Freitag, 09. September 2011, 12:37 Uhr

Der Erfolg der Piraten

Ihr Spitzenkandidat hat keine Ahnung. Er glaubt, Berlin habe „viele Millionen Euro“ Schulden (es sind 60 Milliarden) und sagt auf die Frage nach der wirtschaftspolitischen Ausrichtung, man werde sich nur zu Themen äußern, mit denen man sich beschäftigt habe. Dennoch steht die Piratenpartei in Berlin vor ihrem ersten Einzug in ein Landesparlament. Infratest-dimap ermittelte für den Deutschlandtrend der ARD 6,5 Prozent – mehr als doppelt so viel wie für die FDP.

Dass die Piraten ihren ersten großen Wahlerfolg in Berlin erzielen könnten, ist kein Zufall. In keiner anderen Großstadt gibt es einen solchen Nährboden für die Piratenpartei – ein Piraten-Biotop.

Berlin ist die Stadt des „Irgendwas mit Medien“. Nirgendwo ist das IT- und Medien-Prekariat so zahlreich wie in der Bundeshauptstadt. Berlin ist die Stadt der Generation Praktikum: junge Leute, die ohne Bezahlung oder für einen Hungerlohn von Mini-Firma zu Mini-Firma ziehen.

Allen gemein ist: sie sind Heavy-User des Internets, darunter viele Freaks und Nerds. Viele leben mehr im (und für das) Internet als im wahren Leben. Das Internet ist grenzenlose Freiheit und die Piraten sind ihre Freiheitspartei.

Da ist dann vollig egal, ob sich die Kandidaten der Piratenpartei für Berlin interessieren, die Probleme der Stadt kennen, sich wenigstens mal ein bisschen eingelesen haben. Rezepte und Konzepte sind dann erst recht egal. Die Piraten sind halt die Partei des Internets, sie sind neu, nicht etabliert, modern. Ahnung kann da nur stören.

Aber so ist das, wenn die etablierten Parteien einen großen Teil einer Generation nicht mehr erreichen, wenn sie in den Augen vieler junger Wähler unmodern, unglaubwürdig und verbraucht sind. Dann entern die Piraten das Abgeordnetenhaus.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

117 Kommentare

1) Volker W., Montag, 12. September 2011, 04:12 Uhr

PS. Zur Arbeitsweise der Piraten:
Ein PIRAT hat dann mal schnell eine App geschrieben, die nun auf dem Handy die Berliner Schulden centgenau anzeigt.
Andreas Baum kann ihnen nun jederzeit den derzeitigen Schuldenstand sagen…
…aber weniger werden die davon auch nicht…
…darum kümmern wir uns dann übernächste Woche…

Volker W.

2) Jack Bristow, Montag, 12. September 2011, 08:27 Uhr

„Nerds und Freaks“ – aha, vielen Dank. Mich würde ihre Definition dieser Begriffe interessieren. Sind nicht zufällig die gleiche Gruppe Menschen, die mit ihren Fähigkeiten im Informationszeitalter gebraucht werden?

Die sogenannten „Volksparteien“ verlieren den Draht zu ihren Wählern. Schon blöd, wenn jetzt eine Partei ehrlich zugibt, dass sie von manchen Bereichen keine Ahnung hat (Wirtschaft), statt munter drauflos zu pfuschen. Da wird die vielbeschworene Transparenz praktiziert und plötzlich soll das naiv sein … Klar, jede Mini-Partei soll sich erstmal kostenintensive Kompetenzzentren in jedem möglichen Bereich aufbauen, bevor sie auch nur an die Fleischtöpfe der status quo Stubenhocker denken darf.

Träumen sie weiter.

3) Mark, Montag, 12. September 2011, 09:09 Uhr

@ 92) Peter Christian Nowak, Sonntag, 11. September 2011, 20:57 Uhr

Sie schreiben: „Bleibt die Frage, ob es derzeit überhaupt eine Partei gibt, die Antworten auf die Probleme hat. Früher hatte die Politik mal schlechte, mal gute Lösungen anzubieten.“

Das ist eine sehr gute Frage. Eines der Probleme scheint ja zu sein, „daß sich niemand mehr auskennt“ bei den Politikern. Das ist nachzuvollziehen, denn wie will ein Abgeordneter denn bitteschön die Finanzkrise verstehen (und eine Lösung formulieren) und gleichzeitig das Sozialsystem reformieren und den Straßenbau planen und und und? Das geht beim besten Willen nicht. Ergo bleibt nur die Fokussierung auf bestimmte Kernthemen bzw. Kernkompetenzen.

Und hier nun würde ich mit einem neuen System ansetzen: Fort von den „one-size-fits-all“ Parteien, die sozusagen ein „Kaufhaus an Themen“ sind, die ALLE Themen (von Rente über Gesundheit und Verkehr bis hin zu Verteidigung und Finanzen) bedienen wollen, müssen und können. Und hin zu mono-thematischen Spezialisten. Warum nicht eine Partei für alle Internet-Themen? Eine für eine Rentenreform? Eine für die Wiedereinführung einer nationalen Währung?

Klar, die Fünf-Prozent-Hürde ist da ein aktives Hindernis, klar, aber wenigstens könnte man sich mal an solchen Spezial-Parteien versuchen statt wieder und immer wieder die Stimme auf die gleichen Parteien zu setzen, die alles versprechen und nichts halten (weil sie auch nicht alles verstehen). Aus gutem Grund sind ja Kaufhäuser am Aussterben: nur sehr wenige kaufen alles aus einer Quelle [sic!].

Ich würde mir eine solche Vielfalt jedenfalls wünschen.

4) EStz, Montag, 12. September 2011, 10:14 Uhr

98) Volker W., Montag, 12. September 2011, 03:59 Uhr

Diese von ihnen als Freaks und Nerds verunglimpften (IT)-Spezialisten …
____________________________________________________

Aua. Kann denn hier kein Mensch mehr vernünftig lesen?

Hier nochmal das Originalzitat aus dem Kommentar von M.Spreng:

„…darunter viele Freaks und Nerds.“

Es gibt viele IT-Spezialisten, die keine Freaks und Nerds sind. Es gibt viele Freaks und Nerds, die keine IT-Spezialisten sind. Und es gibt durchaus eine Schnittmenge. Außerdem gibt es viele Abstufungen zwischen „engagierter IT-Hobbyist“ und „IT-Profi“ auf der einen Seite und „nicht ganz angepasst“ bis zu „Vollfreak“ auf der anderen Seite.

Aber kein Mensch hier hat je behauptet, dass IT-Spezialisten automatisch Freaks und Nerds sind. Dennoch unterstellen Sie und viele andere das, um sich anschließend gegen diese angebliche Verunglimpfung zu wehren. Schade eigentlich.

Dennoch von meiner Seite viel Erfolg in Berlin…

5) Erwin Gabriel, Montag, 12. September 2011, 10:32 Uhr

01) Mark, Montag, 12. September 2011, 09:09 Uhr

> Und hier nun würde ich mit einem neuen System ansetzen: ..
> Warum nicht eine Partei für alle Internet-Themen? Eine für eine Rentenreform?
> Eine für die Wiedereinführung einer nationalen Währung?

Hallo Mark,

Wo soll da der Vorteil liegen? Um was zu bewegen, braucht man Mehrheiten. Mit Spliterparteien kriegt man die nicht hin. Oder Sie haben eine Internet-Partei, die mit der Rentner-Partei zusammengeht, um in der Gemüse-Gen-Technologie-Frage gegen die verbündeten Studenten und Euro-Retter („Wenn Ihr den Euro stützt, erhöhen wir das Bafög“) abzustimmen.

Das ist jetzt vielleicht ein bißchen überzogen formuliert, aber darauf wird es hinaus laufen. Dann haben nur noch Lobbyisten das Sagen.

Die Grünen haben damals das wichtige Thema Umweltschutz in die Parlamente getragen und nur durch ihre parlamentarische Existenz das Umweltverständnis aller Parteien verändert. Den Piraten wird hoffentlich das Gleiche für den Datenschutz gelingen. Dennoch hoffe ich inständig, dass es mit einer wie auch immer gearteten Regierungsbeteiligung noch dauert.

Zu einem Thema eine Meinnung oder von einem Thema Ahnung zu haben, ist halt doch nicht das Gleiche.

6) _Flin_, Montag, 12. September 2011, 10:36 Uhr

Hallo Herr Spreng,

ich glaube Sie haben noch nicht verstanden, dass es keinen Unterschied mehr zwischen dem Internet und dem wahren Leben gibt. Das Internet ist ein Teil des wahren Lebens, ob privat, geschäftlich, beim Einkauf, bei der Kommunikation.

Dieses Beharren darauf, dass das Internet irgendwie nicht zu dieser Welt gehört, gefährdet Arbeitsplätze. Im Einzelhandel, im Verlagswesen, in der Musikdistribution, im Filmvertrieb.

Wer sich im Internet nicht auskennt, kennt sich in der Welt von heute nicht aus. Und die Leute, die sich auskennen, werden immer mehr. Und da sie nicht ernst genommen werden, gründen sie sich ihre eigene Partei.

Dass es die Wähler vielleicht erfrischend anders findet, dass jemand mal sagt „das weiss ich nicht, damit habe ich mich nicht beschäftigt“, anstatt von den Alpha-Tieren mit vorgetäuschter Allwissenheit belogen zu werden, ist Ihnen wohl noch nicht in den Sinn gekommen.

7) Erwin Gabriel, Montag, 12. September 2011, 10:50 Uhr

59) Christian, Samstag, 10. September 2011, 11:31 Uhr

> Jeder der Berlin auch nur ein bisschen kennt …

Ein sehr treffender Beitrag. Ich kenne Berlin sicherlich nicht so gut wie Sie, aber den einen oder anderen Zugereisten, der in der von Ihnen beschriebenen Zwischenwelt lebt / leben muss. Auch ich bin vor jedem Besuch voller Vorfreude, und eigentlich habe ich nach zwei, drei Tagen schon wieder genug.

Meinen Dank!

8) Georg, Montag, 12. September 2011, 12:26 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

so sehr Sie oft und genau den Punkt treffen, wenn es um reale Politik bzw. Politikdarstellung geht, so sehr hat man leider das Gefühl, dass Sie die Treffsicherheit verloren haben, wenn es um Themen und Möglichkeiten rund um das Internet/Neue Medien (Piratenpartei, Plagiatsjäger etc.) geht.

Sie differenzieren nicht mehr, sondern verallgemeinern, scheren über einen Kamm und geben sich Ihren Vorurteilen hin. Gerade Sie als Journalist und Politikkomentator sollten in dem Fall doch eher der Frage nachgehen, warum eine Partei trotz aller Unzulänglichkeiten, die sicherlich vorhanden sind, es wahrscheinlich schafft die 5%-Hürde bei einer Lantagswahl zu überwinden. Das alleine mit einer fehlenden Ahnung zu erklären wird ihnen (den Piraten und ihren wahrscheinlichen Wählern) und Ihnen (persönlich) nicht gerecht.

Der Erfolg der Piraten ist doch eher wie weiland bei den Grünen der Misserfolg bzw. das volksfremde Gehabe der etablierten Parteien. Die Piraten sind sicherlich keine „fertige“ Partei, aber das ist wahrscheinlich der Vorteil und das mometane Erfolgsgeheimnis. Jeder kann sich einbringen und seine Themen platzieren. Keiner ist abhängig von einer Parteihierarchie oder Seilschaften, es wird halt nicht nur abgenickt, was von „oben“ kommt, sondern letztendlich echte Basisdemokratie gemacht. Um langfristig Erfolg zu haben und auch das nötige Fachwissen aufzubauen, wird sich auch die Piratenpartei ändern müssen, auch um sich selbst zu etablieren.

Mit freundlichen Grüßen
Georg L.

9) Peter W., Montag, 12. September 2011, 12:28 Uhr

Lieber Herr Spreng, wo immer Sie in einem Keller gefangen gehalten werden, befreien Sie sich und übernehmen Sie wieder den Sprengsatz, denn aktuell schreibt hier jemand auf eine Art und Weise, wie ich es von Ihnen nicht gewohnt bin.

Und jetzt ernsthaft:

Sie begründen die Chance der Piraten mit „Nirgendwo ist das IT- und Medien-Prekariat so zahlreich wie in der Bundeshauptstadt. Berlin ist die Stadt der Generation Praktikum: junge Leute, die ohne Bezahlung oder für einen Hungerlohn von Mini-Firma zu Mini-Firma ziehen.“, denn diese Leute sind es ja scheinbar, die die Piraten wählen und von Ihnen – ich kann mir diese Entgleisung nicht erklären – erstmal als Freaks bezeichnet werden (und selbst wenn damit nur eine Teilmenge gemeint ist).

Mir, als jemand, der sich lange für Politik interessiert hat und auch lange Jahre eine „der großen“ Parteien gewählt hat, gefällt es aber nicht, dass ich nun als Freak bezeichnet werden. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Piraten-Wähler das ebenso sehen und es stimmt mich nachdenklich, wenn ich auf Sprengsatz.de ähnlichen Mist lesen muss, wie in leider zu vielen anderen Medien.

Wäre dies der erste Artikel gewesen, den ich hier gelesen hätte, wäre es auch der einzige geworden.

10) Martin K., Montag, 12. September 2011, 13:16 Uhr

Hallo Herr Spreng,

die Differenzierung zwischen Internet und „realem Leben“ finde ich, wie viele andere hier, ziemlich unpassend. Wenn ich z.B. eine Reise mache, die ich im Internet gebucht habe, ist diese Grenze relativ willkürlich.

Über die Notwendigkeit einer „Internet-Partei“ kann man geteilter Meinung sein. Vermutlich würde sich die Frage nicht stellen, wenn die etablierten Parteien sich des Themas Internet angenommen hätten. Leider scheint es vielerorts weder Interesse noch Sachkompetenz zu den entsprechenden Themen zu geben.

Mir fällt dazu ein Video ein, in dem der Kultur- und Medienstaatsminister Neumann völlig überfordert war mit der Frage, was passiert wenn das ganze Internet voll ist…

11) Leser, Montag, 12. September 2011, 15:40 Uhr

Sie haben vollkommen recht, die Wähler sind von den alten Parteien verscheißert oder bestenfalls ignoriert worden. Das kann man gerade auch schön in Baden Württemberg sehen, wo sich die Grünen an alte Versprechen nicht mehr erinnern weil sie Angst vorm Koalitionspartner haben. Siehe http://www.gruene-bw.de/themen/verkehr/news/article/landesgelder-fuer-stuttgart-21-sind-verfassungswidrig.html

Allerdings wissen auch Spitzenpolitiker der FDP nicht wieviel Schulden Deustchland so hat, z.B. Frau Koch Mehrin: http://www.youtube.com/watch?v=1gVSRXrJVjk

12) Journalist, Montag, 12. September 2011, 16:56 Uhr

@ 107) Peter W., Montag, 12. September 2011, 12:28 Uhr

Sie begründen die Chance der Piraten mit “Nirgendwo ist das IT- und Medien-Prekariat so zahlreich wie in der Bundeshauptstadt. Berlin ist die Stadt der Generation Praktikum: junge Leute, die ohne Bezahlung oder für einen Hungerlohn von Mini-Firma zu Mini-Firma ziehen.”, denn diese Leute sind es ja scheinbar, die die Piraten wählen und von Ihnen – ich kann mir diese Entgleisung nicht erklären – erstmal als Freaks bezeichnet werden (und selbst wenn damit nur eine Teilmenge gemeint ist).
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Ein Beispiel: Ein großer deutscher Verlag mit Sitz in Berlin hat die Redaktionen verschiedener Tageszeitungen zusammengelegt. Dabei wurden zahlreiche Journalisten dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt. Um die zusammengelegten drei Tageszeitungen, die große Wochenzeitung und die dazu gehörigen Internet-Auftritte dennoch mit Inhalten versorgen zu können, wurden/werden Azubis dazu geholt, die im Sechs-Monats-Rhythmus ausgetauscht werden. Die heißen aber nicht mehr Volontäre, sondern Journalistenschüler, damit man ihnen kein Tarifgehalt bezahlen muss. Der Chef des Verlags, der übrigens viel Wert auf „Qualitätsjournalismus“ legt, lässt sich auf der einen Seite dafür feiern, dass er viel Geld für Nachwuchsförderung ausgibt, andererseits dafür, dass er eine viele Jahrzehnte defizitäre Tageszeitung wieder profitabel gemacht hat.

Sehr viele Zeitschriften arbeiten inzwischen mit freien statt mit fest angestellten Redakteuren. Viele TV-Sender drehen nicht mehr selbst, sondern arbeiten mit Produktionsfirmen, die wiederum einzelkämpfende Kameraleute, Reporter etc. beschäftigen. Viele Werbetexter, Layouter, Grafiker und Fotografen, auch Netzwerk-Techniker etc, die mal fest angestellt gearbeitet haben, wurden inzwischen selbstständig „gemacht“. Die müssen nun gegen nachrückende junge Leute antreten, die „irgendwas mit Medien“ oder „irgendwas mit Internet“ machen wollen, alle vielleicht noch daheim bei Mami wohnen oder zumindest keine Familie durchbringen müssen.

Den Auftrag kriegt natürlich nicht der beste, sondern der günstigste Wettbewerber. Gut für den Auftraggeber: Man bezahlt nur, was man kriegt, Weihnachtsgeld und Urlaubsanspruch gibt es nicht, niemand beschwert sich über schlechte Arbeitsbedingungen oder zu lange Arbeitszeiten. Auch nicht die fest angestellten Mitarbeiter; die könnten ja die nächsten sein, die gehen müssen.

Auch wenn es hart klingt: Ja, es gibt ein Medien- und IT-Prekariat. Es gibt Leute, die von un- oder schlechtbezahlten Praktika leben in der Hoffnung, dass mal ein richtiger Job hängen bleibt. Die von Agentur zu Abentur, Produktionsfirma zu Produktionsfirma springen müssen, für die „nach dem Praktikum“ gleichbedeutend ist mit „vor dem Praktikum“. Viele von denen so jung, hoffnungsvoll und idealistisch, das jede Desillusionierung zu spät kommt und die Leute gefangen sind in einem System, aus dem man so leicht nicht ausbrechen kann. Mit 25 oder 30 und noch frischen Erinnerungen an seine Träume schult man nicht so leicht auf Elektriker oder Bäcker um (man wird da auch nicht mehr genommen). Christian hat in Beitrag 59 treffend beschrieben, worauf das dann hinaus läuft. Wenn es Ihnen nicht so geht: meine besten Wünsche, dass es so bleibt.

Auch ich denke, dass sehr viele von denen mit den Piraten sympathisieren und sie wählen werden. Denn diese Leute wollen eine Veränderung, und die Alte-Leute-Parteien haben bewiesen, dass sie nichts verändern können oder wollen.

PS
Was diese ganzen Nerds und Freaks angeht: Herr Spreng hat (im übertragenen Sinne) gesagt, dass es unter den Hunden viele Pudel gibt. Dass jetzt jeder Boxer / Dackel / Golden Retriever / Mops / Setter / Terrier (Aufzählung unvollständig; die Reihenfolge ist alphabteisch, um niemanden zu verunglimpfen) so viel Wert darauf legt, als Pudel diffamiert worden zu sein, finde ich langsam schon wieder lustig.

13) Erster Karl, Montag, 12. September 2011, 17:25 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

natürlich kenne ich die Piratenpartei vom Namen her, war auch schon mal vor längerer Zeit auf deren Internetseite, aber sie dann aus den Augen verloren. Durch Ihren Beitrag bin ich neugierig geworden und habe mich mit dieser Partei intensiv beschäftigt.
Ich hoffe nun, dass sie tatsächlich in Berlin in das Landesparlament einziehen kann.
Frischer Wind tut gut. Manche verwechseln Millionen mit Milliarden, ist aber nicht so tragisch, da die Schulden sowieso nicht zurückgezahlt werden können.
Schlimmer ist, wenn den Menschen in MVP von der SPD vorgegaukelt wird, dass sie der große Wahlgewinner sind, in Wirklichkeit aber 8000 Stimmen gegenüber der letzten Wahl verloren haben.
Naja nach Prozenten sind es 5% mehr, trotzdem bleibt es Täuschung der breiten Masse.
Von CDU/FDP möchte ich überhaupt nicht näher schreiben, da sind Kommentare von deren Politiker zu Wahlausgängen nur noch peinlich und manchmal schon widerlich.

14) Schockierter Flo, Montag, 12. September 2011, 19:05 Uhr

Herr Spreng,

um ihre kruden Vergleiche fortzuführen:
Mir ist die Süddeutsche Online viel lieber als die Bild offline.

Aber das verstehen Sie vielleicht erst, wenn Sie Ihre Bild-Vergangenheit hinter sich gelassen haben.

Dass ich erst jetzt Ihren Artikel gelesen habe, kann Ihnen scheinbar einiges erklären.
Habe zudem noch Aufnahmeanträge der 3 ehemals etablierten Parteien bei mir zuHause herumliegen.
Aber es fällt mir in der derzeitigen Nivellierung der Parteienlandschaft schwer, einer traditionellen Partei beizutreten.
Selbst Einladungen ins schöne Kreuth habe ich bereits ausgeschlagen.

Warum ich die Piratenpartei derzeit auch wählen würde:
– Es gibt keine Alternative!
– Sie ist eben keine Internetpartei.
Die Themen Datenschutz, Zensur(sula), Freiheit sind eben keine virtuellen Fantasiegebilde.

Als ich mich mit FDP-Granden wie Baum etc. unterhalten habe, kam die Frage ihrerseits:
Warum sind DIE Parteien und insbesondere die FDP nicht mehr attraktiv für die Bevölkerung und speziell die „Jungen“?
Ich habe nur geantwortet: Weil die Parteien die Bevölkerung (und die Jungen speziell) überhaupt nicht mehr vertreten!

Welche Partei ist denn die Größte? Genau, die „Partei“ der Nichtwähler!
Warum wohl?

Ihre Argumentation ist vollkommens verfehlt.
Zitat: „Allen gemein ist: sie sind Heavy-User des Internets, darunter viele Freaks und Nerds. Viele leben mehr im (und für das) Internet als im wahren Leben.“
Wieso sollten dann ausgerechnet diese Hardcore-Freaks außer Haus gehen und wählen???
Da würden sie ja auf echte Menschen treffen.
Ist Ihnen das überhaupt zuzumuten?

Jetzt meine politische Analyse.
1. Die FDP marginalisiert sich derzeit in schwindelerregendem Thema. Sie ist nur noch eine Klientelpartei der Wirtschafts-Marktschreier!
Derzeit ist die FDP unwählbar!
2. Die Grünen sind seit Rot-Grün und dem Otto-Katalog auf dem Auge der Freiheit auch stark erblindet.
3. Und Merkel verkündet: „Mal bin ich liberal, mal bin ich konservativ, mal bin ich christlich-sozial“
Das nimmt ihr niemand mehr ab:
– liberal bedeutet für sie, dass der Staat alles an Überwachung technisch Mögliche machen soll, ohne Rücksicht auf die Bürger und auf die Kosten.
– konservativ? wieviele Unionstabus hat sie gebrochen?
– christlich-sozial bedeutet für sie eine Ausweitung der Generation Praktikum.
Recherchiere ich über Merkel, so gelange ich häufig zur Definition von Psychopathie (siehe Wikipedia).
4. Von den SPD brauch ich gar nicht erst sprechen: Steinmeier & Guantanamo (Stichwort: Menschenrechte), Steinbrück (Stichwort: Fluggastdaten) und Schily und Vorratsdatenspeicherung sowieso.
5. Keine Partei setzt sich mehr für die Grundrechte und Freiheit ein.
Und genau dieses Vakuum wollen die Piraten füllen.

Eine Überlegung zum Schluss: Worauf haben die Gründer der Bundesrepublik geachtet?
Freiheit!
Es gibt kein Recht auf Sicherheit.

Das Motto der Piratenpartei könnte lauten:
„Diejenigen, die bereit sind grundlegende Freiheiten aufzugeben, um ein wenig kurzfristige Sicherheit zu erlangen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.“ (B.F., 1755)
Es ist aktueller denn je zuvor.
Leider.

15) Matthias Mala, Dienstag, 13. September 2011, 00:31 Uhr

Lieber Herr Spreng,
der Zuspruch zu den Piraten hier ist nur ein Phänomen für ein flottierendes Wählerpotential. Wenn der richtige Populist kommt – und er wird kommen – fischt er spielend 20 %. Und was danach kommen wird, davor ist mir wirklich bange …
Gruß Mala

16) EStz, Dienstag, 13. September 2011, 11:25 Uhr

112) Schockierter Flo, Montag, 12. September 2011, 19:05 Uhr

Herr Spreng,

um ihre kruden Vergleiche fortzuführen: ……..

_______________________________________

Hallo schockierter Flo,

krude ist nur ihr erster Halbsatz. Sonst haben Sie weitgehend meine Zustimmung (selbst wenn auch Sie offenkundig zu den Menschen gehören, die andere Meinungen in eine Schublade stecken und
dann auf die Beschriftung der Schublade schimpfen). Bei genauem Lesen Ihrer Zeilen wird Ihnen dieser Punkt schon noch auffallen.

Natürlich ist die Piratenpartei eine Art „Internet-Partei“. Entstanden aus einer Art „Freiheitsbewegung“ fürs bzw. im Internet, breitet sie sich jetzt langsam aus, auch thematisch. Die größte Zustimmung hat sie (ebenfalls natürlich) im Kreis der „Heavy-Internet-User“. Bei Nicht- oder Kaum-Internet-Benutzern oder in der Lanbevölkerung ist diese Partei übrigens praktisch unbekannt.

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen….

17) Johann, Dienstag, 13. September 2011, 12:06 Uhr

So jung und dynamisch die Piraten auch erscheinen mögen, ihre Politik wird in keinster Weise anders sein als die der etablierten Parteien. Des weiteren werden sie dermaßen von den Medien hofiert, dass die Voraussagen nicht einmal sehr überraschen können.

Und klar ist auch, warum die Piraten einen solchen Zuspruch der Medien erhalten: immerhin haben sie sich inzwischen klar als liberale Partei positioniert, die wohlhabende Schichten des Kleinbürgertums repräsentiert. Weiteres dazu hier: http://www.wsws.org/de/2011/sep2011/pira-s08.shtml

18) Rainer, Freitag, 16. September 2011, 20:17 Uhr

Ich möchte nur noch mal darauf hinweisen, dass inzwischen laut einer Umfrage schon 9% die Piraten in Berlin wählen wollen. Schon erstaunlich bei einer Partei die Sie als vollkommen Ahnungslose hinstellen.

19) Tilman_s, Sonntag, 18. September 2011, 18:38 Uhr

Nun ist es amtlich: 120.000 Nerds zwischen 18 und 59 haben Piraten gewählt. Auch 3% der über 60 Jährigen sind Freaks und Nerds. John F. Kennedy würde sagen: Ick bin ain Pirat. 🙂

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