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Talk vor der Talkshow

Der normale Fernsehzuschauer glaubt, dass in Talkshows vier oder fünf  Menschen aufeinandertreffen, die spontan ihre Meinung austauschen. Das mag in vielen Fällen so sein, wenn es auch mit der Spontaneität bei Politikern nicht weit her ist. Aber natürlich gibt es auch Absprachen unter Teilnehmern, sich gegenseitig die Bälle zuzuspielen. Ich selbst habe das zweimal erlebt:

In dem einen Fall rief mich ein Teilnehmer vor der Sendung an, um mit mir abzusprechen, seinen Personalvorschlag für den FDP-Vorsitz zu unterstützen. Ich lehnte dies natürlich ab, was mir besonders leicht fiel, weil ich von dem Vorschlag nicht überzeugt war.

In einem anderen Fall versuchte ein Kabinettsmitglied dreimal, mich vor einer Talkshow telefonisch zu erreichen, offenbar in der Hoffnung, dass ich es in der Diskussion flankierend unterstütze. Der Kontakt kam nicht zustande, weil ich „leider“ nicht erreichbar war und auch keine Zeit für einen Rückruf hatte. In der Sendung war dann das Regierungsmitglied über meine Einlassungen „not amsused“.

Und Hans-Ulrich Jörges berichtete einmal, dass ihm die SPD-Berater von Joachim Gauck vor Beginn einer Sendung noch ein Gespräch mit Gauck vermitteln wollten – was er ablehnte.

Es gibt also immer wieder Versuche, Talkshows im Vorwege zu beeinflussen. Und man kann sicher davon ausgehen, dass sich prominente Politiker der Regierungskoalition vor einer Sendung absprechen. Dies aufzubrechen, ist dann die Aufgabe des Moderators.