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Montag, 28. Februar 2011, 12:40 Uhr

Gibt’s was Neues?

“Der Spiegel” berichtet in dieser Woche, in Berlin habe sich im Fall Guttenberg das Verhältnis zwischen Korrespondenten und Politikern umgekehrt. Nicht mehr die Journalisten rufen an und fragen, sondern die Politiker melden sich bei den Hauptstadtkorresponenten: Gibt’s was Neues? Habt ihr den Ghostwriter schon?

Das habe ich selbst auch einmal bei einem Skandal um einen Verteidigungsminster erlebt, 1978 bei Georg Leber (SPD). Er war ins Kreuzfeuer geraten, weil aus seinem Ministerium immer neue illegale Abhöraktionen des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) bekannt wurden, von denen der Minister nichts wusste.

Auf dem Höhepunkt der Affäre um den anständigen, aber völlig überforderten Mann rief Regierungssprecher Klaus Bölling im Auftrag des Bundeskanzlers Helmut Schmidt in der BILD-Chefredaktion an, um sich zu erkundigen, ob es zu Georg Leber und den Abhörgeschichten etwas Neues gebe. Man könne von Leber keine substanziellen Auskünfte mehr bekommen. Ein Armutszeugnis, aber symptomatisch für den Verlauf solcher Regierungskrisen.

Der wesentliche Unterschied zum Fall Guttenberg: Georg Leber trat zurück.

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7 Kommentare

1) Norbert, Montag, 28. Februar 2011, 20:15 Uhr

Pardon, aber der wesentliche Unterschied ist für mich, dass ein Verteidigungsminister wissen sollte, was der MAD macht, weil das die Arbeit des Ministers berührt, eine fälschlich erworbene Doktorwürde dagegen nicht.

2) Jan, Dienstag, 01. März 2011, 00:44 Uhr

Es geht – wenn man ehrlich ist – nicht mehr nur ums Plagiat. Eine ehrliche, offene, vollständige Entschuldigung Guttenbergs hätte ihm sicherlich einige Kritik ersparen, wenigstens aber einen ehrenvollen Rückzug ermöglichen können.

Stattdessen hat sich Guttenberg darin gefallen, die Vorwürfe aussitzen zu wollen.
Er spielt Salamitaktik. Was allgemein bekannt ist, gibt er widerstrebend zu, versucht aber selbst dabei noch, Fakten zu verdrehen.

Schließlich leugnet er bis heute, bewusst plagiiert zu haben. Er behauptet stattdessen, er habe den “Überblick über die Quellen” verloren.

Betrachtet man die schiere Masse der Plagiate, oder wie präzise er Passagen aus den Plagiaten an den zum Zeitpunkt seiner Dissertation aktuellen Zeitraum angeglichen und teilweise sogar im Original vorhandene Verweise auf ursprüngliche Verfasser entfernt hat, bleibt m.M.n. nur ein einziger Schluss übrig:
Er wusste sehr genau, was er tat. Er wusste, dass es falsch ist. Und es war ihm egal.

Und daraus folgt: Er hat seit den ersten Vorwürfen öffentlich gelogen, abgewiefelt, laviert, zu vertuschen versucht und die Öffentlichkeit für dumm verkaufen wollen. Wie üblich hat er natürlich auch die abgenutzte, altbekannte Neidkeule auspacken lassen (m.W.n. sind die Neidvorwürfe nie vom Minister selbst gekommen, sondern immer über Parteifreunde).

Und diese charakterlichen Verfehlungen rechtfertigen sehr wohl Zweifel an der ministeriellen Arbeit und seiner charakterlichen Eignung dazu, dieses Amt zu führen.

Schließlich stellt sich auch noch die Frage: Wenn Guttenberg in dieser Beziehung nachweislich gelogen hat, als er die Vorwürfe als abstrus zurückgewiesen hat… hat er möglicherweise auch in anderen Fällen gelogen?

War seine Begründung für den Rauswurf von Generalinspekteur Schneiderhan und Staatssekretär Wichert möglicherweise eine Lüge? War es möglicherweise eine Lüge, er habe auf Grundlage fehlerhafter und unzureichender Informationen die Luftangriffe militärisch angemessen genannt?

War seine Darstellung zur Suspendierung von Kapitän Schatz möglicherweise eine Lüge?

Guttenberg ist allein auf der Grundlage des Plagiatsvorwurfes schon nicht mehr als Minister tragbar. Schließlich hat er die Universitäten der Bundeswehr unter sich, und deren Umgang mit Plagiaten ist ähnlich gnadenlos wie der aller “konventionellen” Universitäten.

Aber sein Umgang mit den Vorwürfen macht die ganze Affäre zum Skandal.

Und ich bin fest davon überzeugt, dass die Union das an den Wahlurnen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu spüren bekommen wird. Unabhängig davon, wie sehr man jetzt noch betonen mag, dass man auf Guttenbergs Popularität nicht verzichten wolle… Unterm Strich, dessen bin ich mir sicher, wird die Union mehr Schaden als Nutzen aus der Personalie Guttenberg ziehen.

3) Emil Blume, Dienstag, 01. März 2011, 00:56 Uhr

Der Charakter eines Verteidigungsministers berührt seine Arbeit nicht unerheblich.

4) Jordan, Dienstag, 01. März 2011, 07:18 Uhr

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,747445,00.html

Sie als Insider sollten lieber erklären wie solche Umfragewerte wie in BILD zustandekommen.

Fax-umfrage der Bild. Wer hat ein Fax .

5) f.luebberding, Dienstag, 01. März 2011, 09:52 Uhr

Schöner Artikel. Nur noch ein Hinweis: Leber war schon vor dieser Affäre angeschlagen. Seit der Rudel-Einladung hatten viele den Eindruck, dass er den Laden nicht mehr im Griff hat – obwohl er 1976 natürlich richtig gehandelt hatte als er die Generäle feuerte, die den Nazi eingeladen hatten. Insofern gibt es durchaus Parallelen zur heutigen Situation. Ob Kundus oder Gorch Fock: Guttenberg handelt sprunghaft und ohne Linie. Dagegen war Leber übrigens absolut seriös. Nur wird jetzt immer deutlicher, dass Guttenbergs Bundeswehr-Reform ein Desaster wird. Chaos schaffen mit immer weniger Waffen. Die Abschaffung der Wehrpflicht war überstürzt und hinterlässt offenkundig einen Personalnotstand. Es gäbe also eigentlich einen guten Grund, die Aussetzung der Wehrpflicht wieder auszusetzen … . Das kann Guttenberg nicht machen. Nur ein neuer Minisiter. Schmidt musste damals sein Kabinett umbilden. Merkel hat wohl auch das Problem, in dieser Frage noch keinen echten Plan zu haben. Es kann also durchaus sein, dass Guttenberg zurücktritt und Merkel mit leeren Händen dasteht.

6) f.luebberding, Dienstag, 01. März 2011, 10:43 Uhr

Das ging ja schneller als ich dachte. Vielleicht sollten wir für die Bundeskanzlerin sammeln.

7) Hans-Peter Porzner, Samstag, 29. Oktober 2011, 18:32 Uhr

Sensation: Die Doktorarbeit Dr. Karl-Theodor Frhr. zu Guttenbergs ist kein Plagiat.

http://mfmkmuenchen.livejournal.com

http://www.das-wikiplott.de/

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