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Freitag, 09. September 2011, 12:37 Uhr

Der Erfolg der Piraten

Ihr Spitzenkandidat hat keine Ahnung. Er glaubt, Berlin habe “viele Millionen Euro” Schulden (es sind 60 Milliarden) und sagt auf die Frage nach der wirtschaftspolitischen Ausrichtung, man werde sich nur zu Themen äußern, mit denen man sich beschäftigt habe. Dennoch steht die Piratenpartei in Berlin vor ihrem ersten Einzug in ein Landesparlament. Infratest-dimap ermittelte für den Deutschlandtrend der ARD 6,5 Prozent – mehr als doppelt so viel wie für die FDP.

Dass die Piraten ihren ersten großen Wahlerfolg in Berlin erzielen könnten, ist kein Zufall. In keiner anderen Großstadt gibt es einen solchen Nährboden für die Piratenpartei – ein Piraten-Biotop.

Berlin ist die Stadt des “Irgendwas mit Medien”. Nirgendwo ist das IT- und Medien-Prekariat so zahlreich wie in der Bundeshauptstadt. Berlin ist die Stadt der Generation Praktikum: junge Leute, die ohne Bezahlung oder für einen Hungerlohn von Mini-Firma zu Mini-Firma ziehen.

Allen gemein ist: sie sind Heavy-User des Internets, darunter viele Freaks und Nerds. Viele leben mehr im (und für das) Internet als im wahren Leben. Das Internet ist grenzenlose Freiheit und die Piraten sind ihre Freiheitspartei.

Da ist dann vollig egal, ob sich die Kandidaten der Piratenpartei für Berlin interessieren, die Probleme der Stadt kennen, sich wenigstens mal ein bisschen eingelesen haben. Rezepte und Konzepte sind dann erst recht egal. Die Piraten sind halt die Partei des Internets, sie sind neu, nicht etabliert, modern. Ahnung kann da nur stören.

Aber so ist das, wenn die etablierten Parteien einen großen Teil einer Generation nicht mehr erreichen, wenn sie in den Augen vieler junger Wähler unmodern, unglaubwürdig und verbraucht sind. Dann entern die Piraten das Abgeordnetenhaus.

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117 Kommentare

1) Dummvogel, Freitag, 09. September 2011, 12:43 Uhr

Nerd-Bashing ist doch so 90er.

2) Cem Dursun, Freitag, 09. September 2011, 12:48 Uhr

“Allen gemein ist: sie sind Heavy-User des Internets, darunter viele Freaks (sic!) und Nerds. Viele leben mehr im (und für das) Internet als im wahren Leben.”

Sehr geehrter Herr Spreng,

diese Aussagen sind – so sehr ich Sie schätze – dumm. Wie kann man solch verallgemeinernde Aussagen tätigen? Tausende Menschen werden hier einfach mal beleidigt und diffamiert – naja.

Enttäuschend.

3) Stefan Sasse, Freitag, 09. September 2011, 12:50 Uhr

Hallo Herr Spreng,

Sie haben mit Ihrer Kritik an den fehlenden programmatischen Festlegungen auf elementaren Politikfeldern, aber Sie unterschätzen beziehungsweise unterschlagen, dass die Piraten eine Kernkompetenz auf zwei Feldern haben: Internet- und Bürgerrechtspolitk. Auf beiden Feldern sind sie sehr glaubhaft. Auf dem ersten haben sie eine Nische besetzt, die von den anderen Parteien bewusst offengelassen wurde, eine ähnlich sträfliche Vernachlässigung wie die der Parteien der 1970er Jahre, sich nicht um Umweltschutz zu kümmern. Auf dem zweiten Feld profitieren sie von den Nachwehen der Großen Koalition und Scharfmachern vor allem innerhalb der Union, die beständig die offene Demontage des Rechtsstaats fordern auf der einen und den willfähhrigen Helfern auf Seiten von FDP und SPD auf der anderen Seite. Diese verheerende “Sicherheitspolitik” hat besonders unter den 20-30jährigen verheerende Kritik ausgelöst, die bisher völlig ins Leere lief und ein von den Piraten besetztes Politikfeld schafft.
Und ganz ehrlich, die Grünen wussten 1983 jenseits von Umwelt und Friede auch nicht viel zu sagen.

4) unpiratiger Nicht-Berliner, Freitag, 09. September 2011, 12:53 Uhr

Vielleicht ist das Auskennen der Probleme der Stadt und das Einlesen in Rezepte und Konzepte gerade die Ursache für das 10 Milliardenloch der Stadt? Ich finde es einen merkwürdigen Rat, sich an Lösungen zu orientieren, die erkennbar und nachprüfbar gescheitert sind. Möglicherweise fehlt mir dazu einfach die Altersweisheit.

5) Frankilein66, Freitag, 09. September 2011, 13:06 Uhr

Immer wenn sich Herr Spreng mit dem Internet beschäftigt, merkt man die kritische Distanz die er zu diesem Medium hat.

Na gut, wenn sie viele User des Internets als Freaks und Nerds bezeichnen, erlaube ich mir, sie ein Fossil der alten Medien zu nennen.

Natürlich riecht es im Internet nicht nach Druckerschwärze, aber man bekommt dafür auch keine schwarzen Finger!

6) Simon, Freitag, 09. September 2011, 13:08 Uhr

Ist ja schön und gut, dass die Piratenpartei sagt, sie will sich nur zu Themen äußern, über die sie Bescheid weiß. Aber liest man sich mal die Forderungen der Berliner Piraten durch, kann man an der vermeintlichen Ahnung schon ein bisschen zweifeln: Kostenlose Benutzung des ÖPNV, Verstaatlichung der Energie- und Wasserversorgung, bedingungsloses Grundeinkommen. Wer das bezahlen soll? Uns doch egal. Die Linkspartei ist im Vergleich dazu noch harmlos.

7) m.spreng, Freitag, 09. September 2011, 13:11 Uhr

Na gut, vielleicht hätte ich mir die Freaks und Nerds schenken können. Mein Beitrag enthielt übrigens drei Tippfehler (darunter 10 statt 60 Milliarden). Pardon. Ich habe das so schnell wie möglich korrigiert.

8) MG, Freitag, 09. September 2011, 13:12 Uhr

Wie alle anderen 1-2-Themen-Parteien werden auch die Piraten im Nirvana wieder verschwinden. Die beiden Thmen zu denen sie sich äußern sind genial aufbereitet. Und sie sind anders. Die Piraten sind überwiegend eine liberale Partei.
Traurig ist die Zersplitterung der liberalen Bürger auf zu viele Kleinparteien.
Man mag vom Personal der FDP halten was man will. Derzeit ist die FDP die einzige Bürgerrechtspartei im Parlament. Man sieht und hört nur nichts und ich weiß auch nicht ob sie was tun diesbezüglich. Was der FDP darüber hinaus fehlt ist ein wahrnehmbarer sozialliberaler Flügel.
Die Grünen haben sich seit 9/11 von Bürgerrechten verabschiedet und verleugnen ihre Herkunft. Den Grünen ist Show und Inszenierung wichtiger als alles andere. Sie profitieren davon, wie bis 2009 auch die FDP, dass sie in kaum einer Regierung vertreten sind und daher keine Stellung beziehen mussten.
Die Opposition kann Wünsch-Dir-Was spielen.

9) Andronico, Freitag, 09. September 2011, 13:17 Uhr

Vielleicht ist ja der Unterschied zu den anderen Parteien nur, dass die Piraten zugeben, dass sie auf vielen Feldern keine Ahnung haben? Haben denn die anderen Parteien Sachverstand und tragfähige Lösungen anzubieten?

10) Johannes, Freitag, 09. September 2011, 13:17 Uhr

Was ein schwacher Beitrag. Ich bin selbst angehender Piraten-Wähler, Ende dreißig, Rechtsanwalt, Partner einer mittelständischen Kanzlei, internetaffin, aber kein Nerd. (Obwohl, wenn ich Blogs wie diesen lese und dort kommentiere, ist das jetzt nicht eine contradictio in adiecto …?) Und vielleicht bin ich der einzige angehende Piraten-Wähler mit diesem Profil (was ich nicht glaube). Vielleicht, noch ist nicht gewählt, will einfach eine bestimmte Zahl von Wählern die Verhältnisse wenigstens ein wenig zum Tanzen bringen, indem eine neue Kraft ins politische Rennen geschickt wird.

In der vermeintlich zutreffenden Charakterisierung der potentiellen Piraten-Wähler fehlt eigentlich nur noch das Vorurteil, daß diese Bagage nicht nur ausschließlich vor dem Rechner hängt, sondern dort (Kinder-)Pornos schaut, Ballerspiele spielt und das ganze natürlich mit schlechter Sicht, weil der Raum voll ist mit so eigentümlich riechendem Rauch aus so komischen, tütenförmig gedrehten “Zigaretten” …

Was hat man nicht über die Grünen geschrieben, als sich die Öko-, Friedens- und sonstigen Aktivisten zu einer Partei zusammenfanden. Ihr vorurteilsbeladener Kommentar, Herr Spreng, ist quasi 30 Jahre alt.

Und daß die “Generation Praktikum” nur in “Mini-Firmen” ausgebeutet würde, stimmt einfach mal nicht. Genauso in großen Unternehmen, Bundesbehörden, NGOs … Aber wahrscheinlich sind sie selbst schuld, wenn sie sich so billig verkaufen. Der Herr Spreng scheint doch ein verkappter Neoliberaler zu sein.

11) Chris, Freitag, 09. September 2011, 13:24 Uhr

Die Wortwahl mit “Freaks und Nerds” ist tatsächlich unglücklich, aber inhaltlich muss ich Herrn Spreng schon zustimmen. Würde ein FDP Spitzenkandidat nicht wissen, wie viele Schulden Berlin habe, er wäre von den Piraten per Youtube bestimmt verlacht worden.

12) idc, Freitag, 09. September 2011, 13:24 Uhr

Herr Spreng, Sie hätten vielmehr auf die innere Zer­strit­ten­heit der Piraten eingehen sollen. 10 Minuten im Forum der Piraten hätte ausgereicht.

Sie sollten lieber Werbung für Die PARTEI machen: http://www.youtube.com/watch?v=ewqbFrbvfEg ;-)

13) Bernd77, Freitag, 09. September 2011, 13:25 Uhr

Ich finde wahrlich nicht alles toll bei den Piraten.
Aber das Eingeständnis in wirtschaftlichen Fragen keine Kompetenzen zu haben und im Zweifelsfall sogar die Aussage zu entsprechenden Nachfragen zu verweigern, gehört für mich zu den eher sympathischen und sogar vertrauenserweckenden Eigenschaften der Protagonisten dieser Partei.
Ist mir jedenfalls um ein vielfaches lieber als die in ununterbrochener Folge nachgewiesene Wirtschafts-Inkompetenz der Chrstlich-Sozial-demokratisch-liberal-ökologischen Einheitsfront. Um deren “Glanzleistungen” auf dem Gebiet der (Volks-)Wirtschaft zu belegen sollten einige Stichwörter genügen: vollständige Deregulierung der Finanzmärkte, Erklärung der Systemrelevanz für (fast) alle Banken, unsinnnige weil konjunkturell komplett kontraproduktive Staatsschuldenbremsen oder das Abwürgen sämtlicher Konjunkturerholungen durch das Aufzwingen brutalstmöglicher Sparprogramme!
Wenn das alles Ausweis von Kompetenz ist, dann hätte ich nichts dagegen jetzt mal die Inkompetenten ranzulassen. Schlimmer kann’s bei denen auch nicht werden!

14) Gregor Keuschnig, Freitag, 09. September 2011, 13:41 Uhr

Die Piraten hätten bei der BTW 2009 u. a. in Berlin versuchen sollen, drei Direktmandate zu erzielen – dann säßen sie jetzt schon im Bundestag. Aber vielleicht haben sie ja davon auch keine Ahnung. Als Klientelpartei passen sie zu Berlin. ich mag sie nicht besonders, daher wünsche ich ihnen so schnell wie möglich eine Regierungsverantwortung. Dann geraten sie schnell ins Strudeln und werden von den Grünen “gefressen”.

15) Michael Groening, Freitag, 09. September 2011, 13:42 Uhr

Die Piraten sind ein Phänomen einer Zeit, wo selbst die Grünen in der Masse näher an der Rente denn an der Volljährigkeit sind, und die Parteien seit Jahren entweder keine in die Breite wirkende Jugendarbeit machen oder wie im Falle der CDU offen auf Konfrontation und Marginalisierung der Probleme der jungen Generation setzen. Dass die Piraten jetzt den Grünen die 6,5 Prozent klauen werden, die Renate Künast dringend gebraucht hätte ist für mich ein höchst positives Ergebnis.

Es bleibt zu hoffen, dass die Parteien jetzt _endlich_ aufwachen und beginnen der jungen Generation Angebote zu machen, mit denen diese sich identifizieren kann. Dass wird aber erst dann passieren, wenn sich alle Parteien von Ihrer Politbüro-Mentalität verabschieden die den Diskurs mit der Jugend in den letzten Jahrzehnten behindert hat.

16) Nobbi, Freitag, 09. September 2011, 14:00 Uhr

@MG Die FDP ist keine Bürgerrechtspartei. Das sind waschechte Neokonservative. Bürgerrechte interessieren die nur insoweit, als der Staat keinen Einblick in Konten haben soll. Dann hört’s aber schon auf.

Die Piraten haben ihren Namen blöd gewählt, aber vielleicht richtig, um junge Wähler zu interessieren. Wenn es in Berlin so viele Nerds gibt, dann ist das doch voll OK. Wir leben halt in einer repräsentativen Demokratie. Daraus irgendwelche Schlüsse für das Versagen der anderen Parteien zu schließen, ist mal wieder unzulässige aber beliebte journalistische Verallgemeinerung.

Viel interessanter an der Berliner Wahl ist doch die Beliebtheit von Wowereit. Da kommentierte gestern der Tom Buhrow in den Tagesthemen, als wenn er die Welt nicht mehr verstünde: Deutschland stünde wirtschaftlich glänzend da, aber die Merkel sei unbeliebt. Berlin dagegen sei arm aber sexy und hat Schulden über beide Ohren, aber der Wowereit sei Everybody’s Darling.

Auch das ist eine unzulässige journalistische Verallgemeinerung und sogar falsch. Erstens ist Deutschland überhaupt nicht wirtschaftlich gut aufgestellt. Bald geht es wieder abwärts aber hui! Wie das halt einer zu stark Export-lastigen Nation so passiert. Die wirtschaftliche Kompetenz in dieser Aussage von Buhrow ist also Null. Und zweiten scheinen die Leute die Situation richtig einzuschätzen. Wowereit zeigt einem Milliardär “Lauder” die kalte Schulter während Frau Merkel den Ackermann zum Geburtstagskränzchen einlädt.

Gute Politik ist halt, wenn man nicht immer nur an’s große Geld denkt. So eine Denke macht eine Stadt attraktiv und nicht irgendwelche postmodernen Bürotürme auf Berlin-Tempelhof, welche dann die Mieten in exorbitante Höhen treiben. Berlin gilt weltweit als die heißeste Hauptstadt der Welt. Das wissen die Leute, aber die Journalistinnen in ihren Escada-Kostümchen und die Anchormens mit ihrem blasierten K.u.K.-Offiziers-Habitus in den öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen können sich gar nicht mehr in die Bedürfnisse der Bürger eindenken, sondern kommentieren alles nur noch als reine Finanznachrichten.

Die Wähler wählen schon richtig. Die Journallie will’s einfach nur nicht wahrhaben.

17) karl, Freitag, 09. September 2011, 14:00 Uhr

Die Piraten haben allerdings – und das übersehen die Leute häufiger – einen Vorteil: sie wollen direkte Demokratie, sie haben mit LiquidFeedback eine Plattform, sie geben zu, dass sie keine Ahnung haben und fragen Experten (was ja vor allem im Bundestag eher seltener der Fall ist, da wird das Gegenteil von den Experten-Vorschlägen gemacht) etc.

Von daher sehe ich schon eine gewisse Chance, dass daraus was gutes wird.

18) deroppi, Freitag, 09. September 2011, 14:02 Uhr

Es gab Zeiten, da wäre ich stolz gewesen als Freak oder Nerd im Bezug auf IT angesehen zu werden.
Heute ist dieser Begriff doch reichlich ausgelutscht.

Der Erfolg der Piratenpartei zeigt vor allem, dass für viele Leute das Internet, die dort gesuchte oder geglaubte Freiheit, und auch das online Leben sehr wichtig sind. Und das die anderen Parteien anscheinend keinen einzigen Punkt haben der wichtig genug ist, oder gut genug aufgegriffen worden wäre, um den Fokus darauf zu lenken. Und es zeigt dass die sogenannten Nerds und Freaks den anderen Parteien berechtigterweise absolut 0 Kompetenz oder sogar Negativkompetenz im Bezug auf “das Netz – ihr Netz – unser Netz” zusprechen.

Zitat:
“wenn die etablierten Parteien einen großen Teil einer Generation nicht mehr erreichen, wenn sie in den Augen vieler junger Wähler unmodern, unglaubwürdig und verbraucht sind”
Korrigiere: In den Augen vieler Wähler, das “jung” kann man weglassen.
Dann, ja dann entern nicht nur die Piraten das Abgeordnetenhaus, sondern jeder der was “anderes” zu sagen hat und gerade da ist.
Ich bin nicht mehr jung, aber habe vollstes Verständnis.
Wieviele “Hallo! Wach!” Aufrüttler brauchen die sogenannten “etablierten” (sollte ich ehemals voranstellen?) Parteien denn noch um von der Selbstbeweihräucherung und dem Bruderkampf und dem Lobbyeismus abzurücken bevor sie aufhören zu “sein”.

19) Alexander, Freitag, 09. September 2011, 14:09 Uhr

@Frankilein,

für mich passen die Synonyme Freaks und Nerds sehr gut. Ich bin seit 20 Jahren in dieser IT-Branche und kenne auch die Berliner Nerd-Szene. Die mit diesen Synonymen unterstellten Eigenschaften wie etwa Internet-Fixierung, digitaler Nomadenlebensstil und dergleichen mögen etwas übertrieben sein und nicht für alle gelten; gleichwohl charakterisieren sie eine Sub-Szene, die sich bewusst abgrenzt, sehr gut.

Lieber ein Fossil der alten Medien als einer dieser unreifen, verträumten und realitätsfernen Nerds!

20) StefanM, Freitag, 09. September 2011, 14:13 Uhr

Ja, die Berlin-PIRATEN sind special. Aber von Ihnen, werter Herr Spreng, hätte ich was Tiefgründigeres als diesen Rant erwartet.

Transparenz
Liquid Democracy statt alle 4 Jahre ankreuzen
Bürgerrechte und Freiheit

das fehlte bis vor 5 Jahren im Politikangebot.

21) georg, Freitag, 09. September 2011, 14:14 Uhr

Wowereit! … “oder das ist auch gut so!”

22) JK, Freitag, 09. September 2011, 14:16 Uhr

Die “Freaks und Nerds” stören mich weniger – als “jemand, der was mit Computern arbeitet” gewöhnt man sich da dran.

Sehr schade fand ich hingegen den Satz “Viele leben mehr im […] Internet als im wahren Leben.”. Diese Unterscheidung zu ziehen – das Internet und das wahre Leben – symbolisiert für mich sehr gut ein aktuelles Problem. Manch einem ist anscheinend noch nicht bewusst, dass das Internet für viele inzwischen einfach ein Teil des _realen_ Lebens ist. Wenn ich doch in der Lage bin, mich dort mit Freunden zu unterhalten, Briefe zu schreiben und alles – vom Buch, über Kleidung bis zum Steak – zu kaufen, dann handelt es sich doch offensichtlich nicht mehr um eine virtuelle Spielerei sondern einfach einen Teil des realen Lebens. Darin unterscheidet es sich nicht von einem Telefon, dem Fernseher oder einem Supermarkt.

23) Peer Sylvester, Freitag, 09. September 2011, 14:20 Uhr

Es hängt auch damit zusammen, dass es schwer wird hier überhaupt irgednas zu wählen: CDU ist hier quatsch. FDP ist abgemeldet. SPD ist umstritten, ob der Politik der letzten Jahre. Die LInke erst recht, vor allem da sie überhaupt keine Rolle in der Koalition zu spielen scheint. Die Grünen hätten davon profitieren können, aber die Spitzenkandidatin hat sich nicht gerade geschickt verhalten und wirkt auf viele abschreckend.

24) Götz Hoffart, Freitag, 09. September 2011, 14:25 Uhr

»Das Internet ist grenzenlose Freiheit« – wenn mit Grenzen die räumlichen gemeint sind: sicher. Wenn damit der rechtsfreie Raum gemeint ist, »anything-goes«: nein.

Auch wenn manche Politiker anderes behaupten (»rechtsfreier Raum!«), im Internet gilt das StGb genauso wie das BGB. Und fast überall kann man diese a) zur Anwendung bringen und b) auch durchsetzen. An Grenzen (pun! pun!) stößt man nur, wenn Straftaten örtlich verteilt begangen werden. Aber auch das ist dem Internet nicht originär, auch das gab es vorher wo anders auch schon.

BTW: »völlig« im Absatz danach mit Umlaut-ö statt Vokal-o.

25) suki11, Freitag, 09. September 2011, 14:31 Uhr

Die Piraten sind nun mal eine ganz neue, junge Partei mit sehr wenigen Themen.
Die müssen erstmal im Senat Erfahrung sammeln und etwas politische Luft schnuppern.
Da müssen die nicht gleich zu jedem berliner Thema ein real-politisches Programm erarbeiten.

Selbst wenn sie nach der Wahl in einer Koalition ein kleiner Juniorpartner wären, dann würde es reichen, wenn sie ihre Internet-Spezial-Themen, vertreten und nur dort ihre Meinung und Sachverstand einbringen.
Den meisten Rest müssten die größeren Koaltionspartner machen.

Das wäre immer noch mehr, als die FDP mit ihre einzigen Thema Steuersenkungen. ^^

So dramatisch finde ich das nicht.

26) Paul, Freitag, 09. September 2011, 14:40 Uhr

Man kann doch auch mal eine Partei wählen, ohne dass man möchte, dass sie die Regierungspolitik in allen Bereichen maßgeblich beeinflusst. Wowi regiert sowieso weiter, dann kann ich mich doch bewusst für eine Partei entscheiden, die als Kernanliegen zwei Themen hat, die mir am Herzen liegen: Transparenz und Bürgerrechte. Wenn die Piraten die FDP aus dem Parlament kegeln, wird man sich bei der FDP schon Gedanken machen, ob man Bürgerrechte nicht wieder stärker betonen sollte und sich vielleicht insgesamt sozialliberal erneuern sollte. Ich hab als Wähler nicht den Anspruch, eine regierungsfähige Partei mit Vollprogramm zu wählen. Außer diese Partei wird zu stark. Aber davon sind die Piraten ja wirklich noch weit entfernt.

27) Jochen, Freitag, 09. September 2011, 14:42 Uhr

>Wie alle anderen 1-2-Themen-Parteien werden auch die Piraten im Nirvana wieder verschwinden.

Sicher, aber das spielt keine Rolle. In den Reihen sitzen viele sehr junge sehr begabte Menschen von denen man sicher einige in 10-20 Jahren bei den ‘etablierten’ Parteien wieder sehen wird. Und ich bin froh das die dann nicht durch die Jusos oder Junge Union usw versaut wurden.
Ich glaube wir reden hier ja auch nicht gerade über Regierungsverantwortung…

der Artikel selber ist leider wirklich unterste Schublade. Kurzsichtig, überheblich und einfach lästig

28) su2, Freitag, 09. September 2011, 14:56 Uhr

@unpiratiger Nicht-Berliner: Das trifft des Pudels Kern. Diejenigen, welche sich vorgeben “auszukennen”, haben versagt.

29) Xpomul, Freitag, 09. September 2011, 14:57 Uhr

die grünen wurden damals auch nur ( im besten fall ) belächelt.
wir erinnern uns an die tumulte im bundestag in bonn, und an die berühmten worte von joschka an
den bundestagspräsidenten.
man glaubte ncicht das sie länger als eine periode überstünden.
und wo stehen sie heute, siehe nur stuttgart.

von einer umfassenden vorverurteilung der piraten partei halte ich nichts.
von diesem “schlimm ist das internet aber auch” fast noch weniger.
beides ist nicht wirklich von kompetenz und niveau geprägt. erfüllt eher den fakt einer absonderung.

inwieweit die piraten partei kompetenz besitzen oder sich aneignen können. lassen wir sie es doch beweisen falls sie einzug in den senat in berlin halten.
viele – gleich in welchem parlament nun auch immer – werden wahrscheinlich auch nicht die leuchten der kompetenz sein, oder sie sich angeeignet haben.

immer noch besser als irgendwelche schaumschläger mit brillantem aussehen, langatimigen titeln und gel im haar …

30) IANAL, Freitag, 09. September 2011, 15:11 Uhr

Och, lasst sie doch ruhig mal ins Abgeordnetenhaus einziehen. Entweder schaffen sie es, daraus etwas zu machen, oder sie werden ebenso schnell vergessen sein wie andere.

Schaden werden sie jedenfalls bis auf Weiteres nicht anrichten können. In Sachen Regierungsbildung geht es spätestens sein Künasts gestriger Kapitualtion sowieso nur noch um die Frage Rot-Rot oder Rot-Grün. Ein Erfolg der Piraten macht es für Rot-Rot rechnerisch schwerer, die Regierungsmehrheit zu behalten. Insofern könnten die Piraten allenfalls zum ungewollten Steigbügelhalter für Rot-Grün (dieses Bündnis wird mit Sicherheit eine Mehrheit haben) werden. Eine Katastrophe für die Demokratie sieht anders aus.

7% für die Piraten sind mir jedenfalls deutlich lieber als 5% für die NPD. (Irgendwie finde ich es beunruhigend, dass bei FGW und Infratest immer noch “Sonstige: 8%” steht, obwohl Piraten und FDP schon herausgerechnet sind.) Außerdem muss man den Piraten lassen, dass ihr bloßes Auftreten und ihre ersten kleinen Erfolge schon dafür gesorgt haben, dass sich die etablierten Parteien des Themas Netzpolitik etwas besser als zuvor angenommen haben.

Ob die Piraten eine dauerhafte politische Zukunft haben, hängt vor allem von ihnen selbst ab. Als Außenstehender kann man in diesem Fall IMHO beruhigt abwarten und Tee trinken.

31) egal, Freitag, 09. September 2011, 15:18 Uhr

Lieber Herr Spreng,

eine Milliarde sind nunmal viele Millionen. Das sollten Sie doch besser wissen!

Dass der Kandidat, der seinen ersten Auftritt im Fernsehen in der Sendung hatte, die Größenordnung nur annähernd beziffern kann, spielt für Berliner Verhältnisse sowieso keine (politische) Rolle, denn selbst die großen Parteien können nichts – absolut nichts – an der Verschuldung ändern. Über den Abbau der Schulden wurde in den letzten 70 Jahren in Berlin noch nie diskutiert und wird es auch in Zukunft.

Dass die Partei selbst noch kein Wirtschaftskonzept hat, ist ebenso nicht politisch relevant, da man als Kleinpartei erstmal zufrieden sein sollte, wenn man sein Kerngebiet gut macht. Das sollten andere Parteien vielleicht auch mal berücksichtigen anstatt sich als eierlegende Wollmichsau zu gerieren. Die Aussage, dass man noch kein Wirtschaftsprogramm erstellt habe, da einerseits die Kompetenz fehlt und auch es zeitlich für die Feierabend-/Freizeitpolitiker noch nicht möglich war, halte ich für eine ehrlichere Aussage als sich etwa den Mainstream anzuschließen oder das Wahlprogramm mit leeren Phrasen zu füllen.

Dass Sie hier so polemisch werden und sich den Stereotypen hingeben, die Piratenpartei hätte als Mitglieder und Wähler nur männliche Internetnerds, vermutlich noch übergewichtig und sozial vereinsamt, enttäuscht mich doch sehr. Eigentlich hatte ich Sie ja als besseren zeitgenössischen Beobachter der politischen Szene in Erinnerung.
Denn mit dieser Einschätzung lässt sich das Umfragehoch wohl kaum vereinbaren. Soviel Nerds gibt es ja nun auch nicht, selbst in Berlin.
Wenn Sie dann noch den Mitleidsvergleich mit der achso alteingesessenen FDP bringen, dann bringen Sie doch das Faß zum Überlaufen. Die Piratenpartei ist doch nur die Antwort auf die Fehler der 6 großen Parteien. Wenn CSU-“Top”-Politiker ahnungslos übers Internet, über Jugend-/Popkultur, sog. “Killerspiele” und Bürgerbespitzelung reden und SPD/Grüne/FDP das noch alles freudig abnicken, muss man sich schon mal fragen, wo man als freiheitsliebender Mensch sich hinorientieren soll. Selten war doch der Unterschied zwischen den Alt-Parteien (im wahrsten Sinne!) und den Menschen unter 40 so groß wie heute. Die Parteien vergreisen, selbst die Grünen sind im Kern eine Partei der 50+ mit paar jüngeren Hüpfern.

Man sollte sich mal in der Politik fragen, inwieweit das politische Partizipationsmodell in Deutschland noch funktioniert. Der soziale Zusammenhalt, der sich früher als Klassen- und Ortsgebundenheit speiste, ist heutzutage konträr zur gesellschaftlichen Anforderungen. Wer kommt als junger Mensch (unter 40 oder 50) noch in einen Ortsverein? Das Parteiengesetzt verlangt aber diese Organisation. Stellen das die Altparteien in Frage? Sie erkennen noch nicht mal das Problem!

Die SPD hatte mit dem VOV ja mal den Versuch gemacht, ist kläglich gescheitert, weil kein Interesse an vernetzter Partizipation bestand. Politik wurde woanders gemacht.

Nun, die Piratenpartei hat diesen Bedarf zumindest mal aufgegriffen. Zugegeben, das ist heute, wo auch Nicht-Nerds (!) ans Internet und vor allem an soziale Interaktion über Netzwerke gewöhnt sind, weniger schwieriger als vor 10 – 15 Jahren. Die anderen Parteien sehen da kein Bedarf und haben – so spekuliere ich – auch einfach Angst vor dieser Veränderung. Wenn Politik wirklich aus dem Hinterzimmern nicht mehr kommt, dann schwindet auch der Einfluss der Hierarchie und Basisdemokratie ist sehr, sehr anstrengend. Darauf hat doch keine der Alt-Parteien (darunter fasse ich mal auch die Grünen) (mehr) Lust.

Aber solange Sie nur Internetnerds sehen, stimmt ja alles in Ihrer Welt. Sie kennen ja den Spruch sicherlich: Kritiker überzeugt man nicht, man überlebt sie. Von daher kann man Kritiker wie Sie es einer sind, auch beruhigt weitererzählen lassen. Die Wirklichkeit wird auch Sie noch einholen, vermutlich eher als Ihnen lieb ist. ;-)

Ich bin übrigens kein Piratenparteiwähler noch -funktionär und habe auch nicht am Programm gearbeitet oder so. Ich bin Mitglied einer der führenden Altparteien. Nur falls Sie Ihre Scheuklappen aufsetzen wollen ;)

32) rr, Freitag, 09. September 2011, 15:22 Uhr

Ich finde das weniger bemerkenswert als einen Finanzminister, der 100.000 Euro vergessen hat oder einen CSU-Ministerpräsident, der nicht in der Lage ist eine 7-Stellige Zahl abzulesen.

33) Jörg, Freitag, 09. September 2011, 15:24 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

das ist Demokratie. Wenn es nur nach Kompetenz ginge und wirklich nur Leute und Parteien gewählt werden würden, die Ahnung und Lebenserfahrung haben … dann hätten wir keinen Facharbeitermangel, sondern einen eklatanten Politikerinnen und Politikermangel. Dann müssten wir unser politisches Personal wohl im Ausland rekrutieren … (Ironie).

Spaß beiseite: Wenn die Piratenpartei so schlimm ist, aber dennoch so ein Erfolg hat, dann ist ein Bassing der etablierten Parteien angesagt. Denn die haben dann ihren ureigensten Auftrag vermasselt: In das Volk hineinzuhören.

Es gab mal in den 1980ern das Aufflammen der Republikaner, die eine Lücke geschlossen hatten. Die haben sich dann selber demaskiert und sind heute bedeutungslos.

Und es gab in den 1970er das Aufkommen der Grünen. Die haben ebenfalls eine Lücke geschlossen, hatten nur vor Spezialthemen Ahnung (Umweltschutz, gesunder Ernährung, Anti-Atomkraft), waren heillos zerstritten – und haben sich dennoch etabliert.

Ohne die Piratenpartei verteidigen zu wollen, dafür kenne ich sie viel zu wenig, aber einen zweiten oder dritten Gedanken zu dem Phänomen hätte ich mir schon erwünscht.

34) RCB, Freitag, 09. September 2011, 15:26 Uhr

Verehrter Sprengmeister und auch Einige der Vor-Kommentatoren,

es sind nicht alles Freaks und Nerds, aber sicher ist, dass diese Formulierung auf die überwiegende Mehrheit zutrifft (ein Kollateralschaden sozusagen für die, die nicht dazu gehören, aber dennoch in dieselbe Kiste gesteckt werden).

Das Problem ist aber ein ganz Anderes:
Ich behaupte, dass nicht mehr als rund 10 % unserer Bevölkerung in der Lage ist, Politik zu begreifen und damit umgehen zu können. Das hat nicht unbedingt etwas mit Intelligenz zu tun, sondern hängt vor Allem von verschiedenen Einflüssen in Erziehung und Sozialisierung zusammen. So kann etwa ein engagierter und im Beruf erfolgreicher Akademiker genauso politikunfähig sein, wie ein ungelernter Hilfsarbeiter. Umgekehrt können die beiden Genannten aber durchaus auch auf Augenhöhe gleichermaßen Politikfähig sein. In der Summe sind das dennoch nicht mehr als 10 %.

Natürlich betrifft das auch unsere Abgeordneten, die ja angeblich einen Querschnitt unserer Bevölkerung darstellen. Die wissen zwar aus ihrer täglichen Arbeit in und um die Parlamente mehr als Andere, ob aber auch hier mehr als die genannten 10% damit umgehen können, wage ich (mit Blick auf das, was ständig berichtet wird) ernsthaft zu bezweifeln.

Insofern haben Spaß-“Parteien” wie die “Piraten” im durchschnittlichen Wahlvolk, auch unter den vom Sprengmeister genannten Gründen durchaus eine Chance, in die Parlamente gewählt zu werden, auch wenn sie dort mit Sicherheit mittel- bis langfristig nichts bewegen werden.

Und wer behauptet, dass die “Piraten” eine wie auch immer geartete Kernkompetenz hätten, gehört wohl eher zu den 90 % der “Unverständigen”. Es ist ein Unterschied, ob ich über Problemfelder der Politik spreche, oder ob ich auch etwas davon verstehe. Reden darüber tun Viele, verstehen davon aber nur ca. jeder Zehnte. Inkompetenz macht vor der Extrovertiertheit von Möchtegern-Politikern leider nicht halt (man denke nur an Guido Westerwelle, der aber beileibe nicht der Einzige in dieser Bundesregierung und in diesem Bundestag ist).

Das ist unser Problem, sowohl bei Wahlen, als dann auch mit gar keinen oder mangelhaften Ergebnissen und Entscheidungen, innen- wie außenpolitisch und in der Gesetzgebung!

PS: Das geht anderen Staaten übrigens durchaus ähnlich. Teilweise ist es dort sogar noch schlimmer als bei uns!

35) kleinErna, Freitag, 09. September 2011, 15:39 Uhr

Zum Theam Milliardenloch im Haushalt der Bundeshauptstadt Berlin:

Weiß eigentlich noch Jemand von Ihnen, in welcher Regierungszeit und unter welchen Umständen dieses Milliardenloch in Berlin zustande gekommen ist?

Die Kritiker der dortigen SPD-Regierung erinnern mich an die Republikaner in USA, deren Super-Präsident George W. Bush Schulden in nie dagewesener Höhe hinterlassen hat und die jetzt auf Obama herumhacken und ihren ganzen Wahlkampf darauf aufbauen, weil die USA noch immer auf so hohen Schulden sitzen.

Ich würde Ihnen raten, einmal ein bisschen in der Geschichte zurück zu blättern.

36) Mark, Freitag, 09. September 2011, 15:54 Uhr

Und das Problem besteht jetzt genau worin?

Sehr viel schlechter als die real-existierenden und ziemlich abgehalfterten Polit-Zombies aus den “etablierten Parteien” können es die jungen Leute auch nicht machen, oder? Im Gegenteil: vielleicht formiert sich hier nicht nur der Wunsch nach anderen Sichtweisen, sondern tatsächlich der Anfang vom Ende der “etablierten Parteien”. Wir haben ja schon früher festgestellt, dass -zumindest im Bund- Union und SPD schwer auseinanderzuhalten sind. Auch die Grünen sind eigentlich eine ökologisch angehauchte Union der Besserverdiener mit einigen krakeelenden Linken. Und die Linke war wohl in Berlin auch nicht so wirklich links. (Über die FDP brauchen wir nicht zu reden, solange sie sich nicht als Anti-Euro-Partei positioniert.)

Also: Her mit den neuen Parteien! Her mit den unkonventionellen Lösungsansätzen! Her mit den wählbaren Alternativen! Alles, wirklich alles, nur bitte nicht so weiterwursteln wie bisher.

37) Peer Sylvester, Freitag, 09. September 2011, 16:13 Uhr

Imerhin sind mir die Piraten als Protestpartei lieber als wenn die NPD gewählt würde :-)

38) StefanP, Freitag, 09. September 2011, 16:15 Uhr

Berlin wächst zwar zur Medienmetropole, doch nicht nur. Ein breite Palette von Dienstleistungsunternehmen siedelt sich in der Hauptstadt an. So verlegt nun der Reisekonzern TUI ganze Abteilungen an die Spree, da Hannover für hochqualifizierte Fachleute als wahrscheinlich häßlichste Landeshauptstadt Deutschlands kein Flair besitzt, dort mittelfristig arbeiten zu wollen. Damit steigen, ungeachtet der hohen Anzahl von Hartz-IV-Haushalten, das Lohn- und Einkommensniveau in Berlin.

Ob das reicht, der Piratenpartei dauerhaft Substanz zu geben? Das liegt an der Partei selber. Nach fulminantem Start war es zuletzt doch ruhig um die Partei der Generation Internet geworden – Generation Praktikum ist ein völlig irreführender Begriff, der vielleicht auf den Medienbereich zutrifft, aber nur dort. Als skandalös muss immer noch die Aufnahme des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss gelten, der wegen “der Beschaffung von Kinderpornographie im Internet” zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

Das zentrale Problem der Piraten dürften die bisherigen organisatorischen Mängel der Internet-Junkies sein. Und wie alle Jungparteien führen sie in ihren ersten Programmen ein “Wünsch-Dir-was”-Sammelsurium.

“Aber so ist das, wenn die etablierten Parteien einen großen Teil einer Generation nicht mehr erreichen, wenn sie in den Augen vieler junger Wähler unmodern, unglaubwürdig und verbraucht sind. Dann entern die Piraten das Abgeordnetenhaus.”

Das halte ich für falsch. Die Generation der bis 29jährigen ist ziemlich entpolitisiert. Nicht nur, dass ein wesentlicher Teil der Menschen dieser Altersklassen nicht zu allgemeinen Wahlen gehen, sie interessieren sich wenn dann nur punktuell für Politik. Doch ein Gemeinwesen lässt sich nicht organisieren, wenn man mal gegen einen neuen Bahnhof auf die Barrikaden geht, Internetsperren schlecht findet, weil sie möglicherweise die eigene digitale Mobilität einschränkt oder den Atomausstieg gemeinsam mit den Eltern hipp findet.

Während sich die Generation Dynamische Rente gut in Lobbygruppen wie dem VDK zu organisieren weiß, klicken Gamer halt den “Gefällt mir nicht”-Button, statt gezielt Einfluss auf politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger zu nehmen. Die soziale Armut zeigt sich dann auch darin, längerfristige Bindungen einzugehen bzw. sich überhaupt vom Hotel Mama abzunabeln.

Ob solchen politischen Phlegmatikern die Piraten wirklich eine effektive Stimme geben können, muss sich noch zeigen.

39) Patrick, Freitag, 09. September 2011, 16:23 Uhr

So wie ich das sehe, habe ich die Wahl zwischen einer Partei die offen zugibt, dass ihr in einem wichtigem Bereich Kompetenzen fehlen und diversen anderen Parteien, die ihren Mangel über die Jahre unter Beweis gestellt, aber konsequent verleugnet haben.

Selbst wenn die Piratenpartei ankündigen würde, nach ihrer Wahl nur Däumchen drehen zu wollen, würde ich sie noch (oder gerade deswegen) wählen. Das Problem in Deutschland ist mittlerweile nicht mehr eine Regierung zu wählen, sondern die aktuelle Regierung los zu werden. Und das geht nunmal leider nicht ohne Schwarzrotgelbgrün die Länder wegzunehmen, indem man einen Ersatz etabliert.

40) Rainer, Freitag, 09. September 2011, 18:03 Uhr

[ ] Sie haben die Ziele der Piratenpartei verstanden.
[x] Sie haben die Ziele der Piratenpartei nicht verstanden.

Andere haben diese Ziele verstanden und wollen die Piraten deshalb wählen. Schade, dass Sie anderen Menschen, welche nicht Ihrer politischen Neigung entsprechen, das überlegte Handeln bzw. in diesem Fall das überlegte Wählen, absprechen. Gleichermaßen wie Sie einer Generation vorwerfen sie würde etablierte Parteien für “unmodern, unglaubwürdig und verbraucht” halten, könnte ich Ihrer Generation vorwerfen, sie würde sich nicht mit dem Wandel der Gesellschaft beschäftigen und die Augen verschließen vor den neuen technischen Möglichkeiten welche eben diese Veränderungen erst bewirken.
Dieses ist aber nicht mein Stil. Ich würde mich freuen wenn wir diese Diskussionen wieder vernünftig führen könnten. Die etablierte Politik hört weder der Piratenpartei, noch dem ccc noch anderel Menschen zu die sich mit meist guten Argumenten zu Themen äußern, von denen die etablierten Parteien schon oft genug bewiesen haben, dass sie keine Ahnung haben. Auch haben sie schon oft genug bewiesen, dass sie vor den Rechten der Bürger keinen Respekt haben.
Ich hoffe die Piraten bekommen viele Stimmen. Sie haben große Aufgaben zu bewältigen und sicherlich großen Wiederstand zu überwinden.

41) JG, Freitag, 09. September 2011, 18:05 Uhr

Sie haben wieder mal recht, Herr Spreng.

Aber: In einer Welt, wo viele Politiker das deutliche Gefühl vermitteln, keine Ahnung zu haben, ist es doch recht erfrischend, mal einen Politiker zu erleben, der dies auch zugibt. Als nur ein Beispiel.

Im Abgeordnetenhaus werden die “Piraten” vermutlich wenig zustandebringen, sich rasch zerstreiten, und es bleibt auch abzuwarten, ob ihre Abgeordneten in den Sitzungen noch erscheinen, wenn Mutti ihnen mal nicht einen neuen Pulli rausgelegt hat oder gar das Klebeband abgegangen ist, welches bisher die Brille zusammengehalten hat.

Ich werde sie trotzdem wählen. Die etablierten Parteien sind keine Alternative, mit wem der bräsige Herr Wowereit weitere für Berlin verlorene Jahre nicht-regierender Partymeister spielt, ist mir völlig egal, und vielleicht bringen die “Piraten” ja mal ein wenig frischen Wind in den erstarrten Politzirkus, so wie es vor dreißig Jahren die mittlerweile völlig verspießerten Grünen getan haben (deren traurige Entwicklung die “Piraten” hoffentlich nicht nehmen werden).

Im übrigen brauchen wir dringend eine Partei, die sich glaubhaft für Bürgerrechte einsetzt und “von diesem Internetz oder wie das heißt” Ahnung und dessen Bedeutung für die heutige Gesellschaft wirklich verstanden hat.

42) horst scharnhorst, Freitag, 09. September 2011, 18:33 Uhr

Im Wahlkreis 1 Hamburg-Mitte erzielte die Piraten-Partei 2011 bereits 5,6% der Stimmen (die FDP 4,2%). Das “Irgendwas mit Medien” ist also ncht auf Berlin beschränkt. Und ob Herr Rössler mehr Ahnung von Wirtschaft hat, als der Piraten-Vorsitzende darf bezweifelt werden. Der Untergang der FDP ist auf die Ahnungslosigkeit seines derzeitgen Spitzenteams zurückzuführen, das von dem ebenfalls ahnungslosen Westerwelle einst in der Partei etabliert wurde. Und die in Wirtschaftsfragen ahnungslose Frau Merkel führt Deutschland in den Ruin. Genauso wie untalentierte Manager Unternehmen killen. Die Piraten sind zumindest Fachleute auf dem Gebiet der Informationsgesellschaft. Geben sie Ihnen die Chance, die Experten verdienen. Eine Koalition aus Piraten, Linken und Grünen wäre doch “sexy” für Berlin.

43) Scuba, Freitag, 09. September 2011, 18:57 Uhr

Ich würde mich über ein einziehen der Piraten ins Abgeordnetenhaus genauso freuen wie über das der PARTEI : Weniger aus programmatischen Gesichtspunkten, als als Denkzettel für die Etablierten. Wobei ich dem Sonneborn schon höhere politische Kompetenz unterstellen würde (meinen Glauben in die Piraten habe ich mit dem Scheitern von Liquid Democracy verloren)

44) Eddiecho, Freitag, 09. September 2011, 19:19 Uhr

Enttäuschend. Ähnlich wie den “alten” Parteien scheint Ihnen der Zugang zum Internet doch etwas blockiert und alles was damit zusammen hängt erscheint daher ein wenig unheimlich, ja fuchterregend zu sein. Frau Koch-Mehrin glaubte das sich Deutschland in 75 Minuten um gerade mal 6000 Euro mehr verschuldet (waren dann doch eher 20 Millionen). Gibt’s dazu demnächst dann auch einen Blog-Eintrag?

Aber was rede ich, diese Frau sitzt ja nichtmal im Europaparlament oder sowas. Interessant ist jedoch das die Piraten wesentlich engagierter für Bürgerrechte eintreten als die Bürgerlichen. Ist das denn so ahnungslos und schlecht?

beste Grüße

45) Tom, Freitag, 09. September 2011, 19:49 Uhr

Das man solch einer jungen Partei nicht vorwerfen kann, dass ihre wirtschaftspolitische Ausrichtung noch nicht ganz klar ist, kann man ihr nicht vorwerfen. Die werden sich schon noch finden.

Man sollte mal Merkel nach ihrer wirtschaftspolitischen Ausrichtung fragen. Was die Frau wohl antwortet? Außer Standardphrasen kommt von unserer Kanzlerin ja auch wenig.

“Mittelstand unterstützen….. Wettbewerbsfähigkeit stärken …. soziale Markwirtschaft …. blabla”

Dann will sie sich ihre Politik nicht von den Märkten diktieren lassen. Was meint sie damit? Märkte ignorieren? Planwirtschaft? Welchen Kurs fährt unsere Regierung? Wo geht es hin?

Die Piraten stehen für andere Themen, welche von allen anderen Parteien vernachlässigt werden:
– Bildung
– Patentrecht (muss drigend überarbietet werden. Für mittelständische Betriebe ist das aktuelle Recht ein großes Problem)
– Transparenz
– Bürgerrechte (Sogar die SPD ist für die Vorratsdatenspeicherung)

Wenn die Piraten sich mit ihren 6 Prozent bei den Themen stark machen ist uns allen geholfen.

46) vera, Freitag, 09. September 2011, 20:13 Uhr

wenn sie schon holzen, dann bitte mit der richtigen wortwah: nerd gilt immer noch als schimpfwort. heute sagt man geek. #nurmalso

47) suchenwi, Freitag, 09. September 2011, 20:20 Uhr

@16 “Die Piraten haben ihren Namen blöd gewählt” – die blöde Namenswahl kam zunächst von der Medienindustrie, die es als “Piraterie”, “Raubkopieren”, “Verbrechen” bezeichnet, wenn man Dateien kopiert.

Als ironische Reaktion darauf wurde am 1.1.2006 in Schweden die Piratpartiet gegründet, und hatte bald raschen Zulauf von jüngeren Leuten, die die etablierte Politik noch blöder fanden (und 1-2 Sitze im Europaparlament). Morgen vor 5 Jahren wurde in Berlin auch die deutsche Piratenpartei gegründet, und ebenso in bisher etwa 40 Ländern. In vielen treten die Piraten zu Wahlen an, in Deutschland, Schweiz, Tschechischer Republik, Spanien wurden sie bisher in kommunale Gremien gewählt.

Die Piraten sind eine internationale Bewegung, von Kanada, Florida, Argentinien über viele europäische Länder bis Kasachstan und Australien, Neuseeland. Es gibt die Dachorganisation Pirate Parties International (PPI), deren letzte Konferenz dieses Frühjahr in Friedrichshafen war. Ich war dabei. Ich bin Pirat.

48) Peter Christian Nowak, Freitag, 09. September 2011, 20:23 Uhr

@m.spreng

^^Berlin ist die Stadt des “Irgendwas mit Medien”. Nirgendwo ist das IT- und Medien-Prekariat so zahlreich wie in der Bundeshauptstadt. Berlin ist die Stadt der Generation Praktikum: junge Leute, die ohne Bezahlung oder für einen Hungerlohn von Mini-Firma zu Mini-Firma ziehen^^

Genauso ist es. Man kennt sich aus mit dem Rechner, der Politik und dem Leben, aber eigentlich dann doch nicht so richtig – wenn es darum geht, komplizierte Anwenderprogramme z.B. fehlerfrei zu bedienen und verkrachte Beziehungskisten zu reanimieren. Ja, man weiß von allem viel, vom wirklich Wichtigem aber anscheinend wenig. Man schlendert sich so durch, mit Vollgas durch das komplexe Leben, beruflich wie privat. So manche Bruchlandung ist da vorprogrammiert. so sind sie eben, diese “Freaks und Nerds”. Eine möchtegern Bohemian vielleicht, die sich morgendlich bei Starbucks bei Latte macchiato und Laptop trifft. Wohl wahr, ein Prekariat, das sich zwangsläufig irgendwo gesellschaftlich zwischen Stamm und Borke findet. Und man möchte den Eindruck haben: nicht nur dort. Eigentlich will man zum bürgerlichen Mittelstand gezählt werden. Mit Aufstiegschancen. Stattdessen hat sich der eine oder die andere schon am Tresen eines Jobcenters die Stütze abholen müssen. Aber letztlich fühlt man sich ja zu “denen” nicht zugehörig. So nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. So träumt man weiter vom Raketenstart in eine Karriere. Was wäre das Leben ohne Selbstbetrug?

49) hook, Freitag, 09. September 2011, 20:38 Uhr

@JG. Sie haben den Punkt getroffen. Wenn diese Partei auf anderen Ebenen nur halb so engagiert ist wie bei Fragen der Informationsgesellschaft, kann eigentlich nichts schief gehen.
ich gebe den Piraten eine Chance. ich selbst bin 53, in der IT Branche tätig und Mitglied der Piraten seit 2009. Im Kreisverband bin ich ein alter Sack. Egal, die Mischung machts.
Ahoi.

50) eilas, Freitag, 09. September 2011, 21:10 Uhr

Nun werter Herr Spreng.
Man kann vieles bei den Piraten kritisch sehen.
Aber man kann auch so viel Positives betrachten.

Aber sie hatten unrecht, als sie bei einem Artikel der FDP das Scheitern des Projectes Piratenpartei verkündeten:)
Die Piraten leben und das ist das Schöne,wenn man so die Politik Zombies der anderen Parteien betrachtet.

51) Christian Alkemper, Freitag, 09. September 2011, 21:29 Uhr

Hallo Herr Spreng et al.,

hier finden Sie eine Entgegnung auf Ihren Beitrag:

http://blog.menschzwonull.net/?p=175

Viele Grüße
C. Alkemper

52) Lacerda, Freitag, 09. September 2011, 22:12 Uhr

Berlin bietet wie keine andere Stadt der Republik den Nähboden für die Unvollkommenheit.
Das hat Vor- und Nachteile. Zu den letzteren gehört es, daß eine Menge fähige Leute, die hier keinen Job finden, “auswandern” müssen in andere weniger lebhaft Städte der Republik. Arm aber sexy sein ist ja nicht so toll. Miete und Strom müssen bezahlt werden.
Bisher bietet Berlin zu wenig Möglichkeiten für die Kreativen.

In diesem Sinne,

53) sk8erBLN, Freitag, 09. September 2011, 22:43 Uhr

@ Spreng “Ahnung kann da nur stören”

Danke dass Sie mich dran erinnert haben dass die etablierten Parteien alle so viel Ahnung haben.
:-p
:-P
Es wäre mir sonst entfallen weil die Finanzkrise, der Berliner Bankenskandal, dieses einmalig geniale Rentensystem dass die Leute im Elend altern lässt und die nachkemmende Generation kollosal überfordern wird, der unterirdische Diepgen, diese fein grinsende stehts gut gebräunt und erholt aussehende Landowsky, der Spenden und Vorratsdaten sammelnde Rollstuhlfahrer, dieses Finanzgenie aka rechtskräftig verurteilter Straftäter Lambsdorf, die wandelnde schwäbelnde Inkompetenz Homburger, die faule titelbetrügende Blondine SKM und dieser überirdische Außenminister und Nero. Das alles bzw. die alle finden ja zum Glück in einem Paralleluniversum statt das mein Leben kein Stück weit tangiert.

Und besonderer Dank auch an die “Ahnung” habenden Lokal-Politiker die, die sich super auskennen und die die gut 60 Milliarden Schulden aufgehäuft haben. Es scheint, das hat die durch die Bank weg auch nicht wirklich interessiert wie viel und welchen Generationen sie die Schulden vererben.

Wieso sollte das also ein KO Kriterium sein in Punkto Piraten?

Nee Herr Spreng, es kann gar nix passieren beim Piraten wählen, es tut auch nicht weh und nach Ihrem letzten Griff ins Klo (ich meine mich an FDP zu erinnern zur BT Wahl) können Sie es nur besser machen!

Also auf auf, das Kreuzchen diesmal ganz unten auf dem Wahlzettel machen. Sie könnten sich auf jeden Fall als als Pionier fühlen statt erneut als vera***ter Wähler. Und jünger macht es Sie sicher auch ;)

So, ich hoffe das passt jetzt noch durch die redaktionelle Zensur. Sorry aber wenn ich so viel Arroganz in nur einem Artikel lese brennt mir die nicht vorhandene Hutschnur!

54) Martha Mumenschanz, Freitag, 09. September 2011, 22:47 Uhr

Man muss wirklich kein Wähler oder auch nur Sympathisant der Piraten sein um diesen Text für plump, vorurteilsbeladen und undifferenziert zu halten. Könnte so auch in der BLÖD stehen. Das mit den “Freaks” und ” Nerds” ist dabei wenigstens noch unfreiwillig komisch….

55) plumtree, Freitag, 09. September 2011, 23:31 Uhr

Vielleicht hat es den anderen Parteien noch niemand erzählt.
Das Internet ist eine der größten Revolutionen in der Menschheitsgeschichte – und wir stehen erst am Anfang der Vernetzung.

Es ist also nur legitim, dass sich wenigstens eine Partei damit konstruktiv auseinandersetzt, statt immer nur nach Verboten und Beschränkungen zu rufen.
Leider haben die fünf (mehr oder weniger) großen Parteien so ziemlich jeden Anschluss verloren und wenn man unseren Innenminister über’s Internet schwadronieren hört klingt es wie ein Blinder der mir Farben erklären will..
Offenbar haben die Piraten einen Nerv getroffen und dafür werden sie belohnt.

Übrigens sind viele internetaffine Menschen einfach nur Nutzer, die das Internet beruflich benötigen – so wie Sie auch Herr Spreng.

56) webrebell, Freitag, 09. September 2011, 23:36 Uhr

@Scuba:

Liquid Feedback (so der Name der Software, das das Prinzip der flüssigen Demokratie verfolgt) läuft weiterhin und wird im externen Verein weiterentwickelt. Liquid Feedback bei den Piraten ist noch lange nicht tot. In Berlin wird es intensiv genutzt. Genauso wie in anderen Landesverbänden. Dort wird aber auch mit Liquidizer experimentiert, ein alternativer Ansatz der flüssigen Demokratie.

Liquid Feedback innerhalb der Piraten wird fotwhrend weiterentwickelt. Eine neue Oberfläche ist in der Umsetzung (Wettbewerb): http://saftigekumquat.wordpress.com/

Also ich für meine Teil hab meinen Glauben an eine “Redemokratisierung” unseres politischen Systems noch lange nicht verloren.

57) no, Freitag, 09. September 2011, 23:41 Uhr

Die Analyse bzw. der Rant ist ziemlich daneben. Habe gerade das Wahlprogramm der Berliner Piraten überflogen und festgestellt, dass das alles ziemlich erfrischend und auch in den Politikfelder, die nicht das Internet betreffen, sehr progressiv ist. Die Probleme der Stadt Berlin werden im Programm auch hinreichend gewürdigt. Einer Jungen Partei mangelnde Professionalität vorzuwerfen ist ebenfalls nicht ganz fair, zumal vielen Wählern Kandidaten lieber sind, die offen zugeben von manchen Dingen keine Ahnung zu haben, als die die so tun als ob (z.B der gefallen zu Guttenberg), ohne das tatsächlich etwas dahinter steckt.

58) Fassmann, Samstag, 10. September 2011, 10:58 Uhr

Süß Herr Spreng, wieder ganz süß, vergessen Sie aber bitte nicht, daß es die Blockparteien rot-schwarz-gelb-grün waren die Karren an die Wand gefahren haben, soviel zu deren Finanzkompetenz

59) Christian, Samstag, 10. September 2011, 11:31 Uhr

Jeder der Berlin auch nur ein bisschen kennt weiß, dass diese Stadt enorme Probleme hat, die alle direkt und indirekt etwas mit der Verschuldung zu tun haben, sich aber längst von ihr abgelöst und verselbständigt haben. Ich komm viel rum in Deutschland und nirgendwo sonst treffe ich auf diese sonderbare Mischung aus Provinzialität, Spießigkeit, Biestigkeit, Snobismus, affektierter Lockerheit, Anonymität, Desilliusionierung, Ausweglosigkeit. Das Leben ist eine einzige sinnlose Party in irgendeiner Bar. Wie mein Vorredner Johannes richtig bemerkte: die “Generation Praktikum”, die Orientierung heischenden zugezogenen Studenten, die “Twenty-Somethings”, die entzauberten Absolventen, die “Thirty-Somethings”, die unterbezahlten Angestellten – Leute in Saft und Kraft, die was bewegen könnten und wollten – werden von der neoliberal-alternativen Szene ausgebeutet. Sie schmeißen sich in diesen trüben Tümpel und merken meist zu spät, dass er einfach nur stinkt. Ich selbst habe einige Jahre meines Lebens in Berlin verbracht und habe die Stadt irgendwann verlassen, erst schweren Herzens, dann voller Erleichterung. Was war Ausschlag gebend? Vieles, konkretes und diffuses: die Unmöglichkeit, mit Gleichgesinnten etwas auf die Beine zu stellen: alle haben ihre Projekte, ihre Hobbies, ihre Lieblingsplätze und überfüllten Terminkalender. Alle scheinen sich auf eingefahrenen Gleisen zu bewegen und sind gar nicht so offen für Neues (das erledigt ja schon das Image der Stadt, welches jeder Bewohner zu inkorporieren “gezwungen” wird). Die spezielle, lächerliche Ich-bin-was-ganz-Besonderes-Mentalität aller Bevölkerungsgruppen. Die Verschlechterung der allgemeinen Stimmung in der Stadt (schon mal in Berlin entspannt U-Bahn gefahren, einem Fremden ins Gesicht gelächelt und spontan ein Gespräch begonnen?). Die wahnwitzige und ungeordnete Umkrempelung ganzer Kieze (Gentrifizierung dreht sich nicht nur um Arme und Reiche, sondern sie zerstört die Lebensqualität ganz normaler Menschen mit normalen Einkommen). Die entsetzliche Studienqualität der Stadt. Die entsetzliche Service-Qualität der öffentlichen Verwaltung. Was der ganzen Sache aber die Krone aufsetzte war der Spruch des Regierenden Bürgermeister K.W., die Stadt sei halt arm, aber sexy. Dafür bin ich im Rückblick dankbar, denn er hat mir die Entscheidung ungemein erleichtert. Armut als Staatsziel kann ich nicht mittragen. Nicht wenn gleichzeitig versucht wird, die Stadt mit neoliberalen Instrumenten gegenüber anderen Metropolen konkurrenzfähig zu machen (was in diesem Fall und so nicht gelingen kann). Ich wusste auf einmal was diese Stadt hemmt und warum ich so unzufrieden mit ihr war. Ich wusste auf einmal, warum all diese Menschen so ziellos gehetzt sind und dabei kaum was bewegen.

Heute besuche ich Berlin mehrmals im Jahr. Ich fahre gerne hin und genau so gerne wieder weg. Die dort verbliebenen Freunde und Verwandte würden jedem einzelnen Punkt meiner Kritik zustimmen, sind aber auf ihre je eigene Art unfähig die Stadt zu verlassen. Für nur ganze wenige von ihnen ist die Stadt sowohl subjektiv als auch objektiv das Richtige. Alle (wirklich alle) haben schon einmal überlegt, dieses Jahr die Piraten-Partei zu wählen, und viele werden es tun. Nerds und Freaks sind nicht darunter. Sie sind Ärzte, Maler, Angestellte im höheren Dienst beim LKA, etc. Der Zustand Berlins und der etablierten Politiker-Kaste ko**t sie an. Sie sind für nachhaltiges Wirtschaften, Transparenz in rerum publicarum (cf. Flughafen Tempelhof) und, ja, für freien ÖPNV. Sie sind ebenso anti-kommunistisch wie anti-neokonservativ. Sie sind gegen den Öko-Elitismus der Grünen und gegen die plumpe Anmache subalterner Sozjammerkraten. Sie sind sogar bereit, Opfer für diese Stadt zu bringen, was ich nicht verstehe, aber respektiere.

Die Piraten sind sicherlich erstmal nichts für die Bundespolitik, aber das hat man über die Grünen auch gesagt. Sie könnten aber für ein wenig dringend benötigter Frischluftzufuhr in der miefigen Landespolitik sorgen.

Noch was demokratietheoretisches als Ergänzung: was ist eigentlich verwerflich daran, wenn sich ein Teil der gesellschaftlichen Basis aufgrund von Partikular-Interessen und mangelnder Repräsentation in den Sammelbecken der Volksparteien zusammen schließt und organisiert? Das ist intelligent, subsidiär und – substanzieller Bestandteil der Definition von Demokratie. Wenn man dann auch noch in Betracht zieht wie heterogen diese Basis ist und wie wenig partikular ihre Anliegen, sieht man zweierlei: Etwas ist faul im Staate Berlin und es gibt demokratischen Willen, etwas zu verbessern. Man sollte eigentlich heilfroh sein.

60) nbs, Samstag, 10. September 2011, 12:54 Uhr

Neben den vielen zutreffenden Kritiken die ich nicht wiederholen möchte scheinen Sie, da Sie das Internet als realitätsfremd hinstellen, mit ihrem Blog doch ihre eigene Aussage zu wiederlegen? Das Internet ist keinesfalls realitätsfremd, als Medium ist ein Abbild der Realität, eine möglichkeit des freien Meinungsaustausches, der Informationsbeschaffung.
Hier den typischen Kellerkind-Vergleich heranzuziehen ist absolut nicht mehr Zeitgemäß und bestenfalls populistisch zu nennen. Vielleicht haben Sie das gleiche Problem wie Politiker “ihrer Generation”, furore mit etwas zu erzeugen von dem Sie keine Ahnung haben und dem Sie sich eigentlich nicht näher auseinandersetzen möchten?

61) Nanuk, Samstag, 10. September 2011, 13:29 Uhr

“Er glaubt, Berlin habe “viele Millionen Euro” Schulden (es sind 60 Milliarden) und sagt auf die Frage nach der wirtschaftspolitischen Ausrichtung, man werde sich nur zu Themen äußern, mit denen man sich beschäftigt habe.”

Das sollten die Konservativen generel mal ins Auge fassen dann würde auch das Schuldengeheule aufhören.
Für alle die es nocht nicht kapiert haben die Schulden sind gleichzeit Guthaben.
Das noch als kleiner Seitenhieb die Meister des Geldvernichtens waren in Deutschland schon immer Konservativ…
Da gibt es auch keine Ideologischen Grabenkämpfe die Deutschen Konservativen verarschen ihre Wähler nach Strich und Faden.

62) Gregor Keuschnig, Samstag, 10. September 2011, 13:50 Uhr

Wie dünnhäutig doch diejenigen sind, die sich irgendwie als Avantgarde begreifen. Sobald man das übers sie kolportierte Klischee auch nur andeutet, reagieren sie, die ansonsten kaum eine Plattitüde in der Kritik an Andere auslassen, wie eingeschnappte Vierjährige, denen man ihre Förmchen weggenommen hat. Die “Piraten” sind die vorläufig letzte Entwicklung im Rahmen des Protestwählens. Die linke wurde von Wowereit weitgehend auf das Niveau von Schoßhündchen herunterregiert, die Grünen sind längst im Establishment angekommen und erleben derzeit ein atomares Zwischenhoch. Die Rechten kommen natürlich nicht in frage. 6,5% für die Piraten sind 6,5% in Wirklichkeit an und in dieser Politik Verzweifelte.

63) EStz, Samstag, 10. September 2011, 14:15 Uhr

22) JK, Freitag, 09. September 2011, 14:16 Uhr
Diese Unterscheidung zu ziehen – das Internet und das wahre Leben – symbolisiert für mich sehr gut ein aktuelles Problem. Manch einem ist anscheinend noch nicht bewusst, dass das Internet für viele inzwischen einfach ein Teil des _realen_ Lebens ist.
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Wenn ich im Internet statt im Laden ein Buch kaufe, bei Wikipedia statt im Lexikon nachschlage, statt eines Briefes eine Email schicke (von mir aus auch, wenn ich einen Porno aus dem Internet herunterlade, statt ihn in der Videothek zu leihen), ist das Internet, so genutzt, sicherlich Teil des “realen” Lebens.

Wenn ich mich aber darüber definiere, wie viele “Feunde” ich bei Facebook habe, meine selbsterschaffene “Netzidentität” meinen Wunschvorstellungen und nicht meiner echten Persönlichkeit entspricht, ich mich lieber in virtuellen Welten als im wirklichen Leben bewege etc, dann ist zwischen Internet und realem Leben eine Unterscheidung angebracht.

Ich kenne solche Leute, Sie sicherlich auch. An dieser Stelle hat der Satz “Viele leben mehr im (und für das) Internet als im wahren Leben” ohne Wenn und Aber seine Berechtigung.

64) Erwin Gabriel, Samstag, 10. September 2011, 14:24 Uhr

21) georg, Freitag, 09. September 2011, 14:14 Uhr

> Wowereit! … “oder das ist auch gut so!”

Klaus Wowereit ist auch nur ein Klientel-Politiker. Seine Klientel ist halt groß in Berlin.

65) David, Samstag, 10. September 2011, 15:19 Uhr

Es stimmt, die Piraten haben entweder keine überzeugenden oder keine bezahlbaren Lösungsvorschläge. Aber sie machen sich zu den richtigen Themen die richtigen Gedanken. Die anderen Parteien leider nicht.

Deswegen gebe ich am Sonntag meine Stimme nicht der CDU, sondern den Piraten, und ich hoffe, viele andere machen es ebenso. Dass im Parlament jemand mitreden darf, der von den Details und “Sachzwängen” keine Ahnung hat, halte ich für eine ausgezeichnete Idee.

66) David, Samstag, 10. September 2011, 15:26 Uhr

Ergänzung: Das ist übrigens KEINE Protestwahl von wegen “Hauptsache, was anderes!” Ich habe das Wahlprogramm der Piraten tatsächlich gelesen. Ich war überrascht, wie plausibel die tatsächlichen Probleme in Berlin darin auf den Punkt gebracht werden.

67) Enzo Aduro (@EnzoAduro), Samstag, 10. September 2011, 16:54 Uhr

Ich habe die Piraten nicht gewählt (Vergangenheitsform wegen Briefwahl), würde mich aber freuen wenn Sie im Parlament kommen. Einerseits erzwingt es dann Rot-Grün, andererseits können Sie eine Quelle der Inspiration sein, was die anderen Parteien moderner macht.

Aber das die eine Regierung bilden halte ich für falsch. Keine Partei die neu im Parlament ist sollte gleich an die Regierung, schon gar nicht wenn Sie aus Polit-Neulingen besteht.

PS: Mutation (Schaffung neuartiger Alternativen) ist teil der Evolution, der Quelle des Fortschritts. Was an den Piraten gut ist und in die anderen Parteien fließt oder gar die Piraten im Parlament hält und auch Teil der Piraten bleibt wird die Selektion (bei der nächsten Wahl, falls Sie reinkommen) entscheiden.

68) Benjamin, Samstag, 10. September 2011, 16:57 Uhr

Ich persönliche erwarte nicht viel von den Piraten, die mit keinerlei Erfahrung antreten, als Neulinge sicherlich viele (auch unangenehme) Überraschungen im politischen Betrieb erleben werden und auch kein einheitliches Konzept haben. Aber ich sehe den wahrscheinlichen Einzug in Berlin durchaus positiv, da dadurch vielleicht auch neue Impulse ausgehen und sich andere Parteien mal Gedanken machen. Wechsel ahoi!

Übrigens scheint man bei SPON auch den Blog hier zu lesen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,785385,00.html

69) irgendeiner, Samstag, 10. September 2011, 17:04 Uhr

Lieber Herr Spreng,

bis vor kurzer Zeit hielt ich sie für einen intelligenten und aufgeklärten Menschen, den zu lesen sich lohnt. Sie vertreten oft Standpunkte, die konträr zu den meinigen sind, einen gewissen unterhalterischen Wert kann ich ebenfalls nicht leugnen. Was Sie aber zum Thema “Piratenpartei” schreiben überbietet Ihre bisher zur Schau getragene (und offensichtlich zur Attitüde erhobene) Unwissenheit und Ignoranz zum Thema “Anonymität im Netz” bei weitem und hat meine Meinung über Sie erheblich geändert.

Mag sein, dass der Spitzenkandidat der Piraten von vielen Dingen “keine Ahnung hat”. Tatsache ist aber, das diese Defizite von seiner Seite offen kommuniziert werden. Nennen Sie mir Politiker der “etablierten” Parteien, die dazu den Mut haben (Uhl??).
Die Piratenpartei bietet nun mal für die jüngeren Wähler eine Alternative zu den Grünen oder den Linken, da sie als einzige Partei sich “mit den Neuen Medien” exzellent auskennt und diese auch *zur Eintscheidungsfindung* nutzt (Liquid Democracy, haben Sie davon schon mal was mitbekommen?) und das Ganze ohne ideologisch/historischen Ballast.

“…man werde sich nur zu Themen äußern, mit denen man sich beschäftigt habe.”
Huch? Und die wollen wirklich Politik machen? S.o.
“Dennoch steht die Piratenpartei in Berlin vor ihrem ersten Einzug in ein Landesparlament”
Was soll dieses “dennoch”? Vielleicht eher: “Deshalb”.

“Allen gemein ist: sie sind Heavy-User des Internets, darunter viele Freaks und Nerds.”
Mit Verlaub, das klingt nach RTL2 oder Bildzeitung. Transportiert aber auch die “Message”: die könnten ja Ahnung von dem haben, worüber sie reden (darüberhinaus (=Metainfo): der Verfasser des Artikels benutzt ‘Buzzwordgenerator 0.5/1995′).

“Rezepte und Konzepte sind dann erst recht egal.”
Die haben sie aber für Bereiche,in denen sie sich auskennen. Dadurch, dass Sie, Herr Spreng, diese Tatsache wiederholt ignorieren, wird der Inhalt Ihres Artikel nicht richtiger.

“Nirgendwo ist das IT- und Medien-Prekariat so zahlreich wie in der Bundeshauptstadt. Berlin ist die Stadt der Generation Praktikum: junge Leute, die ohne Bezahlung oder für einen Hungerlohn von Mini-Firma zu Mini-Firma ziehen”
Mich würde interessieren: Was ist das “IT- und Medien-Prekariat”? Wer gestaltet Ihren Webauftritt und wieviel bezahlen Sie dafür? Benutzen Sie in irgendeiner Form dabei Opensource Software?

Nebenbei, falls Sie mit mir persönlich in Kontakt treten möchten: jeder halbwegs fähige ITler kann ihnen meine EMailadresse beschaffen. Ich möchte nur nicht, das ich mit einer einfachen Anfrage an Google “enttarnt” (um Ihren reisserischen Wortschatz zu benutzen) werde.

“Die Piraten sind halt die Partei des Internets, sie sind neu, nicht etabliert, modern. Ahnung kann da nur stören.”
…das schmerzt…
Sie, Herr Spreng, sollten sich ein Beispiel nehmen und auch nur zu Themen äussern, bei denen Sie sich auskennen (z.B. Wahlkampfleiter, oder hatten Sie da einfach nur Glück?)

mit freundlichen Grüssen
irgendeiner

P.S.: Ich würde die Piraten nicht wählen, da ich zu Thema Urheberrecht ein andere Meinung vertrete.

70) sk8erBLN, Samstag, 10. September 2011, 18:32 Uhr

ach ja, ich hatte bei der faulen inzwischen Doktorbefreiten Blondine von den Mövenpig doch glatt ihre herausragende Wirtschaftskompetenz vergessen. Die sei hier noch mal extra erwähnt, so von wegen Ahnung haben.

Silvana Koch-Mehrin (inzwischen ex-promovierte Volkswirtschaftlerin) Schuldenschätzung bei Hart aber Fair 05.05.2010
http://www.youtube.com/watch?v=Pt8zp3AKPac

Und die Finanzgenies in der Regierung muss ich gleich auch noch erwähnen, die sind jetzt auch so weit mit ihren Erkenntnissen WOW -was für Blitzmerker! :

Schäuble stellt sich auf Griechenland-Pleite ein

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,785545,00.html

Na da sage ich nur der Spitzenkandidat, dessen Namen Sie hier nicht erwähnt haben, Andreas Baum, liegt doch richtig gut mit seinen “vielen Millionen” gegen die vorgenannten Genies.

Und auch bei SPON hat man Ihnen inzwischen attestiert: “Hat Spreng etwa Recht? Wird da ein völlig unvorbereiteter Haufen künftig über das Schicksal der Hauptstadt mitentscheiden?

Womöglich machen Spreng und all die Spöttler sich die Sache etwas zu einfach. ”
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,785385,00.html

Am schönsten aber ist der Ritterschlag durch his highness Wowi himself
“Wowereit warnt vor der Piratenpartei
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat eine Woche vor der Landtagswahl in der Hauptstadt die Bürger vor der Wahl der Piratenpartei gewarnt. „Die Menschen sollten sich sehr gut überlegen, ob sie aus reinem Protest für eine Partei stimmen, die ihren Spitzenkandidaten durch Los bestimmt und zu den wesentlichen gesellschaftlichen Themen ein völlig unklares Profil hat“, sagte Wowereit der „Bild am Sonntag“.

Hihi, gabs da nicht mal so eine komische Kampagne ” Bild Kämpft für Sie!”?

Klarmachen zum Ändern :-P

71) Peter Christian Nowak, Samstag, 10. September 2011, 20:17 Uhr

Haben die Piraten praktikable Antworten auf die Staatsschuldenkrisen, zunehmende Verarmung in den Industriestaaten, Arbeitslosigkeit in den europäischen Mitgliedsstaaten, auf die horrenden Kosten der Energiewende, auf die Globalisierung überhaupt, usw.?
Wo liegen die Kernkompetenzen, die die Antwort auf die Probleme siind?
Mehr Bürgerbeteiligung und mehr Transparenz? Und reicht das aus?

72) Ostpirat, Samstag, 10. September 2011, 20:53 Uhr

Anlass dieses Artikels ist ein ein Artikel auf dem von mir gern gelesenen Blog “Sprengsatz” des politischen Journalisten Michael Spreng unter der Überschrift”Der Erfolg der Piraten”

Hier nun meine Erwiderung. Sicher nicht so eloquent wie beim Profi M. Spreng.

Nun, lieber Vitalienbruder Spreng,

oder soll ich Sie lieber als “Pfeffersack” titulieren? ;) Bisher habe ich Ihren Blog mit größter Aufmerksamkeit verfolgt und seien Sie sicher, das wird auch in Zukunft so bleiben.

Was Sie in Ihrem Artikel zu den Piraten geschrieben habe, das habe ich vor 25 Jahren schon gelesen. damals hiessen die “Piraten” “Grüne”. Und die waren ahnungslos, usw. usf. Und sie hatten EIN KERNTHEMA : Die Atomkraft.
Dann kamen die Grünen in die Parlamente aus denen sie mancher noch mit “Dachlatten prügeln” wollte. Und heute will eben jemand anders aus eben diesen Grünen die Piraten “resozialisieren”. Na? läuten da die Glocken?

Ich bin kein Nerd, ich stehe Technik mit kritischer Distanz gegenüber, immer die Frage auf den Lippen “Wem dient es?” Mein Latte Macchiato Konsum begleitet vom Laptop hält sich in überschaubaren Grenzen. Und doch bin ich mit meinen 59 Lenzen bei den Piraten. Warum? Das könnte man lang erörtern.

Ich fasse es zusammen. Man kann sich über die Parteien des Bundestages trefflich streiten. Vier der fünf Parteien sind für mich schlicht unwählbar.

Die “Fast-Drei-Prozent” ehemals FDP genannt, haben sich selbst ins politische Abseits geschossen und das zu recht. Glauben Sie jemand wählt eine Partei die ALG II Empfänger als “römisch dekadent” bezeichnet? Oder meinen Sie dass jemand ernsthaft eine “Lieferpartei” wählt deren “Leistungen” nicht einmal das Prädikat “Heiße Luft” verdienen? Nur die dümmsten aller Kälber wählen ihre Schlächter selber.

Die CDU steht bei mir total im Abseits. Die Gründe sind so vielfältig, dass es Ihren Blog sprengen würde (ein Sprengsatz gewissermassen ;) ). Aber nehmen wir ein Beispiel: Wer sieht, wie ein Minister mit “Erinnerungslücken” in der Parteispenden-Affaire genau den “Spitzenbeamten des BMFi” zum Chef-Volkswirt der EZB machen will, der mit seinem “segensreichen” Wirken ein gerüttelt Maß an Verantwortung für den EU-Finanz-Augiasstall hat, wer das sieht, dem verdorrt die Hand wenn er das Wahlkreuz bei der CDU machen will.

Warum also nicht die Sozen? Reicht das Wort “Agenda2010″? Nicht? Dann vielleicht Deregulierung des Arbeitsmarktes? Oder das Ermöglichen sog. “innovativer Finanzinstrumente” ? – na prima.

Also die Grünen? siehe dazu die Sozen.

Bliebe die Linke. Stimmt, aber was zu der zu sagen bleibt, das können Sie meinem Kurzblog unter http://ostpirat.tumblr.com entnehmen. Mal ein wenig nach dem Artikel “Die Linke und ihr unbewältigtes Erbe – Warum ich Pirat wurde und sie auch wähle” suchen. Das kann man auch als “Journalist 1.0″ schaffen, nur Mut.

Man kann natürlich in einer lebendigen Demokratie nicht nur gegen alles sein. Stimmenthaltung oder gar Nichtwählen hilft nur den Kräften die man nicht auf dem politischen Parkett sehen will (Meck-Pomms NPD läßt grüßen). Ein Schauspieler den ich als Schauspieler sehr schätze, dessen Vorliebe für 3%-Splitterrparteien ich aber nicht teile, Herr Sky du Mont, hat es in einer Fenrsehdiskussion seinerzeit auf den Nenner gebracht. “Nur meckern reicht nicht.” sagte er. Nach langen Jahren politischer Abstinenz habe ich mich aufgemacht mich nun wieder öffentlich politisch zu betätigen und das in einer “Spinnerpartei”, den “Piraten” eben.

Wäre es Ihnen und den Ihnen nahestehenden “demokratischen Parteien und Gruppierungen” lieber ich hätte mir den Schädel geschoren und wäre mit “Deutschland den Deutschen, Ausländer raus”-Gegröhle durch die Landschaft gezogen? Ich glaube kaum.

Natürlich wäre es bequemer ich säße zuhause hinterm Ofen und käme alle 4 Jahre “zum Falten” an die Urne. Aber den Gefallen tue ich keinem. Gut, mit 59 hat mich Frau von der Leyen endlich mit ihrem “50Plus”-Phantasieprogramm beglückt. Dank dessen bekommt ja auch jeder Arbeitswillige Arbeit in Hülle und Fülle. Bedauerlicherweise kann man von einem dieser Jobs nicht leben.

Sehen Sie was? Merken Sie was Herr Spreng? In mir nagt nicht ein Zweifel an den im Bundestag vorhandenen Parteien, ich halte sie samt und sonders für überwiegend unfähig. Und ich denke eine neue Partei kann das ganze prima aufschrecken.

Sie haben mich erwischt, ein Bürgerschreck bin ich. Ein Bürgerschreck bin ich und meine Vitalienbrüder und -schwestern aber nur, solange das politische Deutungsmonopol der Etablierten noch gilt. Und genau dieses Deutungsmonopol ist gnadenlos am Bröckeln. Und dieses Bröckeln haben sich die Bundestagsparteien selbst zuzuschreiben.

Wie hat es einer meiner Vitalienbrüder so treffend gesagt? “Wir sind nicht so erfolgreich weil wir so gut sind, wir sind erfolgreich weil die anderen so erbärmlich schlecht sind”.

In diesem Sinne “Ahoi und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und … alles klar zum Ändern.” Vielleicht klappt es demnächst schon in Berlin.

73) Peter Christian Nowak, Samstag, 10. September 2011, 20:56 Uhr

@22JK

^^Manch einem ist anscheinend noch nicht bewusst, dass das Internet für viele inzwischen einfach ein Teil des _realen_ Lebens ist.^^

Und weil das so ist habe ich meine Zweifel, ob aus der virtuellen Realität nicht eher Gefahren als Nutzen entstehen. Was,wenn die virtuelle Welt dem realen Leben nichts mehr entgegenzusetzen hat?
Flüchtet man sich nicht eher in eine fiktive Gemeinschaft, wo man sich ohne Gegenüber sitzt? (wie auch hier in diesem Blog z.B.)
Und ist die Gefahr , nebenbei bemerkt, des Narzissmus dahingehend besonders groß, wenn es eigentlich nur bei einem Ich-Ich-Kontakt bleibt?

74) parker, Samstag, 10. September 2011, 23:39 Uhr

bild und RTL niveau vom feinsten hier. jetzt versteh ich auch endlich, warum sie redakteur bei der bild wurden.

freaks und nerds. lassen sie mich raten: die waschen sich auch nicht. und spielen alle world of warcraft. und egoshooter, und haben pickel, sind erfolglos (generation praktikum), wissen nicht was sie mit sich anzufangen wissen, deshalb “irgendwas mit medien”.

tolle eindimensionale weltsicht, eins zu eins bildniveau.

75) Tauss, Sonntag, 11. September 2011, 08:36 Uhr

Bitte nicht ganz so selbstgerecht und oberflächlich. Es geht #Piraten um Transparenz in der Politik und um mehr Bürgerbeteiligung. Ich habe dessen ungeachtet lebhafte Zweifel, ob alle MdB auf Anhieb die Schulden des Bundes (auch ohne “Schattenhaushalte”) benennen könnten. Und der letzte schwarzgelbe Wirtschaftsminister des Landes BaWü war in der Geißler – Schlichtung zu Stuttgart 21 nicht in der Lage, das BiP des Landes zu beziffern. Da ist mir ein ehrlicher Pirat wesentlich sympathischer.

76) Milan, Sonntag, 11. September 2011, 08:57 Uhr

Billig auf Vorurteile aufbauend, ohne Witz, ohne Finesse, herabwürdigend und frei von neuen Erkenntnissen.
Das ist Bild-Niveau oder um es anders zu formulieren unterstes Niveau.

Ein RSS-Feed Abonnent weniger!

77) Valentin Hussong, Sonntag, 11. September 2011, 09:00 Uhr

Es wirkt natürlich wenig professionell, dass der Piraten-Vertreter den aktuellen Schuldenstand nicht aus dem Stand runterbeten konnte. Das lässt sich mit etwas Medientraining sicher schnell beheben.

Man kann den Piraten an der Stelle vielleicht zu Gute halten, dass sie im Gegensatz zu den etablierten Parteien wenigstens nicht schuld an der Misere (Bankenskandal etc.) sind.

78) sk8erBLN, Sonntag, 11. September 2011, 09:37 Uhr

@ 71) Peter Christian Nowak, Samstag, 10. September 2011, 20:17 Uhr

“Haben die Piraten praktikable Antworten auf die Staatsschuldenkrisen, zunehmende Verarmung in den Industriestaaten, Arbeitslosigkeit in den europäischen Mitgliedsstaaten, auf die horrenden Kosten der Energiewende,”

Müssen sie?

Ähh es geht, so ich das richtig erinnere, um die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, nicht darum die Bundesregierung oder die zukünftige Regierung Europas zu stellen. Ja nicht einmal die Regierung in Berlin.
Mal ganz abgesehen davon dass weder Die Bundesregierung noch die EU Kommission die Lösung auf die Staatsschuldenkrise hat. Interessant dass bei Ihnen in dem Zusammenhang die Finanzkrise als maßgeblicher Mitverursacher der Staatsverschuldung unter den Tisch fällt. Ohne dass die dort gesetzten Probleme angegangen werden lohnt nicht mal die ansatzweise Betrachtung wie die Staatsschuldenkrisen in den Griff zu bekommen sind. Die wachsen einfach weiter, Wachstum ist ja tolll und die Finanzindustrie hat ja einen Vorzüglichen Weg entdeckt ihr Ponzi Schema noch eine Weile spielen zu können, nachdem innerhalb des Finanzsystems die Karten eigentlich ausgereizt waren.

79) Frankilein66, Sonntag, 11. September 2011, 09:49 Uhr

Das Internet ist nunmal eine relevante gesellschaftliche Realität. Insofern finde ich es nur folgerichtig wenn sich das auch in den Parlamenten abbildet. Ich gönne der Piratenpartei den Einzug in das Berliner Abgeordnetenhaus. Ob sie eine ähnliche Entwicklung wie die Grünen nehmen werden bezweifliche ich jedoch, dazu scheint mir der organisatorische Unterbau zu wackelig zu sein.

@ m.spreng

Da sehen sie mal wie das heutzutage ist, eine provokante Äußerung (Freaks und Nerds) und gleich stürzen sich Kommentatoren und andere Medien (SPON) darauf und grillen sie auf kleiner Flamme.
Sebastian Edathy läßt grüßen, wirklich eine absurde Posse!

80) Boomel, Sonntag, 11. September 2011, 10:35 Uhr

Wer hat dem Autor das Internet gezeigt? Hätte es nicht gereicht das irgendwo in der Gosse anzuschlagen?

:)

81) jmb, Sonntag, 11. September 2011, 10:43 Uhr

Meine erste (sprachlose) Reaktion auf dieses Machwerk war, hätte er geschwiegen, wäre er […] geblieben. Was wird hier denn über den merkwürdigen P-Verein ausgesagt ?

Zitat : “Allen gemein ist: sie sind Heavy-User des Internets, darunter viele Freaks und Nerds.”

Wenn Sie, Herr Spreng etwas über die PP zu berichten hätten, hätten Sie es in diesem Beitrag erledigen können, so aber, Chance vertan oder garnicht erst versucht, ist meine Vermutung.

Zitat : “Die Piraten sind halt die Partei des Internets, sie sind neu, nicht etabliert, modern. Ahnung kann da nur stören.”

Gibt es aus Ihrer Sicht noch Kriterien für die Sinnfälligkeit von Parteien ? Wenn ja, bitte “liefern”, “seibern” können Sie getrost anderen überlassen (Infranet dimap etc).

82) Gregor Keuschnig, Sonntag, 11. September 2011, 10:58 Uhr

@74/parker
Und verwenden nur Kleinbuchstaben…

83) kalas, Sonntag, 11. September 2011, 11:24 Uhr

sehr geehrter herr spreng,
vielen dank für ihre einschätzung. ganau wegen der von ihnen genannten gründe, gehören die piraten ins abgeordnetenhaus. die zeit wird es richten und mit der zeit werden auch die richtigen leute zu den piraten finden, die das themenspektrum der partei positiv erweitern.
bis dahin hoffe ich, das viele wähler den piraten ihre stimme anvertrauen und das die fdp weiter in der bedeutungslosigkeit verschwindet.

einen schönen sonntag

84) Michael A. Nueckel, Sonntag, 11. September 2011, 13:25 Uhr

Ohlala, doch ist dieser Artikel vom Freitag ist alsbald heute im Lichte der 18.05 h-Wahlprognose bereits Makulatur:

1) Die ehemals -FDP-intern- á la “sex sells” Frontfrau (ex Dr.) Koch-Mehrin hatte in einer der “hart aber fair”- Sendungen den erfragten Anstieg der Verschuldung während der 90 Minuten Sendezeit mit “nur” 8.000 EUR ebenfalls grandios vergeigt.

2) Wie die ganze FDP sich bestenfalls nur als 1-Thema-Partei, neuerdings mit Lieferverzug, darstellt.

3) Wenn eine “neue” Partei derart schnell den Einzug in ein Landesparlament schafft, sprich “aufsteigt”, so darf man weinen und lachen zugleich:
a) Um die etablierten Parteien steht es sehr schlecht.
b) Es herrscht Wettbewerb, die Systeme sind noch offen.

4) Neueinsteigerparteien müssen Ihre politische Kernkompetenz in neuen Politikbereichen unter Beweis stellen, bei den bewährten Themen sind die den etablierten Parteien hoffnungslos unterlegen.
Oder war das mit GRÜN damals anders?

5) Das Netz ist kein isoliertes Thema, sondern ein vielfältiges Querschnittsthema mit Lebensbezug zu fast allen herkömmlichen Lebensbereichen. Und es gut, wenn eine Partei den Focus hierauf ganz besonders mit erfrischendem Mut/Engagement legt.

6) … ich frage mich schon heute, was kommt nach den Piraten?

85) tschill, Sonntag, 11. September 2011, 13:35 Uhr

Das stimmt vollkommen, Herr Spreng. Die CDU hat Ahnung in Wirtschaftsfragen (läßt sich von Experten wie Ackermann die Gesetze diktieren), die SPD ist sozial top (Einführung von Hartz IV), die FDP ist und die Grünen haben ihre Kernkompetenz Pazifismus unter Beweis stellen können (von Jugoslawien nach Afghanistan). Ganz anders also als diese Zweithemenbewegung Die Piraten. Und überhaupt: Digitale Bürgerrechte kann doch eh jeder Politiker en passant miterledigen: http://tinyurl.com/5unthob

86) Mark, Sonntag, 11. September 2011, 13:37 Uhr

Heute meldet sich der ehemalige Noch-Nicht-Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, im SPIEGEL zu Wort: “Natürlich müssen die Deutschen zahlen”, und er meint natürlich und völlig alternativlos die Rechnung für die Euro-Rettung.

Allein dieser eine Satz macht eine Menge klar, und eigentlich muss man Herrn Steinbrück für diese Klärung danken:

1. Der Zulauf zu nicht-etablierten Parteien, z.B. den Piraten, wird unvermittelt weitergehen, weil viele Wähler die Nase gestrichen voll haben von der Selbstverständlichkeit, mit der hier Geld in dunkle Kanäle geschoben wird.

2. Peer Steinbrück ist vermutlich sehr leichtsinnig gewesen bei diesem Interview. Seine von den deutschen Systemmedien nachgesagte Popularität scheint ihm zu Kopf gestiegen zu sein. Wer sich dazu hinreissen läßt, solche Sätze von sich zu geben, der versteht entweder nicht, wie Politik in Deutschland funktioniert, oder er leidet an chronischer Hybris. Oder beides. Damit hat er sich als Kanzlerkandidat in meinen Augen disqualifiziert. (Man lehnt sich einfach nicht gegen 3/4 der Wähler auf.)

3. Die SPD bringt dieses Zitat nun in Zugzwang. Hält sie an Steinbrück fest, werden sich die Umfragewerte wieder auf Post-Schröder-Werte reduzieren. Dies ist zwar immer noch viel zuviel, wird aber die Partei in eine ähnliche Krise wie die FDP stürzen. Allein die Stammwählerschaft (deren Motive ich nicht verstehe) vermag den bevorstehenden tiefen Fall abzumildern.

4. SPD, Grüne, und Union sind austauschbar geworden. Sie stehen für die gleiche Politik eines sozialistischen Europas (EUDSSR), die planwirtschaftlich alles aus Brüssel heraus diktieren will. Die Grünen machen ja auch keinen Hehl daraus, dass ihnen nicht viel an Deutschland liegt. Unwählbar sind sie alle drei. Die Motive der Union bleiben mir jedoch schleierhaft. Wie konnte sie so schnell und rabiat von ehemals konservativen Werten abrücken? Meine Vorhersage bleibt eine große Koalition, auch wenn dies derzeit noch von der SPD dementiert wird.

5. FDP und Linke stellen sich (in Teilen) gegen den Trend, wenngleich aus unterschiedlichen Motiven. Beide bleiben interessant. Die FDP verdient aber erst dann weitere Beachtung, wenn sich dort endlich die Erkenntnis durchsetzt, dass sie sich schnell zur klar Euro-kritischen Partei wandeln muss, was mit innerparteiichen Schmerzen verbunden ist (Genscher!). Das Platzenlassen der Koalition wäre aber ein guter Ansatzpunkt, um Glaubwürdigkeit in diesem Punkt zu vermitteln.

Kurzum: Es braucht wirklich neue Politiker und neue Parteien, die eine andere, bürgernahe Politik betreiben. Mit den bestehenden Parteien ist im wahrsten Sinne des Wortes kein Staat zu machen. Daher wünsche ich den Piraten und ALLEN anderen kleineren Parteien viel Erfolg in Berlin!

87) Peter M., Sonntag, 11. September 2011, 14:12 Uhr

So undifferenziert, klischeebehaftet und oberflächlich ist man das ja gar gewohnt hier auf dem Sprengsatz…

Allgemeinhin einer der schlechtesten Artikel wie ich finde, vor allem weil ich das Gefühl habe, dass Sie die Folgen unterschätzt haben.

Spannend vor allem: Blogger zu sein und doch eher herablassend und distanziert auf die Internetgemeinde zu schauen. Das passt nicht zusammen wie ich finde. Sich ein Medium zu nutze zu machen, daraus resultierend eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen und dennoch zwischen den Zeilen so viel Abneigung demgegenüber zu zeigen. Da blickt dann doch mal wieder die Bild-Vergangenheit durch. :-)

Schade ist hierbei, dass das eigentliche Thema in dem Artikel verloren gegangen ist. Der erste Satz sagt doch schon alles aus: Die Piraten haben in großen Teilen kein Ahnung von Politik und sind vielmehr immer noch nur eine Bürgerbewegung. Und dennoch: Es gibt einige gute Gründe sie zu wählen, auch wenn weitaus mehr dagegen spricht.

88) m.spreng, Sonntag, 11. September 2011, 14:32 Uhr

@Peter M.

Danke für Ihren Kommentar. Er gibt mir Gelegenheit, meine Position zum Internet (und daraus resultierendenen Bewegungen) klarzustellen. Ich gehöre keiner Gemeinde an, weder der Internet-Gemeinde, noch einer katholischen oder evanglischen. Das Internet hat für mich nichts Gott- oder Götzenähnliches, sondern es ist ein (wichtiges und unverzichtbares) Werkzeug, ein Medium. Für mich ist es die verlängerte journalistische Werkbank.

Ich informiere mich im Internet, recherchiere, versende und empfange Mails. Ich habe meine Freunde nicht bei Facebook, sondern im wahren Leben. Die “Süddeutsche” zum Frühstück ist mir nach wie vor wichtiger als “Spiegel-online”. Täglich verbringe ich etwa zwei Stunden im Internet. Deshalb besteht auch keine Suchtgefahr. Ich halte es wie mit dem Fernsehen: zu viel schadet nur. Ich spiele auch keine Computerspiele, sondern Backgammon mit meiner Frau oder Skat mit Freunden.

Dass das Internet auch neue und notwendige politische Partizipationsmöglichkeiten eröffnet, das habe ich schon vor zweieinhalb Jahren geschrieben und gefordert. Dennoch stehe ich einer “internet-Partei” wie den Piraten (und vielen ihrer Anhänger) sehr kritisch gegenüber. Und mancher Kommentar bestärkt mich darin.

89) egal, Sonntag, 11. September 2011, 15:58 Uhr

Na, nach diesem Kommentar von Ihnen habe ich ja mit meinem Kommentar (31) mit

“Kritiker überzeugt man nicht, man überlebt sie”

voll ins Schwarze getroffen ;)

Die Unverständnis und auch die herausgestellte Abneigung für diese Internet-Generation scheint nämlich wirklich altersbezogen sein. Sicherlich muss man nicht jeden “Trend” mitmachen, aber etwas mehr Verständnis und Offenheit kann man doch von einem intelligenten Mensch erwarten.

Vermutlich müssen auch für Sie nur einige Jahre vergehen, um das Internet nicht mehr nur als Arbeitsgerät zu sehen, sondern die Vernetzung der Menschen und von Information auch für Sie als dessen fundamentale Aufgabe zu erkennen.

90) StefanP, Sonntag, 11. September 2011, 17:46 Uhr

Sieht man das Potpourri an Kommentaren, kommt man kaum um die Ansicht herum, Bloggergemeinden litten an Schizophrenie. Und vielleicht ist es das, was manche meinen, wenn sie das Verständnis der Piraten fürs Internet loben.

Ich lasse mich gerne korrigieren, aber ein wesentlicher Kritikpunkten an unserer heutigen Parteienlandschaft (minus Linkspartei von Freunden nostalgischer sozialistischer Klänge und minus Piraten aus Naivitätsgründen) ist, sie hätten von der Materie, über die sie entschieden keine Ahnung und wären abgehoben. Wer jedoch die Naivität von Neu-Parteien lobt, erfreut sich über die Ahnungslosigkeit von jenen, von denen sie bald regiert werden möchten.

Ich weiß nicht, was es am Internet zu verstehen oder nicht zu verstehen gibt – und ich bin täglich stundenlang im Netz. Das eigentliche Leben, daran kann noch so viel neuer Schnickschnack nichts ändern, findet immer noch außerhalb der virtuellen Gemeinde statt. Echte Freundschaften lassen sich nicht auf http://www.freunde.com bilden und erhalten, Liebe und Sex, selbst mit sich selbst, gibt es nicht wirklich auf http://www.xxx.de. Vermögen wie Schulden sind höchst real, im Zweifel wird einem das der Zwangsvollstrecker demnächst bestätigen.

Tatsächlich empfindet die Generation Internet sich als elitär, ein besonderer Kreis, deren “Riten” Außenstehende halt nicht verstehen. Etwas Besonderes, weil schließlich immer noch nicht alle sich beim “Surfen” zurecht finden.

Einige Forderungen, die das Elitäre unterstreichen:
1) Wir stärken die vorhandenen Möglichkeiten der direkten demokratischen Beteiligung
Wie bereits beschrieben: direkte Demokratie ist was für jene Informierten oder Pseudoinformierten, für Lobbyisten aller Couleur. Alle anderen verlieren in dieser Art von Demokratie an Gewicht.

2) Wir wollen, dass sich alle Belange von Politik und Verwaltung nach ihren Interessen richten.
Im Zweifel bestimmt das Interesse der Bürger die Partei.

3) Wir werden die Berliner Verwaltung an den Zeitgeist, der durch Netzkultur und Mitbestimmung geprägt ist, anpassen.
Viel Spass mit der besonderen Berliner Beamten-Mentalität.

4) Wir werden den Aufbau eines Freifunknetzes in Berlin unterstützen. Das auf der W-LAN-Technologie basierende Netz ist unabhängig von staatlicher Kontrolle und Zensur, zeitlich unbegrenzt verfügbar. Freifunknetze sind in der Nutzung kostenfrei und ermöglichen daher auch sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten die Teilnahme am Netz.
.. die häufig gerade nicht das Internet als Informationsquelle nutzen.

5) Wir streichen die Regelstudienzeit
Klar, Nachweis von Wissen ist blöd, wichtig ist, dass man für sich selber weiß und das von anderen bezahlt wird. Z.B. von der Verkäuferin, der Halbtags-Erzieherin usw.

6) Die PIRATEN Berlin begrüßen den Kiezcharakter, die bunte Vielfalt in dieser Stadt. Wir wollen diese erhalten und fördern
Kurz: alles soll so bleiben wie es ist, Veränderung ist schlecht. Und zwar gerade in den Millieus, wo potentielle Wähler der Piraten zuhause sind. Sollte man die Leute dann zwingen, dort wohnen zu bleiben, wo sie sind (zur Erhaltung des Kiezcharakters und so)?

7) Wir stärken die Mieter gegenüber Eigentümerinteressen.
Wer baut dann eigentlich noch Wohnungen, wer soll die teuren Vorstellungen vom umweltfreundlichen Wohnen umsetzen?

8) Stopp der Verfolgung von Schwarzfahrern. Aus ökonomischer Sicht ist die Verfolgung von Schwarzfahrern für Berlin schädlich.
Mord zu verfolgen ist auch sehr teuer, also sollte darauf verzichtet werden. Trittbrettfahrertum ist dort gut, wo die eigenen Wähler sind.

9) Fahrscheinlose Nutzung ÖPNV zum Nulltarif
Jupps, die paar Milliarden pro Jahr müssen einfach noch drin sein.

Insgesamt ein Programm nach dem Motto, was Teilen gefällt.

91) Christian Maier, Sonntag, 11. September 2011, 17:54 Uhr

Wie sich die Dinge doch wiederholen….. Ersetzt man ‘die Piraten’ durch ‘ die Grünen’ wird mir der ein oder andere der die vierzig schon hinter sich hat sicher zustimmen, daß wir das alles doch schon mal gehört haben. Schade nur, daß Holger Börner nicht mehr lebt, bei dem könnte sich Herr Spreng die Rezepte holen wie man mit so einem Parteien-Phänomen umgeht. Der könnte dann auch gleich erklären wie man nur ein Jahr später zurrückrudert ( Stichworte: Verhandlungstisch, Fotomontage,Naßrasierer. Wer sich nicht erinnert kann’s googeln).

92) Peter Christian Nowak, Sonntag, 11. September 2011, 20:57 Uhr

@ Mark

Bleibt die Frage, ob es derzeit überhaupt eine Partei gibt, die Antworten auf die Probleme hat. Früher hatte die Politik mal schlechte, mal gute Lösungen anzubieten. Heute hat man fast den Eindruck, daß die Politik, so wie sie einmal konzipiert war, nämlich als demokratisches Instrument, keine Lösungen mehr anbieten kann, obwohl sie es gern tun möchte.
Ich glaube, daß insgesamt das System Demokratie vor einer Zerreissprobe steht. Es wird sich zeigen, ob sie dem ungeheuren Druck fremden Einflusses standhält. Oder ob sie durch ein aus den Fugen geratenes internationales Finanzsystem ersetzt wird.

93) irgendeiner, Sonntag, 11. September 2011, 21:08 Uhr

@m.spreng88
” Für mich ist es die verlängerte journalistische Werkbank.
Ich informiere mich im Internet, recherchiere, versende und empfange Mails”

Diese Scheuklappen zeigen, dass Sie offenbar nicht ansatzweise verstanden haben, was das Internet als Werkzeug bedeutet, was es als Demokratisierer kann und wozu es bzgl. gesellschaftlicher Belange in der Lage wäre; und wozu es technisch in der Lage ist. “Inter- Net”: Verschiedene Netze, verschiedene Aufgaben/Funktionen. Sie kennen wahrscheinlich nur den kleinen Teil, der als “www” bekannt ist, kommerzialisiert ist und sind der Meinung, dieser Teil wäre “Das Internet”. Daran ändert auch die Benutzung von EMail nichts. Und nein: es hat nichts mit Götzenanbetung zu tun, wenn man mehr darüber weiss.

“Dass das Internet auch neue und notwendige politische Partizipationsmöglichkeiten eröffnet, das habe ich schon vor zweieinhalb Jahren geschrieben und gefordert”
Auch hier unterstelle ich Ihnen: nichts verstanden. Das Netz ist mehr als Fernsehen in zwei Richtungen. Ihrem Verständiss dieser Technik nach könnte man die nächste Wahl auch per TED stattfinden lassen.

Facebook ist übrigens nur eine Website unter vielen…
Worin besteht der Unterschied, ob ich Nachrichten/Zeitung am Bildschirm lese oder auf Papier? Das ist letztendlich nur eine Frage des Lebensstiles.

94) Erwin Gabriel, Sonntag, 11. September 2011, 21:50 Uhr

@ alle Aufgeregten hier

Ich habe in jungen Jahren “Grün” gewählt, weil ich das Thema Umwelt für wichtig hielt – in der Hoffnung, dass die von mir gewählte Chaos-Truppe nicht gleich den Bundeskanzler stellt. Ich habe auch viel Verständnis für jeden, der heute die Piraten wählt. Und wer weiß, vielleicht mache ich bei der nächsten Wahl dort auch mein Kreuz, anstatt daheim zu bleiben. Das Thema Datenschutz ist zu wichtig, als es den Schäubles und Zuckerbergs dieser Welt zu überlassen.

Mag ja sein, dass Herr Spreng Unrecht hat mit der zukünftigen Entwicklung der Piratenpartei. Und wenn schon – Meister Spreng ist ja nicht als weltweit einziger Oberrechthaber der deutschen Politszene unterwegs, sondern als politischer Kommentator. Er hat (wie viele andere Kommentatoren hier) eigene Erfahrungen, eine eigene Meinung, einen eigenen Blickwinkel. Das sollte von allen anderen Mitkommentatoren genauso respektiert werden, wie Herr Spreng andere Meinungen und “gegnerische” Kommentare respektiert. Wer seinen anderen Standpunkt mit Argumenten statt mit Häme vertreten kann, der soll das tun. Alle anderen sollten lieber erst mal ‘ne Runde um den Block drehen, bevor sie sich an vor die Tastatur klemmen.

Dieses aufgeregte Rumgeschnaufe hier erinnert mich doch sehr an meine beiden Teenager-Töchter. Die regen sich nämlich immer dann am lautesten über “den Alten” auf, wenn der mal Recht hat.

95) Bernd S., Sonntag, 11. September 2011, 23:29 Uhr

Ach, Herr Spreng, lassen Sie doch die Piraten das Abgeordetenhaus entern. Die fliegen bei der nächsten Wahl hinaus, wie sie diesmal hineinkommen werden. Dann haben sie und ihre Anhänger eine Erfahrung fürs Leben gewonnen, nämlich: Nimm dich nicht so wichtig, wenn du nichts zu bieten hast.

Danke übrigens für Ihre Klarstellung (#88), wie Sie so Ihr Leben gestalten – wie ein normaler Mensch halt, der das Internet zweckgerichtet nutzt, aber nicht von ihm aufgefressen ist.

Ich grüße

96) Ostpirat, Sonntag, 11. September 2011, 23:37 Uhr

Hallo Herr Spreng,

schon gemerkt? Niedersachsenbeugt sich nicht dem offiziell verkündeten Main-Stream. Die Piraten haben zu Hauf Kommunalparlamente geentert. Und die FDP kann getrost unter den sonstigen Parteien eingereiht werden.

Tja, the show must go on.

97) HHmyPearl, Montag, 12. September 2011, 00:03 Uhr

Genial Herr Spreng! Danke für Ihre Hilfe.

98) Volker W., Montag, 12. September 2011, 03:59 Uhr

Ich bin PIRAT!

Nachdem ich 30 Jahre lang Politik passiv erduldet habe und der naiven Hoffnung war, daß mein Kreuzchen an der richtigen Stelle reichen würde unsere Zukunft in geordnete Bahnen zu lenken habe ich mich erstmals aufgerafft mein politisches Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Ich habe SPD, Grüne und sogar die Linken gewählt, um nur jedesmal fest zu stellen, daß kaum an der Macht, sie alle hehren Ziele verraten und den Wähler für dumm verkauft haben. Egal, ob die SPD den Sozialstaat geschleift hat, die Grünen in den Krieg gezogen sind oder ob die Linken zu Wowis Schoßhündchen wurden, die Verzweiflung als Wähler wird immer größer. Über die Totalversager der Schwarz-Geld-Koalition decke ich lieber gleich den Mantel des Schweigens…

Was sollen da die Piraten schlechter machen? Im Gegenteil, bringen sie durch ihre pragmatische Art neue Ideen in die Politik und stellen alles Dagewesene in Frage, um es auf seine Brauchbarkeit zu untersuchen. Wir nützen das Internet nicht, weil wir so technikverliebt sind, sondern weil es praktisch ist. Wir haben es damit geschafft innerhalb kürzester Zeit, mit recht bescheidenen Mitteln, eine Partei deutschlandweit aus dem Boden zu stampfen und die Mitglieder unter einander zu vernetzen. Wir arbeiten ganz selbstverständlich kooperativ zusammen und schreiben z.B. auf dem Piraten-Pad gemeinsame Texte, nützen Crowd-Sourcing für die Bearbeitung von Problemen und versuchen uns vorher über ein Thema schlau zu machen, bevor Entscheidungen gefällt werden.

Diese von ihnen als Freaks und Nerds verunglimpften (IT)-Spezialisten sind es gewohnt lösungsorientiert zu arbeiten – in der Politik ein ganz neuer Ansatz! Dazu müssen alle Fakten auf den Tisch um sich ein Bild machen zu können und dann wird das Problem entschlossen angegangen – da bleibt kein Platz für Hinterzimmerpolitik und Mauscheleien. Bei den Piraten ist alles offen: Parteitage, Vorstandssitzungen, Beschlüsse, Arbeitsunterlagen – alles befindet sich im Netz, für jedermann einsehbar und zum großen Teil auch bearbeitbar. Wir sind eine Mitmachpartei!

Diese Arbeitsweise übertragen wir auch in die Parlamente und haben damit auch meist keine Probleme Mitstreiter zu finden, die dort unsere Ideen unterstützen. Sei es nun neuartige Methoden der Bürgerbeteiligung oder die Offenlegung aller Publikationen, die Piraten bringen jede Menge neuer Ideen mit, die sich schon alleine aus unseren Kernthemen “Transparenz”, “Schutz der Grundrechte” und “Bürgerbeteiligung” ergeben. Die IT-Kompetenz der Piraten wird gerne in Anspruch genommen und wie das Bankenwesen funktioniert werden wir wohl eher herausfinden, wie die etablierten Parteien… :-)
Piraten sind nicht Links und nicht Rechts – wir sind Vorne!

In Hessen bringen schon 31 Mandatsträger frischen Wind in die Kommunalparlamente und in Niedersachsen werden demnächst um die 50 weitere Piraten dort ihre Arbeit aufnehmen. Berlin wird sehr wahrscheinlich nächste Woche als erste Landesverband folgen. Leider blockieren die großen Parteien mit der willkürlichen 5%-Hürde den Entstehung und Etablierung neuer Parteien – aber wir arbeiten daran…
Wir wollen nicht mit leeren Versprechungen und Hochglanzprospekten überzeugen, sondern durch unsere Arbeit für den Bürger. Laßt uns mal machen…

PIRATEN – die Alternative in der Alternativlosigkeit!

Ich bin PIRAT…
…und ich bin froh mit Gleichgesinnten endlich etwas bewegen zu können!

Volker W.

99) Volker W., Montag, 12. September 2011, 04:12 Uhr

PS. Zur Arbeitsweise der Piraten:
Ein PIRAT hat dann mal schnell eine App geschrieben, die nun auf dem Handy die Berliner Schulden centgenau anzeigt.
Andreas Baum kann ihnen nun jederzeit den derzeitigen Schuldenstand sagen…
…aber weniger werden die davon auch nicht…
…darum kümmern wir uns dann übernächste Woche…

Volker W.

100) Jack Bristow, Montag, 12. September 2011, 08:27 Uhr

“Nerds und Freaks” – aha, vielen Dank. Mich würde ihre Definition dieser Begriffe interessieren. Sind nicht zufällig die gleiche Gruppe Menschen, die mit ihren Fähigkeiten im Informationszeitalter gebraucht werden?

Die sogenannten “Volksparteien” verlieren den Draht zu ihren Wählern. Schon blöd, wenn jetzt eine Partei ehrlich zugibt, dass sie von manchen Bereichen keine Ahnung hat (Wirtschaft), statt munter drauflos zu pfuschen. Da wird die vielbeschworene Transparenz praktiziert und plötzlich soll das naiv sein … Klar, jede Mini-Partei soll sich erstmal kostenintensive Kompetenzzentren in jedem möglichen Bereich aufbauen, bevor sie auch nur an die Fleischtöpfe der status quo Stubenhocker denken darf.

Träumen sie weiter.

101) Mark, Montag, 12. September 2011, 09:09 Uhr

@ 92) Peter Christian Nowak, Sonntag, 11. September 2011, 20:57 Uhr

Sie schreiben: “Bleibt die Frage, ob es derzeit überhaupt eine Partei gibt, die Antworten auf die Probleme hat. Früher hatte die Politik mal schlechte, mal gute Lösungen anzubieten.”

Das ist eine sehr gute Frage. Eines der Probleme scheint ja zu sein, “daß sich niemand mehr auskennt” bei den Politikern. Das ist nachzuvollziehen, denn wie will ein Abgeordneter denn bitteschön die Finanzkrise verstehen (und eine Lösung formulieren) und gleichzeitig das Sozialsystem reformieren und den Straßenbau planen und und und? Das geht beim besten Willen nicht. Ergo bleibt nur die Fokussierung auf bestimmte Kernthemen bzw. Kernkompetenzen.

Und hier nun würde ich mit einem neuen System ansetzen: Fort von den “one-size-fits-all” Parteien, die sozusagen ein “Kaufhaus an Themen” sind, die ALLE Themen (von Rente über Gesundheit und Verkehr bis hin zu Verteidigung und Finanzen) bedienen wollen, müssen und können. Und hin zu mono-thematischen Spezialisten. Warum nicht eine Partei für alle Internet-Themen? Eine für eine Rentenreform? Eine für die Wiedereinführung einer nationalen Währung?

Klar, die Fünf-Prozent-Hürde ist da ein aktives Hindernis, klar, aber wenigstens könnte man sich mal an solchen Spezial-Parteien versuchen statt wieder und immer wieder die Stimme auf die gleichen Parteien zu setzen, die alles versprechen und nichts halten (weil sie auch nicht alles verstehen). Aus gutem Grund sind ja Kaufhäuser am Aussterben: nur sehr wenige kaufen alles aus einer Quelle [sic!].

Ich würde mir eine solche Vielfalt jedenfalls wünschen.

102) EStz, Montag, 12. September 2011, 10:14 Uhr

98) Volker W., Montag, 12. September 2011, 03:59 Uhr

Diese von ihnen als Freaks und Nerds verunglimpften (IT)-Spezialisten …
____________________________________________________

Aua. Kann denn hier kein Mensch mehr vernünftig lesen?

Hier nochmal das Originalzitat aus dem Kommentar von M.Spreng:

“…darunter viele Freaks und Nerds.”

Es gibt viele IT-Spezialisten, die keine Freaks und Nerds sind. Es gibt viele Freaks und Nerds, die keine IT-Spezialisten sind. Und es gibt durchaus eine Schnittmenge. Außerdem gibt es viele Abstufungen zwischen “engagierter IT-Hobbyist” und “IT-Profi” auf der einen Seite und “nicht ganz angepasst” bis zu “Vollfreak” auf der anderen Seite.

Aber kein Mensch hier hat je behauptet, dass IT-Spezialisten automatisch Freaks und Nerds sind. Dennoch unterstellen Sie und viele andere das, um sich anschließend gegen diese angebliche Verunglimpfung zu wehren. Schade eigentlich.

Dennoch von meiner Seite viel Erfolg in Berlin…

103) Erwin Gabriel, Montag, 12. September 2011, 10:32 Uhr

01) Mark, Montag, 12. September 2011, 09:09 Uhr

> Und hier nun würde ich mit einem neuen System ansetzen: ..
> Warum nicht eine Partei für alle Internet-Themen? Eine für eine Rentenreform?
> Eine für die Wiedereinführung einer nationalen Währung?

Hallo Mark,

Wo soll da der Vorteil liegen? Um was zu bewegen, braucht man Mehrheiten. Mit Spliterparteien kriegt man die nicht hin. Oder Sie haben eine Internet-Partei, die mit der Rentner-Partei zusammengeht, um in der Gemüse-Gen-Technologie-Frage gegen die verbündeten Studenten und Euro-Retter (“Wenn Ihr den Euro stützt, erhöhen wir das Bafög”) abzustimmen.

Das ist jetzt vielleicht ein bißchen überzogen formuliert, aber darauf wird es hinaus laufen. Dann haben nur noch Lobbyisten das Sagen.

Die Grünen haben damals das wichtige Thema Umweltschutz in die Parlamente getragen und nur durch ihre parlamentarische Existenz das Umweltverständnis aller Parteien verändert. Den Piraten wird hoffentlich das Gleiche für den Datenschutz gelingen. Dennoch hoffe ich inständig, dass es mit einer wie auch immer gearteten Regierungsbeteiligung noch dauert.

Zu einem Thema eine Meinnung oder von einem Thema Ahnung zu haben, ist halt doch nicht das Gleiche.

104) _Flin_, Montag, 12. September 2011, 10:36 Uhr

Hallo Herr Spreng,

ich glaube Sie haben noch nicht verstanden, dass es keinen Unterschied mehr zwischen dem Internet und dem wahren Leben gibt. Das Internet ist ein Teil des wahren Lebens, ob privat, geschäftlich, beim Einkauf, bei der Kommunikation.

Dieses Beharren darauf, dass das Internet irgendwie nicht zu dieser Welt gehört, gefährdet Arbeitsplätze. Im Einzelhandel, im Verlagswesen, in der Musikdistribution, im Filmvertrieb.

Wer sich im Internet nicht auskennt, kennt sich in der Welt von heute nicht aus. Und die Leute, die sich auskennen, werden immer mehr. Und da sie nicht ernst genommen werden, gründen sie sich ihre eigene Partei.

Dass es die Wähler vielleicht erfrischend anders findet, dass jemand mal sagt “das weiss ich nicht, damit habe ich mich nicht beschäftigt”, anstatt von den Alpha-Tieren mit vorgetäuschter Allwissenheit belogen zu werden, ist Ihnen wohl noch nicht in den Sinn gekommen.

105) Erwin Gabriel, Montag, 12. September 2011, 10:50 Uhr

59) Christian, Samstag, 10. September 2011, 11:31 Uhr

> Jeder der Berlin auch nur ein bisschen kennt …

Ein sehr treffender Beitrag. Ich kenne Berlin sicherlich nicht so gut wie Sie, aber den einen oder anderen Zugereisten, der in der von Ihnen beschriebenen Zwischenwelt lebt / leben muss. Auch ich bin vor jedem Besuch voller Vorfreude, und eigentlich habe ich nach zwei, drei Tagen schon wieder genug.

Meinen Dank!

106) Georg, Montag, 12. September 2011, 12:26 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

so sehr Sie oft und genau den Punkt treffen, wenn es um reale Politik bzw. Politikdarstellung geht, so sehr hat man leider das Gefühl, dass Sie die Treffsicherheit verloren haben, wenn es um Themen und Möglichkeiten rund um das Internet/Neue Medien (Piratenpartei, Plagiatsjäger etc.) geht.

Sie differenzieren nicht mehr, sondern verallgemeinern, scheren über einen Kamm und geben sich Ihren Vorurteilen hin. Gerade Sie als Journalist und Politikkomentator sollten in dem Fall doch eher der Frage nachgehen, warum eine Partei trotz aller Unzulänglichkeiten, die sicherlich vorhanden sind, es wahrscheinlich schafft die 5%-Hürde bei einer Lantagswahl zu überwinden. Das alleine mit einer fehlenden Ahnung zu erklären wird ihnen (den Piraten und ihren wahrscheinlichen Wählern) und Ihnen (persönlich) nicht gerecht.

Der Erfolg der Piraten ist doch eher wie weiland bei den Grünen der Misserfolg bzw. das volksfremde Gehabe der etablierten Parteien. Die Piraten sind sicherlich keine “fertige” Partei, aber das ist wahrscheinlich der Vorteil und das mometane Erfolgsgeheimnis. Jeder kann sich einbringen und seine Themen platzieren. Keiner ist abhängig von einer Parteihierarchie oder Seilschaften, es wird halt nicht nur abgenickt, was von “oben” kommt, sondern letztendlich echte Basisdemokratie gemacht. Um langfristig Erfolg zu haben und auch das nötige Fachwissen aufzubauen, wird sich auch die Piratenpartei ändern müssen, auch um sich selbst zu etablieren.

Mit freundlichen Grüßen
Georg L.

107) Peter W., Montag, 12. September 2011, 12:28 Uhr

Lieber Herr Spreng, wo immer Sie in einem Keller gefangen gehalten werden, befreien Sie sich und übernehmen Sie wieder den Sprengsatz, denn aktuell schreibt hier jemand auf eine Art und Weise, wie ich es von Ihnen nicht gewohnt bin.

Und jetzt ernsthaft:

Sie begründen die Chance der Piraten mit “Nirgendwo ist das IT- und Medien-Prekariat so zahlreich wie in der Bundeshauptstadt. Berlin ist die Stadt der Generation Praktikum: junge Leute, die ohne Bezahlung oder für einen Hungerlohn von Mini-Firma zu Mini-Firma ziehen.”, denn diese Leute sind es ja scheinbar, die die Piraten wählen und von Ihnen – ich kann mir diese Entgleisung nicht erklären – erstmal als Freaks bezeichnet werden (und selbst wenn damit nur eine Teilmenge gemeint ist).

Mir, als jemand, der sich lange für Politik interessiert hat und auch lange Jahre eine “der großen” Parteien gewählt hat, gefällt es aber nicht, dass ich nun als Freak bezeichnet werden. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Piraten-Wähler das ebenso sehen und es stimmt mich nachdenklich, wenn ich auf Sprengsatz.de ähnlichen Mist lesen muss, wie in leider zu vielen anderen Medien.

Wäre dies der erste Artikel gewesen, den ich hier gelesen hätte, wäre es auch der einzige geworden.

108) Martin K., Montag, 12. September 2011, 13:16 Uhr

Hallo Herr Spreng,

die Differenzierung zwischen Internet und “realem Leben” finde ich, wie viele andere hier, ziemlich unpassend. Wenn ich z.B. eine Reise mache, die ich im Internet gebucht habe, ist diese Grenze relativ willkürlich.

Über die Notwendigkeit einer “Internet-Partei” kann man geteilter Meinung sein. Vermutlich würde sich die Frage nicht stellen, wenn die etablierten Parteien sich des Themas Internet angenommen hätten. Leider scheint es vielerorts weder Interesse noch Sachkompetenz zu den entsprechenden Themen zu geben.

Mir fällt dazu ein Video ein, in dem der Kultur- und Medienstaatsminister Neumann völlig überfordert war mit der Frage, was passiert wenn das ganze Internet voll ist…

109) Leser, Montag, 12. September 2011, 15:40 Uhr

Sie haben vollkommen recht, die Wähler sind von den alten Parteien verscheißert oder bestenfalls ignoriert worden. Das kann man gerade auch schön in Baden Württemberg sehen, wo sich die Grünen an alte Versprechen nicht mehr erinnern weil sie Angst vorm Koalitionspartner haben. Siehe http://www.gruene-bw.de/themen/verkehr/news/article/landesgelder-fuer-stuttgart-21-sind-verfassungswidrig.html

Allerdings wissen auch Spitzenpolitiker der FDP nicht wieviel Schulden Deustchland so hat, z.B. Frau Koch Mehrin: http://www.youtube.com/watch?v=1gVSRXrJVjk

110) Journalist, Montag, 12. September 2011, 16:56 Uhr

@ 107) Peter W., Montag, 12. September 2011, 12:28 Uhr

Sie begründen die Chance der Piraten mit “Nirgendwo ist das IT- und Medien-Prekariat so zahlreich wie in der Bundeshauptstadt. Berlin ist die Stadt der Generation Praktikum: junge Leute, die ohne Bezahlung oder für einen Hungerlohn von Mini-Firma zu Mini-Firma ziehen.”, denn diese Leute sind es ja scheinbar, die die Piraten wählen und von Ihnen – ich kann mir diese Entgleisung nicht erklären – erstmal als Freaks bezeichnet werden (und selbst wenn damit nur eine Teilmenge gemeint ist).
::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

Ein Beispiel: Ein großer deutscher Verlag mit Sitz in Berlin hat die Redaktionen verschiedener Tageszeitungen zusammengelegt. Dabei wurden zahlreiche Journalisten dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt. Um die zusammengelegten drei Tageszeitungen, die große Wochenzeitung und die dazu gehörigen Internet-Auftritte dennoch mit Inhalten versorgen zu können, wurden/werden Azubis dazu geholt, die im Sechs-Monats-Rhythmus ausgetauscht werden. Die heißen aber nicht mehr Volontäre, sondern Journalistenschüler, damit man ihnen kein Tarifgehalt bezahlen muss. Der Chef des Verlags, der übrigens viel Wert auf “Qualitätsjournalismus” legt, lässt sich auf der einen Seite dafür feiern, dass er viel Geld für Nachwuchsförderung ausgibt, andererseits dafür, dass er eine viele Jahrzehnte defizitäre Tageszeitung wieder profitabel gemacht hat.

Sehr viele Zeitschriften arbeiten inzwischen mit freien statt mit fest angestellten Redakteuren. Viele TV-Sender drehen nicht mehr selbst, sondern arbeiten mit Produktionsfirmen, die wiederum einzelkämpfende Kameraleute, Reporter etc. beschäftigen. Viele Werbetexter, Layouter, Grafiker und Fotografen, auch Netzwerk-Techniker etc, die mal fest angestellt gearbeitet haben, wurden inzwischen selbstständig “gemacht”. Die müssen nun gegen nachrückende junge Leute antreten, die “irgendwas mit Medien” oder “irgendwas mit Internet” machen wollen, alle vielleicht noch daheim bei Mami wohnen oder zumindest keine Familie durchbringen müssen.

Den Auftrag kriegt natürlich nicht der beste, sondern der günstigste Wettbewerber. Gut für den Auftraggeber: Man bezahlt nur, was man kriegt, Weihnachtsgeld und Urlaubsanspruch gibt es nicht, niemand beschwert sich über schlechte Arbeitsbedingungen oder zu lange Arbeitszeiten. Auch nicht die fest angestellten Mitarbeiter; die könnten ja die nächsten sein, die gehen müssen.

Auch wenn es hart klingt: Ja, es gibt ein Medien- und IT-Prekariat. Es gibt Leute, die von un- oder schlechtbezahlten Praktika leben in der Hoffnung, dass mal ein richtiger Job hängen bleibt. Die von Agentur zu Abentur, Produktionsfirma zu Produktionsfirma springen müssen, für die “nach dem Praktikum” gleichbedeutend ist mit “vor dem Praktikum”. Viele von denen so jung, hoffnungsvoll und idealistisch, das jede Desillusionierung zu spät kommt und die Leute gefangen sind in einem System, aus dem man so leicht nicht ausbrechen kann. Mit 25 oder 30 und noch frischen Erinnerungen an seine Träume schult man nicht so leicht auf Elektriker oder Bäcker um (man wird da auch nicht mehr genommen). Christian hat in Beitrag 59 treffend beschrieben, worauf das dann hinaus läuft. Wenn es Ihnen nicht so geht: meine besten Wünsche, dass es so bleibt.

Auch ich denke, dass sehr viele von denen mit den Piraten sympathisieren und sie wählen werden. Denn diese Leute wollen eine Veränderung, und die Alte-Leute-Parteien haben bewiesen, dass sie nichts verändern können oder wollen.

PS
Was diese ganzen Nerds und Freaks angeht: Herr Spreng hat (im übertragenen Sinne) gesagt, dass es unter den Hunden viele Pudel gibt. Dass jetzt jeder Boxer / Dackel / Golden Retriever / Mops / Setter / Terrier (Aufzählung unvollständig; die Reihenfolge ist alphabteisch, um niemanden zu verunglimpfen) so viel Wert darauf legt, als Pudel diffamiert worden zu sein, finde ich langsam schon wieder lustig.

111) Erster Karl, Montag, 12. September 2011, 17:25 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

natürlich kenne ich die Piratenpartei vom Namen her, war auch schon mal vor längerer Zeit auf deren Internetseite, aber sie dann aus den Augen verloren. Durch Ihren Beitrag bin ich neugierig geworden und habe mich mit dieser Partei intensiv beschäftigt.
Ich hoffe nun, dass sie tatsächlich in Berlin in das Landesparlament einziehen kann.
Frischer Wind tut gut. Manche verwechseln Millionen mit Milliarden, ist aber nicht so tragisch, da die Schulden sowieso nicht zurückgezahlt werden können.
Schlimmer ist, wenn den Menschen in MVP von der SPD vorgegaukelt wird, dass sie der große Wahlgewinner sind, in Wirklichkeit aber 8000 Stimmen gegenüber der letzten Wahl verloren haben.
Naja nach Prozenten sind es 5% mehr, trotzdem bleibt es Täuschung der breiten Masse.
Von CDU/FDP möchte ich überhaupt nicht näher schreiben, da sind Kommentare von deren Politiker zu Wahlausgängen nur noch peinlich und manchmal schon widerlich.

112) Schockierter Flo, Montag, 12. September 2011, 19:05 Uhr

Herr Spreng,

um ihre kruden Vergleiche fortzuführen:
Mir ist die Süddeutsche Online viel lieber als die Bild offline.

Aber das verstehen Sie vielleicht erst, wenn Sie Ihre Bild-Vergangenheit hinter sich gelassen haben.

Dass ich erst jetzt Ihren Artikel gelesen habe, kann Ihnen scheinbar einiges erklären.
Habe zudem noch Aufnahmeanträge der 3 ehemals etablierten Parteien bei mir zuHause herumliegen.
Aber es fällt mir in der derzeitigen Nivellierung der Parteienlandschaft schwer, einer traditionellen Partei beizutreten.
Selbst Einladungen ins schöne Kreuth habe ich bereits ausgeschlagen.

Warum ich die Piratenpartei derzeit auch wählen würde:
– Es gibt keine Alternative!
– Sie ist eben keine Internetpartei.
Die Themen Datenschutz, Zensur(sula), Freiheit sind eben keine virtuellen Fantasiegebilde.

Als ich mich mit FDP-Granden wie Baum etc. unterhalten habe, kam die Frage ihrerseits:
Warum sind DIE Parteien und insbesondere die FDP nicht mehr attraktiv für die Bevölkerung und speziell die “Jungen”?
Ich habe nur geantwortet: Weil die Parteien die Bevölkerung (und die Jungen speziell) überhaupt nicht mehr vertreten!

Welche Partei ist denn die Größte? Genau, die “Partei” der Nichtwähler!
Warum wohl?

Ihre Argumentation ist vollkommens verfehlt.
Zitat: “Allen gemein ist: sie sind Heavy-User des Internets, darunter viele Freaks und Nerds. Viele leben mehr im (und für das) Internet als im wahren Leben.”
Wieso sollten dann ausgerechnet diese Hardcore-Freaks außer Haus gehen und wählen???
Da würden sie ja auf echte Menschen treffen.
Ist Ihnen das überhaupt zuzumuten?

Jetzt meine politische Analyse.
1. Die FDP marginalisiert sich derzeit in schwindelerregendem Thema. Sie ist nur noch eine Klientelpartei der Wirtschafts-Marktschreier!
Derzeit ist die FDP unwählbar!
2. Die Grünen sind seit Rot-Grün und dem Otto-Katalog auf dem Auge der Freiheit auch stark erblindet.
3. Und Merkel verkündet: “Mal bin ich liberal, mal bin ich konservativ, mal bin ich christlich-sozial”
Das nimmt ihr niemand mehr ab:
– liberal bedeutet für sie, dass der Staat alles an Überwachung technisch Mögliche machen soll, ohne Rücksicht auf die Bürger und auf die Kosten.
– konservativ? wieviele Unionstabus hat sie gebrochen?
– christlich-sozial bedeutet für sie eine Ausweitung der Generation Praktikum.
Recherchiere ich über Merkel, so gelange ich häufig zur Definition von Psychopathie (siehe Wikipedia).
4. Von den SPD brauch ich gar nicht erst sprechen: Steinmeier & Guantanamo (Stichwort: Menschenrechte), Steinbrück (Stichwort: Fluggastdaten) und Schily und Vorratsdatenspeicherung sowieso.
5. Keine Partei setzt sich mehr für die Grundrechte und Freiheit ein.
Und genau dieses Vakuum wollen die Piraten füllen.

Eine Überlegung zum Schluss: Worauf haben die Gründer der Bundesrepublik geachtet?
Freiheit!
Es gibt kein Recht auf Sicherheit.

Das Motto der Piratenpartei könnte lauten:
“Diejenigen, die bereit sind grundlegende Freiheiten aufzugeben, um ein wenig kurzfristige Sicherheit zu erlangen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.” (B.F., 1755)
Es ist aktueller denn je zuvor.
Leider.

113) Matthias Mala, Dienstag, 13. September 2011, 00:31 Uhr

Lieber Herr Spreng,
der Zuspruch zu den Piraten hier ist nur ein Phänomen für ein flottierendes Wählerpotential. Wenn der richtige Populist kommt – und er wird kommen – fischt er spielend 20 %. Und was danach kommen wird, davor ist mir wirklich bange …
Gruß Mala

114) EStz, Dienstag, 13. September 2011, 11:25 Uhr

112) Schockierter Flo, Montag, 12. September 2011, 19:05 Uhr

Herr Spreng,

um ihre kruden Vergleiche fortzuführen: ……..

_______________________________________

Hallo schockierter Flo,

krude ist nur ihr erster Halbsatz. Sonst haben Sie weitgehend meine Zustimmung (selbst wenn auch Sie offenkundig zu den Menschen gehören, die andere Meinungen in eine Schublade stecken und
dann auf die Beschriftung der Schublade schimpfen). Bei genauem Lesen Ihrer Zeilen wird Ihnen dieser Punkt schon noch auffallen.

Natürlich ist die Piratenpartei eine Art “Internet-Partei”. Entstanden aus einer Art “Freiheitsbewegung” fürs bzw. im Internet, breitet sie sich jetzt langsam aus, auch thematisch. Die größte Zustimmung hat sie (ebenfalls natürlich) im Kreis der “Heavy-Internet-User”. Bei Nicht- oder Kaum-Internet-Benutzern oder in der Lanbevölkerung ist diese Partei übrigens praktisch unbekannt.

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen….

115) Johann, Dienstag, 13. September 2011, 12:06 Uhr

So jung und dynamisch die Piraten auch erscheinen mögen, ihre Politik wird in keinster Weise anders sein als die der etablierten Parteien. Des weiteren werden sie dermaßen von den Medien hofiert, dass die Voraussagen nicht einmal sehr überraschen können.

Und klar ist auch, warum die Piraten einen solchen Zuspruch der Medien erhalten: immerhin haben sie sich inzwischen klar als liberale Partei positioniert, die wohlhabende Schichten des Kleinbürgertums repräsentiert. Weiteres dazu hier: http://www.wsws.org/de/2011/sep2011/pira-s08.shtml

116) Rainer, Freitag, 16. September 2011, 20:17 Uhr

Ich möchte nur noch mal darauf hinweisen, dass inzwischen laut einer Umfrage schon 9% die Piraten in Berlin wählen wollen. Schon erstaunlich bei einer Partei die Sie als vollkommen Ahnungslose hinstellen.

117) Tilman_s, Sonntag, 18. September 2011, 18:38 Uhr

Nun ist es amtlich: 120.000 Nerds zwischen 18 und 59 haben Piraten gewählt. Auch 3% der über 60 Jährigen sind Freaks und Nerds. John F. Kennedy würde sagen: Ick bin ain Pirat. :-)

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