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Das Ende der Methode Guttenberg

Ein paar Schrammen, aber immer noch der beliebteste deutsche Minister. So die neuesten Umfragen. Der Pakt des Karl Theodor zu Guttenberg mit dem Volk scheint zu halten. Scheint, denn es wäre fatal, wenn sich der Verteidigungsminster jetzt selbstzufrieden zurücklehnen würde nach dem Motto: Alles halb so schlimm.

Denn in den vergangenen zehn Tagen ist die Methode Guttenberg gescheitert, seine Art Politik zu machen und zu zelebrieren, seine Methode, mithilfe der Medien über die Köpfe des Parlaments und seines Apparats hinweg mit den Wählern direkt zu kommunizieren.

Diese Methode hat Tradition: immer wieder versuchen Politiker, aber auch Unternehmensführer, direkt mit dem Volk (oder der Belegschaft)  zu kommunizieren, so zu führen und ihre Position abzusichern. Der Politiker benutzt dafür die Medien, der Unternehmensführer Belegschaftsversammlungen, Intranet und einen guten Draht zum Betriebsrat.

Alles, was dazwischen ist, also Parlament, Parteigremien und der Beamtenapparat (beim Politiker) oder das obere und mittlere Management (beim Unternehmenschef) wird von solchen Führungsfiguren als Lähmschicht angesehen, als Menschen, die sie nur bei der Arbeit behindern und der Durchsetzung ihrer höheren Weisheit im Wege stehen.

So hat auch zu Guttenberg lange Zeit erfolgreich Politik gemacht und dabei Parteiprogramme und Positionen selbst höchstrangiger Politiker (Horst Seehofer) ausgehebelt. Im Ministerium war deshalb alles, was Medienunfrieden und Medienkampagnen bedeuten könnte, Chefsache. Da wurden dann auch mal Entscheidungen ohne Konsultation der Bundeswehrspitze und auch im Gegensatz zu den noch wenige Stunden zuvor geäußerten eigenen Meinungen überfallartig getroffen.

Hauptsache, der Chef erscheint entscheidungsfreudig, erweckt den Eindruck, alles im Griff zu haben, gibt sich den Anschein, er kümmere sich um die  Sorgen der kleinen Leute, lässt sich nicht von der Lähmschicht beinflussen. „Erscheint“, „erweckt den Eindruck“, „gibt sich den Anschein“ – genau das ist das Problem von und mit zu Guttenberg. Es geht meist um den Schein. Er ist ohne Zweifel eine der talentiertesten und beindruckendesten politischen Neu-Erscheinungen seit vielen Jahren – aber eben nach wie vor eine „Erscheinung“.

Diese Methode Guttenberg ist jetzt zusammengebrochen. Der direkte Draht zum Volk scheint zwar, wenn auch beschädigt, noch zu funktionieren, aber die Lähmschicht schlägt jetzt zurück. Die Bundestagsabgeordneten wollen sich nicht länger wie Lakaien abbürsten lassen. Die Kritik reichen bis tief in die Reihen der CDU/CSU hinein. Die Abgeordneten sind es leid, von ihm hochnäsig als von „bemerkenswerter Ahnungslosigkeit“ bezeichnet zu werden, wegen der „Qualität ihrer Fragen“ vom Minister gerügt zu werden, oder die Empfehlung zu bekommen, „die Zeitung zu lesen“.

Genau das ist das Problem: das Parlament will nicht aus der Zeitung erfahren, was in der Bundeswehr und im Verteidigungsminsterium schief  läuft und was der Minister entschieden hat, sondern vom Minister und seinen Leuten direkt. Der Souverän ist zwar das Volk, aber die Parlamentarier sind seine obersten Repräsentanten, nicht die Administration.

Und der Minister hat seinen eigenen Apparat gegen sich aufgebracht: die Inspekteure, die Offiziere, die Beamten. Sie wollen auch nicht länger als Lähmschicht  betrachtet und von den Spontanentscheidungen des Ministers ausgeschlossen werden. Der Minister hat seinen Nimbus bei der Bundeswehr verloren, da kann er noch so oft den Afghanistan-Krieg korrekterweise „Krieg“ nennen. Das reicht nicht. Nicht nur die Offiziere, sondern auch die einfachen Mannschaften werden zunehmend merken, dass sie entweder als Staffage (zu Guttenbergs Afghanistan-Besuch mit Ehefrau Stefanie) oder als Kanonenfutter (Gorch Fock) missbraucht werden.

Genau diese aber, Parlament und Bundeswehroffziere, braucht zu Guttenberg, um auch künftig erfolgreich zu sein. Das Parlament muss seinen Sparwillen (oder Sparunwillen) mittragen, die Offiziere den gewaltigsten Umbau der Bundeswehr seit ihrer Gründung. Zu Guttenberg braucht also künftig die verachtete Lähmschicht, um politisch überhaupt noch etwas bewegen zu können: den Umbau der Bundeswehr von der Wehrpflicht- zur Freiwilligenarmee, die Strukturreform, den weiteren Teilumzug von Bonn nach Berlin, die Verkleinerung des Ministeriums.

Zu Guttenberg steht vor einer gewaltigen Herausforderung und hat genau diejenigen, die er zur Bewältigung dieser Herausforderung braucht, systematisch gegen sich aufgebracht. Ein taktisches Desaster.  

Und auch die Sache mit den Medien läuft nicht mehr rund. Die „strategische Partnerschaft“ (FAZ) zwischen BILD und dem Minister ist identifiziert, die restliche (Mehrheits-)Presse will dieses  Spezial-Bündnis nicht länger akzeptieren und schießt sich darauf ein. Ein kommunikatives Desaster.

Toll gemacht, Herr Minister!