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Sonntag, 23. Januar 2011, 14:05 Uhr

Die Lebenskrise der starken Männer

Im Laufe des Lebens eines jeden Menschen, der beruflich Karriere gemacht hat, kommt der Punkt, an dem er sich, ermüdet vom beruflichen Kampf, fragt: War das jetzt alles? Die einen schlucken dann Psychopharmaka, andere suchen sich eine neue Frau, wiederum andere steigen aus. Die einen werden Bio-Bauer in Bayern, andere umsegeln die Welt oder pressen Olivenöl in der Toskana.

Auch Politiker, die Karriere gemacht haben und dann auf hohem Niveau auf ihren Posten festsitzen, kommen in eine solche Krise. Nach oben geht’s nicht weiter, nach unten wollen sie verständlicherweise nicht wieder zurück.

Was tun? Politiker haben dann allerdings andere Möglichkeiten als normal Sterbliche: der eine geht für viel Geld zu Bilfinger-Berger (Roland Koch), der andere zu Roland Berger (Ole von Beust oder zur EU (Günther Oettinger), wiederum andere lassen sich von der Chefin, die sie eigentlich ablösen wollten, nach oben zum Bundespräsidenten wegbefördern (Christian Wulff). Das Problem von Koch und Wulff war: bis 2013 versperrt Angela Merkel denn Weg nach ganz oben, dann ist möglicherweise bis 2017 Opposition angesagt.  

Jetzt hat wieder einer von der aufreibenden politischen Arbeit und der Karriere genug: Peter Müller aus dem Saarland. Er will Verfassungsrichter werden, ein ruhiger, gut dotierter Job (12.500 Euro monatlich) ohne Neider, die am Stuhl sägen, angesehen und wichtig. Dass er damit einer unguten Tradition folgt, nämlich hochrangige Parteipolitiker, zu “unabhängigen” obersten Richtern zu befördern, dürfte ihm ziemlich egal sein.

Er ist kein Opfer der angeblich männermordenden Angela Merkel, er hat schlicht und einfach keine Lust mehr, sich bis zur nächsten Landtagswahl dahinzulangweilen und auf seine Abwahl zu warten. Interessant aber ist, dass Müller das letzte prominente Mitglied des Karriere-Netzwerks Anden-Pakt ist, eines Vereins, der es nicht geschafft hat, eines seiner Mitglieder bis ins Kanzleramt zu befördern. Die Männerbünde in der CDU haben ausgespielt. Nachfolgerin im Saarland ist eine Frau.

Es gibt in der CDU keine starken Männer mehr. Die neuen Ministerpräsidenten können sich mit Müh und Not in ihren Jobs behaupten (Stefan Mappus vielleicht nicht einmal das), aber für höhere Aufgaben empfehlen sich weder Volker Bouffier (Hessen) noch David McAllister (Niedersachsen).

Und der letzte CDU-Mann, dem man noch Höheres zugetraut hat, Norbert Röttgen, verspielt gerade in NRW seine Chancen. Wankelmütig, übertaktierend aus Angst vor einem Abstieg in die Provinz, vergibt der Umweltminister die Chance, die angeschlagene Hannelore Kraft vor sich herzutreiben. Und er schmeißt sich prophylaktisch schon mal an die Grünen ran, die seine Partei gerade zum offiziellen Hauptgegner (“Dagegen-Partei”) erkoren hat. Und auch er hat schon früher mit dem Ausstieg gespielt.

Wenn auch Röttgen seine Chance verspielt, dann gibt es in der CDU nur noch eine Frau, die vielleicht einmal Angela Merkel beerben könnte: Ursula von der Leyen.  Dann kommt das personelle Nichts – zumindest das männliche . Sie wird 2017 59 Jahre alt. Das ginge noch. Allerdings gibt es noch den Freiherrn aus Bayern. Der wird 2017 erst 47. Aber der ist erst einmal damit beschäftigt, seine Karriere zu retten.

Lesen Sie dazu auch “Die Lebensabschnittspolitiker

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19 Kommentare

1) Sabine Zielke-Esser, Sonntag, 23. Januar 2011, 19:41 Uhr

Sorry, aber ich habe es nicht verstanden: Wie sehen Sie die Jahre 2013 bis 2017? Eine dritte Amtsperiode von Angela Merkel – quasi “alternativlos”?

2) Frank Reichelt, Sonntag, 23. Januar 2011, 20:04 Uhr

Früher konnte ich die Ministerpräsidenten der Länder fehlerlos herunterleiern, heute habe ich damit allerdings so meine Schwierigkeiten!

3) Ste, Sonntag, 23. Januar 2011, 22:34 Uhr

Aber lieber Herr Spreng, interessanter wäre das Ganze ja, wenn Sie erklären könnten was an diesen Männern so stark sein soll oder so stark gewesen war. Und was heißt “stark”?

4) EStz, Montag, 24. Januar 2011, 01:39 Uhr

>>Früher konnte ich die Ministerpräsidenten der Länder fehlerlos herunterleiern, heute habe ich damit allerdings so meine Schwierigkeiten!

Früher konnte ich auch die Bundesminister fehlerlos herunterleiern, aber heute…?
:-)

5) M.M., Montag, 24. Januar 2011, 03:24 Uhr

Wer weiss schon was die Zukunft bringt?
Es gilt das Übel der politisch weisungsgebundenen Staatsanwälte in Deutschland zu “entflechten”.
Ob weiblich oder männlich, gleich welcher Partei, ist da völlig unerheblich!

6) Solitaire, Montag, 24. Januar 2011, 07:55 Uhr

@Frank Reichelt – weil sie mittlerweile alle vollkommen beliebig sind. Die CDUler wurden seinerzeit blitzschnell a la Merkel abgesaegt, wenn sie zu beliebt wurden und kaempfen heute gegen die Inkompetenz ihrer Partei im Bund (oder, wie Mappus, mit ihren eigenen rechtlich bedenklichen Aktionen), die SPDler leiden an der Bedeutungslosigkeit ihrer Partei… und mehr ist ja nicht.

…zumal die gefuehlte Haelfte der gegenwaertigen Ministerpraesidenten entweder durch faule Deals, halbgare Koalitionen oder Abloesung in der Mitte der Wahlperiode an den Job geraten sind – ihre Legitimation also eher maessig daher kommt. Heutzutage faellt ein Ministerpraesident eben nur noch auf, wenn er Leuten die Augen rausschiessen laesst, rassistische und/oder migrantenfeindliche Sprueche absetzt oder im eigenen Bundesland ueber die laestigen Gesetze stolpert.

7) CB, Montag, 24. Januar 2011, 09:19 Uhr

Der erste Absatz, Herr Spreng, herrlich geschrieben. Regt an, falls angesprochen, sich selbst zu beurteilen. Und schon wieder beginnt der Tag wunderbar. Das Gleiche wünsche ich Ihnen, wenn es dann irgendwann auch bei Ihnen so weit sein wird.

8) Nashwin Fuller, Montag, 24. Januar 2011, 09:27 Uhr

@ Fr. Zielke-Esser

“[...] bis 2013 versperrt Angela Merkel denn Weg nach ganz oben, dann ist möglicherweise bis 2017 Opposition angesagt.”

9) Peter Christian Nowak, Montag, 24. Januar 2011, 12:29 Uhr

Also, wenn es nach mir ginge, dann ist Herr Brüderle genau der Richtige fürs Kanzleramt.
Herr Brüderle könnte so ziemlich alles von Beruf sein. Zum Beispiel Dachdecker..oder Schlossermeister einer Schlosserei mit drei Gesellen…na ja usw…und Chef der BA könnte er sein, weil ihm das Fälschen von Statistiken auch nicht ganz fremd ist.
Aber eines ist er ganz bestimmt: Der XXLwirtschaftsminister.
Ist doch was, oder? – Also kann er auch Kanzler.

10) marcpool, Montag, 24. Januar 2011, 12:35 Uhr

Das sie alle gegangen sind, jetzt auch P. Mueller ! Man muss auch gönnen können. Interessant finde ich allerdings schon , wieviele bekannte Persönlichkeiten – innerhalb der Merkel Ära – sich ” vom Acker ” machen. Und was ist eigentlich – wenn diese Koalition in Berlin nicht hält – und schon vor 2013 ein Nachfolger gesucht wird ? Herr zu Guttenberg – wirklich ? Denke mal das der jetzt genug darüber grübeln wird, ob er nicht lieber mal seine Informationsdienste innerhalb seines Ministeriums auf ” Posten ” bringt, als sich medienfördernd mit Talk show nach Afghanistan bewegt. Einen Bild gesteuerten Kanzler ? Nicht wirklich !

11) Jeff Kelly, Montag, 24. Januar 2011, 13:48 Uhr

Wer leben will muss dem Tode ins Auge sehen. Anders gesagt: Nur wer Risiken eingeht kann Erfolg haben, die Kehrseite der Medaille bedeutet aber auch das man zu große Risiken eingehen kann und unter Umständen scheitert.

Da ist es mir dann tatsächlich fast lieber wenn die Mutlosen, die jede Entscheidung aus Angst vor dem ‘Abstieg’ scheuen, lieber gleich ganz aufhören.

12) Tharben, Dienstag, 25. Januar 2011, 01:09 Uhr

So habe ich das noch nie gesehen. Im Grunde sagen Sie in der ersten Hälfte, dass Menschen, die tagtäglich unmenschliche Entscheidungen treffen, trotzdem Menschen sind. Das macht mir Angst.

Ich will Industriepolitiker nicht menschlich finden, die Tag für Tag für Wirtschaftlobbies tätig sind.

13) Recht Unbedeutend, Dienstag, 25. Januar 2011, 03:05 Uhr

Freue mich, daß es tatsächlich auch politisch interessierten Menschen mit den Ministerpräsidenten so geht. Ich hatte mich schon geschämt. Auch bei den Bundesministern kann ich mir irgendwie keine Mühe mehr geben, dahin ist die Bildungsbeflissenheit der Abiturjahre. Insofern gereicht mir der Artikel zum Trost, was selten genug vorkommt. Vielen Dank!

14) Eduard, Dienstag, 25. Januar 2011, 09:44 Uhr

Ach Herr Spreng,
so langsam muss ich Ihre Einträge kaum noch lesen. Ich betrachte die Überschrift und weiß, was kommt: Genöle. Sie bedienen und fördern die aktuelle Politikerverdrossenheit mit eiiner Leidenschaft, die mir langsam komisch vorkommt.

Das Schlimme: Ich glaube, Sie könnten es in vielen Bereichen besser wissen. Wie oft haben Sie die Zeitungen und Aufgaben gewechselt? Sie kokettieren in Ihren Anekdoten gerne damit. Nur für Ministerpräsidenten muss etwas anderes gelten: Einmal in diese Tretmühle geraten, für immer drin gefangen?
Daß es sich derzeit so häuft, hat m.E. eine andere Ursache: einige, von denen wir derzeit sprechen, kamen in der Folge des rot-grünen Anfangschaos 1998/1999 an die Macht, haben vorher aber schon 15-20 Jahre Politik gemacht. Reicht Ihnen ein Jahrzehnt in vorderster Verantwortung nicht?

Was Ihre abfälligen Bemerkungen über Peter Müller betrifft: Der Kerl war Einser-Jurist und hat vor seiner politischen Karriere vier Jahre als Richter gearbeitet. Und es besteht ja wohl hoffentlich Einigkeit darüber, daß das Bundesverfassungsgericht auch ein immens politisches Verfassungsorgan ist. Schadet es wirklich, wenn auch einmal wieder EIN Politiker unter all den Professoren und Staatsrechtlern sitzt?
“Ungute Tradition, Politiker zu Richtern zu befördern?” War Jutta Limbach eine schlechte BVG-Präsidentin? Die war vorher Justizsenatorin von Berlin. War Roman Herzog ein schlechter BVG-Präsident? Er war Kultus- und Innenminister in Baden-Württemberg.
Sie arbeiten mit subtilen, gehässigen Behauptungen und helfen mit, das Klima bei uns weiter zu vergiften…cui bono?

15) fraudoktor, Dienstag, 25. Januar 2011, 20:05 Uhr

Schade, Herr Spreng, dass Sie ausnahmslos über Männer schreiben. Wollen Sie überhaupt LeserInnen?

16) Peter Christian Nowak, Dienstag, 25. Januar 2011, 20:27 Uhr

@Eduard

Nein, so einfach kann man sich das nicht machen. Sie erklären etwas für Selbstverständlich, was nicht selbstverständlich ist. Der fliegende Wechsel von einem politischen Amt in die Wirtschaft oder in das Verfassungsgericht erweckt bei den Bürgern Argwohn.
.So ein Wechsel ermöglicht vor allem Zugang zu Kontakten und dem detailreichen Insiderwissen der Politiker. Damit sichern sich diejenigen, die es sich leisten können, unzählige Einflussmöglichkeiten. Die es sich leisten können, sind zumeist Konzerne, Firmen ( wie AWD) und unternehmensnahe Denkfabriken oder Wirtschaftsverbände. Sie können lukrative Angebote machen. Ein Politiker im höchstrichterlichen Amt kann gefährlich werden. Ich sage „kann“.
Was ehemalige Politiker nach dem Ausscheiden aus ihrem Amt tun, ist nur wenig transparent. Lediglich beamtete Staatssekretäre müssen innerhalb der ersten fünf Jahre (für Beamte im Ruhestand gelten drei Jahre) nach dem Ende ihrer Tätigkeit neue Aufgaben dem ehemaligen Arbeitgeber mitteilen. Für Bundeskanzler, Minister und parlamentarische Staatssekretäre gilt diese Regelung nicht. Und so verweisen viele ehemalige Politiker, wie beispielsweise Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement darauf, sie seien Privatpersonen und müssten sich vor niemandem rechtfertigen. Oder das bekannte Beispiel von „Gasschröder“. Gemeinsam mit dem russischen Präsidenten Putin, hat er sich, damals noch Bundeskanzler, für den Ausbau einer Erdgaspipeline in der Ostsee eingesetzt.
Fehlende Transparenz zerstört das Vertrauen bei den Wählern! Warum hat Merkel die Antikorruptionscharta der UN bis heute nicht unterschrieben? Warum nicht?
Gerhard Schröder (SPD), der ehemalige Bundeskanzler, ist unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender bei der Nord Stream AG, weiterhin ist er Berater für die Verlagsgruppe Ringier AG und berät die Rothschild-Investmentbank in internationalen Fragen. Vorher hat er mit Fischer ganz schnell noch die Deregulierung der Finanzmärkte durchgesetzt und hat die Hedge-Fonds mit den bekannten, desaströsen Folgen für uns Wähler erlaubt.
Ex-Wirtschaftminister Wolfgang Clement ( damals SPD) sitzt in mehreren Aufsichtsräten. Dazu gehört eine Zeitarbeitsfirma, die Landau Media AG und RWE-Power.
Matthias Berninger (Grüne) war unter Schröder im Verbraucherministerium als parlamentarischer Staatssekretär tätig. Jetzt arbeitet er für Mars in Brüssel.
Rainer Baake (Grüne), früher als beamteter Staatssekretär im Umweltministerium tätig, ist jetzt Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe.
So könnte man die Liste munterfortsetzen. Nein, so einfach kann man sich das nicht machen, Herr Eduard.

17) Falkner, Donnerstag, 27. Januar 2011, 15:25 Uhr

Offenbar ist das CDU Bashing hier immer noch sehr beliebt. Tendentiell ist die Feststellung, dass die alte Garde der CDU nun gerade abdankt oder abdanken wird auch nicht falsch. Allerdings muss das nicht unbedingt ein Fehler sein. Aus meiner Sicht ist ein Gruppe oder ein Netzwerk junger Politker (wie es auch der Andenpakt damals war) stets einem großen Landesfürsten vorzuziehen, alleine aus Gründen der Kreativität und der Beleuchtung von Problemen aus verschiedenen Dimensionen.

Dafür benötigt man dann allerdings auch Querdenker und unabhängige Köpfe mit Hirn und Herz an der richtigen Stelle und keine gestriegelten RCDS-Lackaffen von privaten BWL Hochschulen mit durchgeplanter Karriere und keinerlei Kenntnis vom “normalen” Leben und der Einstellung, dass Arbeit an sich keine schlechte Sache ist und das Geld nicht automatisch am Monatsende auf das Konto überwiesen wird.

Genau diese Menschen fehlen allerdings nicht nur der CDU, sondern allen Parteien. Deutschland wird nicht mehr regiert sondern nur noch verwaltet.

18) Franz Josef Neffe, Freitag, 28. Januar 2011, 23:51 Uhr

Ist das nicht lustig: Kämpfen lernen wir, aber LEBEN lernen wir nicht. Dann kämpfen wir ein Leben lang für das Gute und haben ausgerechnet deswegen keine Zeit, es zu tun – oder wenigstens geschehen zu lassen. Als Ich-kann-Schule-Lehrer liebe ich die exakte Beobachtung. Die entscheidenden Kräfte des Lebens sind FEINE Kräfte; mit Grobheiten und Plumpheiten kommt man nicht an sich heran und erschöpft nur – wie man gut beobachten kann, seine Kräfte. Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

19) Schmitz, Donnerstag, 22. Dezember 2011, 22:31 Uhr

Geht es nach Westerwelle, Guttenberg, Rösler und nicht zu vergessen Angela Merkel noch peinlicher? Ja, es geht. Es ist Christian Wulff, er darf sich noch Bundepräsident nennen, gewählt durch eine Institution, die mit Sicherheit nicht Volkes Wille wiederspiegelt. Ich sage, hau ab BP Wulff und frage, ob Herr Gauck nicht für dieses Amt zur Verfügung steht? Mir reicht es jetzt, was sich diese verkommene Politbande raus nimmt!

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