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Sonntag, 24. Juli 2011, 12:39 Uhr

Spaß und Arbeit

Angela Merkel hat erklärt, die Arbeit mache ihr Spaß. Das ist ihr zu gönnen, wenn es auch wenig glaubhaft ist, denn der Kanzlerjob ist mörderisch und das europäische Krisenmanagement ohne jeden Spaßfaktor. Und selbst der Adrenalinkick des Erfolges stellt sich selten ein. Dennoch ist der Kanzlerin Spaß zu gönnen, besonders jetzt in ihrem  Urlaub.

Aber die entscheidende Frage ist nicht, ob die Kanzlerin Spaß an der Arbeit hat, sondern ob die Wähler Spaß an ihrer Arbeit haben. Und das scheint, wenn nicht alle Umfragen lügen, nicht der Fall zu sein. Sie ist nur noch die  fünfbeliebteste Politikerin, zwei potenzielle SPD-Kanzlerkandidaten rangieren vor ihr,  ihre Partei dümpelt bei 32/33 Prozent und ihr Koalitionspartner befindet sich noch immer in der Todesszone unter fünf Prozent.

Es wäre also angebracht, nach der desaströses ersten Halbzeit von Schwarz-Gelb nach Projekten Ausschau zu halten, die den Wählern Spaß machen. Die Steuersenkungen werden es nicht sein: zu gering werden und müssen sie ausfallen und die meisten Wähler beschleicht ein ungutes Gefühl, wenn ihnen Wohltaten auf Pump versprochen werden.

Ein bisschen Spaß würden Steuersenkungen den Wählern vielleicht doch machen, wenn zur Gegenfinanzierung der unsinnigste Beschluss dieser bisher verkorksten Legislaturperiode rückgangig gemacht würde, die Mehrwertsteuersenkung für Hotels. Damit wäre immerhin schon eine Milliarde der Steuersenkungen mit Einsparungen finanziert.

Angela Merkel hat auch erklärt, Deutschland gehe es “so gut wie lange nicht”. Sie verweist auf sinkende Arbeitslosigkeit und Rekordwachstum. Millionen Menschen hören die Botschaft, aber glauben sie nicht. Denn die Realeinkommen sanken in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich um 2,5 Prozent, die der Geringverdiener sogar zweistellig.

Das ist keine Überraschung, denn der Beschäftigungszuwachs beruht nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zu 75 Prozent auf der Zunahme sogenannter atypischer Beschäftigungsverhältnisse – also auf der Zunahme geringfügiger Beschäftigung, Teilzeitarbeit und Zeitarbeit. Die Zahl dieser Beschäftigungsverhältnisse nahm 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 32,5 Prozent zu – Jobs, von den viele nicht oder nur schlecht leben können.

Das heißt: entweder trauen die Unternehmer dem Aufschwung nicht oder sie nutzen Arbeitsformen aus, die nicht für Zeiten der Hochkonjunktur gedacht waren, statt neue feste und gutbezahlte Jobs zu schaffen. Das wäre ein Skandal, aber ein von der Politik geschaffener.

Genau hier könnte Angela Merkels Projekt für die zweite Hälfte der Legislaturperiode ansetzen. Sie könnte die Parole “Arbeit muss sich wieder lohnen” tatsächlich mit Inhalt füllen. Zeitarbeiter müssen bei gleicher Arbeit vom ersten Tag an gleichen Lohn erhalten, denn der Unternehmervorteil der Zeitarbeit liegt in der Flexibiliät, nicht im Niedriglohn. Und eine restriktive Regelung der 400-Euro-Jobs ist überfällig. Und das dritte wäre endlich ein gesetzlicher Mindestlohn, dem Angela Merkel während der Zeit der großen Koalition beinahe schon einmal zugestimmt hätte.

Das bringt zusammen mehr als ihre Steuersenkungspläne. Und die Unternehmer würden ihre Aufschwungdividende ehrlicher mit den Arbeitnehmern teilen.

Dann würde nicht nur Millionen Menschen die Arbeit mehr Spaß machen, sondern sie würden vielleicht auch wieder mehr Spaß an der Arbeit der Kanzlerin finden.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

39 Kommentare

1) bee, Sonntag, 24. Juli 2011, 12:58 Uhr

Eine Konzernmarionette verkündet, dass sich Erwerbsarbeit wieder lohnen soll. Köstlich. Und nächste Woche sagt Ratzinger, Menschenrechte seien gar nicht so schlimm, wie er immer gedacht hätte.

2) Frankilein66, Sonntag, 24. Juli 2011, 13:24 Uhr

@bee

Konzernmarionette?

Wen meinen sie denn damit, doch nicht etwa unsere verehrte Bundeskanzlerin? Das wäre aber ziemlich ungerecht, so wie sie den großen Stromkonzernen mit dem Atomausstieg das fürchten gelehrt hat!

3) Tharben, Sonntag, 24. Juli 2011, 13:39 Uhr

Manchmal machen Sie mir richtig Angst, Herr Spreng.

Lange hatte ich Sie verdächtigt, über beachtliche Vernunft und Verstand zu verfügen. Aber wenn ein ehemaliger Wahlkampfmanager von Edmund Stoiber, ehemaliger Chefredakteur bei Springer und bekennender FDP-Wähler so kluge Sätze schreibt, gerät mein Weltbild – hier die guten Linksliberalen, dort die bösen schwarz-gelben Ichlinge und Neokonservatisten – gefährlich ins Wanken. Wie kommt es, dass es im schwarz-gelben Lager immer noch (einzelne) vernünftige Leute wie Sie gibt? Das erstaunt mich immer wieder.

Oder scherzen Sie nur?

4) Woody Guthrie, Sonntag, 24. Juli 2011, 14:03 Uhr

Großartiger Kommentar Herr Spreng.Wenn Kanzlerin Merkel ihre Ratschläge befolgen würde,würde es bei der CDU bergauf gehen.nur befürchte ich,dass der Arbeitgeberflügel und die Konservativen dies nicht so toll finden würden.
Denke,es wird die nächsten weiter so gehen,viel Blabla wenig Inhalt…

WG

5) Christian Edom, Sonntag, 24. Juli 2011, 14:20 Uhr

Gerade auch als CDA Mitglied in der CDU kann ich den Hinweisen von Michael Spreng auf nötige Reformen bei Zeitarbeit, 400€ Jobs und Miindestlohn nur zustimmen. Die CDA wird eine Lohnuntergrenze auf dem nächsten CDU Bundesparteitag zur Abstimmung stellen. Das ist insbesondere auch nötig, damit die Menschen noch auf eine Rente im Alter kommen, die über dem Sozialhilfeniveau liegt. Karl-Josef Laumann hat sich hier bereits sehr kämpferisch gezeigt. Ein Verbot von Schmutzkonkurrenz liegt auch ganz auf der Eben der Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft und des Ordoliberalismus, Es ist eben an dieser Stelle eindeutig ordungspolitisch geboten, sowohl die Sozialversicherung wie die Solidargemeinscht zu schützen und Anreize für ein ein solides Erwerbsleben aufrecht zu erhalten. Ohne hinreichende Rente drohen den Kommunen oder dem Steuerzahl langfristig Belastungen. Das ist ähnlich schlimm wie andere Formen von Verschuldung.

Im übrigen macht aus meiner Sicht ein Antritt von Merkel 2013 nur Sinn, wenn auch klar die Wahlen mit ihr gewonnen werden können. Eine Bundestagsawahl ist kein Gottesgericht über die zurückliegende Legislaturperiode. Wahlkämpfe sind so zu konzipieren, dass sie auch gewonnen werden können.

Ansonsten ist auf ein offenes Verfahren zu setzen, um den Kanzlerkandidaten der CDU zu bestimmen. In einem offenen Verfahren stellt sich der stärkste Bewerber schon von selbst heraus. Da kann man ganz auf die Dynamik eines solchen Verfahren setzen. Per autoritärer Order von oben, in dem die SPD Steinbrück zum potentiellen Kanzlerkandidaten kürt, sollte die Union nicht verfahren.
Vielleicht sollte die Parteibasis über die Zusammensetzung des Präsdiums und der stellvertretenden Parteivorsitzenden abstimmen. Auch Landeslisten sollten stärker von der Parteibasis mitentschieden werden. Sigmar Gabriel könnte seitens der SPD deutlich mehr Impulse im Bereich der Parteireform setzen, damit Deutschland auch in Zukunft Volksparteien und Mitgliederparteien hat.

6) mac4ever, Sonntag, 24. Juli 2011, 15:42 Uhr

Das, was Sie vorschlagen, wird garantiert nicht passieren. Das würde ja bedeuten, daß Merkel die Interessen der breiten Bevölkerung vertreten müßte, statt die ihrer eigenen Kaste und deren Finanziers. Wer da noch Illusionen hat, dem empfehle ich ausdrücklich Ihren Beitrag vom 15. Juli über Kirch, Kohl und die Umstände Ihrer Ablösung als Chefredakteur der BamS.

Denn es geht darum, daß diejedigen, die schon so viel haben, sich noch mehr aneingen können. Die Geschäftsmodelle der großen Lobbybetreiber sollen geschützt werden, vom Energiekartell über die Pharmaindustrie bis zur Großindustrie.
So wie bei der sog. Gesundheitsreform, die praktisch die Zweiklassenmedizin in D etablierte, mit inzwischen kaum noch erhältlichen Terminen beim Facharzt für Kassenpatienten mit teilweise dramatischen Folgen für den Einzelnen und sofortiger Facharztbehandlung für Privatversicherte – vom Leistungsumfang ganz zu schweigen.

7) Thomas, Sonntag, 24. Juli 2011, 15:43 Uhr

Volle Zustimmung, Herr Spreng. Arbeitnehmer in D werden seit 10 Jahren systematisch die Früchte Ihrer Arbeit vorenthalten. Einkommen der Angestellten müssen wenigstens genauso steigen wie Einkommen aus Kapital, Zeitarbeiter mindestens genausoteuer- eigentlich sogar deutliche teurer- als ihre Kollegen sein.

Solange dies nicht angegangen wird – z.B. mit einem Mindestlohn aber auch Vermögens- und höheren Einkommenssteuern, wird die Ungleichheit und die Frustration mit der Politik wachsen.

Das hat in D schon einmal ein schreckliches Ende gefunden, als plötzlich ein Menschenfänger und seine Helfer auf der Matte standen…

8) Sigmund, Sonntag, 24. Juli 2011, 15:46 Uhr

“sie nutzen Arbeitsformen aus, statt neue feste und gutbezahlte Jobs zu schaffen”

Ich möchte nicht unhöflich sein, aber:
Merken sie das auch schon?
Mit Verlaub, deshalb hat die SPD tausende ihrer Mitglieder und Millionen ihrer Wähler verloren, deshalb hat sich die WASG abgespalten und dann mit der PDS fusioniert (aber lieber werfen wir ihren Wählern Stasi-(N)ostalgie vor), deshalb schreibt sich ihr blog-Konkurrent A. Müller von den Nachdenkseiten (die kennen Sie ja wohl hoffentlich) seit ein paar Jahren die Finger wund usw.
Aber schön, dass auch Ihnen das aufgefallen ist.

9) Hans, Sonntag, 24. Juli 2011, 16:51 Uhr

Die FDP und teile der CDU versuchen gerade mit aller Macht auch noch die Facharbeiter Löhne zu drücken. Dazu werden offensiv Facharbeiter aus anderen EU Länder angelockt. Dazu sollen aus Drittstaaten noch eine ganze Facharbeiterschwemme kommen. Auch wenn keiner kommt, dürften in Dt. keine Facharbeitermangel sein. Die Unternehmen müssten nur länger nach denen Suchen.
Wie sollen die Löhne da steigen? Auf dem Arbeitsmarkt bestimmt auch das Angebot den Preis. Die Gewerkschaften sind heute nur noch bessere Bettvorleger geworden. Selbst die gut Organisierten Dt. Telekom Beschäftigten konnten nur Lohnsteigerungen unter der Inflationsrate durchsetzen. Und das wird auch so weiter gehen. Herbeireden kann Merkel die höheren Löhne auch nicht. Politisch ist Merkel schon eine lahme Ente. Daher wird sie auch keine Gesetze gegen den Wirtschaftsflügel der CDU und FDP durch bekommen.

Solange der Export Boomt, kann Merkel und ihre getreuen noch schön Feiern. Sobald der Export wieder wie 2009 einbricht, wird das Merkel das Genick brechen. Der Aufschwung wird nur vom Export getragen, die Inlandsnachfrage ist seit 2009 noch gesunken.

10) StefanP, Sonntag, 24. Juli 2011, 18:15 Uhr

Der Artikel kann einen aus zwei Perspektiven verzweifeln lassen. Der erste Teil beschäftigt sich mit Platitüden über die ersten beiden Regierungsjahre von Schwarz-Gelb, absolut uninteressant und als Einleitung für das eigentliche Anliegen viel zu lang. Der zweite Teil zu möglichen sinnvollen wirtschafts- und steuerpolitischen Initiativen strotzt vor Plattheiten ohne Substanz.

Der Großteil der Beschäftigten erwartet für dieses Jahr deutliche Reallohnzuwächse, weshalb im Vorgriff hierauf sowohl das Konsumklima als auch die Nachfrage deutlich gestiegen ist. So haben z.B. fast alle Automobilhersteller lange Wartezeiten für die meisten ihrer Modelle. In diesem Sommer waren viele Reiseziele ausgebucht und auf den Einkaufsmeilen auf der Frankfurter Zeil, der Düsseldorfer Kö und in Hamburg verzeichnet man Rekordumsätze. Die Deutschen in Kauflaune.

Wenn man den Reallohnverlust der deutschen Arbeitnehmer beklagt, so kommt man nicht umhin, die Schuld hierfür beim Staat zu suchen. Auf der einen Seite belastete er die abhängig Beschäftigten mit steigenden Steuern und Abgaben, auf der anderen Seite war er der größte Preis- und Inflationstreiber der letzten 2 Jahrzehnte. Dass diese Gier des Staates nun von den Arbeitgebern ausgeglichen werden soll, folgt dem Motto: Haltet den Dieb!

Minijobs sind bei bestimmten Gruppen gefragt, unter anderem Langzeitarbeitslosen, nicht jedoch bei Kurzzeitarbeitslosen. Die Analyse der Arbeitsmarktsituation sprengt hier deutlich den Rahmen, aber die Welt ist nicht so einfach wie oben hingepinnt. Z.B. ist die Nachfrage nach einfacher Arbeit mit 6-8% der Beschäftigten relativ konstant, dagegen ist der Anteil der Geringqualifizierten – Hauptschulabgänger und Erwerbsfähige ohne Schulabschluss, für die diese Jobs geeignet sind – in den vergangenen 2 Dekaden um 2 oder 3 Prozentpunkte auf 18% gestiegen. Es ist nur logisch, dass diese Gruppen am Arbeitsmarkt unter Druck geraten.

In den 80er und 90er Jahren beklagten Politik und Gewerkschafter unisono – Herr Spreng, Sie sind alt genug sich daran noch erinnern zu können – Rekordüberstunden in Hochkonjunkturphasen. Überstunden sind genauso wie Zeitarbeit Arbeitspuffer in Märkten mit hochregulierten Beschäftigungsverhältnissen. In Arbeitsmärkten mit flexiblen Vertragsverhältnissen tritt das nicht auf. Was ist besser: viele Überstunden für Insider oder unsichere Beschäftigungsverhältnisse mit Beschäftigungschancen für die Outsider?

“Zeitarbeiter müssen bei gleicher Arbeit vom ersten Tag an gleichen Lohn erhalten, denn der Unternehmervorteil der Zeitarbeit liegt in der Flexibiliät, nicht im Niedriglohn.”

Mir fehlen ehrlich gesagt die Worte ob solcher … ich spar’s mir. Erstens: die Qualifikation von Zeitarbeitern liegt in Deutschland weit hinter den fest Angestellten. Zweitens: die Produktivität tut es auch, vor allem in den ersten Wochen und Monaten. Um die Motivation ist es auch nicht zum Besten bestellt. Drittens, und das hätten Sie alleine bei etwas Nachdenken wissen müssen, schließlich schreiben sie es ja: Zeitarbeiter sind zu einem nicht geringen Teil zuvor Langzeitarbeitslose, die genau an die genannten Punkte Qualifikation und Produktivität deutlich hinter Langzeitbeschäftigten zurückfallen.

Unter diesen Umständen den gleichen Lohn für Zeitarbeiter zu fordern, ist schlichtweg… ich spar’s mir.

Und das soll der Regierung aufhelfen? Politikberater haben die Aufgabe, Wählergruppen und deren Bedürfnisse zu analysieren und passgerechte Angebote zu kreieren. Glauben Sie ernsthaft, Wähler der Union oder der FDP nehmen es ihren Farben übel, dass sie keinen Mindestlohn eingeführt oder nichts gegen das Wachstum des Niedriglohnsektors unternommen haben? Ist das Ihr Ernst? Dann hätte ich keine Fragen mehr.

11) armerMoldavier, Sonntag, 24. Juli 2011, 18:39 Uhr

Wir sollten der Kanzlerin ihren Spass gönnen.

Sie ist ja nahezu harmlos.

Sie tut ja nichts.

Ups. Fürs Volk. Für die Geldindustrie und andere Lobbyisten gerne etwas mehr…

12) Hermann, Sonntag, 24. Juli 2011, 19:32 Uhr

Ihre wöchentlichen Kommentare sind sehr durchdacht und weiterführend. Es ist für mich jedes Mal ein Genuss, diese zu lesen. Den Genuss werde ich nun mit weiteren Menschen teilen, indem ich meinen Mails einen Link zu Ihrer Seite beifüge.

13) Ste, Sonntag, 24. Juli 2011, 19:32 Uhr

Ich habe fast geweint beim lesen. Vielen dank.

14) mambo, Sonntag, 24. Juli 2011, 20:59 Uhr

angelas größte lüste dürften sein :
machterhalt ,machtspiele ,und herumreisen ,nicht zu vergessen die bunten
hosenanzüge .sonstige befriedigungen hat sie wohl nicht.
mal rein in die atomkraft,dann wieder raus ,
mal den bösen griechen den urlaub kürzen,mal menschenrechte für lybien fordern ,
dann wieder kanonenboote und panzer an angola und saudiarabien verkaufen,
und geburtstagsfeiern mit ackermann und dibelius.
aber ich denke ,2013 kommt der zahltag für sie.

15) JG, Sonntag, 24. Juli 2011, 23:42 Uhr

Hoppla, Herr Spreng, ich hatte Sie immer für einen Gegner eines gesetzlichen Mindestlohns gehalten? Einer Einrichtung, die es in vielen anderen Industriestaaten gibt und welche ich für vollauf kompatibel mit der Sozialen Marktwirtschaft halte, angesichts der inzwischen eingetretenen Entwicklung sogar für dringend notwendig, wenn die Markwirtschaft halbwegs sozial bleiben soll: Der Staat muß regulierend eingreifen, wenn die Mechanismen des Kapitalismus zu Auswüchsen führen, welche drohen, die Stabilität des Wirtschafts- und letztlich des gesamten politischen Sytems zu gefährden. Hier: Er muß jene schützen, die nicht die Macht (oder auch “nur” Kraft) haben, sich gegen Lohndumping zu wehren – und nebenher auch jene, die anständige Löhne zahlen wollen, sich so aber mit ihren Waren und Dienstleistungen nicht auf dem Markt behaupten könnten, da andere sich durch von ihnen diktierte, skandalös niedrige Preise für die Ware Arbeit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

In jedem Falle wissen Sie ja sicher: Mit dem, was Sie Schwarz-Gelb vorschlagen, werden Sie den neo-liberalen Stimmungsmachern, die seit gut zwanzig Jahren auch in Deutschland die Szenerie beherrschen, als linker Spinner gelten. Also all jenen, die immer wissen, daß bei Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns die Arbeitsplätze von Putzfrauen, Busfahrern, Bauarbeitern, Friseusen, Kassiererinnen usw. nach China und Indien verlegt würden.

16) Tim, Montag, 25. Juli 2011, 03:22 Uhr

Aber Herr Spreng, das wäre doch ein “Linksruck” – das geht ja mal gar nicht!

17) Mark, Montag, 25. Juli 2011, 08:59 Uhr

Ja, das Hauptziel der Regierungsarbeit sollte in der Tat NICHT der Spaß der Regierenden, sondern der Spaß der Regierten sein. Das hat Frau Dr. Merkel bis heute nicht verstanden. Liegt’s an ihrer Vergangenheit?

Sie kann de facto machen, was sie will. Sie hat den Freifahrtschein: Sollte im Herbst die FDP wegbrechen bei der Abstimmung über die Rettungspakete (was noch keineswegs sicher ist), so steht mit großer Wahrscheinlichkeit schon die dienstbare SPD bereit, um in einer großen Koalition bis 2013 mitzuregieren. Das erprobte Team Steinbrück/Steinmeier/Gabriel und Merkel, wäre aus der Sicht der Union gewiß besser als Neuwahlen, bei denen sie nur Wählerstimmen und damit Macht verlieren kann, vor allem angesichts des inzwischen offensichtlich gescheiterten Neustarts der FDP.

Also: bis 2013 keine Veränderung.

Und nach 2013? Da hat die SPD das Heft fest in der Hand: entweder rot-grün oder nochmal große Koalition, angesichts der aktuellen Mehrheiten wohl nochmal unter Merkel. Sollte sich eine neue Europa-kritische Partei positionieren können, könnte man sogar über die Koalition schwarz-rot-grün nachdenken. Das wird wohl reichen, um die Europa-Kritiker aus der Regierung zu halten.

Besonders traurig ist die Feststellung, dass es somit in den nächsten sechs Jahren wahrscheinlich keine wesentliche Änderung der grundsätzlichen Regierungspolitik in Deutschland geben wird. Der Euro-Rettungswahnsinn wird bis zum bitteren Ende (das kommen wird!) durchgehalten; der EU-Moloch wird weiterhin durch Deutschland genährt werden; und der Durchschnittsdeutsche wird auch weiterhin das Nachsehen haben. Er wird bald Autobahngebühren bezahlen, sich über weiterhin sinkendes Bildungsniveau ärgern, bis 67 oder gar 69 schuften dürfen und so die Mißwirtschaft in Südeuropa finanzieren.

Wenn’s nicht so bitter wäre, könnte man sich fast über die Stabilität der Machtverhältnisse in Deutschland freuen.

18) Beate, Montag, 25. Juli 2011, 11:49 Uhr

Die Bundeskanzlerin kann dies machen. Aber der Erfolg ist auch davon abhängig, dass die EZB weiter die Zinsen niedrig hält. Und der Staat genügend Mittel hat um MEHR zu investieren.

Auch bleibt vollkommen offen, wie der Finanzsektor an den Kosten der Krise zu beteiligen wäre.

Eine Regulierung des Finanzsektors ist ausgeblieben.

Niemand sollte vergessen, dass der Staat Konjunkturprogramme im Umfang von 120 Milliarden Euro aufgelegt hat.

Die weitere konjunkturelle Entwicklung kann niemand vorhersagen.

19) Peter Christian Nowak, Montag, 25. Juli 2011, 19:05 Uhr

@Mark

°°Der Euro-Rettungswahnsinn wird bis zum bitteren Ende (das kommen wird!) durchgehalten; der EU-Moloch wird weiterhin durch Deutschland genährt werden; und der Durchschnittsdeutsche wird auch weiterhin das Nachsehen haben. Er wird bald Autobahngebühren bezahlen, sich über weiterhin sinkendes Bildungsniveau ärgern, bis 67 oder gar 69 schuften dürfen und so die Mißwirtschaft in Südeuropa finanzieren.

Wenn’s nicht so bitter wäre, könnte man sich fast über die Stabilität der Machtverhältnisse in Deutschland freuen.°°

Ja, man fragt sich, ob es in Deutschland nur an einer Protestkultur mangels Initialzündung hapert, oder ob der Deutsche schlichtweg probtestfaul ist. Beides wäre gleich schlimm.
Man kann so ziemlich jedes Ressort der Regierung kritisch unter die Lupe nehmen, ob es nun Bildung, Wirtschaft, Finanzen und nun die Übernahme von Schulden (um deutsche wie französische Banken zu retten) mediterraner Staaten ist. Man kommt immer zum selben Ergebnis: eigentlich reicht´s!

In welcher Zwangsjacke befinden wir uns eigentlich, daß wir Deutsche uns so hemmungslos entmündigen lassen? Haben wir nicht Sprache, Beine, Hände, mit denen wir mehr anfangen könnten, als unsere Schnitzel auf unseren Tellern zu schneiden? Oder die Beine, Fahrrad, Auto, um mit den lieben Kleinen in Vergnügungsparks oder Spielkonsolen uns unterhaltenden Ablenkungsmanövern von permanenter Politverarsche befreien wollen?
Schauen wir uns doch mal die Energiewende beispielsweise an. Statt einer Neuorientierung in Sachen Unternehmensstruktur, die dringend notwendig wäre, finden wir nach wie vor die gleichen Abzocker in Gestalt der 4 Großkonzerne. Die sollen es, nach Verlautbarung einschließlich der Grünen, richten. So ist es auch nicht verwunderlich, daß gleich mal die Stromkonnzerne Preiserhöhungen bei Gas und Strom um ca. 20% angekündigt haben. Schließlich müssen die Renditen ihrer Anleger einigermaßen stimmen, wenn schon ihrer Meinung nach erhebliche Verluste durch die Abschaltung der Schrottreaktoren hinzunehmen sind. Gerade die Anleger der Energiekonzerne waren es bisher gewohnt, daß die Steuerzahler für Restrisiko und Subventionen an die Atomindustrie fröhlich ohne zu maulen aufgekommen sind.
Also, unisono mit dem Bundeswirtschaftsministerium heißt es dort: “Strom wird teurer”. Und Gas übrigens auch. Jetzt schon sind 800 000 Haushalte ohne Strom, weil viele Hungerlöhner und Rentner und Hartz IV-Empfänger am Ende ihrer Leistungsfähigkeit sind. Und was hören wir von den Grünen? “Der billigste Strom ist der, den man nicht verbraucht.” Und: “Die Leute sollen sich doch moderne, stromsparende Geräte in ihre Haushalte stellen!” – Tolle Nachricht für alle Hungerlöhner, Armutsrentner und Hartz IV-Empfänger!
Also, ich sag´mal, entweder erlebt dieses Land einen heftigen Rechtsruck bei der nächsten Wahl, auf daß sich die Spießbürger, Gutmenschen und sonstige Öko- und Demeterfans kaum mehr Zeit haben werden ihre treu-doofen Äuglein zu reiben, oder aber, was ich sehr hoffe, daß die Linkspartei erheblichen Stimmenzuwachs bekommt. Denn, falls sich Berlin nicht für eine fundamentale Wende durchringt, wird Oslo vielleicht gar nicht so weit sein, wie viele denken. Aber zu Denken geben, sollte uns das undenkbare Furchtbare schon. Darin liegt der Sinn für Verantwortlichkeit – unter anderem. Das haben unsere Grünen und sonstige nicht begriffen. Grad´so weitermachen führt zu feilchenblauen Augen.
Und weil Sie von “politischer Stabilität”, Herr Mark, gesprochen haben: dahingehend eine kleine Anmerkung: China ist auch politisch stabil….Was sagt mir das? Antwort: Nichts Hoffnungsfrohes.
Man empfiehlt uns wärmstens den Anbieter zu wechseln, oder wärmere Unterwäsche zu kaufen.
Sarrazin´s favoured ist der warme Pullover, mit dem man auch bei 14 Grad Celsius ganz kommod existieren kann. Von dem war auch nichts anderes zu erwarten.

Irgendwann haben wir den Stromanbieter solange gewechselt, bis alle auf preislicher Augenhöhe mit den “Großen” sind. – Toll!

20) Peter Christian Nowak, Montag, 25. Juli 2011, 19:20 Uhr

@Stefan P.

^^Mir fehlen ehrlich gesagt die Worte ob solcher … ich spar’s mir.^^

Den Rest bitte aber auch…ja? (Äh..ja)

21) Ernst Hoffnung, Dienstag, 26. Juli 2011, 05:22 Uhr

@StefanP.

Wenn Sie all das, was Sie so schreiben selbst glauben (und der Eindruck entsteht!), sollten Sie vielleicht einmal die Auswahl Ihrer Informationsquellen überdenken. Zumindest dürfen Sie sich zu einer weiter schrumpfenden Meinungsminderheit rechnen. Unglaublich, der Herr!

22) Mark, Dienstag, 26. Juli 2011, 08:37 Uhr

@Peter Christian Nowak, Montag, 25. Juli 2011, 19:05 Uhr

Sie fragen: “In welcher Zwangsjacke befinden wir uns eigentlich, daß wir Deutsche uns so hemmungslos entmündigen lassen?”

Das ist eine sehr, sehr gute Frage. und ich habe leider keine Antwort darauf. Bei Gesprächen mit Freunden, Bekannten und selbst Kollegen (!) entdecke ich immer wieder weitestgehendes Desinteresse an politischen Themen; hier und da kommt mal die eine oder andere Rückfrage, die darauf hinweist, dass beim Fragesteller offenbar ein Denkprozeß stattfindet. Ansonsten: Ödnis. Das Schlimme daran: das sind alles intelligente Leute.

Befragt, weshalb sich die Desinteressierten nicht für essentielle Themen, die ganz konkret sie und ihre Kinder betreffen, interessieren, herrscht weitgehend Einigkeit: “Die ‘da oben’ machen sowieso, was sie wollen.” – “Für mich sind das alles nur Sprechpuppen. Die nehme ich nicht ernst. Ich lebe mein Leben so oder so.” – “Den XYZ kann ich echt nicht leiden.” – “Was kann ich denn schon tun?” – “Es ist mir zu anstrengend, politische Themen so zu verfolgen, dass man mitreden könnte.” – “Keine Zeit, mich damit zu beschäftigen. Arbeit. Kinder. Die kranken Eltern.” – “Ich bin nicht betroffen; mir geht’s doch gut.”

Es ist also Unwille, sich tatsächlich mit dem Regime (ich nenne das jetzt mal so) auseinanderzusetzen. Sicher spielt da die traditionelle deutsche Obrigkeitshörigkeit hinein, jene Unfähigkeit, sich gegen schleichende falsche Entwicklungen aufzulehnen. Man schaut halt lieber weg. (Außer, es betrifft einen materiell selber, wie z.B. bei S21, Atomkraftwerken, Autobahngebühren oder Spritsteuern. Nimm den Deutschen ihr Auto, und sie werden Rebellen! Weshalb die gegenwärtige Autobahnmaut-Diskussion nur nach hinten losgehen kann.)

Den meisten geht’s ja auch (noch) gut, und wir bekommen es ja auch immer wieder von “unabhängiger Stelle” eingetrichtert. Also muss -einer gewissen Logik folgend- die Politik ja irgendwas richtig machen. Allerdings sehen die Leute nicht, dass es TROTZ der Poltiker noch gut geht, und nicht etwa WEGEN ihnen.

Hinzukommt, daß Politiker eben den Bogen raus haben, die Leute einzulullen. Das ist deren Kernkompetenz. Mit einem netten Lächeln, ein paar schlagkräftigen Argumenten, die nur zu entkräften sind, wenn man sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, wird dem Normalwähler (und nur um den geht es hier) frech in’s Gesicht gelogen. Wer die Leute kritisiert, läuft schnell Gefahr, selber als Depp dazustehen.

Unterstützt wird all dies durch die unheilige Allianz zwischen Politik und Medien. Die Medien haben längst ihren Status als “4. Kraft” verloren. Wann wurde die letzte Revolution von Medien herbeigeführt? Das ist lange her. Die Medien suchen heute die Nähe und den Schutz der Politik, statt als bissiger Hund aufzutreten und auch mal Prügel einzustecken kuschelt man sich lieber in der warmen Stube der Politik, die einem Brosamen aus Information oder – im Falle der öffentlich-rechtlichen Sender- Gebühren hinwirft und so für einen bequemen, sicheren, und vor allem: anstrengungslosen Arbeitstag sorgt.

Längst sind die Medien nur noch Meinungsmacher. Und da zähle ich auch die öffentlich-rechtlichen Sender dazu, die mit regierungsfreundlicher Propaganda aktiv zur Deinformation des Volkes beitragen. Mit Journalismus und Objektivität hat das alles längst nichts mehr zu tun. Da sollen bestimmte Meinungen erzeugt werden – welche, warum und zu wessen Nutzen, das würde den Rahmen hier sprengen [sic!].

Als Bürger erhält man nur dann einen halbwegs ordentlichen Überblick, wenn man wirklich viele Medien, auch alternative und ausländische, vefolgt. Das ist aber zeitaufwendig und somit anstrengend. Und man macht sich keine Freunde, wenn man gegen den Strom schwimmt. Also hat da auch keiner großen Bock drauf.

Nur so ist zu erklären, dass die Union immer noch über 30% liegt; dass die SPD immer noch nicht auf dem Niveau der FDP angekommen ist; dass die FDP immer noch in Parlamenten vertreten ist; dass die Linke nur bei knapp 10% verharrt. Und dass die Nichtwähler-Quote unaufhörlich steigt.

Und so kann die Schafherde von der Politik lässig zum Schlachter geführt werden. Die meisten werden wohl erst aufwachen, wenn’s zu spät ist und sie materiellen Wohlstandsverlust erleiden.

Stellen Sie sich vor: ein Samstag abend. Der Sendeplatz der Tagesschau ist geräumt worden für eine Ansprache des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin. Inhalt: Leider muß ich Ihnen mitteilen, dass der Bund aufgrund der von früheren Regierungen beschlossenen Euro-Rettungspakete massive, für uns Bürger sehr unbequeme Sparmaßnahmen durchführen muss. Dazu gehören: Vorübergehender Stopp der Rentenzahlungen, Mehrwertsteuererhöhung auf 28%, Wegfall der Bezuschussung des ÖPNV, Einführung von Autobahngebühren, usw. usf. Undenkbar? Keineswegs.

ABER: Die Geschichte hat gezeigt, dass der Deutsche, wenn er wirklich sauer wird, sehr ungemütlich werden kann. Deshalb ist DAS ist der Moment, vor dem sich unsere Poltiiker fürchten. Deshalb mag uns keiner reinen Wein einschenken, was die Euro-Retterei uns wirklich kostet und noch kosten wird. Deshalb werden wir zu wichtigen Themen schon gleich gar nicht mehr gefragt. Bloß: das Verdrängen läßt sich nicht ewig so weitermachen. Irgendwann wird uns die Rechnung präsentiert werden, und ich denke, dieser Moment rückt näher. Und wenn das geschieht, dann werden diejenigen, die uns das eingebrockt haben, wohl schon außerhalb des Zugriffes vom Volk sein. Das jedenfalls ist der Plan, und es ist wohl auch besser so.

23) StefanP, Dienstag, 26. Juli 2011, 10:26 Uhr

@Ernst Hoffnung

Also, Sie glauben, dass die Regierungskoalition in Umfragen dramatisch verliert, weil sie keinen allgemeinen Mindestlohn eingeführt hat? Oder weil der Niedriglohnsektor in der letzten Dekade deutlich zugenommen hat?

Der Ansicht kann man natürlich sein, stellt sich die Frage warum diese Leute dann 2009 Union und FDP gewählt haben, die damals gesagt haben, sie wollten keinen allgemeinen Mindestlohn? Haben die Wähler da etwas mißverstanden?

Es gab in der vorletzten Woche eine Umfrage im SPIEGEL. Eine leichte Mehrheit der Wähler befürwortet Steuersenkungen, räumt aber dem Ziel der Haushaltssanierung Priorität ein. Diese Mehrheit gibt es über alle Parteizugehörigkeiten – auch bei den Anhängern der Partei die Linke. Große Unterschiede gibt es bei den Anhängern der Grünen, die dies als einzige stark ablehnen, und bei Wählern der FDP, die Steuersenkungen klar befürworten.

Vielleicht habe ich das auch missverstanden? Die Meldungen über lange Lieferzeiten der Automobilhersteller können Sie mehreren Presseorganen entnehmen. Ich selber habe mir jetzt einen neuen Wagen bestellt, bei einem BMW X3 beträgt die Lieferzeit 10 Monate und mehr. Warum kaufen und bestellen die Leute soviel? Keine Ahnung, Sie werden es mir sicher sagen können.

24) marcpool, Dienstag, 26. Juli 2011, 10:31 Uhr

Koalitionsvertrag v. 24.10.09

“CDU, CSU und FDP bekennen sich zur Tarifautonomie. Sie ist ein hohes Gut, gehört unverzichtbar zum Ordnungsrahmen der Sozialen Marktwirtschaft und hat Vorrang vor staatlicher Lohnfestsetzung. Einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn lehnen wir ab…… Die bestehenden gesetzlichen Regelungen zum Mindestlohn werden bis Oktober 2011 evaluiert….. Das Ergebnis dieser Evaluierung soll als Grundlage für die Entscheidung dienen, ob die geltenden Mindestlohnregelungen Bestand haben oder aufgehoben
werden sollten. ”

Noch Fragen ??

25) WL, Dienstag, 26. Juli 2011, 12:31 Uhr

Wie kann Frau Merkel bei der poltischen Lage in der Welt,
in der deutsche Soldaten täglich ihr Leben lassen können
als deren Oberbefehlshaberin Spaß an der Arbeit haben – hier zeigt sich
der blanke Zynismus.

Bei Einsatzbefehlen muss immerhin über Leben und Tod entschieden werden
und da hört der Spaß wirklich auf.

26) Gieselbrecht Gomolka, Dienstag, 26. Juli 2011, 12:39 Uhr

1.

Wenn der Bundeskanzler, Frau Dr. Merkel, erklärt, die Arbeit mache ihm Spaß, wird er wohl geantwortet haben auf eine Frage, die ihm vorab gestellt worden ist. Jedenfalls liegt dieser Umstand nicht fern aller verdächtigen Möglichkeiten, wie ich meine. Und wenn dem Kanzler die Arbeit selber Spaß macht, setzt das ja nicht voraus, dass auch alle Anderen Spaß am Spaß des Kanzlers haben müssen. Von daher verstehe ich die Einleitung in den Blogbeitrag ja nun mal gar nicht.

2.

Wenn ein Kanzler inmitten seiner Amtsausübung, die ihm Spaß macht, nicht der beliebteste der Beliebten ist, kann das daran liegen, dass er Amtshandlungen vornimmt, die nicht zu den beliebtesten zählen, aber dennoch notwendig bleiben.

Und weiter:
Wenn sich eine Maßgeblichkeit über die Beliebtheit inmitten einer Kanzlerschaft ergeben sollte, muss man mal nach hinten, also auf die Geschichte blicken. Wie beliebt waren Kanzler in der Mitte ihrer jeweiligen Kanzlerschaft? Ich habe zurück geblickt und… hört, hört! Eine Maßgeblichkeit ist nicht festzustellen, weil es neben dem heutigen Bundeskanzler Merkel auch vorherige Kanzler inmitten ihrer Amtsausführung nicht vollbrachten, der Beliebteste der Beliebten zu sein. Dennoch gelang ihnen nach 2 Jahren eine Wiederwahl.

Es bleibt demnach festzustellen, dass der Beitragsverfasser bereits in seiner Einleitung: “Aber die entscheidende Frage ist nicht, ob die Kanzlerin Spaß an der Arbeit hat, sondern ob die Wähler Spaß an ihrer Arbeit haben.” irrt.

3.

Hier steht, mit der Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung für Hotels “wäre immerhin schon eine Milliarde der Steuersenkungen mit Einsparungen finanziert”.

Das wäre aber keine Finanzierung, sondern eine bloße Umverteilung. Unabhängig davon, ob das sinnvoll wäre, kann man jedenfalls nicht von Finanzierung sprechen.

4.

Die Realeinkommen sanken, deshalb glauben viele Deutsche nicht, dass es ihnen gut geht. Ich will den Deutschen mal was sagen: Wenn sie dafür auf die Straße gehen, dass Realeinkommen permanent wachsen, müssen sie sich auch darüber Gedanken machen, wer diese Steigerungen denn bezahlt. Wenn, beispielsweise, der Lokführer immer und immer mehr verdient, jedes Jahr steigt sein Lohn, weil seine Gewerkschaft und er sich diese Möglichkeit auf der Straße erkämpft haben, was steigt dann wohl mit? Die Beförderungspreise doch nicht etwa? Oh welch ein Geschrei hallt durch das Volk. Oder Emma Schulze, die beim Edeka seit 20 Jahren an der Kasse steht und mehr Realeinkommen will. Soll sie doch bekommen. Persönlich freuts mich für Emma. Aber wer bezahlt den Saldo? Große Konzerne? Nein, nein.., es ist Lieschen Müller von nebenan, die für Kartoffeln deshalb statt 3 Euro nun 4 zu bezahlen hat. Auf Dauer fällt der Mittagstisch dann etwas spartanischer aus. Es sei denn, Lieschen Müller kriegt auch mehr, mehr, mehr Realeinkommen. Wer dieses Mehr dann wieder bezahlen soll, hängt davon ab, was Lieschen Müller für wen tut. Vielleicht tut sie auch nichts und lebt von Harz 4 oder ihrer Rente. Egal, sie braucht Kartoffeln und deshalb mehr, mehr, mehr Geld. Und weil Lieschen Müller nicht alleine Harz 4 oder Rente bezieht, sondern noch viele andere mit ihr, muss die Regierung die Harz 4- und Rentenbezüge nach oben anpassen. Wer bezahlt dieses Mehr dann wieder? Die Regierung? Nein, der Steuerzahler, wen wunderts. Also muss ihm auch wieder noch mehr, mehr, mehr weggenommen werden von seinem Bruttoeinkommen.

Im Ergebnis muss man mal feststellen, dass das doch alles kaum mehr zu ertragen ist. Und dass die Diäten für die Politiker wieder erhöht worden sind, von gefühlten 3 Millionen auf 4 Millionen Euro Jahreseinkommen, ebenso wenig.

Fazit

Ich plädiere für ein Ende des Gefasels von Steuersenkungen. Ich wäre froh, würde das Steuersystem vereinfacht werden, weil jedenfalls ich da nicht mehr durchblicke und selbst mein Steuerfuzi ins schlaue Buch schauen muss, stelle ich mal eine etwas unübliche Frage. Damit wäre uns allen sicherlich mehr geholfen, als wenn wir wieder jemanden etwas wegnehmen müssen, weil wir es einem anderen geben wollen.

Spaß hin, Spaß her.

27) Ernst Hoffnung, Dienstag, 26. Juli 2011, 14:19 Uhr

@ StefanP

Fürwahr, man kann die Dinge durchaus so wie Sie sehen. Oder eben wie Herr Spreng. Oder wie ich. Es geht auch gar nicht darum, wem nun die Deutungshoheit obliegt, vielmehr spüren auch „robustere“ Gemüter mittlerweile, dass der neoliberale Bogen überspannt wird. Das immer noch zu verkennen, kann meiner Meinung nach nur noch in fehlender Betroffenheit in Verbindung mit selektiver Wahrnehmung begründet sein.
Und damit lasse ich die inhaltliche Auseinandersetzung mal ruhen, nix für ungut!

PS. Das mit der Wartezeit auf Ihren BMW X3 tut mir leid; es liegt an der Auslandsnachfrage.

28) Peter Christian Nowak, Dienstag, 26. Juli 2011, 19:31 Uhr

@ Mark

Den Beitrag, den Sie geschrieben haben, ist das Beste, was ich in der letzten Zeit gelesen habe. Nicht nur, weil er sich haargenau mit meinen Erfahrungen im Umgang mit meinen Zeitgenossen deckt, sondern weil er ein treffsicheres Psychogramm einer Gesellschaft skizziert, dessen Umrisse das ganze Dilemma eines tatenlosen Zustandes beschreibt, sich bewegend zwischen Unwissenheit, Desinformation und Vogel-Strauss-Habitus beschreibt. Nur so ist zu erklären, warum die Dinge so laufen wie sie eben laufen. Und ich stimme mit Ihnen überein, daß das Armageddon für unser Land durch die jetzige und kommende Politik schon vorbereitet ist.
Als der Tsunami über Teile Ostasiens hinweggewalzt ist, war es bedeutungsvoll zu sehen, wie überrascht die Leute waren, als Minuten zuvor das Meer sich ins Uferferne zurückzog. Man konnte sich dieses Phänomen zwar nicht erklären, einige liefen aber trotzdem fröhlich der ersten Welle entgegegen. Man unterschätzte die Gewalt und die Todesgefahr, die in dieser vermeintlichen “Brandung” steckte. Sie kamen alle um. Ihre Unwissenheit und der Mangel an Gefahreninstinkt haben sie das Leben kosten lassen.

29) Peter Christian Nowak, Dienstag, 26. Juli 2011, 19:36 Uhr

@ Stefan P.

^^Ich selber habe mir jetzt einen neuen Wagen bestellt, bei einem BMW X3^^

…sponsored by Papa und Mama…und Oma hat auch noch was dazugelegt…?

Außerdem ist das eine Dreckschleude, für die man eigentlich eine saftige Sondersteuer erheben müsste.

30) EStz, Dienstag, 26. Juli 2011, 21:31 Uhr

@ Stefan P

Ich habe einen Freund, der eine kleine Baufirma leitet. Er würde Ihren Standpunkt wohl unterschreiben. Er wäre aber in meinem Umfeld der Einzige.

Bei einem meiner Ex-Arbeitgeber wurde kam vor acht, neun Jahren ein neuer Vorstand an die Macht. Seitdem schrumpfte die Belegschaft um rund ein Viertel. Gerade erfahrene Mitarbeiter werden des öfteren hinaus geekelt, eingestellt werden sehr junge Mitarbeiter, die Erfahrung durch mehr Einsatz ausgleichen lassen sollen. Wer von den älteren bleibt, sitzt in der Sackgasse; für besondere Fähigkeiten oder Leitungen erteilte Zulagen werden solange mit Gehaltsanstiegen verrechnet, bis auch der beste auf Tarif sitzt. Die Arbeit wurde weitgehend umverteilt, ein guter Teil wird nun von Azubis miterledigt. In weiten Bereichen funktioniert das sogar, aber eben nicht in allen. Die dann entstehenden Qualitätsmängel vertreiben den einen oder anderen Kunden, was dann der verbliebene Rest als Beweis für ihre Unfähigkeit um die Nase gehauen bekommt. Im gleichen Zeitraum haben sich die Gehälter des Vorstands übrigens fast verdoppeltet. Seit zig jahren steigen die Gewinne des Unternehmens. Da haben aber nur die Besitzer und die Vorstände etwas davon.

Mein Bruder arbeitet in einer durchaus gehobenen Position bei einem Dax-Unternehmen. Seine Abteilung wurde ausgelagert und verkauft. Für ihn bedeutet das eine hierarchische Zurückstufung, weniger Geld, Rausschmiss aus dem bisherigen Renten- und Prämiensystem, bei gleichzeitiger Mehrbelastung. Ihm geht es dabei noch relativ gut: 30 Prozent der Leute wurden über einen Sozialplan abgewickelt. Widerlich fand ich, dass man ihn zwang, vor den Geschäftsführern selbst um seine Rückstufung zu bitten (man hätte ihn ja auch raushauen können). Das Unternehmen verdient sehr gutes Geld.

Eine Bekannte arbeitet in einem kleinen Unternehmen, dass auf Umstrukturierungen und Programmierung spezialisiert ist (SAP). Die sind gebeten worden, ein Angebot abzugeben. Die Vorgaben waren so knapp kalkuliert, das der Leiter der Abteilung sagte, dass er das nur mit Leiharbeitern hinkriegt. Es wird an jeder Schraube, an jedem Stück Papier, an jedem Ausdruck gespart, dass es kracht (was ja, wenn man es mit Sinn betreibt, eine gute Sache ist). Hier fehlt manchmal sogar das Klopapier. Auch diese Firma (bzw. die Chefs) verdient ein Heidengeld, die Arbeitnehmer werden gedrückt.

Da könnte ich noch ein paar Fälle dazu packen….

Mir ist durchaus klar, dass es für jede Geschichte eine andere Seite gibt, und dass keine Situation nur schwarz oder nur weiß ist. Dass es auch gute Chefs, gute Firmen gibt, dass es auch faule und unqualifizierte Arbeitnehmer gibt etc. Die Entwicklung ist dennoch klar: Ab einer gewissen Grenze (weit unterhalb von Ackermann) geht das Verständnis für die normale Welt und für normale Leute verloren. Leute mit 200 000 Euro Jahreseinkommen oder deutlich mehr, denen die Firma den Wagen, Benzin, Versicherung etc obendrauf bezahlt, erklären sich und anderen, wie Hartz-IV-Empfänger oder Leuten mit geringem Einkommen mit ihren paar Euro “gut” über die Runden kommen können. Dass viele diese Leute, oft relativ jung, Einzelkind, von reichen Eltern durchs Studium gefüttert, oft noch nichts geleistet haben, fast keine Lebenserfahrung mitbringen und meist an Selbstüberschätzung leiden, macht es nicht besser. Für die meisten normalen Menschen geht es bergab.

Es können nicht alle Vorstand werden, und ein Ingenieur verdient mehr als ein Straßenkehrer – das wird jeder verstehen. Das aber “die da oben” immer kräftiger nach unten auskeilen (nicht mal aus Wut, sondern meist gefühllos und aus Berechnung), muss und darf nicht sein. Die Mittelschicht (einschließlich kleiner Mittelstand) wird von den Viel-Besitzenden systematisch enteignet und kaputt gemacht, und der Staat hilft, wo er kann.

Ich bin übrigens ein kleiner Selbstständiger, der ordentlich über die Runden kommt. Ich habe zwar keinen Grund, über meine Situation zu klagen, aber ich habe Augen im Kopf.

31) sinistram, Dienstag, 26. Juli 2011, 22:34 Uhr

@Mark, Dienstag, 26. Juli 2011, 08:37 Uhr

Lieber Mark,

ihre Replik auf Peter Christian Nowak ist ziemlich das Hellsichtigste, was ich seit langem in Blogs – von Mainstreammedien erwarte ich schon lange keinen Beitrag zum Erkenntnisgewinn mehr – gelesen habe.
Ihre Analyse bringt das derzeitige deutsche Drama genau auf den Punkt. In einem Land, das seine (angebliche) Bildung wie eine Monstranz vor sich her trägt, ist selbst die Mehrheit der zertifiziert Gebildeten (Akademiker) offenkundig zu dumm (“uns geht´s doch gut”) oder zu ignorant, um zu erkennen, dass der neoliberale Politik- und Gesellschaftsentwurf, wie ihn die Einheitspartei CDU/CSU/FDP/SPD/Grüne auch nach der sogenannten Finanzkrise noch immer propagiert, über kurz oder lang zu nichts Gutem führen und selbst die “Elite” in ihrer Lebensqualität beeinträchtigen wird.

Ich zitiere hier mal den Blogger Feynsinn (http://feynsinn.org/?p=9267): “Der Neoliberalismus schafft an allen Enden Probleme, die er dann durch mehr vom Selben zu lösen versucht. Seine Methoden widerlegen sich selbst, die Resultate widersprechen stets den Prognosen, er fördert maximale Ungleichheit, generiert Krisen in atemberaubendem Maß und Tempo und das alles im Rahmen eines Menschenbildes, das die Würde zur Ware macht.”

32) StefanP, Mittwoch, 27. Juli 2011, 08:26 Uhr

@Peter Christian Nowak

Die Feinheiten der Sprache sind etwas Tolles, man kann so formulieren, dass in den Köpfen anderer ein Bild von etwas entsteht, was man gar nicht gesagt hat (aber gewollt war ;-) ). Ich habe mitnichten geschrieben, ich hätte mir einen X3 angeschafft, allein schon weil ich 10 Monate Bestellfrist für nicht akzeptabel halte. Aber, zu Ihrer Beruhigung, ich habe einen anderen SUV genommen.

Leider sind Sie auch hier nicht über die Fakten informiert: ein X3 verbraucht weniger als die vergleichbare Limousinen-Generation davor. Wer z.B. seinen 7 Jahre alten 3er / 5er BMW gegen ein solches Gefährt eintauscht, leistet einen Beitrag für die Umwelt. Da der Fahrzeugbestand in Deutschland über 7 Jahre alt ist, kann man davon ausgehen, dass der Käufer eines neuen SUVs mehr für die Umwelt tut als die Echauffierer, die mit einer 15 Jahre alten Kutsche rumgurken.

33) StefanP, Mittwoch, 27. Juli 2011, 09:15 Uhr

@EStz

Die Antwort auf Ihren Beitrag fällt mir schwer. Ich beginne mit dem Ende: “Ich habe zwar keinen Grund, über meine Situation zu klagen, aber ich habe Augen im Kopf.”

So mir. In den vergangenen 15 Jahren, nach einer Lehrzeit in der Wirtschaftsprüfung, habe ich für Unternehmen im Bereich Automobilindustrie, Lebensmittelgroßhandel, IT, Elektrogroßhandel, Telekommunikation, Logistik, Umweltfinanzierung, Hotelerie und Touristik gearbeitet, tätig in USA, Frankreich, Irland, Niederlande, Israel, Großbritannien, Schweiz, Baltikum und natürlich Deutschland (u.a. München, Frankfurt, Hamburg, Köln, Berlin, Rheinland-Pfalz). Ich behaupte, ich habe einen weiten Branchenblick und einen internationalen Fokus. Aus dem Fundus dieser Erfahrungen und Kenntnisse schreibe ich.

Tröstet es, wenn ich schreibe, die Zielvorgaben verbunden mit Bonusvereinbarungen für das Management und den Vorstand sind heute so streng und optimistisch, dass sie oft kaum erfüllbar sind? Nicht wirklich. Aus der internationalen Perspektive geht es deutschen Arbeitnehmern noch sehr gut, das wissen die Mitarbeiter spätestens dann zu schätzen, wenn ihr Unternehmen schon mal kurz am Exitus vorbeigeschrammt ist.

Die Situation in deutschen Unternehmen ist so unterschiedlich, dass sich kaum Markantes darüber schreiben lässt. Die Teilung der Beschäftigten in die Blaumänner und die im dispositiven / administrativen Bereich gab es schon immer. Jedoch verschärfen sich die Bedingungen stetig und die Einkommen für die an den Werkbänken fallen, verbunden mit schlechteren Arbeitsverhältnissen. Das sehe ich, es folgt allerdings bestimmten Zwängen. Ich werde hier sicher nicht schreiben, wie ich mit, selbstverständlich positiv, in verschiedenen Situationen verhalten habe.

Allerdings sehen die meisten Mitarbeiter der Unternehmen auch die betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten und den Vergleich mit ausländischen Tochter- und Schwestergesellschaften. Schließlich hat heute fast jeder ab der mittleren Verwaltungs- (nicht Management) Ebene aufwärts regelmäßig Geschäftskontakt mit Kollegen jenseits der eigenen Landes- und Sprachkenntnisse. Allein schon deshalb gibt es nicht die Ideologisierung der deutschen Arbeitnehmer, die die Linkspartei so gerne hätte. Allein schon deshalb verfangen Gewerkschaften nicht mehr.

Viele der neu entstandenen Unternehmen und Geschäftszweige können nur mit mittel- und hochqualifizierten Leuten arbeiten. Dort finden sich meist überhaupt keine Blaumänner mehr, man arbeitet in hochmodernen, angemieteten Büros. Die Belegschaften sind zu 30-60% international aus allen Herren Ländern. Viele dieser Beschäftigten sind für die SPD immer noch erreichbar. Die besser Gestellten neigen oft zur FDP (sind derzeit aber sehr enttäuscht angesichts deren Unprofessionalität) und haben zuletzt häufiger Union gewählt.

Wer das sieht, versteht, warum es den Parteien zunehmend schwerfällt, Bindungen zur Wählerschaft aufzubauen. Die Arbeitnehmerschaft ist sehr zersplittert mit höchst unterschiedlichen Interessen und Prägungen. Leute wie Michael Spreng, denen dieser Blick abgeht, verstehen das nicht und urteilen pauschal.

Ich habe in den vergangenen 5 Jahren viele Frauen erlebt, die von Angela Merkel begeistert waren, obwohl sie sonst nicht der Union zuneigen. Nicht weil die Kanzlerin in ihren Augen eine gute Politik macht, sondern – weil sie eine Frau ist. Zugegeben, ich würde eher Pamela Anderson zur Kanzlerin wählen, aber das ist ein anderes Thema. Nur macht sich zunehmend Enttäuschung breit, weil die Ausreden, warum etwas nicht geht, wegfallen. Und so schwindet die Popularität der CDU-Vorsitzenden.

Mindestlohn und unsichere Beschäftigungsverhältnisse sind Themen, die politisch die Mehrheit bewegen, aber keine Wahlen entscheiden, weil sie nicht emotionalisieren. Für den Großteil der Beschäftigten ist Mindestlohn kein Thema, entweder sie liegen einkommensmäßig deutlich über einer solchen Grenze oder sie sind durch Tarifverträge (scheinbar) ausreichend abgesichert. Unsichere Beschäftigungsverhältnisse kennt inzwischen die Mehrzahl, nur erscheinen die Alternativen angesichts der eigenen Kenntnis nicht verlockend.

Zu Beginn der Regierungszeit Gerhard Schröders wollte sein Arbeitsminister Walter Riester die unsicher gewordenen Arbeitsverhältnisse neu strukturieren und regulieren. Es endete im Desaster. Mit seiner Regulierungswut brachte der ehemalige Gewerkschafter auch jene auf, die er doch eigentlich schützen wollte. Unzählige verloren ihre angenehmen Minijobs, die ihnen ein nettes Zubrot verschafften. Andere, wie z.B. meine Schwester, mit einem hochdotierten, 6-stelligen externen Auftrag versorgt, galten plötzlich als schützenswerte Scheinselbständige. Nicht nur die Fachwelt griff sich an den Kopf.

Wir müssen nicht ständig die gleichen Fehler machen.

34) Frankilein66, Mittwoch, 27. Juli 2011, 18:48 Uhr

@StefanP.

Neun Arbeitsstellen in 15 Jahren! Lange haben sie es ja nirgends ausgehalten. Haben sie ihren Kollegen und Vorgesetzten auch in epischer Breite immer die Welt erklärt wie uns hier? Wahrscheinlich konnten sie sich nie in bestehende Strukturen einordnen und haben eine Problem mit Autoritäten, schließlich sind sie ja viel schlauer als alle anderen!

35) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 27. Juli 2011, 20:05 Uhr

ad sinistram

^^Seine Methoden (anm.die des Neoliberalismus) widerlegen sich selbst, die Resultate widersprechen stets den Prognosen, er fördert maximale Ungleichheit, generiert Krisen in atemberaubendem Maß und Tempo und das alles im Rahmen eines Menschenbildes, das die Würde zur Ware macht.”^^

Besser kann man den derzeitigen Mißbrauch von Verantwortlichkeit nicht beschreiben, begangen von Politik und Wirtschaft. Zu Lasten der Mehrheit seiner Bürger.

Dieses System von generalstabsmäßiger Planung von Ungleichheit, Generieren von (gewollten) Krisen und dem damit einhergehenden atemberaubendem Tempo wie Menschenwürde in die Tonne getreten wird, (Die Forderung der Tea-Party-Bewegung in USA – im Kontext der drohenden Insolvenz – die Leistungen für Arme zu kürzen und die Steuern für Milliardäre und Millionäre zu senken), steht für ein weltweites Problem: Die Umverteilung von unten nach oben. Dabei scheut man sich auch nicht buchstäblich über Leichen zu gehen. Ja, es sieht so aus, als ob die “Agenten des Generalstabes” die Oberhand gewonnen hätten. Aber ich sage voraus, daß dieser Sieg nur ein vorübergehender ist. Die Zeit scheint gekommen. Kein Unrecht lässt sich auf Dauer durchhalten. Das wissen auch die Neoliberalen. Daher: Die Neoliberalen (Republicans) laufen auf zum Show-Down. Sie wollen die Entscheidung. Sie wollen wissen wie es weitergeht. Dieser Tage wird in den USA Geschichte geschrieben. Die Welt schaut nach USA. Gleichgültig wie es ausgeht, man wird sich hüben wie drüben die Neoliberalen vom Halse schaffen müssen, weil die Welt ansonsten keine Überlebenschance hat. Der Grabenkampf zwischen Reich und Arm hat begonnen. Und er wird heftig. Und er wird dauern.Besonders in Europa, aber auch in anderen Teilen dieser Welt.

36) StefanP, Donnerstag, 28. Juli 2011, 10:09 Uhr

@Frankilein66

Es gibt noch andere Lösungsmöglichkeiten. Darauf kann selbst mit durchschnittlichem IQ kommen. ;-)

37) chy, Freitag, 29. Juli 2011, 07:44 Uhr

Nach den inhaltlich orientierten Beiträgen, die auch die Spaltung innerhalb des interessierten und denkenden Teils der Bevölkerung zum Ausdruck bringen, ein kleine Anmerkung zum Sprachlichen (was natürlich nicht absolut vom Inhaltlichen getrennt werden kann):

Arbeit soll nicht “Spaß machen”, sondern Freude bereiten.

Poltiker, denen ihre Arbeit Spaß macht, drücken damit aus, daß sie sich wohl größtenteils als Volksbelustiger, als Polit-Clowns (um nicht -Marionetten zu sagen) verstehen. Wahrschinlich sind sie damit von der Wahrhheit gar nicht so weit entfernt – das Unbewußte lät grüßen.

Und auch die Regierten sollen nicht nur Spaß an ihrer Regierung empfinden, oder sind wir im Kabarett?
Nichts gegen die eine oder andere lustige Auflockerung im Politikbetrieb, aber wenn das zur Hauptsache wird …
Und diese Hauptsache scheint darin zu bestehen, die propagierten neoliberalen Notwendigkeiten (durch welche sich – frei nach sinistram – die Not nicht wendet, sondern verstärkt) den Regierten lustvoll darzubieten.

Und damit wird doch schon wieder das Inhaltliche berührt.

Wenn Frau Merkel Spaß an ihrer Arbeit hat, so kann ich dies nur als blanken Zynismus interpretieren, oder aber sie denkt nicht weit genug – beides wäre schlimm und entlarvend.

PS:
Auch Kindern sollte man weniger “Spaß in der Schule”, wie man es so oft hört, als vielmehr “Freude am Lernen” wünschen.

38) Martha Mumenschanz, Freitag, 29. Juli 2011, 10:17 Uhr

Meine Güte, wieso werden hier denn sofort persönliche Angriffe gefahren wenn der Kontrahend anderer Meinung ist?!
Ich teile die Auffassungen von StefanP. keinesfalls (wie wohl die Mehrheit der Kommentatoren) aber die persönlichen Angriffe, mit denrn hier z.T. auf eine andere Auffassung reagiert wird, ist wirklich kein Ruhmesblatt.

Da wird munter spekuliert, warum der Job öfter gewechselt wurde (was niemanden etwas angeht) oder wer das neue Auto bezahlt hat. Dabei gibt es nun wirklich genug Argumente um seinen teils abwegigen Aussagen Paroli zu bieten. Stattdessen mit irrelevanten Unterstellungen um sich zu schmeißen ist ziemlich erbärmlich.

39) Frankilein66, Freitag, 29. Juli 2011, 10:39 Uhr

@StefanP.

Da ich übert einen IQ weit über dem Durchschnitt verfüge, kommen mir die von ihnen angedeuteten Lösungen natürlich nicht in den Sinn! ;-) ;-)

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