Donnerstag, 20. Januar 2011, 12:37 Uhr

Der Anti-Menschenwürde-Sender

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Artikel 1 des Grundgesetzes)

RTL ist ein toller TV-Sender. Immer neue Reichweitenrekorde, großartige Geschäftsergebnisse. Geschäftsführerin Anke Schäferkordt kann stolz auf ihre Arbeit sein.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite der Medaille ist, dass diese Ergebnisse immer häufiger mit einer gezielten Verletzung der Menschenwürde erkauft werden. RTL, der Anti-Menschenwürde-Sender. Der planmäßig organisierte Verstoß gegen Artikel 1 des Grundgesetzes ist RTL-Geschäftsmodell. Ob bei „Bauer sucht Frau“, „DSDS“ oder im „Dschungelcamp“ – fast täglich sorgen Bloßstellung und Erniedrigung von Menschen für Quotenrekorde.

Der Sender appelliert an die niedrigen Instinkte der Zuschauer: Voyeurismus, Schadenfreude. Und das nicht nur bei den sogenannten Unterschichten. Auch gebildete Menschen verfolgen solche Sendungen mit einer Mischung aus Faszination, Selbstekel und Fremdschämen.

Besonders schlimm ist die neueste Staffel des (professionell perfekt gemachten) „Dschungelcamps“. Eine mittellose Schauspielerin, eine psychisch labile junge Frau und andere werden täglich bloßgestellt, psychisch fertiggemacht und Millionen Menschen zum Gespött preisgegeben. Höhepunkt der Perfidie: die Schauspielerin, deren letztes und einziges Engagement offenbar diese Show ist, wird mit Stromstößen gefoltert auf einer Art elektrischem Stuhl. Es fehlt nur noch Waterboarding.

RTL wird einwenden, alle Teilnehmer bekämen hohe Gagen (zwischen 30.000 und 60.000 Euro) und wüssten, auf was sie sich einlassen. Das stimmt nicht, denn erstens wussten die Teilnehmer nicht, dass jetzt auch Stromstöße zum Quälrepertoire gehören und zweitens, und das ist das wichtigere Argument: die Menschenwürde ist nicht veräußerbar. Auch nicht vom einzelnen Besitzer der Menschenwürde.

Und damit kommt die gesellschaftliche Verantwortung des größten deutschen Privatsenders ins Spiel. Nicht alles, was Menschen scheinbar freiwillig mit sich geschehen lassen, ist auch verantwortbar. Wenn Landesmedienanstalten überhaupt einen Sinn haben, dann den,  über den Schutz der Menschenwürde zu wachen. Die Grenzen haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr verschoben. Es wird Zeit, sie wieder klar zu ziehen.

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88 Kommentare

1) Fleckengilb, Freitag, 21. Januar 2011, 11:40 Uhr

„Die schärfsten Kritiker der Elche Waren früher selber welche“
Das dachte ich auch gerade. Langjähriger Chefredaktuer der BamS beschwert sich -zu recht- über den Verfall der Menschenrechte. Irgendwie komisch. Wo die BamS doch auch nicht weiss was Menschenrechte sind.

2) Toronto, Freitag, 21. Januar 2011, 11:47 Uhr

Ob ein Mensch nun vorher gefragt wird, ob er gefoltert werden möchte oder nicht, setzt doch nicht die Folter in ein anderes Licht? In der Regel können – warum auch immer – Verdächtige, die gefoltert werden, die Folter auch ganz leicht stoppen, in dem sie sich zur „Wahrheit“ bekennen. Sind die also auch „selbst Schuld“?
Durch immensen gesellschaftlichen (meist mit zusätzlichen, durch RTL ausgelösten) Druck, bleibt den Kandidaten quasi keine andere Wahl. Es ist auch eigentlich unerheblich, ob sie nun die Wahl haben oder nicht: Die Stromschläge werden genutzt, um die Menschen zu quälen und anschließend die gequälten Gesichter ins Fernsehen übertragen zu können. Das ist Menschenunwürdig, und mögen die Protagonisten noch so viele Veträge unterzeichnet haben. Die Veträge an sich würden einer Sittenprüfung kaum Stand halten können.
Menschenwürde ist unveräußerlich – auch der Inhaber derselbigen kann diese nicht verkaufen.

Vergleiche zu Selbstdarstellern, wie Clown, Perfomancekünstler, etc. hinken ganz, ganz gewaltig.
Zum Einen: Clowns tragen eine Maske. Niemand erkennt den Clown von der Bühne hinter der Maske, von daher sorgt der Clown schon für genug Selbstschutz.
Aber selbst, wenn wir einen „Narren“ haben, den du ohne Probleme erkennst: Er stellt sich immer noch mit seinem Namen vor. Aber auch dann ist der Clown immer noch an anderer Stelle einzuordnen:
Der Clown entscheidet immer 100% selbst über seine Darstellungen, er wird im Zirkus nie vor dem Moment stehen „Moment, nein – das war nicht geplant! Das geht zu weit!“, da er seine Performance selbst festlegt und einordnet. Er kann sich dementsprechend auch auf den entstehenden Druck und auf den aufkommenden Spott/Hohn mental vorbereiten und davon isolieren. Vor Allem aber weiß er, dass der Chefdompteur ihn nicht gleich (gefragt) auf einen elektrischen Stuhl setzt. Das Problem beim Jungelcamp ist die öffentliche Fragestelltung, vor laufender Kamera – da baut sich ein mentaler Druck auf, den jeder, der noch nicht davorgestanden hat, nicht einmal im geringsten nachvollziehen kann. Den Kandidaten ist so keine korrekte Einschätzung der Lage mehr möglich und die Sendung muss somit gestoppt werden.
Wenn die Veträge von vornherein klarer gewesen wären (á lá am Tag 1 steht Prüfung X, am Tag 2 steht Prüfung Y, am Tag 3 steht Prüfung Z, etc.), könnte man mit Sicherheit noch einmal anders darüber reden. Aber wischi-waschi-Klauseln sind in diesem Zusammenhang als sittenwidrig einzuordnen.

Performancekünstler haben eine ganz andere Ausrichtung – sie arbeiten nicht über Spott und Hohn, sondern über Aufmerksamkeit und Zuwendung, vielleicht auch ein wenig durch „Schock“. Aber, ein Performancekünstler, der sich ein Schwert in den Hals schiebt, stellt damit nicht seine Idiotie, Dummheit, etc. in die Öffentlichkeit – sondern sein Können. Und das ist ein Unterschied wie A und Z.

3) ren, Freitag, 21. Januar 2011, 11:47 Uhr

Wie sagte mal jemand:

Jede Gesellschaft bekommt die Politiker und das Fernsehprogramm welches es verdient…

4) Martina Yaman, Freitag, 21. Januar 2011, 11:53 Uhr

Mir bereitet das Zusehen schon körperliches Unbehagen, wenn sich Menschen laecherlich machen – schon als Kind bei „Verstehen Sie Spass“ habe ich mich unwohl gefühlt. Selbst bei Spielfilmen und Comedys, wo es eben darum ging, dass einer/eine sich blamierte….

Es ist mir vollkommen schleierhaft, wie man an so einer Show Vergnügen finden kann. Mir bereiten schon die Bilder ein ungutes Gefühl….

5) Mak, Freitag, 21. Januar 2011, 12:02 Uhr

Erhellend ist der Beitrag in der FAZ vom letzten Samstag (abrufbar unter http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911/Doc~E29817FA07F3F482F98F64929AB86FB54~ATpl~Ecommon~Scontent.html).

Den meisten Prominenten ist klar, worauf sie sich einlassen. Und sie wissen auch, welche Rolle sie zu spielen haben. Und das machen sie auch.

Das Gesamtkonzept ist (wie so vieles andere im Fernsehen) fragwürdig und wir nähern uns immer mehr der „Dekadenz“ im Rom der Spätantike an (IMHO).

6) Hans, Freitag, 21. Januar 2011, 12:02 Uhr

Nun hat das etablierte Gutmenschentum ein Thema gefunden, schön – nich. Man geht mit dem GG in der Hand gegen Stromstöße im Dschungel vor. Das ist doch an Wichtigkeit nicht zu übertreffen. Man mag zu diesem (und anderen ähnlichen Formaten) stehen wie man will. Aber auf jeden Fall sind diese Ausdruck eines Zeitgesistes, der schon bedenklich sein sollte.
ABER Wer rennt mit dem GG in der Hand durch D und verteidigt die Würde seiner Mitmenschen, die durch Hartz IV, Lohndumping, „prekäre“ Beschäftigungsverhältnisse tief und ständig und auf Dauer in ihrer Würde verletzt werden. Wer schützt die Würde derer, die durch Lebensmittelkonzerne, landwirtschaftliche Monopole vergiftet und geschädigt werden und sich dessen, einfach aus finaziellen Gründen nicht erwehren können? Wer schützt die Würde der Alten und Kranken, die den „Segnungen“ der Gesundheits- und Pharmaindustrie schutzlos ausgeliefert sind?
Is so – der Fisch stinkt immer vom Kopfe her, nicht nur im Dschungel.

7) nurmalso, Freitag, 21. Januar 2011, 12:10 Uhr

soviel aufregung. um nichts.
solange die fernsehgeräte noch mit einem „aus“-schalter produziert werden, hat doch jeder die möglichkeit, diesem treiben die geschäftsgrundlage zu entziehen.
oder eben einfach nicht anrufen.

8) Frank Reichelt, Freitag, 21. Januar 2011, 12:20 Uhr

Das sogenannte „Zwergenwerfen“ ist ja in Deutschland verboten. Ich durfte in Verwaltungsrecht mal eine Klausur darüber schreiben. Hier argumentiert man, der kleinwüchsige wird zum Objekt (Wurfgeschoss) herabgewürdigt, Verstoß gegen Artikel 1 GG.
Die kleinwüchsigen argumentieren, sie machen es freiwillig, ja sie bestreiten damit sogar ihren Lebensunterhalt. Egal, die Menschenwürde ist unveräußerlich und steht als Grundrecht höher als die Berufsfreiheit.
Wie siehts nun mit den Dschungelcampern aus?
Ich bitte um qualifizierte Meinungen.

9) Walter, Freitag, 21. Januar 2011, 12:28 Uhr

Das Schlimme an der Sendung ist nicht der Umgang mit den Deppen im Camp, sondern was aus den Zuschauer vor der Glotze wird.
Wie man bei den Befürworter der Sendung und deren Kommentaren sehen kann.

10) Michael A. Nueckel, Freitag, 21. Januar 2011, 12:30 Uhr

… ohlala, „interessante“ Sendung, war mir glatt entgangen – wie wohltuend doch die Firewall diverser Printmedien wie FAZ, SZ, HB u.a. wirken kann. Gehört RTL nicht maßgeblich zu Bertelsmann? Vielleicht kompensieren die das durch Ihre Stiftung mit entsprechenden Medien-Forschungen. Aber im Ernst: Die Zuschauer habe es in der Hand, RTL für diese quotenabhängigen Programme durch Umschalten zu ignorieren, das Problem: Der Narzissmus des Zuschauers, der wohl die Herabsetzung der Teilnehmer genießt. Insoweit frage ich mich, wer mehr zu bemitleiden ist, die Teilnehmer oder der („gebildete“, persönlichkeitsbedingt verhaltensgest…) Zuschauer? Ich habe mal in einem Haus gewohnt, da hat man mich für die Verweigerung, zusammen DSDS zu schauen, empört beschimpft. RTL bedient ein kompensatorisches Bedürfnis vieler Zuschauer, die sich diesen Genuß nicht nur bei diesen TV-Formaten besorgen. Das Problem in dieser Gesellschaft ist daher ungleich größer. Art. 1 GG wohl ein stumpfes Schwert, mit Paragraphen kann man diese psychopathologischen Defizite nicht bekämpfen.

11) Heyland’s, Freitag, 21. Januar 2011, 12:52 Uhr

Wenn unser ach so ehrlicher, honoriger, nichtkorrupter Oggersheimer eines erreicht hat, dann den endgültigen Durchbruch seiner vorbildlich vorgelebten geistig-moralischen Werte. Besonders gut gefallen mir immer wieder die Entrüstungsorgien all seiner publizistischen Steigbügelhalter, die heute nicht mehr so gerne an ihre Dienste erinnert werden. Pisa lebt und ist überall. Die Geister, die ich rief . . .

12) Dirk, Freitag, 21. Januar 2011, 12:57 Uhr

Die heutigen Fernsehgeräte sind so konzipiert, daß man mehrere Programme empfangen kann. Anstatt sich über den Mist auszulassen, bräuchte man bloß den Finger bewegen und um- bzw.noch besser ganz ausschalten. Wenn das jeder beherzigt, würde es solche Diskusionen gar nicht geben und man könnte sich Gedanken machen, wo in diesem Land tagtäglich die Menschenwürde wirklich verletzt wird.

13) Jens, Freitag, 21. Januar 2011, 13:09 Uhr

Natürlich ist RTL mindestens so schändlich wie BILD, aber ich verstehe das Mitleid mit den RTL Protagonisten nicht ganz. Die Würde solcher Selbstdarstellers steht sehr wohl zum Verkauf.

14) Markus Thimm, Freitag, 21. Januar 2011, 13:40 Uhr

Ich bin in mich gegangen und habe mein Statement zu der Elektroschockbehandlung noch mal überdacht. So harmlos, wie ich erst geschrieben habe, ist es möglicherweise nicht.
Dabei geht es mir nicht darum, was die Kandidatin dort abgekriegt hat, sondern um was anderes.

Methoden, die rund um den Globus menschenrechtswiedrig eingesetzt werden, um andere Menschen WIRKLICH zu quälen oder gar zu töten, dürfen natürlich nicht zur Belustigung des RTL-Volkes verniedlicht werden. Warscheinlich war das ganze als Versuch der Programmautoritäten gedacht, um die Grenzen auszutesten:
Klappt das? Können wir uns an Water-Boarding und Scheinhinrichtungen (in der Light-Version) ran wagen? Was akzeptiert der Zuschauer, der Kandidat, die Politik, wann streiken die Moderatoren?

Ach ja, was war dabei mit D.Bach? Ist doch angeblich so ein Tierfreund und Unicef-Begeisterter?!

15) Stimpy, Freitag, 21. Januar 2011, 15:16 Uhr

Ein ehemaliger Chefredakteur der BamS will uns was von Moral erzählen? Ist das hier Realsatire?

Sowas kann ich leider nicht ernstnehmen, nicht aus Ihrem Munde…

16) Bernd, Freitag, 21. Januar 2011, 16:06 Uhr

Was wollt ihr denn? Brot und Spiele gabs immer schon, nur haben die Leute zu unserer Zeit die Wahl, was sie sehen wollen und was nicht, woran sie teilnehmen wollen und woran nicht, wofür sie Geld bezahlen wollen und wozu nicht. Ich kann mich köstlich darüber amüsieren, wie sich Menschen, die meinem Empfinden nach peinlich sind, sich selbst aber für wahnsinnig interessant und wichtig halten, und darum auch keinerlei Scheu empfinden, in absurden Situation profilieren.
Sie sind ja freiwillig da und es ist mir doch egal, ob sie schauspielern oder nicht. Falls Ja: Ich kann mich auch im Theater unterhalten. Falls Nein: Auch herrlich, die Protagonisten erhalten viel Geld dafür, dass sie Ihre Bedürfnisse (Geltungsdrang) ausleben dürfen und ich amüsiere mich dabei, Ihnen die gewünschte Aufmerksamkeit zu geben.

Wer seid ihr denn, dass ihr die Vormundschaft für eine ganze Gesellschaft übernehmen wollt?

17) ThomWeb, Freitag, 21. Januar 2011, 16:07 Uhr

Mahlzeit zusammen,

Fernsehen ist ein Restmedium für diejenigen, die sich Kino, Internet, DVDs nicht leisten können. Oder wollen. Ich sehe das an den Dementen im Alter über 70 unter meinen Verwandten.

Ich habe in den letzten Tagen mehrfach versucht, mit das Dschungelcamp auf RTL anzusehen. Man will ja mitreden können. Ich habe es nicht länger als 60 Sekunden geschafft. Dann wurden die Schmerzen zu groß.

Trotzdem gab es diese Woche eine Möglichkeit, sich über die Sendung in Szene zu setzen. Günter Jauch, ein Schuldenberater und eine GrandPrixDeLaEurovisionGewinnerin im Dschungel. Bei PRO7 im Switsch Reloaded. Alle Informationen, die man braucht.

Ja, auch das kann Fernsehen sein. Switch, South Park, Bernd das Brot, Terrra X, gestern Abend das Parfum. DAS ist kein Restefernsehen.

Aber ich gebe zu, dass ich jeden Tag mindestens 5 Minuten mit der Fernsehzeitschrift verbringe, um mir die wertvollen Sendungen zu suchen.

RTL zählt nicht zu meinen Sendern, seit sie South Park rausgeworfen haben.

18) Georg Letzerich, Freitag, 21. Januar 2011, 18:26 Uhr

Menschenwürde? Haben Sie schon einmal das Vergnügen gehabt bei der Sicherheitskonrolle am Flugplaz durch einen Nacktscanner gehen zu dürfen? Ist mir in MIAMI so ergangen. Der Innenminister wird die Geräte in Deutschland auch einführen ( höre ich aus der Industrie ).
Dann werde icj neben der USA auch Deutschland nicht mehr betretten. Gruss aus Mallorca P,S. Wir haben uns einmal bei Lambert kennengelernt. SALUDOS GEORG LETZERICH

19) Axel W., Freitag, 21. Januar 2011, 18:31 Uhr

Sie Geister, die ich rief…
-wer wollte denn unbedingt Privatsender. Die CDU. und wer wolle den Strommarkt lieberalisieren? Die CDU (Umweltministerin Merkel war dabei). Beides ist nicht zum Vorteil unserer Gesellschaft.
Außer einigen Dokumentationen und mehr Sport kommt doch heute nur mehr Müll im Fernsehen. Leider nähern sich die öffentlich rechtlichen den privaten immer mehr an (Telenovelas, Boulevardmagazine).
Und die interessanten Magazine wie Fakt,Panorama etc. werden gekürzt.
Brot und Spiele halt. Und keine Illusion Herr Spreng, das Geld wird schon dafür sorgen, dass die Grenze nicht neu gezogen, sondern weiter verschoben wird.
RTL etc. sind halt Bild etc. in Bild und Ton.
Schlimm, da wird in ZAPP von einer Kritikerin gesagt, das es einfach ein gut gemachtes Format und gesellschaftlich akzeptiert sei.
Na, wenn das wahr ist, sollten wir uns möglichst schnell abschaffen!

20) mambo, Freitag, 21. Januar 2011, 19:54 Uhr

Solange das Volk Brot und Spiele hat,
können die Herrschenden tun und lassen ,was sie wollen.
Hartz IV ist das Brot ,und das Privatfernsehen sind die Spiele.

21) Peter Christian Nowak, Freitag, 21. Januar 2011, 20:03 Uhr

@binaerfunk,

*Für einige Menschen hat ihre gesellschaftliche Rolle wenig mit ihrer zuinnerst empfundenen Würde zu tun. Das mag für Selbstdarsteller und Vollzeitpersönlichkeiten schwer zu verstehen sein, ist aber deshalb nicht weniger legitim.*

Ja, ja, jeder definiert sich seine Würde selber – aus welcher Büchse die „Legitimation“ auch kommt. Ein Stromstoß ist „nur“ ein Stromstoß… und wer seine Würde aus der Steckdose bezieht, ein würdeloser Vollidiot.

22) Jürgen Mayer, Samstag, 22. Januar 2011, 05:08 Uhr

Ich glaub ich habe RTL seit gut fünfzehn Jahren nicht mehr bewusst gesehen. Also mein halbes Leben lang schon nicht mehr. Und fernsehen tue ich sowieso mehr kaum
Doch: „die Menschenwürde ist nicht veräußerbar. Auch nicht vom einzelnen Besitzer der Menschenwürde.“ Das ist selbst in diesem aus meiner Sicht kulturell zutiefst fremdenfeindlichen gegenwärtigen Deutschland ein neuerlicher und weitergehender Tiefschlag. Unter die Gürtellinie jeglichen Gedankens an eine Selbstbestimmung von Menschen.

Unabhängig davon was da beim „Dschungelcamp“ alles passiert oder nicht: wenn dort tatsächlich Menschen gefoltert werden, gegen ihren Willen und Verträge Qualen ausgesetzt, weshalb greifen dann keine Persönlichkeitsrechte und muss wie meistens in solchen Fällen im Land die gute alte „Menschenwürde“ herhalten. Für alles und jeden – nach Gutdünken?
Was soll das – eigentlich? Was sind das für „Werte und Normen“, welche Gewalt ist das über die Leben anderer, fremder Menschen zu bestimmen?

Was für eine Konsenskultur?

Wenn für die einen ein polizeiliches Computerspiel, für weitere der gefilmte Sex einer Frau mit zwei Männern und für wieder Andere eben eine Fernsehsendung dagegen verstoßen würde?
Ich habe die Sendung nicht gesehen und dies auch nicht vor. Doch weiß ich etwa, dass international übliche MMA-Sportberichte sogar noch tatsächlich „verboten“ wurden im (frei empfangbaren) deutschen Fernsehen. Also weshalb ist hier etwa der ansonsten allgegenwärtige „Jugendschutz“ tatsächlich noch nicht eingeschritten? KJM-Befunde hin oder her.

23) Recht Unbedeutend, Samstag, 22. Januar 2011, 05:09 Uhr

Ein aktuelles, aber ein wohlfeiles Thema.

Alles nur Abbild seiner Zeit, in der moralische Grenzen, ganz entgegen der allgemeinen inflationären Preisentwicklung, im Spitzenbereich für 5-stellige Summen zu überwinden sind (in Medien, Sport und Politik – nur die Wirtschaft ist da eine Bastion). Und in der Breite eifern die Laiendarsteller der „scripted reality“ für ein Taschengeld der Geschichte nach. Die Menschen wollen sich anscheinend sehen. Nicht mehr wie früher zwangsweise, in einem Zug auf Holzbänken, wo es nach Schweiß und Mensch riecht, oder im Gottesdienst. Schön auf dem Sofa, mit Raumparfüm, Flachbild und Chips, will doch keiner alleine bleiben. Nur den Filter bestimmen die Manipulatoren, die andere erniedrigen müssen, um sich selbst erhaben vorzukommen. Auf den Trichter muß man nur einmal kommen, das hält für’s Leben. Der Mensch ist des Menschen Wolf, man muß ihn nur anständig ermutigen!

24) JG, Samstag, 22. Januar 2011, 06:35 Uhr

Um mal Fakten beizusteuern:

Frau Karrenbauer, die die Stromstöße bekam, war in letzter Zeit ihrer eigenen Aussage zufolge Hartz-IV-Empfängerin. (So viel auch zu dem wohlfeilen Ratschlag, doch einfach ein bißchen Theater zu spielen… Kann der Ratgeber ein Engagement anbieten?)

Was hätte wohl das „Job-Center“ gesagt, wenn es erfahren hätte, daß Frau Karrenbauer die Möglichkeit, sich ihren Lebensunterhalt für mindestens ein Jahr zu verdienen, abgelehnt hätte? Für wie lange Zeit wären ihr dann, als überführte Arbeitsunwillige und folglich „Sozialschamrotzerin“, die Bezüge gestrichen worden, vermutlich sämtliche?

Haben nicht gewisse Herrschaften, die wahre Muster an Integrität, gutem Benehmen und solidarischem Verhalten sind, verfügt und verkündet: KEINE ARBEIT IST UNZUMUTBAR? JEDE ARBEIT MUSS ANGENOMMEN WERDEN! Ist dies nicht ein wesentlicher Bestandteil der in den Medien und von der restlichen politischen Klasse immer und immer wieder bejubelten großartigen „Sozialreformen“ der letzten Jahre?

Ja, es weht ein eisiger WInd, wo der Neoliberalismus herrscht. Nur mit dessen konkreten Folgen möchte man lieber doch nicht so direkt konfrontiert werden?

25) franken(stein), Samstag, 22. Januar 2011, 08:35 Uhr

Wenn die Bildungsausgaben unserer Gesellschaft ständig erhöht werden müssen, ist dies für mich auch ein Indiz, dass andererseits jede Menge Institutionen an der Verblödung arbeiten.
Warum nicht eine Verblödungssteuer einführen, um die Bildung zu finanzieren?

26) Cato, Samstag, 22. Januar 2011, 10:35 Uhr

Wer sich ständig verblöden läßt wird irgendwann selbst blöd! Was der Zweck dieser Cadokraten
ist! Denn nur ein blödes Volk ist ein Gutes Volk, weil leicht regierbar, führbar(Der Führer läßt
grüssen), und manipulierbar! Gab es da nicht einmal früher eine BRD mit einem Grundgesetz?

27) Michael Friedrich, Samstag, 22. Januar 2011, 11:45 Uhr

D’accord, obgleich – die Vorliebe des Pöbels ist hier im Großen offenbar, welches im Kleinen schon längst praktiziert wird. Der Unterschied zwischen den Gaffern am Straßenrand bei einem Unfall und den vor dem Bildschirm ist nicht vorhanden – bestenfalls sind Medien für die Macher und Werber lukrativer. Deshalb weis ich nicht, ob ich mir wirklich Sorgen über diese Entwicklung(?!) machen soll – ich bin lediglich desillusioniert.

Worüber ich mich eher sorge, ist die zunehmende Gesellschaftsfähigkeit gewisser Werte, die früher (wann auch immer dieses „früher“ war) zumindest geächtet waren und durch die Medien zur Normalität wurden und werden. Um Missverständnisse vorzubeugen: Ich rede nicht etwa von Sex und Porno, sondern von etwas, das man durchaus als „Aphilie“ bezeichnen möchte – zumindest wirkt es auf mich krankhaft.

Warum dieses Urteil? Sender wie RTL sind auf Zuschauer angewiesen, wie Publikationen (Zeitungen, Nachrichtenportale usw.) auf entsprechende Rezeptienten. Die Verführung, niedere Instinkte anzusprechen, um einen Mob zu bewegen gab es in der Vergangenheit ebenfalls schon, bedenke berühmte und berühmt-berüchtigte Redner mit ihren diversen rethorischen Stilmitteln.

Trotzdem werden solche Sendungen angesehen, trotzdem werden Unterschichtsberichte (vor allem Geschlechts(teil)journalismus gepaart mit pseudopolitischen Beiträgen und gossenhafter Kritik diverser Boulevardblätter) gelesen – und sei es darum, um darüber zu berichten und um sich darüber zu echauffieren.

28) Bernd, Samstag, 22. Januar 2011, 12:34 Uhr

JG: Der Schluss deiner Aussage ist also, dass das Job-Center wohl gesagt hätte: „Frau Karrenbauer, wenn Sie keine Stromstöße über sich ergehen lassen, streichen wir Ihnen die Bezüge“?

Sorry, aber solche Argumente sind so lächerlich, dass ich da nicht weiter drauf eingehe. Wander doch zu Georg Letzerich nach Mallorca aus, da ist alles toll.

29) jps-mm, Samstag, 22. Januar 2011, 13:57 Uhr

Penetrantes Schweigen über Menschenrechtsverletzungen:

Im Jahr 2005 stellte die Merkel das Programm für die Legislaturperiode unter das Motto „Mehr Freiheit wagen“. Tatsächlich aber hat die Merkel in den letzten 4 Jahren u.a. dafür gesorgt, dass
– die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art unverändert fortgesetzt wurden,
– die dafür verantwortlichen Rechtsbrecher systematisch der Strafverfolgung entzogen wurden,
– mittels Vorratsdatenspeicherung sämtliche Verbindungsdaten von Internet- und Handy-Verbindungen über einen Zeitraum von 6 Monaten gespeichert werden,
– das BKA eigenmächtig – ohne Beaufsichtigung durch einen Staatsanwalt -präventive Ermittlungen ohne konkreten Tatverdacht durchführen darf,
– die Befugnisse des BKA zu Lauschangriffen auf Wohnungen nochmals deutlich ausgeweitet wurden,
– das BKA auch die Befugnis für Video-Überwachungen von Wohnungen erhalten hat,
– die Durchsuchung und Überwachung von Computern im Wege der sogenannten Online-Durchsuchung zulässig ist.

Die Merkel hat die Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt.

Die Merkel hat den Begriff „Freiheit“ damit vollständig entkernt. Deutschland ist schon längst ein asozialer Unrechtsstaat. Und das muss man direkt ansprechen.

30) Andreas, Sonntag, 23. Januar 2011, 01:25 Uhr

Gilt das deutsche Grundgesetz jetzt auch schon in Australien?

Ich wär dafür, Australien zu verbieten.

31) Georg Raetz, Sonntag, 23. Januar 2011, 01:35 Uhr

Jemand der für die sog. BILD-„Zeitung“ geschrieben hat, sollte sich nicht ernsthaft über „RTL“ wundern… die Zielgruppen sind wohl identisch… und wenn die große Anzahl der sog. Leser und der Zuseher ausschlaggebend wäre, dann sollten wir wohl anfang mit dem Mist essen, Millarden Fliegen können ja nicht irren 😉

32) Z, Sonntag, 23. Januar 2011, 12:59 Uhr

Längst fälliger Beitrag. Danke dafür. Genau aus diesem Grunde schaue ich seit 10 Jahren keine Privaten mehr. Wenn ich denn mal bei Freunden kurz reinschaue, bin ich jedes Mal entsetzt über das Niveau. Aber offenbar finden das genug Leute, auch hier in den Kommentaren, ganz gut so. Armes Deutschland.

33) Sven, Sonntag, 23. Januar 2011, 19:09 Uhr

Sehr richtig, ich unterschreibe jedes Wort. Ich muss allerdings gestehen, dass mir gerade die Springer-Presse in dem Zusammenhang als Mittäter einfällt: Nicht nur, dass in der BILD-Zeitung regelmäßig ähnliche Dinge passieren und passiert sind (ich bekenne mich hiermit als Wallraff-Leser und nehme ihm 90% seiner Erlebnisse als Undercover-BILD-Reporter auch ab), Auch in der Welt wird man von dem Unsinn im Dschungelcamp nicht verschont und auch Nicht-RTL-Schauer werden so up to date über die neuesten Verletzungen der persönlichen Würde gehalten und vielleicht sogar animiert, RTL noch bessere Einschaltquoten zu bescheren.

34) Hasso, Montag, 24. Januar 2011, 13:53 Uhr

@Henning
„Der wesentliche Aspekt ist doch, dass ich den werbefinanzierten Quark von RTL und Co. ausschalten kann und dann weder belästigt werde noch dafür zahle.“

Das ist leider der große Irrtum, dem die meisten Kritiker der öffentlich-rechtlichen Medien unterliegen. Selbstverständlich bezahlen sie für den „Quark“, wenn sie Produkte kaufen, die in diesen Sendern angeboten werden – genau das heißt „werbefinanziert“! Und auch diejenigen, die sich wie ich diese Sender so gut wie nie ansehen, zahlen munter mit.

35) Dirk Burchard, Montag, 24. Januar 2011, 15:10 Uhr

Gähn, RTL kann jeder wegzappen, aber wo sind diese ganzen RTL-Basher eigentlich, wenn es um viel perversere Spielchen auf der Gorch Fock oder bei Elite-Bundeswehreinheiten geht?

36) Norbert, Montag, 24. Januar 2011, 21:14 Uhr

> “Die Würde des Menschen ist unantastbar” (Artikel 1 des Grundgesetzes)

Ein nobler Satz, aber das Grundgesetzt formuliert die Rechte des Einzelnen gegenüber der Staatsgewalt und zu der zählt RTL zum Glück nicht.
Allerdings hat sich auch das Presserecht an diesem Grundrecht zu messen.

37) Mirage, Montag, 24. Januar 2011, 21:39 Uhr

Sie werden es wohl hinnehmen müssen, dass andere Menschen andere Geschmacksgrenzen kennen.

Erbärmlich, wie Sie, Herr Spreng, und eine händeringende Kommentatorenhorde anderen Menschen vorschreiben wollen, wo ihre Menschenwürde aufzuhören hat, anstatt abzuschalten und ein gutes Buch zu lesen.

38) Fiko, Dienstag, 25. Januar 2011, 20:38 Uhr

Ich finde es unsinnig diese Sendungen zu kritisieren. Jeder Mensch hat die Wahl bei solchen Sendungen mitzumachen oder es zu lassen. Die Sender können niemanden zwingen sich quälen zu lassen. Wenn im Dschungelcamp jemand eine Aufgabe bekommt, die in aller Regel schmerzhaft oder demütigend für die Person ist, kann die Person sich weigern dies über sich ergehen zu lassen. Leute, die dermaßen realitätsfremd sind, dass sie nicht merken, dass man sich über sie belustigt, wenn sie sich doof anstellen im Umgang mit Frauen (Bauer sucht Frau, Schwiegertochter gesucht etc.), haben sicherlich auch nicht die Realitätsnähe zu bemerken, dass es ihnen genauso ergeht. Von daher ergeht es diesen Menschen nach der Sendung auch nicht schlechter als vorher. Das abstruse an diesen Sendungen ist doch, dass Menschen bereit sind sich vor der Kamera einem Millionenpublikum der Lächerlichkeit preiszugeben. Niemand zwingt sie schlecht zu singen, zu tanzen o.Ä. So lange diese Bereitschaft auf das Interesse der breiten Masse trifft, wird es immer solche Sendungen geben. Wem das nicht passt, der sollte sie einfach nicht gucken. Sie sind kein gesellschaftliches Problem, sondern einfach nur ein gesellschaftliches Phänomen, dem man kritisch gegenüber stehen kann, ein Verbot führt allerdings deutlich zu weit.

39) Hajo, Sonntag, 06. Februar 2011, 20:38 Uhr

Wie im alten Rom. Brot und Spiele, um von den wahren Problemen des Volkes abzulenken. Sensationen um jeden Preis, um das Volk abzulenken. Das ganze ist in einer Bananenrepublik D nicht weiter verwunderlich. Wird die Politik doch von der Wirtschaft bestimmt.

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