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Sonntag, 26. Juni 2011, 13:32 Uhr

Kohlianer

Von Helmut Kohl ist bekannt, dass er nur zwei Sorten von Menschen kannte: diejenigen, die für ihn, und diejenigen, die gegen ihn waren. So teilte er auch Journalisten ein. Sein Verhältnis zur Pressefreiheit war ein rein instrumentelles: ein guter Journalist war derjenige, der sich von ihm instrumentalisieren ließ. Wer – wie ich – ihm mit einer gewissen Grundsympathie gegenüberstand, wurde schnell als “Kohlianer” vereinnahmt, der ihm bedingungslos zu folgen hatte.

Weil ich bei BILD war und mit ihm einen vertrauensvollen Umgang in seiner Zeit als Oppositionsführer pflegte, glaubte er offenbar, ich sei “einer von uns”. Er missverstand dabei, dass Journalisten mit machtlosen Oppositionspolitikern – zumindest damals – immer ein bisschen freundlicher umgehen als mit verantwortlichen Regierungspolitikern.

So kam es, dass er nach einem Interview kurz vor der Bundestagswahl 1983 seinen Regierungssprecher Peter Boenisch und seinen Medienberater Eduard Ackermann aus dem Kanzlerzimmer schickte, um mit mir unter vier Augen zu sprechen. Ich stand damals kurz vor dem Wechsel in die Chefredaktion des Kölner “Express”. Kohl fragte mich freundlich über den Wechsel aus und bot mir an, auch künftig immer für mich erreichbar zu sein.

Als ich mich aber wie ein normaler Journalist verhielt und der “Express” seine Regierungspolitik deutlich kritisierte (insbesondere in der Kießling-Affäre), war’s mit der “Freundschaft” vorbei. Während der ganzen “Express”-Zeit (bis 1989) wurden Interviewanfragen nicht einmal beantwortet – auch nicht von Boenisch und Ackermann. Ich war halt doch “keiner von uns”. Und auch zu meiner BamS-Zeit stand ich auf seiner Feindesliste. Ich hatte die Bewährungsprobe als “Kohlianer” nicht bestanden.

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6 Kommentare

1) Dieter Carstensen, Montag, 27. Juni 2011, 12:52 Uhr

Lieber Michael Spreng,

es beruhigt mich zu wissen, dass Sie kein “Kohlianer” wurden.

Uns wurde schon in der Kindheit beigebracht: “Zuviel Kohl ist ungesund.”

M.f.G.

2) Frankilein66, Montag, 27. Juni 2011, 17:23 Uhr

Als Kölner kann ich ihnen sagen, dass es zu keiner Zeit und bei keinem Chefredakteur und für keinen Bundeskanzler einen vernünftigen Grund gab, dem Express ein Interview zu geben. Wer hätte ihm kompetente Fragen stellen sollen?

Kohl hat auch dem Spiegel kein Interview gegeben und trotzdem hatte man nie das Gefühl über seine Politik nicht informiert gewesen zu sein.

3) Tilman, Dienstag, 28. Juni 2011, 23:25 Uhr

Glückwunsch Spreng, sie haben sich nicht “verkohlen” lassen ;)

4) EStz, Mittwoch, 29. Juni 2011, 11:58 Uhr

Die “Kießling-Affäre” war eine ausgemachte Schweinerei. Einer der Fälle, die ohne Presse unter den Tisch gekehrt worden wären. Dass Helmut Kohl nicht mal in solchen Situationen Kritik und Tadel akzeptierte, sagt viel über ihn als Mensch.

5) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 30. Juni 2011, 13:20 Uhr

Man muß sich die Kießling-Affäre mal heute vorstellen: Sie wäre, glaube ich, so nicht mehr möglich. 1983 aber schon. Heute konkurrierte ein Vier-Sterne-General der Bundeswehr mit einem amtierenden Aussenminister und einem Regierenden Oberbürgermeister gleichen sexuellen Ident´s.
Keine Schlagzeile für die Boulevard-Blätter, kein Aufreger, der die Politik irgendwie in öffentliche Erklärungsnot bringen würde.

6) Lacerda, Samstag, 02. Juli 2011, 01:07 Uhr

Herr Spreng,

es ehrt Sie im hohen Maße, daß Sie sich nicht “verkohlen” haben lassen.
Helmut Kohl ist schon immer bekannt für seine Blindheit und massiven Realitätsverlust.
Sie haben den Druck ausgehalten, das macht einen guten Journalisten aus. Weiter so !

* Am Do saß ich im Bundestag auf der Pressetribüne und vor mir saß einer, der Ihnen zum wechseln ähnlich sah…war aber falscher Alarm….

* In time :
Frau Leutheuser-Schnarrenberger hat über das neue Unternehmensrecht vor einem FAST leeren Parlament gesprochen. Zugehört haben doch nur die Retner auf der Besuchertribüne. Na, immerhim !!!!

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