Montag, 17. Januar 2011, 16:58 Uhr

Schmutzkampagne der BamS

Im Februar 1983 startete die “Bild am Sonntag” eine Schmutzkampagne gegen den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Hans Jochen Vogel. Die Zeitung “enthüllte” auf Seite 1 die “NS-Vergangenheit des Kanzlerkandidaten Dr.Vogel”. Er sei “ehemaliger NS-Kulturbeauftragter”. Schnell stellte sich heraus, dass die angebliche NS-Vergangenheit des SPD-Politikers daraus bestand, dass er mit 16 Scharführer der Hitlerjugend war. Gesteuert wurde die sogenannte Enthüllung direkt aus dem Büro Axel Springers in Berlin, hilfswillig aufgegriffen vom damaligen Chefredakteur Ewald Struwe.

Ich war zu dieser Zeit Büroleiter von BILD in Bonn und damit auch für die Hauptstadtberichterstattung der BamS zuständig. Direkt nach Erscheinen protestierte ich öffentlich (in einer Erklärung gegenüber dpa) gegen die “Schmutzkampagne, die an Widerwärtigkeit nicht zu überbieten ist”. Die übrigen BILD- und BamS-Redakteure warteten ab, weil sie – im Gegensatz zu mir – nicht schon einen neuen Arbeitgeber (“Express”) in Aussicht hatten. Dann aber raffte sich die Redaktion auf und 125 BILD-Redakteure verurteilten in einem offenen Brief die “journalistische Unanständigkeit”. Verleger-Intimus Matthias Walden dagegen verteidigte den Bericht als “in Form und Inhalt korrekt”.

Sieben Monate später wechselte ich als Chefredakteur zum Kölner “Express”. Ewald Struwe blieb noch zwei Jahre BamS-Chefredakteur, bis er endlich abgelöst wurde.

Vogel bedankte sich bei mir für meine öffentliche Distanzierung. 1989, als ich selbst BamS-Chef wurde, profitierte die Zeitung von meinem guten Verhältnis zu Vogel, indem er den bis dahin geltenden SPD-Boykott gegen Springer (Vorstandsbeschluss) durchbrach und mir ein Interview gab.

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2 Kommentare

1) R., Donnerstag, 27. Januar 2011, 09:44 Uhr

„Sieben Monate wechselte ich als Chefredakteur zum Kölner “Express”.“

später?

2) Klaus, Freitag, 04. Februar 2011, 20:16 Uhr

Oh, mit Ehtsetzen erinnere ich mich an einige der Kommentare des Herrn Walden. Schrecklich, schrecklich. Gerade so um ’67/’68, als ich anfing, mich auch für Politik zu interessieren. Der war ein ganz schlimmer Finger, ein rechter Hetzer.

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