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Kohlianer

Von Helmut Kohl ist bekannt, dass er nur zwei Sorten von Menschen kannte: diejenigen, die für ihn, und diejenigen, die gegen ihn waren. So teilte er auch Journalisten ein. Sein Verhältnis zur Pressefreiheit war ein rein instrumentelles: ein guter Journalist war derjenige, der sich von ihm instrumentalisieren ließ. Wer – wie ich – ihm mit einer gewissen Grundsympathie gegenüberstand, wurde schnell als „Kohlianer“ vereinnahmt, der ihm bedingungslos zu folgen hatte.

Weil ich bei BILD war und mit ihm einen vertrauensvollen Umgang in seiner Zeit als Oppositionsführer pflegte, glaubte er offenbar, ich sei „einer von uns“. Er missverstand dabei, dass Journalisten mit machtlosen Oppositionspolitikern – zumindest damals – immer ein bisschen freundlicher umgehen als mit verantwortlichen Regierungspolitikern.

So kam es, dass er nach einem Interview kurz vor der Bundestagswahl 1983 seinen Regierungssprecher Peter Boenisch und seinen Medienberater Eduard Ackermann aus dem Kanzlerzimmer schickte, um mit mir unter vier Augen zu sprechen. Ich stand damals kurz vor dem Wechsel in die Chefredaktion des Kölner „Express“. Kohl fragte mich freundlich über den Wechsel aus und bot mir an, auch künftig immer für mich erreichbar zu sein.

Als ich mich aber wie ein normaler Journalist verhielt und der „Express“ seine Regierungspolitik deutlich kritisierte (insbesondere in der Kießling-Affäre), war’s mit der „Freundschaft“ vorbei. Während der ganzen „Express“-Zeit (bis 1989) wurden Interviewanfragen nicht einmal beantwortet – auch nicht von Boenisch und Ackermann. Ich war halt doch „keiner von uns“. Und auch zu meiner BamS-Zeit stand ich auf seiner Feindesliste. Ich hatte die Bewährungsprobe als „Kohlianer“ nicht bestanden.