Kommentare
55
Tagcloud
BILD CDU CDU/CSU Christian Wulff CSU Der Spiegel Die Linke FDP Grüne große Koalition Hartz IV Helmut Schmidt Kohl Linkspartei Merkel Philipp Rösler Rüttgers Schäuble Schröder Schwarz-Gelb Seehofer Sigmar Gabriel SPD Steinbrück Steinmeier Steuersenkungen Stoiber Wahlkampf Westerwelle zu Guttenberg
Sonntag, 03. Juli 2011, 13:13 Uhr

Das Phänomen Steinbrück

Er hat noch nie eine Wahl gewonnen, nur eine verloren (2005 in Nordrhein-Westfalen gegen Jürgen Rüttgers). Er hat kein öffentliches Amt, er ist nur einfacher Abgeordneter. Er gilt als arrogant, undiszipliniert, rechthaberisch und selbstverliebt.

Er war eher ein wirtschaftspolitischer Saulus, der für die Deregulierung der Finanzmärkte kämpfte, bis er mit dem Finanzcrash sein Paulus-Erlebnis hatte. Ihm gegenüber war der CDU-Mann Rüttgers ein Linker. Er kann nicht oder nur schlecht mit den Grünen. Er ist schon 64, hat also sein politisches Leben fast hinter sich.

Und dennoch ist dieser Mann der beliebteste deutsche Politiker. Bei der jüngsten Umfrage des “Spiegel” liegt dieser Mann mit 60 Prozent auf Platz 1 derjenigen Parteipolitiker, die nach Ansicht der Wähler künftig eine wichtige Rolle spielen sollen. Peer Steinbrück ist ein Phänomen der deutschen Politik.

Das muss Gründe haben. Einer davon ist sicher das Guttenberg-Phänomen. Die Wähler projizieren in ihn Sehnsüchte und Fähigkeiten, die sie bei anderen Politikern schmerzlich vermissen – insbesonders bei der amtierenden Bundeskanzlerin.

Die Wähler sehnen sich nach Leadership, nach einem Politiker, der (tatsächlich oder vermeintlich) einen Kompass hat, nach dem er sich richtet. Der bereit ist zur Führung und bereit, dafür auch das Riskio das Scheiterns einzugehen. Der nicht auf Sicht fährt. Der sagt, was er denkt, und denkt, was er sagt. Bei dem sie Gradlinigkeit vermuten in einer Welt der Zickzack-Politiker.

Und dieser Mann ist in den Augen der Wähler offenbar Peer Steinbrück. Aber wie ernst sind solche Umfragen zu nehmen? Direkt hinter Steinbrück folgt auf der “Spiegel”-Liste Frank-Walter Steinmeier, ein Mann, der sogar schon eine Bundestagswahl katastrophal verloren und damit bewiesen hat, dass ein Umfragebonus in der gehärteten Wahrnehmung der Wahlkämpfe keinen Bestand haben muss.

Einmal verloren, immer verloren? Willy Brandt hat einst das Gegenteil bewiesen, aber Steinmeier ist kein Ausnahmepolitiker wie Brandt. Also doch Steinbrück? Die SPD hat nur die Wahl zwischen den beiden. Einer der “Stones” muss es werden. Einen dritten Kandidaten gibt es nicht. Sigmar Gabriel hat zwar jederzeit die Chance, den Oscar für politische Vieldeutigkeit zu bekommen, für Polemik und Witz, nicht aber für seriöse Rollen.

Die SPD muss sich also für 2013 zwischen Steinmeier und Steinbrück entscheiden. Und da lohnt sich auch ein Blick in die Geschichte. Die SPD hat immer dann das Land regiert, (Willy Brandt war die Ausnahme), wenn der Spitzenmann nicht dem sozialdemokratioschen Mainstream entstammt, wenn er ein bisschen neben und rechts von der Partei positioniert war. So war es bei Helmut Schmidt und 1998 bei Gerhard Schröder.

Schröder war von Rudolf Scharping (der war mal SPD-Chef) wegen Insubordination als Wirtschaftssprecher abberufen worden und hatte mit Oskar Lafontaine einen starken Gegenspieler, der tief in der Partei verankert war. Dennoch wurde er Kanzlerkandidat – nach einer Selbstausrufung, indem er die niedersächsische Landtagswahl zur Vorwahl gemacht hatte. Selbstausrufung wird übrigens auch gerade Steinbrück vorgeworfen.

Und Schröder siegte gegen Helmut Kohl, weil er – auch bei CDU-Sympathisanten – die zeitgemäße Antwort auf den führungsschwachen und verbrauchten Kohl war. Weil ein Sozialdemokrat der bürgerlichen Sehnsucht nach Führung entsprach. Und weil sich die Partei zähneknirschend und (von Lafontaine) diszipliniert hinter ihm versammelte.

Also Steinbrück für 2013? Er will, das ist klar. Am Kandidaten wird man ablesen können, ob die SPD auf Platz oder Sieg setzt. Angela Merkel bevorzugt sicher Steinmeier – so wie Kohl 1998 Lafontaine.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

55 Kommentare

1) marcpool, Sonntag, 03. Juli 2011, 13:36 Uhr

Ein Comeback wäre wünschenswert. Merkel fürchtet seine oft bissigen Anmerkungen… weil sie weiss wie scharf seine Worte und die ” Wunden ” sind . ” Sie muessen nicht gleich so angefressen reagieren Frau Bundeskanzlerin , wenn man nicht gleich ihrer Meinung ist ” – P. Steinbrück Zitat

2) wolf_hamburg, Sonntag, 03. Juli 2011, 13:40 Uhr

Und wenn Joschka in den Ring tritt und den Handschuh aufhebt, bekommen wir zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine spannende Bundestagswahl an deren ende wohl möglich ein erster Grüner Bundeskanzler steht.

3) karl, Sonntag, 03. Juli 2011, 13:42 Uhr

Steinbrück und Steinmeier sind deshalb so beliebt, weil inzwischen auch dem letzten Deppen aufgefallen sein muss, dass Frau Merkel weder Führungsqualitäten (ist ja nie da oder sagt nie was dazu) noch eine eigene Meinung hat, (Fähnchen im Wind) geschweige denn irgendwas fürs Volk tut (siehe Milliardengeschenke an Atomkonzerne) oder für Werte steht (siehe Guttenberg).

Oder es ist einfach nur die Namensähnlichkeit und keiner kann die beiden auseinanderhalten :)

4) mambo, Sonntag, 03. Juli 2011, 13:46 Uhr

herr steinbrück versteht es sicher ,sich gut zu verkaufen.
jedoch ,in der finanzmarktkrise war er brandstifter und feuerwehrmann zugleich.
jahrelang hat er ,zusammen mit jenem schillernden herrn asmussen
die finanzmärkte dereguliert ,und damit die fundamente für die krise gelegt.
außerdem gehört er jenen “sozialdemokraten “,
die die berechtigten interessen der arbeitnehmer,der eigentlichen spd-klientel ,verraten hat.

5) Frankilein66, Sonntag, 03. Juli 2011, 13:51 Uhr

Wen interessiert schon, wen die SPD als Kanzlerkandidaten aufstellt?

Viel wichter ist doch, wer für die “Volkspartei” Grüne ins Rennen geht, denn der hat im Gegenzug zum “Nischenpartei”-Kandidaten der SPD die Chance, Kanzler zu werden.

6) taurus, Sonntag, 03. Juli 2011, 14:53 Uhr

Schöne Analyse. Ich wundere mich schon die ganze Zeit, wie Steinbrück in Guttenberg-Manier hochgejubelt wird. Steinbrück saß im Aufsichtsrat der KfW, seine rechte Hand Jörg Asmussen im Aufsichtsrat der IKB. Trotzdem wurde das Heraufziehen der Finanzkrise offenkundig komplett verpennt, der Steuerzahler haftet nun dafür. Als diese Schlamperei ruchbar wurde, lenkte Steinbrück durch lautes Wutgebrüll gegen die Schweizer davon ab. Ist noch gar nicht so lange her. Alles vergessen, bloß weil der ein bißchen mehr Basta-Politik und weniger Herumgeeier verspricht? Gerhard Schick von den Grünen hat als einer der ganz wenigen stets und beharrlich auf die Versäumnisse der Führungsspitze im Finanzministerium hingewiesen. Da erscheint es mir in der Tat gerechtfertigt, wenn die Grünen nun Wahlergebnisse jenseits der 20% bekommen.

7) Doktor Hong, Sonntag, 03. Juli 2011, 15:19 Uhr

In NRW gegen jemanden wie Rüttgers zu verlieren, das muss man erstmal hinbekommen. Gleichzeitig bitte ich um Verzeihung, sollte ich Ihnen mit dieser Bemerkung auf den Schlips getreten sein. Vielleicht war es ja die Positionierung als “Arbeiterführer der CDU”, die ihm den Wahlsieg gebracht hat. War das eigentlich Ihre Idee?

Zu Steinbrück: Was ist denn dessen Kompass? Hat er denn die Ideen und das Gespür dafür, was die Menschen bewegt? Und hat er Antworten darauf, die in der Breite als sozial gerecht wahrgenommen werden? Hat das überhaupt jemand in der SPD?

In meiner allwöchentlichen Diskussionsrunde wird die Hypothese diskutiert, dass Steinbrücks Selbstausrufung ein Ablenkungsmanöver ist, vermutlich zu Gunsten von Steinmeier, um zu einer neuen schwarz-roten Koalition zu gelangen. Wie würden Sie diese Variante bewerten?

Es mag ja sein, dass in den Meinungsumfragen dieses oder jenes der Fall zu sein scheint. Aber was sagt das über die tatsächliche Fähigkeit aus, Dinge im Sinne eines breiten Konsenses innerhalb der Bevölkerung zu bewegen?

8) Sigmund, Sonntag, 03. Juli 2011, 15:20 Uhr

Na klar, ist er beliebt. Er wird ja von den Medien belibet gemacht. Und warum? Damit kein SPD-Linker (wobei ich da auch niemanden sehe) in den Ring steigt. Stellen Sie sich mal vor, diese(r) Linke würde Bundeskanzler werden, dann würde D mal keine konzernhörige Politik machen. Terrible!!!!!

Nö, mit G.S. ist es eine Win-Win-Veranstaltung. Wenn (nach aktuellen Umfrageergebnissen) Steinbrück gewinnt, ist wieder ein neoliberaler SPD-Rechter am Zug, oder aber:
da Steinbrück, wie erwähnt, Wahlen zu verlieren pflegt, bleibt Merkel Kanzlerin.
Und bis Herbst 2013 ist noch genug zeit, um Steinbrück hochzuschreiben, und dann, wenn er Kanzlerkandidat ist, wird er wieder runtergeschrieben.
Mit ein bischen Glück (und dem Unglück der FDP) fährt Frau Merkel dann einen strahlenden Sieg ein, und sie kann sich wieder an ihre guten alten Leipziger Tage erinnern, und aus dem Atom-Ausstieg-Ausstieg-Austieg kann man ja dann auch wieder aussteigen…

9) Sigmund, Sonntag, 03. Juli 2011, 15:23 Uhr

Noch ein kleiner Nachtrag:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=9830

10) Ste, Sonntag, 03. Juli 2011, 15:24 Uhr

Sicher haben die Medien auch dazu beigetragen, vor allem ARD/ZDF, diesen Mann in die Aufmerksamkeit zu schieben, und hoppla auch bei Umfragen fällt den befragten Leuten dann öfter Steinbrück ein, ist doch klar.

11) Erwin Gabriel, Sonntag, 03. Juli 2011, 15:48 Uhr

> Die Wählerr projizieren in ihn Sehnsüchte und Fähigkeiten,
> die sie bei anderen Politikern schmerzlich vermissen –
> insbesonders bei der amtierenden Bundeskanzlerin.

> Die Wähler sehnen sich nach Leadership, nach einem Politiker,
> der (tatsächlich oder vermeintlich) einen Kompass hat,
> nach dem er sich richtet. Der bereit ist zur Führung….

… tatsächlich oder vermeintlich… so isses!

Ich denke, dass ist der Hauptpunkt für seine Beliebtheit. Er bietet ähnlich wie zu Guttenberg etwas, das der aktuellen Kanzlerin nur allzu deutlich fehlt.

Wenn man die politische Stimmung in Deutschland ausmittelt, landet man in der Regel leicht rechts von der Mitte (egal, was die Umfragewerte für die einzelnen Parteien ergeben). Dementsprechend müsste eine halbwegs gut geführte CDU stets den Kanzler stellen (so, wie Bayern München “eigentlich” immer den Deutschen Fußballmeister stellen müsste).

Hällt die CDU mit den Erfordernissen der Zeit nicht mit, erfolgt eine Korrektur. In der Regel durch dsa Erstarken kleinerer Parteien, deren Politik in abgeschwächter Form aufgenommen und integriert wird. Ich kenne sehr viele Leute, die schon sehr früh mit den Alternativen sympathiesiert oder sie gar gewählt haben, damit grüne Politik stärker berücksichtigt wird – aber in der Hoffnung, dass die Grünen nie an die Regierung kommen.

Manchmal wird die CDU schlecht geführt, (so wie unter Erhard und Kiesinger, die letzten Jahre unter Helmut Kohl, jetzt unter Angela Merkel). Dann steht (bzw. stand) die SPD bereit. Kaum hatte sich die CDU gefangen, war sie wieder dran.

Mag sein, dass die SPD auf lange Sicht diese Position verliert, weil es die typischen Wählerschichten nicht mehr in alter Stärke gibt. Dass die Grünen (derzeit) so stark sind, zeigt mir eigentlich nur, wie vielen Menschen es gut geht.

12) Nobbi, Sonntag, 03. Juli 2011, 16:23 Uhr

“….. bis er mit dem Finanzcrash sein Paulus-Erlebnis hatte. …..”

Der Großneffe des Gründers der Deutschen Bank schreibt nach (!) der Finanzkrise geschmeidig ein Finanz-kritisches Buch (vorher wäre glaubwürdig), blinkt etwas links und fährt dann wieder voll rechts.

Sollte Steinbrück tatsächlich Kanzlerkandidat werden, dann hätte die SPD ihr Glaubwürdigkeitsproblem. Sie sollte von Guttenberg gelernt haben, dass man keine Politik gegen die Intelligenz im Lande machen kann (für die Intelligenz, das hat ja keine Partei im Programm, aber “gegen” geht nicht) und Steinbrück hätte die von Anfang an massivst gegen sich.

Da wird auch nicht helfen, dass die Spin-Doktoren von Welt.de, Spiegel, Faz und ein gewisser Herr Spreng Steinbrück immer wieder in’s Gespräch bringen. Der Mann hat zwar viel Zustimmung von rechts. Das misst man dann in Umfragen. Aber wählen werden die ihn trotzdem nicht.

Und verlieren mit Steinmeier ist immer noch ehrenvoller (glaubwürdiger) als verlieren mit Steinbrück.

Außerdem stimmt es nicht, dass die SPD nur die Alternative zwischen Steinmeier und Steinbrück hat. Gabriel wäre der modernste und frischeste Kandidat. Die Steinies dagegen müffeln doch schon ziemlich arg.

13) StefanP, Sonntag, 03. Juli 2011, 17:30 Uhr

Der Kommentar erscheint mir wie eine Flickschusterei aus verschiedenen Zeitungs- und Magazinkommentare. Alles schon oft gelesen, Originalität fehl am Platz, der Blick über den nationalen Zaun ohnehin. Zudem machen Sie, Herr Spreng, den Fehler, Parteien und Personen gleichzusetzen.

Steinbrück hat 2005 die nordrhein-westfälische Landtagswahl verloren, obwohl er in Umfragen als der kompetentere Kandidat galt. Es war eine Wahl, die in Folge der Agenda 2010 und hoher Arbeitslosigkeit wohl auch von dem Sozialdemokraten Jesus Christus verloren worden wäre. Zuvor hatte die SPD bereits in der vorangegangenen Kommunalwahl ihre Vormachtstellung verloren und war in zentralen Städten der Union unterlegen.

Steinmeier trat als reine Kopie von Angela Merkel an, ohne jede Pointierung, ohne herausgearbeitete Fachkompetenz. Hier erscheint der Kandidat Steinbrück überlegen, sieht es doch heute in der Öffentlichkeit aus, als sei der damalige Finanzminister der entscheidende Spieler während der Finanzkrise, weshalb ihm auch die schnelle Überwindung der selben zugerechnet wird.

Die Deutschen wollen einen Politiker der Mitte mit gewissem Charisma, der eine gewisse Distanz zu seiner Partei hat – insbesondere wenn diese die SPD ist. Das galt für alle Kanzler inclusive Willy Brandt, der erst nach seiner Kanzlerschaft zur Parteiikone aufstieg. Inzwischen erscheint manchem Steinbrück als die jüngere Ausgabe von Helmut Schmidt, was für ihn sicherlich nicht nachteilhaft ist.

Und wo bleibt der Blick über den Tellerrand? Wie keine andere gesellschaftliche Strömung leidet die Sozialdemokratie unter der Globalisierung und der Auflösung der Arbeiterbewegung in den Industrieländern. Die Schichten, die ehemals zur Kernklientel der sozialdemokratischen Parteien gehörten, haben sich zu großen Teilen aufgelöst. Die zunehmende Bildung und Veränderung der Arbeitswelt hat aus vielen Arbeitnehmern gutbezahlte Spezialisten und kleine Selbständige gemacht, ein geringerer Teil ist in prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Dauerarbeitslosigkeit abgetrifftet, zu denen die SPD, PS und andere sozialdemokratische Parteien keinen Zugang mehr finden.

Mehr und mehr schrumpfen sie damit zu Funktionsparteien, die nur im Zusammenspiel mit anderen Bewegungen und ideologischer Beweglichkeit mehrheitsfähig sind. Klassische Beispiele hierzu sind die NRW-Wahl 2010, die die SPD selbst mit einem linken Kandidaten nicht wirklich gewinnen konnte, oder Baden-Württemberg.

Ich maße mir nicht an, schlauer als alle europaischen Sozialdemokraten zu sein. Unter Zugrundelegung der der fortgeschrittenen Zersplitterung der gesellschaftlichen Strukturen scheint es jedoch auf erfolgversprechendsten, sich auf die Gruppen der Klein- und mittleren Unternehmen sowie der Einkommensgruppen 20.000-60.000€ sinnvoll. Viele davon sind aufstiegsorientiert, aber mit Interesse an einem gewissen Maß an sozialer Sicherheit. Diese Gruppen sind häufig weder durch die Grünen noch durch die Liberalen ansprechbar. Erstere erscheinen zu postmaterialistisch mit zu geringem Bezug zu wirtschaftlichen Lebenswirklichkeiten. Bei älteren Menschen können die ehemals Alternativen ohnehin nicht reüssieren. Die FDP wirkt zu wenig glaubwürdig und im Personal zu unerfahren.

Unter diesen Aspekten erscheint Peer Steinbrück als Idealkandidat. Angela Merkel ist nach 8 Regierungsjahren völlig verbraucht. Zudem ist es ihr nicht gelungen, ihre Kanzlerschaften mit einem übergeordneten Projekt zu verbinden. Jürgen Trittin von den Grünen gilt immer noch als Bürgerschreck und seine Partei als Einthemen- und Eingenerationen-Projekt. Mein Tipp seit Langem: mit einem Kandidaten Peer Steinbrück erreicht die SPD 29%-32%, die Grünen kommen auf 18%-21%, womit die nächste rot-grüne Phase besiegelt wäre.

14) retorix, Sonntag, 03. Juli 2011, 17:33 Uhr

Sicher sind die Gründe für die Beliebtheit von Steinbrück auch in den momentan omnipräsenten Finanzthemen zu finden. In der öffentlichen Wahrnehmung wird ihm gerade auf diesem Feld große Kompetenz zugeschrieben.

15) Cato, Sonntag, 03. Juli 2011, 17:58 Uhr

Eine vertrocknete SPD wird auch nicht mit einem Schaumschläger Steinbrück lebensfähiger.

16) mephisto, Sonntag, 03. Juli 2011, 17:59 Uhr

Steinmeier und Steinbrück sind beide im rechten Parteiflügel verankert. Der eine hat direkt die Agenda 2010 maßgeblich ausgearbeitet, der andere hat zusammen mit Clement kaum weniger dafür gestritten.

Das die SPD mit 27% aktuell in den Umfragen steht, ist nicht zuletzt dieser zutiefst unsozialen Politik zu verdanken. Dann lieber jemand wie Gabriel. der schwätzt nur und glaubt nicht wirklich, dass man einfach noch mehr Kürzen und Sparen muß, damit alles besser wird.

Aber wenn Schwarz-Geld wirklich noch bis 2013 durchhält, stellt sich die Frage eines Kanzlerkandidaten der SPD vermutlich nicht mehr…

Projekt 18 hat schon die FDP groß gemacht ;-)

17) Mark, Sonntag, 03. Juli 2011, 18:00 Uhr

Peer Steinbrück ist gewiss Mitverursacher der Finanzkrise, und seine jüngsten Aussagen zum Thema Euro-Rettung stimmen mich nicht hoffnungsvoll. Steinbrück würde -wie auch die Regierung Merkel- unser aller Geld weiterhin in den Schlund namens “Euro-Rettung” werfen (die ja nur eine inzwischen kaum noch kaschierte Banken-Rettung ist), ohne auch nur eine Sekunde an die Bekämpfung der Ursache zu verschwenden.

Für den Bilderberger Steinbrück ist die Euro-Rettung nach eigenem Bekunden ohne jede Alternative, und somit ist er natürlich der Traumkandidat für Großkapitalisten, Bänker und die Wirtschaft. Er stellt eben gerade keine Alternative für den Wähler dar und würde die aktuelle Politik nahtlos fortsetzen. Der Umstand, dass all das bekannt ist, macht ihn berechenbar. Und DAS macht ihn zum perfekten Kandidaten.

Es ist interessant, wie die Pro-Steinbrück-Kampagne inzwischen durch die Massenmedien wabert; nur so ist es zu erklären, dass er überhaupt auf irgendwelche Popularitätslisten bei den Meinungsforschern gelangen konnte. Nur so ist zu erklären, dass ihm soviel Platz eingeräumt wird, um sich neu (“geläutert”) zu positionieren. Allein, er ist nicht geläutert – er ist einfach populistisch, so wie auch ein zu Guttenberg populistisch war.

Am Ende wird die Partei sicherlich Steinbrück als Kandidaten küren und ihn damit wohl auch in einer rot-grünen Regierung an die Macht bringen. Für die Bevölkerung hingegen, die sich so sehnlich einen Wandel in der Politik erhofft, wird sich nichts ändern: Der Moloch in Brüssel wird weiter gefüttert und aufgeblasen, der Euro wird von Rettung zu Rettung stolpern (wenn er überhaupt solange überlebt!) und aus Berlin alternativlos gerettet werden, und der Sozialabbau wird weitergehen, völlig ohne Not.

Wir wissen also schon jetzt, dass es vier weitere verlorene Jahre werden. Mein Gott, was für Aussichten!

18) Johannes, Sonntag, 03. Juli 2011, 18:25 Uhr

Ich finde es schon ein bisschen traurig, dass Sie der SPD vorschlagen Ihr Parteiprogramm (Überzeugung) über den haufen zu werfen, um Ihre Wahlchancen zu verbessern. Ich dachte Sie sind der Meinung, dass man zu seinen Positionen stehen muss um langfristig erfolgreich zu sein?

Dazu glaube ich auch nicht, dass es der SPD helfen würde. Das die SPD nur mit einen Kandidaten rechts der Parteilinie gewinnen kann ist doch sehr gewagt. Willy Brandt hat gewonnen und 1998 hätte auch Oscar Lafontaine gewonnen.

Dazu kommt bei Steinbrück dann noch, dass er sehr viel Angriffsfläche im Wahlkampf bietet. Und das von Links und Rechts.

19) Peleo, Sonntag, 03. Juli 2011, 19:39 Uhr

Worin genau machen Sie die Saulus-Eigenschaften fest? In seinen Beiträgen in der ZEIT klingt das sachte an. Aber von eigenen Fehlern zu reden, davon ist er weit entfernt.

Welche Regulierungsmaßnahmen verlangt er und zwar so, dass er nicht mehr davon runterkäme nach der Wahl?

Ist seine Haltung zur Finanztransaktionssteuer so klar, dass er sie notfalls gegen den Willen der Briten und Amerikaner durchsetzen würde?

20) westernworld, Sonntag, 03. Juli 2011, 19:40 Uhr

so kurzweilig ihre politische sportberichterstattung auch sein mag, und ich finde sie immer wieder unterhaltsam, so zutiefst wurscht ist es wer wo kandidat für was wird oder welche unserer vier neoliberalen parteien regiert.

es sind nicht die spieler es ist das spiel das sich ändern muß.

p.s.: kommentar versehentlich zuerst unter nicht verdient gepostet. bitte dort löschen.

21) StefanP, Sonntag, 03. Juli 2011, 19:52 Uhr

@Johannes

“Das die SPD nur mit einen Kandidaten rechts der Parteilinie gewinnen kann ist doch sehr gewagt. Willy Brandt hat gewonnen und 1998 hätte auch Oscar Lafontaine gewonnen.”

Das ist doch eine sehr gewagte These. Die SPD-Ikone kam doch eher gegen das Parteiestablishment in die Spitzenposition und verabschiedete die Notstandsgesetze. Rufen Sie sich die Umfrageergebnisse eine Woche vor der Wahl 1998 in Erinnerung, so sahen die Forschungsinstitute damals ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus – und das gegen den abgehalfterten Einheitskanzler. Schon 1994 war es Rudolf Scharping mit einem eher linken Programm nicht gelungen, Kohl nach 12 Jahren aus dem Sattel zu bringen. Und Lafontaine hatte sich bis 1998 das Image eines Bürgerschrecks erarbeitet, der wahrscheinlich sogar noch gegen den fast 70jährigen Kohl verloren oder maximal ein Unentschieden erreicht hätte.

Ich kenne zumindest viele Bürgerliche, die damals SPD gewählt haben, aber für Lafontaine niemals dads Kreuz dort gemacht hätten.

22) Gamma, Sonntag, 03. Juli 2011, 21:29 Uhr

Bei Steinbrück habe ich das gefühl, das er der Kanditat der Banker Lobby ist, und nicht der SPD. Die Regierung macht nicht mehr das, was die Banker erwarten. Jetzt versucht man einen Genossen der Banker zu instalieren. Wenn Steinbrück schon 2009 das Ziel hatte Kanzlerkanditat zu werden, hätter er sicher ein Parteiamt angestrebt. 2013 wäre Steinbrück auch schon 66 Jahre alt. Eigentlich zu alt für eine erste Kanzlerschaft, meiner Meinung. In der Partei ist Steinbrück gegen Steinmaier klar im Nachteil. Das versucht Steinbrück durch eine PR Kampagne auszugleichen.

23) JG, Montag, 04. Juli 2011, 00:07 Uhr

Erlauben Sie, daß ich Sie leicht korrigiere, Herr Spreng: Steinbrück profitiert m.E. nicht nur von einem Guttenberg-, sondern noch viel mehr von dem Helmut-Schmidt-Phänomen: Er erinnert im Auftreten wie von seiner (angeblichen?) Kompetenz her doch recht stark an den mittlerweile (vor dreißig Jahren war das ja noch ganz anders) so beliebten Altkanzler. Und dazu noch der ganz ähnliche “Sound”…

24) Thom, Montag, 04. Juli 2011, 00:21 Uhr

Steinmeier mit Lafontaine zu vergleichen ist schon ein wenig frech: Welche Wahlen hat Steinmeier gewonnen? Wo ist er in der Partei verwurzelt? Lafontaine war durch und durch erfolgreich als Wahlkämpfer, Oppositionsführer und Rhetoriker. Nichts davon kann man über Steinmeier sagen.

25) Johann, Montag, 04. Juli 2011, 01:56 Uhr

Steinbrück ist das genaue Gegenteil von Guttenberg.
Jener ist ein versuchter Blender, ein Demagoge ohne Inhalt. Quasi ein Michael Glos, mit mehr oder weniger vielen Titeln und viel Gel.
Dieser ist ein kühler nüchterner Analytiker. Seine wirtschaftswissenschaftlichen Kompetenzen hat er ernsthaft und wahrhaftig in Kiel erworben. Ein Nordlicht, der nicht jedem nach dem Mund redet. Einer, der sein Privatleben nicht instrumentalisiert. In der Familie Steinbrück ist es seine Frau, die den Doktortitel hat. Er trat es der Kirche aus, weil die “Kirchen zu oft auf der Seite der Mächtigen gewesen seien und die Aufklärung verhindert hätten.” (von Wikipedia)

Eine Anekdote noch am Rande:
Ich durfte auf einem Volkfest 2009 auf dem Höhepunkt des Wahlkampfes Guttenberg und Steinbrück im direkten Vergleich hören.
Dieser begann seine Rede damit zu betonen, er sei als einziger politische Redner auf dem Volksfest auch ein Bayer. In Niederbayern kommt das eher wie ein Gag an. Guttenberg fuhr fort (aus meiner Erinnerung): “Äh, wer ist denn mein Kontrahent in anderen Zelten? Die SPD. Steinmeier äh Steinbrück. Nicht mal der richtige Stein…”
Nachdem Guttenberg nicht mal ein Bier richtig trinken konnte, er war nämlich nicht in der Lage, einen Bierkrug richtig zu halten. Und schüttete sich wie ein kleines Kind an.
Dann bin ich zu Steinbrück gegangen.
Steinbrück, ohne Sakho, ohne Krawatte. Er spricht von der Wirtschaftskrise, von verplämperten Milliarden. Einzig “Da drüben ist einer aus der Boygroup, hier einer von den Stones”, kann er sich nicht verkneifen. Steinbrück beendet seine Rede in einem grauen Hemd, Guttenberg mit ACDC.
Dieser Schlagabtausch war jedenfalls deutlich besser als Merkel vs. oder besser: Merkel und Steinmeier.
Selbst bei bayerischen Landwirten kam Steinbrück an. Und das dürfte so selten sein wie eine Sonnenfinsternis.

Vielleicht ist Steinbrück genau der richtige Mann zur richtigen Zeit.
In Zeiten von europäischen Finanzkrisen.
In Zeiten von Aufmerksamkeitsgeilheit.
In Zeiten von Politik, welche über die Köpfe der Menschen hinweg “auf der Seite der Mächtigen” ist.

Da es kein Werbeschreiben für Steinbrück sein soll, zum Abschluss noch einige kritische Anmerkungen.
In Zeiten von tagtäglichen Daten(schutz)skandalen.
Am SWIFT-Datenskandal (freiwillige!!! Übergabe von Daten an die US-Geheimdienste) war Steinbrück auch maßgeblich beteiligt.
Auch dass wir jetzt steuerrechtlich nur noch eine Nummer sind, haben wir ihm zu verdanken.

26) Xpomul, Montag, 04. Juli 2011, 11:34 Uhr

die ausgemergelte spd wird mit keinem ihrer alten rösser eine wirkliche alternative bieten.

was soll an steinbrück denn tatsächlich so gut sein das er der politker 1 lt. umfragen ist ?
leeres, hohles gelabber das keine substanz hat.
die einzige substanz die ich erkennen könnte – sie haben es bereits in ihrem artikel angesprochen herr spreng – ist sein desaster durch die freigabe der hedgefonds ( ich weiß nicht nur ).
seine scharfe zunge ist oft frech und unverschämt, eines kanzlers jedenfalls nicht würdig.
eloquent ist wohl anders definiert als so.

gehen wir davon aus die eurokirse fortdauert wäre er der falscheste aller politiker am schalthebel der macht.
er würde alle brüskieren und keinen konsens suchen oder geschweige denn finden.
(dann doch lieber gysi als kanzler. das muß erlaubt sein so zu sehen und zu sagen.)

interessant wird der weg der grünen bis 13 sein.
eigentlich warum nicht ein grüner kanzler/kanzlerin.
besser als merkel oder ein “s” der spd.

27) Lacerda, Montag, 04. Juli 2011, 11:35 Uhr

Weniger finde ich die Frage Steinmeier X Steinbrück als die Frage, wie kann es bitte schön sein, daß eine Kanzlerin mit so wenig Profil und so wenig Führungsstärke sooo lange bestehen bleibt ?
Sind es die positivien wirtschaftlichen Zahlen, die dies ermöglichen oder ist das Deutsche Volk recht bequem und wollen gemütlich warten bis 2013 ?

Zum eigentlichen Thema :

Auch wenn ich Steinmeier als ein angenehmer Zeitgenosse und ich ihn auch als ein Gentleman kennen lernen durfte, kann ich vestehen, daß bei der Bevölkerung, Steinbrück als potentieller Führungspersönlichkeit angesehen wird.

Er hat dies mehrfach schon bewiesen.
Bedenklich ist aber, daß er seit Ende seiner Karriere im Kabinett, seinen Lebensunterhalt mit Vorträgen oder Lesungen bei Unternehmen, wo ich persönlich nie meine Füße darin setzen würde.
Stellen wir also fest:
Die Bevölkerung sucht eine Führungspersönlichkeit.
Nach 6 Jahren einer – Augenzudurch- Merkelregierung ist dies allzu verständlich.

28) Fischer, Montag, 04. Juli 2011, 12:05 Uhr

Sehr wackerer Auftritt bei “Anne Will”! Auf das Phänomen Chatzimarkakis kann man sich im Gegensatz zu Steinbrück keinen Reim machen. Entweder ist der Mann völlig entrückt (“Oxford-Zitation”!) oder aber ein gefährlicher, völlig skrupelloser Manipulator ohne jedes Unrechtsgefühl. Unheimlich, daß er Politiker ist und bleiben will. Wäre ein Mediziner mit gefälschtem Abschluß tragbar? Was unterscheidet einen Chatzimarkakis eigentlich von einem Gerhard Postel… Wenig, fürchte ich.

29) Christian, Montag, 04. Juli 2011, 12:44 Uhr

@spreng

Sie schreiben “Die SPD hat immer dann das Land regiert, (Willy Brandt war die Ausnahme), wenn der Spitzenmann nicht dem sozialdemokratioschen Mainstream entstammt, wenn er ein bisschen neben und rechts von der Partei positioniert war. So war es bei Helmut Schmidt und 1998 bei Gerhard Schröder.”

Das ist, mit Verlaub, Küchen-politologischer Quark. Schmidt ist nicht durch Wahlen an die Macht gekommen, und Schröder war längst nicht so weit rechts positioniert wie Steinbrück, zudem war sein “Ticket” durch Lafontaine ausbalanciert. Nicht zuletzt ist Steinbrück nun wirklich kein Schmidt, allenfalls eine oberflächliche Kopie mit deutlich weniger Verstand.

Wenn man wirklich wissen will, was die SPD machen soll, muss man nach tatsächlich vergleichbaren Situationen suchen: Mit welchen Kandidaten und Positionen hat die SPD Wahlkämpfe aus der Opposition heraus gewonnen? Da gibt es (nur) zwei Beispiele: Brandt und Schröder. Schwer, daraus Regeln zu formulieren, aber klar ist doch: Beide waren in der Lage, das gesamte sozialdemokratische Milieu anzusprechen, nicht nur das rechte, beide hatten wesentlich mehr persönliche Substanz als Peer Steinbrück und beide hatten eine klare Wechselperspektive für die Wähler im Angebot. Was bietet da Peer Steinbrück ? Noch ne große Koalition?

Steinbrück ist ein Medienphänomen wie zu Guttenberg. Sobald der Wahlkampf beginnt, werden die Schwächen der Person deutlich sichtbar (dafür werden schon die Medienorgane sorgen, die ihn jetzt hochschreiben). Mit ihm als Kanzlerkandidat wird die SPD eine krachende Niederlage erleiden, und, noch gefährlicher: Sie könnte hinter den Grünen landen.

Ich sehe übrigens nicht, warum die SPD nicht auch mit Gabriel oder Kraft antreten könnte.

30) Christian, Montag, 04. Juli 2011, 12:45 Uhr

PS:

Der beste Tipp, den man der SPD geben kann, ist: Immer das Gegenteil von dem machen, was in den Redaktionsstuben des SPIEGEL gerade empfohlen wird.

(wobei SPIEGEL hier pars pro toto steht für die ganze intellektuelle Wüste der Leitmedien)

31) Michael A. Nueckel, Montag, 04. Juli 2011, 12:58 Uhr

Steinbrück hat kein Amt inne, kann also nichts falsch machen … und wenn das für solche Sympathiewerte bereits ausreicht, dann tut mir dieses Deutschland einfach nur noch leid. Das Phänomen Steinbrück ist wohl eher kein Phänomen, sondern handfester Ausdruck einer schweren Vertrauenskrise. Wenn ein 64-jähriger Minister a.D. der beliebteste Politiker Deutschlands ist, so scheinen die nicht als zukunftstauglich erachteten regierenden Politiker ihren Kredit verbraucht zu haben. Das vermeintliche Phänomen ist schlichtweg eine Katastrophe. Steinbrück kann diesen Projektionen niemals gerecht werden, und wer wird ihm dann in der Beliebtheitsskala auf Rang Nr. 1 folgen?

32) Beate, Montag, 04. Juli 2011, 13:02 Uhr

Die 20 / 80 Regel.

80% der Deutschen interessieren sich nicht für Politik.

Das Wählerverhalten ist vollkommen irrational.

Viele wählen sogar Parteien , die klar Politik gegen ihre Interessen machen.

33) W. Kreuz, Montag, 04. Juli 2011, 13:57 Uhr

Ein svoyardischer Diplomat im 18. JH, Joseph Marie de Maistre, gilt als der Erfinder folgenden Bonmots: “Jedes Volk hat die Regierung die es verdient”.

Auf die Frage der Kanzlerkandidatur von Herrn Steinbrück ließe sich dieses Bonmot abwandeln:
“Jede Partei hat den Kanzlerkandidaten den sie verdient”.

Arme SPD, sie hat sich mit solchem Personal wirklich aufgegeben.
(In Anlehnung an einen Buchtitel von Christian von Ditfurth, um jegliches Plagiat zu vermeiden)

34) Don Corleone, Montag, 04. Juli 2011, 15:08 Uhr

Steinbrück zu alt? Mit Adenauer und dessen Antrittsalter als Kanzler verglichen, ist Steinbrück erst ein Halbstarker. Und er verfügt über eine Kavallerie, die der Schweiz, Liechtenstein und Österreich das Fürchten beigebracht hat. (Die zittern heute noch, aber vor Lachen.)

Dieser Möchtegern-Husar war und ist eine Schlaftablette. Für einen Popstar (niemand von den Rolling Stones hat eine Glatze) hat er zu wenig Haare. Seine Beliebtheit beruht auf einem Bussibär-Image. Gut, interessanter als Merkelowa wär’ er allemal; aber das ist fast jeder Bundesrepublikaner.

Die Führungspersönlichkeit, die Deutschland sucht (wenn’s g’wiss is’; ich hab’ da meine leisen Zweifel), ist weder Steinbrück noch Steinmeier noch Siggi Pop.
Die Damen Künast und Roth sowie die Herren Trittin, Gysi oder Lafontaine ebenfalls nicht. In der sich auf dem Grabbeltisch der Wendehälse ausverkaufenden F.D.P. braucht man nicht mehr zu suchen.
Dasselbe gilt für die C-Parteien: Wer seine Überzeugungen so billig und treulos abverkauft, um weiterhin die Toiletten des Bundestags aufsuchen zu dürfen, sollte sich in ländliche Gefilde zurückbegeben, wo das Plumpsklo noch als Innovation gilt.

Mit Verlaub, ich seh’ nirgendwo einen potentiellen Nachfolger der Merkelowa. Vor allem keinen, der mit einem so schlecht sitzenden Hosenanzug aufwarten kann, der mittlerweile als staatstragender Standard gilt. (O.K.: Diddi Bohlen könnte zur Not mithalten, ist aber zu wenig linksgrün.)

Wir werden also, liebe Genossen und Genossinnen, die Perle der Uckermark wohl oder übel noch eine ganze Weile ertragen (und wenn möglich) lieben müssen. (Würg!)

35) Fritz Koch, Frankfurt a.M., Montag, 04. Juli 2011, 16:23 Uhr

Er hat noch nie eine Wahl gewonnen, nur zweie verloren (2005 als Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen und 2008 als Vize in der Doppelspitze gegen Merkel). Er hat zurecht kein öffentliches Amt, er ist nur einfacher Bundestagsschwänzer. Er ist als arrogant, undiszipliniert, rechthaberisch und selbstverliebt.

Aber auch eine nachvollziehbare wirtschaftpolitische Kehrwende vermag ich bei ihm nicht zu erkennen. Er ist weiterhin ein wirtschaftspolitischer Amokfahrer. Halblinks blinken und voll Kanne rechts abbiegen.
Gegen die Schweizer Hehler die Kavallerie schicken zu wollen aber zu hause keine Hausaufgaben erledigen. Wo blieben und bleiben seine”Reform”vorstellungen zur Regulierung der Kasinos und zur Verhinderung von Steuerhinterziehung???

Es reicht nicht mit Helmut Schmidt Schach zu spielen und sich als dessen alter ego aufzuspielen. Schmidt hatte – bei aller Kritik – finanzpolitische Substanz, Steinbrück dillettiert nur als Schmidtchen.

Wohin es geführt hat, wenn die SPD ihren Markenkern für ein Linsengericht verhöktert, wissen wird seit Schröders Agenda 2010. Steinbrück wird das Ziel 18 % sicher erreichen, denn die die ihn jetzt hochschreiben, werden ihn bei der nächsten BTW genausowenig wählen, wie viele anständige Sozialdemokraten, die ihm die Milliardengeschenke für Ackermann & Co nicht vergessen werden.

Mangels Alternativen muß ich bei der nächsten Wahl vermutlich wieder eine andere Partei als die meine wählen.

36) Christian, Montag, 04. Juli 2011, 17:01 Uhr

@Stefan P

Sie schreiben

“Unter Zugrundelegung der der fortgeschrittenen Zersplitterung der gesellschaftlichen Strukturen scheint es jedoch auf erfolgversprechendsten, sich auf die Gruppen der Klein- und mittleren Unternehmen sowie der Einkommensgruppen 20.000-60.000€ sinnvoll. Viele davon sind aufstiegsorientiert, aber mit Interesse an einem gewissen Maß an sozialer Sicherheit. Diese Gruppen sind häufig weder durch die Grünen noch durch die Liberalen ansprechbar.”

Da kann ich Ihnen – zum ersten Mal – aus vollem Herzen zustimmen.
Nur, wie kommen Sie darauf, dass diese Gruppe sich ausgerechnet durch den Kandidaten Steinbrück vertreten fühlen wird?

37) Christian, Montag, 04. Juli 2011, 18:21 Uhr

PPS:

Hier steht es – wenn man die Kommentatoren nimmt, die eine Meinung pro oder contra Steinbrück erkennen lassen, 18:5 gegen Steinbrück. Und genauso wird auch eine Wahl mit einem Spitzenkandidaten Steinbrück für die SPD ausgehen. Sobald der Wahlkampf losgeht, würden CDU und die meisten Medien die Leute daran erinnern,

*dass Steinbrück Hunderte-Milliarden-Rettungspakete für die Banken geschnürt, für Bildung und Soziales aber kein Geld hatte,
*dass das Finanzministerium vor der Krise jahrelang die Deregulierung der Finanzmärkte unkritisch propagiert und in der Finanzmarktaufsicht Fehler an Fehler gereiht hatte (Stichworte IKB, Schieflage bei der HRE schon lange vor Ausbruch der Finanzkrise),
*dass ihm die Konjunkturmaßnahmen, für die er sich jetzt feiern lässt, mühsam durch die SPD-Fraktion abgerungen werden mussten,
*dass er noch Wochen nach Lehman den Ernst der Lage nicht begriffen und gegen “Sado-Maso-Prognosen” polemisiert hatte,
*dass er überhaupt kein allzuhelles Licht ist, ganz wie Scharping,
*dass er kein Konzept und keine Koalition zu bieten hat, sondern bloß die Fortsetzung der Merkel-Politik mit anderem Personal.

Wer soll das dann wählen?

38) karel, Montag, 04. Juli 2011, 18:25 Uhr

Sorry,
mit “Blend-Granaten” in der Politik ist Deutschland bisher nicht gut gefahren.
Adenauer, Kohl, Merkel….. in der Tat, sie traten nie als “Blender” auf.

Sicher haben Adenauer, Kohl, Merkel Fehler gemacht.
Aber auch große Verdienste erworben .
Auf andere Politiker trifft ersteres auch zu, das Zweite dagegen kaum.

39) Lacerda, Montag, 04. Juli 2011, 20:12 Uhr

Don Coleone@
Auf dem Grabbeltisch der Wendehälse ausverkaufenden F.D.P. braucht man nicht mehr zu suchen.

Das braucht man ja nun wirklich nicht !!!! D’ accord !

40) analogkäse, Dienstag, 05. Juli 2011, 00:19 Uhr

Kein Mensch kann wohl wirklich das Können Steinbrücks als möglicher Kanzler einschätzen. Vielleicht noch nicht einmal dessen Frau…
Dieses wird sich erst, sollte er mal dieses Amt bekleiden, zeigen.
Aber er hat eine Ausstrahlung, eine Aura, eine Wirkung auf viele Menschen, die dazu führt, dass man es ihm zutraut . Und dass man ihn möglicherweise eher wählt als andere SPD- Kandidaten.
Er ist sehr eloquent, meist cool, er besitzt Schneid ohne Ende…
Er ist ein Typ, den zumindest mehr intellektuelle Wähler akzeptieren könnten. Denn seine Art zu reden imponiert. Ist intellektuelles Futter!
Möglicherweise macht ihn das aber weniger und durchschnittlich Gebildeten suspekt. Denn die wollen keine Schnelldenker. Und sie stellen schließlich die Mehrheit des Wahlvolkes…

41) Minnie, Dienstag, 05. Juli 2011, 04:27 Uhr

Die derzeitige Koalition samt der Kanzlerin ist eine Schande fuer dieses Land. Ich weiss nicht, ob es Sozis und Gruene besser koennten. Aber der Kandidat Steinbrueck waere zumindest kanzlerfaehig. Wuerde die SPD mit ihm antreten, und zudem mit einem halbwegs durchdachten Programm, dann haetten sie meine Stimme.

42) EStz, Dienstag, 05. Juli 2011, 06:01 Uhr

@ Johann, Montag, 04. Juli 2011, 01:56 Uhr

Vielleicht ist Steinbrück genau der richtige Mann zur richtigen Zeit.
In Zeiten von europäischen Finanzkrisen.
In Zeiten von Aufmerksamkeitsgeilheit.
In Zeiten von Politik, welche über die Köpfe der Menschen hinweg “auf der Seite der Mächtigen” ist.
_______________________________________________________________

Von der Politik her sind die Leistungen meines Eindrucks nach nicht so doll. Na gut, er hat geholfen, den von ihm angerichteten Dreck mt aufzuräumen – bezahlen wird’s der kleine Mann.

Er redet anderen nicht immer nach den Mund – aber haut dabei gelegentlich auch ziemlich viel Unsinn raus. Und sein großber Ton, sein schlechtes Benehmen wirken auf mich eher selbstgefällig.

Die finanzpolitischen Begriffe kommen ihm fließend und stotterfrei über die Lippen – ob da jedesmal der richtige Begriff an der richtigen Stelle benutzt wird? Schwamm drüber…

Ich glaube nciht, dass Steinbrück breit in der SPD verankert ist. Falls er aus welchen Gründen auch immer Kandidat werden sollte, wird sich die Partei zwar leicht maulend hinter ihn scharren, aber anschließend…?

43) EStz, Dienstag, 05. Juli 2011, 06:44 Uhr

@ karel, Montag, 04. Juli 2011, 18:25 Uhr

Sorry,
mit “Blend-Granaten” in der Politik ist Deutschland bisher nicht gut gefahren.
Adenauer, Kohl, Merkel….. in der Tat, sie traten nie als “Blender” auf.

Sicher haben Adenauer, Kohl, Merkel Fehler gemacht. Aber auch große Verdienste erworben .
Auf andere Politiker trifft ersteres auch zu, das Zweite dagegen kaum.
______________________________________________________

Konrad Adenauer – ein Gigant: im Rückblick viele entscheidenden Punkte mit viel Weitblick richtig gemacht.

Helmut Kohl – auf der Haben-Seite die Einheit (mit vielen und teuren Zugeständnissen so wie eklatanten Verstössen gegen das Grundgesetz zu Lasten der Bürger erkauft, aber immerhin: die Einheit). Teures Europa. Wiederum auch die Parteispendenaffäre mit einem Verhalten, dass jeden normalen Bürger in den Knast gebracht hätte.

Angela Merkel – da fällt mir ehrlich gesagt nicht viel ein, außer, dass sie die erste Frau ist in Deutschland, die diesen Job macht. (den Atom-Ausstieg kann man hier kaum nennen, weil der vorher schon von Rot-Grün festgezurrt war, mithin höchstens als Beleg Ihrer Fehlentscheidung zählt. Die Erfolge im Ausland sind teuer erkauft, im Inland (nach Helmut Kohl) mehr Pannen als jeder andere.

Willy Brandt (Ostpolitik), Helmut Schmidt (u.a. Terror-Bekämpfung, Nachrüstungsbeschluss als Mit-Voraussetzung für die spätere Einheit), Gerhard Schröder (Nicht-Teilnahme am Krieg im Irak, in Grenzen Agenda 2010) haben deutlich mehr auf die Beine gestellt.

44) StefanP, Dienstag, 05. Juli 2011, 08:40 Uhr

@Christian

Was ich beschrieben habe, ist eine ziemlich heterogene Gruppe, aber eine, wo sich zumindest in einigen Punkten noch grundsätzliche politische Übereinstimmungen finden lassen. Ich kann das weder für andere Länder beurteilen noch bin ich der bessere Parteianalytiker.

Diese Gruppen haben 1998 mehrheitlich SPD gewählt, 2005 fand eine gleichförmigere Verteilung auf Union und SPD statt und viele sind vor zwei Jahren zur FDP gewechselt. Die Schicht darunter, Einkommen im Niedriglohnsektor, einfache Bildungsabschlüsse, sind mehrheitlich für die Sozialdemokraten verloren, als Nichtwähler abgedriftet oder fest an die Linkspartei gebunden.

Ich glaube, dass ein Kandidat Steinbrück dort reüssieren könnte, weil er glaubwürdig Einstellungen vertritt, die in den genannten Schichten doch weit verbreitet sind. Hierzu gehört eine gewisse Distanz zum Establishment, die Fähigkeit zu Verbalattacken (“Kavallerie”), der richtige Mix zwischen sozialen Streicheleinheiten, Pflege der Sozialsysteme und Polemisieren gegen ein Übermaß an Staat. Das sind übrigens all die Eigenschaften, die Steinmeier fehlen bzw. er nicht sichtbar machen konnte.

Die wenigsten Menschen sind heute ideologisch. Ob jemand gerade mal den Mindestlohn befürwortet oder ablehnt, ist kein sonderlich wahlbeeinflussendes Thema. Steinbrück kann Themen griffig machen und das fehlt derzeit in der Politik, weshalb soviele Hoffnungen auf ihn projiziert werden.

Gerhard Schröder war übrigens der erste Kanzler, der aus der Opposition heraus tatsächlich ins Amt gewählt wurde. Willy Brandt hatte bereits ein Regierungsamt inne und nur weil die SPD in der Wahlnacht 1969 geschickt mit der FDP dealte, konnte er der erste sozialdemokratische Kanzler werden. Die Liberalen waren ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf gegangen und die Union hatte auf ihren alten Partner vertraut.

1998 war das beherrschende Thema der “Reformstau” der Kohl-Ära und Oskar Lafontaine hatte perfekt die Handlungsunfähigkeit der abgehalfterten Regierung des Einheitskanzlers vorgeführt. Schröder hatte sich in den Jahren zuvor als wirtschaftsfreundlicher Reformer positioniert, blieb im Wahlkampf aber in einem höchsten Maße wage. Zudem hatte er den Backup Lafontaine, so dass viele ihre Vorstellungen bei der SPD wiederfanden, so widersprüchlich sie auch waren. Etwas ähnliches muss Steinbrück gelingen, er der aktive Pragmatiker und Gabriel und Nahles (die bisher sehr schwach daherkommt) für die Seelenmassage.

45) karel, Dienstag, 05. Juli 2011, 12:54 Uhr

EStz:

Wenige Monate vor der Wende: “Die Wiedervereinigung ist eine Lebenslüge der Deutschen, es gibt sie nicht”…..eine Aussage von Willy Brandt, der damit die Haltung der gesamten SPD repäsentierte.
Zur Wiedervereinigung mieinte Schröder: “Es gi bt wichtigers zu tun…..” Alle anderen SPD-Granden äußerten sich ähnlich, auch ein Oskar Lafontaine, der vor den Kosten einer Wiedervereinigung warnte, die er selbst nie wollte.
Die Ostpolitik von Willy Brandt endete mit der gewaltigen militärischen Aufrüstung der Sowjetuniion mit SS-20 Raketen und den auf Europa gerichteten Atomsprengköpfen. Der darauf folgende Nato-Doppelbeschluß zur Gefahrenabwehr, von Schmidt gewollt und erst unter Kohl politisch durchgesetzt, bewirkte die Stationierung von Atomwaffen in Deutschland, die heute noch da sind.
Die Voraussetzungen für die Einheit schufen erst die Polen mit ihrem Freiheitswillen, der dann auch auf die DDR sich auswirkte und damit den entscheidenden Impuls setzte, den Kohl einzigartig zum Wohle Deutschlands und Europas zu nutzen verstand.
Zu Helmut Schmidt sei noch anzumerken, daß er mit seinem “Deficit Spending” in den 70ern die deutsche Verschuldungs-Orgie einleitete, die Gerhard Schröder mit seinen Finanzmarktreformen Anfang dieses Jahrtausends noch auf die amerikanischen Häuslebauer und mit der Mißachtung des Euro-Stabilitätspaktes auch auf Europa ausweitete. Ein der Fr. Merkel hinterlassenes Fiasko. Fakten, die im heutigen Medien-Mainstream kaum ihren Platz finden.
Und was die Spenden-Thematik angeht, ist die mediale Einseitigkeit schon sehr bemerkenswert.
Während die Kohl-Spenden immer noch allgegenwärtig sind, nimmt offenbar niemand Anstoß daran, daß das Schweizer Bundesgericht zu den 20-Mio-SPD-Geldern unwidersprochen feststellte, daß mangels Aufklärungswillens es sich um “Schwarzgeld handeln muß”…..
Geschichte ist mehr als die Reproduktion des Zeitgeistes.

46) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 07. Juli 2011, 18:35 Uhr

@Doktor Hong

^^Zu Steinbrück: Was ist denn dessen Kompass? Hat er denn die Ideen und das Gespür dafür, was die Menschen bewegt? Und hat er Antworten darauf, die in der Breite als sozial gerecht wahrgenommen werden? Hat das überhaupt jemand in der SPD?^^

Nein!

47) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 07. Juli 2011, 19:01 Uhr

@Mark

^^Am Ende wird die Partei sicherlich Steinbrück als Kandidaten küren und ihn damit wohl auch in einer rot-grünen Regierung an die Macht bringen. Für die Bevölkerung hingegen, die sich so sehnlich einen Wandel in der Politik erhofft, wird sich nichts ändern: Der Moloch in Brüssel wird weiter gefüttert und aufgeblasen, der Euro wird von Rettung zu Rettung stolpern (wenn er überhaupt solange überlebt!) und aus Berlin alternativlos gerettet werden, und der Sozialabbau wird weitergehen, völlig ohne Not.

Wir wissen also schon jetzt, dass es vier weitere verlorene Jahre werden. Mein Gott, was für Aussichten!^^

Ich stimme Ihnen zu. Aber ich gehe davon aus, daß auch Sie mir und meiner These zustimmen werden, die da lautet: Jedes Volk bekommt die Politik und die dazugehörigen Politiker, die es verdient (wählt).

Wenn so etwas wie die Agenda 2010 so reibungslos durchgesetzt werden konnte, dann ist das das Ergebnis einer ungeheuerlichen Ignoranz vieler Teile der Wahlbevölkerung. Keine Fähigkeit von Vorausschau. Keine Fähigkeit die Folgen auszumachen, die Entscheidungen von so großer Tragweite mit sich bringen. Nichts hätte die Menschen daran gehindert, sie mit gewaltigen Protesten, auch unter Anwendung sowohl orthodoxer wie im Zweifel unorthodoxer Mittel zu verhindern. Mit dem Modem “Augen zu und durch”, davon macht und machte die herrschende Politik von Gegenwart und Vergangenheit viel zu oft und vor allem ungestraft Gebrauch!
“Augen zu und durch”, diese Methode der Problembewältigung scheint auch bei den Bürgern Kernbestandteil zu sein.
Jawohl, mein Gott, was für Aussichten!

48) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 07. Juli 2011, 19:09 Uhr

@Minnie

^^Aber der Kandidat Steinbrueck waere zumindest kanzlerfaehig. Wuerde die SPD mit ihm antreten, und zudem mit einem halbwegs durchdachten Programm, dann haetten sie meine Stimme.^^

…dann sollten Sie auch erklären, worin Sie die Vorzüge und Kompetenz eines Herrn Steinbrück im Vergleich zur Merkel-Regierung.

49) EStz, Montag, 11. Juli 2011, 12:01 Uhr

@ karel, Dienstag, 05. Juli 2011, 12:54 Uhr
Zur Wiedervereinigung: Die CDU hat jahrzehntelang in westdeutschen Wahlkämpfen (oft großmäulig) Freiheit für die Brüder im Osten gefordert, aber NICHTS dafür getan – ausser die SPD mit der SED in einen Topf zu stecken. Die SPD bzw. Willy Brandt haben sehr viel dafür getan, den Polen, den Russen und dem Rest der Welt zu zeigen, dass es um eine friedliches, demütiges Deutschland geht und nicht um ein neues, mächtiges Großdeutschland.
Dass die Einheit zu diesem Zeitpunkt klappte, haben beide Parteien erst geglaubt, als es soweit war. Die Umsetzung von Helmut Kohl war (international) recht geräuschlos; alle, auch die vielen Gegner der Einheit, konnten ihr Gesicht waren. National: Die Währungseinheit war von der wirtschaftlichen Seite her sehr problematisch, die Wiedervereinigung erfolgte mit Verstössen gegen das Grundgesetz (z.b. hatte der Staat alle Kosten der Einheit zu tragen; die Ostdeutschen wurden aber an unser Sozialsystem angeschlossen, ohne dass sie Beiträge eingezahlt hatten; hier hätte der Staat Ausgleichsbeiträge einzahlen müssen, was er nicht tat; die einseitige Belastund von Arbeitern, Angestellten und Rentenempfängern nahm Kohl in Kauf).
Ob man Williy Brandt nun die SS20 oder die Pershing in die Schuhe schieben kann? Wohl kaum (wenn ich das hier mal höflich formuliere). So mächtig und wichtig waren wir nicht. Es gab Blockdenken, Ost gegen West, UdSSR gegen USA, Länder wie Polen und die BRD hatten zu diesem Teil der Weltpolitik ihre Schnauze zu halten und die Großen spielen zu lassen. Die Russen hätten auch ohne Ostpolitik die SS20 aufgestellt, weil sie hofften, dass die Amerikaner ohne direkte Bedrohung ihres Landes nicht reagieren würden. Wieder hat mit Helmut Schmidt ein Sozialdemokrat die richtigen Weichen gestellt.
Der Freiheitswillen der Polen (viele beachtlich mutige Taten zur damaligen Zeit, unter den damaligen Umständen) sind ein Puzzleteil mehr, sicherlich. Aber ich denke nciht, dass man alles einzeln betrachten kann. Auch Ronald Reagan hat mit seinem SDI-Programm das Seine beigetragen.
Dass Helmut Schmidt die Verschuldungsorgie “einleitete” (da konnte Helmut Kohl in den folgenden 16 Jahren auch nichts mehr machen) und Gerhard Schröder mit “seinen” Finanzmarktreformen erst die amerikanische Immobilien und dann die weltweite Finanzkrise auslöste – eieieieiei, da sind Sie aber sehr einseitig unterwegs.
Und Parteispenden haben zwar damals alle wichtigen Parteien angenommen, nicht nur die CDU. Aber zum einen hat kein anderer die Spenden so an die eigenen Leute verteilt, um seine Macht zu sichern, wie Helmut Kohl das tat. Zum anderen hat sich auch niemand anders hingestellt und behauptet, er sei ein “Ehrenmann”, weil er die Spender nicht “verrate”.
Zu sagen, dass alles an der SPD gut ist und alles an der CDU schlecht, wäre dummes Zeug; Das gegenteil zu behaupten aber auch. Alle CDU-Kanzler haben ihre Meriten erworben und dabei auch viel Mist gebaut; alle SPD-Kanzler haben ihre Meriten erworben und dabei viel Mist gebaut Bei der CDU-Kanzlerin vermisse ich noch die Meriten).
Geschichte ist mehr als die Reproduktion von Zeitgeist, aber auch mehr als Ihre sehr einseitige Betrachtungsweise

50) StefanP, Montag, 11. Juli 2011, 15:13 Uhr

@EStz

Gute und vor allem richtige Darstellung, dem noch hinzuzufügen ist, dass die Ikone Willy Brandt die Verschuldungsorgie begonnen hat.

Deutschland hatte in den vergangenen 40 Jahren enorm viel Kontinuität, die ja bereits in unserer Verfassung angelegt ist. Und so sind es zwei Sozialdemokraten, die für Wendepunkte stehen. Besagter Brandt und Gerhard Schröder, der den ernsthaften Versuch unternahm, Staatsdefizit und Sozialstaat zu beschränken, um die Handlungsfähigkeit der Politik zu sichern.

51) Larshouse.com, Freitag, 15. Juli 2011, 11:29 Uhr

Hier darf Kurt Beck zitiert werden: Es kann nicht schaden, wenn man schonmal eine Wahl gewonnen hat.

Und wenn ich hinzufügen darf: Ein sozialdemokratischer Kanzlerkandidat sollte ein Sozialdemokrat sein. Wer also als Architekt von Hartz IV gilt und oder diesen sozialpolitischen Amoklauf nach wie vor verteidigt, scheidet hier aus.

52) Peter Christian Nowak, Freitag, 02. September 2011, 18:47 Uhr

Seit Monaten läuft die PR Kampagne all überall für Peer Steinbrück. Wer weiß, ob nicht auch diverse neoliberale Think-Tanks die Promotion finanziell unterstützen.
In Nordrhein-Westfalen war der Mann schon nicht mehr zu ertragen. Deshalb wurde er abgewählt.
Jedoch, irgendwie schafft man es, diesen Mann als Vorzeigepolitiker zu präsentieren. Steinbrück täuscht Fähigkeiten vor, die er gar nicht hat. Seine stellenweise frappierende Rhetorik scheint im Volk so eine Art „Helmut Schmidt-Effekt“ auszulösen. Aber der Mann ist ein Blender. Man muss nur mal sein Buch gelesen haben. Anschließend weiß man, wen man mit Steinbrück vor sich hat. Er ist alles andere nur kein Fachmann in Sachen Staatsfinanzen und Finanzwissenschaften. Er hat während der Finanzkrise grobe Fehler begangen, die unverzeihlich sind. Neben den vielfältigen Deregulierungen der Finanzmärkte hat er Banken gerettet, die nicht als systemrelevant gelten. Hätte er nicht Ackermann gefragt, sondern seriöse Wissenschaftler, die ihr Geschäft verstehen, dann hätte er es gewusst: die HRE und die IKB sind keine systemrelevanten Banken. Steinbrück hat von Makroökonomie so gut wie keine Ahnung. Im Parlament merkt es keiner, weil die Mehrheit dort ebenso wenig Ahnung hat. Hier brilliert er mit seiner typischen Steinbrück´schen Rhetorik, die ganz hübsch klingt, aber letztlich von der Sache her substanzlos ist.
Steinbrück ist der Wunschkandidat von den Ackermännern der neoliberalen Szene. Aber auch von vielen, die hier im Blog schreiben. Es muß alles getan werden, dass dieser Mann nicht gewählt wird. Kommt der an die Macht, wird er alles tun, die neoliberale Linie im Land fort zu setzen. Auch gegen den Willen des Volkes. Das wird zu solch schweren Konsequenzen führen, dass dieses Land und seine Bürger mit schwersten sozialen Auseinandersetzungen zu rechnen haben.

53) StefanP, Sonntag, 04. September 2011, 12:00 Uhr

@52) Peter Christian Nowak

Es wäre schön, Sie würden eigene Gedanken formulieren und selber lesen, statt Propaganda zu übernehmen. Ich habe bereits geschrieben, dass Sie in Bezug auf die Tätigkeit von Peer Steinbrück als Finanzminister Begriffe verwandt haben, die unbekannt sind und inhaltsleer. Konkretisieren können Sie nichts.

Sie schreiben: “Seit Monaten läuft die PR Kampagne all überall für Peer Steinbrück. (..) Er hat während der Finanzkrise grobe Fehler begangen, die unverzeihlich sind. Neben den vielfältigen Deregulierungen der Finanzmärkte hat er Banken gerettet, die nicht als systemrelevant gelten. Hätte er nicht Ackermann gefragt, sondern seriöse Wissenschaftler, die ihr Geschäft verstehen, dann hätte er es gewusst: die HRE und die IKB sind keine systemrelevanten Banken. Steinbrück hat von Makroökonomie so gut wie keine Ahnung.”

Die Nachdenkseiten schreiben zur gleichen Zeit: “Seit Monaten läuft die PR Kampagne für Peer Steinbrück. (..) Steinbrück ist drittens zusammen mit Frau Merkel wesentlich dafür verantwortlich, dass auch nicht systemrelevante Banken mit Milliarden der Steuerzahler gerettet worden sind, speziell die HRE und die IKB. – Und Steinbrück hat viertens als Makroökonom völlig versagt.”

Ich würde sagen, typischer Fall von zu Guttenberg, lesen Sie dazu Ihre Einlassungen, Sie gelten auch für Sie.

Sie behaupten, sein Buch gelesen zu haben, können aber keinen einzigen seiner Gedanken und politischen Vorschläge wiedergeben, z.B. zur Regulierung der Finanzmärkte. Ich werde demnächst darauf eingehen, erstmal behaupte ich: Sie haben das Buch gar nicht gelesen. Wie so oft kopieren Sie die Gedanken anderer.

54) Peter Christian Nowak, Sonntag, 04. September 2011, 17:48 Uhr

@Stefan P.
Daß ich unter der gleichen Überschrift wie die Nachdenkseiten geschrieben habe hat seinen Grund: Die Aussage dort trifft zu und deckt sich mit der meinen. Die klassische Kongruenz so zu sagen.
Wenn man sich schon mockiert darüber, daß Tatsachen einfach wiederholt werden, weil denen vielleicht nichts mehr hinzuzufügen ist, dann muß man schon intelligenter sein als Sie, lieber Herr, um aussagefähigen Widerspruch anzubringen. Zum wiederholten Male beweisen Sie hier, daß Sie es einfach nicht drauf haben. Und zwar in jeder Hinsicht: weder im Hinblick Ihres mangelnden Denkvermögens, noch im Hinblick auf andere Kommentatoren hier im Blog. Das hat man Ihnen doch schon zu Genüge unter die Nase gerieben! Sind Sie so schwer von Begriff? Oder verstehen Sie die Abwatschen als Blankovollmacht, sich hier weiterhin der Lächerlichkeit preiszugeben?
Im übrigen glaube ich nicht, daß Sie überhaupt in der Lage sind, mit Ihrem verqueren Weltbild und seinen Widersprüchen intellektuell fertig zu werden. Da helfen Ihnen auch die Nachdenkseiten nicht weiter. Sie glauben doch nicht im Ernst, daß ich quasi rezensorisch den Inhalt von “Unterm Strich” hier präsentiere, mit dem Effekt, mich der Blogbesetzung schuldig zu machen…mein Liäber…
Ich habe mit meiner Replik auf Ihre Einlassungen hiermit eine einmalige Ausnahme gemacht, weil ich mit Leuten, die erheblichen Mangel an Einsichtsfähigkeit haben, grundsätzlich nicht diskutiere. Nebenbei gesagt, das hat mit Einschränkung der Meinungsfreiheit anderer nichts zu tun. Damit habe ich “mit Ihnen fertig”, wie wohl ein italienischer Fußballtrainer sich zum Abschluß seines statements so trefflich ausdrückte…und damit die halbe Welt erlauchter Zuhörer amüsierte.

55) StefanP, Sonntag, 04. September 2011, 18:13 Uhr

@54) Peter Christian Nowak

Kurz: Sie haben abgeschrieben oder das Zitat kenntlich zu machen. Ihr “Wissen” haben Sie von den Nachdenkseiten, also von 1, 2 Autoren, die ähnlich pauschaliert urteilen. Ich fürchte für Sie, das wird nicht wirklich viele überzeugen, dass Steinbrück ein schlechter Finanzminister war. Abgesehen davon, dass es sich gehört, jemanden unter Berücksichtigung von dessen Argumenten zu kritisieren.

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


apparent media - iPhone Apps aus Berlin