Sonntag, 13. März 2011, 09:39 Uhr

Die So-zu-tun-Politik

Die Atomkatastrophe von Japan wird die Welt verändern, auch die kleine deutsche Welt. Sie ist eine Erschütterung des kollektiven Weltbewusstseins. Es wird künftig eine Zeit vor Fukushima geben und eine Zeit danach.

Der Super-GAU in Japan wird auch zum GAU für die deutsche Atompolitik werden und die politischen Kräfte, die sie tragen. Das hat auch die Kanzlerin gemerkt. Deshalb der rasche „Krisengipfel“ im Kanzleramt. Ihr geht es jetzt darum, den Menschen das Gefühl zu geben, dass die Politik senbsibel und schnell reagiert und handelt. Betonung auf  „das Gefühl zu geben“. Jetzt ist wieder die hohe Zeit der So-zu-tun-Politik: so zu tun, als würde man etwas tun.

Dahinter steckt die Angst vor den Wählern, deren Ängsten, deren Emotionen. Erst einmal Ruhe reinbringen, irgendwie über die Landtagswahlen kommen, Zeit gewinnen. Das wird aber nicht gelingen. Die japanische Atomkatastrophe wird ihre Schockwellen noch jahrelang auch in die deutsche Politik senden. Und da ist es lächerlich, so tun, als würde man etwas tun.

Wie hilflos die deutsche Bundesregierung mit ihrem Atomverlängerungskurs ist, zeigten die Reaktionen Merkels und von Umweltminister Nobert Röttgen. Merkel sagte: „An einem solchen Tag darf man nicht einfach sagen, unsere Kernkraftwerke sind sicher“, um dann aber genau das zu sagen. „Sie sind sicher“. Das mag technisch sogar so sein, in den Augen der verängstigten Menschen aber ist kein Kernkraftwerk mehr sicher.

Und wer das hilflose, gefühlt 30 Minuten dauernde Gestammel von Röttgen im ZDF-Interview mit Marietta Slomka hörte, der bekommt noch mehr Angst. Und der sieht die Angst in den Augen der CDU: ihre Wählerstimmen sind nicht mehr sicher. Deshalb die
So-zu-tun-Politik.

Jetzt rächt sich, dass im vergangenen Jahr nicht wenigstens die Abschaltung der ältesten Kernkraftwerke beschlossen wurde, dass mit der Energieindustrie Geheimverträge ausgemauschelt wurden, dass die Energieindustrie und Schwarz-Gelb glaubten, der Widerstand gegen ihre Atompolitik werde nur von den üblichen Verdächtigen getragen. Jetzt auf jeden Fall sind es nicht mehr nur die üblichen Verdächtigen, sondern wahrscheinlich die gesamte Bevölkerung.

Der Hauptfehler von Schwarz-Gelb aber war, dass die Atompolitik der Bundesregierung den Eindruck vermittelte, nicht die erneuerbaren Energien seien das Ziel der sogenannten  „Brückentechnologie“ Kernkraft, sondern die Brücke selbst.

Wo blieb im vergangenen Jahr der große Aufbruch zu den erneuerbaren Energien, die große Vision, die sofort tatkräftig angepackt wurde? Nein, Industrie und Bundesregierung lehnten sich erst einmal erschöpft zurück („Geschafft!“), statt sofort mit dem Jahrhundertprogramm für erneuerbare Energien zu beginnen. Das musste einfach den Eindruck verfestigen, dass die Brücke selbst das Ziel war und nicht das neue Energiezeitalter ohne Atommeiler.

Von diesen Versäumnissen wird die schwarz-gelbe Koalition jetzt eingeholt. Sie hat ihre energiepolitische Glaubwürdigkeit verloren. Wer soll solcher Politik noch Vertrauen entgegenbringen? Und die So-zu-tun-Politik wird die letzten Reste von Vertrauen zerstören. Wie sich das bei den Landtagswahlen auswirkt, ist fast schon nebensächlich. Es geht um eine Zeitenwende, nicht um das Schicksal des Hardcore-Atompolitikers Stefan Mappus.

Norbert Röttgen sagte auch, jetzt sei nicht die Zeit für eine Grundsatzdebatte. Wenn nicht jetzt, wann dann?

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110 Kommentare

1) o.k. und was dann?, Montag, 14. März 2011, 16:10 Uhr

Warum der Run auf Erneuerbare ausblieb? Ganz einfach, weil Placebos nun einmal eine Industrienation nicht zuverlässig mit Strom versorgen können.
Klar ist aus meiner Sicht: das Ende der Kerkraft in Deutschland jetzt besiegelt. Aber nun muss die Regierung ihre vermeintlich beste Milchkuh schlachten: den so genannten Klimaschutz. Statt KKWs kann es nur neue Kohle- und/oder Gaskraftwerke geben. Im Winter mit Hochdruckwetterlage können Sie Wind und Solar vergessen. Und nein, Norwegen wird uns auch nicht versorgen können und wollen. Desertec ist ja ein ähnliches Hirngespinst. Wenn die KKWs in Deutschland in 10 Jahren alle aus sein sollen, gibt es nur eines: den sofortigen Neubau von Kohle- und Gaskraftwerken. Da diese auch nahe dem Verbraucher gebaut werdne können, entfällt der teure und langwierige Netzausbau. Mit anderen Worten, wer A sagt (KKWs aus) muss auch B sagen (Kohle und Gas dafür her).
Letztlich hat das Drama in Japan eines bewiesen: es gibt eine Macht, vor der wir uns nicht schützen können: die Natur. Wir können aber sehr wohl den Folgen begegnen. Und daher Schluss mit dem unsinnigen und teuren Klimaschutz. Ein Wunschklima werden wir uns nicht basteln können – mit den jeweiligen klimatischen Bedingungen fertig zu werden, ist eine deutlich überschaubare Aufgabe. Denn schließlich mehren sich auch die Anzeichen, dass es statt einer Erwärmung in den nächsten Jahren eher kälter wird. Im übrigen reichen die bekannten Gas- udn Kohlevorräte gute 200 Jahre. Wir haqben dann also genug Zeit, was besseres zu finden. Die Technologie des Mittelalters brauchen wir jedenfalls nicht.
Aber ohnehin finde ich: jetzt sollten wir erst einmal alles tun, um den Japanern zu helfen. Und dann ist immer noch Zeit für die Energieentscheidungen bei uns.

2) Günter, Montag, 14. März 2011, 16:31 Uhr

Größer als ein Gau in einem unserer AKW ist das Risiko, daß in den Chefetagen der Regierung, der Wirtschaft und der AKW-Betreiber in den Sesseln sitzt.
Das sollten wir erkennen und danach handeln.

3) Günter, Montag, 14. März 2011, 17:01 Uhr

Ich melde mich noch einmal und zwar möchte ich zum Beitrag von „Politikverdruß“, weiter oben, doch noch meine Meinung sagen.
Wie kann man Leuten, die hier noch einmal ihre Bedenken gegen die Atomnutzung zum Ausdruck bringen, vorhalten, sie würden nicht an die vielen Opfer in Japan denken?
Gerade diese Leute, die auf die Gefahren der Atomnutzung hinweisen und die sofortige Abschaltung der AKW fordern stellen sich schützend vor die gefährdeten Menschen und nicht dahinter, wie sie es mit Ihrem Beitrag getan haben.
Schuld an dem Debakel mit der Atomnutzung und deren Opfer sind die Leute, die sich goldene Nasen an der Atomindustrie gehohlt haben. Deren Gewinne sollten eingezogen und zur Beseitigung der enstandenen Schädengenutzt werden.

4) Michael A. Nueckel, Montag, 14. März 2011, 17:01 Uhr

@ piwi

… weil Sie sich -sorry (!)- irren, siehe §§ 13, 14 und §§ 25 ff. AtomG, s. http://www.gesetze-im-internet.de/atg/__13.html. u.a.

Ob die Deckungsvorsorge ausreicht, ??? Die (Durchgriffs-) Haftung kennt aber keine Deckungsgrenze. Der GAU wäre höchstwahrscheinlich der wirtschaftliche Ruin des Betreibers, z.B. RWE AG oder andere.

5) Ste, Montag, 14. März 2011, 17:43 Uhr

So, jetzt hat schwarz-gelb aber sowas von die Schlüpper voll, das sie vorsichtshalber so tun als würde ihnen der Atomausstieg auch wirklcih am Herzen liegen und der Begriff Brückentechnologie nicht irgendein Firlefanz bedeuten. Und der dumme Wähler glaubt das wahrscheinlcih noch und wählt die.

6) StefanP, Montag, 14. März 2011, 17:47 Uhr

@Günter

Leider kommt mir Ihr Beitrag reichlich verwirrt herüber:

„Wie kann man Leuten, die hier noch einmal ihre Bedenken gegen die Atomnutzung zum Ausdruck bringen, vorhalten, sie würden nicht an die vielen Opfer in Japan denken?“

Weil eine Abschaltung hier den Opfern in Japan, die im wesentlichen durch ein Erdbeben der Stärke 9 und einem anschließenden Tsunami umgekommen sind, nichts hilft. Zudem: die Bedenken gegen die Atomnutzung sind nun wahrlich oft und häufig genug vorgebracht worden. Gab es da wirklich je einen Mangel? Jeder weiß, dass Atomenergie gefährlich ist. Das gilt für den Straßenverkehr genauso wie für die Quecksilbererzeugung für politisch korrekte Glühlampen. Spielt es wirklich eine Rolle, was am Ende die Todesursache ist?

„Gerade diese Leute, die auf die Gefahren der Atomnutzung hinweisen und die sofortige Abschaltung der AKW fordern stellen sich schützend vor die gefährdeten Menschen (..)“

Das tun sie gerade nicht, siehe oben. Bitte fordern Sie ein Tempolimit von 8 km/h, so verhindern sie 6.000 Verkehrsopfer pro Jahr allein in Deutschland. Dann weiß ich, dass es Ihnen nicht um Interessenpolitik, sondern tatsächlich um den Schutz von Leben geht.

„Schuld an dem Debakel mit der Atomnutzung und deren Opfer sind die Leute, die sich goldene Nasen an der Atomindustrie gehohlt haben.“

Was ist mit jenen, die sich bisher eine goldene Nase an den Solar, Windenergie und Biomasse verdient haben?

Das Leben besteht aus Risiken. Bei dem einen Bereich auf die Risiken hinzuweisen und auf der Basis deren Abschaffung zu fordern, während man gleichzeitig die Risiken von Alternativen ausblendet, ist nicht seriös. Ehrlich wäre, dem anderen zuzugestehen, dass es immer um eine Abwägung von Risiken und Möglichkeiten geht. Das tun die Kernenergiegegner nicht, deshalb ist es so schwer mit ihnen zu diskutieren.

7) Alut, Montag, 14. März 2011, 17:48 Uhr

Volltreffer Herr Spreng, es gibt nichts hinzuzufügen!

8) Werner W., Montag, 14. März 2011, 18:05 Uhr

Schön zu lesen „Jetzt herrschen die Emotionen. Nur leider nicht die guten: Egoismus, Feigheit und das Ausschlachten des Leides anderer, um politisch davon zu profitieren, ist das Letzte. Es ist nicht nur bloß amoralisch, es ist völlig antimoralisch.“

War da die Debatte um Hartz IV Erhöhungen gemeint die man damit „untermauerte“ dass Hartz IV Empfänger ja per se nur saufend und rauchend vor ihren Flachbildschirmen sitzen um Trash-TV zu sehen?

Oder habe ich Frau Merkel da falsch verstanden als sie im Wahlkampf (!!!!) unlängst dagegen war dass sich „Hartz IV Empfänger mittels Hartz IV und Schwarzarbeit“ das Leben einrichten? Nein ?

Da darf man sich nicht wundern wenn andere eben genau jenen Zynismus ganz ganz schnell lernen.

9) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 18:13 Uhr

Das nächste Kapitel in der „Die-so-zu-tun- Politik”.

Pressekonferenz der Kanzlerin inkl. ihres Vizes.
Es beginnt mit Worthülsen wie
„Es gab durch die GAUs in Japan einen Einschnitt“ -Aha! Sensationelle Feststellung. Das FDP-Homburger mit ihrer Meinung die planetare Umlaufbahn verlassen hatte, musss man nicht extra erwähnen.
und dann:
„Im Prinzip möchte man aber gerne an der Atompolitik festhalten. “ Macht merkel uns jetzt die Homburger? Nein, nicht ganz.

“Es müssen Prüfkriterien aufgestellt werden.“ Aha! Mit wem wohl? Kommt ihr nie drauf!

Na mit der selben Atom-Lobby gemeinsam, denen man per Laufzeitverlängerung frei Haus Milliardenzusatzeinnahmen schenkte. Die sind besser geeignet als unabhängige Experten. Ja, richtig gelesen, man will sich mit den Böcken, die man zuvor schon zum Gärtner machte bei der Verlängerung, erneut an einen Tisch setzen und neue gemeinsam die Kriterien aufstellen. Ich ahne es schon: Der Vorgarten inkl. Bepflanzung ist ab sofort für euch Böcke tabu!“ Oder wie darf ich mir das vorstellen?

Hat Merkel & co. noch immer nicht verstanden dass diejenigen, die von der Laufzeitverlängerung profitieren, wohl kaum geeignet sind sich aktiv an der Vernichtung des Shareholder Values ihrer Anleger zu engagieren? Und Mappus hat höchstselbst dafür gesorgt mit zu den Shareholdern zu gehören das Cleverle. Die Lobbyisten klatschen sich auch weiterhin auf die Schenkel vor Freude über die Risikoverteilung. Sie sahnen ab, das Risiko für die Uraltkraftwerke liegt auch zukünftig nicht bei ihnen sondern beim dämlichen Steuerzahler liegt. Da freut sich doch der Aktionär!

Für solche Sätze wie den folgenden beruft diese Regierung allen ernstes Bundespressekonferenzen ein?
„Das spannende an dem Moratorium ist, dass man seinen Ausgang nicht in allen Facetten voraussagen kann. es ist aber auch nicht eingeführt um alles so zu lassen wie es ist.“

„Es gibt in Deutschland keine Tsunamis“ fiel außerdem.

Ich ergänze einfach mal:
Das praktische am Moratorium hingegen ist, dass es ganze 3 Monate dauert in denen diese Regierung dem Wahlvolk stillhalten aufoktruiert. Prima, da man ja in alle Richtungen offen ist (man könnte auch sagen nicht ganz dicht), geht man dann wohl zur Sommerpause des Bundestages mit minimalen und für die Atomlobby schmerzfreien Änderungen in die Sommerpause. Versprechen nicht alles so zu lassen wie es ist erfüllt. Gab ja ein paar Änderungen.

Dumm wer sich das bieten lässt.

Etwas gutes hatte die Pressekonferenz dann aber doch. Der durchschaubare Versuch mit dem Atom-GAU auf Wahlfang zu gehen wie das Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) in der Bild heute Vormittag probiert hat, siehe:

“Gönner: Abschaltung noch vor der Wahl möglich
MONTAG, 14. MÄRZ 2011, 11:58 UHR

Berlin/Stuttgart (dpa/lsw) – Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) hält eine Abschaltung von Atomkraftwerken in Baden-Württemberg bereits vor der Landtagswahl am 27. März für möglich. «Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist, wird es auch eine Abschaltung geben», sagte Gönner am Montag im Deutschlandfunk. Ab diesem Montag prüften Inspekteure die Anlagen in Baden-Württemberg. Eine unabhängige Expertenkommission prüfe zudem, «wo kann man das, was in Japan passiert ist, dann auch auf Baden-Württemberg anwenden». Die Politik sei nun offen und bereit, über die Einschätzung der Experten zu diskutieren.”

http://www.bild.de/BILD/regional/stuttgart/dpa/2011/03/14/goenner-abschaltung-noch-vor-der-wahl-moeglich.html

Frau Merkel hat klargemacht dass es
a) nicht so eilig ist
b) Statt mit Experten mit den Lobbyisten und Betreibern die neuen Prüfmechanismen diskutiert werden soll.

Erfreulich dass inzwischen Japan soweit ist tatsächlich die IAEA Unterstützung anzufordern von der man gestern noch großzügig nichts wissen wollte. Zeit wurde es, auch wenn das die Probleme nicht kleiner werden lässt und zudem Zeit verloren ging.

+++ Japan bittet Internationale Atombehörde um Hilfe +++

[17.37 Uhr] Japan hat die Internationale Atomenergiebehörde IAEA wegen der Unfälle in mehreren Kernkraftwerken um Hilfe gebeten.“
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750817,00.html

10) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 18:27 Uhr

Ich kann mir das grinsen nicht verkneifen, CSU überholt die CDU – auf einmal wollen sich alle beim Abschalten überbieten von der ewiggestrigen Frau Homburger abgesehen….

Traurig dabei dass nicht Politikerverstand zu diesen Überlegungen führt (sonst hätte es niemals eine Laufzeitverlängerung geben dürfen), sondern die nackte Panik vor einem Wahldesaster den Anlass für die Notbremse liefert. Mal schauen ob der Wähler das durchschaubare Spielchen und den jämmerlichen Versuch sich an die Spitze einer bewegung zu setzen, zumindest so zu tun als ob – nicht durchschaut. Glaubwürdigkeit der Politik auf einem neuen Tiefpunkt.

+++ Neckarwestheim I muss vom Netz +++

[17.49Uhr] Das seit rund 35 Jahren laufende Atomkraftwerk Neckarwestheim I in Baden-Württemberg muss nach Bekanntgabe des Atom-Moratoriums der Regierung vom Netz genommen werden.

Das Land Baden-Württemberg ist Großaktionär beim Versorger EnBW, der nahe Heilbronn das AKW Neckarwestheim betreibt. Der 1976 in Betrieb gegangenen Atomkraftwerksblock Neckarwestheim I hat von der jüngsten Verlängerung der AKW-Laufzeiten der Atomkraftwerke im vergangenen Jahr profitiert

+ Söder will AKW Isar I abschalten +++

[18.02 Uhr] Umweltminister Markus Söder (CSU) will das umstrittene Kernkraftwerk Isar I abschalten.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750817,00.html

11) romeias47, Montag, 14. März 2011, 18:30 Uhr

Für mich ist außerhalb der Umwelt- und Menschenverträglichkeit – jede Technologie fragwürdig, die Mono- oder Oligopole als Struktur erfordert bzw. fördert – das gilt ganz besonders für die Atomenergie. Das führt nämlich in der Regel zur Kumpanei zwischen Wirtschaft und Politik mit den entsprechenden Info-Nebel-Schwaden. So blauäugig, dass man BK Merkel samt Crew das Manöver (Aussetzen bis nach den Wahlen) abnimmt, kann man eigentlich selbst bei einschlägiger Neigung nicht sein.

Ein anderer Gesichtspunkt bei der Kernenergie ist die noch immer nicht geregelte Entsorgung. Das ist auch ein Aspekt, der nach dem schweren Erdbeben in Japan zu weiteren Horror-Nachrichten führen konnte. (Wo wird Atommüll dort gelagert und wie erdbebensicher?)

In der Betriebswirtschaft gilt der Grundsatz, dass die wirtschaftliche Belastung durch eine Investition zeitlich nicht über deren einträgliche Nutzung hinausreichen sollte. Wenn man aber alles erfasst – also Planungs- und Bauzeit, sowie Auslaufzeit nach der Abschaltung von Meilern sowie die Endlagerung (Entsorgung ist ja wohl das falsche Wort), dann ist das ein grober Widerspruch zu dieser Regel. Und es sind doch wohl in erster Linie wirtschaftliche Interessen, die an der Kernenergie festhalten lassen. Schon beim Bergbau gibt es Ewigkeitslasten – ganz abgesehen davon, dass viele Kumpels elend an Staublunge krepiert sind. Bei Kernenergie sind die Risiken noch größer. 40 Jahre nach Einführung des PC haben wir Murphys Gesetz immer noch nicht intus: Was schief gehen kann, geht schief – früher oder später..

Ich wünsche mir, dass

+ dass die Betriebswirtschaftliche Regel auf Umweltbelange übertragen wird (Technologie ohne Spätfolgen).
+ dass lokalen bzw. regiionalen Energieversorungslösungen sowie Insellösungen der Vorrang gegeben wird. Im einen oder anderen Fall könnte man vorhandenen Schmotz investieren, statt ihn ins Fitnessstudio zu tragen.
+ Überwindung von Kabel- bzw. Akku-Fetischismus beim Verbraucher bzw. Verpflichtung der Industrie zur klaren Benennung der Energieversorgung (warum fehlen immer die Kabel auf den Produktfotos? Proprietärer oder Standard-Akku?)
+ Förderung von Verbraucher-Demokratie (z.B. durch ein Ideen-Portal zu Produkt-Angebot und –Vertrieb).

Für die konkrete Situation nach und in der Mehrfach-Katastrophe hätte ich mir gewünscht, dass die Grünen und die SPD drei Tage lang still gehalten hätten. Man bemüht sich zwar um einen wahlkampf-armen Ton – Künast mehr als Gabriel, aber einfach mal ein Mikro zu verweigern hätte sympathisch gewirkt. CDU/CSU und FDP kommen am Canossagang sowie so nicht vorbei. Diie Fossilmeiler hätte man schon am Freitag abschalten sollen….

.

12) Doktor Hong, Montag, 14. März 2011, 18:39 Uhr

Westerwelle erwähnt, dass der Ausfall von Kühlkreisläufen der wichtigste Sicherheitsaspekt ist, den man auch hierzulande untersuchen muss?

Donnerwetter, jetzt hat er mich überrascht. Ausnahmsweise mal positiv.

13) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 18:49 Uhr

Der Spiegel kippt -nicht zu Unrecht wie ich finde- eine großen Kübel Häme aus.:

Merkels Störfall

Merkel, die Ungefähre, wird sie betitelt:

Merkel, die Ungefähre, hatte im Herbst vergangenen Jahres einmal klare Kante gezeigt, und das ausgerechnet in der Frage der Atompolitik. Sie wollte sich abheben vom anderen politischen Lager, wollte polarisieren, kündigte den Atomkompromiss von Rot-Grün auf und verlängerte die Laufzeit der Kernkraftwerke in Deutschland um zwölf Jahre. Schon damals konnte man darauf kommen, dass diese Entscheidung eine schwere Fehlentscheidung war, dass die Verlängerung der Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke ihre eigene Restlaufzeit als Kanzlerin verringern könnte.

Ein kapitaler Fehler. Jetzt hat Merkel versucht, diesen Fehler rückgängig zu machen.

die nächste Dusche des Spiegels:

„verhuschte Merkel kam schon bei der ersten Nachfrage wie seinerzeit Günter Schabowski in der berühmten Maueröffnungs-Pressekonferenz ins Schwimmen: Sie stammelte so verdattert wie damals der SED-Funktionär auf die Frage, was das Moratorium denn konkret für die Kraftwerke bedeute, die nach alter Regelung schon überfällig sind…“

dann
„Auf einmal könnten sogar Kraftwerke sofort abgeschaltet werden: Meines Wissen, äh, gilt das ab sofort, sagte damals Schabowski – und Merkel am Montag kaum anders.“

und weiter
„Hätten Merkel und Westwelle am Montag im Kanzleramt nicht auf den Not-Aus-Schalter gedrückt, dann wären Erdrutsch-Niederlagen an den kommenden beiden Wochenenden für die schwarz-gelbe Koalition die Folge gewesen. Aber auch nach ihrer Kehrtwende ist diese Gefahr nicht gebannt“

drum lasset uns statt zu beten festhalten:
„Die amtierende Bundesregierung aber, die amtierende Kanzlerin hat noch wenige Wochen vor Fukushima der zivilen Nutzung der Kernenergie in Form der Verlängerung eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt.

Aller Aktionismus vor den Landtagswahlen wird das nicht vergessen machen. Sie hat den Stempel auf der Stirn. Merkel ist die Atomkanzlerin, und Mappus ihr oberster Atomlobbyist.“

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,750903,00.html

Und wenn der Spiegel seine Hausaufgaben ordentlich machen würde, hätte er die Aufstellung wie viel an Geld welcher der Parteien für die Verlängerungsentscheidung in die Kasse gespült wurden noch on Top geliefert. Aber vielleicht wird das ja auch ein eigener Artikel.

Auf dass der Wähler die Glanzleistung dieser Politiker honoriert, die bis vor einer Woche noch der Atomenergie das Unbedenklichkeitssiegel in Form der Laufzeitverlängerung frei Haus geliefert hatten.
Merkel die Atomkanzlerin, der kleine Mappus ihr Cheflobbyist.
Und tschüss!

14) Peter Christian Nowak, Montag, 14. März 2011, 18:55 Uhr

@Thomas

°°Wenn morgen ein Asteroid die Erde trifft und wir fest stellen, dass kaum noch etwas funktioniert und es eine Menge Explosionen und Zunamis gibt dann kehren wir doch deswegen nicht zu Lagerfeuer und Pfeil und Bogen zurück.°°

Und ob!!. Wenn ein Asteroid in der Größenordnung eines kleinen Berges von ein paar hundert Metern Durchmesser einschlägt, wohin auch immer, dann ist es aus mit Latte macchiato und Bohemien und Machbarkeitsgläubigkeit. Dann bleibt Ihnen nur noch das Gebet um einen guten Tod.

15) Peter Christian Nowak, Montag, 14. März 2011, 19:09 Uhr

@Jeeves
^^Weder heißt der Filmtitel so, noch ist er von Wim Wenders^^

Naj ja, Singular oder Plural…ist doch nachzusehen.

16) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 20:19 Uhr

Schon gewusst? Mit den so genannten Expertenmeinungen in Punkto Sicherheit von Kernkraftwerken darf man sich getrost den Hintern abwischen!

Was von den ganzen Aussagen über die Sicherheit von Atomtechnologie zu halten ist, zeigt sich sehr schön in diesem Wikipediaartikel.
http://de.wikipedia.org/wiki/RBMK#Verwendung_in_der_UdSSR
Ich zitiere mal:
Auch die deutsche Fachzeitschrift Atomwirtschaft schrieb im Dezember 1983: „Die Verlässlichkeit von Tschernobyl ist sehr hoch“.
Oh und einen habe ich noch. Vom September 2010. Deutschland. „Sicherheitsstandards sollen gesenkt werden“.
http://www.fr-online.de/politik/sicherheitsstandards-sollen-gesenkt-werden/-/1472596/4630214/-/index.html
Angeblich plant die Koalition eine deutliche Absenkung des Sicherheitsniveaus für Atomkraftwerke. Nachrüstungen würden aufgeschoben, das Klagerecht für Bürger eingeschränkt. Das Umweltministerium dementiert.
Wozu auch Sicherheitsmaßnahmen, unsere Kraftwerke sind schließlich per Definition sicher. Sonst hätte die Merkel sie ja abgeschaltet, um nicht ihren Amtseid zu verletzten!*

einmal mehr das blog von fefe
http://blog.fefe.de/

17) sk8erBLN, Montag, 14. März 2011, 20:20 Uhr

Japan: Kachelmann twittert Atom-Wetter
http://twitter.com/J_Kachelmann

Was auch immer aus den AKWs rauskommt, wir werden morgen mehr erfahren. In etwa 12 Stunden dreht der Wind auf NE.
http://twitpic.com/4960el

http://www.kachelmannwetter.de/japan/japan.html

. In seinen Tweets erkennt man, dass Kachelmann nicht auf Publicity aus ist, sondern für seinen Beruf brennt. Er hat die relevanten Quellen im Blick und kommt zu dem Schluss, dass die japanische Regierung offenbar gezielt zensieren würde.

„Man muss es den Japanern lassen, es wird an sehr vielen Orten Strahlung gemessen: http://bit.ly/fi0bYK Die Werte sind nur alle geheim.“

So seien die Strahlenwerte rund um das gefährdete Atomkraftwerk Fukushima noch “under survey”. Kachelmann schließt daraus: “‘Under survey’ heißt wohl in diesem Fall: Die Daten sind so, dass wir sie euch nicht zeigen, weil wir nichts mit Eurer Panik anfangen können.” Seine Meinung: Die Regierung zensiert gezielt. Dabei bezieht er sich auf die Daten des Nuclear Safety Technology Centers in Japan.
Environmental radioactivity and radiation information -Realtime radiation data collected via the System for Prediction of Environment Emergency Dose Information(SPEEDI)

In Englisch:
http://www.bousai.ne.jp/eng/

18) xxx, Montag, 14. März 2011, 22:31 Uhr

Herr Spreng,

die deutsche Welt ist, wie es mir scheint genauso, wie sie letztes Jahr wahr, wie sie vor zehn Jahren war und wie sie vor dreißig Jahren war: die Deutschen haben Angst vor Atomkraftwerken und sind deswegen zu dem (wahrscheinlich) größten Teil dagegen. Und Deutschland wird mittelfristig aus der Atomenergie aussteigen. Daran hat auch der Tsunami nichts geändert, er hat vielleicht (!) den Ausstieg beschleunigt – das würde ich aber nicht als „Welt verändern“ beschreiben.

Dass sich plötzlich überall ein Mentalitätswandel hinsichtlich der Atompolitik vollzieht, ist doch unwahrscheinlich. Das „Umdenken“, bspw. in Frankreich spüren nur die deutschen Medien – und selbst das ist nur eine Momentaufnahme. Fragen Sie in zehn Jahren noch einmal in der Welt umher, wie sie zur Atomenergie steht, schauen Sie sich die Zahl der Atomkraftwerke an: Deutschland wird das einzige Land sein, das ausgestiegen ist.

Dem blinden Aktionismus der Bundesregierung entspricht die alarmistische Hysterie in den Medien. Und den Blogs.

MfG

19) Recht Unbedeutend, Dienstag, 15. März 2011, 00:37 Uhr

Das mit dem Wasser als Moderator beschäftigt mich auch. Hat man mir bei der Besichtigung eines AKWs auch erklärt. Alle haben damals unseren ’68er-Lehrer belächelt, der als einziger die Sicherheitserklärungen nicht im geringsten akzeptierte. Mathematiker war der Mann, und Vertrauenslehrer der Schule.

Aber es wird nirgends darüber gesprochen. Man kann auch keinen Fragen. Es kommt nicht in den Dauernachrichten. Gar nichts. Die vermeintlichen „Informationen“ sind ein kleiner kreisförmiger Tanzreigen.
Wir wissen nicht was passiert, wir wissen nicht wo überall, wir wissen nicht genau warum, wir wissen seit wann, aber nicht wie lange. Wir wissen nichts, wir erfahren nichts, und die von mir für ihre würdevolle Gelassenheit bei vollem Bewußtsein des Unglücks bewunderten japanischen Menschen habe eine Regierungsspitze, die Gesicht oder Geschicht‘ wahren möchte, und die klare Prioritäten setzt: nichts zugeben, es geht niemanden was an. Kann man so verkommen sein, als Politiker ein Millionen Jahre altes Land unbewohnbar zu machen und dabei an seine Wiederwahl zu denken?
Oder daran, wie andere einen sehen?
Ist die japanische Psychologie also stärker als die japanische Radioaktivität? Daß der amerikanische Flugzeugträger wieder abdreht, weil er ansch. in eine radioaktive Wolke kam, ist das jetzt ein Zeichen?
Soll es den Kram nicht besser abregnen? Wie wäre es mit Wasser drübersprühen? Sind 200 qkm atomares Sperrgebiet für 100 Jahre nicht besser als ein strahlendes Tokio?
Wenn 2 Tage Bahnstreik in Deutschland eine Wirtschaftskrise sind, was ist dann Stillstand in Japan?
Wie wäre es, wenn man mal die richtigen Leute die richtigen Dinge fragt, statt einer medialen Selbstbefragung ersten Ranges? Mir ist jeder mißmutige „Atomexperte“ mit Uralt-Pferdeschwanz lieber als der Pressesprecher des Pressesprechers oder der Korrespondent des Partnersenders.

Paßt das überhaupt hier hin? Mit dem Verschwörungstheoretiker oben hält es noch mit. Hoffe ich. Vielleicht hat jemand eine Antwort? Auch die Erklärung, warum meine Fragen falsch sind, würde mir schon helfen…

20) le karl, Donnerstag, 17. März 2011, 00:41 Uhr

Für einen Konservativen, der mit den Wölfen geheult hat, ein erstaunlich kritischer Text. Kein Amt inne zu haben, scheint befreiend auf das laute Denken zu wirken. Denn in der Tat: Wenn nicht jetzt, wann dann?

21) Markus, Donnerstag, 17. März 2011, 09:56 Uhr

Es kommt nicht darauf an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines solchen Unfalls in Deutschland (oder Europa) ist. Die mag verschwindend gering sein.
Es kommt darauf an, die Folgen zu betrachten, wenn einmal doch etwas schiefgehen sollte. Und die sind katastrophal, sodaß es unter allen Umständen vermieden werden muß, solch ein Risiko einzugehen. Das heißt: Abschalten der AKW, was nicht unmöglich ist. Die Forschung sollte sich darauf konzentrieren, großtechnische Energiespeicher zu entwickeln, damit Wind- und Solarstrom über längere Zeit gespeichert werden können.

22) Markus, Donnerstag, 17. März 2011, 10:18 Uhr

Ich nochmal.
Wenn hier die geringen Kosten der Atomkraft angeführt werden, die Deutschland bezüglich Industrienation konkurrenzfähig halten, sollte man nicht die Subventionen vergessen, die alle Steuerzahler schon zahlen: Endlagerung (die es noch nicht gibt), Transporte, Versicherungen, etc.
Es gäbe eine ganz einfache Methode, alle AKW schlagartig stillzulegen: Privatisierung. Es würde sich kein Investor finden, der zu gegenwärtig gezahlten Strompreisen die gesamte Produktionskette kaufen würde.

23) Niclas E, Samstag, 19. März 2011, 20:18 Uhr

Zuerst einmal bin ich der Meinung, dass wir es den japanischen Bürgern, die von der Katastrophe betroffen sind, Solidarität schuldig sind und ich gehe soweit zu sagen, dass wir jetzt in der Pflicht sind, die richtigen Konsequenzen aus deren Schicksal zu ziehen.
War Tschernobyl nicht schlimm genug? Ist es zu lange her? Sind die Katastrophen vielleicht zu weit von uns weg passiert? Warum muss erst etwas passieren, dass Frau Merkel anfängt davon zu sprechen, dass sie in der Debatte um die Laufzeitverlängerung in der Verantwortung steht, für die Sicherheit der deutschen Bürger zu sorgen?
Meiner Meinung nach ist die Geschichte der Atomkraft in Deutschland ein Skandal, was da alles versucht wurde, zu vertuschen geht auf keine Kuhhaut.
Den Grünen wird angelastet, sie stellten sich jetzt so hin, als ob sie es schon immer wüssten und keine neuen Erkenntnisse ziehen müssten. Haben sie es nicht auch immer gewusst?

Sicherlich können wir momentan nicht ohne Kernenergie, das liegt aber meine ich an zwei ganz entscheidenden Gründen:
1. Ich bin NICHT der Ansicht, dass das ganze Potential der erneuerbaren Energien ausgeschöpft ist und dass genug für den Ausbau von Offshore-Parks etc. getan wird.
2. Dies alles ist ein Versäumnis der Vergangenheit.

Ich für meinen Teil hatte vom ersten Tag kein Vertrauen zu dieser Regierung, so leid es mir tut, ich würde gerne etwas anderes behaupten, nur ich komme mir von dieser schwarz-gelben Regierung an der Nase herumgeführt vor. Das ist noch schön ausgedrückt, wie ich finde!

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