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Käsekuchen

Als ich 2002 Wahlkampfmanager von Edmund Stoiber wurde, erhöhte sich die Zahl meiner „Freunde“ schlagartig. Auch unter denen, die auf ein Ministeramt spekulierten. Als noch nicht bekannt war, dass Lothar Späth unter einem Kanzler Stoiber Superminister für Wirtschaft und Arbeit werden sollte, lud mich Matthias Wissmann zu – von seiner Sekretärin – selbstgebackenem Käsekuchen ein, Roland Berger ging mit mir in den Berliner Capital-Club, Olaf Henkel suchte dringend das Gespräch. Und bei allen dreien wurde ich das Gefühl nicht los, dass das verkappte Bewerbungen waren.

Wirtschaftsleute sind da übrigens sehr  fexibel, denn Berger gefiel sich auch als Gerhard Schröders Berater und Henkel begehrte 1998 nachdrücklich – aber erfolglos – bei Schröders Siegesparty Einlass.

Zu bunt wurde es mir allerdings, als eine Zeitung meldete, Berger werde unter einem Kanzler Stoiber Wirtschaftsminister. Von Stoiber oder aus seinem Umkreis war das nicht gekommen. Nachdem wir die Meldung unkommentiert ließen, musste der Testballon wieder auf den Boden geholt werden. Bergers Büroleiter rief mich an, er werde gegenüber den Medien erklären, Berger stünde nicht zur Verfügung. Ich sagte ihm daraufhin, wenn er dies tue, würde ich erklären, er sei auch nicht gefragt worden. Nach langem Hin und Her gab Bergers Büro die korrekte Erklärung ab, er sei nicht gefragt worden und stünde auch nicht zur Verfügung.

Die ganze Zeit stand die Entscheidung für Späth längst fest. Die Berufung Späths war die einzige Personalentscheidung, die Stoiber schon am Anfang der Kampagne getroffen hatte und von der nur fünf Leute wussten. Eines der wenigen Geheimnisse in der Politik, das tatsächlich monatelang geheim blieb. Als Stoiber die Späth-Personalie vertraulich dem CSU-Generalsekretär mitteilte, stand sie am nächsten Tag in der „Süddeutschen“.