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Dienstag, 19. April 2011, 08:32 Uhr

Heilige Maria

Gläubigkeit ist häufig eine Frage der Situation. 1973 war ich als junger Journalist mit einer Truppe hartgesottener Bonner Korrespondenten auf Einladung des Entwicklungsministeriums auf Asien-Reise. Von Singapur über Indonesien nach Thailand und Laos.

In Vientiane, der Hauptstadt von Laos, streikte der betagte Jet der staatlichen Fluglinie. Zweimal mussten wir wieder aussteigen, weil ein Triebwerk nicht funktionierte. Erst beim dritten Mal ging`s mit einem mulmigen Gefühl zurück nach Bangkok.

Über der thailändischen Hauptstadt fiel das Triebwerk wieder aus und die Maschine sackte mehrere hundert Meter ab. Während ich mich ins Unvermeidliche ergab, hörte ich vom Nachbarsitz ein Murmeln: “Heilige Maria, Mutter Gottes…”. Es war der “Spiegel”-Reporter, der höchsten Beistand erflehte.

Wir sind dann noch sicher gelandet. Die Düse sprang wieder an.

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8 Kommentare

1) Dieter Carstensen, Dienstag, 19. April 2011, 08:58 Uhr

Lieber Michael Spreng,

soll ich aus dem spannenden Abenteuerbericht folgern, dass ich bei meinen nächsten Flugreisen darauf bestehe soll, dass ein SPIEGEL Reporter mit an Bord ist, sozusagen als Versicherung für alle Fälle?

M.f.G.

2) Tilman, Dienstag, 19. April 2011, 11:37 Uhr

Ich hoffe Sie haben sich bei Ihrem Kollegen bedankt! ;)

3) dLTexid, Dienstag, 19. April 2011, 22:48 Uhr

Ich weiss nicht, was ich murmeln würde, befände ich mich in mehreren Metern Höhe und solch Kram passiert. Informell, ich bin einer der wenigen nicht flugvertrauten Bewohner dieses Planeten. Sowas würde mir den Bolzen in die Hose treiben, alsdass ich sodann aus Scham sprachlos wäre…

4) mambo, Mittwoch, 20. April 2011, 20:53 Uhr

Maria hilft immer !
Wären Sie damals abgestürzt und gestorben ,auch alles gut ,
Sie wären schon lange bei Maria im Himmel ,(was gäbe es schöneres ?)
und müßten sich nicht mehr mit der mit der schnöden Politik herumquälen.
Aber wenn Sie zukünftig doch sicher hier landen wollen,
sollten Sie nicht immer so viel Garstiges über Angela sagen !
Deren neuer Flieger soll vom Feinsten sein ,
vielleicht nimmt sie Sie mit ?

5) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 21. April 2011, 19:06 Uhr

Mein Verständnis von Gottes Wirklichkeit ist der, daß der wirkliche Glaube dort zu Hause ist, wo man das Unvermeidliche nicht als “Strafe Gottes” oder “Gottes Wille” betrachtet. Unglück ist auch und zu allererst die Konsequenz menschlichen Handelns, eine Verkettung unberechenbarer Ereignisse, und es gibt das Unerklärbare, warum Menschen zu Opfern werden.
Die irrige Annahme, Gott könne alles regeln auf Erden, wiedergutmachen, wenn er es wollte, führt Gott und das Bild, was wir uns von ihm machen, ins Absurde. Der Mensch weiß, daß er in die gesetzmäßig ablaufende Evolution einer sich ständig wandelnden Natur eingeschlossen ist. Er ist vor allem nicht der Mittelpunkt des Geschehens , sondern lediglich Teil dieser permanenten Wandlung. Wenn er Opfer von Naturkatastrophen wird, so ist das eine Frage irregulären Verhaltens und der Nichtbeachtung von Naturgesetzen. „Wer sich in die Gefahr begibt, braucht sich nicht wundern, wenn er darin umkommt“.
Die Frage also: “Wie kann Gott so etwas zulassen?”, wäre demnach nicht gerechtfertigt. Gott lässt nichts zu. Der Mensch selbst „lässt zu“. Was wäre das wohl für ein Gott, der sich die Opfer aussucht, sie dann in den Absturz eines Flugzeuges führt oder in Konzentrationslagern zu Tode quälen lässt, anderen Menschen aber den „Himmel auf Erden“ bereitet.
Die Theodizee-Frage ist für mich ein Problem, weil sie ständig im Raum steht – unbeantwortet, für mich jedenfalls. Denn im Neuen Testament ist die Botschaft eindeutig: hier zeichnet Jesus Christus ein eindeutiges Bild vom Wesen Gottes: Ein allmächtiger, all gütigen, langmütigen Gott.

Ich gebe zu, dass man um die Theodizee-Frage nicht herum kommt, weil Menschen Antworten wünschen auf ihr individuelles Schicksal und ihren Härten. Nirgendwo wird daher so sehr um eine befriedigende Antwort gerungen wie im Kontext christlicher Philosophie. Der Karfreitag ist schon da, wenn wir Weihnachten begehen und süßliche Liedchen unterm Tannenbaum singen zur eigenen Erbauung und die der Kinder. Von eigenen sich möglicherweise ereignenden „Karfreitagen“ wollen die Menschen weniger bis überhaupt nichts wissen, eher von romantischen Vorstellungen, in denen sich das Leben in geordneten Bahnen organisieren lässt. Unsicherheit wird in der heutigen säkularisierten Gesellschaft eher als Schwäche und als fragwürdig gesehen, denn als Erfolgskurs.

Das Scheitern aber gehört zum Menschsein. Darin dennoch einen Wert zu sehen, darin liegt die eigentliche Größe des Menschen. Bei Gott dürfen wir scheitern. Bei Gott verlieren wir deswegen nicht den Wert, den er uns zubilligt. Wir aber neigen zur Entwertung von Menschen, die unserer Ansicht nach gescheitert, nicht einigermaßen „erfolgreich“ sind.
Meiner Erfahrung nach setzt sich das persönliche Schicksal aus vielen Einzelentscheidungen zusammen, getroffen von Menschen für sich selbst und von Menschen für Menschen. Nicht selten werden die persönlichen Möglichkeiten der Einflussnahme durch eineVielzahl von Entscheidungsträgern (z.B. in der Politik) entkräftet, im Sinne von Entscheidungen, die unmittelbar auf unsere Lebensgestaltung Einfluss nehmen. Oft spielen Dinge eine Rolle, die wir gar nicht mehr im Griff haben können, obwohl wir uns das einbilden, oder extern (Meinungsmanipulation) eingebildet bekommen. Also ist der Mensch nicht seines Glückes Schmied. Schon lange nicht Herrscher seiner individuellen Lebensentwürfe. Für sich selbst kann er die Weichen maßvoll stellen, bis zu einer gewissen Grenze. In welcher Richtung dann der Zug fährt, das ist abhängig von den sich entwickelnden Umständen.Wir sagen „Glück“, „Schicksal“, „zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“.

Der Mensch war schon immer einer sicheren Berechenbarkeit zugeneigt, was seine Lebensplanung betrifft. Nur, diese Berechenbarkeit des Lebens hat so manches Mal Überraschungen bereit, mit denen man nicht gerade gerechnet hat: Ein Flugzeugabsturz, Verbrechensopfer zu werden, eine tödliche Krankheit zu bekommen, den Partner durch einen Unfall zu verlieren, oder ein Kind zu verlieren, all das ist nicht berechenbar, vorhersehbar. Wir können nicht in die Zukunft schauen.

Wenn Sie also sicher trotz des defekten Triebwerkes gelandet sind, so sind Sie sicherlich in diesem Augenblick in Gottes Händen gewesen. Und der Spiegelredakteur auch.
Aber Sie wären es auch dann gewesen, Herr Spreng, wenn Sie einem Flugzeugabsturz zum Opfer gefallen wären.
Man wird sich damit abfinden müssen, daß bei aller Philosophie, Theologie, die Theodizee-Frage niemals abschließend erklärt werden kann. Das Wesen Gottes ist für mich nicht erklärbar und schon gar nicht definierbar.
Irgendwo las ich mal die Frage: „Wer ist Gott?“… „Und Gott sagte: Ich bin der, ich bin da.“

6) Sigmund, Donnerstag, 21. April 2011, 20:56 Uhr

Wenn ich böse wär, müsste ich Witze darüber machen, das ausgerechnet jemand vom (damals noch) linken Spiegel anfängt zu beten. Aber ich bin nett…

7) Frankilein66, Freitag, 22. April 2011, 17:06 Uhr

@Peter Christian Nowak

Man kann den Eindruck haben, das Sie nur auf einen Kommentar oder eine Anekdote mit religiösem Bezug gewartet haben, um uns Ihre Meinung zu diesem Thema mitzuteilen.

Eigentlich gibt diese kleine und amüsante Geschichte eine Betrachtung dieser Tiefe doch nicht her.

8) Peter Christian Nowak, Samstag, 23. April 2011, 18:22 Uhr

@Frankilein66,

Was an dieser “Geschichte” amüsant sein soll, bleibt wohl, außer für Sie, ein Geheimnis. Aber vielleicht sind Sie einfach nur überfordert. Der Blick über den Tellerrand hinaus erfordert mehr, als sich über Sinn und Unsinn in der politischen Landschaft Gedanken zu machen.

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