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Der BILD-Minister

Von Heinz-Oskar Vetter, dem früheren DGB-Vorsitzenden, stammt der Satz: „Wer sich in BILD begibt, kommt darin um“. So weit ist es zwar bei Verteidigungsminister zu Guttenberg noch nicht, aber seine Nähe zu BILD könnte für ihn verhängnisvoll werden. BILD war maßgeblich daran beteiligt, ihn zum beliebtesten Politiker hochzuschreiben. Welche Rolle spielt die Zeitung bei seinem möglichen Abstieg? 

Zu Guttenberg posierte in Top-Gun-Pose auf Seite 1 für die 3D-Ausgabe von BILD, seine Frau ist Botschafterin der BILD-Aktion „Ein Herz für Kinder“. Kaum ein Zeitungstag ohne zu Guttenberg. Er verkaufte sich selbst gut und verkaufte sich auch gut. Immer wieder feierte ihn BILD seitenweise und verteidigte ihn und seine Frau, wenn Kritik aufkam – zum Beispiel an der Reise seiner Ehefrau mit ihm nach Afghanistan: „Wir finden sie gutt“. Und eine mit zu Guttenbergs befreundete BamS-Redakteurin schrieb seine liebevolle Biographie. 

Jetzt könnte zu Guttenbergs Nähe zu BILD zumindest zum Karriereknick führen. Am vergangenen Freitag warnte zu Guttenberg in der „Gorch-Fock“-Affäre noch vor Vorverurteilung, um dann am selben Tag kurz vor Mitternacht nach dem Anruf eines BILD-Redakteurs den Kommandanten zu suspendieren. Die Zeitung mit dem Bericht über weitere Missstände auf dem Segelschulschiff war noch gar nicht erschienen, als der bis dahin angesehene Offizier schon abberufen war.

So viel zum Thema Vorverurteilung und darüber, wie bei der Bundeswehr eine objektive Untersuchung aussieht. Eine Zeitung aber kann nie der Ratgeber eines Ministers sein, denn sie hat ihre eigene Logik, die nur in Schönwetterzeiten mit der des Politikers übereinstimmt.

Und in der Affäre um den Tod eines Soldaten in Afghanistan, der angeblich beim Waffenreinigen starb, informierte zu Guttenbergs  parlamentarischer Staatssekretär Kossendey zu einem Zeitpunkt das Parlament falsch, als schon längst klar war, dass der Soldat Opfer eines Kameraden wurde, der offenbar „in spielerischer Weise“ mit seiner Waffe umging.

Zu Guttenberg hat zumindest sein Ministerium nicht im Griff. Information ist aber in einem solch skandalträchtigen Ministeriums nicht nur eine Bring-, sondern auch eine Holschuld. Zu Guttenberg, der während einer Reise mit der Kanzlerin vom Tod des Soldaten erfuhr, hätte sich selbst erkundigen müssen, was es Neues in dem Fall gibt. Denn offenbar wusste er schon sehr früh, dass ein zweiter Soldat beteiligt war.

Der Verteidigungs- und Medienminister in eigener Sache, der immer darauf aus war, „bella Figura“ zu machen, macht keine gute Figur. Er darf sich auch nicht wundern, dass jetzt alle über ihn herfallen und auch diejenigen ihn runterzuschreiben versuchen, die ihn vorher hochgeschrieben haben. So sind halt die Gesetze der Medien, so ist der berühmte Paternoster-Effekt. Und die politischen Neider, die eine sichere Zweidrittel-Mehrheit im Bundestag haben, fallen jetzt nur zu gern über zu Guttenberg her. Es gibt keinen funktionierenden Firewall für zu Guttenberg mehr – weder gegenüber den Medien noch im Verhältnis zu Parlament und Regierungsparteien.

Wenn er daraus lernt, kann zu Guttenberg die Skandale und Affären überstehen. Lernen heißt: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Sich selbst kümmern, im Ministerium und in der Truppe aufräumen, ein Frühwarnsystem installieren, die Informationswege neu organisieren. Mehr Ministerium, weniger Medien. Mehr harte Arbeit, kein Medien-Posing und keine Homestories mehr, weniger gesellschaftliche Auftritte. Wenn zu Guttenberg das macht, kann er die Affären überstehen und dann vielleicht sogar gestärkt daraus hervorgehen.