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Verstörende Autogrammwünsche

Zu meinen verstörendsten Erlebnissen gehören Autogrammwünsche. Solche Ansinnen sind einem Journalisten völlig fremd. Zu meiner Zeit als Edmunds Stoibers Wahlkampfmanager kamen fast täglich Anfragen nach einem Foto mit Autogramm – mit frankierter Rückantwort.

Meine Mitarbeiter rieten mir, Autogrammkarten drucken zu lassen. In diese Falle ging ich allerdings nicht. Dies wäre mir in der CDU/CSU als beginnende Hybris ausgelegt worden. Meist hielt ich es so wie auch noch heute, wenn nach einer Talkshow gelegentlich Sammler-Anfragen kommen: ich schreibe einen freundlichen Absagebrief, in dem ich darlege, dass ich für Autogrammwünsche nicht wichtig genug bin. So kommt der Empfänger wenigstens zu meiner Unterschrift.

Noch verstörender war 2002 der CSU-Aschermittwoch in Passau: dutzende Besucher wollten meine Unterschrift auf dem „Bayernkurier“. 

Einen besonderen Fan hatte ich in meiner Stoiber-Zeit auch: eine Frau schickte mir wunderbare selbstgefertigte, edelholzumhüllte Füllfederhalter und Kugelschreiber. Ich besitze sie noch heute. Die freundliche Dame erhielt eine Einladung zum Wahlabend ins Adenauer-Haus, der aber bekanntermaßen nach Stoibers voreiligem Ausruf „Ich werde heute ein Glas Sekt öffnen“ auch für sie enttäuschend endete.