- SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin - http://www.sprengsatz.de -

Management by panic

Die Führung der FDP ist derzeit etwa so glaubwürdig wie die Führung des japanischen Energiekonzerns Tepco. Beide Vorstände agieren nach der Methode  „management by panic“. Zum Glück geht es in Deutschland nur um die Zukunft einer kleinen Partei und das politische Schicksal ihrer sogenannten Spitzenpolitiker.

Auch die jungen „Hoffnungsträger“ wie Christian Lindner und Daniel Bahr verstricken sich immer mehr in Taktik und Tagesopportunismus. Wie anders ist die Forderung des FDP-Generalssekretärs zu verstehen, die sieben durch das Moratorium heruntergefahrenen Kernkraftwerke sollten jetzt endgültig vom Netz genommen werden. Das ist in der Sache zwar richtig, aber warum hat Lindner das nicht vor den Wahlen gesagt?

Und warum gab es dann überhaupt ein Moratorium, mit dem die Sicherheit erneut überprüft werden soll? Und warum eine Ethikkommission zur Kernkraft? Und warum hat Guido Westerwelle noch einen Tag zuvor einen bis zum 11. April dauernden Diskussionprozess der FDP angekündigt?

Lindners Forderung entlarvt – genauso wie Brüderles Wahrheitsausrutscher beim BDI – alles als Wahlkampfmanöver. 

Überhaupt Westerwelle. Er ließ schon vor Schließung der Wahllokale durchstechen, dass er auf jeden Fall in seinen beiden Positionen im Amt bleibe. Und versuchte dann, wenn die FAZ recht hat, Bahr und Lindner für eine Intrige gegen Rainer Brüderle und Birgit Homburger zu instrumentalisieren, um seine Jobs zu retten. Immerhin hat er erreicht, dass Lindner und Bahr personalpolitisch in der Deckung bleiben.

Man weiss ja nie, wie`s kommt. Offenbar sind auch die „Hoffnungsträger“ durch ihre FDP-Sozialisation schon so taktisch-opportunistisch verdorben, dass sie  jedes Risiko vermeiden wollen. Wollen würden sie schon gern, aber trauen tun sie sich nicht.

Die Vorhersage ist wohl nicht zu gewagt, dass das mit der FDP nichts mehr wird. Aber ist das eigentlich für Deutschland noch wichtig?