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Parasitäre Werbung

Mit Sympathie verfolge ich die Aktion der „taz“, auf Sportlerfotos alle Werbelogos zu pixeln, also unkenntlich zu machen. Die „taz“ will sich nicht länger von den Vereinen und ihren Sponsoren instrumentalisieren lassen und kostenlos Werbung veröffentlichen. Gut gebrüllt, kleiner Löwe.

Die Werbelogos auf  Vereinstrikots und Sportlerkleidung, die häufig die Bildinformation erschlagen, sind wirklich ein Ärgernis. Jeder drittklassige Boxer oder angegraute ehemalige Formel-1-Champion hält seine Werbemütze in die Kameras oder kommt mit logobesticktem Hemdkragen zum Interview.

Den Zeitungen bleibt gar nichts anderes übrig, diese parasitäre Werbung mitzudrucken, wenn sie auf die Bilder nicht verzichten wollen. Beim Fernsehen gibt es keinerlei Widerstand, im Gegenteil: es gibt eine Werbekomplizenschaft. In den (leider nie veröffentlichten) Verträgen der ARD mit der Bundesliga sind die Kameraeinstellungen auf die Werbe-Logos schon lange vorgeschrieben..

Einmal ist auch mir der Kragen geplatzt – zu meiner Zeit bei „Bild am Sonntag“. Als mir ein Redakteur die Sonderbeilage zur kommenden Bundesliga-Saison vorlegte, waren auf den offiziellen Manschaftsfotos kaum noch die Köpfe der Spieler zu erkennen, weil die Bildfläche mit Werbekoffern und -bannern zugemüllt war.

Deshalb ließ ich alle Werbebanner, sofern es vom Fotoschnitt machbar war, abschneiden und die Logos auf den vielen Koffern im Vordergrund entfernen. Nur die Trikots ließ ich unangetastet, weil sie (leider) Teil der Klubidentität sind und weil ich das albern gefunden hätte.

Diese Aktion erregte verständlicherweise großes Aufsehen, denn die BamS mit damals mehr als 2,5 Millionen Auflage war für die Sportindustrie und die Werbewirtschaft ein anders Kaliber als die „taz“. Dennoch blieb es eine einmalige Aktion. Im folgenden Jahr wurde der BamS vertraglich verboten, die Mannschaftsfotos zu drucken, wenn sie verändert werden. Die Alternative wäre gewesen, auf die Bundesligabeilage zu verzichten. Damit war mein kleiner Aufstand zusammengebrochen.

Der „taz“ wird es leider genauso gehen. Und: Will sie künftig auch bei Parteitagen so konsequent sein und die Slogans an den Mikrofonen und Rednerpulten pixeln?