Dienstag, 01. Februar 2011, 12:50 Uhr

Die Frauenquote-Heuchelei

Die Debatte in der CDU/CSU über eine Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen deutscher Unternehmen ist an Heuchelei kaum zu überbieten. Wer sie fordert und öffentlichkeitswirksam diskutiert, muss sich gefallen lassen, selbst überprüft zu werden.

Im Schaufenster der von der CDU geführten Bundesregierung, also im Kabinett, sieht es noch einigermaßen gut aus: sechs der 16 Kabinettsmitglieder sind Frauen – immerhin eine Quote von 37,5 Prozent. Aber schon eine Reihe dahinter, bei den parlamentarischen Staatssekretären, wird’s düster: nur sieben von den 28 Staatssekretären und Staatsministern sind Frauen, also gerade einmal 25 Prozent. Und die Quote sinkt auf 21,4 Prozent, weil die sich nach Rheinland-Pfalz verabschiedende Staatssekretärin im Verbraucherschutzministerium, Julia Klöckner, durch einen Mann ersetzt wird – des CDU-Regionalproporzes wegen.

Interessant auch die Führungsspitzen der Ministerien der beiden streitenden Damen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder. Die vier Staatssekretäre von Frau von der Leyen sind Männer, die zwei von Frau Schröder ebenfalls. Die CDU/CSU ist, was die Frauenquote in der Bundesregierung betrifft, kein Spiegel der Bevölkerung, sondern nur der traurigen Realität  in der eigenen Bundestagsfraktion: nur 20 Prozent ihrer Abgeordneten sind weiblich.  Die FDP ist in ihrer Ablehnung der Frauenquote in Unternehmen zumindest konsequent: nur jeder vierte FDP-Bundestagsabgeordnete ist eine Frau.

Die Unionsparteien erwecken durch die Debatte einen Modernitätseindruck, denn sie selbst nicht einmal annähernd einlösen können. So etwas nennt man Heuchelei. Bevor also die CDU/CSU diese Scheindiskussion weiterführt, sollte sie erst einmal an sich selbst arbeiten und wenigstens den Frauenanteil in der Regierung und Fraktion herstellen, den sie jetzt von den Unternehmen verlangt.

Bei den Grünen und der Linkspartei übrigens ist mehr als jeder zweite Parlamentarier weiblich.

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34 Kommentare

1) MG, Dienstag, 01. Februar 2011, 13:31 Uhr

Nachdem 51% der Bevölkerung männlich ist und “nur” 49% weiblich sind die Grünen und die Linken wohl nicht repräsentativ.

2) Wolf-Dieter, Dienstag, 01. Februar 2011, 13:39 Uhr

Die Heuchelei ist nicht mal das größte Übel daran: eine Quote steht in Konflikt zu fachlichen Auswahl-Kriterien. Es ist nur hirnverbrannt.

3) Peer, Dienstag, 01. Februar 2011, 13:45 Uhr

@MG: Interessante Zahlen! Dann ist Deutschland wohl nicht repräsentativ 😉 In der Weltbevölkerung sind 40% männlich und 60% weiblich – aufgrund der höheren Lebenserwartung (und eine solche Verteilung hätte ich auch in Deutschland erwartet, ist da das durchschnittliche Lebensalter ja recht hoch).

Hat aber natürlich auch nicht viel mit der Diskussion zu tun…

4) Jeff Kelly, Dienstag, 01. Februar 2011, 13:48 Uhr

Eine Debatte über das Thema ist letztendlich schwierig, weil man sich schnell gewollt oder ungewollt in bestimte Ecken begibt.

Ich persönlich halte eine Quotenregelung für das falsche Instrument um eine paritätische Besetzung von Stellen durchzusetzen, weil sie den Aspekt der Eignung für eine Position zu stark ausblendet und außen vor lässt.

Außerdem ist es eine sehr selektive Debatte, weil es letztendlich um Frauen in Führungspositionen geht, die ungleiche Verteilung der Geschlechter in anderen Branchen aber nicht debattiert wird. Dass z.B. in der Stahlkocherei fast nur Männer arbeiten wird ebenso akzeptiert, wie die Tatsache, dass in Erziehung und Bildung die Frauen stark überwiegen. Die Argumente warum das dort so ist, ja so sein muss, folgen letztendlich den gleichen Mustern, die bei der debatte um Frauenquoten letztendlich dann wieder kritisiert werden, was die ganze Diskussion als solche stark entwertet.

Letztendlich gilt, dass die Grundannahme die hinter der Forderung nach einer Quotenregelung steckt verallgemeinerbar ist, Diskriminierung ist nicht geschlechtsspezifisch. Wer eine Frauenquote für alle Berufe fordert müsste deshalb konsequenterweise auch eine Männerquote fordern.

Ansonsten landet man nur wieder bei der Behauptung, dass Berufe mit überwiegendem Frauenanteil für Männer einfach nicht attratktiv sind, während in Berufen mit überwiegendem Männeranteil, die Ursache in der Diskriminierung liegt. Dabei dürfte ich schon aus empirischen Gründen keine unterschiedlichen Ursachen annehmen.

Letztendlich gehen die Vertreter der Quotenregelung von der Annahme aus, dass es entweder:

– bereits einen paritätisch verteilten Pool an potentiellen Kandidaten gibt, in dem aber eine Gruppe benachteiligt wird und deshalb im Ergebnis weniger davon beschäftigt werden. Das würde bedeuten dass es in allen kritisierten Branchen bereits eine große Menge an gut ausgebildeten Kandidaten gäbe, die aber nicht zum Zuge kommen.

– dass die unterrepräsentierte Menge bereits vor oder in der Ausbildung diskriminiert wird und deshalb überhaupt nicht erst einen solchen Beruf ergreift.

Die Vertreter der zweiten Annahme fordern z.B. getrennetn Mathematik- und Physikunterricht, weil Mädchen in gemischten Klassen angeblich durch das Verhalten der Jungs und der meist männlichen Lehrer entmutigt würden. Die Vertreter der ersten Annahme fordern Quotenregelungen.

Mein Problem an der Debatte ist, dass ich die erste Annahme für falsch halte. Es gibt nur wenige Berufe wo die Menge der potenziellen Kandidaten wirklich nahezu gleich auf die Geschlechter verteilt ist.

In Pharmazie und Biologie und dem Schulwesen überwiegen z.B. Frauen bei den Absolventenzahlen und bei den MINT-Fächern liegt die Anfängerquote der Frauen schon bei unter 10%, die Absolventenquote sogar darunter.

In solchen Branchen werden sie eine 50%-Quote nur erfüllen, wenn sie für die Position ungeeignete Kandidaten einstellen, was letztendlich auf jede Frau negativ zurückfällt, die sich immer dem Vorwurf aussetzen muss, sie hätte ihren Job “nur wegen der Quote” bekommen.

Der zweiten Argumentation könnte man folgen, um diese zu überwinden wäre eine Quotenregelung allerdings das falsche Werkzeug.

Darüber hinaus zeigen Beispiele aus dem Ausland, dass Quotenregelungen selten funktionieren. Insbesondere die USA haben über ihre “Affirmative Action” Programme jahrzehntelange Erfahrung mit Quotenregelungen als Antwort auf die Rassendiskriminierung.

Das Problem dabei bleibt, dass die Institutionen ihre Quoten nur erfüllen in dem sie die Standards absenken, weil sie auf ein strukturelles Problem reagieren sollen, für dass sie nicht selbst verantworlich sind. Wenn beispielsweise nur 20% aller Amerikaner afrikanischer Abstammung den Schulabschluss machen, aber 80% der weißen Amerikaner (Beispiele keine korrekten Zahlen) dann kann eine Uni da keine andere Verteilung draus generieren als die die sich aus Bevölkerungsanteil + Anteil an Absolventen ergibt.

Dies führt in den USA mittlerweile zu einer “umgekehrten Diskriminierung” weil der Zwang zur Quotenerfüllung nun andere Bevölkerungsgruppen benachteiligt. Darüber hinaus invalidiert es die akademischen Abscglüsse der durch die Quote geschützten Bevölkerungsgruppe, weil viele davon ausgehen, dass der Abschluss eben nur “wegen der Quote” aber nicht aus eignem Antrieb errreicht wurde ob das im Einzelfall nun stimmt oder nicht.

Natürlich gibt es die Benachteiligung einzelner Bevölkerungsgruppen und das Frauen in vielen bereichen diskriminiert werden wird niemand ernsthaft bestreiten wollen.

Ich bin allerdings nicht überzeugt ob eine Quotenregelung das geeignete Instrument ist, diese Benachteiligung zu durchbrechen.

5) Fabian, Dienstag, 01. Februar 2011, 14:02 Uhr

@MG und Peer: laut Statistischem Bundesamt sind 40,1 Mio. Einwohner Deutschlands männlich und 41,7 Mio. weiblich (Stand 31.12.2009). Es gibt vermutlich kein einziges Land der Erde mit einer männlichen Merhheit.

6) klyonrad, Dienstag, 01. Februar 2011, 14:13 Uhr

kann mir den “rechtschreibfehler-kommentar” nicht verkneifen: Wie kann ein ParlamentariER denn weiblich sein?
Aber gerade bei professionellen SchreiberInnen regiert in der Hinsicht ja die (angebliche) “Lesbarkeit”.

Ist aber trotzdem schön, dass selbst ein konservativer Journalist Frauenpolitik zumindest als modern empfindet 🙂 Ihr Hinweis auf den Regionalproporz bei den Parteien ist besonders süffisant, weil das der “aber dann geht es doch _überhaupt_ nicht mehr um die fachliche Eignung”-Fraktion etwas Wind aus den Segeln nimmt.

7) Klaus Kl, Dienstag, 01. Februar 2011, 14:16 Uhr

Ich stimme Herrn Kelly zu – absolut. Wann immer man an einer Stelle ins System eingreift, um jemanden künstlich zu bevorzugen, hat das auch negative Auswirkungen an anderer Stelle,

Herr Spreng, sie haben es ja schon selbst erwähnt (ob wissentlich oder nicht), Frauenquoten und Regionalproporz wirken gleich: Eine Auswahl auf Basis Kriterien, die eigentlich nicht relevant sein sollte.

8) Peter Christian Nowak, Dienstag, 01. Februar 2011, 14:49 Uhr

Der CDU laufen die Wähler davon. Schon in Erwartung der wichtigen Landtagswahl in Baden-Württemberg braucht man ein Aufregerthema. Die Frauen und ihre Quote müssen jetzt herhalten. Immerhin könnten theoretisch nach der Statistik 32 Millionen Frauen angesprochen werden. Das macht was her. 32 Millionen Frauen versus 30 Millionen Männer! 32 Millionen potentielle Wählerinnen!
Frau v. der Leyen versus Schröder. Zoffstoff für die Zeitung mit den dicken Buchstaben! Außerdem steht v. der Leyen erheblich unter Druck – wegen endloser Debatten in Sachen Hartz IV. Fette Schlagzeilen bleiben wegen Ägypten aus.
Aber bis zu den Landtagswahlen kann man das Thema Frauenquote sicher noch einigermaßen warmhalten.
Witzig allerdings ist der „Vorschlag“ von Frau Schröder und darüber hinaus ein alter Hut: die gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung.
Hat man das nicht irgendwann in alten Zeiten schon mal gehört?

9) Jeff Kelly, Dienstag, 01. Februar 2011, 15:04 Uhr

@Fabian. Täuschen sie sich da mal nicht. Es gibt leider zahlreiche Länder dieser Erde, wo Männer und männlicher Nachwuchs nochmal einen wesentlich höheren Stellenwert hat als in Westeuropa oder weiblicher Nachwuchs aufgrund archaischer Heirats- und Aussteuerregeln ein großes finanzielles Risiko ist.

Teilweise mit sehr drastischen Konsequemzen für weiblichen Nachwuchs. In solchen Ländern (da wären z.B. Indien oder China zu nennen) überwiegen Männer deutlich.

10) Niedersachse, Dienstag, 01. Februar 2011, 15:30 Uhr

Es geht heuchlerischer:

http://zettelsraum.blogspot.com/2011/01/marginalie-der-spiegel-und-die.html

11) Uli, Dienstag, 01. Februar 2011, 15:39 Uhr

Man kann ja auch einfach mal die Wikipedia bemühen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechterverteilung

Interessantes Detail übrigens:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=8176
“2009 waren 32 Millionen Frauen und nur 30 Millionen Männer wahlberechtigt.”

12) hojo, Dienstag, 01. Februar 2011, 16:37 Uhr

Eine Frauenquote passt doch gut zu unserem politischen System – dort ist zunächst wichtig, welcher Partei man angehört, und erst dann zählt (evtl.) die Kompetenz. Und bei der Frauenquote ist halt das Geschlecht das erste Auswahlkriterium…

13) karl, Dienstag, 01. Februar 2011, 17:08 Uhr

Nur weil die Grünen eine hohe Frauenquote sind, werden sie nicht besser. Versuch mal, Parteivorsitzender bei denen zu werden – geht nicht. Die sind noch diskriminierender als alle anderen Parteien.

14) Lars Günter, Dienstag, 01. Februar 2011, 19:00 Uhr

Ich finde die Frauen-Quote frauenfeindlich und kontraproduktiv. Künftig werden sich Frauen teilweise rechtfertigen müssen, sie seien nur der Quote wegen in diese Position gelangt.

War es nicht bei den Grünen häufig sogar so, dass Doppelspitzen der Quote wegen gar mit zwei Frauen besetzt waren? Was niemanden gestört hat. Und waren es meist nicht immer die Qualifiziertesten?? Man denke an Lichtgestalten wie Frau Radke, Frau Röstel o. ä.

Im Übrigen finde ich Geschwüre wie “(Regional-)Proporz” sehr viel schlimmer als eine fehlende Frauen-Quote.

15) kamikaze, Dienstag, 01. Februar 2011, 19:34 Uhr

Wie hoch ist der Anteil von Frauen unter Deutschlands Politikberatern?

16) Peer, Dienstag, 01. Februar 2011, 20:46 Uhr

@Karl Ich denke da ist z.B. Joschka Fischer anderer Meinung. Und im Moment haben die eine Doppelspitze (mit einem Mann)
Ich weiß: Fakten in Kommentaren sind verpönt, wenn man nur Meinungsmache betreiben möchte, aber Propaganda (jeglicher Art) ist einer Diskussion nicht eben förderlich.

Daher auch mein Hinweis auf die echten zahlen der Geschlechterverteilung. Wie wärs einfach mal mit Argumenten für/gegen die Frauenquote?

17) Maren P., Dienstag, 01. Februar 2011, 21:20 Uhr

Ich finde die 30%-Quote für Frauen in Führungspositionen und in den Aufsichtsräten eine längst überfällige Entscheidung! Die Vorgehensweise, die Ministerin v.d. Leyen mit den Frauen der CDU-Fraktion plant, scheint mir vielversprechend. Sie sagen der Wirtschaft: Ihr habt zwei bis drei Jahre Zeit, die Vorgabe freiwillig umzusetzen – ansonsten greift das Gesetz. Prima! Und seien Sie sicher, Herr Spreng, ein solches Gesetz wird spätestens 2013 auch die CDU unter Zugzwang setzen! 🙂

18) JG, Mittwoch, 02. Februar 2011, 04:57 Uhr

Unglaublich, wie die Ablenkungsmanöver immer wieder funktionieren! Die einen können sich mal richtig mutig und progressiv fühlen, die anderen sich in ihrem langen, aufopferungsvollen Kampf endlich bestätigt. Doch was bringt eine Frauenquote in Führungspositionen? Daß Frauen mal zeigen können, wie sie die Realität ignorieren können, indem sie auch im Angesicht von lauter Chefinnen munter weiter behaupten, wenn Frauen den Laden schmeißen, laufe automatisch alles besser? So wie es gewisse Damen im Falle unserer Kanzlerin tun?

Den allermeisten Frauen dürfte es viel mehr bringen – und dies auch noch schneller -, wenn endlich mal dafür gesorgt würde, daß Frauen für gleiche Arbeit den gleichen Lohn wie Männer erhalten. Aber vermutlich regelt sich das auch von selbst, wenn es nur genügend dieser unglaublich einfühlsamen, auf Teamwork fixierten, multitaskingfähigen Chefinnen gibt. Die “Frauenfrage” quasi als “Nebenwiderspruch” – das gab es ja schon in einer anderen Staatsreligion. Aber da gab es wenigstens auch genügend Plätze in Kindergärten u.ä.

19) michael, Mittwoch, 02. Februar 2011, 07:51 Uhr

ist mir egal

20) Erika, Mittwoch, 02. Februar 2011, 09:23 Uhr

“Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau”

ist eine alte Lebensweisheit. Vielleicht liegt der geringe Erfolg von Frauen auch daran, weil sie sich im Hintergrund keine Männer (Partner) “leisten”, die ihnen den Rücken freihalten.

Wieviele Frauen haben einen “Hausmann”, der sich um die Kinder, den Stressabbau, die Garderobe die Kommunikation und viele andere Kleinigkeiten kümmert?

21) StefanP, Mittwoch, 02. Februar 2011, 10:22 Uhr

Es ist schon sehr befremdlich: eine gesellschaftliche Gruppe, die die eindeutige Mehrheit in jeder Bevölkerung stellt, die hierzulande sogar mit wachsender Tendenz besser ausgebildet und sozial kompatibler ist, schrumpft in den Augen einer anderen Mehrheit zu einer schützenswerten Spezies. Ein bewundernswerte Meisterleistung, den höchsten Status in einer Political-Correctness-Gesellschaft zu erringen: den Opferstatus, der Zuneigung und Protegierung verspricht.
Der Teil der Fakten, der dies untermalt, sind hinlänglich genannt worden. Die anderen nicht. Inzwischen machen rund 56% der weiblichen Mitglieder dieser Gesellschaft Abitur, im Schnitt mit besseren Noten. Doch schon zu Studienbeginn sinkt ihr Anteil auf immerhin noch 52% und danach geht es weiter bergab. Bei der Promotion sind es nur noch gut 40%. Keiner fragt dabei, warum völlig ohne Diskriminierung Frauen tendenziell weniger daran streben, die Grundlagen für Karriere zu legen. Das wird auch durch die Wahl der Studienfächer untermauert.
Ähnliches lässt sich dann beim Berufseintritt feststellen. Frauen trifft man weit seltener in den Bereichen, die die Voraussetzung für eine Vorstandstätigkeit bilden: im Vertrieb, in der Produktion und im Controlling sind sie deutlich in der Unterzahl, dafür als Marketing-Assi und die wenig Kreativen in der Buchhaltung, wo man sich an festen Regeln halten kann. Bis zum 10. Berufsjubiläum halten weit weniger Frauen als Männer durch.
Überhaupt zeigen Frauen weit weniger Risikofreude als Männer, was nunmal jedoch eine wichtige Voraussetzung für Unternehmensführung ist. Deswegen sind auch nur 40% der Unternehmensneugründungen von Frauen initiiert, der leichteste Weg, an die Spitze zu gelangen. Und so setzt sich das fort: Nach einer SPIEGEL-Umfrage sind lediglich 25% der Frauen bereit, eine Führungsrolle zu übernehmen, aber 42% der Männer. Soll man wirklich Menschen dazu zwingen, Teams zu führen, die das nicht wollen?
Tatsächlich streben weit weniger Frauen als Männer in Positionen, die sie nun nach dem politischen Willen zur Hälfte oder doch zumindest zum Gutteil besetzen sollen. Dabei hat sich die Quote nur als Instrument für ungeeignete Frauen bewährt. So haben SPD, Grüne und Linke eine großzügige Frauenquote, dominiert werden diese Parteien jedoch trotz jahrzehntelanger Frauenförderung von Männern. In höchste Ämter haben es dabei nur Unionsfrauen ohne Quote geschafft. Norwegen, das vorbildliche Land für die Protegierung von Frauen, verlangt seit Jahren einen Anteil von 40% weiblicher Aufsichtsratskräfte. Leider bietet selbst diese Land nicht genügend Kandidatinnen, weshalb die norwegischen Unternehmen längst dazu übergegangen sind, systematisch im Ausland nach weiblichen Aufsichtsräten zu fahnden.
Wie so oft soll mit der Kreierung eines Opferstatus ein Vorteil für eine Gruppe geschaffen werden, nicht nur zu Lasten anderer, vor allem auf Kosten anderer Güter. Was rechtfertigt bitte so den heftigen Eingriff in Eigentums-, Freiheits- und Persönlichkeitsrechte? Die Politik hat vor wenigen Jahren ein Gesetz verabschiedet, das nochmal das Grundgesetz bestätigt: niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt (allerdings auch nicht begünstigt) werden. Geht die Politik davon aus, dass millionenfach gegen ihr Gesetz verstoßen wird, ohne dass es zu Klagefällen kommt? Das ist ein offensichtlicher Widerspruch.
Zunehmend machen weniger Jungen Abitur, fallen in den Leistungen zurück, haben weniger Startchancen. Nicht wenige Fachleute behaupten, wegen der geschlechtlichen Benachteiligung durch die überwiegend weibliche Zahl der Lehrkörper. Leider hört man so gar nichts, wie die offensichtliche Benachteiligung von Jungen durch stärkere Förderung abgebaut werden kann. Wäre mal schön, wenn Politik sich um die echten Probleme kümmern würde und tatsächlich etwas von der Sache verstünde….

22) Hans Czinzoll, Mittwoch, 02. Februar 2011, 13:00 Uhr

Vorstände und Aufsichtsräte sollen quotifiziert werden. Na und? Da dieser Personenkreis schon bisher nicht nach Qualifikation ausgekungelt wurde, ändert sich lediglich das Kungelschema.Wen juckts?

23) Maren P., Mittwoch, 02. Februar 2011, 13:05 Uhr

Ich finde es immer bedauerlich, wenn hier Diskussionsbeiträge länger sind als Michael Sprengs eigentlicher Kommentar. “Getret’ner Quark wird breit – nicht stark.” – so viel Goethe zur Qualität dieser Beiträge.

24) Recht Unbedeutend, Donnerstag, 03. Februar 2011, 03:56 Uhr

Maren P., sollten sie damit den Beitrag ganz oben von Jeff Kelly meinen, so hätten sie ihr Aphorismenbüchlein zum lesen evtl. kurz aus der Hand legen sollen, der Beitrag ist fundiert, adäquat und erheblicher sinnvoller als – nein drücken wir das positiv aus: ich finde es immer sehr bedauerlich, wenn Diskussionsbeiträge keinen eigentlichen Inhalt haben. Sollten sie den Beitrag von StefanP meinen, könnte ihnen aufgefallen sein, daß ihm kein Weg zu weit ist, um Widerspruch auszulösen. Andere “zu” lange Beiträge kann ich nicht sehen, außerdem wird im Internet täglich angebaut, der Raum ist vorhanden. Wenn sie es für stilvoll halten, 2 Menschen zu einer anonymen Gruppe zusammenzufassen und sie dann zu maßregeln, weil Deutschlands große Männer im Geiste mit Ihnen, Frau P., im Bunde sind, sollten Sie sich fragen, ob sie damit tatsächlich die Kultur der Kommentare und Diskussion retten, oder ob sie nicht eher mit der zitierten Milchspeise um sich werfen.
Ich lese jedenfalls weiterhin das meiste mit Genuß, das allermeiste mit Interesse. Der Fokus auf ein “Medienthema” ist nun einmal dem Berufsbild von Herrn Spreng geschuldet, daß wir hier im Anschluß versuchen, Nachricht, Meinung und Hintergrund zu vereinbaren, ist doch gerade der Reiz.

25) Michael M., Donnerstag, 03. Februar 2011, 07:07 Uhr

Ich finde es bedauerlich, das die Qualität der Kommentare immer weiter abnimmt und das inhaltlich auf das Thema immer weniger eingegangen wird 😉

Mal im Ernst: Die beiden längsten Kommentare ergänzen den Artikel besonders gut auf sachlicher Ebene, ohne sich dabei auf das übliche Politiker Bashing zu stützen.

Um dort mal anzuknüpfen: Schade das die Politiker unseres Landes solche Gedankengänge offentsichtlich nicht in Entscheidungen einbeziehen. Das Thema sieht für mich mehr nach Erschliessung weiteren Wählerpotentials in diesem Superlandtagswahljahr aus. Leider lenkt es aber auch von den wichtigen Problemen ab. Ich befürchte fast, dass die fachliche Arbeit in diesem Jahr auf der Strecke bleiben wird.

26) EStz, Donnerstag, 03. Februar 2011, 11:32 Uhr

In der “Familien”-Politik sind in allen maßgeblichen Positionen Frauen an der Macht. Ein großer Teil der Familienpolitik ist den Namen nicht wert, da sie eigentlich Frauen- bzw. Frauen+Kinder-Politik ist.

Frauen sitzen in den entscheidenden Gremien, Frauen entscheiden über die Gesetzesvorlagen, Frauen sprechen “Recht”. Da muss Mann sich nur die meist rechtlose Situation geschiedener Väter anschauen.

27) armerMoldavier, Freitag, 04. Februar 2011, 03:30 Uhr

Möge die Qualifikation entscheidend sein und nicht das Geschlecht.

28) Meyer, Freitag, 04. Februar 2011, 11:24 Uhr

Umso höher der Frauenanteil in einer Partei, umso irrationaler deren politische Ausrichtung.

Das ist durch Ihren Artikel schön aufgezeigt worden. Jetzt muß man nur daraus die zwingenden Schlüsse ziehen. Vorausgesetzt natürlich, man ist gutmeindend und pragmatisch und nicht ideologisch über Leichen gehend.

29) marcpool, Freitag, 04. Februar 2011, 14:41 Uhr

Die Quote ist nicht immer sinnvoll. Und das ” Aufmucken ” der beiden CDU Ministerinnen – ist tatsächlich wenig amüsant, wenn die Verhältnisse in der eigenen Partei so sind , wie sie sich darstellen. Ach – Frau Schröder …. – sie greift immer dort hinein, wo sie selbst nichts konstruktives beitragen kann. Ihre Weisung zu diesem Thema ist doch sehr halbherzig . Glaubt sie wirklich an die ” Freiwilligkeit ” der Firmen ? Gibt es überhaupt soviele Frauen, die sich freiwillig auf so manchen ” Schleuderposten” bewerben wollen ? Es nützt niemanden , wenn das Amt, die Position – im Nachhinein nicht professionell geführt werden kann. Dann versenkt man doch so manches Talent von vornherein.
Frau v. d. Leyen sperrt sich ja immer bei Diskussionen um Mindestlöhne etc.. , da sind vor allem Frauen betroffen. Anstatt sich hier der Heuchelei hinzugeben, täte sie jeder Frau einen Gefallen – die heute noch ausgebeutet, einem Hungerlohn hinterherarbeitet – wenn sie sich für diese Frauen einsetzen würde. Von Frau Schröder erwarte ich diesbezüglich sowieso nichts .

30) Doktor Hong, Freitag, 04. Februar 2011, 23:16 Uhr

Noch so ein wunderbar emotional besetztes Thema, das man kontrovers, ideologisch und völlig an der Realität vorbei diskutieren kann.

Perfekt geeignet also, die Aufmerksamkeit zu binden.

Wovon soll eigentlich abgelenkt werden?

31) EStz, Samstag, 05. Februar 2011, 09:35 Uhr

@ Dr Hong

>> Wovon soll eigentlich abgelenkt werden?

🙂 Sehr nette Theorie, Herr Doktor. Vielleicht ist da einfach nix in Berlin, von dem man ablenken kann, und das soll keiner mitbekommen.

Vermutlich kommt direkt vor der Bundestagswahl noch ein “Kracher” zum Thema Autofahren, etwa eine weitere Benzinpreis-Diskussion? Oder lieber die “Gutmenschen”-Nummer von Til Schweiger?

32) Maren P., Samstag, 05. Februar 2011, 09:49 Uhr

Doktor Hong stellt (mal wieder) die richtige Frage: >>Wovon soll eigentlich abgelenkt werden?<<

Spontan fällt mir nur der Scheinriese zu Guttenberg mit seiner Interventionsarmee, seinem Führungsversagen, seinem Glamour als Ersatz für Politik usw. ein. Auch vor dem Hintergrund, dass derzeit die Müchner Sicherheitskonferenz mit internationalem Publikum läuft. Die lesen auch deutsche Schlagzeilen … *grins*

33) John Dean, Samstag, 05. Februar 2011, 12:00 Uhr

War es nur lachhaft oder pur?
CDU: Was wurde hier geboten?
Eitles Gerede über Frauenquoten
Laut verbreitet wie eine Phrase
Denn es war ein Sturm im Glase
Ein PR-Manöver war es nur

P.S.
Ich halte Quotenregelungen grundsätzlich für problematisch – und sehe einen starken Unterschied zwischen einerseits dem Selbstbestimmungsrecht einer Organisation (z.B. der CDU), für sich selbst Geschlechterquoten zu erlassen und andererseits einer staatlichen Quotenauflage. Dennoch, es gibt ein massives Problem, eine massive Unterrepräsentierung von Frauen auf Vorstandsebene (und anders als die FDP meint ist “der Markt” hier eben nicht die Lösung). Eine “milde Quote” (z.B. 10 Prozent oder 20 Prozent) – also eine Quote, die lediglich die extremsten Formen von Unterrepräsentierung beseitigt – hielte ich allerdings für angemessen, ohne dass es damit zu gravierenden Einschränkungen der Dispositionsfreiheit von Unternehmen kommt.

Wie auch immer – das von der CDU aufgeführte Theater inkl. einem dem Koalitionspartner geschuldeten “Machtwort der Kanzlerin” war peinlich, und verweist erneut auf die mangelnde Problemlösungskompetenz von Schwarzgelb. Immer noch vertrauen sie auf “Selbstverpflichtungen der Wirtschaft”, sogar dann, wenn diese vielfach hintereinander von den großen Wirtschaftsunternehmen mit Hohn gestraft werden. Auf diesem Weg macht sich Politik lächerlich und verspielt den eigenen Gestaltungsanspruch.

Dabei hätte das Thema eine Chance sein können – auch und gerade für CDU/CSU/FDP.

34) Doktor Hong, Samstag, 05. Februar 2011, 16:57 Uhr

@ EStz

“Vielleicht ist da einfach nix in Berlin, von dem man ablenken kann, und das soll keiner mitbekommen.”

Auch das finde ich alles andere als abwegig. 🙂

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