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Sonntag, 13. März 2011, 09:39 Uhr

Die So-zu-tun-Politik

Die Atomkatastrophe von Japan wird die Welt verändern, auch die kleine deutsche Welt. Sie ist eine Erschütterung des kollektiven Weltbewusstseins. Es wird künftig eine Zeit vor Fukushima geben und eine Zeit danach.

Der Super-GAU in Japan wird auch zum GAU für die deutsche Atompolitik werden und die politischen Kräfte, die sie tragen. Das hat auch die Kanzlerin gemerkt. Deshalb der rasche “Krisengipfel” im Kanzleramt. Ihr geht es jetzt darum, den Menschen das Gefühl zu geben, dass die Politik senbsibel und schnell reagiert und handelt. Betonung auf  “das Gefühl zu geben”. Jetzt ist wieder die hohe Zeit der So-zu-tun-Politik: so zu tun, als würde man etwas tun.

Dahinter steckt die Angst vor den Wählern, deren Ängsten, deren Emotionen. Erst einmal Ruhe reinbringen, irgendwie über die Landtagswahlen kommen, Zeit gewinnen. Das wird aber nicht gelingen. Die japanische Atomkatastrophe wird ihre Schockwellen noch jahrelang auch in die deutsche Politik senden. Und da ist es lächerlich, so tun, als würde man etwas tun.

Wie hilflos die deutsche Bundesregierung mit ihrem Atomverlängerungskurs ist, zeigten die Reaktionen Merkels und von Umweltminister Nobert Röttgen. Merkel sagte: “An einem solchen Tag darf man nicht einfach sagen, unsere Kernkraftwerke sind sicher”, um dann aber genau das zu sagen. “Sie sind sicher”. Das mag technisch sogar so sein, in den Augen der verängstigten Menschen aber ist kein Kernkraftwerk mehr sicher.

Und wer das hilflose, gefühlt 30 Minuten dauernde Gestammel von Röttgen im ZDF-Interview mit Marietta Slomka hörte, der bekommt noch mehr Angst. Und der sieht die Angst in den Augen der CDU: ihre Wählerstimmen sind nicht mehr sicher. Deshalb die
So-zu-tun-Politik.

Jetzt rächt sich, dass im vergangenen Jahr nicht wenigstens die Abschaltung der ältesten Kernkraftwerke beschlossen wurde, dass mit der Energieindustrie Geheimverträge ausgemauschelt wurden, dass die Energieindustrie und Schwarz-Gelb glaubten, der Widerstand gegen ihre Atompolitik werde nur von den üblichen Verdächtigen getragen. Jetzt auf jeden Fall sind es nicht mehr nur die üblichen Verdächtigen, sondern wahrscheinlich die gesamte Bevölkerung.

Der Hauptfehler von Schwarz-Gelb aber war, dass die Atompolitik der Bundesregierung den Eindruck vermittelte, nicht die erneuerbaren Energien seien das Ziel der sogenannten  “Brückentechnologie” Kernkraft, sondern die Brücke selbst.

Wo blieb im vergangenen Jahr der große Aufbruch zu den erneuerbaren Energien, die große Vision, die sofort tatkräftig angepackt wurde? Nein, Industrie und Bundesregierung lehnten sich erst einmal erschöpft zurück (“Geschafft!”), statt sofort mit dem Jahrhundertprogramm für erneuerbare Energien zu beginnen. Das musste einfach den Eindruck verfestigen, dass die Brücke selbst das Ziel war und nicht das neue Energiezeitalter ohne Atommeiler.

Von diesen Versäumnissen wird die schwarz-gelbe Koalition jetzt eingeholt. Sie hat ihre energiepolitische Glaubwürdigkeit verloren. Wer soll solcher Politik noch Vertrauen entgegenbringen? Und die So-zu-tun-Politik wird die letzten Reste von Vertrauen zerstören. Wie sich das bei den Landtagswahlen auswirkt, ist fast schon nebensächlich. Es geht um eine Zeitenwende, nicht um das Schicksal des Hardcore-Atompolitikers Stefan Mappus.

Norbert Röttgen sagte auch, jetzt sei nicht die Zeit für eine Grundsatzdebatte. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

110 Kommentare

1) Alberto Green, Sonntag, 13. März 2011, 10:22 Uhr

Vor allem muss sich die Regierung fragen lassen, warum sie die Kraftwerke jetzt überprüfen lässt und warum sie das nicht vor dem Beschluss der Laufzeitverlängerung getan hat. “So-zu-tun-Politik” eben.

2) mambo, Sonntag, 13. März 2011, 10:34 Uhr

Nicht nur in der Atomfrage ,sondern in nahezu allen anderen Politik -Bereichen hat diese
Regierung ihre Glaubwürdigkeit längst verspielt .
Nochmals zu Schulden :
Laut Statischem Bundesamt sind die Schulden des Bundes in 2010 um
200 Milliarden Euro gestiegen ,und zwar ausschließlich wegen der
Rettungspakete für die Finanzindustrie,
und dies dürfte nur die Spitze desEisbergs sein !
Dagegen sind Frau Krafts Schulden wahrlich Peanuts.
Die Rechnung für das Euro -Rettungsgeschwurbel wird bald folgen.

Die Regierung Merkel vertritt nicht das Gemeinwohl ,
sondern die Interessen mächtiger Lobbygruppen.
Was soll man von einer Kanzlerin anderes erwarten ,
deren Finanzberater Ackermann und Issing /Dibelius (Goldman/Sachs) heißen ,
und die sich in 2010 die Atompolitik von RWE/Eon & Co. hat dikteren lassen ?

3) walter s., Sonntag, 13. März 2011, 10:35 Uhr

Ich verstehe Sie nicht. Beide Regierungsparteien haben in ihre Wahlprogramme geschrieben, dass sie auf Atom-Energie setzen. Wenn man ihren Blogeintrag liest, bekommt man den Eindruck, dass die Regierung im Stillen versucht Atomenergie zu fördern.

Außerdem finde ich den Vergleich Deutschland-Japan lächerlich, denn Deutschland ist nicht unbedingt für seine starken Erdbeben, Tsumamis und Hurricanes bekannt…

4) Politikverdruss, Sonntag, 13. März 2011, 10:54 Uhr

Diese typisch deutsche Hysterie ist nur noch abstoßend. The german „Angst“ greift um sich! Kaum ein Wort des Bedauerns über vermutlich zehntausende Opfer eines Erdbebens und des darauf folgenden Tzunamis. Die Deutschen mal wieder im Mittelpunkt einer angsterfüllten Zukunft. Angesichts des Unglücks, das über die Japaner gekommen ist, mit zerstörten Städten und noch unzähligen Opfern, ist es geradezu unerträglich, wie diese Naturkatastrophe jetzt von der Atomausstiegs-Lobby ausgeschlachtet wird.
Verbeugen aber muss man sich vor Stoizismus der Japaner, die in dieser schweren Zeit Haltung bewahren.

5) Peleo, Sonntag, 13. März 2011, 10:56 Uhr

” jetzt sei nicht die Zeit für eine Grundsatzdebatte”?

Wenn (gerade) nichts passiert: Ihr seht doch – alles sicher.
Wenn etwas passiert wie jetzt: Jetzt keine Grundsatzdebatte

Die Atomparteien haben ihre Glaubwürdigkeit nicht erst im Umgang mit Guttenberg verspielt. Diese Verlogenheit kommt jetzt auf brutale Weise ans Licht.

6) Howie Munson, Sonntag, 13. März 2011, 11:10 Uhr

naja “geschickt” war zumindestens von einer Überprüfung zu reden, das wurde ja schön von den Medien aufgegriffen auch wenn RWE sich beeilt hat das abzulehnen da die Kraftwerke ja ständig in der weiterentwicklung wären… (Da fragt man sich echt wen das beruhigen soll, Japan ist ja nun wirklich kein Land dem man technologische Defizite nachsagen könnte… Aber vielleicht haben sie auch schon resigniert und versuchen gar keinen mehr zu überzeugen sondern reden sich das nur selbst schöner…)

7) André, Sonntag, 13. März 2011, 11:28 Uhr

Seit Japan geht jeder mit Atomenergie anders um, ich muss zugeben davor war es mir fälschlicher weise schnuppe aber jetzt wo ich selber mitbekomme das es auch mich und meine Kinder treffen könnte bin ich sofort dabei den Atomhahn zuzudrehen.
Und die Einstellung der Politik zeigt wieder einmal mehr (Beispiel Guttenberg usw.) wir machen mit den Bürgern was wir wollen.
Das wäre wieder einmal die Chance für die Politik Maßstäbe zu setzen und plus Punkte zu sammeln.
In dem sie einfach mal ein paar Meiler ausschalten aber selbst dafür sind sie zu doof die Chance wahrzunehmen.

das macht echt Angst und Traurig was wir Menschen denen wert sind, nix!

8) Oliver, Sonntag, 13. März 2011, 11:32 Uhr

Wenn man eine Grundsatzdebatte führen will, muss man auch eine ehrliche Rechnung, die nicht von Leuten kommt, die sowieso dafür sind, über die Kosten einer Umstellung auf erneuerbare Energien aufstellen. Und man müsste auch andere Alternativen, wie zurück zur Kohle oder eine Umstellung auf Erdgas oder eine neue Generation Atomkraftwerke berücksichtigen.

9) Lutz Bräutigam, Sonntag, 13. März 2011, 11:38 Uhr

Gut! Sehr gut!,

10) Sabine Zielke-Esser, Sonntag, 13. März 2011, 11:43 Uhr

Es gibt Tage, an denen eine Zeitenwende spürbar wird. Japan erlebt sein 9/11. Es ist nicht nur eine unvorstellbare Naturkatastrophe: Fällt in einem AKW der Strom aus (aus welchen Gründen auch immer), fällt die Kühlung aus und die Prozesse sind am Ende nicht mehr beherrschbar – hat das jetzt endlich jeder verstanden?

Und bei uns versucht Frau Merkel wieder mal die Kurve zu kriegen. Wenn diese Dame auf dem Bildschirm erscheint, schalte ich den Ton ab – nicht erst seit gestern. Der E10-Flop an den Tankstellen ist ja auch ein greifbares Ergebnis ihrer So-tun-als-ob-Politik.

11) sk8erBLN, Sonntag, 13. März 2011, 11:46 Uhr

Ein Kommentar wieder mal auf dem Punkt. Vielen Dank! Nur zu diesem einen Satz “Und da ist es lächerlich, so tun, als würde man etwas tun.” Es ist nicht lächerlich, es ist ENTLARVEND! Möge es dieser Regierung mit voller Wucht auf die Füße fallen.

Und den Bade-Württembergern kann man es nicht oft genug sagen in den kommenden Tagen:

“Für Stefan Mappus kommt das alles zur Unzeit. Baden-Württembergs CDU-Ministerpräsident will in zwei Wochen wiedergewählt werden, Schwarz-Gelb liefert sich in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Rot-Grün. Und Mappus hat sich in der Vergangenheit als einer der Atom-Vorkämpfer der Union inszeniert, wünschte sich immer wieder eine Laufzeitverlängerung von mindestens 15 Jahren und forderte zwischendurch sogar den eigenen Parteifreund Röttgen wegen dessen zögerlicher Haltung zum Rücktritt auf.”

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,750537,00.html

Und noch was zur Betreiberfirma des japanischen AKWs, wer glaubt, über diesen GAU die Wahrheit zu erfahren muss sehr naiv sein, ihr Ruf ist ein anderer:
“AKW-Betreiber Tepco
Die Vertuschungsfirma

Gefälschte Dokumente, vorgetäuschte Reparaturen, tödliche Unfälle: Das Desaster im japanischen AKW Fukushima ist der Höhepunkt einer Reihe von Skandalen der Betreiberfirma Tepco. Das Unternehmen wollte den Katastrophen-Reaktor angeblich diesen Monat stilllegen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,750572,00.html

Von der Salamitaktik der japanischen Regierung ganz zu schweigen.
Die Geschichte nimmt derweil unaufhaltsam ihren Lauf, deutlich mehrverseuchte Menschen, der dritte Reaktorblock dem nun auch die Reaktorschmelze droht. Und was ist eigentlich aus dem zweiten Krafwerk geworden, da hört man so gar nichts mehr.

Aber unterdessen entblödet sie die Atomlobby nicht ihr Mantra zum besten zu geben:

+++”RWE-Vorstand: “Höchste Sicherheitsstandards für AKWs” +++
[20.29 Uhr] Der Technikvorstand des Energiekonzerns RWE, Gerd Jäger, sieht keinen Grund, die Laufzeitverlängerung für deutsche Meiler bis 2035 zu überdenken. In Deutschland würden “höchste Sicherheitsstandards für Kernkraftwerke angesetzt, und sie werden von uns erfüllt”, sagte er der “Welt am Sonntag”.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750472,00.html

Ja, nee ist klar, und deswegen verweigern ja auch die ganzen Versicherer seit Anbeginn Haftungspolicen für die ach so sicheren und gut beherrschbaren AKWs zu verkaufen. Di sind halt einfach blöd und wollen mit dem so toll kalkulierbaren Risiko einfach kein Geld verdienen. Ist klar.

12) … der Ralf, Sonntag, 13. März 2011, 12:07 Uhr

Richtig, Herr Spreng. Was aber in Ihrem Beitrag fehlt, ist ein dezenter Hinweis darauf, daß der mündige Bürger es in der Hand hat, den Elektroenergiemarkt zu beeinflussen indem er einen Versorger wählt, der nachweislich Elektroenergie liefert, welche nicht und auch nicht teilweise auf Kernkraft beruht.

13) panther, Sonntag, 13. März 2011, 12:25 Uhr

In welchen Dimensionen die Politik der schwarz-gelben Regierung versagt und wie die Folgen für uns sein könnten, haben Sie mit den Sätzen : ‘Und wer das hilflose, gefühlt 30 Minuten dauernde Gestammel von Röttgen im ZDF-Interview mit Marietta Slomka hörte, der bekommt noch mehr Angst. Und der sieht die Angst in den Augen der CDU: ihre Wählerstimmen sind nicht mehr sicher’ auf den Punkt gebracht. Wenn eine Politik immer nur auf den Erhalt der Macht und das Schielen nach der Wählermeinung ausgerichtet ist, muss sie zwangsläufig scheitern. Nur das es schon lange nicht mehr um das Überleben der Bundeskanzlerin oder des Umweltministers geht, sondern um das Überleben von uns allen. Wer die Relativierungsversuche der Atomindustrie von gestern hört, die versucht uns zu erklären, dass ähnliches wie in Japan hier nicht passieren könnte, aber zur selben Zeit von ernst zu nehmenden Wissenschaftlern darüber aufgeklärt wird, dass in Kornwestheim die Batteriesysteme beim Ausfall der Stromversorgung und der Notstromaggregate gerade einmal für zwei Stunden halten, dem muss einfach schlecht werden.Kleinkarierte Tagespolitik ist das Markenzeichen dieser Regierung, die komplette Unfähigkeit eine tragende Vorstellung davon zu entwickeln, wie wir als Industriegesellschaft überleben können und unsere Ressourcen dauerhaft in erneuerbare Energien stecken, ist nicht vorhanden. Herr Röttgen hat sich als kleingeistiger Opportunist entpuppt, der die Stufe seiner Kompetenz schon lange überschritten hat. Frau Merkel bleibt die, die sie schon immer war: durchwursteln, beobachten und auf den passenden Zug aufspringen, wobei Sie in letzter Zeit immer mehr auf die falschen aufspringt. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn es nur sie beträfe. Dann könnten wir fröhlich pfeifen:” Es geht ein Zug ins Nirgendwo”. Doch wir sitzen zwangsverpflichtet mit darin und sehen bald nur noch den ‘Tunnel am Ende des Lichts.’ (Schlagzeile aus der Welt, SZ oder Spiegel-Online). Es bleibt uns nur, sehr schnell eine andere Fahrkarte zu lösen.

14) Wilhelm Bauer, Sonntag, 13. März 2011, 12:38 Uhr

Danke für diesen Sprengsatz!

15) MST, Sonntag, 13. März 2011, 13:28 Uhr

Hallo Herr Spreng.

Ich bin da ganz Ihrer Meinung. Für die Bevölkerung stellen Atomkraftwerke mittlerweile “potenziell schmutzige Atombomben” dar. Ein Ausstieg ist nur Folgerichtig und er muss schnellst möglich erfolgen.
Heute sind mit Wind-, Solar-, Geothermie-, Wasserkraft- und Wassertidenkraftwerken neue Ansätze dar. Kernfusionskraftwerke sind im Prototypenstadium (es entsteht während der Kernfusion wesentlich weniger und vor allem langfristige Radioaktivität). Die Subventionen die heute in Transport, Wiederaufbereitung und Lagerung von Brennstäben gesteckt werden, sollten lieber in einen Zeitplan zum Ausstieg aus der Atomspaltung und hin zu erneuerbaren und regenerativen Energien gesteckt werden.

Mit diesen Technologien könnten wir dann alle “dritten Länder” in unserer unmittelbaren Nachbarschaft helfen ihre Energieprobleme ohne Atomkraft zu lösen. Nur so werden auch die AKWs um uns herum in Frankreich, Dänemark usw. verschwinden.

Was für ein wirtschaftlich interessanter und zukunftsgerichteter Weg für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Das ist DIE Chance – wir sollten sie ergreifen.

MST

16) karel, Sonntag, 13. März 2011, 13:29 Uhr

Die “so-zu-tun”-Politik ist nicht neu.
Während der Ölkrise in den 70ern wurde der starke Ausbau der Kernenergie beschlossen und auch beschleunigt.
Und nun “wird so getan”, als wenn nichts gewesen wäre.
Die rot-grüne Regierung beschloß den Atom-Ausstieg über einen Zeitraum bis 2022.
Und nun “wird so getan” als können wir sofort alle Kernkraftwerke abschalten.

Schalten wir die Kernenergie ab.
Sofort.
In der kommenden Woche.
Der Zeitpunkt war noch nie so günstig.
Mit aller Konsequenz.
Atomstrom aus dem Ausland: sofort abschalten.
Aus Frankreich, aus der Schweiz, aus Tschechien…….. SOFORT
Oder wird “schon wieder so getan”?

Es “wird so getan”…… eine gräßliche mediale Gesellschaftskultur.

17) Venjan, Sonntag, 13. März 2011, 13:40 Uhr

Besonders ärgerlich ist, dass seit Monaten jedes politische Thema , egal ob Hartz IV, Guttenberg, E10 oder jetzt die Atomkraft, nur noch mit Rücksicht auf die Landtagswahlen angefasst wird. Und kaum sind die Wahlen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt vorbei, stehen auch schon wieder Mecklenburg-Vorpommern und Berlin vor der Tür. Wir brauchen dringend feste Wahltermine wie in den USA.

Sehr aufschlussreich ist auch, dass Röttgen „politische Diskussionen“ offenbar für ein Übel hält und „parteipolitische Diskussionen“ (Wo ist der Unterschied?) für eine gesteigerte Form dieses Übels. Warum richten Politker ihr Reden eigentlich immer an den dümmstenTeil der Bevölkerung?

18) Peer, Sonntag, 13. März 2011, 13:40 Uhr

@Walter S: Der Punkt ist der: Man weiß nicht, welche Dinge die deutschen AKWs in Zukunft Standhalten müssen. Seltene Ereignisse lassen sich nicht vorhsehen: Grroße Stürme? Flugzeugabsturz am falschen Ort? Radikale Umweltschützer, die eine Geiselnahme nehmen? Ein Baukran der umföllt? Ein Zusammenbruch, bei dem ein tiefes Loch entsteht? Keine Ahnung!

Und dasselbe gilt ja nun noch mehr für Endlager, die ja noch viel länger sicher sein müssen! (Und bdedenkt man, dassdie Theorie der Plattentektonik gerade mal 50 Jahre alt ist, basieren die Sicherheitsannahme rein auf “Pi mal Daumen”

19) StefanP, Sonntag, 13. März 2011, 14:03 Uhr

Sie bringen es unbeabsichtigt auf den Punkt: gefühlte 20mal erwähnen Sie “die Angst” der Bürger (tatsächlich war es nur 5mal) vor einer komplizierten Technologie. Angst beherrscht seit vielen Jahren die öffentliche Debatte, nicht Begriffe wie Chance, Risiko, Probieren, Experimentieren. Doch gerade als langjähriger Beobachter sollten Sie es besser wissen, Herr Spreng: mit Angst gewinnt man auf Dauer keine Wahlen.

Nach Tschernobyl fasste die SPD ihren Ausstiegsbeschluss, während die Bundesregierung unter Helmut Kohl einen “Umweltminister” installierte. Obwohl die SPD die populären Themen besetzte, schmierte sie bei Wahlen mehr und mehr ab. Sigmar Gabriel ist auf dem besten Wege, den gleichen Fehler zu begehen.

Es gibt eben einen Unterschied zwischen der öffentlichen Debatte und dem Werte- und Zielsystem der meisten Bürger. In Deutschland wächst doch der Bereich der neuen Energien expotentiell, wir pflastern unsere Dächer mit Solarzellen zu, obwohl wir auf den nächsten Jahrhundertsommer bereits wieder 8 Jahre warten. Wir investieren mit dem EEG zwei- bis dreistellige Milliardenbeträge in Windkraftanlagen, deren Betrieb wir vor Ort dann wieder ablehnen. Weil wir Angst haben.

Es gibt unzählige Gründe, Angst zu haben. Auch, wenn in einem Erdbebengebiet in einem Atomfreundlichen Land in einem Reaktor eine Kernschmelze einsetzt. Die Japaner wird dies kaum von der Atomenergie abbringen, dazu ist das Land zu technikverliebt. Fast eine Tagesreise mit dem Flugzeug weiter löst diese Jahrhundertkatastrophe eine immer wieder gern geführte Grundsatzdiskussion aus.

In den letzten Jahren wuchs wie in anderen Ländern auch wieder die Zustimmung zur Atomkraft. Das wird sich zweifellos jetzt ändern, aber hat man tatsächlich vergessen, dass jede Technik mit – unter bestimmten Bedingungen – lebensgefährlichen Risiken verbunden ist? Es gibt einen schönen Filmtitel, von Wim Wenders, der das Lebensgefühl eines Teils der Deutschen gut erfasst: “Angst essen Seelen auf”.

20) Piranha, Sonntag, 13. März 2011, 14:07 Uhr

Wieder mal ein sehr treffender Kommentar Herr Spreng!
Er trifft wie die Faust aufs Auge.
Ich hoffe nur, dass jetzt wirklich Bewegung in die Sache kommt. Der Mensch neigt leider dazu das Schlechte zu vergessen und nur das Gute in der Vergangenheit zu sehen.
Das ein möglicher SUPER-GAU möglich ist, ist nach Tschernobyl kein Geheimnis mehr. Da konnte man halt ansetzen, die AKW’s der Sowjetunion sind nicht sehr sicher.
Die Tragödie in Japan zeigt, dass es auch in hoch gerüsteten Industrieländern, hier sogar in der 3. größten Volkswirtschaft, möglich ist.
Erschreckend fand ich den Kommentar eines Experten auf N24, der sagte das die japanischen AKW’s extra gesichert sind, zum Beispiel halten die Batterien für den Falle eines Stromausfalls 10 h, in deutschen AKW’s nur 2h…

21) jo, Sonntag, 13. März 2011, 14:09 Uhr

@Alberto:

Vor allem muss sich die Regierung fragen lassen, warum sie die Kraftwerke jetzt überprüfen lässt und warum sie das nicht vor dem Beschluss der Laufzeitverlängerung getan hat.

Das war eine rhetorische Floskel, um das Volk zu beruhigen: “Mami, ich habe Angst” – “Warte, ich schaue nochmal, ob unter deinem Bett eine 5-köpfige Schlange ist, bevor ich das Licht ausschalte …” – Ok, schlechtes Beispiel. Wie auch immer: RWE konnte auch gar nicht anders antworten. Sonst hätte man ja zugegeben müssen, bisher nicht alles für die Sicherheit getan zu haben.

@Howie:

Japan ist ja nun wirklich kein Land dem man technologische Defizite nachsagen könnte

Das mag sein. Und man möchte sich auch gar nicht ausmalen, wie die Lage aussehen würde, wäre dem nicht so (Mal abgesehen davon, dass die Möglichkeiten bei einer Kernschmelze ohne eher übersichtlich sind).

Fakt ist allerdings, dass a) die Reaktoren in Fukushima in Kürze regulär abgeschaltet werden sollten und technisch wohl nicht mehr auf dem neuesten Stand waren (angeblich ist es in den älteren deutschen AKW, von 10 Jahren Investitionsrückstand ist die Rede), b) die Betreiberfirma in der Vergangenheit bereits mehrfach einschlägig aufällig geworden ist (http://www.sueddeutsche.de/wissen/akw-betreiber-tepco-geschlampt-verschwiegen-gefaelscht-1.1071430) und c) die Kombination aus Jahrhundertbeben und Tsunami Folgen hatte, mit denen offenbar niemand gerechnet hat (rechnen konnte?).

Und genau diese Kombination macht es im Endeffekt dann: Es passieren Dinge, mit denen keiner rechnen konnte.

@walter:

Außerdem finde ich den Vergleich Deutschland-Japan lächerlich, denn Deutschland ist nicht unbedingt für seine starken Erdbeben, Tsumamis und Hurricanes bekannt…

Mag sein, ist aber völlig unerheblich. Auch in Japan war man sich höchstwahrscheinlich sicher, dass nichts passieren kann. Also, nichts, was man sich vorstellen konnte. Tja, und dann ist eben was passiert, was man sich nicht vorstellen konnte. Störfälle, die man sich nicht vorstellen konnte, gab es auch in deutschen AKWs bereits.

Michael Sailer (AKW-Experte aus Darmstadt) berichtet gerade im ZDF von so einem Beinahe-Unfall 2002 im AKW Brunsbüttel: http://umweltinstitut.org/radioaktivitat/katastrophenschutz/brunsbuttel-groster-storfall-in-deutschland-103.html – Mit dem hatte man so auch nicht gerechnet.

Das Problem ist schlicht, dass ein größerer Unfall in einem AKW faktisch nicht zu kontrollieren ist. Wenn man etwas nicht kontrollieren kann, sollte man die Finger davon lassen (Die Frage der Enlagerung noch aussen vor).

Im unmittelbaren Einzugsgebiet von Biblis, das nun wahrlich nicht als sicherstes deutsche AKW gilt, wohnen 5.5 Millionen Menschen. Das sind übrigens deutlich mehr in der gefährdeten Zone nördlich von Fukushima.

22) RichardT, Sonntag, 13. März 2011, 14:10 Uhr

Ein So zu tun als ob man etwas wüsste Kommentar. Begleitet von witeren Kommentaren.

Was man bisher weiß ist, daß es eine bewußt herbei geführte Explosion von Knallgas gab.
Ob radioaktiver Dampf in schädlicher menge ausgetreten ist weiß man noch nicht, man hört von stark erhöhten Mengen, ob diese Mengen dem Menschen schaden wird nicht gesagt.

In einem gebe ich Herrn Spreng recht, die Atompolitik von Schwarz- Gelb ist katastrophal. Aber nicht weil nicht genügend auf erneuerbare Energien gesetzt wurde, sondern weil die Vorteile der AKWs verschwiegen wurden, genau wie die zahlreichen Nachteile der erneuerbaren.

Doch, auch die erneuerbaren Energien haben Nachteile: Fragen Sie mal die Feuerwehr wie sie ein Haus mit Solardach löscht. Richtig, das weiß die Feuerwehr auch nicht, wenn nämlich der Hauptschalter nicht auf AUS steht ist gefährlich.

Und dann der größte nachteil, ausser für die Geldempfänger natürlich:
Die Umverteilung von landlosen Mietwohnungsbewohnern hin zu Eigenheim und landwirtschaftlicher Nutzflächenbesitzer mittels EEG. Sprich von arm zu reich mithilfe Einspeisevergütung in Höhe von mehr als 10 Mrd. € jährlich, steigende Tendenz.

Nicht vergessen werden sollten auch die 270 MILLIARDEN € JÄHRLICH die die EU Kommission zur bekämpfung des Klimawandels für nötig hält.

Über all das sollte auch gesprochen werden bei der Debatte über Atomkraft.

Und auch wieviel Tote es z.B. im Steinkohlebergbau gibt.

Das wäre erlich und nicht Panikmache obwohl man nichts weiß, siehe CNN und NZZ.

23) Dieter Carstensen, Sonntag, 13. März 2011, 14:42 Uhr

Man sollte den Begriff “Regierung” in REAgierung” umbenennen. Nichts als REAgieren und keine Zukunftsperspektiven. Schlimm!

24) Hartmut Erggertshofen, Sonntag, 13. März 2011, 15:01 Uhr

Ich zwinker gerade mit den Augen und lese ungläubig diesen Beitrag.
Wir waren vor kurzem über einen Begriff aneinander geraten.
Ich denke das dürfte sich relativiert haben.
Brückentechnologie – man merke sich dieses Neusprech.
Oder wie wäre es mit Reform ?
Verlogen bis dorthinaus.
Friedrich Zimmermann 1986 über Tschernobyl, in bester Tradition auch Herr Röttgen.
Ich esse vorerst nur noch Kartoffeln damit das k….. nicht so teuer wird
http://erggertshofen.blogspot.com/2011/03/nur-keine-panik.html

25) Michael A. Nueckel, Sonntag, 13. März 2011, 15:06 Uhr

Diese placebo-artige “So-zu-tun-Politik” erinnert an den “sozialistischen Gang”. Nach 8, spätestens 12 Jahren Kanzlerschaft der Angela Merkel wäre die Bundesrepublik Deutschland auf ihre Art ebenso ruiniert, wie die DDR durch Erich Honecker.

26) nona, Sonntag, 13. März 2011, 15:20 Uhr

Ich glaube, das Gestammel von Röttgen war nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass er so ziemlich genau dasselbe schon den ganzen Tag auch in anderen Interviews gesagt hatte, und es ihm daher so langsam schwer fiel, die vorgefertigten Phrasen und Worthülsen schon wieder aneinander zu reihen.

27) Doktor Hong, Sonntag, 13. März 2011, 15:33 Uhr

Es wird immer gerne über die CO2-“Neutralität” der Kernkraftwerke geredet.

Nur ist mir nicht bekannt, dass Brennstäbe mit angereichertem Uran an Bäumen wachsen würden.

Soweit ich weiß, muss zuerst Uranerz abgebaut werden und U-235 in einem aufwendigen technologischen Prozess angereichert werden. Hier verwendet man zur Isotopentrennung Gaszentrifugen; Uran wird in gasförmiges Uranhexafluorid überführt und dann in aufwendiger Manier zentrifugiert. Ich habe mir sagen lassen, dass das nicht ganz so einfach geht wie wenn man Milch entfettet.

Worauf ich hinaus will, ist, dass der Urananreicherungsprozess sehr aufwendig und energieintensiv ist. Eines der “Kern”argumente ist ja die CO2-Neutralität der Kernkraftwerke. Gibt es Rechnungen oder Bilanzen, die diesen Energieaufwand in die CO2-Bilanz von Uranreaktoren mit einrechnen? Wähler und Investoren mögen sich austricksen lassen, Naturgesetze leider nicht.

Ein weiteres ungelöstes Problem ist die Endlagerung. Warum werden Spallationsreaktoren nicht erforscht, um evtl. dieses Problem abzumildern?

Es gibt gigantische Einsparpotentiale, nicht nur in der Gebäudetechnik. Als Student war ich mal Hiwi in einer Firma, die auf Gebäudeautomatisierung spezialisiert ist. Diese konnte stets signifikante Energieeinsparungen für ihre Kunden erreichen.

Auch im Werkzeugmaschinenbau hat man Energieeinsparungen nachweisen können, indem man Produktionsmaschinen aus Leichtmetall baut. Allerdings müsste ich nochmal googlen, wo ich das gelesen habe, hab’ ich gerade keine Lust zu.

Es gibt die Brennstoffzellentechnologie. Ob sie als Antriebtechnologie für Fahrzeuge taugt, sei dahingestellt, aber im stationären Betrieb kann sie Gebäude dezentral nicht nur mit Strom, sondern als Hochtemperaturausführung auch mit Heizwärme und Warmwasser versorgen. Wieviel Öl und Gas für Heizung könnte man so einsparen? Natürlich hat diese Technologie ihre eigenen Probleme, aber diese löst man nicht, indem man die Erforschung sein lässt.

Es gibt Technologien, die die Stromnetzauslastung optimieren können. Z.B. kann man eine Stromlastspitze dadurch abfangen, indem energieintensive Geräte wie Wäschetrockner für 5 Minuten in der Leistung herunterfährt, anstatt mehr Leistung ins Stromnetz zu speisen. Ein Stromkabel ist wie ein DSL-Kabel aus Kupfer und kann zur Datenübertragung genutzt werden – so können Geräte ihren Strombedarf an den Stromversorger mitteilen und Instruktionen vom Stromversorger erhalten. Diese Technologie ist bereits demonstriert worden.

Über solarthermische Kraftwerke in südlichen Gefilden will ich mich gar nicht weiter auslassen. Man muss nicht unbedingt nach Afrika, auch in Spanien scheint viel die Sonne.

China baut nicht nur Kernkraftwerke, sondern will laut neuem 5-Jahres-Plan auch Windkraftwerke mit 70 GW Leistung aufbauen.

Sprich, es gibt eine ganze Menge Dinge, die man tun könnte, um unsere Energieressourcen effizienter zu verwenden. Man könnte hierzulande Technologieführerschaft begründen und eine Menge Arbeitsplätze in diesen Sektoren schaffen.

Stattdessen verlängert man die Laufzeiten alter Atommeiler in einer Mauschelaktion, um den Bundesrat umgehen zu können.

Da sieht man, was passiert, wenn man die Geschicke eines Landes in die Hände von Juristen und Lehrern legt. Stolz prahlend, dass sie nicht mal den Dreisatz beherrschen und in Mathe und Naturwissenschaften immer schlecht waren, haben sie kein Verständnis von solchen Dingen und sind demensprechend solchen Herausforderungen gegenüber komplett phantasielos.

Im Gemauschel und Getrickse sind sie grandios, und als Juristen so kompetent, dass sie alle naselang Gesetze verfassen, die dann vom Bundesverfassungsgericht wieder kassiert werden. Oder, wie im Falle eines unserer ehemaligen Bundeswirtschaftsminister, sie lassen die Gesetze direkt von einer Anwaltskanzlei in London schreiben, um sie durch den Deutschen Bundestag zu peitschen.

So kommen wir nicht vorwärts. Und dann wundern die sich auch noch über unsere “Verdrossenheit”. Realitätsverlust hat noch niemandem gut getan.

28) Felix, Sonntag, 13. März 2011, 15:44 Uhr

“Wenn man eine Grundsatzdebatte führen will, muss man auch eine ehrliche Rechnung, die nicht von Leuten kommt, die sowieso dafür sind, über die Kosten einer Umstellung auf erneuerbare Energien aufstellen. Und man müsste auch andere Alternativen, wie zurück zur Kohle oder eine Umstellung auf Erdgas oder eine neue Generation Atomkraftwerke berücksichtigen.”

Aber nicht die Entsorgungskosten für atomaren Müll vergessen – ach Moment, wir wissen ja immer noch nicht wohin damit.

29) anonym, Sonntag, 13. März 2011, 15:53 Uhr

> “Sie sind sicher”. Das mag technisch sogar so sein

Das ist ganz sicher nicht so. Kein Kraftwerk ist sicher – auch kein Kohlekraftwerk und kein Windrad! Aber die Auswirkungen eines Super-GAUs in einem Kohlekraftwerk sind halt nichts im Vergleich zu dem in einem AKW.

Wir muessen uns jetzt auch nicht von der schwarz-geld Politik vormachen lassen, dass die AKWs von einem Tag auf den anderen weniger sicher sind. Sie sind noch genauso (un)sicher wie letzte Woche. Und diese schwarz-geld Politik ist es, die uns die Verlängerung der Laufzeiten eingebrockt hat. Daher gibt es für sie auch nur den augen-zu-und-durch-Ansatz (bzw. wie Sie sagen “so-zu-tun”-Politik).

30) sk8erBLN, Sonntag, 13. März 2011, 16:33 Uhr

@ Politikverdruss, Sonntag, 13. März 2011, 10:30 Uhr

“wischen Sie sich doch erst mal den Atomstaub aus dem Gesicht, sie sind ja gar nicht mehr zu erkennen.”

Zum Witchen reißen ist das Thema deutlich zu ernst. Aber nun gut.

hier lässt sich die englischsprachige Livestream des japanischen TV Senders NHK auf Englisch mitverfolgen.

http://www.ustream.tv/channel/nhk-world-tv

derweil hat sich die Situation in japans Nordosten weiter dramatisch verschärft. Für ein drittes AKW (Onagawa) haben die Behörden Atomalarm ausgelöst. Die Lage in Fukushima 2 hat sich weiter verschärft.

Und der “Nero von den “Mövenpigs” aka Westerwelle gab zum besten -in seiner Rolle als Vizekanzler befragt- wie er als “glühender Anhänger der Laufzeitverlängerung” heute diese Position beurteile. “Das wichtigste ist das wir helfen und keine parteipolitische Diskusssion führen. Auch er will irgendwas prüfen, sogar mit Experten. Was wusste er schon nicht genauer zu erklären außer dass er die “Naturkatastrophe prüfen muss. AUTSCH

Derweil die offensichtlich komplett autistische Frau Homburger nur lapidar anmerkte “Es gäbe keinen Anlass beschlossenen Laufzeitverlängerung zu zweifeln.” Zynische Frage einer Journalistin auf Guidos Pressekonferenz: “Was weiß Frau Homburger mehr als Merkel?”

Dem immerhin widerspricht der Guido :) “Wir werden nicht zur Tagesordnung übergehen. -…Die deutschen Atomkraftwerke sind die sichersten der Welt. [ja, ist klar, D ist so einem unterentwickelten Entwicklungs-Technologie-Tiefflieger wie Japan ganz sicher überlegen, schei** egal wie alt AKWs wie Biblis dass mit mehr als 800 jährlichen Störfällen] Westerwelle murmelt leise weiter “wir rechnen auch nicht mit Naturereignissen wie in Japan. Die parteipolitische Diskussion kann wirklich warten. …”

Na sicher doch Guido, am besten warten alle gefälligst bis nach den Wahlen in BW. Und so lange tun alle so als ob, hat Herr Spreng richtig erkannt.

Mit Interesse verfolge ich auch wie Tag um Tag die angebliche Bebenstärke peu à peu nach oben korrigiert wird auf inzwischen 9,0. Ein Schelm wer dabei böses denkt.

31) sk8erBLN, Sonntag, 13. März 2011, 16:44 Uhr

Wie gut dass unser Dr. Betrüger noch ncith Kanzler ist, sonst hätte es diesen Mann zweifelsohne umgehend den Job gekostet.

So bin ich gespannt wie der Vize und die Kanzlerin mit dieser Aussage umgehen werden, die stammt nicht von irgendwem:
+++ Dena-Chef: Rückkehr zum Atomausstieg +++

[16.27 Uhr] Der Chef der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler, hat als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan die Rückkehr zum Atomausstieg gefordert. “Deutschland sollte wieder auf diesen Pfad einschwenken und die Kernkraftwerke wie im Atomausstiegsbeschluss vorgesehen abschalten”, sagte Kohler dem “Handelsblatt”. Zudem sollten in Deutschland die Reaktoren abgeschaltet werden, die vom Anlagentyp mit der japanischen Anlage Fukushima 1 vergleichbar sind: “Die sechs Siedewasser-Reaktoren, die in Deutschland noch laufen, müssen sofort vom Netz.” Die Notstromversorgung, die in Japan versagt hat, sei eine Achillesferse für Atomkraftwerke aller Bauarten.

Interessant finde ich auch die Meldung dass Japan trotz mehrfachen Angebotes jede Unterstützung durch die IAEA nicht annahm. Nicht ass ich denke die könnten die Probleme wirklich besser in den Griff bekommen. Sie wären aber eine neutralere Instanz die die Informationspolitik der japanischen Regierung überwachen könnten.

+++ IAEA bietet Japan erneut Hilfe an +++

[16.14 Uhr] Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hat Japan erneut ihre Hilfe bei dem Umgang mit den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis angeboten. Es gebe eine spezielle IAEA-Einheit, die Mitgliedsstaaten in Krisensituationen helfen könne. Das Reaktions- und Hilfsnetzwerk RANET bestehe aus Staaten, die im Falle eines nuklearen Notfalls spezielle Hilfe leisten könnten, die von der IAEA koordiniert werde. Die IAEA kann bei Atomunfällen nur aktiv werden, wenn sie der betroffene Staat darum bittet.
Quelle für beide Tickermeldungen
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750629,00.html

32) DDR-Bürger, Sonntag, 13. März 2011, 16:45 Uhr

Und keiner redet über die Heuchelei der LINKE
Denn: Seit 1974 wurde am Atomkraftwerk Stendal gebaut. Im Jahr 1990/1991 wurde die Großbaustelle wegen Anwohnerprotesten und unzureichender Sicherheitsvorkehrungen aufgelöst. Zwei weitere Atomkraftwerke in Lubmin, etwa 20 km von Greifswald entfernt, und in Rheinsberg nördlich von Berlin wurden in den 60er Jahren in Betrieb genommen. Im Jahr 1990 wurden beide Atomkraftwerke stillgelegt. In der DDR gab es seit 1964 zwar eine Strahlenschutzverordnung, aber es drangen keinerlei Informationen über deren Einhaltung an die Öffentlichkeit. Die SED betonte die Umweltfreundlichkeit von Atomkraftwerken und erklärte das Sicherheitsproblem für die DDR-Atomkraftwerke als gelöst. Eine Information der Bevölkerung über Gefahren der Atomenergie fand nicht statt. Der entstandene Atommüll wurde in getarnten Eisenbahnwaggons vom Atomkraftwerk Lubmin zurück in die UdSSR transportiert. Auch nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 wurde keine öffentliche Diskussion über die Sicherheit der Atomkraftwerke zugelassen.

33) Wolfgang Albrecht, Sonntag, 13. März 2011, 16:46 Uhr

Besser kann man es kaum sagen. Schade nur, dass solch klaren Worte nicht von der Opposition kommen. Wo bleiben die mit deutlichen Worten?

34) Wart, Sonntag, 13. März 2011, 17:19 Uhr

langsam gehen mir die scheinheiligen, anonymen Meinungsäusserungen der Schreiber in diesem und anderen Blogs auf den Keks.
Alle wollen/brauchen immer mehr elektr. Energie. Sollen dann aber “Windmühlen” aufgestellt werden laufen alle dagegen Sturm. Die benötigten Überlandzentralleitungen für den Transport von Strom will auch keiner haben, weil sie nicht in die Landschaft passen.
Möchte nicht missverstanden werden, sicher müssen wir aus der Atomtechnlogie aussteigen. Nur wie das in kurzer Zeit gehen soll, weiss keiner der Klugsch….. Für Planung von alternantiven Energiestandorten braucht es heute 8-10Jahre nicht zuletzt wegen der Eingaben und Rechtsstreitigkeiten mit der grünen Loppy.

35) djh, Sonntag, 13. März 2011, 17:23 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

genau so und nicht anders! den Vogel schießt aber doch der Vorstandsvorsitzende von RWE, Dr. Ing. Großmann ab, der gesagt haben soll: “Wir halten an der Laufzeitverlängerung für unsere AKW´s fest.” Bei allem Respekt, in der jetzigen Zeit, schadet das nicht nur dem Ruf der Atomlobby sondern auch dem Image von RWE. Ich prüfe morgen alle Stromverträge, geschäftlich und privat und werde sicherstellen, keine Geschäftsbeziehung mit RWE in der Zukunft mehr zu haben. Wir werden so schnell wie möglich auf AKW freien Strom umstellen. Wir alle müssen dafür sorgen, das man mit AKW´s kein Geschäft mehr machen kann. Dann hören die alle von alleine mit dem Schwachsinn auf!

Es kommt schließlich auf jeden Einzelnen von uns an. Tun wir endlich was und bloggen nicht nur darüber!

Hochachtungsvoll

djh

beste Grüße

36) Mark, Sonntag, 13. März 2011, 17:28 Uhr

Wie immer – ein kluger Kommentar.

Nicht nur die Politik von Bundesumweltminister Röttgen ist trefflich (und auf schrecklichste Weise) ad absurdum geführt, sondern die gesamte Politik der Regierung Merkel. Klammheimlich wurde -weitgehend überlagert von der Japan-Berichterstattung- in der Nacht von Freitag auf Samstag das nächste Euro-Rettungspaket verabschiedet, mit einem Hauptzahler: Deutschland. Merkel ging mit großen Forderungen nach Brüssel und kam mit leeren Händen und einer fetten Rechnung zurück. Geht’s eigentlich noch unglaubwürdiger?

Man muss nur begreifen, wie schlimm es in der Union aussehen muss, wenn der Bundestagspräsident Dr. Lammert (CDU) die Kanzlerin ermahnen muss, doch bitteschön den Bundestag ordentlich zu informieren! Dr. Lammert ist schon in der Guttenberg-Affäre als kluger, besonnener Mann aufgefallen. Ich halte ihn für einen der wenigen geeigneten Merkel-Nachfolger, der noch nicht durch Lobbyismus kontaminiert ist und möglicherweise noch eine gewisse (Rest-) Glaubwürdigkeit der Union verkörpern könnte.

Wie dem auch sei. Ich denke, dass die Union (zu Recht!) die Kehrtwende nicht schaffen wird bis zum 27. März. Die Grünen werden haushoch siegen und mit der SPD als Juniorpartner das Land regieren. Die Niederlagen der Union werden sich im Jahr 2011 fortsetzen, bis an der Unionsspitze Sachverstand Einzug hält. Diese Atomkatastrophe wird der Union jedenfalls das Genick brechen.

Ach ja, ein wesentlicher Bestandteil des Problemes ist auch die völlig unangemessene Kommunikation zu diesem Problem. Am meisten macht mich betroffen, dass verschiedene Experten gesagt haben, dass die japanische Kommunikation (Salami-Taktik par excellence) durchaus nachvollziehbar wäre, und dass sie bei einem Unfall in Deutschland eine ähnliche Strategie erwarten würden. Und DAS ist für mich nicht mehr nachvollziehbar.

37) sk8erBLN, Sonntag, 13. März 2011, 17:32 Uhr

Autisten und Wortakrobaten unter sich ….

In den hauptrollen der Autist und EnBW-Chef Hans-Peter Villis:
Nach der Katastrophe in Japan EnBW-Chef warnt vor neuer Atomdebatte.

Klasse auch sein Satz “Villis: Debatte hilft den Menschen in Japan nicht.

„Eine politische Diskussion in Deutschland um die Zukunft der Kernkraft hilft weder den Menschen in Japan, noch kann sie aufgrund der noch ungesicherten Fakten jetzt technisch fundiert geführt werden.“

Die sofortige Diskussion hilft den Menschen hier sehr wohl. Nämlich eine kluge Wahlentscheidung zu treffen. Und offensichtlich ist er Autist da er nicht realisiert dass die Menschen gar keinen Bock haben irgendwelche heuchlerischen Technikdiskussionen mehr zu führen, dass AKWs ganz ganz doll sicher seien interessiert sie nicht! Sie wollen sie schlicht nicht mehr. Kappier es endlich Villis!

Und wo der Autist ist ist auch die Wortakrobatin nicht weit:
Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) sieht nach dem schweren Atomunfall in Japan den Kurs ihrer Partei in der Energiepolitik bestätigt.

ABWÄHLEN!

ah ja, die Quelle, man will ja nicht guttenberg kopieren:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nach-der-katastrophe-in-japan-enbw-chef-warnt-vor-neuer-atomdebatte.54476195-b5b1-4c56-9678-7bf5bcaf6c20.html

38) sk8erBLN, Sonntag, 13. März 2011, 17:54 Uhr

@ karel, Sonntag, 13. März 2011, 13:29 Uhr

Schalten wir die Kernenergie ab.
Sofort.
In der kommenden Woche.
Der Zeitpunkt war noch nie so günstig….”

Wie wäre es denn damit?:

Deutschland könnte mit Wasserkraft aus Norwegen auf 100% Ökostrom umstellen
Erste Kabelverbindung soll 2015 in Betrieb genommen werden
Mainz – Deutschland könnte mit billigem Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken auf Kohle- und Atomenergie verzichten. Das erläutert Peter Ahmels, Experte für erneuerbare Energien bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ (heute, 21:45 Uhr im ERSTEN): “Das Potenzial würde allemal reichen, um den erneuerbaren Strom in Deutschland komplett zu ergänzen zu einer 100 prozentigen Versorgung aus erneuerbaren Energien.” Insgesamt könnten, laut Ahmels norwegische Wasserkraftwerke den Strom von 60 europäischen Atomkraftwerken ersetzen.

http://www.swr.de/report/presse/-/id=1197424/nid=1197424/did=6920732/17vn7bu/index.html

Mit einem Satz haben sie allerdings recht: Es wird so getan….Die “so-zu-tun”-Politik ist nicht neu. Ja, es wird so getan als ginge das nicht.

Aber es geht, nur das Wirtschaftsministerium hat seine Kungeldeals ja nun mit Atomlobbyisten gemacht, darum ziert man sich bei der Umsetzung:
“Allerdings müsste laut NorGer die Kraftwerksnetzanschlussverordnung (KraftNAV) geändert werden. Bislang regelt die KraftNAV den Netzzugang von Kraftwerken. Die Einspeisung von Strom aus einem Seekabel ist darin nicht geregelt. Zuständig dafür ist das Bundeswirtschaftsministerium. Dort sieht man derzeit nach Informationen von REPORT MAINZ „keinen Änderungsbedarf“.
NorGer-Sprecher Matthias Hochstätter sieht deshalb die Realisierung gefährdet: “NorGer will 1,4 Milliarden Euro investieren in dieses Kabel und dafür muss natürlich gewährleistet sein, dass das auch sicher in Betrieb ist und nicht einfach willkürlich abgeschaltet wird, wann immer der Netzbetreiber gerade Lust hat. Das geht nicht. Sonst kann man so ein Kabel nicht ordentlich betreiben.”

Quelle wie zuvor.

Wir lernen, alles eine Frage der politisch-lobbyistischen Motivation. Frau Homburger, Guido Westerwelle und die Perle aus der Uckermark haben da eben eine andere und setzen sie skrupellos gegen jeden Volkswillen dreist durch.

39) Xpomul, Sonntag, 13. März 2011, 17:59 Uhr

ich wohnte ehemals im angesicht von biblis.
übern berg hoch sah ich die meiler jedesmal.
grausig.
nun wohne ich in der nähe der asse.
es gruselt mich weiterhin.

man weis es nicht genau was geschieht und geschehen kann und dennoch benutzt man diese technik; ohne sie zu beherrschen.
es kommt mir vor wie kleine kinder die mit streichhölzern zündeln.
wobei diese art der gefahr weitaus beherrschbarer als die atomkraft ist.

weg mit akw*s.
weltweit !

40) EStz, Sonntag, 13. März 2011, 18:00 Uhr

Ein Politiker, der seine Amtszeit in Relation zur Halbwertszeit von Uran setzt, wird erkennen müssen, dass er hier keine “Verantwortung” übernehmen kann.

Ansonsten
Der Atommeiler in Japan ist hochgegangen, weil das Notstrom-Aggregat wg. Erdbeben/Tsunami ausfiel. Nun gibt es kluge Köpfe, die darauf hingewiesen haben, dass wir ja in Deutschland keinesfalls nie nicht solche Erdbeben haben werden. Nun gut. Ist auch mit absoluter, 100%iger Sicherheit auszuschließen, dass eine entsprechende Situation aus anderen Gründen eintreten kann? Großflächer Stromausfall (hatten wir schon) trifft schlampig gewartetes Atomkraftwerk (hatten wir schon), auf das gerade ein Flugzeug fällt (hatten wir auch schon, wenn auch nicht auf einem AKW)?

Zugegeben, das Ganze ist bestimmt so unwahrscheinlich wie ein 6er im Lotto mit Zusatzzahl. Den hat ja auch noch niemand gewonnen….

41) armerMoldavier, Sonntag, 13. März 2011, 18:12 Uhr

Das Thema Atom”politik” hätt sich schnell erledigt, wenn:

Alle, ausnahmslos ALLE Politikerinnen und Politiker, sowie alle Entscheidungsträger der Energiewirtschaft und deren Lobby**** ihren ersten und EINZIGEN Wohnsitz neben dem ältesten AKW in Deutschland nehmen müssten.

Freie Wohnungswahl im Umkreis von 10 km, so fair will ich sein.

Keine bombensicheren Wohungen.
Keine gepanzerten Fahrzeuge mit eigener Sauerstoffversorgung.
Keine Atombunker.

usw…

Das gilt für Mutti Merkel ebenso wie für alle anderen Atomstromfetischisten.

P.S. Und nun steinigen sie mich.

42) vera, Sonntag, 13. März 2011, 18:15 Uhr

Jedes Mal, wenn jemand Super-GAU sagt, bekommt Wolf Schneider Herzrasen.

43) Peter Christian Nowak, Sonntag, 13. März 2011, 18:18 Uhr

Die Katastrophe in Japan ist entsetzlich schlimm. Sie politisch zu nutzen halte ich nicht für korrekt. Sie wird mein Wahlverhalten nicht beeinflussen. Dennoch bin ich der Meinung, daß Schwarz/Gelb in Baden-Württemberg ausgedient hat. Und nicht nur wegen des dreckigen und widerlichen Deals der Kanzlerin mit der Atomlobby, sondern auch wegen des 30. Septembers in Stuttgart. Die Laufzeitverlängerung der AKW´s ist kein Brückenkopf zu alternativen Optionen.

44) Peter Christian Nowak, Sonntag, 13. März 2011, 18:35 Uhr

@Stefan P.

Wie ich Rainer Werner seinerzeit kennen gelernt habe, hätte es ihm nichts ausgemacht, daß Sie sein Werk mit Brigitte Mira i.d. Hauptrolle Herrn Wenders zuschreiben. Die beiden kannten sich.

45) JG, Sonntag, 13. März 2011, 18:43 Uhr

Aber Herr Spreng: Sie sind doch alt genug (ich bin es auch), um die Katastrophe von Tschernobyl miterlebt zu haben. Damals glaubte man auch: Das ist das Ende der “friedlichen” Nutzung der Atomkraft. Und was geschah?

Als wichtigster Bestandteil der damaligen “So-zu-tun-Politik” des Kanzlers Kohl wurde übrigens ein eigenes Bundesministerium geschaffen – “für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit”. Ohne Tschernobyl hätte Herr Röttgen also womöglich gar nicht die Gelegenheit bekommen, sich lächerlich zu machen.

Die Medienmeute ist rasch gelangweilt, die Menschen vergessen schnell und sind nur zu gern bereit, sich nach doch erstaunlich kurzer Zeit mit Veränderungen zu arrangieren, sich in einer veränderten Welt einzurichten und in ihren gewohnten Trott zurückzufallen. Das haben schon ganz andere Katastrophen gezeigt, gerade im zwanzigsten Jahrhundert. Und was die Politik angeht: Ja, da muß auf die öffentliche Meinung Rücksicht genommen werden – aber neben deren Macht gibt es noch immer die Macht des “großen Geldes” und die berühmten “Sachzwänge”, welche diese bzw. ihre Vertreter schaffen.

Mit Atomkraft, insbesondere mit abgeschriebenen Atomkraftwerken, läßt sich einfach zu viel Geld verdienen, als daß man sie einfach aufgeben würde.

Nicht nur bei Schwarz-Gelb dürften spätestens seit gestern die Bemühungen auf Hochtouren laufen, den politischen Schaden zu begrenzen. Besitzt die Atomindustrie dafür eigentlich spezielle Notfallpläne? Wenn ja, wären es doch vermutlich ihre einzigen, die im Notfall auch wirklich funktionieren.

46) Peter Christian Nowak, Sonntag, 13. März 2011, 18:45 Uhr

@Doktor Hong
°°Da sieht man, was passiert, wenn man die Geschicke eines Landes in die Hände von Juristen und Lehrern legt. Stolz prahlend, dass sie nicht mal den Dreisatz beherrschen und in Mathe und Naturwissenschaften immer schlecht waren, haben sie kein Verständnis von solchen Dingen und sind demensprechend solchen Herausforderungen gegenüber komplett phantasielos.°°

Genau das ist das Dilemma!!

47) Eine Juristin, Sonntag, 13. März 2011, 19:00 Uhr

Aha. Aha. Aha. Ich staune, ich staune.
Gibt es denn nicht zwei Möglichkeiten….?

a) Die politische Diskussion verschieben. Demut vor der Katastrophe.
Ja ich weiss, viele Politiker hoffen dann auch auf ein Vergessen des Themas,
aber ich vergesse das sicher nicht. Dann gibt es halt lustige Landtagswahlen.
Gleichzeitig frage ich mich aber, wozu Politiker überhaupt dasind,
wenn nicht gerade zum argumentativen Austausch von Meinungen etc.
Ist das jetzt viellleicht so eine Art Arbeitsverweigerung als Politiker?
Abmahnung, Kündigung des Arbeitsverhältnisses und Setzen 6?
Ich bin noch ein wenig unschlüssig.

b) Die politische Diskussion nicht verschieben.
Aber DANN den Tatsachen EHRLICH ins Auge sehen:
Atomkraft kann nicht sicher sein. Die Natur war schon immer stärker.
Nein, ich bin keine militante Grüne. Aber Japan hat mir leider nichts anderes gezeigt.
Aber da denkt der Spitzenpolitiker:
Problem 1: “Auwei, wie sag ichs jetzt den Lobbyisten, mit denen ich noch
gestern gepflegt Abendessen war und zugesichert hab, dass sie eine
Laufzeitverlängerung bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag bekommen ?
Nein, nein. Der Helmut hat beim Spendenskandal auch sein Wort gehalten.
Also mach ich das auch so.”
Problem 2: “Wie erklär ich diesen Bockmist meinen Wählern?”

Wenn da mal tatsächlich ernsthaft und realitätsnah diskutiert werden WÜRDE,
würde ich wenigstens ne Schulnote 4-5 vergeben, je nach Sachargumenten.
Aber da das sowieso nicht passiert: Setzen 6.

Naja, aber ich heiße ja Merkel, übe ein wenig Pseudo-“wir-müssen-uns-verbesern”-
Selbstkritik in Gutti-Manier, lasse die AKWs überprüfen und sehe zuversichtlich
der Zukunft entgegen.
Und wenn dann später nochmal jemand fragt, stell ich mich am besten dumm
und frage: Was wollen die nur alle?

Fazit a: Geld regiert die Welt.
Fazit b: Auf Merkels Stuhl gehören Kernkraftbetreiber, Blasebalg-Banken und Guttenbergs.
Da weiss man, was man hat.
Guten Abend.

48) Klaus, Sonntag, 13. März 2011, 19:03 Uhr

Pressemeldung vom 09.09.2010: Bundesregierung will Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke senken http://www.wdr.de/tv/monitor/presse/2010/100909.php5

49) Wolff Horbach, Sonntag, 13. März 2011, 19:51 Uhr

Sehr guter Artikel!

Merkel hat nichts begriffen. Außer vielleicht, dass es jetzt gefährlich für sie wird. Sie versucht sich wie ihr großes Vorbild “Der Dicke” durchzumogeln und alles auszusitzen.

Röttgen hat nicht den Mut, alles auf eine Karte zu setzen. Bei der Laufzeitverlängerung hat man ihn ausgespart und er hat geschwiegen. Jetzt wäre genau der richtige Zeitpunkt zu sagen: “Wir müssen jetzt eine Kehrtwende in der Atompolitik machen oder ich bleibe keinen Tag länger Umweltminister.” Ich fürchte, er wird sich wieder von Merkel vorführen lassen.

50) Klaus, Sonntag, 13. März 2011, 19:57 Uhr

A propos Röttgen & “Warum richten Politker ihr Reden eigentlich immer an den dümmstenTeil der Bevölkerung?”
Gute Frage. Antwort A: schau’n Sie sich die Medien an, die die Meisten nutzen: Blödzeitung, Bunte, Frau im Spiegel (und 15 ähnliche), RLT (und 20 ähnliche) Dudelfunk …
Antwort B: Weil sie selbst so sind und denken. Bestes Beispiel: Röttgen in diesem ZDF-Interview; gibt’s sicher schon auf YouTube (?!)

51) Jeeves, Sonntag, 13. März 2011, 20:03 Uhr

“StefanP, Sonntag, 13. März 2011, 14:03 Uhr
Es gibt einen schönen Filmtitel, von Wim Wenders, der das Lebensgefühl eines Teils der Deutschen gut erfasst: “Angst essen Seelen auf”.”
.
Weder heißt der Filmtitel so, noch ist er von Wim Wenders. Ts, ts… Leute gibt’s…

52) z.Itoro, Sonntag, 13. März 2011, 20:31 Uhr

Sehr schöner Text, vielen Dank
@DDR-Bürger: Ich finde das gehört noch viel mehr zu Deutschland als die Angst, das ewige zeigen und schaun auf gestern.
@alle die hier nach Empathie schreien: Dies ist ein Politik Blog und Politik hat nicht viel mit Anteilnahme oder Trauer zu tun. Vielmehr geht es um Macht und das Nutzen von günstigen Gelegenheiten.

53) vera, Sonntag, 13. März 2011, 20:56 Uhr

Update: Der @ennomane hat mich korrigiert. Na gut. Ich entschuldige mich.

54) Wikinger, Sonntag, 13. März 2011, 21:04 Uhr

Danke Herr Spreng für die passenden Worte.

Atomenergie ist die teuerste Energieform die man sich vorstellen, mit massiven Umweltschäden verbunden und was die Endlagerung angeht mit immer noch offenen Fragen. Niemand preist die versteckten Kosten mit in den Strompreis mit ein. Die zahlen wir alle mit Steuern für Subventionen, für die Asse und Gorleben usw.

Ach ja, was die Stilllegung diesen Monat angeht. Der Havariereaktor sollte eigentlich schon vor 10 Jahren still gelegt werden, es gab dann aber eine Laufzeitverlängerung[1]. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Außerdem ist der Betreiber nicht unbedingt der zuverlässigste wenn man sich die Meldungen der letzten 20 Jahre mal genauer ansieht.

[1] http://www.faz.net/s/RubB08CD9E6B08746679EDCF370F87A4512/Doc~E660DC1653A544589B035AA7C038F4092~ATpl~Ecommon~Scontent.html

55) Felix, Sonntag, 13. März 2011, 21:14 Uhr

>>Norbert Röttgen sagte auch, jetzt sei nicht die Zeit für
>>eine Grundsatzdebatte. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Eine “Grundsatzdebatte” unter Schockwirkung wird nicht sachlich sondern emotional verlaufen und letztlich zu falschen Entscheidungen führen. Bei allem Respekt vor Ihrem Blog, zur Aufklärung der Wähler hat Ihr Beitrag nicht viel geleistet, da empfehle ich schon eher diesen Beitrag:

Deutschland sollte weitere Atomkraftwerke bauen:
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2010-09/patrick-moore-atomkraft-interview?page=all

56) Don Corleone, Sonntag, 13. März 2011, 21:21 Uhr

Ihr Wort in Gottes Gehörgang, Herr Spreng. Ich vermisse daran einen klaren Gedankengang:
Wer meint, Deutschland könne seine Industrie und seine Infrastruktur auch nur für eine einzige Stunde ausschließlich mit “neuen”, “erneuerbaren” und “ökologischen” Energiesurrogaten aufrechterhalten, plädiert für eine Deindustrialisierung und Verarmung unseres Landes.
Der Zufallsstrom von Windrädern und Solarpaneelen (die es ohne wahnwitzige Subventionen gar nicht gäbe) deckt bislang nicht mal ein Prozent des Bedarfs. Hätten diese Anlagen auch nur die geringste Chance, eines Tages profitabel zu werden, würden Investoren mit eigenem Kapital Schlange stehen, anstatt nach Steuergeldern zu winseln.
Mag sein, dass diese unreifen Technologien noch optimiert werden können — aber diese Zeit der Entwicklung sollte man den Ingenieuren lassen, anstatt den Bürgern täglich tiefer in die Taschen zu greifen. An der energetischen “Brücke” der Kernkraft führt zur Zeit kein Weg vorbei. Der Wunsch, diese Kraftwerke quasi über Nacht abzuschaffen, ist absurd.
Nebenbei bemerkt: Kein ausländisches Medium nennt die Malaise der japanischen Kernkraftwerke GAU oder Katastrophe; das gibt’s nur hierzulande. Klar, die Situation ist kritisch; aber das Zusammentreffen von Rekord-Erdbeben und Rekord-Tsunami ist singulär. Und wir haben es nicht, wie in Tschernobyl, mit betrunkenen Bedienungsmannschaften zu tun, die nachts aus Lust und Laune eine Ernstfallübung veranstalteten und dabei so gut wie alles falsch machten.
Die japanischen Ingenieure sind fit und kundig; sie haben, wie sich zur Zeit abzeichnet, sogar beginnende Kernschmelzen unaufgeregt im Griff. Und deutsche Kernkraftwerke, kontinuierlich überwacht und überprüft, sind annähernd erdbebensicher, und einen Tsunami werden sie so schnell ebenfalls nicht erleben.
Anstatt den Weltuntergang herbeizureden und populistischen Wahlkampfreden zu lauschen, sollten wir Deutschen lieber ein paar Gebete für die im Japan umgekommenen Menschen und ihre Angehörigen sprechen.

57) M. Kittelmann, Sonntag, 13. März 2011, 22:13 Uhr

Nicht wahr? Bis jetzt ist doch das Erdbeben nebst Tsunami für die Anti-AKW-Liga wie ein Sechser im Lotto! Wenn eine Kernschmelze auch noch eintreten sollte, dann sogar mit Zusatz- und Superzahl. – Nur noch ekelhaft.

Ja, Herr Spreng. Sie haben ganz recht. Jetzt herrschen die Emotionen. Nur leider nicht die guten: Egoismus, Feigheit und das Ausschlachten des Leides anderer, um politisch davon zu profitieren, ist das Letzte. Es ist nicht nur bloß amoralisch, es ist völlig antimoralisch.

58) Thom, Montag, 14. März 2011, 00:02 Uhr

Amoralisch! Anitmoralisch sei es, jetzt gegen Atomkraft zu sein. “Auf dem Rücken” der Opfer. Wie man auf dem Rücken der Opfer gegen Guttenberg war. Die Opfer werden zum Schutzschild gegen Kritik. Die Opfer ändern nichts daran, daß die Folgen der Atomenergie uns für Jahrhunderte belasten werden (besonders die Nachkommen, um derentwillen man keine neuen Schulden machen möchte!) und die toten Soldaten ändern nichts daran, daß der Krieg sinnlos und Guttenberg ein Lügenbaron und Betrüger ist.

59) Doktor Hong, Montag, 14. März 2011, 00:38 Uhr

@ Don Corleone

>Der Zufallsstrom von Windrädern und Solarpaneelen (die es ohne wahnwitzige Subventionen gar nicht >gäbe) deckt bislang nicht mal ein Prozent des Bedarfs.

Wäre ein nettes Argument, wenn es nicht so völlig falsch wäre.

2010 lag der Anteil der erneuerbaren Energien an den Primärenergien bei 9,4%, der von Kernenergie bei 10,5%, also ziemlich gleichauf.

Der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien lag bei 16,5%.

http://www.ag-energiebilanzen.de/viewpage.php?idpage=62

Diese (realen) Zahlen ergeben ein etwas anderes Bild als das, was Sie hier mit (falschen Zahlen) zu zeichnen versuchen.

60) Recht Unbedeutend, Montag, 14. März 2011, 00:44 Uhr

Vielen Dank für die eigenen Gedanken, die ich hier, gut ausgedrückt, schriftlich wiederkennen durfte. Und für die vielen, die mir noch gefehlt haben.
Die “Regierung” ist wirklich eine traurige Art von “Reagierung”. Andererseits: der mediale Druck ist auch unglaublich. Kein Journalist würde auf eine Frage verzichten, die Sensationsantworten verspricht. Dann dürfen die Politiker auch Wählerstimmen schießen gehen. Jeder darf so sein mediales Geschäftchen verrichten anscheinend. Brechts Mutter Courage läßt grüßen.

Auf Bayern 3 rief eine ältere Dame in einer Sondersendung an, und fragte, wie sie sich mit Radioaktivität anstecken könne, und was sie dagegen tun solle. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Bevölkerung und das Parlament nicht nur aus kritischen Bloggern und deren Lesern besteht.
Weder das Problem Japans noch unseres lassen sich in 24 Stunden per Videoschaltung lösen.

Entlarvend und erschütternd nur für mich, wie tatsächlich Regierungsseitig immer nur das eine versucht wird, nämlich zu erklären, warum man hier nicht parteipolitisch Stellung beziehen dürfe.
Ich schäme mich immer für die doktrinäre Haltung der Grünen, präsentiert mit frechen Gesichtsausdrücken von Menschen, deren Lebenslauf einen schaudern läßt. Aber die doktrinäre Antwort “des Systems” ist genauso schauderhaft.

Tarnen tricksen täuschen. Ich hoffe, wikileaks veröffentlicht nächste Woche die Prüfberichte der “Deutschlandkarawane Atomtüv 2011″- die müßten in 2 Tagen geschrieben im Kanzleramt vorliegen und können dann wenigstens uns im Sommer nach den Prüfungen nicht mehr überraschen.

Eventuell kann Heiner Geißler auch die Atomkraftgegner totschlichten. Auf diese Idee möchte ich bitte hiermit Titelschutz anmelden.

61) Olaf, Montag, 14. März 2011, 01:11 Uhr

Nein, dass sich nach den Katastrophen in Japan bei uns eine neue Sicht durchsetzt, glaube ich nicht. Wir haben einfach einen viel zu großen Energiehunger als dass wir die Option Atomenergie fallen lassen. Solange wir auf das Wirtschafts- Wachstumspferd setzen, schaffen wir den Humus, auf dem Atomenergie gedeiht bzw. uns eingeredet wird, dass wir sie benötigen . Und ein Großteil der Bevölkerung will Wachstum, will sich nicht einschränken und befürwortet daher (vielleicht zähneknirschend) Kernkraftwerke. In spätestens 4 Wochen geht Deutschland sowieso wieder zur energiepolitischen Tagesordnung über, wetten dass !?

62) nurmalso, Montag, 14. März 2011, 01:49 Uhr

warum funktioniert die notabschaltung bei den kittelmanns wieder nicht?

63) RCB, Montag, 14. März 2011, 01:56 Uhr

Diese Regierung und ihre Abgeordneten aus CDU/CSU und FDP kann sagen und machen was sie will, Keiner wird ihr mehr Glauben schenken, egal worum es geht.

Das hier mit der Deutschen Atompolitik ist wieder ein klassisches Beispiel. In der relativ kurzen Regierungszeit von schwarz-gelb gäbe es aber Dutzende von Beispielen dieser Art!

Der Hinweis, Deutschland sein nicht Japan und hätte die Gefahrenpotentiale Erdbeben und Trunami nicht (was natürlich in diesem Ausmaß stimmten mag), kann vielleicht die Dümmsten in unserer Gesellschaft beruhigen, alle Anderen Gefahren, wie Flugzeugabsturz, Terroranschlag, Stromausfall, menschliches Versagen und nicht zuletzt und ganz erheblich weiterhin die ungelöste sichere Endlagerung von Atommüll haben wir aber und schließt somit einen GAU unter widrigen Umständen nicht aus. Ein unkalkulierbares und durch Technik nicht abstellbares Risiko wird also immer bleiben und damit auch eine ähnliche Katastrophe wie jetzt in Japan.

Alles, was Mr. Sprengmeister da oben in seinem Artikel gechrieben hat, stimmt und hat genug Sprengkraft, unsere aktuelle Regierung entweder ganz rasch und ohne Zeitverlust (Recherche, Überlegungen, oder auf die Lange Bank schieben) auf die Spur zu bringen, oder sie in den nächsten Monaten sowas von hinweg zu fegen (in möglichst allen Landtagen und irgendwie dann auch im Bund?).

Und die liebe Opposition darf sich schon mal warm anziehen, denn wenn sie nach einer evtl. Amtsübernahme auch nur den Versuch macht, dort fortzufahren, wo schwarz-gelb zum Aufhören gezwungen worden sein wird, gibt es auch hier bei uns ein Erdbeben, das sich mit dem in Japan (hier dann auf politischer Ebene) vergleichen lassen wird.

Und meinem Vorschreiber @M.Kittelmann sei ins Stammbuch geschrieben: “Wenn unsere derzeitige Regierung erst zu denken anfängt, wenn wo Anders “die Welt untergeht”, dann darf man doch spätestens dann auf die schon vorher angemahnten Fehler hinweisen, oder möchten Sie erst abwarten, bis bei dem Ihrem Wohnort am nächsten gelegenen KKW eine Kernschmelze auftritt?

64) Don Camillo, Montag, 14. März 2011, 02:58 Uhr

Die So-zu-tun-Politik

stammt aus dem

So-zu-tun-Volk

—-

Wer von den Damen- und Herrschaften der KommentiererInnen ist bereit, die Konsequenzen zu tragen?

Wer karrt seinen Drittfernseher auf den Sperrmüll?

Wer seinen Zweitkühlschrank?

Wer verzichtet auf den Gefrierschrank?

Wer mäht seinen Rasen mit Muskelkraft, statt mit Benzin?

Wer fährt mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit?

Wer fährt seine Ansprüche auf Urlaub zurück?

……..

……..

– So-zu-tun

ist das Gegenteil von

Es-zu-tun

——

Die Schuld Es-zu-tun lastet auf Allen, ohne Ausnahme. Politische Farbenspiele eine Ablenkung.

——

Hölderlin:

…Die Tugenden der Deutschen aber sind ein glänzend Übel und nichts weiter; denn Nothwerk sind sie nur, aus feiger Angst, mit Sclavenmühe, dem wüsten Herzen abgedrungen, und lassen trostlos jede reine Seele, die von Schönem gern sich nährt, ach! die verwöhnt vom heiligen Zusammenklang in edleren Naturen, den Mislaut nicht erträgt, der schreiend ist in all der todten Ordnung dieser Menschen.
Ich sage dir: es ist nichts Heiliges, was nicht entheiligt, nicht zum ärmlichen Behelf herabgewürdigt ist bei diesem Volk…

65) Doktor Hong, Montag, 14. März 2011, 07:10 Uhr

Ein Freund von mir studierte einst Kerntechnik und gab mir mal einen seiner Lehrtexte zu lesen.

Interessiert schmökerte ich darin; ausgiebig wurde dort beschrieben, warum ein Tschernobyl in deutschen Kernkraftwerken unmöglich sei. Der RMBK-Reaktor – das war die Typenbezeichnung für den Reaktor dort – war graphitmoderiert und hatte einen separaten Kühlkreislauf. D.h., ein Moderator ist ein Material, das Neutronen abbremst. Bei einer Kernspaltung werden schnelle Neutronen mit hoher Energie frei, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Neutron einen Urankern spaltet, ist für langsamere Neutronen (sog. thermische Neutronen) wesentlich höher, also braucht man einen solchen Moderator, um die Kettenreaktion in Gang zu halten.

Es wurde argumentiert, dass es sich bei den deutschen Reaktoren um Siedewasser- oder Druckwasserreaktoren handelt, d.h. das Kühlmittel ist gleichzeitig der Moderator. Fällt also der Kühlkreislauf aus, so fehle der Moderator (das Kühlwasser), und die Kettenreaktion würde dann von selbst zum Erliegen kommen. Es drohe also keine Gefahr, so wie in Tschernobyl.

Ganz ehrlich gesagt: diese Argumentation leuchtete mir eine lange Zeit ein. Ich hatte und habe große Vorbehalte wegen des ungelösten Problems der Endlagerung, aber im großen und ganzen war ich überzeugt, dass ein relativ sicherer Betrieb – abgesehen von schädlicher Außeneinwirkung – möglich sei.

Nun ist in Japan genau der beschriebene Fall eingetreten. Natürlich wurde der Zusammenbruch des Kühlsystems durch ein extrem starkes Erdbeben und Tsunami ausgelöst, keine Frage. Aber das ist nicht der entscheidende Punkt.

Der entscheidende Punkt ist, dass es sich bei den japanischen Reaktoren ebenfalls um Druck- bzw. Siedewasserreaktoren handelt, genau wie hier in Deutschland – und die von höchst kompetenten Japanern betrieben werden.

Das Argument war ja, wenn der Kühlkreislauf versagt, dann passiert trotzdem nichts, weil Wasser auch der Moderator ist und dann gehe der Reaktor einfach von alleine aus, also sei alles sicher.

Nun versagt in Japan der Kühlkreislauf, und es kommt zu zwei Explosionen und drohenden Kernschmelzen – vielleicht sind diese sogar im Gange.

Diese realen Vorkommnisse scheinen mir die oben ausgeführte Argumentation etwas zu entkräften.

Nun müsste man untersuchen, auf welche Weise hierzulande die Kühlung versagen könnte, denn ganz so harmlos scheint so ein Vorfall ja doch nicht zu sein.

Es muss ja nicht Erdbeben, Tsunami, Terror oder Flugzeugabsturz sein – auch so etwas banales wie Rohrbrüche aufgrund von Materialermüdung könnten gefährlich werden. Ich weiß, dass das unwahrscheinlich ist – aber harmlos ist der Ausfall der Primärkühlung scheinbar nicht!

Stahl wird unter Neutronenbeschuss spröde – übrigens ein riesiges Problem bei der Entwicklung von Fusionsreaktoren, die riesige Neutronenflüsse erzeugen. Ein Stahlmantel, der Jahrzehnte dem Beschuss von Neutronen ausgesetzt war – hat der dieselbe Druckfestigkeit wie ein neuer Stahlmantel? Ist das untersucht worden?

Was ist der Effekt einer Laufzeitverlängerung auf den verwendeten Stahl in Druckbehältern und Kühlwasserrohren, der mit erhöhtem Neutronenbeschuss einhergeht? Ist das wissenschaftlich untersucht worden?

Hat der Röttgen überhaupt schonmal von sowas gehört?

66) Mark, Montag, 14. März 2011, 08:12 Uhr

So, nun haben wir also Tag drei nach der Katastrophe, und immer noch erreichen uns wirre Nachrichten aus Japan (“Weitere Explosion – aber keine Gefahr”), die einen erstarren lassen, so wie ein Reh im Lichtkegel eines dahinrasenden PKW. Dazu die unerträglichen, allgegenwärtigen Befürworter einer völlig verfehlten Politik (z.B. Kauder gestern abend, oder der unsägliche Bundesumweltminister) mit ihren Jugendpropaganda-Organisationen, die die Kommentarbereiche der Mainstreammedien mit ihren Verniedlichungen, Verharmlosungen, Relativierungen, Vertuschungen verstopfen.

Diese Leute haben nichts, aber auch GAR NICHTS begriffen. Die würden wahrscheinlich sogar eine Katastrophe in Deutschland herunterspielen, selbst wenn längst schon ganze Bundesländer unbewohnbar sind auf Ewigkeit.

Die häßliche Saat der Merkel-Politik geht nun auf. Kritiklose Polit-Marionetten schleimen sich hoch, um bar jeder Rationalität (und schon gleich gar nicht dem tatsächlichen Auftrag folgend!) Politik zu spielen.

Die japanische Regierung ist keinen Deut besser und hat offenbar längst die Kontrolle verloren. Dort herrscht tiefste geistige Umnachtung. Wie kann eine Regierung immer noch behaupten, von diesen vor sich hin kokelnden und wahllos explodierenden Teufelsmaschinen gehe keine Gefahr aus? Wieso kriegen die es nicht gebacken, ein paar funktionierende Notstromaggregate dorthin zu schaffen? Wieso gibt es keine verlässlichen Informationen? Was treiben die bloß den ganzen Tag? Und wo bleibt die UNO mit einer unmissverständlichen Aufforderung, endlich die Wahrheit zu sagen?

Erscheckend. Einfach nur noch erschreckend.

67) Daniel, Montag, 14. März 2011, 08:13 Uhr

Danke, für Ihren Beitrag.
Ich habe auf meinen Seiten sehr deutlich eine erklärende und Beweis untermauerte Stellung bezogen, daß H.A.A.R.P im Einsatz war, so daß jeder, der den Amerikanern ein Dorn und ein Risiko für ihre Wirtschaft im Auge ist, oder eine Gier nach Bodenschätze besteht bzw Einflussnahmen angesagt sind, mit dieser 4 700 000 000 Watt starken Klimaerhitzer- und Skalar-Mikrowellen-Waffe torpediert werden kann, so schon geschehen gegen Burma (da haben sie schon mit Schiffen bereits zuvor aufgelauert, um nach der Attacke eingreifen zu können mit “Hilfesmaßnahmen”, Nordkorea, Pakistan und China waren weitere Ziele.
Jederzeit kann HAARP jedes Land verwüsten, das ist wie die Kernspaltung ein satanisches “silent -weapon”-Dunkelmachtsinstrumenatrium, das so viel vermag mit seinen rund 180 PAtenten, daß sogar an Konzerne auf Zeit verpachtet wird, zur Wettermanipulation und für Pharma-Mafia freundliche Seuchenverbreitungsprogramme, wie unzählige Male geschehen !

Ich kann nur hoffen, daß diese Grundgesetz feindlich gestimmten etablierten Systemparteien CDU/SPD/FDP/GRÜNE/LINKE verschwinden und ein unabhängiges neues System aufgezogen wird, denn die PAtente der Freien Energie Systeme werden boykottiert und die Erfinder werden verunfallt !
Ich erzeuge meinen eigenen Strom ohne Atom selbst. Ausschließlich überblickbarer, transparenter Dezentralismus, Autarkie und zugestandene Eigenverantwortlichkeit ohne jegliche Bürokratie und frei von Entmündigungsklauseln haben Eingang in die unsrige Zukunft – mit diesen Politikern an der Spitze ist kein Staat und keine Lösung zu machen, es sind Verräter, gegen jedes Leben gewandt, reptiloide Wesen, wie schon einst Lady Di wusste !

Sonnigen Gruß sendet
Metaphysiker Daniel
80 Rubriken-Aufklär-Homepage (die Welt und die Physik funktioniert um mindestens 150 Grad anders, als die Lügendiktate es in Schulen, Medien und Politik uns zweckgeplant aufoktroyieren)
http://www.allinformierendes.de und 80 weitere Rubriken !

68) Thomas B., Montag, 14. März 2011, 08:41 Uhr

Auch die Atomkraftgegner heucheln ohne Ende.

Wenn morgen ein Asteroid die Erde trifft und wir fest stellen, dass kaum noch etwas funktioniert und es eine Menge Explosionen und Zunamis gibt dann kehren wir doch deswegen nicht zu Lagerfeuer und Pfeil und Bogen zurück.

Hätte die Regierung gesagt sie macht nichts, weil unsere Kraftwerke sicher sind dann hätte man ihnen das vorgehalten und Ihr Text würde sicher nur geringfügig anders aussehen.

Das übliche in solchen Krisen. Jeder versucht das ganze für seine Position zu interpretieren. Traurig aber wahr.

69) Martin, Montag, 14. März 2011, 09:21 Uhr

Ich frage mich wirklich, weshalb die AKWs jetzt plötzlich überprüft werden sollen, wo wir doch die höchste Sicherheit haben und an Sicherheit nicht gespart werden darf. Da passt ins Bild, dass Tanja Gönner (CDU-Umweltministerin) in Baden-Württemberg Sicherheitsnachrüstungen verweigert, weil die Anlagen in Baden-Württemberg ja sicher genug seien.

Wer noch sagt, bei uns gäbe es keine solchen Erdbeben wie in Japan, hat natürlich recht. Trotzdem steht Neckarwestheim im Erdbebengebiet – zwar nicht so stark, aber vermutlich ist es auch nicht so stark dagegen geschützt wie die Reaktoren in Japan.
Ursache des jetzigen Problems ist der Stromausfall, der die Kühlung ausfallen ließ sowie das Versagen der Notstromaggregate. Diese Probleme können bei uns genauso auftreten. Größtes Problem in diesen Anlagen ist sowieso der menschliche Faktor. Da hilft auch die höchste Sicherheitsstufe nicht. Wie viele Störfälle sind schon aufgetreten, weil Teile der Überwachung zu Wartungszwecken abgeschaltet waren. Auch in Tschernobyl war menschliches Versagen die Ursache. Dagegen gibt es keinen Schutz. Außer abschalten.

70) Chat Atkins, Montag, 14. März 2011, 09:46 Uhr

Steht hier nicht wieder mal die politische Agenda auf dem Kopf: Müssten nicht die größten Schrottreaktoren ERST sofort vom Netz genommen werden, um sie DANN zu überprüfen …?

71) Zolkowski, Montag, 14. März 2011, 10:18 Uhr

Lieber Kollege Spreng, als alter politischer Linker bin ich immer wieder überrascht (und erfreut), welch eine politische Klarsichtigkeit sich manche alten Leitwölfe des journalistischen Mainstreams sich erarbeitet haben.

Dass Sie Ihre kritischen Überblicke und Einsichten klipp und klar aussprechen, halte ich für einen echten Gewinn für unsere Branche.

Mit bestem Gruß – DK

72) Eine Juristin, Montag, 14. März 2011, 10:22 Uhr

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich inhaltlich immer mehr vom Thema entferne…

@DonCamillo: Ein wahres Wort.
Jeder hat seine Verantwortung in der Hand. Heizung, Strom, Fortbewegung, Nahrung – alles Bestandteile eines verantwortungsbewussten Handelns. Genauso sollte man dieses ewige Elektronik-Gadget-und-Statussymbol-Hinterherhechelei hinterfragen, während 3 alte Handys in der Schublade modern. Aber es zählt mal wieder mehr Gelaber – als wirkliches Handeln.

@Mark:
Wo die UNO bleibt, habe ich mich auch schon gefragt. Wieso gestaltet die UNO nicht Weltkarten,
auf denen klar gekennzeichnet ist, in welchen Erdbebengebieten AKWs verboten sind (wenn es denn schon unbedingt welche sein müssen)? Das Kyoto-Protokoll sollte deutlich ausgeweitet werden. Nicht nur die Reduzierung von Co2-Emmissionen sind zum Überleben notwendig – sondern auch eine “Unverstrahltheit”. Achso, hups – da könnte man ja mächtigen Energiekonzernen reinreden.
Wenn ich mir die stoische (antrainierte?) Gelassenheit der Japaner und von vielen Politikern betrachte, fühle ich mich gefühlsmäßig an den Film “Rückkehr zum Planet der Affen” erinnert, bei der die Mutanten die Atombombe anbeten. Es beschleicht einen Mischung aus Ohnmacht und grotesker Grusel. (Ich weiss, völiig übertrieben… aber der Grusel ist nicht minder schlimm.)

P.S: Mich würde bei der Vielzahl an überall interviewten “Nuklearexperten” mal interessieren, wieviele davon die letzten 40 Jahre ihr Einkommen von Stromproduzenten bezogen haben.

73) Don Corleone, Montag, 14. März 2011, 10:33 Uhr

@Doktor Hong:
Danke für Ihre Replik. Falls meine Zahlen falsch sein sollten (was sie nicht sind) — Ihre sind es um so mehr: Denn Sie nennen, wie alle Fans der Landschaftsverschandelung, das theoretische *Potential* von Wind und Sonne, das auf 365 Sonnentagen p.a. und unablässig wehendem Wind beruht.
Doch grau ist alle Theorie: Manchmal ist es windstill, manchmal weht’s zu stark, und die Zahl der Sonnentage in unseren Breiten ist bescheiden. Die tatsächliche Einspeisung ins Stromnetz beträgt 0,9% des Gesamtverbrauchs. Und wir reden von Strom.

Ihre Zahl von 10% ist der erneuerbare Anteil am *Primär*energieaufkommen (incl. Heizung, Industrie, Verkehr etc.) — und umfasst auch Biomasse, Ethanol aus Getreide, Wasserkraft, Geothermie etc. Der Löwenanteil an Elektrizität wird nach wie vor durch Kohle, Erdgas und Kernkraft erzeugt: 99%.

Mag sein, daß der Wind- und Solaranteil an der Stromerzeugung tatsächlich eines Tages 10% erreicht. Doch bedenken Sie bitte, dass für diese Kapazität jederzeit konventionelles Kraftwerke (Kohle, Gas) zur Verfügung stehen müssen, um wetterbedingte Ausfälle der Öko-Quellen abzufedern. (Die Sonne weigert sich beharrlich, auch nachts zu scheinen.)
Und falls Sie mir erklären können, wie Industrie und Infrastruktur bei einem abrupten, völligen Ausstieg aus der Kernenergie überleben sollen, bin ich Ihnen sehr dankbar. Außerdem ist die hiesige Atom-Hysterie ein wenig seltsam: Deutschland ist von Ländern umgeben, die konsequent auf Kernkraft setzen (z.B. Frankreich: 80% Atomstrom. Störfälle nicht bekannt).
Mit einem tragischen Naturereignis (Erdbeben und Tsunami zugleich, wie jetzt in Japan) ist in unseren Breiten nicht zu rechnen.

P.S.: Herzliche Grüße!

74) Reinhold, Montag, 14. März 2011, 10:33 Uhr

Wer glaubt, Moral hätte etwas damit zu tun, sich wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen zu benehmen und Ethik etwas damit, möglichst irrational und ängstlich zu denken, der irrt. – Das Gegenteil ist der Fall.

Wer in diesen Tagen seine “Schon-immer-Atomkraftgegnerschaft” wie eine Monstranz vor sich herführt, zeigt bloß seine schlechten Charakterzüge.

75) piwi, Montag, 14. März 2011, 10:47 Uhr

Was bei allen Diskussionen verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass es nie AKWs gegeben hätte, wenn man diese hätte versichern müssen. Alle AKWs sind GmbHs. Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Die großen AKW Betreiber müssten im Falle eines GAUs nicht einmal haften.

Warum redet niemand darüber? Weil alle politischen Kräfte hier nur Kasperlepuppen sind, bei denen die Hand des Puppenspielers nicht sichbar werden darf.!

76) D. Steinmann, Montag, 14. März 2011, 11:15 Uhr

Vielen Dank für diesen Sprengsatz.

Ich bin gespannt, ob sich Herr Diekmann mit der Bild-Zeitung wie im Fall Guttenberg als Sprachrohr für die Interessen des “kleinen Mannes” versteht. In diesem Fall bestehen die Interessen der Bevölkerung nämlich darin, die Bundesregierung endlich zum Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus dieser unbeherrschbaren Technologie zu zwingen. Ich befürchte allerdings, dass in der Bild schon bald Artikel wie “Warum Fukushima in Deutschland nicht passieren kann” erscheinen werden.

77) Kiefernzweg, Montag, 14. März 2011, 12:02 Uhr

Jetzt keine Zeit für Grundsatztdiskussionen! Diese Zeit ist vorbei! JETZT IST ZEIT ZUM HELFEN!!!
Die Diskussion zum Ausstieg aus der Laufzeitverlängerung ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig überflüssig!

78) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 12:14 Uhr

Ich muss meinen Beitrag von gestern 17:54 Uhr korrigieren. Die Furcht abzusaufen bei der Landtagswahl in BW ist inzwischen groß genug, das Fähnchen wird neu in den Wind gehängt. Auch die Perle aus der Uckermark die gestern noch stoisch im TV das Mantra der sicheren AKWs herunterbetete so wie von der Lobby geheißen wird en Salto rückwärts sicher noch hinbekommen.
Der Sargnagel für Merkel wird nicht Plagiator und Betrüger zu Guttenberg sondern der sich vor den Augen der Welt entwickelnde nukleare GAU in Japan in Kombination mit der zuvor gegen den Willen des Volkes durchgedrückten AKW-Laufzeitverlängerung. Die Koalition “hat fertig” Wette?

“+++ Söder: “Japan ändert alles” +++

[10.01 Uhr] Der bayerische Umweltminister Markus Söder will die deutsche Atompolitik nach den Katastrophen in Japan grundsätzlich überprüfen. “Ich glaube, dass Japan generell alles ändert, auch bei mir”, sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk. Sicherheitsaspekte müssten umfassend neu diskutiert werden. Dazu gehörten alle möglichen Risiken – auch Flugzeugabstürze. Söder forderte auch eine neue Diskussion über die von Union und FDP Ende vergangenen Jahres gegen heftigen Widerstand durchgesetzte Verlängerung der Laufzeit der deutschen Kernkraftwerke.”

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750629,00.html

Ich sehe ja mit Interesse der Erklärung entgegen in der CSU (und CDU) wäre man ja schon immer der Meinung gewesen, es handele sich um eine unbeherrschbare Technologie. :)).

Diesen Wortakrobaten wird schon noch was einfallen das mit dem Unworten ” alternativlose Brückentechnologie” in Einklang zu bringen. Wenigstens da ist die Koalition ja ganz ganz groß.

79) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 12:18 Uhr

auch diese Nachricht passt bestens in die Kategorie “so zu tun als ob”.

“Handelsblatt: Guttenberg Bericht lässt auf sich warten “Die Frage, ob Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Universität Bayreuth bei seiner Doktorarbeit vorsätzlich getäuscht hat, wird frühestens Mitte April beantwortet.
…”
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/guttenberg-bericht-laesst-auf-sich-warten/3940686.html

Und warum nur, warum nur frage ich mich einmal mehr ob es da wirklich mit rechten Dingen zugeht oder nicht ein wenig Druck von oben kam die Entscheidung gefälligst bis nach den BW Wahlen hinauszuzögern. Wäre ja auch ein hässlicher Zufall wenn die politische Leiche KTG auch noch vor der BW-Wahl ähnlich einer Wasserleiche zu einer Unzeit erneut in den Medien auftauchen würde ganz kurz vor der wahl….

Ein Schelm, wer dabei böses denkt. Schuld daran sind übrigens die externen Experten, und ihre “Terminprobleme” Die ehemalige Renomieruniversität Bayreuth sah sich leider nicht in der Lage die von http://de.guttenplag.wikia.com erledigte Recherche alleine fachlich zu würdigen. Naja, die juristischen Fakultät ist es ja im besten Sinne des Wortes offensichtlich “merkbefreit”. Die Lehre ist der Leere gewichen.

Das beste aber: Solange der Termin _nach_ der Wahl in BW liegt, spricht auch nichts dagegen einen ausgewiesen scharfen Kritiker unter den Experten zu haben.

80) Benjamin, Montag, 14. März 2011, 12:41 Uhr

Ein – leider, möchte ich hinzufügen – treffender Kommentar. Die Laufzeitverlängerung war ein Geschenk für die Energiekonzerne, eine laufende Gelddruckmaschine, wofür sich manche ja durch reichliche Zuwendungen (auch im Wahlkampf in B-W) bedanken. Aber was kann man von einer Regierung erwarten, wo teilweise Leute der Lobbyisten in den Ministerien mit an den Gesetzen schreiben?

Die Entwicklung in Japan ist eine dramatische und hoffe wirklich aufrichtig, dass es nicht noch schlimmer für die Menschen dort kommt. Nur sollte es auch hier zu einer neuen Diskussion mahnen. Energieausfälle, aus welchen Gründen auch immer, können auch in Deutschland passieren – und dass es bereits jetzt eine Mängelliste für ältere Meiler gibt, sollte diejenigen, die ernsthafte Besorgnis mit sinnloser Panikmache verwechseln, mal zum Nachdenken anregen… Angst kann einen sehr realen Hintergrund haben.

Ich halte die seit gestern geisternden, nebulösen Äußerungen der Regierung über eine mögliche Aussetzung der Laufzeitverlängerung sind doch reine Placebos für den laufenden Wahlkampf und daher für unseriös. Sicherlich greift die Opposition die Debatte nun auf – aber was bitte sehr hat man denn erwartet? Ist das nicht der Kern demokratischer Politik, solche Aspekte zu betrachten und der Diskussion (ohne Populismus, wohlgemerkt, denn ein sofortiger Ausstieg ist ja nicht machbar) Rechnung zu tragen? Ich denke schon. Die Debatte wird erst beginnen und dann wird sich zeigen, ob die Opposition die Konzepte neu prüft und sinnvolle Alternativen noch einmal aufzeigt und ob von der Regierung mehr als nur leere Lippenbekenntnisse kommen. Merkel und Westerwelle müssen nun Farbe bekennen.

81) Dennis Sulzmann, Montag, 14. März 2011, 13:35 Uhr

Ein schöner Artikel – politisch auf den Punkt. Danke dafür. Meines Erachtens lassen Sie aber eine Komponenten außer Acht, die ganz wesentlich zu der jetzigen Situation beigetragen hat. Die Atomlobby hat keine Kosten, Mühen und Tricks gescheut, um ihre Gelddruckmaschine Atomkraft zu schützen. Letztendlich erfolgreich. Die vielen Hearings, das Astroturfing, die Klima-Tour der Kanzlerin – das alles gepaart mit der gebetsmühlenartig wiederholten Versorgungssicherheit und dem Hinweis auf den Klimaschutz hat die Debatte in den letzten Jahren stark beeinflusst. Sie als Politikberater wissen, dass hinter einer Entscheidung der Politik mehr steckt als die reine Abwägung, was gut oder schlecht für „das Volk“ ist.

82) marcpool, Montag, 14. März 2011, 13:43 Uhr

… und alle tun jetzt so, als ob sie das sogen. Restrisiko nicht kannten bzw. unbedingt neu zu prüfen sei.
Das war auch schon letztes Jahr möglich – Frau Merkel !!

Wolgang Clement 2008 im Ypsilanti Wahlkampf:

“Es gibt kaum noch ein Mitgliedsland der EU, von Süd bis Nord und West bis Ost, das die zeitliche Nutzung der Atomenergie nicht zumindest ausdehnt oder sogar neue Atomkraftwerke bereits baut oder den Bau neuer Anlagen vorbereitet.”
“Deshalb wäge und wähle genau, wer Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertrauen kann – und wem nicht.“ —
Wohin entsorgen wir eigentlich solche politischen Äusserungen – welches Endlager gibt es dafür ???

83) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 14:02 Uhr

und nun bin ich gespannt wie frau Merkel ihren Meinungswechsel erklären will.

Dass einmal mehr überprüft werden soll sagte sie schon gestern.

“Nervosität bei Schwarz-Gelb
Merkel will Laufzeitverlängerung aussetzen
Stuttgart/Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Montagnachmittag bekanntgeben, dass die Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke ausgesetzt wird. Merkel habe diese Entscheidung im kleinen Kreis vorbereitet und mit dem CDU-Präsidium abgestimmt, berichtet “Focus Online” unter Berufung auf Regierungskreise. In dieser Zeit solle die Sicherheitslage in den deutschen Atommeilern mit Blick auf die Erkenntnisse aus Japan überprüft werden.”

Kommt jetzt also noch ein wenig Kosmetik hinzu weil man zusätzlich die Aussetzung der Laufzeitverlängerung ankündigt? Was genau soll sie denn bedeuten? die sofortige Abschaltung der AKWs die ohne den Merkelschen Hofknicks vor der Atomlobby schon abgeschaltet wären (= das wäre nur ein einziges!). Oder läuft alles fein so weiter wie gehabt, die AKWs laufen schön weiter, so wie Merkel es rechtfertigte da sie ja absolut sicher seien und es ansonsten ihre Pflicht wäre sie umgehend vom Netz zu nehmen.

Ich bin auf die Pirouetten der Kolaition gespannt. Brüderle singt jetzt auch im Chor der Kritiker und möchte auf einmal prüfen ob die regenerativen Enrgien nicht schneller einzuführen seien.
Klar sind sie das Herr Brüderle. Habe ich weiter oben schon mal verlinkt dass es genau IHR Ministerium ist, dass da blockiert.:

Aber es geht, nur das Wirtschaftsministerium hat seine Kungeldeals ja nun mit Atomlobbyisten gemacht, darum ziert man sich bei der Umsetzung:

“Allerdings müsste laut NorGer die Kraftwerksnetzanschlussverordnung (KraftNAV) geändert werden. Bislang regelt die KraftNAV den Netzzugang von Kraftwerken. Die Einspeisung von Strom aus einem Seekabel ist darin nicht geregelt. Zuständig dafür ist das Bundeswirtschaftsministerium. Dort sieht man derzeit nach Informationen von REPORT MAINZ „keinen Änderungsbedarf“.
NorGer-Sprecher Matthias Hochstätter sieht deshalb die Realisierung gefährdet: “NorGer will 1,4 Milliarden Euro investieren in dieses Kabel und dafür muss natürlich gewährleistet sein, dass das auch sicher in Betrieb ist und nicht einfach willkürlich abgeschaltet wird, wann immer der Netzbetreiber gerade Lust hat. Das geht nicht. Sonst kann man so ein Kabel nicht ordentlich betreiben.”

Quelle

http://www.swr.de/report/presse/-/id=1197424/nid=1197424/did=6920732/17vn7bu/index.html

Dumm gelaufen, Glaubwürdig ist Brüderle so wenig wie Merkel.

84) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 14:04 Uhr

sorry, Quellenangabe für das Zitat ““Nervosität bei Schwarz-Gelb
Merkel will Laufzeitverlängerung aussetzen”
fehlte
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,750732,00.html

85) marcpool, Montag, 14. März 2011, 15:34 Uhr

Merkel / Westerwelle: ” Längere Atomlaufzeiten aussetzen ” — Gemeint ist offensichtlich ” Längere Atomlaufzeiten aussitzen ” !

86) Doktor Hong, Montag, 14. März 2011, 15:50 Uhr

@ Don Corleone

Der Anteil regenerativer Energien an der Stromerzeugung ist sogar noch höher als 9,5%, er liegt bei gut 17%.

http://www.unendlich-viel-energie.de/uploads/media/AEE_Strommix-Deutschland-2010_feb11.jpg

Etwas älter sind die Zahlen des Umweltbundesamtes, einer offiziellen Regierungsbehörde. Demnach lag der Anteil der regenerativen Energien an der Stromerzeugung 2008 bereits bei 14,8%, also knapp um den Faktor 14 höher als Ihre Zahl.

http://www.umweltbundesamt-daten-zur-umwelt.de/umweltdaten/public/theme.do?nodeIdent=2850

Ich bin kein grüner Anti-Atom-Fundamentalist, falls Sie mich für einen halten. Weder behaupte ich, dass man abrupt aus der Kernenergie aussteigen soll, noch bin ich der Meinung, dass man auf Kohlekraftwerke zur Sicherung der Grundlast verzichten kann.

Ich denke auch nicht, dass ein Stahlwerk von Windrädern angetrieben werden soll. Wer so argumentiert, ist unsachlich und polemisch und kaum ernst zu nehmen.

Es gibt gigantische Einsparpotentiale im Gebäudebereich, wo die Energieversorgung nicht kritisch ist. Kein vernünftiger Grund spricht dafür, diese nicht mitzunehmen. Jeden Tag sind Ingenieure damit beschäftigt, mit aufwendigen Simulationen und Testreihen die Effizienz von Verbrennungsmotoren zu erhöhen, das letzte Prozent Einsparung herauszukitzeln. Auch das ist nur vernünftig.

Was die Unstetigkeit der Energieversorgung durch Windräder angeht, so gibt es auch dafür Ansätze.

Z.B. gibt es Technologien, durch die Geräte über das Stromkabel mit dem Stromanbieter kommunizieren. So können energieintensive Haushaltsgeräte wie z.B. Wäschetrockner durch den Stromversorgerfür einige Minuten in der Leistungsabgabe heruntergefahren werden, wenn Lastspitzen vorliegen. Das wird natürlich noch nicht flächendeckend eingesetzt, aber die Funktionstüchtigkeit ist bereits demonstriert worden.

Dann gibt es Ansätze zu Speichertechnologien, wie z.B. Salzschmelzen. Erst an Weihnachten hat mir ein Ingenieur, der daran arbeitet, von dieser Technologie erzählt. Diese funktioniert auch gut dezentral. Darüberhinaus denken einige Leute darüber nach, alte Bergwerke zu Pumpspeicherkraftwerken auszubauen. Man kann sich angesichts der Volumina und Höhenunterschiede von Bergwerksstollen leicht vorstellen, dass sehr viel Energie in solchen Speicherwerken gepuffert werden könnte.

Auch wurde die Kerntechnik zu ihrer Einführung hierzulande vom Steuerzahler hoch subventioniert. Das scheint Sie nicht zu stören, während Sie sich über die Subventionen für erneuerbare Energien echauffieren.

Siehe http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E4995616396E44676804E6AE91DBA916F~ATpl~Ecommon~SMed.html

Schließlich bedeutet die Tatsache, dass aus französischen Kernkraftwerken keine Störfälle bekannt werden, nicht, dass es dort keine Störfälle gibt.

In Großbritannien gab es einen schweren Störfall:
http://de.wikipedia.org/wiki/Windscale-Brand

Oder in Schweden:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23315/1.html

Herzliche Grüße auch an Sie!

P.S.: Die Energiefrage ist von fundamentaler strategischer Bedeutung für jedes Industrieland. Das kann man nicht irgendwelchen Leuten überlassen, die nur die Quartalsberichte und Dividenden hochtreiben wollen.

87) Benjamin, Montag, 14. März 2011, 16:09 Uhr

Jetzt verkündet Merkel also ein Moratorium für drei Monate – ein Schelm, der denkt, dass das nur mit den Landtagswahlen zusammenhängt und das Ergebnis dann doch ist: alles bleibt, wie es ist. Der Aktionismus von Mappus spricht ja auch eher dafür. Und da sprechen Regierungskreise davon, die Opposition instrumentalisiere die Ereignisse – wo die Opposition doch nur die Meinung vertritt wie seit einigen Jahren, während nun Unions- und FDP-Kreise kehrt machen… Wahlkampfpanik nennt man das wohl.

88) o.k. und was dann?, Montag, 14. März 2011, 16:10 Uhr

Warum der Run auf Erneuerbare ausblieb? Ganz einfach, weil Placebos nun einmal eine Industrienation nicht zuverlässig mit Strom versorgen können.
Klar ist aus meiner Sicht: das Ende der Kerkraft in Deutschland jetzt besiegelt. Aber nun muss die Regierung ihre vermeintlich beste Milchkuh schlachten: den so genannten Klimaschutz. Statt KKWs kann es nur neue Kohle- und/oder Gaskraftwerke geben. Im Winter mit Hochdruckwetterlage können Sie Wind und Solar vergessen. Und nein, Norwegen wird uns auch nicht versorgen können und wollen. Desertec ist ja ein ähnliches Hirngespinst. Wenn die KKWs in Deutschland in 10 Jahren alle aus sein sollen, gibt es nur eines: den sofortigen Neubau von Kohle- und Gaskraftwerken. Da diese auch nahe dem Verbraucher gebaut werdne können, entfällt der teure und langwierige Netzausbau. Mit anderen Worten, wer A sagt (KKWs aus) muss auch B sagen (Kohle und Gas dafür her).
Letztlich hat das Drama in Japan eines bewiesen: es gibt eine Macht, vor der wir uns nicht schützen können: die Natur. Wir können aber sehr wohl den Folgen begegnen. Und daher Schluss mit dem unsinnigen und teuren Klimaschutz. Ein Wunschklima werden wir uns nicht basteln können – mit den jeweiligen klimatischen Bedingungen fertig zu werden, ist eine deutlich überschaubare Aufgabe. Denn schließlich mehren sich auch die Anzeichen, dass es statt einer Erwärmung in den nächsten Jahren eher kälter wird. Im übrigen reichen die bekannten Gas- udn Kohlevorräte gute 200 Jahre. Wir haqben dann also genug Zeit, was besseres zu finden. Die Technologie des Mittelalters brauchen wir jedenfalls nicht.
Aber ohnehin finde ich: jetzt sollten wir erst einmal alles tun, um den Japanern zu helfen. Und dann ist immer noch Zeit für die Energieentscheidungen bei uns.

89) Günter, Montag, 14. März 2011, 16:31 Uhr

Größer als ein Gau in einem unserer AKW ist das Risiko, daß in den Chefetagen der Regierung, der Wirtschaft und der AKW-Betreiber in den Sesseln sitzt.
Das sollten wir erkennen und danach handeln.

90) Günter, Montag, 14. März 2011, 17:01 Uhr

Ich melde mich noch einmal und zwar möchte ich zum Beitrag von “Politikverdruß”, weiter oben, doch noch meine Meinung sagen.
Wie kann man Leuten, die hier noch einmal ihre Bedenken gegen die Atomnutzung zum Ausdruck bringen, vorhalten, sie würden nicht an die vielen Opfer in Japan denken?
Gerade diese Leute, die auf die Gefahren der Atomnutzung hinweisen und die sofortige Abschaltung der AKW fordern stellen sich schützend vor die gefährdeten Menschen und nicht dahinter, wie sie es mit Ihrem Beitrag getan haben.
Schuld an dem Debakel mit der Atomnutzung und deren Opfer sind die Leute, die sich goldene Nasen an der Atomindustrie gehohlt haben. Deren Gewinne sollten eingezogen und zur Beseitigung der enstandenen Schädengenutzt werden.

91) Michael A. Nueckel, Montag, 14. März 2011, 17:01 Uhr

@ piwi

… weil Sie sich -sorry (!)- irren, siehe §§ 13, 14 und §§ 25 ff. AtomG, s. http://www.gesetze-im-internet.de/atg/__13.html. u.a.

Ob die Deckungsvorsorge ausreicht, ??? Die (Durchgriffs-) Haftung kennt aber keine Deckungsgrenze. Der GAU wäre höchstwahrscheinlich der wirtschaftliche Ruin des Betreibers, z.B. RWE AG oder andere.

92) Ste, Montag, 14. März 2011, 17:43 Uhr

So, jetzt hat schwarz-gelb aber sowas von die Schlüpper voll, das sie vorsichtshalber so tun als würde ihnen der Atomausstieg auch wirklcih am Herzen liegen und der Begriff Brückentechnologie nicht irgendein Firlefanz bedeuten. Und der dumme Wähler glaubt das wahrscheinlcih noch und wählt die.

93) StefanP, Montag, 14. März 2011, 17:47 Uhr

@Günter

Leider kommt mir Ihr Beitrag reichlich verwirrt herüber:

“Wie kann man Leuten, die hier noch einmal ihre Bedenken gegen die Atomnutzung zum Ausdruck bringen, vorhalten, sie würden nicht an die vielen Opfer in Japan denken?”

Weil eine Abschaltung hier den Opfern in Japan, die im wesentlichen durch ein Erdbeben der Stärke 9 und einem anschließenden Tsunami umgekommen sind, nichts hilft. Zudem: die Bedenken gegen die Atomnutzung sind nun wahrlich oft und häufig genug vorgebracht worden. Gab es da wirklich je einen Mangel? Jeder weiß, dass Atomenergie gefährlich ist. Das gilt für den Straßenverkehr genauso wie für die Quecksilbererzeugung für politisch korrekte Glühlampen. Spielt es wirklich eine Rolle, was am Ende die Todesursache ist?

“Gerade diese Leute, die auf die Gefahren der Atomnutzung hinweisen und die sofortige Abschaltung der AKW fordern stellen sich schützend vor die gefährdeten Menschen (..)”

Das tun sie gerade nicht, siehe oben. Bitte fordern Sie ein Tempolimit von 8 km/h, so verhindern sie 6.000 Verkehrsopfer pro Jahr allein in Deutschland. Dann weiß ich, dass es Ihnen nicht um Interessenpolitik, sondern tatsächlich um den Schutz von Leben geht.

“Schuld an dem Debakel mit der Atomnutzung und deren Opfer sind die Leute, die sich goldene Nasen an der Atomindustrie gehohlt haben.”

Was ist mit jenen, die sich bisher eine goldene Nase an den Solar, Windenergie und Biomasse verdient haben?

Das Leben besteht aus Risiken. Bei dem einen Bereich auf die Risiken hinzuweisen und auf der Basis deren Abschaffung zu fordern, während man gleichzeitig die Risiken von Alternativen ausblendet, ist nicht seriös. Ehrlich wäre, dem anderen zuzugestehen, dass es immer um eine Abwägung von Risiken und Möglichkeiten geht. Das tun die Kernenergiegegner nicht, deshalb ist es so schwer mit ihnen zu diskutieren.

94) Alut, Montag, 14. März 2011, 17:48 Uhr

Volltreffer Herr Spreng, es gibt nichts hinzuzufügen!

95) Werner W., Montag, 14. März 2011, 18:05 Uhr

Schön zu lesen “Jetzt herrschen die Emotionen. Nur leider nicht die guten: Egoismus, Feigheit und das Ausschlachten des Leides anderer, um politisch davon zu profitieren, ist das Letzte. Es ist nicht nur bloß amoralisch, es ist völlig antimoralisch.”

War da die Debatte um Hartz IV Erhöhungen gemeint die man damit “untermauerte” dass Hartz IV Empfänger ja per se nur saufend und rauchend vor ihren Flachbildschirmen sitzen um Trash-TV zu sehen?

Oder habe ich Frau Merkel da falsch verstanden als sie im Wahlkampf (!!!!) unlängst dagegen war dass sich “Hartz IV Empfänger mittels Hartz IV und Schwarzarbeit” das Leben einrichten? Nein ?

Da darf man sich nicht wundern wenn andere eben genau jenen Zynismus ganz ganz schnell lernen.

96) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 18:13 Uhr

Das nächste Kapitel in der “Die-so-zu-tun- Politik”.

Pressekonferenz der Kanzlerin inkl. ihres Vizes.
Es beginnt mit Worthülsen wie
“Es gab durch die GAUs in Japan einen Einschnitt” -Aha! Sensationelle Feststellung. Das FDP-Homburger mit ihrer Meinung die planetare Umlaufbahn verlassen hatte, musss man nicht extra erwähnen.
und dann:
“Im Prinzip möchte man aber gerne an der Atompolitik festhalten. ” Macht merkel uns jetzt die Homburger? Nein, nicht ganz.

“Es müssen Prüfkriterien aufgestellt werden.” Aha! Mit wem wohl? Kommt ihr nie drauf!

Na mit der selben Atom-Lobby gemeinsam, denen man per Laufzeitverlängerung frei Haus Milliardenzusatzeinnahmen schenkte. Die sind besser geeignet als unabhängige Experten. Ja, richtig gelesen, man will sich mit den Böcken, die man zuvor schon zum Gärtner machte bei der Verlängerung, erneut an einen Tisch setzen und neue gemeinsam die Kriterien aufstellen. Ich ahne es schon: Der Vorgarten inkl. Bepflanzung ist ab sofort für euch Böcke tabu!” Oder wie darf ich mir das vorstellen?

Hat Merkel & co. noch immer nicht verstanden dass diejenigen, die von der Laufzeitverlängerung profitieren, wohl kaum geeignet sind sich aktiv an der Vernichtung des Shareholder Values ihrer Anleger zu engagieren? Und Mappus hat höchstselbst dafür gesorgt mit zu den Shareholdern zu gehören das Cleverle. Die Lobbyisten klatschen sich auch weiterhin auf die Schenkel vor Freude über die Risikoverteilung. Sie sahnen ab, das Risiko für die Uraltkraftwerke liegt auch zukünftig nicht bei ihnen sondern beim dämlichen Steuerzahler liegt. Da freut sich doch der Aktionär!

Für solche Sätze wie den folgenden beruft diese Regierung allen ernstes Bundespressekonferenzen ein?
“Das spannende an dem Moratorium ist, dass man seinen Ausgang nicht in allen Facetten voraussagen kann. es ist aber auch nicht eingeführt um alles so zu lassen wie es ist.”

“Es gibt in Deutschland keine Tsunamis” fiel außerdem.

Ich ergänze einfach mal:
Das praktische am Moratorium hingegen ist, dass es ganze 3 Monate dauert in denen diese Regierung dem Wahlvolk stillhalten aufoktruiert. Prima, da man ja in alle Richtungen offen ist (man könnte auch sagen nicht ganz dicht), geht man dann wohl zur Sommerpause des Bundestages mit minimalen und für die Atomlobby schmerzfreien Änderungen in die Sommerpause. Versprechen nicht alles so zu lassen wie es ist erfüllt. Gab ja ein paar Änderungen.

Dumm wer sich das bieten lässt.

Etwas gutes hatte die Pressekonferenz dann aber doch. Der durchschaubare Versuch mit dem Atom-GAU auf Wahlfang zu gehen wie das Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) in der Bild heute Vormittag probiert hat, siehe:

“Gönner: Abschaltung noch vor der Wahl möglich
MONTAG, 14. MÄRZ 2011, 11:58 UHR

Berlin/Stuttgart (dpa/lsw) – Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) hält eine Abschaltung von Atomkraftwerken in Baden-Württemberg bereits vor der Landtagswahl am 27. März für möglich. «Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist, wird es auch eine Abschaltung geben», sagte Gönner am Montag im Deutschlandfunk. Ab diesem Montag prüften Inspekteure die Anlagen in Baden-Württemberg. Eine unabhängige Expertenkommission prüfe zudem, «wo kann man das, was in Japan passiert ist, dann auch auf Baden-Württemberg anwenden». Die Politik sei nun offen und bereit, über die Einschätzung der Experten zu diskutieren.”

http://www.bild.de/BILD/regional/stuttgart/dpa/2011/03/14/goenner-abschaltung-noch-vor-der-wahl-moeglich.html

Frau Merkel hat klargemacht dass es
a) nicht so eilig ist
b) Statt mit Experten mit den Lobbyisten und Betreibern die neuen Prüfmechanismen diskutiert werden soll.

Erfreulich dass inzwischen Japan soweit ist tatsächlich die IAEA Unterstützung anzufordern von der man gestern noch großzügig nichts wissen wollte. Zeit wurde es, auch wenn das die Probleme nicht kleiner werden lässt und zudem Zeit verloren ging.

+++ Japan bittet Internationale Atombehörde um Hilfe +++

[17.37 Uhr] Japan hat die Internationale Atomenergiebehörde IAEA wegen der Unfälle in mehreren Kernkraftwerken um Hilfe gebeten.”
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750817,00.html

97) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 18:27 Uhr

Ich kann mir das grinsen nicht verkneifen, CSU überholt die CDU – auf einmal wollen sich alle beim Abschalten überbieten von der ewiggestrigen Frau Homburger abgesehen….

Traurig dabei dass nicht Politikerverstand zu diesen Überlegungen führt (sonst hätte es niemals eine Laufzeitverlängerung geben dürfen), sondern die nackte Panik vor einem Wahldesaster den Anlass für die Notbremse liefert. Mal schauen ob der Wähler das durchschaubare Spielchen und den jämmerlichen Versuch sich an die Spitze einer bewegung zu setzen, zumindest so zu tun als ob – nicht durchschaut. Glaubwürdigkeit der Politik auf einem neuen Tiefpunkt.

+++ Neckarwestheim I muss vom Netz +++

[17.49Uhr] Das seit rund 35 Jahren laufende Atomkraftwerk Neckarwestheim I in Baden-Württemberg muss nach Bekanntgabe des Atom-Moratoriums der Regierung vom Netz genommen werden.

Das Land Baden-Württemberg ist Großaktionär beim Versorger EnBW, der nahe Heilbronn das AKW Neckarwestheim betreibt. Der 1976 in Betrieb gegangenen Atomkraftwerksblock Neckarwestheim I hat von der jüngsten Verlängerung der AKW-Laufzeiten der Atomkraftwerke im vergangenen Jahr profitiert

+ Söder will AKW Isar I abschalten +++

[18.02 Uhr] Umweltminister Markus Söder (CSU) will das umstrittene Kernkraftwerk Isar I abschalten.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750817,00.html

98) romeias47, Montag, 14. März 2011, 18:30 Uhr

Für mich ist außerhalb der Umwelt- und Menschenverträglichkeit – jede Technologie fragwürdig, die Mono- oder Oligopole als Struktur erfordert bzw. fördert – das gilt ganz besonders für die Atomenergie. Das führt nämlich in der Regel zur Kumpanei zwischen Wirtschaft und Politik mit den entsprechenden Info-Nebel-Schwaden. So blauäugig, dass man BK Merkel samt Crew das Manöver (Aussetzen bis nach den Wahlen) abnimmt, kann man eigentlich selbst bei einschlägiger Neigung nicht sein.

Ein anderer Gesichtspunkt bei der Kernenergie ist die noch immer nicht geregelte Entsorgung. Das ist auch ein Aspekt, der nach dem schweren Erdbeben in Japan zu weiteren Horror-Nachrichten führen konnte. (Wo wird Atommüll dort gelagert und wie erdbebensicher?)

In der Betriebswirtschaft gilt der Grundsatz, dass die wirtschaftliche Belastung durch eine Investition zeitlich nicht über deren einträgliche Nutzung hinausreichen sollte. Wenn man aber alles erfasst – also Planungs- und Bauzeit, sowie Auslaufzeit nach der Abschaltung von Meilern sowie die Endlagerung (Entsorgung ist ja wohl das falsche Wort), dann ist das ein grober Widerspruch zu dieser Regel. Und es sind doch wohl in erster Linie wirtschaftliche Interessen, die an der Kernenergie festhalten lassen. Schon beim Bergbau gibt es Ewigkeitslasten – ganz abgesehen davon, dass viele Kumpels elend an Staublunge krepiert sind. Bei Kernenergie sind die Risiken noch größer. 40 Jahre nach Einführung des PC haben wir Murphys Gesetz immer noch nicht intus: Was schief gehen kann, geht schief – früher oder später..

Ich wünsche mir, dass

+ dass die Betriebswirtschaftliche Regel auf Umweltbelange übertragen wird (Technologie ohne Spätfolgen).
+ dass lokalen bzw. regiionalen Energieversorungslösungen sowie Insellösungen der Vorrang gegeben wird. Im einen oder anderen Fall könnte man vorhandenen Schmotz investieren, statt ihn ins Fitnessstudio zu tragen.
+ Überwindung von Kabel- bzw. Akku-Fetischismus beim Verbraucher bzw. Verpflichtung der Industrie zur klaren Benennung der Energieversorgung (warum fehlen immer die Kabel auf den Produktfotos? Proprietärer oder Standard-Akku?)
+ Förderung von Verbraucher-Demokratie (z.B. durch ein Ideen-Portal zu Produkt-Angebot und –Vertrieb).

Für die konkrete Situation nach und in der Mehrfach-Katastrophe hätte ich mir gewünscht, dass die Grünen und die SPD drei Tage lang still gehalten hätten. Man bemüht sich zwar um einen wahlkampf-armen Ton – Künast mehr als Gabriel, aber einfach mal ein Mikro zu verweigern hätte sympathisch gewirkt. CDU/CSU und FDP kommen am Canossagang sowie so nicht vorbei. Diie Fossilmeiler hätte man schon am Freitag abschalten sollen….

.

99) Doktor Hong, Montag, 14. März 2011, 18:39 Uhr

Westerwelle erwähnt, dass der Ausfall von Kühlkreisläufen der wichtigste Sicherheitsaspekt ist, den man auch hierzulande untersuchen muss?

Donnerwetter, jetzt hat er mich überrascht. Ausnahmsweise mal positiv.

100) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 18:49 Uhr

Der Spiegel kippt -nicht zu Unrecht wie ich finde- eine großen Kübel Häme aus.:

Merkels Störfall

Merkel, die Ungefähre, wird sie betitelt:

Merkel, die Ungefähre, hatte im Herbst vergangenen Jahres einmal klare Kante gezeigt, und das ausgerechnet in der Frage der Atompolitik. Sie wollte sich abheben vom anderen politischen Lager, wollte polarisieren, kündigte den Atomkompromiss von Rot-Grün auf und verlängerte die Laufzeit der Kernkraftwerke in Deutschland um zwölf Jahre. Schon damals konnte man darauf kommen, dass diese Entscheidung eine schwere Fehlentscheidung war, dass die Verlängerung der Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke ihre eigene Restlaufzeit als Kanzlerin verringern könnte.

Ein kapitaler Fehler. Jetzt hat Merkel versucht, diesen Fehler rückgängig zu machen.

die nächste Dusche des Spiegels:

“verhuschte Merkel kam schon bei der ersten Nachfrage wie seinerzeit Günter Schabowski in der berühmten Maueröffnungs-Pressekonferenz ins Schwimmen: Sie stammelte so verdattert wie damals der SED-Funktionär auf die Frage, was das Moratorium denn konkret für die Kraftwerke bedeute, die nach alter Regelung schon überfällig sind…”

dann
“Auf einmal könnten sogar Kraftwerke sofort abgeschaltet werden: Meines Wissen, äh, gilt das ab sofort, sagte damals Schabowski – und Merkel am Montag kaum anders.”

und weiter
“Hätten Merkel und Westwelle am Montag im Kanzleramt nicht auf den Not-Aus-Schalter gedrückt, dann wären Erdrutsch-Niederlagen an den kommenden beiden Wochenenden für die schwarz-gelbe Koalition die Folge gewesen. Aber auch nach ihrer Kehrtwende ist diese Gefahr nicht gebannt”

drum lasset uns statt zu beten festhalten:
“Die amtierende Bundesregierung aber, die amtierende Kanzlerin hat noch wenige Wochen vor Fukushima der zivilen Nutzung der Kernenergie in Form der Verlängerung eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt.

Aller Aktionismus vor den Landtagswahlen wird das nicht vergessen machen. Sie hat den Stempel auf der Stirn. Merkel ist die Atomkanzlerin, und Mappus ihr oberster Atomlobbyist.”

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,750903,00.html

Und wenn der Spiegel seine Hausaufgaben ordentlich machen würde, hätte er die Aufstellung wie viel an Geld welcher der Parteien für die Verlängerungsentscheidung in die Kasse gespült wurden noch on Top geliefert. Aber vielleicht wird das ja auch ein eigener Artikel.

Auf dass der Wähler die Glanzleistung dieser Politiker honoriert, die bis vor einer Woche noch der Atomenergie das Unbedenklichkeitssiegel in Form der Laufzeitverlängerung frei Haus geliefert hatten.
Merkel die Atomkanzlerin, der kleine Mappus ihr Cheflobbyist.
Und tschüss!

101) Peter Christian Nowak, Montag, 14. März 2011, 18:55 Uhr

@Thomas

°°Wenn morgen ein Asteroid die Erde trifft und wir fest stellen, dass kaum noch etwas funktioniert und es eine Menge Explosionen und Zunamis gibt dann kehren wir doch deswegen nicht zu Lagerfeuer und Pfeil und Bogen zurück.°°

Und ob!!. Wenn ein Asteroid in der Größenordnung eines kleinen Berges von ein paar hundert Metern Durchmesser einschlägt, wohin auch immer, dann ist es aus mit Latte macchiato und Bohemien und Machbarkeitsgläubigkeit. Dann bleibt Ihnen nur noch das Gebet um einen guten Tod.

102) Peter Christian Nowak, Montag, 14. März 2011, 19:09 Uhr

@Jeeves
^^Weder heißt der Filmtitel so, noch ist er von Wim Wenders^^

Naj ja, Singular oder Plural…ist doch nachzusehen.

103) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 20:19 Uhr

Schon gewusst? Mit den so genannten Expertenmeinungen in Punkto Sicherheit von Kernkraftwerken darf man sich getrost den Hintern abwischen!

Was von den ganzen Aussagen über die Sicherheit von Atomtechnologie zu halten ist, zeigt sich sehr schön in diesem Wikipediaartikel.
http://de.wikipedia.org/wiki/RBMK#Verwendung_in_der_UdSSR
Ich zitiere mal:
Auch die deutsche Fachzeitschrift Atomwirtschaft schrieb im Dezember 1983: “Die Verlässlichkeit von Tschernobyl ist sehr hoch”.
Oh und einen habe ich noch. Vom September 2010. Deutschland. “Sicherheitsstandards sollen gesenkt werden”.
http://www.fr-online.de/politik/sicherheitsstandards-sollen-gesenkt-werden/-/1472596/4630214/-/index.html
Angeblich plant die Koalition eine deutliche Absenkung des Sicherheitsniveaus für Atomkraftwerke. Nachrüstungen würden aufgeschoben, das Klagerecht für Bürger eingeschränkt. Das Umweltministerium dementiert.
Wozu auch Sicherheitsmaßnahmen, unsere Kraftwerke sind schließlich per Definition sicher. Sonst hätte die Merkel sie ja abgeschaltet, um nicht ihren Amtseid zu verletzten!*

einmal mehr das blog von fefe
http://blog.fefe.de/

104) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 20:20 Uhr

Japan: Kachelmann twittert Atom-Wetter
http://twitter.com/J_Kachelmann

Was auch immer aus den AKWs rauskommt, wir werden morgen mehr erfahren. In etwa 12 Stunden dreht der Wind auf NE.
http://twitpic.com/4960el

http://www.kachelmannwetter.de/japan/japan.html

. In seinen Tweets erkennt man, dass Kachelmann nicht auf Publicity aus ist, sondern für seinen Beruf brennt. Er hat die relevanten Quellen im Blick und kommt zu dem Schluss, dass die japanische Regierung offenbar gezielt zensieren würde.

“Man muss es den Japanern lassen, es wird an sehr vielen Orten Strahlung gemessen: http://bit.ly/fi0bYK Die Werte sind nur alle geheim.”

So seien die Strahlenwerte rund um das gefährdete Atomkraftwerk Fukushima noch “under survey”. Kachelmann schließt daraus: “‘Under survey’ heißt wohl in diesem Fall: Die Daten sind so, dass wir sie euch nicht zeigen, weil wir nichts mit Eurer Panik anfangen können.” Seine Meinung: Die Regierung zensiert gezielt. Dabei bezieht er sich auf die Daten des Nuclear Safety Technology Centers in Japan.
Environmental radioactivity and radiation information -Realtime radiation data collected via the System for Prediction of Environment Emergency Dose Information(SPEEDI)

In Englisch:
http://www.bousai.ne.jp/eng/

105) xxx, Montag, 14. März 2011, 22:31 Uhr

Herr Spreng,

die deutsche Welt ist, wie es mir scheint genauso, wie sie letztes Jahr wahr, wie sie vor zehn Jahren war und wie sie vor dreißig Jahren war: die Deutschen haben Angst vor Atomkraftwerken und sind deswegen zu dem (wahrscheinlich) größten Teil dagegen. Und Deutschland wird mittelfristig aus der Atomenergie aussteigen. Daran hat auch der Tsunami nichts geändert, er hat vielleicht (!) den Ausstieg beschleunigt – das würde ich aber nicht als “Welt verändern” beschreiben.

Dass sich plötzlich überall ein Mentalitätswandel hinsichtlich der Atompolitik vollzieht, ist doch unwahrscheinlich. Das “Umdenken”, bspw. in Frankreich spüren nur die deutschen Medien – und selbst das ist nur eine Momentaufnahme. Fragen Sie in zehn Jahren noch einmal in der Welt umher, wie sie zur Atomenergie steht, schauen Sie sich die Zahl der Atomkraftwerke an: Deutschland wird das einzige Land sein, das ausgestiegen ist.

Dem blinden Aktionismus der Bundesregierung entspricht die alarmistische Hysterie in den Medien. Und den Blogs.

MfG

106) Recht Unbedeutend, Dienstag, 15. März 2011, 00:37 Uhr

Das mit dem Wasser als Moderator beschäftigt mich auch. Hat man mir bei der Besichtigung eines AKWs auch erklärt. Alle haben damals unseren ’68er-Lehrer belächelt, der als einziger die Sicherheitserklärungen nicht im geringsten akzeptierte. Mathematiker war der Mann, und Vertrauenslehrer der Schule.

Aber es wird nirgends darüber gesprochen. Man kann auch keinen Fragen. Es kommt nicht in den Dauernachrichten. Gar nichts. Die vermeintlichen “Informationen” sind ein kleiner kreisförmiger Tanzreigen.
Wir wissen nicht was passiert, wir wissen nicht wo überall, wir wissen nicht genau warum, wir wissen seit wann, aber nicht wie lange. Wir wissen nichts, wir erfahren nichts, und die von mir für ihre würdevolle Gelassenheit bei vollem Bewußtsein des Unglücks bewunderten japanischen Menschen habe eine Regierungsspitze, die Gesicht oder Geschicht’ wahren möchte, und die klare Prioritäten setzt: nichts zugeben, es geht niemanden was an. Kann man so verkommen sein, als Politiker ein Millionen Jahre altes Land unbewohnbar zu machen und dabei an seine Wiederwahl zu denken?
Oder daran, wie andere einen sehen?
Ist die japanische Psychologie also stärker als die japanische Radioaktivität? Daß der amerikanische Flugzeugträger wieder abdreht, weil er ansch. in eine radioaktive Wolke kam, ist das jetzt ein Zeichen?
Soll es den Kram nicht besser abregnen? Wie wäre es mit Wasser drübersprühen? Sind 200 qkm atomares Sperrgebiet für 100 Jahre nicht besser als ein strahlendes Tokio?
Wenn 2 Tage Bahnstreik in Deutschland eine Wirtschaftskrise sind, was ist dann Stillstand in Japan?
Wie wäre es, wenn man mal die richtigen Leute die richtigen Dinge fragt, statt einer medialen Selbstbefragung ersten Ranges? Mir ist jeder mißmutige “Atomexperte” mit Uralt-Pferdeschwanz lieber als der Pressesprecher des Pressesprechers oder der Korrespondent des Partnersenders.

Paßt das überhaupt hier hin? Mit dem Verschwörungstheoretiker oben hält es noch mit. Hoffe ich. Vielleicht hat jemand eine Antwort? Auch die Erklärung, warum meine Fragen falsch sind, würde mir schon helfen…

107) le karl, Donnerstag, 17. März 2011, 00:41 Uhr

Für einen Konservativen, der mit den Wölfen geheult hat, ein erstaunlich kritischer Text. Kein Amt inne zu haben, scheint befreiend auf das laute Denken zu wirken. Denn in der Tat: Wenn nicht jetzt, wann dann?

108) Markus, Donnerstag, 17. März 2011, 09:56 Uhr

Es kommt nicht darauf an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines solchen Unfalls in Deutschland (oder Europa) ist. Die mag verschwindend gering sein.
Es kommt darauf an, die Folgen zu betrachten, wenn einmal doch etwas schiefgehen sollte. Und die sind katastrophal, sodaß es unter allen Umständen vermieden werden muß, solch ein Risiko einzugehen. Das heißt: Abschalten der AKW, was nicht unmöglich ist. Die Forschung sollte sich darauf konzentrieren, großtechnische Energiespeicher zu entwickeln, damit Wind- und Solarstrom über längere Zeit gespeichert werden können.

109) Markus, Donnerstag, 17. März 2011, 10:18 Uhr

Ich nochmal.
Wenn hier die geringen Kosten der Atomkraft angeführt werden, die Deutschland bezüglich Industrienation konkurrenzfähig halten, sollte man nicht die Subventionen vergessen, die alle Steuerzahler schon zahlen: Endlagerung (die es noch nicht gibt), Transporte, Versicherungen, etc.
Es gäbe eine ganz einfache Methode, alle AKW schlagartig stillzulegen: Privatisierung. Es würde sich kein Investor finden, der zu gegenwärtig gezahlten Strompreisen die gesamte Produktionskette kaufen würde.

110) Niclas E, Samstag, 19. März 2011, 20:18 Uhr

Zuerst einmal bin ich der Meinung, dass wir es den japanischen Bürgern, die von der Katastrophe betroffen sind, Solidarität schuldig sind und ich gehe soweit zu sagen, dass wir jetzt in der Pflicht sind, die richtigen Konsequenzen aus deren Schicksal zu ziehen.
War Tschernobyl nicht schlimm genug? Ist es zu lange her? Sind die Katastrophen vielleicht zu weit von uns weg passiert? Warum muss erst etwas passieren, dass Frau Merkel anfängt davon zu sprechen, dass sie in der Debatte um die Laufzeitverlängerung in der Verantwortung steht, für die Sicherheit der deutschen Bürger zu sorgen?
Meiner Meinung nach ist die Geschichte der Atomkraft in Deutschland ein Skandal, was da alles versucht wurde, zu vertuschen geht auf keine Kuhhaut.
Den Grünen wird angelastet, sie stellten sich jetzt so hin, als ob sie es schon immer wüssten und keine neuen Erkenntnisse ziehen müssten. Haben sie es nicht auch immer gewusst?

Sicherlich können wir momentan nicht ohne Kernenergie, das liegt aber meine ich an zwei ganz entscheidenden Gründen:
1. Ich bin NICHT der Ansicht, dass das ganze Potential der erneuerbaren Energien ausgeschöpft ist und dass genug für den Ausbau von Offshore-Parks etc. getan wird.
2. Dies alles ist ein Versäumnis der Vergangenheit.

Ich für meinen Teil hatte vom ersten Tag kein Vertrauen zu dieser Regierung, so leid es mir tut, ich würde gerne etwas anderes behaupten, nur ich komme mir von dieser schwarz-gelben Regierung an der Nase herumgeführt vor. Das ist noch schön ausgedrückt, wie ich finde!

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