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Die Lebenskrise der starken Männer

Im Laufe des Lebens eines jeden Menschen, der beruflich Karriere gemacht hat, kommt der Punkt, an dem er sich, ermüdet vom beruflichen Kampf, fragt: War das jetzt alles? Die einen schlucken dann Psychopharmaka, andere suchen sich eine neue Frau, wiederum andere steigen aus. Die einen werden Bio-Bauer in Bayern, andere umsegeln die Welt oder pressen Olivenöl in der Toskana.

Auch Politiker, die Karriere gemacht haben und dann auf hohem Niveau auf ihren Posten festsitzen, kommen in eine solche Krise. Nach oben geht’s nicht weiter, nach unten wollen sie verständlicherweise nicht wieder zurück.

Was tun? Politiker haben dann allerdings andere Möglichkeiten als normal Sterbliche: der eine geht für viel Geld zu Bilfinger-Berger (Roland Koch), der andere zu Roland Berger (Ole von Beust oder zur EU (Günther Oettinger), wiederum andere lassen sich von der Chefin, die sie eigentlich ablösen wollten, nach oben zum Bundespräsidenten wegbefördern (Christian Wulff). Das Problem von Koch und Wulff war: bis 2013 versperrt Angela Merkel denn Weg nach ganz oben, dann ist möglicherweise bis 2017 Opposition angesagt.  

Jetzt hat wieder einer von der aufreibenden politischen Arbeit und der Karriere genug: Peter Müller aus dem Saarland. Er will Verfassungsrichter werden, ein ruhiger, gut dotierter Job (12.500 Euro monatlich) ohne Neider, die am Stuhl sägen, angesehen und wichtig. Dass er damit einer unguten Tradition folgt, nämlich hochrangige Parteipolitiker, zu „unabhängigen“ obersten Richtern zu befördern, dürfte ihm ziemlich egal sein.

Er ist kein Opfer der angeblich männermordenden Angela Merkel, er hat schlicht und einfach keine Lust mehr, sich bis zur nächsten Landtagswahl dahinzulangweilen und auf seine Abwahl zu warten. Interessant aber ist, dass Müller das letzte prominente Mitglied des Karriere-Netzwerks Anden-Pakt ist, eines Vereins, der es nicht geschafft hat, eines seiner Mitglieder bis ins Kanzleramt zu befördern. Die Männerbünde in der CDU haben ausgespielt. Nachfolgerin im Saarland ist eine Frau.

Es gibt in der CDU keine starken Männer mehr. Die neuen Ministerpräsidenten können sich mit Müh und Not in ihren Jobs behaupten (Stefan Mappus vielleicht nicht einmal das), aber für höhere Aufgaben empfehlen sich weder Volker Bouffier (Hessen) noch David McAllister (Niedersachsen).

Und der letzte CDU-Mann, dem man noch Höheres zugetraut hat, Norbert Röttgen, verspielt gerade in NRW seine Chancen. Wankelmütig, übertaktierend aus Angst vor einem Abstieg in die Provinz, vergibt der Umweltminister die Chance, die angeschlagene Hannelore Kraft vor sich herzutreiben. Und er schmeißt sich prophylaktisch schon mal an die Grünen ran, die seine Partei gerade zum offiziellen Hauptgegner („Dagegen-Partei“) erkoren hat. Und auch er hat schon früher mit dem Ausstieg gespielt.

Wenn auch Röttgen seine Chance verspielt, dann gibt es in der CDU nur noch eine Frau, die vielleicht einmal Angela Merkel beerben könnte: Ursula von der Leyen.  Dann kommt das personelle Nichts – zumindest das männliche . Sie wird 2017 59 Jahre alt. Das ginge noch. Allerdings gibt es noch den Freiherrn aus Bayern. Der wird 2017 erst 47. Aber der ist erst einmal damit beschäftigt, seine Karriere zu retten.

Lesen Sie dazu auch „Die Lebensabschnittspolitiker [1]