Samstag, 05. Februar 2011, 16:28 Uhr

Ein toter Elbfisch und die Glaubwürdigkeit der CDU

Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut eines Politikers. Es dauert lange, sie zu erwerben, sie ist schnell verspielt und anschließend kaum zurückzugewinnen. In  Hamburg gibt es noch einen Spezialfall: dort demonstriert CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus, wie man die Glaubwürdigkeit einer ganzen Partei verspielen kann, bevor man selbst welche erworben hat. Nur noch 34 Prozent der Wähler halten inzwischen die CDU für glaubwürdig. Der Ahlhaus-Wahlkampf ist ein Musterbeispiel für Politik-Lehrbücher, wie man es auf keinen Fall machen darf.

Da koalierte Ahlhaus munter mit den Grünen, umwarb und umschmeichelte sie, um seine Macht zu sichern, um dann nach dem Koalitionsbruch auf völligen Gegenkurs zu gehen. Plötzlich sind die Grünen die Wurzel allen Übels. Die CDU tut in Hamburg so, als hätte es das Bündnis mit den Grünen nie gegeben. Die CDU will sich nicht mehr an die gemeinsame (gescheiterte) Schulpolitik erinnern, nicht an die Treueschwüre von Ahlhaus nach seiner Wahl zum Bürgermeister, nicht an ihren  gemeinsamen Kampf gegen die Gegner der Schulreform.

Im Gegenteil: mit unverhohlenem Opportunismus lässt sie ihren ehemaligen Schulgegner auf der CDU-Liste kandidieren. Und ihren erfolgreichen Ex-Bürgermeister Ole von Beust möchte die CDU am liebsten totschweigen oder behandelt ihn so, als sei er ein bösartiger Infiltrant gewesen, der die CDU jahrelang von ihrem wahren Kurs abgebracht habe.

Die Wahlkampagne der CDU in Hamburg ist das verlogendste und unglaubwürdigste, was sich eine deutsche Partei seit langem erlaubt hat. Die CDU glaubt offenbar an ein Totalamnesie der Wähler, die ihre Erinnerung schlagartig ausgelöscht hat. Für so doof sind Wähler lange nicht gehalten worden. Und da spielt schon kaum noch eine Rolle, dass ihr Spitzenkandidat die (politische) Attraktivität eines toten Elbfischs nach der Verklappung von Dünnsäure hat.  Wenn dies nicht massiv bestraft würde, müsste man am Verstand der Wähler zweifeln.

Aber es wird am 20. Februar bestraft werden und die CDU wird zurecht wieder in ihrem 25-Prozent-Ghetto landen, in dem sie jahrzehntelang vor sich hin dämmerte.

Wie man dagegen alles richtig macht, demonstriert SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz. Er macht – im Gegensatz zu Ahlhaus – ein betont sachlichen Wahlkampf nicht nur für die klassische SPD-Klientel, sondern für Arbeiterschaft und Bürgertum – eine Strategie, mit der die SPD bis 2001 in Hamburg und 1998 im Bund erfolgreich war. Scholz holte den Präses der Handelskammer, der auch von der CDU umworben worden war, in sein Team, tritt mit Helmut Schmidt und Gerhard Schröder auf Wahlveranstaltungen auf und setzt mit seiner Zusage der Elbvertiefung eine klares Signal für die Hamburger Wirtschaft und gegen seinen möglichen Koalitionspartner, die Grünen. Sie wissen jetzt zumindest, woran sie mit ihm sind.

Kaum waren die jüngsten Umfragen veröffentlicht (SPD 46 Prozent, CDU 25 Prozent), kündigte Ahlhaus an, “noch einmal in die Vollen zu gehen”. Offenbar will er das Wahlergebnis weiter nach unten drücken. Ahlhaus hat zu seinem Abschied von der Politik am 20. Februar einen Präsentkorb der SPD verdient. Von ihm wird in Hamburg nur eines in Erinnerung bleiben: dass er sein Privathaus für eine Million Euro aus der Stadtkasse zur Festung ausbauen ließ.

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30 Kommentare

1) kamikaze, Samstag, 05. Februar 2011, 16:43 Uhr

Na, und? Dann wird Hamburg halt wieder von der SPD regiert. War doch meistens so nach 1945.

2) Horst Schmidt, Samstag, 05. Februar 2011, 17:36 Uhr

Also irgendwie komme ich nicht umhin eines feststellen zu müssen. Die Wähler im Norden, nördlich vom ………… sind offensichtlich doch – wie immer vermutet – intelligenter. Nicht weil sie die SPD wieder in den Sattel hieven, nein, diese “Besenstielmentalität” geht ihnen völlig ab. Solch erbärmliche politische Figuren wie Mappus, Oettinger, Ahlhaus etc. haben dort keine Chance.

Ob immer eine bessere Politik gewählt wird, dieses zu beurteilen bleibt natürlich jedem Betrachter selbst überlassen.

Aber halt, gewählt wird erst noch und dies ist auch gut so. 😉

3) Peter Christian Nowak, Samstag, 05. Februar 2011, 19:05 Uhr

Scholz hat nichts Neues zu sagen. So eine Wahlkampfstrategie hatten wir schon einmal – mit Schröder, den Ruck in die Mitte. Was herausgekommen ist war die Agenda 2010, die Millionen Menschen in prekäre Arbeitsverhältnisse getrieben hat. Millionen Menschen arbeiten zu Hungerlöhnen und müssen vom Staat alimentiert werden, damit sie überhaupt überleben. Scholz wird diese Politik fortsetzen und schrödert mit dem leibhaftigen Schröder im Wahlkampfgepäck. Und mit Altkanzler Schmidt im Rücken kann eigentlich nichts mehr schiefgehen: Man transponiert klassische Wirtschaftsthemen der CDU auf SPD-Niveau und sichert sich so die Aufmerksamkeit einer Bürgerschaft mit den meisten Millionären.
Schröder hatte die „Neue Mitte“ schon 1998 mit Erfolg entdeckt, wie die Geschichte weiß. Was Schröder unter „Neue Mitte“ verstanden hat, das weiß auch die Geschichte: Sozialabbau, das Schleifen der Rentenversicherung, eine überbordende Privatisierung von Eigentümer der Steuerzahler, wie Bahn, sozialer Wohnungsbau, Wasserwerke und das ganze Programm der Daseinsvorsorgegüter.
Schröder preist ungestraft seine Agenda 2010 als einen Grund für das rasche Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise. Erstaunlich, wie viele Journalisten diesen Mist glauben und auch noch verbreiten. Schröder und sein damaliger Finanzminister haben durch Deregulierungen im Finanzmarkt und die damit einhergehende faktische Entmachtung der BaFin die Krise erst ermöglicht.
Scholz kann sich sicher sein: er wird die Wahl für sich entscheiden. Für den Wähler bleibt es unerheblich, wo er sein Kreuz macht. Scholz steht nämlich für ein konservatives Politikkonzept, identisch mit dem der CDU.
Insofern gewinnt die CDU mit Scholz. Scholz ist nicht die Alternative zur CDU. Und genau deshalb gewinnt er.

4) Aksel Wundrach, Samstag, 05. Februar 2011, 19:10 Uhr

” ein betont sachlichen Wahlkampf ”
Bei aller gerechtfertigten Einschänkung der CDU-Glaubwürdigkeit, wird hier übersehen das die SPD wieder in ihr großzügiges Wahlversprechen Verhalten zurückfällt.

Als Grüner aus Hamburg ist Herr Scholz da leider nunmal nicht sachlich. Kostenlose KiTa (was ich und die GAL ja erstrebenswert finden) aber selbst mit dem Stufenmodel wird das kaum zu bezahlen sein. Abbau von Beamten wird da versprochen. Die Beamten die in den letzten Jahren so zahlreich mehr geworden sind Lehrer und Polizisten. Die verspricht die SPD nunmal nicht abzubauen. Der Rest ist Kinkerlitz, Büroflächen reduzieren. Wir sprechen allein bei der KiTa von 30 Millionen im ersten Jahr wenn ich das richtig im Kopf hab. Alle Wahlversprechen zusammen sind wohl so um die 700 Millionen. Man beachte, wir mußten letztens erst 500 Millionen aus dem Haushalt kürzen in Hamburg.
Aber von jemanden der da mehr Einblick hat, erklärt das besser. http://www.tillsteffen.de/

5) Sascha Stoltenow, Samstag, 05. Februar 2011, 21:18 Uhr

In Hessen bevorzuhen wir eh ahle wurscht, wen interessiert da Ahlhaus. Und die Million für des Wichtigtuers Wohnhaus, lässt sich bestimmt in den Kosten für irgendwas verstecken.

6) Martina Wilczynski, Samstag, 05. Februar 2011, 22:39 Uhr

Kompliement Herr Spreng! Gut seziert und voll getroffen.Aus der Ferne betrachtet bietet sich einem dieses Bild, was Sie hier so treffend beschreiben. Wie muss es wohl den Hamburgerinnen und Hamburgern gehen.So mittendrin. “CDU in HH adé – scheiden tut auch garnicht weh” Ein Leichtmatrose geht von Bord ohe und ein Steuermann kommt juche.

Fragt sich nur: Was soll den die zukünfig regierende SPD nun dem ach so geplagten völlig talentlosen Herrn Alhaus in den von Ihnen angeregten Präsentkorb legen ? Mmmmhhh, eine gute Frage. So ein bißchen was ausgebeultes , eine Glühbirne damit ihm mal ein Licht aufgeht. Etwas Taschentücher und Heftpflaster und Kopfschmerztabletten gegen die eigene Not. Einen Kräuterschnaps zur Beruhigung und eine Reise sonst wohin……. Naja an EInfälle fehlt es sicher nicht. Der Mann kontrakariert ja ne Menge.Nur eben keinen Politikmanager! So what so Live – so Reality !!

7) Stephan Barbian, Sonntag, 06. Februar 2011, 00:05 Uhr

@Horst Schmidt

Sie dürfen allerdings nicht vergessen, dass die Hamburger vor nicht allzu langer Zeit den erbärmlichsten aller in den letzten Jahren aktiven politischen Figuren in großer Zahl gewählt haben: Ronald Schill.
Alleine die Tatsache, dass von Beust mit diesem schlimmen Menschen gemeinsame Sache gemacht hat, um an die Macht zu kommen, macht alles, was ihm anscheinend das Prädikat “erfolgreich” verleiht in meinen Augen zunichte. Ahlhaus hat da auch mitgewirkt.
Olaf Scholz ist ein alter Weggefährte Schröders und mitverantwortlich für die Politik zwischen 1998 und 2005.
Man muss konstatieren: verseuchtes Personal allenthalben.
Gottseidank muss ich in Hamburg nicht wählen. Ich hätte arge Probleme, mich festzulegen…

8) Colonel Trautman, Sonntag, 06. Februar 2011, 00:55 Uhr

Horst Schmidt, Samstag, 05. Februar 2011, 17:36 Uhr
“Die Wähler im Norden, nördlich vom ………… sind offensichtlich doch – wie immer vermutet – intelligenter. (…) Solch erbärmliche politische Figuren wie Mappus, Oettinger, Ahlhaus etc. haben dort keine Chance.”

Äh, Ronald Schill, anyone!?

9) Cem Basman, Sonntag, 06. Februar 2011, 09:38 Uhr

Wichtig ist, dass Hamburg wieder stabile Verhältnisse und der zukünftige Bürgermeister ein klares politisches Mandat bekommt. Das scheint am 20. Februar mit Olaf Scholz und der SPD Hamburg auch einzutreffen.

Viel mehr Sorge macht mir das aufgeblähte neue Wahlrecht in Hamburg: 20 Kreuze auf 4 Stimmzetteln. Ich bin gespannt auf den Anteil der ungültigen Stimmen aus Unwissenheit. Oder auf den Anteil der Stimmzettel mit weniger als 5 Kreuzen je Stimmzettel, den wir aber wohl nie erfahren werden. Und somit auf die Wahlbeteiligung.

Es bleibt spannend in Hamburg.

10) Frank Reichelt, Sonntag, 06. Februar 2011, 09:53 Uhr

Als glühender Verfechter einer Neugliederung des Bundesgebiets bin ich natürlich dafür, dass Hamburg endlich in einem zu bildenden Nordstaat aufgeht. Das entzerrt den Wahlkalender und reduziert Städte wie Hamburg und Bremen auf die Bedeutung, die ihnen zukommt.
Dann kommen auch prominente und Bundespolitisch belastete Politiker wie Olaf Scholz nicht mehr auf die Idee, als Bürgermeister zu kandidieren.

11) Horst Schmidt, Sonntag, 06. Februar 2011, 10:58 Uhr

Kann mich eigentlich nicht erinnern, dass dieser Ronald Schill jemals Bürgermeister dieser Stadt war oder hätte werden können. Hoffähig machte ihn eine machtgeile CDU mit einer noch unfähigeren FDP.

Dass allerdings dieser Typ und seine Truppe überhaupt in die Bürgerschaft gewählt wurden, war in der Tat kein Ruhmesblatt für diese Stadt. Vielleicht läßt sich das als Ausrutscher/Ausnahme bezeichnen, während die besagten Länder des Südens/Südwestens dieses zum Dauerzustand/zur Regel erhoben haben.
Soviel Fairnes muss schon sein. Auch wenn es schwerfallen mag.

12) marcpool, Sonntag, 06. Februar 2011, 11:06 Uhr

Die Strategie von Ahlhaus, hat so was von ” Judas ” . Alles verleugnen – und zum Schluss kommt dann der Verrat. Die Menge wendet sich mit ” ekligem Gefühl ” ab . Unvergesslich auch die Verschmelzung zwischen CDU und Schill-Partei, allein das gibt auch dem Sockel von OvB keine hübsche Patina der Geschichte. – Olaf Scholz ist in den letzten Jahren zu einem klugen und respektierten Politik – Mann der SPD herangewachsen.
@ Nowak … wenn Sie dies alles von der SPD -Schröder Zeit erwähnen, dann vergessen Sie mal auch nicht wer uns in diese Lage bis dahin gebracht hat !? Es war Kohl mit seiner Regierung der letztendlich Stillstand und Nichtstun – Machtgehabe vor sich her schob, zusammen mit der FDP. Sie tun so als seien Veränderungen nicht notwendig gewesen. Dafür hat sie ( SPD ) dann auch schön bluten muessen.

13) Charlotte, Sonntag, 06. Februar 2011, 14:02 Uhr

Ich freue mich,dass Olaf Scholz das Rennen macht.
Die CDU hat so viel verspielt.
Ich glaube es kotzt das Machtgehabe aller Parteien den Wähler an an.
Es geht nie um den Wähler.
Es geht um Macht.
Wenn die SPD in Hamburg sitzt hat die Regierung langsam ein Problem.
Weiter Wahlniederlagen werden folgen.

14) Tilman_s, Sonntag, 06. Februar 2011, 14:36 Uhr

@Horst Schmidt war er aber. Genauso wie Gysi in Berlin, war auch Schill Bürgermeister, man glaubt es kaum, aber es war so. Kann man bei Wikipedia nachlesen. Spielt aber keine Rolle, ist ja nur eine Bezeichnung.

Auch ich fand den Artikel mal wieder sehr gelungen. Weiter so, Herr Spreng! 🙂

15) Jeeves, Sonntag, 06. Februar 2011, 15:08 Uhr

Schon der erste Satz geht von falscher Prämisse aus. “Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut eines Politikers.” Denn:
Glaubwürdigkeit ist genau das, was man von keinem Politiker (mehr) erwartet.

16) orlando, Sonntag, 06. Februar 2011, 15:51 Uhr

Ja, so ist es Recht. Ein SPD-Politiker (schon wieder einer), CDU Politik macht. Das gilt dann als klug und vernünftig. Es freut die “Wirtschaft” (also die, die sich Profite erhoffen=) Einmal mehr hat man keine Wahl über die Inhalte, sondern nur die Wahl der Köpfe, die einem das präsentieren, was offenbar schon vorher feststeht und woran keiner rütteln mag. Ob dann Merkel oder Schröder, Clinton/Obama oder Bush – alles nur eine Frage der Verpackung. Und da will der Bürger offenbar lieber den sympatischen Linken, der das schlechte Gewissen etwas bessert, auch wenn man weiß, dass man nur den Wolf im Schafspelz gewählt hat. Aber vermeintlich besser als der Wolf im Wolfspelz – auch wenn das wenigstens die ehrlichere Ausführung ist. Wer eine andere Politik will, ein sozialere, gerechtere Politik, dem bleiben nicht viele Alternativen im deutschen Parteinspektrum. Man schaue sich an, was die Medien aus Ipsilanti gemacht haben. Oder wie die Linkspartei dargestellt wird, als wolle sie die DDR-Diktatur wieder einführen. Alles ein Lehrstück darüber, wer die Macht im Lande hat. “Sing unser Lied, und wir lassen Dich was werden. Sing das falsche Lied, und wir machen Dich fertig.”

17) karel, Sonntag, 06. Februar 2011, 23:24 Uhr

@marcpool
Was Sie freundlicherweise als Stillstand und Nichtstun des Herrn Kohl bezeichnen, war die totale Blockadepolitik der Herren Schröder und Lafontaine, mißbrauchten sie dazu den SPD-dominierten Bundesrat.
Die traurige Ironie ist ja, daß nach 1998 von rot-grün aufgehobene Gesetze später anders etikettiert wiederkehrten.
Übrigens: es ist nachvollziehbar, daß die Wirtschaftssolidität eines Ludwig Erhard wiederholt von der politischen Konkurrenz nachhaltig torpediert wurde.
Sie beklagen das Zusammengehen der CDU mit der Schill-Partei.
Ich beklage dagegen die rechtliche Verwahrlosung Hamburgs, die dem Herrn Schill, dem sogenannten “Richter gnadenlos”, die politische Plattform ermöglichte.

18) horst scharnhorst, Montag, 07. Februar 2011, 08:09 Uhr

Ein perfekter Text! Besser kann man nicht schreiben.

Hinter Ahlhaus steht – wie man hört – beratend dessen medienhungrige Frau, von ihm öffentlich FiLa – First Lady, genannt. Nicht immer ist guter Rat teuer. Wie man hört, ist wohl auch sie die Besitzerin der Prachtvilla in der “Reichskanzlerstrasse”. Nomen est omen. Reichskanzler sind eben kein Erfolgsmodell für Deutschland.

19) hjg, Montag, 07. Februar 2011, 08:43 Uhr

Wie auch immer das Wahlergebnis sein wird, am Hamburger Pfeffersack-Filz (nur noch von Köln übertroffen) der Old-Boy-Seilschaften wird sich nichts ändern. Und die politische Vernunft der Hanseaten
wurde nicht nur durch den unsäglichen Herrn Schill ad absurdum geführt. Herr Ahlhaus war von Anfang an politisch totgeweiht –sein Auftreten, die Optik, das Anspruchsdenken, der nicht vorhandene Stallgeruch als Fremdkörper im Netzwerk der Blazerträger, seine Talentlosigkeit als Redner, all das verstärkt durch die mit Sicherheit falsche Beratung eines Ex-Bauer-Presse+PR-Sprachrohrs – viel mehr kann man nicht falsch machen.

20) Gernot Woidtke, Montag, 07. Februar 2011, 09:19 Uhr

Herr Scholz ist sehr vertrauenswürdig. Die SPD wird in Hamburg gewinnen!! Leider keine absolute
Mehrheit, sa dass ein Ko-Partner gesucht werden muß. Es muß nicht unbedingt die GAL sein,
falls die FDP auch die 5% Hürde erreicht wäre das eine Überlegung wert.

21) Politikverdruss, Montag, 07. Februar 2011, 10:33 Uhr

Wenn von Glaubwürdigkeitsverlusten der Parteien in Hamburg gesprochen wird, dann darf die GAL nicht unerwähnt bleiben.

22) Maren P., Montag, 07. Februar 2011, 11:42 Uhr

Der NDR sagt ja in seinen Spots “Das Beste am Norden” “ist unser Nerz”.

Das lässt sich auch über die Hamburger FDP behaupten: Das Beste an der FDP ist der Friesennerz. Also die Verpackung der Spitzenkandidatin. Der Inhalt ist politikfrei und fotogen.
Ehrlich gesagt, wenn es die FDP wirklich über die 5%-Hürde schaffen sollte, haben die Wählerinnen und Wähler nichts Besseres verdient. Denn mit hoher Wahlbeteiligung und der Wahl anderer Parteien lässt sich das durchaus verhindern.
Das neue Wahlrecht verführt dazu, der FDP aus Mitleid doch eine Stimme abzugeben …

23) Hamburger, Montag, 07. Februar 2011, 14:26 Uhr

Die Welt zitiert aus dem “Sprengsatz”:

http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article12468237/Herr-Ahlhaus-hat-noch-ein-Zimmer-frei.html

24) Peter Christian Nowak, Montag, 07. Februar 2011, 19:56 Uhr

@marcpool

Das ist immer der gleiche alte Hut, wie man das Desaster Schröder hinwegwischt und die sogenannten Schröder-Reformen damit rechtferigen will: „Zu allem hätte es keine Alternative gegeben.“
Ich habe nicht gesagt, daß die Kohl-Regierung besser gewesen wäre – ist doch die Erinnerung an den 9. September 1982 für mich sehr präsent. Wenn man die Schröder´schen „Reformen“ erwähnt, muß man Graf Lambsdorff und sein Lambsdorff-Papier in Erinnerung bringen; denn dort ist schon aufgeschrieben , was Schröder eins-zu-eins rund 20 Jahre später umsetzte. Seitdem ist die Gesellschaft so gespalten wie nie zuvor, und ist sie bis heute: Ruinierte Renten- und Krankenversicherungen, die erwähnten Hungerlöhner und eine explodierende Armut, daß man´s Krachen hört! Das Ganze nannte sich „Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit“. Schröder brauchte seinen Gehirnskasten nicht lange anzustrengen, die Blaupause lieferte schon der Graf. Schröder hatte keine Schwierigkeiten sie abzukupfern!
Seit dieser Zeit dient das Papier für den „Reformkurs“, als Matrix sozusagen – manchmal mehr, manchmal weniger; aber die Rezeptur bleibt bis zum heutigen Tag die gleiche. Staatsschulden, Hungerlöhner, Armut und die Zahl der Arbeitslosen haben sich vervielfacht, wenn man die Tricksereien in der Statistik mal beiseite lässt. Was hinzugekommen ist, ist Unfähigkeit der Politik mit so was wie einer Finanzkrise umzugehen. Das Ergebnis ist bekannt. Es wird uns allen noch schwer auf die Füße fallen. Bezahlen aber, das tun jetzt schon die Sozialhilfeempfänger mit drastischen Leistungskürzungen. Dafür Steuersenkungen für Kapitalgesellschaften und Reiche, für institutionelle Zocker und andere gierige Geier. „Modernisierer“ auch auf dem Arbeitsmarkt: Nur nenne ich das moderne Sklaverei.
Seit 1982 wurde letztlich die Agenda 2010 vorbereitet. Seit 1982 wirft die unsägliche Agenda 2010 ihre dunklen Schatten. Die „Modernisierer“ von heute sind letztlich die „Traditionalisten“ von heute; denn nichts ist neu an der Agenda 2010. In den Medien und ihren Talkshows hören wir die Litaneien, staunen über die Sprechblasen aus dem Munde von „Experten“. Und das mit ungebrochenem Eifer: „There is no Alternativ!“.
Im „TinA-Syndrom“ versinkt der kritische Verstand einer ganzen Nation!
Mag die SPD in Hamburg gewinnen. Aber die Agenda 2010 wird ihr wie ein Mühlstein um den Hals hängen. Um ihn loszuwerden, bedarf es einer wahrhaftigen Wende! – Wer´s glaubt wird selig

25) plumtree, Montag, 07. Februar 2011, 21:06 Uhr

Herr Ahlhaus hatte in Hamburg in dem Moment verloren als er sich mit seiner Gattin in seiner, aus Steuermitteln renovierten, Villa als neureicher Popanz fotografieren liess.
Das ist unhanseatisch und das lassen ihm die Hamburger nicht durchgehen. Solche Sonnengottattitüden funktionieren vielleicht in Bayern, aber nicht im Norden.
Das er dann noch den Wahlkampf mit, z.T. unverständlichen Plakaten vermurkst hat kommt erschwerend hinzu.

Ich bin sicher kein Scholz Fan – aber er macht es deutlich besser.

26) Sven, Dienstag, 08. Februar 2011, 12:15 Uhr

Es ist richtig, dass die CDU opportunistisch war, als sie ihren Gegner Scheuerl auf die Liste nahm. Es soll ein Zeichen nach dem Motto “Wir haben verstanden” sein, aber so zu tun, als ob nur Kohle von Beust und die GAL für das Schuldesaster verantwortlich sind, ist falsch und unterschätzt die Intelligenz des Wählers. Immerhin ging es hier nicht um Kleinkram, sondern “nur” um die Zukunft unserer Kinder. Die Sanierung der Ahlhaus-Villa war politisch unklug, aber für einen (damaligen) Innensenator noch halbwegs gerechtfertigt.

Scholz macht es geschickt: Er greift das Aufregerthema Kitagebühren auf, vereinbart öffentlichkeitswirksam nochmals die Umsetzung seines Wahlprogramms (ob man Wahlversprechen in Zukunft nur noch glauben darf, wenn es eine zusätzliche Vereinbarung mit den Betroffenen gibt?) und baut darauf, dass seine vagen Gegenfinanzierungsversprechen geschluckt werden. Dabei kann man – so gut es ankommt – einen Beamtenápparat nicht unendlich reduzieren, und Tafelsilber verscherbelt man auch nur einmal bzw. Einsparungen bei Rückstellungen o.ä. macht man auch nur einmal. Seriös finanziert sind seine Versprechen nicht, so richtig ich es finde, dass Bildung für alle kostenfrei sein sollte, da Bildung eine Investition – auch volkswirtschaftlich – in die Zukunft ist (Vermeidung Hartz-IV-Empfänger, Klassenwiederholer etc.). Und noch etwas: Scholz setzt darauf, dass die Bürger vergessen, wer damals Innensenator war, als die Kriminalität so extrem war, dass Schill bei der Wahl 2001 so grandios abgeschnitten hat.

Die hohe Zustimmung zur CDU in HH dürfte allein von Beust geschuldet sein, der dann aber mit der Schulreform weite Teil der Stammkundschaft vergrault hat. Und zwar vermutlich mehr, als er bei der Laufkundschaft gewonnen hat. Und ein Teil dieser Stammkunden wird diesmal nicht CDU wählen, auch wenn Kohle von Beust noch der Steuermann wäre. Der aber hat durch seinen Abgang viele Sympathiepunkte eingebüßt.

27) Uwe, Dienstag, 08. Februar 2011, 17:26 Uhr

Hamburg war und ist strukturell nicht konservativ. Das wusste Ole v B immer. Er hat sich konsequent danach ausgerichtet. Sein Linie war der liberale Großstadtpolitiker. Smart und wendig.

An die Regierung hat ihn 2001 dennoch nur die Koalition mit Schill und der Pünktchen F.D.P. gebracht (übrigens mit einem der schlechtesten Wahlergebnisse der CDU in der Nachkriegsgeschichte).

Als dann der Ex-Richter (!) Schill versuchte, ihn mit seiner sexuellen Neigung zu erpressen (!), stellte OvB ihm den Stuhl vor die Tür. Erstaunlich: die Hamburger/innen straften den Bürgermeister aber nicht dafür ab, dass er Schill trotz aller Warnungen überhaupt in die Regierungsverantwortung brachte. Nein, sie belohnte ihn mit der absoluten Mehrheit. Unfassbar bis Heute.

Dass das nicht lange gut gehen würde, war klar. Weil dann Die Linke im Parlament saß, konnte OvB schlißlich mit der GAL koalieren. Nach drei Jahren ist nun auch damit Schluss.
Würde man diese Story einem Filmemacher anbieten, die Antwort wäre vermutlich nicht einmal ein mitleidiges Grinsen

Alle Wendungen und Tricks scheinen versucht und verbraucht. Halt: Jetzt probt Ahlhaus (who?) den konservativen Salto Mortale. Soll er. Die Quittung wird schmerzhaft.

28) Doktor Hong, Montag, 21. Februar 2011, 12:44 Uhr

Alle Achtung!!

Ahnungslos über Hamburger Lokalpolitik, bin ich doch ziemlich beeindruckt, wie genau Ihre Vorhersagen eingetroffen sind!

29) Pinkfree, Montag, 21. Februar 2011, 15:01 Uhr

Gratuliere Herr Spreng, wie recht Sie behalten haben, Sie sind eben ein Polit-Profi.
Das konnte man von dem “Spaß- und Party-Berater” des Herrn Ahlhaus nicht gerade behaupten. Der muss sich wieder in Rotwein ertränken, um sein Leben genießbarer zu machen, oder?

30) Rodnitzky, Montag, 21. Februar 2011, 15:09 Uhr

Wenn man einen Ole von Beust gewählt hat – will man, auch wenn dieser geht, keinen namens Ahlhaus an die Spitze gesetzt bekommen. Der Wahlsieg der CDU bezog sich damals klar auf die Person von Beust und nicht nur auf die Partei. Das hat sich gerächt und Hamburg hat richtig entschieden.
Herr Ahlhaus allerdings könnte neue Chancen in Delmenhorst oder Elmshorn finden, da passt er rundum perfekt hin – auch optisch.

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