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Das Ende von Schwarz-Grün

Natürlich, Christoph Ahlhaus ist schuld, der wahrscheinlich uncharismatischste Politiker, der je bei einer Wahl kandidierte. Ole von Beust auch, der seinen Bürgermeistersessel fluchtartig verließ und seine Partei in die Krise stürzte. Klar, die Hamburger CDU insgesamt ist schuld, die einen trostlos unprofessionellen Wahlkampf führte, die Ole von Beust wie einen Aussätzigen behandelte und so tat, als sei die schwarz-grüne Koalition schicksalhaft über sie gekommen. So schnell kann man den Hebel nicht umlegen.

Das stimmt alles, das reicht aber als Erklärung für das CDU-Wahldesaster nicht aus.

Der Hauptgrund liegt tiefer und ihn zu akzeptieren fällt manchen in der CDU noch schwer: Schwarz-Grün als Koalitionsmodell ist gescheitert – und das in Hamburg nur beispielhaft. Klassische CDU-Wähler sind offenbar nicht bereit, schwarz-grüne Bündnisse zu billigen. Die CDU muss erkennen, das die vermeintlich zusätzliche Machtoption ein Irrweg war.

Machtgewinn zusammen mit den Grünen führt direkt zum massenhaften Verlust von CDU-Stammwählern. Ihnen passt die ganze schwarz-grüne Richtung nicht, sie halten Schwarz-Grün für ein reines Machtspiel am grünen Tisch der Polittaktiker. Sie leiden unter Schwarz-Grün (zum Beispiel in der Schulpolitik), statt davon überzeugt zu sein. Die Grünen sind ihnen einfach kulturell zutiefst zuwider.

Auch der so nette Herr von Beust hätte, wenn er geblieben wäre, bei der nächsten Wahl die Macht verloren. Schon im Februar 2010, als in Hamburg noch schwarz-grüne Harmonie herrschte, lag die CDU in den Umfragen nur noch bei 31 Prozent, während die Grünen hinzugewannen. Und im Saarland würde die CDU, wenn jetzt gewählt würde, noch schlechter abschneiden als bei der letzten Wahl. Schwarz und Grün passen in den Augen vieler CDU-Wähler nicht zusammen, nicht einmal im großstädtischen Milieu.

So wie die CDU der SPD in der großen Koalition das Mark aussagte, so geht es jetzt der CDU mit den Grünen, allerdings mit dem Unterschied, dass die Stimmen nicht zu Grünen wandern, sondern zurück zur SPD. In Hamburg haben mit Sicherheit auch tausende CDU-Sympathisanten Olaf Scholz und die SPD gewählt, nur um einen Wiedereinzug der Grünen in die Stadtregierung zu verhindern. Die CDU und ihre schwarz-grünen Politiker wie Norbert Röttgen müssen einsehen, dass die CDU mit den Grünen zwar koalieren kann, dafür aber bei der nächsten Wahl von ihren Stammwählern bestraft wird.

Der CDU ist beim vielen Jonglieren mit Machtoptionen jetzt ein Ball heruntergefallen. Es bleiben ihr nur Schwarz-Gelb und die große Koalition. Lange Zeit hat die CDU nicht kapiert, dass auch die grüne Taktik, Schwarz-Grün nirgendwo defintiv auszuschließen, keine Avance war, sondern nur der trickreiche Versuch, bürgerlichen Wählern den Schrecken vor den Grünen zu nehmen und sie für sich zu gewinnen. Dass dies spätestens in Hamburg enttarnt wurde, ist auch für die Grünen bitter. Sie müssen sich ihre Wähler jetzt wieder links von der Mitte suchen.

Bis Schwarz und Grün tatsächlich zusammenpassen, werden noch viele Jahre vergehen. Oder Schwarz-Grün kommt nie – zumindest nicht als Erfolgsmodell.