Freitag, 17. Juni 2011, 12:31 Uhr

Ohne Vertrauen

Habe ich eine Meinung, habe ich keine? Seit Wochen versuche ich, mir ein Urteil zur Entwicklung in und um Griechenland zu bilden. Ich lese alles, was dazu publiziert wird – von Regierungen, Experten, Journalisten und Populisten.

Was ist richtig? Immer neue Milliarden, immer neue Kredite für Griechenland zu bewilligen? In ein Fass ohne Boden? Was ist besser: Sanfte Umschuldung, also Streckung der Kredite, oder “Hair-Cut”,  ein brutaler Abschlag auf Griechenland-Anleihen? Oder gar der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, die Rückkehr zur Drachme? Und welche Folgen hat das für die eigenen Ersparnisse? Ich weiß es nicht.

Für jede Lösung gibt es gute und schlechte Argumente pro und contra, schlauer bin ich dadurch nicht geworden. Ich habe keine Meinung, weil ich nicht weiß, auf welcher Grundlage ich sie mir bilden, wem und welchen Argumenten ich vertrauen kann. Und ich ärgere mich über mich selbst, weil ich so hilflos bin.

Jetzt will ich mich nicht überschätzen, aber wenn ich mir kein Urteil bilden kann, dann geht es Millionen Menschen so. Und ich wage die Behauptung, dass auch 90 Prozent der Bundestagsabgeordneten nicht zu einer fundierten Meinungsbildung fähig sind – außer vielleicht ein paar wirklichen Experten und den schlichten Gemütern, für die alles immer einfach ist.

Aber meine Zweifel gehen noch weiter: Hat Angela Merkel überhaupt zur Griechenland-Krise eine fundierte Meinung, weiß Finanzminster Wolfgang Schäuble wirklich, was er sagt und tut? Die Unsicherheit und Planlosigkeit der politischen Klasse, ihre mangelnde Urteils- und noch schlechtere Kommunikationfähigkeit übetragen sich auf die Bürger, legen sich wie Mehltau über das Land. Keine Vertrauensperson weit und breit, die Bürger werden mit ihren Unsicherheit allein gelassen.

So fühle auch ich mich – ohnmächtig, urteilslos. Inbesondere deshalb, weil ich die Folgen der unterschiedlichen Rezepte und Scheinrezepte nicht beurteilen kann. Wann und bei welchen Entscheidungen bricht nur Griechenland, wann der Euro und wann die EU zusammen? Wird die Folge des Griechenland-Desasters eine neue Weltfinanzkrise sein? Fragen über Fragen und keine Autorität, die sie schlüssig und glaubhaft beantworten kann.

Der Zerfall Griechenlands wird so oder so auch tiefgreifende Folgen für die anderen EU-Staaten haben: Die Bürger verlieren den letzten Rest von Vertrauen in die politisch Handelnden.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

80 Kommentare

1) Z, Samstag, 18. Juni 2011, 16:41 Uhr

Der Austritt Griechenlads aus der Eurozone? Dann können Spanien, Portugal, Irland und Italien gleich mit. Es gibt nur ein Land, bei dessen Austritt (bei gleichbleibender Sparpolitik) Europa genesen würde: Deutschland.

2) Michael A. Nueckel, Samstag, 18. Juni 2011, 17:20 Uhr

Zitat aus dem vorletzten Absatz:

“Wann und bei welchen Entscheidungen bricht nur Griechenland, wann der Euro und wann die EU zusammen?”

Gut auf den Punkt gebracht (!).

Und nicht zu vergessen: Die Entscheidungen der EU, hier die Einigung unter den vielen Mitgliedstaaten, erschwert die zutreffende, wie zeitnahe Lösung.

3) Michael Peters, Samstag, 18. Juni 2011, 17:21 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,
Bei näherer Betrachtung der Griechenland-Krise geht es mir auch so wie Ihnen. Ein Gefühl der Hilflosigkeit kommt auf. Doch bei genauerer, sachlicher theoretischer Analyse des Dilemmas um die Situation Griechenlands bleibt nur ein (wenn auch schmerzlicher) Ausweg. Der Austritt aus der Euro-Zone. Danach eine Währungsreform mit einem saftigen Vermögensschnitt und die Implementierung einer neuen (Drachme 2) Währung. Denn nur,wenn Griechenland in die Lage versetzt wird, seine eigene Währung abzuwerten und sein Zinsniveau wieder selbst bestimmen kann, ist ein Neuanfang möglich. Dass überhaupt so unterschiedliche ökonomisch aufgestellte Länder wie Deutschland und Griechenland sich zu einem Währungsraum zusammenschließen konnten, zeigt, wie gering der ökonomische Sachverstand der politischen Klasse ist. Es gab genügend Euro-Skeptiker (Prof. Hankel, Starbatty etc), deren Mahnugen einfach überhört worden sind. Es erinnert mich fatal an die Fehler , die bei der deuschen Wiedervereinigung begangen worden sind. Damals hat die Einführung der harten Währung DM die gesamten Märkte der OST-Unternehmen zerstört. Außerdem wurde kein Vermögensschnitt gemacht, was für die Verschuldungssituation der Betriebe tötlich war. Doch zurück zu Griechenland. Griechenland profitierte massiv vom niedrigen Zinssatz im Euroraum. Es wurde mit billigem Geld überschwemmt.
Griechenland ist quasi bankrott. Wer glaubt, Griechenland mit frischem Geld weiterhelfen zu können, wie Frau Merkel, wird von den Märkten bestraft werden. Dass der Euro noch so gut dasteht, liegt auch am schwachen Dollar. Denn die wirkliche Gefahr für die Weltwirtschaft geht nicht so sehr von Griechenland aus, sondern vom unaufhaltsamen Abstieg der USA. Die Leitwährung US$ verliert immer mehr an Einfluss. Die USA sind mit über 4.000 Milliarden US$ in China verschuldet.
Hier lauert die wirkliche Gefahr für die Weltwirtschaft. China ist mit der gleichen merkantilistischen Unterbewertungsstrategie zum Superstar aufgestiegen wie Deutschland seinerzeit. Nur herrscht in CHina eine politische Klasse, die in Europa längst zum Teufel gejagt worden ist. Und das macht mir wirklich Angst.

4) sk8erBLN, Samstag, 18. Juni 2011, 22:33 Uhr

Das nenne ich Timing, in diesen Zeiten kommt diese kleine irrelevante Splitterpartei daher mit ihrrer Lieblingsplatte “Steuersenkungen”.

Konjunkturboom
Rösler verspricht zügige Steuersenkung
Im Kampf gegen das Umfragetief setzt der neue FDP-Chef auf ein klassisches Rezept – er verspricht eine Steuersenkung, und zwar bis 2013. Der Aufschwung solle endlich bei den Bürgern ankommen….

Die Wirtschaftslage habe sich besser entwickelt als erwartet. Deshalb könne man nun beides gleichzeitig schaffen: den Haushalt in Ordnung bringen und die Bürger entlasten, sagte der FDP-Chef.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769176,00.html

Aber na klar, ganz nebenbei finanzieren wir natürlich locker noch das Euro-Debakel diverser EU Staaten, das macht D doch mit links.
Schon erstaunlich, auf welchem Planeten lebt diese Partei eigentlich?

5) Christian, Samstag, 18. Juni 2011, 22:40 Uhr

Das eigentliche Problem ist doch, dass man uns weiß machen will Griechenland ( und Irland,Spanien,Portugal usw.) hätten ein Problem das wir ( und die USA, Japan usw.) nicht haben. Auch bei uns wird doch schon seit Jahren über die Verhältnisse gelebt und es ist doch nur eine Frage der Zeit bis uns unsere eigene Staatsverschuldung in den Abgrund reißt. Wir brauchen weder die Griechen noch die Iren um den Karren an die Wand zu fahren, die beschleunigen der Vorgang doch höchstens ein wenig.

6) Remington, Sonntag, 19. Juni 2011, 01:15 Uhr

Ich muss ehrlich anmerken, dass dieses allerorten, also auch hier lesbare kleinklein, fürchterlich zu langweilen beginnt. Griechenland hin, Euro her oder besser umgekehrt…die täglichen Nachrichten und Kommentare erinnern fast allesamt an das hilflose Gebelfer sichtunfähiger Stöberhunde, die, allein auf ihre Nase angewiesen, blind im Unterholz herumschnüffeln und das Eichhörnchen über ihren Köpfen nicht wahrnehmen.

Dabei ist alles ganz einfach.

Die EU soll eins werden. EINE Staatengemeinschaft unter einer Regierung und somit ein wirtschaftliches und politisches, vielleicht auch militärisches Gegengewicht zu USA und aufstrebenden Schwellenländern im Namen aller daran Verdienenden. Es geht um Machtvermehrung und Flächengewinn, um nichts anderes. Früher hat man zu diesem Behufe Truppen marschieren lassen, heute kauft man die entsprechenden Gebiete auf, mit einer Währungsunion und billigen Krediten. Die dortigen Regierungen gingen in die Falle und regierten jahrelang einfach mit dem Scheckbuch. Nun wird die Rechnung präsentiert, die Schuldenstaaten kriegen den IWF-Knebel ins Maul und werden auf lange Sicht keine eigene Politik machen können, derweil ihre Bürger sich auf die harte Tour daran gewöhnen müssen, nach gesamteuropäischen Maßstäben zu handeln. Was wir momentan erleben, ist nichts anderes als der Beginn der Übergangsphase vom Zuckerbrot zur Peitsche. Nun wird festgelegt, wer wie viel zu sagen und zu zahlen hat und kann, mehr nicht. Mit Griechenland wird ausprobiert, welche Maßnamen am besten funktionieren und gleichzeitig werden zukünftige Aufmüpfige abgeschreckt. Der Plan steht und stand in den entscheidenden Köpfen seit der Montan-Union und wird nun fortgesetzt und der Witz daran ist, dass die Führungsspitze, wie auch im Falle eines echten Krieges, vorher und noch mehr während der ganzen Operation lügen muss, dass sich alle Balken biegen. Denn die Soldaten damals wären niemals jubelnd zum Verrecken gezogen, hätten sie gewusst, welchen Interessen sie wirklich dienen und heute darf kein Steuerzahler auch nur ahnen, warum ihm in Zukunft immer weniger im Säckel bleiben wird und sein Staat ihm immer weniger Sicherheit bieten will. Lieber soll er sich mündig und gefragt fühlen und über nebensächlichen Tinneff streiten. Das Schiff ist leck und die Bilgen laufen voll und den Heizern wird es dreckig gehen. Aber das darf man ihnen nicht sagen, sonst hören sie gleich auf zu heizen. Der Kahn hat keine schlechte Chance, das Ufer zu erreichen, auch wenn unten die meisten ersaufen. Was juckt das die Brücke.

Und deshalb dieses Scheingezänk und diese vielen widerstreitenden Meinungen über Dinge, die nicht die geringste Rolle spielen. Wie viel Kredit, welche Laufzeit, wer welchen Anteil, welcher Zins…alles völlig irrelevant. Geld ist da und wenn es nicht reicht, wird es gedruckt. Griechenland darf nicht fallen und wird nicht fallen, der Euro wird nicht untergehen, sondern später reformiert, also abgewertet werden, was solls? Was zählt, ist das Ergebnis und das wird in zwanzig Jahren United States of Europe heißen. Und im Schlechtesten ein Rückfall in die Kleinstaaterei für zweihundert oder weniger Jahre bedeuten. Ebenfalls „na und“. Auch das wurde überwunden.

7) horst scharnhorst, Sonntag, 19. Juni 2011, 09:15 Uhr

Europa und Euro sind Erfolgsgeschichten. Griechenland ist das “Erfinderland” der Demokratie und unserer Werteordnung. De Wirtschaftskraft Griechenlands verhält sich zur Staatengemeinschaft des Euro-Raumes so wie die von Bremen zur Ländergemeinschaft Bundesrepubiik Deutschland. Das “wirtschaftliche Leiden” Griechenlands was Ende der 1990iger Jahre auch Goldman Sachs bekannt. Die amerikanische Großbank verhalf seinerzeit Griechenland mit einigen Tricks dabei, den “Kriterienkatalog” für den Euro zu erfüllen. Goldman Sachs baute einen “Troyaner”. So politisch die Aufnahme des ökonomischen Zwerge Griechenland in den Euro-Raum damals war, so politisch ist und bleibt der Euro damals wie heute. Er hat Europa geeinigt und wirtschaftlich stark gemacht. Deshalb bleibt Griechenland im Euro-Raum – das “Bremen-Europas” kann ohne Not vom Euro-Raum getragen werden.

Vor diesem Hintergrund muß man sich allerdings fragen, wer eigentlich das “Geheule” um den Niedergang des EUROS schürt. Der Blick fällt wieder in die USA – Goldman Sachs wieder vorne weg. Was hier passiert ist Zinstreiberei. Schlechte Ratings – hohe Zinsen: an denen verdient Goldman Sachs und die anderen Banken (die mit Steuergeld erst 2008 gerettet wurden) kräftig mit. Im übrigen soll das Euro-Geschrei vom Finanzdebakel in USA ablenken, denen der EURO seit Beginn an ein “Dorn im Auge” ist. Der EURO schwächt den Dollar. Ein starker Euro macht die Refinanzierung der US-Staatsschulden noch viel teurer. Griechenland ist Anlaß. Nicht der Grund.

Beobachten wir aufmerksam in den kommenden Monaten wie sich die Kräfteverhältnisse der Währungsräume verändern werden: Yuan/Rimimbi, EURO, Dollar. In dieser Reihenfolge.

8) Michael A. Nueckel, Sonntag, 19. Juni 2011, 11:03 Uhr

Hierzu paßt der Beitrag der SZ vom Wochenende:

http://www.sueddeutsche.de/politik/griechenland-krise-oekonomen-werfen-politik-versagen-vor-1.1110110

@ Michael Peters:
Stimmt, eine monetäre Integration bei derart offensichtlich unzulänglicher realwirtschaftlicher Konvergenz hätte es mit Griechenland (und eventuell anderen Ländern) daher nicht geben dürfen. Joschka Fischer hat das in einem Interview letztes Jahr gut auf den Punkt gebracht: “Es kann nicht angehen, wenn in einem Land die Menschen mit 55 und woanders mit 67 in Rente gehen.” Und das ist nur eines von vielen Beispielen.

@ Remington:
Hand aufś Herz, aber was Sie da schreiben, bleibt bei allem gebotenen Respekt unverständlich. In Ihrem Beitrag zieht sich ein grundlegendes Mißverständnis vom Anfang bis zum Ende durch: Die EU sollte nur am Anfang (1951/52) “Eins” werden, weshalb Ihre Voraussage der Vereinigten Staaten von Europa seit mehr als 40 Jahren ein abgelehntes Vorhaben darstellt. Ihre alternative Voraussehung des Rückfalls in die Kleinstaaterei ist Schwarzmalerei.

Scheitert diese EU mit aktuell 27 Staaten, von denen 17 Mitglied der letzten Stufe der EWWU sind, so wird es eine neue Gründung der unverändert an einer Zusammenarbeit angewiesenen Länder geben (können). Die Idee Europas in der Form einer politischen, ökonomischen und rechtlichen Integration stellt kein Monopol der EU dar, sondern ist durch jedermann und jederzeit wiederholbar. Ein Neuanfang könnte eventuell sehr hilfreich, wie heilsam sein. Wir haben uns mit der EU womöglich übernommen, diese EU leidet (in Anlehnung an Paul Kennedy: Aufstieg und Fall der großen Mächte) an Überdehnung, weil sie zu früh zuviel wollte. Das nächste Mal kann und sollte sie es daher besser machen.

9) Xpomul, Sonntag, 19. Juni 2011, 11:56 Uhr

es sind die gigantischen summen die mich so atemlos werden lassen und erschrecken.
diese hunderte von milliarden sind in den taschen von wem gelandet ?
es ist ja nicht nur griechenland alleine.
portugal, spanien, italien und sicher noch einige weitere kandidaten die hoffnungslos überschuldet sind.
wer zahlt die zeche am ende, gleich bei welcher lösung die politik präferiert und durchdrückt ?
und bitte.
nicht der euro ist schuld.
es ist – wie so oft – die maßlose gier nach mehr schuld.
und hier nicht die vielen vielen bürger der länder – sondern diese wenigen nimmersatten.

übrigens.
auch eine weltmacht wie die usa stehen am abgrund.
warum wohl ?

10) StefanP, Sonntag, 19. Juni 2011, 12:36 Uhr

Eigentlich ist die öffentliche Debatte nur eine weitere Episode der demokratischen Krankheit, jede Entscheidung in jedem Moment wieder überdenken und widerrufen zu können. Einerseits macht dies die Schönheit dieser Regierungsform aus – andererseits ist es auch ihr größtes Übel. Warum reden wir heute über das, was vor einem Jahr entschieden wurde?

Im Frühherbst 2010 trafen die Regierungschefs der Eurozone die Entscheidung, Griechenland unter allen zur Verfügung stehenden Mitteln durch bilaterale Darlehen aus der Überschuldungssituation zu helfen. Dies erfolgte unter Bruch der eindeutigen Maastricht-Verträge (No Bail-Out), gebrochenen Versprechungen an die jeweilige Bevölkerung und Parlamente (garantierte Sicherheitszusagen, kein dauerhafter Rettungsschirm) und Verletzung der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank, die entgegen dem Vertrag nicht mehr nur der Geldwertstabilität verpflichtet ist.

Zwischen zwei zur Wahl stehenden Optionen, nämlich andererseits dem Konkurs Griechenlands und dem sofortigen Ausscheiden aus der Eurozone und der EU, setzte man auf die Alternative, die den Status quo stabilisieren sollte. Allerdings gab es da nichts mehr zu stabilisieren, denn das Gerüst ist längst morsch. Seine Brüchigkeit ist verursacht durch vertragsbrüchige Staaten und Regierungen, ängstliche Politiker und maßlose Wähler. Es nützt nicht viel darüber zu lamentieren, dass wenn alle sich an die gemeinsamen Regeln gehalten hätten, wir heute nicht die Krise hätten.

Wer sich viele Jahre unvernünftig verhält und damit einen immensen Schaden verursacht, kann nicht erwarten, dass das zugrunde liegende Problem in einem Jahr gelöst ist. Die EU-Regierungen haben gegen die Finanzmärkte gepokert – und verloren. Das sollte man nicht tun, wirtschaftliche Logik lässt sich nicht überlisten. Nun ist das erste Ziel verfehlt, doch es wäre politischer, strategischer und ökonomischer Harakiri, wenn man die einmal eingeschlagene Linie verlassen würde, die man unter Bezahlung eines hohen Preises – Vertragsbruch, Vertrauensbruch, dreistellige Steuermilliarden – beschritten hat.

Merkel und Konsorten haben versäumt, Ehrlichkeit ihrer Politik voranzustellen. Nun addiert sie dazu noch Wankelmütigkeit. Hätte ihr Idol so feige gehandelt, wäre Schröder bei dem geringsten Widerstand zurückgezuckt, es gäbe keine deutsche Einheit und kein deutsches Wirtschaftswunder. Jeder konnte wissen, dass die Stabilisierung und Beruhigung der Eurozone enorme Mittel erfordern würde, dieser Preis wird gerade entrichtet. Jetzt Griechenland Pleite gehen zu lassen, würde deshalb den finanzwirtschaftlichen und politischen Super-GAU heraufbeschwören: Griechenland wäre auch bei einem Ausscheiden aus dem Euro pleite, da hülfe kein „Haircut“ mehr, da die verbliebenen Schulden ebenfalls in Euro lauten, das Land diese aber nach einer massiven Abwertung der neuen Nationalwährung auch nicht mehr bezahlen könnten. Gleichzeitig hätte das Land keine Möglichkeit, sich nur einen Cent (oder Drachme) zu verschulden. Und in Europa würde ein Domino-Effekt einsetzen.

Genauso albern ist die Vorstellung, Griechenland könne durch eine neue Währung Wettbewerbsfähigkeit zurückerlangen. Diese besaß das Land schon vor dem Euro nicht. Und mit arbeitsintensivem Tourismus kann man nunmal keine teuren Produkte und Maschinen bezahlen. Weder die Einheitswährung noch deutsche Lohnzurückhaltung haben Griechenlands fundamentale Krise verursacht.

Spätestens jetzt und heute müssten die letzten merken, wie wichtig ausgeglichene Haushalte, wie gerfährlich eine überbordende Staatsverschuldung und wie gescheitert Keynes sind. Die Ansprüche an den Staat können immer nur so hoch sein wie die eigene Bereitschaft zur Steuerzahlung.

Griechenlands Tourismus-Industrie hat reagiert: die hiesigen Hotels sind inzwischen so günstig wie lange nicht mehr, nachdem zuletzt fast Mondpreise verlangt wurden. Dafür versucht man vor Ort, die spärlicher ankommenden Gäste abzuzocken. Das Land wird langsam, aber sicher seine Lektion lernen.

Herzliche Grüße aus Samos (Griechenland)

11) M.M., Sonntag, 19. Juni 2011, 14:49 Uhr

Keine Sorge, Sie bekennen sich zum Unwissen. Andere tun so als wüssten Sie etwas und wissen auch nichts. Mindestens 90 Prozent der Diplom Betriebswirte und Diplom Kaufleute und Diplom Volkswirtschaftler haben im Hauptstudium Fachrichtung Marketing “studiert”. Der restlichen 10 Prozent haben Finanzwirtschaft an Bankakademien mit Prüfungsstoff wie “Eine Zentralbank geht nicht pleite” und “Ein Land mit Dreifach A Rating geht nicht Pleite” als Wahrheit eingetrichtert bekommen. Wer war nur für die Lehrpläne und für den Prüfungsstoff verantworlich? Wahrscheinlich wieder Professor NIEMAND! Das Wissen beschränkt sich mit MBA Abschluss auf die Empfehlung: Kaufen Sie wenn die Kurse steigen und verkaufen Sie wenn die Kurse fallen. Wowwwwwwwwww!

12) Dr. Dr. Joachim Seeger, Sonntag, 19. Juni 2011, 18:22 Uhr

Ich würde gerne in Griechenland leben. Dort könnte ich mit 55 Jahren schon in den Ruhestand gehen und meine Pension wäre pünktlich auf meinem Konto. Falls ich meine Freizeit nicht immer sinnvoll nutzen könnte, würde ich zur Demo gegen die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung oder gegen die EU gehen. Beliebt ist vor allem die Demo gegen Deutschland, das sich finanziell immer vorbildlich engagiert und den Griechen immer wieder gerne unter die Arme greift. Warum sollte man eigentlich nicht in Griechenland leben?
Dr. Dr. Joachim Seeger, Recklinghausen

13) sausi, Sonntag, 19. Juni 2011, 18:27 Uhr

Klasse, Herr Spreng!!!! Sie sprechen mir aus dem Herzen oder jedenfalls geben Sie meiner Ratlosigkeit eine Stimme.

14) Winfried, Sonntag, 19. Juni 2011, 20:37 Uhr

http://tinyurl.com/c3t6aw Das Geldsystem zerfällt in der ganzen Welt, es geht nicht um Griechenland oder um die Banken. Zinseszins fürht zur steigenden Geldmenge, die kann nur durch Schulden erzeugt werden, die Guthaben wachsen und der Zins müsste schon lange im Negativbereich sein.

15) EStz, Sonntag, 19. Juni 2011, 23:39 Uhr

@ Michael A. Nueckel

Wir haben uns mit der EU womöglich übernommen, diese EU leidet (in Anlehnung an Paul Kennedy: Aufstieg und Fall der großen Mächte) an Überdehnung, weil sie zu früh zuviel wollte.
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Nicht “die EU” wollte zuviel. Ein paar Politker haben versucht, sich mit Steuergeldern einen Platz in der Geschichte zu kaufen. Nicht mehr, nicht weniger. Dass beispielsweise mit einem Veto-Recht für 27 Mitglieder “kein Staat” zu machen ist, war allen schon vor der Erweiterung klar.

16) romeias47, Montag, 20. Juni 2011, 12:40 Uhr

@Dr. Dr. Joachim Seeger, Sonntag, 19. Juni 2011, 18:22 Uhr

Ich dachte, Merkels Schwiegermutter-Äußerungen zum Fleiß der Griechen seien definitiv widerlegt?! Und sind Sie sicher, dass Sie sich im Urlaub oder Ruhestand unter emsigen “Bienen” und “Ameisen” wirklich von Ihrem erschöpfenden Arbeitsjahr- oder -leben erholen möchten?

Der Schicht, zu der Sie – dem erweiterten Namen nach – gehören, mag es in Griechenland relativ gut gehen. Aber Griechen bis 30 können Sie für die finanz- bzw. etatpolitische Situation nicht verantwortlich machen. Und ein Rentner mit 700 Euro im Monat bleibt vielleicht nur die Demo, weil sie keinen Eintritt kostet und ihn davor bewahrt, den Dampf an Materie auszulassen. .

Und hat Deutschland wirklich Griechenland gern geholfen oder etwa doch deutschen Technologieriesen, die die griechische Polit-Elite mit hochpreisigem Schnick-Schnack becirct haben?
Im französischen Bourget findet derzeit eine einschlägige Ausstellung zum Thema Luftfahrt statt – hoffentlich werden die Eingänge dort von kundigen Leuten beobachtet …

Die “Polit-Macher” sind immer schnell dabei, wenn es ums Kürzen von Sozialausgaben geht. Ich plädiere für “leistungsgerechte Bezaahlung” und eine gewisse Haftung in den oberen Etagen.
Wenn die griechische Erb-Oligarchie es geschafft hat, sich von Goldman-Sachs die Aufnahme-Zahlen in die EU frisieren zu lassen, dann frage ich mich, wieso dieser personalintensive und teure Moloch nicht imstande war, eben dieses aufzudecken.

Und wenn instititutionelle Anleger ihrem Arbeitsfeld durch zuviel Risikobereitschaft ihrem Arbeitsfeld einen gewissen Kitzel verleihen wollen, dann sollten dafür gerade stehen müssen. Das Image Griechenlands auf diesem Feld war bekannt.

Die Probleme werden nicht zu lösen sein, sondern zunehmen, solange wir auf den Entscheidungsebenen in Politik und Wirtschaft nicht lernen, das Wort “Anstand” zu buchstabieren. Not very sexy, gebe ich zu …

Man muss nicht, was man darf, könnte aber in der Regel mehr, als man muss.

17) Erwin Gabriel, Montag, 20. Juni 2011, 13:09 Uhr

Dr. Dr. Joachim Seeger, Sonntag, 19. Juni 2011, 18:22 Uhr

> Ich würde gerne in Griechenland leben. Dort könnte ich mit 55 Jahren schon
> in den Ruhestand gehen und meine Pension wäre pünktlich auf meinem Konto.
> Falls ich meine Freizeit nicht immer sinnvoll nutzen könnte, würde ich zur Demo
> gegen die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung oder gegen die EU gehen.
> Beliebt ist vor allem die Demo gegen Deutschland, das sich finanziell immer
> vorbildlich engagiert und den Griechen immer wieder gerne unter die Arme greift.

Mal ganz dumm gefragt: Wieviele von den Griechenland-Milliarden (oder von mir aus -Millionen) haben Sie denn persönlich selbst beigesteuert? Und bitte nicht vom “Steuerzahler” reden; Ihr normales Steuergeld wäre so oder so weg.

Von den vielen Milliarden, die nach Griechenland gehen, kommt kein einziger Euro bei der Bevölkerung an. Dort gibt es ein Erwerbsleben, das nach Recht und Ordnung den Ruhestand zum Zeitpunkt XX ermöglicht (mit wie vielen Jahren auch immer – dort ist das so Gesetz). Auch dort freut man sich, dass die Plackerei vorbei ist, hat die ganze Zeit für seine Rente einbezahlt, sich an die Gesetze gehalten, und hofft nun, dass die Gesetze auch für einen selbst gelten. Und nun, von einem Tag auf den anderen, gibt es ein Riesenhassel, verlangen die EU, die Deutschen brutale Sparmaßnahmen und drohen, das Land sonst kaputt gehen zu lassen.

Es ist ja nicht so, dass die Milliardensummen beim kleinen (griechischen) Mann direkt ankommen. Er muss länger arbeiten, kriegt weniger Rente, verliert Geld, den eigenen Kindern wird es drastisch schlechter gehen, und die Deutschen (allen voran die BILD-Zeitung) reißen dumme Sprüche.

Auch in Deutschland gibt es eine (derzeit noch sehr eng geknüpfte) soziale Hängematte. Die hilft nicht nur denen, die Hilfe wirklich brauchen (und die sie auch bekommen sollen!), sondern erlaubt auch üble Auswüchse. Und auch in Deutschland liegt das durchschnittliche Rentenalter unter 65 Jahren. Nicht so niedrig wie in Griechenland, aber auch nicht so hoch, wie es sein sollte.

Wenn Sie auch nur ein einziges Mal Leben einen Beleg für die Steuer falsch angegeben haben, einmal geschummelt, nur einmal eine Steuerlücke (legal) ausgenützt haben, die der Staat in seiner Unvollkommenheit gelassen hat – dann haben Sie das getan, was jeder von uns, was jeder in griechenland oder anderswo tut: Sie haben sich einen Euro gekrallt, der laut Staat da nicht hin sollte. Wenn das jeder Deutsche jeden Tag einmal macht, kommen im Jahr knapp 30 Milliarden zusammen. Und glauben Sie mir, die Summen sind im richtigen Leben viel größer. Rechnen Sie da noch die Kosten zu, die durch falsche oder überflüssige Entscheidungen der Regierenden entstehen.

Wenn Ihnen nun Ihre Arbeitszeit trotz jeahrelanger gegenteiliger Versprechungen verlängert, die Beiträge erhöht, die Leistungen gesenkt weden, weil irgendwelche Banken in den USA den Hals nicht vollgekriegt haben (Immobilienkrise), und der amerikanische Präsident (George W. Bush) ein Exempel statuiert, in dem er gezielt eine Bank (Lehman) pleite gehen lässt, deren Kunden größtenteils in Europa sitzen; das ganze aufgrund von Ratschlägen ehemalige Manager einer Konkurrenzbank (Goldmann Sachs), die inzwischen das US-Finanzministerium beherrschen – dann würde es irgendwelchen Griechen nicht gut anstehen, Ihnen Faulheit und Böswilligkeit zu unterstellen.

– Die EU hat Griechenland ins Boot geholt, wohl wissend, dass das Land fininziell nicht auf den solidesten Füssen steht
– Politiker aller Herren Länder weigern sich beharrlich, die Finanzgiganten an eine feste Leine zu legen (Oscar Lafontaine hatte das Problem erkannt; ich bin kein “politischer Freund” von ihm, aber da hatte er Recht!)

Das Kind ist nicht jetzt in den Brunnen gefallen, sondern schon vor langer Zeit. Es hat nur eine Weile gedauert, bis wir den Platsch vernommen haben.

Wie Stefan P (meinen Dank für den fundierten Kommentar; einen von Ihnen genannten Aspekt hatte ich bislang übersehen) schreibt: Es geht zwar alles, was derzeit passiert, gegen geltendes Recht, gegen geltende Verträge. Aber da der erste Schritt gemacht wurde, muss der zweite folgen, sonst ist (wie beim Pokern) alles weg.

18) Erwin Gabriel, Montag, 20. Juni 2011, 13:11 Uhr

@ alle

Sorry, hab nicht mitbekommen, das der Kommentar sooo lang wurde. Ich wollte keinen quälen.

Erwin Gabriel

19) Xpomul, Montag, 20. Juni 2011, 13:44 Uhr

Auch wenn es ein wenig am aktuellen Thema vorbeischrammen mag.
Vergessen wir bitte alle nicht, das auch unser deutsches (Sozial)system auf sehr tönernen
Füßen steht und hoffen wir das wir nicht in Bälde “griechische” Verhältnisse hier haben.

Die Daten setze ich als soweit bekannt voraus.
Sind wir Deutschen dann auch faul und bequem ?
Ist es so einfach ein ganzes Volk zu pauschalisieren und den Kern nicht zu erkennen ?
Das viele Geld ist ja nicht verschwunden in einer fernen Galaxis.
Es ist noch alles da.
Eben nur verteilt auf den Konten sehr Weniger.

20) sk8erBLN, Montag, 20. Juni 2011, 21:26 Uhr

Banken diktieren Bedingungen für Griechen-Hilfe

Konkret heißt das: Investoren sollen neue Griechenland-Anleihen kaufen, wenn die alten Papiere auslaufen. Es soll dabei um rund 30 Milliarden Euro gehen. Da die neuen Staatsanleihen eine längere Laufzeit hätten, käme dies einem Zahlungsaufschub für Griechenland gleich, ohne den Schuldenstand zu reduzieren.

Der Plan dürfte nicht aufgehen

Es ist ein typisch europäischer Formelkompromiss.
Der Plan einer freiwilligen Umschuldung dürfte nicht aufgehen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Doch der Politik läuft die Zeit davon. Die Zahl der privaten Gläubiger wird immer kleiner: Berichten zufolge haben sich Banken und Versicherungen in den vergangenen Monaten in großem Stil von Griechenland-Anleihen getrennt.

Somit steht für die Finanzkonzerne immer weniger auf dem Spiel. Das gilt auch für deutsche Banken und Versicherer. Sie gehören zwar zusammen mit französischen Instituten zu den größten Geldgebern Griechenlands, doch mit einem Volumen von weniger als 20 Milliarden Euro ist das Gesamtengagement der Finanzbranche überschaubar. Zum Vergleich: Schätzungen gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zwischen 40 und 50 Milliarden Euro an griechischen Papieren im Portfolio hat.

Deshalb seien wirtschaftliche Anreize nötig.

Und wie könnten diese aussehen? In der Diskussion ist unter anderem, dass die Euro-Länder für neue Anleihen Staatsgarantien abgeben und private Gläubiger diese im Gegenzug kaufen. Das könnten die Politiker dann als “freiwillige” Beteiligung feiern – und am Ende würden doch die Steuerzahler für eine Pleite zahlen. Damit würde die Politik die Forderungen des Bankenverbandes erfüllen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,769325,00.html

Ja und wer hat nur der EZB die faulen griechischen Anleihen untergejubelt? Aber ist es nicht klasse? Bevor die Steuerzahler zahlen dürfen wird noch einmal richtig Kasse gemacht auf Seiten der Finanzindustrie. “Einer geht noch! Einer geht noch!”.

Da hat sich das am 17. Juni 2011, 22:12 Uhr gepostete Zitat einmal mehr bewahrheitet:

“Wenn du weiterhin ein Sklave der Banken sein willst und die Kosten deines eigenen Sklaventums bezahlen möchtest, dann lass die Banken weiterhin das Geld drucken und den Kredit kontrollieren.”
Sir Josiah Charles Stamp, erster Direktor der Bank von England

21) Erwin Gabriel, Montag, 20. Juni 2011, 22:53 Uhr

Xpomul, Montag, 20. Juni 2011, 13:44 Uhr

> Sind wir Deutschen dann auch faul und bequem ?

Das ist die Kernfrage, und sie lässt sich ohne Maßstab nicht beantworten.

Nehme ich meinen Vater als Vorbild, bin ich bequem. Nehme ich meine Kinder zum Vorbild, bin ich fleissig. Für ein Glas Milch musste ich früher zum Bauern laufen, mit der Kanne in der Hand (jaja, das gesunde Landleben). Jetzt laufen meine Kinder zum Kühlschrank.

Vor ein paar Jahren hätte ich diese Frage mit “ja” beantwortet, aber ich sehe, dass sich das gerade wieder dreht.

22) Don Camillo, Dienstag, 21. Juni 2011, 01:20 Uhr

Erwin Gabriel: Wer politisch denken kann, geht mit den “Drs” heut´ eher sparsam um….

Ihr Kommentar gefällt mir!

23) Xpomul, Dienstag, 21. Juni 2011, 12:57 Uhr

@erwin gabriel

so ähnlich sehe ich es auch hier.
wobei, auch ich werde eher träge und benutze lieber die fernbedienung als zum tv zu gehen …
allerdings kann ich es sehr vielen nicht verdenken angesichts der doch tendenziell vorherrschenden perspektivlosigkeit die sich wie ein graues tuch breitmacht über der gesellschaft und ihren systemen.
eigentlich hatte ich gehofft das die finanzkrise vorüber wäre.
jedoch fürchte ich das die wirkliche krise noch kommt und vieles hinwegfegt.
eine lösung oder einen ansatz hierfür das zu verhindern habe ich nicht, bevor dieser einwand kommt.
anmahnen dürfen muß man, auch eine lösung zu haben.
die “einfache” lösung die raffgiermentalität auszumeren wäre wohl zwar wünschenswert, doch utopisch.
leider…

24) StefanP, Dienstag, 21. Juni 2011, 20:07 Uhr

@Sk8erBLN

Ihr Kommentar geht an den Fakten vorbei. Der EZB musste nichts untergejubelt werden. 1. sind das keine Idioten in Frankfurt und 2. hat der französische EZB-Präsident Trichet eine politische Entscheidung getroffen, den Griechen fragwürdige Staatsanleihen abzunehmen und dubiose Papiere der griechischen Banken als Sicherheit zu akzeptieren.

Sie können Banken und anderen privaten Anlegern kaum vorwerfen, dass sie die Rückzahlung von Staatsanleihen annehmen. Oder wollen Sie das wirklich?

25) Z, Dienstag, 21. Juni 2011, 23:33 Uhr

20 beliebte Irrtümer in der Schuldenkrise. Von den Autoren der Nachdenkseiten und sehr empfehlenswerte Lektüre zur Lage in Griechenland:
http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/110619_RLS_Pleite-Griechen%202011.pdf

26) Xpomul, Mittwoch, 22. Juni 2011, 11:57 Uhr

@stefenp.

man muß banken und versicherungen aber vorwerfen das sie die griechenpapiere an die ezb als sicherheiten gegeben haben und somit im ernstfall fein raus sind.
solches verhalten ist unsozial und belastet die steuerzahler noch mehr.

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ob idioten in der ezb sitzen kann ich nicht beurteilen.
sehr fragwürdig ist allerdings das geschäftsgebaren der ezb sich in absolut unnötige abhängigkeit zu bringen.
gerade als hüterin des euro sollte sie sehr bedacht sein auf ihre festgeschriebene neutralität.
ergo:
man könnte schon meinen das wohl doch nicht die wirkichen experten in der ezb sitzen.

27) StefanP, Mittwoch, 22. Juni 2011, 17:12 Uhr

@Xpolmul

Die Zentralbank hat einen Kriterienkatalog, der sehr streng ist. Sie hat diese Papiere gezielt angenommen, da ist nichts Unmoralisches (komischer Begriff, wenn es um Geschäft und Verträge geht). Fragwürdig ist allein das Verhalten der EZB, die von der eigene Vertragsgrundlage aus politischen Gründen abgewichen ist.

Trichet folgte der “französischen” Linie und die fliegt nun den Anteilseignern um die Ohren.

28) isualK, Mittwoch, 22. Juni 2011, 19:27 Uhr

Es ist schon klar, dass es bei diesem Problem schwierig ist, sich eine Meinung zu bilden, solange man immer nach Lösungen im System sucht und das System nicht insgesamt infrage stellt. Wir haben ein Geldsytem, das auf Zins und Zinseszins basiert und auch beim Wirtschaftswachstum achten wir darauf, dass wir es prozentual immer zum Vorjahr steigern müssen.

Diese Mechanismen haben beide ein exponetielles Wachstum zur Grundlage und das ist auf Dauer schlicht und einfach gegen die Natur. Wenn wir in unserem Körper nach dem Kindes- und Jungendalter irgendwo exponentielles Wachstum haben, dann nennen wir das im allgemeinen Krebs und wir wissen, was das bedeutet.

Praktisch niemand würde bei einem Kettenbriefspiel mitspielen, das er per e.mail bekommt und das ihm unendliche Gewinne verspricht, wenn er nur einmal 20€ bezahlt, weil jeder weiß, dass damit nichts zu gewinnen ist. Irgendwann gibt es einfach nicht mehr genug Menschen, die auch 20€ zahlen.

Seltsam ist nur, dass alle unserem Wirtschaftsystem folgen, das das nämliche Prinzip zur Grundlage hat.

29) AR, Dienstag, 28. Juni 2011, 18:09 Uhr

Keine Panik, ist doch ganz einfach.

Wir lassen Griechenland fallen, Griechenland kriegt seinen Austeritätsschwitzkasten verordnet und wird erst mal dem Ausland die Schuld geben, das gehört da zur Folklore, daran darf man sich nicht stören. Der Nordeuro wird stärker werden und die Südländer disziplinieren sich oder können alleine rumsunmpfen..

Ausser Geld gibt es da nicht zu verlieren. Wichtiger ist die Konsequenzen zu ziehn und das Schafott für die Verantwortlichen aufzustellen. Und nein, die Verantwortlichen sind nicht die Deutschen.

30) Xpomul, Samstag, 23. Juli 2011, 14:47 Uhr

soviel zur beteiligung des privaten sektors:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=10194#more-10194

sollte man gelesen haben finde ich.
klasse geschäft für die banken.

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