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Der Unsinn mit den Doppelspitzen

Jetzt hat auch die Deutsche Bank ihre Doppelspitze: Anshu Jain und Jürgen Fitschen sollen sich den Job des Vorstandsvorsitzenden teilen. Vorgänger Josef Ackermann wird Aufsichtsratschef.

Doppelspitzen sind immer ein Ausdruck von Führungs- und Entscheidungsschwäche. Kein gutes Signal für die Zukunft der Deutschen Bank. Einem allein wird der Job nicht zugetraut, er wird flankiert von einem anderen, der tatsächliche oder vermeintliche Schwächen ausgleichen soll. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat eine politische Entscheidung getroffen, keine unternehmerische.

Eine Doppelspitze ist auch Ausdruck des klassischen „divide et impera“ – geteilte Macht ist halbe Macht und erhöht die Macht der Eigentümer oder Aufsichträte. Auch das gilt  für Deutsche Bank: ein Aufsichtsratschef Ackermann mit zwei Vorstandschefs ist mächtiger denn je. Teile und herrsche. Im Fall Ackermann verstößt dies zudem gegen alle Regeln von „good governance“ und das Aktiengesetz, das für ehemalige Vorstände eine zweijährige Abkühlungsphase vorsieht.

Besonders beliebt sind Doppelspitzen bei Zeitungen und Zeitschriften. Keine einzige hat sich bewährt. Beim „Spiegel“ wurde sie wieder aufgelöst, beim „Stern“ hat sie zur Nivellierung, zur Senkung des journalistischen Anspruchs und zur Entleerung der von Henri Nannen geschaffenen Marke geführt, beim „Focus“ tobte ein erbitterter Machtkampf.

Es kann nicht gut gehen, wenn zwei das Sagen haben. Zum Wesen von Unternehmen gehört (in der Politik mag das in grünen Sonderfällen anders sein), dass einer entscheidet. Dafür trägt er die Verantwortung und auch das persönliche Risiko. Wenn er (oder sie) es nicht kann, wird er abgelöst.

Dopplspitzen führen in der Regel zum kleinsten gemeinsamen Nenner. Besonders lähmend wirken sie sich neben den üblichen Hakeleinen und Rivalitäten aus, wenn beide, wie  im Fall der „Focus“-Chefredakteure, völlig unterschiedliche Konzepte für das gemeinsam zu verantwortende Heft hatten. Der eine wollte ein Debattenmagazin, der andere ein Nutzwertheft. Und so unterschiedlich fielen auch die Hefte aus. Eine Leser/Blatt-Bindung war unter diesen Umstanden nicht zu erzielen. Der Erfolg blieb zwangsläufig aus.

Deshalb wurde die Doppelspitze beim „Focus“ jetzt wieder aufgelöst. Es siegte der Nutzwert, hoffentlich interessiert er auch die Leser. Beim „Stern“ dagegen hat sich der Verlag mangels fachlicher Kenntnis offenbar mit dem Niedergang abgefunden.

Auch bei der Deutschen Bank wurde die eigentliche Entscheidung, wer die Bank wirklich in die Zukunft führt, nur vertagt. Sie kann erst getroffen werden, wenn auch Ackermann Geschichte ist. 

P.S. Auch ich war einmal Teil einer Doppelspitze – beim „Express“ in Köln. Nach anderthalb Jahren bat ich den Verleger, sie aufzulösen. Obwohl ich laut Vertrag den letzten Entscheid hatte, verbrauchte ich eine großen Teil meiner Arbeitszeit mit Diplomatie und damit, meinem Mit-Chefredakteur zu erklären, was ich warum gerade mache.