Dienstag, 08. Februar 2011, 12:49 Uhr

Grüne Nerven liegen blank

Ein gewaltiger und elektrisierender Vorwurf, den Grünen-Chef Cem Özdemir gegen den baden-württembergischen CDU-Ministerpräsidenten Stefan Mappus erhebt: er versuche „mit ausländerfeindlichen Ressentiments“ Stimmung gegen die Grünen zu machen. Mappus als Wiedergänger von Roland Koch? Wenn das stimmen würde, wäre es in der Tat ein Skandal. 

Die Wahrheit dahinter aber sieht anders aus: Mappus hat ein durchsichtiges, aber legitimes Wahlkampfmanöver gestartet, indem er behauptete, nicht der grüne Spitzenkandidat Winfried Kretschmann, sondern Özdemir bestimme den Kurs der baden-württembergischen Grünen. Er sei der heimlich Strippenzieher. Und er begründet das damit, dass im Streit um „Stuttgart 21“ Özdemir die grüne Linie vorgegeben habe und nicht Kretschmann.

Ob das stimmt oder nicht, ist völlig egal. Nicht egal aber ist die Reaktion Özdemirs: die CDU betreibe eine „Angstkampagne“ nach dem Motto: „Das steht ein Türke zur Wahl. Ihr wählt zwar Kretschmann, bekommt aber dann den Deutsch-Türken Özedmir. Das ist schon perfide, was Mappus da macht“. Nichts davon hat Mappus gesagt. 

Das ist mehr als starker Tobak: Özdemir betreibt Wählerverhetzung unter umgekehrten Vorzeichen. Denn der unbegründete Vorwurf, mit ausländerfeindlichen Ressentiments Wahlkampf zu betreiben,  ist ähnlich verwerflich wie die Ausländerfeindlichkeit selbst. Wenn das Wort nicht durch Martin Walser so diskreditiert wäre, könnte man auch sagen: der Versuch Özdemirs, die Moralkeule zu schwingen, richtet sich gegen ihn selbst.

Es ist nicht zulässig, dass ein deutscher Politiker seinen Migrationshintergrund instrumentalisiert, um den politischen Gegner ins Abseits zu stellen. Es zeugt auch von mangelnder Souveränität und Selbstüberschätzung. Wer soll eigentlich von dem ansonsten ganz  netten Herrn Özdemir Angst haben?

Bei den Grünen müssen die Nerven ganz schön blank liegen, seitdem der sicher geglaubte Wahlsieg in Baden-Württemberg wieder zu entschwinden droht.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

46 Kommentare

1) Doktor Hong, Dienstag, 08. Februar 2011, 13:43 Uhr

@ m.spreng

An sich haben Sie schon recht, dass es unfair ist, seinen eigenen Migrationshintergrund taktisch einzusetzen.

Wenn nun aber Herr Mappus herausstellt, dass Özdemir und nicht Kretschmann die Linie vorgebe, was ist denn dann das Ungesagte?

Vielleicht findet Mappus Herrn Özdemir eigentlich total super und will ihm mit dieser Aussage nur helfen?

Als PR-Mann wissen Sie doch selbst, dass der Subtext oft mächtiger wirkt als das Gesagte.

2) JK, Dienstag, 08. Februar 2011, 13:51 Uhr

Das ist die gleiche Masche mit der Koch im Hessen-Wahlkampf plakatierte „Ypsilanti, Al Wazir und die Kommunisten stoppen“.

Wen wunderts: Dirk Metz, der damalige Sprecher von Roland Koch ist heute Wahlkampfberater von Mappus.

Aber auch die Vorwürfe gegen diese Art der Formulierungen sind nicht neu. Sie gab es auch schon damals, übrigens in zahlreiche verschiedenen Medien.

Beispielsweise die Süddeutsche zitierte Kurt Beck damals wie folgt:

„Mit Namen ausländischen Klangs schüre die Union unterschwellig Ängste und Vorurteile und setze dann noch die Kommunisten-Angst darauf, sagte Beck nach einem Treffen der SPD-Bundesminister mit Ypsilanti und ihrem Wahlkampfteam am Frankfurter Flughafen. Diese Aussage sei eine „Verfehlung ersten Ranges“ und eine „politische Stillosigkeit“. Die CDU spiele mit dem Plakat das „alte Spiel unter der Gürtellinie“.“

http://www.sueddeutsche.de/politik/wahlkampf-in-hessen-beck-wirft-koch-fremdenfeindlichkeit-vor-1.276440

3) Michael A. Nueckel, Dienstag, 08. Februar 2011, 14:07 Uhr

Grün gehen die Themen aus und das ist für Sie hier ein Thema???

4) nds-Dietmar, Dienstag, 08. Februar 2011, 14:31 Uhr

Hallo Herr Spreng, vielleicht sind Sie nicht 100 % informiert, was in BW in der Sache „Mappus“ abgeht.
Seit Mappus den ehemaligen „Pferdeflüsterer“ Metz von Ronald KOCH, ehemaliger MP von Hessen, als persönlichen Berater übernommen hat, sind vom MP sehr ähnliche Äußerungen wie dazumal aus Hessen zu hören. Mappus hat mal zwischendurch viel, viel Kreide gefuttert, aber das kann er nicht durchhalten. Sein Gedankengut ist ein anderes. Hier sehe ich ihn noch rechtslastiger, als Koch es war. Mappus ist eine politisch sehr gefährliche Person. Und feige ist er auch noch. Statt einzugestehen, dass er und seine 4er Bande den Befehl zur „Wasserschlacht“ am 30.09.2010 im Schloßpark zu Stuttgart gegeben hat, sieht doch jeder Blinde. Aber nicht „Manns“ genug, sich bei den Verletzten bis Schwerverletzten zu entschuldigen; ach ja, dann würde er ja eingestehen, dass er zur Verantwortung gezogen werden könnte. Zivilcourage? – ein Fremdwort für den MP- deshalb trete ich für seine Abwahl am 27.03.2011 ein!!!

5) Atalay, Dienstag, 08. Februar 2011, 14:55 Uhr

Na ja, warum hat wohl Herr Mappus trotz mehrfacher Dementis immer wieder behauptet, Özdemir wolle Ministerpräsident werden, obwohl er für dieses Amt gar nicht kandidiert. Worauf zielt das Ihrer Meinung nach hin?

Natürlich ist das weit von den Schmutzkampagnen von Koch und Schäuble früherer Zeiten entfernt. Das kann man auch als Fortschritt sehen. Heutzutage wird die Ausländerkarte nur noch subtil ausgespielt. Ob es dann von Özdemir so geschickt war, hierauf so massiv zu reagieren ist ebenfalls fraglich.

6) Lars Offermann, Dienstag, 08. Februar 2011, 15:06 Uhr

Es ist eben nicht völlig egal ob es stimmt oder nicht, ob Herr Mappus damit die Angst vor einem türkischstämmigen Ministerpräsidenten schüren wollte oder nicht. Ich glaube aber auch, dass Özdemir hier an einem wunden Punkt getroffen wurde. Er würde liebend gerne Ministerpräsident werden.

Das die CDU aber eine Angstkampagne betreibt, ist erstens nichts neues und zweitens auch in dem Interview von Herrn Mappus ersichtlich. Er tut so als ob die Welt untergehen würde, wenn Grün-Rot an die Macht käme. Ein „Türke“ als Ministerpräsident ist damit Teil seines schwäbischen Horroszenarios.

7) Moritz Bechmeier, Dienstag, 08. Februar 2011, 15:16 Uhr

Guten Tag Herr Spreng! Danke für diesen Sprengsatz, der den Nagel auf den Kopf trifft. Es empfiehlt sich allerdings, die Passagen von Mappus genauer anzusehen. Er wirft nämlich vor, dass niicht Grünen-Spitzenkandidat Winfried Kretschmann, sondern der Bundesvorsitzende Özdemir und Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer in jüngster Zeit den Kurs der Landespartei bestimmt hätten. Denn gerade dadurch, dass Mappus Özdemir und Palmer gemeinsam erwähnt, gewinnt die Replik von Özdemir noch an unglaublicher Absudität hinzu.
Herzlichst!

8) Frank Reichelt, Dienstag, 08. Februar 2011, 15:29 Uhr

Da wir ja wissen, dass Cem Özdemir diesen Blog verfolgt, werden wir sich bald seine Sichtweise der Dinge hier lesen können.
Bis dahin halte ich mich mal mit einem wertenden Kommentar zurück!

9) Maren P., Dienstag, 08. Februar 2011, 15:54 Uhr

Ich halte die ganze CDU in Baden-Württemberg für ein übles Gschwerl, das dringend abgelöst werden sollte. An ihrer No. 1, dem MP Mappus, wird das nur besonders gut sichtbar. Die Gegner von Stuttgart 21 nennen das von der CDU regierte Ländle sicher nicht grundlos: Deutsch-Südwest!
Allerdings richtet sich Cem Özdemirs Klage eindeutig an die eigenen grünen Sympathisanten in der Hoffnung auf einen Solidarisierungseffekt. Denn besonders beliebt scheint er dort nicht überall zu sein. Was Wunder, wenn ein Grüner zur Demo im Hubschrauber einfliegt …

10) jonas, Dienstag, 08. Februar 2011, 15:54 Uhr

Also wenn bei einem grünen Politiker mit Migrationshintergrund die Nerven blank liegen, ob einer durch und durch fremdenfeindlichen Stimmung in diesem Land, dann ist dieser Umstand kritikwürdig? Herr Spreng, woher nehmen sie das Wissen um die Instrumentalisierung seitens Özdemir? Wer fortwährend stigmatisiert wird darf nicht auch einmal etwas „zurückgeben“? Und das bestimmen sie? Wenn sie die Grünen nicht mögen, und das ist ihr gutes Recht, dann gibt es sicherlich zielführendere Argumente, als diese recht schwammige Vorwurf.

11) Sabine Zielke-Esser, Dienstag, 08. Februar 2011, 16:20 Uhr

Cem Özdemir sollte souverän bleiben. Er wirkt immer so angestrengt. Hat ihn schon mal jemand lachen gesehen? Das muss bei den Grünen immer Claudia übernehmen.

12) Ekkehard von Weiher, Dienstag, 08. Februar 2011, 16:56 Uhr

Heiner Geissler als Schlichter nach Kairo !

Und Herrn Mubarak als Berater nach Stuttgart !
Zum anderen lupenreinen Demokraten Mappus.

In Sachen „PR – Management by Champignons“ :
Alle im Dunkeln lassen und mit Mist zudecken !

Dieser ganze Polit-Personal-Animositäten-Mist
soll doch nur wieder erfolgreich ablenken von dem
offenbar allseits gefürchteten Diskurs in der Sache.

13) Sebastian Wallmann, Dienstag, 08. Februar 2011, 16:58 Uhr

Tja, so kommt’s, Herr Spreng, wenn man aus dem fernen Berlin über die Lage im „Ländle“ urteilen will. Manchmal liegt man halt auch daneben. So titelt beispielsweise die Heilbronner Stimme ganz groß und klar „Mappus warnt vor Özdemir als Ministerpräsident“ (http://www.stimme.de/suedwesten/nachrichten/pl/art19070,2053780). Was daran misszuverstehen ist, ist mir völlig schleierhaft. Natürlich setzt Mappus voll auf die Karte, dass nun die Regionalzeitungen und der sonstige mediale Topos im Südwesten den Schrecken von Grün-Rot an die Wand malt. Was Besseres als einen türkischklingenden Namen lässt sich dafür kaum hergeben.

Übrigens: Während Mappus anklagt, andere hätten Kretschmann bei den Schlichtungen dominiert, fällt diese Anklage voll auf ihn zurück. Kretschmann hatte sich immer wieder in den Schlichtungsgesprächen neben Palmer persönlich eingeschalten, Mappus zog sich völlig zurück (durchaus sein Recht, aber dann ist seine Äußerung Unsinn) und überließ die Arbeit voll den Vertretern der Bahn AG.

Vielmehr zeigt die ganze Situation doch, wie überraschend breit und fachlich gut aufgestellt die Grünen im Südwesten sind. Die kommenden Wochen werden politisch interessant. Ba-Wü sei Dank.

14) albertus28, Dienstag, 08. Februar 2011, 18:26 Uhr

Vonwegen:“ ….. ansonsten ganz netten Herrn Özdemir“
Lieber Herr Spreng, natürlich haben Sie völlig Rechtselbst, nur Sie gehen ja selbst diesem ausgbufften und abgebrühtem Politiker auf dem Leim .
Wie er in Wirklichkeit ist ,läßt “ ja dieser ansonsten so……“ raus:
„.Mappus will Blut sehen;Mappus ist ein Ausländerfeind ,ein Rassist“
Darauf können sich die Wähler in BW verlassen,wenn es um die Macht geht,dann kennt „der ansonsten so nette Herr Özdemir“ keine Skrupel.

15) Alex, Dienstag, 08. Februar 2011, 19:18 Uhr

Wie man darauf kommen kann, daß bei Grüns die Nerven blank liegen, ist mir schleierhaft. Blank liegen die Nerven eher bei Mappus, wenn er so einen hanebüchenen Mist erzählen muß

16) Don Corleone, Dienstag, 08. Februar 2011, 19:29 Uhr

Das Rezept ist doch uralt: Wenn die Fische nicht mehr beißen, wird die Nazikeule (notfalls in raschelndes Geschenkpapier verpackt) geschwungen. Das sicher gewähnte S21-Fangnetz hat Löcher an allen Ecken und Enden, nachdem in Stuttgart, nach der zielstrebig geschürten Hysterie der vereinten linksgrünen Volksbeglücker, Vernunft und klares Denken die Oberhand gewonnen haben.

Da man nie echte Argumente hatte, sondern nur Opportunismus und Fähnlein-nach-dem-Wind-Hängen, bleibt der Nazi-Anwurf als letzte Hoffung. Hat bislang immer funktioniert; aber das Publikum hat diese durchschaubar verlogene Gebetsmühle mittlerweile satt — besonders wenn einer aus populistischem Kalkül mal als Deutscher, mal als Türke auftritt. Der gute Cem Özdemir „betreibt Wählerverhetzung unter umgekehrten Vorzeichen“, sagen Sie treffend, Herr Spreng.
Erschwerend kommt aber hinzu, dass er die Vorzeichen um- und zurückkehrt, wie es ihm in den Kram passt. Und das hat einen üblen Beigeschmack.

17) kamikaze, Dienstag, 08. Februar 2011, 20:01 Uhr

Palmer oder Özdemir wären die besseren Kandidaten für die Grünen gewesen. Kann mir aber egal sein, weil ich für Schwarz-Gelb bin.

18) Matthias, Dienstag, 08. Februar 2011, 20:50 Uhr

Das ist wie mit dem Maschmaier: Wenn das alles im Frühling blühen soll, muss man vorher nur ordentlich Mist draufkippen. 😉

19) Thom, Dienstag, 08. Februar 2011, 22:44 Uhr

Die Nummer ist ja ersichtlich aus Hessen importiert. Und die Berufung darauf, daß Mappus nicht expressis verbis vor dem bösen Ausländer gewarnt hat – ich bitte Sie, Herr Spreng, das ist doch nicht das Niveau eine Kommunikationsberaters. In den Kommentaren steht es: es geht um den Subtext. Es geht um zwei Punkte: Alte schwarze Wähler a. von den Grünen zurückzuholen, die Özdemir nicht wollen (und da gibt es außer seiner Herkunft kaum einen Grund, den ihnen einer dieser Wähler nennen könnte) b. Wähler mobilisieren, die auf Ausländerhetze anspringen.

Es ist bekannt, daß sie lange bei der CDU dabei sind, also aktiv Zeiten erlebt haben, in denen man nicht nur im Ortsverein noch Parolen schreien durfte: Generalamnestie für Nazis, Ausweisung von arbeitslosen Ausländern usf., aber nach der schallenden Ohrfeige für Koch achtet man auf die Wortwahl: aalglatt, aber für die Klientel verständlich.

Man kann nur hoffen, daß die Masche nicht fruchtet und die Schwarzen mit ihrem Rassismus auch in BaWü nicht mehr Punkten. Und für den Filz dort wäre ein Machtwechsel, egal welche politische Couleur man unterstützt, sicher nicht verkehrt.

20) Stefanie, Dienstag, 08. Februar 2011, 22:56 Uhr

@Sebastian Wallmann

„Tja, so kommt’s, Herr Spreng, wenn man aus dem fernen Berlin über die Lage im “Ländle” “

Ich kann dem von Ihnen verlinkten Artikel nichts entnehmen, das darauf hin deuten könnte, dass Herr Mappus hier ausländerfeindliche Ressentiments schüren wollte. Er hat gesagt, wenn Ihr Grüne wählt, werdet Ihr Özedemir und nicht Kretschmann bekommen. Hierin etwas zu sehen, was ausländerfeindlich sein könnte, ist an den Haaren herbei gezogen. Ich las das heute in der Welt und dachte, die müssen etwas im Zitat vergessen haben, denn da ist doch null Ausländerfeindliches dran. Es sei denn man denkt, dass, wenn man einen Politiker mit einem nicht deutschen Namen unterstellt, dieser sei scharf auf einen Posten, dass dies ausländerfeindlich sein und ist ungefähr so wie, wenn man jemanden mit einem nichtdeutschen Namen kritisiert, sei das gleich ausländerfeindlich. Das ist doch einfach nur an den Haaren herbeigezogen und nicht anders als billig zu bezeichnen. Wenn Özedmir das nächste Mal etwas als ausländerfeindlich bezeichnet, wird kein Mensch mehr hinhören und nur noch abwinken. Das ganze dann noch wie hier in eigener Sache, ich werde diskriminiert, ist einfach nur so daneben, dass man staunend zurück bleibt, dass es hier Leute gibt, die allen Ernstes das ganze rechtfertigen wollen.

Ich vermute, die Gründe Jugend wurde beauftragt, hier was schreiben ums zu retten.

Dies alles unabhängig davon, ob Mappus Aussage einen zutreffenden Hintergrund hat oder nicht.

21) gerd, Dienstag, 08. Februar 2011, 23:03 Uhr

Wenn jemand eine Schmutzkampagen führen wollte würde er auf den Toleranten Özdemir aufmerksam machen der in ein Haus mit Kurdischer Moschee einzieht uns sich später darüber beschwert und loswerden will.

22) Popeye, Mittwoch, 09. Februar 2011, 01:30 Uhr

Aha, also wenn Mappus sagt, das Herr Özdemir die Fäden zieht und zusammen mit Herr Palmer dem Herrn Kretschmann das Heft aus der Hand genommen hat, dann zielt das einzig und allein auf den Migrationshintergrund des Herrn Özdemir?
Mh, das sagt wohl mehr über einige Kommentarschreiber hier aus als über Mappus!

23) Recht Unbedeutend, Mittwoch, 09. Februar 2011, 02:08 Uhr

Danke, albertus28. Hatte schon fast befürchtet, vor lauter Freude an der Hetze in alle Richtungen bleiben die wichtigsten Gesichtspunkte unerwähnt. Und jonas, eventuell sollten Sie sich zuhause einschließen, das wäre für uns alle sicherer.
Die Nazikeule ist mindestens genauso populär wie der Schrecken des Ausländers. Mappus hatte ein paar schöne Gelegenheiten, zu zeigen, aus welchem Holzschaum er geschnitzt ist. Özdemir hat es leider nicht ins gleiche Amt geschafft, und das ist auch das was ihn am Meisten stört. Da muß man eben etwas lauter schreien, um gehört zu werden. Daß wir mit diesen Namen und Gesichtern eine bessere Zukunft verbinden sollen – das kriege ich gedanklich nicht hin.
Die beiden Nasen sind Berufslügner und Menschen, die mit dem Gut anderer noch schmählicher verfahren, als sie es mit dem Eigenen könnten. Das ändert nichts daran, daß es gute Argumente für einen Regierungswechsel gibt, und gute Argumente für und gegen die Grünen im Ländle. Nur für den Wahnsinnsbahnhof gibt es keine guten Argumente. Auch das steht fest. Daß wir in den Zeiten des größten Wohlstands der Menschheitsgeschichte mit Angst Politik machen, egal mit welcher, das wird uns die Geschichte hoffentlich nicht verzeihen.

24) Persian, Mittwoch, 09. Februar 2011, 08:51 Uhr

Nun ja. Es ist ja nicht so, als würde der Migrationshintergrund, besonders der türkische an sich, sonst nie in der Politik instrumentalisiert werden. Was hat denn Wulff mit seiner türkischen Ministerin gemacht. Die meisten Orientalen sind doch in der Politik nur wegen den Quoten dabei. Man zeigt, wie multikulti-tolerant man doch ist und schmückt sich mit ihnen.
Bei Herr Özdemir würde ich das aber nicht mal unbedingt sagen, zumal er wirklich sehr deutsch und schwäbisch wirkt. Dass er sich zu solchen Aussagen hinreißen lässt, ist schwach. Er denunziert Mappus einfach nur, und der linke Pöbel springt sofort drauf an. Man kann es auch pawlow’schen Reflex nennen.

25) RichardT, Mittwoch, 09. Februar 2011, 09:20 Uhr

Es ist doch völlig klar wer in BaWü die grüne Politik bestimmt:
Palmer und Özdemir.
Wen interessiert denn was Kretschmann sagt?
Über wen wird denn berichtet in den Medien? Doch nicht über Kretschmann.
Palmer und Özdemir und die ganzen GrünInnen haben doch das Problem, daß die Schlichtung zu S 21 nicht so ausging wie sie das gewünscht haben. Jetzt sind es die GrünInnen die als unglaubwürdig dastehen, denn sie müßten jetzt die Proteste gegen S 21 beenden. Können sie aber nicht weil sie anderes versprochen haben.
Folge daraus: man braucht andere Themen. Also wird mal Mappus als ausländerfeindlich bezeichnet. Zieht in Deutschland immer.

Kommen schöne Zeiten auf uns zu wenn türkischstämmige generell nicht mehr kritisiert werden dürfen.

26) Mensch Meier, Mittwoch, 09. Februar 2011, 10:21 Uhr

Mensch Meier, die Grünen sind in der Mittelschicht angekommen, SUV fahrende kinderlose Lehrerehepaare setzten sich für den blauen Planeten ein, damit die Kinder und Enkelkinder einer Überlebungschance haben. Das bringt bei dem Bildungstand halt ca. 20% Marktanteil. Regieren können die deswegen nicht. Mit den Sozialisten und den Kommunisten eine Koalition bilden und dann das Betriebsystem DDR 2.0 einführen. Das ist die Zukunft und zugleich der Abstieg!

Völker der Welt schaut auf dieses Land!

27) marcpool, Mittwoch, 09. Februar 2011, 11:28 Uhr

Das Mappus polarisiert wie einst Herr Koch …. soll ja auch den Anspruch “ Schaut her ich bin der eigentlich Konservative der Union “ festigen . Und er schaut auch aus, mit pomadigem exakt gescheiteltem Haar wie Koch … keine wirkliche “ Jugend-Ikone “ !
Herr Özdemir wäre klüger… wenn er sich nicht auf das Niveau begibt – wo Mappus ihn gerne hinhaben möchte . Dehalb soll er lieber dessen miesen Machenschaften im STR 21 Projekt aufdecken . Wenn Mappus eine “ Schlammschlacht wünscht , kann er sich ja mit seinem eigenen Mist zudecken „

28) Jonny, Mittwoch, 09. Februar 2011, 15:11 Uhr

Das ultimative Problem ist, dass heutzutage für die meisten Deutschen mit Stammbaum bis Barbarossa (und solche die den gerne hätten) ein Mensch, der nicht weiß ist kein Deutscher sein kann.
Bestenfalls ein Deutscher mit Migrationshintergrund, oder einer von den -guten- Ausländern.
Jeder Schwarzkopf ist ein Türke, und das sind ja alles Muselmänner, so glaubt der unbedarfte Deutsche.
Man darf als Person mit sogenanntem Migrationshintergrund regelmäßig auf’s neue beweisen, dass man deutsch sprechen kann und Schweinefleisch ist.
Dass man in Deutschland aufgewachsen ist, zum erschlagenden Anteil von der deutschen Kultur geprägt ist, Deutsch die Muttersprache ist- alles egal, was zählt sind Aussehen und Namen.
Wie viele gibt es die sagen, „Ich bin ja kein Ausländerfeind, aber…der Sarrazin hat doch recht!“?

29) Don Corleone, Mittwoch, 09. Februar 2011, 15:37 Uhr

@Mensch Meier:
Eine gewagte Aussage, die Sie hier treffen — aber großteils wahr. Denn wer die Implementierung des Betriebssystems DDR 2.0 live verfolgen will, braucht sich nur etwas näher mit der EU zu befassen.
Dagegen wirken die bedrückenden Visionen in George Orwells „1984“ allmählich wie ein paradiesischer Hort der Freiheit.
Und wer sitzt in den krakenhaften Gremien, Kommissionen und im „Parlament“ der EU? Abgehalfterte Hinterbänkler, Planwirtschaftler, spätlinke und altgrüne Volksbeglücker, Islamismus-Appeaser, Bevormunder und Enteigner der Bürger, Abschaffer der Rede-, Meinungs- und Pressefreiheit, Fans der Deindustrialisierung Europas zugunsten (in der Tat) windiger, aber auf Kosten des kleinen Mannes irrwitzig subventionierter „alternativer“ Energien, etc.
Diese Aufzählung ließe sich ad infinitum fortsetzen. Aber ich will Ihnen und mir den Tag nicht verderben.

30) T.D., Mittwoch, 09. Februar 2011, 18:08 Uhr

Hallo liebe Kommentatoren,
natürlich kann jeder seine Meinung äußern, aber nach meiner Auffassung macht ein Kommentar in einem Blog nur Sinn, wenn er etwas Erhellendes oder einen neuen Aspekt in die Diskussion einbringt. Einfach draufhauen auf andere je nach persönlicher Präferenz und Einstellung macht keinen Sinn. Sonst ähneln die Kommentare hier bald den Kommentaren auf „welt“ online.

31) Jeeves, Mittwoch, 09. Februar 2011, 22:24 Uhr

Wetten, dass der Mappus es genau so meint, wie Özdemir es ihm unterstellt?! Es sagt es nur nicht so platt, denn doof ist er ja nicht. Aber alles andere. Ähnliche Gemeinheiten hat er ja schon bei „Stuttgart 21“ abgelassen. Und damals nicht „hintenrum“

32) M.M., Mittwoch, 09. Februar 2011, 23:27 Uhr

Ungeheuerlich wie der deutsch-türkische Grüne sich hier im Ton vergreift. Aber so wichtig ist er dann auch nicht. Also ich habe keine Angst vor Herrn Ö. !

33) Christian S., Mittwoch, 09. Februar 2011, 23:33 Uhr

Bitte, Herr Spreng. Tun Sie nicht so naiv. Ich finde den Özdemir furchtbar, aber hier hat er vermutlich Recht. Mappus ließ einen Testballon steigen, der anscheinend abgeschossen wurde. Dumm gelaufen. Der nächste Versuch kommt bestimmt.

34) Loewe, Donnerstag, 10. Februar 2011, 05:02 Uhr

Hier auf meinem Blog:
http://initiativgruppe.wordpress.com/2011/02/10/mappus-trickst-und-ozdemir-fallt-drauf-ein/

Was Sprengsatz übersieht, ist: Ausländerfeindlich zu sein ist heute Normalität, so wie früher mal der Antisemitismus gutbürgerliche Normalität war. Und Mappus hat natürlich diese Karte gespielt, weil er weiß, dass sie sticht. Ausländerfeindlichkeit bringt Punkte in der politischen Mitte, genau da, wo Mappus sie holen will.

35) Hesse, Donnerstag, 10. Februar 2011, 10:50 Uhr

Die meisten Beiträge zeigen doch nur, dass es nicht so sehr auf die Worte des Herrn Mappus ankommt, sondern auf die persönliche Interpretation und politische Ausrichtung des Kommentators .
Wenn allerdings die Mappusgegner entrüstet darüber sind, dass der MP auf die nicht unbedeutende Rolle von Herrn Özdemir bei den Grünen in BW hinweist, offenbaren sie ungewollt, dass auch sie den Herrn Kretschmann für die integere Person halten.
Denn warum sonst sehen sie in dieser Verküpfung überhaupt eine „Gefahr“? Wäre aus ihrer Sicht das direkte Antreten von Özdemir auch ein Problem? Oder um welche Ecke habe ich noch nicht gedacht?

36) Nashwin, Donnerstag, 10. Februar 2011, 12:25 Uhr

Allein weil man in einem Satz jemand mit einem türkischen Namen erwähnt, wird aus diesem Satz noch keine fremdenfeindliche Aussage.

Mappus sagte: „Wenn ausgerechnet Baden-Württemberg, wo das niemand erwartet hätte, nach 58 Jahren Herrn Özdemir oder Herrn Kretschmann oder wen auch immer als grünen Ministerpräsidenten hätte, wäre das ein völliger Paradigmenwechsel, der natürlich erhebliche Auswirkungen hätte auf Berlin.“…“Schon in der Hochphase der Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 haben die Herren Özdemir und Palmer Herrn Kretschmann das Heft aus der Hand genommen.“.

Ist die Aussage Mappus‘ faktisch falsch? Nein, es ist offensichtlich, dass nicht der eigentliche Spitzenkandidat den Kurs der Grünen vorgibt, sondern Palmer und Özdemir. Und es pfeifen alle Spatzen von den Dächern, dass Özdemir mit dem Amt liebäugelt.
Spielt sie irgendwie auf den türkischen Hintergrund Özdemirs an? Nein.
Könnte man den Namen Özdemirs durch Meier oder Kunz ersetzen, ohne den Satz ändern zu müssen? Ja. Wie die Person heißt oder deren persönliche Hintergrund spielt bei der Aussage keine Rolle.

Alle weiteren Interpretationen sind reine Unterstellungen und ein Bärendienst für den Kampf gegen (echte) Fremdenfeindlichkeit. Denn wenn jeder politische Gegner zum „Ausländerfeind“ gestempelt wird, nimmt irgendwann keiner mehr solche Warnungen ernst.

Das fast Lustige an der Sache ist, dass jene, die Mappus kritisieren, ihm auch noch das Fehlen jeglicher einschlägiger Andeutungen in seinen Aussagen als besondere Perfidie auslegen. So, als wäre den Namen Özdemir überhaupt nur zu erwähnen bereits ein fremdenfeindlicher Akt.

Ein Glück geradezu, dass Palmer keine Frau ist, sonst wäre die Aussage womöglich auch noch sexistisch gewesen.

37) Nashwin, Donnerstag, 10. Februar 2011, 12:37 Uhr

Ich möchte meinen vorherigen Kommentar in einem Detail korrigieren.
Wie ich soeben den Zeitungen entnommen habe, pfeifen nicht die Spatzen von Dächern, dass Özdemir gerne Ministerpräsident würde, sondern handelt es sich dabei möglicherweise um ein bewusst gestreutes Gerücht aus den Reihen der Grünen.

38) Hans W., Donnerstag, 10. Februar 2011, 14:20 Uhr

Die Erosion des Grün-Roten-Lagers in den Umfragewerten hat sich doch lange abgezeichnet und wird sich weiter verstärken. Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand. Die Protestbewegung von S21, angeführt von den Grünen, hat ganz einfach überzogen. Die Verhältnisse in BaWü werden von diesen verblendenden Kreisen mit den Diktaturen in Weissrussland, Ägypten und Tunesien gleichgesetzt. Mappus wird mit Ben Ali, Mubarak und Lukaschenko verglichen. In schlimmsten Vokabular wird über die derzeitige Landesregierung von Politverbrechern, Gesocks, Lügenpack, Betrügern und Spekulanten, von Filz, Korruption und persönlicher Bereicherung schwadroniert. Jederzeit nachzulesen in Foren lokaler Zeitungen und auf den Transparenten der regelmäßigen hysterischen, von linken Gruppen dominierten Aufmärsche und Blockaden am Stuttgarter Bahnhof. Diese fanatisierte, sektenähnliche und inzwischen eher karnevaleske Bewegung ist mittlerweile zur Belastung für den von Grün-Rot geplanten Machtwechsel geworden. Die Mehrheit der Menschen in BaWü haben diese masslosen Auftritte und völlig realitätsfremden verbalen Ausfälle und immer neue, konstruierte Empörungskaskaden satt, was sich in einer immer größeren Zustimmung des Regierungslagers niederschlägt. Die CDU ist mittlerweile von irgendwo um 35 % auf 41 % Zustimmung gestiegen. Die FDP zudem laut neuesten Umfragen inzwischen wieder sicher im Landtag vertreten. Tendenz weiter zunehmend. Eine Grün-Rote Mehrheit ist in BaWü, wenn überhaupt, nur mit den Linken zu organisieren. Ein Umstand der dem Regierungslager einen weiteren Wählermobilisierungsschub gibt. Dies alles hat die Führung der Grünen erkannt. Nur so ist die Reaktion von Cem Özdemir auf die Äußerungen von Mappus zu verstehen. Er versucht das von Mappus gezeichnete Bild des rücksichtlosen Diktators und Machtmenschen zu verstärken und da muss halt mal wieder die Keule von der Fremdenfeindlichkeit herhalten. Wenn dafür nur die Nennung des Namens durch den politischen Gegner reicht, zeigt es, dass die Grünen zunehmend nervös werden und merken, dass ihnen die sicher geglaubten Felle davon schwimmen. Nur dafür haben sie durch die kritiklose und undifferenzierte Unterstützung eines irrational gewordenen, inhaltlich mehr und mehr aus Ruder gelaufenen Bahnhofsprotestes selber gesorgt. Die Bürger in BaWü, dem Land mit der niedrigsten Arbeitlosenquote, der höchsten Wachstumsrate und, und, und, präsentieren den Grünen die Quittung für dieses Verhalten. Diese Quittung wird am 27.03. auch formal und offiziell ausgestellt. Aber nicht so, wie sie das noch vor Wochen und Monaten gedacht haben.

39) Peter Christian Nowak, Freitag, 11. Februar 2011, 18:25 Uhr

Wieso sollte man in Wahlkämpfen seine Gegner mit Samthandschuhen anfassen? – Zumal es sich meiner Meinung nach um einen skrupellosen Gegner handelt, der Kinder mit Wasserwerfern und Pfefferspray traktiert, Erwachsene zusammenschlagen lässt und zwar so sehr, daß ein Mensch womöglich sein Augenlicht verlieren wird!
Mappus und seine FDP-Kumpane müssen raus aus der Regierungsverantwortung!

40) Doktor Hong, Freitag, 11. Februar 2011, 18:49 Uhr

Also ich bin immer noch nicht schlauer geworden.

Jemanden unmotiviert der Fremdenfeindlichkeit zu bezichtigen, um ihn politisch unmöglich zu machen, ist sicher nicht der beste Stil. Soweit waren wir schon, und ich sehe das ähnlich.

Ich mache einmal die (sehr gewagte) Annahme, dass Mappus die Wahlen gewinnen möchte. (Die Klammern kann man gerne als Ironie-Tags interpretieren, wenn man will.)

Offensichtlich versucht er, Kretschmann als Marionette darzustellen, die nicht selber Politik macht, sondern ferngesteuert ist, und auf diese Weise sein Ansehen zu beschädigen.

Wie mein Vorredner Hans W. ausgeführt hat, bedienen sich gewisse linke Kreise rabiaterer Verbalmethoden, um dasselbe bei Mappus zu erreichen, zitiert sei der Mubarak-Vergleich, der immerhin eine schöne Alliteration ergibt. Auch dies zielt eindeutig auf den Versuch, das Ansehen von Mappus zu beschädigen.

Um es vorwegzuschicken: mir ist es relativ egal, wie die Wahlen in BaWü ausgehen werden. Ich finde eigentlich nur die Mechanismen der politischen Kommunikation interessant.

Wenn man nun Herrn Kretschmann als vollwertigen Politiker verbal depotenzieren wollte, hätte dann nicht die Aussage gereicht: „Die Richtlinien der Politik des Herrn Kretschmann werden von anderen vorgegeben“ ?

Also nochmal: Was bezweckt Mappus damit, explizit Herrn Özdemir als Richtliniengeber der baden-württembergischen Politik zu bezeichnen?

Was ist denn der politische Inhalt dieser Aussage? Ich verstehe ihn nämlich nicht.

Ich weiß es wirklich nicht und würde es gerne wissen. Was ist der taktisch-rhethorische Kunstgriff dahinter? Außer, dass man sich gegenseitig verbal mit Dreck bewirft?

41) Peter Christian Nowak, Freitag, 11. Februar 2011, 19:40 Uhr

@ Hans W.

„Masslos“, „karnevalesk“, „Empörungskaskaden“, „superlative“, etc. eine Schreibe, wie sie in Propagandaheftchen von CDU und FDP und leider auch verschiedentlich in den Medien unkritisch übernommen werden. Dieses Volk scheint teilweise und dort in weiten Teilen einer intensiven Gehirnwäsche unterzogen, sein kritischer Verstand möglicherweise an der Garderobe leichter Unterhaltung in Polit-Talkshows abgegeben.
Und dann gibt es bislang noch diejenigen Zeitgenossen, die die Profiteure von der gegenwärtigen Masslosigkeit, der Gewissenlosigkeit, der Skrupellosigkeit in Politik und Wirtschaft profitieren. Die sehen geflissentlich über alles hinweg. Auch über Korruption, über Vorteilsnahmen, über Rechtsbeugung in Wirtschaft und Politik; vor allem über Gewissenlosigkeit. So sehen also CDUwähler aus, die FDPwähler sind eh jenseits aller qualitativ hochstehenden Maßstäbe, die es wert wären sie zu bewerten.
Der Tangens zwischen den Demonstrationen in Stuttgart und Ägypten ist durchaus herzustellen: wir erleben hautnah, dass in großen Demonstrationen Unmut über die herrschenden Verhältnisse gezeigt wird. In beiden Fällen wird international versucht, Zeit zu gewinnen und Luft heraus zu lassen, in Stuttgart durch einen Schlichter, in Ägypten durch Vizepräsident, Armee und vermutlich die Amerikaner. Und in beiden Fällen wird versucht, den Protest zu spalten. Nun schlägt das Pendel zurück. In Ägypten im wahrsten Sinne des Wortes durch Schlägertrupps.
Der Unterschied zwischen Ägypten, auch Tunesien und Deutschland, ist der, daß sich dort die Menschen nicht haben blind und taub schlagen lassen und anschließend wieder fröhlich nach Hause gehen.
In Deutschland kümmert sich der Michel eher darum, die Hartz IV-Regelsätze möglichst am untersten Niveau des Existenzminimums zu halten, während von der Regierung Milliarden und Abermilliarden für unsinnige, unnötige, völlig bescheuerte Bankenrettungen zum Fenster raus geschmissen wurden und immer noch werden. Das findet der Michel geradezu toll!
Gewissermaßen eine politische Leistung von Reaktionsschnelle und ausgesprochener Kompetenz.
„Realitätsfremde Verbalattacken“ sind jedenfalls nicht gefährlich. Gefährlich ist die Skupellosigkeit von Politikern und gewissen Bürgern gleichermaßen, die auf Linie von diversen Propagandisten gebracht werden; adressiert an Menschen mit überfordertem Intellekt, die die Welt der herrschenden Klasse für wirklichkeitsgetreu halten, weil alles so eingebläut. Die glauben wirklich alles, selbst wenn angeblich die Kuh über den Mond fliegt – wenn es nur der Mappus, die Merkel, der Westerwelle, die INSM, oder meinetwegen der Papst sagt. Und die Schwaben sind darin besonders begabt!
Typisch dieser Westerwelle, der es sich kürzlich nicht verkneifen konnte, seine heiß geliebten „Leistungsträger“, die Mittelschicht im Kontext Ägypten zu erwähnen. Wahrscheinlich wollte er damit sagen, daß bei einer Neuorientierung des Landes die Interessen der Ärmsten der Armen nicht allzu sehr ins Gewicht fallen sollten.
Warten wir mal ab, am Zahltag wird abgerechnet – nicht nur in Stuttgart, wichtiger noch zu einem späteren Zeitpunkt in Berlin!

42) Maren P., Freitag, 11. Februar 2011, 20:59 Uhr

Hans W. schrieb:>>[…]In schlimmstem Vokabular wird über die derzeitige Landesregierung von Politverbrechern, Gesocks, Lügenpack, Betrügern und Spekulanten, von Filz, Korruption und persönlicher Bereicherung schwadroniert.[…]<<

Ich lebe räumlich sehr weit vom unmittelbaren Geschehen entfernt und nehme die Ereignisse nahezu ausschließlich über die Medien einschließlich Foren und Blogs wahr. Tatsächlich lässt sich über die derzeitige Landesregierung nach meiner Meinung derzeit auch nicht viel Besseres sagen. Das Handelsblatt ist wohl kaum als grün oder links zu bezeichen. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/moeglicher-interessenkonflikt-mappus-s-21-und-die-spaetzle-connection;2670355
Es ist wie überall, wo eine einzige Partei das politische Geschehen über Jahrzehnte dominiert hat, z.B. hier vor meiner Haustür in Hamburg die SPD. Allerdings wahrt die CDU in "Deutsch-Südwest" meiner Meinung nach obendrein eine viel zu geringe Distanz zu schwarzbräunlichem revanchistischen Gedankengut wie etwa dem Bund der Heimatvertriebenen oder auch der Studienstiftung Weikertsheim. Deshalb hoffe ich bei der anstehenden Landtagswahl sehr wohl auf einen neuen Ministerpräsidenten – gleich welchen Namens auch immer!

43) Peter Christian Nowak, Samstag, 12. Februar 2011, 16:03 Uhr

Noch ein Nachtrag für Hans W. und alle anderen Leser. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung, daß bestimmte Dinge unter einer anderen Perspektive betrachtet werden und die Erkenntnis im Sinne der Realität siegt.
Ihr Zitat: °°Die Mehrheit der Menschen in BaWü haben diese masslosen Auftritte und völlig realitätsfremden verbalen Ausfälle und immer neue, konstruierte Empörungskaskaden satt, was sich in einer immer größeren Zustimmung des Regierungslagers niederschlägt. °°

Wenn Sie über die rhetorische Dimension der Masslosigkeit schwadronieren, so sage ich Ihnen, daß wir ein Zuwenig an einer bestimmten Masslosigkeit haben: nämlich die „Masslosigkeit der Aufklärung des Volkes“ über die wirklich wichtigen Dinge. Von den Maghrebstaaten lernen! Empört Euch!
Daher: http://www.nachdenkseiten.de/?p=8292#more-8292

44) Hans W., Sonntag, 13. Februar 2011, 11:09 Uhr

@ Peter Christian Nowak

Jetzt sagen Sie als Aufgeklärter „den Menschen mit überfordertem Intellekt und gewissen Bürgern, die auf Linie von Propagandisten gebracht wurden“ natürlich was die Wahrheit ist und wie die Wahrheit auszusehen hat? Danke dafür. Sie und Ihre verräterischen Ausführungen stehen genau in dem Kontext, der diesen bizarren Bahnhofsprotest mittlerweile so unglaubwürdig gemacht hat und in welcher Ecke er gelandet ist. Bürgerlich sieht anders aus. Sie sollten sich besser eine andere Plattform für Ihren Klassenkampf suchen als ein „profanes“ Infrastrukturprojekt. Im übrigen scheine ich irgendwie den wunden Punkt genau getroffen zu haben.

45) Peter Christian Nowak, Sonntag, 13. Februar 2011, 16:41 Uhr

Ich habe zu danken, und zwar dafür, daß sie zeigen, wie Recht ich hatte. Und zwar mit meiner These, daß es sich bei Menschen wie Ihnen nicht nur um unaufgeklärte Bürgerliche handelt, sondern darüberhinaus um heilllos unverbesserliche Ignoranten. Aber ich bin auch der Meinung, daß man solchen Leuten nicht weiterhin die Gelegenheit geben darf, weiteres Unheil in Wirtschaft und Gesellschaft anzurichten. Das werden die kommenden Wahlen auch zeigen. Ihre Prozentrechnung für die Wahlprognose, werter Herr Hans W., dürfte dann Makulatur gewesen sein. Und das ist gut so, für die Menschen und für das Land!

46) Horst, Montag, 14. Februar 2011, 13:16 Uhr

Was bin ich wieder schlitzohrig, werden sie vielleicht gedacht haben. Özdemir einfach mal vorwerfen, seine Erwiderung auf Mappus Spielchen seien Ressentiments mit anderen Vorzeichen. Unausgesprochenes kann man doch nicht in dieser Weise kommentieren? Herr Spreng, wir leben in Deutschland. Dem Land, in dem Sarrazin uns gelehrt hat, wie wir ticken.

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