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Was sich Wulff nicht traut

Bundespräsident Christian Wulff hat eine schöne Weihnachtsansprache gehalten. Befreit vom präsidialer Steifheit, stehend vor Menschen, die sich im Ehrenamt verdient gemacht haben. Das ist sicher lobenswert, genauso wie sein Grundthema: Anerkennung, Respekt.

Leider hat Wulff beim Respekt eine Gruppe vergessen, die Hartz-IV-Empfänger. Wann erweist endlich einmal ein Präsident ihnen Respekt? Respekt vor ihrer Lebensleistung, bevor sie arbeitslos wurden, Respekt vor dem täglichen (Über-) Lebenskampf, Respekt davor, dass sie sich die Finger wundschreiben mit ihren erfolglosen Bewerbungen, Respekt vor ihrer Würde, vor ihren Leistungen bei der Erziehung ihrer Kinder, insbesondere Respekt vor den alleinerziehenden Müttern?

Wir haben uns daran gewöhnt, Hartz-IV-Empfänger nur noch als teure und lästige Transferempfänger zu sehen und richten den Fokus auf die Antriebslosen, die sich mit ihrem Schicksal resginiert abgefunden haben oder auf diejenigen, die den Sozialstaat ausnutzen. Das aber ist nur eine Minderheit, genauso wie die Integrationsverweigerer nur eine Minderheit der Migranten sind.

Die Hartz-IV-Empfänger gehören genauso wie die muslimischen Zuwanderer zu den Verlierern des Jahres. Die einen stigmatisiert durch die Diskussion um die Erhöhung der Regelsätze (Warum sollen wir denen auch noch Geld für Alkohol und Zigaretten geben?), die anderen durch das Buch von Thilo Sarrazin, die Medienkampagnen und die Diskussion darüber. Zum Islam und zu den Zuwanderern hat Wulff  Richtungsweisendes gesagt, mit dem er sich schon heute für die Geschichtsbücher qualifiziert hat.

An den Respekt vor den Hartz-IV-Empfängern hat sich Wulff nicht herangetraut. Das scheint ihm offenbar zu unpopulär. Schade.