. Auch da kann der Staat ordentlich zugreifen.

Und so müssen so uneinsichtige Zeitgenossen wie Herr Stefan P. zu ihrem Glück gezwungen werden, damit sie endlich das Teilen von Besitz lernen. Somit wird nachgeholt, was Eltern versäumt haben ihren Sprößlingen beizubringen. Allen, denen das nicht passt, können das Land verlassen.

Das Absingen schmutziger Lieder durch Solidaritäsflüchtlinge wäre ausnahmsweise mal erlaubt.

56) Recht Unbedeutend, Donnerstag, 30. Dezember 2010, 03:06 Uhr

@ Peter Christian Nowak, Montag, 27. Dezember 2010, 21:28 Uhr
Touché. Sehr gelungene Darstellung in meinen Augen. Was Sloterdijk angeht, würde ich mir die Frage stellen, ob er einschlägige Forderungen stellt, oder nur vordenkt und beschreibt. Ich habe ihn bisher eher als Analysten erlebt, aber in der Frage fehlt mir der literarische Hintergrund, sehen Sie mir das bitte nach.
Lustig ist nur, daß die abgelesenen Texte von Wulff, wahrscheinlich sowieso inklusive der “Botschaft” komplett von einer Honorarkraft ohne jegliches politische Mandat verfaßt, von einem Geist der Erkenntnis aber so gar nichts spüren lassen. Bei der Enke-Grabrede habe ich noch traurig genickt zu seinen Worten, inzwischen tut es mir fast Leid, ihm jemals zugehört zu haben.

57) StefanP, Donnerstag, 30. Dezember 2010, 09:31 Uhr

@Peter Christian Nowak

Nun, Mee scheint verstanden oder zumindest akzeptiert zu haben, warum ich auf persönliche Fragen nach der Motivation nicht reagieren. Wenn man so richtig zählt, scheinen Sie hier mit der Top-Blogger zu haben und nach Ihrer Wertung damit der Top-Arbeitslose. Macht ja nichts, das entzieht Ihnen ja nicht das Recht Ihre Meinung kundzutun.

Ahnung zu haben setzt voraus, lesen zu können. Das Bundesverfassungsgericht hat im Urteil explizit an mehreren Stellen betont, dass der Urteilsspruch nicht (!!!) bedeutet, der Regelsatz sei zu niedrig. Die Richter haben nur die Ermittlungsform kritisiert. Theoretisch hätte man auch zu einer Kürzung von 5 EUR kommen können.

Die Einkommensteuer steigt jedes Jahr und zwar für diejenigen, die sich zuvor angestrengt haben und eine Lohnerhöhung bekommen. Die Gerechtigkeitsvorstellungen der Linken sind seltsam: Mit Verve wird ein regelmäßiger Inflationsausgleich für Sozialhilfeempfänger gefordert (der sogar im wesentlichen gewährt wird) um im gleichen Atemzug einen Inflationsausgleich für die Steuerzahler (auch und gerade für mittlere und obere Einkommen) rundherum abzulehnt. Man möchte ein und die selbe Sache unterschiedlich behandelt wissen.

Sorgen Sie sich nicht: wenn der deutsche Steuerstaat zu gierig wird, werden gerade obere Einkommensbezieher wissen, wie sie ihre Steuerlast selbst regulieren. Das hat noch immer funktioniert und geht heute auf Wegen, dass weder der deutsche Michel noch der Bundesfinanzminister das überhaupt mitbekommen. Kleine persönliche Anmerkung: als schönes Weihnachtsgeschenk habe ich im Dezember einen schönen hohen Betrag kassiert, völlig einkommensteuer- und sozialabgabenfrei.

Ein Staat, der eine Schicht, die noch nicht mal zu den wirklich Bedürftigsten zählt, derart pampert wie in Deutschland, stellt sich selbst in Frage. Wer einerseits die Erzieherin oder die Krankenschwester, die morgens um 6 Uhr durch meterhohe Schneeberge stapfen müssen, voll zur Ader lässt und gleichzeitig zulässt, dass andere um die Zeit bequem auf Staatskosten im Bett schlummern bis der (nein, nicht der Wecker) Fernseher ruft, statt in kleinem Umfang öffentliche Aufgaben zu übernehmen, büßt sehr viel Akzeptanz ein. Der Staat hat eine Schutzfunktion (vor Ausbeutung der Fleißigen durch die Müßiggänger) als auch eine Servicefunktion (Bereitstellung öffentlicher Leistungen wie Schneedienste) gegenüber denjenigen, die ihn überhaupt bezahlen.

Das wird leider allzuoft vergessen.

58) nurmalso, Donnerstag, 30. Dezember 2010, 13:44 Uhr

sehr schön. die saat unserer politkasperköpfe ist aufgegangen.
hartz IV bezieher gegen den rest. der rest gegen die hartz IV bezieher und irgendwie alle gegen die rentner. riesige rettungsschirme für banken und ganze staaten, kein geld für die bildung, aber das gemeine volk zerfleischt sich wegen 5 euros bei hartz IV und gönnt dem gegenüber die butter auf dem brot nicht.
klappt doch hervorragend.

59) albertus28, Donnerstag, 30. Dezember 2010, 16:04 Uhr

Lieber Herr Spreng,

sorry,aber auf so eine Idee muß man erst noch kommen:
Der Bundespräsident bedankt sich bei den Haert IV -Bezieher
Dieser Einfall wäre eines Mario Bartsch oder Cindy von Marzahn wüdig.

Wenn sich jemand bedanken muß,dann doch die Mitarbeiter der Arge bei den HartzIV-Leuten ,weil diese sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten in Treue fest zu ihnen stehen und sich durch nichts und niemanden von der Arge trenen lassen;schon gar nicht durch Arbeit.
Und die Arbeitsplätze der Arge-Mitarbeiter von Kleinsten und Gemeinsten bis hinauf zum Kapitän sichern für viele lange Jahre.

60) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 30. Dezember 2010, 20:48 Uhr

@Recht Unbedeutend

Mag sein, daß Sloterdijk ein Analyst ist – sofern man das aus der ZDF-Sendung „Das Philosophische Quartett“ überhaupt entnehmen kann . Andererseits sollte man, wenn man ihn aus einem anderen Blickwinkel beurteilen will, seine Tätigkeiten außerhalb seiner philosophischen Arbeit betrachten.
Sloterdijk sieht sich offenbar dazu berufen, seine politischen Erkenntnisse und die daraus resultierenden Schlußfolgerungen aus den Erfahrungen mit einer angeblichen Philosophie zu verbinden. Im Fall des Falles würde er sicherlich mit Kant und seinem Kategorischen Imperativ in Kollision kommen, würde er sich der Semantik bedienen, die er sich in bestimmten Fragen in gesellschaftlicher Hinsicht erlaubt. Hier ist er allemal einem Gunnar Heinsohn näher – und seinen kruden Vorstellungen einer „Aufartung“ des deutschen Volkes; obwohl der Soziologe Heinsohn mit Philosophie kaum in Verbindung zu bringen ist.
Außerhalb seiner Tätigkeit in Karlsruhe (Philosophische Fakultät) engagiert sich S.im neoliberal geprägten Panel des „Frankfurter Zukunftsrates“.Ein relativ neues unternehmensnahes Expertengremium, das Reformvorschläge für Deutschland erarbeiten soll..Gegründet hat es der Historiker Manfred Pohl, der früher für alle Stiftungsaktivitäten der Deutschen Bank verantwortlich war. Der Zukunftsrat soll Deutschland auf „Reformkurs“ bringen und zunächst zu folgenden drei Themen arbeiten: Erziehung und Bildung, Integration und Migration sowie Wirtschaft und Politik. „Es muss ein Ruck durch das Volk gehen“, forderte Pohl laut Medienberichten – und verweist damit auf die Ruck-Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Dieser ist seit 2003 die Galionsfigur des “Konvents für Deutschland” (Propagandainstitut für neoliberale Ideologie, den Pohl mit dem ehemaligen BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel und dem Unternehmensberater Roland Berger ins Leben gerufen hatte
Die Arbeitsgruppe zu Wirtschaft und Politik leitet der ehemalige Grüne und Politikberater Oswald Metzger, der ebenfalls für den Konvent für Deutschland und die Arbeitgeber-Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) aktiv ist. Er machte die Richtung klar: die Hartz IV-Empfänger sollten nicht im Focus des politischen Interesses stehen. Metzger beklagte stattdessen, dass das CDU-Konzept einer „Gesundheitsprämie“ als Kopfpauschale verunglimpft werde, und sprach laut Welt von dringenden Problemen wie steigenden Lohnnebenkosten. Dabei hatte damals das Statistische Bundesamt gerade sinkende Lohnnebenkosten für 2007 vermeldet. (Das liegt an den gesunkenen Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung, weil die große Koalition den Überschuss der Bundesagentur für Arbeit lieber an die Einzahler zurückzahlt als an der prekären Lage vieler Hartz IV-Empfänger etwas zu ändern – aber wer will es schon so genau nehmen?)
Der Konvent für Deutschland spricht sich explizit für die Einführung des Mehrheitswahlrechtes aus,gemeinsam mit dem „Frankfurter Zukunftsrat“. Offensichtlich kann sich Herr Sloterdijk für dieses Projekt zwar nicht aus philosophischen, sondern aus rein persönlicher, politischer Überzeugung erwärmen. Das nunmehr 5-Parteiensystem scheint den Neoliberalen ein Dorn im Auge, und die Linke der eigentliche Stein des Anstosses dieser Idee gewesen zu sein.
Was noch wichtig wäre zu wissen: Der Konvent für Deutschland tritt öffentlich als unabhängiges Beratergremium für die Politik auf. In Realität ist es eine elitäre, unternehmensnahe Lobbygruppe, die für einen schlanken, wettbewerbsorientierten Staat eintritt, für mehr Ungleichheit und bessere Möglichkeiten, unpopuläre Reformen wie das Zurückschrauben von Sozialsystemen durchzusetzen. Auch dafür kann sich offenbar Herr Sloterdijk erwärmen.

61) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 30. Dezember 2010, 21:00 Uhr

@nurmalso

Ich gebe Ihnen Recht. Aber Zerwürfnisse sind dem System immanent: Neoliberalismus spielt die Schwachen gegen die Starken aus. Wenn die sich untereinander zerrieben haben, haben die da oben freie Hand.

62) Werner Müller, Freitag, 31. Dezember 2010, 03:50 Uhr

Ich habe Mitleid mit Hartzern, die unverschuldet dort gelandet sind, und sich aus eigener Kraft nicht aus diesem Zustand befreien konnten!

Manch einer jedoch hat es sich als “Transferopfer” bequem gemacht, und andere wiederum kommen (teilw. ungesetzlich) nur deswegen nach Deutschland, weil die deutsche Politik Anreize setzt, eher Kinder zu gebären, als zu arbeiten.

So schreibt die Bild-Zeitung: http://www.bild.de/BILD/politik/2010/11/23/migranten-und-hartz-iv/statistik-90-prozent-der-libanesen-kriegen-geld-vom-amt.html

oder hier: http://www.bild.de/BILD/regional/berlin/aktuell/2010/12/17/loewenzahn-schule-in-neukoelln/berlins-erste-schule-an-der-alle-eltern-vom-staat-unterstuetzt-werden.html

Tja, FAKTEN! Die passen vielleicht nicht jedem/-r in sein/ihr Weltbild, aber “Weggucken” ändert auch nichts an der Realität!

63) Xpomul, Freitag, 31. Dezember 2010, 12:29 Uhr

Zitat von Beitrag Stefan P.:
Rechnen wir bitte mal kurz nach, so kommen wir zu dem Ergebnis, dass weniger als 300.000 abhängige Erwerbstätige von ihrem Lohn nicht leben können – von 36 Millionen abhängig Beschäftigten. Das sind weniger als 1%, wo nach Ihrer Diktion Arbeitgeber so niedrige Löhne zahlen, das jemand davon nicht leben kann. Wahrlich, ein grandioses Problem!
http://www.arbeitsagentur.de/nn_216654/Navigation/zentral/Veroeffentlichungen/Statistik/Statistik-Nav.html

Da ich Ihnen nach der gemachten Erfahrung nicht zutraue, die Stelle unfallfrei zu finden: gehen Sie bitte auf Seite 22/23.
Zitatende

1. Welche Statistik ist von Wahrheit geprägt ?
Sicherlich nicht die der Agentur.

2. Genau hier ist die Arroganz und die Ignoranz, nicht nur von ihnen Stefan P.:
” … da ich Ihnen nach der gemachten Erfahrung nicht zutraue, die Stelle unfallfrei zu finden: gehen Sie bitte …”
Welche Überhebichkeit reitet sie und nicht nur sie ?
Ein gewisses Niveau hätte ich schon vermutet nach ihrend doch sehr langen Absonderungen.
Schade das es so peinlich wurde und bei genauem Lesen ist es leider auch nur peinlich was von ihnen postuliert wird.

Frohes Fest und hoffen sie und die anderen Erwerbstätigen nie unter Hartz IV zu kommen.
Sie würden sich wundern und verwundert die Äuglein reiben ob des Erwachens.

P.S.:
Woher die Agentur es so genau weiß das es lediglich 300.000 sind würde mich schon interessieren.
Jedoch.
Das Röslein würde auch dies Werk verfälschen und manipulieren.
Sie hat es ja gelernt und es bleibt in der Familie.
Als Tochter ist sie jedenfalls grandios.

64) Homo politicus, Freitag, 31. Dezember 2010, 13:07 Uhr

Zum Glück haben wir die BILD, in der unvoreingenommen, objektiv und seriös FAKTEN präsentiert werden – ohne Sensationslust und Polemik, dafür mit netten Bildern…

Ironiemodus aus und guten Rutsch.

65) StefanP, Freitag, 31. Dezember 2010, 17:59 Uhr

@Xpomul

Tja, das ist so eine Sache mit der Statistikgläubigkeit. Rhein Sieg war sich nicht zu schade, die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zu bemühen, um 1,4 Millionen Aufstocker zu identifizieren. Nun sagen Sie, die Statistik ist im Zweifel gefälscht. Warum haben Sie sich nicht vor über einer Woche eingeklingt und Herrn Rhein Sieg das gesagt? Jedenfalls, wer die 1,4 Millionen glaubt, muss auch die 300.000 glauben. So einfach ist das.

66) Recht Unbedeutend, Samstag, 01. Januar 2011, 17:26 Uhr

@ Peter Christian Nowak, Donnerstag, 30. Dezember 2010, 20:48 Uhr

Vielen Dank für ihre ausführliche Antwort. Sie sehen mich beschämt – ich war trotz allem zu naiv.

67) Peter Christian Nowak, Sonntag, 02. Januar 2011, 19:37 Uhr

Gern geschehen. Allen ein gesundes, ein glückliches Jahr 2011!

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