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Die Frauenquote-Heuchelei

Die Debatte in der CDU/CSU über eine Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen deutscher Unternehmen ist an Heuchelei kaum zu überbieten. Wer sie fordert und öffentlichkeitswirksam diskutiert, muss sich gefallen lassen, selbst überprüft zu werden.

Im Schaufenster der von der CDU geführten Bundesregierung, also im Kabinett, sieht es noch einigermaßen gut aus: sechs der 16 Kabinettsmitglieder sind Frauen – immerhin eine Quote von 37,5 Prozent. Aber schon eine Reihe dahinter, bei den parlamentarischen Staatssekretären, wird’s düster: nur sieben von den 28 Staatssekretären und Staatsministern sind Frauen, also gerade einmal 25 Prozent. Und die Quote sinkt auf 21,4 Prozent, weil die sich nach Rheinland-Pfalz verabschiedende Staatssekretärin im Verbraucherschutzministerium, Julia Klöckner, durch einen Mann ersetzt wird – des CDU-Regionalproporzes wegen.

Interessant auch die Führungsspitzen der Ministerien der beiden streitenden Damen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder. Die vier Staatssekretäre von Frau von der Leyen sind Männer, die zwei von Frau Schröder ebenfalls. Die CDU/CSU ist, was die Frauenquote in der Bundesregierung betrifft, kein Spiegel der Bevölkerung, sondern nur der traurigen Realität  in der eigenen Bundestagsfraktion: nur 20 Prozent ihrer Abgeordneten sind weiblich.  Die FDP ist in ihrer Ablehnung der Frauenquote in Unternehmen zumindest konsequent: nur jeder vierte FDP-Bundestagsabgeordnete ist eine Frau.

Die Unionsparteien erwecken durch die Debatte einen Modernitätseindruck, denn sie selbst nicht einmal annähernd einlösen können. So etwas nennt man Heuchelei. Bevor also die CDU/CSU diese Scheindiskussion weiterführt, sollte sie erst einmal an sich selbst arbeiten und wenigstens den Frauenanteil in der Regierung und Fraktion herstellen, den sie jetzt von den Unternehmen verlangt.

Bei den Grünen und der Linkspartei übrigens ist mehr als jeder zweite Parlamentarier weiblich.