Kommentare
71
Tagcloud
BILD Bild am Sonntag CDU CDU/CSU Christian Wulff CSU Der Spiegel Die Linke FDP Grüne große Koalition Hartz IV Kohl Linkspartei Merkel Philipp Rösler Rüttgers Schäuble Schröder Schwarz-Gelb Seehofer Sigmar Gabriel SPD Steinbrück Steinmeier Steuersenkungen Stoiber Wahlkampf Westerwelle zu Guttenberg
Mittwoch, 13. Juli 2011, 19:50 Uhr

Chatzi go!

Der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis hat eine geniale Idee: Weil ihm die Universität Bonn wegen Plagiats den Doktortiel aberkannt hat, will er eine neue Doktorarbeit schreiben. Wer seine Ehre verliert, bastelt sich eine neue – so einfach ist das für einen Politiker einer Partei, die jahrelang plakatiert hat “Leistung muss sich wieder lohnen”.

Politische Konsequenzen lehnt Chatzimarkakis ab. Er will genauso wie seine Kollegin Silvana Koch-Mehrin das Mandat behalten, das er mit dem Doktortitel und der damit verbundenen gesellschaftlichen und politischen Reputation errungen hat. Wenn aber wissenschaftliche Betrüger weiterhin das Volk vertreten können, dann ist es entweder schlecht um das Volk oder um seine Volksvertreter bestellt – und um die Führung der betroffenen Partei.

Wieder werden Maßstäbe geschleift, wieder wird das Mandat entwertet. Der Doktorgrad und die dahinter steckende selbstquälerische Anstrengung ohnehin.

Dass Politiker Vorbilder sein sollten – diese Forderung ist wohl nur noch lächerlich.  Chatzmarkakis und Koch-Mehrin haben für sich beschlossen, dass wissenschaftlicher Betrug und Volksvertretung durchaus vereinbar sind – und werden mit dieser Einstellung von ihren Parteiführungen gedeckt. Genauso wie der baden-württembergische CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Pröfrock.

Jetzt gibt es wieder ein paar tausend akademische Wutbürger mehr.

Jorgo Chatzimarkakis hatte auf seinen Wahlplakaten seinen Namen grafisch so gestaltet, dass zuerst “Go Chatzi” ins Auge sprang. Jetzt muss es heißen: “Chatzi go”.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

71 Kommentare

1) noName, Mittwoch, 13. Juli 2011, 19:56 Uhr

Chatzi go, genau.

Auch lesenswert: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,773996,00.html

2) sk8erBLN, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:07 Uhr

Herr Spreng, sie haben den Worten des “Chatzi” nicht richtig gelauscht, der kauft —ähhh schreibt doch nur einen neuen Doktortitel weil er das seinem Opi versprochen hatte.
siepe
“Für den Fall kündigte Chatzimarkakis im Gespräch mit der “Saarbrücker Zeitung” an, Mängel nachzubessern oder, falls das nicht reicht, eine zweite Dissertation zu schreiben: “Ich habe meinem Großvater versprochen, das durchzuziehen, dazu stehe ich.”
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,774178,00.html

Egal ob Opi im Grabe rotieren würde ob seines missratenen Sohnes….

Aber weshalb auch sollte der “Chatzi” an Verkommenheit einem KTZG oder einer SK-M in irgendwas nachstehen?

3) sk8erBLN, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:16 Uhr

und im übrigen leidet “Chatzi” an Realitätsverlust, so wie seine ganze Splitterpartei: Wirklich lustig was er zur -Zitat Chatzi “Krönung seines Universitätsstudiums” absondert:

Chatzimarkakis erklärte, der Entzug sei „bitter“. Allerdings werfe ihm die Uni keine Täuschungsabsicht vor.”

http://www.derwesten.de/nachrichten/Uni-Bonn-entzieht-FDP-Politiker-Chatzimarkakis-den-Doktortitel-id4866247.html

Nein, natürlich nicht, wieso auch Täuschung? Es waren doch nur 70 % (!!) nicht in Ordnung. Da liegt natürlich keine Täuschungsabsicht vor, ganz sicher nicht.

Der Westen dazu:
“Auf der etwa 200 Seiten umfassenden Dissertation (Titel: „Informationeller Globalismus. Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des Elektronischen Geschäftsverkehrs“), listeten die Plagiats-Fahnder zuletzt an gut 70 Prozent der Seiten Stellen auf, an denen Zitate in Bezug auf ihre Quellen lücken-, zweifelhaft oder verschleiert seien. ”

http://www.derwesten.de/nachrichten/Uni-Bonn-entzieht-FDP-Politiker-Chatzimarkakis-den-Doktortitel-id4866247.html

4) sk8erBLN, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:19 Uhr

whos next bei der Splitterpartei der die Promotion abgeben darf?

Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät hatte am Dienstag beschlossen, die Dissertation von Margarita Mathiopoulos einer erneuten Überprüfung zu unterziehen. Wie Dekan Prof. Günther Schulz erklärte, habe sich „eine neue Sachlage ergeben“, nachdem die Website VroniPlag die Arbeit erneut durchforstet hat;

Quelle wie zuvor
:XD

5) Da krieg ich Plag, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:20 Uhr

Zunächst einmal danke für die deutlichen Worte – auch schon bei “Anne Will”.

Allerdings, und hier möchte ich Sie doch kritisieren: All das war längst klar. Herr Chatzimarkakis hat, wie seine “Vorgänger”, leider recht erfolgreich das Ablenkmanöver “keine Vorverurteilung” eingesetzt, wo es gar nichts mehr vorzuverurteilen gab, weil zumindest die Unzulänglichkeit der Arbeit als Dissertation lange vor der Entscheidung der Uni Bonn eindeutig als geklärt gelten musste.

Die Uni Bonn hat den Grund hier für heute erfreulicherweise ausdrücklich genannt. Ich zitiere (nicht nach der Chatzimarkakis-Oxford-Methode, sondern korrekt) sueddeutsche.de: “Die Uni stellte zudem fest, dass mehr als die Hälfte der Arbeit aus fremden Federn stammt; “so etwas genügt nicht den Anforderungen an eine Doktorarbeit, die ja eine selbständig erbrachte Leistung sein muss”.”

Das ist der entscheidende Punkt, der alles Gerede von Vorverurteilung eigentlich längst hinfällig gemacht hatte. Jedem, der die Synopse von Chatzimarkakis und seinen Quellen in vollem Umfang gesehen hat, musste klar sein, dass es hier nichts mehr zu diskutieren gab: Die Arbeit war so oder mangelhaft, allein aufgrund der fehlenden Eigenleistung. Davon hätten auch Sie sich einen eindeutigen Eindruck verschaffen und Herrn Chatzimarkakis bei “Anne Will” damit konfrontieren können und m. E. auch sollen.

Herr Chatzimarkakis aber sieht das selbst heute noch nicht ein und behauptet weiter, seine Arbeit sei ein “Grenzfall”, er habe “Gänsefüßchen” nicht gesetzt. Das ist entweder dreist oder (meine Vermutung) ein weiterer Nachweis seines völlig fehlenden Verständnisses dafür, was eine wissenschaftliche Arbeit ausmacht. Hätte er die Gänsefüßchen korrekt gesetzt, wäre seine Arbeit erst gar nicht angenommen worden, weil sie mehr Textcollage als Eigenleistung ist. Sie ist kein “Grenzfall”, der sich nahe am Akzeptablen bewegt, der Dekan der Philosophischen Fakultät sprach nur von einem “Sonderfall”, weil Chatzimarkakis eben die Quellen zwar nennt, aber dabei der Umfang der Zitate nicht erkennbar ist.

Unter dem Strich bleibt eine Entscheidung der Uni Bonn, die für die Wissenschaft wichtig und heilsam ist. Aber auch der unschöne Eindruck, dass akademische Scharlatane aus der Politik es immer wieder schaffen, das, worum es geht, zu bagatellisieren, und der breiteren Öffentlichkeit die plattesten Märchen zu verkaufen (“Überblick über die Quellen verloren”, “am Wochenende noch einmal die Dissertation gelesen und Fehler bemerkt”, “Zitierweise in Oxford gelernt, die schreiben da anders” etc.). Diese Ausflüchte wurden und werden mir doch zu oft einfach nur unkommentiert wiedergegeben, wo doch heute fast jeder Journalist selbst studiert hat und weiß, dass das alles nicht nur meist sehr unplausibel, sondern teilweise schlicht Schwachsinn ist.

Und noch etwas bleibt natürlich: Herr Chatzimarkakis. Frau Merkel hat die Trennung von Politiker und akademischem Hochstapler eingeführt, Herr Profröck hat sich schon darauf berufen. Warum sollte, zumal angesichts des fehlenden Schuldbewusstseins, das bei Chatzimarkakis anders sein. Allenfalls wird er in nächster Zeit weniger Präsenz im EP zeigen, weil er nun auf Biegen und Brechen nebenher seine neue Dissertation verfasst.

6) sk8erBLN, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:23 Uhr

Das ist die hier:

Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos, Unternehmerin, Zeithistorikerin und Politikwissenschaftlerin, geboren in Bonn, studierte Geschichte, Politikwissenschaften und Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn, an der Sorbonne, in Harvard und Stanford. MA 1980. Promotion 1986.

http://www.mathiopoulos.de/dt/cv.php

7) Thomas, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:27 Uhr

Zitat: “Politische Konsequenzen lehnt Chatzimarkakis ab.”

Finde ich sowieso toll. Politiker können es sich aussuchen, ob sowas für die Konsequenzen hat oder nicht (siehe auch Schäuble oder Kohl). Die einzig mögliche Einflussnahme von aussen ist die, dass die Medien solange Druck machen, bis der- oder diejenige für die Parteiführung untragbar wird.

Ganz tolles System, wirklich.

8) Michael A. Nueckel, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:40 Uhr

“Jetzt gibt es wieder ein paar tausend akademische Wutbürger mehr.”

Nein, Chatzimarkakis kann man nicht für voll nehmen, er disqualifiziert sich auf seine eigene, undemütige Art binnen kürzester Zeit selbst. Seine Zeit ist abgelaufen. Am besten schlichtweg nicht beachten.

9) kleinErna, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:40 Uhr

Die doktoralen Betrügereien beginnen langsam inflationär zu werden. Jeder solche Betrug, verbunden mit Aberkennung des Doktortitels wertet Karl-Theodor zu Guttenberg im Nachhinein wieder weiter auf, zumal er (zwar nicht ohne den öffentlichen Druck) letztlich seine Ämter (und zwar alle!) zurückgegeben hat, was die Euro-Politprofis Koch-Mehrin und Chatzimarkakis von der FDP stoisch verweigern. Müssen sie wohl auch, denn ohne ihr Euro-Mandat wären sie wohl arm, einkommens- und arbeitsslos wie Kirchenmäuse(?), was bei KTzG bekanntlich anders ist. Selbst Schuld!

Gleiches Handeln und Gleichbehandlung ist dennoch erforderlich und so halte ich es für zwingend erforderlich, dass die Beiden umgehend ihr Europamandat zurück geben und den Platz für “ehrliche” Nachfolger aus ihrer Partei (falls dort noch solche zur Verfügung stehen?) frei machen. Anstand und Würde sollten für eine(n) Deutschen Abgeordneten, gleich aus welcher Partei er stammt, zur Selbstverständlichkeit gehören, meine ich.

10) nona, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:51 Uhr

Der Haken ist, dass Politiker solcher “Güteklasse” in den letzten paar Generationen nicht mehr aus Berufung in die Politik gehen, sondern aus Karrierestreben. “Volksvertreter” oder “Volksdiener” zu sein ist dabei eher nebensächlich, und manchmal geradezu hinderlich. Die vordergründige Motivation, Berufspolitiker zu werden, ist der Drang nach ausgeprägtem wirtschaftlichen Wohlstand gepaart mit (vermeintlichem) Ansehen, Wichtigkeit, Öffentlichkeit, Aufstieg, und nicht zuletzt Macht. Die Nachkriegszeit, als Politiker teils widerstrebend einfach ins Amt gesetzt wurden, teils aus der festen Überzeugung in Ämter drangen, dass es ein Land wieder aufzubauen und den Menschen wieder die schiere Existenz zu ermöglichen gilt – diese Zeit ist lange vorbei. Berufspolitiker von heute sind häufig (und immer häufiger) Karrieristen, deren Hauptaugenmerk erstmal dem eigenen Wohl gilt, und allenfalls sekundär auch dem Wohl des von ihnen in ihrer jeweiligen Position vertretenen Volkes. Das lernen sie entsprechend auch schon von Beginn an. Wer heute tatsächlich noch aus Idealismus früh der Jugendorganisation einer der grossen Parteien beitritt, der bekommt sehr bald mit, wie er sich für seinen eigenen Aufstieg zu rüsten hat, was er am besten studieren sollte, wie er sich in Gesellschaft und Wirtschaft gut vernetzt (will sagen: verseilschaftet), wie er sich am dienlichsten in den Medien und der Öffentlichkeit darzustellen hat, wo man wie auf dem Weg nach oben seine Ellenbogen einsetzt, was er am besten tut und was er besser lässt, usw. – da bleibt für politischen Idealismus, für Authentizität und Glaubwürdigkeit, für das tatsächliche Einstehen für den Dienst an den Bürgern, nicht mehr viel Platz. Und dass das Volk von solchen Typen recht bald politisch verdrossen ist, ist dann natürlich auch nicht mehr überraschend.

11) ganzgeheim, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:55 Uhr

Tja, jetzt isser wech. Der Doktor.

#”Eine solche Praxis vermittelt den Eindruck, dass hier Herr Chatzimarkakis spricht, während in Wirklichkeit Texte anderer Autoren reproduziert werden”, erklärte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Günther Schulz. “Wir werden verstärkte Anstrengungen unternehmen, um solche Machenschaften künftig zu verhindern. Einen absoluten Schutz gibt es leider nicht”, so Schulz.#

steht im Spon. Da ist offensichtlich die mangelhafte Zitierweise gar nicht aufgefallen, weil sie so geschickt und unauffällig war. Freispruch erster Klasse für die Gutachter. Alle Schuld Herrn C.

Weiter so, mit dem Wissenschaftsstandort Deutschland!

12) jk, Mittwoch, 13. Juli 2011, 21:00 Uhr

“Nein, Chatzimarkakis kann man nicht für voll nehmen, er disqualifiziert sich auf seine eigene, undemütige Art binnen kürzester Zeit selbst. Seine Zeit ist abgelaufen. Am besten schlichtweg nicht beachten.”
Es geht nicht darum, ob man diesen rückgratlosen Schwindler für voll nimmt oder nicht.

Es geht um die Partei, die dahintersteht – und dass sie das tut, dass sie das Verhalten von Koch-Mehrin und Chatzimarkakis wenigstens stillschweigend billigt, ist ganz offensichtlich. Es ist mittlerweile ganz klar, dass “Leistung muss sich wieder lohnen” nur eine leere Phrase ist.
Die FDP ist unter Westerwelle die Partei derer geworden, die das System für ihren eigenen Vorteil missbrauchen und denen die manifeste soziale Schieflage gleichgültig ist. Unter Rösler wird sich daran mit Sicherheit nichts ändern, der vertritt nämlich die gleiche menschenverachtende Ideologie.

Die “Leistung”, die sich “lohnen” soll, ist pathologischer Narzissmus, Egoismus und Ellbogenkapitalismus. Einem durchschnittlichen Arbeitnehmer, der tatsächlich einfach nur mehr Netto vom Brutto haben möchte, hat die FDP nichts substanzielles zu bieten. Und sie erweckt immer mehr den Eindruck, dass es ihr auch gar nicht um diese Leute geht, sondern um jene, die ohnehin schon deutlich mehr haben als der Durchschnitt.

Ich persönlich warte sehnsüchtig darauf, dass endlich eine Dissertation eines Linken-/SPD-/Grünen-Politikers als Plagiat entlarvt wird… nicht aus Bosheit, sondern damit der lächerlich substanzlose Vorwurf einer gezielt gegen Union/FDP gerichteten Hetzkampagne endlich verschwindet.

13) Südwestler, Mittwoch, 13. Juli 2011, 21:06 Uhr

Wie viele Doktorarbeiten darf man denn als Politiker schreiben…? Zu meiner Studienzeit war es so, dass bei Abschlussarbeiten (zumindest Magister oder Diplom) der Titelanspruch nach Nicht-Bestehen bzw. Täuschungsnachweis verwirkt war. Wo leben wir eigentlich?

14) JG, Mittwoch, 13. Juli 2011, 23:05 Uhr

@ nona

Ganz recht. Und dies beantwortet auch die immer wieder so gern gestellte Frage, was denn mit unseren Politikern los wäre, warum die heute so anders wären als früher: Das politische, vor allem das Parteiensystem ist dermaßen perfekt, daß alle, die die mittlerweile gewachsenen (genauer: gewucherten) Strukturen gefährden könnten, entweder gar nicht erst hochkommen oder aber schnell wieder ausgeschieden werden. Ein übriges tut in diesem Zusammenhang die ebenfalls höchst unerfreuliche Entwicklung, welche die Medien in den letzten zwanzig, dreißig Jahren genommen haben (zunehmende Boulevardisierung, was auch heißt: immer mehr Hang zur Skandalisierung, zur Oberflächlichkeit, zum Hantieren mit Superlativen, zur Produktion von angeblichen Sensationen, zum permanenten Versuch, den eigenen Rezipienten nach dem Mund zu reden, zur Ablenkung von wichtigen Themen durch immer stärkere Konzentrationen auf “weiche”, also Tralala wie “Promis”, “Royals” oder Sport).

15) Maschinist, Mittwoch, 13. Juli 2011, 23:10 Uhr

Es wird doch immer kolportiert, die Gehälter seien ach so schlecht. Unattraktiv gar für “Leistungsträger”.

Warum ist man dann eigentlich so wild darauf das Amt zu behalten? Kein “Leistungsträger”?

16) Da krieg ich Plag, Mittwoch, 13. Juli 2011, 23:31 Uhr

Chatzimarkakis hat ja gesagt, er würde nur zurücktreten, wenn ihm Vorsatz bescheinigt würde.

Wenn ich mich nicht völlig irre, kann der Fakultätsrat seine Entscheidung heute nur nach § 20 (2) der PromO getroffen haben. Der sieht eine nachträgliche Aberkennung des Doktorgrades vor – im Falle des nachträglichen Bekanntwerdens eines Täuschungsversuchs.

Täuschung erfolgt bewusst. Bewusstes Handeln ist vorsätzliches Handeln.

17) Erwin Gabriel, Mittwoch, 13. Juli 2011, 23:34 Uhr

sk8erBLN, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:07 Uhr

> Aber weshalb auch sollte der “Chatzi” an Verkommenheit einem KTZG
> oder einer SK-M in irgendwas nachstehen?

Ich muss doch bitten…. Verkommenheit….. Fehlt nur noch ein “Subjekt” hinten dran…

Bei allem berechtigten Frust, Ärger, Wut, Empörung etc etc – da greifen Sie eine Schublade zu tief.

18) Erwin Gabriel, Mittwoch, 13. Juli 2011, 23:41 Uhr

sk8erBLN, Mittwoch, 13. Juli 2011, 20:16 Uhr

> …und im übrigen leidet “Chatzi” an Realitätsverlust

Das passt schon eher :-)

19) Diego, Mittwoch, 13. Juli 2011, 23:43 Uhr

Natürlich gelten Moralische Ansprüche

….

nicht für Politiker!
Daher gibt es auch keinen Rücktritt.

Warten wir ab wen es als nächsten trifft!
Das muss man ihm lassen, Guttenberg hatte zumindest noch soviel Arsch in der Hose.

20) analogkäse, Mittwoch, 13. Juli 2011, 23:56 Uhr

Dass diese Leute nicht von allein ihren Hut nehmen und abdanken! Kein Charakter ! Erstens finden sie ja mit höchster Wahrscheinlichkeit allemal woanders gutbezahlte Jobs. Und zweitens :je eher sie das Tal der Tränen, das sie nun durchschreiten müssen, betreten, desto schneller können sie die Schande (aufgearbeitet) hinter sich lassen.
Interessant wäre nun die Frage: Finden sich bei den Politikern überproportional Promotions- Schwindler ? Ist der Politikertypus per se anfälliger für diese Großmannssucht ? Oder finden sich in allen Bereichen derartige Hochstapler ?
Trifft ersteres zu, dann hat die Politik eine Strukturkrise, denn wenn sie übermäßig Leute mit dem Hang zur Aufgeblasenheit anzieht, dann ist wirklich was faul im Staate. Dann müssen Strukturen hinterfragt werden !

21) Hanoi, Donnerstag, 14. Juli 2011, 00:29 Uhr

@Südwestler: Das gilt aber nur für das selbe Fach meines Wissens. Er wird sich also “Expertise” anderswo suchen. Subsidiarität in Griechenlands Kommunalwirtschaft bspw. Und es wird wieder einen Prof geben, der das als Promo annehmen wird.

22) kamikaze, Donnerstag, 14. Juli 2011, 01:20 Uhr

Herr Chatzimarkakis hat nicht seine Ehre verloren, sondern seinen Doktortitel. Ein Doktortitel ist aber keine Voraussetzung für ein politisches Mandat. Auch ein Chefredakteur braucht einen solchen Titel nicht, ebenso wenig ein Politikberater.
Herr Chatzimarkakis muss sein Mandat nicht zurückgeben. Ich meine sogar: Er sollte es nicht zurückgeben. Und er kann auch eine neue Doktorarbeit schreiben, wenn er es kann.

23) Tharben, Donnerstag, 14. Juli 2011, 06:54 Uhr

Mir fällt auf, dass der Begriff ‘Blender’ in diesem Blogeintrag fehlt. Noch am 3. Juli sagte Herr Spreng bei Anne Will, dass man in zwei Wochen sehen werde, ob Jorgo Chatzimarkakis ein Blender ist, sobald die Uni Bonn entschieden hat.

Darf man Chatzimarkakis nun gefahrlos Blender nennen?

24) Frankilein66, Donnerstag, 14. Juli 2011, 07:18 Uhr

Ich bin enttäuscht!

Das sich die Teilnehmer dieses Blogs an dem billigen Griechenbashing der Springer-Presse beteiligen hätte ich nicht gedacht!

25) sol1, Donnerstag, 14. Juli 2011, 09:42 Uhr

“Herr Chatzimarkakis hat nicht seine Ehre verloren, sondern seinen Doktortitel.”

Er hat den Doktorgrad mit unehrlichen Mitteln erschlichen – damit ist seine Ehre perdu.

26) ganzgeheim, Donnerstag, 14. Juli 2011, 09:42 Uhr

@Da krieg ich Plag:

> Täuschung erfolgt bewusst. Bewusstes Handeln ist vorsätzliches Handeln.

Da ist leider eine kleine Denkschwäche von Ihnen. Täuschung erfolgt bewusst, aber nicht jedes bewusste Handeln ist automatisch eine Täuschung. Und wenn Sie den Unterschied zwischen bewusstem Handeln und vorsätzlicher Täuschung nicht kennen, dann müssen Sie halt mal einen Juristen fragen, statt willd und falsch herumzuspekulieren.

Aber ganz abgesehen davon – eine Täuschung hätte einen Irrtum bei den Gutachtern erregen müssen. Da aber überhaupt keine Zitatabgrenzung vorhanden war, aber Quellen genannt wurden, konnte die Frage nach dem Eigenanteil gar nicht beantwortet werden.

Was haben die Gutachter denn bewertet, wenn der Eigenanteil gar nicht erkennbar war? Und wo war der Irrtum, der durch Täuschung hervorgerufen wurde?

27) Lutz und Karin Jahnke, Donnerstag, 14. Juli 2011, 10:01 Uhr

..und am meisten nervt, dass in manchen Medien handfester Betrug noch immer als “Schummelei” bezeichnet wird, als ginge es hier darum, dass einer beim “Mensch-ärgere-dich-nicht” ein Kästchen weitergerückt sei, als gestattet. Ist doch ungeheuerlich!

28) Andronico, Donnerstag, 14. Juli 2011, 10:05 Uhr

Jetzt versteh ich endlich, warum die Vertreter der Splitterpartei mit den drei Buchstaben und den drei Punkten auch bei den Arbeitslosen und Hartz4-Empfängern immer kollektive Betrugsabsicht vermuten: Sie können es sich nicht anders vorstellen, weil man von sich auf anderen schließt. Dass man es auch ehrlich meinen könnten ist offenbar in der Welt dieser Damen und Herren nicht vorgesehen.

29) Michael A. Nueckel, Donnerstag, 14. Juli 2011, 10:07 Uhr

@ kamikaze

Nein, so auf keinen Fall.

@ jk

“Ich persönlich warte sehnsüchtig darauf, dass endlich eine Dissertation eines Linken-/SPD-/Grünen-Politikers als Plagiat entlarvt wird”

Gibt es, siehe den Fall Brinkmann, http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article1956502/Uni-entzieht-SPD-Mann-Uwe-Brinkmann-den-Doktortitel.html

30) Sprachsynthese, Donnerstag, 14. Juli 2011, 10:29 Uhr

@Kamikaze

Wir leben in einer Zeit, in der Verlage große Anstrengungen unternehmen, jegliche “Zweitverwertung” eigener Zeitungsartikel juristisch prüfen und gegebenenfalls verfolgen zu lassen. Oft wird lautstark die “Abschreiber”- Mentalität gerade im Internet angeprangert, der “Geiz-ist-geil”-Gedanke, jegliche journalistische Arbeit kostenlos abrufen zu können, verurteilt. Wie lange sitzt ein Journalist, der für eine Tageszeitung schreibt, durchschnittlich an einem Artikel (langfristige Reportagen mal außen vor gelassen) oder an der Aufbereitung eines Interviews? Ich bin kein Experte, Herr Spreng wird es genauer sagen können, aber ich gehe als Laie davon aus, dass es sich um maximal etwa zwei Wochen handeln könnte. Sagen wir also zwei Wochen geistige Arbeit mit meist zurecht schützenswertem Ergebnis.

Ein Wissenschaflter arbeitet mindestens Monate, öfter noch Jahre, nicht selten sogar sein ganzes wissenschaltliches Leben an einem Werk. Und das soll weniger schützenswert sein? Das ist der Kern bei der Frage, ob wissenschaftlicher Betrug eigentlich “so schlimm” ist. Jemand hat möglicherweise Jahrzehnte damit verbracht, wissenschaftliche Erkenntnisse zu sammeln, zu verarbeiten, zu evaluieren und in Worte zu fassen und ihm wird jegliche Anerkennung versagt, weil ein anderer aus Faulheit und persönlicher Eitelkeit diese Erkenntnisse als seine eigenen ausgibt.

Ist jemand ein Ehrenmann, der so etwas tut?

31) derTechnokrat, Donnerstag, 14. Juli 2011, 11:05 Uhr

jk schrieb:

Ich persönlich warte sehnsüchtig darauf, dass endlich eine Dissertation eines Linken-/SPD-/Grünen-Politikers als Plagiat entlarvt wird… nicht aus Bosheit, sondern damit der lächerlich substanzlose Vorwurf einer gezielt gegen Union/FDP gerichteten Hetzkampagne endlich verschwindet.

Dank Vroniplag hat auch ein Hamburger SPD-Politiker namens Uwe Brinkmann seinen Doktorgrad verloren, da die Arbeit auch bloß plagiiert war. Der hat aber kein Theater gemacht, sondern seine Promotionsurkunde geräuschlos an die Uni zurückgegeben.

32) mju, Donnerstag, 14. Juli 2011, 11:30 Uhr

will er eine neue Doktorarbeit schreiben.

Ich hoffe doch sehr, dass kein Professor, der noch etwas Ehre hat, Herrn Chatzimarkakis als Doktoranden akzeptiert. Warum sollte er? Ein wissenschaftlicher Fortschritt ist von der Arbeit nicht zu erwarten, auch wird er als externer Doktorand den Lehrstuhlinhaber nicht bei seiner Arbeit unterstützen können. Und der Korrekturaufwand einer Arbeit dürfte erheblich sein, schließlich müsste sichergestellt sein, dass die eventuelle neue Arbeit nicht auch ein Plagiat ist, was eine deutlich gründlichere Prüfung erfordert.

Da niemand gezwungen ist, einen Doktoranden zu akzeptieren bliebe Herrn Chatzimarkakis dann nur noch der Dr. rer. pec.

Bleibt die Frage: Wenn Herr Chatzimarkakis in der Lage wäre, so mir nichts dir nichts eine neue den wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Doktorarbeit zu schreiben, warum hat er das beim ersten Mal nicht gemacht?

33) Politikverdruss, Donnerstag, 14. Juli 2011, 12:02 Uhr

@sk8erBLN,
zwischendurch ruhig mal den Schaum vom Mund wischen!

34) EStz, Donnerstag, 14. Juli 2011, 12:25 Uhr

@ ganzgeheim, Donnerstag, 14. Juli 2011, 09:42 Uhr

Was haben die Gutachter denn bewertet, wenn der Eigenanteil gar nicht erkennbar war? Und wo war der Irrtum, der durch Täuschung hervorgerufen wurde?
_________________________________________________

Das mit dem “nicht erkennbaren” Eigenanteil ist ja nicht so, dass der als “nicht erkennbar” markiert wird (etwa durch Anführungszeichen :-) ). Da liefert jemand zwanzig Seiten Text ab, sagt: “Das habe ich gemacht”, und hat drei oder vier Zitate eingebaut und gekennzeichnet. Schaut man drauf und denkt sich, da war der Bub aber fleißig und hat sogar die Zitate ausgewiesen. Wer kommt darauf, dass der Text in den Anführungszeichen sein eigener ist und der Rest abgekupfert wurde?

Ich kann auch die Professoren verstehen: Die kennen den Mann, der da vor Ihnen sitzt, schon länger, freuen sich vielleicht, dass sich ein junger Mensch auf den beschwerlichen Weg zum Doktortitel macht, sehen ihn schwitzen und arbeiten, reden immer wieder mit ihm und gewinnen Vertrauen.

Ich kann sogar die Doktoranden verstehen, die wissen, was so ein Titel bedeutet (bzw. das von wichtigen älteren Herren und Damen oder den eigenen Eltern gesagt bekommen. Dann darf das doch nicht scheitern, weil einem gerade nichts einfällt. Man kennt das Thema, hat die Quellen erforscht, findet vielleicht sogar einen neuen Aspekt oder Zusammenhang, wenn man die beiden Blöcke von hier und da neben einander stellt….

Aber……

Es geht hier ja nicht darum, dass ich jemand aus drei Sätzen bestehendes Zitat aufgeführt und versehentlich die Anführungszeichen am Ende des zweiten Satzes gesetzt habe. Ein Fehler – ok; zwei Fehler – auch ok; ein Dutzend Fehler – zumindest schlampig. Aber vier, fünf, sechs Dutzend “Fehler”, bei einer alles entscheidenden Doktorarbeit? Ist so etwas ohne Vorsatz überhaupt möglich?

Wer in größerem Umfang fremde Arbeiten als seine eigenen Werke ausgibt, handelt bewußt. Und ob ich aus einer ungenannten Quelle kopiere oder eine Quelle für ein Zitat anführe und den Rest dort klaue und ungenannt in eine Doktorarbeit einfließen lasse, macht aus meiner Sicht keinen Unterschied.

Was mich erschreckt: Wenn einer nicht das schlechte Gewissen für die Tat fühlt, sondern nur fürs ertappt werden – wie weit geht so einer in anderen Dingen?

35) EStz, Donnerstag, 14. Juli 2011, 12:35 Uhr

@ Maschinist, Mittwoch, 13. Juli 2011, 23:10 Uhr

Es wird doch immer kolportiert, die Gehälter seien ach so schlecht. Unattraktiv gar für “Leistungsträger”.
Warum ist man dann eigentlich so wild darauf das Amt zu behalten? Kein “Leistungsträger”?
_________________________________________________________________________

Selbst wenn das Gehalt verglichen mit der freien Wirtschaft nicht wirklich doll ist (solange man keine Nebeneinkünfte hat, natürlich); die Altersversorgung ist es. Und es ist nicht jedermanns Sache, einen eingeschlagenen Karriereweg, auf dem man gut unterwegs ist, ohne weiteres zu verlassen.

Zumal: Würden Sie jemanden als Führungskraft einstellen, dem ein gefakter Doktortitel nachgewiesen wurde? Der Mann wäre sehr angreifbar, und der, der ihn einstellt, wäre es wohl auch.
Hat er keinen Erfolg, heißt es “war klar, ein Blender”; hat er Erfolg, kommt die Frage auf, wie er das geschafft hat und ob alles mit rechten Dingen zuging.

Ich schätze auch, dass Herr Chatzimarkakis unter einer politiker-typischen eingeschränkten Realitätswahrnehmung leidet. Aber in einem gewissen Rahmen kämpft er auch um seine Existenz. Wenn er jetzt aufgibt, ist nicht gesagt, dass er die Kurve noch mal kriegt. Dass er die Kurve leichter kriegt, wenn er früher vom Gas geht, ist ihm vielleicht nicht klar.

36) mambo, Donnerstag, 14. Juli 2011, 13:47 Uhr

Der Fall der Frau Professorin ? Dr.??? Mathiopoulos wird ganz besonders interessant werden.
Sie gibt sich auch als Unternehmerin,doch welches Unternehmen ist das und was produziert dieses ?
Diese Dame dürfte noch nie irgend etwas vernünftiges geleistet haben,
außer Egoschow ,Politlobbyismus und Veröffentlichungen ,die das Papier nicht wert sind,
aber sie scheint nicht schlecht von dem ganzen nonsense zu leben.

37) Lacerda, Donnerstag, 14. Juli 2011, 14:22 Uhr

Wir kennen das doch.
Die FDP ist die Partei der Grosskotzigkeit.
Wie hiessen die doch alle ? Westerwelle, Rainer-Brüderle, Martin Lindner, Koch-Mehrin und jetzt diese mediale Karikatur, Herr Chatzimarkakis.
Die FDP ist nicht nur eine Karikatur. Sie schadet mittlerweile die politische Kultur in Deutschland, in dem sie tagtäglich durch ihre Peinlichkeiten, ein großes Stück Politikverdrossenheit beitragen. Davon gibt es in Deutschland aber schon genug !
Ich kann nur hoffen, daß 2013 die FDP nicht mehr dem Bundestag angehört und damit Ruhe im Karton ist.

38) Maria, Donnerstag, 14. Juli 2011, 15:50 Uhr

Ich empfehle für eine grundsätzliche Diskussion über die Verantwortung in der Politik ggü. sich selbst und den Repräsentierten Max Webers Vortrag “Politik als Beruf” von 1919. Weber hat dort schon vor über 90 Jahren geschrieben: “Wer Politik überhaupt und wer vollends Politik als Beruf betreiben will, hat sich jener ethischen Paradoxien und seiner Verantwortung für das, was aus ihm selbst unter ihrem Druck werden kann, bewusst zu sein.”
Ich wage jedoch zu behaupten, dass diese ethischen Paradoxien weder den Kommentatoren hier (und ich schließe mich selbst mit ein), noch den meisten Politikern bewusst sind. Dies soll keine Rechtfertigung für eine Doppelmoral sein, sondern nur der Hinweis, dass es eben mehr gibt als schwarz und weiß. Auch, dass es für vieles eben keine eindeutig ‘gute’ Lösung gibt.
Dies anzuerkennen und zu sagen, erfordert jedoch ein sehr hohes Maß an Ehrlichkeit, Selbstreflexion, Offenheit und Kritikfähigkeit. Das jedoch sind insgesamt Werte, die leider nicht mehr um ihrer selbst willen en vogue sind, sondern nur noch wenn sie einem Zweck/der Karriere dienen.

Chatzimarkakis hat sein Mandat mit, aber nicht durch, seinen Doktor erhalten. Was hat er in der Zeit seines Mandates geleistet, worin hat er versagt, sodass die Rückgabe seines Mandates gerechtfertigt wäre? Ich muss ehrlich gestehen, dass ich vor dem Plagiatsvorwurf, seinen Namen nicht wirklich kannte, geschweige denn wusste, dass er im EP sitzt.
Aber jetzt diskreditiert jeder sehr schnell seine Arbeit und will, dass er seine Stelle verliert. Es ist verdammt schwer, dafür eine Lösung zu finden. Ich fände es jedenfalls besser, wenn irgendeiner das einmal offen und dementsprechend ratlos zugeben würde, anstatt sofort den Rücktritt zu fordern. Aber nur schnelle, eindeutige Lösungen scheinen in der heutigen Zeit auch gute Lösungen zu sein. Schade!
Abschließend möchte ich nur noch anmerken, dass auch ich gerade an “der Krönung meiner Universitätslaufbahn” am Wissenschaftsstandort Deutschland arbeite, mich ärgere über die Nachlässigkeiten und Beliebigkeiten der Doktoranden, aber auch der Gutachter/Universitäten. Es ist etwas faul, aber ich fühle mich immer mehr ein bisschen so wie in der Diskussion um Henne oder Ei.

39) Da krieg ich Plag, Donnerstag, 14. Juli 2011, 15:55 Uhr

@ ganzgeheim:

Ich verstehe nicht so ganz, warum Sie mich (noch dazu so aggressiv) attackieren. Ich sagte oder implizierte doch gar nirgendwo, dass jede bewusste Handlung eine Täuschung wäre. Worauf beziehen Sie sich damit überhaupt? Warum sollte irgendjemand das je behaupten, wo diese Aussage doch offensichtlich unsinnig ist?

Worum es mir geht, ist die für den Fall Chatzimarkakis geltende Promotionsordnung, anhand der gestern entschieden wurde. Die sieht als Grund für die nachträgliche Aberkennung des Doktorgrades nur die Entdeckung eines Täuschungsversuchs vor. Hierzu stellte ich fest, und dies sehen Sie ja offenbar genau so, dass Täuschung bewusst, sprich vorsätzlich, unternommen wird. Und das heißt in meinen Augen ganz klar, dass Chatzimarkakis nicht nur (mal wieder) die Unwahrheit sagt, wenn er behauptet, die Uni hätte ihm attestiert, dass keine Täuschungsabsicht vorlag. Es heißt vielmehr auch, dass er seinen eigenen Maßstäben nach zurücktreten müsste.

Womit genau stimmen Sie bei diesem Gedankengang hier nicht überein?

40) ganzgeheim, Donnerstag, 14. Juli 2011, 15:58 Uhr

@EStz

>>> Das mit dem “nicht erkennbaren” Eigenanteil ist ja nicht so, dass der als “nicht erkennbar” markiert wird (etwa durch Anführungszeichen :-) ). Da liefert jemand zwanzig Seiten Text ab, sagt: “Das habe ich gemacht”, und hat drei oder vier Zitate eingebaut und gekennzeichnet. Schaut man drauf und denkt sich, da war der Bub aber fleißig und hat sogar die Zitate ausgewiesen. Wer kommt darauf, dass der Text in den Anführungszeichen sein eigener ist und der Rest abgekupfert wurde?

Nein. Das ist nicht so. Niemand kommt auf den Gedanken, dass eine Dissertation eine komplette Eigenarbeit ist, die nur ein paar “Gedanken” übernimmt. Falls doch, dann gibt es bestimmt keine drei. Ein Gutachter muss den Eigenanteil bewerten und der muss für ihn erkennbar sein. Falls er das nicht ist, dann muss er das beanstanden. Und eigentlich muss er auch zumindest stichprobenhaft die Quellen daneben legen und vergleichen. Die Quellen bekommt er vom Promovierenden mit. Aber das macht wohl kaum einer. Zu viel Arbeit.

Den Gutachtern muss der Mangel in der Arbeit voll bewusst gewesen sein und sie haben ihn durchgelassen, weil sie nicht daran gedacht hatten, dass sich irgendjemand später dafür interessieren könnte. Da die Arbeit eigentlich zu schlecht war, haben sie eine drei gegeben. Das ist eine außergewöhnliche Note. Diese Gutachter haben bereits eine Menge Promotionsverfahren hinter sich. Insbesondere, wenn sie kurz vor der Emeritierung stehen. Die kennen den Wissenschaftsbetrieb genau. Jedenfalls genau genug, um eine Dissertation bewerten zu können. Es mag Einzelfälle geben, die das nicht können, aber die haben kein Recht auf mildernde Umstände.

http://de.wikipedia.org/wiki/Promotion_%28Doktor%29

#Im Abschlussjahr 2009 wurden in Deutschland 25.101 Promotions-Prüfungen abgelegt, davon wurden 25.084 bestanden und 17 nicht bestanden. Von den bestandenen Prüfungen ist bei 24.015 Prüfungen die Note bekannt: 3.694 bzw. 15 % erhielten die Note mit Auszeichnung, 12.874 bzw. 54 % die Note sehr gut, 6.479 bzw. 27 % die Note gut, 924 bzw. 4 % die Note befriedigend und 44 die Note ausreichend.#

Wenn man die befriedigend und die ausreichenden zusammenzählt, kommt man auf weniger als 5% dementgegen immerhin 15% Auszeichnungen stehen.

Jetzt kommt auf einmal die Öffentlichkeit und guckt genau hin. Und sie weiß nicht, dass ein rite eigentlich “schiete” bedeutet und bereits bestraft worden ist. Da will man sich nicht selbst belasten sondern schiebt alles auf den Herrn C.

41) wschira, Donnerstag, 14. Juli 2011, 16:25 Uhr

@Südwestler, @hanoi
Staatsexamen, Diplom und andere sind, im Gegensatz zu Promotionen, Abschlüsse in einem Studienfach. Natürlich kann jemand, der in einem Studienfach in der Abschlussprüfung durchgefallen ist, ein anderes Studium beginnen und durch Diplom etc abschliessen ( sofern er nicht gerade ein nc-Fach wählt). Auch jemand, der schon eine Abschlussprüfung in der Tasche hat, kann ein anderes Fach belegen und einen weiteren Abschluss machen. So war es etwa bei einem Studienkollegen von mir, der zunächst Elektrotechnik, Fachrichtung Medizintechnik mit Abschluss Diplom-Ingenieur studierte und anschliessend Medizin mit Abschluss med und anschliessender Promotion.
Promotionen sind im Prinzip völlig unabhängig von der gewählten Fachrichtung und können, bei gewissen Voraussetzungen, auch wieder im Prinzip, von Leuten ohne Studium oder ohne Studienabschluss (siehe vuz Guttenberg) eingereicht werden. Auch wenn eine Promotion nicht bestanden wurde, kann selbstverständlich mit einem anderen Thema in einem anderen Fach eine weitere Promotion eingereicht werden (wenn man einen Doktorvater findet, und das dürfte bei genügend Einsatz, sprich Bares, nicht schwierig sein).

42) Doktor Hong, Donnerstag, 14. Juli 2011, 17:59 Uhr

Ich hätte einen Vorschlag für die neue Dissertation:

Die soziologische Bedeutung der Promotion unter Politikern und ihre Erlangung durch wissenschaftlichen Betrug

43) StefanP, Donnerstag, 14. Juli 2011, 18:17 Uhr

Was ist dies für ein glückliches Land! Die Bundeskanzlerin, früher sagte man “Regierungschef”, tourt durch die Welt, lässt irgendwo in Asien (den Namen des Landes habe ich vergessen) eine Blume nach sich benennen, kommt zurück nach Deutschland um, zugegeben, einen umstrittenen Rüstungsdeal zu genehmigen und entfliegt dann in die Weiten Afrikas.

Währenddessen beschäftigt sich die Bloggersphäre wie hier mit der Allgemeinheit nicht bekannten und nur durch aberkannte Doktorarbeiten kaum bekannte Politiker, den Moralverfall (wie immer) und dass das alles zu noch mehr “Wutbürgern” führe. Geht’s noch?!

Nun ja, gibt auch sonst nichts Wichtiges. Gerade steht die europäische Einigung auf der Kippe, eventuell könnte die Weltkonjunktur wieder in eine Rezession abdriften, wenn die Staaten nicht mit mehr Ernsthaftigkeit ihre Verschuldungsprobleme angehen, die USA stehen im Selbstfindungsprozess, Europas Gewicht in der Welt steht auf dem Spiel.

Aber wir diskutieren, ob ein FDP-Politiker der zweiten oder dritten Garde mit unausprechlichem griechischen Namen und halbseidener (oder müsste es heißen: halbseitiger?) Herkunft richtig zitiert und ob eine hübsche, aber nichtssagende EU-Abgeordnete der gleichen Partei mit gleichen Problemen noch Parlamentarierer sein dürfen, weil sie angeblich mit ihrem guten Namen (der nicht mehr gut ist) und Namenskürzel, das nun der Einfachheit halber weggefallen ist, noch glaubwürdig sind. Kurz und knapp: sind sie nicht.

Damit hätte man die ganze Diskussion prima verkürzen können und sich den für das öffentliche Leben und die Tagespolitik wichtigen Themen in äußerst bewegten Zeiten zuwenden können. Da Sie, Herr Spreng, sich beharrlich weigern, dies zu tun, habe ich inzwischen den Verdacht, dass Sie nicht wirkliche politische Probleme erkennen können. Möglicherweise besitzen Sie auch nicht annähernd Kompetenz sich darüber zu äußern, was einerseits natürlich für Realitätssinn steht, andererseits jedoch ein Armutszeugnis für die deutsche Bloggerlandschaft ist.

Man kann verdammt viel Negatives über unsere handelnden Politiker schreiben, wie sie “Politik auf Sicht” machen. Aber dort gibt es noch ein paar Leute, die ernsthaft Politik betreiben und sich um sehr komplizierte Probleme kümmern. Diese Fähigkeit, sich in Zusammenhänge und neue Fragestellungen mit komplexen Strukturen einzuarbeiten, fehlt ganz sicher den deutschen Bloggern (den meisten Bürgern ohnehin). Zeit sich mal selber kritisch zu hinterfragen. Und das, Herr Spreng, wäre möglicherweise ein Thema, worüber Sie kompetent schreiben könnten.

Wir lachen über Sarah Palin. Ich habe den Verdacht, in Deutschland laufen viel zu viele unter deren geistiger Kapazität herum.

44) Winfried, Donnerstag, 14. Juli 2011, 19:27 Uhr

Das Problem ist doch leicht zu lösen, das unrechtmäßige tragen eines Doktortittels ist ab gleich nicht mehr strafbar und er verschwindet aus dem Ausweis. Dann nennt sich jeder Doktor und die echten Doktoren werden es auch nachweisen können, so sie es müssen!

45) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 14. Juli 2011, 20:00 Uhr

Es scheint, daß Dreistigkeit, gepaart mit Dummheit, bei Politikern wie Chatzi. zur Regel geworden sind. Es wird auch noch geduldet. Machtlos steht man solchen Leuten vis a´vis.
Bei solchen Figuren wird es mir angst und bang ob der düsteren Zukunftsaussichten für Deutschland.

46) sk8erBLN, Donnerstag, 14. Juli 2011, 20:42 Uhr

@ Erwin Gabriel, Mittwoch, 13. Juli 2011, 23:34 Uhr
Ich bleibe dabei, es handelt sich um Verkommenheit, nicht mehr, nicht weniger auch wenn der Begriff Ihnen zu hart erscheint.

@ ganzgeheim, Donnerstag, 14. Juli 2011, 09:42 Uhr

Da gibt der “Chatzi” eine “Doktorarbeit” ab von der er selbst sehr genau wusste dass sie nicht mal zur Hälfte überhaupt nur eigene Gedanken enthält (weshalb er eben nur Dank der gewählten verschleierten Zitatabgrenzung erst in der Lage war, die Arbeit überhaupt einzureichen) und Sie verstehen nicht worin die Täuschung bestanden haben soll? Es spielt nicht mal mehr eine Rolle ob bei den verbliebenen 30 % Eigenleistung so etwas wie wissenschaftliche eigene Erkenntnisse in die Arbeit einflossen.

@ mambo, Donnerstag, 14. Juli 2011, 13:47 Uhr

“…doch welches Unternehmen ist das und was produziert dieses ?”
steht doch im Link. Madamme ist Chief Executive Officer (CEO) der Firma “ASPIDE” die mit “EAG EUROPEAN ADVISORY GROUP” zusammenhängt , die scheint immerhin realer zu existieren als die unternehmerische Tätigkeit des vorzüglichen Blenders Karl Theodor z. Guttenberg. :D

Sie mischt im Markt für Verteidigungs- und Energiesicherheitsberatung mit, ihre Firma schmückt sich mit bekannten Persönlichkeiten en Masse, angefangen beim ex-Bundebanker Karl Otto Pöhl über Spaniens ex Verteidigungsminister, oder Schwedens ex-Außenminister siehe http://www.aspidepartners.com/board.php sowie http://www.eagpartners.com/board.php

Auch der in den letzten Tagen wegen Sexaffairen in Verruf geratene Strauss-Kahn ist mit von der Partie wenn man den Aussagen auf der Homepage denn Glauben schenken möchte…..

EAG offers services in the following areas all over the globe:

strategic defense reviews
solving security-related problems in the field of aerospace / defense aviation / transportation, and energy (gas / oil / water)
providing countries with an overview on state-of-the-art technology in anti-terrorism training and equipment covering both pro-active and reactive
defenses and a costumer-oriented objective assesment of the various equipment offer
focusing on MoD-eProcurement capability implementations, C4 ISR solutions, NCW/DBA methodology and homeland defense architecture
strategic analysis and political evaluation
conflict research/conflict resolution/confidence building measures
transnational threat analysis and counter-terror strategies
development and implementation of political strategies and, based on them, marketing strategies, including marketing plans and campaigns, to create the necessary access to markets and win business
informal diplomatic crisis management/defense-diplomacy
influencing political and industrial decision-making processes

EAG’s clients are governments who seek for outstanding and confidential advise in political and military affairs, sub-state actors, like the German Bundesländer and the American States as well as other public sector players, and in the industries with increasing strategic sensitivity and importance in the 21st century in areas, such as defense and defense-related industries, aviation, transportation and energy (gas, oil, water).”
Ende der Selbstbeweihräucherung lt. HP. http://www.eagpartners.com/profile.php

Die sind also ganz ganz toll und unglaublich wichtig und vermutlich mitverantwortlich für so genial-bahnbrechend wichtige Erkenntnisse dass “unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt würde….;).

SCNR
p.s. @ Politikverdruss *plonk*

47) Hebras, Donnerstag, 14. Juli 2011, 21:50 Uhr

Hallo,

ja ich schreibe Anonym weil ich nicht jeden Beitrag von mir bei google finden möchte.

Die Welt war, ist und wir immer im Wandel befindlich sein. Das ist gut so denn das ist das, was das Leben und den Tod so interessant macht. Als ich 20war, hatte ich es etwas bedauert nicht die Phase der 68′ mitbekommen zu haben, weil ich mir gedacht hatte das die Zeit echt spannend war. Viel Wandel sprich viel Veränderung. Aber jetzt darf ich erfahren das ich in einer Zeit lebe wo sehr viel Veränderung stattfindet. Man kann solche Bewegungen nicht an einzelnen Punkten festmachten, aber ich erlaube mir mal einen bedeutenden herauszupicken. Danke dem Internet, denn so wachsen wir zusammen die Menschen die Welt die Interessen. Die Zeit dessen das der “Klügere nachgibt” ist wohl langsam Geschichte, denn wir sehen ja wie die Welt dadurch geworden ist. Nein der klügere kontert geschickt und friedlich und zeigt Lügen und Unwahrheit am Keim auf.
So auch im Fall Chatzimarkakis der durch eine Gruppe von Menschen die freiwillig und ohne Vergütung sich die Mühe gemacht haben (Danke an dieser Stelle mal für die Freiwilligen) die ein wenig Nährstoffe für die wachsende Pflanze der Gerechtigkeit erkämpft haben.
Wir leben in einer sehr dynamischen Zeit und Ja solche Menschen wie Herr Chatzimarkakis gehört meiner Meinung nicht mehr in die Regierung, aber durch mich wäre er auch gar nie dahingekommen.
Ich hoffe nicht das es mehr Wutbürger geworden sind, ich hoffe das es mehr Wachbürger geworden sind.

Für eine transparentere, ehrlichere und gerechtere Welt

Hebras

48) SJR, Freitag, 15. Juli 2011, 08:46 Uhr

Die Uni-Freiburg hat übrigens im Frühjahr in einem Survey-Experiment belegt, dass der Doktor-Titel bei der Beurteilung von Nils Schmid einen signifikanten positiven Unterschied machte (http://landtagswahl-umfrage.de/index.php?id=6 unter Umfrageergebnisse). “Doktor Nils Schmid” wurde im Mittel deutlich besser bewertet als “Nils Schmid”. Dr. Schmid ist sicher überjeden Zweifel erhaben und hat einen exzellenten akademischen Ruf. Worum es tatsächlich geht: Die meisten Whalberechtigten dürften von seiner Uni-Karriere nichts (konkretes) wissen, beurteilen den Doktor aber trotzdem als sachverständiger und sympathischer.

Wer mit einem erschummelten oder erschlamperten Doktortitel in den Wahlkampf zieht, täuscht damit die Wählerinnen und Wähler. Wurde die Doktorarbeit als Karrierebeschleuniger “angefertigt”, würde ich das Wahlbetrug nennen. Und daraus sollten Konsequenzen gezogen werden.

49) Frankilein66, Freitag, 15. Juli 2011, 08:50 Uhr

@StefanP.

Zum ersten mal muss ich einem ihrer Kommentare zustimmen!

Weiter so, viellleicht werden wir doch noch Freunde…!

50) FF, Freitag, 15. Juli 2011, 09:58 Uhr

Was mir unangenehm aufstößt: die verharmlosende Berichterstattung, etwa in der FAZ von heute: Chatzimarkakis sei doch “ein netter Kerl” usw. usf. , Tenor: laßt den doch sein Mandat behalten.
Kann sich jemand vorstellen, was wir an Kampagnen erlebten, wenn etwa Gregor Gysi seines Doktortitels verlustig gegangen wäre? Und irgendein Mandat behalten wollte? Und die Parteispitze jede Stellungnahme verweigerte? Da stünde der Journaille der Schaum vorm Mund. Vielleicht genießt die FDP ja schon Artenschutz. Traurig.

51) ganzgeheim, Freitag, 15. Juli 2011, 10:21 Uhr

@sk8erBLN

Woher kommt Ihr “Wissen” darüber, dass der Rest der Arbeit nicht relevant ist? Und warum halten Sie die Gutachter für so arme Würstchen, dass sie sich so leicht hinters Licht führen lassen? Dass sie noch nicht einmal in der Lage sind, beiliegende Quellen zu vergleichen? Wie haben dann diese Gutachter Ihrer Meinung nach den Titel PROFESSOR erworben? Ebenfalls durch plagiieren??

52) Larshouse.com, Freitag, 15. Juli 2011, 11:19 Uhr

Eine Frage an die Juristen unter den sprengsatz-Lesern:

Wieso kommen Plagiatoren eigentlich nicht in den Knast?

Vorsätzlicher Betrug?! Urkundenfälschung? Abgabe einer falschen Eidesstattlichen Versicherung? Diebstahl geistigen Eigentums? Vorspiegelung falscher Tatsachen?

53) Sabine Zielke-Esser, Freitag, 15. Juli 2011, 11:28 Uhr

@StefanP

Wenn Sie auf ihre arrogante Attitüde – die hier mittlerweile sattsam bekannt ist – verzichten könnten und sich insgesamt kürzer fassen würden, wären Ihre Beiträge ja lesenswert.

Andererseits sehe ich es so, dass Herr Spreng nicht politische Entwicklungen als solche kommentiert, sondern das Verhalten der Politiker – ihr Zaudern und Zögern, ihre Überforderung, ihre Überheblichkeit, ihre Inkompetenz, ihre Volks- und Realitätsentfremdung und manchmal ihre Lächerlichkeit.

Wenn Ihnen, StefanP, das alles hier so auf die Nerven geht und so unter Ihrem Niveau ist: Tschüss, StefanP.

54) Erwin Gabriel, Freitag, 15. Juli 2011, 11:30 Uhr

@ Stefan P

Autsch (bin wieder gelandet)

Wollen Sie nicht selbst? Ich würde ihn lesen…

Herzlichen Gruß

EG

55) Politikverdruss, Freitag, 15. Juli 2011, 14:07 Uhr

Ich stimme @Stefan P zu, dass das Thema langsam etwas ausgelutscht erscheint. Ein Aspekt sollte aber noch etwas intensiver betrachtet werden: Jetzt sollen Professoren über Plagiantentum richten, das sie zuvor vermutlich selbst zugelassen, zumindest aber nicht verhindert haben. Da fragt man sich natürlich, ob es nicht vielleicht auch an der deutschen Professorenschaft liegt. Die Zahl der hauptamtlich an Hochschulen tätigen Professoren, in unterschiedlichen Besoldungsstufen zwar, stieg innerhalb von 30 Jahren von 5000 auf etwa 40000. Die Zahl der Honorarprofessoren nahm exponentiell zu. Nicht nur Universitäten können diesen begehrten Titel verleihen; auch Fachhochschulen machen regen Gebrauch davon. Diese inflationäre Ausweitung des Professorentitels geht einher mit der mit der Erosion des deutschen Bildungswesens. Hier wird ein verhängnisvoller politischer Einfluss erkennbar, der am „Flickenteppich“ unseres Schulsystems, als Experimentierfeld linker Volksbeglücker, besonders deutlich wird.

56) StefanP, Freitag, 15. Juli 2011, 14:41 Uhr

Kleines Feedback:

@Frankilein66

Freunde kann man immer brauchen. Aber reiben können müssen wir uns… ;-)

@Sabine Zielke-Esser

“arrogante Attitüde”: ja und? Einige Menschen, von denen ich viel halte, gelten als arrogant. Das muss nichts Schlechtes sein. Daneben mag ich Humor und Ironie als Stilelemente, sonst ist Vieles zu fad. Ach so, gegen Konsenssoße bin ich auch.

“(..) dass Herr Spreng nicht politische Entwicklungen als solche kommentiert, sondern das Verhalten der Politiker (..)” Nö. Die letzten Monate hat sich Herr Spreng vor allem mit Randfiguren des politischen Betriebs beschäftigt und Nichtteilnehmern. Das kann eigentlich nur noch dann interessant sein, wenn man über eine bestimmte Berufsgruppe oder auch nur Partei ablästern will. Dementsprechend waren die Kommentare.

Nochmal: ich halte Herrn Spreng für einen sehr intelligenten Journalisten, den ich gerne im Fernsehen sehe. Hier raufe ich mir oft die Haare. Aber das macht (manchmal) auch Spass.

@Erwin Gabriel

Bitte nicht – Blogs gibt es längst genug, nur kaum wenig gute. Sprengsatz ist im Grunde gut, wenn der Betreiber sich nicht so in seine Steckenpferde verbissen hätte. Der ist ja schlimmer als ein Terrier.

57) sk8erBLN, Freitag, 15. Juli 2011, 20:04 Uhr

@ ganzgeheim, Freitag, 15. Juli 2011, 10:21 Uhr
“@sk8erBLN

Woher kommt Ihr “Wissen” darüber, dass der Rest der Arbeit nicht relevant ist?”

Einfach mal die detailierte Pressemitteilung der Uni Bonn dazu lesen, es handelte sich um “Wissenschaftliches Fehlverhalten”, deshalb ist der Titel futsch..
“…in zahlreichen Fällen aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten entlehnte Passagen, die nicht als wörtliche Übernahmen gekennzeichnet waren. Chatzimarkakis hatte Texte anderer Autoren in seine Doktorarbeit eingefügt, deren Anfang und Ende jedoch nicht z.B. durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Lediglich am Ende der Passagen nannte er in einer Fußnote die Belegstelle. Das reicht jedoch nicht aus und verletzt die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens. „Eine solche Praxis vermittelt den Eindruck“, so der Dekan der Philosophischen Fakultät, Professor Dr. Günther Schulz, „dass hier Herr Chatzimarkakis spricht, während in Wirklichkeit Texte anderer Autoren reproduziert werden.
Die Promotionskommission stellte in ihrer Untersuchung außerdem fest, dass mehr als die Hälfte des Textes der Chatzimarkakis-Dissertation aus fremden Federn stammt; so etwas genüge nicht den Anforderungen an eine Doktorarbeit, die ja eine selbständig erbrachte wissenschaftliche Leistung sein müsse. “…
Quelle:
http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/198-2011

Der entsprechende Paragraf aus der Promotionsordnung ist § 20 und da steht praktisch nur Täuschung/Drohung/Bestechung. Selbst wenn es von der Universität nach aussen nicht gesagt wird, aber er kann nur dann im konkreten Fall den Doktortitel entzogen bekommen, wenn er getäuscht hat!
http://hss.ulb.uni-bonn.de/amtliche-informationen/amtl.bekanntmachungen/2010/08.pdf:

Damit ist völlig egal welch tolle weitere Erkenntnisse der werte “Chatzi” im verbliebenen Rest als eigenständige wissenschaftliche Leistung evtl. erbracht hat oder auch nicht. Das war gemeint mit “nicht relevant”.
Hätte “Chatzi” natürlich wissen können und müssen, ebenso Uni Bonn:
http://www3.uni-bonn.de/forschung/forschungsprofil/praxis/grundsaetze-zur-sicherung-guter-wissenschaftlicher-praxis
bzw.
http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198.pdf

Der Versuch seiner Erklärung man habe ihm das so in Oxford beigeracht,/empfohlen ist dazu eine dummdreiste und bodenlose Frechheit. siehe :
“In Oxford wird mit international anerkannten Zitationssystemen gearbeitet wie z.B. dem Harvard-System. Die Unterstellung, dass in Oxford andere Regeln gelten, ist unerhört und eine Beleidigung für alle ehrlichen Forschenden in Oxford. Der herausragende Ruf der Universität Oxford hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass rigorose wissenschaftliche Praxis hohe Priorität hat. Eine laxe Zitierweise und das bewusste oder unbewusste Plagiieren hat in Oxford keinen Platz. Wer anderes behauptet, hat entweder keine Ahnung vom Wissenschaftsbetrieb oder stellt die Dinge bewusst falsch dar….”
http://www.openpetition.de/petition/online/offener-brief-zur-causa-jorgo-chatzimarkakis

http://www.ox.ac.uk/gazette/1998-9/supps/3_4517.htm
http://www.admin.ox.ac.uk/edc/goodpractice/about/#d.en.38762

Auf den Rest Ihrer Fragen spare ich mir einzugehen, die sind Polemik und fast könnte man meinen, es schreibt “chatzi” höchstselbst.

58) Da krieg ich Plag, Samstag, 16. Juli 2011, 11:39 Uhr

Irgendwie finde ich es auch bezeichnend, wie die mediale Verarbeitung des Themas abgelaufen ist. Da diskutiert “Anne Will” zwei Wochen VOR der Entscheidung darüber. Alle (bis auf Frau Domscheit-Berg, die zurecht betont hat, dass die Faktenlage bereits eindeutig vorlag) verweisen darauf, dass die Uni erst entscheiden müsse und man nicht vorverurteilen dürfe – was Chatzimarkakis natürlich absolut in die Hände gespielt hat. Außerdem durfte er noch (unbelegt) VroniPlag vermeintlich schlechte Arbeit unterstellen. Und weil eben die Entscheidung noch ausstand, haben auch Frau Will und Herr Spreng (deren Fragen ich teilweise dennoch erfreulich kritisch fand) sich noch zurückgenommen.

Nun ist die Entscheidung da, und sie ist eindeutig. Jetzt wäre der viel interessantere Zeitpunkt für eine öffentliche Diskussion, denn nun würde man offen und ohne Vorbehalte aufgrund einer ausstehenden Entscheidung über die Konsequenzen reden können. Nun müsste man nicht mehr über vermeintliche Vorverurteilungen sprechen, wodurch Chatzimarkakis sich als Opfer einer Rufmordkampagne inszenieren könnte. Nun hätte er VroniPlag nicht mehr schlechte Arbeit unterstellen können, weil die Uni Bonn sich sogar explizit auf deren Fundstellen beruft und diese bestätigt. Ich möchte aber auch wetten, nun wäre Herr Chatzimarkakis als Gast gar nicht mehr gekommen, weil er keine Chance mehr gehabt hätte, durch Nebelkerzen von seinem Fall abzulenken, und weil er sich weitaus kritischeren Fragen hätte stellen müssen.

Das alles ist jetzt gar kein Vorwurf an die Beteiligten, auch wenn ich der Meinung bin, dass man noch kritischer hätte sein können und das Argument der Vorverurteilung nicht hätte gelten lassen dürfen, weil die Faktenlage wie gesagt längst eindeutig belegt war, unabhängig von der bevorstehenden Entscheidung. Aber es weist in meinen Augen eine gewisse Funktionsstörung in der medialen Aufarbeitung von Skandalen auf, die man hier nicht zum ersten Mal beobachten kann: Solange ein Verdacht im Raum steht, wird er – immer im Konjunktiv – intensiv diskutiert, dies aber stets abgeschwächt durch den Hinweis auf mögliche Vorverurteilungen und Unschuldsvermutung. Hat sich dann der Verdacht bestätigt, erscheint die Nachricht kurz in den Nachrichten und danach verschwindet das Thema binnen kürzester Zeit. Der Betroffene bleibt einfach an seinem Stuhl kleben und ein halbes Jahr später wird schon wieder über ihn berichtet, als sei nichts geschehen.

Das ist natürlich nicht immer so, ab einer gewissen Prominenz (Guttenberg) oder “Angeschlagenheit” (Möllemann) der Person oder einer bestimmten Schwere des Vergehens wird der Rücktritt dann doch unabdingbar. Aber gerade “Hinterbänkler” wie Herr Chatzimarkakis kommen aufgrund dieser Logik doch mit weitaus mehr Dingen relativ ungeschoren davon, als es eigentlich wünschenswert sein sollte.

59) ganzgeheim, Samstag, 16. Juli 2011, 15:22 Uhr

@sk8erBLN

Ok, danke. Da steht es. Gut, das wusste ich noch nicht. Es muss mehr als die Hälfte von ihm sein. Das nehme ich jetzt mal zur Kenntnis. Aber mit dem anderen Teil der Erklärung bin ich nicht zufrieden:

#Lediglich am Ende der Passagen nannte er in einer Fußnote die Belegstelle. Das reicht jedoch nicht aus und verletzt die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens. #

Das müsste die Uni Bonn aber schon im Jahr 2000 gewusst haben. Oder hat sich das seit dem geändert? Warum wurde das nicht beanstandet.

Meine Polemik kritisieren Sie zurecht. Ich entschuldige mich. Trotzdem bleibt die Frage, warum das offensichtliche DAMALS nicht, aber auf einmal JETZT beanstandet wird.

Was meinen Sie mit Ihrem letzten Absatz? Bitte keine bloßen Andeutungen. Das finde ich feige.

@Da krieg ich Plag

Ja, Sie haben recht. Jetzt fällt es schwer Vroniplag eine schlechte Arbeit vorzuwerfen. Das ist insbesondere deshalb sehr schade, weil der BetrugsVORSATZ ja gar nicht geklärt wurde. Vielleicht wurde er ja “angestiftet” oder so etwas ähnliches. Glauben Sie nicht? Gehen Sie mal auf die folgende Seite:

http://www.uni-bonn.de/~uholtz/mag_diss/kurzinfo.html

Da können Sie drei Dissertationen herunterladen, die der Doktorvater von Herrn C betreut hat. Wenn Sie die durchblättern, dann müssten Sie eigentlich überall wohlzitierte Zitate finden. Dann hätten wir einen Hinweis auf den BetrugsVORSATZ von Herrn C. Ich finde aber bloß Fußnoten. Nicht ganz so knapp wie bei Herrn C, aber nicht wesentlich ausführlicher. Ich kenn mich da nicht aus, und erlaube mir kein abschließendes Urteil, ABER der Anfangsverdacht ist gegeben, dass an diesem Lehrstuhl nicht sauberer mit den Zitaten umgegangen wurde. Man könnte auch mal die Dissertationen der anderen Professoren des Fachbereichs überprüfen. Wer weiß, auf welche sauberen oder weniger sauberen Zitierweisen man dort trifft.

Wenn also die Uni Bonn in der Presseerklärung oben geschrieben hat, dass mehr als die Hälfte der Arbeit nicht aus der Feder des Promovenden stammt, dann bin ich auf Untersuchungen und Erklärungen zu den anderen Dissertationen gespannt.

Die Kritiker von Herrn C machen es sich soooooo einfach. Einfach mal bei Vroniplag nachlesen und schon ist Herr C ein Betrüger geworden. Damit reicht es auch eigentlich schon, denn sind wir mal ganz ehrlich – Wissenschaftler im Elfenbeiturm mag doch sowieso keiner. Aber FDP-Bashing – dafür sind sie gut genug.

60) Da krieg ich Plag, Samstag, 16. Juli 2011, 22:56 Uhr

@ ganzgeheim:

Die anderen Arbeiten hatte ich auch einmal überflogen, und ganz geheuer ist mir das allerdings auch nicht. Wenn sich erweist, dass dies übliche “Standards” waren, wäre das in meinen Augen schon auch noch der größere Skandal.

Es entlässt allerdings Herrn Chatzimarkakis nicht völlig aus der Verantwortung, zumal als Doktorand nicht mehr. Es ist ja nun nicht so, dass Herr Chatzimarkakis nicht während seiner Recherchen vermutlich auf Arbeiten gestoßen wäre, in denen korrekt zitiert worden wäre. Wenn ihm angeblich schon in Oxford aufgefallen ist, dass man dort “anders” zitiert, dann hätte ihm doch bei den vielen Texten mit korrekter Zitation spätestens auffallen müssen, dass das ganz anders aussieht als bei ihm. Spätestens da hätte er dann neugierig werden und mal ein Buch zu wissenschaftlichem Arbeiten lesen sollen. Das hätte ja schon gereicht, um da eine fundamentale Diskrepanz zu entdecken.

Ich für meinen Teil habe nicht einmal promoviert, aber auch während meines Magisterstudiums habe ich mich schon nicht immer nur auf die Aussagen meiner Lehrenden oder Prüfer verlassen, sondern auch selbst durch Literatur immer wieder einmal meine Arbeitsweisen überprüft und vertieft. Was dabei am Ende rauskam, war sicher auch nicht der Stein der Weisen und mag – um die vielbemühte Phrase zu verwenden – auch einige “handwerkliche Fehler” enthalten, aber ich bin mir sicher, dass ich vor VroniPlag oder anderen nichts zu befürchten hätte. Und ich denke, so viel eigenes Denken ist dann einem Promotionsstudenten schon auch zuzutrauen. (Zumal er ja angeblich in der Magisterarbeit anders, sprich korrekt, zitiert hat, und dann erst spontan mal eben eine jahrelange Arbeitsweise für seine “Oxford-Zitierweise” über Bord geworfen hat. Das sind mir einfach zu viel Ungereimtheiten.)

Aber wie gesagt: Ich gebe Ihnen schon recht, von der Uni würde ich auch gern mehr erfahren über die Hintergründe – und auch über die Frage des Vorsatzes, denn die ist eigentlich laut Promotionsordnung ja entscheidend für die Aberkennung, aber hierüber hat man sich nicht explizit geäußert. Alles schon etwas merkwürdig.

(Übrigens bin ich tatsächlich nicht sicher, ob C. vorsätzlich gehandelt hat. Seine m. E. ansonsten wirklich total selbstzerstörerische “Verteidigungsstrategie” lässt mich auch manchmal denken, dass er das alles wirklich glaubt. Das fände ich allerdings, spätestens nach dem völlig einhelligen Echo aus der Wissenschaft, fast noch beängstigender, denn dann wäre er auch im Angesicht der eindeutigsten Fakten nicht in der Lage anzuerkennen, dass er – wenn auch ungewollt – etwas gravierend falsch gemacht und ein fundamental verqueres Wissenschaftsverständnis hat. Dass er am Tag der Entscheidung andeutete, er wolle die Arbeit ggf. “nachbessern”, ist so eine Aussage, in der sich mir dieser fehlende Realitätsbezug widerzuspiegeln schein.)

61) sk8erBLN, Sonntag, 17. Juli 2011, 17:12 Uhr

@ ganzgeheim:

zur Passage “Das müsste die Uni Bonn aber schon im Jahr 2000 gewusst haben. Oder hat sich das seit dem geändert? Warum wurde das nicht beanstandet.”

Sehr berechtigte Frage. An den Zitierregeln hat sich m.W. nach nicht geändert, dass die zitierte Passage eindeutig genauestens auszuweisen ist. Genau darauf hat Chatzi aber verzichtet. Wenn das nicht beanstandet wurde scheint Chatzi gelungen zu sein, was er mutmaßlich beabsichtigte. Die Passage wurde verschleiert, der Prüfer getäuscht und entsprechend wurde das unkenntliche Zitat als Eigenleistung ausgelegt von den Prüfern.

Wenn ich hier als Beispiel S. 22 des PDf http://hss.ulb.uni-bonn.de/2002/0036/0036.pdf heranziehe ist ersichtlich wie korrekte Zitate aussehen.

Zum letzten Absatz. Der war natürlich ebenso (böse) Polemik, sorry dafür.
Ich sehe -im Gegensatz zum Mitdiskutanten “Da krieg ich Plag” bei Chatzi sehr wohl Vorsatz. Gerade weil er sein Fehlverhalten mit “Oxforder Gepflogenheiten” begründet die gerade in Oxford so nicht existieren und auch nie existiert haben. Die “Arbeit” wäre ansonsten ja auch nicht einreichbhar gewesen hätte er sämtliche Passagen als solche kenntlich gemacht.

Den Gipfel a Dreisheit darf man aktuell bei der durch besondere Faulheit ins Gerede gekommenen Koch-Mehrin betrachten. Getreu dem Motto “Plagiate müssen sich wieder lohnen” versucht sie es mit einer Klage wegen des aberkannten Titels.

Ich zitiere mal einen Leserbeitrag dazu aus der ZEIT:
“Wir wissen mittlerweile, für was das “bürgerliche Lager” steht: Geschäftemacherei mit Diktatoren, Lügerei, Verleugnen, Betrügen, Schmarotzen, Betrüger in den eigenen Reihen auf Gedeih und Verderb beschützen, Arroganz, die Verfassungsgerichtsbarkeit umgehen, das Parlament missachten, das Wahlgesetz in Deutschland quasi abschaffen, praktisch ausschließlich Partikularinteressen bedienen.”

Da hat man-folgt man K-M- natürlich auch das Recht zu betrügen als Parlamentarier. Dann viel Erfolg beim Erstreiten des Titels.

62) ganzgeheim, Sonntag, 17. Juli 2011, 21:22 Uhr

@Da krieg ich Plag

ich denke, das mit den Standards ist die wichtigste Frage. Und da hört man auf der einen Seite, dass jeder Student bereits im ersten Semester die Zitierregeln lernt und da sieht Herr C natürlich schlecht aus. Aber ich habe auch einmal ein erstes Semester belegt und keine Zitierregeln gelernt. Ich würde gerne mal wissen, wo das so gemacht werden soll !? Ich hatte auch schon einmal einige Dissertationen in der Hand. Zitate nach den Vroni-Regeln sind mir nicht aufgefallen. Was nicht heißen soll, dass das gar nicht gemacht wird. Aber für den Fall wäre es wichtig herauszufinden, wie oft das gemacht wird und wie oft dagegen verstoßen wird. Ist es vielleicht nur bei 50:50? Wäre es dann ein Skandal? Oder müsste man es dann als “normal” akzeptieren und nur die Vronis wären Ewiggestrige?

Falls nämlich die Vroniplagger formale Anliegen an wissenschaftliche Schriften durchsetzen wollen und dazu 10 Jahre alte Dissertationen untersuchen, dann wäre das wichtig zu wissen. Und falls sie sich unter einer Menge schlechten Dissertationen ausschließlich die von Politikern oder Politikerkindern heraussuchen würden, dann ebenfalls. Das wäre etwas ganz anderes, als wenn es nur eine Hand voll fauler Äpfel am Wissenschaftshimmel gibt, die alle AUSGERECHNET in die Politik gegangen sind.

Ich vermute, dass Herr C. sich in etwa so verhalten hat, wie alle am Institut. Seine Arbeit war inhaltlich etwas schlechter als andere und formal ebenfalls. Also war sie nur eine drei wert. Aber ihm hats gereicht. Und nacharbeiten wollte er nicht. Abgeben – Doktor – erledigt.

Dann musste er sich verteidigen. Er hätte sagen können: ich habs so wie alle anderen mit ihren Dissertationen an meinem Institut gemacht. Die sind auch nicht besser. Damit hätte er seinen Doktorvater und alle seine Ex-Kollegen mit in die Pfanne gehauen. Stattdessen fielen ihm Oxford und Harvard ein.

@mspreng: Falls Sie jemals ein Lehrbuch über PR zu schreiben vorhaben, dann könnte sich gerade dieser Fall als Beispiel für das Kapitel eignen: Das PR-Fukushima: effizient, konsequent, permanent.

Aber wieder weiter @Da krieg ich Plag

Kann natürlich auch sein, dass ich mit meiner Vermutung weit daneben liege. Aber das von Ihnen angesprochene unlogische Verhalten von Herrn C. ließe sich damit einigermaßen erkären. Und das “einhellige Echo aus der Wissenschaft” – er wird sicher mit seinem Doktorvater darüber gesprochen haben. Vielleicht hat er da eine andere Rückmeldung aus der Wissenschaft bekommen. Auch wenn die Uni Bonn letztendlich den Kampf um reduzierte formale Anforderungen an Zitate im Stil von “Oxford” und “Harvard” nicht führen wollte.

Insbesondere nicht gegen Vroniplag, nachdem Guttenplag z. Guttenberg abgeschossen hat, der wegen seiner Dissertation gehen musste. Was schade ist, denn er hätte gehen sollen, weil er ein schlechter Minister war.

63) ganzgeheim, Montag, 18. Juli 2011, 14:30 Uhr

@sk8erBLN

außer der Stelle auf S22 in der Dissertation habe ich keine weiteren formal korrekten Zitate bis S 90 gefunden. Weiter hab ich nicht geguckt. Außerdem habe ich versucht über das Vorwort, Fazit und über die Kapitelüberschriften herauszufinden, ob man den Eigenanteil genau ausmachen kann. Ging nicht. :(
Dass aber nur so wenige Zitate vorkommen, finde ich merkwürdig. Immerhin hat die Literaturliste 10 Seiten.

64) Dr. Dr. Joachim Seeger, Montag, 18. Juli 2011, 15:08 Uhr

“Chatzi go”- Ein Schlag in das Gesicht für aufrichtige und ehrliche Bürger!

Ich glaube, dass “Chatzi” an Realitätsverlust leidet oder sind alle FDP-Politiker so unverschämt? Der Mann hat einen vorsätzlichen Betrug begangen und möchte nun eine “korrekte” Dissertation schreiben, um für die FDP wieder in das Parlament einziehen zu können. Mitbürger, die jahrelang hart für ihre Doktorarbeit kämpfen mussten, müssen diese Äußerung eines “ehrbaren Politikers” wie ein Schlag in das Gesicht empfinden. Besitzen denn FDP-Politiker überhaupt keine Moral mehr? Wer kann denn überhaupt zukünftig noch FDP wählen? Die Partei wird mit Leuten (z.B. “Chatzi”) Probleme haben, überhaupt noch 3% der Wählerstimmen zu erreichen. In Recklinghausen versinkt die FDP in die politische Bedeutungslosigkeit. Die Partei ist lediglich noch die Mehrheitsbeschafferin für den CDU-Bürgermeister. Die FDP wird überflüssig und ist kaum noch wahrnehmbar.
Dr. Dr. Joachim Seeger, Recklinghausen

65) Da krieg ich Plag, Montag, 18. Juli 2011, 15:16 Uhr

@ ganzgeheim:

Meines Erachtens musste zu Guttenberg letztlich gehen, weil er nach Aufkommen der Vorwürfe schlicht und ergreifend dreist gelogen hat. Das hat er zwar bis heute nicht eingestanden, aber so ziemlich jeder hat es am Ende gewusst. Ich glaube, bei einem frühen Bekenntnis zu seinem Tun und ernstzunehmender Reue wäre er heute noch Minister.

Was die Allgemeingültigkeit der wissenschaftlichen Regeln betrifft, die hier zur Debatte stehen, kann ich nur für die Fächer sprechen, mit denen ich zu tun hatte, Politik-, Kommunikations- und Geschichtswissenschaft. Ich habe keineswegs an einer “Elite-Uni” studiert, und mein Studienbeginn war immerhin auch 1999.

Ich habe die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens allein im ersten Semester nicht nur einmal vermittelt bekommen, sondern insgesamt fünfmal (die Historiker haben uns zu je einem Proseminar mit Tutorium in Alter Geschichte, Mittelalterlicher und Neuer Geschichte verdonnert). Überall dort wurden diese Essentials ausgiebig besprochen. So ausgiebig, dass sie einem aus den Ohren wieder rauskamen. Dazu gab es auch Klausuren. Und auch wenn es Unterschiede bei den bevorzugten Zitiermethoden gab (den Historikern waren Fußnoten lieber, die Sozialwissenschaftler hatten lieber Belege im Fließtext) – die Grundsätze waren überall gleich und glasklar. Keiner der Professoren, denen ich später begegnet bin, hat es grundsätzlich anders gehandhabt.

Ich habe auch in dieser Zeit in den unzähligen Büchern und Aufsätzen, die ich gelesen habe, nur vielleicht 1-2 % von Texten gehabt, die ihrerseits nicht strikt nach diesem Muster verfasst waren. (Ob sie plagiatsfrei waren, ist natürlich eine andere Frage.) Und auch die damals bereits verfügbaren Lehrbücher zum wissenschaftlichen Arbeiten waren eindeutig.

Kurz gesagt: Ich bin fest davon überzeugt, dass sauberes Zitieren auch damals schon an der überwältigenden Zahl der Lehrstühle in Deutschland so vermittelt wurde wie heute.

Und ich verstehe auch immer noch nicht, warum Herr Chatzimarkakis laut eigener Aussage ja früher so zitiert HAT, es dann aber aufgrund eines kurzen Aufenthalts in Oxford plötzlich über den Haufen geworfen haben will.

66) ganzgeheim, Montag, 18. Juli 2011, 19:20 Uhr

@Da krieg ich Plag:

Ok. In den Geisteswissenschaften kenne ich mich leider gar nicht aus. Dann ist es wohl dort mit dem Zitieren anders, als in den Naturwissenschaften. Hier hat man ja auch meistens einen praktischen Teil, der auch am Computer sein kann, statt reine Textarbeit. Da ist Fremd- und Eigenanteil meistens von alleine klar. Da Herr C. aus einem geisteswissenschaftlichen Fach kommt, ist Ihre Erfahrung maßgeblich.

Der Hinweis von Herrn C. auf Oxford war sicherlich eines der größeren PR-Desaster unserer Zeit.

Ist es eigentlich möglich in so einer Arbeit, wie die von sk8erBLN verlinkte Dissertation vom besagten Institut mit so wenigen Zitaten auszukommen? Kann man da so viel umformulieren und mit vgl. arbeiten? Und würde man beim Stil von Herrn C wirklich von Eigenleistung ausgehen? Kann eine geisteswissenschaftliche Dissertation wirklich auf mehreren Hundert Seiten über 50% Eigenleistung haben?

Hätte z. Guttenberg sich im Büßerhemd entschuldigt, ja, dann wäre er wahrscheinlich noch da. Hätte man ihm aber die Plagiate nicht im einzelnen nachgewiesen, dann wäre er sehr wahrscheinlich auch noch da. Ob er ein guter oder schlechter Minister war, hat keiner gefragt. Nicht vorher und nicht hinterher. Schade.

67) Wim Wenders, Dienstag, 19. Juli 2011, 09:13 Uhr

… Sie sind ein Mann klarer Worte: ” Chatzmarkakis und Koch-Mehrin haben für sich beschlossen, dass wissenschaftlicher Betrug und Volksvertretung durchaus vereinbar sind – und werden mit dieser Einstellung von ihren Parteiführungen gedeckt. ” … kaum zu fassen, dass Sie mal ein CDU-Berater waren.

68) Scherzbischof, Dienstag, 19. Juli 2011, 11:07 Uhr

[Die] Leistung [anderer Leute] soll sich wieder [nur für uns] lohnen.

Das Motto der FDP trifft vollumfänglich (mal eine Gelegenheit dieses Wort zu benutzen) auf JC und SKM zu.

»”What, when they issued you your honor, didn’t they give you the model with the reset button?
Mine’s right here.” He pointed to the general vicinity of his navel.«
Aus “A Civil Campaign” von Lois McMaster Bujold
Die Seitenangabe erspar ich mir jetzt mal – ist ja schließlich keine Doktorarbeit …

69) sk8erBLN, Dienstag, 19. Juli 2011, 21:53 Uhr

@ ganzgeheim, Montag, 18. Juli 2011, 14:30 Uhr und Montag, 18. Juli 2011, 19:20 Uhr

ich denke diese Detailfragen werden dann doch etwas zu fachspezifisch um sie en Detail zu erörtern.

Anbei mal ein brauchbarer Link zu direkten sowie indirekten Zitaten, wie sie zu gestalten sind etc.

http://www.wissenschaftliches-arbeiten.org/

Dort re. die Unterpunkte
Zitieren

Zitierfähigkeit
Direkte und indirekte Zitate
Zitierweisen (Übersicht)
– deutsche
– amerikanische

sowie
Zitierregeln

Monographie
Aufsatz (Sammelband)
Aufsatz (Zeitschrift)
Aufsatz (Festschrift)
Lexikonartikel
Dissertation
Zeitungsartikel
Internet-Seiten

In Oxford ist es übrigens so dass Studenten u.a. das “Blue Book” als Printausgabe erhalten, dort findet sich ausführlichst alles zum Thema Zitate im Kapitel 9.5. Darüber hinaus gibt es eine ganze Website zum Thema “good academic practice”
http://www.admin.ox.ac.uk/edc/goodpractice/about/

Das ganze ist eine derart bodenlose Frechheit und Dreistigkeit von Chatzi dass ich die Wut korrekt arbeitender Studierender mehr als nachvollziehen kann.
Beschwerdebrief an Die Uni-Verwaltung
http://uxp.de/images/OxfordChatzimarkakis.pdf

So fällt denn auch die Antwort der Uni Oxford an ihre Studierenden deutlich aus (nicht sonderlich verwunderlich, sind die Oxford-Standards so ziemlich die allerhöchsten anlegbaren):
http://uxp.de/node/30

und im britischen Guardian heißt es daher dazu auch:
“Ruth Collier, head of the press office at Oxford University, said that the academic standards expected of Oxford students were the highest internationally accepted. “It’s hard to believe there would have been encouragement to use substandard academic practices from Oxford.”

Schulz said Bonn University had never accepted the excuse that this was common practice at Oxford, adding: “It is important that there are no bad feelings between German and British universities.” ”
http://www.guardian.co.uk/world/2011/jul/14/plagiarism-row-jorgo-chatzimarkakis-germany

Dämlicher als Oxford heranzuziehen hätte Chatzi wirklich nicht agieren können.

70) sk8erBLN, Dienstag, 19. Juli 2011, 22:08 Uhr

Neues zur schön-faulen Koch-Mehrin, sie bettelt förmlich um die ganz große Klatsche:

“Plagiat ist ein Vergehen”
Uni wehrt sich massiv gegen Koch-Mehrin


Die Universität Heidelberg wehrt sich massiv gegen die Darstellung der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin, nach der die Mängel ihrer Doktorarbeit den Gutachtern schon im Jahr 2000 bekannt gewesen seien. „Ein Plagiat ist keine ‘Schwäche’, sondern ein Vergehen“, sagte eine Sprecherin.

Hätte man von den Plagiaten gewusst, „hätte Frau Koch-Mehrin an dieser Hochschule keinen Doktortitel erwerben können“. Inhaltliche Schwächen einer Arbeit seien etwas völlig anderes als ein nachgewiesenes Plagiat.

Dagegen legte Koch-Mehrin inzwischen Widerspruch ein. Es handelte sich aber bislang nur um einen formalen Widerspruch, sagte die Sprecherin.

Die Universität werde sich erst dann erneut mit der Sache beschäftigen, wenn innerhalb der nächsten drei Monate auch die Begründung nachgereicht werde. Sollte der Promotionsausschuss sein Urteil nicht revidieren, prüfe das Rektorat der Universität. Wenn auch diese Instanz den Titel-Entzug bestätige, stehe Koch-Mehrin der Weg zum Verwaltungsgericht offen.

http://www.morgenpost.de/politik/inland/article1705292/Uni-wehrt-sich-massiv-gegen-Koch-Mehrin.html

Lt. SPON schäumt der Dekan:
“Dekan Berg: “Ich verwahre mich gegen diese Unterstellung”

Die FDP-Politikerin hatte bereits Mitte Juni erklärt, der Promotionsausschuss habe ihr 2000 “in voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen meiner Arbeit den Doktortitel verliehen”. Schon kurz nach diesem Vorwurf hatte Dekan Berg im Interview mit SPIEGEL ONLINE gesagt: “Ich verwahre mich in aller Schärfe gegen die Unterstellung, dass die Gutachter damals schon die Plagiate erkannt haben und Frau Koch-Mehrin trotzdem promoviert worden ist. Die Gutachter haben inhaltliche und formale Schwächen erkannt, kritisiert und mit einer mittelmäßigen Note angemessen gewürdigt. Aber den Verdacht des Plagiats gab es nicht.”"
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,775100,00.html

71) ganzgeheim, Mittwoch, 20. Juli 2011, 13:03 Uhr

@sk8erBLN:

mag sein, dass meine Fragen zu fachspezifisch sind, aber ob die Gutachter ihre Pflicht erfüllt haben, oder nicht, ist für die Bewertung der Situation wichtig. Auch dafür, ob der Wissenschaftsstandort erst duch C und KM beschädigt wird, oder BEREITS beschädigt IST, und deshalb solche Fälle vorkommen.

Mein Eindruck ist, dass man gar nicht wissen will, viel viele Dissertationen erschlichen sind, sondern mit der Aufdeckung von ein paar spektakulären Fällen genug hat. Bevor ein Schaden für die Institute entsteht – hört man lieber auf.

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


apparent media - iPhone Apps aus Berlin