Dienstag, 04. Oktober 2011, 12:48 Uhr

Merkels Kettenhund

Angela Merkels Vertrauter Ronald Pofalla hat Wolfgang Bosbach mitgeteilt, dass er dessen „Fresse“ nicht mehr sehen könne und auch den „Scheiß“ mit dem Gewissen der Abgeordneten nicht mehr hören will. Ein klares Statement ohne diplomatische Schnörkel. Das Vulgäre hat nach FDP und CSU („Wildsau“, „Gurkentruppe“) jetzt auch die CDU erreicht. Allerdings in Potenz, denn frühere Einlassungen hatten nicht diesen persönlichen Charakter.

Bürgerliche Tugenden gehen auch bei „Bürgerlichen“  im Abstiegskampf verloren. Bisher allerdings in dieser Form ein Einzelfall. Auch viele andere Fraktionskollegen waren verärgert über Wolfgang Bosbachs Inszenierung seines Abweichlertums. Während sie mühsam um eine Kanzlermehrheit zum Rettungsschirm rangen, viele im inneren Kampf zwischen Gewissen und Regierungstreue, mussten sie jeden Morgen auf der Mattscheibe Bosbachs medienwirksames Nein ertragen.

Für die Medien ist natürlich ein Abweichler interessanter als ein Zustimmer. So verschoben sich in der öffentlichen Wahrnehmung die Gewichte und die Unterstützung für den CDU/SPD/Grünen-Europakurs sank in der Bevölkerung auch wegen Bosbachs Einlassungen weiter. Er als der Gute, der endlich Volkes Stimme Ausdruck verleiht, die anderen als die Bösen, die ihr Gewissen vergewaltigen und sich dem Fraktionszwang beugen.

Dass das auch Angela Merkels Kettenhund Ronald Pofalla ärgerte, ist nachzuvollziehen. Ohne die Kanzlerin ist er nichts. Er, ein Mann hinter den Kulissen, der ganz von Merkels Gnaden, nicht aber von öffentlicher Wahrnehmung und Anerkennung lebt, musste das besonders ärgern. Und auch: Immer der im Fernsehen und nicht ich. Menschlich sogar verständlich. Das ist aber keine Entschuldigung dafür, dass er derart die Contenance verlor.

Pofalla hat sich charakterlich als unfähig für das Amt des Kanzleramtsministers erwiesen. Er wird aber bleiben, weil ihn Merkel nicht opfern wird. Merkel sucht ihre Umgebung nicht in erster Linie nach charakterlicher oder fachlicher Eignung aus, sondern nach bedingungsloser Loayalität.

Das einzige, was Pofalla erreicht hat, ist, dass er künftig noch abhängiger von seiner Chefin ist. Und Bosbach ist in den Augen vieler Wähler erst recht ein Held.

Lesen Sie dazu auch „Merkels Minusmann“ vom 4. Juli 2010

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