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Ich gestehe

Ein gutes Krisenmanagement zeichnet sich durch Transparenz und völlige Offenheit aus. Das Krisenmanagement ist dann am besten, wenn es vor Ausbruch der Krise einsetzt. Nach diesen Grundsätzen habe ich mich zu schonungsloser Offenheit in eigener Sache entschlossen, bevor eine hungrige Medienmeute auch mich hetzt. Ich gestehe: Bei meinem Abitur 1968 an der Frankfurter Freiherr-vom-Stein-Schule ist es nicht korrekt zugegangen. Das Abitur muss mir aberkannt werden. Hier ist die ganze, wahre Geschichte:

Ich war ein schlechter Schüler. Zweimal sitzengeblieben, einmal musste ich die Schule wechseln. In den letzten beiden Schuljahren war ich durch Schülerrevolution, Junge Union und meine intensive freie journalistische Arbeit für die  „Frankfurter Neue Presse“ so beschäftigt, dass ich kaum noch Zeit für die Schule hatte. Vor der schriftlichen Lateinarbeit sahen meine Noten so aus: Deutsch 2, Philosophie 2, Politik (Gemeinschaftskunde) 1, Englisch 3, Sport 4, Latein 5 und Mathematik 6. Da insgesamt sechs Schüler meiner Klasse in Mathematik eine fünf oder sechs hatten, gab es eine Ausnahmegenehmigung des Kultusministers, auch mit dieser 6 das Abitur bestehen zu können.

Es kam also alles auf Latein an, ein Fach, das intensiven Lernens bedurft hätte. Meine Chancen, das „Zeugnis der Reife“ zu erlangen, waren so gut wie aussichtslos. Allerdings nur so lange, bis mich am Vorabend der schriftlichen Lateinprüfung die Frau des Klassenlehrers anrief und mir den Prüfungstext mitteilte. Sie handelte aus mütterlichen Gefühlen („Man kann einem jungen Menschen nicht die Zukunft verbauen“). So informiert, konnte ich mich vorbereiten und schrieb zur Überraschung meines Latein- und Klassenlehrers eine 3, was zur Endnote 4 führte. Das Abitur war bestanden.

Die Frau meines Klassenlehrers offenbarte sich ihrem Mann erst ein halbes Jahr später, als ich bei dem Ehepaar zum Kaffee eingeladen war.

So, jetzt ist es raus. Ich trage die Konsequenzen und bin bereit, mein „Zeugnis der Reife“ zurückzugeben. Weitere Enthüllungen sind nicht zu erwarten, da ich nicht studiert habe.