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Samstag, 23. April 2011, 14:03 Uhr

Der SPD-Schrecken geht weiter

Im Fall Sarrazin konnte die SPD nur verlieren. Wäre er ausgeschlossen worden, hätte ihn die SPD für einen Teil des Publikums zum Märtyrer gemacht und Teile ihrer Wählerschaft gegen sich aufgebracht. Jetzt behält sie ihn und bringt damit den anderen Teil der Wählerschaft gegen sich auf.

Viele Mitglieder, Wähler und Funktionäre können nicht verstehen, wieso ein Mann, der andere Menschen wegen ihrer Herkunft und Religion für geistig und/oder kulturell minderbemittelt hält, Mitglied einer demokratischen, toleranten und anti-rassistischen Partei sein kann. Sarrazin hat mit seinen menschenfeindlichen und absurden Thesen die Gesellschaft tief gespalten – und damit auch die SPD.

Und es bleibt ein Mann in ihren Reihen, der mit einer 50.000-Euro-Gebärprämie für Akademikerinnen den sozialdemokratischen Gedanken weiterentwickeln will.

Die Führung der SPD ist bis auf die Knochen blamiert, denn ihre starken Worte gegen Sarrazin sind jetzt nur noch Makulatur. Die SPD wollte offenbar endlich einen Schlussstrich unter das leidige Thema ziehen und akzeptierte dafür eine Erklärung, die das Papier nicht wert ist, auf der sie geschrieben wurde. 

Sarrazins Entschuldigung ist vergleichbar mit der eines Mannes, der einen anderen mit Wucht ins Gesicht schlägt und anschließend sagt, er habe ihm nicht weh tun wollen. Und es täte ihm leid, wenn der andere sich angegriffen gefühlt habe. Aber dieser Wisch reichte der SPD – nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Aber die SPD täuscht sich. Der Schrecken geht weiter – nur mit anderen Personen und anderen Themen. Der Fall Sarrazin ist auch ein Zeichen für den Autoritätsverfall der SPD-Führung.

Die SPD nimmt für ihr Einknicken gegenüber Sarazzin in Kauf, dass ihr Vorsitzender Sigmar Gabriel, der in der “Zeit”  einleuchtend und eindrucksvoll beschrieben hatte, warum Sarrazin kein SPD-Mitglied mehr sein könne, weiter beschädigt wird. Die Entscheidung, das Parteiordnungsverfahren einzustellen, entlarvt Gabriels Einlassungen als heiße Luft und wirklungsloses Getöse. Und bestätigt damit die Vorurteile, die es ohnehin über Gabriel gibt.

Der Fall Sarrazin fügt sich in das Bild einer orientierungslosen Partei, die sich ihrer eigenen Grundsätze nicht mehr gewiss ist. Nicht nur im Fall Sarrazin, sondern in fast allen entscheidenden Fragen. Ist die SPD jetzt für Hartz IV oder (ein bisschen) dagegen? Ist die SPD für die Rente mit 67 oder ein bisschen oder sogar ganz dagegen? Ist die SPD noch der Anwalt der Schwachen oder nur noch der Arbeitsplatzbesitzer? Selbst in der Libyen-Frage redete die SPD-Führung mit zwei Zungen.

So wie der Sarrazin-Spagat die SPD überfordert hat, so zerreisst sie ihre Identitätssuche. Sie gräbt sich immer tiefer im 25-Prozent-Ghetto ein, beschäftigt sich mit sich selbst, ohne dass dabei neue Orientierung herauskommt. Die großen politischen Gegenspieler sind nicht mehr SPD und CDU, sondern CDU und Grüne. Sie ringen um Deutschlands Zukunft, während die SPD mit sich selbst ringt. Sie wird zwischen Grün und Schwarz zerrieben. Ihr nützt nicht einmal mehr die Selbstmarginalisierung der Konkurrenz von links. Die Zukunft ist grün oder schwarz, aber nicht mehr rot.

Nach der Bundestagswahl 2013 könnte die SPD vor der Entscheidung stehen, welche der beiden Parteien sie ins Kanzleramt verhilft. Das ist eine traurige Perspektive für eine einst stolze Partei, für eine Partei, die Willy Brandt und Helmut Schmidt hervorgebracht hat.

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64 Kommentare

1) Mark, Samstag, 23. April 2011, 14:55 Uhr

Die Partei, die früher mal als Sozialdemokratische Partei Deutschlands bekannt war und vor Urzeiten auch gute Politiker hervorgebracht hat, ist heute nicht weniger als ein gern geschätzter Juniorpartner für CDU oder Grüne, aber eben auch nicht mehr.

Solange sich die Partei nicht endlich offensiv abwendet von der neoliberalen Schröder-Ära (mit Steuersenkungen für die Spitzenverdiener, Einführung von Hartz IV für die Ärmsten und Führung von unsinnigen Kriegen zur Verteidigung Deutschlands am Hindukusch) und weiter nach der “Mitte” schielt – solange wird der Niedergang der Partei andauern.

Dass diese Kraft zur Selbstreinigung noch nicht mal im Ansatz vorhanden ist, zeigt die lächerliche Debatte um Herrn Sarrazin und sein Buch. Ein klares Statement wäre der Parteiausschluß gewesen. Damit hätte man zwar den rechten Flügel beleidigt, aber man hätte damit die Neuausrichtung nach links hin beginnen können. Die Frage muss gestattet sein, was jemand wie Sarrazin -mit seinen wirren Thesen und staatlicher Rundumversorgung- überhaupt noch an der SPD findet, und sie an ihm? So aber bleibt der rechte Flügel intakt und der linke (Wähler-) Flügel wendet sich in seiner Orientierungslosigkeit dorthin, wo zumindest noch eine linke Vision vorhanden zu sein scheint: nach ganz links wo z.T. brilliante Rethoriker sitzen.

Dass jetzt wieder nicht Fisch, nicht Fleisch dabei herausgekommen ist, das ist typisch für die SPD, die allen alles sein will aber tatsächlich niemandem irgendetwas ist.

Der Niedergang wird also weitergehen.

P.S.: Ich verstehe wirklich nicht, wer oder was die SPD daran hindert, sich auf ihre Grundwerte (aus der Zeit vor Schröder) zurückzubesinnen? Sind da noch so viele Günstlinge Schröders in der Partei und am Werk?

2) StefanP, Samstag, 23. April 2011, 14:57 Uhr

Haben Sie nicht einen in Ihrer Schlussaufzählung vergessen? Gerhard Schröder ist der einzige Kanzler im Nachkriegsdeutschland gewesen, der einen Schwenk in Wohlfahrtskontinuität versucht hat und in dessen Regierungszeit tatsächlich in Zahlen ein zeitweiser Rückgang der Staatsverschuldung zu verzeichnen war. Wenn es tatsächlich einen Vater dafür gibt, dass heute anders als vor 10 Jahren Deutschland die Lokomotive und nicht der Fußkranke Europas ist, dann gilt dieses Verdienst doch dem Sozialdemokraten.

Aber zu den Perspektiven der SPD: Wenn eine Partei ein noch schwächeres Personaltableau als die Sozialdemokraten hat, dann sind das doch die Grünen. Die haben eine spürbare Angst, den trotz seiner Bürgerlichwerdung immer noch als Bürgerschreck verschrieenen Jürgen Trittin als Spitzenkandidaten nominieren zu müssen. Dessen Popularität bewegt sich in der Gegend von Guido Westerwelle – auch eine Annäherung an Regierungsämter…

Sie vergessen mehreres (aber das ist so neu nicht): die SPD hat bei der letzten Wahl viele Wähler verloren, die aber nicht zu anderen Parteien gegangen sind. Diese empfinden sich immer noch eher der Partei Willy Brandts zugehörig. In Umfragen bekennen sich die Anhänger der Sozialdemokraten weit weniger zu ihren Farben als die anderer Parteien. Drittens gelang es der SPD selten, die Union zu überrunden, die heute bei 33% liegt, geschätzt aber wohl eher bei 30-31% einlaufen dürfte. Die altehrwürdige Partei benötigte immer einen zugkräftigen Kandidaten, um Regierungschancen zu haben. Dies könnte in zwei Jahren Peer Steinbrück sein, der noch heute über eine hohe Popularität verfügt. Dann liegen die Sozen bei 30-32% und mit den 16-17% der Grünen reichts zum Regieren (für Kritiker der Rechnung: aufpassen, Ausgleichsmandate).

Sarrazin war so ein sozialdemokratischer Schnellschuss: ohne zu überlegen, wie das ausgehen könnte, hat man gegen ein prominentes, langjähriges Mitglied ein Ausschlussverfahren in Gang gesetzt. Es ist aber nunmal so, dass gerade eine große Partei große Spannungen aushalten muss. Sonst ist sie eine kleine Partei.

In den aufgeworfenen Fragen steht die Union mindestens so unpräzise da wie die SPD. Es ist aber nicht gesagt, dass Willy Brandts Erben bei mehr Klarheit mehr Umfrageprozente hätten.

3) Marc, Samstag, 23. April 2011, 15:35 Uhr

Ein Zombie, schon länger tot, aber trotzdem zuckt sie noch, die Leiche SPD. Für mich als ehemaliges SPD-Mitglied ist diese Partei schon lange unwählbar.
Im “Fall” Sarazin hätte, notfalls auch unter Verlust derer, die diesem Typen insgeheim zustimmen, ein Rückbesinnen auf feste Werte signalisiert werden können. Für das was jetzt geschehen ist kann ich mich nur noch schämen. Und hoffen, dass dieser “Haufen” schnellstmöglich final in der Bedeutungslosigkeit versinkt.

Beste Grüße und sonnige Ostertage

4) Frankilein66, Samstag, 23. April 2011, 15:55 Uhr

Tja Herr Spreng, mit ihrem Kommentar befinden Sie sich ja voll auf der Linie ihres ehemaligen Arbeitgebers, sogar formulierungsgleich. (Bis auf die Knochen blamiert).

Man kann es auch ganz anders sehen, nämlich als funktionieren der innerparteilichen Demokratie. Es entscheidet eben nicht die Parteispitze über einen Parteiausschluss, quasi per Ordre de Mufti, sondern ein dazu eingesetzter Ausschuss.

Aber um es so zu sehen muss man eine positive, konstruktive Sicht auf die Dinge haben, eine Eigenschaft die uns Deutschen aber nicht eigen ist.

Warum müssen wir denn immer alles schlechtreden, Schnüff!

5) Dr. Dr. Joachim Seeger, Samstag, 23. April 2011, 16:09 Uhr

Sarrazin gehört weiter zur SPD!

Thilo Sarrazin gehört auch weiter zur SPD. Er war dieser traditionsreichen Partei stets verbunden. Warum sollte man einen solchen Mann, der Impulse und Denkanstöße vermittelte, aus der Partei herauswerfen? In einer Volkspartei gilt die Pluralität der Meinungen. Die Führung der SPD hat sich nicht bis auf die Knochen blamiert, sondern sie wird jetzt wieder für breitere Schichten wählbar. Das politische Spektrum darf sich nicht nur auf zwei Antagonisten reduzieren: CDU und Grüne. Die SPD muss zukünftig wieder mehr zum Mitspieler werden, denn wichtige Fragen stehen an, bei denen die SPD durchaus etwas zu sagen hat. Nur sie muss sich auch zu Wort melden und darf sich nicht mit Nebenschauplätzen (z.B. Sarrazin) beschäftigen. Aber der Fall ist ja jetzt erledigt. Sarrazin wurde rehabilitiert. Und das ist gut so! Ich begrüße das sehr!

6) Horst Schmidt, Samstag, 23. April 2011, 16:34 Uhr

Nun, wer seine Seele verkauft, seine Kundschaft verachtet, wird immer über kurz oder lang einen hohen Preis zahlen müssen. Diese eigentlich offensichtliche Tatsache ist den Führungskräften dieser Partei nicht bewußt und so wie es aussieht, wird es ihr niemals bewußt werden.

Verrat zahlt sich nicht aus. Punkt.

Auch wenn Sie Michael Spreng zwei durchaus herausragende Perönlichkeiten der SPD erwähnen, dann sollten Sie aber auch nicht den vielleicht Wichtigsten unterschlagen. Der wohl nie nach außen in Spitzenämtern wirken wollte, aber auch konnte. Herbert Wehner, eine Person, ein Mann, eine Persönlichkeit von unermesslichen Wert für eine wie auch immer geartete Partei.
Nicht wegen seiner Vergangenheit, nein, trotz seiner Vergangenheit.

Dieser Mann hat sich verdient gemacht. Und genau das fehlt den heutigen Personen. sie sind nur austauschbar, ohne politischen Wert.

7) Thomas Maier, Samstag, 23. April 2011, 16:44 Uhr

Lieber Herr Spreng,

Nur am Rande: Sie erwähnen Helmut Schmidt wie einen großen Sozialdemokraten. Ich verweise hier aber mal auf Zitate von ihm, die über sein Gedankengut Aufschluss geben und zeigen, dass er Sarrazin kaum nachsteht. Er war es, der Sarrazin erst möglich gemacht hat. http://de.wikiquote.org/wiki/Helmut_Schmidt

8) Frank Fischer, Samstag, 23. April 2011, 16:57 Uhr

Sehr schöne Analyse. Es lohnt einfach nicht mehr, sich die Damen und Herren der SPD-Spitze auch nur noch eine Sekunde lang anzutun. Wozu auch? Nicht mal die an sich läppische Causa Sarrazin kriegen die geregelt. Das Bild der “S”PD ist erschreckend farblos, diffus, traurig, vor allem aber: leer und belanglos geworden. Eigentlich ist es nur noch ein oller Rahmen. Sollte sich keiner mehr an die Wand hängen. Linke sollten in die “Linke”, Grüne zu den “Grünen” und die Seeheimer in die CDU flüchten.

9) Hans Czinzoll, Samstag, 23. April 2011, 17:01 Uhr

Das Spitzenpersonal, das die SPD atomisiert hat, wird ihr nicht zu neuer Attraktivität und Wählbarkeit verhelfen. Auch künftig wird sie sich wie Bolle über jede Niederlage freuen. Sarrazin spielt bei dem Niedergang der Karrieremacher nur eine Nebenrolle.

10) Sigmund, Samstag, 23. April 2011, 17:17 Uhr

Die Sarrazin-Fans werden aber auch das als furchtbare Hetze gegen ihr Idol ansehen. Für die ist alles, was nur einen Hauch Widerspruch von sich gibt, gleich stalinistisch. (Wie bei den sog. Hessen-Abweichlern).

ein schöner Beweis (Kommentar Nr. 3):

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-04/sarrazin-spd-kommentar?commentstart=1#cid-1283822

11) Ste, Samstag, 23. April 2011, 17:42 Uhr

Klar hätte sie “Teile der Wählerschaft gegen sich aufgebracht”, aber die hätte man dann in Form von öffentlichen Diskussionen und gründlicher Auseinandersetzung mit diesem Buch “überzeugen” können, ich glaube ja noch immer dass kaum jemand das Buch gründlich gelesen hat und wenn, die Thesen dann mal genauer recherchiert; aber zu anständiger Öffentlichkeitsarbeit sind irgendwie alle Partein nicht in der Lage.

12) Dieter Carstensen, Samstag, 23. April 2011, 18:25 Uhr

Lieber Michael Spreng,

in 20 Jahren werden sich junge Wahlbürger in Deutschland fragen:

“SPD, war da nicht mal was?”

M.f.G

13) Peter Christian Nowak, Samstag, 23. April 2011, 18:40 Uhr

@Herrn Seeger
@frankilein66

Na, dann wissen Sie auch, warum jemand die SPD wählen sollte und nicht die CDU oder CSU.
Wenn der Rückzug aus dem Parteiausschlußverfahren dazu dient, daß man die Rechte oder die rechtsradikale Anhängerschaft bei den bürgerlichen Spießern bei Laune hält, dann ist eine von den “bürgerlichen”Parteien überflüssig. Daß über drei Millionen Exemplare von dieser Schwarte gerade aus der bürgerlichen Mitte gekauft wurden, läßt nichts Gutes für dieses Land erwarten.Sarrazins “Mein Kampf” siegt über die mangelnde Vernunft und fängt die Bürgerlichen ein wie kleine unmündige Kinder. Solche Leute nehme ich jedenfalls nicht ernst. Und darin stehe ich nicht allein.

14) Winfried, Samstag, 23. April 2011, 18:40 Uhr

Die Realitäten werden unterdrückt in diesem Land, danach kommt immer ein Strurz auch wenn er nur Kulturell sein sollte! Die Wahrheit ist: Die Deutschen sterben aus und wissen sehr wohl das sie nicht einfach aufgefüllt werden wollen, am Ende steht bei einer 50 zu 50 Verteilung nämlich der Bürgerkrieg!

Beginnen wird es aber in den USA, da wir denen immer folgen, was werden dann wohl die Politkasper sagen?

15) Auch ne Meinung, Samstag, 23. April 2011, 18:42 Uhr

Dass Sarrazin bleibt, ist nicht der Skandal – http://t.co/856sk9x

16) Winfried, Samstag, 23. April 2011, 18:48 Uhr

Man sollte jeder Frau, die ihr Kind ermorden lassen will eine Prämie von 50 000 Euro anbieten, es gibt genug Familien die dieses Kind aufnehmen würden – ist dies nun eine rECHTE Position?

17) noch’n Marc, Samstag, 23. April 2011, 19:10 Uhr

“Die SPD nimmt für ihr Einknicken gegenüber Sarazzin in Kauf, dass ihr Vorsitzender Sigmar Gabriel, (…) weiter beschädigt wird.”

Vielleicht war das denen, die in dem Verfahren die Federführung hatten, ja ganz recht. So ein Parteivorsitzender willl am Ende viellleicht auch noch Kanzlerkandidat werden – und das durfte bei Kurt Beck ja schon nicht passieren. ;-) Da ist ein beschädiger Parteichef doch ganz prima.

18) JG, Samstag, 23. April 2011, 19:14 Uhr

Ich oute mich mal als jemand, der früher manchmal SPD gewählt hat. Daß ich daran nicht einmal mehr im Traum denken würde, hat allerdings schon das staatlich verordnete Elend namens “Hartz IV” bewirkt. Daß sich diese Partei nun auch noch lächerlich macht und selbst desavouiert, indem sie nicht einmal mehr die Kraft findet, so jemanden wie diesen Herrn Sarrazin auszuschließen, bestätigt nur meine mittlerweile schlechte Meinung über diesen Verein. Die SPD hatte bereits mit der Unfähigkeit, sich von einem Wolfgang Clement nach dessen immens parteischädigenden Äußerungen zu trennen, gezeigt, daß sie jede Selbstachtung verloren hat.

Nebenher ist bemerkenswert, wie viele Menschen und Medienmacher der Meinung zu sein scheinen, es gebe ein Grundrecht darauf, in einer bestimmten Partei Mitglied zu sein, selbst wenn man dieser immer wieder in den Unterleib tritt, und als käme ein Parteiausschluß der Aberkennung der Lebensberechtigung gleich.

19) Karst, Samstag, 23. April 2011, 20:51 Uhr

Dieses rassistische, pseudowissenschaftliche Buch wird Deutschland noch schwer schaden.
.
Es liefert den ideologischen Unterbau für andere, tatkräfigere Extremisten.
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Dass die SPD einfach dabei zuschaut wie ihr tadeloser demokratischer Ruf ausgenutzt wird um Rassimus wieder hoffähig zu machen ist ein erschreckend.
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Das Fundament unseres Wohlstands in Deutschlands ist und bleibt die moderate Politik. Ein Buch das den Leuten einen solchen brandgefährlichen Unsinn in Kopf pflanzt gehört aus dem Verkehr gezogen.
Wie es bei es bei anderen Hetzschriften auch der Fall ist.

20) sk8erBLN, Samstag, 23. April 2011, 21:49 Uhr

** Die SPD schafft sich ab***

Okay, man will also unbedingt diesen unsäglichen Hobby-Eugeniker in den eigenen Reihen behalten.
Man hat auch nicht darüber nachgedacht dass er jetzt erst recht nachlegen dürfte, Sarrazin ist nicht umsonst Sarrazin. Da geht noch was und jeder der ihn kennt, dürfte das wissen.
Jedenfalls ist geradezu lächerlich wenn die MoPo berichtet
“Steinmeier verpflichtet Sarrazin auf SPD-Werte
Samstag, 23. April 2011 21:26 – Von Daniel Friedrich Sturm

Thilo Sarrazin müsse beweisen, dass er “in der SPD noch zu Hause ist”, so SPD-Fraktionschef Steinmeier. Er fordert Sarrazin zum Einhalten der SPD-Grundwerte auf.”
http://www.morgenpost.de/politik/inland/article1617908/Steinmeier-verpflichtet-Sarrazin-auf-SPD-Werte.html

oder noch kühner:
“KOMMENTAR
Der Provokateur Sarrazin schafft sich ab
Samstag, 23. April 2011 12:31 – Von Torsten Krauel”
http://www.morgenpost.de/politik/article1617840/Der-Provokateur-Sarrazin-schafft-sich-ab.html

Das könnte nur klappen wenn sich wer findet der ihm den Mund mit Bauschaum stopft und zugleich die Hände abhackt. Mehr als unrealistisch.

Weit näher an der Realität:
“Alle Beteiligten sind zur Verschwiegenheit verpflichtet worden. Diese soll „mindestens bis Dienstag“ gelten, so Sybille Uken, Vorsitzende der Schiedskommission. Damit wolle man „verhindern, dass das Ergebnis möglicherweise zerredet und die Debatte noch weitergeführt wird“.

Doch die hat längst begonnen. Zunächst hatten sich noch am Donenrstagabend bereits der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ralf Stegner und der saarländische Fraktionschef Ulrich Comercon via Twitter zu Wort gemeldet, wobei Commcercon sogar noch ein verbaler Ausrutscher passierte: In einem seiner ersten Tweets bezeichnete Commercon Sarrazin als “Vollarsch”. Er entschuldigte sich umgehend für seine Wortwahl.

Auch der Vorsitzende der Jungsozialisten, Sascha Vogt, empörte sich über die Entscheidung. Es könne nicht sein, dass der Ausschlussantrag „ohne eine Beratung, weder in Vorstand noch Präsidium, zurückgenommen wird“, sagte er Morgenpost Online. Er fügte hinzu: „Ich kann mir diesen Schritt nicht erklären. Er schadet der Partei. Ressentiments und Rassismus haben in der SPD nichts zu suchen.“

http://www.morgenpost.de/politik/inland/article1617570/Sarrazin-bleibt-und-spaltet-die-SPD.html

21) Ersatzbeleidigter, Sonntag, 24. April 2011, 10:28 Uhr

“Menschenfeindliche und absurde Thesen” ?
Nunja.
Ich erinnere mich, als die ersten “Ausländer” nach Deutschland kamen und vor allem die Neonazis und die Hardliner der CSU (! falls nicht die Mehrheit der CSU) gegen Ausländer gewettert hat: Deutschland würde… was-weiß-ich… Sogar Wahlen wurden mit diesen “Rassisten”-Thesen gewonnen; jedenfalls von der CDU (die CSU gewinnt ja sowieso, die musste da nicht weiter drauf rumreiten).
Damals hat man über diese stark-rechten Sprüche entweder gelacht oder sie verurteilt und die Vertreter wurden von Links als Rassisten bezeichnet.
Heute merkt man, SO GANZ Unrecht hatten diese rechten CSU-Leute wohl nicht: da läuft einiges (oder vieles, je nachdem wo man wohnt und was man mitbekommt) schief.
.
Und wenn einer das in einem Buch ausführlich beschreibt, sogar Belege dazu sammelt und veröffentlicht ist er (schon wieder) Rassist: das wird dann meist nicht am Buch sondern an ein, zwei unbedachten und längst zurückgenommenen Äußereungen in Interviews festgemacht.
.
Ich habe den Eindruck, die, die z.B. Sarrazin als Rassisten bezeichnen, wollen schlicht nicht, dass man über bestimmte Dinge spricht, ja, dass man sie ausspricht. Vulgo: p.c. Wenn z.B. ein hier lebender “Türke” jemanden verprügelt oder verletzt (oder mehr), regen sich diese Wahrheitsverklemmten jedesmal auf, wenn in der Presse wahrheitsmäßig vermerkt wird, wer der Täter ist: Ausländer, Türke, Islamgläubiger, arabisch-aussehender, … Und wo hört das auf, darf man bestimmte Leute nicht mehr als das bezeichnen, was sie sind? Als Blindine, schwarzhaariger, schielender, goldkettchenbehängter, BMW-Fahrer, Arbeitsloser, Neuköllner, Dahlemer, Schwuler, reicher, armer, Jugendlicher, Jude, Buddhist, … fühlt sich JEDER gleich diskriminiert?
.Nee, es ist ja noch schlimmer: Nicht die Bezeichneten regen sich in der regel auf, sondern irgendwelche Leute, die allen anderen vorschreiben wollen, was sie denken und reden dürfen. Das sind Ersatzbeleidigte.
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Darf man wirklich nicht mehr bestimmte Worte in den Mund nehmen? Ohne dass sich gleich jemand, den das gar nicht angeht, darüber SOFORT und ohne nachzudenken aufregt und das verbieten will?
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Hat sich keiner dieser Ersatzbeleidigten mal gefragt, wieso die Mehrheit der Leute auf der Seite von Sarrazin stehen? Sind das alles Nazis? Rassisten? Bin ich einer? Himmelhilf…
.
.

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22) romeias47, Sonntag, 24. April 2011, 10:44 Uhr

Wenn Sarrazin in fast 40jähriger Parteizugehörigkeit nicht kapiert hat, wo er sich befindet, wird er das sicher über Ostern 2011 intus kriegen. Und wenn man seine Biografie auf Wikipedia liest, dann kann kommt man schließlich zum Ergebnis

SPD abwickeln und den deutschen Wissenschaftscircus auf intellektuelle Konsistenz prüfen. (Seit KTG wissen wir doch, dass honoriert wird, wer das Verhaltensrepertoire in diesem speziellen Umfeld am besten drauf hat und dazu noch gute Figur macht – SKM).

Das Wesen der SPD besteht für mich u.a. darin, dass sie Menschen nicht für Gegebenheiten verantwortlich macht, die sich ihrem Einfluss oder Zugriff entziehen.

23) irreversible, Sonntag, 24. April 2011, 18:14 Uhr

Dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit bei der CSU (und Teilen der CDU) zum guten (Wahlkampf-) Ton gehören wissen wir ja leider nicht erst seit Seehofers paranoidem Abwehrkampf gegen Flüchtlinge bis zur letzten Patrone. Dass eine solche Entgleisung eines Spitzenpolitikers kaum für Empörung sorgte spricht Bände über die wirkliche Ideologie dieser Partei(en).

Jetzt hat eben auch die “Volkspartei” SPD bestätigt, dass sich in bürgerliche Formulierungen gekleidete Hetze gegen Arme, Einwanderer und Muslime auch mit den “Grundwerten” der SPD (welche waren das nochmal?) vereinbaren lässt. Und das alles aus Angst davor, fremdenfeindliche Kleinbürger bei Wahlen zu verprellen. Besser kann man den Rechtsruck dieser Republik gar nicht illustrieren. Es ist zum Gruseln.

24) riccardo borghese, Sonntag, 24. April 2011, 18:36 Uhr

Dass die SPD regelmäßig an der Wirklichkeit scheitert ist nicht wirklich neu, aber immer wieder genussvoll mitzuverfolgen. Im Fall Sarrazin wurde nun plötzlich festgestellt, dass die Zahl seiner Befürworter unter den potentiellen Wählern, die seiner Gegner bei weitem übertrifft. Wenn man Genies wie Gabriel und Nahles in der Parteiführung hat, dauert sowas eben etwas länger.

25) Jost Kremmler, Sonntag, 24. April 2011, 19:29 Uhr

Im Prinzip stimme ich zu. Die SPD ist in einer schwierigen Phase. Aber die SPD hat große Verdienste, auch Gerhard Schröder hat Anteil daran, da stimme ich auch StefanP (zweiter Kommentar) zu.
Das große Pech ist eben, dass Sarrazin ihr Mitglied ist. In dieser Situation ist ein Schlussstrich unter das leidige Thema immer noch das kleinere Übel.

26) Lacerda, Sonntag, 24. April 2011, 20:28 Uhr

Wenn man in seiner Partei einen solchen hat wie Sarrazin, kann man nur verlieren.
Dieser Polemiker war letzte Woche bei Fr. Will zu Gast. Man hat gesehen, daß er sogar Schwierigkeiten hat sich zu artikullieren und wenn er dies dann tut, dann voller Bitterkeit und eine Menge Zahlen, die über das Schicksaal der Menschen in Lampedusa nichts,aber auch gar nichts aussagt.
Der Zahlennenner ist eine Karikatur von sich selbst. Die SPD hat die Ausschlußbremse gezogen um nicht noch mehr Wählerschaft aus dem rechten Flügel zu verlieren. Wie schlecht ist es um diese Partei bestellt.
Allein der Anblick auf den Vorsitzenden Sigmar Gabriel zeigt die Richtungsbeliebkeit, die je nach Lage, geschlagen wird. Der Sigmar Gabriel im Parteivorsitz ist ein großer Fehler weil er nicht in der Lage ist,
der SPB einen gleichermassen modernes und soziales Gesicht zu verleihen. Es erweckt den Eindruck,
man stehe da und warte auf etwaige Angebote aus allen verschiedenen Richtungen.
Gut, daß ich nie zur SPB gehört habe, denn wäre es jemalsso gewesen, stünde ich da ziemlich heimatlos. Die Genossen können einem recht Leid tun, in solch einer kopflosen Partei Mitglied zu sein. Weder Nahles, noch Gabriel, no Scholz können was an dieser Situation etwas ändern.

27) mac4ever, Sonntag, 24. April 2011, 20:29 Uhr

Man braucht doch nur die haßerfüllten Kommentare zu Sarrazin in diesem Forum zu lesen, dann weiß man, was die SPD zerreißt: Bezogen auf die fraktionierte Nach-Milleniums-Gesellschaft, auf die 9 soziologischen Sinus-Milieus, sitzt sie zwischen allen Stühlen.

Sarrazin steht für diese Spaltung: seine Thesen werden bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, hier habe ich selbst den Begriff “Hobby-Eugeniker” (also eine Einordnung in faschistisches Gedankengut) gelesen. Vergleicht man das mit seinen ursprünglichen Thesen, begreift man, wie weit sich die Debatte inzwischen von diesen entfernt hat und wieweit S. inzwischen instrumentalisiert wird.

Den Kritikern dient die hohe Zustimmungsquote in der Bevölkerung und der Verkaufserfolg des Buches dann nicht mehr als Alarmsignal für die von S. kritisierten Mißstände infolge mißlungener Integration von Migranten, sondern als die Bestätigung eigener linker intellektueller Überlegenheit.

Ich selbst, wie man im Forum hier nachlesen kann, vertrete eher “linke” Überzeugungen, weil mir die rechte ökonomistische Herrenmetalität suspekt ist.
Aber die linke Position, auf den Überbringer der schlechten Nachricht einzuschlagen, kann ich auch nicht nachvollziehen. Sarrazin hat mehr als einen Finger auf eine Wunde gelegt. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Ich sehe den Nichtausschluß damit eher als ein Zeichen der Vernunft. Wenn die SPD schon nicht integrieren kann, wie sollen dann breite Migrantenkreise integriert werden?

28) Martin, Sonntag, 24. April 2011, 21:35 Uhr

Ich bin auch der Meinung, dass man sich für diese Partei nur schämen kann. Diese Partei ist für mich mit diesen Typen einfach nicht wählbar.
In Sachsen-Anhalt ist sogar bei den Wahlen Betrug begangen worden.
Die SPD war der klare Verlierer und geht mit der CDU ein Bündnis ein, obwohl die Schnittmenge mit den Linken am größten war.
So wiwurde der Wähler mal wider betrogen.
Ich hoffe, dass der Tag kommen wird und keiner mit der SPD etwas zu tun haben möchte.

29) analogkäse, Montag, 25. April 2011, 00:33 Uhr

Ich sehe das Hauptproblem der SPD weniger in der inhaltlichen Unentschiedenheit oder gar Schwäche – sondern die Partei hat m.E. ein Führungs- Figuren- Problem ! Wahlen werden in erster Linie und zunehmend immer mehr in der Mediokratie durch schillernde Gestalten gewonnen. Aber in der SPD “schillert” weder ein Gabriel noch ein Steinmeier noch ein Scholz noch eine Nahles …. u.s.w. .

Figuren wie (international) einst Blair oder vor 3 Jahren Obama mit Charisma und “Leuchtkraft” können eine Partei herausreißen ! Warum nur in dieser großen SPD- Volkspartei mit ihren vielen vielen Mitgliedern die “Auslese” immer wieder auf graue Mäuse fällt ist mir schleierhaft. Das Hauptproblem ist m.E. die falsche “Eliten”- Auswahl bzw. die hinterfragenswürdigen Mechanismen, die sich dahinter verbergen !

30) Mark, Montag, 25. April 2011, 10:21 Uhr

@analogkäse

Natürlich fehlen der SPD auch “strahlende” Führungsfiguren. Steinmeier? Farblos. Und schlimmer: schließt man bei seinen Bundestagsreden die Augen, könnte man denken, Schröder spräche zu einem. Da läuft’s einem dann kalt den Rücken runter. Gabriel? Besser, aber nicht gut genug. Scholz? Ist froh und glücklich in Hamburg. Ja, die Figuren sich schon schlimm.

Trotzdem behaupte ich, dass der Partei in erster Linie eine klare Vision fehlt. Obama hatte diese (traute sich aber in vielen Fällen nicht, sie umzusetzen, weshalb er zu Recht bei den letzten Wahlen abgewatscht wurde). Naja, und Blair sah halt einfach gut aus und konnte gut reden. Auch er wurde am Ende von der politischen Realität eingeholt.

Kurzum: auch die schillerndsten Figuren bringen nix, wenn das Programm dahinter nicht stimmt oder nicht umgesetzt werden kann. Bei der SPD ist es eindeutig die mittige Beliebigkeit die sie so verzichtbar macht. Wenn ich “die Mitte” (d.h. einen moderat konservativen Wirtschaftslobbyismus) wählen will, dann ist wohl die Union für viele noch ein guter Hafen. Wenn ich “links” (d.h. klare sozialdemokratische Positionen) wählen will, wähle ich die Linke. Wenn ich “marktradikalen Wirtschaftslobbyismus” wählen will, ist die FDP mein Hafen. Und wünsche ich grüne Visionen (d.h. einen moderat konservativen Ökolobbyismus), bin ich bei den Grünen.

Allein die SPD steht ohne Profil da. Seit Schröder ist sie die Union im roten Mäntelchen, also mit einigen Alibi-Positionen in sozialen Themen. Bei den wichtigen Themen völlig ohne eigene Position. Afghanistan wird mitgetragen, man stimmt lustig für Euro-Rettungsschirm und Griechenland-Hilfen, und der Wähler wundert sich: hat die SPD immer noch nicht begriffen, dass die Zeit der großen Koalition zuende ist? Eine Opposition zeichnet sich per Definition dadurch aus, dass sie dagegen ist. Bei der SPD habe ich immer den Eindruck – eigentlich wäre sie gerne der linke Flügel der Union. Das sehen die Wähler aber anders und entscheiden sich folgerichtig für die jeweiligen Originale.

Wie gesagt: Wenn die Partei das nicht begreift und weiter den mittigen Kurs fährt, wird der Niedergang weitergehen.

31) EStz, Montag, 25. April 2011, 12:56 Uhr

Peter Christian Nowak, Samstag, 23. April 2011, 18:40 Uhr

> Daß über drei Millionen Exemplare von dieser Schwarte gerade aus der
> bürgerlichen Mitte gekauft wurden, läßt nichts Gutes für dieses Land
> erwarten.Sarrazins “Mein Kampf” siegt über die mangelnde Vernunft
> und fängt die Bürgerlichen ein wie kleine unmündige Kinder.
> Solche Leute nehme ich jedenfalls nicht ernst. Und darin stehe ich nicht allein.

Si tacuisses: Es heißt “Ich denke, also bin ich”, und nicht “Ich denke, also habe ich recht”.

Wenn so viele “Bürgerliche” sich dieses Buch kaufen, gibt es doch einen Grund dafür. Unabhängig davon, was genau in diesem Buch steht, scheint es doch etwas anzusprechen, was diesen Leuten auf dem Herzen liegt. Nur, weil Sie ein Problem nicht haben, nicht erkennen können oder nicht wahrhaben wollen, heißt das nicht, dasss niemand anderes durch das Problem belastet wird.

Und es gibt viele Probleme mit Migranten/Integration. Nicht mit allen, vielleicht sogar nur mit einem kleinen Teil. Und wahrscheinlich liegt ein Teil des Problems (wie groß oder klein auch immer) nicht bei den Bürgern mit Migrationshintergrund, sondern bei denen ohne. Vieles mag auch nur auf Vorurteilen beruhen.

Sei es drum: Wenn Sie es besser wissen (oder eine begründete Meinung dazu haben), diskutieren Sie mit, klären Sie auf etc. Aber mit einer derart blasierten Arroganz drei Millionen Bürger als kleine, unmündige Kinder abzustempeln, ist keine Aufklärung, kein Diskussionsbeitrag, sondern höchstens der Nachweis, dass Sie noch mehr Vorurteile und noch weniger Argumente als Herr Sarrazin haben.

32) albertus28, Montag, 25. April 2011, 13:34 Uhr

Lieber Sigmar Gabriel

deine Götterdämmerung als Partei-Vorsitzender hat in schöner sozialdemokratischer Tradition schon begonnen;alle wissen das–möglicherweise nur Du noch nicht.

33) Erika, Montag, 25. April 2011, 13:36 Uhr

“Die Zukunft ist grün oder schwarz, aber nicht mehr rot.”

Deutschland ist ja sehr gut durch die Krise gekommen. Aber wessen Verdienst ist das?

Als Angela Merkel in den Weihnachtsurlaub fuhr, haben Steinmeier, Steinbrück und Scholz das Konjunkturprogramm entwickelt. Im Bundestag haben die Grünen gegen das Konjunkturprogramm gestimmt. Wenn ihr Satz zutrifft: “Die Zukunft ist grün oder schwarz, aber nicht mehr rot.”, wer hätte sich in der Krise um die Lösungen bemüht?

34) Recht Unbedeutend, Montag, 25. April 2011, 19:14 Uhr

@EStz, danke. Und @Thomas Maier, weiter oben: Haha. Helmut Schmidt hat Sarrazin erst möglich gemacht, die SPD war quasi schon immer ein übler Nazi-Kühlschrank, der seine Haßthesen nur frischhält, bis die armen orientierungslosen Bürger wieder abholbereit sind. Und als Beleg gleich noch nen Link. Hut ab, aber Vorsicht, daß der Kopf nicht mit abgeht.
Wie wohl tut da ein/e @Lacerda, der/die in einem erschreckend kopflosen Beitrag die SPD als kopflose Partei bezeichnet, der er/sie zum Glück nicht angehört. Unsere Alternativen sind brilliant! Die SPD können wir eigentlich vergessen. Wir haben schließlich noch die Grünen, im letzten Sprengsatz ins Lächerliche gezogen und für untauglich erklärt. Und natürlich die Regierungsparteien, auch auf den letzten 3 Seiten letztinstanzlich verurteilt. Ein absoluter Klassiker – nur mit der Säge kann man auch keine Politik machen.

Daß die Parteien an den von diffusen Korrektheitstheoretikern ausgelegten Kernsätzen scheitern, kann man da natürlich nicht bemerken. Einzig die Grünen können sich in alternativen Themen wirklich “treu” sein, und wie man sieht, spiegeln sie damit die Meinung einer wachsenden Anzahl von Menschen wider. Das sollte auch für andere Parteien kein Problem sein, es ist wenigstens ein politischer Trend.
Aber daß die anderen Parteien sich zu Hilfsparteien degradieren wegen dieser Trends, nur weil die Nachrichtenwelle rollt, das ist doch etwas bedauerlich. Die SPD macht ihre Ortsvereine machtlos, und ihre Mitglieder intellektuell-moralisch-programmatisch heimatlos. Und dann wundern sich ein paar Nachlaßverwalter, daß ihre komischen “Machtworte” und Essays die Sozialdemokratie nicht ausfüllen können. Und hier kreisen die Kommentargeier.
So kommen wir keinen Schritt weiter, aber wir haben unseren Spaß. Morbide in die Zukunft, ich bin dabei.

35) EStz, Montag, 25. April 2011, 19:57 Uhr

Erika

> Als Angela Merkel in den Weihnachtsurlaub fuhr, haben Steinmeier, Steinbrück und Scholz
> das Konjunkturprogramm entwickelt. Im Bundestag haben die Grünen gegen das
> Konjunkturprogramm gestimmt. Wenn ihr Satz zutrifft: “Die Zukunft ist grün oder schwarz,
> aber nicht mehr rot.”, wer hätte sich in der Krise um die Lösungen bemüht?

Das ist leider deutlich länger her, als der Kalendar glauben macht….

36) Winfried, Montag, 25. April 2011, 20:08 Uhr

Als Ossi empfanden viele von Uns, Willy Brandt und Helmut Schmidt, als Verräter die mit dem Zwangsstaat paktierten und dies nett verkauften. Erst Strauß hat mit dem Milliardenkredit die Mauer geöffnet, da bagan die Ausreisebewegung, die den Staat zerstörte!

37) RueSchue, Dienstag, 26. April 2011, 08:17 Uhr

… können nicht verstehen, wieso ein Mann, der andere Menschen wegen ihrer Herkunft und Religion für geistig und/oder kulturell minderbemittelt hält, …

offenbar haben Sie das Buch nicht gelesen.

38) Larshouse.com, Dienstag, 26. April 2011, 09:44 Uhr

Ich finde es richtig, dass Herr Sarrazin in der Partei bleibt. Ich habe das Partei-Ausschlußverfahren für denselben Unfug gehalten wie die NPD-Verbotsverfahren (der Innenminister von Sachsen-Anhalt soll ein neues planen, woran man wieder einmal sieht, dass Politiker nicht wissen, was die tatsächlichen Probleme in unserem Land sind). Herr Sarrazin hatte im wesentlichen Recht und hätten wir in Deutschland Patriotismus gäbe es auch weniger Rechtsextreme.

39) romeias47, Dienstag, 26. April 2011, 11:08 Uhr

“offenbar haben Sie das Buch nicht gelesen.” (von RueSchue)

Das Dilemma des Politisch-Interessierten: Wenn er ein solches Buch kauft und liest, wird das statistisch als Zustimmung zum Inhalt gewertet. Und die Medienszene macht daraus einen Goldesel für den Autor – in diesem Fall hat es einen besonders Bedürftigen getroffen.

Dass Altkanzler Helmut Schmidt der Sarrazin-Tendenz ein bißchen den Weg bereitet hat, ist nicht ganz aus der Luft gegriffen. Er war nachhaltig geschockt, weil sein türkischer Kollege anscheinend tatsächlich gedroht hat, mit der türkischen Fruchtbarkeitsrate die Bevölkerungsrelation in Deutschland zu beeinflussen. Außerdem liegt ihm an einem Puffer zum Nahen und Mittleren Osten (http://www.jur-abc.de/cms/index.php?id=134). Derzeit nicht ohne Brisanz.

Helmut Schmidt ist für viele Deutsche so etwas wie eine Mischung aus König Wenzel und Bismarck geworden – sozusagen ein Fels in der Brandung. Aber er hat in seinen Argumentationen durchaus seine logischen Brüche. Mit Bezug auf österreich wirft er diesen gerne Hitler als Landsmann vor, obwohl dieser Deutschland nicht wirklich als Ausland empfunden hat (Braunau liegt ganz nahe an der bayerischen Grenze). Da dürfte wirklich kein Krater zwischen den Mentalitäten liegen.

Und noch zu Alt-BK Schröder. Er gehört wie eine Reihe anderer Mitgestalter der Agenda 21 zu einer Generation, die politisch zur Wirtschaftswunderzeit sozialisiert wurde. Langzeitarbeitslose waren nach damaliger Sicht wirklich Gescheiterte, Versager. Und diese Sicht ist in die Ausgestaltung von Hartz IV ganz maßgeblich eingeflossen (ganz persönlich von einer Prägung aus seinem persönlichen Umfeld). Die Beschäftigten von Holzmann, AEG, Nokia etc. sind aber nicht mit der Forderung auf die Straße gegangen, die Betriebe zu schließen, damit sie Sozialfürsorge kriegen können.

Heute morgen hat Frau Nahles sich genötigt gefühlt, Herrn Kretschmanns verkehrspolitische Prioritäten zu relativieren – und übersehen, dass ein Mobilitätsmodell nicht zu 100 Prozent negativ auf die Wirtschaft zurückschlagen muss. Ich glaube nicht, dass Niels Schmid diese Art von Unterstützung aus Berlin braucht.

Warum gilt bei uns eigentlich nur verneinendes, dekonstruktives Denken als intellektuell, konstruktives, schöpferisch-weiterentwickelndes dagegen als naiv? Wenn Daimler für die ganze Welt Busch-Taxi-taugliche Fahrzeuge herstellen würde (auch für BaWü), wäre das kein Schaden fürs Ländle und würde die Mobilitäts-Palette pragmatisch erweitern.

40) Peter Christian Nowak, Dienstag, 26. April 2011, 16:06 Uhr

@Estz

°°Si tacuisses: Es heißt “Ich denke, also bin ich”, und nicht “Ich denke, also habe ich recht”.°°

Na ja, so ganz stimmt Ihre Übersetzung nicht. “Hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben” Si tacuisses, philosophus mansisses.

Und nun zu Sarrazin. Die Problematik von gewissen Einwanderern und ihrer mangelnden Integrationasleistung war allenthalben schon bekannt, als Sarrazin Finanzsenator in Berlin und dennoch nichts zur Lösung der Probleme in den Brennpunkten Berlins beigetragen hat. Niemand streitet bis heute die Probleme ab, die es in diesem Kontext gibt. In Prozent liegen die bei weitem unterhalb der zweistelligen Grenze. Aber sie gibt es. Man darf hierbei auch nicht vergessen, daß Deutschland erst seit relativ kurzer Zeit sich um Integration kümmert. Integration ist eine Bring- und eine Holschuld. Das Bemühen muß beidseitig sein.
Aber darum ging es Sarrazin gar nicht: Ganz typisch für die Demagogie Sarrazins ist die Vermischung von Demografie und Migration. „Die sozialen Belastungen einer ungesteuerten Migration waren stets tabu“, schreibt er, um dann gleich Satz anzuschließen, dass eben die Menschen „intellektuell mehr oder weniger begabt, faul oder fleißiger, mehr oder weniger moralisch gefestigt sind“. Das ist juristisch als Volksverhetzung nicht angreifbar formuliert, aber der Leser wird unter der Hand auf das Feindbild Ausländer gelenkt. So geschickt und subkutan spritzen auch die Funktionäre der Neo-Nazi-Parteien ihr Gift in die Gehirne ihrer Anhänger, wenn sie Hass säen wollen.
Auch die besondere Abschätzigkeit Sarrazins gegenüber dem Bildungsehrgeiz türkischer Migranten ist ein dummes Vorurteil: Bei gleicher Leistung und sozialer Herkunft wechseln türkische Kinder sogar häufiger auf Realschule oder Gymnasium als deutsche.
Dann folgende Klänge ( O-Ton Sarrazin): „Manche mögen dieses Schicksal (nämlich, daß sich die Deutschen abschaffen)als gerechte Strafe empfinden für ein Volk, in dem einst SS-Männer gezeugt wurden – nur so lässt sich die zuweilen durchscheinende klammheimliche Freude über die deutsche Bevölkerungsentwicklung erklären.”
Ein Argumentationsmuster der Rechtsradikalen, die in Deutschland ein falsches Schuldbewusstsein gegenüber dem NS-Regime unterstellen. Damit entzündet Sarrazin gewissermaßen das Fanal im Bewußtsein des Lesers, endlich Schluß zu machen mit der Vergangenheitsbetroffenheit oder Schuld wie auch immer. Darüberhinaus verklärt er ebenso implizit die Vergangenheit, so wie es die Rechtsradikalen machen.. Und diejenigen, die sich der Verantwortung gegenüber der Geschichte stellen, werden automatisch als Feinde Deutschlands und stete Nestbeschmutzer dargestellt.
So könnte man Fakt für Fakt auseinandernehmen. Dazu habe ich aber keine Lust. Nur so viel: Die Anklänge an “Hitlers Mein Kampf” sind inhaltlich und sprachlich nicht zu übersehen, schaut man sich sein Werk vergleichend an.
Wenn sich Sarrazin durch einen”Ablaßbrief” bei seiner Partei den Auschluß hat ersparen können, dann – ich bleibe dabei – hat man sich die Bestsellerliste sehr genau angeschaut. Und diejenigen, die das Buch am meisten gekauft haben, das sind nun mal Leute aus mittlerer Bildung mit mittlerem Einkommen. Das hat mit Recht haben nichts zu tun, das ist Verkaufsstatistik.

41) Rhein Sieg, Dienstag, 26. April 2011, 19:38 Uhr

Sarrazins Verbleib in der SPD ist “nur folgerichtig”:

http://ad-sinistram.blogspot.com/2011/04/nur-folgerichtig.html

42) Peter Christian Nowak, Dienstag, 26. April 2011, 19:53 Uhr

@romeias47
°°Die Beschäftigten von Holzmann, AEG, Nokia etc. sind aber nicht mit der Forderung auf die Straße gegangen, die Betriebe zu schließen, damit sie Sozialfürsorge kriegen können.°°

Schröder hatte sich den Interessen einer 10% Oberschicht gebeugt. Sie sind die Profiteure der Agenda 2010 und den Hartz-Gesetzen. Der “spiegel”, in der Vergangenheit nicht gerade zimperlich im Umgang mit beispielsweise den Hartz IV-Empfängern, schreibt in seiner Online-Ausgabe das für mich erstaunliche Gegenteil:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,757054,00.html

43) EStz, Dienstag, 26. April 2011, 20:15 Uhr

@ Peter Christian Novak

Das sollte auch keine Übersetzung sein, sorry. Da ist mein Doppelpunkt wohl mißverständlich..

Ich habe “Mein Kampf” gelesen (wenn auch schon länger her – kann aber gerne noch einmal reinschauen), an Sarrazins “Deutschland schafft sich ab” sitze ich gerade. Einen Vergleich halte ich nur in soweit für zulässig, dass beide über eine Volks-/Religionsgruppe schreiben, der sie nicht angehören und die sie kulturell nicht verstehen. Aber Thilo Sarrazin ist weit, sehr weit davon entfernt, die Vernichtung einer wie auch immer gearteten Bevölkerungsgruppe zu fordern. Und der Mann hat, was die Fakten angeht, in Vielem schlichtweg recht. Zu beurteilen, ob seine Schlußfolgerungen die (einzig) richtigen sind, dafür halte ich mich nicht für kompetent genug.

Nicht, dass mir das Buch sympathisch wäre. Ich hatte schon nach dem Vorwort einen dicken Kloß im Hals. Und ich habe Verständnis für jeden anderen, dem es genau so geht. Wiederum: Nur weil ich gerne eine heile Welt hätte, die Augen verschließen vor offenkundigen Sachverhalten? Genauso wenig, wie mir pauschale Ressentiments GEGEN Ausländer schmecken, schmecken mir unterdrückte Fakten. Und es gab/gibt beispielsweise verschiedene Vorgaben an die Polizei, über von Ausländern begangene Straftaten so zu berichten, dass die Herkunft des/der Täter verschleiert wird.

Meiner Meinung nach ist der größten Fehler, den Sarrazin (und den die meisten seiner Kritiker) machen, die Verallgemeinerung. “Der Türke”, “der Russe”, “der Afrikaner”, “der Deutsche”, “der Amerikaner” – allen kulturellen Schemata zum Trotz gibt es innerhalb dieser Abgrenzungen so viele Schattierungen, dass man individuell schauen sollte – im Guten wie im Schlechten.

Kurz noch zu den konkreten Punkten:
>> Bei gleicher Leistung und sozialer Herkunft wechseln türkische Kinder sogar häufiger auf Realschule oder Gymnasium als deutsche.<> Und diejenigen, die sich der Verantwortung gegenüber der Geschichte stellen, werden automatisch als Feinde Deutschlands und stete Nestbeschmutzer dargestellt.<>Und diejenigen, die das Buch am meisten gekauft haben, das sind nun mal Leute aus mittlerer Bildung mit mittlerem Einkommen. Das hat mit Recht haben nichts zu tun, das ist Verkaufsstatistik.<<
Ja, die Statistik bemüht Herr Sarrazin auch immer wieder gerne.

Dass Sie mich bitte nicht falsch verstehen: Das so viele Mittelschichtler das Buch von Sarrazin kaufen, hat (wie immer nur meiner Meinung nach) damit zu tun, dass Sie sich von etwas Neuem existenziell bedroht fühlen. Das kann man ihnen schlecht vorwerfen (und ist kein Grund, auf diese Leute herab zu blicken).

Wenn Sie für sich eine Antwort haben, keine Bedrohung spüren etc, ist das gut für Sie. ich habe ein Gefühl von Bedrohung, ich denke auch, dass sich Deutschland in vielerlei Hinsicht abschafft (allein die Angliserung der Sprache – oh Graus), und ich habe keine befriedigende Antwort, geschweige denn Lösung.

PS: Argumentativ gefallen Sie mir viel besser :-)

44) Recht Unbedeutend, Mittwoch, 27. April 2011, 02:02 Uhr

Und plötzlich wird es konstruktiv – ich bin begeistert. Romeias47 und ff.- vielen Dank für die substanziellen Kommentare. Jetzt warte ich nur noch auf den nächsten, konstruktiven Sprengsatz. Politische Analyse muß nicht “materialzerstörend” sein. Vielleicht haben wir Lust, den Leitartikel der financial times Deutschland zu kommentieren? Da war heute ein spanischer Stier als Silhouette vor einem heraufziehenden Sturm zu sehen: “Euro-Krise entgleitet Politikern” (ja, die Personen, die Personen werden gemeint). Werden in einer möglichen Krise die Parteien finanziell vom Staat getragen? Oder wird es da ganz schnelle Veränderungen geben? Regiert Geld dann noch die Welt, oder gibt es ein interregnum? Da wird das Eis brüchig, da hat der reine Blogkommentar-Luftbeweger leicht reden. Aber ich will es eher wissen als die meisten anderen Prognosen. Wenn wir die 1. Reihe, vermeintlich “Verantwortliche”, irgendwie zur Verantwortung ziehen, mit was füllen wir die Reihen auf? Mit welchen Mitteln schützen wir uns vor Wilders, Guttenberg und Konsorten? Nur so ne Frage.

45) StefanP, Mittwoch, 27. April 2011, 09:53 Uhr

Der Fall Sarrazin ist vor allem ein Beispiel für die politische Abgehobenheit von der Realität. Ein Thema, so lange öffentlich tot geschwiegen, drängte nach einem Ventil. Die Politik mag nicht wahrnehmen, was wirklich passiert und was die tatsächlichen Probleme der Gesellschaft sind.

Sigmar Gabriel immerhin wusste, dass er das Verfahren gegen Sarrazin möglichst geräuschlos abräumen musste. Denn wie in zahlreichen Fällen der jüngeren Vergangenheit denkt die Mehrheit der Bevölkerung ganz anders als das politische Spitzenpersonal.

Wer in die Politik geht, scheint weniger denn je an der Lösung realer Probleme denn an der Befriedigung eigener ideologischer Anschauungen interessiert. Wie sonst konnte es passieren, dass das Heranwachsen einer aus Migranten gespeisten Unterschicht, die der Gesellschaft großen Schaden zufügt, so beharrlich ignoriert werden konnte? Erst beschrieb die Richterin Heisig in einem Buch, das zum Bestseller wurde, die juristische Realität mit Schwerstkriminellen und deren kulturellen und familiären Hintergrund – wo Praktiker und die Mehrheit nur zustimmend aus eigener Anschauung nickten, während die Politik betreten schwieg. Und anschließend beleuchtete Thilo Sarrazin das kulturelle und gleichzeitige Zukunftsproblem der Gesellschaft unter einem anderen Aspekt und erntete aufbrausende Zustimmung, die nun nicht mehr negiert werden konnte.

Wer weite Teile von Sarrazins Buch liest und beruflich – sei es in der Erziehung oder Bildung oder in der Justiz – mit Migranten zu tun hatte, stimmt den Beschreibungen des SPD-Rebells weitgehend vorbehaltlos zu. Wer eine solche öffentliche Person mit dem Hang, Realitäten schonungslos zu benennen, ausschließt und zum Outlaw erklärt, verliert am Ende den Rückhalt in der Bevölkerung.

Politiker scheinen heute einem grundsätzlichen Irrtum zu unterliegen: anhand der rapide abgenommenen Parteibindung kann man erkennen, dass die Bürger weniger denn je an der Pflege ideologischer Weltanschauungen interessiert sind, sondern spürbare Lösungen verlangen. Wer das nicht versteht, driftet ins politische und demokratische Abseits.

So ergeht es der Linkspartei, die nicht verstanden hat, dass die überwiegende Mehrheit längst ihren Frieden mit den Arbeitsmarktreformen der Jahre 2004 / 2005 gemacht hat. So ergeht es der FDP, die es nicht verstanden hat, substanzielle Verbesserungen für ihre inzwischen ziemlich breiten Wählergruppen zu erreichen. Und so erfährt es die SPD, die sich mit Vergangenheitsbewältigung aufhält, wo der Zug der Zeit längst weitergedampft ist.

46) nurmalso, Mittwoch, 27. April 2011, 11:49 Uhr

ob der versuchte rauswurf sarrazins gerechtfertigt war oder nicht – soll jeder für sich entscheiden. aber wenn man als partei einen rauswurf anstrengt, muss dieser auch durchgezogen werden. alles andere ist ein ungeheurer gesichtsverlust und beschädigung der reputation sowie autorität. das mit der gütlichen einigung kurz vor ultimo ist nur ein faules ei. wenn dem sö wäre, warum hat man sich nicht einigen können, bevor “ausschluss, ausschluss” geschrien wurde.

abgesehen von den thesen des buches (die mal mehr und oft weniger korrekt wiedergegeben werden) – jemand, der bereits zuvor in jede friteuse stapfte, die auf seinem weg lag, dazu noch zeit hat als bundesbanker (mussten die nicht eigentlich auch die krise bewältigen?!) auf steuergeldkosten einen schmöker zu verfassen, mit dem er sich zusätzlich einen goldenen zinken verdient; so jemand hatte längst einen rüffel verdient. so war es ja auch beim schlauen thilo. nur, dass ihm jeder rüffel am arsch vorbeiging und er noch einen draufsetzte.

47) Benjamin, Mittwoch, 27. April 2011, 14:58 Uhr

Die SPD macht in der Tat keine gute Figur. In der SZ ist ein dazu passender Kommentar erschienen: http://www.sueddeutsche.de/politik/spd-im-dauertief-die-siechende-partei-deutschlands-1.1089823

Ich sehe die Lage aber nicht ganz so dramatisch: Die SPD ist in einer Sinnkrise, die völlig kopflose FDP ist hingegen in einer Existenzkrise; die SPD kann wenigstens noch über mehrere mögliche Kandidaten für 2013 streiten (was ich jetzt für unangebracht halte), die CDU hat außer Merkel niemanden mehr. Die Union dümpelt auch eher orientierungslos daher und verliert wie die SPD, nur auf niedrigeren Niveau. Die Grünen sind zwar im Hoch, ob sich das realpolitisch in Inhalte umsetzen lässt, ist aber noch fraglich. Die LINKEN stagnieren und sinken teils ebenfalls.

In keiner der genannten Parteien sind zukunftsweisende, durchdachte und umsetzbare Vorhaben zu entdecken, die auch mal zehn Jahre weiter blicken. Hoffnung habe ich da eher noch bei den Grünen, aber es bleibt abzuwarten.

48) StefanP, Mittwoch, 27. April 2011, 16:52 Uhr

@Benjamin

Die Grünen haben so zukunftsweisende Konzepte, dass sich der Ministerpräsident in spe des Landes nicht als erstes Gedanken über den Erhalt des Wohlstandes in seinem Bundesland macht, sondern über weltweite Zukunftskonzepte für den Verkehr.

Wer mehr mit den Füßen auf dem Boden steht (“geerdet ist”) weiß dagegen, dass noch jede Vision ziemlich schrumpft, wenn sie mit lästigen Details belästigt wird, die Systeme und Konzepte erst lebensfähig machen. Die Grünen sind etwas für politische Träumer – und davon gibt es ausreichend genug.

49) Guido, Mittwoch, 27. April 2011, 17:43 Uhr

Ich bin enttäuscht.
Herr Spreng, inzwischen war doch genug Zeit, dass auch Sie das Buch hätten lesen können. Da sie aber über jemanden schreiben, “der andere Menschen wegen ihrer Herkunft und Religion für geistig und/oder kulturell minderbemittelt hält”, stellt sie dann doch in eine Ecke mit all den Profi-Bashern bundesdeutscher Politiklandschaften. Da habe ich mehr von ihnen erwartet, schade…

Ob es nun der SPD schadet? Sicher nicht. Denn wer das Buch liest, versteht die ganze Aufregung nicht.
Und so wird sich auch in einem halben Jahr kein Mensch mehr an diese unsägliche und peinliche Diskussion erinnern. Wenn es ausserdem noch A.Nahles des Job kostet, dann hat die SPD doch sogar etwas gewonnen ;-)

50) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 27. April 2011, 20:25 Uhr

@EStz

°°Genauso wenig, wie mir pauschale Ressentiments GEGEN Ausländer schmecken, schmecken mir unterdrückte Fakten. Und es gab/gibt beispielsweise verschiedene Vorgaben an die Polizei, über von Ausländern begangene Straftaten so zu berichten, dass die Herkunft des/der Täter verschleiert wird°°

Da stimme ich Ihnen zu. Offenheit ist die Grundlage des Vertrauens. Es ist ein schwerer Fehler die Nationalität eines Straftäters nicht zu nennen. Das gäbe Klarheit, auch für die Statistik. Die Bürger erwarten zu Recht Transparenz auf allen Politikfeldern, verständlicherweise insbesondere in der Inneren Sicherheit.
Ich stimme Ihnen auch zu, daß vieles unter den Teppich gekehrt wurde, auch aus Gründen einer “political correctness”, die vom Bürger als Heimlichtuerei wahrgenommen wird und wurde. Das hat ihn skeptisch gemacht. Und diesen Skeptizismus hat Sarrazin sich zunutze gemacht.
Was das Buch einfach schlecht macht sind die Behauptungen, die zum großen Teil wissenschaftlich unhaltbar, bestenfalls Halbwahrheiten und demagogisch zugespitzt sind. Der Erfolg dieser Halbwahrheiten liegt genau in dem Punkt, den Sie angesprochen haben: Das Gefühl von Bedrohung. Es ist dieses Bedrohungsgefühl, die Unsicherheit vieler Menschen, die ihre gewohnten Lebensumstände bedroht sehen und die Angst vor Verlust ihrer persönlichen Sicherheit; sei es in materieller Hinsicht, sei es der Verlust auf jegliche Lebensperspektive durch den Arbeitsplatzverlust. Sarrazin spielt mit diesen Ängsten und konzentriert den Blickwinkel auf das Ausländerthema. Er wußte genau, daß er damit (finanziellen) Erfolg haben würde. Sarrazin geht es nicht um die Menschen in Deutschland, noch um Deutschland selbst. Deutschland ist ihm schnurz. Es geht ihm nur um sich selbst. An sich ist er ein Menschenverächter. (siehe seine zynischen Kochrezepte für Hartz IV-Empfänger)
Sarrazin schlüpft – wie in Max Frischs Parabel – in „die beste und sicherste Tarnung“, nämlich als den Verkünder der „blanken und nackten Wahrheit“. Und die Biedermänner scheinen wie in Frischs Nachspiel auch nach der historischen Katastrophe nichts dazu gelernt zu haben.
Ich bin auch strikt dagegen, die Probleme klein zu reden. Probleme gibt es, weil die Deutschen sich die letzten Jahrzehnte selbst was vorgemacht haben in Sachen Einwanderung. Aber sie sind bei weitem besser lösbar und wesentlich kleiner, als die Banken- und Eurokrise es sind. Die wird für uns alle noch viel Bauchschmerzen verursachen. Und sie ist eine wirkliche Bedrohung. Die wenigsten Bürger sind sich dieser Bedrohung angemessen bewußt.

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/interview-der-woche/-/id=6633966/property=download/nid=659202/1eksan4/swr2-interview-der-woche-20100828.pdf

51) romeias47, Mittwoch, 27. April 2011, 20:34 Uhr

“Meiner Meinung nach ist der größten Fehler, den Sarrazin (und den die meisten seiner Kritiker) machen, die Verallgemeinerung. “Der Türke”, “der Russe”, “der Afrikaner”, “der Deutsche”, “der Amerikaner” – allen kulturellen Schemata zum Trotz gibt es innerhalb dieser Abgrenzungen so viele Schattierungen, dass man individuell schauen sollte – im Guten wie im Schlechten” (schrieb Estz)

Mich stört das auch immer sehr. Wenn man Gruppen meint, könnte man das auch mit “es gibt” umschreiben – aber das ist eben nicht so teutonisch vollmundig. Im Zusammenhang mit Integration hat sich z.B. auch der Ausdruck “Deutschtürke” eingebürgert. Das ist sprachlich schlicht falsch (Beispiel Stammbaum – Baumstamm) , wenn Deutsche von nach Deutschland eingewanderten Türken sprechen – es müsste heiße: Türkisch-Deutsche. In den USA nennt man die aus Mexiko Eingewanderten auch nicht US-Mexikaner, sondern “Mexican Americans”. In der Türkei heißen übrigens die aus D Zurückgekomenen “Deutschländer” – alldieweil der dort richtige Begriff “Deutschtürken” von den Teutonnen falsch benutzt wird.

52) Frank Mauerhofer, Donnerstag, 28. April 2011, 05:14 Uhr

Baden-Württemberg 21: Wie machtversessen und geschichtsvergessen muss ein designierter Ministerpräsident sein, der zur Absicherung seiner Wahl (70 Stimmen erforderlich) dem Koalitionspartner mit verfassungsfeindlicher innerer Ordnung die Schlüsselressorts Justiz, Innen, Finanzen/Wirtschaft und Bildungswesen überlässt?

“Der Mensch kann lernen, besser als alle anderen Lebewesen auf der Erde.”
Manfred Spitzer

Sind grüne Verantwortungsträger Menschen oder gewissenlose Wölfe, die sich den Staat zur Beute gemacht haben? Was unterscheiden Wölfe noch von Ratten? Gene!

53) Erika, Donnerstag, 28. April 2011, 09:40 Uhr

@Benjamin

Auch mit den Grünen ist das so eine Sache. Erst übernehmen sie in Hamburg Regierungsverantwortung, dann werfen sie hin. Erst sitzen sie bei den Hartz-Verhandlungen, dann ziehen sie sich zurück. Wir werden sehen, wie lange und wie gut Herr Kretzschmann die übernommene Verantwortung aushält.
Und dass die Vorkommnisse im Saarland mit der dubiosen “Jamaica-Koalition” der Grünen-Partei offenbar nichts ausmacht, kann mich persönlich nur wundern. Da werden bei der SPD von der Presse meist andere Maßstäbe gesetzt.

54) sk8erBLN, Donnerstag, 28. April 2011, 11:10 Uhr

@ mac4ever, Sonntag, 24. April 2011, 20:29 Uhr

“Sarrazin steht für diese Spaltung: seine Thesen werden bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, hier habe ich selbst den Begriff “Hobby-Eugeniker” (also eine Einordnung in faschistisches Gedankengut) gelesen. ”

Wie Sie das einordnen ist selbstverständlich Ihre Sache, ich halte mich da einfach an die Definition z.B. der Wikipedia: “Eugenik (von altgr. eu ‚gut‘ und genos ‚Geschlecht‘) oder Eugenetik bezeichnet seit 1883 die Anwendung humangenetischer Erkenntnisse auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern (positive Eugenik) und den negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern (negative Eugenik). Der britische Anthropologe Francis Galton (1822–1911) prägte den Begriff. Um 1900 entstand auch der Gegenbegriff Dysgenik, der „Schwächung des genetischen Potentials“ bedeutet.”

“Hobby-” habe ich dem selbsternannten Eugeniker vorangestellt da er von der Materie noch weniger Ahnung hat als vom Statistik fälschen und bzw. frei erfinden. Letzteres hat er immerhin zugegeben. Darüber hinaus ist Sarrazin für mich auch durch und durch Rassist aber um S. geht es hier nicht mehr, der wurde in epischer Breite in hunderten Beiträgen bereits diskutiert, auch hier im Blog.

Hier geht es um den jüngsten Glaubwürdigkeitsverlust der SPD im Zusammenhang mit einem Parteiausschlussverfahren und den ominösen Umständen, wie es zum Platzen gebracht wurde durch einige SPD Obere…

Das Wesentliche steht in diesem ganz kurzen Beitrag:
“Auch ne Meinung, Samstag, 23. April 2011, 18:42 Uhr
Dass Sarrazin bleibt, ist nicht der Skandal – http://t.co/856sk9x

Da das überlesen worden zu sein scheint von vielen hier dazu ein Vollzitat der wesentlichen Passage:
“Eine sehr schlüssige Rechtfertigung für das Parteiausschlussverfahren und dann dazu sogar noch folgender Hinweis von Herrn Gabriel:

„Und wer uns rät, doch Rücksicht auf die Wählerschaft zu nehmen, die Sarrazins Thesen (oder dem, was davon veröffentlicht wurde) zustimmt, der empfiehlt uns taktisches Verhalten dort, wo es um Grundsätze geht – und darüber jenen Opportunismus, der den Parteien sonst so häufig vorgeworfen wird.“

Das bedeutet nicht weniger, als dass die SPD nun ganz offiziell ihre Grundsätze über Bord geworfen hat, eine andere Lesart ist hier gar nicht möglich. Aber die Frage ist doch auch, was erwartet man noch von der SPD? Nichts. Und dann hat sie eben auch problemlos Platz für Herrn Sarrazin.”

DAS ist das Problem und nicht etwa ein Rentner mit Sprachfehler der den Hobby-Eugeniker spielt und ein Buch herausgegeben hat in dem so gut wie nichts neues stand, Politiker aber zu vorübergehendem sinnlosen Aktionismus veranlasst hat.

Es ist einmal mehr die Glaubwürdigkeit politischer Parteien die einmal mehr den Bach runtergegangen ist.

55) Ste, Donnerstag, 28. April 2011, 11:57 Uhr

@StefanP: Sich neben Herrn Sarrazin zu stellen mit dem Argument, dass man gleiche Erfahrungen in Justiz und Pädagogik etc. gemacht hat, halte ich für daneben. Klar hat der Herr ein wichtiges Thema angesprochen (was schon lange diskutiert wird, nur nicht so sehr differenziert und konstruktiv in den Medien), aber man kann nicht die Art und Weise befürworten, in der er es getan hat. Die Methode stimmt nicht (er geht von Gleichheit aus und betont dann die Verschiedenheiten, anstatt andersherum; das hat shcon Darwin besser verstanden), die Deutung der verwendeten Daten ist mehr als kritisch, und insbesodnere was zwischen den Zeilen steht ist menschenverachtend.

56) StefanP, Donnerstag, 28. April 2011, 15:36 Uhr

@Ste

Der Punkt ist ja gerade, dass dieses Thema nur noch in der Migrationsforschung auftauchte. Wir haben aber aufgehört, politisch zu diskutieren, welche Migration wollen wir, welche nicht und wie sieht die Situation mit den bereits hier lebenden Migranten aus?

Sarrazins Bestseller ist gerade im ersten Teil ein sehr wissenschaftliches Buch, während Heisig eher ein etwas ungeordneten Erfahrungsbericht niedergeschrieben hat. Deutschland hat eine Zuwanderung von 4/5 direkt in die Sozialsysteme, das ist ein Fakt. Und während eine Stadt wie Toronto über 50 Prozent Migrationsanteil mit ganz geringer Arbeitslosigkeit besitzt, sind es in einer vergleichbaren Stadt wie Berlin 20 Prozent respektive hoher Anteil an Langzeitarbeitslosen.

Warum das so ist, darüber muss man reden, Schlussfolgerungen und Konsequenzen ziehen, statt es in wissenschaftliche Zirkel abschieben.

57) Ste, Donnerstag, 28. April 2011, 21:38 Uhr

Der erste Absatz: Ja und nein. Hat denn Sarrazins Buch den Impuls für eine konstruktive Diskussion geschaffen? Nein, durch seine furchtbaren Thesen in verschwurbeltem Ansatz gekleidet hat eher eine hitzige und hohle Debatte hervorgerufen. Wir müssen es noch vielmehr in “wissenschaftlichen Zirkeln” thematisieren und diesen dann mit der Öffentichkeit verknüpfen; So wird was draus.
Und es hilft jetzt auch nciht, dass SieSarrazins Statistiken ncoh einmal nennen.

58) Benjamin, Freitag, 29. April 2011, 14:04 Uhr

@StefanP: “Die Grünen sind etwas für politische Träumer – und davon gibt es ausreichend genug.”

Wie hart man aus Träumen in der politischen Realität erwacht, wissen wohl eher die Westerwelle-FDPler.

Schmidt hat sich mal etwas despektierlich über politische Visionen geäußert, das aber vor allem auf die angeblich großen Ideen bezogen, die im 20. Jh. zweimal in die Katastrophe geführt haben. Eine Regierung ohne Zukunftskonzept und nur auf reines Machtkalkül bedacht, kann verwalten, aber nicht regieren. Nun gut, die FDP-Visionen brauchen wir aber wirklich nicht ;)

59) Jokus, Samstag, 30. April 2011, 03:27 Uhr

Ich will hier gar nicht mehr darüber streiten, dass Sarrazin an einigen Stellen seines Buches
(Menschen aus unterentwickelten Regionen der Türkei mit entsprechenden Genen)
zumindest unglücklich formuliert hat, doch wer sein Buch nicht nur als “rassistisches Machwerk” zitiert, sondern auch darin liest, kann doch nicht überlesen, dass hier ursozaldemokratisches Gedankengut ausgebreitet wird: Bildung und nochmal Bildung. Und er kann nicht übersehen, dass hier einer sehr deutlich macht, wie wenig “Multi-Kulti” insgesamt funktioniert. Wieso wehrt sich ein Großteil der eingewanderten türkischen Unterschicht dagegen, von Beginn an Deutsch zu lernen? Und das soll kein Manko sein? Kein Hinderungsgrund sich hier wirklich zu integrieren? darum allein geht es. Alle “deutsch”-gebildeten Deutsche aus der Türkei wissen das. Punkt 1.
Punkt 2: Nicht Sarrazin, sondern die grobe Wut eines Parteivorsitzenden Gabriel hat die Situation der SPD so dumm gemacht. Eine große Volkspartei muss auch einen ein wenig krusen Sarrazin aushalten können. Erst recht einen, der – von den “Genen” abgesehen, sehr sozialdemokratisch argumentiert.

60) Marcus, Samstag, 30. April 2011, 13:06 Uhr

Um die Zukunft ringen heute Grüne und CDU? Selten so gelacht! Die CDU ist heute eine völlig wertfreie ex-konservative Partei , die vor allem durch ihren reaktiven Politikstil auffällt. Was bleibt denn von Merkels Kanzlerschaft übrig an großartigen Reformen und Neuerungen, wenn sie 2013 vielleicht abtritt? Nichts! Die Rente mit 67 und das erfolgreiche Krisenmanagement wurde von Sozialdemokraten durchgesetzt. Seit 2009 passiert gar nichts mehr. Der Ausstieg aus dem Ausstieg ist futsch, die ideologisch null-begründete Wende in Sachen Wehrpflicht ist ein Desaster, die Außenpolitik ebenso (Abwendung vom Westen).

Und die Grünen? Ringen die? Nein, die erzählen seit Jahr und Tag dasselbe, übrigens auch mit demselben Personal. Man könnte sie die neuen Konservativen nennen! Niemand will die hysterisch eingeleitete Energiewende ernsthaft in die Hände der Grünen legen. Vorschneller Ausstieg aus der Atomenergie (währenddessen die ganze Welt weiterhin zu dieser Technologie steht), am liebsten auch keine neuen Gas- und Kohlekraftwerke mehr, und dort, wo neue leistungsstarke Überlandleitungen gebaut werden sollen, um den Importstrom im Land zu verteilen, da gehen die Lokalgrünen auf die Straße. Resultat: wenn nicht gleich Blackouts, dann massive Verteuerung der Strompreise, was v.a. zu Lasten kleinerer und mittlerer Einkommen und natürlich der energieintensiven Industrie geht – beides freilich Bereiche, in denen der typische Grünenwähler eher weniger vorkommt. Über die Energiewende hinaus nimmt man die Grünen inhaltlich wenig war, es sei denn gerade wird wieder irgendwo ein Verkehrsprojekt oder eine Brücke boykottiert.

Angesichts dieser geistigen Armut der beiden – nach Umfragen – größten deutschen Parteien, sollte sich die SPD schleunigst selbst in den Arsch treten, um Lösungen zu präsentieren für die dringendsten Probleme: eine bezahlbare Energiewende, die die Industrie nicht hops gehen lässt, eine Umgestaltung der sozialen Sicherungssysteme, die in der derzeitigen Verfassung keinesfalls zukunftsfest sind, und darüberhinaus in der Mitte der Gesellschaft Ressentiments aufkommen lassen, eine vernünftige und moderne Einwandeurngspolitik, damit in der Rentnerrepublik die Lichter nicht irgendwann ausgehen. Viel zu tun also für eine Partei, die weder Wohlfühl- (Grüne!), noch Nichtstu- (CDU!) ist.

61) EStz, Samstag, 30. April 2011, 15:29 Uhr

@ Stefan P
> Der Punkt ist ja gerade, dass dieses Thema nur noch in der Migrationsforschung auftauchte.
> Wir haben aber aufgehört, politisch zu diskutieren, welche Migration wollen wir, welche nicht
> und wie sieht die Situation mit den bereits hier lebenden Migranten aus?

ja!!

@ Ste, Donnerstag, 28. April 2011, 21:38 Uhr
> Hat denn Sarrazins Buch den Impuls für eine konstruktive Diskussion geschaffen?
> Nein, durch seine furchtbaren Thesen in verschwurbeltem Ansatz gekleidet hat eher
> eine hitzige und hohle Debatte hervorgerufen.

Bei so einem Problem ist mir ist eine hitzige Debatte, an der sich Hohlköpfe beteiligen, lieber als gar keine Debatte. Und wenn noch so viele mit “das wird man doch noch sagen dürfen” daherkommen; auch das ist eine Information, die Auskunft gibt über Land und Leute. Das ist außerdem der erste Schritt zu einer konstruktiven Auseinandersetzung. Unsere Politiker (durchaus auch die SPD) sollten wissen, was die Leute (ob zu Recht oder nicht) bewegt.

Und den intellektuellen Unterschied zwischen jemandem, der berechtigte Ängste und vorhandene Probleme zu einem Päckchen Ausländerfeindlichkeit zusammenrührt, und jemandem, der aus Gründen der “politischen Korrektheit” berechtigte Ängste und vorhandene Probleme totschweigt oder vertuscht, den kann ich nicht erkennen.

62) Jokus, Montag, 02. Mai 2011, 09:34 Uhr

Allen, die so schlau und “kritisch” den “rassistischen” Sarrazin kritisieren, oft ohne offenbar sein Buch zu lesen, sei empfohlen heute mal im “Spiegel” den alten (82 J.) von Dohnanyi zu studieren. Darin räumt er 1. ) mit dem Unbsinn auf, dass es etwa keine Gene gäbe, die uns beeinflussen und 2.) zählt er auf, was Sarrazin vorschlägt, um den speziell türkischen Einwanderen eine bessere Zukunft in Deutschland zu ermöglichen. Dazu gehört auch, sich von den herkömmlichen Fesseln zu lösen, wenn sie verhindern, hier die deutsche Sprache zu erlernen…
Oder, um es grob zu sagen, auch wir “großartigen”gebürtigen Deutschen müssten in der heutigen modernen Welt scheitern, wenn wir ihr mit den gesellschaftlichen Vorstellunge und Gewohnheiten unserer Ur-Ur-Großväter-/Mütter begegneten. Das ist der Sarrazin -Kern…und das ist ‘SPD-pur”!

63) StefanP, Montag, 02. Mai 2011, 13:46 Uhr

@Benjamin

Jede Vision schrumpft im Tagtäglichen, bis von der Ursprungsidee kaum noch etwas übrig bleibt. Daran ist am Ende natürlich der Pragmatiker schuld, nicht der Visionist, der meist ohne Rücksicht auf Gegebenheiten und Durchführbarkeit seine Ideen in die Landschaft bläst. Und dafür gefeiert wird.

Rekapitulieren Sie doch: Welche Vision, von wenigen entworfen, hat es in den vergangenen Jahrzehnten über den Realitätscheck geschafft? Aktuell ist der Visionär Barack Obama lautlos gescheitert an geringer politischer Kraft und Übermaß an Idealismus.

64) Romeias47, Montag, 02. Mai 2011, 16:53 Uhr

>Dazu gehört auch, sich von den herkömmlichen Fesseln zu lösen, wenn sie verhindern, hier die deutsche Sprache zu erlernen…” (schrieb Jokus)

Dann hätte man in fünfzig Jahren Nachkriegsbildungspolitik auch mal auf die Idee kommen können, reitende Logopäden durch südwestdeutsche Kindergärten zu schicken, damit sie irgendwann ein so schönes Deutsch sprechen können, wie ein zehn Jahre lang in Hannover lebender Einwanderer von “Weiß-Gott-wo”.

Spaß beiseite – ich denke, dass die konkreten und kulturellen Umweltbedingungen bestimmend sind. Wo Angst ist, kann keine Neugier (bzw. Wissensdurst) sein. Und wenn man nicht zweifeln darf, dann lohnt es sich auch nicht, etwas verstehen zu wollen. Da die Menschen sehr verschieden sind, reagieren sie auch sehr unterschiedlich auf neue Situationen – die einen entwickeln einen “Riesenappetit”, studieren und werden z.B. Justizministerin eines großen Bundeslandes, die anderen gehen vor Schreck über die Zahl der Wallmöglichkeiten hinter die eigenen (Groß-)-Eltern zurück.

Herr Sarrazin hatte das Glück, dass sein Pappi Arzt war. Das war die automatische “Gymnasialempfehlung” der Nachkriegszeit. Er ist damit das lebende Beispiel für “Bildung als Erbhof” und eben nicht für “SPD-pur”. Säße er mir inkognito im Zug gegenüber und ich müsste ihm zuhören, würde ich ihm seine berufliche Laufbahn nicht ohne Weiteres unterstellen.

Natürlich werden wir von Genen beenflusst. Trotzdem wäre es gesellschaftlich sinnvoller, wenn man mit Kindern, mit allen, ressourenorientiert umginge. Auch Einzelbegabungen sind wertvoll. Das Schulsystem sollte Personal, Eltern und Schüler(inne)n die Chance geben, diese zu entdecken.

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