Sonntag, 09. Januar 2011, 13:56 Uhr

Die große Koalition lässt grüßen

Das neue Jahr ist  jetzt gut  eine Woche alt, die Feiertagspause vorbei, der politische Betrieb wieder angelaufen. Zeit für einen Formcheck: Wie gehen die Parteien ins Superwahljahr 2011?

Das spannendste Stück führt zurzeit „Die Linke“ auf: Wie mache ich aus einer bundesweit erfolgreichen Partei wieder eine ostdeutsche Regionalpartei? Darauf muss man erst einmal kommen: zu Beginn eines Jahres mit vier Wahlen in westlichen Bundesländern eine Debatte über die „Wege zum Kommunismus“ anzuzetteln. Und das zu einer Zeit, in der es um die neuen Hartz-IV-Sätze und die Bildungschanchen armer Kinder geht. Realitätsferne und völlige Abgehobenheit von den Wählerinteressen ist auch ein linkes Phänomen. 

Sektierer aller Länder, vereinigt Euch! Wege zum Kommunismus suchen – und das mit einer Ex-Terroristin, die immer noch Gewalt zumindest gegen Sachen befürwortet, und der Chefin eines stalinistischen Splittervereins. Gesine Lötzsch hat eindeutig die „Saure Himbeere“ der deutschen Politik verdient. Allerdings nicht nur sie allein: auch ihr Co-Vorsitzender Klaus Ernst (das ist der, der ein besonders inniges Verhältnis zum Geld hat) wirkt tatkräftig daran mit, die Linkspartei wieder schrumpfen zu lassen. Und die Feiglinge im Osten, die sich nicht trauen, die Parteiführung hinwegzufegen, weil sie Angst haben, am Ende den schwarzen Peter für die Wahlniederlagen zu bekommen.

Die Linkspartei wird wegen ihrer Stärke im Osten so schnell nicht untergehen, aber sie entfernt sich mit rasender Geschwindigkeit immer weiter aus dem Kreis der ernstzunehmenden und bündnisfähigen Parteien. Lötzsch und andere gehören zu den von Lenin beschriebenen „nützlichen Idioten“, die der anderen Seite in die Hände arbeiten.

Ihren Umfragenzenit überschritten haben wohl auch die Grünen. Die Grünen waren die Themenritter des Herbstes 2010. Kaum sind die Themen Atom und „Stuttgart 21“ verblasst, verblassen auch ihre Umfragezahlen. Es war eben kein Aufstieg, der mit eigener Leistung unterfüttert war. Und in der aktuellen Dioxin-Debatte hört man von der Parteiführung erstaunlich wenig, nur eine einsamer NRW-Umweltminister hält die grüne Fahne hoch.

Die Umfragezahlen für die Grünen sind zwar immer noch sensationell hoch, aber die Tendenz ist eindeutig. In Baden-Württemberg könnte es am Ende für Grün-Rot doch nicht reichen. Aber immerhin winken in Hamburg und Rheinland-Pfalz neue Regierungsbeteiligungen. Und in Berlin ist es zumindest immer noch spannend.

Am stärksten konsolidiert hat sich erstaunerlicherweise die CDU/CSU. Ostentative Geschlossenheit, das Streicheln der konservativen Seele, ein eindeutiges Feindbild (die „Dagegen-Partei“ Grüne) haben ehemalige CDU/CSU-Wähler wieder mit der Partei versöhnt und aus dem Verweigerungsschlaf geweckt. In Baden-Württemberg ist wieder ein Ergebnis über 40 Prozent drin. Allerdings muss die CDU zuvor erst einmal die Niederlagen in Hamburg und Rheinland-Pfalz verdauen. Außerdem nützen der CDU die besten Ergebnisse nichts, solange die FDP weiter so gnadenlos abschmiert.

Die SPD wird nach Hamburg glauben, sie sei wieder da. Das wird aber die Scheinkonsolidierung einer nach wie vor orientierungslosen Partei. Die Ernüchterung wird schon in Sachsen-Anhalt und –  trotz eines Erfolges in Rheinland-Pfalz – in Baden-Württemberg schnell wieder folgen.

Zu Beginn des Jahres 2011 scheint festzustehen: die bürgerliche Mehrheit  bei der Bundestagswahl war ein absoluter Ausnahmefall, jetzt kehrt wieder die Normalität ein – die Normalität, dass es weder eine bürgerliche noch eine linke Mehrheit gibt (zumindest keine realisierbare). Große Koalitionen lassen wieder grüßen – in Baden-Württemberg und 2013 auch auf Bundesebene.

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41 Kommentare

1) zrendavir, Sonntag, 09. Januar 2011, 14:16 Uhr

Herr Spreng,
sowohl Sie als auch der Spiegelfechter scheinen in Rheinland-Pfalz die rot-gelbe Option gar nicht in Betracht zu ziehen, obwohl diese Konstellation über Jahre hinweg die Regierung gebildet hat.
http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinland-Pfalz#Landtagswahlen

Auch wenn angesichts der Umfragewerte rot-grün wesentlich wahrscheinlicher ist als rot-gelb, so wäre das doch nicht vollkommen ausgeschlossen. Lindner und andere junge FDPler sprechen davon, dass sich die FDP nicht nur auf die Union versteifen sollte und die SPD könnte damit Wähler der Mitte locken, indem sie mit so einer Koalition ihre Absage an Rot-grün-rot deutlich macht.
Würden Sie das für denkbar halten?

2) Cato, Sonntag, 09. Januar 2011, 15:16 Uhr

Die BRD Parteien: Armutszeugnisse auf allen Ebenen. Warum? Weil in diesem Land keine Wahrheit
mehr besteht, die Parteien sind käuflich, die Politikaster sind Schaumschläger, es bestimmt die
Oligarchie wo’s lang geht! Die Linke: Selbstaufgabe. SPD: Richtungslos. Grüne: Verrat an den
Grundprinzipien. Schwarz: Ferngesteuert durch Ackermann &Co. Der Bürger: hilflos weil ahnungs-
los. Stuttgart 21: DAS Beispiel wie Manipulation wirkt! Wenn 40 Jahre politischer Schmalhans
Küchenmeister ist darf man sich nicht wundern wenn sich keiner mehr erinnert wie gut die Mahlzeit
Soziale Marktwirtschaft schmeckt!
Aber: Die kommende Zeche wird noch bezahlt werden! Ob den Bankstern und Kunden dann noch
der lb. Gott helfen wird ist fraglich!

3) Chat Atkins, Sonntag, 09. Januar 2011, 15:31 Uhr

Tscha – bei emnid legen die Grünen justamäng wieder zu. Ebenso die CDU – aber beide nur um gerade mal ein Prozent. Mir scheinen die Verhältnisse seit dem November ziemlich versteinert – rotgrün bzw. grünrot weit vorn, Linke bei zehn Prozent und SPD so bei 26 Prozent dümpelnd, FDP fast weg vom Fenster. Änderungen der Lage eher im homöopatischen Bereich …

4) armerMoldavier, Sonntag, 09. Januar 2011, 16:09 Uhr

Sehr geehrter Spreng.

Ob die „LINKEN“ oder „Piratenpartei“. Jeder gräbt sich sein Grab so gut er kann.

Was keinesfalls bedeutet, dass die anderen Parteien besser sind/sein können/sein wollen.

5) Tom Byron, Sonntag, 09. Januar 2011, 17:18 Uhr

Herr Spreng, können sie mir den Unterschied zwischen der Bürgerlichkeit von FDP und den Grünen erläutern? Ein Journalist ihres Kalibers sollte nicht das Wording Westerwelles und Merkels benutzen.

6) Frank Reichelt, Sonntag, 09. Januar 2011, 18:01 Uhr

Tja, scheinbar sind wir entgegen allen Prognosen von Journalisten und Politikwissenschaftlern wieder auf dem Weg zurück zum 3-Parteiensystem, CDU/CSU, SPD und GRÜNEN.

Die größte Partei ist ja nie im Bundestag vertreten, nämlich die Partei der Nichtwähler.

Sollten unsere Volksvertreter in 2011 da anknüpfen wo sie 2010 aufgehört haben, wird diese Partei weiter wachsen.
Der sogenannte Wutbürger wird seinem Unmut dann noch mehr als bei Stuttgart 21 auf der Straße Luft machen.

Landsleute, wir sehen herrlichen Zeiten entgegen!

7) JG, Sonntag, 09. Januar 2011, 18:45 Uhr

Die Grünen würde ich – bei aller Abneigung – nicht so schnell abschreiben, die Krise der CDU nicht so rasch für überwunden halten, nur weil Umfragezahlen mal ein wenig weniger mies ausfallen – hatten nicht Sie, Herr Spreng, erst kürzlich konstatiert, die Partei sei „innerlich erloschen“?

Und die „Linke“ – braucht offenkundig sehr, sehr dringend einen Kommunikationsberater.

8) Charly Mehl, Sonntag, 09. Januar 2011, 19:03 Uhr

Hallo, Herr Spreng,

Sie schreiben „In Baden-Württemberg ist wieder ein Ergebnis über 40 Prozent drin. Allerdings muss die CDU ZUVOR erst einmal die Niederlagen in Hamburg und Rheinland-Pfalz verdauen.“; weiter unten heißt es: „Die SPD wird NACH Hamburg und Rheinland-Pfalz glauben, sie sei wieder da. … Die Ernüchterung wird in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg schnell wieder FOLGEN.“ Die von Ihnen formulierten Zeitbezüge vernebeln die folgende Tatsache: In Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg wird AM SELBEN TAG gewählt, nämlich am 27. März!

9) Peter Christian Nowak, Sonntag, 09. Januar 2011, 19:36 Uhr

Was hat Frau Lötzsch für ein Deifel geritten, daß die so einen Blödsinn macht!!!
Gerade die Menschen im Westen haben die Linke wegen ihrer Keynesianik in der Wirtschaftspolitik gewählt!
Natürlich weiß ich auch, daß es in der Linkspartei (auch im Westen) Vollidioten gibt – mit Verlaub, ich sag es einfach mal so deutlich, weil ich ungeheuer ärgerlich bin – die meinen, der Kommunismus sei die Alternative zum Kapitalismus derzeitiger Prägung. Wie heißt es doch so schön: Im Kapitalismus wird der Mensch durch den Menschen ausgebeutet, im Kommunismus ist es genau umgekehrt.
Auch wenn Frau Lötzsch nun sich zur Demokratie bekennt, wird die Tatsache, daß sie sich für das Thema Kommunismus hergegeben hat, für den Beobachter nicht zivilisierter sozusagen. Das hat auch mit Denkverboten nichts zu tun, Frau Lötzsch! Mit Sicherheit wäre das Thema „Antworten des John Maynard Keynes auf den heutigen globalisierten Kapitalismus“ beispielsweise fruchtbarer gewesen. Zu viele Menschen haben unter dem totalitären System des Kommunismus ihr Leben, ihre Freiheit, ihre Zukunft verloren! Das ist auch durch eine kritische Replik, wie Sie sie vielleicht versucht haben wollen, nicht wieder gut zu machen. Im übrigen, Sarrazin hat sich auch auf die Rede- und Denkfreiheit berufen.
Sarrazin, der Nationalsozialismus, der Kommunismus, alle drei haben eines gemeinsam: die Menschenverachtung!
Vielleicht taucht bald mal jemand auf, der meint, er müsse den Nationalsozialismus auf seine positiven Wirkungen auf die Gesellschaft untersuchen; schließlich habe der uns die Autobahnen beschert.
Also Leute, so geht´s wirklich nicht!

10) Peter Christian Nowak, Sonntag, 09. Januar 2011, 20:00 Uhr

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,738073,00.htmlr noch

11) m.spreng, Sonntag, 09. Januar 2011, 20:02 Uhr

@Charly Mehl

Stimmt, sie folgt am selben Abend. Ich ändere das und habe hoffentlich jetzt die Daten richtig sortiert.

12) PeterK, Sonntag, 09. Januar 2011, 20:57 Uhr

Da war es wieder, diese Unwort: bürgerliche Mehrheit
Vom Millionär bis zum Bettler, wir sind alle Bürger.

13) Dr. Dr. Joachim Seeger, Sonntag, 09. Januar 2011, 21:48 Uhr

SPD und Grüne gehen auf Distanz zur Linkspartei, nur weil Gesine Lötzsch über den Kommunismus philosophiert? Ich halte die Reaktion für überzogen. In der Demokratie hat jeder das Recht, über alles kritisch nachzudenken und zu reflektieren. Meint Frau Lötzsch letztlich den DDR-Kommunismus, der ja eigentlich ein Sozialismus war, denn die Endstufe(=klassenlose Gesellschaft) war ja noch nicht erreicht oder denkt sie an den Demokratischen Sozialismus? Schließlich bekennt sich die Dame ja zur Demokratie. Einige Sozialdemokraten (und Grüne)sind doch auch gar nicht so weit vom Demokratischen Sozialismus entfernt- also, was soll das Geschrei? Soll der Wähler hier getäuscht werden? Wenn linke Mehrheiten möglich sind, werden sie auch gemacht. Die Sozialdemokraten sind schließlich Opportunisten, da kann Gesine Lötzsch ruhig weiter vom Kommunismus träumen. Übrigens- Träume sind nicht verboten?

14) Hendrik, Sonntag, 09. Januar 2011, 22:36 Uhr

Yep…es sieht tatsächlich im Moment nach einer großen Koaltion aus für 2013.
Vielleicht kommt ja das Thema Grundeinkommen noch mehr in Fahrt bei den Grünen. Die BaWü-Grünen sind jedenfalls schon dafür: http://aktuelles.archiv-grundeinkommen.de/

15) Paul, Sonntag, 09. Januar 2011, 22:44 Uhr

„und das mit einer Ex-Terroristin, die immer noch Gewalt zumindest gegen Sachen befürwortet,“

Nun, wir haben doch gerade sogar eine Kanzlerin, die nicht nur Gewalt gegen Sachen, sondern auch gegen Menschen befürwortet:

http://www.faz.net/s/RubA24ECD630CAE40E483841DB7D16F4211/Doc~E2168624D1CC4483BA18863FF0D17DDD1~ATpl~Ecommon~Scontent.html

16) Manfred, Sonntag, 09. Januar 2011, 23:11 Uhr

Ich frage mich, wie solche Fehlurteile zustande kommen können…

Da Ulla Jelpke MdB Journalistin bei der jungen Welt ist, sollte man annhemen, dass es keinen Unterschied macht, wenn zur Abwechslung mal ein Text von Gesine Lötzsch dort erscheint, zumal in Zusammenhang mit der Veranstaltung, mit der die LINKE am ehesten in Verbindung gebracht wird, dem Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und dem Kongress dazu. Dass Inge Viet ebenfalls dort auf dem Podium sitzen wird, sollte beim Umgang der anderen Parteien mit Vorbestraften kein sonderliches Problem darstellen. Dass die Presse gezielt und mittels Sprachrohrmarionetten anderer Parteien über Lötzsch hergefallen ist, war also beiderseits (Parteien und Presse) kalkuliert. Zieht man noch in Betracht, dass das Wort „Kommunismus“ in erster Linie mit dem Kongresstitel in Verbindung stand und ansonsten nur die Rede vom demokratischen Sozialismus war, erkennt man, dass die Aufregung obendrein künstlich war. Besonders deutlich macht dies der SPAM-Beitrag bei SPIEGEL Online, die „10 Gründe, warum der Kommunismus schlecht für uns wäre“, die klarmachen, dass wir uns vielleicht mal ein paar Gedanken machen sollten über unser aktuelles desaströses Wirtschaftssystem und die maroden Parteien, die dies irrsinnigerweise nach wie vor promoten!

Das Problem an der LINKEN ist nicht, dass sie sich mit dem Kommunismus beschäftigt, denn wenn sie anerkanntermaßen die Partei des demokratischen Sozialismus ist, dann ist sie auch eine anerkannte kommunistische Partei, da der Sozialismus ja nichts weiter ist als der Name des Übergangszustands hin zum Kommunismus. Das Problem der LINKEN ist doch vielmehr, dass sie zurückzurudern versuchte, abwiegelte, beschwichtigte, versuchte, „die Wogen zu glätten“, statt auf diesen Wogen des Erfolgs zu surfen, sie abzureiten zum Erfolg beim Wähler als einzige Partei der Glaubwürdigkeit, der Ehrlichkeit, der Utopie bei gleichzeitig zielorientierter Umsetzungsstrategie. Das ist zu beklagen, denn die Chance ist vertan. Stattdessen kommen Geier wie Du, die sich über die Rest hermachen!

Wenn Du schon die „nützlichen Idioten“ bemühst, dann nenne bitte die richtigen, vor allem Frank-Walter Steinmeier und Gesine Lötzsch wg. des Zurückruderns, nicht wegen des Artikels!

17) Lars, Montag, 10. Januar 2011, 01:15 Uhr

@ PeterK
Vielen Dank. Ich kann das Wort auch nicht mehr hören.

18) Alvar Hanso, Montag, 10. Januar 2011, 03:00 Uhr

Um Himmels Willen, Lötzsch träumt von einer klassenlosen Gesellschaft.
Wie kanns sie es nur wagen damit die Herrlichkeit unseres gottgegebenen Gesellschaftssystems infrage zu stellen.
Schnell verbrennt sie, diese rote Hexe!
Und überhaupt, dass es nun seit mehreren Jahrhunderten parlamentarisch-„demokratischen“ Kapitalismus kontinuierlich zu „Krisen“, Ausbeutung und Unterdrückung und desöfteren auch zu massenweisen Mord kommt, ist vermutlich nur eine immerwiederkerende Abfolge dummer Zufälle welche mit der Logik des Kapitalismus selbst gar nichts zu tun haben.
Denn ein System, dessen oberstes Funktionsziel es ist, aus Geld mehr Geld zu machen, kann ja unmöglich menschenverachtend sein.

Von daher ist @Sprengs Empörung natürlich absolut berechtigt, denn es darf ja nicht sein, dass wir mal eine halbe Sekunde lang über die „Alternativlosigkeit“ der herrschenden Zustände reflektieren.
Es ist natürlich völlig abwegig, dass man ein todkrankes System – quasi von Geburt an – grundlegend heilt, nein, wir sollten doch lieber ein bisschen weisse Salbe der Marke „Keynes“ auf den fiebrigen Patienten schmieren, wie @Novak empfiehlt.

Und bloss keine Spur von Idealismus zeigen, wenn man bundespolitisch für „seriös“ gehalten werden will.
Nein, „ernstzunehmen“ sind bei uns sowieso nur Parteien oder Personen, die sich ganz offen als opportunistische, skrupelose und korruptionswillige Phrasendreschmaschinen und Handlanger deren geben, die bereits Macht und Geld haben. Also „alternativlose“ Status Quo Garanten.
Optimal wenn jene mit dekadenten Zynismus noch die Opfer der eigenen sachlichen Unfähigkeit ordentlich verhöhnen können.
Also z.B. „Öko-Pazifisten“ wie Joschka Fischer, der, kaum an der Macht, gleich fast alle Themen wessen die GRÜNEn sich einst gründeten und zum Großteil auch 1998 gewählt wurden, unter Angriffskriegen, dem verpatzen des Atomausstieges und sozialstaatskaputtreformieren beerdigte und sich heute als Polit-Berater ein goldenes Nässchen verdient.

Ernsthaft, wie soll denn aus diesem demokratischen Trümmerhaufen aus dem bereits wieder das braune Unkraut wuchert, etwas werden, wenn eine politische Kraft massenmedial nur dann wahrgenommen wird, wenn diese sich genauso undemokratisch und moralisch verkommen gebiert wie die anderen, vorhandenen auch?
Wir brauchen eine wirkliche Alternative und keine 5., 6. oder 7. Variante der Plutokratischen Einheitspartei Deutschland.
Ich möchte damit nicht die LINKE als derartige Alternative hochjubeln, im Gegenteil, die Tendenzen zur etablierten Systempartei, welche die Bürger genauso verrät wie die konservativere Polit-Konkurrenz, ist klar erkennbar.Tausche Grundrechte gegen Ministerposten. Siehe die rot-rote Regierung Berlins.
Nein, das existierende Politestablishment ist nicht Teil der Lösung unserer Probleme, sie IST Teil des Problems.
Gleiches gilt übrigens für die politische Berichterstattung der Massenmedien, welche jedweden vernünftigen Reformansatz noch in den Anfangen durch Manipulation oder einfach dumpfe Hetze unterbinden können.
Das Bashing von Menschen die sich trauen, idiotische Dogmen und gesellschaftlicher Denkverbote zu ignorieren, z.B. das böse „K“-Wort in den Mund nehmen, gehört da zweifelsfrei zu, lieber Herr Spreng.

19) marcpool, Montag, 10. Januar 2011, 06:46 Uhr

Ob diese „Konsolidierung“ der Union lange Bestand haben wird, wird sich noch zeigen. Die grundsaetzliche Stabilitaet der Parteien wird sich nicht daran messen lassen , wenn jede Woche andere Wasserstandsmeldungen kommen. Das “ waving “ im politischen Meer wird sich nach den Feiertagen des Jahreswechsel etc schon wieder bemerkbar machen. Es hilft der CDU auch alles nichts wenn die FDP ( richtigerweise ) nur noch da im Niemandsland duempelt. Und eine Zusammenarbeit mit den Gruenen wird auch dann nicht wahrscheinlicher wenn man sie stets und immer wieder als “ Dagegen “ Partei philosophiert. Auch die Union ist eine Dagegen Partei – in viel mehr Themen als ihr lieb sein kann !
Eine , in der Tendenz, freundlichere Umfrage fuer die Union wird auch nicht die bisherigen Schlechtigkeiten und Unfaehigkeiten der jetzigen Regierung in ihrer Amtszeit , beim Buerger einen konkreten Wandel zum Megaboom Ergebnis herstellen. Porzellan was zerschlagen ist bleibt auch nach bester Restaurierung rissig. Bei der FDP ist das ganze so zersplittert das es nicht mal mehr restaurierungsfaehig zu sein scheint. Der Schrei nach Lindner als Parteifuehrer zeigt das Ausmass- naemlich das der naechste Parteivorsitzende – nach ihm – dann bereits aus der Kita gesucht werden muss.

20) M.M., Montag, 10. Januar 2011, 08:26 Uhr

„Am stärksten konsolidiert hat sich erstaunerlicherweise die CDU/CSU. Ostentative Geschlossenheit, das Streicheln der konservativen Seele, ein eindeutiges Feindbild (die “Dagegen-Partei” Grüne) haben ehemalige CDU/CSU-Wähler wieder mit der Partei versöhnt und aus dem Verweigerungsschlaf geweckt.“

Es sind tausende CDU-Parteimitglieder erst augetreten um die CDU einigermassen wieder auf Kurs zu bringen. Das das mal nötig würde für „solche ehemalige Parteimitglieder“ ist wohl in dieser Partei einmalig. Und noch ist dieser Spuk nicht vorbei. Solange das PID-Thema nicht zu deren Zufriedenheit gelöst ist bleibt weiterhin die Möglichkeit einer eigenen „Gruppe“ die der CDU das verdeutlicht.

21) Tilman, Montag, 10. Januar 2011, 13:43 Uhr

Herr Spreng, sie waren doch auch schonmal „Wahlkämpfer“ für die Union, und da ich glaube dass dies ganz und gar nicht Ihr Niveau ist, würde ich mich über einen gesalzenen Kommentar bezüglich http://www.die-dagegen-partei.de/ freuen 🙂

22) Peter Christian Nowak, Montag, 10. Januar 2011, 19:41 Uhr

@Dr. Dr. Joachim Seeger,

Man fragt sich aber, bei allem Zugeständnis für Kritik, ob das Andenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, zu einem „Nachdenken“ über den Kommunismus lohnt. Einen Gefallen damit hat Frau Lötzsch ihrer Partei jedenfalls nicht getan. Die Patina der Altkommunisten – gleich welcher Herkunft – wird man so nicht los. Man spielt den Betonkopfradikalinskies des derzeitigen Kapitalismus lediglich in die Hände. Der Titel ihres Vortrages„Wege zum Kommunismus“ löst erhebliche Irritationen aus! Der DDR Kommunismus war keineswegs ein Demokratischer Sozialismus. Die klassenlose Gesellschaft war und bleibt Utopie.

23) Peter Christian Nowak, Montag, 10. Januar 2011, 20:05 Uhr

@ Alvar Hanso

Ok, dann schlagen Sie vor, wie Sie makroökonomisch vorgehen wollen, um Ihre Ideale umzusetzen.

24) Mirage, Montag, 10. Januar 2011, 22:58 Uhr

„Wege zum Kommunismus suchen – und das mit einer Ex-Terroristin, […]“

Lieber Herr Spreng,
ab wann wird man aus Ihrer Sicht zum „Ex-Terroristen“? 10 Jahre, 20 Jahre oder 30 Jahre nachdem man einen Menschen querschnittsgelähmt geschossen hat, ohne sich später vom Terrorismus zu distanzieren? Gibt es auch Ex-Mörder?

25) Nashwin Fuller, Dienstag, 11. Januar 2011, 09:20 Uhr

@Alvar Hanso

Es ist traurig, dass es nach den hunderten Millionen Toten, den zerstörten Gesellschaften und der ruinierten Umwelt, die Kommunismus und Sozialismus hinterlassen haben, immer noch Menschen wie Sie gibt, die glauben man müsse es nur noch einmal richtig versuchen.

Es war nicht die falsche Umsetzung, an der der Kommunismus gescheitert ist, sondern die Tatsache, dass Kommunismus und Sozialismus menschenverachtende Ideologien sind. Kommunismus kann nur unter Abschaffung der Menschen- und Freiheitsrechte der Bürger funktionieren.

Der „Weg zum Kommunismus“ führte nicht zufällig jedes Mal über eine despotische Diktatur, sondern es war die logische Konsequenz von „Vergemeinschaftung“ des Privateigentums, Planwirtschaft und Abschaffung individueller Entscheidungsfreiheit. Ein demokratischer Weg zum Kommunismus ist denkunmöglich. Er kann nur durch Zwang und Gewalt durchgesetzt werden.
Daher ist Kommunismus auch grundsätzlich als verfassungsfeindlich einzustufen.

Eine Frage noch:
Wo ist es Ihrer Meinung nach durch „“demokratischen“ Kapitalismus“ zu „massenweisen Mord“ gekommen?

26) Thomas B., Dienstag, 11. Januar 2011, 09:24 Uhr

Ein Artikel der mir gefällt.
Scheinbar hat acuh Ihnen, Herr Spreng, die Weihnachtspause gut getan.

Auf ein erfolgreiches Jahr 2011. Nicht nur für Parteien.

27) EStz, Dienstag, 11. Januar 2011, 16:53 Uhr

Gesine Lötzsch: „Die Wege des Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung.“

@Alvar Hanso
>>Um Himmels Willen, Lötzsch träumt von einer klassenlosen Gesellschaft.<<

Meine Töchter träumten im Kindergarten von einer Fee, die ihren Zauberstab schwingt, und wir haben den Weltfrieden. Geht intellektuell etwa in die gleiche Richtung. Nur, das meine Töchter inzwischen erwachsen geworden sind…

Wenn Sie schon den Himmel bemühen: Der liebe Gott hat die Menschen nicht alle gleich gemacht, sondern mit Unterschiedlichen Fähigkeiten, Kräften, Ehrgeiz und Intellekt ausgestattet (für letzteres ist Frau Lötzsch durchaus ein Beispiel). Daher kann es (ein Wille des Himmels, wenn Sie so wollen) keine klassenlose Gesellschaft geben.

28) StefanP, Mittwoch, 12. Januar 2011, 11:18 Uhr

Nun debattiert das Land über die rote Gefahr und den (Alp-)Traum vom Kommunismus, von dem trollende Parteimitglieder bei der Linken nicht lassen können. Innerhalb eines gesamten Jahrhundert konnte in keinem demokratischen Land der Sozialismus etabliert werden – erst recht nicht unter Berücksichtigung rechtsstaatlicher Prinzipien. Wenn auch immer wieder politische Theoretiker es suggerieren wollen: eine demokratischen Sozialismus gibt es nicht.

Damit sollte es eigentlich sein Bewenden haben, doch stattdessen muss ausgerechnet eine linke Parteivorsitzende die linksfaschistischen Spinnereien ein paar Vorvorvorgestriger befriedigen. Eine Bundestagspartei, die eine solche Person an ihrer Spitze hat, hat wirklich ein ernstes Problem. Wie ernst, zeigen die neuesten Umfragen. Die Wählerschaft der Linkspartei, sonst resistent gegen Angriffe der „Mainstream-Presse“ wendet sich mit Grausen von dem Slapstickladen eines von Gysi geschaffenen Sektiererexperiments. Nach einer Scheinblüte unter charismatischen Politikern droht der Rückfall in die politische Bedeutungslosigkeit.

Mit Scheinblüten haben linke Parteien ohnehin so ihre Erfahrungen. Aktuell sind die Grünen davon betroffen, die sich im Glanze von Umfrageergebnisse im politisch aufgeheiztem Herbst sonnten und nicht merkten, dass sie damit kein einziges Mandat hinzugewonnen hatten.

Die SPD sieht eine bundesweit ziemlich bedeutungslose Wahl im Norden als Aufbruch zur Regierungsübernahme in Berlin ohne zu merken, dass ihr Einfluss längst von der Gnade der Grünen abhängt, so wie es momentan der saarländische Landesverband vorführt.

Bei einer solchen Opposition kann sich Merkel noch einige Possen erlauben.

29) nurmalso, Mittwoch, 12. Januar 2011, 11:44 Uhr

nashwin fuller schrieb

> sondern die Tatsache, dass Kommunismus und Sozialismus menschenverachtende Ideologien sind.

da haben wir ja nochmal glück gehabt, dass wir in einer kapitalistischen gesellschaft leben. wo doch der kapitalismus (im gegensatz zu sozialismus und kommunismus) den menschen seiner selbst willen liebt. pure liebe, sage ich ihnen.

30) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 12. Januar 2011, 18:19 Uhr

Warum die etablierten Parteien von CDU bis Grüne die Probleme nicht lösen werden, war gestern im ZDF zu besichtigen. Da ging es um die sozialen Sicherungssysteme, und daß die arme kommende Generation leider den Vertrag mit den Alten aufkündigen müsse. Lauthals die Propaganda mit dem Slogan: „Wir brauchen die private Vorsorge!“
Da wurde das volle Programm der Volksverblödung geboten; und der Plot des Filmes war voller Widersprüche. Hab ich gelacht!
Und damit der Film nicht schallendes Gelächter oder Brechreiz auslöst, – die Gefahr bestand ja immerhin, ob der vielen inhaltlichen Widersprüche und der derzeitigen verkorksten Reformen und zwar auf allen Gebieten – hat das ZDF mit folgendem Spruch vorgebeugt:
Liebes Publikum, der Film soll euch Angst vor der Zukunft einflössen. Geht schnell zum Herrn Kaiser und schließt bei dem netten Herrn eiligst eure Riesterrente, private Zusatzkasse, Pflegekasse und dergleichen ab!
Also, dann hab ich mal geguckt, wer da der Autor von dem inhaltlich billigen Machwerk ist. Ah, ja…Aufstand der Alten hat der auch gemacht. Na ja…alles klar!
Nun hab ich drauf gewartet, daß wenigstens die Versicherungen im Nachspann genannt werden, die mit freundlicher Unterstützung zum Gelingen des Films finanziell beigetragen haben.
Aber Fehlanzeige.
Zu dieser Ehrlichkeit war das ZDF zu feige.
Liebes ZDF, das war ein Satz mit X, nämlich nix!
Schau´n mer mal, heute um 21.45h ARD: „Drückerkönig Machmeyer“
Wieder was zum Lachen! Schließlich ist Karneval.
Deshalb, egal wer dran ist…außer der Linkspartei vielleicht…

31) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 12. Januar 2011, 18:26 Uhr

@Stefa P.

Mann, das können Sie aber…Sie schlagen ja die reinsten verbalen Purzelbäume..
meine Verehrung!…

32) Alvar Hanso, Mittwoch, 12. Januar 2011, 20:30 Uhr

@Peter Christian Novak
„Ok, dann schlagen Sie vor, wie Sie makroökonomisch vorgehen wollen, um Ihre Ideale umzusetzen.“

Das Problem mit dem Keynesianismus ist, dass dieser die Probleme – die Zwangslaufig aus der Logik des Kapitalismus entstehen – nicht löst sondern nur deren Ausbruch zeitlich aufschiebt.
Und das auch wirklich nur, wenn er denn konsequent umgesetzt würde (v.a. die Rentier-Euthanasierung).
Derzeit sehe ich da keinerlei Chance für eine derartige Radikalität, die SPD hat ja bereits größte Probleme eine vergleichsweise poplige Vermögenssteuer auch nur in Erwägung zu ziehen.

Im Gegenteil, es ist zu erwarten, das eine „linke“-Regierung nach 2013 die begonnene Austeritätspolitik weiter fortsetzen wird und dem Status Quo der privilegierten Minderheit zu erhalten.
Die dann rechte Opposition wird damit keine Schwierigkeiten haben.

Und um das gegenüber den ohnehin wenig begüterter unteren 70% der Bevölkerung zu legitimieren wird man sich sozialdemokratischer Symbolpolitik (5% „Reichensteuer“ etc) bedienen und ja – vermutlich auch Keynes bemühen.
Um den „gerechten“ reformistischen Schein zu wahren und an die „guten alten Zeiten“ des Wirtschaftswunders anknüpfen zu können.

Nein, ich denke wenn wir „Keynesanismus“ erleben, dann als Bastard- oder Vulgärvariante die zwar das System selbst am Laufen hält, jedoch durch Ineffizienz und Überschuldung dem ganzen eine noch gefährlichere Dramatik gibt und die Fallhöhe weiter steigert.
Ich möchte weder wirtschaftsstimulierende „Friedenseinsätze“ unserer Armee, noch das Arbeitslose dazu gezwungen werden, Geldscheine ein- und wieder auszugraben, also sinn- und würdelose, ressourcenverschwendende Beschäftigung der Beschäftigung wegen um ja die bestehenden Dogmen und Herrschaftsstrukturen nicht aufgeben zu müssen.

Nein, also bevor ich anfange in der Wirtschaft herumzureformieren würde ich doch vorschlagen, zunächst einmal die politischen Apparate selbst derart umzubauen, dass diese dem Anspruch, demokratisch zu sein, auch wieder annähernd gerecht werden können.
Ansätze dazu gibt es einige, werden jedoch von dem herrschendem Politestablishment nach Kräften unterdrückt, da die m.E. notwendige Reformen direkt dazu führen müssten, ebenjenen Politfilz zu entmachten.
Erst danach besteht in meinen Augen überhaupt erst die Möglichkeit, sinnvolle Reformen – vorallem gegen „die Wirtschaft“ bzw. zu Lasten des oberen Zehntels der Bevölkerung, politisch bzw. gesellschaftlich durchzusetzen.
Konkret im Bereich Ökonomie (u.a.):
– Privatbanken die Geldschöpfung wegnehmen und jene durch eine „Monetative“ öffentlich-rechlich reorganisieren
– Maßnahmen um wirtschaftliche Machtkonzentration zu begrenzen oder besser komplett zu verhindern
– Aufbau und Stützung dezentraler und möglichst kleiner, autonomer Wirtschaftsstrukturen
– Förderung eines Wertewandels, v.a. abkehr von der kleingeistigen Raffmentalität und der „abstrakten Arbeit“ der Wertverwertung wegen (Wertschöpfung vor Geldschöpfung)
– Prioritätenverlagerung wirtschaftlicher Produktion von (geschaffener) Nachfrage hin zu (tatsächlichem) Bedarf

Also durchaus auch mit keynesianische Konzepten, jedoch mit dem klaren Ziel alternative Wirtschaftsformen aufzubauen und den Kapitalismus mittelfristig abzusetzen.

Wird nicht ganz einfach werden derartige Reformen durchzusetzen – m.E. können diese dem politischen System nur von aussen, in Form von Widerstand als Bürger und Konsument, aufgezwungen werden – ich denke aber dass das alles in allem machbar ist.

33) Nashwin Fuller, Donnerstag, 13. Januar 2011, 13:52 Uhr

@nurmalso

„da haben wir ja nochmal glück gehabt…“
Wir haben tatsächlich Glück gehabt, dass wir in einer (teil-)demokratischen und (teil-) kapitalistischen Gesellschaft leben und hier frei unsere Gedanken austauschen können.

„wo doch der kapitalismus (im gegensatz zu sozialismus und kommunismus) den menschen seiner selbst willen liebt.“
Die Beurteilung, wie etwas beschaffen ist, sollte doch nicht davon abhängen, wie etwas anderes beschaffen ist, oder?
Und wer behauptet oder erwartet, dass der Kapitalismus die Menschen ihrer selbst willen lieben muss??
Er lässt zumindest mal den Menschen ihre Freiheit. Der Sozialismus – konsequent zu Ende gedacht – tut das nicht.

34) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 13. Januar 2011, 16:49 Uhr

@Alvar Hanso

*Nein, also bevor ich anfange in der Wirtschaft herumzureformieren würde ich doch vorschlagen, zunächst einmal die politischen Apparate selbst derart umzubauen, dass diese dem Anspruch, demokratisch zu sein, auch wieder annähernd gerecht werden können.*

Stimme ich Ihnen gerne zu. Die Entflechtung von Politik und Wirtschaft ist längst überfällig. Ein Indiz dafür: Frau Merkel hat die Antikorruptionscharta der Vereinten Nationen NICHT unterschrieben.

*Ich möchte weder wirtschaftsstimulierende “Friedenseinsätze” unserer Armee, noch das Arbeitslose dazu gezwungen werden, Geldscheine ein- und wieder auszugraben, also sinn- und würdelose, ressourcenverschwendende Beschäftigung der Beschäftigung wegen um ja die bestehenden Dogmen und Herrschaftsstrukturen nicht aufgeben zu müssen. *

Richtig. Die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte von Leihrabeit, die Entwürdigung durch Hungerlöhne sind beides Folgen der Hartz-Reformen. Die Weiterbildungsmaßnahmen vielfach ineffektiv und darüber hinaus viel zu teuer, wie neuerliche Gutachten zeigen. Die Arbeitsmarktreformen, wie die Flexibilisierung der Leiharbeit z.B., waren und sind entwürdigend, weil sie zu einer systematischen Entrechtung der Freiheit für die Betroffenen führen. Auch eine Folge des Politfilzes, wie sie den unangemessenen Einfluß der Wirtschaft zu Recht nennen.

*- Aufbau und Stützung dezentraler und möglichst kleiner, autonomer Wirtschaftsstrukturen*

Da kann ich nur vermuten, was Sie gemeint haben könnten. Ich gehe davon aus, daß die Konzentration einzelner Wirtschaftsbereiche wie Energie z. B für die Explosion der Preise verantwortlich sind. Eine Zerschlagung dieser Konzerne ist dringend erforderlich; gebe aber zu, daß internationale Strombörsen bei der explosiven Preisentwicklung hier ihren Anteil haben. Hinzu kommt, wie kann es auch anders sein, der ostentative Einfluss der Energiekonzerne: Wenn deren Anwaltsbüros Partikularinterssen in Gesetzestexte hineinschreiben dürfen, diese Passus denn auch noch von der Kanzlerin abgesegnet und uneingeschränkt übernommen werden, ist das schlichtweg ein politischer Skandal. Siehe auch die Verkürzung der Brennelemente-Steuer zum Jahr 2016. Die restlichen 40 Jahre Laufzeitverlängerung der Meiler werden steuerlich nicht belastet.

*Privatbanken die Geldschöpfung wegnehmen und jene durch eine “Monetative” öffentlich-rechlich reorganisieren*

In diesem Kontext ist zu erwähnen, daß es gerade die Landesbanken sind, die von der Krise heftig getroffen wurden; noch nicht einmal so sehr die Sparkassen und Privatbanken im regulären Geschäft. In den Landesbanken saßen und sitzen Aufsichtsräte unter anderem aus der Politik, die der Gier der Vorstände vertraut und freien Lauf gelassen haben. Auch hier spielt Inkompetenz in Sachfragen und natürlich Politfilz eine Rolle.
Allerdings bin ich der Meinung, daß das Investmentgeschäft strikt vom regulären Bankgeschäft getrennt zu halten ist, und bin gleichzeitig für eine Erhöhung der Eigenkapitalquote zur Absicherung. Außerdem: Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren geht gar nicht! Banken, die unübersichtlich groß sind, und noch unübersichtlicheren Geschäften nachgehen, drohen nach einer Pleite volkswirtschaftlich gefährlich zu werden. Daher muß unbedingt für Transparenz gesorgt werden. Im Falle dessen, sollte man Banken derartiger Größenordnungen zerschlagen. Das gilt schon jetzt für die Energiekonzerne.

*Förderung eines Wertewandels, v.a. abkehr von der kleingeistigen Raffmentalität und der “abstrakten Arbeit” der Wertverwertung wegen (Wertschöpfung vor Geldschöpfung*

Ja, da bohren Sie dicke Bretter. In der Tat braucht es dringend einer Überprüfung der Werte mit kritischem Ausgang . Am Ende muß die Frage stehen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Hierzu gibt es zaghafte Ansätze.
Dass hier ein Bedarf besteht, ist unter anderen Vorzeichen im Stuttgart21-Streit deutlich geworden – und der anschließenden Geissler-Schlichtung.
Ich empfehle Ihnen aber, sich in diesem Zusammenhang mal die diesjährige Weltethos-Rede des britischen Bankenmanagers Stephen K. Green anzuhören vom 16. Dezember 2010. (findet man bei Google)

35) Alvar Hanso, Freitag, 14. Januar 2011, 04:57 Uhr

@Peter Christian Novak
*Richtig. Die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte von Leihrabeit, die Entwürdigung durch Hungerlöhne sind beides Folgen der Hartz-Reformen. Die Weiterbildungsmaßnahmen vielfach ineffektiv und darüber hinaus viel zu teuer, wie neuerliche Gutachten zeigen. Die Arbeitsmarktreformen, wie die Flexibilisierung der Leiharbeit z.B., waren und sind entwürdigend, weil sie zu einer systematischen Entrechtung der Freiheit für die Betroffenen führen. Auch eine Folge des Politfilzes, wie sie den unangemessenen Einfluß der Wirtschaft zu Recht nennen.*

Das meinte ich damit nicht primär.
Mir ging es um den Fetisch der Erwerbsarbeit, d.h. das Menschen Arbeitsleistung gege Bezahlung tauschen müssen, selbst wenn diese Arbeitsleistung objektiv sinnfrei oder gar gesellschaftsschädlich ist, oder deren Arbeitsleistung aufgrund vorhandener Produktivität überhaupt nicht nötig ist.
Die protestantisch geprägte „Begeisterung“ für das kapitalische Hamsterrad muss überwunden werden.
Es muss verstanden werden, dass Erwerbsarbeit nicht zwingend mit Wertschöpfung verbunden ist, ja m.E. sogar ein Großteil der heutigen „Jobs“ selbst gar keinen „Wohlstand“ mehr schafft, sondern bestehenden nur umverteilt, umverteilen muss weil die Logik des Systems dies erzwingt.
Dass ein abstrakter Marktpreis eben nicht wiedergibt, ob ein Mensch gemeinschaftsdienlich tätig ist oder nicht.
Dass wir gesellschaftlich Millionen Stunden wertvoller Lebenszeit für die Reproduktion des kapitalistischen Systems SELBST verschwenden, nicht für uns selbst.
Dass Kapitalismus selbst also ein im höchsten Maße ineffizientes System ist, gemessen an der Lebensqualität; nicht bei der Erzeugung gigantischer Waren- und Müllberge, insbesondere in seiner jetzigen Ausgestaltung.
Es muss begriffen werden, dass auch Arbeit etwas wert ist, die nicht bezahlt wird bzw. kapitalistisch verwertbar ist.
Wenn ich Software programmiere und diese der Allgemeinheit frei zur Verfügung stelle, schaffe ich damit im kapitalistischen Sin NULL Mehrwert, im Gegenteil es ist kontraproduktiv weil ich den lohnabhängigen Informatikern durch meine freiwillige Arbeit eine Verwertung ihrer Arbeit unmöglich mache und jene um ihren Arbeitsplatz ergo ihre Existenzgrundlage bringe.
Absurd.
Bzgl. des „Hamsterrades“ würde ich ihnen dazu gerne noch folgenden Text empfehlen:
http://www.brandeins.de/archiv/magazin/-4ccec607a0/artikel/an-die-arbeit.html

* *- Aufbau und Stützung dezentraler und möglichst kleiner, autonomer Wirtschaftsstrukturen*

Da kann ich nur vermuten, was Sie gemeint haben könnten. Ich gehe davon aus, daß die Konzentration einzelner Wirtschaftsbereiche wie Energie z. B für die Explosion der Preise verantwortlich sind. Eine Zerschlagung dieser Konzerne ist dringend erforderlich; gebe aber zu, daß internationale Strombörsen bei der explosiven Preisentwicklung hier ihren Anteil haben.*

U.a. das war gemeint aber nur Spitze des Eisberges.
Ziel wäre m.E. wirklich autome Strukturen unabhängig vom Welthandel (und damit kapitalistischen Sachzwängen) zu schaffen.
D.h. weg von der Fremdproduktion hin zur Selbstproduktion, abkehr von der extrem arbeitsteiligen globalen Wirtschaftsstruktur und Exportfixierung.
Statt materiellen Wachstum wäre also eher schrumpfen angesagt, zugunsten der Lebensqualität und um Druck aus dem globalen Wettbewerbskarussel zu nehmen.
In Armut und Existenzangst leben muss deswegen in Zukunft niemand, dafür sind die Produktivkräfte in 2 oder 3 Jahrzehnten zu hoch, selbst ohne die Ausbeutung billiger (v.a. asiatischer) Lohnarbeiter anderswo.

* *Privatbanken die Geldschöpfung wegnehmen und jene durch eine “Monetative” öffentlich-rechlich reorganisieren*

In diesem Kontext ist zu erwähnen, daß es gerade die Landesbanken sind, die von der Krise heftig getroffen wurden; noch nicht einmal so sehr die Sparkassen und Privatbanken im regulären Geschäft. In den Landesbanken saßen und sitzen Aufsichtsräte unter anderem aus der Politik, die der Gier der Vorstände vertraut und freien Lauf gelassen haben. Auch hier spielt Inkompetenz in Sachfragen und natürlich Politfilz eine Rolle.*

Nein, großes Missverstädniss.
Es geht nicht darum, die Privatbanken in staatliche Hand zu überführen und von bräsigen Provinzpolitikern in den Ruin zu treiben, sondern die Macht der Bank – die Fähigkeit der Giralgeldschöpfung – zu brechen.
Neue Regulierungsbehörden, Gesetze, der ganze finanzmarktreformistische Kram, den die etablierten Parteien nach 2008 angeschleppt haben, all das wird m.E. an den Machtverhältnissen der Banken nur rudimentär etwas ändern und verhindert auf fast allen Gebieten weitreichende Reformen.
Keine Appeasement-Politik gegenüber der Hochfinanz!
Bitte sehen sie sich z.B. die http://www.monetative.de an.

*Dass hier ein Bedarf besteht, ist unter anderen Vorzeichen im Stuttgart21-Streit deutlich geworden – und der anschließenden Geissler-Schlichtung.
Ich empfehle Ihnen aber, sich in diesem Zusammenhang mal die diesjährige Weltethos-Rede des britischen Bankenmanagers Stephen K. Green anzuhören vom 16. Dezember 2010.*

Das sind aber wieder die reformistischen Ansätze die m.E. nichts bringen.
Wer die politische Initiative aufgibt und glaubt, man könne mit machtgierigen Halunken am grünen Tisch – auf Augenhöhe – verhandeln, mit ihnen Kompromisse schließen, fällt auf die Nase,
siehe bezgl. S21 und der Schlichtung auch:
http://www.graswurzel.net/355/s21.shtml
Wer wirklichen Wandel will, muss selbst politisch aktiv werden. Wer glaubt, dass seine Probleme von Parteien gelöst werden, die bis vor kurzen noch eifrig diese Probleme verursacht haben, soll sich über deren Verrat nach der Wahl nicht wundern.

Zu Green:
Er verurteilt den Kapitalismus aufgrund seiner ethischen Insuffizienz, also der Grund warum der Kapitalismus überhaupt so „effizient“ sein kann, sieht ihn aber trotzdem als völlig alternativlos.
Also bitte, womit will der gute Mann denn den Systemprofiteuren „drohen“ falls sie nicht freiwillig zu Zugeständnissen bereit sind?
Ach, ja, mit NICHTS, weil das System alternativlos ist.
Green hat also kein Problem mit Monopolen, wundert sicher aber, dass der Monopolist mangels Konkurrenz schamlos seine Kunden abzieht.
Ne, die einzige Möglichkeit das Biest zu domestizieren ist, wenn mensch es unbedingt behalten will, ihm zu zeigen das es ersetzbar ist.
Durch ein anderes Gesellschaftssystem.
Erst wenn die Profiteure, welche idR nicht durch ihre Großherzigkeit Macht und Eigentum erlangt haben, fürchten müssen, im Zweifelsfall alles zu verlieren, werden diese zu den notwendigen Kompromissen bereit sein.

36) Christian Alexander Tietgen, Freitag, 14. Januar 2011, 09:34 Uhr

Große Koalitionen kann ich nur begrüßen. Dann geht es wieder bergauf mit Deutschland.

37) m.spreng, Freitag, 14. Januar 2011, 15:15 Uhr

@alvar hanso

Diese Kommentarlänge grenzt schon an Blogverstopfung. Können Sie sich bitte künftig etwas kürzer fassen? Das würde die Lesequote erhöhen.

38) Peter Christian Nowak, Sonntag, 16. Januar 2011, 16:52 Uhr

@Alvar Hanso

Aus Gründen der Blog-Disziplin kann ich leider nicht auf alle Ihre Einwände reagieren. Im Grunde sind es Einwände, die eine Menge von wissenschaftlichen Disziplinen berühren. Daher beschränke ich mich auf die Frage:
Was müssen Ökonomen heute tun, um Ökonom zu werden?

Statt blühender intellektueller Landschaften sind Wirtschaftswissenschaften totalitäres Effizienzdenken, das als unverstandene Selbstverständlichkeit längst nicht mehr nur in der Wirtschaft, sondern auch im Kindergarten, in der Schule, im Krankenhaus, in der Altenpflege, ja sogar die persönliche Lebensplanung regiert Nur wird diese neue Weltreligion nicht in den Kirchen gepredigt, sondern in den Universitäten und Fachhochschulen.

Bis heute wird in der neoklassischen (neoliberalen) Wirtschaftstheorie mit dem homo oeconomicus argumentiert: Im Zentrum das fiktive nutzenmaximierendeSubjekt, das zur Erklärung basaler ökonomischer Zusammenhänge nützlich sein soll. Die Wirtschaftswissenschaften beschreiben Arbeit als Produktionsfaktor – und auch ausschließlich als solche wird sie im gesellschaftlichen Diskurs wahrgenommen. Ich stimme Ihnen zu: Von Arbeit als bewusstem, schöpferischem Akt der Auseinandersetzung des Menschen mit Natur und Gesellschaft, von Arbeit als freiwillig ergriffener Tätigkeit ist kaum die Rede – und das, obwohl jede unternehmerische Initiative, jede kreative Gründung von genau dem Elan lebt, der im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext höchstens in alternativen Führungsseminaren auftaucht. Wirtschaftswissenschaften sind im Grunde überschätzte Disziplinen.

Wenn Wirtschaftswissenschaftler mit falschen Verhaltensannahmen operieren, die sie aus methodologischen Gründen sogar verteidigen, arbeiten sie wie spekulative Metaphysik.

In der Referenzgruppe aller volkswirtschaftlichen Methodiken ist die „spekulative Metaphysik“ des John Maynard Keynes noch die wirksamste. Dazu stehe ich aus Erfahrung. Ich stehe aber auch zu der Meinung, dass eine interdisziplinäre Öffnung dringend notwendig ist: Nicht nur Wirtschaft studieren, sondern die Kombination von anderen Wissenschaften, wie Philosophie, Religion und auch ansatzweise die naturwissenschaftlichen Bereiche.

39) billg, Sonntag, 16. Januar 2011, 16:57 Uhr

billig.

40) Alvar Hanso, Sonntag, 16. Januar 2011, 21:53 Uhr

@Peter Christian Novak
Ich möchte sie – auch im Sinne der Bloghygiene hier – gerne auf weissgarnix.de aufmerksam machen.
Ich vermute das könnte ihnen gefallen, v.a. aufgrund des dortigen Kommentariats.
Auch wenn dort z.Z. wenig los ist.

41) Peter Christian Nowak, Montag, 17. Januar 2011, 12:21 Uhr

@Alvar Hanso

Vielen Dank für den Hinweis.

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