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Freitag, 15. Juli 2011, 13:26 Uhr

Kirch und Kohl – so funktioniert Machtpolitik

Die Nachrufe sind geschrieben. Einige sind ehrlich, einige freundlich verlogen – dem römischen Motto folgend: “De mortuis nihil nisi bene” (Über Tote nur Gutes). Einer ist enlarvend, der von Helmut Kohl in BILD für seinen alten Freund und Kampfgefährten. Kohl schreibt darin: “Leo Kirch hat … in der Medienlandschaft unerreichte Maßstäbe gesetzt”. Das stimmt. Und hoffentlich erreicht sie auch keiner mehr.

Von einem Fall, in dem er Maßstäbe setzen und durchsetzen wollte, möchte ich hier berichten. Nicht deshalb, weil ich darin eine unfreiwillige Hauptrolle spiele, sondern weil der Fall beispielhaft ist für das Zusammenspiel von Politik und Medienmacht, von Kanzler und Medienmogul. Und ein Beispiel, wie Machtpolitik funktioniert – oder auch nicht.

“Leo Kirch, der Unsichtbare” überschrieb “Die Zeit” ihren Nachruf. Unsichtbar war der 40,1-Prozent-Großaktionär Kirch auch für mich als Chefredaklteur der “Bild am Sonntag”. Ich kannte ihn nicht, aber er kannte mich. Zum ersten Mal wurde ich auffällig, als “Bild am Sonntag” mit einer harten TV-Kritik an der von Kirch produzierten Talkshow “no sports” angeblich einen Zwei-Millionen-Sponsor vergraulte, was mir der damalige Springer-Vorstandsvorsitzende nach Kirchs Beschwerde  lautstark vorhielt.

Später war ich  auffällig, weil sich die BamS unter meiner Führung weigerte, sich in Kirchs Vermarktungskonzept einzufügen, das die Springerblätter als unkritische Werbeträger für Kirchs Sender vorsah. Stattdessen behandelten wir SAT1 wie alle anderen Sender auch und kritisierten, was zu kritisieren war.

Kirch – der Unsichtbare. Auch als Kirch zum ersten Mal meine Abberufung forderte, bekam ich ihn nicht zu Gesicht – im Gegensatz zu anderen Springer-Chefredakteuren, die nach München wallfahrten. Kirchianer – so wie der Kanzler Kohlianer um sich scharte. Manche waren beides und sind es bis zum Tode des Partriarchen geblieben.

Den Zorn zur Höchsttemperatur brachte die Haltung der BamS in den letzten Jahren der Kanzlerschaft Helmut Kohls. Sie war, wie viele andere Blätter auch, der Meinung, Kohls Zenit sei überschritten, seine politische Kraft erschöpft. In einem Kommentar empfahl ich der CDU, 1998 statt mit Kohl mit Wolfgang Schäuble als Kanzlerkandidaten anzutreten, um zu versuchen, die massive Wechselstimmung der Wähler auf die eigenen Mühlen zu leiten.

Dass ich dann auch noch Sympathie für den aufstrebenden SPD-Politiker Gerhard Schröder erkennen ließ, brachte für Kohl und Kirch das Fass wohl zum überlaufen. Wie mir ein Springer-Vorstand später berichtete, wurde Kirchs Forderung, mich endlich abzulösen, zum “running gag” der Aufsichtsrats- und Vorstandssitzungen.

Im Herbst 1997 rief mich ein Teilnehmer einer CSU-Klausurtagung mit Helmut Kohl an und berichtete, dass Kohl dort im kleinen Kreis gesagt habe, für die Wahl 1998 gebe es zwei Probleme: die ARD und Springer. Bei der ARD könne er nichts machen, aber “das Problem Springer werde ich lösen”.

Dies teilte ich dem damaligen Springer-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Richter schriftlich mit und fügte hinzu, der Zeuge habe Kohls Ankündigung so verstanden, dass es um meinen und Richters Kopf gehe. Denn auch Richter war bei Kirch und Kohl in Ungnade gefallen, weil er sich vehement gegen Kirchs Machtanspruch bei Springer und Kohls Instrumentalisierungsanspruch gegenüber den Springer-Medien stemmte.

Wenige Tage später rief mich ein Spitzenpolitiker der schwarz-gelben Koalition an und sagte mir, ich müsse vorsichtig sein und mich warm anziehen. Kohl haben in der Koalitionsrunde im Kanzleramt angekündigt, er werde bei Springer “aufräumen” und dabei sei auch mein Name gefallen. So gewarnt, konnte ich Vorkehrungen treffen. Mein Ehrgeiz war geweckt, den Machtkampf anzunehmen.

Wenige Wochen später rief mich der Politiker erneut an und sagte: “Ich würde jetzt einen Anwalt einschalten”. Kohl habe im Koalitionsgepräch triumphierend gesagt, dass  in der Sache Springer jetzt die Entscheidungen fallen.

Wie durch Zufall erschien drei Tage vor Weihnachten 1997 im “Manager-Magazin” eine Geschichte, in der die Machenschaften von Kirch und Kohl enthüllt wurden.  Meine, wie mir später ein Springer-Vorstandsmitglied sagte, für den Tag vor Heiligabend geplante Abberufung wurde abgesagt.

Richter allerdings musste zum 31.12.1997 gehen. Von ihm verabschiedete sich außer mir nur der damalige Chefredakteur des “Hamburger Abendblatts”. Ich blieb über Kohls Amtszeit hinaus Chefredakteur, bis ich am 13. Oktober 2000 vom Ex-Murdoch-Manager Gus Fischer tatsächlich gefeuert wurde. Aber das war gewissermaßen schon in der Nachspielzeit.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

31 Kommentare

1) Frankilein66, Freitag, 15. Juli 2011, 14:21 Uhr

Sie werfen der Bundesregierung vor, dass sie beim Panzer-Deal mit Saudi-Arabien nicht für Offenheit und Transparent sorgt, geben aber selber hier den Geheimniskrämer!

Nennen sie doch den Namen des Spitzenpolitikers der damaligen schwarz-gelben Koalition der sie gewarnt hat, was soll ihm schon passieren?
Er ist ja wohl nicht mehr politisch aktiv, es sei denn es war Wolfgang Schäuble!

Wenn sie den Namen nicht nennen können oder wollen, lassen sie lieber die ganze Geschichte weg.

2) Michael A. Nueckel, Freitag, 15. Juli 2011, 14:26 Uhr

Hmm, war das nötig, fühlen Sie sich jetzt besser?

3) spanky, Freitag, 15. Juli 2011, 14:29 Uhr

Super! Ihre (meist) aktualitätsbezogenen Anekdoten liebe ich. Weiter so, Herr Spreng!

4) glamorama, Freitag, 15. Juli 2011, 14:58 Uhr

Wenn man die Geschichte so liest, dann klingt sie ein bisschen so, als ob die CDU und die Kirch-Medien einst ein düsteres Spiel voller Klüngel und Intrigen betrieben, während die Springer-Redakteure als unbestechliche Wächter der Aufrichtigkeit die letzte Bastion eines investigativen, objektiven Journalismus verteidigten. Vielleicht sollte man sich statt des historischen Duos Kirch / Kohl mal das aktuelle Duo Friede Springer / Angela Merkel vornehmen? Ich könnte mir vorstellen, dass es da ganz ähnliche Geschichten zu erzählen gibt … ;)

5) Tilman, Freitag, 15. Juli 2011, 15:32 Uhr

“Wie durch Zufall erschien drei Tage vor Weihnachten 1997 im “Manager-Magazin” eine Geschichte, in der die Machenschaften von Kirch und Kohl enthüllt wurden.”

ist das beabsichtigt, dass es so klingt als hätten Sie etwas damit zu tun gehabt?

6) ein linker sprengsatz-fan, Freitag, 15. Juli 2011, 16:44 Uhr

Ich liebe Ihre Beiträge, vor allem solche Anekdoten sind immer klasse. Weiter so!

7) Ich, Freitag, 15. Juli 2011, 17:25 Uhr

*Klugscheiß*: Es wird zwar wohl öfter falsch als richtig wiedergegeben, aber “nihil nisi bene” heißt eben nicht “nur Gutes”, sondern “nur gut” – “bene” ist Adverb. Man könnte es in diesem Kontext auch mit “wohlwollend” o.ä. übersetzen. Das gibt dem Satz eine andere Wendung, man darf – wenn man den Satz denn gelten lassen will – also durchaus auch negative Tatsachen über die Toten berichten, solange man es denn wohlwollend tut und Entlastendes angemessen berücksichtigt, quasi “im Zweifel für den Toten”, da der sich ja nicht mehr selbst verteidigen kann.

8) Karsten Lüchow, Freitag, 15. Juli 2011, 17:36 Uhr

@Frankilein66:
Das nenne ich Chuzpe: von Spreng die Nennung eines Informanten verlangen, aber sich selbst hinter einem Pseudonym verstecken.
Es ist übrigens für Journalisten verselbstverständlich, Ihre Quellen zu schützen. Das gilt auch für Tippgeber und auch nach 14 Jahren.

9) Dirk, Freitag, 15. Juli 2011, 17:55 Uhr

Ihren Bericht habe ich mit Spannung gelesen und bin – obwohl ich diese Machenschaften von Kohl vermutet habe – trotzdem entsetzt

10) Doktor Hong, Freitag, 15. Juli 2011, 19:11 Uhr

Ich denke, dass Kirch mit seiner unsäglichen Verdummung und Verblödung der Bevölkerung durch sein Privatfernsehen unendlich viel für die Interessen der Mächtigen getan hat.

11) Peter Christian Nowak, Freitag, 15. Juli 2011, 19:53 Uhr

Lange bevor das Öffentlich-Rechtliche Konkurrenz bekam, hatten wir schon in USA die “Privaten”. Ein Grauen an “Programmvielfalt” und gezielter neoliberaler Propaganda. Daß diese Entwicklung auch nach Europa überschwappt war klar. Kirch war lediglich der Vollstrecker, Kohl und sein damaliger Postminister die Initiatoren der Umsetzung. Ob sich Kohl ein eigenes Propagandainstrument durch Kirch schaffen wollte mag ich nicht zu beurteilen. Fest steht, daß lausige Redakteure bei RTL und SAT1 etc. die neoliberale Ideologie bestens in Szene setzen; eine Art Tea-Party auf medialer Ebene.
Hierzu auch ein Meinungsbild der Nachdenkseiten:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=10107#more-10107

12) westernworld, Freitag, 15. Juli 2011, 22:06 Uhr

das schlimmste an diesem blog ist ihr verlogen altersmilder bilick auf sich selbst. sie haben an leitender stelle all denen die steigbügel gehalten die dieses land
ausgeplündert und ruiniert haben. wie jemand wie sie morgens in den spiegel schaut ist mir ein rätsel.

13) danke, Freitag, 15. Juli 2011, 23:33 Uhr

Heißes Thema, aber langsam wird es auch Zeit Position zu beziehen.

Danke, für diesen, in meinen Augen, ehrlichen “Kommentar”.
Nur Sie waren in der Lage kühlen Kopf in der AW-Sendung zu bewahren und unserem Schatzi die entscheidende Frage zustellen.

Genug um den heißen Brei geredet, es wird Zeit aufzuräumen und Deutschland (Europa) auf ordentliche Beine zustellen.

14) Baden-Baden, Samstag, 16. Juli 2011, 09:12 Uhr

… ich bin angewidert von solchen Medienpraktiken und solchen Wallfahrern … noch schlimmer muss es ja in den USA sein, wo Murdoch mit seinen US-Sendern die Politik vergiftet …

15) Carsten Blöcker, Samstag, 16. Juli 2011, 11:28 Uhr

@westernworld
Wie verblendet und hasserfüllt muss jemand sein, der solch einen Kommentar abgibt?
Respekt, Herr Spreng, dass Sie auch solche unsachlichen Zeilen freigeben.

16) Lacerda, Samstag, 16. Juli 2011, 11:43 Uhr

Es zeugt vom langen Atem, erst in der Nachspielzeit gefeuert zu werden…
Wer kann DAS schon von sich behaupten ?

Auch das spricht für die politishche Kultur in Deutschland: 16 Jahre Helmut Kohl, Leiche im Keller ohne Ende und der Mann stand nie hinter schwedischen Gardinen ! Es lebe die Freiheit !!!

In diesem Sinne,

Rettet sich wer kann (auch ohne Staranwälte)

17) Martha Mumenschanz, Samstag, 16. Juli 2011, 12:07 Uhr

Doktor Hong, Freitag, 15. Juli 2011, 19:11 Uhr

Ich denke, dass Kirch mit seiner unsäglichen Verdummung und Verblödung der Bevölkerung durch sein Privatfernsehen unendlich viel für die Interessen der Mächtigen getan hat.

Korrekt. Genau wie die Macher von BILD & BamS es mit ihren Printprodukten getan haben und bis heute tun.

18) Peter Christian Nowak, Samstag, 16. Juli 2011, 18:57 Uhr

^^Ich denke, dass Kirch mit seiner unsäglichen Verdummung und Verblödung der Bevölkerung durch sein Privatfernsehen unendlich viel für die Interessen der Mächtigen getan hat.

Korrekt. Genau wie die Macher von BILD & BamS es mit ihren Printprodukten getan haben und bis heute tun.^^
@Martha Mumenschanz, Samstag, 16. Juli 2011, 12:07 Uhr

Bild vertritt in der Grundlinie stets die Interessen der sogenannten Eliten und versucht, diese mittels populistischer Verdrehung als die Interessen des Volkes zu verkaufen. Bild imaginiert den kleinen Hartz-IV-Betrüger als moralisch verkommenes Wesen. Maschmeyer dagegen ein für die Gesellschaft vorbildliches Wesen. Bild arbeitet journalistisch nicht auf, sie „inszeniert“ Politik. Bild-Leser behaupten hartnäckig, sie seien keine Bild-Leser. Bild ist ein Sprachrohr für mächtige wirtschaftliche Interessen und erledigt deren populare Drecksarbeit. Bild hetzt gegen Migranten, gegen den Islam, gegen Linke, gegen die 68er und ihre Erben, gegen bewärte Werte, gegen Arbeitslose sowie Hartz-IV-Empfänger. Bild ist sozialdarwinistisch bis ins Mark und steht dabei weit außerhalb des ansonsten gesellschaftlich tolerierten politischen Spektrums. Bild spielt weniger auf dem Feld der konkreten politischen Einflussnahme, sondern sie zielt vielmehr auf die emotionale – und vielfach irrationale – Ebene ab.
Bild ist nachhaltig involviert in die Interessen der Finanzwirtschaft. Sie ist auch das PR-Medium für die Atomenergie. Die Bild ist zutiefst kleinbürgerlich. Sie eignete sich auch hervorragend für ein Revival der Hugenbergpresse in der Weimarer Zeit – als Manipulationsinstrument für noch kommende schwere Zeiten, die in Deutschland bald Einzug halten werden.

19) socursu, Sonntag, 17. Juli 2011, 01:39 Uhr

natürlich eigenperspektive, aber auch unter abzug von ein wenig weihrauch erhellend genug, um weder LK noch dermaleinst dem dicken aus oggersheim auch nur ein tränchen nachzuweinen – zwei totengräber einer zuschandenkapitalisierten vormals (mit)menschlicheren republik

20) tschill, Sonntag, 17. Juli 2011, 04:17 Uhr

Genau, westernworld, vollkommen verblendet sind Sie. Die Bild am Sonntag hat nach tausend Jahren Kohl unter Herrn Spreng einmal was Kritisches gesagt (also: Kohl-kritisch jetzt, der Schäuble hätte da nämlich viel besser aufräumen können) und auch das Sat1 Fernsehen war mal an einem Tag nicht so ganz auf Linie; vielleicht gab es gerade mal kein Kohlinterview mit vorgefertigten Fragen wie sie Honecker auch zu lieben pflegte. Ohne die damalige Kritik seitens der Bild (i.e. Herr Spreng, wer sonst?) hätten wir hier in Deutschland längst eine finanziell-politische Krise! Und Sie haben nur Häme für Herrn Spreng über. Ich jedenfalls werde sofort unter meinen chilenischen Bergbaukumpeln Geld für ihn sammeln – schließlich wäre er anno 97 beinahe gefeuert worden.

21) m.spreng, Sonntag, 17. Juli 2011, 12:14 Uhr

@Carsten Blöcker

Wenn mich Kommentatoren beschimpfen, und mag es auch noch so unqualifiziert sein, bin ich toleranter als bei Verunglimpfungen dritter. Ich gehe immer davon aus, dass sich solche Kommentare selbst richten und gegen ihre Urheber wenden.

22) Hans, Sonntag, 17. Juli 2011, 13:23 Uhr

Was unterscheidet bitte die Fernsehsender des einstigen Kirch-Imperiums von den Zeitungen des Springer-Imperiums?

Wenn (wie gerade erst diese Woche) auf dem Titelblatt der BZ zu lesen ist “Deutschland steht kurz vor der Vollbeschäftigung”, dann handelt es sich dabei um EXAKT DIESELBE machtpolitische Volksverdummung wie einst die Kohl-freundliche Berichterstattung auf Sat1.

Aber ganz offensichtlich ist der Balken im spreng’schen Auge zu groß, um einen freien Blick auf die eigene Vergangenheit zu gewähren.

23) journalist, Sonntag, 17. Juli 2011, 16:42 Uhr

Es gab zu der Zeit durchaus Unterschiede zwischen BILD und BamS, die von vielen Lesern, Politkern, Journalisten, und auch vom Axel-Springer-Vorständen und -Aufsichtsräten als erheblich angesehen wurden. Die BamS war deutlich liberaler und hat, wie vom damaligen Chefredakteur Michael Spreng schon mehrfach hier im Blog angesprochen, politisch eher den Kurs des konservativen Teils der SPD unterstützt (den Kurs; nicht der SPD das Wort geredet), während die BILD immer wieder Positionen von rechts bis rechts außen vertreten hat (BILD hat nicht automatisch CDU-Politik, aber wie an anderer Stelle geschrieben wurde, Positionen des Großkapitals vertreten). Die BamS hat auch viele Themen durchaus mit Hintergrund-Infos dargestellt; nie so ausführlich wie FAZ oder SPIEGEL, aber mit deutlich mehr Tiefe als BILD.

Jeder politische Journalist hat damals verstanden, warum Jürgen Richter und kurz darauf Michael Spreng gehen mussten. Im Axel-Springer-Verlag hat sich anschließend niemand mehr soweit aus der Deckung getraut, auch nicht nach der Entmachtung von Kirch. Die BamS ist inzwischen (aus meiner Sicht) kein eigenständiges Blatt mehr, sondern kurvt irgendwo als ferngesteuertes Beiboot im Kielwasser der BILD rum. Die Auflage ist aufgrund fehlender Eigenständigkeit auch deutlich in den Keller gerutscht. (Auflage 2000: etwa 2,5 Mio; Auflage heute: etwa 1,5 Mio Exemplare).

Wenn hier der eine oder andere beide Titel in die gleiche Schublade steckt und sich dann über die Beschriftung der Schublade aufregt, mag das für heute sogar “funktionieren”. In den Jahren vor 2001 verfolgten BILD und BamS teilweise aber sehr unterschiedliche Kurse.

(Für einen überzeugten Linken mögen CDU und CSU auch das Gleiche sein; wer sich etwas tiefer mit den Programmen und den Führungskräften der beiden Schwesterparteien befasst, wird nicht nur die Gemeinsamkeiten, sondern auch die teilweise erheblichen Unterschiede schnell erkennen, die ja auch immer wieder zu heftigen Streits führen.)

24) EStz, Montag, 18. Juli 2011, 18:43 Uhr

@ westernworld, Freitag, 15. Juli 2011, 22:06 Uhr

das schlimmste an diesem blog ist ihr verlogen altersmilder bilick auf sich selbst. sie haben an leitender stelle all denen die steigbügel gehalten die dieses land
ausgeplündert und ruiniert haben. wie jemand wie sie morgens in den spiegel schaut ist mir ein rätsel.
_________________________
Sehr geehrter zorniger junger (?) Mann

Da sehen Sie mal, wofür das Lesen dieses Blogs auch gut sein kann: Man lernt etwas über andere Menschen. Und ganz Gescheite wenden das Gelernte dann auch für sich an. Wenn man Sie also dereinst mal fragt, wie Sie früher waren, immer schön ehrlich antworten, dass Sie ein zorniger junger Mann waren, vorurteilsbehaftet und unhöflich gegenüber älteren Mitmenschen (sorry, Herr Spreng, gilt natürlich nur in Relation zum zornigen jungen Mann).

Falls Sie unerwarteter Weise dann doch nicht mehr ganz so jung sind, empfehle ich etwas Altersmilde.

25) Peter Christian Nowak, Montag, 18. Juli 2011, 19:39 Uhr

@Hans

^^EXAKT DIESELBE machtpolitische Volksverdummung wie einst die Kohl-freundliche Berichterstattung auf Sat1.^^

Leo Kirch und Kohl waren eng befreundet. Daher die positive Berichterstattung bei SAT1.

… man kann Herrn Spreng nicht vorwerfen, daß er mal beim Springer-Konzern gearbeitet hat; so wie man auch keinem Soldaten vorwirft, daß er in Afghanistan gekämpft hat. Ausschlaggebend ist die Entwicklung, die ein Mensch im Laufe der Zeit durchläuft und die Konsequenzen, die er aus dieser Erfahrung zieht.

26) Hans, Mittwoch, 20. Juli 2011, 12:12 Uhr

> Leo Kirch und Kohl waren eng befreundet.

… genau wie Angela Merkel und Friede Springer. Wo da der Unterschied ist, kann ich nicht erkennen ;)

27) John, Donnerstag, 21. Juli 2011, 23:46 Uhr

Ein herrlicher Beitrag, ich habe besonders die Beschreibung der zufälligen Veröffentlichung genoßen.

Danke, für diese entgeltfreie politische Aufklärung!

28) Lothar Klouten, Freitag, 22. Juli 2011, 19:08 Uhr

Danke für Ihre Offenheit und Ehrlichkeit, Herr Spreng. Ich weiss das sehr zu schätzen. Das mehr als unethische Verhältnis von politscher Macht und Medien ist ein Teilproblem: Die Oligarchie von Menschen mit Parteibüchern ist vernetzt in Legislative, Exekutive, Judikative, Medien sowie -öffentlich dominierten- Unternehmen. Damit hebeln sie nicht nur illegal die Gewaltenteilung aus, sondern instrumentalisieren sie kriminell. Das Geschäftsmodell dieser Oligarchie: Geldwäsche in ganz großem Stil. In NRW jüngst in den Umrissen am Fall IM Jäger offenbar geworden, von den Medien wieder “vergessen”. Hier geht es um bedeutend mehr als das Verschieben von Geld: Eine nachhaltige Zukunft von Gesellschaft und Staat werden massiv gefährdet. Sie können sich auch zu diesem Gesamtproblem erlauben aus dem Nähkästchen zu schreiben. Es wäre hilfreich.

29) mac4ever, Sonntag, 24. Juli 2011, 11:42 Uhr

Respekt, Herr Spreng, für diese Nähkästchenstory. Es ist so, wie ich immer vermutet, aber doch nie gehofft hatte: eigentlich noch schlimmer. Es geht nie um Wahrheit oder objektive Berichterstattung, das ist nur der Berufsethik Einzelner geschuldet, so wie bei den Ärzten, wo inzwischen die Kassenpatienten teilweise gar keine Termine mehr bekommen, die Privatpatienten aber nach 3 Tagen.

Es geht um Macht, Geld, Interessen, persönliche Machtansprüche narzistischer Patriarchen. Danke für diese Nahaufnahme, die man so selten zu Geicht bekommt. Und es geht darum, wie diese Personen Schleimerei und Liebedienerei in ihrem Umfeld geradezu zur Überlebensnotwendigkeit machen. Ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die hart und ehrlich für ihr Geld arbeiten. Widerlich!

30) D. Lux, Dienstag, 27. Dezember 2011, 17:19 Uhr

Bin gespannt wie lange sich die Schadenersatzklage der Kirch Gruppe gegen die Deutsche Bank noch hinzieht – und wie der Prozess ausgeht.

lg DL
http://www.luxundpartner.at

31) Klaus, Samstag, 16. November 2013, 11:21 Uhr

Fast zwei Jahre später (hab’s erst jetzt gelesen):
“Ich denke, dass Kirch mit seiner unsäglichen Verdummung und Verblödung der Bevölkerung durch sein Privatfernsehen unendlich viel für die Interessen der Mächtigen getan hat.”
.
Richtig. Aber die Springer-Blätter nicht minder, damals wie heute.

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