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Sonntag, 21. August 2011, 11:56 Uhr

Talk vor der Talkshow

Der normale Fernsehzuschauer glaubt, dass in Talkshows vier oder fünf  Menschen aufeinandertreffen, die spontan ihre Meinung austauschen. Das mag in vielen Fällen so sein, wenn es auch mit der Spontaneität bei Politikern nicht weit her ist. Aber natürlich gibt es auch Absprachen unter Teilnehmern, sich gegenseitig die Bälle zuzuspielen. Ich selbst habe das zweimal erlebt:

In dem einen Fall rief mich ein Teilnehmer vor der Sendung an, um mit mir abzusprechen, seinen Personalvorschlag für den FDP-Vorsitz zu unterstützen. Ich lehnte dies natürlich ab, was mir besonders leicht fiel, weil ich von dem Vorschlag nicht überzeugt war.

In einem anderen Fall versuchte ein Kabinettsmitglied dreimal, mich vor einer Talkshow telefonisch zu erreichen, offenbar in der Hoffnung, dass ich es in der Diskussion flankierend unterstütze. Der Kontakt kam nicht zustande, weil ich “leider” nicht erreichbar war und auch keine Zeit für einen Rückruf hatte. In der Sendung war dann das Regierungsmitglied über meine Einlassungen “not amsused”.

Und Hans-Ulrich Jörges berichtete einmal, dass ihm die SPD-Berater von Joachim Gauck vor Beginn einer Sendung noch ein Gespräch mit Gauck vermitteln wollten – was er ablehnte.

Es gibt also immer wieder Versuche, Talkshows im Vorwege zu beeinflussen. Und man kann sicher davon ausgehen, dass sich prominente Politiker der Regierungskoalition vor einer Sendung absprechen. Dies aufzubrechen, ist dann die Aufgabe des Moderators.

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8 Kommentare

1) Hans Hütt, Sonntag, 21. August 2011, 12:15 Uhr

So läuft das. Verbösert wird das durch die Dramaturgie: Jeder Talkshowgast wird auf “seine” These reduziert. Die muss er bedienen. Schließlich kommt dazu die Vorbereitung der Gäste. Jeder hat “sein” Dossier über die anderen, maximal eine halbe Seite pro Person, mit Hinweis auf Hebel und Fallen.

“Fern”sehen? Chronisch kurzsichtig und überraschungsfrei.

2) andré, Sonntag, 21. August 2011, 12:15 Uhr

ich habe selber verschiedene polittalks mitproduziert und kann dem nur zustimmen. ich gehörte zwar zur studiocrew aber ich konnte mich des eindrucks nicht erwehren dass sich sobald das rotlicht an war die politiker gegenseitig an die gurgel gegangen sind (verbal natürlich nur) aber vor und nach der sendung war man sehr damit beschäftigt sich gegenseitig zum essen oder auf ein bier zu verabreden…
viele zuschauer bekommen das nicht mit aber ich denke ein verhalten wie folgendes trägt auch zur politikverdrossenheit bei. ein hohes mitglied einer christlich demokratischen volkspartei hat während der sendung die üblichen phrasen abgespult – soweit fein. was mich aber sehr erstaunt hat war dass er und der moderator sich nach der sendung noch ein bisschen unterhalten haben und plötzlich genau das gegenteil von dem in der sendung gesagten vom politiker zu hören war. ich denke einige politiker bekommen schon mit was in deutschland gedacht wird aber der parteilinie zuliebe wird es nicht öffentlich gesagt. ich finde das traurig!

3) FF, Sonntag, 21. August 2011, 19:44 Uhr

“Polit-Talks”: der absolute, mittlerweile heftigst inflationierende Fernseh-Trash. Selbst ein vorgespielter Orgasmus dürfte da noch deutlich mehr Unterhaltungswert bieten, wenn ich mir diesen Vergleich erlauben darf.

Meine Empfehlung: weiträumig umzappen.

4) Alexander, Sonntag, 21. August 2011, 23:31 Uhr

Zur Gauck-Jörges-Geschichte gibt es auch eine alternative Erklärung: http://www.mediummagazin.de/archiv/2010/ausgabe-0708-2010/stimmts/

5) Jan W., Dienstag, 23. August 2011, 07:37 Uhr

Nun, es hat doch sicher niemand ernsthaft geglaubt, dass es anders ablaufen würde?! Und wer das Theater vor der Kamera für bare Münze nimmt, hat keine bessere “Unterhaltung” verdient.

Politiker spielen die ihnen zugedachte Rolle und brauchen Promotion, da sind diese sog. Talkshows gutes Mittel zum Zweck, nicht mehr und nicht weniger. Und damit (für mich) nicht relevant, zumal auch der Unetrhaltungswert gegen Null geht.

6) StefanP, Dienstag, 23. August 2011, 09:43 Uhr

Immer wieder beschließe ich für mich, mir Talksendungen nicht mehr anzutun. Andere sind da weiter, sie sehen sie einfach nicht mehr. Doch wenn gerade das Maß an vorgestanzten Positionen längst überschritten ist, kommt etwas anderes. Seit einiger Zeit setzen die so Verachteten zunehmend auf angesehene Journalisten als Gäste, die mehr Qualität und Niveau in die Sendungen bringen.

Der sonntägliche Presseclub bleibt dennoch eine Oase, aus der sich statt Wasser Information und Anregung ziehen läßt. Und das konstant seit ungezählten Jahren, während sich der Fun-Faktor von Gysi und Westerwelle längst abgenutzt hat und Oskar nur noch aus der Zeit gefallen ist.

7) Peter Christian Nowak, Dienstag, 23. August 2011, 20:03 Uhr

Ich habe mich immer über die exakte Sitzpositionierung der Talkgäste gewundert. Schön nach Meinung. 2 hier von der einen Meinung, 2 genau gegenüber, und sofort.

Vor allem würde micht interessieren, wohin man sich nach so einem Abend gemeinsam begibt, um die Show Revue passieren zu lassen…und Freund wie Feind sich gegenseitig auf die Schulter klopfen.

Will und Plasberg schaue ich mir schon lange nicht mehr an. Hier wickeln sich nach vorgegebener Dramaturgie nur Polit-Shows ab. Kein Mehrwert an Information. Kein “Hort der Revolte”. In den Köpfen der Zuschauer findet nichts statt. Außer, daß man hinterher genauso schlau ist wie vorher.

Gut, daß es dann noch Sendungen gibt wie Monitor, Fakt, Panorama etc. gibt. Eigentlich Lehrstunden für Politiker, die lernen sollen, was so alles im Argen liegt. Hier wird Meinung korrigiert. Zwangsläufig, anhand der Tatsachen. Und nicht aufgrund der vermeintlich rhetorischen Künste oder andere banale Äußerlichkeiten.

8) Spencer D., Montag, 26. September 2011, 23:16 Uhr

Die verschärfte Variante Talk vor der Talkshow geht nach Rolf Hochhuth so:

>>Bevor [...], war Thema l der Übergriff auf Minderjährige im Beichtstuhl. Damals wurde auch ich von Frau Maischberger oder Frau Will (weiß ich nicht mehr) zu einer Diskussion eingeladen – der ja stets die Befragung durch einen ihrer Unterlinge vorausgeht, was man denn ungefähr im Fernsehen sagen werde. Meine naive Antwort: “Der Einzelne ist niemals schuld, sondern der Terror des Zölibats; auch ich würde mich an einem Teenager vergreifen, wäre ich ahnungslos mit 20 zum Gelübde genötigt worden, nie im Leben ein Mädchen anzusehen!” Ergebnis meiner Dummheit, dies schon in der Vorbefragung einzugestehen, statt erst im Fernsehen: Ich wurde sofort ausgeladen mit der Lüge, dieses Thema werde vertagt, doch war es natürlich das Thema! Grotesk, wieso sogar namhafteste Talkshow-Bonzen ihren Senderanstalten parieren! Immerhin konnte ich bei Harald Schmidt loswerden: “Jeder weiß, Werbetexter des Hitlers war Goebbels. Niemand aber weiß auch nur die Namen der zwei Diktatoren von ARD und ZDF, an derer Einfluss gemessen der des Goebbels gering war. Auch kennt ja niemand in der BRD die, von denen diese zwei (und für wie lange) berufen wurden in ihre märchenhaft meinungmachenden Positionen: Demokratie ist stets – was sich nur als solche ausgibt!”<<
Quelle: COMPACT 7/2011

Das ist dann die klassische Meinungsmache: Eingeladen werden nur diejenigen, mit denen die gewünschte Aussage zwecks Implementierung über den Sender geschickt werden kann.

MfG

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