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Dienstag, 19. Juli 2011, 11:16 Uhr

Die Macht der Bilder

Bilder sagen bekanntermaßen mehr als tausend Worte. Insofern ist der SPD ein Coup gelungen: die optische Inszenierung der neuen SPD-Troika Gabriel, Steinmeier und Steinbrück. Die Fotos signalisieren: hier stehen drei starke Männer bereit, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Zumindest zwei, denn Steinbrück und Steinmeier gehören derzeit zu den beliebtesten deutschen Politikern – vor Angela Merkel. 

In Verbindung mit dem Angebot, Merkel in der Euro-Krise zu helfen, war das eine rundum gelungene Veranstaltung, geschickt zu Beginn der Sommerpause platziert.

Die Inszenierung sagt aber noch mehr: Peer Steinbrück ist, ohne dass ein Parteitag darüber befunden hat, zumindest zur Nummer 3 der SPD befördert worden. Das kommt einem Parteistreich gleich. Die Basis weiß jetzt, was von den Partizipationsangeboten Sigmar Gabriels zu halten ist. Die Bilder sagen: einer von uns dreien wird Kanzlerkandidat, wobei dieses Signal natürlich dem “einfachen Abgeordneten” Steinbrück am meisten nützt.

Die Rollenverteilung in der neuen SPD-Troika scheint klar: Steinbrück macht den Schröder, Gabriel den Lafontaine, der dem anderen den Vortritt lässt und deshalb Parteichef bleibt. Und Steinmeier macht den Scharping. Mit einem Unterscheid: er hat seine Wahl schon verloren.

Bei allem Spott, bei den Wähler wird von diesem Bild im Gedächtnis bleiben: die SPD ist vielleicht doch eine Alternative.

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65 Kommentare

1) Sebastian Galka, Dienstag, 19. Juli 2011, 11:31 Uhr

Ich stimme Ihnen zu. Dass Steinbrück informell weit mächtiger ist als es sein formeller Status (“einfacher Abgeordneter”) erwarten ließe, ist ja in der Demokratie kein seltenes Phänomen. Es gibt eben in einer Demokratie so gut wie keine Macht qua Amt. Joschka Fischer war bei den Grünen auch ohne hervorgehobenes Amt sehr mächtig, andersherum war Kurt Beck zwar SPD-Vorsitzender, aber im Grunde machtlos.

Beachtlich fand ich auch, dass das Bild heute auf der Titelseite der FAZ war. Die FAZ bringt sonst so gut wie nie tagesaktuelle Titelbilder.

2) FF, Dienstag, 19. Juli 2011, 11:48 Uhr

Bitte nicht. Schon die “alte” Troika hat mich bis aufs Blut gequält. Steinmeierbrückgabriel, denen das Kunststück gelingt, ihre Vorgänger mühelos zu unterbieten, werde ich ignorieren müssen. Blanker Selbstschutz!
Schröderlafontainescharping – das war wenigstens noch spannend, da ging’s um was. Leider haben sich falschen durchgesetzt, die Kapitalistenknechte und Arbeiterverräter. Übrig ist die “S”PD, ein politischer Leichnam mit drei leeren Köpfen. Ein Luftikus, ein Langweiler und ein grober Bürovorsteher, der sich zum zweitgrößten Hamburger Weltstaatsmann und Bestsellerautor aller Zeiten aufbläst. Politik als Unterhaltungsabteilung der Wirtschaft (Zappa) – und die “S”PD gibt den Pausenclown, falls die CDU mal ausfallen sollte. That’s it.

3) stefanolix, Dienstag, 19. Juli 2011, 11:49 Uhr

Vorausgesetzt, dass die SPD Peer Steinbrück überhaupt antreten lässt … Wenn es dazu kommt, muss sich Angela Merkel jedenfalls warm anziehen. Bis zur nächsten Wahl wird sich eine Wechselstimmung wie am Ende der Ära Helmut Kohl aufgebaut haben.

Die SPD kann nur zwei Fehler machen: Sigmar Gabriel antreten lassen, der in meinen Augen für immer Pop-Beauftragter bleibt. Oder Frank-Walter Steinmeier nominieren, der ganz sicher ein guter Minister und Bürokrat war, aber niemals ein Kanzler sein wird.

Mit Peer Steinbrück hätte die SPD immerhin eine Chance, deutlich vor den erstarkten Grünen ins Ziel zu kommen.

Angela Merkel hat ihre Kandidatur bereits angekündigt (manche denken: angedroht) und es wird in der CDU bis dahin auch niemand nachgewachsen sein. Eine CDU mit Angela Merkel ist sicher gut für 33% und vielleicht belegt sie damit auch den ersten Platz. Aber es wird nicht mehr für eine Koalition reichen.

4) Frankilein66, Dienstag, 19. Juli 2011, 11:52 Uhr

Tja, was mögen sich wohl Klaus Wowereit und Hannelore Kraft bei diesen Bildern gedacht haben?

5) Str, Dienstag, 19. Juli 2011, 12:27 Uhr

Steinmeier und Gabriel sind meiner Meinung nach Hemmnisse für die SPD denn starke Männer.

Steinmeier gilt als der Architekt der Agenda- und Hartz-Politik, war ein blasser Außenminister und ist einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass die SPD um die 23% herumkrebst. Und Gabriel ist nichts weiter als ein Heißluftfön.

Einzig Steinbrück, der in der Finanzkrise mit seinem Fachwissen die Katastrophe abwendete und die Kanzlerin überstrahlte, kann jetzt noch das Ruder für diese am Boden liegende Partei herumreißen.

6) Marius, Dienstag, 19. Juli 2011, 12:59 Uhr

Wenn man Steinbrueck reden hoert, dann weiss man, was man bei der aktuellen Regierung vermisst. Trotzdem werden die Sozen noch eine Zeit brauchen, ehe sie regierungsreif sind. Zeit, die sie und Deutschland vielleicht nicht haben, wenn Merkel ueber die Abstimmung zum Rettungsschirm stuerzt.

7) StefanP, Dienstag, 19. Juli 2011, 13:02 Uhr

Für die Sozialdemokraten ist es wichtig, wieder ins Gedächtnis der Wähler zu kommen als eine führende Kraft in der deutschen Politik. Natürlich kann man viel lästern über die interne Parteiendemokratie – oder auch nicht. Die Richtung, die Gabriel einschlagen will, ist richtig, nur hat Deutschland eine ganz andere demokratische Historie als die USA.

In Amerika wird jedes öffentliche Amt durch Wahl vergeben, vom Präsidenten abwärts bis zum lokalen Richter. Die demokratische Partizipation beginnt dabei in der Gemeinde und nicht – so wie manche sich das vorstellen – in der großen Politik. Am Ende führt die amerikanische Version der demokratischen Volksbeteiligung aber auch dazu, dass nur derjenige mit ausreichendem Budget und Protegee Volksvertreter werden kann. Der amerikanische Senat ist eine Ansammlung von Millionären.

In Deutschland ist das Interesse an solcher Basisdemokratie allen anderslautenden Bekundungen zum Trotz gering. Selbst die Grünen halten beispielsweise eine Beteiligung von 30% bei einem hochemotionalen Thema für illusorisch. Und so bedarf es eben auch innerhalb der Parteien sehr viel Übung mit ungewissem Ausgang. Denn es kann durchaus sein, dass sich nach und nach alle Parteien für den Zugang von außen öffnen – nur um am Ende festzustellen, dass doch nur wenige Nicht-Parteimitglieder mitmachen.

Doch zurück zur SPD und ihrer Kanzlerkandidatenauswahl: Würde man nicht die SPD-Funktionäre allein, sondern Nichtmitglieder befragen, wäre der Kandidat wohl klar. Gesetzt den Fall, dass alle drei, Steinbrück, Steinmeier und Gabriel, sich nur bei den Mitgliedern bewerben würden und Steinbrück als Sieger vom Feld ziehen würde, könnte sich die SPD gleich einen neuen Vorsitzenden suchen. Wer als Parteichef nicht mal seine Mitglieder begeistern kann, kann kaum eine Organisation führen. Aus gutem Grund sind in anderen Ländern mit mehr direkter Demokratie wie eben den USA und UK die Spitzenmänner auf dem Wahlzettel auch die Parteichefs (nicht umgekehrt!).

Kandidiert Gabriel, ist somit das Rennen der anderen eine pure Farce. Somit bleibt es dem Niedersachsen überlassen, dem aussichtsreichsten Bewerber die Kandidatur anzutragen. Der Vergleich mit Scharping hinkt übrigens aus mehreren Gründen: Steinmeier hat keine Grafin, er planscht bisher nicht öffentlich in Pools und drittens ist er weit angesehener als es der bräsige Pfälzer je war.

Aus heutiger Sicht ist ein Szenario das wahrscheinlichste: Steinbrück geht ins Rennen. Steinmeier hat zwar noch Lust, er hatte jedoch vor zwei Jahren die Unterstützung des Hanseaten. Aus Loyalität und Zweifel an der eigenen Zugkraft wird der Fraktionschef verzichten. Gabriel weiß um seine fehlende Popularität und wird seiner Karriere nicht als falschem Ehrgeiz den zweiten, dann wohl endgültigen Knick, verpassen wollen. In guter Vorraussicht – das wissen die meisten nicht – hat Gabriel selbst die Kandidatur Steinbrücks vor mehr als einem Jahr durch entsprechend gestreute Statements vorbereitet. Der SPD-Vorsitzende verfolgt zwar selten eine längere Strategie, in diesem Fall sicher schon.

1998 hat Helmut Kohl lange gehofft, Oskar Lafontaine würde ihm den Gefallen tun und gegen ihn antreten. Gabriel wird sich ähnlich intelligent verhalten wie damals der Saarländer.

8) Maren P., Dienstag, 19. Juli 2011, 13:13 Uhr

Medial mag das mit Blick auf die leichtgewichtige Konkurrenz eine gelungene Inszenierung gewesen sein. Mich als Wählerin hat das Bild jedoch mit schierer Masse erdrückt – ich fand es bedrohlich. Ohne eine ernstzunehmende Frau in dieser selbsternannten Troika wirkt sie doch arg vorgestrig. Genauso wie die politischen Inhalte die pure Restauration sind. Mit Mitteln von gestern die Koalition von gestern. Wer kann das ernsthaft wollen?

9) Eric B., Dienstag, 19. Juli 2011, 13:47 Uhr

Die Macht der Bilder in allen Ehren – aber die Worte klingen doch wieder sehr nach großer Koalition. Die “Stones” haben Merkel sogar Hilfe bei der Euro-Rttung angeboten – dabei ist ihre Strategie total gescheitert. In Europa kommt die SPD-Taktik gar nicht gut an, denn dort wittert man wieder einen deutschen Sonderweg der Sozialdemokraten… mehr auf lostineurope.posterous.com

10) Jokus, Dienstag, 19. Juli 2011, 13:54 Uhr

Bei allem Spott – der durchaus trifft – die Bilder dieser großartigen Gemeinsamkeit geben allen so ewig lang frustrierten ‘Genossen, genau die Hoffnung, die für einen künftigen Wahlkampf nötig ist. Und es entsteht sogleich ein Bild der Genossen-Einigkeit, wie es das lange nichjt gegeben hat. Da hat schon ein jeder der starken Drei seinen Platz gefunden—- und das ist gut so. Jedenfalls für die sonst so gern zerstrittene SPD. Und das dies alles von “Oben herab” geschah, kann das Bild auch nicht trüben. Wenn auch einige “Basis-Kleffer” kleffen werden -

11) Mark, Dienstag, 19. Juli 2011, 15:19 Uhr

Ja, das war ja gestern wieder eine lustige Veranstaltung.

Die SPD signalisiert knallhart: “Mit uns wird es keinen Wechsel geben!”, und der Wähler reibt sich verdutzt die Augen und wundert sich. Diese Troika soll also die neue Kerntruppe der SPD sein? Wie bitte?

Steinmeier – macht den Scharping. Gut erkannt. An Farb- und Erfolglosigkeit kaum zu überbieten, würde er ohnehin einen schlechten Kanzlerkandidaten abgeben. Will er etwa nochmal verlieren (und sich anschließend minutenlang beklatschen lassen?) Deshalb ist es gut, wenn er irgendwie entsorgt wird. Spekuliert er vielleicht auf einen schönen Posten in Brüssel? Das würde seine Europa-Verliebtheit erklären.

Steinbrück – der “einfache Abgeordnete”: ein Polit-Zombie, der mit seiner Politik der De-Regulierung einer der Hauptverursacher der aktuellen Finanzkrise ist. Zu allem Unglück nicht besonders telegen, eher rüpelhaft (soll wohl “klare Kante” signalisieren) und von sich selbst überzeugt. Laut, aber fachlich nicht besonders gut. Mit ihm wird die SPD neuen Rekorden zustreben – im negativen Sinne. (Ja, und allen Beliebtheitswerten zum Trotz.)

Gabriel – von den Dreien noch derjenige, der als “Hoffnungsschimmer” bezeichnet werden kann, aber ihn als “Lafontaine” zu bezeichnen, na, ich weiß nicht. Da ist der Oskar doch um drei bis vier Klassen besser. (Und ja, der kann sogar was.) Aber Gabriel ist ja auch noch jung.

Die wahre Tragödie bleibt, dass mit der gestrigen Schauerveranstaltung die SPD endgültig als Wahlalternative weggebrochen ist. Wer einen Wechsel in der Währungs- und Europapolitik will, der kann nun nicht mehr ernsthaft SPD wählen. Die drei von der Troika werden das Geld der Steuerzahler nämlich gerne und mit vollen Händen in den europäischen Bankenmoloch werfen. Ist ja auch einfach – es ist ja nicht ihr Geld. ;-)

Und schaut man auf die jüngsten Aussagen von Joschka Fischer (“Wir werden mehr und nicht weniger Europa brauchen, mehr und nicht weniger Integration, Stabilitäts- und Transferunion müssen zusammengehören und, ja, die reichen Volkswirtschaften – vorneweg Deutschland – werden den Weg aus der Krise bezahlen müssen.” Quelle: euractiv), dann machen auch die Grünen ihrem Ruf als alternative CDU/CSU alle Ehre. Die fallen also auch weg.

Was bleibt?

Es bleibt die Linke, die systematisch von den Medien gemobbt wird und (leider) immer wieder durch dumme Fehltritte auffällt. Seit dem Fortgang von Lafontaine fehlt ein wichtiger Fixpunkt im Westen, was es der Partei nicht leichter macht, an Stärke zu gewinnen.

Es klafft weiterhin eine große Lücke rechts von Union und FDP, wo eine neue, demokratische (!) Partei speziell beim Thema Europa- und Währungspolitik wird punkten können. Parallel zum Niedergang des Euro wird dieses Vakuum täglich größer, und es wird Wähler anziehen. Deshalb positionieren sich die drei von der Troika ja auch schon mal für eine große Koalition. Man glaubt wohl nicht so recht an einen Sieg von rot/grün.

Doch wenn der Euro-Wahnsinn ungebremst so weitergeht, dann können sich Dinge schnell ändern. Sogar in Deutschland.

12) Hans Czinzoll, Dienstag, 19. Juli 2011, 16:50 Uhr

Dieser behäbige Dreier steht für die Halbierung der SPD, Deregulierung der Finanzmärkte und Hartz IV. Viel Efolg.

13) vera, Dienstag, 19. Juli 2011, 16:53 Uhr

Tja, Cleverness ist man von der SPD so gar nicht mehr gewohnt. Ick kieke, staune, wundre mir.

14) Peter Christian Nowak, Dienstag, 19. Juli 2011, 17:00 Uhr

Welch ein Desaster! Welch ein Lug, Täuschung und Trug! Steinbrück als Kanzler? So funktioniert Medienmanipulation und wie sie vom Volk antizipiert wird. Ich greife mir den Herrn mal raus, von Gabriel, Steinmeier, dem Agenda 2010-Handlanger mal abgesehen. Ich habe noch alle Tassen im Schrank und daher gebe ich eigenen Erfahrungen und Gedanken die nötige Unabhängigkeit, jenseits aller Versuche sie durch die Medien manipulieren zu lassen.
Also Steinbrück: Steinbrück und sein Staatssekretär Asmussen haben die Krise befördert und dann nichts gegen die Folgen für Deutschlands Volkswirtschaft getan.
Im Koalitionsvertrag der großen Koalition von 2005 wird man fündig: Dort wird der Deregulierung das Wort geredet. Überflüssige Regulierungen sollen abgebaut werden. Es wird der Ausbau des Verbriefungsmarktes, von Projekten der Privatisierung über PPP, von REITs und die Fortentwicklung des Unternehmensbeteiligungsgesetzes gefordert. „Produktinnovationen“ sollen möglichst ungeprüft und seine Folgen unbewertet freies Schussfeld haben dürfen. Neue Vertriebswege müssen nachdrücklich unterstützt werden, heißt es dort. Die Finanzmarktaufsicht solle mit Augenmaß vorgehen. Das alles und vieles mehr seien vordringliche Maßnahmen zur Stärkung des Finanzplatzes Deutschland. Ein Rezeptsammelsurium Marke Steinbrück.
Selbstverständlich hat Steinbrück als Bundesfinanzminister keinen Finger gerührt, um die Privilegien der Finanzindustrie, die zur Förderung des „Finanzstandorts Deutschland“ von Schröder, Eichel und Steinbrück eingeführt wurden, zu beschränken. Die Steuerbefreiung für die Gewinne beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen gilt nach wie vor. Genauso die Gewerbesteuerbefreiung für die Verbriefung. Die meisten Menschen wissen davon nichts. Auch solche wissen davon nichts, oder besser werden durch die Medien so „verblödet“, daß sie am Ende ein positives Urteil über Steinbrück haben Jeder Zweifel an seinem eigenen Urteil wird entweder vom eigenen Vergessen geschluckt, oder er versinkt im Sog medialer Meinungsmache.
Als Steinbrück für die Förderung des Finanzplatzes Deutschland, für eine lasche Kontrolle und für „Produktinnovationen“ warb, war schon bekannt, dass deutsche Banken in Schwierigkeiten sind. Im Februar 2003 trafen sich Bundeskanzler, Bundesfinanzminister und Bundeswirtschaftsminister mit den Spitzen der Banken und Versicherungen zu einem Krisengespräch mit dem Ziel der Gründung einer Bad Bank. Das kam nicht zu Stande, weil das Treffen vom Handelsblatt bekannt gemacht wurde. Aber die Auslagerung fauler Forderungen in Zweckgesellschaften und ähnliche Bad Banks fanden statt. Was ist das? Kann man so ein Vorgehen unter dem Marker „Staatskriminalität“ abheften? Oder ist so ein Vorgehen Ausdruck der Inkompetenz von Leuten, die lediglich vorgeben kompetent zu sein und sich so in die Herzen der Wähler zu schleimen?
In einem Artikel des Handelsblatt vom 24.2.2003 wird von einem Treffen Schröders, Eichels und Clements mit Spitzenvertretern der Banken- und Versicherungsbranche berichtet. Bei diesem Treffen war der Vorschlag gemacht worden, für notleidende Kredite deutscher Institute eine Auffanggesellschaft zu gründen, für deren Risiken letztlich der Staat, also wir Steuerzahler, einstehen soll. Dieses Dokument zeigt, dass die hohen Risiken der Politik spätestens seit dem Jahr 2000 bekannt sind. Steinbrück sagt die Unwahrheit, wenn er davon spricht, erst mit der Lehman-Pleite sei die Finazkrise aus den USA nach Europa geschwappt, gleichsam wie eine unvorhersehbare Naturkatastrophe. Es zeigt zweitens weiter, dass die Bundesregierung in die kriminellen Machenschaften des Verpackens und Weiterverkaufens notleidender Kredite in Wertpapiere schon früh involviert war.
Nach Informationen des Handelsblatts schlug der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, in der hochrangigen Runde die Gründung einer Auffanggesellschaft vor.Diese Kreditwerkstatt wird auch als Bad Bank bezeichnet und soll dazu dienen, die Kredite Not leidender Banken zu bündeln, als Wertpapier zu verpacken und wieder zu verkaufen. Zur Entlastung solle, hört, hört, der Staat für die Risiken einstehen und eine Garantie abgeben, heißt es dort weiter.
Wenn es nach Steinbrücks Neigung zur prozyklischen Konjunkturpolitik gegangen wäre, hätte es den jetzigen Aufschwung, der sich nach neuesten Zahlen leider nicht für alle auszahlt,
nicht gegeben.
Steinbrück sagt bewußt die Unwahrheit, wenn er ständig behauptet, daß die Finanzkrise Deutschland wie durch einen Tsunami überrascht wurde.
Steinbrück ist ein gutes Beispiel dafür, dass die in einer Demokratie wichtige Sanktion unterbleibt, wenn die Manipulationsmöglichkeit so groß ist wie bei uns, und wenn sie so praktiziert wird wie im Fall Steinbrück.
Was finden die Leute eigentlich an diesem Mann? – Nicht jeder, der ganz gut durch die Medien geister ist auch gut, nur weil er ganz gut quatschen kann!

SPD-Troika…klingt wie großes Kino. In Wirklichkeit läuft gerade ein schlechter Film ab, in dem das Desaster Regie führt. Und sowas imponiert den Leuten?

15) Johannes, Dienstag, 19. Juli 2011, 17:01 Uhr

SPD, eine Alternative mit Euro-Bonds? Niemals.

16) Christian, Dienstag, 19. Juli 2011, 17:29 Uhr

Wenn die SPD mit Steinbrück antritt, wird sie ihr miserables Ergebnis von 2009 bestenfalls schwach verbessern dürfen. Einen ungeeigneteren und schlechteren Kandidaten gibt es kaum, sendet er doch die klare Botrschaft: Die SPD hat aus ihren Nioederlagen nichts gelernt und pfeift auf ihre Wähler.

17) DerBayer, Dienstag, 19. Juli 2011, 18:32 Uhr

Na-ja, ein Peter Altmaier von der CDU mosert ja schon wieder dazwischen und behauptet, die SPD meine es mit ihrem Hilfangebot gar nicht so ernst. Der Junge hat wohl vergessen, mit wem er sich da anlegt. Immerhin mit einem erfahrenen und mit allen Wassern gewaschenen Ex-Finanzminister, ohne den es die Republik so, wie sie heute da steht, gar nicht geben würde. Aber was weiß das die CDU denn schon? Sie braucht ja ganz offensichtlich Hilfe, denn alleine, auch nicht mit ihrem gelben Koalitionspartner, schafft sie das ja nicht.

Bei Steinbrück weiß man immer, wie man dran ist, auch wenn seine Äußerungen nicht immer Allen gefallen können. Er besitzt so etwas wie den “englischen Humor”, der in erstem Grad verwandt ist mit dem “Sarkasmus”, den Alle so fürchten.

Also, für eine Wahl Steinbrücks könnte ich mich erweichen lassen, da brauche ich keine CDU oder CSU mehr, da hätte ich die richtige und bessere Alternative!

18) niels, Dienstag, 19. Juli 2011, 19:06 Uhr

“Und Steinmeier macht den Scharping. Mit einem Unterscheid: er hat seine Wahl schon verloren.”

Nun, das hatte Scharping weiland doch auch.

19) LarsW, Dienstag, 19. Juli 2011, 19:55 Uhr

Bei den Kandidaten Kandidaten Gute Nacht SPD.
Steinmeier heult den Amis die Ohren voll, dass er sich nicht von Merkel absetzen kann, die für gar nichts steht und das holt im Bund das schlechste Wahlergebnis der SPD überhaupt der und soll Kanzlerkandidat werden?
Steinbrück hat mit der SPD in NRW das schlechteste Ergebnis seit 50 Jahren geholt und im Bund das schlechste Ergebnis überhaupt. Seine Kollege Glos sagt über ihn, er sei genauso inkompetent wie er selbst (wann sind Politiker schon mal so ehrlich wie der Glos?) und der soll Kanzlerkandidat werden?
Gabriel schafft es nicht, dass seine Partei als Oppositon von einer der wohl schlechtesten Bundesregierungen aller Zeiten wahrgenommen wird und werkelt lieber an Parteireformen, statt sich mal zu fragen wieso die SPD bei 20 % rumdümpelt und der soll Kanzlerkandiat werden?
Das einer von den dreien Antritt ist wohl die einzige Hoffnung, die Merkel auf eine Wiederwahl hat. Wenn es nicht doch für einen grünen Kanzler reicht.

20) stefanolix, Dienstag, 19. Juli 2011, 19:56 Uhr

Ich habe mir jetzt mit Interesse die Einwände gegen Herrn Steinbrück und auch gegen die anderen beiden Kandidaten-Kandidaten durchgelesen. Steinbrück bekommt naturgemäß den meisten Gegenwind, weil er momentan noch am aussichtsreichsten ist.

Danach stellt sich doch die Frage: Wen soll die SPD nominieren, nachdem alle drei vor den ehrenwerten Kommentatoren hier keine Gnade gefunden? Soll sie ganz ohne Kandidaten ins Rennen gehen? Mit einem schwachen Kandidaten?

Natürlich haben alle in Frage kommenden Personen in der Zeit der Finanzkrise (und wohl auch zuvor) Fehler gemacht. Aber wenn wir offensichtlich nur fehlerbehaftete Politiker haben, werden wir wohl einen von ihnen wählen müssen …

21) Andronico, Dienstag, 19. Juli 2011, 20:03 Uhr

Peter Christian Nowak hat alle gesagt, was zum Theme Steinbrück zu sagen ist. Danke dafür!

Leider steht zu befürchten, dass Steinbrück trotzdem Kanzlerkandidat und vielleicht sogar Kanzler wird (nur, wenn es für Rot-Grün mit SDP vor den Grünen reicht). Die Medienkamapgne pro Steinbrück ist schon in vollem Gange. Interessant, welche Medien jetzt auf einmal ihre Liebe zu Steinbrück entdecken. Da versuchen die Neoliberalen ihren Mann in der SPD zu puschen und Rot-Rot-Grün sicher auszuschließen. Das Ziel: weiter so wie bisher. Schröder reloaded! Wie war das mit dem Licht am Ende des Tunnels? In diesem Fall ist es der entgegenkommende Zug!

22) Dennis, Dienstag, 19. Juli 2011, 20:33 Uhr

Lasst den Wowereit mal ein “besser als erwartet” ausfallendes Ergebnis hinlegen. Der Hype der Grünen in Berlin scheint sich ja gelegt zu haben. Dann gäbe es durchaus einen berechtigten Anwärter.

Steinbrück halte ich für ein – ja interessantes, aber doch reines – Medienphänomen. Er ist nur ein mittelmäßiger Politiker, der im Poltikfeld Finanzen sicher über einen selten vorhandenen Erfahrungsschatz verfügt. Und er hat die Fähigkeit einfache Zusammenhänge so rüber zu bringen, dass es unglaublich kompetent klingt. Doch viel wissenschaftlicher Background scheint nicht vorhanden zu sein. Asmussen und Co sage ich nur. Steinbrück ist zudem kein guter Diplomat. Er wird es nicht schaffen, verschiedene Interessen zu bedienen und für Ausgleich zu sorgen. Schröders Basta-Poltik wird dagegen Konkordanz auf höchsten Niveau gewesen sein.

Die SPD braucht einen Kandidaten, der
a) Wahlerfolge vorzuweisen hat (haben die Jungs von der Troika ALLE nicht, das eint sie immerhin)
b) Die “Werte” für die die SPD eigentlich immer gestanden hat (oder haben soll), glaubwürdig vermitteln kann
c) Klare inhaltliche Alternativen zur Merkel-Regierung zu kommunizieren in der Lage ist
d) Integrationsfähigkeit in die Wählerschichten von “Mitte” bis “Links” mitbringt.

Wir müssen also mal die Berlin-Wahl abwarten, eigentlich gäbe es dann nur eine logische Wahl.

Zu Kraft: Die muss erst mal eine Periode überstehen oder zumindest bei einer Neuwahl den “Makel” der Minderheitsregierungschefin loswerden. Scholz: Der ist auch noch zu frisch im Amt… kommt nicht gut, wenn der Kaptän die Brücke so schnell wieder verlässt (außerdem erfüllt er auch nicht alle von mir beschriebenen Punkte).

23) deraxel, Dienstag, 19. Juli 2011, 20:45 Uhr

“Steinmeier gilt als der Architekt der Agenda- und Hartz-Politik”
Dann ist wohl er daran Schuld, dass zur Zeit alle gernen unseren Arbeitsmarkt hätten und wir Fachkräfte aus anderen Ländern anwerben müssen.
Das war das größte und erfolgreichste politische Projekt der letzten 10 Jahre.
Hierzu Frau Merkel: “Ich möchte Kanzler Schröder ganz persönlich danken, dass er mit der Agenda 2010 mutig und entschlossen eine Tür aufgestoßen hat, unsere Sozialsysteme an die neue Zeit anzupassen.”

24) Ste, Dienstag, 19. Juli 2011, 21:22 Uhr

Haben Sie, Herr Spreng, nicht erst vor einiger Zeit gemeint, dass Steinbrück sich selbst den Posten des Kanzlerkandidaten verbaut hat? Da gab es doch mal hier ein Blogartikel dazu….

25) Marc, Dienstag, 19. Juli 2011, 22:16 Uhr

Leider haben mir die rot-grünen Jahre unter Schröder gezeigt, dass die SPD nur dann als sozialpolitisches Korrektiv wirkt, wenn sie in den Ländern und schwarz-gelb im Bund regiert.

Daher vorsicht mit einem SPD-Kanzler. Zumal: Jedes Mal wenn die SPD die Kanzlerschaft abgab, verlor sie Wahler an eine neue Partei, 1983 an die Grünen, 2005 an die Linkspartei. Will man das als Feeund der Sozialdemokraten? Und warum SPD wählen, wenn doch eine CDU-Kanzlerin Ziele wie Atomausstieg verfolgt und eine CDU-Bundesbildungsministerin Ideen hat, für die sie als Landesministerin Edelgard Bulmahn noch gekreuzigt hatte? ;-)

26) Nobbi, Dienstag, 19. Juli 2011, 22:26 Uhr

Wenn drei sich streiten, freut sich die vierte.

27) JG, Mittwoch, 20. Juli 2011, 01:28 Uhr

Das Bild dürfte um so wirkungsvoller sein, als man fragen kann: Was bzw. wen hat denn die CDU (noch) zu bieten? Mutti, Mutti und Mutti?

28) Tilman-s, Mittwoch, 20. Juli 2011, 01:32 Uhr

»Die Inszenierung sagt aber noch mehr: Peer Steinbrück ist, ohne dass ein Parteitag darüber befunden hat, zumindest zur Nummer 3 der SPD befördert worden. Das kommt einem Parteistreich gleich.«
Nun ja, klingt etwas zu hart in meinen Ohren. Die Basis ist ja nicht entmündigt, im Gegenteil, ich hatte eher das Gefühl Gabriel wollte das unvermeidliche anerkennen, und wenigstens so wirken als hätte er die Zügel in der Hand, und Steinbrück in diese Position gehoben. In Wahrheit würde Gabriel mit Sicherheit lieber selbst antreten, weiß aber dass ihm dieser Weg im Moment verbaut ist.

29) Maren P., Mittwoch, 20. Juli 2011, 02:07 Uhr

Stefanolix schrieb >>Natürlich haben alle in Frage kommenden Personen in der Zeit der Finanzkrise (und wohl auch zuvor) Fehler gemacht. Aber wenn wir offensichtlich nur fehlerbehaftete Politiker haben, werden wir wohl einen von ihnen wählen müssen …<<

Es gibt aber graduelle Unterschiede. Ich wähle keinen Mann, der den Finanzplatz Deutschland dereguliert hat und dann mit Steuermilliarden die Privatbanken rettet. Und immer noch von sich behauptet, er hätte Ahnung … *lol*

Aber Michael Spreng hat natürlich Recht, wenn er die Macht der Bilder benennt, die zugleich ja auch Fakten schaffen sollen. Und die alte Tante SPD reagiert altbekannt: zuerst etwas verschnupft, weil sie mal wieder nicht gefragt wurde, die Faust bleibt aber in der Tasche und zum Schluss wird abgenickt und durchgewinkt.

30) EuroTamic, Mittwoch, 20. Juli 2011, 09:27 Uhr

Keine der Parteien im Bundestag ist eine Alternative, selbst die LINKE nicht mehr. Sieht man sich die Abstimmungsergebnisse zu politischen Themen an so erkennt man, dass alle Parteien die Armut der Massen, die Überwachung, deren Unfreiheit bewusst vorangetrieben haben. Diese Parteien vertreten nicht die Interessen des Volkes.

31) Gregor Keuschnig, Mittwoch, 20. Juli 2011, 09:44 Uhr

Die Analyse(n) contra Steinbrück greifen zum Teil auf Initiativen zurück, in denen Steinbrück gar keine Macht innerhalb der SPD hatte. Dies war fast ausschließlich innerhalb der Großen Koalition der Fall (als NRW-MP mußte er die Unzulänglichkeiten Clements ausbügeln, was ihm in der kurzen Zeit nicht gelang). Steinbrücks Management während er Finanzkrise war nicht fehlerfrei, aber nicht derart stümperhaft wie das aktuelle Euro-Krisenmanagement. Fehler machen nur die Leute nicht, die gar nichts machen.

Steinbrück darf jedoch einen Fehler jetzt nicht begehen: Er darf sich nicht zu sehr als Heilsbringer aus dem Fenster lehnen. Sein Vokabular darf sich nicht binnen sechs Monaten verbraucht haben. Hinzu kommt, dass Steinbrück – sollte er Kanzlerkandidat werden – die Option Rot-Grün nicht wahrnehmen wird. Insofern geht es – wie einige Kommentatoren hier anmerken – schnurstracks in Richtung Große Koalition.

32) Politikverdruss, Mittwoch, 20. Juli 2011, 10:38 Uhr

Chapeau, Peter Christian Nowak!
Mit dem Euro-Bond-Trio hätten wie diese “innovativen Euro-Bonds” schon längst. Es ist inzwischen klar: Die vereinigte Linke will den europäischen Bundesstaat. Sie stellt die aktuelle Krise in den Dienst ihrer Strategie. Damit zerstört sie den Bestand und die verfassungsmäßige Ordnung Deutschlands. Und wie man das bezeichnet, dürfte klar sein.

33) romeias47, Mittwoch, 20. Juli 2011, 10:51 Uhr

“Die Fotos signalisieren: hier stehen drei starke Männer bereit, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.”

———

Man könnte es auch so lesen: Die Fotos signalisieren: hier stehen drei starke Männer bereit, Kohls Mädchen im Interesse des Euro, Europas, des Landes und der SPD im besonderen aus der Malaise zu helfen. Zumindest hat Frau Merkel die Generation Schwarzer besonders in diesen Tagen von dem Irrtum geheilt, es würde irgendwas besser, wenn das Ruder von einem “zarten Händchen” statt aus der Männersauna gführt wird. (Ich beziehe mich damit auf eine Aussage der irakisch-britischen Stararchitektin Zarah Hadid, wonach wichtige Entscheidungen in der Männersauna getroffen würden, und da könne sie ja als Frau nun mal nicht hin. )

Und gleichzeitig rührt sich doch ein Unbehagen, wenn man das Pinguin-Trio betrachtet. Die SPD deklariert sich ja gern als die “ureigentliche” Vertreterin des Demokratie- und Gleichberechtigungsgedankens. Aber selbst wenn man das Spitzentrio auf ein Sextett erweitert , schiebt sich keine Kandidatin zwingend und ganz ohne Quotenpuder ins Bild.

Und dann kommt einem eben doch wieder der Zweifel und das Wahl-Gänseblümchen in den Sinn: Pest – Cholera – Pest – Cholera – Pest …

34) StefanP, Mittwoch, 20. Juli 2011, 11:19 Uhr

@Dennis

Momentan wird gegen Steinbrück häufig eingewandt, er habe bisher keine Wahl gewonnen. Derzeit ist das für die SPD ein Luxuskriterium, schließlich haben die Sozialdemokraten seit 1998 bei den meisten Landtagswahlen verloren. Es ist reichlich naheliegend und schon mathematisch nachvollziehbar, dass dann nicht viele Kandidaten übrig bleiben, die hier etwas vorzuweisen haben. Zumindest, wenn man von Spitzenkandidaturen ausgeht.

Wer bliebe? Beck in Rheinland-Pfalz zieht sich allmählich aufs Altenteil zurück und wurde bereits vor wenigen Monaten ziemlich abgehalftert. Dann gibt es noch den Bremer Börnsen, den außerhalb der Hansestadt niemand kennt. So kommen wir zu Olaf Scholz in Hamburg, der bereits abgewunken hat. Nebenbei ist dieser Wahlsieger bei Linken ebenfalls nicht wohlgelitten. Bliebe zum Schluss noch Wowereit, der Hoffnungsträger all jener, die sich immer noch ein Rot-Rot-Grünes Bündnis erhoffen. Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass Berlins Regierender Bürgermeister seine Wahl im Herbst gewinnt, ich selbst habe darauf gewettet. Allerdings scheint Wowi nicht bereit, sich die Mühsal der bundespolitischen Spitzenposition antun zu wollen. Er gilt ja auch nicht gerade als Arbeitstier. Zudem steht er für eine Konstellation, die angesichts der desaströsen Lage der Linkspartei keine Konjunktur hat. Damit wäre er ganz sicher auf einem Verliererticket.

Fasst man zusammen, dann meinen die Kritiker Steinbrücks implizit, die SPD solle gleich ohne Spitzenkandidaten antreten. Das zeigt nicht gerade politische und vor allem demokratische Reife. Hannelore Kraft hat in einem Kernland der SPD eine Wahl verloren, nach Zugkraft sieht das nicht aus.

Auch Ihre sonstigen Einwände gegen Steinbrück sind nicht stichhaltig, ja, eher sprechen sie für den Mann. Merkel mangelt es doch genau an der Fähigkeit, der Bevölkerung politische Entscheidungen zu vermitteln. Sie machen aus Steinbrücks Talent zur Vermittlung komlizierter Sachverhalte einen Malus. Staatssekretär Asmussen diente bisher 5 Bundesministern von drei verschiedenen Parteien und wurde nur von dem ebenfalls höchst umstrittenen Heiner Flassbeck nicht geschätzt. Nach fachlicher Inkompetenz sieht das nicht aus.

Sich politisch zu irren, gehört zum Geschäft. Falls Sie irgendwann mal etwas mit Zukunftsplanung zu tun hatten, wissen Sie das. Die meisten haben keine Ahnung.

35) StefanP, Mittwoch, 20. Juli 2011, 12:08 Uhr

@Gregor Keuschnig

Steinbrücks Präferenz wären die Liberalen, doch das ist machtarithmetisch derzeit nicht denkbar. Wenn es im Deutschen Bundestag nach der nächsten Wahl eine rot-grüne Mehrheit geben würde (wovon ich ausgehe), so bliebe auch einem Kanzlerkandidaten nichts anderes übrig als in dieser Konstellation zu regieren.

36) LarsW, Mittwoch, 20. Juli 2011, 12:38 Uhr

“Dann ist wohl er daran Schuld, dass zur Zeit alle gernen unseren Arbeitsmarkt hätten”
Ich kann mir nicht vorstellen, dass andere Länder einen Arbeitsmarkt wollen, in dem in den letzten 10 Jahren die Löhne inflationsbereinigt bestenfalls stagniert und schlimmstenfalls gesunken sind und Millionen Menschen nicht von ihrer Vollzeitstelle leben können und Sozialhilfe bekommen.

37) Frankilein66, Mittwoch, 20. Juli 2011, 12:40 Uhr

Was macht eigentlich Ralf Stegner aus Schleswig-Holstein? Von dem hat man in der letzten Zeit gar nix mehr gehört!
Einen Bundeskanzler mit Fliege hatten wir noch nie! Er hat zwar auch noch keine Wahl gewonnen, dafür hat er aber als Fliegenträger das “kanzlerabelste” Outfit.

Allerdings hat Fliegenträger Wolfgang Schüssel aus Österreich nach seiner Wahl zum Bundeskanzler die Fliege abgelegt und nur noch Schlips getragen, ich frage mich bis heute warum?

38) LarsW, Mittwoch, 20. Juli 2011, 13:10 Uhr

Wenns nur um die Fliege geht kann ja Karl Lauterbach Kanzler werden.

39) Mark, Mittwoch, 20. Juli 2011, 14:02 Uhr

Ich glaube, dass sich die SPD am Montag ganz bewußt für eine große Koalition in Stellung gebracht hat. Diese könnte schon im Herbst kommen, falls sich die FDP den Eurorettungen verweigern sollte.

Die SPD-Troika hat ja ganz klar gemacht, dass sie auch “unpopuläre Entscheidungen” mittragen würde (was schon eine ganz pikante Note trägt). Anders formuliert: Wenn die FDP ausfällt, steht die SPD sofort zur Verfügung. Schäuble könnte in Rente gehen und durch Steinbrück ersetzt werden. Einen Politikwechsel würde es mit Sicherheit nicht geben, da sich Merkel und Steinbrück ja schon kennen.

Und so kann die SPD als Wahlalternative endgültig abgeschrieben werden. (Das dicke Ende kommt dann 2013, aber das ist ja noch laaaaang hin.)

40) Escape, Mittwoch, 20. Juli 2011, 14:22 Uhr

Also, wer auf Grund dieser Selbstdarstellung der “S”PD-Politiker diese Opportunistenpartei wählt, tut mir Leid.

41) Don Corleone, Mittwoch, 20. Juli 2011, 14:39 Uhr

“Bei allem Spott, bei den Wählern wird von diesem Bild im Gedächtnis bleiben: die SPD ist vielleicht doch eine Alternative.”
Bei allem Respekt, Herr Spreng, vor Ihrer Erfahrung und Ihrem Scharfsinn:
Diese Alternative ist ebenso einladend wie die Wahl zwischen Not (Schwarz-Gelb) und Elend (Rot-Grün).
Beide WG-ähnlichen Bettgenossenschaften lassen nicht davon ab,
(a) Deutschlands industrielle Basis durch Öko-Diktatur zu unterminieren, wenn nicht gar zu vernichten, was besonders den EU-”Schwesterstaat” Frankreich tierisch freut;
(b) die eh schon abnehmende Zahl der Leistungsträger (primär den Mittelstand) durch krebsartig wachsende Bürokratie und Abgabenlast zu demotivieren und aus dem Land zu treiben;
(c) durch kreditfinanzierte Wählerbestechung an der pfründenträchtigen Macht zu bleiben;
(d) die Verschuldung weiterhin lawinenartig ansteigen zu lassen,
(e) somit die Bundesrepublik binnen weniger Jahre in die Reihen der PIIGS-Defraudanten zu katapultieren.

Diese strange bedfellows sind weder Alternativen noch eine Hoffnung für die Zukunft.

42) Jack, Mittwoch, 20. Juli 2011, 15:37 Uhr

Man kann einiges in diese Vorstellung hineinlesen: die Schwäche des Vorsitzenden Gabriel zum Beispiel. Eine neue Troika der SPD? Warum nicht. Es mangelt einfach an weiteren Alternativen in der Partei.
Steinbrück als neue Nr. 3? Nun ja, vielleicht kam man beim Thema Euro-Krise einfach nicht an ihm vorbei. Der Mann hat schließlich ein ganzes – und wie ich finde ziemlich aufschlussreiches Buch – zur Finanz- und Wirtschaftskrise geschrieben. Ihn bei dem medienwirksam unterbreiteten Angebot zur Unterstützung in der Eurokrise dabei zu haben, war sicherlich ein guter Schachzug.
Eher verwundert die Anwesenheit von Steinmeier in diesem Zusammenhang, Fraktionsvorsitzender hin oder her.
Die aktuell hohe Popularität von Steinbrück in den Umfragen mag natürlich auch ein Grund gewesen sein.
Aber eigentlich hat er seine Karriere hinter sich.

43) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 20. Juli 2011, 18:42 Uhr

@Christian

^^Einen ungeeigneteren und schlechteren Kandidaten gibt es kaum, sendet er doch die klare Botrschaft: Die SPD hat aus ihren Nioederlagen nichts gelernt und pfeift auf ihre Wähler.^^

Richtig, genau das ist der Punkt! Eine Partei zu wählen, die eine Politik betreibt, die das Zocken erst möglich gemacht hat, Armutslöhne legalisiert, sich von der Politik der Koalitionäre, wenn überhaupt, nur marginal unterscheidet… was hieße das? Antwort: Sich im Branchenbuch nach einem Psychiater umzusehen…

44) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 20. Juli 2011, 19:01 Uhr

@Ste

^^Haben Sie, Herr Spreng, nicht erst vor einiger Zeit gemeint, dass Steinbrück sich selbst den Posten des Kanzlerkandidaten verbaut hat? Da gab es doch mal hier ein Blogartikel dazu….^^

Steinbrück hat mit seiner selbstgewählten Performance die Pflastersteine zum Schmeißen selbst bereitgestellt. Daran werden die Medien auch nichts ändern; jedenfalls nicht bei den Leuten, die den Herrn auf seine Kompetenz hin durchleuchten. Die kommen nämlich zwangsläufig zu dem Schluß: hier handelt es sich um einen Blender mit staatsmännischen Habitus, aber nur oberflächlich.

45) M.M., Donnerstag, 21. Juli 2011, 00:05 Uhr

Alles Lüge! Keiner von den Dreien zieht irgendeinen Karren aus dem Dreck!

46) sk8erBLN, Donnerstag, 21. Juli 2011, 08:40 Uhr

@ Peter Christian Nowak

Ganz herzlichen Dank für Ihre zutreffenden Ausführungen zur Person Steinbrück. In der Tat eher ein “schlechter Film” als ein Befreiungsschlag.

Leider vermute ich dass das den Wählern tatsächlich imponiert. Deren Sehnsucht nach “Fühergestalten” ließ sich zuletzt noch gut bei KTG beobachten. Merkels nicht vorhandenen Führungswillen und ihre Wankelmütigkeit zu überbieten ist so schwer nicht. Nur dass dabei sinnvolles heraus käme mit der neuen “Lichtgestalt Steinbrück” ist leider nicht zu erwarten. Er wird sich glücklich shätzen dass parteieigene Kritiker inzwischen verstorben sind. Ich denke da u.a. an Hermann Scheers
“Der Hochtrabende

Die größten Kritiker der Platzhirsche sind selber welche – eine Replik auf Peer Steinbrück”
wo es heißt;
“…Als Ursache der Finanzkrise benennt er die „lange Lunte“ jahrelang erfolgter ungezügelter globaler Finanztransaktionen mit der „Blase des Immobilien-, Aktien- und Anlagenmarkts“. Er hält vor allem sich selbst zugute, dass Deutschland die Finanzkrise bisher so gut bewältigt habe, nicht zuletzt durch das 80 Milliarden Euro schwere Konjunkturprogramm. Bescheiden sind die Hinweise auf eigene Fehler, weil sein „Radar“ nicht gereicht habe, etwa die uferlosen Hypothekenverschuldungen wahrzunehmen – und weil die Kritiker dieser Entwicklung „vergessen“, wie sehr das Gros der Ökonomen, Wirtschaftsjournalisten und Verfechter des angelsächsischen Finanzkapitalismus das Meinungsbild dominierten. Dem ist er allzu lange selbst gefolgt – entgegen seiner Betonung politischer Führung, die sich gegen abwegige herrschende Meinungen zu stellen hat.

Wie sehr stattdessen auch die rot-grüne Finanzpolitik die Lunte der Finanzkrise mitgelegt hat – stets von Steinbrück unterstützt und dann als Finanzminister aktiv betrieben, belegt die Serie entsprechender Gesetze: 2002 das Finanzmarktförderungsgesetz, das die Spielräume von Investmentfonds und Hypothekenbanken erweiterte; 2003 wurden verbriefte Kreditforderungen ausgeweitet, wurde den Hedge-Fonds die Türen geöffnet; 2004 die Steuererleichterungen für Private Equity-Firmen; 2006 die Steuerbefreiung der Gewinne, die Unternehmen eines Konzerns untereinander erwirtschaften; 2007 folgte das Gesetz zur Schaffung deutscher Immobilien-Aktiengesellschaften und die Reduzierung der Körperschaftssteuer von 25 auf 15 Prozent, die Durchlichtung der Regelungsdichte für Investmentfonds und deren Öffnung für neue so genannte Finanzmarktprodukte. So entstand der Sumpf, in dem die Hypo Real Estate erblühen und uns vor einen „Abgrund“ (Steinbrück) führen konnte. Eine plausible Begründung, warum sie durch Verstaatlichung und mit inzwischen 142 Milliarden Euro staatlicher Bürgschaften gerettet werden musste, ist auch in Steinbrücks Buch nicht zu finden. Vor vielen dieser Gesetze wurde nicht zuletzt und vergeblich auch in SPD-Gremien gewarnt….”

http://www.freitag.de/datenbank/freitag/2010/38/der-hochtrabende/print

Der Mann der sich zum potentiellen Retter aufschwingt ist zutiefst direkt verantwortlich für die Entwicklungen der Finanzkrise von 2008. Ob er daraus gelernt hat müsste er erst noch beweisen.

47) Frankilein66, Donnerstag, 21. Juli 2011, 09:39 Uhr

Mir geht diese Kandidatenbeschimpfung langsam auf die Nerven! Wir müssen uns nunmal mit dem vorhandenen Personal abfinden, einen Superkanzler können wir uns leider nicht schnitzen. Natürlich kann man jetzt jedem Politiker buchhalterisch seine Fehler der Vergangenheit vorwerfen, Steinbrück hat auch welche gemacht, wurde ja oben in epischer Breite ausgewalzt.

Wenn die SPD bei der Bundestagswahl 2013 Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten aufstellt werde ich ihn, bzw. die SPD wählen. Dabei ist mir das Parteiprogramm schnurzegal, ich finde ihn einfach als Typ gut! Punkt!

48) Martin L., Donnerstag, 21. Juli 2011, 10:38 Uhr

Endlich einmal ausdrucksstarke einer sonst so zerstückelt wirkenden SPD. Ich sehe allerdings nicht nur PR in den Bildern. Es geht schließlich um viel mehr als nur um Wahlkampf. Die SPD definiert derzeit ein neues Selbstbewusstsein, das nicht nur bei den Potentiellen Wählern gut ankommen mag, sondern vor allem innerhalb der Partei selbst. Steinmeier und Gabriel hatten ihre Momente im Scheinwerferlicht bereits, Steinbrück hat es bisher strategisch klug umgangen. Eine Alternative ist die SPD allerdings nur dann, wenn es auch die CDU schafft sich neu zu formieren. Denn sonst hat die SPD die Wahl schon jetzt gewonnen. Martin http://sekundemal.blogspot.com/

49) EStz, Donnerstag, 21. Juli 2011, 12:41 Uhr

Rot-Grün hat bewiesen, dass sie den Karren nicht aus dem Dreck ziehen konnten.
Schwarz-Rot hat bewiesen, dass sie den Karren nicht aus dem Dreck ziehen konnten.
Schwarz-Gelb hat bewiesen, dass sie den Karren noch tiefer in den Dreck hinein stossen.
Ganz Rot hat bewiesen, dass sie nicht einmal sich selbst aus dem Dreck ziehen können.

Angela Merkel ist führungsunsfähig und konzeptlos.
Wolfgang Schäuble ist alt und bockig.
Sigmar Gabriel ist ein Filou und nicht ernst zu nehmen.
Peer Steinbrück ein Großmaul. Jürgen Trittin auch.
Klaus Wowereit ist faul.
Hannelore Kraft ist bestenfalls Quote.
Frank-Walter Steinmeier ist ein Weichei. Philip Rösler auch.

Sind das unsere Besten? Oder noch schlimmer – unsere Einzigen?

Stefan P hat Recht, Peter Christian Nowak und Don Corleone aber auch. Wenn jetzt Wahl wäre, könnte ich nicht hingehen. Da ich glaube, dass uns auf kürzere oder bestenfalls mittlere Sicht jede der großen Parteien ins Unglück stürzt, würde ich hoffen, dass die anderen gewinnen (egal, wo ich mein Kreuzchen mache), nur damit ich die dann nicht auch noch gewählt hätte.

So ein Gefühl der Hilf- und Ahnungslosigkeit hatte ich noch nie…

50) StefanP, Donnerstag, 21. Juli 2011, 15:59 Uhr

@EStz

Ich hoffe für Sie, dass Sie keine Menschen einstellen müßen und nicht über Karrieren entscheiden. Menschen sind unvollkommen und fehlerhaft, als Partner, Arbeitnehmer und natürlich als Politiker. In einer Demokratie entscheiden Sie immer nur für den am besten Geigneten für den Job von jenen, die zur Verfügung stehen.

Deshalb will ich auch nicht mit den von Ihnen Genannten in einen Topf geworfen zu werden. Ich plädiere positiv. Alles andere ist undemokratisch und unreif.

51) EStz, Donnerstag, 21. Juli 2011, 18:12 Uhr

@ Stefan P.

:-)

Da haben wir, vermute ich, ein Mißverständnis. Es ging mir nicht um ein “In-den-gleichen-Topf-werfen”, sondern darum, dass ich jeden verstehe, der schimpft und “alles Scheiße” schreit, aber auch die, die sagen, mehr haben wir nicht, machen wir das beste draus. Ich habe deshalb die Gegensätze gegeneinander stellen wollen, also nix für ungut.

In mir sieht es ähnlich widersprüchlich aus. Ich sehe für mich derzeit keine Möglichkeit, “den am besten Geeigneten” zu finden, momentan sehe ich eher große Übel und ganz große Übel.

Frau Merkel zeigt sich als hoffnungslos überfordert, Herr Gabriel geht gar nicht (als Regierungschef; als Parteichef gab es, zugegeben, schon Schlechtere); Herr Steinmeier scheint ein exzellenter Flügelmann zu sein, aber ohne eigenen Kurs und damit als “Leader of the Pack” ungeeignet. Peer Steinbrück hat sich, was die Deregulierung angeht, nicht mit Ruhm bekleckert. Wenn er was daraus gelernt hat, ist ja gut. Aber wenn nicht? Er vertut sich ja schon gelegentlich mit den Begrifflichkeiten…

Wie auch immer – meine ganz persönliche Kompaßnadel kreiselt heftig.

Ich habe übrigends durchaus schon Personalverantwortung getragen, Leute eingestellt, habe eigene Kinder (die noch alle mit mir reden), bin seit Jahrzehnten verheiratet. Ich weiß also um die Unzulänglichkeiten der Menschen (hab ja selbst genug Fehler). Aber das, was seit geraumer Zeit in Berlin passiert, riskiert und ruiniert viele Existenzen; nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft. Und jeder Unternehmer, der sich solche Sachen leistet wie die Berliner Regierung, landet über kurz oder lang im Knast.

Und egal, bei wem ich bislang mit viel Kopfweh und Bauchgrimmen mein Kreuzchen gemacht habe – nachher steht der oder die Betreffende da, macht irgend einen Scheiß und faselt vom Wählerauftrag. Und da mag ich einfach nicht mehr… (vielleicht gibt sich das ja bis zur nächsten Wahl, wann immer die ist).

52) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 21. Juli 2011, 21:31 Uhr

@Frankilein

°°werde ich ihn, bzw. die SPD wählen. Dabei ist mir das Parteiprogramm schnurzegal, ich finde ihn einfach als Typ gut! Punkt!°°

…und ich werde Lady Gaga wählen! Jawollja! Auf Kompetenz kommt es schließlich nicht an, sondern nur darauf, ob jemand ein dufter Typ ist. Bushido wär doch auch ein toller Typ…

Jetzt sind Sie genau dort gelandet, lieber Frankilein, wohin man Sie haben wollte. Glückwunsch!

53) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 21. Juli 2011, 21:40 Uhr

@sk8erBLN,

Danke für die Präzisierungen in der “Vita” Steinbrück.

Aber wie Sie weiter unten lesen können, werden auch die konsequent von Teilen des erlauchten Publikums ignoriert.
In der Psychiatrie übersetzt man das mit “Wirklichkeitsverdrängung durch exogene Reizüberflutung”. Wenn sie epidemisch wird, wirkt sie negativ auf die kollektive Wahrnehmungsfähigkeit von Realitäten.

54) Frankilein66, Freitag, 22. Juli 2011, 10:09 Uhr

@Peter Christian Nowak

Eigentlich war ich in der Vergangenheit sachliche und sprachlich auf hohem Niveau stehende Beiträge gewohnt.
Schade, dass sie sich entschlossen haben der Polemiker-Fraktion beizutreten!

Wir wissen doch aus der Vergangenheit, das Parteiprogramme nach der Wahl sowieso Makulatur sind, wer seine Wahlentscheidung davon abhängig macht, ist naiv. Wir leben in einer Kanzlerdemokratie, das haben wir doch jetzt beim Atomausstieg wieder gesehen, oder glauben sie die CDU als Gesamtpartei ist für den Ausstieg? Merkel wollte ihn, deshalb haben wir ihn, im Parteiprogramm steht was anderes.

Deswegen schaue ich mir die Personen genau an und entscheide nach persönlichen Kompetenzen, natürlich nach meiner subjektiven Wahrnehmung.

55) StefanP, Freitag, 22. Juli 2011, 11:02 Uhr

@EStz

“Wie auch immer – meine ganz persönliche Kompaßnadel kreiselt heftig.”

Das hat bei mir spätestens angefangen, als ich mich für Mädchen zu interessieren begann. ;-) Jede hat ihre Reize, aber auch Unzulänglichkeiten…

Nirgends ist die Welt so ordentlich wie auf dem Papier. Und deswegen wandert man auch nicht so schnell in den Knast.Ich habe mich in meinem Leben schon oft und heftig geirrt und ich habe einige falsche Entscheidungen getroffen. Ich weiß, wie verdammt schwierig es ist, richtige Entscheidungen von großer Tragweite zu treffen. Peer Steinbrück hat in der Finanzkrise selbst viel richtig gemacht. Das gestehen ihm Fachleute zu, die sich in der komplexen Materie auskennen. Und das sieht die Mehrheit der Bürger und Wähler so.

Ich bin ehrlich: ich hatte 2008 / 2009 auch sehr viel an der damaligen Bundesregierung zu kritisieren. Ich muss aber zugestehen, dass die Regierungsarbeit besser war als ich empfohlen hätte.

56) EStz, Freitag, 22. Juli 2011, 13:28 Uhr

@ Stefan P

Ich habe auch den einen oder anderen dummen Spruch über die große Koalition abgelassen; im Vergleich zur aktuellen Regierung hat sie tolle Arbeit geleistet. Wenn man den Vorher-Nachher-Vergleich macht, muss das dann wohl an der SPD gelegen haben….

Aber seit mir der Wahl-O-Mat bei der letzten Wahl die NPD oder die Linke empfahl (ich bin gegen den Einsatz deutscher Truppen in Afghanistan), bin ich, wie es so schön heißt, irgendwie mit der Gesamtsituation unzufrieden.

57) Peter Christian Nowak, Freitag, 22. Juli 2011, 17:48 Uhr

@Frankilein

Wenn es denn so weit kommt, daß reine Äußerlichkeiten den Maßstab von Wahlentscheidung bilden, weil eigentlich nach Kompetenzkriterien der oder die Auserwählte ein ungenügend bekommen müßte, so kann ich nicht danach gehen, ob jemand sympathisch rüberkommt oder nicht. Man steht da als Wähler wirklich vor einem Dilemma. Andererseits kann man sich vor diesem Dilemma nicht drücken, sondern muß zu einer entscheidung kommen. Daß jemand “ein dufter Typ” ist, den man ausschließlich aus diesem Grund wählt, weil ansonsten objektiv nichts an ihm dran ist, sollte jdenfalls nicht entscheidend sein. Daher, zugegebenermaßen, mein Zynismus. Sorry.
Wir haben in dieser Welt schon genügend selbsternannte “Stars”. Und es gab mal eine Zeit, in der Leistung Voraussetzung für Anerkennung war. Das hat sich seit dem Medien gestüzten Politikbetrieb im letzten Jahrzehnt geändert: Es zählt kaum mehr der Inhalt, mehr die mediale (filmogene) Performance nebst Eloquenz. Vorsicht, bevor man so etwas toll findet!
Und natürlich haben Sie Recht mit der These, daß Parteiprogramme (viel zu oft) lediglich einer günstigen PR dienen. Aber im zweiten Gedanken schließen Sie auf mit der These, man sei naiv, sie von der Wahlentscheidung abhängig zu machen. Gebe ich Ihnen Recht!
Denn an uns Wählern liegt es, die Politik zur Glaubwürdigkeit zu zwingen, indem wir beharrlich und unaufhörlich dieselbe einfordern. Nicht nachlassen mit Kritik, da wo Kritik angebracht, ja notwendig ist und uns des Instrumentariums kritischen Denkens zu bedienen.
Mir schien im Augenblick meiner persönlichen Wahrnehmung Ihres Beitrages gleichsam der Kontrapunkt kritischen Denkens erreicht, den ich mit Zynismus beantwortet habe. Mag sein, daß ich hier polemisch überzogen habe. Nochmals, sorry!

58) Lothar Klouten, Freitag, 22. Juli 2011, 18:54 Uhr

Das hatten wir doch schon einmal. Auch diesmal wird der soziademokratische Sozialdawirnismus dafür sorgen: Es kann nur einen geben.

59) sk8erBLN, Samstag, 23. Juli 2011, 10:49 Uhr

@ Peter Christian Nowak
Oh ja, Lady Gaga for chancellor!!!

“Wirklichkeitsverdrängung durch exogene Reizüberflutung”.Wenn sie epidemisch wird, wirkt sie negativ auf die kollektive Wahrnehmungsfähigkeit von Realitäten.”

Das trifft den Nagel (leider) auf den Kopf. Und es gilt nicht nur für Bürger und Wähler sondern auch für “Qualitätsjournalisten” denen die Fähigkeit zu scharfer Analyse ebenso abhanden gekommen ist. In aktuellem Zusammenhang mit dem Euro-Bailout zum Beispiel. Warum sonst kann ich nirgends lesen

“The Fatal Flaw In Europe’s Second “Bazooka” Bailout: 82 Million Soon To Be Very Angry Germans, Or How Euro Bailout #2 Could Cost Up To 56% Of German GDP

And here is where the whole premise breaks down, if not from a financial standpoint, then certainly from a political one: “As the guarantees of the periphery including Italy are worthless, the Guarantee Germany would have to provide rises to €790bn or 32% of GDP.” That’s right: by not monetizing European debt on its books, the ECB has effectively left Germany holding the bag to the entire European bailout via the blank check SPV. The cost if things go wrong: a third of the country economic output, and the worst case scenario: a depression the likes of which Germany has not seen since the 1920-30s. Oh, and if France gets downgraded, Germany’s pro rata share of funding the EFSF jumps to a mindboggling €1.385 trillion, or 56% of German GDP!
http://www.zerohedge.com/article/fatal-flaw-europes-second-bazooka-bailout-82-million-soon-be-very-angry-germans

Im Wirtschaftsblog “weissgarnix.de” knöpft man sih diesen nacchdenkenswerten Detailaspekt des “Rettungspakets 2.0 für Griechenland” heraus:
“Schaut euch beispielsweise diesen Satz an, der einen Teil der Beteiligung der Banken an dem Rettungspaket definiert:

The fourth option is a] Discount Bond Exchange offered at 80% of par value for a 15 year instrument. The principal is partially collateralized with 80% of losses being covered up to a maximum of 40% of the notional value of the new instrument. The collateral is provided by funds held in escrow. These funds are borrowed by Greece from the EFSF. The EFSF funding costs are covered by the interest earned on the funds in the escrow account so there is no funding cost to Greece of this collateral. The funds in escrow are returned to the EFSF on maturity, if not used, and the principal on the bond is repaid by Greece.

Wer zahlt hier was an wen und wer garantiert wann für was? Es dürfte einige Tage dauern, bis die wirklich schlauen Analysten die Details des Pakets verdaut, verstanden und bewertet haben. Die Griechenland-DLRG sollte eigentlich aus den vorhandenen rund 30 Optionen die besten auswählen, nicht alle.
http://www.weissgarnix.de/2011/07/22/schatz-es-ist-nicht-so-wie-du-denkst/

>Reizüberflutung pur,:XD so fällt denn auch kaum auf dass die angestrebte Entschuldung GRs nur rund 20% beträgt statt benötigter ca. 50%, dass der so genannte Marshalplan zur “Reanimation” der Grichischen Wirtschaft gänzlich inhaltsleer blieb. Es bleibt die Botschaft “hurra, wir haben was getan und (erstmal) kann es so weitergehen, neue Kredite für GR und alle klopfen sich gegenseitig auf die Schultern und grinsen grenzdebil glücklich in jede herumstehende Kamera siehe http://www.spiegel.de/images/image-240089-thumb-csxu.jpg
und hier
http://www.spiegel.de/politik/ausland/bild-775624-239799.html
. Wenn Merkel Glück hat kracht es erst nach 2013 :XD

Na dann kann man ja jetzt, wo alles in vermeintlich trockenen Tüchern ist, auch die Katze aus dem Sack lassen: Z.B. dass sich der IFO Geschäftsklimaindex beträchtlich abgekühlt hat so wie auch der Einkaufsmanagerindex für die Industrie , Schluss also mit dem Turboaufschwung, schöne Ferien Angie, lt. Pressekonferenz gestern ist ja alles gut.

60) Peter Christian Nowak, Samstag, 23. Juli 2011, 20:51 Uhr

Hier noch eine Ergänzung zu Ihrer Analyse: Ackermann hat für die notleidenden Griechenlandanleihen phantastische Zinssätze ausgehandelt. Trotzdem bejammert er, wie von einem guten Banker gewohnt, die 21% Abschreibung. Laufzeit der Anleihen: 30 Jahre. Der EFSF (Europäische Rettungsfond) gewinnt 30 Jahre Zeit. Erst in 30 Jahren wird der volle Nennwert für die Banken fällig.Der jetzige Deal, der weit unterhalb dieser 21 Prozent liegt, ist keine Beteiligung des Privatsektors, sondern ein Bailout erster Güte. Überflüssig zu erwähnen, dass die Zeche einmal mehr der Steuerzahler zahlen muss. Im Jahre 2041, wenn die EFSF-Anleihen auslaufen, werden die Verantwortlichen jedoch bereits im Ruhestand sein. Die Rechnung für die „Beteiligung des Privatsektors“ wird die nächste Generation zu tragen haben.
Wenn allerdings die Griechen vorzeitig das Handtuch schmeißen und vorzeitig den “Offenbacher” machen, dann allerdings wird´s ernst in Deutschland…Rolladen runter…”Wir sind außer Haus”…nur nützen wird´s nix!
Man hat sich erst mal Zeit gekauft.

61) sk8erBLN, Sonntag, 24. Juli 2011, 10:55 Uhr

Auch die Ergänzung ist eine Punktlandung. Die Idee sich wieder einmal “Zeit zu kaufen” wird nümlich erneut nicht wirklich aufgehen: Wobei genau genommen ist es noch viel besser (es lohnt sich das genauer anzuschauen:
EU-Rettungspaket: Die Details, so wie ich sie verstanden habe
http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/2011/07/eu-rettungspaket-die-details-so-wie-ich.html

Sehr treffend auch ein dortiger Userkommentar:
“Dass das ganze wieder nur eine Mogelpackung ist, konnte man an der Reaktion der Börse doch schön sehen.

Wegen des “substantiellen” Beitrages sind prompt die Börsenkurse der Banken gestiegen.

Was ich mich seit geraumer Zeit frage: Ist die Politik so blöde, dass sie nicht merkt, wie sie am Nasenring durch die Manege gezerrt wird oder was ist da los?”

Apropos “was merken” Diese Politiker merken in der Tat gar nichts mehr. Zur Erheiterung dieses tristen Themas ein kleiner Einschub -Experten bei der Arbeit:
Extra3: Caro Korneli bei der CDU-Medianight
http://www.youtube.com/watch?v=RWP-XgveTxE

“”Google beschäftigt uns viele STUNDEN am Tage” O Ton Merkel. Kein Wunder, dass sie keine Zeit zur Erfüllung ihres Amtseides hat.”
“Wir brauchen endlichen ein Zwischenlager für Internet-Daten!” Ja, von mir aus. Insbesondere aber wird ein Endlager für unfähige Politiker benötigt, sicherer als die Asse. Und bis dahin schlage ich Stresstests für Politiker vor. Irgendwie muss diesem Dilettantismus dringend Einhalt geboten werden.

Da das Internet ja “demnächst voll ist”und apropos Ruhestand.:

Das wohl in meinen Augen beste Wirtschaftsblog http://www.weissgarnix.de existiert in kürze nicht mehr.
http://www.weissgarnix.de/2011/07/23/am-9-9-ist-schluss/#comment-122680

Leider kein verspäteter Aprilscherz.

62) Peter Christian Nowak, Sonntag, 24. Juli 2011, 20:18 Uhr

@sk8erBLN,

Wissen Sie warum? Wird der Blog gesperrt? Von wegen Meinungsfreiheit?

63) sk8erBLN, Sonntag, 24. Juli 2011, 21:57 Uhr

@ Peter Christian Nowak

nein, ich habe nur die offizielle Begründung siehe http://www.weissgarnix.de/2011/07/23/am-9-9-ist-schluss/#comment-122680 gelesen und einige redaktionelle Ergänzungen in den Kommentaren die deutlich machten, dass f.luebberding als co-Autor selbst ein wenig ratlos ist ob und ggf. wie es weitergehen könnte.

Ich denke aber nicht dass es um Beschneidung von Meinungsfreiheit ging, dazu ist das Blog und die dahinter stehenden Autoren zu bekannt als dass sie sich den Mund verbieten ließen.
Ob die offizielle Begründung stimmt traue ich mich jedoch nicht einzuschätzen.

64) Martin, Sonntag, 31. Juli 2011, 21:17 Uhr

stefanolix: “[...] Angela Merkel hat ihre Kandidatur bereits angekündigt (manche denken: angedroht) und es wird in der CDU bis dahin auch niemand nachgewachsen sein. Eine CDU mit Angela Merkel ist sicher gut für 33% und vielleicht belegt sie damit auch den ersten Platz. Aber es wird nicht mehr für eine Koalition reichen.”

Nee, wenn die CDU bei den Stimmenauszählungen nicht selber die Zahlen fälscht (wie Angie das aus der DDR kannte) wird das nichts mehr.

Meinnr Meinung nach ist die CDU unter Merkel sehr weit nach links gerückt (siehe Atomausstieg, Reichensteuer etc.). Sie vertritt heute Meinungen, wie sie früher nur die Linken hatten.

Und da wählt man als Wähler doch lieber das Original, als die (Ost-)Kopie!

65) Martin, Sonntag, 31. Juli 2011, 21:24 Uhr

Andronico:
“Leider steht zu befürchten, dass Steinbrück trotzdem Kanzlerkandidat und vielleicht sogar Kanzler wird (nur, wenn es für Rot-Grün mit SDP vor den Grünen reicht). Die Medienkamapgne pro Steinbrück ist schon in vollem Gange. Interessant, welche Medien jetzt auf einmal ihre Liebe zu Steinbrück entdecken.”

Wieso verwunderlich? Bitte nicht vergessen, dass ein großer Teil der deutschen Printmedien der SPD (genauer: einer Tochter) gehören!!!
Und da wird natürlich schon bei der Einstellung eines/-r Journalisten/-in die Gesinnung geprüft, und nur Artikel, die der Leitung genehm sind, dürfen veröffentlicht werden.

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