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Samstag, 13. August 2011, 13:53 Uhr

Die Politik und das Monster

Horst Köhler, ein des Linksradikalismus unverdächtiger Mann, hat als Bundespräsident die Finanzwirtschaft schon vor der Lehman-Pleite als “Monster” bezeichnet. Franz Müntefering, ein konservativer Sozialdemokrat, nannte schon 2005 Hedgefonds und Private-Equity-Fonds “Heuschrecken”. Bei beiden aber blieben die mahnenden Worte folgenlos. Sie wurden eher belächelt. Das Monster konnte ungehindert im September 2008 die Welt an den Abgrund treiben.

Im Gegenteil. Die Politik auf der ganzen Welt fütterte jahrelang das Monster. Und dann versäumte sie es, das Monster zu zähmen. Die Politik hatte ein Dinosaurierei ausgebrütet und wunderte sich dann darüber, dass die Dinosaurier die Welt beherrschen wollten.

Die rot-grüne Regierung in Deutschland zum Beipiel war einer der schlimmsten Monsterhelfer: sie deregulierte die Finanzmärkte, ließ Hedgefonds zu, senkte die Körperschaftssteuer und und stellte Veräußerungsgewinne der Großbanken und Großkonzerne steuerfrei.

Das Versagen vor 2008 ist eine der Ursachen auch des jetzigen Weltfinanzdesasters, mit dem Versagen danach aber hat die internationale Politik vor dem Monster kapituliert.

Vor 2008 wussten es viele Politiker nicht besser und ließen sich vom neoliberalen Zeitgeist treiben, nach 2008 aber versagte die Politik im vollen Wissen um die Ursachen des Desasters. Leerverkäufe, besonders ungedeckte, eines der gefährlichsten Instrumente der Weltfinanzwirtschaft, wurden nur in Deutschland und später in Griechenland verboten – und blieben damit wirkungslos.

Die berüchtigten Kreditausfallversicherungen CDS, das zweitgefährlichste Instrument, und andere Derivate blieben unreguliert. Und eine Finanztransaktionssteuer scheiterte am Widerstand Großbritanniens und der USA.

So übergab die Politik die Macht an demokratisch nicht legitimierte, von Gier und Habgier getriebene Finanzmanager, die noch nie einen Mehrwert geschaffen haben, die kein Brot backen, kein Auto herstellen und keine Maschine bauen können. Und die nicht für Hungerlöhne Demenzkranke pflegen.

Man muss kein Linker sein, um von der drohenden Weltherrschaft des internationalen Finanzkomplexes zu sprechen. Das Primat der Politik ging Anfang des 21 Jahrhunderts verloren, werden einst die Historiker diagnostizieren. Dass die Politik mit ihrer (wählerwirksamen) Schuldensucht an ihrer eigenen Abdankung mitgewirkt hat, gehört allerdings auch zur Diagnose.

Und jetzt klagen Politiker in allen Ländern über unverantwortliches Spekulantentum und beweinen ihre Machtlosigkeit. Aber bis vor kurzem hatten sie immer noch nichts aus 2008 gelernt. In Deutschland wird widerspruchslos einer der schlimmsten Spekulanten, der die Krise von 2008 mit ausgelöst hat, neuer Chef der Deutschen Bank. Und der noch amtierende soll die Griechenland-Umschuldung organisieren. So wird der Bock zum Gärtner gemacht.

Kein Wunder, dass die sogenannte Bankenbeteiligung an der Griechenlandhilfe in Wirklichkeit ein Milliardengeschenk für die Banken ist. Und das Steuerabkommen mit der Schweiz, das Steuerkriminelle aufspüren und bestrafen sollte, ist löchrig wie ein Schweizer Käse.

Die neue Weltfinanzkrise und die drohende Rezession haben für ganz kurze Zeit das Fenster geöffnet, der Finanzindustrie die Weltherrschaft noch zu entreißen. Wenn die Regierungen, wenn die Politik von der EU, über G 8 bis zu G 20 diese Chance verstreichen lassen und jetzt immer noch keine radikalen Konsequenzen ziehen, dann beschwören sie eine Weltkrise der Demokratien herauf. Dann werden “Die Empörten” vor jedem Regierungssitz stehen und nicht nur in London die Straßen brennen. Es ist 5 Sekunden vor zwölf.

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190 Kommentare

1) Tammo S., Samstag, 13. August 2011, 14:04 Uhr

“5 Sekunden vor 12″, es wäre schön, wenn das doch endlich einmal wahr wäre. Bislang waren das aber immer nur leere Versprechungen bzw. Behauptungen. Schöne Bilder zwar, ebenso wie das Stehen am Abgrund, aber trotzdem inhalts- und wirkungslos. Die deutsche Eiche wird der Wolf nicht stören, egal wie oft man ihr Angst vor ihm macht. Und wenn dann doch die Straßen brennen, es ist egal, die Bauwirtschaft liegt ja gerüchteweise eh wieder am Boden und wird um einen kleinen Zuschuss froh sein. Die Banken interessierts nicht, die machen ihre Geschäfte woanders, und die Politiker ziehen ihre eigenen Lehren (s. Cameron).

2) Ste, Samstag, 13. August 2011, 14:32 Uhr

wir sperren einfach die blackberrys der manager! haha. schluck.

3) kleinErna, Samstag, 13. August 2011, 14:42 Uhr

Alles schön aufgelistet und formuliert, nur: “Wer sagt’s unseren Regierungen?”

Dinosaurier-Eier gebähren Dinosaurier und die hatten, wie man weiß, eine ziemlich lange Leitung (Reaktionszeit). Offenbar sind allen voran die “konservativen” Politiker dieser Welt Solche, die auch von Dinos in die Welt gesetzt wurden? Ob in USA, oder Europa, es ist völlig egal, die “Konservativen” dieser Welt scheinen Die zu sein, die von Finanzen, Sozialem und Sicherheit (das Alles hat mit Ursache und Wirkung dieser Welt-Finanzkrise zu tun) die geringste Ahnung zu haben; zumindest reden und handeln sie bis heute entsprechend. Gerade in USA sind die Konservativen die Hauptschuldigen am derzeitigen Schlamassel, führen sich aber auf, als hätte Obama das ganze Desaster höcht persönlich verursacht. Ganz so unverfrohren geht es bei uns gottseidank derzeit noch nicht zu!

Wenn “wir” erst auf die Straßen gehen müssen, ist es zu spät, viel zu spät (eigentlich ist es das jetzt schon) und die “Bestrafung” der Versäumnis-Regierungen durch Abwahl zum Ende einer Legislatur hilft auch Niemandem mehr. Da sieht man, wie hilflos man eigentlich ist, in der so hochgepriesenen Demokratie!

4) G.M., Samstag, 13. August 2011, 15:34 Uhr

Wer soll denn bei uns auf die Straße gehen? Bei uns Deutschen, meine ich.

Wir sind durch die Medien total verblödet und durch Harz4 satt. Gespeist durch die Politik, mehr Geld sei nicht da, unterlassen wir jedwede Regung im Hirn, um erkennen zu können, wohin das Boot treibt.

Ich habe mich letztes Wochenende mit Kumpels wiedergetroffen, da wir seit Jahren entfernt voneinander wohnen. Erkannt habe ich die nicht mehr. Körperlich dick und träge im Geist, keine Arbeit und auch keine Lust darauf – aber jeder drei Handys in der Tasche. Und ich, der täglich auf die Arbeit fährt, finanziert diesen Scheiß auch noch.

Die Politik, die weder am Sozial- noch am Rentensystem eigens beteiligt ist, hat doch längst den unverstellten Blick auf die Entwicklung unserer Demokratie verloren und ist Teil des kapitalistischen Monsters.

Mir wäre es lieb, würde man den ganzen Aktien- und Börsendreck umgehend verbieten, die amtierenden Berufspolitiker aus dem Land jagen und das Geld, was die Deutschen erwirtschaften, nach den Maßstäben von Vernunft und Weitsicht verteilen.

Aber ich weiß, dass das nicht passieren wird. Und so stehe ich entweder alleine auf der Straße, oder ich gehe auch nicht hin.

5) ghurt, Samstag, 13. August 2011, 15:52 Uhr

Ihr Artikel setzt einige Annahmen über die Finanzkrise 2008 vorraus.
Haben Sie denn das Gefühl, genau verstanden zu haben, worin die Ursachen der Finanzkrise bestehen und welche Rolle Deregulierung und staatliches Eingreifen gespielt haben? Woher meinen Sie zu wissen, dass nach 2008 “die Politik” wirklich “um die Ursachen des Desasters” weiß?

PS: Der Bäcker, der Brot backt, “ordnet” die bereits vorhandenen Zutaten (Mehl, Wasser …) neu an, so dass die neue Form (Laib Brot) einen größeren Wert hat.
Von “Habgier getriebene Finanzmanager” “ordnen” das ihnen anvertraute Kapital den Stellen zu, wo es einen größeren Wert hat bzw. sich ein größerer Wert entwickeln kann.
PPS.: Der zukünftige Deutsche Bank-Vorstand Anshu Jain hat übrigens mit seiner Sparte für das jeweils erste Quartal folgendes vorzuweisen:
2007 – 2,2 Mrd Gewinn
2008 – 1,6 Mrd Verlust
2009 – 4.9 Mrd Gewinn
2010 – 6,6 Mrd Gewinn

6) ahtak, Samstag, 13. August 2011, 15:57 Uhr

Es ist wirklich ein Jammer!

Sie haben recht, Herr Spreng, es ist seit 2008 nichts geschen. Die USA versucht sich zumindest an einer kleinen Finanzmarktreform, doch inzwischen wird der Dodd-Frank-Act immer verwässerter und dass er immer noch nicht umgesetzt ist, zeigt seine Schwäche.

Denn Regulierung im Finanzsektor ist ja wie ein Katz-und-Maus spiel. Staaten verbieten/schränken eine bestimmte Praktik ein und das heißt ja nur, dass sich die Finanzinstituionen andere Wege suchen (wollen). Der Staat muss dann also wieder nachjustieren. Wenn der Staat aber am Stock läuft und die Finanzwelt einem Sprinter bei Olympia gleicht, sit ja klar, wie die Wetten beim Buchmacher stehen.

Grundsätzlich glaube ich, dass Regulierung, die auf Verbote abzielt zum Scheitern verurteilt ist. Denn das Rennen kann der Staat nicht gewinnen. Vielmehr müsste es geschafft werden, dass die Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass die Innovationsabteilungen bei den Großbanken so gestellt sind, dass sie nicht die hundertste immer komplizierte Variation von einem Derivat konstruieren wollen, sondern alles ein bisschen gemäßigter abläuft. Die guten alten Anreize also.

7) sk8erBLN, Samstag, 13. August 2011, 16:11 Uhr

Passend zu diesem Artikel diese Lesetipps:

Die entscheidende Frage lautet: Wer drückt den Reset-Knopf?
JOSEF URSCHITZ (Die Presse)
Wir sehen gerade dem Wirtschaftsmodell „Wachstum durch niedrige Zinsen und hohe Schulden“ beim Scheitern zu. Das sieht nach teurem „Neustart“ aus.

Amerikanische Wirtschaftsexperten antworten auf die Frage, wie die weltgrößte Wirtschaftsnation aus ihrer Schuldenfalle herausfinden wird, in jüngster Zeit erstaunlich oft mit „muddling through“. Damit ist nicht die einschlägige Managementtheorie (nicht lachen, die gibt es wirklich) gemeint, sondern echtes „Durchwursteln“. Viel Spaß dabei: Zuletzt hatten die USA eine Schuldenquote von rund 100 Prozent des BIPs. Vor allem aber: Die Staatsausgaben sind heuer nur noch zu rund 56 Prozent durch Steuereinnahmen gedeckt.

Um auf eine erträgliche Schuldenquote von 60 Prozent des BIPs (das wäre das berühmte Maastricht-Kriterium) zu kommen, müssten die USA bis 2020 Primärüberschüsse von zehn Prozent des BIPs erzielen. Das heißt, die Einnahmen müssten die Ausgaben (abzüglich Zinszahlungen) um rund 1400 Milliarden Dollar übersteigen. Jedes Jahr. Glaubt das jemand? Vor allem: Glaubt jemand, dass das mit „Durchwursteln“ gelingt?

Die USA sind also rasant auf dem Weg dorthin, wo viele Euroländer schon stehen: hinter der Schuldengrenze ohne Wiederkehr. Die sind an einem Punkt angelangt, an dem die diversen Spar- und Hilfsprogramme nur noch das Ansteigen der Schuldenquote bremsen. Um die Schulden tatsächlich in den Griff zu bekommen, müssten sie ihre Budgets auf dauerhafte strukturelle Überschüsse umstellen. Das ist nicht realistisch.

Die Situation, die wir jetzt in Europa sehen, gleicht der eines Schwerkranken, dem in regelmäßigen Abständen hoch dosierte Schmerzmittel (in Form von Rettungspaketen, Liquiditätsspritzen und Niedrigzinsen) verabreicht werden. Jedes Mal, wenn die Wirkung eintritt, atmen die um das Krankenbett versammelten Kapazitäten auf: Geht ja doch! Um dann betreten zu schauen und sich zu wundern, wenn der Effekt nach ein paar Tagen wieder nachlässt.

So heilt man Patienten nicht. Am Beginn steht normalerweise eine ordentliche Diagnose ohne Selbstbetrug. Und die lautet: Wir sehen gerade dem Wirtschaftsmodell „Wachstum durch niedrige Zinsen und hohe Staatsschulden“ beim Scheitern zu.

Ohne Neustart wird es also weder in den USA noch in Europa gehen. Die Frage ist, wer den Knopf zum Schuldenreset drückt. Und wie dieses aussieht. Da stehen ja mehrere Möglichkeiten offen: einfache Schuldenstreichung (unwahrscheinlich, weil politisches Konfliktpotenzial), Währungsreform (ebenfalls unwahrscheinlich) und „Weginflationieren“ der Staatsschuld (sehr wahrscheinlich), um nur die wichtigsten zu nennen.

Letzteres dürfte für die Regierenden auch am charmantesten sein. Wenn es nicht gerade in Hyperinflation ausartet, kriegen die solcherart zur Kasse gebetenen ihre Teilenteignung meistens nämlich gar nicht richtig mit: Es gibt in solchen Fällen mit zeitlicher Verzögerung ja auch optisch respektable Lohnerhöhungen und Sparzinsen. Auch wenn das Notenbanker strikt bestreiten: EZB und Fed legen mit ihren Liquiditätsschwemmen gerade den Grundstein für diese Variante.
http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/684871/Die-entscheidende-Frage-lautet_Wer-drueckt-den-ResetKnopf?from=newsletter

Auch hier ignoriert der Autor wichtige weitere Zusammenhänge die dazu führen, dass das Gesamtmodel des “ewigen Wachstums” dem wir seit Jahrzehnten verhaftet sind, zum Scheitern verurteilt ist.
Zwar ist seine Mutmaßung dass Politiker versucht sein werden das Problem “wegzuinflationieren”, aber auch das ist bestenfalls eine weitere schmerzstillende Spritze und immer noch nicht der Blick auf das Ganze der so dringend nötig wäre.

Zum gleichen Thema auch der Stern, ebenso unvollständig die Analyse dort.

Weltwirtschaft in der Krise:
Der Sinn der Schulden
Überbordende Schulden haben die Weltwirtschaft an den Abgrund geführt. Warum sich Staaten und Firmen überhaupt verschulden – und weshalb wir Bürger das besser nicht nachmachen. Von Anna Miller.

http://www.stern.de/wirtschaft/geld/weltwirtschaft-in-der-krise-der-sinn-der-schulden-1715316.html

Die fehlenden Zusammenhänge finden sich glasklar hier beschrieben, Zeit die wirklich gut investiert ist:
siehe 2. Beitrag.

8) sk8erBLN, Samstag, 13. August 2011, 16:12 Uhr

Da das thematisch hier besser passt erneut auch hier.:

Das ewige Gefasel von beständigem “Wachstum” was Politiker wie ein Mantra vor sich hinbrabbeln. Das ist natürlich ein vollständiger Trugschluss und kann nur von Politikern gebrabbelt werden, denen jedwede Vison und Analysefähigkeit abhanden gekommen ist.
“” Alles dreht sich um Wachstum. Wachstum ist gut, oder etwa nicht? Wir wollen doch alle eine wachsende Wirtschaft? Warum? Nun, weil eine wachsende Wirtschaft uns mehr Wohlstand verspricht. Wachstum bietet Chancen, und wir alle sind dafür. Ich auch. Das ist die dominante Sichtweise dieser Tage.

Deshalb setzen viele Leute Wachstum mit Wohlstand gleich. Aber ist das wahr? Und was, wenn das nicht der Fall ist?

Wachstum ist wenn wir genau darüber nachdenken, die Folge eines Überschusses.

Anhand dieses Beispiels können wir diesen ganz einfachen und tiefgründigen Gedanken überprüfen, nämlich dass Wachstum NICHT gleichbedeutend ist mit Wohlstand.

In den vergangenen paar Jahrhunderten haben wir uns angewöhnt, diese beiden Dinge mit einander zu verbinden; es gab immer genug überschüssige Energie, so dass wir beides, Wachstum UND Wohlstand haben konnten. Wir mussten also keine harte Wahl zwischen Wachstum und Wohlstand treffen.

Der Ökonom Malcolm Slesser vom Resource Use Institute of Edinburgh in Schottland, hat berechnet, dass heute über die Hälfte der weltweit gewonnenen Energie allein für Wachstum verwendet wird. Hier eine Frage: Was passiert, wenn 100% unseres überschüssigen Geldes oder unserer überschüssigen Energie ausschliesslich für das Wachstum verwendet werden? Das Ergebnis wäre stagnierender Wohlstand. Und was passiert, wenn es nicht mal genügend Überschuss gibt, um nur das Wachstum zu finanzieren?

Nun, wenn diese Zeit kommt, werden wir sowohl negatives Wachstum, wie auch negativen Wohlstand erleben – das ist nicht gerade die Zukunft, auf die ich mich freue.

Das ist die grösste Herausforderung unserer Zeit: richtig zu erkennen, wo wir unseren verbleibenden Überschuss einsetzen wollen und wie wir diese Geschichte unter die Leute zu bringen. Ich jedenfalls möchte weitere Fortschritte sehen in der Energieeffizienz, in der Medizin wie auch in allem, was diese moderne Gesellschaft sonst zu bieten vermag. Das setzen wir aufs Spiel, wenn wir uns erlauben, das zu tun, was einfach ist, d.h. den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und einfach weiter zu wachsen, antatt, das Richtige zu tun: unseren Überschuss auf eine blühende Zukunft hin zu lenken.
Die Realitätsverweigerung zur Kenntnis zu nehmen was “exponentielles Wachstum bedeutet, wie endlich für uns heute so wichtige Resourcen sind, mit all diesen wirklich existentiellen Fragestellungen wird sich nicht befasst. ”
vergl. Wachstum vs Wohlstand, Kapitel 4.
http://www.chrismartenson.com//crashcourse/deutsch

Der Crash Course möchte Ihnen die Natur einiger äusserst ernster Herausforderungen und Risiken begreiflich machen, die unsere Wirtschaft und unseren künftigen Wohlstand bedrohen. Ich kann jedem nur empfehlen sich mit ämtlichen Kapiteln des Crashkurses zu befassen. Vielleicht wird man dem einen oder anderen Detail anderer Meinung sein, die Fakten und damit der Kern lassen sich allerdings nicht negieren. Wer wenig Zeit hat sollte sich das Kapitel 19 zu Gemüte führen, es fasst die in den Vorkapiteln Schritt für Schritt mit Fakten Belegten Thesen zusammenfasst.

Auf Zeit spielen -wie Politiker es heute verinnerlicht haben- statt sich mit den komplexen Herausforderungen unserer nahen Zukunft zu befassen ist keine Lösung.

9) David Sansi, Samstag, 13. August 2011, 16:16 Uhr

“Man muss kein Linker sein, um von der drohenden Weltherrschaft des internationalen Finanzkomplexes zu sprechen.”

Eigentlich reicht homo sapiens sapiens.

10) vera, Samstag, 13. August 2011, 16:21 Uhr

ach, blödsinn. internet abschalten, polizeieinsatz im inneren, durchgreifen – und gut is’. ist doch so einfach.

11) sk8erBLN, Samstag, 13. August 2011, 16:30 Uhr

Wachstum, Wachstum Wachstum, unser täglich Mantra. Gut oder???

DIW-STUDIE
Großbanken wachsen bedrohlich weiter

10.08.2011, 13:43 Uhr
Die Großbanken wachsen weiter – und damit auch die Zahl systemrelevanter Institute, die im schlimmsten Fall gerettet werden müssten. Das DIW warnt: Die beschlossenen Vorschriften würden die Entwicklung kaum bremsen.

BerlinDie Finanzkrise hat das rasante Wachstum der Großbanken nicht aufgehalten. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Damit steige auch die Zahl „systemisch relevanter Banken“, die bei drohender Pleite gerettet werden müssten, um schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft zu verhindern.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/grossbanken-wachsen-bedrohlich-weiter/4484778.html

Naaaa? Merkt ihr was? :D

12) Hannes, Samstag, 13. August 2011, 16:41 Uhr

Amen!
Ein Beitrag den jeder gelesen haben sollte.

13) Mark, Samstag, 13. August 2011, 16:53 Uhr

Es wurde Zeit, Herr Spreng, dass Sie sich der Finanzkrise und dem unwürdigen Verhalten der deutschen Politik widmen. Herausgekommen dabei ist aber ein Artikel, der allerhöchstens an der Oberfläche kratzt. Leider.

Sie schreiben, es sei “fünf Sekunden vor 12″. Nein, nein. Es ist vielmehr schon “fünf Minuten nach 12″.

Letztlich gibt es derzeit noch zwei dünne und bereits merklich aufgeweichte Schutzdämme vor dem Instrument, dass die deutschen Steuerzahler in die finanzielle Totalkatastrophe führen wird, dem ESM. Der ESM, der Eurobonds ausgeben wird und so die Refinanzierungskosten für Deutschland in enorme Höhen treiben wird, zum Nutzen der Exportwirtschaft und der alimentierten Länder im Süden Europas. Und zu Lasten der allgemeinen Bevölkerung.

Diese beiden Schutzwälle sind:

1. Das BVerfG in Karlsruhe. Es steht nicht zu erwarten, dass diese Herrschaften, die allesamt von Politikern ernannt wurden, dem bizarren Treiben Einhalt gebieten. Schon der Umstand, dass das Gericht nicht schneller handelte, deutet darauf hin. Eher möchte man wohl verzögern bis zum geht-nicht-mehr, um nur ja nicht Stellung beziehen zu müssen. Man denkt wohl in Karlsruhe, es sei besser, wenn die Realität dem Gericht soweit enteilt wäre, dass man zwar schulterzuckend den Bruch des Grundgesetzes feststellen könnte, aber da das alles nunmal alternativlos war, leider ohne Folgen bleiben wird. Daher erhoffe ich mir aus Karlsruhe keinen bellenden, beißenden, rettenden Richterspruch. Traurig.

2. Der Bundestag in Berlin. Hier ist zu bemerken, dass es in den Koalitionsfraktionen merklich gärt zu diesem Thema. Die Politiker wissen längst, dass die Bürger inzwischen geschnallt haben, was da passieren soll (trotz des immensen Propaganda-Aufwandes in den systemtreuen Medien). Sie wissen längst, dass eine Zustimmung zum ESM und weitere “Hilfszahlungen”, die in Wirklichkeit ja nur eine neuerliche Bankenrettung sind, ihre Popularität und Wahlergebnisse nachhaltig beeinflussen wird, und zwar negativ. Und so werden einige Abgeordnete wohl gegen den ESM stimmen. Das wäre sehr erfreulich, wenn da nicht das Rätsel der “verschwundenen Opposition” wäre. Denn wie wir erstaunt feststellen, haben zumindest die Grünen inzwischen gesagt, dass sie “Hilfsmaßnahmen” der Bundesregierung zustimmen werden. Eh? Damit ist auch der zweite Schutzwall hinfällig bzw. nicht existent.

Wie ich schon früher schrieb, ist auch die SPD mit ihrem (wahrscheinlichen) Kanzlerkandidaten Steinbrück, der immer noch massiv von den Systemmedien gepusht wird, auf einem Deutschland-feindlichen Kurs. Auch die SPD wird Steuermittel nach Europa zur Euro-Rettung umleiten, leider wohl sogar schneller und bereitwilliger als die Union das vorhat. Dort gibt man sich ja wenigstens noch den Anschein, irgendwie nicht mitmachen zu wollen (knickt aber immer wieder vor der EU-Lobby ein).

Kurzum: Es gibt im Bundestag nur wenige, die GEGEN die Umverteilung deutscher Steuermittel sind. Hier böte sich der FDP die einmalige und wohl auch letzte Chance, sich zu profilieren. Und zwar als Euro- und Europa-kritische Partei, die im Sinne ALLER deutschen Steuerzahler handelt. Sie müsste die Koalition platzen lassen, klar auf die gebrochenen EU-Verträge hinweisen und auf das Haushaltsrecht des Bundestages pochen. Natürlich erfordert das Mut, außergewöhnlichen Mut, denn die Turbulenzen für die Partei und das Land werden groß sein. Die FDP würde in der Opposition landen und Merkel bis 2013 mit der SPD weiterregieren, und danach wohl auch.

Aber doch bestünde die Chance für die FDP, bei der nächsten Wahl zu alten Traumergebnissen zurückzufinden. Nur sehe ich nicht, dass die Partei eben diesen erforderlichen Mut aufbringen wird. Der inkompetente Lieferdienst sucht stattdessen das Heil in alten und abgegriffenen Parolen von Steuersenkungen (für die Besserverdienenden). Damit wird die FDP in der Versenkung verschwinden.

Die Folgen? Wir deutschen Steuerzahler werden zumindest bis 2017 weiter zur finanziellen Schlachtbank geführt. Unser Sozialsystem wird weiter abbauen, während wir alternativlos die Südländer, Banken, Versicherungen und Superreichen retten. Unsere Straßen und Schulen und Universitäten verfallen, während unser Geld für den Konsum anderer Länder draufgeht.

Man muß kein großer Visionär sein, um bis 2017 Unruhen, die denen in England gleichen, auch für Deutschland vorherzusehen. Und wenn es nicht dazu kommt, dann wird spätestens 2017 eine rechts-konservative Partei fett abräumen und dem EU-Spuk ein Ende setzen.

* * *

P.S.: Dieses Szenario ist übrigens NICHT mein bevorzugtes Szenario, da ich mit diesen rechts-konservativen Kräften nicht so wahnsinnig viel anfangen kann. Ich versuche nur, die wahrscheinlichen Folgen zu beschreiben. Mir wäre es lieber, die Politiker des Bundestages würden JETZT zur Vernunft kommen und dem Treiben ein Ende setzen. Und besser wäre es auch, schon 2013 würde es eine wählbare Anti-Euro-Partei geben, die sich selbiges zum Ziel setzt.

14) JG, Samstag, 13. August 2011, 17:16 Uhr

Sie haben recht.

Aber jene Marionetten, die jetzt gelegentlich murren, daß so offenkundig wird, wie sie an Fäden hängen und das Machthaben nur spielen (übrigens immer lustloser und schlechter – das Theater allein der EU-Staaten aus jüngster Zeit spottet jeden Vergleich), dürften sicher damit getröstet werden, daß nach ihrem Ausscheiden aus der ach so aufreibenden, undankbaren Politik schöne, lukrative Posten als Berater, Aufsichtsräte usw. auf sie warten.

Das Monster ist ja nicht immer undankbar.

15) Marqu, Samstag, 13. August 2011, 17:20 Uhr

Schön zu höhren, dass sich sich Jemand seriöses traut das auszusprechen.

16) EStz, Samstag, 13. August 2011, 17:33 Uhr

@ ghurt
Haben Sie denn das Gefühl, genau verstanden zu haben, worin die Ursachen der Finanzkrise bestehen und welche Rolle Deregulierung und staatliches Eingreifen gespielt haben? Woher meinen Sie zu wissen, dass nach 2008 “die Politik” wirklich “um die Ursachen des Desasters” weiß?
________________________________________________________________
Wenn die Regierungen NACH der Krise wirklich immer noch nicht verstanden haben sollten, wo das Problem liegt, gehören sie eingesperrt – zu den Finanzmanagern, die das verursacht haben. (Die Finanzverantwortlichen der Regierung Bush gehört in jedem Fall hinter Gitter)

PS: Der Bäcker, der Brot backt, “ordnet” die bereits vorhandenen Zutaten (Mehl, Wasser …) neu an, so dass die neue Form (Laib Brot) einen größeren Wert hat. Von “Habgier getriebene Finanzmanager” “ordnen” das ihnen anvertraute Kapital den Stellen zu, wo es einen größeren Wert hat bzw. sich ein größerer Wert entwickeln kann.
___________________________________________________________________________
Es macht einen riesigen Unterschied, ob ich aus Mehl und anderen Zutaten Brot backe, aus Metall und Kuntsstoff ein Auto etc, oder ob jemand mit viel Habgier, Geld, Lügen, Gerüchten und betrugsähnlichen Vorgängen vielen anderen Mernschen Geld aus der Tasche zieht.

17) Hanz, Samstag, 13. August 2011, 17:42 Uhr

Herr Spreng weiss offensichtlich nicht, dass das Finansystem von der Politik “gebaut” wurde. Es gibt keinen gegensatz zwischen Politik und Finanzsystem. Unser gesamtes Geldsystem ist beispielsweise ein Staatsmonopol (vgl. Fiatgeld) und angesichts des staatlichen Betrugsgeldes sind die Betrügereien, die die Staatsverbrecher irgendwelchen anderen Idioten damit zu begehen erlauben, geradewegs harmlos.

18) Wart, Samstag, 13. August 2011, 17:48 Uhr

“Spreng
Die rot-grüne Regierung in Deutschland zum Beipiel war einer der schlimmsten Monsterhelfer: sie deregulierte die Finanzmärkte, ließ Hedgefonds zu, senkte die Körperschaftssteuer und und stellte Veräußerungsgewinne der Großbanken und Großkonzerne steuerfrei.”

Und was sind die Alternativen?
So lange wir Berufspolitiker haben die sich aus Beamten, Juristen, und Lehrern rekrutieren oder gar keine Ausbildung zu Ende gebracht haben, wird sich nichts ändern und die sogenannten Experten und Lobbyisten machen mit denen was sie wollen.
Wie Max Otto in seinem Buch “Der Informations Crash” schreibt :”Wir werden systematisch für dumm verkauft” und die “Informationsgesellschaft” sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht oder anders gesagt, bekommt mit den vielen sogenannten Informationen nur Sand in die Augen gestreut.

Jede Woche wird eine andere Sau durchs Dorf (Blätterwald) getrieben, um die Leute nur schön von den wirklich für sie wichtigen Dingen abzulenken. Das Fernsehn tut ein übriges zur Volksverdummung.

19) william, Samstag, 13. August 2011, 17:57 Uhr

Lol, selten so einen bullsh*** gelesen.. Einfach ein paar Schlagwörter aneinandergereit ohne vernünftige Analyse oder Nachdenken
Was meinst Du denn überhaupt mit dem “Internationalem Finanzkomplex”?? Übrigens sind die meisten Investmentbanken in jüdischer Hand (Goldman, Rothschild, etc), so ähnlich hat man in Deutschland auch schon 1933 argumentiert…
Der Grund der jetzigen “Krise” (ist ja noch nicht in der realen Wirtschaft angekommen) ist dass alle Staaten der westlichen Welt in den letzten 30 Jahren über ihre Verhältnisse gelebt haben, die USA wegen zu niedrigen Steuern und zu hohem Militärausgaben, Europa wegen den Sozialsystemen.. Und ein freiwilliges Ende der Schuldenmacherei ist nicht abzusehen, auch weil demokratisch gewählte Politiker dafür vom Wähler abgestraft werden würden..
Die Finanzindustrie ist sozusagen nur Überbringer der schlechten Nachricht, dass es so nicht weitergeht.. Aber wie heisst es doch so schön: Kill the Messenger!!

20) Xpomul, Samstag, 13. August 2011, 17:59 Uhr

trefflich geschrieben und beschrieben.
danke hierfür.
jedoch.
es kümmert keinen – weder die poitik, gleich welcher coleur sie angehören, noch – logisch ! – die finanzwirtschaft.
man muß es so sagen: die lobbyisten haben hervorragende arbeit geleistet und sind wohl jeden euro wert; für ihren auftraggeber haben sie das bestmögliche herausgeholt und sind emsig dabei das nicht zu verlieren.
der normalo zahlt die zeche.
wie immer.
und bitte !
devisen-, geld-, aktien- und anleihenhandel ist richtig und wichtig.
aber doch bitteschön ohne ewiglange mathematische formeln die selbst der chefhändler nicht mal mehr ansatzweise kapiert.
das ist nämlich die crux an der sache:
sobald herscharen von mathematikern in den abteilungen notwendig sind ist der handel verloren und die auswüchse die wir sehen und noch weiterhin sehen werden verwerfen die märkte aufs übelste.
selbst mit ausgefeilten methoden ist controlling und riskmanagement nicht mehr wirklich darstellbar bei den derivaten.
wofür die notwendig sind habe ich nicht wirklich verstanden.
trotz emsiger bemühungen ist es nicht gelungen.

21) r.m., Samstag, 13. August 2011, 18:03 Uhr

Ich sehe es ähnlich wie Tammo S. Möge es doch endlich wahr werden! Das Monster ist kein Dinosaurier, denn Dinosaurier sind vermehren sich nicht vegetativ. Es ist auch nicht nur die Finanzwirtschaft die befallen ist. Die Triebe keimen überall, und wenn man genau hinschaut dann wird eines klarer und klarer: Das Ganze ist nur noch eine Farce, es dient nur noch einem Selbstzweck. Es ist nicht mehr weit bis zu dem Punkt wo der Kollaps tatsächlich ein Segen wäre. Und wenn man’s genau nimmt: Der grosse Hunger ist nur noch eine Frage der Zeit, und je länger es noch dauert desto Mehr werden davon betroffen sein.

Was wollen wir mit vergifteter Nahrung die uns zwingt, ab mitte 40 teure Medikamente zu fressen? Können wir den Alten und Kranken noch in die Augen sehen, die abgeschoben in sogenannte Pflegeheime vor sich hingammeln? Wieviele Leute verrecken in unseren Krankenhäusern an Unterernährung, Dekubitus und Blutvergiftung, weil kein Pflegepersonal vorhanden ist? Können wir unseren Kindern noch in die Augen sehen, denen wir eine kahlgerodete, vergiftete Welt vererben und ihnen dafür im Gegenzug nach ihrer mangelhaften Ausbildung grosszügig ein paar kostenlose Praktika und einen Berg Schulden überlassen? Hat sich seit dem Mittelalter tatsächlich so viel verbessert oder ist der “Wohlstand” nur eine geschickte Verpackung unserer Knechtschaft, die mangels Nachhaltigkeit ohnehin vergänglich ist?

22) Ste, Samstag, 13. August 2011, 18:11 Uhr

@G.M.: Wenn Sie diese Ressentiments ließen, könne man Ihrem Beitrag durch aus was abgewinnen. Es bringt Null Komma Null Identitäten zu konstruieren und in dieser Kopfsimulation dann die eine Gruppe Menschen gegen die andere Gruppe auszuspielen.

23) Peter Christian Nowak, Samstag, 13. August 2011, 18:52 Uhr

@m.spreng

^^Die Politik hatte ein Dinosaurierei ausgebrütet und wunderte sich dann darüber, dass die Dinosaurier die Welt beherrschen wollten.^^

Herrliches Bild! Darwin hätte seine helle Freude an der Metapher. Aber die Dinos wären mit Recht beleidigt mit gierigen Monstern aus der Finanzwirtschaft verglichen zu werden.

24) Peter Christian Nowak, Samstag, 13. August 2011, 19:02 Uhr

@m.spreng

^^Und eine Finanztransaktionssteuer scheiterte am Widerstand Großbritanniens und der USA.^^

Ja, im Endeffekt richtig. Nur, es gab für kurze Zeit ein offen stehendes Fenster. Das war kurz nach Obamas Wahl. Obama wollte die Finanztransaktionssteuer im Kongress durchsetzen: “We want our money back!” Von Merkel war in Washington nichts zu sehen. In Europa hat die Lobby der Banken ganze Arbeit geleistet. Aus Europa kam kein Signal: “Obama, wir unterstützen dich!” Europa mauerte gegen Obamas Pläne. Merkel hat deutschen Einfluß auf Brüssel fehlen lassen. Unverzeihlich, diese Unterlassung. Auch das trägt zur Ablehnung eines geeinten Europas bei. Merkel hat hier – unter anderem – auf ganzer Linie versagt.

25) Peter Christian Nowak, Samstag, 13. August 2011, 19:14 Uhr

Das, was wir alle erleben, in England und anderswo, wird Teil alltäglichen Lebens werden. Die Versuche, sich daran zu gewöhnen, werden in einer Spirale der Gewalt enden. Keine ständige, sondern immer mal wieder, in Intervallen, kleinen, verdaulichen Häppchen. Bis der Brocken so groß wird, daß er zum Halse kommt. Wie lange noch?

26) Nero, Samstag, 13. August 2011, 19:20 Uhr

Rom muss brennen

27) mambo, Samstag, 13. August 2011, 20:22 Uhr

schön,Herr Spreng ,daß Sie dieses thema endlich auch entdeckt haben,obwohl es von diversen und sehr unterschiedlichen autoren (max otte,dirk müller ,nachdenkseiten ,sahra wagenknecht usw. ) seit Jahren hervorragend aufgearbeitet wurde.
Solange jedoch die ” wirtschaft” und die finanzindustrie dank ihrer finanzmacht letztlich die richtlinien der politik bestimmen und die öffentliche meinung beherrschen,
wird es keine lösung geben.

28) Yoshi, Samstag, 13. August 2011, 20:43 Uhr

Sie sollten nicht das journalistische Narrativ mit der Wirklichkeit verwechseln. Leerverkäufe sind im Kern nur ein Kredit und CDS nur eine Versicherung. Beides nichts schlechtes. Die eigentlichen Probleme der Finanzmärkte sind ihre Größe und der daraus resultierende Einfluß.
Deshalb hilft es auch nichts Leerverkäufe zu verbieten, sondern die Finanzmärkte müssen entweder, durch Regulierung, stabilisiert werden – oder die Märkte müssen soweit von der Realwirtschaft getrennt werden, dass ein Crash keine großen Auswirkungen auf die Realwirtschaft mehr hat.

29) sk8erBLN, Samstag, 13. August 2011, 21:32 Uhr

@ G.M., Samstag, 13. August 2011, 15:34 Uhr
“Wer soll denn bei uns auf die Straße gehen? Bei uns Deutschen, meine ich.”

Ohh mal abwarten. Bislang ist hier doch auch rein gar nichts weiter passiert. Wir bürgen auf dem Papier und was die Inflation die vor der Tür steht bzw. begonnen hat bedeutet versteht ein Großteil och nciht o schleichend wie sie einsetzt. Das dürfte sich jedoch ändern wenn es erst einmal ans Zahlen geht. Die Politclowns haben sich ja bislang auf eine “Schuldenobergrenze” und sparen geeingigt die erst in der kommenden Legislturperiode zu greifen beginnt. In Italien wird es dieses Jahr noch richtig spannend wenn Staatsanleihen im Wert von 250 Milliarden neu aufgenommen werden müssen. Da werden angeblich in nächster Zeit 45 Milliarden zu sparen sein. DAS merkt man dann durchaus.

“Wir sind durch die Medien total verblödet ”

Ja, wer sich nicht besser informiert als bei BLÖD, SPON, RTL und nTV und SAT1/Pro7 ist vermutlich merkbefreit.
“und durch Harz4 satt. Gespeist durch die Politik, mehr Geld sei nicht da, unterlassen wir jedwede Regung im Hirn, um erkennen zu können, wohin das Boot treibt.”

Naja, auch bei HarzIV wird es sicherlich einschnitte geben. Wie gesagt, der deutsche Michel ist sicher in gewisser weise träge und verglichen satt aber die Chance dass das so bleibt wird in entscheidendem Maße davon abhängen wie hart auch hier Einschnitte gemacht werden. Im nächsten Schritt, so bis Anfang 2012 wird Euroland ein System schaffen dass die Ausgabe von Euro-Anleihen möglich macht, das also ws bislang absolutes Teufelswerk war. Damit einher entsteht eine gemeinsame Haftung aller Euroländer für einen gewissen Anteil der von ihnen ausgegebenen Schulden eingeführt würde. Blöderweise sind nur kaum Länder da die das bezahlen. Als beispiel sei Frankreich genannt:
“erüchte um eine bevorstehende Herabstufung des französischen Kreditstandings, wegen der Schieflage, in die das Land geraten könnte, wenn es für die 5 Eurokrisenländer entsprechend seinem Anteilsschlüssel am EZB-Kapital mithaften müßte. Tatsächlich würde die Verschuldungsquote von derzeit 107 % des BIP auf 160 % hochschießen (Abb. 16391).
http://www.jjahnke.net/rundbr85.html#2462

“Darüberhinaus wird der politische Druck (17) auf Privatinvestoren und Banken wachsen, bei dem Prozess der Restrukturierung (18) der Schulden der Euroland-Randstaaten einen größeren Beitrag zu leisten (19). Und mit dieser vierten Phase wird das Euro-Problem von Europa in die USA überschwappen und dort die Bombe der US-Schulden zur Explosion bringen. Denn zum einen haben Wall Street und die Londoner City und die ihnen ergebenen Medien mit ihren Angriffe gegen den Euro erreicht, dass die Öffentlichkeit für die Problematik der öffentlichen Verschuldung aufs Äußerste sensibilisiert wurde und nun das Ausmaß der auf Dauer erdrückenden Schuldenlast Japans, der USA und Großbritanniens erfasst hat (20). Dadurch wurden sogar die Ratingagenturen, eigentlich treue Wachhunde der beiden weltweit größten Finanzplätze, gezwungen, sich in einen Herabstufungswettbewerb von Staatsschulden zu begeben (21). Damit sind plötzlich auch die US-Staatsanleihen von einer Herabstufung bedroht, einen Schritt, den wir schon vor etlichen Monaten als überfällig bezeichneten, als die große Mehrheit der Finanzexperten ihn noch für unmöglich hielt. Gleichzeitig gerieten Frankreich, Großbritannien, Japan usw. in das Fadenkreuz der Ratingagenturen (22). Dass die Ratingagenturen heute sich sogar gegen die USA wenden, lässt sich nur damit erklären, dass sie sich ihren eigenen Regeln nicht mehr entziehen können (23). Wenn man den Staat A herabstuft, kann man den Staat B, der in einer identischen Lage steckt, nicht anders behandeln, auch wenn man sich letzterem aus vielerlei Gründen verbunden fühlt. Die „ewige Wahrheit“, nach der gewisse Staaten einfach nicht bankrott gehen können, hat den Ausbruch der Krise gerade einmal drei Jahre überlebt. Jeder Zauberlehrling muss damit rechnen, dass die Geister, die er ruft, sich gegen ihn wenden. Nie hätten sich Wall Street und Londoner City vorstellen können, dass die Hysterie über die Folgen einer griechischen Staatspleite auf ihre eigenen Wirtsländer zurückschlagen würde. Das führt nun dazu, dass im US-Kongress keine Mehrheit für die in den vergangen Jahren schon zur Routine verkommene Anhebung der Schuldenobergrenze zustande kommt und große Teile der Abgeordneten massive Ausgabenkürzungen fordern. In die Grube, die Wall Street und Londoner City dem Euro gruben, wird nun der Dollar fallen. Wieder einmal zeigt sich, dass Geschichte ein besonderes Faible für Ironie hat…. ”
http://www.leap2020.eu/GEAB-N-56-Sonderausgabe-Sommer-2011-ist-angekommen-Umfassende-weltweite-Krise-Vermogen-im-Scheinwert-von-15-000_a6686.html

siehe dazu auch

Die umfassende weltweite Krise – 2011: Das Jahr, das keine Gnade kennt / An der Gabelung von drei Wegen in das weltweite Chaos

- Pressemitteilung des GEAB vom 17. Januar 2011 -
http://www.leap2020.eu/Die-umfassende-weltweite-Krise-2011-Das-Jahr-das-keine-Gnade-kennt-An-der-Gabelung-von-drei-Wegen-in-das-weltweite_a5788.html

Und konkret zum Euro-Raum:
Die wunderbare Geldvermehrung in der Eurozone

Es ist schon schockierend, wie die EZB und die Zentralbanken der Eurozone derzeit die Geldmenge explosiv aufblasen. Die Bilanz der EZB erhöhte sich damit von 1,2 Billionen Euro vor der Krise in 2007 auf jetzt fast 2 Billionen (Abb. 17113).
Ebenso erhöhten sich die Bilanzen der Zentralbanken der 5 Krisenländer zwischen Juni 2007 und Juni 2011 um 19,3 % auf jetzt 9,8 Billionen Euro. Den Vogel schoß die Bilanz der griechischen Zentralbank mit plus 42,4 % ab. Dabei ist die Geldversorgung durch die Zentralbanken gemessen an der jeweiligen Wirtschaftsleistung der Länder in den 5 Krisenländern wesentlich höher als in den anderen (Abb. 16399). Hier zeigt sich vor allem die Geldschöpfung für ihre liquiditätsarmen oder gar maroden Banken. Da diese Geldschöpfung im Eurosystem erfolgt, müssen alle Zentralbanken und damit alle Euroländer dafür einstehen.
Auch die Bundesbank fährt die Geldschöpfung zugunsten des deutschen Exports in die 5 Krisenländer immer weiter hoch. Die Netto-Forderungssumme nach Target2 explodierte von 0 vor der Krise auf nun bereits fast 350 Mrd Euro (Abb. 16398). Auch dafür müssen alle Zentralbanken und damit alle Euroländer einstehen.
http://www.jjahnke.net/rundbr85.html#2463

Es brennt doch bereits rund um Deutschland herum in der Euro-Zone. Die USA schliddern in die nächste Rezession, Großbritanien steckt bereits drin, China kriegt seine Inflation nicht in den Griff, da ist es bis zur wirtschaftlichen Vollbremsung auch nicht mehr weit. Da kann sichd er Mann vom Pizza *ähh* Lieferservice aka unser glorreicher Wirtschaftsminister Rösler gerne noch mal hinstellen und seine Inkompetenz predigen
“”Deutsche Außenwirtschaft ist gut aufgestellt”:

“Die deutschen Ausfuhren hatten in den letzten Monaten Rekordstände erklommen. Deutsche Produkte bleiben in der Welt nach wie vor sehr gefragt, wie die zuletzt außerordentlich lebhafte Auslandsnachfrage in der Industrie belegt. Auch wenn die Exporte angesichts der leicht gedämpfteren Dynamik der Weltwirtschaft etwas rückläufig sind, nimmt die deutsche Industrie weiterhin eine Spitzenstellung ein. Dies sind gute Zeichen für die Widerstandsfähigkeit unserer Wirtschaft selbst in einem schwierigeren weltwirtschaftlichen Umfeld.”
Das hat was von Realitätsverweigerung aber damit ist er bei den Mövenpigs ja auch bestens aufgehoben.
Und während Rösler das vor sich hinblubbert in laufende Kameras kauft die EZB ohne jede Legitimation en gros italienische und spanische Staatsanleihen auf und macht sich damit ungefragt zur Bad Bank Nr. 1 in Europa.

Portugal Griechenland und Irland haben zusammen “nur” 680 Milliarden Schulden. Italien und Spanien sind dagegen nicht handelbare Schwergewichte mit 2,6 Billionen. Das wird lustig mit der EZB-Bilanz wenn auch nur Teile der Staatsanleihen ausfallen werden. Aber wie praktisch, für die EZB gilt eine der Höhe nach unbeschränkte Nachschußpflicht der dann noch solventen Euro-Länder. Gesetzt Frankreich wäre noch zahlungsfähig träfe uns alleine vom Kuchen 43 %.
http://www.jjahnke.net/rundbr85.html#2458
Insofern, willkommen in der Realität, es geht uns aktuell noch prima. Nur nicht mehr lange.

30) impulshund, Samstag, 13. August 2011, 23:35 Uhr

@ ghurt:

Der Bäcker hat mit einem Hedgefondsmanager oder Investmentbanker nur sehr wenig gemein. Finanzmärkte sind duch den Herdentrieb bestimmt, d.h. schnelle Computerprogramme verschieben in Bruchteilen von Sekunden riesige Summen, wenn es irgendwo ein Angebot gibt, das sich rechnet. Die Versicherungen und Rentenfonds, die ebenfalls Geld anlegen, definieren einen Preis, unter den die Aktien oder Anleihen nicht fallen dürfen. Geschieht diese doch, werden die Aktien automatisch verkauft. Da es sich dann um eine große Anzahl von verkauften Aktien/Anleihen handelt, rauscht der Kurs in die Tiefe. Daher sind Finanzmärkte sind manisch-depressiv.
Der Bäcker dürfte in der Regel immer eine gewisse Menge an Backwaren absetzen, niemand kauft 1000000 Brote, nur weil sie günstig sind. Es kaufen auch nicht alle die gleiche Sorte Brot.
Anshu Jain hat die Summen, die Sie nennen, natürlich nicht im physischen Sinne, sondern es handelt sich um Buchgeld. Banken haben eine geringe Eigenkapitalquote, nach dem letzten Baselabkommen 8 %, vorher hatte die Deutsche Bank ca. 2 %. Die Einschränkung der ungedeckten Leerverkäufe halte ich grundsätzlich für richtig, aber auch andere Derivate müssten reguliert werden (CDS). Es ist schwer einzusehen, dass ich CDS (als Kreditausfallsischerungen) kaufen kann, wenn ich dem betreffenden Land bzw. der betreffenden Firma keinen Kredit gegeben habe. Außerdem kann das Verbot der ungedeckten Leerverkäufe umgangen werden.
Das größte Problem ist m.E., dass die Banken zu große und zu verflochten sind, um sie pleite gehen zu lassen. Da Banken jedoch eine wichtige volksiwrtschaftliche Funktion haben, müssten sie geschrumpft werden. Das ginge jedoch nur, wenn die USA und die EU darin einer Meinung sind. Das kann ich mir weder bei der EU noch bei den USA vorstellen.
Eine Untersuchugn zeigt im Übrigen, dass die Ratingagenturen ihre Auftraggeber besser beurteilen (Zeit/Handelsblatt). Alle gesetzlichen Bestimmungen, die eine gewisse Ratingnote vorsehen, müssten überprüft werden. Trotzdem sind Ratingagenturen an sich notwendig, weil die Märkte wenig transparent sind, allerdings müssten sie unabhängig sein.

31) Recht Unbedeutend, Sonntag, 14. August 2011, 01:21 Uhr

Die Entwicklung ist eine Umverteilung. Belohnt wird jeder, der mitmacht. Bestraft werden die, die nicht mitmachen. Sei es der HartzIV-ler oder der Köhler Horst. Es entsteht ein gigantischer Strudel. Die Umverteilung ist politisch und sozial höchst relevant, nimmt sie doch der Politik die gesellschaftliche Gestaltungsfähigkeit. Die Gesellschaft entvergesellschaftlicht sich. Der Mehrwert nützt dagegen nichts. Die Hausfassaden sind warm und trocken, aber sie gehören einem nicht mehr. Das Auto hat einen Spurhalteassistenten, aber es gehört einem nicht mehr. Die Menschen werden mit allen Mitteln gezwungen, in das Spiel der rotierenden Finanzwerte einzusteigen. Deutschland hat zu viele Ersparnisse, schmeißen wir sie an die Börse. Und die Unbelehrbaren enteignen wir, indem wir die Banken und die Währung aushöhlen. Ein überhitztes System, das seine Ressourcen nicht nutzen kann. Wir sind nicht klüger als alle Gesellschaften vor uns. Fetter allemal, aber nicht klüger. Vielleicht brauchen wir den Absturz, um klüger zu werden. Aber jedes neue System muß sich aus den alten Eliten rekrutieren. Und deren Tendenz in der Sprech- und Denkweise verspottet die Zukunftsvisionen der großen Autoren des 20. Jahrhunderts. Was zu wünschen bleibt: wenigstens satt zu essen, und daß keiner sage, er hätte es nicht wissen können. Daß uns Atomkraftwerke inzwischen gefährlicher vorkommen als Atombomben, ist doch immerhin auch was positives. Wahrscheinlich werden wir’s überleben…

32) Petersen, Sonntag, 14. August 2011, 04:50 Uhr

Die gegenwärtigen Krisen sind doch weniger Finanzkrisen, sondern vor allem Staatskrisen. Krisen der Finanzierung der Staaten. Insofern wird meiner Meinung als Hauptproblem mit der Finanzwirtschaft eine nachgeordnete, d.h. zweitrangige Baustelle beschrieben. Wenn Staaten wie Griechenland, Portugal usw. nicht nachhaltig wirtschaften, ist das nicht primär Problem der Finanzwirtschaft. Die Hauptsache der derzeitigen Kalamitäten ist – die Staatsfinanzen auf eine tragfähige Basis zu stellen. Das heißt also schlicht allgemein weniger auszugeben (zu sparen) und mehr einzunehmen (also ggf. mehr Steuern einzunehmen und einzutreiben). Wobei die spekulationsbedingten Staatsspritzen für marode Finanzinstitute im Zuge der Finanzkrise von 2008 sicher eine wichtige, aber beileibe nicht die einzige Rolle spielen.

33) Steve, Sonntag, 14. August 2011, 09:53 Uhr

Tja, gut gebrüllt, Löwe, aber, Herr Spreng, Sie sind ja auch Teil der Öffentlichkeit, die die Linken und linke Politik konsequent verketzert. Wer A sagt, muss auch B sagen. Die Finanzkrise ist kein Unfall, sondern das logische Ergebnis einer sich konservativ nennenden Wirtschaftspolitik. Capitalism will eat itself. Schauen Sie doch mal auf die “Nachdenkseiten”.

34) Baseline, Sonntag, 14. August 2011, 12:15 Uhr

Unser Geldsystem muss grundlegend reformiert werden. Aber wie?

Dazu vorab zwei Zitate:

“Of all the many ways of organizing banking, the worst is the one we have today.”

Merrvyn King, Governor, Bank of England, October 25, 2010

“I don’t think this is just a financial panic; I believe that it represents the failure of a whole model of banking, of an overgrown financial sector that did more harm than good.”

Paul Krugman, “The Market Mystique,” New York Times, March 26, 2009

In USA wurde jetzt gerade ein lesenwerter Bericht veröffentlicht:

„How to Liberate America from Wall Street Rule“ – A Report from the New Economy Working Group, July 2011

Hier der Link zum Bericht:
http://www.neweconomyworkinggroup.org/sites/default/files/LiberateAmericaONLINE.pdf

Bei uns in Europa werden durch alle bisherigen Maßnahmen die Konstruktionsprobleme rund um die Währungsunion nicht gelöst: Beim Stabilitäts- und Wachstumspakt wird die private Verschuldung nicht eingerechnet, sie soll nur beobachtet werden. Eine einheitliche europäische Finanzaufsicht liegt in weiter Ferne. Ein Europäischer Stabilisierungsmechanismus löst nicht die Dynamik des bestehenden Ponzi-Schemas. Bei einem einheitlichen Zinssatz und unterschiedlichen Inflations-, Wachstums- und Lohnzuwachsraten stellen sich zwangsläufig Ungleichgewichte in einem nicht gerade optimalen Währungsraum ein. Man sieht das Problem, sagt aber nicht, was konkret zu geschehen hat.

Der Ponzi-Mechanismus wird gegenwärtig künstlich am Leben erhalten, indem die Finanzinstitute die Anleihen bei der EZB für überhöhte Preise entsorgen können oder die Papiere halten und sich über den Rundumsorglos-Schirm freuen. So wird doppelt verdient: An den Anleihen des Rettungsschirms und an den Anleihen, die von den einzelnen Ländern am Kapitalmarkt angeboten werden. Die Staaten selbst und ihre Menschen haben wenig davon.

Die Welt-Finanz- und Schuldenkrise widerlegt radikal die von Wirtschaft, Politik und der großen Mehrheit der Mainstreamökonomie geteilte Weltsicht, dass Selbstkontrolle, soft regulation und das Eigeninteresse der Akteure zu effizienten Finanzmärkten führt. Lehren hat man im finanzwirtschaftlich-politisch-wissenschaftlichen Komplex aus dieser Jahrhunderterfahrung interessen- und ideologiebedingt zugunsten kleinerer Marginalreformen bisher kaum gezogen.

Die im bisherigen Handeln der Akteure eindeutig unter die Räder geratenen Interessen der Bürger und Steuerzahler finden neuerdings auch im deutschen universitäts-wissenschaftlichen Bereich mindestens einen Vertreter.

In seinem schon nach wenigen Monaten in der zweiten Auflage erschienenen Buch

„Die große Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise – Eine kritisch-heterodoxe Untersuchung“ [2. korrigierte und erweiterte Auflage, Metropolis Verlag 2011 • 618 Seiten • ISBN 978-3-89518-861-9]

entwickelt Helge Peukert auf staatswissenschaftlich-finanzsoziologischer Basis relevante Vorstellungen über eine langfristig tragfähige Lösung, die „die begrenzte Rationalität der Markt- und Staatsakteure einkalkuliert“ und daher „auf Regeln und klare Institutionalisierungen setzt“.

So lange aber Ackermann-nahe Persönlichkeiten wie das Trio Jörg Asmussen (Finanzmarkt–Ober-Deregulierer der rot-grünen, schwarz-roten und schwarz-gelben Koaltion), Jens Weidmann und (bald von der Schweiz aus) Axel Weber als zentrale Ratgeber die Richtlinien unserer deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik in der Exekutive massiv beeinflussen, bleiben die gebotenen, die Macht der Finanzgroßwirtschaft beendenden, notwendigerweise radikalen Reformen mit Sicherheit aus.

Simon Johnsons “stiller Staatsstreich” (The Quiet Coup) läßt auch hier schon lange grüssen:
http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2009/05/the-quiet-coup/7364/

“Fünf Sekunden vor Zwölf” bleibt noch eine – wenn auch nur schwache – Hoffnung: das Bundesverfassungsgericht und/oder der Bundestag weisen unserer Regierung den Weg. Ansonsten wird die schöpferische Kraft der Zerstörung in ungeregelter Form wirksam werden.

35) hjg, Sonntag, 14. August 2011, 12:42 Uhr

Zitat: „Es ist 5 Sekunden vor zwölf.“

Sehr geehrter Herr Spreng, ihre Uhr geht nach.

36) m.spreng, Sonntag, 14. August 2011, 12:49 Uhr

Zur selben Thematik ein Lesetipp. Frank Schirrmacher heute in der FAS: “Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat”.

37) Leider-aus-Deppendorf, Sonntag, 14. August 2011, 13:09 Uhr

Sehr geschätzter Herr Spreng,
Ihre Kassandrarufe richten sich an wen ?

Die Probleme sind, wenn man paternalistisch denkt, dem Unvermögen der Verantwortlichen gedankt. Wenn man etwas von der medialen Oberfläche abkratzt, so erblickt man ein wohlgestaltetes System zur reibungslosen Verwaltung von Unverantwortlichkeit und Ausgrenzung von (wirtschafts-) politischem Sachverstand, das mit den Errungenschaften der Verträge von Maastricht und Lissabon noch weiter zementiert wurde.

Den aktuellen Vorgang als Versklavung ganzer Gesellschaften zum Nutzen der Finanzmärkte und ihrer Nutznießer zu verstehen ist naheliegend, aber er muss doch auch unausweichlich hierzulande die Frage nach dem Versagen des gesamten politischen Konzepts der bundesrepublikanischen Verfassung aufwerfen?

Die Kanalisierung der Verflechtungen über Parteien ist offensichtlich, ein Korrektiv nicht vorgesehen.
Wie Sie gerne schildern, war Ihr persönliches Verhältnis zu der Partei Ihres Vertrauens auch nur von kurzer Dauer. Die rüden Verhältnisse in derlei Einrichtungen sind in allen Gruppierungen bekannt. Eine Alternative zum Nichtwähler oder zu dem eines Pest-oder-Cholera-Wählers besteht nicht.

Ein Zeitfenster für G7-GX erscheint mir am Kern der Probleme vorbei zu gehen, solange die Junkies an der Nadel der Finanzmärkte hängen. Ein viel grundsätzlicheres Denken müsste endlich einsetzen, das die demokratischen Spielregeln, die diese Misspolitik nachweislich fördern und pflegen, auf ihre Zukunftstauglichkeit hinterfragt. Der Bürger hat das Kasperltheater in Berlin schon lange durchschaut, aber ihm sind die Hände gebunden und sein Stimmrecht entwertet, damit Realpolitiker vom Schlage Adenauer,[...], Schäuble, Merkel sich täglich immer getrost motivieren können, was interessiert mich mein Geschwätz vom Vortag, ich mache das nach Gutsherrnart und das soll auch so bleiben.

Verstehe ich, verehrter Herr Spreng, Ihre Litanei richtig, dass Sie sich bittend an die Gutsherrn dieser Republik wenden, oder wäre ein Aufruf zu mehr direktem Einfluss (Bürgermitsprache) nicht tröstlicher?

38) Michael A. Nueckel, Sonntag, 14. August 2011, 13:32 Uhr

Ich kann dem Beitrag nahezu uneingeschränkt zustimmen, mit einer Einschränkung, besser hätte mir als Überschrift gefallen: “Die Politik, das Monster und die Geister, die man rief …” oder gleich: Die Politik und das Monster, das man rief und nicht mehr los wird”, oder ?

39) sk8erBLN, Sonntag, 14. August 2011, 13:52 Uhr

@ m.spreng, Sonntag, 14. August 2011, 12:49 Uhr

“Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat” findet sich online hier:

http://www.faz.net/artikel/C30351/buergerliche-werte-ich-beginne-zu-glauben-dass-die-linke-recht-hat-30484461.html

Tja, schon spannend die Selbsterkenntnisse von Moore, er ist da auf keinem falschen Weg, auch wenne r ihn nicht konsequent weit genug denkt.

Schirrmacher selbst verheddert sich einmal mehr im Klein Klein wenn er auf den Bundespräsienten, Merkel oder gar eine Schawan kommt.

Die sind alle nicht wirklich wichtig und würden sie Reden, es wäre doch nur das übliche hirnlose Geschwafel. Insofern gut dass sie schweigen. Sie alle ignorieren beflissentlich die Exponentialität anstehender Herausforderungen in den Bereichen Weltbevölkerung, Weltrohstoffresourcen, Geldsystem und nichts ist sträflicher als das.
siehe
http://www.chrismartenson.com/crashcourse/deutsch/kapitel-3-exponentielles-wachstum
nur 7 min
So liegt auch
Schirrmacher am Ende daneben wenn er formuliert “Der geradezu verantwortungslose Umgang mit dem demographischen Wandel – …” und “iEn Bürgertum, das seine Werte und Lebensvorstellungen von den „gierigen Wenigen“ (Moore) missbraucht sieht, muss in sich selbst die Fähigkeit zu bürgerlicher Gesellschaftskritik wiederfinden.”
Ein wenig Gesellschaftskritik und der Blick auf den hier bestehenden demographischen Wandel wird uns sicher nicht weit genug bringen.
Weshalb, versteht man leicht, wenn man genauer schaut was “exponentielles Wachstum” im Kern bedeutet und wo wir heute stehen. Wobei ich zugeben muss dass Schirrmacher mit seinem Artikel unendlich viel weiter ist, als mehr als 90 % der uns regierenden Politiker.

40) sk8erBLN, Sonntag, 14. August 2011, 13:54 Uhr

@ Ste, Samstag, 13. August 2011, 18:11 Uhr
” Es bringt Null Komma Null Identitäten zu konstruieren und in dieser Kopfsimulation dann die eine Gruppe Menschen gegen die andere Gruppe auszuspielen.”

Na holla bringt das was, nur deshalb wird da ja so fortlaufend praktiziert.

Jede Schaffung von “Sündenböcken” dient in dem Zusammenhang der Ablenkung. Egal ob die Sündenböcke nun “Asylbetrüger, HarzIV-Abzocker, Finanzjuden, Bank(st)er oder wie auch immer genannt werden. Es werden Feindbilder geschaffen die die komplexen tatsächlichen Zusammenhänge verschleiern und das funktioniert ganz prima da die wenigsten reflektiert genug sind das Spiel zu durchschauen. Und wer so schön mit den falschen Gruppen befasst ist, hat weder Zeit nachzudenken noch kommt er darauf die Zusammenhänge besser zu verstehen.

@ alle

Spanender als die -natürlich richtige Feststellung ,dass erst die enorme Staatsverschuldung, die niemand anderes als Politiker zu verantworten haben,und die uns erst in die Klauen der Finanzindustrie geführt hat- ist doch die Frage welche drastischen Schnitte zum jetzigen Zeitpunkt nötig sind um da wieder herauszukommen.

Da fehlt es der Politik ganz offensichtlich an Bereitschaft, es war halt bequem auf Kosten zukünftiger Generationen auf Kredit zu leben, weshalb so gut wie alles als alternativlos deklariert wird. Die ganzen läppischen “Korrekturen”, das offensichtliche hinterher hecheln der Politik weil sie wieder einmal auf Lobbyisten hörten die gänzlich andere Interessen haben als klare Kante zu zeigen.

Diese Politiker, egal ob CDUler oder SPDler die Regierung stellen wird so lange weiterwursteln bis der ganz große Bang kommt und es wirklich nicht mehr weiter geht. Der ist dann gekommen, wenn das Spiel des ewigen Wachstums nicht mehr spielbar ist, die Energie und Rohstoffresourcen am Ende sind. Davon siond wir nicht mehr weit entfernt, aber für ein paar Legislaturperioden des Weiterlavierens reicht es noch. Und so lange ist es eben alternativlos. Ich nenne das Vogel Strauss Politik vom Feinsten. Es geht in Zukunft bei weitem nicht nur darum ein wenig Geld zu sparen.

“In den vergangenen paar Jahrhunderten haben wir uns angewöhnt, diese beiden Dinge mit einander zu verbinden; es gab immer genug überschüssige Energie, so dass wir beides, Wachstum UND Wohlstand haben konnten. Wir mussten also keine harte Wahl zwischen Wachstum und Wohlstand treffen.

Der Ökonom Malcolm Slesser vom Resource Use Institute of Edinburgh in Schottland, hat berechnet, dass heute über die Hälfte der weltweit gewonnenen Energie allein für Wachstum verwendet wird. Hier eine Frage: Was passiert, wenn 100% unseres überschüssigen Geldes oder unserer überschüssigen Energie ausschliesslich für das Wachstum verwendet werden? Das Ergebnis wäre stagnierender Wohlstand. Und was passiert, wenn es nicht mal genügend Überschuss gibt, um nur das Wachstum zu finanzieren?

Nun, wenn diese Zeit kommt, werden wir sowohl negatives Wachstum, wie auch negativen Wohlstand erleben – das ist nicht gerade die Zukunft, auf die ich mich freue.

Das ist die grösste Herausforderung unserer Zeit: richtig zu erkennen, wo wir unseren verbleibenden Überschuss einsetzen wollen und wie wir diese Geschichte unter die Leute zu bringen. Ich jedenfalls möchte weitere Fortschritte sehen in der Energieeffizienz, in der Medizin wie auch in allem, was diese moderne Gesellschaft sonst zu bieten vermag. Das setzen wir aufs Spiel, wenn wir uns erlauben, das zu tun, was einfach ist, d.h. den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und einfach weiter zu wachsen, antatt, das Richtige zu tun: unseren Überschuss auf eine blühende Zukunft hin zu lenken.”
einmal mehr als quelle des Zitats:
http://www.chrismartenson.com/crashcourse/deutsch

41) River runs Red, Sonntag, 14. August 2011, 13:57 Uhr

Was sollen den unsere Politiker noch ändern?Wenn das Parlament sein Haushaltsrecht abgibt,sind unsere Politiker nur noch die Vollstrecker,der Beschlüsse anderer…Meiner Meinung nach sind sie es jetzt schon,dann aber eben ganz offiziell.Die Banken sagen also,ihr Demokraten könnt mit Geld nicht umgehen,darum machen wir das jetzt für euch,ihr müsst nur noch tun was wir sagen,ach ja und dafür bezahlen natürlich.Oder wie David Rockefeller bereits seit Jahren sagt:”Die Herrschaft einer internationalen Bankelite,ist doch der nationalen Selbstbestimmung der letzten Jahrzehnte sicherlich vorzuziehen.”Was wir grad erleben ist nur die konsequente Umsetzung dieses Satzes,der Mann macht keine WItze.Frau Merkel hat es doch bereits vor ihrer Kanzlerschaft beim Jubiläum der CDU gesagt:”Deutschland hat keinerlei Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft in alle Ewigkeit.”Da könnt ihr alle noch was lernen,so dient man sich dem neuen Arbeitgeber schonmal an.Vorbildlich!!!Und nebenbei die Ewigkeit ist schon vorbei,hat keine 5 Jahre gedauert… schöne neue Welt

42) jo, Sonntag, 14. August 2011, 14:16 Uhr

@william

Es ist ja wohl das Ekelhafteste und Niederträchtigste, Herrn Spreng (den Sie hier so jovial anduzen), durch die Blume Antisemitismus zu unterstellen, weil er als Konservativer die kriminellen Machenschaften der internationalen Finanz”märkte” als gefährlich für den Fortbestand unserer Demokratien kritisiert. SIe hingegen haben sich mit keinem Argument sachlich eingebracht, weithin die Propaganda der Finanzmärkte wiederholt (was glauben Sie eigentlich, für wessen Rettung sich Staaten wie Deutschland so exorbitant verschuldet haben?) . Möglicherweise tun Sie das ja deshalb, weil es langsam eng wird und selbst im rechten Blätterwald das Rauschen nicht mehr überhörbar ist. Die wahre Bedrohung des Westens ist nicht Al Quaida, sondern der (angelsächsische) Finanzterrorismus.

Die Finanzkrise schlägt für jeden Deutschen mit etwa 9000 € zu Buche, und Sie haben die verhetzende Frechheit, dem Autor Antisemitismus zu unterstellen. Was für ein Wurm Sie sind!

43) sk8erBLN, Sonntag, 14. August 2011, 14:18 Uhr

@ Baseline, Sonntag, 14. August 2011, 12:15 Uhr

“Der Ponzi-Mechanismus wird gegenwärtig künstlich am Leben erhalten, indem die Finanzinstitute die Anleihen bei der EZB für überhöhte Preise entsorgen können oder die Papiere halten und sich über den Rundumsorglos-Schirm freuen. So wird doppelt verdient: An den Anleihen des Rettungsschirms und an den Anleihen, die von den einzelnen Ländern am Kapitalmarkt angeboten werden.”

Richtig. Um das wirklich verständlich zu machen für den Durchschnittsmenschen sollte man allerdings früher ansetzen.

“Wenn wir je verstehen wollen, was in der Finanzwelt gerade vor sich geht, dann müssen wir damit beginnen Geld zu verstehen und wie es geschaffen wird. Deshalb werden wir diesen Prozess der Geldschöpfung hier untersuchen.

Lassen Sie mich Ihnen John Kenneth Galbraith vorstellen. Er lehrte viele Jahren an der Harvard University und war politisch aktiv. Er diente den Regierungen von Franklin D. Roosevelt, Harry S. Truman, John F. Kennedy, und Lyndon B. Johnson. Neben anderen Aufgaben war er unter Kennedy Botschafter der USA in Indien.

Er war einer der wenigen, der zweimal die ‚Presidential Medal of Freedom’[1] erhielt. Ganz offensichtlich eine bemerkenswerte Persönlichkeit.

Über Geld machte er die berühmte Aussage: „Das Verfahren, wie Geld geschaffen wird, ist so einfach, dass sich unser Verstand dagegen wehrt.“ Genau darüber wollen wir nun reden.

http://www.chrismartenson.com/crashcourse/deutsch/kapitel-7-geld-schopfung

Und im nächsten Schritt WO Geld geschaffen wird, wie das Verfahren funktioniert.

http://www.chrismartenson.com/crashcourse/deutsch/kapitel-8-die-us-notenbank

Danach versteht man:

Weil unser auf Schulden aufgebautes Geldsystem stetig um einige Prozente wachsen muss, ist es ein exponentielles System – schon vom Konzept her. Eine Begleiterscheinung dessen ist, dass die Menge der Schulden/ im System immer größer als die Menge an Geld/ sein wird. Ich werde das nicht werten und sagen: „das ist gut“ oder „das ist schlecht“.

Es ist einfach so wie es ist. Da Sie nun den Aufbau des Systems kennen, wird es Ihnen leichter fallen zu verstehen, dass der Spielraum für zukünftige, wirtschaftliche Entwicklungen nicht unbegrenzt, sondern an die Regeln des Systems gebunden ist.

Es ist einfach so wie es ist. Da Sie nun den Aufbau des Systems kennen, wird es Ihnen leichter fallen zu verstehen, dass der Spielraum für zukünftige, wirtschaftliche Entwicklungen nicht unbegrenzt, sondern an die Regeln des Systems gebunden ist.

All das führt uns zum vierten Schlüsselgedanken, nämlich dass immerwährende Aufblähung im heutigen Bankensystem eine Notwendigkeit darstellen.

Wir können sogar eine Regel aufstellen: Jedes Jahr muss soviel an neuen Krediten aufgenommen bzw. vergeben werden, wie es im jeweiligen Jahr ausstehende Zinszahlungen gibt.

Ohne eine stete Ausweitung der Geldversorgung, könnten die vergangenen Schulden nicht bezahlt werden, und die Zahlungsunfähigkeit würde sich im ganzen System ausbreiten und es möglicherweise zerstören.

Zahlungsunfähigkeit ist die Achillesferse eines auf Schulden beruhenden Geldsystems, wie wir es am Beispiel mit den Geschäftsbanken im vorhergehenden Kapitel gesehen haben.

Aus diesem Grunde sind alle institutionellen und politischen Kräfte unserer Gesellschaft darauf aus, dies zu vermeiden.

Das Bankensystem muss stetig wachsen – nicht weil es richtig oder falsch ist, sondern weil es einfach darauf ausgelegt ist.

Es ist eine Eigenschaft dieses Systems, so wie das Verbrauchen von Benzin eine Eigenschaft des Motors in meinem Auto ist.

Die SCHLÜSSELFRAGE ist, „Kann unser heutiges Geldsystem auf eine Weise verändert werden, so dass es stabil, gerecht und nützlich ist, auch wenn es nicht wächst?“

Die Frage lautet also: Was geschieht, wenn ein von Menschen geschaffenes Geldsystem, das aufgrund seiner Beschaffenheit wachsen muss, Kopf voran in die physikalischen Grenzen/ eines kugelförmigen Planeten rennt?

Und wenn man die Schlüsselfrage begriffen hat wundert man sich nur noch über die sinn- und hilflosen Versuche gewisser Staatsoberhäupter das bereits in Gang gesetzte Karussell mit geradezu lächerlichen Massnahmen zum Halten zu bringen. Das kann nicht funktionieren!

44) Katja Neutze, Sonntag, 14. August 2011, 14:57 Uhr

Herr Spreng, ich teile Ihre Meinung durchaus. Nur meine ich, dass inzwischen schon diverse Politiker im Inneren ebenso denken, sie sehen nur keine realistische Möglichkeit etwas zu ändern!
Wie sie beschrieben haben, konnten keine wirksamen internationalen Maßnahmen getroffen werden. Kein Wunder, die Finanzwirtschaft ist absolut international, die Poltitik hingegen national aufgestellt – dieses Ungleichgewicht verhindert jede Möglichkeit angemessener Regulierung.
Sie selbst haben beschrieben, wie wirkungslos Alleingänge (hier: Verbot der Leerverkäufe) sind.
Also: international läuft nichts, trotz vieler Bemühungen; national bringt nichts.
Dazu kommt: Wenn ein Politiker in Verantwortung sich prägnant äußert, riskiert er eben durch seine Worte erneute Verwerfungen an den Finanzmärkten.

Deshalb halte ich unsere Politiker für hilflos. Und diesmal kann ich die Hilflosigkeit sogar verstehen, denn auch mir fällt nichts ein, was man als deutscher Politiker realistisch tun könnte.

45) sk8erBLN, Sonntag, 14. August 2011, 15:07 Uhr

hier noch der link zum Moore Artikel im Telegraph, das Echo war groß, an die 1800 Kommentare (sortiert man die nach “Best Rating” entdeckt man einige Perlen:
I’m starting to think that the Left might actually be right
http://www.telegraph.co.uk/news/politics/8655106/Im-starting-to-think-that-the-Left-might-actually-be-right.html

Im Nachgang zu den Unruhen in GB, die von Cameron als “Terror des Pöbels und ordinärer Krimineller” abgetan wurden fand ich einen schönen kommentar im östereichischen Standard

“Die Banker von der Straße
KOMMENTAR | KARL FLUCH, 10. August 2011 19:11

Jugendproteste wie jene in England erinnern an die Bringschuld der Politik
So wenig die Weltjugend eine homogene soziale Gruppe ist, so wenig ist sie ein Finanzplatz am Abgrund zur Pleite. Pech für sie. Denn sonst wären längst Rettungsschirme aufgespannt worden, unter denen nationale und internationale Allianzen Milliarden in ihre Ausbildung, in die Arbeitsplatzschaffung und die Errichtung leistbarer Wohnungen pumpen und so die Zukunft aller sichern würden – ganz so, wie es der Generationenvertrag vorsieht.

Doch die Unfähigkeit oder der Unwille der Politik, in diesen wesentlichen Bereichen Konsens herzustellen, erodiert die Grundpfeiler der Wohlstandsgesellschaften, innerhalb derer immer mehr zu Zaungästen eines heiteren, aber zusehends elitären Kapitalismus werden.

Gleichzeitig pumpen Regierungen Milliarden in die Märkte, um bloß den Gottseibeiuns, den Dow Jones, nicht zu verstimmen, während sie Sozialleistungen streichen. Dass derlei Politik in Ländern wie Spanien mit rund 44 Prozent, Griechenland mit 38 oder Großbritannien mit 20 Prozent Jugendarbeitslosigkeit als blanker Zynismus wahrgenommen wird, wundert nur die wenigen Gewinner, die zur Teatime den Unterschied zwischen frustrierten und kriminellen Demonstranten diskutieren, ansonsten nur um das Ansehen des Finanzplatzes bangen.

http://derstandard.at/1311803178523/Proteste-Die-Banker-von-der-Strasse

Und noch was interessantes: In Frankreich verfasste die Tageszeitung “Le Monde” schon mal als Politfiction das Ausstiegsszenario der Deutschen aus dem Euro, auszugsweise nachzulesen via Presseurop in deutscher Übersetzung:

ENDSTATION FÜR DEN EURO 1/4
Berlin bereitet Euro-Ausstieg vor
http://www.presseurop.eu/de/content/article/855071-berlin-bereitet-euro-ausstieg-vor
und in französisch
http://www.presseurop.eu/fr/content/article/849661-berlin-prepare-sa-sortie-de-l-euro

aus dem Sommer 2001 in der Tageszeitung Le Monde die Serie „Endstation für den Euro“ . Was man sich bei Presseurop dabei gedacht hat so tief im Archiv zu graben?

46) sk8erBLN, Sonntag, 14. August 2011, 15:33 Uhr

Beleg gefällig für meine These von heute, 13:52 Uhr?:

“Schirrmacher selbst verheddert sich einmal mehr im Klein Klein wenn er auf den Bundespräsidenten, Merkel oder gar eine Schawan kommt.

Die sind alle nicht wirklich wichtig und würden sie Reden, es wäre doch nur das übliche hirnlose Geschwafel. Insofern gut dass sie schweigen.”
Heute in der FR -ganz große Weltpolitik :-P :

Bundespräsident: Wandern tut gut

Bundespräsident Christian Wulff setzt sich für das Schulwandern ein. Gerade Kinder und Jugendliche aus den Städten, …

Melle. Bundespräsident Christian Wulff setzt sich für das Schulwandern ein. Gerade Kinder und Jugendliche aus den Städten, die viel vor dem Computer säßen, könnten kaum noch ihren Bewegungsdrang ausleben. Das sagte Wulff auf dem 111. Deutschen Wandertag in Melle bei Osnabrück. Ihnen tue Wandern gut.”
http://www.fr-online.de/home/bundespraesident–wandern-tut-gut/-/1472778/9533772/-/view/asTicker/-/index.html

Wirklich die perfekte Antwort auf die brennenden Fragestellungen unserer Zeit. Aber was will man erwarten von einem der den Job von Merkels Gnaden erhielt? Das war absehbar, auf alles andere als “Frühstücksdirektoren” reagiert die kinderlose Mutti bekanntermaßen allergisch.!

47) Horst, Sonntag, 14. August 2011, 15:35 Uhr

Ja, Schirrmachers Artikel ist sehr lesenswert. Ihrer übrigens auch.

48) mistfink, Sonntag, 14. August 2011, 15:47 Uhr

Wohl wahr! – Aber: wer soll einen Anstoß zur Änderung geben? Der große Teil der Bevölkerung, der weder vertsteht, was hier abgeht, noch es wissen will? Die Medien, die in ihrer Inkompetenz, ihrer Faulheit oder ihrer Gleichschaltung wenig bis nichts zur Aufklärung beitragen? Die MdBs, die – über Liste ernannt – niemand Rechenschaft schulden, außer ihren Parteivorsitzenden? Der Haufen von im Wesentlichen Dilettanten, der uns regiert? Oder das BVG, das kneift?

49) Robert Ping, Sonntag, 14. August 2011, 17:09 Uhr

Herr Spreng, Sie haben recht, hier wird wirklich der Bock zum Gärtner gemacht.
Ich glaube nicht, dass unsere Kanzlerin auch nur ansatzweise versuchen wird, die Finanzbranche etwas zu regulieren. Sie ist ja mit den Bankenchefs auf Du und Du. Da war der „Genosse der Bosse“ (Schröder) nichts dagegen. Man sieht es daran, dass sie die Geburtstagsfeier für Ackermann im Kanzleramt hat ausrichten lassen und daran, dass sie u.a. die Dt. Bank die Entwürfe für die Euro-Krisenrettungsgipfel ausarbeiten lässt. Das führt dazu, dass die Banken massiv bevorzugt werden, wenn die Entwürfe in geltendes Recht umgesetzt werden, da sie diese Entwürfe natürlich tendenziell zu ihren Gunsten ausarbeiten.
Bei der vielfach erwähnten „Beteiligung privater Gläubiger“ werden die Banken nur mit ca. 20% zur Kasse gebeten, obwohl sie ihre Griechenland-Anleihen damals nur zu einem Kurs von ca. 50% hätten verkaufen können. Die Differenz von 30% des Kurswerts der Anleihen trägt dann der Steuerzahler.
Die Bestellung Anshu Jains zum Vorstandschef der Dt. Bank verheißt tatsächlich auch nichts Gutes, denn die US-Tochtergesellschaft der Dt. Bank war eine der 5 größten Akteure bei den Kreditverbriefungen (Erstellung von CDOs). Die haben sie u. a. dann an die IKB und die Dt. Landesbanken verkauft.

50) Rainer, Sonntag, 14. August 2011, 17:28 Uhr

Es ist nicht “5 Sekunden vor zwölf”. Leider haben wir mMn. längst den Punkt überschritten an dem es noch einen Weg zurück gibt. Die Politik hat sich längst so erpressbar gemacht, dass sie der Finanzwelt nichts mehr vorschreiben kann.
Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels: Die Finanzwelt wird sich auf kurz oder lang selbst zerstören. Dann müssen wir Bürger für einen vernünftigen Neuanfang sorgen.

51) hs, Sonntag, 14. August 2011, 18:10 Uhr

Hallo Herr Spreng,
sehr populistischer Kommentar.

Aus meiner Sicht kritisieren Sie die Symptome und nicht die Ursachen. Spekulanten sind nicht die Ursache sondern Nutzen vorhandene Ungleichgewichte im Markt. Nur wenn die Preise zu hoch sind, machen Leerverkäufe Sinn. Sie beklagen auch keinen Spekulanten, der auf steigende Kurse wettet.

Spekulanten sind ein Symptom den politischen Versagens. Die FED und andere Zentralbanken pumpen billiges Geld ins System. Dem steht keine entsprechende Nachfrage der Konsumenten entgegen und Firmen haben eher Kredite abgebaut, während die Staaten ihre Schulden aufgestockt haben.

Die Politik hat hier versäumt, parallele Regeln für die Situation zu erstellen. Das Problem ist eher, daß Politik mehr reagiert als agiert. Alternativlose Entscheidungen gibt es im Grunde nicht. Wer keine Alternativen hat oder den Entscheidungsprozess nicht erklären kann, hat politischer versagt. Die Menschen spüren, daß es keine öffentliche Diskussion über Alternativen mehr gibt. Was zählt ist, Machterhalt und wie man Wählern keine Alternativen gibt, sondern nur Nuancen der gleichen Lösung.

Dies spürt die Bevölkerung. Gleichzeitig wird dieser Zustand nicht mehr von der Presse kritisch hinterfragt. Dadurch steigt eher noch die Verunsicherung. Wenn die etablierten Parteien nicht für Alternativen sorgt, wird dies der Wähler tun.

Wenn die bisherigen Volksparteien so weitermachen, werden sie den letzten Einfluß verliehren und Grüne, Linkspartei und andere werden gewinnen

52) Horst Schmidt, Sonntag, 14. August 2011, 18:12 Uhr

Ergänzend dazu dieser Kommentar von Peter Oborne, den ich schon für sehr bemerkenswert halte und bei uns für unmöglich.

blogs.telegraph.co.uk/news/peteroborne/100100708/the-moral-decay-of-our-society-is-as-bad-at-the-top-as-the-bottom/

“The moral decay of our society is as bad at the top as the bottom

David Cameron, Ed Miliband and the entire British political class came together yesterday to denounce the rioters. They were of course right to say that the actions of these looters, arsonists and muggers were abhorrent and criminal, and that the police should be given more support.

But there was also something very phony and hypocritical about all the shock and outrage expressed in parliament. MPs spoke about the week’s dreadful events as if they were nothing to do with them.

I cannot accept that this is the case. Indeed, I believe that the criminality in our streets cannot be dissociated from the moral disintegration in the highest ranks of modern British society. The last two decades have seen a terrifying decline in standards among the British governing elite. It has become acceptable for our politicians to lie and to cheat. An almost universal culture of selfishness and greed has grown up.”

Dieser grimmige Ernst erstaunt schon. Dazu im Vergleich die Berichterstattung in diesem, unseren Lande. Warum Frank Schirrmacher auf diesen Beitrag nicht eingeht, verweist, erschließt sich mir nicht, aber ich vermute, ein solches Vordringen an den Kern wird bei uns noch gescheut.

Nachdenkliches, aber auch Erhellendes zum Wochenende, zum Wochenanfang. Aus dem Hause der Konservatives kommen unglaubliche, sprachlos machende Zeilen. Kaum zu glauben, dass sich hier in unserem Lande ein Chefkommentator zu solch einem Abgesang auf eine faulende Gesellschaft, politische Klasse “hinreissen” lassen würde.

Chapeau.

53) Peter Christian Nowak, Sonntag, 14. August 2011, 20:44 Uhr

@ghurt

Weil die EZB reichlich Geld in den Markt pumpt, können sich auch die Investmentbanken wie die Deutsche Bank derzeit überaus preiswert refinanzieren. Die Zahlen indizieren nicht die Leistung, die man von einer Bank erwartet; nämlich sich um das wichtige Kerngeschäft zu kümmern. Allerdings, die Voraussetzungen fürs Zocken sind derzeit besser als vor der Krise. Deswegen wird “weiter auf Teufel komm raus gezockt” (hat mir ein Börsenhändler gesteckt).
Beste Voraussetzungen dafür, gegen entsprechende Zinsen jene Anleihen zu finanzieren, die von den Staaten zur Krisenbekämpfung aufgenommen werden. Die Kehrseite der Medaille ist wie gesagt, der Verlust von Lust und Laune für das normale Kreditgeschäft. Das Wettgeschäft mit zu billigst Konditionen aus dem Hause der Steuerzahler in Richtung EZB ist zu verlockend. Es sind unsere Steuergelder, die hier den Banken vor die Füße geworfen werden; und zwar zum Billigstzinssatz. Uns dagegen drohen staatliche Kürzungen und Steuererhöhungen, möglicherweise eine Anhebung der Mehrwertsteuer.
Durch hohe Aufschläge wird das Geld an die prekären Staaten wieder weiter verliehen.
Nun zu Ihren Zahlen: Erst im Wettgeschäft werden die Margen, die Sie nennen, in Milliardenhöhe erreicht. Auch boomt der Handel mit Anleihen, zum Beispiel denen der Schwellenländer, bei denen die Preise stärker schwanken als bei denen der Industriestaaten. Zusätzliche Chancen liegen im Aufkauf von Krediten anderer Banken, die oft auf Druck der Bankenaufsicht ihre Kreditportfolios zurückfahren müssen. Dann sind auch erstklassig besicherte Darlehen renommierter Unternehmen zum Spottpreis zu haben, die dann mit hohen Gewinnaufschlägen weiterverkauft werden können. Selbst an den Pakethandel mit gesicherten Forderungen trauen sich die Investmentbanker wieder heran. Herabgestufte Collateralized Debt Obligations (CDO) (von Ländern wie Portugal, Spanien, Griechenland und vielleicht auch jetzt Italien) sollen neu verpackt und – man glaubt es nicht – verbrieft werden um sie wieder in den Handel zu retournieren. Der Markt ist offensichtlich weiterhin da. Man erinnere sich: die giftigen Papiere haben die Lehmanpleite und infolge dessen eine weltweite Finanzkrise ausgelöst Aber aus gehabten Schaden nichts gelernt, außer, dass im Falle von „Turbulenzen“ wieder der Steuerzahler in Geiselhaft genommen wird. Die Zocker wissen das. Und sind sich vor allem dessen sicher! So verzeichnet die Deutsche Bank ein wachsendes Interesse ihrer Kunden an derlei derivativen Produkten. Gute Voraussetzungen für den nächsten Crash.

54) Peter Christian Nowak, Sonntag, 14. August 2011, 20:49 Uhr

^^Zur selben Thematik ein Lesetipp. Frank Schirrmacher heute in der FAS: “Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat”.^^

Kann mich erinnern, daß Herr Schirrmacher vor gar nicht allzu langer Zeit ein glühender Anhänger der Schröder´schen wie Steinbrück´schen Privatisierung- wie Finanzmarkt- Deregulierungslogik war.

55) Ste, Sonntag, 14. August 2011, 23:12 Uhr

@sk8erBLN: Den von Ihnen zitierten Kommentar eines Karl Fluch muss man sich ausdrucken. Vielen dank dafür. Ich wiederhole nochmal den LInk: http://derstandard.at/1311803178523/Proteste-Die-Banker-von-der-Strasse

56) Leser, Montag, 15. August 2011, 01:13 Uhr

1. Danke, Herr Spreng, für Ihre Zeilen. Der Link zu Ihrem Kommentar, bzw. Blog, wurde im Freundeskreis verteilt.

2. Den Artikel des Herrn Schirrmacher konnte man – im Ansatz – schon etwas früher lesen, und zwar hier:
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Der-rechte-Abschied-von-der-Politik/story/22710602

3. Dass die linke Sicht der Dinge auch mal richtig sein kann, bewiesen schon die Demos vom 28.03.2009 unter dem Motto: “Wir zahlen nicht für Eure Krise!” Um bei M. Sprengs Beispiel zu bleiben: Diese Proteste fanden um 15 Minuten vor Zwölf statt.

MfG
ein Leser

57) M.M., Montag, 15. August 2011, 01:40 Uhr

Sehr spät! Endlich ein Kommentrar zum wichtigsten Thema. Ich hatte schon gedacht, Sie scheuen sich davor. – Im übrigen kreditfinanzierte Leeverkäufe sind genauso “schlimm” wie inflationtsgetriebene Assets, also Kurssteigerungen bei Aktien durch “Gelddruckerei”. Führungskraft Schäuble, wie uebrigens auch Herr Steinbrück, versteht nur “Bahnhof”, daher das Desaster. Plötzlich mucken sogar Familienunternehmer nach Jahren auf und organisieren sich. Das Vertrauen in die Eliten war dann doch e bisserl viel;-))) Eine Volksabstimmung muss her!!! Will das deutsche Volk wirklich für europäische Staaten bürgen die nicht sparen wollen und mehr als 1000 Tonnen GOLD besitzen???

58) Frankilein66, Montag, 15. August 2011, 08:12 Uhr

Wenn hier in Europa alles so unerträglich ist und unser Leben von einem unersättlichen Monster bedroht wird, schlage ich vor, wir wandern alle nach Nord-Korea aus! Dort gibt es keine Ackermänner, keine Webers und Trichets, es gibt noch nicht einmal eine Börse und somit keine Spekulanten.
Dort herrschen also paradiesische Zustände, deshalb: Das Bündel geschnürt und auf nach Pjöngjang!

Wichtiger Hinweis:

Achtung, Satire!

59) Xpomul, Montag, 15. August 2011, 09:02 Uhr

ich bin ja mal gespannt wieviele wenige tage merkel nun benötigt um doch auf eurobonds umzuschwenken bei all dem drama der eurokrisen in großen volkswirtschaften der zone.

und.
übersehen wir bitte nicht das bei all den “offiziellen” zahlen der staatsverschuldungsraten eine riesige zahl immer – absichtlich oder unabsichtlich sei dahingstellt – verschwiegen wird: die der künftigen zu leistenden pensionszahlungen an verdiente und unverdiente staatsdiener.
diese zahl sprengt jegliche dimension und ist gar nicht bezahlbar.

und.
immer wieder lese ich das sie sozialsysteme schuld (auch) seien.
komisch.
ich wäre froh meine rentenbeiträge als rente zu bekommen.
wie millionen anderer habe ich eingezahlt und kann nicht begreifen weshalb ich mich aus dem steuertopf bedienen würde würde ich rente erhalten.

schöne woche.
trotz gerade steigender kurse wird es ein bitteres erwachen.
das biest der apokalypse regt sich wohlig.

60) StefanP, Montag, 15. August 2011, 11:29 Uhr

Die Bloggerszene rühmt sich gerne, Politik anders zu sehen, zu informieren, wo Printmedien und Fernsehen versagen würden. Längst muss man als Querleser enttäuscht sein, was im Internet verbreitet wird, gerade auch in Bezug auf die gegenwärtige Staatsfinanzkrise. Der obrige Artikel ist dazu nur ein weiteres Beispiel: Herr Spreng kommt weit zu spät und reiht Pauschalurteil an Pauschalurteil, dabei weit und breit kein origineller Gedanke, irgendein neuer Aspekt, nichts.

Seine Leserschaft scheint jedoch bei Weitem nicht so eindimensional und das ist, immerhin, sehr erfreulich. Beschreibungen wie „Monster“ oder „Heuschrecken“ gehören zur Kindergartensprache, sie erklären nichts, lösen nichts, sondern fassen nur diffuse Empfindungen zusammen. Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Die Rot-Grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder hat dafür gesorgt, dass die Eigenkapitalausstattung deutscher Mittelständler, dem Rückgrad der hiesigen Wirtschaft, deutlich gestiegen ist. Sie hat den kartellhaften Inzuchtverbund Deutschland AG geknackt und Alternativen für den geordneten Betriebsübergang geschaffen. Bei einem wesentlichen Teil der deutschen Weltmarktführer sitzen heute Private Equity-Unternehmen und Hedgefonds. Diese Unternehmen wachsen mehrheitlich und stellen hochqualifiziertes Personal ein. Und während Aktienanleger in den vergangenen 10 Jahren mit einer Null-Rendite im DAX leben mussten, profitieren die Beteiligten an Private Equity mit Renditen auf ihre Altersgelder von 8-12%.

Die Quelle der Weltfinanzkrise, die wesentlich eine amerikanische war, waren Hypothekenkredite an wenig solvente Immobilienbesitzer, kräftig gefördert und gefordert von der Politik. Erst als Kredite ausfällig wurden und eine Neubewertung der Bonität der Schuldner stattfand, erst da krachte das mit billigem Zentralbankgeld errichtete Kartenhaus der US-Sozialpolitik zusammen. Die ersten Opfer einer Schuldenkrise sind immer die Gläubiger. Doch die Politik, die das unseriöse Wirtschaften aus Gründen der Stimmenmaximierung initiiert hat, suchte sich ihre Schuldigen. Oder glaubt ernsthaft jemand, zur Subprime-Krise wäre es nicht gekommen, wären die zwielichtigen Darlehen nicht in Anleihenpaketen und CDS um den Globus geschickt worden?

Es ist die Politik, die nichts gelernt hat. Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen und nicht der unwichtigste ist, dass Politiker den Leuten in der Wirtschaft, bei Banken und Investmentorganisationen intellektuell nicht gewachsen sind. Demokratie ist die Herrschaft der Mehrheit durch das Mittelmaß, im Gegensatz zum Unternehmertum sind Begriffe wie Spitze und Elite für das Geschäft eher hinderlich. Die nationale Poltik überschreitet ständig die Schwelle zur eigenen Überforderung, weil der Bürger Erwartungen hegt, die schlicht nicht erfüllbar sind. Dazu wurde übrigens ein guter Debattenbeitrag von Spiegel Online bereits verlinkt. Es wird die „Deregulierung“ der Finanzmärkte beklagt, obwohl nur wenige Branchen so reguliert sind wie Finanzinstitute. Allein für sie werden in jahrelangen internationalen Verhandlungen Regeln verfasst (Basel I – III), sie werden wie keine andere Branche von staatlichen Organisationen (SEC, BAFIN) kontrolliert mit staatsanwaltschaftlichen Befugnissen.

Heute werden Finanzmarktinstrumente wie Leerverkäufe oder CDS verteufelt, obwohl sie banal gesprochen das sind, was sich der gemeine Bürger bei Allianz & Co. auch zulegt: Versicherungen. Doch Versicherungen sind spekulativ, manchmal sogar höchst spekulativ und Menschen mit hoher Risikoneigung nutzen das zu ihrem eigenen Vorteil. Wie soll denn bitte schön ein Verbot bestimmter Finanzmarkttitel aussehen? Täglich werden neue Instrumente geschöpft, auch hier würde die Politik mit ihrem durch den demokratischen Prozess aufgezwungenen langsamen Entscheidungsprozessen immer nur zweiter Sieger sein. Verbote machen nur dort Sinn, wo ihre Einhaltung tatsächlich kontrolliert und das Verbot durchgesetzt werden kann. In einer multipolaren Welt können sie immer weniger Wirkung entfalten.

Finanzmanager haben nur die Macht, die man ihnen gibt. Ihr Ziel ist jedoch selten politische Macht, sondern Geld. Jeder, der mal einen Bankkredit aufgenommen hat, weiß oder merkt es irgendwann, dass er sich damit seiner Bank in gewisser Weise ausliefert. Doch die Politik – und im Konzert eine bestimmte Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern – meinte, den Staat hemmungslos verschulden zu können, ohne dass dies irgendwann Konsequenzen haben würde. Doch man kann sich nicht immer nur Geld leihen. Seit Einführung des Euro stieg die Verschuldung der Bundesrepublik nicht nur absolut, sondern in auch in Relation zum Erwirtschafteten, dem BIP, bis zu Beginn der Finanzkrise um 10%-Punkte, das sind mindestens 250 Mrd. EUR über den Durst. Die Eurozone als Ganzes legte da mal ganze 2%-Punkte zu, aber einige eben ganz gravierend.

Und das ist das Problem, das Herrn Spreng gerade mal einen Halbsatz wert war, die Monster aber immerhin 4. Nichts zeigt mehr, wie wenig Problembewusstsein vorhanden ist. Die Staaten werden beginnen müssen, ihre Schulden an ihre Gläubiger zurückzuzahlen. Dafür wird es keinen billigen Ausweg geben. Auch werden sich die Schulden nicht weginflationieren lassen, wiedermal halten sich Politiker und manche Blogger für gescheiter als der Rest der Welt. In dem Moment, wo die Inflationsraten anziehen – oder nur darüber debattiert wird – steigen die Schuldzinsen. Sofort werden Preissteigerungen auf den Märkten eingepreist und die Staaten müssen aus stagnierenden Steuereinnahmen höhere Finanzlasten schultern. Schöne Welt!

Arroganz und Ignoranz ist vielfältig anzutreffen. Monatelang sich seitenlang über abgeschriebene Doktorarbeiten auszulassen, während gleichzeitig die Staatsfinanzen im Zeitraffer erodieren, gehört dazu, ebenso wie äußerst komplexe, multikausale Veränderungen in pränataler Sprache zu beschreiben.

61) EStz, Montag, 15. August 2011, 11:35 Uhr

@Petersen, Sonntag, 14. August 2011, 04:50 Uhr
Die gegenwärtigen Krisen sind doch weniger Finanzkrisen, sondern vor allem Staatskrisen. Krisen der Finanzierung der Staaten.
__________________________________
Ich denke, da liegen Sie falsch.

Geld an und für sich hat keinen Wert. Der Wert von Geld ergibt sich durch reale Gegenwerte, etwa Waren etc. Der weltweite Warenexport liegt bei gut 12 Billionen Dollar pro Jahr. Devisen, Derivate und Co, die sich letztendlich alle auf Waren etc beziehen, schaffen derartige Umsätze in zwei, drei Tagen. Es ist deutlich mehr Geld im Umlauf, als durch Waren, Immobilien, Unternehmensbeteiligungen etc abgedeckt ist.

Dieser Zustand wird irgendwann bereinigt, und der Wert des Geldes wird auf die eine oder andere Art an die tatsächlichen Werte angepasst. Das kann durch Börsenkräche, Inflationen, Währungsreformen etc geschehen. Das Ganze ist ein Abzock-Spiel in großem Stile. Wie die “Reise nach Jerusalem” – es sind nicht genügend Stühle für alle da. Und die aggressivsten Spieler verändern dauernd die Spielregeln zu ihren Gunsten und stellen sogar den Schiedsrichter (= Rating-Agenturen). Als Verlierer stehen in jedem Falle schon mal die Sparer fest, also die, die nur Geld haben. Die Staaten sind “nur” ein paar dumme Verbraucher mehr. Ihr großer Fehler war, dass sie darauf verzichtet haben, selbst die Spielregeln festzulegen.

62) EStz, Montag, 15. August 2011, 11:36 Uhr

@ Mark

Ich stimme zu: Es sind eher fünf Minuten nach als 5 Sekunden vor 12:00 Uhr.

63) EStz, Montag, 15. August 2011, 11:47 Uhr

@ Frankilein66, Montag, 15. August 2011, 08:12 Uhr

Wenn hier in Europa alles so unerträglich ist und unser Leben von einem unersättlichen Monster bedroht wird, schlage ich vor, wir wandern alle nach Nord-Korea aus! Dort gibt es keine Ackermänner, keine Webers und Trichets, es gibt noch nicht einmal eine Börse und somit keine Spekulanten.
Dort herrschen also paradiesische Zustände, deshalb: Das Bündel geschnürt und auf nach Pjöngjang!

Wichtiger Hinweis:

Achtung, Satire!
________________________________________

Wenn ein Haus in Flammen steht und vollständig abzubrennen droht, wird dem Besitzer der aufmunternde Hinweis, dass man woanders zusammen mit dem Vieh in Wellblechütten wohnt, kaum trösten.

Sicher richtig: Uns geht es hier extrem gut, deutlich besser als den meisten anderen in der Welt. Dass ist für mich kein Grund, den eigenen Wohlstand SINNLOS an Spekulanten, Finanzhaien etc in den Rachen zu schleudern.

64) Politikverdruss, Montag, 15. August 2011, 12:18 Uhr

Der eigentlich lesenswerte “Artikel” ist der von StephanP.

65) StefanP, Montag, 15. August 2011, 12:44 Uhr

@EStz

Sie haben nicht wirklich dagegen argumentiert, dass die derzeitige Krise eine der Staatsfinanzen ist. Kein Wunder, es stehen Staaten auf der Kippe und reißen andere mit, die entweder nach ökonomischen Maßstäben als überschuldet gelten müssen (Schuldenquote > 100% des BIP) und / oder die als entscheidungsunfähig zu Gegenmaßnahmen gelten. Die USA beispielsweise wurden gerade in ihrer Bonität herabgestuft, weil ihnen zwar durchaus dass Potential zugetraut wird, durch Wirtschaftswachstum und Steigerung der Staatseinnahmen ihre Schulden bedienen zu können. Aber: sie haben vor aller Welt vorgeführt, dass sie derzeit nicht in der Lage sind, die dafür notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Wieviel Geld im Umlauf ist (sein muss), richtet sich nicht alleine nach dem Wert der vorhandenen Güter, sondern eben ganz wesentlich nach der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Und warum Sie als Bezugsgröße die Warenexporte nehmen, erschließt sich nicht. Per Saldo mit den Importen ist der Wert nämlich Null, heißt, er sagt nichts aus.

Die Kritiker, die solche Spielchen treiben, können einen Widerspruch nicht auflösen (weshalb sie es erst gar nicht versuchen): Wenn vielmehr Geld im Umlauf ist als dem Waren entgegenstehen, so müsste es eigentlich Hyperinflationen geben. Gibt es nicht. Zumindest müssten sich Geld und Vermögen auf eine immer kleinere Gruppe verteilen. Global gesehen wächst jedoch die Zahl der Geld- und Vermögensbesitzer und wir erleben seit drei Jahrzehnten das Gegenteil einer weltweiten Verarmung.

“Und die aggressivsten Spieler verändern dauernd die Spielregeln zu ihren Gunsten und stellen sogar den Schiedsrichter (= Rating-Agenturen).”

Standard & Poor’s gehört der Gruppe McGraw-Hill und betreibt keine Finanzmarktgeschäfte. Sie werden vom Staat zertifiziert. Ihr wesentliches Business ist das Erstellen von Analysen. Das ist so unabhängig, wie es geht. Das Modell der Wirtschaftsprüfer funktioniert ganz ähnlich.
http://www.mcgraw-hill.com/site/about-us

66) Justus, Montag, 15. August 2011, 14:08 Uhr

@Politikverdruss

Wenn man noch immer ein Ohr für die Bordkapelle der Titanic hat, trägt die Melodie des Beitrags von StephanP zur Erbauung bei. Allein: viele kennen diese Platte zur Genüge. Und es werden immer mehr.

67) sk8erBLN, Montag, 15. August 2011, 14:10 Uhr

@ Xpomul, Montag, 15. August 2011, 09:02 Uhr
“ich bin ja mal gespannt wieviele wenige tage merkel nun benötigt um doch auf eurobonds umzuschwenken bei all dem drama der eurokrisen in großen volkswirtschaften der zone.”

Die Volksverblödunsmaschinerie dazu hat der SPON heute bereits übernommen, es kann sich entsprechend nur noch um wenige Tage handeln…..

“Debatte über Euro-Bonds
Jetzt hilft nur noch die Brutalo-Therapie!
Sie gelten vielen Deutschen als Teufelszeug. Doch gemeinsame europäische Staatsanleihen sind das brutalste und damit erfolgversprechendste Mittel im Kampf gegen die Dauerkrise.

Natürlich ist nicht sicher, ob das alles hilft. Es spricht aber zumindest einiges dafür. ”

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,780221,00.html

Bemerkenswert ist die Zeile aus dem letzten Absatz des Artikels. Der Autor selbst hat wohl bemerkt welchn Müll er da verfasst hat. Das “brutalste und damit erfolgversprechendste Mittel” Eurobonds ist nichts weiter als die Garantie für die Finanzindustrie dass das Spiel eine weitere Runde lang fortgesetzt werden kann. Sonst gar nichts! Und damit man mich richtig versteht: Ich hätte nichts dagegen wenn D als besonderer Profiteur der letzten Jahre einen deutlich größeren Beitrag zur Rettung des Euro beitrüge. Nur-gerettet wird nicht der Euro, der ist völlig egal in dem Zusammenhang. Die Eurobonds sind lediglich die Garantie dass das Ponzi-Schema fortgesetzt werden kann.

Zu wessen Gunsten, ist inzwischen auch dem Allerwirtschaftsfernsten hinreichend bekannt.

68) Ste, Montag, 15. August 2011, 14:13 Uhr

@StefanP: Ihre Argumentationsstrategie ist wiedereinmal brillant! Indem Sie alles der Politik in die Schuhe schieben und den Finanzmarktlern alle Intelligenz und Kompetenz zuschreiben, schaffen sie es ihren blinden Fleck zu verbergen, nämlich: Ihr ideologisches Gerede ist ein sehr alter Hut und seit frühestens 2008 widerlegt, bzw. der Kern ist viel differenzierter.

Ein Beispiel: Sie reden davon, dass „Hypothekenkredite an wenig solvente Immobilienbesitzer“ verteilt wurden, „kräftig gefördert und gefordert von der Politik“, sehr schön haben sie den Bogen über das so genannte Monster geschlagen und nageln die Schuld an einer einzigen Gruppe (den Politikern) ans Knie. Sehr taktvoll! Dicht(erisch)!Fast brillant!

Und: Sie starren zu sehr auf die Schuldner, dabei haben sie doch zwei Augen, eines sollte man den Gläubigern schenken! Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Und ich sehe anhand ihrer Texturen, dass es unmöglich ist, irgendwie bei Ihnen etwas …. ach ich lass es sein.

69) Nashwin, Montag, 15. August 2011, 14:16 Uhr

@ Politikverdruss

So ist es.

@m.spreng

Ich habe es mir eigentlich zur Regel gemacht, nicht weiterzulesen, wenn jemand den Begriff neoliberal falsch – als ideologisierten Kampfbegriff – verwendet. Bei Schirrmacher habe ich sie eingehalten, bei Ihnen jedoch dennoch weitergelesen. Aber ich hätte es besser bleiben lassen sollen.

Wirkliche neoliberale Politik wäre es gewesen, die Banken krachen gehen zu lassen anstatt sie und ihre Eigentümer (oft genug die Staaten selbst) mit Steuergeldern für Risikofehleinschätzungen zu entschädigen.

Neoliberale Politik bedeutet das Setzen eines allgemeinen Ordnungsrahmen und dessen Durchsetzung und nicht hunderte Ausnahmen und Einzelfallentscheidungen durch in der Regel unterinformierte Politiker.
Wer spekuliert, kann auch verlieren. Das sollte auch für Banken gelten. Es gibt kein “too big to fail”.

Denn wenn die Banken und ihre Eigentümer sehen, dass sie für ihre Entscheidungen auch wirklich geradestehen müssen, hätte das für ihr Risikoverhalten eine heilsame Wirkung. Natürlich wäre der (wirtschaftliche) Schock noch größer gewesen, aber danach wäre den Bankern klar gewesen, dass sich die Staaten nicht erpressen lassen.
Leider wurde ihnen das Gegenteil klar, das Leiden weiter verlängert und der kommende unausweichliche Schock verschlimmert.

So verlangen zwar zum Bespiel die Banken von Griechenland höhere Zinsen für das höhere Ausfallrisiko, organisieren aber jetzt im Ernstfall eine Solidarhaftung aller EU Staaten insbesondere Deutschlands, müssen also das Ausfallrisiko eigentlich gar nicht tragen.
Und die Politiker machen da gerne mit, weil sie weiterhin auf schuldenfinanzierte Ausgabenpolitik setzen, mit der sie die nächsten Wahlen gewinnen wollen, und die ihnen dieselben Banken erst noch finanzieren muss.

Heuschrecken, Gier, Monster sind doch nur leere Schlagwörter. Jeder Mensch ist gierig, das liegt in seiner Natur. Vom Arbeitslosen, der bei Hartz 4 schwindelt, bis zum Banker, der die gesetzlichen Möglichkeiten bis ins Letzte ausreizt. Das sind doch keine Erklärungen für die Krise!

Wie wollen Sie denn aus Ihren Erklärungen Schlussfolgerungen für die Zukunft ableiten:
Die Heuschrecken ausräuchern?
Die Gier verbieten?
Die Monster erschlagen?
Es ist richtig, dass sich der Neoliberalismus für möglichst wenige staatliche Eingriffe einsetzt, aber in jeder Hinsicht – nämlich gerade auch dann, wenn sich ein Akteur verspekuliert.

Wenn Sie wirklich die Ursachen der Krise(n) erforschen wollen, fangen Sie doch einfach mal beim staatlich zur Verfügung gestellten billigen Geld an, das alle diese unüberschaubaren Spekulationen erst ermöglicht. Dann schauen Sie sich vielleicht noch die von der Politik ausdrücklich gewünschten von staatlichen Banken vergebenen Hausfinanzierungen für ganz augenscheinlich nicht kreditwürdige Personen an. Und schließlich natürlich noch die strukturellen Defizite der Wohlfahrtsstaaten, die das Schicksal dieser Staaten zunehmend in die Hände der Banken geben.

Die “Spekulanten” sind die, die darauf spekulieren, dass es irgendwie noch zu ihren Lebzeiten gut geht und die noch weiter von der Geldschwemme und vom Schuldenmachen profitieren wollen, während die Folgen ihrer Politik erst die Kinder oder Kindeskinder trifft.

70) Don Corleone, Montag, 15. August 2011, 14:31 Uhr

@StefanP.
Auch wenn Ihr Posting mit Michael Spreng, dem Hausherrn dieses Blogs, hart ins Gericht geht — Sie haben 100%ig recht. Zu viel wohlgefälliges, verbindliches Blah-Blah, zu viel Déjà-vu, zu wenig Mut, wider den Mainstream zu löcken.
Wir haben Herrn Spreng schon besser erlebt.
Herzliche Grüße!

71) m.spreng, Montag, 15. August 2011, 14:52 Uhr

@StefanP. und Don Corleone

Die Debatte in meinem Blog lebt vom Widerspruch. Deshalb freue ich mich über jeden Kommentar, der mir widerspricht. Noch mehr würde ich mich darüber freuen, wenn sich Debatte auf die Sache konzentrieren würde, statt in schulmeisterlicher Art Noten zu verteilen.

Sie sehen den Splitter im Auge der anderen, aber nicht den Balken im eigenen. Die unverantwortliche Schuldenpolitik vieler Staaten, die auch ich immer wieder kritisiert habe, und die Entartung des Kapitalismus sind bei allen Zusammenhängen zwei paar Stiefel. Wer mit Hinweis auf diese Schuldenpolitik das demokratiezersetzende Verhalten der internationalen Finanzakteure leugnet, übersieht den Balken im eigenen Auge.

72) Xpomul, Montag, 15. August 2011, 15:14 Uhr

stefanp. (und sicher auch etliche andere).

wären die in ihrem artikel genannten derivate tatsächlich mit allianz versicherungen vergleichbar wäre nichts dran auszusetzen.
doch gehen sie mal tatsächlich in die materie und sie werden feststellen das an den derviaten heutzutage aber auch gar nichts mehr mit einer versicherung vergleichbar ist.
es würde tatsächlich den rahmen sprengen das lang und breit auszuführen.
suchmaschinen bieten hinreichend lesestoff hierüber an.
es ist nicht nur die schuld der politik, und hier bestimmt die von etlichen ehemaligen politkern, es ist vor allem die gier der finanzindustrie nach immer höherer rendite.
gier gebiert monster und daher ist es statthat den namen monster in dem zusammenhang finanzindustrie im munde zu führen.

73) StefanP, Montag, 15. August 2011, 15:28 Uhr

@Ste

Die Politik ist ein genauso weiter Bereich wie “die Finanzmärkte”. Während sich die Akteure auf den “Finanzmärkten einfach durch Preis und Nachfrage abstimmen, muss die Politik sich auf zahlreichen Ebenen und mit höchst unterschiedlichen Interessengruppen (“Stakeholdern”) ins Benehmen setzen.

Ist das nicht schon allein eine Herkulesaufgabe, suggeriert die Politik ihren Unterstützern stetig, sie könne die Weltläufe gegen die ökonomische Vernunft verändern. Leider glauben das so viele und werden bitter enttäuscht, wenn sich die Wirklichkeit nicht gegen ökonomische Gesetze verändern lässt.

Nach Ansicht mancher amerikanischer Ökonomen hat der Community Reinvestment Act die Vergabe riskanter Hypothekendarlehen deutlich gefördert. Tatsächlich war der unter CRA vergebenen Subprimes überschaubar. Wesentlicher war der Einfluss der Fed durch die Vergabe billigen Geldes. Ausgegebenes Zentralbankgeld sucht sich Anlageobjekte. Sind die Zinsbedingungen der Zentralbanken gering, sinken die Bonitäts- und Zinsanforderungen an zu finanzierende Projekte. Die Zentralbank ist der entscheidende Spieler, wenn es um die Renditeanforderungen in einer Volkswirtschaft geht.

Ein Gläubiger glaubt. Er vertraut darauf, dass ein Schuldner gemäß den ausgehandelten Konditionen mit dem überlassenen Geld wirtschaftet und die Schuld zurückzahlt. Der Schuldner kennt bei Vertragsabschluss und Darlehensaufnahme die Bedingungen. Genauso wie er auf die Einhaltung der Darlehensbedingungen pocht und eine Vorfälligkeit ablehnen kann, darf der Gläubiger auf Vertragstreue vertrauen. Damit ist die moralische Schuld klar verteilt, wenn Kredite ausfallen.

P.S.: Ich arbeite mit Textbausteinen. Deswegen sind meine Artikel orginell. ;-)

74) StefanP, Montag, 15. August 2011, 15:36 Uhr

@m.spreng

Wie bereits mehrfach geschrieben schätze ich Sie sehr in politischen Diskussionssendungen. Gerade die dort präsentierte Nachdenklichkeit gefällt mir. Das sollte jeder wissen, der meine Beiträge liest.

Der Kapitalismus ist nicht entartet. Allein eine solche Wortwahl ist maßlos, denn es hieße es gäbe eine Normvorschrift für den Kapitalismus. Tatsächlich sind gerade Menschen in Südamerika, Indien und China aus der Armut entkommen. Sicher leben nach wie vor hunderte Millionen dort immer noch in kümmerlichen Verhältnissen, nur würden sie das auch ohne die Wucht eines brutal-effizienten kapitalistischen Systems.

75) sk8erBLN, Montag, 15. August 2011, 15:45 Uhr

Ergänzend zum Beitrag von 14:10

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Thomas Mayer hat angeregt, einen europäischen Währungsfonds einzurichten, der als Bank fungiert und so mit ein wenig Eigenkapital und EZB Krediten die Bonds der schwächelnden Länder kauft. Geniale Idee!! Kostet den Steuerzahler erstmal fast nichts, wirkt nicht deflationär und die Show kann weitergehen.

und damit neben dem SPON BlaBla dann noch ein paar harte Fakten zum Thema Renditen von Euro Bonds auf den Tisch kommen füge ich mal den entsprechenden Link hier ein:

FIEBERKURVEN

Links zu Bloomberg mit den aktuellen Renditen von Staatsanleihen der Euromitglieder (Stand 12.08.2011):
http://www.querschuesse.de/links-zu-renditen-staatsanleihen/

Dann-ebenso wichtig:
WÄHRUNGSUNION DER NARREN

11. August 2011 in Allgemein
Das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft (EUROSTAT), liefert mit der bereits aktualisierten Datenbank für Juni 2011 zur Industrieproduktion der Mitgliedstaaten der Eurozone, einen Beleg für die fundamentale Fehlentwicklung, der unter dem Euro versammelten Länder. Nicht nur, dass schon zu Beginn der Währungsunion die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Länder viel zu stark auseinanderlag, die Entwicklung lief in Folge sogar weiter kräftig auseinander, wie die Daten zum Output der Industrieproduktion zeigen, wenn man den monatlichen Durchschnitt des Outputs des Jahres 2000 mit gleich 100 ansetzt.

Während Deutschland seinen Produktionsoutput um +18,2% von 2000 bis Juni 2011 steigern konnte, lag der Output in Frankreich um -6,5%, in Portugal um -16,2%, in Italien um -14,4%, in Griechenland um -29,8% und in Spanien um -14,5% unter dem Niveau des durchschnittlichen Produktionsoutputs aus dem Jahr 2000! Im Juni 2011 geht es erstmals gemeinsam in Richtung Süden.
Der Chart ist für Querschuesse-Leser nichts Neues, aber trotzdem gilt, niemals hätte man den Output der breit gefassten Industrieproduktion soweit auseinander divergieren lassen dürfen. Dies wies eindeutig auf eine Ausweitung der Unterschiede der Leistungsfähigkeit hin und führte u.a. zwangsläufig zur heutigen Situation (Stichwort Leistungsbilanz), gepaart mit dem Bailout des Bankensystems und der in Folge enormen Erhöhung der Staatsschulden (Stichwort Staatshaushalt – und Zweifel an der künftigen Zahlungsfähigkeit).
http://www.querschuesse.de/wahrungsunion-der-narren/

Hat dort ein User so kommentiert: “Wenn man bedenkt, dass auf EU-Ebene eigens eine Strukturpolitik installiert wurde, die sich dem Abbau dieser wirtschaftlichen Disparitäten widmen sollte (immerhin nach der Agrarpolitik der zweitgrößte EU-Haushaltsposten!), dann ist das vernichtendes Zeugnis.”

76) Don Corleone, Montag, 15. August 2011, 15:49 Uhr

@m.spreng:
Lieber Herr Spreng,

ich gelobe Besserung. Zumal Ihr Bibel-Zitat für mich zutrifft. Allerdings hab’ ich heute wenig Zeit und nur en passant geschrieben, weil ich den Biss vermisste, der Sie meist auszeichnet.
Ich gebe aber zu bedenken, dass die internationalen Finanzakteure primär von den Schwächen der Politik leben, die ihnen ungeahnte Scheunentore öffnet. Wer hat denn die vernünftige, bewährte Trennung von Geschäfts- und Anlagebanken aufgehoben? Das waren Clinton und Schröder/Fischer. Wer hat Fannie Mae und Freddie Mac gezwungen, Hypothekenkredite an Mittellose zu vergeben? Clinton.
Die internationalen Finanzakteure segeln mit dem Wind, der weht. Und der wird von Politikern gepustet, die großteils keine Ahnung von den Konsequenzen ihrer populistischen Schnellschüsse haben.
Nix für ungut, bis bald und herzliche Grüße!

77) Ste, Montag, 15. August 2011, 17:21 Uhr

Das ist eine große Witznummer!

Eine radikalere Verbildlichung: Ein Räuber bricht in einem Mietshaus ein, wird jedoch nach dem Raub von der Polizei geschnappt, zu seiner Entschuldigung sagt er: „Der Hauseigentümer hat doch Schuld, wenn der keine Alarmanlagen ans Haus installiert!“

Nichts anderes lese ich in den letzten Kommentaren. Also ein Witz, ein sehr schlechter.

78) Textbausteinsuchender, Montag, 15. August 2011, 17:42 Uhr

@StefanP

Ich bin seit langer Zeit auf er Suche nach einem bestimmten Textbaustein. Haben sie ihn vielleicht in ihrem Fundus? Es ist die Antwort auf folgende Frage:
Wenn der Markt so perfekt funktioniert, weshalb kann er die “falschen” Eingriffe des Staates nicht korrigieren?
Bisher war meine Suche trotz intensiver Bemühungen erfolglos.

Als Gegenleistung erhalten sie – als Moralprediger dürfte sie das interessieren – von mir einen Textbaustein auf die Frage:
Wer trägt die Schuld für die Finanzkrise?
Von Schuld kann man nicht sprechen, denn die meisten Krisenverursacher haben nach ihren Regeln “richtig” gehandelt. Es ist vielmehr ein Kollektivversagen aller Beteiligter: der Wissenschaft, der Regulierungsbehörden, den Medien, den Finanzmarktteilnehmer und ihren Kunden.

79) StefanP, Montag, 15. August 2011, 18:19 Uhr

@Textbausteinsuchender ;-)

Erstens, Märkte funktionieren nicht immer perfekt, das behauptet kein Ökonom. Daher gibt es den von Ihnen gesuchten Textbaustein nicht. Beispiel, das jeder irgendwann im Studium lernt: ein funktionierender Markt tendiert zu einem Gleichgewichtspreis, wo Angebot und Nachfrage sich ausgleichen. Manchmal gibt es diesen Gleichgewichtspreis nicht.

Zweitens, Märkte können die Folgen von Gesetzen nicht ausgleichen, schließlich sind Märkte lediglich das Zusammentreffen von Menschen. Und gesetzestreue Menschen halten sich an Gesetze, sie reagieren darauf und passen ihr Verhalten an. Wenn in Deutschland außer Banken, Aktionären und Stillen Beteiligungen alle anderen Anlageformen verboten sind, dann hält man sich dran. Wer dann nach Kapitalgebern für sein Unternehmen oder seine Marktidee sucht, ist auf Banken angewiesen. Das hat – wer ehrlich ist, über ein gewisses Erinnerungsvermögen verfügt und nicht gerade erst 20 ist wird das zugeben – in den 80er und 90er Jahren nicht gerade gut funktioniert.

Ihr Textbaustein ist falsch. Versagen ist individuell, kollektiv versagen Menschen nicht. Sonst müsste es logischerweise die Kollektivstrafe im Strafgesetzbuch geben. Gibt es nicht. Ich empfehle eher Karl Marx: Märkte neigen zu Übertreibungen und das kapitalistische System wird immer stärkere Schwankungen zwischen Rezession und Boom produzieren.

80) Justus, Montag, 15. August 2011, 18:24 Uhr

Die Argumentation, dass einzig die Politik den status quo zu verantworten habe, übersieht die Tatsache, dass die politischen Entscheider unter einem unentwegten Druck der einschlägigen Institute und Lobbyisten stehen.

Wer mag denn wirklich glauben, dass G. Schröder eines Tages in einsamer Entscheidung beschloss, was uns heute auf die Füße fällt? Wer will ernsthaft annehmen, dass o.g. Kreise nicht permanent vorstellig werden, um ihre Interessen zu vertreten und entsprechende Entwicklungen anzustoßen?

Dann auch noch in den Kommentaren lesen zu müssen, dass ebendiese Politiker nicht die intellektuelle Spannkraft hätten und Finanzinvestoren deren “Schwäche” (Mittelmaß) lediglich erkennbar machen, ist beinahe als Eigentor zu werten. Denn es wurde ja offensichtlich auf die überragend intelligenten Finanzmarkt-Player gehört. Damit ist der Ball wieder im Feld derjenigen, die sich keiner Schuld bewusst sind.

81) Wh2m, Montag, 15. August 2011, 18:40 Uhr

@kleinErna, Was soll man da nur sagen … den Politikern in der westlichen Welt wurde das schon längst gesagt. Aber deren Aroganz und Hochnäsigkeit läßt andere Meinungen nicht nur nich zu, sondern die glauben auch immer alles besser zu wissen als der Rest der Welt!

82) Rocky, Montag, 15. August 2011, 19:09 Uhr

Wieso fragt denn niemand, weshalb sich die Politik der Finanzindustrie ausliefert, wenn sie doch die Möglichkeiten hätte, etwas gegen den Raubtierkapitalismus zu tun?
Wieso kann Frau Merkel 2008 davon faseln eine Finanztransaktionssteuer einzuführen, passiert ist aber nichts?
Wieso kann dieselbe Politikerin 2008 beklagen, dass die Banken zu groß seien, passiert ist aber nichts?
Wieso kann unsere Bundeskanzlerin in 2008 fordern, dass die Gehälter der Manager begrenzt werden sollten (z. Bsp. auf das 20-fache des Durchschnittsverdienstes der Mitarbeiter), passiert ist aber nichts?
Es gibt noch beliebig viele Fragen, die man anfügen könnte, und dabei ist die Kanzlerin nur beispielhaft angeführt, andere Politiker von Schäuble bis Steinbrück etc. könnten genauso zitiert werden.
Daher nochmals meine obige Frage: wieso tut die Politik nichts gegen die Auswüchse des Finanzkapitalismus, wenn sie doch offensichtlich die richtigen Erkenntnisse hat (siehe obige Aussagen von Frau Merkel)?
Man kann lange nach einer Antwort suchen; aber wenn jemand gegen seine geäusserte Überzeugung, gegen besseres Wissen handelt, bleibt als Erklärung nur noch die frustrierende Erkenntnis, dass für die handelnden Politiker persönlich oder zumindest für Ihre Partei etwas dabei herausspringt.
Wenn man sieht, welche Summen Versicherungen, Banken und Konzerne an CDU/CSU/SPD/FDP/Grüne (Ausnahme Die Linke) bezahlen und wenn man sieht, welche gut dotierten Posten ehemalige mächtige Politiker heute bei ihren Sponsoren inne haben (Schily, Clement, Koch, Fischer, etc, die Liste ist endlos), dann ist auch klar, dass die wirklich Mächtigen in Banken, Versicherungen und Konzernen diese Politiker nicht aus Gutmütigkeit auf ihrer Gehaltsliste haben, nein die wollen auch etwas zurück für ihre “Investitionen”.
So frustrierend es klingt, die einzige Erklärung für das Handeln unserer Politiker ist deren Käuflichkeit, “wes Brot ich ess, des Lied ich sing”.
Es gibt keinen Sinn drüber zu philosophieren, was man politisch alles anders machen müsste, denn die Erkenntnis, was politisch sinnvoll und notwendig ist, ist bei den meisten Politikern vorhanden.
Das nützt aber nichts, solange Politiker ihre persönlichen bzw. parteipersönlichen Interessen (entgegen ihrem geleisteten Amtseid) über die Interessen der Bevölkerung stellen. Oder vielleicht realisieren die Politiker inzwischen nicht mehr, dass die Bevölkerung nicht nur aus den 10 bis 20 Prozent der Reichen und Superreichen besteht. Wie könnte sonst Frau Merkel so vollmundig tönen: Deutschland ging es noch nie so gut wie heute.
Es klingt zwar ziemlich pessimistisch, aber die machen nicht nur unseren Sozialstaat kaputt, nein sie sind auf dem besten Wege die gesamte Demokratie zu Grunde zu richten.

83) Peter Christian Nowak, Montag, 15. August 2011, 19:10 Uhr

@Mark

Im Grunde genommen beschreiben Sie die Situation, die zu einer einzigen Frage führt: Ist das geeinte Europa jemals lebensfähig? Und wenn, zu welchem Preis?
Seit Maastricht hatte ich meine Zweifel. Und mit der Aufnahme Griechenlands in die Währungsunion verstärkten sich diese Zweifel. Ich war wütend bis zum Geht-Nicht-Mehr. Einen karamanlitischen Gaunerstaat in der Währungsunion! Und keiner schaut hin, wie dieser Karamanlis Europa betrügt.

Ich habe stets Zweifel angemeldet, wenn es um die Realisierung des geeinten Europa ging. Europa wird und wird es auch nie werden: Sich mit dem Staatenverbund der Vereinigten Staaten von Amerika zu vergleichen war und ist grotesk. Die Kohl´sche Vorstellung von einer vergleichbaren “Unity” mit der der U.S.A. stets der Illusion geopfert.

Und was die Finanzkrise, bzw. europäische Schuldenkrise betrifft: Eurobonds, die überschuldeten Ländern günstigere Zinssätze ermöglicht? – Klar, wenn Deutschland zahlt!

An die Adresse der PIG-Staaten: Wenn wir schon zahlen sollen, dann nur unter der Voraussetzung, daß ihr euer Budget-Recht und damit eure Autonomie erheblich aufgebt! Und das werdet ihr sicherlich nicht wollen!

Und deswegen ist und bleibt “Europa” Illusion.

84) Peter Christian Nowak, Montag, 15. August 2011, 19:33 Uhr

@Nashwin

^^Wirkliche neoliberale Politik wäre es gewesen, die Banken krachen gehen zu lassen anstatt sie und ihre Eigentümer (oft genug die Staaten selbst) mit Steuergeldern für Risikofehleinschätzungen zu entschädigen.^^

Sie haben Recht! Genau das ist ja nicht passiert, sondern man bittet die zur Kasse, die eigentlich gar nichts für die Pleite können!
Insofern wird der Begriff “neoliberal” stets wiedersinnig gebraucht.

85) sk8erBLN, Montag, 15. August 2011, 19:49 Uhr

@ StefanP, Montag, 15. August 2011, 12:44 Uhr

was fällt Ihnen denn dazu ein? Klingt eher danach dass da in erheblichem Umfang hinter dem Rücken der Politik lukrative Deals abgewickelt wurden. Klingt eher danach dass sich da Dinge innerhalb der Großfinanz verselbständigen oder nicht?:

Audit of the Federal Reserve Reveals $16 Trillion in Secret Bailouts
Posted by Paul Krugman on July 21st, 2011

What was revealed in the audit was startling: $16,000,000,000,000.00 had been secretly given out to US banks and corporations and foreign banks everywhere from France to Scotland. From the period between December 2007 and June 2010, the Federal Reserve had secretly bailed out many of the world’s banks, corporations, and governments. The Federal Reserve likes to refer to these secret bailouts as an all-inclusive loan program, but virtually none of the money has been returned and it was loaned out at 0% interest. Why the Federal Reserve had never been public about this or even informed the United States Congress about the $16 trillion dollar bailout is obvious — the American public would have been outraged to find out that the Federal Reserve bailed out foreign banks while Americans were struggling to find jobs.

To place $16 trillion into perspective, remember that GDP of the United States is only $14.12 trillion. The entire national debt of the United States government spanning its 200+ year history is “only” $14.5 trillion. The budget that is being debated so heavily in Congress and the Senate is “only” $3.5 trillion. Take all of the outrage and debate over the $1.5 trillion deficit into consideration, and swallow this Red pill: There was no debate about whether $16,000,000,000,000 would be given to failing banks and failing corporations around the world.

When you have conservative Republican stalwarts like Jim DeMint(R-SC) and Ron Paul(R-TX) as well as self identified Democratic socialists like Bernie Sanders all fighting against the Federal Reserve, you know that it is no longer an issue of Right versus Left. When you have every single member of the Republican Party in Congress and progressive Congressmen like Dennis Kucinich sponsoring a bill to audit the Federal Reserve, you realize that the Federal Reserve is an entity onto itself, which has no oversight and no accountability.
quellen
http://www.unelected.org/audit-of-the-federal-reserve-reveals-16-trillion-in-secret-bailouts
http://sanders.senate.gov/newsroom/news/?id=9e2a4ea8-6e73-4be2-a753-62060dcbb3c3

The list of institutions that received the most money from the Federal Reserve can be found on page 131 of the GAO Audit and are as follows..
http://www.scribd.com/doc/60553686/GAO-Fed-Investigation#outer_page_144
Deutsche Bank (Germany): $354 billion ($354,000,000,000)
Dresdener Bank (Germany) $ 135 billion ($135,000,000,000

Und -ich greife mal diesen Part heraus:
“Oder glaubt ernsthaft jemand, zur Subprime-Krise wäre es nicht gekommen, wären die zwielichtigen Darlehen nicht in Anleihenpaketen und CDS um den Globus geschickt worden?”

Zunächst wäre es dazu sicher nicht gekommen hätten sich die Banken bei der Kreditvergabe davon gründlicher überzeugt welche tatsächlichen Werte ihren Krediten gegenüberstanden. Dann wäre rein gar nichts passiert, der Eigentümer wäre gezwungen gewesen den Schlüssel an seine Bank zu schicken nach US Recht und gut ists. Wenn man als Bank natürlich dem echten Wert einer Immobilie keine ausreichende Bedeutung zumisst, hat man dann als Bank ein Problem. Was die Banken dann mit ihren faulen Krediten taten –ihre Probleme dadurch kaschieren, dass sie hübsch verpackt und intransparent weitergereicht wurden, grenzt für mich schon an organisierten Betrug. Und natürlich haben das Verpacken und die CDS natürlich dazu beigetragen dieses Problem weltweit zu exportieren da die faulen Produkte so plaziert wurden. Man hatte eben keine Lust für die eigenen Fehler zu haften und hat sich Dumme gesucht, denen man die aufgehübschten Pakete dann unterschob.

Was bitte hat das jetzt mit einer poitischen Vorgabe zu tun möglichst vielen ein Eigenheim zu ermöglichen? Hier alleine auf Politiker zu zeigen zeugt von Blindheit und Realitätsverlust, damit macht man es sich ein klein wenig zu einfach.

86) Peter Christian Nowak, Montag, 15. August 2011, 19:54 Uhr

@frankilein

^^Wenn hier in Europa alles so unerträglich ist und unser Leben von einem unersättlichen Monster bedroht wird, schlage ich vor, wir wandern alle nach Nord-Korea aus! Frankilein66^^

Gute Idee. Meine Oma sagte immer, früher sei alles besser gewesen…

87) Peter Christian Nowak, Montag, 15. August 2011, 20:08 Uhr

Ich habe mir Frank Schirrmachers Beitrag aus der FAZ durchgelesen. Also, ich muß sagen, ich bin baff sozusagen: kenne ich Herrn Schirrmacher doch in ganz anderer Mission, als er noch beim “spiegel” war. Vielleicht hat das “Handelsblatt” positiven Einfluß, inklusiv Mehrwert an Erkenntnisgewinn.

88) sk8erBLN, Montag, 15. August 2011, 20:11 Uhr

@ @ StefanP, Montag, 15. August 2011, 12:44 Uhr

Zu den “Empörten” kommen die “Bestürzten”
Ralf Streck 14.08.2011
Das Manifest bestürzter Ökonomen ist in Frankreich inzwischen zum Bestseller geworden
Mit den Turbulenzen an den Finanzmärkten, in die immer stärker auch Frankreich hineingezogen wird, ist auch ein kleines Büchlein beim Nachbarn zum Bestseller geworden. Im “Manifeste d’économistes atterrés” machen “bestürzte Wirtschaftswissenschaftler” die Macht der Finanzmärkte und den Neoliberalismus für die Entwicklungen an den Finanzmärkten verantwortlich.

n Deutschland ist das Büchlein der vier Ökonomen Philippe Askenazy, André Orléan, Henri Sterdyniak und Thomas Coutrot weitgehend unbekannt. Doch in Frankreich ist ihr Manifest inzwischen zum Bestseller geworden. Schon kurz nach seinem Erscheinen hatten fast 1000 an Universitäten tätige Ökonomen und zahllose Angehörige die Streitschrift unterzeichnet. Vom Buch, das auch frei im Internet auf Französisch, Spanisch und Portugiesisch zugänglich ist, wurden für 5,50 Euro schon zehntausende Exemplare verkauft. Man fragt sich, warum bis heute keine deutsche Übersetzung vorliegt. Liegt es daran, dass man in Deutschland lieber mit Thilo Sarrazin ätzt und man sich in Frankreich und anderswo mit Stéphane Hessel (Das Volk setzt die Regierenden unter Druck) gegen die herrschenden Zustände auflehnt?

Sie nehmen darin einen nach dem anderen die neoliberalen Glaubenssätze auseinander, die uns tagtäglich als angebliche universelle Weisheiten um die Ohren gehauen werden

Sie stellen in der Einleitung fest, dass “Europa in der eigenen institutionellen Falle steckt”. Staaten müssen sich Geld von privaten Finanzinstituten leihen, die wiederum das Geld günstig, in vielen Fällen praktisch zinslos erhalten. Gerade hat das die US-Notenbank (FED) bis 2013 festgelegt).

http://www.heise.de/tp/artikel/35/35302/1.html
Ein höchst spannender Artikel, den sich ganz zu lesen lohnt.

Sie sehen also, werter Mitdiskutant, es gibt duraus reihenweise Leute mit Sachkenntnis denen mehr einfällt als einseitig die Politik in die Verantwortung zu nehmen. Dass die eine gehörige Mitverantwortung trägt, insbesondere da sie auch 3 Jahre nach der letzten Krise keine probaten Mittel ergriffen hat um dem Spuk ein Ende zu setzen.

89) joannes, Montag, 15. August 2011, 20:21 Uhr

Seufz. Ich weiß, ich übertreibe. Aber präventiv
habe ich mir gerade einen professionellen Körperpanzer
und eine schusssichere Weste geordert.
Nein, ich bin weder gewalttätig, noch gewaltbereit.
Aber vorsorgen ist besser als am Ende mit massiven
Blessuren dazustehen (bzw. -liegen.)

O tempora, o mores.

Und um das mal so zu sagen – ich bin von der Grundeinstellung
eher konservativ. Danke, liebe Mächte die sind dass Ihr mich in
langjähriger Überzeugungsarbeit an das linke Ende gedrängt
habt. Dort ist es meiner Empfindung nach eiskalt. Aber mit dem,
was Ihr seit 15a+ betreibt habt Ihr den Bogen meiner Empfindung
nach jetzt endgültig überspannt.

90) Peter Christian Nowak, Montag, 15. August 2011, 20:23 Uhr

^^Und was die Finanzkrise, bzw. europäische Schuldenkrise betrifft: Eurobonds, die überschuldeten Ländern günstigere Zinssätze ermöglicht? – Klar, wenn Deutschland zahlt!^^

Ich bin hier anderer Meinung als Jens Berger oder Albrecht Müller, die davon ausgehehn, daß Deutschland längst noch nicht am Schuldenlimit angelangt sei. Das sehe ich anders. Gemeinsame Staatspapiere würden die Agonie der Schuldenstaaten zwar verlängern, sie würden also Zeit gewinnen, die Ursachen exorbitanter Verschuldung aber nicht beseitigen. Auch die Linken sind explizit für gemeinsame Haftung im Euroraum. sie blenden aber aus, daß eine gemeinsame Haftung unverhältnismäßig hoch Deutschland belasten würden. Dies ging unweigerlich zu Lasten der Sozialschwachen, kleinrentner und Niedrigverdiener.

Die Forderung der SPD, im Falle gemeinsamer Schuldverschreibungen, das Budget-Recht zu limitieren halte ich für undenkbar. Wer sollte die Haushaltsführungen kontrolieren? Und zwar zuverlässig und transparent?
Wenn Brüssel nicht einmal die Aufnahme Griechenlands in den Euroraum verhindern konnte? Wenn die Aufnahme Griechenlands bei Ignorieren aller negativ bewährten Fakten der Mittelmeerstaat dennoch aufgenommen wurde, wie aus einem Bericht von Eurostat hervorgeht, dann sehe ich hier einen Vertrauensbruch, der Europa schwer geschadet hat, und infolge dessen seine Reputation auf Dauer infrage stellt: das Mißtrauen jetziger und kommender Aktionen aus Brüssel ist mehr als gerechtfertigt.

91) sk8erBLN, Montag, 15. August 2011, 20:27 Uhr

Ebenso sehr lesenswert diese Replik auf Camerons Geschwätz zu den Ursachen der Unruhen in GB:

Peter Oborne
Peter Oborne is the Daily Telegraph’s chief political commentator.

The moral decay of our society is as bad at the top as the bottom
David Cameron, Ed Miliband and the entire British political class came together yesterday to denounce the rioters. They were of course right to say that the actions of these looters, arsonists and muggers were abhorrent and criminal, and that the police should be given more support.
But there was also something very phony and hypocritical about all the shock and outrage expressed in parliament. MPs spoke about the week’s dreadful events as if they were nothing to do with them.
I cannot accept that this is the case. Indeed, I believe that the criminality in our streets cannot be dissociated from the moral disintegration in the highest ranks of modern British society. The last two decades have seen a terrifying decline in standards among the British governing elite. It has become acceptable for our politicians to lie and to cheat. An almost universal culture of selfishness and greed has grown up.
It is not just the feral youth of Tottenham who have forgotten they have duties as well as rights. So have the feral rich of Chelsea and Kensington.

Our politicians – standing sanctimoniously on their hind legs in the Commons yesterday – are just as bad. They have shown themselves prepared to ignore common decency and, in some cases, to break the law. David Cameron is happy to have some of the worst offenders in his Cabinet. Take the example of Francis Maude, who is charged with tackling public sector waste – which trade unions say is a euphemism for waging war on low‑paid workers. Yet Mr Maude made tens of thousands of pounds by breaching the spirit, though not the law, surrounding MPs’ allowances.

The Prime Minister showed no sign that he understood that something stank about yesterday’s Commons debate. He spoke of morality, but only as something which applies to the very poor: “We will restore a stronger sense of morality and responsibility – in every town, in every street and in every estate.” He appeared not to grasp that this should apply to the rich and powerful as well.
The tragic truth is that Mr Cameron is himself guilty of failing this test. It is scarcely six weeks since he jauntily turned up at the News International summer party, even though the media group was at the time subject to not one but two police investigations. Even more notoriously, he awarded a senior Downing Street job to the former News of the World editor Andy Coulson, even though he knew at the time that Coulson had resigned after criminal acts were committed under his editorship. The Prime Minister excused his wretched judgment by proclaiming that “everybody deserves a second chance”. It was very telling yesterday that he did not talk of second chances as he pledged exemplary punishment for the rioters and looters.
These double standards from Downing Street are symptomatic of widespread double standards at the very top of our society.

The culture of greed and impunity we are witnessing on our TV screens stretches right up into corporate boardrooms and the Cabinet. It embraces the police and large parts of our media. It is not just its damaged youth, but Britain itself that needs a moral reformation.
http://blogs.telegraph.co.uk/news/peteroborne/100100708/the-moral-decay-of-our-society-is-as-bad-at-the-top-as-the-bottom/

Was ich vermisse sind in dieser Deutlichkeit verfasste Artikel unserer Medien an die uns zugemuteten Politiker. Schirrmachers FAS-Artikel war da schon mal so was wie ein Start. Abzuwarten bleibt, welche Konsequenzen der Artikel hat, das Geplärre im Kommentarbereich belegt erst einmal nur dass Konservativen sehr schwer fällt auch mal nur 5 Min zu reflektieren.

92) pantine, Montag, 15. August 2011, 20:43 Uhr

Bankenkontrolle
Die Politik hat nichts zu melden
http://www.biallo.at/artikel/Recht_Steuer/aktuelle-umfrage-politiker-haben-nichts-zu-melden.php

Treichls Politiker-Schelte
Blöd, feig und ohne Ahnung von Wirtschaft
http://www.biallo.at/artikel/Kredit/treichls_politiker-schelte-bloed,_feig_und_ohne_ahnung_vonm_wirtschaft_.php

93) sk8erBLN, Montag, 15. August 2011, 21:08 Uhr

Das bestehende Finanzmarktsystem hinterfragt Bloomberg:
http://www.bloomberg.com/news/2011-08-11/is-there-enough-money-to-save-world-s-banks-commentary-by-jonathan-weil.html
„Vergessen Sie die Grundsätze des freien Marktes, worauf es jetzt ankommt ist, ob die Regierungen den Willen haben und in der Lage sind, das System zu retten.“ Die Entscheidung der Fed, die Zinsen bis Mitte 2013 bei nahe Null zu lassen, habe die Märkte nur kurzzeitig belebt.

Viele Banken in den USA und in Europa würden nur noch zu Bruchteilen ihrer Buchwerte gehandelt und seien unterfinanziert. Die Hoffnung, die Banken könnten gesunden, mithilfe von Steuergeldern und niedriger Zinsen, habe sich nicht erfüllt. „Werden wir genügend Geld haben, um das Finanzsystem, wie wir es zu kennen, zu retten?“”

http://www.handelsblatt.com/panorama/presseschau/vergessen-sie-die-grundsaetze-des-freien-marktes/4498754.html?p4498754=2

Hui, wenn jetzt schon Bloomberg hinterfragt ob es sinnvoll ist das bestehende Finanzsystem zu hinterfragen…..

Ein WGN Kommentator:
Ich weiß ja nicht, wer der hier Mitlesenden sich schon einmal den ESM-Vertrag
http://www.peter-bleser.de/upload/PDF-Listen/E-Mail-Info_Eurostabilisierung/Entwurf_Vertrag_ESM.pdf
näher angeschaut hat. Das zieht einem schon die Beine weg.

Kostproben der inoffiziellen Übersetzung:

“Artikel 10 – Änderung des Grundkapitals
1. Der Gouverneursrat prüft regelmäßig, mindestens alle fünf Jahre, das maximale Ausleihvolumen und ob das genhemigte Grundkapital des ESM hierfür angemessen ist. Er kann die Änderung des Grundkapitals beschließen und Artikel 8 und Anlage 2 entsprechend ändern. Dieser Beschluss tritt in Kraft, sobald die ESM-Mitglieder die Verwahrstelle über den Abschluss ihrer geltenden nationalen Verfahren in Kenntnis gesetzt haben. Die neuen Anteile werden den ESM-Mitgliedern gemäß dem in Artikel 11 und in Anlage 1 definierten Beitragsschlüssel zugeteilt.”

In einem Wort: Selbstbedienung.

“Artikel 21 – Deckung von Verlusten

2. Leistet ein ESM-Mitglied bei einem Kapitalabruf nach Artikel 9 Absätze 2 und 3 keine Zahlung, erfolgt an alle ESM-Mitglieder ein geänderter Kapitalabruf zur Einzahlung von höheren Beträgen, um sicherzustellen, dass der ESM den Gesamtbetrag des erforderlichen
einzuzahlenden Kapitals erhält.”

In einem Satz: Deutschland zahlt am Ende alles.

Mein Lieblingsartikel:

“Artikel 30 – Immunitäten von Personen
1. Die Gouverneursratsmitglieder, stellvertretenden Gouverneursratsmitglieder, Direktoren, stellvertretenden Direktoren, der Geschäftsführende Direktor und das Personal genießen Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich der in ihrer amtlichen Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit in Bezug auf ihre amtlichen Schriftstücke, jedoch nicht, wenn und soweit der Gouverneursrat diese Immunität
ausdrücklich aufhebt.”

Kurz: Wir machen, was wir wollen. Rechtfertigen oder gar verantworten müssen wir uns dafür nicht.

Es gäbe noch weitere highlights. Aber mir ist schon schlecht genug. Die anderen Artikel seien der häuslichen Durchsicht überantwortet.
http://www.weissgarnix.de/2011/08/15/fuhrungskrise-in-der-union/#comment-127401

94) peter lustig, Montag, 15. August 2011, 21:41 Uhr

@ Textbausteinsuchender

Es gibt da die schöne Geschichte von einem Land, in dem eine Rattenplage herrschte. Um der Rattenplage Herr zu werden, setzt die Regierung ein Belohnung von sagen wir 5$ aus für jede erlegte Ratte aus. Und was machen die Menschen?: Sie fangen an, Ratten zu jagen – und sie fangen an, Ratten zu züchten, denn letzteres ist wesentlich einfacher, effektiver und effizienter. Man kann sich darüber beklagen, dass Menschen so sind, aber mit Umerziehungskampagnen haben wir ja bekanntlich nicht die besten Erfahrungen gemacht. Ähnlich verhält es sich z.B. beim Einwegpfand – man wollte die Einwegquote senken, verordnet einen Pfand und am Ende stieg die Einwegquote, aufgrund von legalem Ausweichverhalten der Menschen.

Es gibt meines Wissen kaum rechtliche Verurteilungen im Zuge der Finanzkrise, die Akteure haben sich legal verhalten (Madoff ist ein anderes Thema). Und so sucht halt jeder sein Glück im Rahmen der Regeln. Wenn das dann zu einem kollektiven Unglück führt, dann kann man entweder einzelne Gruppen als Schuldige abstempeln (haben wir bekanntlich keine guten Erfahrungen mit gemacht), Systeme personifizieren (Monster etc.) oder versuchen, die Ursachen wirklich zu analysieren. Und da kommen viele (so auch ich) zum Schluss, es ist die Politik, die nicht IM System ist, sondern das System ge- und verunstaltet. Dafür hat ‘die Politik’ ja auch das Mandat, das ist ja auch gut so.

Also, um Ihre Frage zu beantworten: Der Markt funktioniert perfekt innerhalb des durch die Politik vorgegebenen Rahmens, in dem die Marktteilnehmer versuchen, ihren Nutzen zu maximieren, Jeder für sich. Und wenn Sie Begriffe wie “falsch” und “korrigieren” verwenden, dann sind Sie schon wieder im normativen Bereich, und sind dann schnell im ideologischen Bereich, während andere versuchen zu verstehen, wie man nun nach den Eingriff seinen Nutzen maximiert und ihr Verhalten entsprechend anpassen.

Noch etwas, warum es einfach ist, mit ‘den Politikern’ zu hadern (weil es mich momentan total aufregt)
Die Subprime-Krise konnte man (und wenige haben es) ziemlich genau vorhersagen aufgrund der Konstruktion der zugrunde liegenden Assets . Abschluss Vertrag; dann 2 Jahre nur fixe Zinszahlungen, keine Tilgung, danach variabler Zinssatz und Tilgung. D.h. nach ziemlich genau 2 Jahren ging die Bombe hoch, bis dahin lief es gut.
Aktuell hört man genau dieses Argument von Politikern: “Bisher haben wir ja Gewinn mit der Griechenlandhilfe gemacht” –

Und solch Leuten soll ich trauen?

95) Hohenstaufen, Montag, 15. August 2011, 21:43 Uhr

@StefanP
Es ist ein Genuss, Ihre Kommentare zu lesen.

Ein kleiner Nachtrag: Gerade von Vetretern des linken politischen Spektrums (z.B. Oskar Lafontaines Ex-Staatssekretär Flassbeck) wurde vor der Finanzkrise die expansive Geldpolitik der FED als vorbildhaft gepriesen, die Risiken ausufernder Staatsverschuldung dagegen heruntergespielt.

96) Textbausteinsuchender, Dienstag, 16. August 2011, 00:16 Uhr

@StefanP

Entschuldigung, ich dachte sie wären einer dieser Marktradikalen, die gerade inflationär im Netz trollen.

Zu den 80′zigern und 90′zigern: Wow, das war meine Zeit! Und wissen sie was? Damals hatte ich auch Sorgen, aber keine, dass das Finanzsystem morgen früh zusammen brechen könnte!1!!

Zur individuellen Schuld: sie gibt es auch, aber die Finanzkrise an sich kann dadurch nicht erklärt werden. Sie ist ein Versagen ganzer Systeme und keines hat vorher Alarm geschlagen. Am meisten sauer bin ich auf die Ökonomie, sie hätte nicht nur warnen müssen, sondern zumindest nach der beinahen Kernschmelze die richtigen Rezepte parat haben müssen. Also wenn sie immer noch Schuldige suchen sollten, gehen sie zu den VWL- und BWL-Unis!1!!

@peter lustig

Ich erzähle ihnen eine andere lustige Geschichte: Es gibt eine Rattenplage, eine Firma bietet den Betroffenen Hilfe an und sie einigen sich auf eine Erfolgsprämie: 5$ pro getötete Ratte. Die Firma liefert. Nach einiger Zeit deckt die örtliche Zeitung einen Skandal auf: die Firma hat die Ratten nicht gefangen, sondern gezüchtet!1!!
Tja, üble Sachen gehen auch ganz ohne den Staat. Dann muss es doch an etwas anderem liegen :(

97) Tyler Durden Volland, Dienstag, 16. August 2011, 01:20 Uhr

Was auch hier, wie überall aus dem dümmsten aller Gründe, nämlich der politisch Korrektheit, verschwiegen ist, das ist die eigentliche Ursache des ganzen Problems.
„So übergab die Politik die Macht an demokratisch nicht legitimierte, von Gier und Habgier getriebene Finanzmanager, die noch nie einen Mehrwert geschaffen haben, die kein Brot backen, kein Auto herstellen und keine Maschine bauen können. Und die nicht für Hungerlöhne Demenzkranke pflegen.”
Das ist natürlich richtig und trifft, aber eben nicht den Kern oder die Ursache, sondern nur eine Konsequenz des Problems. Die „Politik“, wie es der Autor nennt, die fiel nicht vom Himmel. Die wurde in freier, rechtsstaatlich organisierter, demokratischer Wahl an diese Machtstelle gebracht, die das dann ermöglichte!
Ohne das, was Georg Schramm so wunderbar treffend den „Urnenpöbel“ nennt, das man weniger freundlich als den grossen verblödeten Haufen linker und rechter Spiesser bezeichnen MUSS, ohne wäre das nicht möglich gewesen.
Verursacher des Problems ist also niemand anders als er Bürger/Wähler/Steuerzahler, der nun zur Kasse gebeten wird….
Wer vor reichlich langer Zeit schon zynisch und intelligent genug war, der hat sich damals schon aus diesem System verabschiedet. Und der betrachtet es jetzt von aussen. Und es wundert ihn nicht wie das Resultat aussieht.
Noch weniger wundert ihn das übliche Gejammer der Blöden, die ständig auf ihrem Recht als Mehrheit bestehen und dann bei Wahlen regelmässig darauf anordnen dürfen, dass 2 plus 2 fünf zu sein hat, weil sie, also die Mehrheit, das so will! Und später hört man diselben Leute regelmässig jammern, natürlich wenn es zu spät ist.
Ich sehe nichts Ungewöhnliches in dem Ganzen, nur eines seh ich allerdings zum ersten Mal: Gerechtigkeit… endlich müssen mal ganz ausnahmsweise die Richtigen, die Verursacher, auch die Konsequenzen tragen und bezahlen. Frau Merkel will jetzt der Einführung der Eurobinds zustimmen? Damit deutsche Steuerzahler nach den Spielschulden einiger deutschen Banken, nun als nächstes auch noch die anderer EG Länder begleichen müssen?
Da lacht das Herz. Wenn das kein Grund zur Freude ist…..

98) Sebastian, Dienstag, 16. August 2011, 05:56 Uhr

Aus meiner Sicht beschreibt der folgende Witz die Lage sehr treffend:

Flugzeugpilot zu den Passagieren:
‘Sehr geehrte Damen und Herren,
wir stürzen ab. Das ist aber kein Problem. Das Bier reicht noch bis zum Aufschlag.’

99) von Freiburg, Dienstag, 16. August 2011, 07:37 Uhr

Also was tun?

sind es nicht unsere Gelder mit denen hier von der Finanzwelt spekuliert wird? Haben wir wirklich so wenig Macht, wenn wir unserer Gier absprechen und den Banken den Rücken kehren die die höchsten Erträge versprechen? Der Impuls zum vernünftigen Umgang mit Geld muss von uns kommen…

100) Frankilein66, Dienstag, 16. August 2011, 08:56 Uhr

@Tyler Durden Volland

Sehr schön auf den Punkt gebracht! Deswegen flehen uns die Politiker vor Wahlen auch immer an zur Wahl zu gehen. Ja, sie entblöden sich noch nicht einmal das perfide Argument der “staatsbürgerlichen Verantwortung” zu mißbrauchen um den Wähler moralisch unter Druck zu setzen.
Sie haben völlig recht, niemand anders ist an der Misere Schuld als wir selber. Aber das können wir uns nicht eingestehen!

101) StefanP, Dienstag, 16. August 2011, 10:12 Uhr

@sk8erBLN

Sie servieren oft sehr schwere Kost, informativ, aber nicht leicht zu lesen. Auf einen Aspekt gehe ich sehr gerne ein, weil der Spiegelfechter mit dem Unsinn auch gern hausieren geht.

“Staaten müssen sich Geld von privaten Finanzinstituten leihen, die wiederum das Geld günstig, in vielen Fällen praktisch zinslos erhalten. Gerade hat das die US-Notenbank (FED) bis 2013 festgelegt).”

Zwei Erklärungsversuche:
a) Wenn es ein Problem ist, dass die Staaten sich bei privaten Banken und nicht direkt bei ihrer Zentralbank verschulden, so gilt das für alle anderen Marktteilnehmer – nein, besser: alle Bürger – auch. Soweit man es für sinnvoll erachtet, dass Verschuldung direkt über das Zentralbanksystem erfolgen soll, so sollten alle bei Fed und EZB um Kredite nachfragen dürfen. Es stellt sich die Frage, warum man das bisher nicht gemacht hat, allein um eine Horde von Bankern zu füttern?

Nein, sicher nicht. Banken haben die Funktion zwischen Gläubigern und Schuldnern zu katalysieren. Den Sparern soll die effektivste und für sie sinnvollste Geldanlage vermittelt werden, Kreditnehmer sollen je nach ihrer Bonität sich entsprechend verschulden können. Dies kann ein großer Zentralapparat nicht leisten. Diese Regeln gelten für alle, es erscheint nicht einleuchtend, dem Staat ein Sonderrecht zuzubilligen. Erstens haben Wirtschaftsteilnehmer, so sie nicht investiv tätig sind, mit ihrem Einkommen genau auszukommen. Zweitens hat der Staat in der Geschichte immer, so er die Möglichkeit hatte, Zentralbankgeld genutzt, um sich hemmungslos zu verschulden, die Inflation zu treiben und so seine Bürger schleichend zu enteignen. Dass der demokratische Staat dies heute nicht darf, ist eine Lehre der Geschichte.

b) Einem Kredit steht immer eine Sicherheit entgegen. Banken schöpfen Geld bei der Zentralbank, müssen dafür aber Finanzanlagen und Eigenkapital hinterlegen. Das verpflichtet sie, wirtschaftlich mit dem geschöpften und geliehenen Geld zu arbeiten. Wenn der Staat sich bei Banken verschuldet, so haftet er mit zukünftigen Steuerzahlungen für die Begleichung der Rechnung. So ist gleichzeitig sichergestellt, dass diejenigen, die mit dem Geld aus Anleihen bezahlt werden (Beamte, Sozialhilfeempfänger, Subventionsempfänger) tatsächlich einen in der Privatwirtschaft geschaffenen Gegenwert erhalten.

Wird dem Staat die Möglichkeit eröffnet, sich freihändig bei der Zentralbank mit Kapital einzudecken, fällt das weg. Die Zentralbank verleiht zwar Geld, erhält aber keine Sicherheit, es fehlt der substanzielle Gegenposten. Dem geschöpften Geld stehen keine Werte entgegen, weder gegenwärtig noch zukünftig, schließlich verpflichtet sich der Staat ja nicht, zukünftige Steuerzahlungen für die Kredittilgung einzusetzen. Steuerzahlungen sind dabei definitionsgemäß der Anteil des Staates an der Wertschöpfung seiner Bürger.

Die Konsequenz liegt auf der Hand: Obwohl beides gleich erscheint, ist es nicht gleich. Der Staat hat in solchen Modellen noch immer die Inflation angeheizt, seine Bürger also enteignet. Zudem betrügt er seine Angestellten und alle von ihm Abhängigen. Geld ist ein Versprechen auf einen Wert und da dem Geld des Staates kein Wert entgegen steht, betrügt er.

102) sk8erBLN, Dienstag, 16. August 2011, 10:18 Uhr

Sie da sieh da :-)

In der Zeit kommen Wissenschaftler der Schweiter Universität ETH zu ganz ähnlichen Überzeugungen wie die oben von mir verlinkten bei http://www.chrismartenson.com/crashcourse/deutsch :

FINANZKRISE
“Es braucht ein neues Finanzsystem”
Zwei ETH-Wissenschaftler erklären, warum die Weltwirtschaft krank ist, Adam Smith unrecht hatte – und wir ganz anders über Geld nachdenken müssen.

DIE ZEIT: Herr Helbing, Sie schrieben schon im März 2008, das Finanzsystem sei nicht mehr kontrollierbar. Jetzt brechen die Börsen wieder ein. Haben wir nichts gelernt aus der Finanzkrise?

Dirk Helbing: Nicht viel. Und es wird immer schlimmer. Wir wissen nicht, wie die USA mit ihren Schulden zurechtkommen, wie sich Japan von der Atom-Katastrophe erholt, wie sich die Vorgänge in Arabien auf die Weltwirtschaft auswirken, was mit dem Euro passiert – und es ist nicht sicher, dass China stabil bleibt, die dortige extreme Schere zwischen Arm und Reich ist gefährlich. Nein, von einer Stabilität sind wir weit entfernt.

ZEIT: Weiter denn je?

Helbing: Es gibt Forscher, die sagen, dass die Komplexität und die Intransparenz des Systems extrem zugenommen haben und dass es dadurch noch instabiler geworden ist. Jedenfalls ist das Wirtschaftssystem so komplex, dass es zu diesen Kaskadeneffekten kommt, dass also Finanzwerte in Sekunden zerstört werden können.
….
Tobias Preis: Die Expansion der Geldmenge entsteht durch die zunehmende Menge der im Umlauf befindlichen Kredite, für deren Zinsen die Aufnahme weiterer Kredite notwendig wird. Dies macht Wirtschaftswachstum zwingend notwendig. Sogar nach der Einschätzung von Alan Greenspan war ein entscheidender Vorteil des Goldstandards, dass keine utopische Staatsverschuldung möglich war. Seine Aktionen als ehemaliger Vorsitzender der Federal Reserve ließen aber entsprechende Einsichten vermissen. Die Nationalbanken, vor allem die amerikanische, versuchen seither, jedes Problem mit niedrigen Leitzinsen und hohen Geldmengen zu lösen. Das hat eine riesige Liquiditätsblase geschaffen, die nach Anlagemöglichkeiten sucht – und sie etwa in Immobilien, Rohstoffen oder Nahrungsmitteln gefunden hat. Mit teilweise schlimmen Folgen.

Helbing: Mit anderen Worten, es gibt mehr Geld als gute Anlagen. Das führt automatisch zu Übertreibungen an den Finanzmärkten. Und es wirkt sich auch sozial aus: Die Lebensmittelpreise steigen, Menschen geraten in Notlagen.
….
http://www.zeit.de/2011/33/CH-Oekonophysik/komplettansicht

Das spannende Interview sollte man ganz lesen. Allerdings gilt auch hier: Es wird “übersehen” die Überlegungen in den Kontext exponentiell wachsende Weltbevölkerung und exponetielle Weltrohstoffresourcenverknappung zu setzen,

103) Mark, Dienstag, 16. August 2011, 11:37 Uhr

Und so bildet sich eine interessante Situation: Die FDP droht (noch hinter vorgehaltener Hand) mit dem Bruch der Koalition über der Euro-Bonds-Frage. Chapeau! Haben die Hüter der Drei-Prozent-Partei am Ende und in ihrer Not doch etwas begriffen? Haben Sie etwa erkannt, welch ungeheures Vakuum rechts der Mitte-Links-Parteien (und da schließe ich die Union mal mit ein) besteht?

Welch ein Jammer, dass die FDP zuvor soviel Porzellan zerschlagen hat, dann wäre die Absprungbasis als Euro-kritische Partei nicht so niedrig.

Wenn man in Berlin diesen Kommentar liest (und da bin ich mir ziemlich sicher) dann sollten die Damen und Herren der FDP genau lesen: WERDET EINE EURO-KRITISCHE PARTEI, UND DER ZUSPRUCH DER MASSEN IST EUCH SICHER. Packt Leute wie Herrn Schäffler ins Rampenlicht, und kämpft gegen die Euro-Rettung. Mit Mann und Maus. Die Deutschen werden Euch dafür lieben – und wählen.

Zugegeben, die Frage wird sein – was tun mit dem Zuspruch? Am besten wohl eine lautstarke Opposition sein, die es auch verdient, diesen Namen zu tragen (und nicht so zahnlose Katzenbabies wie SPD und Grüne, die ja am liebsten mit der Kanzlerin kuscheln würden). Nein, wir brauchen eine laute, starke, intelligente Opposition, die sich anschickt, tatsächlich die Interessen der Massen zu vertreten. Und dann, wenn ihr wieder an der Macht seid, geht auch die Steuersenkung für Hoteliers und Zahnärzte und weiß-der-Himmel-wen in Ordnung. Nur bringt uns bitte raus aus diesem Moloch Europa!

Und noch weitergedacht: Wenn die Koalition wegen der FDP platzen sollte, dann wird es wohl nicht einmal zu Neuwahlen kommen. Sondern die SPD wird gerne einspringen und weiter an ihrer Demontage arbeiten, bis 2013. Sie wird mit der Union unser Steuergeld zum Fenster heraus werfen und das Land in den Ruin führen, sehenden Auges. Und damit ist dann der Absturz von Union UND SPD zur nächsten Bundestagswahl gewiss.

FDP, bitte liefern!

104) Xpomul, Dienstag, 16. August 2011, 12:37 Uhr

@Tyler Durden Volland

wenn die wähler also somit zu blöd sind zu wählen ( was ich übrigens überhaupt aber auch gar nicht glaube – im gegenteil die breite mehrheit hat ein feines näschen für verarsche ) was wäre dann die alternative ?
führung von oben wie bereits gehabt ?

ich denke vielmehr das die breite mehrheit eine tiefe ohnmacht befallen hat ob all der albernheiten die sich politik querbeet leistet.
wobei das wort albernheiten mir spontan als sehr sehr weich formuliert vorkommt !

105) Detlef Bosau, Dienstag, 16. August 2011, 13:17 Uhr

Lieber Herr Spreng,

Sie haben ja soooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo recht.

Nur leider wird es dabei auch bleiben.

Eines der liebsten Gesprächsthemen meines Vaters, der vor fast auf den Tag genau 20 Jahren verstorben ist, war, daß er in den Zeitungen gelesen hätte, wir bräuchten nur noch Manager. Wir bräuchten in Zukunft keine Politik mehr, nur noch Manager.

Das hat er irgendwo gelesen, das haben die Zeitungen damals, also vor über 20 Jahren (und dsa Thema war bei einigen Weihnachts- und Geburtstagsfeiern gern wiederholte Anekdote) so kolportiert, da hat also die Journaille, und damit leider auch Ihre Zunft und Ihre Kollegen, lieber Herr Spreng, ganze Arbeit geleistet.

Jetzt freut sich gerade Albrecht Müller auf den Nachdenkseiten, daß Sie zur Einsicht gekommen sind.

Lieber Herr Spreng, falls er mitliest: Lieber Herr Müller, wir stehen jetzt an dem Punkt, an dem unsere Journaille langsam anfängt, die Menschen so zu verdrehen, daß sie endlich mal Politiker wählen, die nicht den geistigen Dünnpfiff verbraten, die ihnen die BILD-Zeitung und ähnliche Meinungsmonopole vor 25 bis 30 Jahren in den Kaffee geschüttet hat.

Da löffeln wir heute die Suppe aus, die die Journalistenzunft “für den Plebs” dem einfachen Wähler zu meiner Schulzeit eingebrockt hat – meine Schulzeit ist etwas her, ich bin 48 Jahre alt.

Das nur zur Vorlaufzeit und zur zeitlichen Differenz von Ursache und Wirkung. Wenn wir so weitermachen, wirkt sich irgendwann auch Biedenkopfs Renten-.Nörgelpapier (IIRC 1978?) mal aus – vermutlich wird bis dahin sogar die Bahn anfangen, Stuttgart 21 zu bauen. (Nicht, daß ich dafür wäre, im Gegenteil, aber daß die Bahn und die Demonstranten hier seit Wochen im Schloßgarten eine “Wir mögen uns nicht und die Polizei schaut zu” Hocketse machen und nichts passiert, kann nun nicht die Perspektive für die nächsten dreißig Jahre sien.)

Wir alle, die Presse vorneweg, die BILD-Zeitungsleser (die wo mit dem Essensträger und der Thermoskanne von Mutti “nache Abbait” gehen oder “auffe Malooche”) haben über Jahrzehnte den Primat der Finanzwirtschaft vor der Politik gefordert.

Und da Tante Adelgunde und Oma Friederun so gut mit Geld umgehen konnten, haben sie es fleißig und brav angelegt und sich gefreut, wenn es schön viel Rendite gab – und die ist doch bei “mündelsicheren” Papieren genauso gefährdet wie bei Aktien! Was hat man mir nicht erzählt, Staaten könnten nicht pleite gehen – und heute? Zählen wir die Staaten auf, die nicht von Insolvenz bedroht sind. Und fallen in aphasische Schockstarre, wenn wir es versuchen.

Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient.

Deutschland hat sich gegen Hitler nicht gewehrt – ich sage nicht, daß es Hitler verdient hätte, das hat das deutsche Volk 1933 selber laut genug gesagt. Also darf es sich auch über Schelte nicht wundern. Für die Scheiße, die es da angerichtet hat.

Danach hat sich das deutsche Volk die BILD-.Zeitung gewählt (nebst der von diesem Blatt wie ein Tanzbär herumgeführten Regierug), also darf es sich bitte nicht aufregen.

Das deutsche Volk hat Lager gebaut, an denen dranstand: “Jedem das seine” und passend zu Ursula von der Leyen und ihrer Arbeitsmarktpolitik “Arbeit macht frei”. Das Deutsche Volk hat gelernt, daß sich hinter diesen Sprüchen Gaskamern, Krematorien und Leichen verbergen.

Das Deutsche Volk hat sich danach bewußt und wissend enschieden: “Jedem das seine” und “Arbeit macht frei”.

Und wie nach Auschwitz jammern wir heute mal wieder über die Konsequenzen.

Natürlich auf höchstem Niveau, gehen Sie doch mal in Stuttgart durch die Königstraße und schauen Sie sich die Auslagen an! Oder sehen Sie die elegangen Plakate:”Dr. Gierschlund, Raffke & Partner Immoblien” oder “Vermögensberatung Reich & Wohlsorge, Privatbankiers seit 1778″

Jetzt fängt die Journaille an zu flennen – und was tun wir? Sollen wir Ihnen ein Taschentuch reichen? Oder lieber die BILD-Zeitung, den SPIEGEL und den FOCUS und wie das alles heißt ins Altpapier schmeißen und als gemeingefährliche Schriften auf den Index setzen?

Wir sind uns wohl in beidem einig.

In dem, was wir tun müssten.

Und in dem, was die Menschen tun werden.

Detlef Bosau

PS: Den Journalisten sei eine alte Usenet-Weisheit weitergegeben: Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche. Auch ein gewisser Dr. G. aus Rheydt hat mal als “Journalist” angefangen. Die “vierte Staatsgewalt”. Und die einzige, die sich jeder demokratischen Kontrolle entzieht.

106) Doktor Hong, Dienstag, 16. August 2011, 14:15 Uhr

Sind “Finanzmärkte” überhaupt “Märkte”?

Wenn ein Papier im Kurs steigt, stürzen sich alle drauf und der Preis steigt noch mehr. Leute verschulden sich sogar, um von Kurssteigerungen zu profitieren.

Wenn ein Papier im Kurs fällt, will es keiner mehr haben, alle verkaufen panisch und das Papier fällt weiter ins Bodenlose.

Wie heißt es so schön in der Marktwirtschaft? “Die Nachfrage regelt das Angebot”. Wenn also ein Gut sehr teuer ist, fällt die Nachfrage, wenn der Preis fällt, steigt die Nachfrage. So sollen sich die Märkte selbst stabilisieren. Das ist ja auch das Mantra der Lohndrücker: Wenn der Preis für Beschäftigung nur tief genug fällt, kommen auch alle in Arbeit.

Zwei Fragen: Wie passt das oben beschriebene Verhalten von “Finanzmärkten” zur Charakterisierung eines “Marktes”?

Wie kommt man schließlich auf die Idee, dass ein solches Marktverhalten stabile Preise erzeugt?

Da ich ein sehr unwissender und einfältiger Mensch bin, kann mir vielleicht jemand erklären, wie das alles zusammenpasst.

107) EStz, Dienstag, 16. August 2011, 14:19 Uhr

@ StefanP

Der Gläubiger glaubt…
__________________________
Sagte mir ein frühere Mitarbeiter: Der Arbeiter arbeitet, und der Chef (s)cheffelt.
Wenn ich mich so umschaue, ist das nicht weniger richtig…

Den Sparern soll die effektivste und für sie sinnvollste Geldanlage vermittelt werden,
___________________________
Ich kann vielem Zustimmen, was Sie schrieben, aber diesem Satz nicht. Ich habe noch kein Geldinstitut erlebt, wo nicht “von oben” den “Beratern” angeordnet wurde, was gerade zu verkaufen sei. Es geht NIE um den Nutzen des Kunden (es sei den, der Kunde hat Ahnung, fordert bestimmte Anlageformen und ignoriert die Einwände des Beraters), es geht IMMER um den Ertrag der Bank. Die Bank verkauft Geld, so wie andere Benzin verkaufen, und versucht, damit den höchstmöglichen Profit zu machen.

Es ist eine Mär, dass eine Bank oder ein Bankberater im Sinne des Kunden agieren, etwa wie ein Rechtsanwalt oder Arzt. Es sind profitorientierte, auf Umsatz gedrillte Verkäufer, nicht mehr.

Viele hohe Herren, u.a. Herr Ackermann und sein Vorgänger Kopper, haben sich schon dahin geäußert, dass man sich auch auskennen sollte, bevor man diese oder jene Geldanlage wählt. Was für ein dummes Zeug. Man kann sich, bei allen vorhandenen Unterschieden in Intelligenz, Kenntnissen, Fähigkeiten und Neigungen, nicht bei allem auskennen. Darum geht man ja zu einem Berater.

Wenn einer der beiden mal im Krankenhaus unters Messer soll, und der Arzt fragt, wir haben hier diese und jene Methode, und “Welche hätten Sie gerne”, gäbe es wohl mächtig Stress. Wenn dann der Arzt auf Vorhaltungen sagt “Aber ein wenig sollten Sie sich schon auskennen, bevor Sie Krebs oder Herzanfälle kriegen”, wäre der Arzt seinen Job wohl los.

Natürlich ist es so, dass die Politik die Regeln aufstellt. Und aus Gesetzen ist die Intention klar erkennbar. Wenn sich nun Tausende hochintelligente Finanzexperten darüber hermachen, Lücken in Gesetzen zu suchen, um deren Sinn zu umgehen, gibt es zwei Möglichkeiten: Man lässt die Leute machen (das ging sehr kräftig in die Hose), oder man schiebt Korrektur um Korrektur um Korrektur nach, erhöht Verwaltungsaufwand und Bürokratie, bremst und wird unverständlich – und die gut bezahlten, hoch intelligenten Spezialisten machen sich auf die Suche nach der nächsten Lücke.

Wenn jeder dem Sinne nach das Motto “Was Du nicht willst, dass man Dir tu…” verfolgen würde, (einfältig, idealistisch und kindlich, ich weiß, aber dennoch richtig), dann gäbe es diese Probleme nicht. Ob sie nun in der Politik oder in der Wirtschaft sitzen: Die schwirige Situation ist durch Leute entstanden, die sich wissentlich falsch und unanständig verhalten haben, zu ihrem persönlichen Vorteil und zum Schaden anderer.

Und deshalb kann ich auch mit Sprengschen Formulierungen wie “Monster” gut leben. Denn wenn man einen Schritt zur Seite tritt, neben die von Lobbyisten und korrupten Politikern verbogenen und ausgehöhlten Gesetze, kann man es sehen. Es ist ein unabhängiges System entstanden, dass kein Mensch, keine Regierung der Welt mehr in den Griff kriegen kann (jedenfalls nciht mit demokratischen Mitteln; entsprechend versucht es auch keiner mehr).

Und jeder Nutzen für andere, etwa die beschriebenen Verbesserungen für einen Teil der Bevölkerung in der dritten Welt (die auch da mit teilweise extremen Auswüchsen einher gehen), sind nicht angestrebte Ziele, sondern Abfallprodukte bei dem Versuch, Macht und Geld von unten nach oben zu transferrieren. Es wird, wie um 1863 und um 1929 herum einen großen Knall geben, wo viele Reiche gewinnen, einige Reiche (vielleicht sogar viel) verlieren und unzählige Normalos und Arme alles los sind. Dann beginnt die nächste Runde.

Wie heitßt es so schön: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf

108) StefanP, Dienstag, 16. August 2011, 15:30 Uhr

Derzeit kann man gar nicht so schnell schreiben, wie die Dame aus der Uckermark völkerrechtliche Verträge bricht und gleich noch das Demokratieprinzip mit Füßen tritt. Das Publikum verharrt in Frust, ballt die Faust in der Tasche und protestiert mit sinkender Kauflaune.

Die gegenwärtige Bundeskanzlerin, deren Namen mancher so schnell wie möglich vergessen will, hebelt in einer Schnelligkeit die Grundlagen unserer Demokratie, unserer Rechtsordnung, unserer Wirtschafts- und Finanzverfassung aus, das einem nur noch graust. Ökonomen reiben sich schon seit längerem die Augen, warum bei manchen politischen Vertretern Eurobonds hoch im Kurs stehen. Ihr Einsatz wäre die finanzwirtschaftliche Atombombe, mit der realen Gefahr, als Kollateralschaden den eigenen Haushalt auf Jahrzehnte zu verstrahlen. Gerüchteweise verlautete, die nicht nach hanseatisch-kaufmännischen Prinzipien aufgewachsene, nicht-schwäbische Hausfrau habe zweimal einen Amtseid geleistet, in ihrer Funktion als oberste Regierungschefin Schaden vom Deutschen Volke abzuwenden. Leider gibt es kein verfassungsrechtlich geregeltes Procedere für Amnesie in Regierungsämtern.

Worum geht es? Nachdem die demokratisch legitimierten Regierungen der Eurozone binnen 1 1/2 Jahren jedes Versprechen gebrochen haben, das sie einstmals anläßlich der Geburt der gemeinsamen Währung Euro gegeben haben und Rettungsschirme in Billionenhöhe für vertragsbrüchige Staaten geschaffen haben, sind sie mit ihrem Latein ziemlich am Ende. Trotz aller Zusagen der geballten europäischen Staatsspitzen wollen mit eigenem Geld hantierende Sparer die dolose Ausgabenpolitik derer nicht mehr finanzieren, die die Glaubwürdigkeit eines alten, taterigen Lustgreises mit Anzeichen von Alzheimer haben.

Längst ist jedes Vertrauen in die europäische Finanz- und “Stabilitätspolitik” verloren gegangen. Wer heute noch Staatschefs glaubt, die unzählige Male geschworen haben, “pacta sunt servanda”, im Chor sangen: “No Bail-out!” und wider ihre Strophen gehandelt haben, der arbeitet zumindest nicht auf eigene Rechnung. Die Finanzmärkte senden der europäischen und amerikanischen Politik ein klares, unmissverständliches Signal: NO! MORE! CASH!

Anscheinend ist man in Brüssel, Paris (sowieso) und Berlin taub. Der Bürger jedoch nicht und lesen und denken kann er auch. Mitten in einer vielversprechenden Aufschwungphase treten die politisch Handelnden Unternehmen und Konsumenten vors Schienbein, fängt Wirtschaft an zu dümpeln, die Aktienkurse verrückt zu spielen und die Verbraucher trotz deutlich steigender Einkommen die Lust an den Konsumtempeln zu verlieren.

Eins lässt sich festhalten: würden es die selbsternannten Apologenten der finanzwirtschaftlichen Solidität von der angeblich wirtschaftsfreundlichen FDP es wagen, der Bundesregierung beim Überschreiten des Rubikon (Einführung von Eurobonds) eine Brücke zu bauen statt die Vertragskündigung ins Kanzleramt zu schicken, hätte sich die Funktion der neuerlichen (Prozent-) Pünktchen-Partei endgültig überlebt.

Von einem kann man dennoch nur träumen: dass dieser Horrorkurs bald ein Ende findet. Um einen Titanen zu zitieren: Wir brauchen offensichtlich Eier.

109) woodpecker, Dienstag, 16. August 2011, 16:10 Uhr

,,,vor 2008 konnten die Politiker die Folgen ihres Handelns nicht erkennen.

Schon vergessen? Der “gefährlichste Mann Europas” hat rechtzeitig gewarnt.
Sollen wir mal untersuchen, wie Spreng sich damals zu Oskar Lafontaine verhalten hat?!

110) StefanP, Dienstag, 16. August 2011, 16:28 Uhr

@EStz

Es ist der unternehmerische Sinn von Unternehmern zu scheffeln. Gute Produkte und Beschäftigung sind lediglich ein “Abfallprodukt”. Wer es anders mag, muss den Sozialismus ausprobieren. Doch es ist heute gar nicht leicht, Gewinn, und dann noch einen respektablen, zu machen. Gehen Sie beispielsweise die Branchen durch, wo ich gearbeitet habe. Da ist es verdammt schwer, profitabel zu werden und zu bleiben.

Deswegen kann es kein Vorwurf an Banken sein, nicht den eigenen Profit im Auge zu haben. Wo das nicht der Fall ist, sieht es meist auch für den Kunden schlecht aus: Dresdner Bank, Hypovereinsbank, zahlreiche Landesbanken…

Ein Banker kann keine Anlage verkaufen, für die er nicht treuhänderisch bürgt. Vielleicht wissen Sie auch, was eine Prospekthaftung ist. Bei jeder Beratung steht der Berater mit einem Bein bereits vor Gericht. Tja, heutzutage erkennen deutsche Gerichte selbst Unternehmen und Kommunen mit qualifizierten Experten Schadensersatz zu, wenn diese geltend machen, das Finanzprodukt sei ihnen nicht ausreichend erklärt worden.

Zurück zu Ihrem Berater: Es gibt eine einfache Regel, was ich nicht verstehe, kaufe ich nicht. Ich kaufe keinen X3, wenn ich keinen Führerschein habe. Dazu muss ich nicht verstehen, was sich unter der Haube abspielt, aber ich kann beurteilen, ob der Verkaufsberater mir eine Ente für einen Rennwagen verkaufen will. Und ich kaufe keine Kondome, wenn ich… doch lassen wir das.

Glauben Sie wirklich, Vorstandschefs holen sich Unternehmensberater ins Haus, weil sie keine Unternehmensstrategie haben? Man geht zum Berater, um Alernativen aufgezeigt zu bekommen, eventuell auch neue Ideen zu entwickeln oder einfach nur die eigenen Ansichten bestätigt zu bekommen. Selten ist es möglich, einer Oma, die auf ihrem Geld schläft, ein Derivat zu verkaufen. Und ich kenne keinen – wirklich keinen! -, der bei Diagnose einer schweren Erkrankung nicht mindestens einen weiteren Arzt befragt und um Rat gebeten hätte. Genauso haben sich diejenigen nicht dafür entschieden, was einer ihnen geraten hat, sondern was ihnen selber am plausibelsten (und eventuell am angenehmsten) erschien.

Es gehört zur Eigenverantwortung, wichtige Entscheidungen für das eigene Leben selbst zu treffen. Am Ende kommen immer richtige und falsche Wege heraus. In unserer Versicherungsgesellschaft machen wir andere für unsere falschen Entscheidungen verantwortlich. Eigenverantwortlich sind wir damit nur für das, was am Ende richtig war.

Die 10 Gebote sind klar und eindeutig, Umgehungsmöglichkeiten ausgeschlossen, Interpretation ebenso. Einer anderen Frau lüstern hinterherzuschauen, ist nach den Regeln Ehebruch. Sorry, schuldig im Sinne des Gesetzes. Das Problem entsteht, weil wir in einer komplexen Welt jedes Detail regeln wollen. Obwohl wir wissen, dass es anders besser geht. Das BGB ist weit über 100 Jahre alt und es ist das beste Gesetz in unserer legislativen Bibliothek.

Gute, funktionierende Gesetze (Regeln) zeichnen sich durch Einfachheit und Allgemeinheit aus. Sie schaffen damit aber auch Lücken und übergeben dem Bürger Eigenverantwortung. Wenn Gesetze nicht greifen, dann heißt das nicht, dass sie aus krimineller Energie umgangen werden, sondern nur, dass sie zu speziell sind.

111) Frankilein66, Dienstag, 16. August 2011, 17:12 Uhr

@StefanP.

Sie zitieren eine Titanen und sympathisieren mit dem 1. FC Köln?

112) StefanP, Dienstag, 16. August 2011, 17:38 Uhr

@Frankilein66

Wo sehen Sie den Widerspruch? Den Satz “Wir brauchen Eier, verstehen Sie? Eier!” Sagte Oliver Kahn anlässlich einer schmerzhaften Niederlage des FC Bayern in der Schalker Arena, nachdem die Stars des FCB vor der Kulisse gekuscht hatten. So betrachtet passt der Spruch ganz gut.

Bitte, ich bin eingefleischter Fan. Und: Die Kölner starten verspätet in die Saison, kein Grund zur Beunruhigung.

113) Doktor Hong, Dienstag, 16. August 2011, 17:50 Uhr

Vor lauter Eigenverantwortung sollte man vielleicht die arbeitsteilige Gesellschaft abschaffen. Jeder sollte Experte in jedem sein.

Das ist effizient! Oder nicht?

114) StefanP, Dienstag, 16. August 2011, 18:05 Uhr

@Doktor Hong

“Vor lauter Eigenverantwortung sollte man vielleicht die arbeitsteilige Gesellschaft abschaffen.”

Wie wollen Sie das machen? Manche haben ja gerade beim eigenen Leben ein Höchstmaß an Arbeitsteilung: Das Geld, erarbeitet von anderen, kommt von der Bank. Die Kinder erziehen sich selber, für Unterhaltung sorgt der Fernseher und die eigene Frau wurde beim Liebhaber entsorgt.

Hinweis: Das ist keine Persiflage.

115) Frankilein66, Dienstag, 16. August 2011, 18:17 Uhr

@StefanP.

Vielen Dank für die Belehrung aber der Zusammenhang der Aussage von Kahn war mir bereits bekannt.

ICH bin Kölner und ich kann ihnen versichern, dass es Grund zur Beunruhigung gibt! Aber wir entfernen uns vom eigentlichen Thema und ich möchte mir keinen Rüffel von Herrn Spreng einhandeln!

116) Mark, Dienstag, 16. August 2011, 20:23 Uhr

So, jetzt ist die Katze aus dem Sack: Merkel und Sarkozy wollen eine “Wirtschaftsregierung” einführen, und der Bilderberger van Rompoy soll die Truppe führen, bei immerhin zwei Treffen im Jahr. Wird uns Herr van Rompoy möglicherweise zur Wahl gestellt? Wohl eher nicht. Demokratie ist ja nicht so populär in Brüssel und Berlin.

Erschreckend waren die ersten Reaktionen auf die Ankündigung.

Grüne: Frau Roth schwafelt etwas von stärkeren Institutionen. Sie hat offenkundig keinen Schimmer von dem, was da abgeht. War wohl die einzige, die die Kamerateams erwischten.

Linke: Frau Lötzsch findet den Schritt “im Prinzip richtig”. Und beweist damit eben auch, dass sie den Umverteilungsstaat will.

FDP: Herr Rösler ist rundum zufrieden und findet, dass das ein Schritt in die richtige Richtung sei. Die Hoffnung, dass die FDP zur Besinnung kommt, ist wohl gering. Zumindest mit diesem Personal.

SPD: Ist noch geschockt, dass ihre früheren Forderungen (Wirtschaftsregierung, Transaktionssteuer) nun erfüllt werden sollen. Die Daseinsberechtigung schwindet damit täglich. Und im gleichen Maße steigt die Harmonie mit der Union. So wird schwarz-rot fast schon alternativlos.

Bedenklich ist die Demokratiefeindlichkeit der Beschlüsse. Kein Wort von einer Wahl (van Rompoy wird ernannt). Kein Wort von einem Referendum. Kein Wort von Abstimmungen in den nationalen Parlamenten… Jetzt ist es an der Zeit, dass das BVerfG dem bizarren Treiben ein Ende setzt.

117) Nashwin, Dienstag, 16. August 2011, 20:51 Uhr

@Doktor Hong

Wieso sollen Finanzmärkte anders funktionieren als andere Märkte?
Für jeden Käufer eines Finanztitels gibt es ja auch einen Verkäufer und umgekehrt.
Wo soll der Widerspruch sein?

Und warum muss ein Markt stabile Preise erzeugen? Der Preis eines Gutes ist ja ein unglaublich mächtiges Informationsmedium, das eine unübersehbare Anzahl von Einzelentscheidungen der Akteure beeinflusst, die sich wiederum im Preis widerspiegeln.
Daher sind stabile Preise nicht unbedingt ein erstrebenswertes Ziel an sich.

118) EStz, Dienstag, 16. August 2011, 22:08 Uhr

@ Stefan P

Ein Banker kann keine Anlage verkaufen, für die er nicht treuhänderisch bürgt. Vielleicht wissen Sie auch, was eine Prospekthaftung ist. Bei jeder Beratung steht der Berater mit einem Bein bereits vor Gericht. Tja, heutzutage erkennen deutsche Gerichte selbst Unternehmen und Kommunen mit qualifizierten Experten Schadensersatz zu, wenn diese geltend machen, das Finanzprodukt sei ihnen nicht ausreichend erklärt worden.
__________
Verdienen wollen, auch gut verdienen wollen, ist kein Fehler. Aber 25 % Rendite erzielt man nicht mit Fleiß und Glück, sondern man muss anderen schon arg auf die Füße steigen.

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Zurück zu Ihrem Berater: Es gibt eine einfache Regel, was ich nicht verstehe, kaufe ich nicht. __________

Klare, richtige Theorie, ohne Frage. Aber zum einen kommt es schon mal vor, dass man aufgrund falscher oder unzureichender Informationen fälschlicherweise glaubt, ein Produkt verstanden zu haben. Zum anderen sollten auch Berater keine Produkte anbieten, die sie nicht verstanden haben. Und da brauchen wir uns nix vormachen: Das geschieht viel zu oft.

XXXXXXXXXX

Glauben Sie wirklich, Vorstandschefs holen sich Unternehmensberater ins Haus, weil sie keine Unternehmensstrategie haben? Man geht zum Berater, um Alernativen aufgezeigt zu bekommen, eventuell auch neue Ideen zu entwickeln oder einfach nur die eigenen Ansichten bestätigt zu bekommen.
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Ich habe viermal mit angeschaut, wie Unternehmensberater in einem Unternehmen waren. Einmal hatte der Chef große Pläne; ein 800 Mann starkes Unternehmen hoffte auf weiteres Wachstum und ließ sich von einem Berater Strukturen entwickeln, die zu einem deutlich größeren Unternehmen passten. Die eine oder andere Hierarchieebene wurde eingezogen, angeblich gute (ich konnte das damals noch nicht beurteilen), in jedem Fall teure Leute wurden eingekauft, die zusätzlichen Kosten auf die einzelnen Abteilungen umgelegt. Keine zwei Jahre später hatte sich der Betrieb zelegt und war auf etwa 120 Mann gefallen, dem Rest (auch mir) wurde abteilungsweise gekündigt. Ich hatte das gottseidank kommen sehen und eine Alternative parat.
In einem anderen Fall schwärmten immer wieder Berater aus, weil der Chef (Besitzer/Sohn des Gründers) keinen, wirklich keinen Plan hatte. Das war das einzige Mal, dass ich der Beratertätigkeit etwas Gutes abgewinnen konnte.
In einem dritten Fall erteilte der Vorstandsvorstizende “meines” Unternehmens einer Beraterfirma den Auftrag, nach optimierungsmöglichkeiten zu suchen. Man fragte nicht die Abteilungs- und Bereichsleiter, sondern nur deren Stellvertreter. Jeder, der Kalif werden wollte anstelle des Kalifen, lederte los. Viel schlechte Stimmung, viel Mißtrauen untereinander war die Folge. Wurde auch nicht besser, als herauskam, dass der Sohn des Vorstandsvorsitzenden in der Beraterfirma arbeitete.
In einem anderen Fall wollte der Chef des Unternehmens in großem Umfang Leute entlassen, traute sich aber nicht. Er bestellte und bezahlte die Berater, die auch prompt mit dem gewünschten Ergebnis rüber kamen. Nicht falsch verstehen: Mir ist klar, dass Entlassungen ebenso dazu gehören wie Einstellungen. Aber hier ging es ausschließlich darum, ein paar Kennziffern zu optimieren; viele Abteilungen waren unterbesetzt. Die Überstundenleistung war vorher schon sehr hoch und stieg trotz zahlreicher Leiharbeiter anschließend weiter, weil sich nach dem Kahlschlag niemand mehr traute, den Mund aufzumachen.

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Es gehört zur Eigenverantwortung, wichtige Entscheidungen für das eigene Leben selbst zu treffen. Am Ende kommen immer richtige und falsche Wege heraus. In unserer Versicherungsgesellschaft machen wir andere für unsere falschen Entscheidungen verantwortlich. Eigenverantwortlich sind wir damit nur für das, was am Ende richtig war.
___________
Ich habe in amerikanischen, japanischen und deutschen Unternehmen gearbeitet. In der japanischen Firma bekam ich Entscheidungen mitgeteilt und durfte “nur” umsetzen. Es gab es sehr wenig Spielraum, aber kriegte auch keine reingelatzt, wenn etwas schief ging – das war zumindest ein fairer Deal. Im amerikanischen Unternehmen durfte ich offiziell alles entscheiden, sollte nur vorher meinen amerikanischen Chef informieren. Der redete mir tüchtig rein, und drückte massiv in die von ihm gewünschte Richtung. Weil er den deutschen Markt nicht verstand, ging viel schief, und dann war ich ganz allein ganz offiziell schuld, so wie ich offiziell auch allein entschieden hatte – Danke, Anke.
Bei meiner letzten Station in einem angestellten Verhältnis, in einem deutschen Unternehmen, habe ich mir von meinem Vorstand (ein Jurist und recht unangenehmer, also guter Controller, aber kein Mannd er Praxis) dann nicht reinreden lassen. Obwohl die Umsätze stimmten, wurde ich gefeuert. Mein Nachfolger setzte die Vorstellungen des Vorstands um, Verkäufe und Belegschaft meiner Ex-Abteilung waren in 15 Monaten halbiert. Danach wer er auch fällig.
Es gibt diese schöne Verkäuferregel: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Ich habe zuviele Leute in entscheidenden Positionen kennengelernt, die noch nie einen Fisch von weitem gesehen hatten, aber der festen Überzeugung waren, sie wüßten, was Fische wirklich wollten.

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Einer anderen Frau lüstern hinterherzuschauen, ist nach den Regeln Ehebruch.
Gute, funktionierende Gesetze (Regeln) zeichnen sich durch Einfachheit und Allgemeinheit aus. Sie schaffen damit aber auch Lücken und übergeben dem Bürger Eigenverantwortung. Wenn Gesetze nicht greifen, dann heißt das nicht, dass sie aus krimineller Energie umgangen werden, sondern nur, dass sie zu speziell sind.
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Ich kann nicht alles in allgemeine Gesetze packen. Viele Gesetze sind speziell, weil man die allgemeinen Regeln umgehen kann. Habe ich nur komisch aus der Wäsche geschaut, als ich der anderen Frau hinterher schaute, habe aber nichts Verwerfliches gedacht? Habe ich normal geschaut, aber lüsterne Gedanken gehabt? Jeder kennt die Intention des Gesetzes, aber wer in Eigenverantwortung und zur Eigenbereicherung Schwachpunkte finden will, um Gesetze zu umgehen, wird fündig – und ist schuldig im Sinne der Anklage.

@ alle: Sorry, mal wieder zu lang.

119) EStz, Dienstag, 16. August 2011, 22:09 Uhr

@ woodpecker, Dienstag, 16. August 2011, 16:10 Uhr

,,,vor 2008 konnten die Politiker die Folgen ihres Handelns nicht erkennen.

Schon vergessen? Der “gefährlichste Mann Europas” hat rechtzeitig gewarnt.
Sollen wir mal untersuchen, wie Spreng sich damals zu Oskar Lafontaine verhalten hat?!
__________________________________

Hab viel Demagogie von dem Mann gehört, aber in diesem Punkt hatte er Recht!

120) Hannover-96-Fan, Dienstag, 16. August 2011, 22:18 Uhr

@ StefanP, Dienstag, 16. August 2011, 17:38 Uhr

Bitte, ich bin eingefleischter Fan. Und: Die Kölner starten verspätet in die Saison, kein Grund zur Beunruhigung.

_______________________________

Oh, doch!!! :-)

121) sk8erBLN, Dienstag, 16. August 2011, 23:15 Uhr

OT schon klasse wie man sich im Politikbetrieb von einer schon-Leiche SKM zu einer demnächst-Leiche hangeln kann, so ganz nahtlos. Jeder muss halt sehen wo er noch bleiben kann.

Georg Streiter
Koch-Mehrin-Vertrauter wird Regierungssprecher
Vizekanzler Philipp Rösler ist fündig geworden: Neuer stellvertretender Sprecher der Bundesregierung wird Georg Streiter. Der frühere “Bild”-Journalist war zuletzt Sprecher von FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin.

Die Wahl Streiters durch den Vizekanzler und FDP-Chef Philipp Rösler gilt in Berlin als Überraschung. In den vergangenen Wochen wurden manche Namen unter der Hand gehandelt, auch die von aktiven Journalisten in der Hauptstadt.

Doch Rösler erhielt Absagen. Zwar ist der Job gut dotiert, aber im hochtourigen Politikbetrieb nicht gerade ein Traum. Hinzu kommt: Er ist bis zum Herbst 2013 befristet. Und da die Liberalen derzeit unter fünf Prozent taxiert werden, dürfte eine Weiterbeschäftigung in einer Neuauflage der schwarz-gelben Koalition kaum wahrscheinlich sein.

Bislang ist Streiter – einst Politikchef bei der “Bild”-Zeitung und bei “Bild am Sonntag”, zuvor auch bei “Stern” und “Max” – im Büro der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin tätig. Seit Februar vergangenen Jahres saß er für sie in Brüssel, zuletzt war der 55-Jährige vor allem damit beschäftigt, seine Chefin in der Plagiatsaffäre um ihre Doktorarbeit zu verteidigen.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,780596,00.html

Ich bin ja nicht so sicher dass das mit der Befristung Herbst 2013 was wird. Andererseits-bei der FDP war man sich ja schon immer selbst der nächste und so wird man -entgegen Marks Vorschlag hier wohl kaum vorzeitig die Koalition auflösen – das wäre, wenn überhaupt, schon beim ESM fällig gewesen.
Vielleicht hat Streiter also doch noch Chancen den Job “vertragsgemäß” zu beenden.

122) sk8erBLN, Dienstag, 16. August 2011, 23:23 Uhr

Da es trefflicher nicht formuliert werden kann der Hinweis auf feynsinn zum Thema “Weltregierung”:

Die Staaten der Europäischen Union haben ihre Bürger nicht oft genug abstimmen lassen. Nicht nur, dass keine gemeinsame Verfassung zustande kam, es kam auch obendrein ein Vertrag zustande, der den notwendigen Reformen® im Wege ist. Alles daher Chefsache jetzt, da macht das nämlich nichts, was in dem blöden Vertrag steht. Ob ein Staat der Eurozone finanziell für den anderen einstehen darf oder muss, das ist neuerdings Egalité. Im Vertrag steht “darf nicht”, im Währungs-. Banken- und Weltrettungsfonds steht dann “muss”.

Da staunt der Steuerzahler nicht mal mehr. Ist ja tatsächlich wurscht, wer aus welchen Gründen die Mitgliedsstaaten und ihre Unterschicht totspart und fröhlich das, was die Wirtschaft noch abwirft, auf die Konten der “Anleger” schaufelt. Als nächstes ist die Mittelschicht reif, und zwar nicht mehr bloß das untere Drittel. Schade, dass die’s nicht merken. Oder besser: Gemerkt haben, denn sie werden ja zukünftig nicht mehr gefragt.

Es gibt jetzt eine “Wirtschaftsregierung”, sagen Merkel und Sarkozy und fühlen sich dazu auserwählt, dergleichen zu tun.
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/merkelsarkozy210.html
Unverblümt wird darüber lamentiert, was “in allen Euro-Ländern in der Verfassung verankert” zu werden hat. Diesmal richtig: Die Völker und Parlamente haben das umzusetzen. Diesmal werden die notwendigen Abstimmungen so oft und so lange wiederholt, bis das Ergebnis passt. Wie sonst soll das funktionieren?

Wenn der Wahnsinn am Steuer steht

Dass die Richter in Karlsruhe dem trotzdem dazwischen grätschen, selbst wenn die SPD wie immer alles mitmacht – diesmal auch die Ermächtigung -, damit wäre zu rechnen. Die Bundesrepublik wäre kein souveräner Staat mehr – ebenso wie alle anderen Eurostaaten. Dass die Richter zu Fuß nach Berlin gehen werden, wenn dieser Anschlag ohne die entsprechende parlamentarische Mehrheit durchgezogen werden wird, ist gewiss. Vermutlich ist Merkel und ihren Mäzenen auch das noch egal. Der Putsch wird dann halt für alternativlos® erklärt, vielleicht das Grundgesetz in einem Moratorium bis auf weiteres ausgesetzt.

Der Irrsinn kennt keine Grenzen, es sei denn für die Opfer dieser Diktatur des Krisenkapitalismus.

http://feynsinn.org/?p=9662

123) sk8erBLN, Dienstag, 16. August 2011, 23:57 Uhr

Der Kapitalismus zerstört sich selbst
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 15.08.2011

In einem Video-Interview mit dem «Wall Street Journal» analysiert der Star-Ökonom Nouriel Roubini den Zustand der westlichen Industriestaaten. Wegen einer massiven Umverteilung des Wohlstandes zugunsten der Superreichen sei die Nachfrage in den westlichen Industriestaaten zusammengebrochen. Der Einbruch sei so dramatisch, dass wir Glück gehabt hätten, nicht bereits jetzt in eine Depression abgerutscht zu sein, sagt Roubini und prophezeit im besten Fall lange Jahre einer schmerzhaften Stagnation.

«Wir haben eine neue Gefahrenzone betreten», warnt auch der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick.

Unmögliches Rezept

Vereinfacht gesagt sieht die Lage der westlichen Industriestaaten derzeit wie folgt aus: Konzerne und Superreiche haben in den letzten Jahrzehnten ungeheure Vermögen angehäuft und profitieren heute von tieferen Löhnen, billigem Geld und sinkenden Steuern. Der Mittelstand hingegen blutet aus: Die Löhne sinken, die Wohnkosten und die Steuerbelastung steigen. Das Resultat ist eine einbrechende Nachfrage, die im Begriff ist, in eine Verelendungsspirale zu münden. Dieses Phänomen ist Ökonomen bestens bekannt, sei es als «Liquiditätsfalle» oder als «Balance Sheet Recession».

Vermeintliche Freunde des Kapitalismus, Liberale und Konservative, wollen mit Sparen und Steuersenken der Liquiditätsfalle entrinnen. Das kann unmöglich zum Erfolg führen. Wie soll bei fallenden Löhnen und steigender Arbeitslosigkeit Nachfrage entstehen? Und weshalb sollten Unternehmen investieren, wenn keine Nachfrage besteht?

All dies ist keine Frage der Ideologie mehr und es geht auch nicht um Fairness oder Moral. Wer das System retten will, muss jetzt handeln. «Die Märkte funktionieren nicht mehr», sagt Roubini. «Der Kapitalismus ist im Begriff, sich selbst zu zerstören.»
http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Der-Kapitalismus-zerstoert-sich-selbst/story/17292866

Zum letzten Satz von Roubini: Ich denke manchmal darüber nach ob Merkel nicht doch die späte Rache Honeckers ist. :-P

Merkel O-Ton:
“Und so wünsche ich mir, dass die Bürgerinnen und Bürger Europas in 50 Jahren sagen werden: Damals, in Berlin, da hat das vereinte Europa die Weichen richtig gestellt. Damals, in Berlin, da hat die Europäische Union den richtigen Weg in eine gute Zukunft eingeschlagen. Sie hat anschließend ihre Grundlagen erneuert, um nach innen, auf diesem alten Kontinent, wie nach außen, in dieser einen großen-kleinen Welt, einen Beitrag zu leisten.”

Rede beim Festakt zur Feier des 50. Jahrestages der Unterzeichnung der „Römischen Verträge“ am 25. März 2007

124) sk8erBLN, Mittwoch, 17. August 2011, 00:04 Uhr

uups falsches Zitat ;)

“Wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Unsere Werte müssen sich auch im Zeitalter von Globalisierung und Wissensgesellschaft behaupten.” – Angela Merkel, Rede zur 60-Jahr-Feier der CDU am 16. Juni 2005

125) breche, Mittwoch, 17. August 2011, 00:20 Uhr

ich bin ja sehr erfreut über das analytische vermögen vieler hier (herrn spreng eingeschlossen).
vielleicht daher meine frage:
wenn dem unzweifelhaft so ist, dass
a) die finanzwirtschaft betuhlich wächst (die ‘institute’, deren gewinne und er der markt)
b) die gesellschaften die zeche zahlen und schon vorher die zahler sind
c) die geldmenge absichtlich inflationäre erhöht wird, um das dilemma unmerklich umzuverteilen (leidtragende einer inflation, sind ja wieder die ‘kleinen’ einkommen)
d) und die vielen weiteren punkte, die ich hier nicht aufzählen kann
…stellt sich dann nicht die frage, wem das alles dient und wie die politische agende derer ausehen könnte?
ich meine, wenn regierungen am gebimmel des finanzkapitals hängen und tatenlos ihre eigene entmachtung vollziehen, und dabei das gegenteil des wählerauftrags umsetzen und gezielte desinformation unter die leute bringen,…
dann passiert das doch nicht alles zufällig, oder? CUI BONO?
wer weiss eine antwort?
danke.

126) Michael, Mittwoch, 17. August 2011, 01:22 Uhr

http://kaepsele.blog.de/2010/04/15/deutscher-fruehling-8374376/

Eine deutsche Tragödie wiederholt sich! Schande!

Polizeigesetz

§ 1

Allgemeines

(1) Die Polizei hat die Aufgabe, von dem einzelnen und dem Gemeinwesen Gefahren abzuwehren, durch die die öffentliche Sicherheit oder Ordnung bedroht wird, und Störungen der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung zu beseitigen, soweit es im öffentlichen Interesse geboten ist. Sie hat insbesondere die verfassungsmäßige Ordnung und die ungehinderte Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte zu gewährleisten.

Kriminelle: “Wir sind Papst!”

Kriminelle: “Unser Land kann mehr.”

Kriminelle: “Wir waren das. Wir sind das.”

Kriminelle: “Wir können alles. Außer Hochdeutsch.”

Kriminelle: “Wir sind besser. Mehr Stuttgart für alle.”

Kriminelle: “Wir bauen besten Bahnhof der Welt.”

Stuttgart (dpa/lsw) – Die Polizei hat erneut Wohnungen von Stuttgart-21-Gegnern durchsucht. Bei der Aktion am Freitag seien Computer, Kameras, Festplatten und CDs sichergestellt worden, sagte ein Sprecher der Stuttgarter Staatsanwaltschaft und bestätigte damit Medienberichte. Der Verdacht richte sich gegen fünf Personen, die dabei gewesen sein sollen, als im Juni die Stuttgart-21-Baustelle gestürmt wurde. Es werde wegen Land- und Hausfriedensbruchs ermittelt, sagte der Sprecher. Die Stuttgart-21-Gegner verurteilten die Durchsuchungen. Die Mitglieder der Gruppe “Cams21″ kritisierten, dass die Beweismittel nicht einmal im Vorfeld angefragt worden seien.

“Vielen Dank für Ihre Anfrage vom 4. April 2010, mit der Sie sich danach erkundigen, ob auf Antrag der Mehrheit der Mitglieder des Landtags nach Artikel 66 Abs. 2 der Landesverfassung ein Richter in ein anderes Amt oder in den Ruhestand versetzt wurde. Ich darf Ihnen hierzu mitteilen, dass in den letzten Jahren ein derartiger Antrag nicht gestellt worden ist.” Plenar- und Ausschussdienst, 22.04.2010

“Ein Antrag gemäß Artikel 66 Abs. 2 der Landesverfassung wurde seit der Konstituierung des neu gewählten Landtags nicht gestellt.” Plenar- und Ausschussdienst, 24.06.2011

http://www.youtube.com/watch?v=mnLVl9W-2ek

Das Verwaltungsgericht Freiburg entschied am 04.05.2011, dass die Gebührenfestsetzung für die Überprüfung der sicheren Verwahrung zulässig ist, auch wenn die sichere Aufbewahrung bereits nachgewiesen wurde, kein Verdachtsmoment vorlag und kein Fehlverhalten festgestellt werden konnte (Aktenzeichen 4 K 623/11).

127) Martin, Mittwoch, 17. August 2011, 01:46 Uhr

Mit den Lehren Keynes wird heute noch jeder Oberstufler und jeder VWL/BWL Student nach Hause geschickt. Wo ist da die Einsicht, dass Theorie und Realität auseinanderklaffen?
Martin / http://www.sekundemal.de

128) Tyler Durden Volland, Mittwoch, 17. August 2011, 03:37 Uhr

@Xpomul

Sie missverstehen da was.. ich habe keinerlei Interesse ihren Gut-Menschen Glauben zu kritisieren oder gar zu ändern…
Nicht nur ich, sondern auch viele andere haben dies vor Jahren schon kommen sehen. Helmut Kohl konnte man gar nicht übersehen und mit ihm fing es im Grunde an Ernst zu werden. Ein grössenwahnsinniger, vollgefressener Spiessbürger mit Visionen.
In den 80er Jahren fingen deshalb viele damit an ihre Haushalte in DE aufzulösen und sich irgendwo an die Strände (oder Ähnliches) dieser wunderschönen Welt zu verteilen und das Leben zu geniessen. Wer heute auch noch in DE ist und in Staat und Gesellschaft eingebunden, der bekommt halt jetzt die Rechnung.
Wissen sie, irgendwann kommt immer der Zeitpunkt, and dem sich kein Schwein mehr für ihre Ausreden interessiert.
Man hat etwas rechtzeitig getan, oder man hat halt nicht……

Was iher Kritik an meiner Meinujng zum deustche Bürger/Wähler/Steuerzahler betrifft, so chlage ich vor sice setzen sich sich mal mit Georg Schramms perfekter Wortschöpfung “Urnenpöbel” auseinander… Der ist das Problem und zwar NUR der.

129) Tyler Durden Volland, Mittwoch, 17. August 2011, 03:40 Uhr

Und @ Doktor Hong

Auch wenn es sie überfordert das mal so richtig durchzudenken, es gibt bereits etliche Webseiten auf denen seit Jahren Diskussionen darüber stattfinden, was man denn am besten jetzt, solange noch Zeit ist, selber lernt.

130) Tharben, Mittwoch, 17. August 2011, 06:52 Uhr

Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll, wenn Leuten wie Michael Spreng und Frank Schirrmacher endlich gewahr wird, welche Früchte die Politik der Konservativen und Marktradikalen (in fast allen politischen Parteien) trägt.

Ist ja schön, dass diese Herrschaften Ihre Fähigkeit, zu unerwarteten Schlüssen zu gelangen, nicht aufgegeben haben, aber ist es dafür nicht etwas zu spät? Spreng und Schirrmacher sind sicherlich kluge Köpfe, aber musste es erst so weit kommen, um nachdenklich zu werden?

Apropos nachdenklich: Schirrmacher verweist in seinem Text auf Albrecht Müllers nachdenkseiten.de. In der Tat immer wieder lesenswert. Besonders die Texte von Jens Berger (spiegelfechter.com) gefallen mir oft sehr.

131) TW, Mittwoch, 17. August 2011, 08:29 Uhr

Leider sehr erschreckend und zu allem Übel auch wahr!

132) xyp, Mittwoch, 17. August 2011, 09:20 Uhr

Wir füttern das Monster jeden Tag, jeder auf seine Weise mit seinem persönlichem Fußabdruck auf dieser Welt. Ich würde ja gerne noch erleben, wie ein schrumpfen der Wirtschaftsleistung und die damit einhergehende Energie- und Ressourceneinsparung als positive Nachricht einer Nachhaltigen Wirtschaftspolitik gemeldet wird.
Es ist schon seltsam wie man eine Wirtschaft betreiben kann, die rein menschliche Arbeitskraft eben die mit einem wirklichem Mehrwert, unbezahlbar macht.
Die eigentliche Dummheit besteht darin nicht den maximalen nutzen aus der Ressource Mensch zu ziehen. Zu tun gibt es wirklich genug.

133) StefanP, Mittwoch, 17. August 2011, 09:34 Uhr

@EStz

Im Grunde kann ich es kurz machen: alles, was Sie beschreiben, kenne ich natürlich auch. Warum kommen wir dann eventuell zu unterschiedlichen Bewertungen? Ich sehe es als natürlich, menschlich an. Wenn ein Unternehmenschef mit dem festen Willen an einen Berater tritt, “ceterum censeo”, dann wird er leicht jemanden finden der ihm das gegen Honorar bestätigt. Wenn Sie zu ihrer Bank gehen und Griechenland-Anleihen kaufen wollen, wird Ihnen der Berater kurz etwas über die kritische Lage auf Hellas erzählen und anschließend Papiere ins Depot schieben.

Die Floskel mit den 25% regt mich immer auf. Das ist ein Wert, der ohne genauere Erläuterung nichts aussagt, aber jeder meint, darüber etwas sagen zu können. Vor allem, dass es nicht möglich ist. Ist es zum Glück doch. Sie gründen eine kleine Marketing-Agentur, die für kleine Unternehmen Markenlogos entwirft. Als Startkapital benötigen Sie kaum etwas, sagen wir 20.000 EUR. Sie machen pro Jahr einen Gewinn (=Einkommen) von 40.000 EUR. Wie hoch ist Ihre Eigenkapitalrendite?

Müssen Gesetze tatsächlich alles regeln? Das würde bedeuten, irgendwelche Abgeordneten, die ich vielleicht nicht mal selber gewählt habe, bestimmen, was ich alles am Tag tun darf und was nicht. Und das muss ich alles wissen, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. An die Stelle von bürgerlichen Werten wie Verantwortungsbewusstsein, Moral, Ethik, Rücksichtnahme tritt in jeder Lebenslage ein Gesetz. Wundern Sie sich ernsthaft, dass privates Engagement so rückläufig ist?

Ach so: für die richtige Lösung der Preisfrage gibt es Tickets für das Spiel des 1. FC Köln – VfL Wolfsburg in der Saison 2011/2012. ;-)

134) Frankilein66, Mittwoch, 17. August 2011, 09:38 Uhr

@EStz

Menschen die vor unheilvollen Entwicklungen warnen müssen sich ja zweimal beschimpfen lassen.
Vorher sind sie Nörgler, Querulanten und Pessimisten, hinterher sind sie Besserwisser und Rechthaber!

Ich bin auch kein Fan Von Lafontaine aber einige Konservative hätten in diesem Fall allen Grund sich bei ihm zu entschuldigen, ähnlich wie bei den Grünen in der Atomfrage!

135) Mark, Mittwoch, 17. August 2011, 09:40 Uhr

@breche, Mittwoch, 17. August 2011, 00:20 Uhr

Sie fragen, wer der Nutznießer dieser Politik ist.

Nun, da müssen Sie nicht lange suchen: es sind die Reichen im Lande, und nur die. Hierzu gibt es die regelmäßigen (und regelmäßig schlimm ausfallenden) Berichte zur Vermögensverteilung in Deutschland, z.B. DIW 2007, 2009, 2011. Hier die Kurzfassung des Kabarettisten Georg Schramm…

2009: http://www.youtube.com/watch?v=CFrn2JYAdJw
2007: http://www.youtube.com/watch?v=sOgQbx9Ry9s

Es profitieren aber nicht nur die deutschen Superreichen, sondern auch die europäischen. Hier ein sehr schöner Beitrag über einen griechischen Profiteur in den Tagesthemen vom Mai 2010:

http://www.youtube.com/watch?v=0ZfUKwJbxrE

Noch Fragen?

136) Xpomul, Mittwoch, 17. August 2011, 09:46 Uhr

Tyler Durden Volland, Mittwoch, 17. August 2011, 03:37 Uhr

ich fürchte sie missverstanden mich.
ich besitze keinen gut menschen glauben, eher eventuell einen schlecht menschen glauben.
das lang und breit auszuführen über das warum und woher erspare ich uns.
das wort gut mensch, es ist eh eher falsch besetzt. doch lassen wir es mal so stehen.
urnenpöpel, ein ebenso missliebiges wort in meinen ohren.
es diskreditiert rundum soviele, vielleicht zuviele.
an und für sich ist es doch bereits sehr rassistisch angehaucht ?

sie gestehen mir möglicherweise zu das es die ohnmacht ist die viele viele – nennen wir sie doch bitte ganz neutral so – bürger befällt, befallen hat ob der obsession der gierigen.

ihrem restbeitrag kann ich soweit zustimmen.
kohl war und ist eine schande.
schade das es das volk offenbar so wollte.
oder konnte es nicht anders ?`
der fisch stinkt vom kopf, nicht von unten.
das volk, also wir, bekommt das was es verdient ?
verdient es das tatsächlich ?
ist es, das volk, also wir, sind wir tatsächlich so schlecht und so lemminghaft ?

137) StefanP, Mittwoch, 17. August 2011, 12:15 Uhr

@Frankilein66

Soso, entschuldigen müsste man sich bei Lafontaine. Es ist nunmal so, dass wer jeden Tag vor dem Regen warnt, irgendwann auch mal Recht hat. Zeitgleich mit den Warnungen vor den Finanzmärkten lobte der Saarländer in jeder Talksendung die Geldpolitik der Fed und schimpfte auf die konservative Inflationsbekämpfung – erst der Bundesbank, später der EZB. Er empfahl gleichzeitig eine Niedrigzinspolitik, also die Ursache der amerikanischen Immobilienblase.

Ich ignoriere das seit langem. Oskar Lafontaine ist ein Vollblutpolitiker durch und durch, der gerade das vertritt, was ihm opportun erscheint, gewürzt mit einem guten Maß 68er Ideologie. Heute ist er im Vorruhestand, also lassen wir ihn.

Wir wär’s mit einer Entschuldigung bei Gerhard Schröder?

138) Frankilein66, Mittwoch, 17. August 2011, 12:33 Uhr

StefanP.

Sie haben natürlich recht!

Ich entschuldige mich daher bei ihnen für meine grenzenlose Dummheit und Ignoranz!

139) Doktor Hong, Mittwoch, 17. August 2011, 13:02 Uhr

Letztens habe ich mir 30 Cent geliehen und dafür ein Brötchen gekauft. Dann habe ich das an einen hungrigen Passanten für 60 Cent weiterverkauft.

Somit war meine Eigenkapitalrendite nicht bloß 25%, sondern unendlich.

Das soll mir der Ackermann mal nachmachen!

140) StefanP, Mittwoch, 17. August 2011, 13:30 Uhr

@Frankilein66

So war das nicht gemeint, Sinn war nicht, Sie zu beleidigen.

141) EStz, Mittwoch, 17. August 2011, 14:01 Uhr

StefanP, Mittwoch, 17. August 2011, 09:34 Uhr

@EStz

Im Grunde kann ich es kurz machen: alles, was Sie beschreiben, kenne ich natürlich auch. Warum kommen wir dann eventuell zu unterschiedlichen Bewertungen?
___________________________________________________
Sie sind ein wirtschaftsliberaler Idealist, und ich bin ein Realist :-)

Die Floskel mit den 25% regt mich immer auf. Das ist ein Wert, der ohne genauere Erläuterung nichts aussagt, aber jeder meint, darüber etwas sagen zu können. Vor allem, dass es nicht möglich ist.
_____________________
Ich bestreite sicherlich nicht die Unmöglichkeit. Und wenn ich meine kleine Ein-Mann-Firma gründe, habe ich vielleicht auch mal Glück….
Ich sage nur: In dem großen Stil, in dem das beispielsweise die Deutsche Bank fordert und umsetzt, ist es auf anständige Art nicht möglich.

Müssen Gesetze tatsächlich alles regeln?
_______________________________

DAS ist nicht möglich. Mich ärgert nur masslos, wenn Leute Gesetze bewußt umgehen (alos illegitim, nicht illegal handeln), und sich dann als anständige Menschen aufspielen und sich empören, wenn man die Dinge beim Namen nennt. Ist auch menschlich (siehe FDP Chatzimarkakis oder wie der heißt). Aber mein Ärger ist es auch.

Ach so: für die richtige Lösung der Preisfrage gibt es Tickets für das Spiel des 1. FC Köln – VfL Wolfsburg in der Saison 2011/2012. ;-)
_________________________________
Sie fallen ja in alte, provokante Muster zurück – einem Hannover-Fan Karten zu einem Wolfsburg-Spiel anzubieten (Köln lasse ich mir ja noch gefallen). Unerhört. Ich will, dass das sofort unterbunden wird.

142) EStz, Mittwoch, 17. August 2011, 14:03 Uhr

@ breche, Mittwoch, 17. August 2011, 00:20 Uhr

CUI BONO?

Klingt ziemlich kitschig, ich weiß: Das Internationale Großkapital

143) wilhelm, Mittwoch, 17. August 2011, 14:17 Uhr

Die als Monster bezeichnete Finanzwirtschaft könnte doch überhaupt kein Unheil anrichten, wenn sich fast alle westlichen Länder in den letzten Jahrzehnten nicht so hemmungslos verschuldet hätten. Das ist doch das eigentliche und ganz zentrale Übel unserer jetzigen Situation und das kommt in Ihrem Artikel zu kurz bzw. wird nur am Rande erwähnt. Ursache und Wirkung werden verwechselt. “Monster” hätten überhaupt kein Betätigungsfeld, wenn solide gewirtschaftet würde. Jetzt erst beginnt es bei einigen zu dämmern, dass diese Schuldenberge nie und nimmer zurückgezahlt werden können und viele Gläubiger Ihre erworbenen Anrechte zum Teil werden abschreiben müssen. Gläubiger, das sind übrigens mittlerweile wir alle, egal ob Rentner oder Selbständiger, der für seine Altersversorgung in eine Lebensversicherung eingezahlt hat. Dass die Gläubiger nun langsam in Panik geraten und als Folge die Finanzmärkte anstecken und verrückt spielen ist doch nur logisch. Die “Monster” zu zähmen, gelingt nur dadurch, dass man wieder solide wirtschaftet und nur soviel ausgibt, wie man auch einnimmt und zusätzlich damit beginnt, die Schuldenberge abzutragen.

144) horst scharnhorst, Mittwoch, 17. August 2011, 14:27 Uhr

Der Markt ist komplex. Aber vielleicht hilft hier eine einfache Zusammenschau:

Vor 40 Jahren befreite der US-Präsident Richard Nixon den Dollar von der Gold-Bindung. Willkommen Monster. Zehn Jahre später betrat Roland Reagan die Bühne und befreite die Finanzmärkte von allen Zwängen. In seiner Ära stiegen die Schulden um sagenhaften 188,87%. Vater Bush brachte es auf 54% Zuwachs und Sohn W. häufte 86% an. Alles Republikaner. Dies führte dazu, daß die Banken ihre ursprüngliche Rolle veränderten. Statt Intermediäre zu sein, begannen sie mit dem billigen Geld der FED sich als eigenständiger Marktteilnehmer zu begreifen. Sie entwickelten, von allen Umsatzsteuern und Risiken befreit (was für einen Intermediär auch richtig ist) Fantasieprodukte (CDS). Damit schienen sie Wohlstandswunder auszulösen. Weil Banken das Geld der Nationalbanken für 0% erhalten und es für 10% – 20% in ihren Fantasieprodukten umsatzsteuerfrei weiter verleihen, füttern die Staaten ihr Lieblingsmonster weiter. Banken sind in den vergangenen Jahren aber zu Unternehmen geworden, die keine Sonderrolle in der Wirtschaft mehr haben (intermediäre). Aus diesem Grund sind sie Umsatzsteuerpflichtig. Wie die Öl-, Auto-, Nahrungsmittel- oder Chemieindustrie. Der Respekt vor den Banken (Systemrelevant) ist fehl am Platz. Wir Bürger müssen also Politiker wählen, die diese Zusammenhänge begriffen haben. Dann kann man was ändern.

145) sk8erBLN, Mittwoch, 17. August 2011, 14:34 Uhr

Ich fragte ja schon neulich was eigentlich Großbritanien mit seinen Plänen soziale Netzwerke nach Belieben “abzuschalten” noch von Diktaturen wie der Syrischen oder der Saudi Arabiens groß unterscheidet.

Die Antwort gab dann kürzlich eines der britischen “Standgerichte”:

Britisches Gericht verhängt nach Unruhen unverhältnismäßig harte Strafen
Zwei junge Männer, die auf Facebook ohne Erfolg zur Teilnahme an den Unruhen aufgerufen hatten, wurden zu vier Jahren Gefängnis verurteilt

Der konservative Regierungschef hatte bereits vor allem Härte gegen die Randalierer gefordert, um in der Gesellschaft wieder Disziplin durchzusetzen. Die Richter folgten der Vorgabe, indem sie die beiden – die nicht vorbestraft sind – zu jeweils vier Jahre Gefängnis verurteilten, weil sie Unruhen angestiftet haben.
Dabei haben Jordan Blackshaw (20) und Perry Sutcliffe-Keenan (22) zwar auf Facebook andere Internetnutzer dazu aufgefordert, sich an einem bestimmten Ort zu treffen, aus dem geplanten Ereignis, vielleicht ganz in Sinne eines Flashmob, wurde allerdings nichts. Unruhen entstanden daraus nicht.

Allein der Aufruf brachte ihnen schon die vierjährige Gefängnisstrafe ein, während ein Richter in Manchester drei vielfach vorbestraften Männern, die geplündert oder mit Diebesgut gehandelt hatten, eine Gefängnisstrafe zwischen 16 Monaten und zwei Monaten aufbrummte.
In diesem Licht scheint die Verurteilung der Facebook-”Aktivisten” als unverhältnismäßig. Nachdem die britische Regierung schon im Stil der arabischen Regime erwog, Facebook und andere Soziale Netzwerke zu sperren, wenn dort Gewalt und Unruhen geplant würden.

Die Polizei ist davon angetan. So sagte Assistant Chief Constable Phil Thompson, dass die Urteile verständlich seien, wenn man sich gegenwärtige, “wie die Technik genutzt wurde, um die Anstachelung zu verbreiten und die Menschen zum Begehen von kriminellen Taten zusammen zu bringen”. Die Urteile würden zeigen, wie die Technik missbraucht werden könne, um zu verbrecherischen Aktivitäten aufzurufen.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/150318

Na denn, willkommen im neuen Europa. Es kann nur eine Frage der Zeit sein bis Wirtschaftsblogs die über die zutreffenden Hintergründe des kommenden Desasters berichten auch ins Visier der behörden gelangen. Das gibt Bestrebungen unseres von mir wenig geschätzten Innen- und Verfassungsministers die Anonymität im Web aufzuheben doch gleich noch ein wenig mehr schalen Beigeschmack. Auch die immer wiederkehrende Diskussion zu Einsatzmöglichkeiten eine Bundeswehr im Inneren darf man getrost neu bewerten.

“Über die Ursachen der Unruhen darf man natürlich nicht reden, Schuld
haben die Täter und damit basta, keine weitere Diskussion!

Dieses “hochkomplizierte” Weltbild teilt sich Cameron mit Gaddafi und
Assad.” kommentiert ein User bei TP.
Wo kämen wir auch hin wenn Konservative zuließen differenzierte Ursachenanalyse zuzulassen. Schuld haben immer die, die man gerade doof findet und die man als “politischen Feind” einordnet. Manichäsischer und schlichter lässt sich das eigene Weltbild nicht pflegen. Auch hier im Blog, siehe die “Klugen Kommentare einiger Mitdiskutanten zu Lafontaine.

Und ich sags ja, Internet abschalten, sofort das ist gefährliches Teufelszeug!

146) sk8erBLN, Mittwoch, 17. August 2011, 15:07 Uhr

und nicht zu vergessen

http://netzpolitik.org/wp-upload/siegfried_kauder1.jpg

http://netzpolitik.org/wp-upload/362656195.jpg

“Es ist Mode geworden, die Freiheitsrechte des Bürgers in den Vordergrund zu stellen.” ließ uns doch kürzlich erst Siegfried Kauder, seines Zeichens Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages wissen. Siehe bei 1 min 44
http://www.youtube.com/watch?v=u0dDtoEwR-0

im heute journal wissen. Und wer wüsste es besser als die Koservativen: Modeerscheinungen läuft man nicht hinterher.

Wer nun glaubt das sei nicht zu toppen, der lausche dem Deutschlandradio-Interview mit Herrn Uhl.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1513109/ bei 1:04
“Im Internet geboren”

Schöner kann man sich nciht als Offline-Troll outen und ich stelle mir Uhl hinter Gittern vor im Zoo.

Dazu das Schild “Einer der letzten seiner Art. Bitte nicht füttern!”

Zurück zur bitteren Realität:

Das Bundeskabinett hat heute die Verlängerung der Anti-Terror-Gesetze um weitere vier Jahre verlängert. Heise berichtet:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bundesregierung-Verlaengerung-der-Anti-Terror-Gesetze-1324438.html

Unser Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisiert in einer Pressemitteilung,
http://www.bfdi.bund.de/DE/Oeffentlichkeitsarbeit/Pressemitteilungen/2011/29_AntiTerrorGesetze.html?nn=408920
dass die “Bundesregierung nicht einmal den gesetzlich geforderten Evaluierungsbericht vorgelegt” habe. Die nun angekündigte Regierungskommission, die bis zum Ende der Legislaturperiode die Anti-Terror-Maßnahmen untersuchen soll, kompensiere diesen Mangel nicht.
via
http://netzpolitik.org/2011/kabinett-verlangert-anti-terror-gesetze/

UNSERE Helden, wenn sie schon bei der Stillegung des Finanzcasinos so trefflich auf ganzer Linie versagen, das Terrorglöckchen am Läuten halten, verstehen sie vorzüglich.

147) Frankilein66, Mittwoch, 17. August 2011, 15:54 Uhr

@EStz

Es ist sogar noch schlimmer, StefanP. wollte sie auf den Arm nehmen, denn das Spiel
1. FC Köln-VfL Wolfsburg hat bereits stattgefunden, das Ergebnis verschweige ich höflich…!

Neoliberaler Humor!

148) StefanP, Mittwoch, 17. August 2011, 16:16 Uhr

@EStz

Ich bin Sicherheit kein Idealist, schon mein Beruf bringt es mit sich, permanent bisherige Weisheiten neu zu überprüfen. Großes Bekenntnis hier: vor der Finanzkrise war ich mit meinen amerikanischen Anlagen zwar vorsichtig. Als es jedoch soweit war, aber ich das Ausmaß lange völlig unterschätzt. Soviel zur Besserwisserei.

Ich wollte deutlich machen, dass eine Kennzahl allein gar nichts aussagt. Man muss den Markt, die Bedingungen, Kosten- und Produktionsstrukturen kennen. Ackermann hatte das Ziel 25% Eigenkapitalrendite ausgegeben, weil es auf dem Weltmarkt die untere Markierung darstellt. Trotzdem gehört die Deutsche Bank nicht zu den Top 10 der Börsenkapitalisierung, aber sie ist heute der einzige deutsche Globalplayer in dem Markt. Dies ist zum Vorteil der eigenen (mittelständischen) Kunden. Sie selber haben sich über die Kennzahlenfixierung aufgeregt. Nun messen Sie selber einen Unternehmensführer an einer einzigen Zahl. Fairness?

Sorry, bei Lokalpatriotismus bin ich nicht sensibel. Hannover-Fan? Ist das nicht eine ziemliche Strafe? Äh, okay, ich ziehe die Frage zurück…

149) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 17. August 2011, 19:17 Uhr

@Mark

^^So, jetzt ist die Katze aus dem Sack: Merkel und Sarkozy wollen eine “Wirtschaftsregierung” einführen, ^^

Auch das gehört zum Spiel: das Klappern mit dem Handwerkszeug. Wer bitte sollen die Entscheider in Sachen Wirtschaft sein? Wer bitte sollen die Entscheider in Sachen Finanzpolitik sein? In Brüssel bewegt sich in der Tat ein für Laien undurchschaubares Monster an Bürokratie. Wer von diesen Institutionen soll die Entscheidungsgewalt, die tief in die nationale Autonomie hinabrecht, bekommen? Herr van Rompuy? Wer soll denn das sein? Ein Spezialist für pleite gegangene Staaten? Kann er die Kohlen aus dem Feuer holen? Oder ist es letztlich der deutsche Steuerzahler, der die Rechnung zahlen wird? Schaffen wir dann die nationalen Parlamente ab? Das wäre doch in Kosequenz die Folge. Nein, eine “Wirtschaftsregierung” werden wir nicht bekommen. Man hat geflissentlich die gemeinsame Finanzpolitik erst gar nicht erwähnt, obwohl eine Disziplinierung der Finanzprodukte längst überfällig wäre. Verschiedene Produkte dürfte es gar nicht mehr geben. Aber, weil man weiß, daß letztlich alles nur international lösbar wäre,dreht man sich Medien gerecht im Kreis.Nein, die Finanzpolitik spielt genauso wenig eine Rolle wie die Wirtschaftspolitik. Man weiß, daß mit 27 Staaten ein Konsens nicht herzustellen ist.
Also, warum das ganze Theater? Vielleicht um den Dampf aus dem Finanzkessel zu nehmen, um Zeit zu gewinnen, Aktionismus zu verbreiten. Man braucht jetzt Ruhe auf dem internationalen Parkett.

Die Bürger fragen, wie es weitergeht. Die Politik hat keine Antwort darauf. Und wenn sie antworten müßte, würde die Antwort erschreckend ausfallen. Daher lieber nicht antworten – sagt sich die Politik und zieht sich ins Banale ihres Repertoires zurück.

150) breche, Donnerstag, 18. August 2011, 00:23 Uhr

@ Mark und Estz

danke die herren. ich kann dem nur zustimmen.
nur – wenn dem so ist, dann ist jegliches regulieren und regieren der märkte und finanzen durch die politik ergebnislos, selbst wenn es mal wieder eine koalition oder administration (usa) versuchen sollte.
als einzige abhilfe bliebe nur die direkte opposition, will sagen: entmonetarisierung, entökonomisierung des eigenen lebens und der direkte konflikt (nicht wie in england, in form einer plünderung ohne ziel, sondern) in form einer revolte.

bleibt die frage, ob die fortgeschrittene entsolidarisierung der gebildeten armen mit den sozial längst abgehängten nicht schon zu weit gediehen ist, um eine gemeinsame stossrichtung zu ermöglichen. ich sehe da heut schon schwarz und die unzufriedenheit reicht ja für einen umsturz noch lange nicht aus…
oh wehe uns!

und @ sk8erBLN
ihre posts sind prima! nur ein versagen der HELDEN sehe ich nicht (ist sicher ja auch nur ironisch gemeint), aber ich denke wir sollten uns hüten, die ironie als sanftes ruhe kissen zu missbrauchen. entscheidend ist was wir in der realität tuen und dass wir die dinge direkt und ohne ironische wendungen beim namen nennen.

was ist der nächste schritt, den es zu tuen gilt???
um antwort wird gebeten!

151) Tharben, Donnerstag, 18. August 2011, 07:49 Uhr

@Mark, Mittwoch, 17. August 2011, 09:40 Uhr

Ja, die DIW-Zahlen sind erschreckend. Man muss den Eindruck gewinnen, dass wir alle nur Lohnsklaven sind und für die Reichen und Superreichen arbeiten, die sich die Welt untereinander aufteilen.

@m.spreng

# Könnten Sie bitte die Kommentare nummerieren? Dann fiele es leichter, sich auf Kommentare anderer zu beziehen, bspw. @Mark (#134)

# Eine andere Bitte wäre, dass Sie die Kommentare sofort freischalten und erst bei Kenntnis eines Verstoßes löschen, wie es bspw. auf stefan-niggemeier.de oder netzpolitik.org praktiziert wird.

Das hätte den Vorteil, dass die Kommentatoren untereinander besser diskutieren könnten, ohne dass die Leute warten müssen, bis Sie (oder Ihr Mitarbeiter?) die Kommentare freischalten.

152) J.Erkes, Donnerstag, 18. August 2011, 08:16 Uhr

Das wesentliche wurde richtig zusammengefasst. Was nun?
Die überwiegenden Deutschen sind träge (Demokratie lebt von Mehrheiten) und selbstzufrieden geworden. Jeder auf seiner Ebene; von ausgehaltenen Arbeitsunwilligen über den sogenannten Mitelstand bis zur gehaltlichen Oberklasse. Es reicht wenn man sich auf der Parkbank, am Stammtisch oder in gehobenen Kaffeekränzchen über Fehlentwicklungen (Rentenerwartung, Krankenkassenzusatzkosten, schlechte Schulausstattung und Bildungschanchen, Benzin-, Alkohol und Zigarettenpreise und die Hotelausstattung am Urlaubsort, uvm.) darüber aufregt. Richtig wild wird man nur bei kleinigkeiten. 450 Milliarden (!) für marode deutsche Banken (Sofin) waren sofort da, um Verluste zu sozialisieren, nachdem die Spekulationsgewinne von einzelnen Profiteuren privatisiert waren. Hochbezahlte Aufsichtsebenen, auch mit Politikern besetzt (Berliner Bank, WestLB, HSH, HypoReal Estate; aber auch Commerzbank), haben jahrelang aus dem Fenster geguckt. Wer will denn solche exorbitanten Renten- bzw. Pensionsanspüche durch die Vertretungeines abweichenden Standpunktes riskieren. Das Straf- und Zivilrecht (persönliche Verantwortung, Haftung bzw. Boni-Rückzahlungen) aus dem 19.Jahrhundert ist hier ein zu stumpfes Schwert.
Was früher Brot und Spiele war, heisst heute Hartz 4 und RTL 2. Die Darbietungen in elektronischer Medien (Internet, TV) erreicht nicht nur am Nachmittag nicht einmal einen Intelligenzquotienten oberhalb der Zimmertemperatur.
Selbst seriöse Printmedien verflachen (für schnellleser, für Hingucker u.ä.) immer schneller auf YouTube-Level. Mit 90 Sekunden-Statements, Kurzberichten/Schlagzeilenformaten sowie Bilderserien appelliert man an einfachste Instinkte. Bilder von DSDS-Zicken oder aus der Welt des (Geld-)Adel sorgen quotenstark für ständige Unterhaltung auf Meeresniveau.
Warum sollen sich die (viel zu vielen) 600 Abgeordneten bewegen bzw. ihre jeweiligen Fachgebiete bearbeiten und sich in aufreibende Diskussionen stürzen, wenn es ihnen vom Volk so einfach gemacht wird. Vehement eingenommene Positionen hindern nur am eigenen persönlichen Fortkommen. Es sei denn man ist schon bezahlter bzw. beratender Lobbyist mit späterer Aussicht auf ein noch höheres Traumgehalt (Transparenzgebot aller heutigen Nebeneinkünfte wie im Ausland).
Die endlosen hohlen Diskussionen über kunftige Parteiführer vernebeln doch nur den Blick für die inhaltliche Leere sämtlicher großen politischen Gruppierungen, inzwischen bis zu den Grünen.
Mit begrenzten Bürgerbewegungen, so ehrenvoll und richtig sie auch sind, wird man an internationalen Fehlentwicklungen nichts ändern.
All dies ist keine akzeptable Entschuldigung für Parlamentarier national untätig zu sein; d.h. auf eine europäische Einigungsnotwendig hinzuweisen, weil eigentlich nicht zuständig; aber dann immer den deutscher Steuerzahler in die Mithaftung (z.B. Eurobonds, Transferunion, usw.) zu nehmen.

153) m.spreng, Donnerstag, 18. August 2011, 08:52 Uhr

@Tharben

Danke für die Anregungen. Die Nummerierung werde ich mit meinen technischen Beratern besprechen. Die Freigabe ohne vorherige Überprüfung werde ich auf keinen Fall machen. Strafbare oder grob verunglimpfende Kommentare wären dann erst einmal mit dem Label sprengsatz im Netz und ich würde dafür die presserechtliche Verantwortung tragen. Im Fall Sarrazin hätte ich anschließend meinen Blog schließen können.

154) Xpomul, Donnerstag, 18. August 2011, 10:11 Uhr

zweimal im jahr trifft sich die wirtschaftsregierung unter führung von rambo.
dann hoffen wir mal das die treffen idyllisch werden.
die märkte werden es sicherlich nicht ob dieser desolaten resultate aus dem treffen
der großen führer unserer länder.

155) Mark, Donnerstag, 18. August 2011, 10:23 Uhr

@J.Erkes, Donnerstag, 18. August 2011, 08:16 Uhr

Sie fragten: “Was nun?”

Tja, das ist die Millionen-Euro-Frage.

Ich wage mal ein paar Vorhersagen.

Vergessen wir das BVerfG. Von dort ist keine Rettung im Sinne Deutschlands und der Deutschen zu erwarten. Es würde mich sehr wundern, wenn Karlsruhe jetzt den Stecker zieht und das Euro-Experiment beendet (was es streng genommen eigentlich tun müsste, aber die Richter wollen eben auch nicht die Spielverderber sein). Wenn’s nach denen geht, bleibt alles so, wie’s ist. Und so wird’s auch kommen.

Damit bleibt die einzige legale Hoffnung die nächste Bundestagswahl, hoffentlich in 2013.

Die Deutschen werden sich bis dahin zunehmend schwerer an der Nase herumführen lassen. Spätestens also 2013 werden die Parteien und Politiker Farbe bekennen müssen. Da wird es wohl keinen Kuschel-Wahlkampf wie 2009 geben. (Es sei denn, die Koalition platzt und schwarz-rot findet sich wieder. Dann ist natürlich Kuschelwahlkampf angesagt.)

Und so sehe ich 2013 auch viele sehr direkt gestellte Fragen bezüglich der zukünftigen Finanz- und Europapolitik. Ich sehe Kandidaten, die sich herumdrücken wollen um Antworten, um ihre Leistungen der Vergangenheit. Da sehe ich Leute, die was von “europäischer Integration” schwurbeln, von einem “Euro, von dem die Deutschen doch am meisten profitieren”, von “historischen Verpflichtungen”, von “Friedensbringer in Europa”. Die ganze Palette, rauf und runter. Die alteingesessenen Parteien werden aber ihr “Bekenntnis zu Europa” bestätigen, und das wird sie massiv Wählerstimmen kosten.

Eine neue, starke, frische Opposition wird heraufziehen, unbelastet von politischen Erbvätern, die sich in Geschichtsbüchern sahen. Diese Opposition läßt eben genau diese wachsweichen Antworten nicht mehr durchgehen. Sie werden sagen: “Wir sind gegen dieses Europa! Wir sind gegen den Euro!”, und die Menschen werden ihnen zuhören. Die systemtreuen Mainstream-Medien werden diese Parteien ignorieren, schneiden, verhöhnen, verunglimpfen, und natürlich in die rechts-extreme Ecke stellen. Das ist vorprogrammiert, denn die Elite will ja das heutige Europa, nur noch ein bischen stärker und restriktiver und weniger kontrolliert. Und was die Elite will, das verkünden die Medien.

Aber werden diese Medien in 2013 noch so wichtig sein wie heuite? Ich bezweifle das. Schon heute haben Zeitungsverlage mit stetig sinkenden Auflagen zu kämpfen. (Wundert wenig, denn wer zahlt schon gerne für Propaganda?) Auch Fernsehsender bekommen die Konkurrenz des Internet heute schon zu spüren.

Die Menschen werden sich zur nächsten Bundestagswahl also deutlich stärker im Netz und vor allem: auch bei unabhängigen Medien informieren. Nehmen Sie nur mal Herrn Spreng. Schreibt einen Artikel und -plopp- 150 Kommentare. Das schaffen viele alteingesessene Zeitungen mit ihren Online-Angeboten nicht. Hier wird den Parteien und Politikern das Fürchten gelehrt, und zwar allen!

Jeder, der einmal begonnen hat, seinen Horizont zu erweitern, der wird nicht wieder zurückkehren zum (alleinigen) Konsum der “Aktuellen Kamera” abends um acht, die uns die Welt aus der Sicht der Mächtigen erklären will, und auch noch bezahlt von unseren Gebühren! Vielleicht noch zur Abrundung des Informationsportfolios, damit man die “offizielle Sprachregelung” kennt. Zu mehr taugen die Mainstream-Medien auch nicht.

Deshalb wären auch Neuwahlen in 2011 nicht zu begrüßen. Das wäre ein Alptraum! Denn dann hätten die neuen Kräfte keine Zeit, sich zu formieren und nachhaltig in den Wahlkampf einzuschreiten.

Wie es auch kommt, eines scheint mir sicher: Die neuen Kräfte werden nicht stark genug sein, um sofort in die Regierungsverantwortung zu gelangen. Das würde an ein Wunder grenzen. (Andererseits, wenn unsere Politiker noch ein paar falsche Schritte machen, wäre es denkbar!) Um das zu verhindern, werden dann also die großen Blockparteien, CDU/CSU und SPD, wieder koalieren und die Politik des letzten Jahrzehntes weiterführen, also: für die Banken und Superreichen und gegen den Bürger und Steuerzahler: Der Euro wird natürlich weiterhin gerettet, mit unserem Geld; die Pleitestaaten dauerhaft alimentiert; Europa wird zum Bundesstaat ausgebaut; der Sozialabbau in Deutschland wird verstärkt; die Demokratie weiter abgebaut (stört eh nur); auch die Internet-Überwachung wird ausgedehnt. Um nur ein paar Sachen zu nennen, die mir wahllos eingefallen sind.

Jaja, ich weiß – ich sehe das alles ziemlich düster, aber so ist das nunmal. Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass das, was die Politiker machen, in fast allen Fällen komplett gegen die Interessen von 90% der Bürger ist. Man kann also gewissermassen wie bei einem Negativfilm aus den Politikeraussagen (das “Negativ”) durch Umkehrung die Wahrheit (das “Positiv”) herauslesen.

Beispiele:
“Deutschland hat den größten Nutzen…” = “Die Deutschen Normalbürger haben das Nachsehen…” “Wir sind sicher, dass dieses Mittel die Märkte beruhigen wird.” = “Wir sind nicht sicher, dass dieses Mittel die Märkte beruhigen wird.”
“Pakt zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit” = “Pakt zum Zementieren des Status Quo (also der am Boden liegenden Wirtschaft)”
“S21 muß weg” = “S21 muß bleiben”
“Wir fühlen uns von Terroristen bedroht und brauchen die Bundeswehr zum Einsatz im Inland” = “Wir fühlen uns von unseren Bürgern bedroht und brauchen die Bundeswehr zum Einsatz im Inland”
und so weiter und so fort.

Düstere Aussichten.

Ach ja, eines noch: Bei allen kommenden Wahlen sollten die Wähler sich die Zeit nehmen, auch bei der Auszählung ihrer Stimmen live im Wahllokal dabei zu sein. Ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher, dass da immer alles mit rechten Dingen zugeht. Speziell bei der nächsten Bundestagswahl könnte ich mir vorstellen, dass die eine oder andere Stimme für eine neue, frische Partei unter den Tisch fällt oder doch ungültig ist.

156) Mittelständler, Donnerstag, 18. August 2011, 10:33 Uhr

Hier werden ja teilweise immer wieder die gleichen Säue durchs Dorf getrieben, daß einem die Haare zu Berge stehen.
Da kommt der Sozialstaat, der angeblich den Staat ausblutet und ein erfolgreiches Wirtschaften auf Staatsebene verhindert. Es sollen die Arbeitsunwilligen sein, die hier nach Brot und Spiele Art ausgehalten werden.
Ferner ist die Staatsverschuldung deshalb das größte Übel und Ursache statt Symptom.
Da stecken so viele Verdrehungen und intellektuelle Rohrkrepierer in diesen Argumentation, daß es kaum zu glauben ist.
Alleine die Annahme ein Staat sei vergleichbar mit einem unternehmerischen Gebilde lässt auf eine Herangehensweise an die Problematik in der wir gerade stecken schliessen, die genau den Grundsätzen entspricht die zu den Problemen geführt haben.
Ferner ist es sicherlich richtig, daß die Staaten ausbluten, nicht aber weil nach Unten das Geld so freigibig verteilt wird, sondern in die andere Richtung. Die Abgabenlast trifft ein Jahreseinkommen von 53.000€ p.a.prozentual am Härtesten, im Gegenzug befindet sich 60% des Kapitals in DE in Händen von 10% der Bevölkerung. Von der Lohnstagnation bei abhängig Beschäftigten im Exportschlagerland seit 20 Jahren garnicht zu reden. Oder von der freigibigen Subventionspolitik.
In anderen Ländern sieht es ja ähnlich aus und nur so, durch das Absaugen von Geldströmen aus der Realwirtschaft hin zum sog. Investmentkapital(Monopolymoney) konnte doch ein guter Teil der Investitionsblase aufgebaut werden, die um den Globus zieht und alle paar Jahre finanzielle Krisen hervorruft.
Das die Investitionsspekulanten nach der Hypothekenkrise nun angefangen haben mit Staatsanleihen zu zocken war schon bekannt und die augenblickliche Situation vorhersehbar.

157) EStz, Donnerstag, 18. August 2011, 10:34 Uhr

@ StefanP, Mittwoch, 17. August 2011, 16:16 Uhr

Nun messen Sie selber einen Unternehmensführer an einer einzigen Zahl. Fairness?
__________________________________________
Wenn (Modus VERBALE GROBMOTORIK ein) ein Räuber pro Tag 50 alten Damen die Handtasche klaut, ist er sicherlich fleißig und hat einen vergleichsweise hohen Gewinn. Das ist aber nicht alles, was zählt (Sekundär-Tugenden, Sie wissen schon :-) ). Wird auch nicht dadurch besser, dass es andere fleißige Räuber gibt. (Modus aus)

Ich verstehe Ihren Sicht. Aber ich verstehe auch den alten Berti: “Was ist schon das Ausrauben einer Bank gegen die Gründung einer Bank?”

Es heißt immer, dass das Geld nicht weg sei, sondern bei einem anderen. Der/das ist oft genug eine Bank. Und wenn einmal nicht, weil man sich an den eigenen zusammengekrampften Produkten verschluckt hat, gibt es einen Rettungspakt. Dann läuft es wieder auf das gleiche hinaus. Und die Chefs der betroffenen Institute tragen nicht die Verantwortung für ihr Scheitern (das tun die Anleger – je kleiner, je heftiger), sondern schlimmstenfalls eine dicke Abfindung nach Hause, meist aber Säcke voller Steuergeld.

Sorry, bei Lokalpatriotismus bin ich nicht sensibel. Hannover-Fan? Ist das nicht eine ziemliche Strafe?
__________________________________________
Radio Eriwan antwortet: Im Prinzip schon
(Aber letztes Jahr war toll :-) )

158) Doktor Hong, Donnerstag, 18. August 2011, 10:51 Uhr

Das Finanzsystem muss irgendwelche Stellschrauben und nicht nur eine unvorhersehbare Eigendynamik haben, sonst wäre es für Banken ja völlig sinnlos, mit Gewinnabsichten agieren zu wollen. Dann wäre es eine reine Glückssache.

Tatsache ist aber, dass die meisten Banken immer gewinnen. Also könnte man als Hypothese folgern: Die Stellschrauben zur Beeinflussung des Finanzsystems sind auf der Bankenseite sehr gut, auf der Politikseite weitgehend unbekannt.

Wenn ich in einem Auto den Scheibenwischer betätige, um es abzubremsen, weil ich nicht weiß, dass ich auf das Pedal in der Mitte treten muss, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn es kracht.

159) Tyler Durden Volland, Donnerstag, 18. August 2011, 11:12 Uhr

@xpomul
Wenn man ihre Antwort liest, dann fällt sofort auf,. dass das einzige, das sie tatsächlich gegen Begriffe wie “Gut-Menschen” oder “Urnenpöbel” vorzubringen haben, die einsame Tatsache ist, dass diese Begriffe ihnen unbehaglich zu sein scheinen….
Es interessiert sie deswegen auch nicht, ob es in DE nicht möglicherweise die Ursache ALLER Probleme sein könnte, dass eben von diesen beiden Gruppen viel zu viele, ja, dass es beinahe beinahe nur solche gibt.
Nun ja, es ist ihr Land und es sind ihre Steuern und ihre Arbeit und ihr Leben…

160) Tyler Durden Volland, Donnerstag, 18. August 2011, 11:18 Uhr

@ Wilhelm

mein Gott, Wilhelm… sind sie wirklich der allerletzte der es noch nicht begriffen hat? Glauben sie wirklich eine Bank wäre blöde genug gewesen, in den letzten Jahren noch einen Kredit an Griechenland zu geben, wenn ihr nicht von den Merkels der Welt vorher garantiert worden wäre, dass bei Zahlungsausfall der Steuerzahler dafür gerade stehen muss?

Ich hoffe für sie, sie wollten und mit der Frage nur verars….

Ansonsten sollten sie sich statt Politik vielleicht ein Hobby wie Briefmarken sammeln zulegen.
Sie sind wirklich kaum zu glauben…

161) Don Corleone, Donnerstag, 18. August 2011, 14:36 Uhr

@J.Erkes:

Mir fehlt die Zeit für mehr, aber ich muss den Hut vor Ihrem Posting ziehen!

Allein der Satz “Die endlosen hohlen Diskussionen über kunftige Parteiführer vernebeln doch nur den Blick für die inhaltliche Leere sämtlicher großen politischen Gruppierungen, inzwischen bis zu den Grünen” ist eine treffende Diagnose der real existierenden Bundesrepublik und ihrer Nachbarstaaten (von Polen, Tschechien und der Slowakei darf man vorerst noch absehen).

Wen soll man denn überhaupt noch wählen, wenn CDU, CSU, SPD und FDP praktisch identische Programme haben, die im Wochenrhythmus den Meinungsumfragen und den Schlagzeilen der Medien angepasst werden, die inzwischen allesamt politically correct und Mainstream sind — und meinen, sie könnten ihre Verkaufszahlen und Einschaltquoten nur durch Willigkeit und Schleimspuren retten? (Die Linke gehört mit ihrem Antik-Kommunismus nicht zur Herde, ist aber auch aus anderen Gründen völlig unwählbar.)

Der Marsch der Lemminge in ESM, Eurobonds, Transferunion und Verschuldung lebender wie noch ungeborener Generationen ist beschlossene Sache aller Parteien und Medien — die Herrschaft ungewählter, sich krakenhaft vermehrender und planwirtschaftlich agierender Gremien und EU-Nomenklatura eingeschlossen. (Dass Frau Merkel im Wochenrhythmus alte Versprechen bricht und durch neue Mogelpackungen ersetzt, dass sie einst “heilige” EU-Regularien (gemeinsam mit europäischen Komplizen) ebenso mit Füßen tritt wie Grundgesetz, Bundestag und Bundesrat, ist eine unerhörte Anmaßung, an der sich offenbar niemand mehr stört.)

Die “Vereinigten Staaten von Europa” bleiben aus vielen Gründen Fiktion, ebenso die Hoffnung auf eine Rettung der todkranken Gemeinschaftswährung, die (als von Mitterand oktoyierter Preis für Frankreichs Placet zur deutschen Wiedervereinigung) halt als bittere Pille geschluckt werden musste.

Der Rest, wenn nicht wider Erwarten in der deutschen Politikerzunft noch in letzter Minute ein Rest an Vernunft und Verantwortung, eine Erinnerung an den Amtseid anstatt des Futtertrogs einkehrt, ist Heulen und Zähneklappern. Für ungezählte Jahrzehnte.

162) Xpomul, Donnerstag, 18. August 2011, 17:05 Uhr

pardon, doch nochmal ein wort zu den derivaten die kein mensch wirklich braucht und die letztendlich nur panik schüren ( die bereits rundum da ist – doch muß man sie tatsächlich noch schüren ??? ).

zitat aus ariva.de – marktbericht von vorhin:
… Den ersten Einbruch hatte es bereits am späten Vormittag gegeben, als ein ganzer Schwall an Stopp-Loss-Verkäufen im so genannten Dax-Future den Leitindex bereits tief ins Minus gedrückt hatte. Bei diesen Instrumenten handelt es sich um spekulative Wetten auf die künftige Entwicklung des Leitindex.
endezitat
quelle: http://www.ariva.de/news/Aktien-Frankfurt-Indizes-auf-Talfahrt-Druck-ueber-den-Terminmarkt-US-Daten-3822486

ergebnis:
der dax ist auf talfahrt – rasant und die kurse zerbröseln;
d.h. die börsenwerte werden vernichtet.

ganz im sinne einer marktwirtschaft ?

163) Xpomul, Donnerstag, 18. August 2011, 17:11 Uhr

@Tyler Durden Volland

nun ja …
ich denke nicht das ich mich auf ihr niveau hinbewegen mag.
augenscheinlich outen sie sich ja gerade als jemand der eine andere meinung nicht respektieren mag.

164) sk8erBLN, Donnerstag, 18. August 2011, 21:45 Uhr

@ breche, Donnerstag, 18. August 2011, 00:23 Uhr

zu den Helden:
Es war eher eine Mischung aus Zynismus und Sarkasmus, Ironie wäre zu milde.

Zur Frage “was ist der nächste schritt, den es zu tuen gilt???”
Tja, gute Frage.

Das kann vermutlich nur jeder für sich selbst beantworten. Ich für meinen Teil sehe nach wie vor große Defizite im Bereich Information und Aufklärung über wichtige Zusammenhänge. Hier versagen die Medien in meinen Augen komplett so dass man nicht umhin kommt andere Informationskanäle zu wählen. Dabei ist mir bewusst, dass es eines Wissenstransfers zwischen internetaffinen und Internetfernen bedarf -so man wirklich breite Schichten mobilisieren will. Natürlich bemühe ich mich Informations- und Wissensdefizite zu verkleinern und zwar an potentiell einflussreichen Stellen wie sprengsatz.de, vor allem nicht unbedingt dort, wo sowieso schon Konsenz herrscht und sich alle gegenseitig nur bestätigen. Da wird sich -zu recht über “schwere Kost” beklagt, das ist Teil des Problems, die Zusammenhänge lassen sich kaum auf wenige und simple Sätze herunterbrechen und das ist ja, wovon die Finanzindustrie überproportional profitiert.

Gerade die jüngsten Entwicklungen bezüglich Artikeln von Schirrmacher in der FAS, Moore im erzkonservativen telegraph aber auch Sprengsatz halte ich für produktiv. Es ist in der Tat ein Novum dass in Konservativen Medien derartige Zweifel auch nur laut gedacht werden und ich tippe, das führt zu vertiefenden Diskussionen. Nach meiner Einschätzung geht es den Deutschen aktuell (noch) wesentlich zu gut, wir haben weder 40 % Jugendarbeitslosigkeit wie Spanien oder 20 % Gesamtarbeitslose als dass es zu breiten Demonstrationen käme.
Ich sehe die Bestrebungen der Politik einzelne Gesellschaftsgruppen gegeneinader auszuspielen, sie mit falschen Feindbildern in die Irre zu leiten und ihre Solidarisierung untereinander darüber auszuhebeln. (Stichworte spätrömische Dekadenz der faulen HarzIV Bezieher, “das Boot ist voll”, “falsche Zuwanderer”, “Islam ist nicht Teil Deutschlands obwohl zig Mio Muslime die hier leben Teil Deutschlands sind, etc. etc..

Nur indem man das untereinander Ausspielen einzelner kleiner Gruppen verhindert, lässt sich m.E. _aktuell_ eine breitere Massenöffentlichkeit mobilisieren.

Das wird sich erst ändern, wen es hier auf Grund der Finanzkrise zu wirklichen Einschnitten in weiten Teilen der Gesellschaft kommt. Dafür bedarf es aber noch weiterer platzender Blasen. Die werden zweifelsohne kommen, sind aber so wenig akut bedrohlich dass die heutige Mittelschicht noch nicht erkennt, in welchem Boot sie wirklich sitzt und welche Rolle ihr zugedacht ist.

Zusammengefasst also Kommunikation, Kommunikation und nochmal Kommunikation. Und die nicht “im eigenen Saft” zur gegenseitigen Bestätigung eigener Ernenntnisse sondern offensiv bei Zielgruppen, die es erst noch von der Richtigkeit zu überzeugen gilt.

Soweit mal ein paar unausgegorene Ideen welche Ansätze ich für notwendig erachte.

Was mich brennend interessieren würde ist was Herr Spreng als Kommunikationsprofi zu der Thematik einfällt. Wodurch lässt sich eine BILD in notwendiger Richtung instrumentalisieren? Gegen den Erklärten Willen von Tante Friede die ja selbst zu den oberen 10 % gehört die sicher ausnehmend gut Kasse gemacht haben. Gegen einen Verlagschef? Gleiches gilt für die übrigen Medien, ob Print oder TV.

Also Herr Spreng, wie würden Sie das anstellen? :D

165) Bernd S., Donnerstag, 18. August 2011, 21:47 Uhr

@m.spreng

Vielleicht könnten Sie Tharbens Wunsch nach sofortiger Freischaltung der Kommentare noch einmal überdenken bzw. auch rechtlich prüfen lassen. Sie haben natürlich recht mit der presserechtlichen Letztverantwortung, die Sie tragen. Aber bedenken Sie bitte: Presserecht und Telekommunikationsgesetz sind nicht ein und dasselbe. Ich kann mir vorstellen, was bei der Sarrazin-Debatte an Jauche abgelassen wurde, bezweifle aber Ihre Ansicht, dass Sie ernsthafte rechtliche Schwierigkeiten bekommen hätten. Voraussetzung: Sie hätten die vergifteten Kommentare in einem überschaubaren Zeitrahmen gelöscht, der meines Erachtens durchaus einige Stunden betragen kann.

166) Mark, Donnerstag, 18. August 2011, 21:56 Uhr

Und wieder zeigt sich das unheilvolle Zusammenspiel zwischen Systemmedien und (deutscher) Politik. Während alle Welt darüber staunt, berichtet, diskutiert, dass Finnland und nun auch Österreich, Holland und Slovenien sich SICHERHEITEN von Griechenland für ihre Rettungsaktion geben lassen, schweigt unsere “Aktuelle Kamera” beharrlich darüber. Dabei wäre das doch eine so schöne Nachricht. Aber man will natürlich nicht den Zorn im Volk schüren.

Immerhin, die FAZ berichtet ausführlich:
http://www.faz.net/artikel/C30638/schuldenkrise-finnland-ringt-griechenland-geld-ab-30486888.html
http://www.faz.net/artikel/C30638/schuldenkrise-auch-oesterreich-fordert-pfand-fuer-griechenhilfe-30487403.html

Es gärt. :-)

167) ricbor, Donnerstag, 18. August 2011, 22:59 Uhr

Die unfaßbare Qualität der hier versammelten Finanzkoryphäen läßt mich nicht bange werden um dieses Land.

168) m.spreng, Freitag, 19. August 2011, 08:25 Uhr

@Bernd S.

Es geht nicht nur um die presserechtliche Verantwortung. Ich möchte auch nicht, dass nur eine Sekunde im Netz irgendwelcher Dreck unter sprengsatz auftaucht.

169) Mark, Freitag, 19. August 2011, 08:46 Uhr

@m.spreng

Stehe absolut hinter Ihrer Entscheidung, jeden Kommentar persönlich freizuschalten. Dauert dann halt ein bischen, so what? Davon geht die Welt nicht unter, aber die Kommentare bleiben blitzsauber. Das macht das Kommentieren hier so schön und die Diskussion so fruchtbar.

Eine Anregung hätte ich aber doch noch: Richten Sie doch mal ein Favicon ein, das beim Bookmarken der Seite angezeigt wird. Dann wird meine Icon-Leiste mit den bevorzugten Seiten (Spreng aktuell an # 12) etwas effizienter. :-) Ich schicke Ihnen gleich eine gesonderte Mail mit einem Vorschlag.

170) Doktor Hong, Freitag, 19. August 2011, 10:50 Uhr

@ Bernd S.

Gehen Sie doch in einen Chat, gründen Sie einen IRC-Channel, dann müssen Sie noch weniger auf Antworten warten.

171) Erwin Gabriel, Freitag, 19. August 2011, 11:50 Uhr

@sk8erBLN

> Zusammengefasst also Kommunikation, Kommunikation und nochmal Kommunikation.
> Und die nicht “im eigenen Saft” zur gegenseitigen Bestätigung eigener Ernenntnisse,
> sondern offensiv bei Zielgruppen, die es erst noch von der Richtigkeit zu überzeugen gilt.

Sie liefern die Einschränkung ja gleich mit…

Ich sehe in Frankfurt, Berlin, Paris oder Washington viele Leute, die reden, aber keinen, der was zu sagen hat. Liegt wohl daran, dass es denen da oben “im eingenen Saft”, wie Sie das so schön nennen, allzu gemütlich warm ist in diesen klammen Zeiten.

172) Mark, Freitag, 19. August 2011, 12:39 Uhr

Hurra! Ich sehe… Postnummern und ein Favicon! :-) Die Börsen mögen abstürzen, der Euro uns weiterhin um den Schlaf (und unseren Wohlstand) bringen, aber immerhin, immerhin tut sich hier was! Sehr schön! :-)

173) sk8erBLN, Freitag, 19. August 2011, 14:25 Uhr

@ 170) Doktor Hong, Freitag, 19. August 2011, 10:50 Uhr

Den Kommentar finde ih irgendwie unangemessen. Denn zweifelslos ist es so, dass es den Diskussionsfluss erhöhen würde, wenn man nicht teils sehr unterschiedlich lange auf die Freischaltung von Beiträgen warten müsste. Das verändert zwangsläufig auch den Charakter der Beiträge, hier eher einzelne “Meinungsbeiträge”, anderen Ortes mehr interaktive Diskussion.

Das IRC vorzuschlagen zeugt nebenbei von wenig Sachkenntnis. Es geht ja nucht ums “chatten” sonder darum eine für Dritte nachvollziehbare und vor allem nachlesbare Diskussion zu produzieren.
Dafür käme wenn eher ein “Etherpad” in Frage wie z.b die Piratenpartei sie regelmäßig für Online-Sitzungen nutzt. Der lässt sich dann unabhängig von der Moderation hier jederzeit in Echtzeit nutzen

Wir kommen -egal was wir nun besser finden- jedoch nicht umhin uns den Regeln des “Hausherren” zu fügen an dieser Stelle. :D

@ 171) Erwin Gabriel, Freitag, 19. August 2011, 11:50 Uhr

Das mit dem “eigenen Saft” war eher so gemeint, dass es nur wenig bringt, sich ständig in Blogs zu äußern (genauer gegenseitig zu bestätigen), die sowieso die eigenen Überzeugungen vertreten. Gleiches gilt für die reale Welt. Wer mit Beiträgen etwas bewegen will, der muss sich zwingend in “fremdes Terrain” begeben, dorthin, wo andere Überzeugungen dominieren.

Nur das war gemeint. Nach meiner Beobachtung passiert das nach wie vor deutlich zu wenig. Und wie geschrieben – Kommunikation halte ich in der_ jetzigen Phase_ hier in D für das sinnvollste, was man tun kann. Wenn sich die Voraussetzungen ändern, ergeben sich neue und andere Optionen.

Ohh und ich bin nach wie vor auf die Meinung Herrn Sprengs sehr gespannt zu diesen Fragen:

“Was mich brennend interessieren würde ist was Herr Spreng als Kommunikationsprofi zu der Thematik einfällt. Wodurch lässt sich eine BILD in notwendiger Richtung instrumentalisieren? Gegen den Erklärten Willen von Tante Friede die ja selbst zu den oberen 10 % gehört die sicher ausnehmend gut Kasse gemacht haben. Gegen einen Verlagschef? Gleiches gilt für die übrigen Medien, ob Print oder TV.

Also Herr Spreng, wie würden Sie das anstellen? “

174) Ste, Freitag, 19. August 2011, 15:04 Uhr

Ich bin auch gegen eine sofortige Freischaltung der Kommentare; so wie es jetzt ist hab ich wenigstens noch Zeit spazieren zu gehen, auf die Bank zu gehen oder Zeitung zu lesen und vor allem: durchzuatmen und mich nicht ständig über manche Ideologen hier zu ärgern. Psychologisch ist das Gehirn des Menschen für Echtzeit nicht gewappnet.

175) StefanP, Freitag, 19. August 2011, 15:49 Uhr

Schon beim erstmaligen Lesen des Artikels habe ich mich gefragt, was der Satz soll:

“Und das Steuerabkommen mit der Schweiz, das Steuerkriminelle aufspüren und bestrafen sollte, ist löchrig wie ein Schweizer Käse.” Er passt überhaupt nicht zu dem Thema; wie ila Schuhe auf blauen Business-Anzug.

Es mag vielen, unter anderem Herrn Spreng, seltsam vorkommen, aber andere Länder haben durchaus andere Einstellungen zu politischen Sachverhalten. Die Schweizer kontrollieren die Konten ihrer Bürger weniger als sie das nun ausländischen Steuerbehörden im eigenen Land zubilligen. Dennoch haben die Schweizer nicht das Gefühl, ihre Mitbürger würden den Fiskus über Gebühr um das betrügen, was des Fiskus ist.

Deutschland versucht sich ein Stück Hochheitsrecht über einen anderen souveränen Staat zu sichern. Doch darüber empört sich Herr Spreng (und die breite Öffentlichkeit) nicht. Man möchte, dass die Schweizer Deutsche so behandeln als wären sie in Deutschland.

Wenn zwei souveräne Staaten miteinander verhandeln, so muss am Ende ein Kompromiss stehen, der die jeweiligen nationalen Besonderheiten berücksichtigt. Für die deutschen Verhandlungsführer ging es um die Frage, was ihnen wichtiger ist: Geld oder Moral. Bisher hat sich der Steuerstaat noch immer für die Penunzen entschieden. Das Abkommen mit den Helvetiern sichert dem Finanzminister nun die Einnahmen aus einer Abgeltungssteuer zu, die dem deutschen Steuersatz auf Kapitalerträge entspricht. Zudem werden Altbeträge mit einem Einmalbetrag belastet. Im Gegenzug werden die in der Schweiz liegenden deutschen Kapitalvermögen legalisiert.

Man hätte es natürlich auch anders haben können: kein Abkommen, kein Einmalbetrag und keine jährlichen Einnahmen aus der Abgeltungssteuer, dafür alle Möglichkeiten der Strafverfolgung von Steuerhinterziehern. Doch beides, das muss man respektieren, ist nun mal nicht möglich. Es sei denn, man verhandelt mit sich selber.

176) Doktor Hong, Freitag, 19. August 2011, 18:16 Uhr

@ sk8erBLN #173

Wissen Sie, das ist alles eine Frage des Standpunktes. Sicher enthielt meine Bemerkung im Subtext eine verbale Spitze gegen den Adressaten, aber wenn ich Ihnen jetzt noch die Ironie erklären muss und worauf sie sich bezog, dann macht mir das irgendwie keinen Spaß. Da ziehe ich es vor, dass Sie mich für sachlich unwissend halten, damit kann ich gut leben.

Ich persönlich lege keinen gesteigerten Wert auf eine schnelle Vorveröffentlichung von Kommentaren, sondern von deren Qualität. Das hebt den Sprengsatz wohltuend von anderen Blogs ab.

Dies ist der einzige Blog, wo ich nicht nur die Beiträge, sondern auch die Kommentare der anderen gerne lese, sofern sie nicht lediglich aus einer Collage von Schnipseln aus anderen Webseiten bestehen, die teilweise thematisch gar nichts mit dem Blog-Artikel zu tun haben.

177) Günter, Freitag, 19. August 2011, 18:24 Uhr

Endlose Kommentare hier und Diskussionen wie in unzählichen Talkschos der Medien.
Akademisches gelaber.Darüber vergeht die Zeit und es ändert sich nichts außer die Gewinne der Großkotzigen.
In den Medien von früh bis in den Abend fast nur Banken, Börse und Fußball. Wer im Außland wen umbringt ist viel interessanter als die vielen Vorgänge in unserem Land.
Macht weiter so! Grotesk, grotesk.

178) Tharben, Freitag, 19. August 2011, 19:27 Uhr

Danke sehr, Herr Spreng. Die Nummern machen es wirklich leichter, Diskussionen auch bei hohem Kommentaraufkommen zu folgen, sofern die Kommentatoren die Nummer des Kommentars, auf den sie sich jeweils beziehen, angeben.

Meine Erfahrung aus anderen Blogs ist, dass einige sich nur noch auf die Nummern beziehen werden, bspw. @151, andere werden beharrlich ausschließlich beim Namen bleiben, bspw. @Tharben, aber viele werden auch beides angeben, bspw. @Tharben (#151), was sich meines Erachtens die beste Variante ist.

179) Felix, Freitag, 19. August 2011, 22:32 Uhr

1. Die Senkung der Körperschaftssteuer ist keineswegs eine Maßnahme nur für die Finanzbranche . sie hilft allen Unternehmen – auch kleinen Unternehmen.

2. Ein Primat der Politik über die Wirtschaft hat es niemals gegeben und kann es auch gar nicht geben, genauso wenig, wie die Politik Macht über die Mondphasen oder die Gezeiten hatten. Allenfalls kann die Politik kurzfristig Sand in das Getriebe der Wirtschaft kippen, mittel- und langfristig reißt das wirtschaftlichen Streben noch jede Mauer ein.

180) sk8erBLN, Freitag, 19. August 2011, 22:48 Uhr

@ 171) Erwin Gabriel, Freitag, 19. August 2011, 11:50 Uhr

noch in Ergänzung.
Im heutigen Deutschlandtrend gaben 59% der Befragten an wenig von der Finanzkrise zu verstehen, weitere 12 % gestanden ein “kaum” etwas davon zu verstehen.
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video964034.html
Das zeigt wie groß der Informationsbedarf in der Bevölkerung ist und das man das Feld besser nicht der Desinformationspolititik unserer Regierenden überlassen sollte. Daher Kommunikation und noch einmal Kommunikation!

Anderes Thema:
Über die lächerlichen Überlegungen des britischen Premiers Cameron in Folge der Unruhen das “Social Web ggf. aber auch das Internet zukünftig abzuschalten” hatte ich hier im Blog ja schon mal was verlinkt.

Ich halte es ja für sehr vorteilhaft dass sich diese Generation “Internetausdrucker und Webabstinenzler” zu denen man auch hier das Gros der Politiker zweifelsohne rechnen darf, kein Stück mit den Mechanismen auskennen und so indirekt und ohne es zu wissen den zukünftigen Protest erst richtig anheizen.:

“Studie: Warum Internetzensur zu gewaltsameren Aufständen führt
Der nächste Krawall kommt bestimmt. Über die Frage, wann und wie er kommt, haben sich nicht nur Psychologen den Kopf zerbrochen. Am 14. August veröffentlichten Antonio A. Casilli, Forscher der Telecom ParisTech, und Paola Tubaro der Universität zu Greenwich die Studie
“Why Net Censorship in Times of Political Unrest Results in More Violent Uprisings: A Social Simulation Experiment on the UK Riots”
Antonio A. Casilli
Telecom ParisTech
Paola Tubaro
University of Greenwich
August 14, 2011
http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1909467
via
http://netzpolitik.org/2011/studie-warum-internetzensur-zu-gewaltsameren-aufstanden-fuhrt/#more-24549

181) Erwin Gabriel, Freitag, 19. August 2011, 23:22 Uhr

@sk8erBLN

> Das mit dem “eigenen Saft” war eher so gemeint, dass es nur wenig bringt,
> sich ständig in Blogs zu äußern (genauer gegenseitig zu bestätigen),
> die sowieso die eigenen Überzeugungen vertreten.

:-)

Das hatte ich wohl verstanden.

182) sk8erBLN, Samstag, 20. August 2011, 11:08 Uhr

MOODY’S ANALYST BREAKS SILENCE: Says Ratings Agency Rotten To Core With Conflicts, Corruption, And Greed

A former senior analyst at Moody’s has gone public with his story of how one of the country’s most important rating agencies is corrupted to the core.
The analyst, William J. Harrington, worked for Moody’s for 11 years, from 1999 until his resignation last year.

From 2006 to 2010, Harrington was a Senior Vice President in the derivative products group, which was responsible for producing many of the disastrous ratings Moody’s issued during the housing bubble.

Harrington has made his story public in the form of a 78-page “comment” to the SEC’s proposed rules about rating agency reform, which he submitted to the agency on August 8th.
Der komplette Kommentar: http://www.sec.gov/comments/s7-18-11/s71811-33.pdf

The primary conflict of interest at Moody’s is well known: The company is paid by the same “issuers” (banks and companies) whose securities it is supposed to objectively rate. This conflict pervades every aspect of Moody’s operations, Harrington says. It incentivizes everyone at the company, including analysts, to give Moody’s clients the ratings they want, lest the clients fire Moody’s and take their business to other ratings agencies.

The primary conflict of interest at Moody’s is well known: The company is paid by the same “issuers” (banks and companies) whose securities it is supposed to objectively rate. This conflict pervades every aspect of Moody’s operations, Harrington says. It incentivizes everyone at the company, including analysts, to give Moody’s clients the ratings they want, lest the clients fire Moody’s and take their business to other ratings agencies.

We’ve included highlights of Harrington’s story below. Here are some key points:

• Moody’s ratings often do not reflect its analysts’ private conclusions. Instead, rating committees privately conclude that certain securities deserve certain ratings–but then vote with management to give the securities the higher ratings that issuer clients want.

• Moody’s management and “compliance” officers do everything possible to make issuer clients happy–and they view analysts who do not do the same as “troublesome.” Management employs a variety of tactics to transform these troublesome analysts into “pliant corporate citizens” who have Moody’s best interests at heart.

• Moody’s product managers participate in–and vote on–ratings decisions. These product managers are the same people who are directly responsible for keeping clients happy and growing Moody’s business.

• At least one senior executive lied under oath at the hearings into rating agency conduct. Another executive, who Harrington says exemplified management’s emphasis on giving issuers what they wanted, skipped the hearings altogether.

Read more:
http://www.businessinsider.com/moodys-analyst-conflicts-corruption-and-greed-2011-8#ixzz1VYdSDNry

Nun, davon war auszugehen, dennoch nützlich und schön das formal bestätigt zu wissen durch einen Senior-Analysten.
Und europäischen Politikern fiel nichts besseres ein als eigene Rating Agenturen zu fordern? Eigenartig, die Grundproblematik dürfte analog auch bei der zu gründenden identisch sein….

183) sk8erBLN, Samstag, 20. August 2011, 11:22 Uhr

CHARTS DER KERNSCHMELZE

Wie erwartet, die expansive Geldpolitik und ein enormer Anstieg der Staatsverschuldung konnten zwar weitere Zeit schinden, aber kein Problem wurde wirklich gelöst, weder die Verwerfungen im Finanzsystem, noch die spekulativen Auswüchse und auch nicht die großen Ungleichgewichte im Welthandel! Nun scheint das Pulver verschossen und die mit Schein-Billionen unter den Teppich gekehrten Probleme treten mit Wucht zu Tage. Hilflos versucht man ein krankes System gesund zu sparen und hat damit die wirtschaftliche Aktivität in einigen Ländern zusätzlich abgewürgt. Nun beginnt eine spannende Phase, die zeigen wird ob es noch Mittel und Wege gibt, die sich nun drehende Abwärtsspirale zu stoppen?

Diese Charts dokumentieren vor allem den maroden Zustand des Finanz- und Bankensystems und die derzeitig kritische Situation!

http://www.querschuesse.de/charts-vom-18-08-2011/

184) Peter Christian Nowak, Samstag, 20. August 2011, 18:28 Uhr

@179) Felix,

^^Ein Primat der Politik über die Wirtschaft hat es niemals gegeben^^

Umgekehrt ist es aber auch falsch.

185) Klaus S., Mittwoch, 02. November 2011, 12:59 Uhr

Die drei V. V. V. s

Fehlende Verantwortung, mangelndes Vertrauen, totale Verdummung

Im Grunde genommen lassen sich – alle Verfehlungen – der großen Banken und einiger Politiker auf eine – fehlende -, menschliche, gesunde und somit positive Grundeinstellung zurückführen:

Wer – Verantwortung -, auf Grund seiner hervorgehobenen Position in der Gesellschaft, mit Nachhaltigkeit zum Wohle aller Menschen übernimmt und dem entsprechend handelt, schafft – Vertrauen -.
z.B. ein Vorbild: (Am 16. auf den 17. Februar 1962 war die Sturmflut in Hamburg. Helmut Schmidt koordinierte, als Hamburger Polizeisenator, die Rettungsmaßnahmen. Von dieser Tat lebt sein Guter Ruf heute noch.

Status Quo

Leider wird die “Intelligenz” der Elite, der Oligarchie (finanziell mächtigen Institutionen z.B.: Finanz-, Pharma-, Lebensmittel-, Auto-, Medienindustrie usw.) und vieler führenden Köpfe in der Politik, – nicht – dazu genutzt, für das Volk, auf Grund ihrer mächtigen Position, Verantwortung zu übernehmen.

Diese “Intelligenz” wird nur genutzt, das Volk über den Tisch zu ziehen in dem es Verdummt wird.
Diese “Intelligenz” wird nur genutzt, sich den eigenen Geldbeutel zu füllen.
Diese “Intelligenz” wird nur genutzt, die eigene Macht zu erhalten oder zu vergrössern.

Den Eid auf das Grundgesetz, “Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. (So wahr mir Gott helfe.)”, sollten die Politiker nicht mehr schwören, da sie ihm (dem Eid) nicht mit der Verantwortung begegnen, die ihm gebühren würde und es in den Ohren schmerzt, so etwas hören zu müssen.
“Der Sündenfall aller Parteien beginnt, wenn sie nur noch das Mögliche wollen.”, Zitat von Charles Tschopp.

Die Elite sitzt in der Wirtschaft. Die zweite Garnitur in der Politik. Die Macht im Staate hat immer die Oligarchie und die Aufgabe einiger Politiker (Lobbyisten) besteht darin, Gesetze so zurecht zu schneidern, das, dass Volk weiterhin klein gehalten wird und die Interessen der – richtig – Reichen und somit Mächtigen gewahrt- oder sogar verbessert werden.
Die Politiker sind und bleiben in einer “Demokratur” immer die Hampelmänner der Wirtschaft. Dieses ungeschriebene “Gesetz” wird sich wohl auch nie ändern (z.B. Ansonsten ausbleiben der Lobbyisten- oder Wahlkampfspenden).

Future

Die Politiker könnten allerdings diese “Demokratur” wieder mehr zur Demokratie werden lassen, in dem sie wieder das Zepter in die eigene Hand nehmen und z. B. der Oligarchie solche Gesetze auf das Auge drücken, die dem Volke nützen. Dazu braucht es extrem viel Idealismus, viel Verantwortung und sehr viel Zivilcourage um der Oligarchie die Zähne zu zeigen. Die Schere zwischen Arm und Reich muss sich wieder schließen. Ein gesunder Mittelstand muss wieder hergestellt werden und erhalten bleiben.

Mir ist schon bewusst, dass ein “idealer” Politiker, der diese Demokratur wieder mehr zur Demokratie verwandeln würde, dieses Vorhaben vielleicht auch mit dem Leben bezahlt.
Hiermit möchte ich einen kleinen Blick in die Büchse der Pandora geben und die Verquickung von Industrie, Politik, Justiz und Mafia erwähnen (Mafia Land – Deutsch Land von Jürgen Roth), die man immer im Auge und Hinterkopf behalten sollte.

es schrieb ein
Humanist, Idealist und Utopist

186) Stefan Thiesen, Donnerstag, 24. November 2011, 13:04 Uhr

als denkende MEnschen kann man sich recht schnell darauf einigen, daß ein endloses Wachstum in einer begrenzten Welt weder möglich – noch überhaupt nötig ist. Wozu sollte es nötig sein? Der Wachstumszwang hat seine Wurzel im Geldsystem — diese Diagnose ist ebenfalls nicht sonderlich schwer. Also brauchen wir ein anderes Geldsystem. Und die “Finanzdienstleister” müssen auf ein sinnvolles Maß (und das ist m.E. im einstelligen Prozent- womöglich gar im Promillebereich der jetzigen Größe des Sektors) zusammengestutzt werden. Wie schon erwähnt produzieren diese Leute nichts, und die Dienstleistung beschränkt sich auf das Durchreichen anderer Leute Geld und das Ausruhen auf dicken, fetten Privilegien. Geld aus dem Nichts schaffen und es gegen Zinsen verleihen zu können gehört dazu. Horst Köhler schrieb im Vorwort zum 2010 erschienen Buch “Postwachstumsgesellschaft”: “Vielleicht werden sich kommende Generationen mit Verwunderung an eine relativ kurze Phase in der Geschichte der Menschheit erinnern, in der ständiges Wirtschaftswachstum für möglich und nötig gehalten wurde.” Diese Aussage von DIESEM Mann ist eine riesige Sensation. Weshalb stand das nicht auf der Titelseite der Bildzeitung?

Wo das alles m.E. hinführt habe ich bereits 2004 in einem Artikel auf Politik-Poker beschrieben – kürzlich wiederveröffentlicht auf Utopia: http://www.utopia.de/blog/wirklichkeit/politik-und-wirklichkeit und in meinem Geldwelt Roman Rabenwelt: http://www.amazon.de/Rabenwelt-Stefan-Thiesen/dp/3934195040/mindquest . Es ist alles kompletter Irrsinn.

187) D. Lux, Dienstag, 27. Dezember 2011, 17:07 Uhr

Auch jeder Lebensversicherungs-Einzahler füttert das “Monster”.

Das erinnert mich ein wenig an ein Graffiti, dass ich kürzlich im Stau auf der Wiener Südosttangente gelesen habe: Ärgere dich nicht über den Stau, du bist der Stau

lg D. Lux
http://www.luxundpartner.at

188) Peter Christian Nowak, Samstag, 28. Januar 2012, 19:05 Uhr

Wenn der Mathematiker Peter Ortlieb sagt, die VWL sei in Wahrheit keine richtige Wissenschaft, weil sie unter anderem nur von “Beobachtungen” abhängig ist, so hat er Recht. Ich selbst nehme meine Meinung, was die mathematisch-naturwissenschaftliche Bewertungsmöglichkeit der VWL betrifft, zurück.
Ich bin aber unterschiedlicher Meinung in der Ursache der Stagflation der 70er Jahre. Sie lag am unvollständigen Keynesianismus und nicht an seiner mangelnden Wirkung.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/oekonomie-ist-eigentlich-keine-wissenschaft-11418489.html

189) Renate Beck, Sonntag, 22. April 2012, 13:25 Uhr

Nitzsche hat den Staat als “das kälteste Monster” bezeichnet

190) Tamer, Sonntag, 11. November 2012, 18:03 Uhr

Ich frage mich warum Staaten das Bankenwesen nicht mit Regeln “Regulieren”? Es muss nicht alles auf der Welt immer jedem gehören, für die Banken schon gar nicht. Ich finde die Bewegungen dagegen auch sehr interessant, nur das diese noch nicht so viel wie möglich unterstützt werden. Meinungsfreiheit etwa? Doch nicht wenn Banken mit “Fiktionen” Handeln!

http://www.glastechnik-berlin.de

Wie ist Ihre Meinung?

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