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Faule Eier

Bei Auslandsreisen mit Politikern kann man was erleben – aber nicht nur Positives. Eine Asien-Reise mit dem damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher ist mir besonders in Erinnerung.

In Indonesiens Hauptsadt Djakarte waren die Journalisten auch zum Essen mit dem Staatspräsidenten geladen, bei dem es eine besondere Delikatesse gab: faule Eier. Der Dotter grünlich flüssig, das Eiweiß schwarz geliert. Um bei meinen indonesischen Tischnachbarn nicht unangenehm aufzufallen, würgte ich mit Todesverachtung die unappetitlichen Eier runter.

In Indien wurde es für mich deutlich dramatischer. Bei einem Besuch im bedeutendsten Sikh-Tempel steckte mir unser freundlicher Fahrer die „heilige Speise“ in den Mund – eine ballförmige Reismasse. Um die aufmerksamen indischen Tempelbesucher nicht brüskieren, schluckte ich den Reis hinunter. Er war offenbar so mit Keimen verseucht, dass ich mir eine ruhrähnliche Erkrankung zuzog: ich konnte weder Speisen noch Getränke bei mir behalten. Ich magerte rasch ab und drohte völlig zu dehydrieren. Zum Glück hatte Genscher seinen Leibarzt dabei, der mich rettete. In Bonn zurück, hatte ich zehn Kilo verloren und meine Freunde erkannten mich kaum wieder.

Die Beispiele zeigen, dass man Höflichkeit und Achtung fremder Sitten auch übertreiben kann.