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Sonntag, 09. Oktober 2011, 13:35 Uhr

Wieder die Banken

Jetzt also wieder die Banken. Wieviele Milliarden dürfen es denn diesmal sein? 100, 200 oder 300? Drei Jahre nach der Lehman-Pleite soll ein neuer Rettungsschirm für europäische Banken gespannt werden, die griechische Anleihen gekauft haben und jetzt mit einem harten Schuldenschnitt rechnen müssen. Und deren portugiesisches, italienisches und spanisches Engagement ebenfalls in Gefahr ist.

Die Prognose ist nicht gewagt, dass dies die Bürger noch mehr empören wird als die Griechenland-Hilfe. Denn die Banken haben mit diesen Anleihen und den enormen Zinsen darauf außergewöhnlich viel Geld verdient und nicht wie treusorgende Haushälter ihr Engagement rechtzeitig und ausreichend reduziert. Diesselben Banken, die mit ihren Investmentabteilungen am weltweiten Spekulationsroulette mitspielen, ihre Banker exorbitant bezahlen und unsittliche Boni gewähren.

Immer dasselbe Spiel: Gewinne privatisieren, Verluste vergesellschaften.

Wieder gelten Banken als systemisch, als “too big to fail”. Und das Schlimme ist: das stimmt in den meisten Fällen sogar. Aber es beweist: die Banker, die 2008 die Welt in eine Katastrophe stürzten, haben nichts dazugelernt.

Der Weltumsatz an Finanzprodukten ist immer noch fünfzehnmal höher als das Weltsozialprodukt. Derivate, Kreditausfallversicherungen und die unseligen Kreditschuldverschreibungen haben wieder Billionengröße erreicht. Der Hochfrequenzhandel, der ohne jeden volkswirtschaftlichen Sinn ist, hat explosionsartig zugenommen.

Jetzt also wieder Banken. Wenn sie vom Staat oder vom EFSF mit neuen Kapital ausagestattet werden sollten, dann geht das nur unter strengsten Auflagen: Produkt- und Geschäftskontrolle, Gehaltsdeckelung wie bei der Commerzbank, Boni-Verzicht. Notfalls auch eine Zwangskapitalisierung von Instituten wie der Deutschen Bank, um Einfluss auf die Geschäftspolitik zu bekommen.

Die Politik muss all das endlich tun, was sie seit 2008 in unverantwortlicher Weise versäumt hat.

Und die internationale Staatenwelt sollte eine neue Bankenrettung zum Anlass nehmen, endlich eine Finanztransaktionssteuer einzuführen. Wenn nicht weltweit, weil die USA nichts aus der Finanzkrise gelernt haben, dann EU-weit. Und wenn es nicht EU-weit geht, weil Großbritannien auch nichts dazugelernt hat, dann wenigstens in der Eurozone. Es muss ein Anfang gemacht werden. 

Eine neue Bankenhilfe in aberwitziger Milliardenhöhe ohne solche strengen Reglementierungen hätte endgültig systemsprengenden Charakter. Die Bürger würden an der Politik, endgültig verzweifeln und das Vertrauen in die parlamentarische Demokratie verlieren. Und die Piraten bekämen 2013 bei der Bundestagswahl  20 Prozent – nur aus Protest.

Millionen Wähler würden sich sagen: Lieber jemanden wählen, der zu diesen Fragen noch keine Meinung  hat, als jemanden, der bewiesen hat, dass er die falsche hat, nichts kapiert hat und nichts tut.

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175 Kommentare

1) noName, Sonntag, 09. Oktober 2011, 13:44 Uhr

“Wenn sie vom Staat oder vom EFSF mit neuen Kapital ausgestattet werden sollten, dann geht das nur unter strengsten Auflagen: Produkt- und Geschäftskontrolle, Gehaltsdeckelung wie bei der Commerzbank, Boni-Verzicht. Notfalls auch eine Zwangskapitalisierung von Instituten wie der Deutschen Bank, um Einfluss auf die Geschäftspolitik zu bekommen. Die Politik muss all das endlich tun, was sie seit 2008 in unverantwortlicher Weise versäumt hat.”

Stimme weitgehend zu, aber eine Gehaltsdeckelung auf 500.000,00 Euro ist noch viel zu hoch.

2) Rainer, Sonntag, 09. Oktober 2011, 13:46 Uhr

Was systemrelevant ist muß unter Systemkontrolle, nicht nur im Finanzwesen.
Das dürfte auch so kommen — nach den üblichen Umwälzungskatastrophen, vorher will’s keiner begreifen.

3) Mark, Sonntag, 09. Oktober 2011, 14:12 Uhr

Der “Euro-Rettungsschirm” war VON ANFANG AN eine verkappte Bankenrettung, nur hat man den schwarzen Peter versucht, den maroden Ländern zuzuschieben, die sich ja unverantwortlich verschuldet hatten. Aber schon vor der ersten Abstimmung über die “Griechenland-Hilfe” im Mai 2010 meldeten sich Kritiker zu Wort, die genau das vorhersagten. Ihnen wurde aber von unseren systemtreuen “Qualitätsmedien” kaum Platz eingeräumt. Außerdem klang das ja auch schön: “Griechenland-Rettung”. Rettung – das hat sowas altruistisches. Wir retten jemanden. Wir sind Papst. Wir sind gut. Dabei wurden von Anfang an NUR die Gläubiger der Schuldenstaaten gerettet.

Langsam kommt auch an’s Tageslicht, dass es ein böses Märchen ist, dass die Deutschen am meisten vom Euro profitiert hätten. Eine Lüge! Die ärmeren 90% der Deutschen haben vom Euro nichts gehabt. Sie mussten Preissteigerungen ertragen, Hartz IV, Reallohnsenkungen, einen ausufernden Niedriglohnsektor, um nur ein paar Punkte zu nennen.

Gewiß: Die Exportindustrie hat zunächst gut vom Euro profitiert. Dank der Lohnzurückhaltung wurde Deutschland in die Lage versetzt, weiterhin Exportweltmeister (bzw. -vizeweltmeister) zu bleiben. Nur wird jetzt erst der Öffentlichkeit klar, dass dies eben auf Pump geschah. Wir lieferten das Geld gleich mit, um unsere Produkte zu kaufen. Und so kommt es, dass sich ein normaler Arbeitnehmer in Deutschland keinen BMW und keinen Mercedes leisten kann. In den Schuldenstaaten aber sind das nachgefragte Autos (gewesen).

Am Ende soll nun der deutsche Steuerzahler für diesen Unsinn bluten. Er wird es nicht tun. Blicken wir in die Parteienlandschaft:

CDU — Hält sich noch immer erstaunlich gut. Muss daran liegen, dass viele Menschen immer noch den Qualitätsmedien glauben. Wie es hinter den Kulissen aussieht, hat Herr Pofalla eindrucksvoll gezeigt.

CSU — Traut sich noch nicht einmal, Gauweiler zu wählen. Das wird immense Folgen haben, denn die Bayern sind streitbare, ziemlich konservative Leute. Die haben kein Verständnis dafür, dass “wir” (also wir Steuerzahler) alle Welt retten sollen.

SPD — Wird abstürzen, mit und ohne Steinbrück, der ja Teil des Problemes ist und nicht Teil der Lösung.

Grüne — Verstehen wenig, freuen sich aber, wenn der Nationalstaat Deutschland endlich in einem geeinten Europa aufgeht. (Die Aussagen von Fischer und Trittin sprechen hier Bände.)

FDP — Hat sich völlig überflüssig gemacht. Sie haben vielleicht noch eine Chance, wenn sie geschlossen gegen den ESM stimmen. Da habe ich aber keine Hoffnung mehr.

Linke — Immerhin konsequent dagegen. Gysi findet die richtigen Worte, und mit Lafontaine zusammen kann er die Partei wieder erfolgreich im Bundestag platzieren. Nur will mit denen ja keiner koalieren.

Piraten — Zeigen immerhin den etablierten Parteien, dass Gefahr im Verzuge ist, müssen sich aber erst einmal beweisen, um wirklich akzeptiert zu werden. Gegenwärtig die “neue” Protestpartei, so wie dies die Grünen vor 30 Jahren waren.

Und doch — die Wähler verzweifeln an dem Umstand, dass es keine wählbare, demokratische Anti-Euro-Partei gibt. Ich bleibe dabei: die Partei, die sich dieses Themas glaubhaft annimmt, wird groß gewinnen. Diejenigen, die auf ein “weiter so!” oder gar auf ein “mehr noch!” setzen, werden allesamt untergehen. Wir Steuerzahler werden das Nachsehen haben in jedem Fall.

4) Stephan Eichenseher, Sonntag, 09. Oktober 2011, 14:30 Uhr

Und aus “Wieder die Banken” würde “Wider die Banken” werden.

5) Ganduin, Sonntag, 09. Oktober 2011, 14:40 Uhr

Die Banker haben durchaus aus der Krise gelernt, nämlich dass sie freigekauft werden, wenn sie sich verspekulieren. Und dann ist das riskante Spekulieren einach nur rationales Verhalten.
Meiens Erachtens gehören alle “too big to fail”-Banken verstaatlicht, zerschlagen und dann als kleine Häuser reprivatisiert. Die derzeitige Situation hat mit so etwas wie “perfektem Markt” nichts mehr zu tun, das ist durch die implizite Staatsgarantie bei Verlusten einfach nur noch Sozialismus.

6) Bernhard Paul, Sonntag, 09. Oktober 2011, 14:43 Uhr

„Die Politik muss all das endlich tun, was sie seit 2008 in unverantwortlicher Weise versäumt hat“, fordern Sie, Herr Spreng, und Sie zählen einzelne Maßnahmen auf.

Wetten, dass wieder nichts passiert! Wieder die Banken – wieder das gleiche Spiel.

Womöglich könnte sich Euro-Land noch zu einer Linie durchringen, obwohl das bei Angela Merkel nur schwer vorstellbar ist, aber schon nicht mehr die Briten, und am allerwenigsten die Amerikaner.Und ohne die geht’s nicht.

Hoffnung kommt nur von den Anti-Wall-Street-Protesten und Anti-Finanzkapitalismus-Demonstrationen in Amerika, die auf Europa überschwappen werden. Das ist die einzig wirksame Waffe. Und vor der zittert mancher Finanzkapitalist heute schon.

7) Jörg, Sonntag, 09. Oktober 2011, 14:53 Uhr

Was wir erleben, ist die Ironie der Geschichte. Nach dem Fall der Mauer sprachen alle von der Niederlage des Kommunismus. Jetzt frisst sich das Kapitalismus selber auf – und unterstützt manches, was Marx und Co immer schon kritisiert hatten. Wir stehen an der Zeitenwende zu einer erneuten Systemdebatte – und das erschreckendste dabei: Es gibt in der bundesdeutschen Politik keinen Kopf, der diese Debatte führen kann. Vor 20 Jahren ist der Ostblock mit seinem System implodiert. Heute scheint der Westen mit seinem System zu implodieren.

8) Riesenmaus, Sonntag, 09. Oktober 2011, 14:54 Uhr

Jedem klar denkenden Menschen dürfte es inzwischen einleuchten, dass der Rettungsschirm nicht etwa für Griechenland gespannt wurde – NEIN, der Rettungsschirm schützt die Banken. Wie stark muss dann die Lobby dieser Banken dann wohl sein, wenn es ihnen immer wieder gelingt, dass die Staatengemeinschaft, darunter auch Deutschland für sie und zu ihrem Schutz in unser aller Portemonnaie greift.
Bert Brecht schrieb einmal so schön: „Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.“ Ist es denn nicht ein Verbrechen an uns allen, mit Milliarden zu spekulieren, dabei riesige Gewinne einzustreichen ohne Risiko auf Unternehmen, welche dabei pleite gehen und Massen von Menschen, welche hierdurch in die Armut getrieben werden. Sollte das Ganze schief gehen, hofft man auf die Solidarität von uns allen und hat Politiker, welche entsprechend für einen handeln.
In was für einer Welt leben wir den und wie lange lassen wir uns das noch gefallen? Die Berlin Wahl war zumindest ein Indiz dafür, dass der mündige Bürger sich das nicht mehr lange bieten lässt. Lieber eine Partei die für gar nichts steht, als eine Partei, welche den Irrsinn des ungezügelten Börsenkapitalismus in reinster Form propagiert!

9) marcpool, Sonntag, 09. Oktober 2011, 15:04 Uhr

“Und ewig singen die Gelder ” – das Thema kann einem die Wut in die Augen treiben ! Es ist nichts oder nur sehr wenig geschehen seit dem letzten crash. Die Politik hat Angst vor den Märkten – und die haben gelernt wenn wir in Schwierigkeiten sind , dann muss das Volk eben dran glauben. Selbst leben sie weiterhin in ihrer Paralellwelt und spielen weiterhin Monopoly mit klingenden Gläsern und heidiwuppka !
Aber aus Protetst die Piraten zu wählen fiele mir denn doch sehr schwer – die wissen ja noch nicht einmal zwischen Millionen und Milliarden zu unterscheiden . – Nein ich denke vorher gibts den Knall und zwar den ganz Grossen. Den trifft dann aber die Briten und die USA umso schwerer – Arroganzlinge !

10) beo, Sonntag, 09. Oktober 2011, 15:29 Uhr

zum thema große zahlen hat sich der herr seehofer ja einen schöneren geleistet als ein pirat der grad nicht wusste wie hoch die schulden berlins sind: http://www.youtube.com/watch?v=m67jKUzhmJs
das eine ist mangelnde vorbereitung, das andere eine fünf in mathe. und zwar in der unterstufe…

11) sk8erBLN, Sonntag, 09. Oktober 2011, 15:38 Uhr

@ Spreng

“Die Prognose ist nicht gewagt, dass dies die Bürger noch mehr empören wird als die Griechenland-Hilfe.”

Sie haben da eine Sache im Kern nicht wirklich verstanden Herr Spreng! Es gibt KEINE Griechenlandhilfe! Die so genannte Griechenlandhilfe hilft weder irgendwelchen Griechen (noch dem Euro), sie “hilft” ausschließlich den Finanzoligarchen! Nachdem man in 2008 so ca. 20% des WELTsozialprodukts – ungefähr 10 Billionen US Dollar an Rettungspaketen diesen Fianzoligarchen zu ihrer “Rettung” spendiert hat, ist es nun, nur 3 Jahre später erneut Zeit für die nächste “Rettung”. Ja, man hat von Seiten der Politik schlicht zugesehen wie nach einer kurzen Schreckenspause die Investmentbanken, Hedgefonds und sonstige Finanzjongleure gänzlich unbehindert von der Politik erneut ihre hochriskanten und toxischen Geschäfte wieder aufnahmen.

Es kann doch nicht so schwer sein zu begreifen dass von den anfangs 110 Milliarden, die 2010 als “Rettungspaket” durch IWF und bilaterale Kreditzusagen der Euroländer bereitgestellt wurden weder Europa noch die griechischen Bürger, noch die Bürger der Geberländer wie D profitiert haben. Dieses Geld ging und geht nicht nach Griechenland, Irland, Portugal – nein, es fließt wieder an die Banken, die einmal mehr zu hoch gezockt haben. Diesmal eben mit griechischen Anleihen.

Sie schreiben: “Millionen Wähler würden sich sagen: Lieber jemanden wählen, der zu diesen Fragen noch keine Meinung hat, als jemanden, der bewiesen hat, dass er die falsche hat, nichts kapiert hat und nichts tut.”

Es ist erbärmlichn: Das Volk wünscht sich zu 41 (!!) % wieder die große Koalition zurück. :
http://www.rhein-zeitung.de/newsticker/popup.php?arid=317894&cobo=1622&collection=458#ar317894

12) Mark, Sonntag, 09. Oktober 2011, 15:55 Uhr

@Riesenmaus, Sonntag, 09. Oktober 2011, 14:54 Uhr

Sie bemerken sehr richtig, dass der Rettungsschirm nicht für irgendwelche Bürger gespannt wurde, sondern für die Gläubigerbanken. Aber nicht nur!

Bitte lesen Sie hierzu meinen Kommentar # 44 auf dieser Seite im Sprengsatz:

http://www.sprengsatz.de/?p=3736

mit einer genauen Analyse der SItuation. Der Mechanismus ist wieder der gleiche: Anleger, die eigentlich für ihre (mißratenenen) Investitionen abgestraft werden müssten (Teilverlust der Anlage), werden vom Steuerzahler “gerettet” und mit frischem Geld versehen. Und dieses Geld muss wieder “angelegt” werden. Geht inzwischen völlig risikolos, weil wir als Steuerzahler ja dafür einstehen (sollen). Leider. Wir können uns nämlich gegen den Griff in unsere Geldbörse nicht wehren.

13) deroppi, Sonntag, 09. Oktober 2011, 15:59 Uhr

Diesen Satz ausdrucken und golden einrahmen lassen: “Millionen Wähler würden sich sagen: Lieber jemanden wählen, der zu diesen Fragen noch keine Meinung hat, als jemanden, der bewiesen hat, dass er die falsche hat, nichts kapiert hat und nichts tut.”

Vor allem der zweite Teil. Traurig aber wahr.
Wobei…”nichts kapiert”…naja, evtl. doch kapiert, aber in die eigene Tasche wirtschaftet es sich immer noch am besten.

14) sk8erBLN, Sonntag, 09. Oktober 2011, 16:02 Uhr

Dringende Leseempfehlung dazu, die von mir nicht gerade geschätzte Welt lieferte ein Interview, schon am 1.6.2011:

Im Würgegriff der Mafia aus Finanzwelt und Politik
http://www.welt.de/finanzen/article13407540/Im-Wuergegriff-der-Mafia-aus-Finanzwelt-und-Politik.html

Das Interview der “Welt” mit dem EU-Beauftragten für die Korruptionsbekämpfung Hetzer bringt die Dinge auf den Punkt: Hetzer konstatiert, wie zuvor IWF-Chefvolkswirt Simon Johnson, dass sich die Staaten in der Zwangsjacke eines Netzwerks von Bankern und führenden Politikern befinden.

Hetzer erklärt, dass die Verantwortung für Finanz- und Schuldenkrise zum einen bei profitgierigen Bankern und Spekulanten zu finden sind, zum anderen aber bei der politischen Führung, die sich von den Akteuren der Finanzindustrie korrumpieren und am Gängelband führen lassen und die es deshalb versäumen, Banker und Spekulanten den erforderlichen Kontrollen zu unterwerfen.

Hetzer stellt damit auch fest, dass es bei den “Rettungs”-Manövern der Politik tatsächlich nicht um die betroffenen Länder – Griechenland und Portugal – gehe, sondern darum, mit der “Hilfe” der anderen EU-Staaten die eigenen Banken vor Verlusten zu schützen.

Er bemerkt auch, dass sich der Kontrollverlust auch darin zeigt, dass die politischen Massnahmen in Form etwa des “Finanzmarktstabilisierungsgesetzes” (zur Rettung der Banken) nicht mehr von gewählten Politikern ausgearbeitet werden, sondern von Anwaltskanzleien der Finanzindustrie.
Man komme insgesamt nicht mehr daran vorbei, eine “kleptokratische Kultur der Eliten” festzustellen.

Dass sich aus den Anklagen Hetzers – unterstützt auch durch Norbert Blüm, der meint, die Politiker seien zu “Schmierenstehern von Zockern” geworden – eine Konsequenz ergibt, ist kaum anzunehmen: die führenden Kader praktisch aller Parteien sind in das Spiel involviert. Schwarz-Gelbe Regierungen – Angela Merkel hatte im Jahr 2005 die Unterstützung spekulativer Finanzgeschäfte durch den Staat gefordert und anschliessend als Kanzlerin realisiert – waren an der Förderung der ungehemmten Spekulation ebenso beteiligt, wie Rot-Grün unter Schröder und Eichel: das System ist von seiten der Betroffenen / Geschädigten nicht abwählbar. Auch Umfragen, nach denen 95% der Bevölkerung Vertrauen zu Feuerwehrleuten, 86%zu Krankenschwestern aber nur 7% gegenüber Politikern, helfen hier nicht.
http://news.web-hh.de/?newsfull=1&lid=33715&rubrik=politik
http://www.ciw-wirtschaftsnachrichten.de/aktuelle-nachrichten/meldung/artikel/berufe-ranking-wem-vertrauen-die-menschen-am-meisten.html

Das einzige was helfen würde wäre die gesamte Zerschlagung der Finanzoligarchen und Rückführung der Banken zu ihren ureigensten Aufgaben. Das Vorbild dafür könnten Sparkassen und Volksbanken sein (ohne ihre jeweiligen Investmentanhängsel in FFM). Den gesamten Rest braucht die Menschheit nicht – es sei denn, sie möchte weiterhin eine Finanzoligarchie durchfüttern die diese Welt in den Abgrund führt.

Herr Spreng geht bei weitem nicht weit genug wenn er fordert “die Politik müsste jetzt endlich…”

15) sk8erBLN, Sonntag, 09. Oktober 2011, 16:19 Uhr

Nur damit klarer wird weshalb Herr Spreng nicht weit genug geht:

‘Depression’ back in the mainstream lexicon
http://www.business-standard.com/india/news/depression-back-inmainstream-lexicon/451910/

und der von mir ebensowenig geschätze stockkonservative “Telegraph” schreibt:

World facing worst financial crisis in history, Bank of England Governor says
The world is facing the worst financial crisis since at least the 1930s “if not ever”, the Governor of the Bank of England said last night.”
http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/8812260/World-facing-worst-financial-crisis-in-history-Bank-of-England-Governor-says.html

Und die Regierenden, z.b. in Italien:
Nun, Berlusconi fällt nichts besseres ein als über eine Umbenennung seiner Partei in “Forza Gnocca” -übersetzt “go Pussy”- nachzudenken:

“Berlusconi causes outrage with suggestion to rename party Go Pussy”
http://www.guardian.co.uk/world/2011/oct/07/berlusconi-go-pussy-quip-outrage?CMP=twt_gu

Und dieser Merkel fällt nichts besseres ein ihren auf die “Verfassung scheißenden” Kanzleramtsminister Pofalla zu decken und parallel dazu einen Verfassungsbruch programmieren zu lassen unter Federführung ihres Innenministers Friedrich. (siehe SPON “Programmierter Verfassungsbruch http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,790768,00.html

Da sollten die Piraten doch glatt die Mehrheit im Parlament stellen und nicht nur 20 %, schlimmer kann es ja gar nicht werden.

16) Don Corleone, Sonntag, 09. Oktober 2011, 16:27 Uhr

3) Mark hat alles dazu gesagt. Aber solange die Systemmedien jeden Euro- und Rettungsschirm-Kritiker als einen hinterhältigen EU-Gegner verteufeln, wird es noch ein wenig dauern, bis sich in der Parteienlandschaft etwas ändert.
Ist diese Desinformation einmal flächendeckend entlarvt, was nur eine Frage der Zeit und der schmerzlichen Erfahrung privater Brieftaschen ist, wird es allerdings gewaltig rumpeln — mit logischen, nicht populistischen Argumenten und Konsequenzen: Die Neuentdeckung der vier Grundrechnungsarten, die unseren Volksbeglückern offenbar unbekannt sind, steht unmittelbar bevor.

17) Gregor Keuschnig, Sonntag, 09. Oktober 2011, 16:38 Uhr

Herr Spreng, die “Griechenland-Hilfe” war in Wirklichkeit IMMER nur einen Bankenhilfe. Griechenland wurde indirekt damit geholfen; profitiert haben davon die Banken.

Die Systemrelevanz könnte man sehr leicht umgehen, in dem man Geschäfts- von Investmentbanken aufteilt. Das war in den USA bis Ende der 90er Jahre der Fall; Clinton hatte das dann nach über 60 Jahren aufgehoben. Dadurch blähten sich die Banken derart auf, dass sie nun fast immer “systemrelevant” sind. Eine Trennung hätte den Vorteil, dass die Investment-Zocker unter sich blieben und ruhig pleite gehen könnten, ohne dass die Millionen kleinerer Spareinlagen mit vernichtet werden. Die Deutsche Bank macht inzwischen 90% ihres Gewinns mit der Investmentsparte. Sie müsste sich dann entscheiden.

18) Robert Ping, Sonntag, 09. Oktober 2011, 16:41 Uhr

Jetzt kommt endlich mal Butter bei die Fische!
Es dürfte deutlich billiger sein, die Banken zu rekapitalisieren, als weiter die Giips-Staaten mit Rettungsschirmen zu “retten”.
Zumal da der Staat ja möglicherweise ohne Verluste aus der Sache wieder rauskommen könnte. Die Amerikaner haben es vorgemacht mit ihrem Bankenrettungsprogramm TARP.
Denn für das Kapital, das der Staat am Markt aufnimmt und es den Banken dann gibt, erhält er im Gegenzug Aktien der Banken. Und da die Bankenaktienkurse derzeit tief stehen, könnte es sein, daß sich die Bankenaktien nach einer Erholung des Aktienmarktes in ein paar Jahren wieder zu einem guten Preis verkaufen lassen.
Zunächst wird dadurch aber die Staatsverschuldung plötzlich deutlich steigen.
Bisher hat man ja durch die ganzen Rettungsschirme mit den Garantien und Bürgschaften die Erhöhung der Staatsverschuldung hinauszuschieben versucht.
Die Banken hingegen kann man nicht mit Garantien rekapitalisieren, da muß reales Geld in die Hand genommen werden.
Aber so kommt endlich das ganze Ausmaß des Desasters sichtbar auf den Tisch in Form einer deutlich höheren Staatsverschuldung.

19) Andronico, Sonntag, 09. Oktober 2011, 16:49 Uhr

Alles wiederholt sich offenbar. Und wieder hört man die gleichen Aussagen durch den Raum geistern: systemrelevant, alternativlos etc. Wessen Geld soll da der Steuerzahler eigentlich wieder mal retten? Ich habe, wie die große Mehrheit der Bürger keine einzige Aktie, keine Anleihen bei irgendwelchen Investmentbanken, noch nicht mal ein nenneswertes Sparguthaben. Und dass auch meine Lebensvrsicherung alles andere als sicher ist, ist mir seit 2008 mehr als klar.

Warum darf man über eine Griechenland-Insolvenz (sind ja nur Menschen, die da bertroffen sind – aber unsere Milliarden kommen ja auch da am Ende den Banken und nicht etwa den Bürgern zugute) laut nachdenken, und über eine Bankenpleite nicht? Ist Griechenland nicht systemrelevant, die HRE-Bank offenbar aber schon?

Ich misstraue der ganzen Berichterstattung (in allen Medien) und auch den Entscheidern in der Politik zutiefst. Hier werden vielleicht wieder einmal die materiellen Interessen weniger von allen bedient? Wenn die Politiker ihren Auftrag als Volksvertreter (nicht als Finanzlobbyisten) noch halbwegs ernst nehmen, dann müssen jetzt endlich auch die beteiligt werden, die hier immer wieder auf Kosten des Gemeinwohls ihren Reibach machen. Lssen wir doch mal eine Bank pleite gehen.

Und ein Prozess gegen führende Spekulanten und deren Auftraggeber (also die Ackermänner und Co.) vor dem internationalen Gerichtshof wäre doch mal eine Überlegung wert. Anklage: Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

20) Ste, Sonntag, 09. Oktober 2011, 17:43 Uhr

nochmal zur erinnerung:

http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2010/0520/steuer.php5

21) Wiber, Sonntag, 09. Oktober 2011, 17:49 Uhr

Ich freue mich schon auf Ihren Artikel vor der nächsten Wahl: “Mit Bauchschmerzen ‘Die Linke’ “. Anders kann die Wahlempfehlung an sich kaum noch ausfallen: CDU/CSU und FDP haben bereits bewiesen, daß sie unfähig sind angemessen auf die Finanzkrise zu reagieren und stellen es Tag für Tag erneut unter beweis, SPD und Grüne haben der Krise auch nicht unbedingt entgegengewirkt, wenn nicht sogar erst in dieser Form ermöglicht. Zudem hat die SPD in der Großen Koalition, insbesondere Herr Steinbrück, zu keiner Zeit den Eindruck vermittelt irgend etwas von der Krise verstanden zu haben, man erinnere sich nur daran, daß die Amerikaner vor ihrer eigenen Tür kehren sollten und daß ein Bankenzusammenbruch auf Island ja nicht so tragisch sei.

Einzig “Die Linke”, insbesondere in Person Oskar Lafontaines, so unsympathisch wie er auch sein mag, lag fachlich bei der Einschätzung der Krise meist richtig und er hatte auch schon frühzeitig vor einer Währungskrise gewarnt – natürlich war das alles nur billiger Populismus. Auch die Dinge, die Rainer (#2) und Ganduin (#5) angeregt/angesprochen haben, wurde von ihm, unter Verweis auf Schweden, sehr frühzeitig benannt – auch das war natürlich zu populistisch. Statt dessen wird nun weiterhin über die Rettungsschirme den Banken Geld in den Allerwertesten geblasen und über BILD und Co. gegen die griechische Bevölkerung gehetzt, vermutlich um von der Tatsache abzulenken, daß diese von den Rettungsschirmen nicht profitiert, sondern unter den geforderten Sparmaßnahmen eher noch zu leiden hat.

Vielleicht ist “Die Linke” tatsächlich dann die bessere Wahl als die Piraten, da sie schon unter beweis gestellt hat, daß sie Antworten auf die aktuelle Krise zu geben in der Lage ist.

22) johannes, Sonntag, 09. Oktober 2011, 17:55 Uhr

Herr Spreng, wieder mal ein Beitrag, den ich mit Genuss gelesen habe, danke dafür!

@9) marcpool:
Ihnen fällt schwer, aus Protest Piraten zu wählen, obwohl´s vorher sowieso knallt – eine ganz eigene Logik. Es steht Ihnen frei, sich mit dem Programm der Piraten mal genauer zu beschäftigen und sich dann bei Bedarf selbst dort zu engagieren – das ist die einzige liberale und basisdemokratische Partei, die wir haben.
Jedes Mitglied wirkt dort mittels Liquid Feedback an der Ausformulierung des Mehrheitswillens mit, wo andere Pseudodemokraten nicht mal eine Mitgliederbefragung hinkriegen. Es ist auch die einzige Partei, deren Mitglieder nicht mubarakmässig kurz vor der Einbalsamierung stehen.

Den Piraten gehört die Zukunft!

23) Dieter Carstensen, Sonntag, 09. Oktober 2011, 18:09 Uhr

Lieber Michael Spreng,

meine Meinung zum Thema ist:

Im Moment ist Griechenland in aller Munde, die Mehrheit der deutschen Presse zerreißt sich geradezu das Maul, um in willfähriger Hofberichtserstattung für unsere durchgeknallte Regierung und unsere Banken, uns Deutschen die Griechen als arbeitsunwillige Chaoten zu verkaufen. Es ist ein alter politischer Trick, wenn ich selber versage, lenke ich auf andere ab, am Besten irgendwo im Ausland, damit niemand im Inland merkt, wie doof die eigene Regierung ist und was für Versager dort sitzen. Klappt fast immer. Doch was ist nun wirklich dran an der “griechischen Krise”?

Von Beruf bin ich Sozialarbeiter und kein Ökonom, ich schreibe hier also keinen wirtschaftspolitischen Beitrag und verzichte auf zig Verlinkungen und Zitate. Ich glaube aber, ich bin nicht auf den Kopf gefallen, ich heiße ja nicht Pofallalla oder Merktnix.

In meinem Leben bin ich viele Male in Griechenland gewesen, habe dort zig Jugendreisen für den Landessportbund NRW geleitet, mir die griechische Sprache angeeignet, im Land auch oft privat Urlaub gemacht und viele griechische Freundinnen und Freunde gewonnen.

Ich meine die Griechen, ihre Mentalität und ihre Geschichte recht gut zu kennen, sonst würde ich mir nicht das Recht zu diesem Artikel nehmen und sonst hätte ich 1992 auch nicht vom Landessportbund NRW den Auftrag bekommen, sein Griechenlandjugendreiseprogramm aufzubauen, was ich ehrenamtlich gemacht habe und dann Jugendreisehotels für das Jugendfreizeitprogramm 1993 u.a. auf Rhodos, im Ort Archangelos und auf Kreta, im Ort Geogiopoulis organisiert.

Die Griechen sind das einzige mir bekannte Volk auf dieser Welt, was in seiner Sprache für Gast und Fremder nur ein Wort hat, nämlich o Xenos – Ξένος

Alleine diese Tatsache lässt tief in die Seele dieses alten europäischen Kulturvolkes blicken.

Mich hat in Griechenland immer wieder verblüfft, dass sich die Menschen dort ihre Gastfreundschaft, gerade auch uns Deutschen gegenüber bewahrt haben, obwohl die Deutschen dort unter den Nazis furchtbare Verbrechen begangen haben, z.B. in den Orten Distomo nahe Delphi oder Kalavrita, nahe Olympia. Nur wenige Deutsche besuchen die dortigen Gedenkstätten an die furchtbaren Verbrechen, sie wissen einfach nichts davon, sondern kennen nur die antiken Stätten.

Ich war mit meine Jugendlichen 1991 in Distomo, an der Gedenkstätte, wir waren mit dem Bus von Marathon nach Delphi unterwegs und auf dem Weg liegt eben auch Distomo. Unser griechischer Reiseleiter und unser Busfahrer wunderten sich total, dass ich den Bus dort einen Zwischenstopp machen ließ und warteten ab, was passiert.

Ich habe den Jugendlichen dann vorgelesen, dass von den Nazis in Distomo selbst einjährige Kinder umgebracht wurden, steht da alles auf den Gedenktafeln, viele Jugendliche fingen an zu weinen, als ich ihnen erklärte, wie die Nazischweine dort gewütet haben, weil es so schrecklich war, wie man es sich nicht vorstellen kann.

Unsere griechischen Begleiter und ich wurden an dem Tag enge Freunde, wir haben heute noch Kontakt. Sie meinten, dass hätten sie noch nie erlebt, dass ein Deutscher in Distomo mal einen Bus halten lässt, die Geschichte so gut kennt und sie auch noch Jugendlichen vermitteln kann.

Meine Jugendlichen haben dann Blumen gepflückt und an das Mahnmal gelegt.

Und dann kamen die Leute aus dem Dorf, fragten, was wir denn da machen und ich habe es ihnen erklärt. Die ganze Jugendreisegruppe wurde daraufhin in das Dorf eingeladen, obwohl jeder im Dorf mindestens einen Angehörigen hatte, der von den Scheißnazis ermordet worden war und wir hatten eine Riesenparty zusammen und gefeiert, bis in den späten Abend.

Meine Jugendlichen hatten begriffen, so meine ich, dass zur Freundschaft unter Völkern manchmal auch Wiedergutmachung gehört, wenn es auch nur symbolisch war, mit den Blumen und der kleinen Ansprache von mir.

Warum ich das alles erwähne?

Deutschland hat die griechischen Opfer der Nazidiktatur bis heute nie entschädigt, sie haben keinen Cent bekommen.

Nein, es kam noch viel schlimmer. Als 1967 wieder die Diktatur in Griechenland kam, die zig tausende Menschenleben kostete, ich habe mit Überlebenden, die z.B. auf der KZ Insel Jaros eingekerkert waren, auf der Insel Lesbos gesprochen, 1981, war es der sogenannte “Prometheus – Plan”, ausgearbeitet von der NATO, der den griechischen Faschisten den Weg an die Macht geöffnet hatte.

Und wer war damals Mitglied der NATO? Auch Deutschland, oder?

Jannis von der Insel Lesbos war auf Jaros eingekerkert gewesen, ich weiß von ihm, dass sie dort sogar rohe Ratten gegessen haben, um zu überleben und sich immer wünschten, dass die weißen Touristenschiffe nicht mehr kommen würden, damit es schneller zu Ende geht, mit der Militärdiktatur und sie wieder frei würden.

Es war Günther Wallraff, der bekannte deutsche Schriftsteller, der dann 1974 den Mut hatte, sich aus Protest gegen die griechische Diktatur, unter Einsatz seines Lebens, auf dem Syntagma Platz vor dem griechischen Parlamentsgebäude anzuketten und damit dazu beitrug, dass der faschistische Spuk auch in Griechenland ein Ende hatte.

Wenn unsere hohlköpfigen Politiker, die scheinbar selbst zu doof zum Lesen von Geschichtsbüchern sind, heute von der “griechischen Krise” sprechen, dann “vergessen” sie wohl wissentlich die Ursachen.

Wer hat Griechenland denn nach der Diktatur, die von der NATO, somit also auch von Deutschland, verursacht wurde, wie eine Weihnachtsgans ausgenommen?

Unsere Banken und unsere Konzerne! Wer sonst?

Ist das eine griechische Krise? Nein, es ist eine Krise der Demokratie in Europa und wenn die Griechen schlau wären, würden sie die EU sofort verlassen. Ich würde es ihnen wünschen, die Demokratien in Europa sind zu staatsmonopolistischen Konzernen verkommen, hier zählt nur noch Lobbyismus und sonst nichts!

M.f,G

Ihr treuer Leser Dieter Carstensen

24) Ste, Sonntag, 09. Oktober 2011, 18:16 Uhr

@johannes, 16): Ja, dass die Piraten eine neue Entwicklung beginnen lassen, das kann man sagen. Tatsächlich wird es sich zu einer Politik hin entwickeln, wo der Bürger mehr und mehr mitentscheidet, und sogar auch mit macht im Sinne von Nur-Politik-Konsument zum Auch-Produzent…. nur weiß ich nicht ob auch der Krankenpfleger der in Schichten arbeitet oder die geschiedene Feuerwehrfrau mit drei Kindern die Zeit und Muße hat, sich ausgiebigst mit politischen Problemen und Themen auseinanderzusetzen…. das geht nur wenn Arbeit ebenso neu problematisiert wird, und das ewige Spannungsverhalten zwischen Arbeit und Leben, Malochen und Freizeit, Being Space und Working Space aufgehoben wird und sich der Arbeiter sowie der Bürger den er auch immer ncoh gleichzeitig ist bewusst wird wie politisch sein/ihr Dasein ist. …. oder so. Also auch hier: Offen. Das alles kann auch gefährlich werden….es gibt immer noch und wird es auch immer geben: aufgeklärte falsche Bewusstseine (vgl. Sloterdijk “Kritik der zynischen Vernunft”).

25) Ste, Sonntag, 09. Oktober 2011, 18:20 Uhr

Nachtrag: Wie die “alten” Parteien sich mit Wirtschaft und Industrie verknüpfen, sollten die Piraten sehr bewusst und offensiv, sich mit der Wissenschaft verknüpfen, wenn sie eine Partei der Zukunft sein will. Sie sollte auch eine Bildungspolitik werden, in diesen Bereich ist auch das Schlüsselwort “Vernetzung” sehr wichtig, aber nach wie vor nicht diskutiert worden.

26) Winfried, Sonntag, 09. Oktober 2011, 18:33 Uhr

Die Gier oder die Banken – FALSCH – Das Geldsystem selbst und die es hervorbringen ist das Problem!
http://tinyurl.com/ynq2nh

27) Eric B., Sonntag, 09. Oktober 2011, 18:36 Uhr

Guter Kommentar, aber die Sache ist noch ein wenig komplizierter. Warum sollen wir denn die Banken retten? Weil Merkel auf einer”privaten Beteiligung” bei der “Griechenland-Rettung” bestand, die nun zu Zweifeln an der Stabilität der Banken führt. Wer soll bezahlen? Merkel möchte, dass dies aus nationalen mitteln, also aus dem Bundesetat kommt. Sarkozy will eine kollektive Aktion aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF. Setzt sich Merkel durch, bekommt Frankreich Probleme mit dem Rating, und das schadet dann wieder dem EFSF…ein Teufelskreis, der ich auch auf meinem Blog http://lostineurope.posterous.com/die-entscheidende-schlacht-naht beschrieben habe…

28) Frankilein66, Sonntag, 09. Oktober 2011, 18:46 Uhr

@ 23) Dieter Carstensen

Schade, mit ihrem klassenkämpferischen letzten Satz haben sie die beeindruckende Schilderung ihrer Erlebnisse in Griechenland wieder verdorben!

29) Willi Schüren, Sonntag, 09. Oktober 2011, 19:01 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng.

Millionen Wähler sollten sich sagen: “Lieber jemanden wählen, der zu diesen Fragen eine dezidierte Meinung hat” wie die Partei Die Linke, als jemanden, der immer noch nicht begriffen hat, was gegen das “Finanzpiratentum zu tun ist. In diesem Zusammenhang empfehle ich, die Rede des Herrn Gysi vor dem Deutschen Bundestag anzuhören.

30) johannes, Sonntag, 09. Oktober 2011, 19:01 Uhr

@24) Ste

Sie haben natürlich Recht, aber das Leben ist nunmal potenziell gefährlich, nicht?

Im Moment halte ich es allerdings für gefährlicher, die Demokratie sich weiter in Richtung Korporatismus und Oligarchie “entwickeln” zu lassen. Die Zeichen stehen hier auf Sturm, und wenn wir als Bürger nicht aufwachen und Verantwortung übernehmen, werden unsere Kinder Sklaven sein.

Unseren derzeitigen Politdarsteller-Marionetten ist es völlig egal, ob wir vor die Hunde gehen. Demokratie bedeutet denen nichts, man kann es täglich sehen.

31) Peter Christian Nowak, Sonntag, 09. Oktober 2011, 19:39 Uhr

Ja, es geht so weiter wie bisher. Bürger und Staat haben aus gehabtem Schaden nichts gelernt. „Too big to fail“. Mag sein. Und ist auch sicher richtig. Dennoch, der Politikbetrieb scheint mit solchen Slogans gleichermaßen überfordert, wie die Bürger selbst.
Nichts dazu gelernt. Nach der ersten Krise 2008/2009 gingen die Banken gestärkt hervor. Die Lobbyarbeit von ihrer Seite war erste Sahne. Und vor allem, welcher wirklich Linke, welcher ernst zu nehmende Experte hätte das wohl gedacht: der Neoliberalismus der die Schneisen in die Staatssäckel schlug, schlug den Kahlschlag nicht nur dort, sondern auch in die Demokratie. Er vermehrte dort offensichtlich seinen Einfluss um das Vielfache. Nun leben wir in einer Übergangszeit von der Demokratie zur Postdemokratie. Der Neoliberalismus ist nicht untergegangen. Banken ersetzen die hoheitlichen Aufgaben, die eigentlich dem Staat zugedacht waren. Er, der Neoliberalismus, er strahlt in neuem Glanze sozusagen. Für die meisten Menschen äußerst befremdlich, aber leider wahr. Die Gleichgewichtsstörungen des Staates korrelieren mit dem Marktversagen der Investmentabteilungen der Banken. In der Tat, die Bürger werden, wenn nicht jetzt, dann doch aber bald, ganz heftig zu Ader gelassen. Das hat so mancher von ihnen nicht begriffen, nicht weil sie begriffsstutzig wären, sondern weil es ihnen anscheinend finanziell immer noch zu gut geht. Sie scheinen das Mögliche vom Unmöglichen nicht trennen zu können.
Der Staat ist kein Großunternehmen, keine Kapitalgesellschaft mit vierteljährlichen Rechenschaftsberichten, geordnet nach Gewinn und Verlust. Aber genau diese Wandlung wird in den Staat durch den Neoliberalismus hineingetragen: die Anpassung des Staates an den Markt. Das führt zu einer massiven Verflechtung von Wirtschaft und Finanzwirtschaft. Das ist der diametrale Unterschied von der gängigen Vorstellung eines freien Marktes in der Vorstellung eines Liberalen. Indessen, Macht und Einfluss der Finanzmärkte haben zugenommen.
Die Demokratie braucht dringend einen Rettungsschirm. Denn sie wird nur dann Bestand haben, wenn Banken wissen, dass man sie, ihre Vorstände und Aktionäre nicht unter allen Umständen retten wird. Ein Signal gegen die Gier muss her! Die Lufthoheit der Politik über die Finanzmärkte muss (wieder)hergestellt werden – auch wenn es scheint, dass die Agenda der Gier aufzugehen scheint. Erst wenn die Politik verlorenes Terrain zurück gewonnen hat, kann man zum Aufatmen auffordern.

32) Simon, Sonntag, 09. Oktober 2011, 19:50 Uhr

“Und die internationale Staatenwelt sollte eine neue Bankenrettung zum Anlass nehmen, endlich eine Finanztransaktionssteuer einzuführen. Wenn nicht weltweit, weil die USA nichts aus der Finanzkrise gelernt haben, dann EU-weit. Und wenn es nicht EU-weit geht, weil Großbritannien auch nichts dazugelernt hat, dann wenigstens in der Eurozone. Es muss ein Anfang gemacht werden.”

Populismus pur. Was soll das bezwecken? Es gäbe dann doch keinen sachlichen Grund Deutschland als Finanztransaktionsplatz zu nutzen. Ein Klick und Sie investieren nicht an der Frankfurter Börse, sondern in London. Das nützt Großbritannien und schadet Deutschland. Das hat für uns keinerlei Nennwert.

33) Sabine Zielke-Esser, Sonntag, 09. Oktober 2011, 20:21 Uhr

@17) Gregor Keuschnig

Hundertprozentige Zustimmung zu Ihrem Vorschlag, Geschäfts- und Investmentbanking wieder zu trennen. Es muss aber noch etwas geschehen um die jetzige Misswirtschaft auszurotten:

Das Recht der Geldschöpfung steht dem Souverän, dem Volk, zu – nicht den Banken. Die EZB kann Geld direkt an die Staaten verleihen, die Verwendung kontrollieren und die Zinsen wieder in die Staatshaushalte zurückfließen lassen, also an uns alle.

34) Bernhard Paul, Sonntag, 09. Oktober 2011, 20:52 Uhr

@ 23 Dieter Carstensen

Ihre Einlassung und Ihr Plädoyer für Griechenland in Ehren, aber Ihr Beitrag ist
a) in einem Maße affektiv, dass er weit übers Ziel hinausschießt und
b) so unökonomisch, dass er am Thema vorbeigeht.
Wer andere ausschließlich mit Verbalinjurien, wie hohlköpfig, durchgeknallt, doof usw., in der Summe als vollständig inkompetent und unmoralisch abtut, kann nicht für sich in Anspruch nehmen, seinerseits ernst genommen zu werden.

@ 14 sk8erBLN, 17 Gregor Keuschnig u.a.

Das Argument, dass wieder einmal nur die Finanzbranche fettgefüttert würde, geht doch auch daneben. Erstens sind es bislang immer noch erst Bürgschaften und keine Kredite für Griechenland, zweitens muss sich kein Staat Geld von den Banken leihen, wenn er ordentlich wirtschaftet und nicht mehr ausgibt als er einnimmt. Wenn er es sich aber leiht, muss er es auch vertragsgemäß zurückzahlen, wie jeder Staatsbürger auch. Wenn er es nicht kann, kommt es zu Situationen wie der jetzigen. Man kann den Banken nicht vorwerfen, dass sie ausgegebene Kredite wiederhaben wollen, zumindest zum größeren Teil.

Dass ein Staat ohne Schulden auskommen kann, hat die alte Bundesrepublik in den Fünfziger und Sechziger Jahren bewiesen, sie hat sogar deutliche Überschüsse erwirtschaftet, den sogenannten Juliusturm; das hat das Amerika Bill Clintons in den Neunzigern bewiesen (und ebenfalls Überschüsse erzielt), das beweist zum Beispiel der Freistaat Bayern seit einigen Jahren mit seinem ausgeglichenen Haushalt.

35) Tim, Sonntag, 09. Oktober 2011, 21:01 Uhr

Wieder mal der böse Hochfrequenzhandel, wieder mal die gute Transaktionssteuer. Wie oft muß man diesen Träumereien noch lesen?

Hätten die Banken etwa keine Schrottanleihen in Griechenland gekauft, wenn es keinen Hochfrequenzhandel gegeben hätte, dafür aber z.B. eine Transaktionssteuer? Doch, natürlich hätten sie das getan.

Bitte mal nachdenken, bevor man Forderungen stellt, die mit den tatsächlichen Problemem nichts zu tun haben.

36) Blub, Sonntag, 09. Oktober 2011, 22:39 Uhr

Wer hat eigentlich das ganze Geld?

Wenn die Staaten hoch verschuldet sind, und die (größten) Banken auch.. wer hat dann eigentlich das ganze Geld? Wer ist der Gläubiger? *kopfkratz*

Blub

37) Ekkehard von Weiher, Sonntag, 09. Oktober 2011, 23:28 Uhr

Ein Produkt setzt – per Definition –
einen – Wertschöpfungsprozess – voraus.

Davon kann ja bei “Finanzprodukten” keine Rede sein.

Der Umstand, dass deren Weltumsatz 15 mal höher bewertet wird
als die Bruttosozialprodukte aller Länder der Erde, belegt dies dramatisch !

38) Oliver, Montag, 10. Oktober 2011, 04:57 Uhr

Lieber Herr Spreng,

die Krise hat nichts mit Spekulation zu tun. Wenn an der Zahlungsfähigkeit der Hauptschuldner Zweifel besteht, kommt jede Bank in Schwierigkeiten. Wenn man sagt, dass man dann nicht einem Schuldner zu viel leihen darf, dann muss man sich darüber im Klaren sein, dass man damit noch frühere Staatspleiten in Südeuropa fordert.

Bei den heutigen Staatsanteilen an der Wirtschaft bedeutet eine Staatspleite notwendigerweise eine Bankenkrise. Die politische Entscheidung, den Euro einzuführen, ist eben getroffen worden. Jetzt müssen wir die Suppe auslöffeln.

Jetzt reflexartig die Banken zu beschuldigen, weil sie 2008 Schuld waren, bringt nichts. Es hilft nichts sich der Wahrheit zu verschließen. Schuld an der Bankenkrise ist der Euro.

39) Maren P., Montag, 10. Oktober 2011, 05:59 Uhr

http://www.sueddeutsche.de/geld/deutsch-franzoesisches-treffen-in-berlin-europas-banken-gemeinsam-verteidigen-1.1158068

In einer solchen Krise vertraue ich keiner weiteren Boygroup wie den Piraten, die zwar begeistert in jedes Mikro beißen, aber eben doch nichts mit Substanz von sich geben, sondern viel eher Menschen mit Berufs- und Lebenserfahrung. Die Situation frühzeitig analysiert und plausible Handlungsoptionen benannt haben mMn bisher nur Die Linke mit Dr. Gregor Gysi und die “Rebellen” vorm Bundesverfassungsgericht mit Prof. Wilhelm Hankel, Dr. Peter Gauweiler u.a.
Völlig diskreditiert haben sich Merkels CDU und Steinbrücks SPD. Ich bin auch ziemlich sicher, dass das bis 2013 jede/r Wahlberechtigte kapiert hat.

40) rldml, Montag, 10. Oktober 2011, 06:50 Uhr

Ich denke, in dem Punkt sind wir uns alle einig: WENN die Piraten es 2013 in den Bundestag schaffen (egal ob mit 5 oder 20 Prozent), DIESES Mal wird es zuallererst aus Protest heraus geschehen. Wie sagten Sie schon einmal so schön und richtig?

Man wählt eine andere Partei nicht aus Überzeugung, sondern um die andere abzuwählen…

LG Ronny

41) Beate, Montag, 10. Oktober 2011, 08:01 Uhr

Ist es gerecht, wenn kleine Anleger die vor 2 Jahren Staatsanleihen Griechenlands mit einer erwarteten realen Rendite von 1em % gekauft haben, jetzt bestraft werden?

Und Spekulanten die 7% der Kakaoernte aufkaufen und damit den Weltmarktpreis für Kakao um 25% nach oben treiben kommen ungestraft davon?

Spekulanten , die darauf spekulieren dass die Filetstücke eines Unternehmens mehr wert sind als das ganze (Private Equitys) diese erwerben, die Arbeitnehmer erpressen, dann soviel aus dem Unternehmen herausziehen bis die erwartete Rendite erreicht ist, und dann das Unternehmen wegschmeißen kommen ungestraft davon.

Und….

Das ist doch irrsinnig, jetzt sollen Banken den Kauf von Staatsanleihen mit Eigenkapital hinterlegen.

Was bedeutet das?

Das Monster Staat soll schrumpfen.

Da die Zinsbelastung des Staates steigen wird, wer ist so dumm und kauft Anleihen zu hohen Preisen, wenn selbst die Banken dazu gezwungen werden, für den Ausfall vor zusorgen?

Muß der Staat sehr viel höhere Zinsen zahlen.

ABER EUROBONDS SIND JA DES TEUFELS.

Weil an die Falschen umverteilt wird.

Also ändern die Macher wieder die Verteilungsrelationen.

Weniger Geld für Rentner und Soziales.

STAATSANLEIHEN MÜSSEN ZU 100% GARANTIERT WERDEN.

Was passiert denn jetzt wenn die ängstlichen Deutschen ihren Konsum einschränken?

Wer auf der Welt soll stattdessen seinen Konsum ausweiten?

Oder legen wir Produktionsanlagen still?

Wir werden wieder einmal verars…

Der öffentlich rechtliche Rundfunk versagt wieder und kommt seinem Aufklärungsauftrag nicht nach.

Vielleicht sollte die ARD ein reiner Sportsender werden?

42) Mark, Montag, 10. Oktober 2011, 08:18 Uhr

@ 34) Bernhard Paul, Sonntag, 09. Oktober 2011, 20:52 Uhr

1. BITTE hören Sie auf mit dem Geschwätz “es sind doch nur Bürgschaften”. Damit hätten Sie evtl. noch vor einem Jahr punkten können. Inzwischen ist es sonnenklar, dass Teile der Bürgschaften auch bedient werden müssen. Nicht in ferner Zukunft, sondern schon bald. Und wenn dann die ersten “echten” Zahlungen im Bundeshaushalt aufschlagen, dann brennt die Hütte lichterloh. Aktuell stehen wir wohl so um die 400 Mrd. (inkl. der Target-2-Salden der Bundesbank) mit “nur Bürgschaften” im Feuer. Lassen Sie davon mal 10% tatsächlich fällig werden. Hurra – 40 Mrd. Euro, wohlgemerkt “on top” zum Bundeshaushalt! So, und wo soll jetzt dieses Geld herkommen? Das hat uns bis heute kein Euro-Retter erklären können.

Der Grund ist einfach: Es kann nur durch Steuererhöhungen, Leistungskürzung oder zusätzliche Verschuldung gelöst werden. Wahrscheinlich aus einer Kombnation dieser drei Mittel. Keine Regierung wird das ihren Wählern vermitteln können, und 2013 sind Wahlen! Da darf ab Herbst 2012 keine unpopuläre Maßnahme mehr kommen.

Also: Wo würden SIE 40 Mrd. Euro herzaubern?

2. Selbst bei einem ausgeglichenen Haushalt müssen neue Kredite aufgenommen werden, denn es gibt ja Altschulden, die auslaufen und dann sozusagen “erneuert” werden. Dieses Rollover-Verfahren verdeutlicht die Abhängigkeit der Politik von der Finanzindustrie.

3. Man kann den Banken in jedem Fall vorwerfen, dass sie ihr Geld wiederhaben wollen. Naja, nicht den Wunsch selber, aber die Tatsache, dass sie heulend zum Staat gelaufen kommen und um “Rettung” winseln. Das gibt es nur im real-existierenden Sozialismus, weil eben jegliche Marktfunktionalität (wo Risiko und potenzieller Gewinn klar gekoppelt sind) ausgehebelt wird.

Nochmal: Wenn der Staat jetzt die Gläubiger “herausboxt” und ihnen die von unseriösen Geschäftspartnern wegbrechenden Gewinne ersetzt, dann werden diese Leute das Geld ja nicht einfach unter die Matratze legen sondern WIEDER damit spekulieren auf der Jagd nach dem halben Prozentpunkt mehr an Rendite. Fortsetzung folgt in einem Finanz-Kasino in Ihrer Nähe!

4. Die Politiker haben entweder nichts verstanden und nichts gelernt, oder aber sie betrügen uns wissentlich. Beides ist gefährlich und gehört bestraft. wenigstens an der Wahlurne. Weshalb die dummen Deutschen weiterhin denjenigen Stimmen geben, die den von Generationen erarbeiteten Wohlstand der Finanzindustrie in den Rachen werfen (und damit denen, die ohnehin schon “viel” haben), dass wissen nur die Wähler. Aber ich glaube…

5. Wir haben wor allem auch eine Medienkrise. Wenn sich die Finanzkrise zum Tsunami entwickelt (wovon auszugehen ist, irgendwann), dann werden viele Bürger aufwachen und Fragen stellen. Sie werden wissen wollen, weshalb sie über die Fakten und Hintergründe nicht in den Zentralorganen der Presse unterrichtet wurden, die selbst heute noch ungestraft mit Behauptungen wie “es sind ja nur Bürgschaften” und “Deutschland hat am meisten profitiert” davonkommen? Wo bleiben die kritischen Interviews, die gut recherchierten Dokumentationen? Es gibt sie, ja, aber man muss sie mit der Lupe suchen, und man muss wissen, wonach man suchen muss. (Günther Jauch mit seinem Kanzlerinnen-Interview gehört gewiß nicht dazu.) Wir brauchen viel weniger Hofberichterstattung und viel mehr Aufklärung in den Medien. Ich denke, die Medien werden sich noch gehörig umschauen, wenn erstmal der Showdown beginnt. Dann werden die Leute sagen: “Für Propaganda muss ich nicht auch noch zahlen”, und Print geht völlig in den Keller. Die öffentlich-rechtlichen Sender werden dann möglicherweise auch in Mitleidenschaft gezogen, wenn nämlich die nächste alternative Regierung (also: nicht CDU/CSU-FDP-SPD-Grüne) den Stecker aus dem Selbstbedienungsladen “Staatsfernsehen” zieht.

Spannende Zeiten.

43) Xpomul, Montag, 10. Oktober 2011, 09:37 Uhr

was ich an unterschiedlichsten stellen gesagt und geschrieben habe tritt ein.
der efsf ( wahrscheinlich auch der esm ) dient lediglich der errettung der finanzindustrie.

der politik geht der bürger – gleich ob in griechenland, portugal, frankreich oder deutschland – sowas vom am popo vorbei das man blass würde würde man die wirklichen gedanken kennen.

den bankmanagern geht es eh nur um boni.
eines haben sie gelernt aus der lehmann pleite:
auf jeden fall wird errettet wenn man groß genug ist um als systemisch kolportiert zu werden.

keiner hat bisher rübergebracht weshalb eine großbank nicht pleite gehen darf.

ich sehe die banker schon in ihren kaminzimmern röderer cristall schlürfen und über den doofen steuerzahler ablästern.
es sind zocker diese derivatehändler.
unmoralisch, unethisch, unsozial, ergo assis !!!

wer hat wohl die spätrömische dekadenz im blut ???
wer ist von übel für diese welt ???

_____________________

42) Mark, Montag, 10. Oktober 2011, 08:18 Uhr

im heute journal vom mittwoch oder donnerstag gab es erschreckende zahlen.
aus der erinnerung:
die ezb hat ca. eur 1.330.000.000 junkpapiere angenommen und im bestand
( der deutsche steuerzahleranteil bei der ezb liegt wohl bei ca. 30 % wenn ich es korrekt weiß )
die buba ca. eur 300.000.000 schrott im bestand
der deutsche steuerzahleranteil beträgt 100 %
der esfs ist bekannt.

eine summe die unser bip sprengt.
eine summe die unsere verschuldung sprengt.
wer errettet uns am ende ???

genaue zahlen muß ich noch recherchieren.
wobei viele verdeckt werden und nicht zugänglich sind so einfach.

44) Ulan, Montag, 10. Oktober 2011, 09:39 Uhr

Natürlich haben die Banken, bzw. die Manager dort aus der Lehmann-Pleite etwas gelernt: Dass “too big to fail” funktioniert.

Und dass das dreiste, unmoralische, schamlose Einfordern von Steuergeldern zur Wiederbefüllung leer gezockter Kassen funktioniert, solange die Summe nur groß genug ist!

Würden die Banken Summen benötigen, die unterhalb der ausgewiesenen Gewinne liegen, würden die nicht korrupten unter den Abgeordneten nicht ihren Verstand verlieren und sie würden den Banken auf die Forderung den Stinkefinger zeigen. D.h. die Banken müssen entweder unternehmerisch vernünftig handeln (wie z.B. die meisten Sparkassen) oder sie müssen als Pleite-Hasardeure Ihre Finanzen absichtlich derart vor die Wand fahren, dass die Erschütterungen mindestens die eigene nationale Stabilität gefährdet – besser noch die der Weltwirtschaft.

Eine solch schwerwiegende Gefährdung schafft eine Bank alleine aber nicht – da aber alle Banken im Verbund stehen und alle Banken in großer Mehrheit von skrupellosen Individuen geführt werden, die Ihre Schäfchen längst im Trockenen und ein paar kriminelle Staatsführungen in klimatisch angenehmen Gegenden gekauft haben – deswegen ändert sich da nix. Nicht solange die Profiteure kein Risiko eingehen.

45) Tobias Brühne, Montag, 10. Oktober 2011, 09:43 Uhr

Nur frage ich mich da, ob das, was der Staat bei den Landesbanken bisher an Bankenerfolgen vorzuweisen hat, wirklich so viel Hoffnung macht, dass mehr Staat hier die richtige Antwort ist.

46) Mark, Montag, 10. Oktober 2011, 10:02 Uhr

@ 41) Beate, Montag, 10. Oktober 2011, 08:01 Uhr

> Ist es gerecht, wenn kleine Anleger
> die vor 2 Jahren Staatsanleihen
> Griechenlands mit einer erwarteten
> realen Rendite von 1em % gekauft
> haben, jetzt bestraft werden?

Ja. Das nennt sich “Marktwirtschaft”.

Wer sich auf der Jagd nach dem halben Prozentpunkt “mehr” mit dunklen Gesellen einläßt, die ihm das Blaue vom Himmel versprechen, der hat es nicht anders verdient. So einfach sehe ich die Welt. Wie soll es denn anders funktionieren?

ALLES ANDERE bedeutet: Profite privatisieren, Verluste vergesellschaften und ist nicht hinnehmbar. Natürlich steckt dahinter der Wunsch der “Elite” (was für ein lächerlicher Begriff angesichts der kollossalen Fehleinschätzungen in jüngster Zeit), risikolos zocken zu können ohne auch nur ein Jota Verantwortung zu übernehmen. Und seien wir ehrlich: Wer wollte das nicht? Blöd nur, dass 80%-90% der Bevölkerung überhaupt kein Geld haben zum Zocken.

Siehe auch die einleuchtende Erklärung des großen Georg Schramm hier:
http://www.youtube.com/watch?v=CFrn2JYAdJw
Damit ist ALLES gesagt.

Ach ja, und vielleicht noch dieser hübsche Beitrag, der im Mai 2010 in den Tagesthemen gelaufen ist (manchmal gibt es selbst dort helle Momente):
http://www.youtube.com/watch?v=tD8tR_yqVRk

Sehr schön auch die Dokumentation “Gier und Größenwahn” von Grimme-Preisträger Hubert Seipel. Und wieder hochaktuell! Für solche Dokumentationen möchte ich Gebührengelder ausgegeben sehen. Volksmusik, Fußball, Quizshows, usw. usf. können die privaten Sender auch.

47) Dieter Carstensen, Montag, 10. Oktober 2011, 10:09 Uhr

Liebe @34 Bernhard Paul und @Frankielein86

danke für Ihre kritischen Anmerkungen zu meinem Kommentar.

Nein, ich bin kein “Klassenkämpfer”, aus dem Alter bin ich mit 55 Jahren raus. Aber ich bin Sozialarbeiter mit Leib und Seele, setze mich für die mir anvertrauten Menschen immer voll ein, auch in meiner Freizeit.

Ich habe vielleicht eine andere Sprache, als der mir sympathische Michael Spreng, den ich übrigens nur aus den Medien kenne, aber über 30 Jahre praktische Sozialarbeit prägen, man schätzt dann, wenn man meinen Beruf ernsthaft betreibt, manches anders ein, als andere.

Und was man den Griechen zur Zeit antut, halte ich für kriminell!

Dagegen sind ja selbst die Kredithaie der Russenmafia harmlos.

Da wird einem ganzen Volk kollektiv, sinnbildich gesprochen, durch unsere Regierung “die Pistole auf die Brust” gesetzt, weil unsere Banker Kohle machen wollten?

Soweit ich weiß, entscheiden doch die Banker selber, wem sie Kredite geben, oder nicht?

Was will man den Griechen also vorwerfen?

Dass sie den Banken auf den Leim gegangen sind und über ihre Verhältnisse gelebt haben?

Wer hat es ihnen denn vorgemacht?

Deutschland mit seinen Riesenstaatsschulden vielleicht, die mittlerweile bei über ein BILLION Euro liegen, oder die Amis, die ihre Riesenstaatsschulden nie zurückzahlen werden können und sich sogar schon ausgerechnet bei der “kommunistischen” Diktatur in China Geld pumpen mussten?

Die Wahrheit ist viel brutaler, als wie sich auch nur ein deutscher Politiker gertraut, das jemals öffentlich zuzugeben:

WIR SIND PLEITE!

48) sk8erBLN, Montag, 10. Oktober 2011, 10:28 Uhr

@ 34) Bernhard Paul, Sonntag, 09. Oktober 2011, 20:52 Uhr
“Man kann den Banken nicht vorwerfen, dass sie ausgegebene Kredite wiederhaben wollen, zumindest zum größeren Teil.”

Und ob man das den Banken vorwerfen kann. Sie haben nämlich in zu großem Umfang/zu lange diese vermeintlich sicheren Kredite vergeben! Als Kreditgeber ist es _mein Risiko_ mich zu versichern, dass der gewährte Kredit den Rahmen nicht sprengt.

Das taten die Banken im übrigen nicht, weil sie an den Krediten gut verdienten sondern vielmehr, weil sie mit dem daraus erzielten Gewinn hochrisikoreiche Investmentgeschäfte tätigen wollten. Ebenso bedenklich ist ferner dass im Augenblick sich die Banken für quasi 0 % bei der EZB mit Krediten eindecken, diese “Durchreichen” mit saftigen Zinsaufschlägen als Kredit an Staaten. Der daraus erzielte Gewinn dient abermals nur der Ausweitung von Spekulationsmöglichkeiten und wurde nicht etwa zur Eigenkapitalerhöhung eingesetzt. Es ist geradezu offensichtlich, dass falsch ist, lediglich die zweifelsfrei vorhandene zu hohe Staatsverschuldung für die aktuelle Lage verantwortlich zu machen. Teil dieser Staatsverschuldung ist übrigens auch die Bankenrettung 1.0 in 2008 die mit realen 10 Billionen (!) weltweit zu Buche schlug.

Sie sollten also besser aufhören Nebelkerzen zu werfen. Also solche verbuche ich übrigens auch Ihren Hinweis “es seien nur Bürgschaften nicht geflossene Gelder”.

49) Escape, Montag, 10. Oktober 2011, 10:33 Uhr

Wie sagt man so schön: “Das Geld ist nicht weg, es haben nur andere” Die “Anderen” kennt man ja nun schon …

50) Beate, Montag, 10. Oktober 2011, 11:02 Uhr

Nehmen wir ein Beispiel:

http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/muenchner-runde/index.xml

In dieser Sendung wirft ein mutiger Journalist dem eingeladenen Experten vor, er sei Teil des Systems er habe mit dafür gearbeitet dass es soweit kommen konnte.

ZWEI SÄTZE SPÄTER BEHAUPTET DER EXPERTE VERSCHULDUNG BELASTE DIE ZUKÜNFTIGEN GENERATIONEN.

Das ist nur richtig , wenn der französische König Ludwig 14 Waren im Ausland auf Kredit für seinen persönlichen Konsum kauft, und die späteren Generationen schicken dann Waren ins Ausland um diese Schuld abzutragen. Waren die diese Generation hätte selber konsumieren können.

Unsere Generation schickt jetzt Waren ins Ausland, um die Schulden welcher feudalen Herrscher zu begleichen?

Waren die die jetzige Generation nicht konsumiert.

Warum muß Deutschland mehr produzieren als es konsumiert?

Die Franzosen haben ihren Dämon auf die Guillotine geschickt.

Sind die Deutschen ein Volk von Verrückten?

Wir sind schon längst keine Demokratie mehr.

Die Feudalgesellschaft ist Wirklichkeit.

51) Frankilein66, Montag, 10. Oktober 2011, 11:20 Uhr

@ 47) Dieter Carstensen

Griechenland hat die Kriterien zur Aufnahme in den Euro-Raum nicht erfüllt. Das hat die EU-Kommission 1998 in einem Bericht festgestellt. Man wollte aber aus politischen Gründen der “Wiege der Demokratie” unbedingt den Euro spendieren.

Ich möchte nicht wissen, welche Proteste es in Athen damals gegeben hätte, wenn man den Griechen den Euro verweigert hätte. Der Euro kam allgemein viel zu früh, Europa war damals wirtschaftlich eben zu uneinheitlich und ist es heute immer noch. Das zeigt sich exemplarisch am Fall Griechenland. Ich verstehe, dass sie als “Griechenlandfan” das nicht kalt lässt aber die Griechen trifft auch eine Teilschuld an ihrer Misere.

52) N. Schmidt, Montag, 10. Oktober 2011, 11:23 Uhr

“…es beweist: die Banker, die 2008 die Welt in eine Katastrophe stürzten, haben nichts dazugelernt.” Wie – nichts dazu gelernt? Hat doch gut funktioniert mit der Bankenrettung, klappt auch ein zweites Mal (“Rekapitalisierung”). Und ein drittes Mal … usw. usf.

53) Sven Garber, Montag, 10. Oktober 2011, 11:57 Uhr

Es ist richtig: Eine weitere Bankenrettung geht nur, wenn man eine Wiederholung der Wiederholung des Geschäftsgebarens der Banken verhindert. Denn die Banken haben 2008 vor allem eines gelernt: Es passiert uns nichts, wenn wir uns wieder an den Rand des Abgrunds manövrieren. Da wir systemrelevant sind, wird man uns schon retten. Aber vorher kassieren wir nochmal ordentlich. Nachhaltig und gewissenhaft wird hier nicht gehandelt, aber das kann man ja auch nicht erwarten. Wo wird heute noch Unternehmensethik im Studium gelehrt und welcher Unternehmer bzw. eher Manager achtet bei seiner Mission, in 5 oder 10 Jahren “aus einem kleinen Saftladen einen großen… das was wir heute sind” (Loriot) zu machen, noch auf so im Weg stehende Dinge wie Werte, Ethik und Nachhaltigkeit. Deshalb sollte man auf die Klagen der Banker und FDPler nicht hören und eine Vorreiterrolle im Hinblick auf die Regulierung von Banken und eine Finanztranskationssteuer vornehmen.

54) Ste, Montag, 10. Oktober 2011, 12:17 Uhr

Ein Gutes hat der ganze Wahnsinn ja: Ein FDP-Politiker, Schäffler, hat endlich Arbeit. Sinn oder Unsinn ist eine andere Frage.

55) sk8erBLN, Montag, 10. Oktober 2011, 12:38 Uhr

Ein wirklich cooler Deal der da gerade ausgekungelt wurde.

Ich erhalte 4 Milliarden dafür, dass ich berechtigt bin 90 Milliarden den Stweuerzahlern aufs Auge zu drücken und in absehbarer Zeit, wenn ich aus der zwischenzeitlichen Verstaatlichung wieder herausfalle fange ich das Spiel erneut an.

Glaubt ihr nicht? Dann viel Spass bei der Lektüre:
“Für die Dexia Banque Belgique zahlt Brüssel nun vier Milliarden Euro. Der Dexia-Verwaltungsrat hat das Angebot der Regierung angenommen. “Wir haben das Hauptziel erreicht, die Dexia Banque Belgique zu erhalten und die Risiken auszulagern”, sagte Leterme. Zugleich kündigte er an, dass Risikopapiere im Wert von 90 Milliarden Euro in eine sogenannte “Bad Bank” ausgelagert werden sollen. Für diese toxischen Kredite übernehmen die Staaten die Garantien.

Im Gegenzug für die Garantien werde Dexia an die drei Staaten insgesamt 450 Millionen Euro zahlen, davon 270 Millionen an Belgien. Abzüglich dieser Summe zahle Brüssel für die Dexia Banque Belgique noch den “angemessenen Preis” von 3,73 Milliarden Euro, erklärte Finanzminister Didier Reynders. “Die Regierung hat nicht vor, auf unbestimmte in der Bank zu bleiben, aber auch nicht, sie sofort wieder zu verlassen”, sagte er.”
http://www.sueddeutsche.de/geld/frankreich-und-belgien-zerschlagen-dexia-schuldenkrise-fordert-erstes-banken-opfer-1.1158086

Und das ist nur der Anfang. Selbst die Medien rufen die verschnarchten Deutschen inzwischen aus ihren Sofas. Mal gcken wann sie aufstehen.

“Bürger gegen Finanzindustrie Steht endlich auf und empört euch!

Der massive Aufruhr in den USA zeigt: Im vierten Jahr der Finanzkrise geht es erneut darum, die Banken zu retten – zu Lasten des Steuerzahlers. Wer hierzulande gegen diese Umverteilung des Finanzkapitalismus protestieren will, ist bei deutschen Parteien schlecht aufgehoben. Doch es wird höchste Zeit, dass sich die Bürger gegen den Irrsinn erheben. ”

http://www.sueddeutsche.de/geld/buerger-gegen-finanzindustrie-steht-endlich-auf-und-empoert-euch-1.1158036

WAKE UP!!!

56) Mark, Montag, 10. Oktober 2011, 13:08 Uhr

Tja, es wird ja immer bunter. Dabei ist doch noch gar nicht Karneval!

WIR sollen also die Banken rekapitalisieren. Und “wir” meint wohl: die Bundesrepublik Deutschland, bzw. deren Steuerzahler. Wir eben. Nun bewahrt die Bundesrepublik das Geld ja nicht in irgendwelchen Koffern auf (Ausnahmen bestätigen die Regel), denn die Bundesrepublik ist ja selbst hoch verschuldet und eigentlich pleite. Wo also kommt das Geld her, das “wir” zur Re-Kapitalisierung der Banken aufbringen sollen? Richtig: Es wird am Kapitalmarkt geliehen! Wer aber ist der “Kapitalmarkt”? Richtig: Die Banken. Moment mal? Die Banken?

Statt also einfach die Banken pleite gehen zu lassen und eine Staatsbank zu gründen, die sich der Bürger annimmt, leihen sich die Steuerzahler Geld bei eben jenen, denen es dann zur Rettung wieder überwiesen wird? Und dafür bezahlen wir auch noch Zinsen?

Ich glaube, es hakt.

57) Mark, Montag, 10. Oktober 2011, 13:10 Uhr

@ 55) sk8erBLN, Montag, 10. Oktober 2011, 12:38 Uhr

> Ich erhalte 4 Milliarden dafür, dass ich berechtigt
> bin 90 Milliarden den Stweuerzahlern aufs Auge
> zu drücken

Naja, war bei der HRE doch genauso. Dort hat der Staat ja auch noch viel Geld bezahlt, um hunderte von Milliarden Euro Schulden zu bekommen. Ha! Wie gesagt: “Gier und Größenwahn” von Hubert Seipel anschauen!

58) MichailV, Montag, 10. Oktober 2011, 13:13 Uhr

Die Prognose ist nicht gewagt, dass dies die Bürger noch mehr empören wird als die Griechenland-Hilfe.

Das gute an der deutschen Empörung ist, dass sie in den Medien und/oder im Internet stattfindet und keine realen Auswirkungen hat.
Proteste und Streiks wie in Frankreich üblich? Fehlanzeige.
Eine Abstrafung durch eine Wahl? Auch Fehlanzeige 2/3 der Berliner wählen »links« und die CDU regiert sowieso. Interessiert niemanden. Man horcht kurz auf und geht dann eben nicht mehr wählen. Solange sich daran nichts ändert, wird der bisherige Kurs beibehalten.

59) jmb, Montag, 10. Oktober 2011, 13:19 Uhr

Die aufgehäuften öffentlichen Schuldenberge sind nicht mehr handelbar, die damit einhergehenden Zins- und Tilgungsversprechen können nicht mehr im Rahmen der diversen Steuersysteme bedient werden. Das ist die einfache Erkenntnis aus der Finanzkrise-2.0, die mit der PIIGS-Abkürzung bereits seit geraumer Zeit ein Synonym gefunden hat.

Die Altschuldenberge sind wie riesige Abraumhalden, deren Entsorgung einfach der Zukunft überlassen wird, hier und überall. Sie verkörpern nur eine spezielle Form des St.-Florians-Prinzips in der Politik, über alle Länder- und Parteigrenzen hinweg. Das einzig Gute an ihnen ist, der beständige Weg in die weitere Neuverschuldung (eine Art finanzpolitisches perpetuum mobile) kann nur durch Schaffung neuer Kreditwürdigkeit erreicht werden, die man erarbeiten müsste oder alterniv dem dummen Nachbarn abringen müsste, zu dessem Nachteil.

Wer diesen beschrittenen Weg fortsetzen will, sagt damit auch, dass es von Zeit zu Zeit einen Lastenausgleich geben muss, weil Staatsinsolvenzen, per se, eben unausweichlich sind und alles Agieren letztlich nur Problemverschiebung in die Zukunft bedeutet oder anders gesagt, beggar-thy-neighbour zur Grundvoraussetzung für Solidarität erhoben wird.

Dass es durch Vertragsrecht nicht (PRINZIPIELL nicht !!) möglich ist Trittbrettfahrerei durch Vereinbarungen auszuschalten, sollte jedem halbwegs nüchternen Menschen einleuchten, was aber die Politik jeder Couleur nicht davon abhält jeden Tag neue Anläufe auf diesem Feld zu unternehmen und damit versucht, den Wähler und Steuerzahle für blöd und vergesslich zu verkaufen. Für PIIGS-Staaten gibt es deshalb nur eine Lösung, die heißt, andere müssen zahlen oder der Bankrott ist absehbar.

Wieso eine rechtlche Verpflichtung, zukünftige Lastenausgleiche länderübergreifend durchzuführen und nicht die nationalen Nutznießer dafür eintreten zu lassen, zielführend sein soll, will mir nicht recht einleuchten. “Wir” haben “unsere” HRE, die jedem, der es glauben wollte, mehr Zinsen zahlen wollte als andere Institute, die Commerzbank, die IKB und andere Finanzjongleure bereits mit ca. 400 Milliarden Steuergeldern “gerettet” (die Liste der Schuldner der HRE, hier kürzlich per Link zur Einsicht gegeben, war sehr aufschlussreich). Nun sollen die systemischen Risiken der Resteuropäer bezahlt werden (EFSF, möglichst unbegrenzt oder “gehebelt”).

Zumindest in der CSU scheint sich die Einsicht durchzusetzen, dass es für diese Form der finanzpolitischen Schneeballsysteme auch einer roten Linie bedarf, wenn die Lawine nicht auch die verbliebene eigene Kreditwürdigkeit aufs Spiel setzen soll.

“Merkozy”, wie heute so geistreich verballhornt und was seltsam auf “mehr kotzen” anspielt, wird es wohl nicht leisten, denn die alternativlosen Lösungen sind bereits hinlänglich bekannt geworden (bilaterale Bürgschaften, EFSF, ESM). Der zukünftig einsame, unfehlbare und gewissenhafte Finanzweise in Brüssel (ESM, Artikel 10) soll es richten. Dieser Vorschlag ist bis ins letzte Detail eine Steilvorlage für eine neue Kaiserzeit. Nein danke, Merkozy, dass Monarchen und Kaiser keine Kriege führen, ist nur eine peinliche Mär und die Sicherheit in Europa wird durch Alleinentscheider sicherlich nicht sicherer. Die Alternative “Bankenrettung oder Unfrieden in Europa” hat eher den sehr unangenehmen Beigeschmack einer Erpressung durch offensichtlich sehr mächtige globale Einzelinteressen. Vom Gegenteil dieser Annahme wurde ich bisher nicht überzeugt und dieses Geschäft Pofalla oder Kauder zu übertragen hat denn auch wieder ein eigenes Geschmäckle und wäre auch noch eingehender zu würdigen .

60) kleinErna, Montag, 10. Oktober 2011, 14:06 Uhr

Da steht wieder eine Menge Wahres, aber auch eine Menge Mist (wie immer halt), zumal der Sprengmeister eigentlich schon Alles geschrieben hat, was es zu diesem Thema überschlägig zu vermelden, zu beachten und zu befürchten gibt.

Abschließend: Auch wenn unsere Regierung offenbar total überfordert ist (ich unterstelle ihr keinen bösen Willen, nur Unfähigkeit, was fast noch schlimmer ist), die Piraten sind mit Sicherheit auch nicht die Lösung (die Sache ist zu ernst, als dass man sich solche Mätzchen leisten sollte)!

Wahrscheinlich muss man wieder auf die Straße gehen, massiv und nicht nur in Berlin, sondern in jedem Bundesland und vor jedem/jeder der 16 Landesparlamente und/oder -Regierungen. Und da sollte sich möglichst Jede und Jeder beteiligen, damit man sieht wie ernst es “uns Bürgern” ist und dass es so nicht weitergehen kann. Anders meinen “Die da oben” doch nur, sie können weiter schieben und schieben und . . . weiter bürgen und bürgen und zahlen und zahlen und uns weiter verschulden, bis wir selber finanziell am Ende sind und Insolvenz anmelden müssen.

Was die Bürgerbeteiligung zum Protest betrifft, ahne ich allerdings Böses!

61) StefanP, Montag, 10. Oktober 2011, 14:07 Uhr

Es scheint tatsächlich nicht die Stärke des Sprengsatzes zu sein differenzieren zu können. Wie gehabt fehlt es an allem, dem schlagzeilenträchtigen Kommentar geht der genaue Blick auf die Ereignisse völlig abhanden.

Die weltweite Finanzkrise, in deren Mittelpunkt erst ausfällige Finanzkonstruktionen von Investmentbanken standen, hat sich zu einer Krise der Staatsfinanzen gewandelt, deren Kern Staaten sind, die aufgrund überbordender Verschuldung und /oder Wettbewerbsschwäche ihrer Volkswirtschaften unter aktuter Liquiditätsnot leiden. An dieser Stelle verirrt sich Herr Spreng das erste Mal: Während die Finanzkrise zahlreiche Banken zum Kollaps brachte, die rege im Investmentbanking tätig waren und mit Geld spekulierten, das sie nicht besaßen, sind es nun eher traditionelle Geschäftsbanken. Macht ja nichts, Bank ist Bank und wenn man alle in einen Sack steckt, wird man schon irgendwie den Richtigen treffen. So zumindest mag sich der Bloginhaber gedacht haben.

Was danach kommt, ist so falsch wie es nur sein kann. Der nächste Vorwurf lautet, die Kreditinstitute hätten mit den Staatsanleihen unsittlich viel Geld verdient. Das mag sein, sicher jedoch nicht zu Lasten eben der Staaten, die heute am Pranger der Finanzmärkte stehen, schließlich sind die Zinsspreads in den letzten 10 Jahren nahe Null gewesen, während sie vor der Euroeinführung noch heftigst differgierten. Es muss also mehr dahinter stecken und die These ist nicht gewagt: die Anleger haben auf die Worte der Politik vertraut.

Den so häßlich bezeichneten PIIGS ist es mit dem Euro gelungen, ihre Zinslast deutlich, zum Teil um 60%, zu drücken und dies geschah natürlich zu Lasten der Sparer und der Banken. Diese gravierende Schuldzinssenkung war an den Märkten möglich, weil sich die Staaten zu Haushaltsdisziplin und strengen Sanktionen verpflichtet hatten. Es bestand Anlass zu glauben, Italien würde unter dem Regime der Maastrichtverträge ähnlich solide wirtschaften wie die gar nicht so soliden Deutschen. Allein, es war ein Irrtum, wie wir heute wissen und es stellt sich im Nachgang die Frage, wie sicherheitsbewusste Anleger so lange Politikern vertrauen konnten, die Bilanzbetrug zur Staatsräson erhoben haben.

Auch heute noch werden die Anleihen Griechenlands, Portugals und Italiens weitgehend von als seriös angesehenen Instituten gehalten, die diese oft kaufen, um sie ihren Kunden anzubieten. Sie haben auf die Bitten der Politik gehört, ihre Portfolios nicht zu bereinigen, nicht weiter Unruhe zu schüren, sondern darauf zu vertrauen, die Chefs der EU würden das Problem schon in den Griff bekommen. Allein, so geschieht es nicht, die Probleme sind zu tief und zu langfristig, als dass sie sich binnen Jahresfrist lösen ließen. Doch wer lange sein Geld anlegt, muss vertrauen können. So ist die heutige Staatsfinanzkrise eine Krise des ökonomischen Vertrauens. Das bekommen gerade Länder mit fragwürdiger politischer Führung wie eben Griechenland, aber auch Italien und die USA zu spüren.

Und so müssen die Banken tun was sie bei Kreditausfällen tun müssen: ihre Forderungen wertmäßig zurückstufen oder gar abschreiben. Da Staatsanleihen ein zentraler Faktor auf dem Markt des Sparens und Investierens sind – der Staat hat sich auch hier in die Privatwirtschaft gedrängt und andere verdrängt – bringt dies natürlich Institute in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Nichts gelernt? Wahrscheinlich doch. Ratingagenturen stufen Risikoschuldner heute hemmungslos in ihrer veröffentlichten Bonität herab, die Vertrauenswürdigkeit von Finanzakteuren wird gründlich(st) untersucht. Wer kein Vertrauen besitzt, bekommt kein Geld (mehr).

Man kann über eine Finanzmarkttransaktionssteuer als Finanzierungsinstrument innerhalb der Eurozone reden – Peer Steinbrück hat diese übrigens bereits vor 1 ½ Jahren angeregt, nur: was soll sie zur Lösung des gegenwärtigen Problems beitragen? Sie wäre ein Placebo, wie so vieles andere auch. Symbolaktionen sind gut für den Wähler, aber auch nur das.

Und Herr Spreng, gebärden Sie sich lieber nicht als oberster Sozialistenführer: „Produkt- und Geschäftskontrolle, Gehaltsdeckelung wie bei der Commerzbank, Boni-Verzicht. Notfalls auch eine Zwangskapitalisierung von Instituten wie der Deutschen Bank, um Einfluss auf die Geschäftspolitik zu bekommen.“

In einem solchen Land wollen Sie nicht wirklich leben. Um zu studieren, wie verherrend sich ein so durchgreifender Staatseinfluss auf das Wohl von Bürgern und Unternehmen auswirkt, braucht es nur einen Blick in manches ehemalige Ostblockland, aktuell seien hier Ungarn und Lettland als Lernobjekt empfohlen. Aus eigener Anschauung kann ich sagen: Um Gottes Willen, bloß nicht! In dem Land, wo ich das gerade erlebt habe, tue ich mich gerade schwer, wieder zurückzukehren, denn es ist schwer, unter solchen Bedingungen zu arbeiten. Prosperität bleibt dabei, man kann es an den Zahlen ablesen, auf der Strecke.

62) Riesenmaus, Montag, 10. Oktober 2011, 14:12 Uhr

@ Dieter Carstensen

Nun in einem stimme ich ihnen zu! Man ist nie zu alt, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren. Ich finde, das ist geradezu Bürgerpflicht eines mündigen Demokraten.

Und ich finde es auch als ungerecht, was mit Griechenland derzeit geschieht. Aber ich finde auch, dass Griechenland nur symbolisch steht, für alle die Ungerechtigkeiten, welche durch das System des derzeit global regierenden Börsenkapitalismus hervorgebracht werden.

Heute Griechenland, morgen Spanien, Portugal oder Italien und übermorgen Deutschland und in nicht allzu weiter Ferne auch die USA, das Mutterland des Börsenkapitalismus. Denn zwei Dinge zeigen mir, dass auch die USA am Wanken ist.

Zum einen wurde sie von einer dieser in meinen Augen nutzlosen „Ratingagenturen“ in der Kreditwürdigkeit herabgestuft. Zum Zweiten erhielten sie neulich von China im Rahmen einen Staatsbesuches weiter Milliardenkredite zugesprochen, wobei es sich natürlich von selbst versteht, dass über Menschenrechte nicht geredet wurde.

Ergo: „Griechenland“ kann überall sein! Und nicht nur selbst ernannte Klassenkämpfer sollten dafür kämpfen, dass der Einfluss der Spekulanten, Banken und Ratingagenturen nicht so weit reicht, dass das eigentliche Griechenland nicht das bleiben darf, wofür wir es lieben, worunter ich nicht nur Gyros und Ouzo verstehe. ;-)

63) m.spreng, Montag, 10. Oktober 2011, 16:08 Uhr

@StefanP

Bekanntlich haben die USA nie dem Ostblock angehört, dennoch haben sie nach der Lehman-Pleite zum Mittel der Zwangskapitalisierung gegriffen und den Staat an allen relevanten Banken beteiligt.

64) Ste, Montag, 10. Oktober 2011, 16:12 Uhr

Ein offenes Geheimnis und eine Zusammenfassung: Neoliberale tendieren zur Aussage, der Grund der Krise sei es, dass “wir alle über unsere Verhältnisse gelebt haben”, ergo: eine Staatsverschuldungskrise, der Rest ist zu Recht der Meinung dass die Krise schon immer eine Bankenkrise aufgrund der Spekulationsgeschäfte war, ist und sein wird.

65) Frankilein66, Montag, 10. Oktober 2011, 16:25 Uhr

@StefanP.

“differgierten” ?

Kein Schreibfehler, nicht wahr? Sie glauben wirklich, das Wort wird so geschrieben?

66) Jeeves, Montag, 10. Oktober 2011, 16:49 Uhr

Vor ein paar Jahren hätte Herr Spreng den Schreiber obiger Zeilen als pöser Kommunist verunglimpft und ihm zugerufen: “Geh doch nach drüben!”
So ändert sich ein Mensch. Dieser Mensch, Herr Spreng. Und das ist gut so.

67) Bernhard Paul, Montag, 10. Oktober 2011, 17:05 Uhr

48) sk8erBLN

Bank ist nicht gleich Bank und Finanzgeschäft ist nicht gleich Finanzgeschäft. Man muss schon noch differenzieren.
Der „Raubtierkapitalismus“ (Helmut Schmidt) oder „Casino-Kapitalismus“ (Werner Sinn) mit seinen hochspekulativen, abenteuerlichen Zocker-Geschäften ist jene Art von Kapitalismus, den Karl Marx vor 150 Jahren schon als ein Verbrechen am anständigen Teil der Menschheit vorhergesagt hat. Er hat die Finanzkrise von 2008 nicht ausgelöst, aber verursacht.

Im Fall Griechenland und anderen Ländern geht es insbesondere um Staatsanleihen, die jeder Staat zur Refinanzierung auflegt. Sie werden gekauft und verkauft, gehandelt, verzinst, Privatleuten angeboten, die Staaten selbst mischen mit – und am Ende soll ein Sümmchen übrigbleiben, für alle Beteiligten. Ein seit Jahrzehnten so gehandeltes Finanzierungsmodell. Kritik drana gab es kaum.

Das Problem ist doch, dass sich die Staaten überschulden. Das ist dann, anders als bei Krediten an Privathaushalte oder Unternehmen, die auf Kreditwürdigkeit geprüft werden, nicht die Schuld der Banken. Hier muss die Eigenkontrolle der Länder greifen, wozu haben diese ihre (öffentlichen) Finanzkontrollmechanismen? Wenn diese versagen, kann man dies nicht den Banken vorwerfen. Die Banken wissen, dass Staaten in der Regel gute Schuldner sind und greifen entsprechend zu.

Amerikaner haben angefangen, gegen den Casino-Kapitalismus zu demonstrieren. Das wird bald auch in Europa der Fall sein. Bei den konservativen Bankgeschäften hingegen sollte man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten – oder mit dem Unkraut nicht nicht gleich die gute Saat ausreißen.

68) StefanP, Montag, 10. Oktober 2011, 17:06 Uhr

@m.spreng

Der Punkt war, dass Sie deutlich weiter als die USA gehen wollen, nämlich Sie befürworten die Produkt- und Geschäftskontrolle des Staates über die Banken. Dazu hat der Staat weder die fachlichen Kompetenzen noch die Resourcen. Zudem sollten Sie wissen, dass die Bafin berechtigt ist, an Aufsichtsratssitzungen von Finanzinstituten teilzunehmen und Einblick in Geschäftsunterlagen erhält. Die Bafin hat davon bei den meisten Banken schon vor der Finanzkrise großzügig Gebrauch gemacht.

Dies sind sehr weitreichende Kompetenzen, die jedoch die Krisen an den Finanzmärkten nicht verhindert haben. Zur Kontrolle bedarf es daneben nicht nur Regularien, sondern fachliches Know-how und Motivation. Beides findet sich bei staatlichen Behörden nur begrenzt, allerdings ein gewisser Hang zur Drangsalierung.

69) Johannes, Montag, 10. Oktober 2011, 18:22 Uhr

http://www.sekundemal.de

“Die Politik muss all das endlich tun, was sie seit 2008 in unverantwortlicher Weise versäumt hat.”
Genau so ist es! Man kann den Banker nicht dafür kritisieren, dass er im Rahmen des Möglichen den größtmöglichen Nutzen für sich und sein Unternehmen rausschlagen will. Das Problem ist eben “der Rahmen des Möglichen”, hier ist ganz klar die Politik gefragt. Freie Marktwirtschaft muss ihre Grenzen haben.

70) Verleihnix!, Montag, 10. Oktober 2011, 18:49 Uhr

In der Tat ist das Handlungsprogramm der Banken für beide Bankenkrisen identisch: 1.) Die Risikoprämien als Gewinne ausweisen. 2.) Die Gewinne und damit auch die Risikoprämien aus der Bank ziehen. 3.) Bei Risikoeintritt den Steuerzahler die Bank retten lassen.
Die Banken sind also Täter und nicht Opfer in dieser Krise! Und sie werden den Steuerzahler auch noch ein drittes und viertes Mal zur Kasse bitten wenn wir ihnen nicht Einhalt gebieten!!

71) Peter Christian Nowak, Montag, 10. Oktober 2011, 19:15 Uhr

@34)Bernhard Paul

°°man kann den Banken nicht vorwerfen, dass sie ausgegebene Kredite wiederhaben wollen, zumindest zum größeren Teil.^^

Man kann aber den Banken vorwerfen, daß sie das Geld wider besseres Wissen verliehen haben, weil sie wußten, dass sie das Geld von den Steuerzahlern auf jeden Fall zurückbekommen. Und deshalb ist die Forderung nach einer höheren Beteiligung der Banken und ihren Aktionären gerechtfertigt.

72) Peter Christian Nowak, Montag, 10. Oktober 2011, 19:18 Uhr

@34)Bernhard Paul

Stimmt schon. Aber damals hatten wir Vollbeschäftigung, keine Hungerlöhner und keine prekären Beschäftigung durch unterbezahlte Leiharbeiter usw. Daher hinkt Ihr Beispiel.

73) Peter Christian Nowak, Montag, 10. Oktober 2011, 19:30 Uhr

@35)Tim
^^Bitte mal nachdenken, bevor man Forderungen stellt, die mit den tatsächlichen Problemem nichts zu tun haben.^^

…das möchte ich Ihnen anempfehlen…

…denn diesen Ihren Satz sollten Sie doch mal für sich noch mal durchlesen…(…) Hätten die Banken etwa keine Schrottanleihen in Griechenland gekauft, wenn es keinen Hochfrequenzhandel gegeben hätte, dafür aber z.B. eine Transaktionssteuer? Doch, natürlich hätten sie das getan.(…)

Was sie damit meinten, verstehe wer will.

74) Peter Christian Nowak, Montag, 10. Oktober 2011, 19:45 Uhr

@63)m.spreng

^^Bekanntlich haben die USA nie dem Ostblock angehört^^

Bei StefanP. schon….mal abgesehen von seiner Küchenökonomie, reinschütten, umrühren, fertig…der Lafer des hiesigen Blogs…(grins)

75) Peter Christian Nowak, Montag, 10. Oktober 2011, 19:54 Uhr

@60)klein Erna

Aber klein Erna…wenn schon unsere Regierung mit den Problemen überfordert ist, wie kommen sie dann darauf, daß der ganze Mist von Ottonormalo umso besser verstanden wird? ” Wo bitte geht es hier zum Weihnachtsmann?”, möchte man fragen.

76) sk8erBLN, Montag, 10. Oktober 2011, 21:11 Uhr

@ 61) StefanP, Montag, 10. Oktober 2011, 14:07 Uhr

“Auch heute noch werden die Anleihen Griechenlands, Portugals und Italiens weitgehend von als seriös angesehenen Instituten gehalten, die diese oft kaufen, um sie ihren Kunden anzubieten. Sie haben auf die Bitten der Politik gehört, ihre Portfolios nicht zu bereinigen, nicht weiter Unruhe zu schüren, sondern darauf zu vertrauen, die Chefs der EU würden das Problem schon in den Griff bekommen.”

Sagen Sie bitte bescheid wenn die Märchenstunde beendet ist? Es fällt mir schwer diesen neoliberalen Unfug zu ertragen, den Sie in die Welt setzen.

Ich greife mir das soeben gerettete “angesehene Institut” DEXIA mal heraus.:

“Eine Bad Bank soll die Risikoaktiva der Dexia in Höhe von 95 Mrd. Euro aufnehmen, darunter 12 Mrd. Euro an Staatsanleihen der PIIGS und zusätzlich 7 Mrd. Euro an US-Hypothekenverbriefungen.”
http://www.querschuesse.de/dexia-wird-zerschlagen/

Es scheinen nicht (mehr) die Staatsanleihen zu sein, die DEXIAs Niedergang besiegelt haben. Die wurden in Höhe weiterer 150 Milliarden nämlich schon zuvor von Belgien und Frankreich übernommen in 2008. So wie DEXIA schon 2008 zusätzlich von der FED weitere 31,8 Milliarden US $ erhielt.

Dass die Herren Finanzgenies und Vorstände dieser Pleitebank nach wie vor Millionensaläre für ihre Zockereien erhalten bis zum heutigen Tage sei als Petitesse am Rande noch erwähnt.

Mit anderen Worten, Ihr billiger versuch die Verantwortung weg von den “angesehenen Instituten” zu schieben war ein Rohrkrepierer erster Ordnung.

77) Stephan Hassler, Montag, 10. Oktober 2011, 21:24 Uhr

Wieder die Banken???
Ja genau die.Wann sehen wir ein das unser Geld nicht in den Händen von
skrupelosen Bänkern gehört.Erst dann wenn wir wieder für ein Brot
1000000 € bezahlen damals waren es Reichsmark.
Wir jagen einpaar Zinsen hinterher die uns keiner je Garantieren kann.
Das Geld muss Morgen von uns alle abgehoben werden.
Es ist unser Geld niemanden anders.
Besser noch wie jetzt in Amerika auf nach Frankfurt vor die Börse
und diese Belagern, wie auf der Wallstreeet.
Aber zuvor bitte alles abheben.Dann zuschauen wie diese Verbrecher an unseren Eigentum selbst zugrunde gehen.
Entweder wir erkennen wieder die zeichen der Zeit oder wir stehen Morgen ohne Geld da.
Wir sind 99% mit sehr wenig Einkommen aber es gibt in dieser Gesellschaft 1% die haben
mehr wie ein ganzer Staat zusammen.
Holen wir uns das eine Prozent stellen wir ein Gleichgewicht her.

Go on poeple too the Bank / 99 vs. 1

Stephan Hassler

78) karel, Montag, 10. Oktober 2011, 22:32 Uhr

@ StephanP.
Ich kann Ihnen nur beipflichten.
Wenn der Staat sich als Großkunde bei den Banken aufstellt,
dann zahlungsunfähig wird, dann haben nicht die Banken,
dann hat die Politik versagt.
Der Bürger zahlt dann die Zeche für den “bequemen” Weg.
Eben diesen Weg, den der Bürger per Wahlen selbst wählte.
Versagt, weil die Politik das Vermögen des Volkes den Banken verpfändete.
Und nun den Banken das Geld zurückgeben muß. Heute als “Bankenrettung” deklariert.
Und diese Entwicklung begann ja nicht erst vor einer Woche.
Wir haben aktuell mehrere Probleme, die der jetzigen Regierung hinterlassen wurden:
1. die US-Immobilienkrise, die unredliche Papiere produzierte, die dank der Finanzmarktreform zu Beginn dieses Jahrhunderts hierzulande gesellschaftsfähig wurden und somit unsere Landesbanken “beglücken” durften.
2.der Bruch der Stabilitätskriterien, ebenfalls in dieser Zeit, der die einsetzende Verschuldungs-Orgien “beförderte” und somit die No-Bailout-Klauseln regelrecht “wegspülte”, da die Alternative europaweite Bankenpleiten und somit Staatspleiten und Totalverlust der Sparergroschen bedeuteten.
3. der eigene laxe Schuldenumgang, begonnen in den 70ern, dem die aktuelle Regierung schon 2005 mit einer angekündigten Mehrwertsteuererhöhung und einer Schuldenbremse begegnen wollte.

Wie aus den Kommentaren ersichtlich, prägt nicht die Wirklichkeit , eher der “gepflegte” Mainstream die Bürger.

79) Mark, Dienstag, 11. Oktober 2011, 07:38 Uhr

@ 67) Bernhard Paul, Montag, 10. Oktober 2011, 17:05 Uhr

> Das Problem ist doch, dass sich die Staaten überschulden. Das ist dann,
> anders als bei Krediten an Privathaushalte oder Unternehmen, die auf
> Kreditwürdigkeit geprüft werden, nicht die Schuld der Banken.

Die Schuld der Banken ist es, sich als Geldgeber nicht über die Kreditwürdigkeit informiert zu haben. Der Hinweis auf die Ratingagenturen zieht hier nicht, da diese -wie ja spätestens seit der Finanzkrise 2008 bekannt ist- ebenfalls keine Ahnung haben.

Weshalb nun der deutsche Steuerzahler für die Mißwirtschaft in Griechenland und das Desinteresse und/oder die Unfähigkeit von Kreditgebern einspringen soll, das erschließt sich mir nicht. Noch weniger erschlie0t sich mir, weshalb der deutsche Steuerzahler einspringen soll, obwohl es immer noch reiche Menschen gibt in Griechenland? Diese sollten erstmal zur Kasse gebeten werden, mit einer fetten Vermögensabgabe. Dann sehen wir weiter.

Kurzum: Es ist ein grober Fehler, wenn der deutsche Steuerzahler für das Streben der Anleger nach einem halben Prozentpunkt höheren Zinsen bezahlen soll. Dadurch werden wesentliche Funktionen der Marktwirtschaft ausgehebelt, so daß wir tatsächlich mit Fug und Recht von der EU als EUDSSR sprechen können.

80) Mark, Dienstag, 11. Oktober 2011, 08:00 Uhr

@ 78) karel, Montag, 10. Oktober 2011, 22:32 Uhr

> Wenn der Staat sich als Großkunde bei den Banken aufstellt,
> dann zahlungsunfähig wird, dann haben nicht die Banken,
> dann hat die Politik versagt.

Da sprechen Sie ein wahres Wort: Die Politik hat versagt, allerdings nicht erst in der Bankenkrise 2008, sondern weitaus vorher: Mit der Einführung des Euro gegen alle Bedenken als reine Währungsunion ohne politische Union und ohne hinreichende demokratische Legitimation. Hier stand der Wunsch von Helmut Kohl im Vordergrund, als ganz großer in die Geschichtsbücher einzugehen. Das wird er jetzt, aber anders als gedacht, und mit ihm viele, viele Politiker, die bei dem Euro-Wahn willfährig mitmachten.

> Der Bürger zahlt dann die Zeche für den “bequemen” Weg.
> Eben diesen Weg, den der Bürger per Wahlen selbst wählte.

Jaja, die Hardliner unter den Euro-Rettern sagen immer: “Aber ihr habt doch alle die gleichen Parteien wiedergewählt, die Euch das alles eingebrockt haben.” – Das stimmt und ist nicht zu entkräften. Weshalb ich auch von einer weit reichenden Medienkrise spreche. Die Medien kommen ihrem Auftrag, mit uns und für uns die Politik zu durchleuchten, kritisch zu hinterfragen, und den Politikern generell das Lügen so schwer wie möglich zu machen, nicht nach.

Aber natürlich hätte man gerne auch mal das Volk direkt befragen können zur Ausrichtung der EU. Zur Einführung des Euro. Zur Erweiterung mit Zwergstaaten aus dem Osten. Zur Euro-Rettung. Aber die Politiker WUSSTEN und WISSEN, weshalb es diese Abstimmungen nicht gibt. Der Bürger, der angebliche Souverän, hätte die feuchten Träume der Europa-Ideologen aber sowas von zerschlagen.

Nun rächt es sich, dass man den Bürger einfach am Bahnsteig hat stehen lassen. Der Bürger sagt – ist nicht mein Euro, ist nicht meine EU. Macht doch was ihr wollt, aber gebt nicht mein Geld aus für Dinge, die ich von Anfang an nicht wollte.

Hier mal ein Bericht aus dem Focus zur Jahreswende 1996/1997:

http://www.focus.de/politik/deutschland/focus-umfrage-angst-vor-dem-euro_aid_162848.html

Aber die Politik hat sich konsequent gegen den Bürgerwillen entschieden. So wie heute ja auch. Es hat sich also nichts geändert. DAS aber wird mittelfristig das System ändern. Jetzt müssen die Leute nur noch begreifen, dass rot/grün eben NICHTS ändert. Genausowenig wie schwarz/gelb, schwarz/gelb/rot/grün, schwarz/grün, rot/gelb/grün. Von denen will JEDER das Geld an Banken, Versicherungen und Superreiche aushändigen. Das ändert also nix.

Aber da kommen wir auch noch hin.

81) Bernhard Paul, Dienstag, 11. Oktober 2011, 08:45 Uhr

@61 StefanP (Montag, 10. Oktober)

Zweifellos ein substanzielles wissenschaftliches Kompendium zum Finanzsektor, das Sie uns da anbieten. Wo Sie allerdings M. Spreng vorhalten, zu wenig zu differenzieren, tun Sie selbst zuviel des Guten.

Ich kann nur zustimmen, was Sie über konservative Geldgeschäfte der internationalen Großbanken vorbringen, zum Beispiel Staatsanleihen und wie sich das Verhältnis Finanzkapital zu Politik und umgekehrt zuletzt gestaltet hat und weiter gestalten wird.

Keine internationale Großbank betreibt aber nur die klassischen konservativen Geldgeschäfte, sondern eben auch jene hochspekulativen und brutal riskanten, deren einziger gewaltiger Fehlschlag ganze Volkswirtschaften erschüttern oder gleich in den Abgrund reißen kann. Insofern ist die Differenzierung – hier seriöses Geschäft, dort hochgradig gefährliches Geschäft – kaum möglich, schon deshalb nicht, weil sich Bankgeschäfte der öffentlichen, oft genug sogar einer efiizienten bankinternen Kontrolle entziehen. Die konservativen und spekulativen Geldgeschäfte gehen fließend ineinander über. Wie und wo wollen Sie differenzieren?

Insofern hat Spreng natürlich recht, dass sich die Großbanken im Fall Griechenland und anderen Euro-Staaten aus guten Gründen auf die Vergesellschaftung der Verluste, sprich: Verlustausgleich aus Steuern, verlassen können. Wie schon erwähnt: Staaten sind die besten Schuldner.

82) sk8erBLN, Dienstag, 11. Oktober 2011, 09:37 Uhr

79) Mark, Dienstag, 11. Oktober 2011, 07:38 Uhr

“…obwohl es immer noch reiche Menschen gibt in Griechenland? Diese sollten erstmal zur Kasse gebeten werden, mit einer fetten Vermögensabgabe. Dann sehen wir weiter.”

Ich erlaube mir mal “weiter zu sehen”, genauer der Herr Barroso schaut weiter:

“Barroso will Nicht-Euro-Staaten zahlen lassen

Bislang helfen die Länder der Euro-Zone dem klammen Griechenland, doch nun will Brüssel auch alle übrigen EU-Staaten einspannen. Solche Hilfe sei im Eigeninteresse, sagt EU-Kommissionspräsident Barroso und meint damit auch Großbritannien. Überzeugen wird das London schwerlich: Außenminister Hague geißelte den Euro jüngst als “Wahnsinn”. ”

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/griechenland-rettung-barroso-will-nicht-euro-staaten-zahlen-lassen-1.1158831

Wie kommen Sie nur auf die Idee irgendwelche “Reichen” könntn ernsthaft zur Behebung der Schuldenkrise herangezogen werden. Deren “unglaublich hart arbeitendes Geld * Sarkasmusmodus aus* wird selbstverständlich nicht angetastet! Es gilt weiter die Maxime die auch für den Rest der Finanzoligarie: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.

83) Gregor Keuschnig, Dienstag, 11. Oktober 2011, 09:45 Uhr

@81/Bernhard Paul
Staaten sind die besten Schuldner.
Genau dieses Prinzip bröckelt derzeit nicht nur – es wird gesprengt. Wenn diese Krise ein Gutes hat, dann die Erkenntnis, dass die überbordende Verschuldung der Staaten – bisher möglich aufgrund der Globalisierung des Finanzmarktes – an ihre Grenzen stösst. Heute reden wir über Griechenland, Portugal, Italien und Spanien (und retten damit die Banken, die sich fahrlässig auf eine wie auch immer geartete Sicherheit verlassen). Morgen werden wir aber über die Kreditwürdigkeit von Deutschland und Frankreich zu reden haben. Und zwar nicht nur, weil diese Volkswirtschaften die Garantien nicht mehr aufbringen können, die da eingelöst werden. Sondern weil sie ja selber enorme Verschuldungen mit sich herumschleppen.

Zunächst wird man irgendwann massiv Geld drucken. Die Folge ist eine Art Hyperinflation: Billionen von Sparvermögen werden vernichtet werden, aber damit auch die Schulden. Danach gibt es dann eine Währungsreform und alles beginnt wieder von vorne.

84) StefanP, Dienstag, 11. Oktober 2011, 10:50 Uhr

@76) sk8erBLN

Die größten Privat-Gläubiger Griechenlands sind laut einer Aufstellung von Goldman & Sachs:

BNP Paribas SA 5,0 Mrd. Euro
Dexia SA 3,5 Mrd. Euro
Commerzbank AG 3,0 Mrd. Euro
Société Générale SA 2,7 Mrd. Euro
ING Groep NV 2,4 Mrd. Euro
Deutsche Bank AG 1,6 Mrd. Euro

Das sind, mit Ausnahme der Deutschen Bank AG, keine internationalen Größen im Investmentbanking.

“Eine Bad Bank soll die Risikoaktiva der Dexia in Höhe von 95 Mrd. Euro aufnehmen, darunter 12 Mrd. Euro an Staatsanleihen der PIIGS und zusätzlich 7 Mrd. Euro an US-Hypothekenverbriefungen.

Es scheinen nicht (mehr) die Staatsanleihen zu sein, die DEXIAs Niedergang besiegelt haben.”

Um das seriös beurteilen zu können, müssten wir mal in die Bilanz der DEXIA schauen. Können Sie Bilanzen lesen? Jedenfalls ist aus Ihrem Link Ihr Urteil nicht nachvollziehbar, soweit man gerade die US-Hypothekenverbriefungen (etwas mehr als 7% der in Rede stehenden Summe) als dubios heranzieht. Sie sind ziemlich flink im Bewerten.

85) StefanP, Dienstag, 11. Oktober 2011, 11:02 Uhr

@81) Bernhard Paul

“Keine internationale Großbank betreibt aber nur die klassischen konservativen Geldgeschäfte.”

Tja, kommt darauf an, was Sie als Spekulations- und was als konservatives Geldgeschäft werten. Fast jedes Institut macht einen wesentlichen Teil seiner Geld- und Währungsgeschäfte mit Geschäftskunden. Denn, das ist völlig in Vergessenheit geraten, Aufgabe von Kreditinstituten in einer Volkswirtschaft ist es, für einen reibungslosen Kapitalfluss zwischen Haushalten (Sparern) und Unternehmen (Investoren) zu sorgen. Staaten als Schuldner kommen da übrigens nicht vor.

Das Bedürfnis von Unternehmen nach Finanzprodukten erstreckt sich bei international verzweigten Geschäften nicht allein auf die Beschaffung von Investitionskapital für Anlagegüter. Hoch im Kurs stehen Währungssicherungsgeschäfte (für den Sicherungsgeber damit spekulativ) oder der Erwerb von Anteilsscheinen bei Übernahmekandidaten (Optionsgeschäfte). Sowohl Bedarf als auch Notwendigkeit für solche Art Investmentbanking sind unbestreitbar vorhanden.

Ich sehe wie bereits erwähnt nicht, wo sich solche Bankgeschäfte der öffentlichen Kontrolle entziehen, so wir nicht von Spezialfällen wie beispielsweise Hedgefonds reden, die nicht im Fokus der Staatsfinanzkrise stehen. Zur Kontrolle der Banken gibt es weitreichende Aufsichtsregelungen, allein, sie haben nicht wirksam geholfen. Ich habe starke Zweifel, dass noch weitreichendere Gesetze mehr bewirken können. Ich habe oft mit Fachleuten aus dem Staatsbereich gearbeitet. Deren fachliche Qualität und Motivation ist, um es vorsichtig zu formulieren, nicht über jeden Zweifel erhaben.

86) sk8erBLN, Dienstag, 11. Oktober 2011, 11:02 Uhr

@ 67) Bernhard Paul, Montag, 10. Oktober 2011, 17:05 Uhr
Ich hatte Ihren Beitrag gestern übersehen, daher erst jetzt die Antwort.
Sie schreiben:

“Bank ist nicht gleich Bank und Finanzgeschäft ist nicht gleich Finanzgeschäft. Man muss schon noch differenzieren.”

Damit haben Sie recht und genau das tue ich ja. Ich gehe der Frage auf den Grund, weshalb die Banken so bereitwillig Staatsanleihen aufkaufen.

Da ist auf der einen Seite der oben beschriebene Mechanismus sich selbst Geld für de facto 0% leihen zu können bei der EZB und dieses Geld erfolgreich in Staatsanleihen zu “investieren”.

Banken müssen bei Staatsanleihen die mit AAA bis AA- bewertet sind, _kein_ Eigenkapital hinterlegen. Ab einer Bewertung von A+ bis A- müssen 20% hinterlegt werden (faktisch 1,6% gemessen am Eigenkapital, das von den Aufsichtsbehörden als solchen akzeptiert wird).
Bei Unternehmensanleihen mit einer Wertung ab AAA bis AA- muss die Bank 20% hinterlegen. Zwischen A+ bis A- 50% usw.
Bei Retailgeschäften (Privatpersonen) im Schnitt 75%.

Jetzt sollte die daraus resultierende Konsequenz deutlich werden. Via Staatsanleihen ist es der Bank möglich sich bequem so zu vergrößern, dass sie als “too big to fail” eingestuft werden muss während sie bequem damit auch noch Geld verdient.
siehe diese Übersicht zu Staatsanleihen aus 2009:
“Staatsanleihen bringen hohe Zinsen
Die Staatshaushalte sind erschöpft. Wer den verschiedenen Staaten jetzt Geld leiht, kann mit hohen Renditen rechnen.Vor allem osteuropäische Staaten belohnen Anleger derzeit mit bis zu zehn Prozent Rendite. Deutsche Anleihen hingegen werfen nur magere Zinsen ab.”
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/finanz/staatsanleihen-bringen-hohe-zinsen/1505600.html

Und das wo jedermann bewusst ist, dass auch Staatsanleihen sehr wohl ausfallgefährdet sind. Die Staatsanleihen finanziert sich einfach selbst und werfen dabi zusätzlichen Gewinn ab, je risikoreicher eingestuft, je mehr.
Die spärlich vorhandene Eigenkapitalquote wird durch Staatsanleihen nicht tangiert und bleibt frei für die hochspekulativen Investments. So läuft das.

Und nun noch genauer zur Eigenkapitalquote ein Paar wichtige Zitate:

“Prof. Dr. Michael Braulke Lehrstuhl für VWL-Außenwirtschaft, Universität Osnabrück:
Schon nur 10 % Eigenkapitalquote sind ein Witz. Gibt irgendeine Bank einem großen Mittelständler
Kredit, wenn er nur eine Eigenkapitalquote von 10 Prozent hat?”

“Prof. Dr. Horst Schellhaaß Direktor des Instituts für Rundfunkökonomie, Universität Köln:
Angesichts der Verluste, die verschiedene Finanzinstitute in der Finanzkrise erlitten haben, ist eine
Kernkapitalquote von zehn Prozent als Risikovorsorge sinnvoll, insbesondere da – durchaus
ausfallgefährdete – Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital hinterlegt werden müssen.”

“Prof. Dr. Jürgen Kähler Institut für Wirtschaftswissenschaft , Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg:
Eine höhere Eigenkapitalquote als bisher (unter Basel II) ist nur ein Element in der notwendigen
Reform des Bankensystems. Ebenso wichtig ist es, dass die Eigenkapitalquoten auch tatsächlich in
einer Krisensituation als Puffer zur Verlustabsorption eingesetzt werden können. Hier sind die
Regelungen von Basel III (Kapitalerhaltungspuffer von 2,5% und antizyklischer Puffer von bis zu
2,5%) sehr sinnvoll. Mit diesen beiden Puffern würde die Eigenkapitelquote bis zu 13% in der Endausbaustufe betragen. Das sollte hinreichend sein”

Teilweise wird eine noch wesentlich höhere Eigenkapitalquote gefordert:

“Prof. Dr. Christian Dreger Professur für VWL, insb. Makroökonomie, Europauniversität Viadrina
Frankfurt/Oder:
Eine höhere Kernkapitalquote schafft zusätzliches Vertrauen, weil Risikopositionen in höherem
Maße mit Eigenkapital unterlegt sind. Dies ist anzuraten, um das Prinzip der Eigenhaftung zu
stärken. Auf integrierten Finanzmärkten haben auch die Ansteckungsgefahren zugenommen, das
Banken in eine Schieflage geraten. Daneben kann die höhere Quote mit Blick auf Übernahmen
vorteilhaft sein. Man sollte aber nicht glauben, damit gegen alle Krisen gewappnet zu sein.”

“Prof. Dr. Peter Oberender ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftstheorie, Universität
Bayreuth:
7,5% und auch 10% sind zu niedrig. Es sollte 25% gefordert werden.”
http://images.finanzen.net/mediacenter/unsortiert/oekonomen_barometer_201103_zitate_online.pdf

Staatsanleihen sind Bestandteil des Geschäftsmodells wenn eine Bank es darauf anlegt gerettet werden zu müssen.
Diesen Vorwurf muss man den Banken also sehr wohl machen, es ist schließlich seit Jahren bekannt dass Staatsanleihen wertlos werden können.

87) StefanP, Dienstag, 11. Oktober 2011, 11:32 Uhr

@79) Mark

Die Schuld der Banken ist es, sich als Geldgeber nicht über die Kreditwürdigkeit informiert zu haben. Der Hinweis auf die Ratingagenturen zieht hier nicht, da diese -wie ja spätestens seit der Finanzkrise 2008 bekannt ist- ebenfalls keine Ahnung haben.

Natürlich haben sich die Banken über die Kreditwürdigkeit der Länder informiert. Bis vor kurzem haben die namhaftesten Ökonomen der Welt in bestimmten Fällen eine Staatsverschuldung von sogar deutlich über 100% des BIP als unproblematisch angesehen. Es gab wenig Anlass, daran zu zweifeln. Heute wird das anders bewertet, womit wir beim Punkt sind:

Ökonomische Einschätzungen sind immer auch normativ. Bewertungen von Menschen ändern sich aufgrund neuer Informationen. Die weltweite Finanzkrise von 2008 hat zu einer deutlichen Änderung der Bewertungsstrukturen für Schuldpapiere geführt. Das, was Öffentlichkeit, Bürger und Politik als Konsequenz gefordert haben, ist eingetreten, nur sind eben heute Staaten die Mitbetroffenen solcher veränderten Paradigmen. Als Reaktion auf 2008 fordern Finanzakteure mehr Sicherheit, mehr Glaubwürdigkeit, mehr Stringenz, damit Vertrauen hergestellt werden kann.

88) Ste, Dienstag, 11. Oktober 2011, 12:07 Uhr

Ich fasse nocheinmal zusammen: Diejenigen, die meinen es sei eine Staatsschuldenkrise, meinen, a) die Staaten sind dumm und stinken, b) dass die Krise dadurch ausgelöst wurde, dass sich Staaten bei Banken Geld liehen und nun plötzlich nicht mehr zurückzahlen können. a) verstehe ich schonmal gar nicht und geht in Richtung Mystifizierung des Staates als Monster, obwohl ein Staat immer sozialistisch ist, da er sonst ein Tyrannenstaat, ein failed state ist; das Argument scheint mir daher eine Angstform aus einer neoliberalen Ideologie zu sein. b) verstehe ich nicht, wenn doch Banken wissen müssen wen sie Geld wie leihen, da scheint mir der dumme Staat ja doch nicht so dumm zu sein, sondern eher die Banken.

89) Ste, Dienstag, 11. Oktober 2011, 12:34 Uhr

Nachtrag zu 88.), es ist mal wieder wie immer komplexer; eine ausnahmsweise interessante Diskussion, auch wenn zu sehr nur auf die Banken geguckt wird: http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/311790_presseclub/8426258_wettlauf-gegen-die-schuldenkrise—m-ssen-die-b-rge?type=null

90) StefanP, Dienstag, 11. Oktober 2011, 12:48 Uhr

@88) Ste

Aus Ihrem Kommentar werde wohl nicht nur ich nicht schlau. Abgesehen davon, dass eine deftige Ausdrucksweise entgegen der Wortwahl nicht für ein Mehr an Klarheit sorgt. Ihr Schlusssatz gipfelt dann in einer Hypothese, die bei genauer Betrachtung irrwitzig ist. Danach müsste man zukünftig Intelligenztests neben dem Darlehensantrag verlangen.

Sie zeichnen ein Bild von der Institution Staat, das in keinem der Kommentare vorkam, auch nicht in einer neoliberalen Sichtweise. Im Bereich des Sozialen ist er lediglich eine Umverteilungsmaschine, die Geld von den einen nimmt, einen Verwaltungskostenanteil einbehält und den Rest an andere gesellschaftliche Gruppen verteilt. Ein geschlossener Kreislauf wäre es, würden die Einzahlungen gleich den Auszahlungen (+administrative Kosten) entsprechen.

Nur ist das kein Automatismus. Sowohl über die Höhe der Einzahlungen (Steuern) als auch das Niveau der Ausgaben (Transfers) bestimmen am Regler Politiker. Ob Politiker A oder B am Regler steht, bestimmt wiederum die Summe aller Einzahler und Empfänger. Es ist naheliegend, dass die Gruppe der Einzahler mürrisch über die Höhe der von ihnen zu leistenden Zahlungen ist. Und genauso unzufrieden sind tendenziell die Empfänger, da Leistungen nie hoch genug sein können.

Im Sinne politischer Ökonomie war es bisher sehr zweckdienlich, beide Gruppen dadurch zufrieden zustellen, dass die Einzahlungen nach Möglichkeit reduziert und die Transfers so weit möglich erhöht wurden. Die aufklaffende Lücke haben die meisten Wohlfahrtsstaaten durch Kredite gefüllt. Die Griechen haben dieses Modell nur durch zusätzliche Zahlungen aus den EU-Töpfen (=EU-Steuerzahler) zur Perfektion gebracht. Allein, nun kollabiert die Maschine, denn die “Lückenfüller” sind nicht mehr Willens, die Lücke ausreichend zu füllen. Schlimmer noch: sie verlangen die einmal gewährten Kredite zurück, was die bisherigen Einzahlungen dahingehend zweckentfremdet, dass sie nicht mehr für Auszahlungen an Transferempfänger zur Verfügung stehen. Nun murren alle Seiten und begehren auf.

Wo liegt der Fehler? Sehr offensichtlich anscheinend darin, dass man überhaupt eine Finanzierungslücke hat entstehen lassen. Damit ist der Staat weder ein Monster, noch tyrannisch oder sozialistisch. Das Problem liegt darin, dass politische Ökonomie nicht der wirtschaftlichen Ökonomie entspricht.

91) Mark, Dienstag, 11. Oktober 2011, 13:12 Uhr

@ 88) Ste, Dienstag, 11. Oktober 2011, 12:07 Uhr

Tja, wer sind die Dummen? Am Ende natürlich wir Steuerzahler (ha, ha). Und wir waren es auch, die trotz des erkennbaren Weges in die EU-Diktatur immer wieder dieselben Leute und Parteien gewählt haben. Lediglich der Lack unterschied sich etwas, rein farblich gesehen.

Womit wir wieder bei der Medienkrise wären: Diese haben in all den Jahren so grandios versagt, dass ihnen ein baldiges, schnelles, scherzvolles Ableben zu wünschen ist. Wozu brauchen wir Medien, die mit enormem Aufwand uns doch nur Propaganda und Hofberichterstattung liefern?

Anyway, natürlich waren auch die Politiker dumm, die irgendwie gehofft haben, dass das alles “schon werden wird”. Sie schielten auf die Geschichtsbücher und hofften, auch über ihren Tod hinaus “wichtig” zu sein. Sie wollten sich verewigen. Das werden sie, aber anders als gedacht. Wie mögen sich Kohl und Genscher und Verheugen heute fühlen, wenn sie jeden Tag eine neue Schreckensnachricht über den Euro und Europa lesen? Geschieht ihnen Recht!

Und ja, auch die Banken waren dumm. Sie waren noch die klügsten unter den Dummen, denn offenbar geht ihre Rechnung weitgehend auf. Sie bekommen das verzockte Kapital vom dummen Steuerzahler zurück, dank willfähriger (dummer) Politiker. Aber den letzten beissen am Ende die Hunde. An der Wall Street sehen wir schon, dass sich immer weniger Menschen am Gängelband der Finanzindustrie durch die Lebensmanege ziehen lassen wollen.

Es bleibt spannend.

(Lustig wär doch, wenn die Slowakei heute den EFSF ablehnt. Dann werden wir schon bald die Verrenkungen der Spitzenpolitiker erleben dürfen, die kurzerhand sagen: “Und wir machen’s doch!” Wäre nicht das erste Mal, aber wenigstens hat das ein bischen Unterhaltungsfaktor.)

92) Ste, Dienstag, 11. Oktober 2011, 14:15 Uhr

@Stefan P: Bitte beachten Sie Beitrag 89). Für den Rest urteilen Sie mir wieder viel zu hermeneutisch ökonomistisch.

93) Lars, Dienstag, 11. Oktober 2011, 14:37 Uhr

Wer bei facebook ist: sprengsatz hat jetzt eine Fanseite.

facebook.com/sprengsatz.de

94) EStz, Dienstag, 11. Oktober 2011, 15:05 Uhr

65) Frankilein66, Montag, 10. Oktober 2011, 16:25 Uhr

@StefanP.
“differgierten” ?

Kein Schreibfehler, nicht wahr? Sie glauben wirklich, das Wort wird so geschrieben?
______________________________________________________________________

Sorry, was soll das denn?

95) Gregor Keuschnig, Dienstag, 11. Oktober 2011, 15:06 Uhr

@StefanP
Ihre Aussage, die Griechen hätten zusätzliche Zahlungen aus den EU-Töpfen sozusagen abgezapft, ist grundfalsch. Das Gegenteil ist richtig. Etliche Zuwendungen der EU liegen brach. Griechenland hat sich nur Geld auf dem Kapitalmarkt verschafft, welches zur Regulierung der öffentlichen Verpflichtungen verwendet wurde.Entgegen Ihrer Aussage, dass Staaten als Schuldner in Bankensystemen nicht vorgesehen sind, ist das ein durchaus normaler Vorgang. der deutsche Staat beschafft sich über Wertpapiere seit Jahrzehnten Geld. Wie beim privaten Verbraucher kommt es nur darauf an, wozu das Geld verwendet wird: Geht es in den Konsum oder ist es eine Investition, die sich rechnet. Die Griechen haben das Geld sozusagen in den Konsum gesteckt (ihren Beamtenapparat bezahlt bzw.). Damit hat man den Status quo erhalten. Das geht jetzt nicht mehr, weil unter dem Schirm der EWWU die Schulden einfach zu hoch geworden sind. Die Banken wollen ihr Geld zurück. Von den Griechen bekommen sie’s nicht, also müssen die anderen EU-Staaten ran. (Das ist zugegeben vereinfacht dargestellt.)

Die Banken gingen (und gehen) davon aus, dass EWWU eine Transferunion sind. Im vertrauen darauf, dass es nicht zur Insolvenz (oder Resolvenz) einzelner Staaten kommen wird, halten sie die Staatsanleihen und zwingen praktisch die anderen Teilnehmer, diese einzulösen. Bisher hat das funktioniert. Da jetzt immer mehr der sogenannte Schuldenschnitt diskutiert wird (was praktisch eine Art abgeschwächter Insolvenz nahekommt), geraten die Banken in Panik und spielen die Karte ihrer Systemrelevanz. In Wahrheit haben viele Grossbanken die Staatsanleihen längst entsprechend abgeschrieben.

96) EStz, Dienstag, 11. Oktober 2011, 15:28 Uhr

79) Mark, Dienstag, 11. Oktober 2011, 07:38 Uhr

Weshalb nun der deutsche Steuerzahler für die Mißwirtschaft in Griechenland und das Desinteresse und/oder die Unfähigkeit von Kreditgebern einspringen soll, das erschließt sich mir nicht. Noch weniger erschlie0t sich mir, weshalb der deutsche Steuerzahler einspringen soll, obwohl es immer noch reiche Menschen gibt in Griechenland? Diese sollten erstmal zur Kasse gebeten werden, mit einer fetten Vermögensabgabe. Dann sehen wir weiter.
___________________________________

Autsch.

Zum einen zahlt Deutschland für Griechenland, weil es Deutschland vergleichsweise gut, Griechenland dagegen vergleichsweise schlecht geht.Wenn SIe dafür nach Ursachen und Wirkungen forschen, landen Sie beim Wirtschaftswunder der 50er Jahre, dass wiederum durch enorme Transferleistungen aus den USA ermöglicht wurde (oder glauben Sie ernsthaft daran, dass “die Deutschen” alles aus eigenen Kräften geschafft hätten?). Und ich nehme mal an, dass Ihr eigener Beitrag zum enormen Wohlstand dieses Landes so unbedeutend ist wie mein eigener.

Vielleicht ließe sich Ihr “Problem” dadurch lösen, dass Sie sich in Griechenland einbürgern lassen und dort von den üppigen deutschen Transferleistungen profitieren.

Auch Ihre zweite Idee, die Bürger eines Landes für dessen Schulden verantwortlich zu machen, finde ich nicht so berauschend. Deutschland ist mit grob geschätzt 25.000 Euro pro Nase verschuldet. Das macht allein für mich, für meine Frau und für meine Kinder 150.000 Euro aus. Und nur die “Reichen” besteuern nach Vorgaben von Leuten, die diese Grenze stets oberhalb ihrer eigenen Verhältnisse ziehen, ist vielleicht bequem, aber nicht fair.

97) StefanP, Dienstag, 11. Oktober 2011, 17:02 Uhr

Leider beleuchtet Michael Spreng vor lauter populistischer Anklage auf die internationale Finanzindustrie eine wichtige Frage nicht, die immer mehr ins Zentrum der Überlegungen rückt: ob nämlich statt immer neuer Rettungsschirme für schlingernde Schuldnerländer eventuell die Gläubiger eher zu unterstützen wären?

Wenn wir davon ausgehen, dass Griechenland einen Schuldenstand erreicht hat, der es dem Land nicht weiter möglich macht, seinen Kreditverpflichtungen nachzukommen, so gibt es zwei mögliche Auswege aus der Insolvenzsituation. Das erste Szenario wurde nun mehrmals geprobt, in dem die Staatengemeinschaft der Eurozone für private Gläubiger einspringt. Diese Strategie hält die Athener Regierung zwar flüssig, doch die Kernprobleme eines hohen Schuldenstandes und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit bleiben bestehen.

Der zweite Weg besteht in einer geordneten Insolvenz bzw. Resolvenz, wie sie bereits ins Gespräch gebraucht und möglicherweise vorbereitet wird. Hiernach wird ein großzügiger Schuldenschnitt vorgenommen, der es den Hellenen ermöglicht in einem überschaubaren Zeitraum ihre Restschulden aus eigenen Steuermitteln zu bedienen. Allerdings führt ein so gravierender Schuldenerlass zu deutlichen Verlusten bei den Gläubiger(-Banken) und reduzieren deren Eigenkapitalbasis. Diese wiederum ist Grundlage für die Kreditvergabe an die private Wirtschaft.

Es ist zweifellos richtig, bei einer Insolvenz eines Schuldners die Kreditgeber in die Haftung zu nehmen. Problematisch wird die Geschichte, wenn in Folge einer Insolvenz weitere Privatinsolvenzen folgen würden. Damit ist die Politik schon auf dem richtigen Weg, solche Institute zu stützen, die aufgrund der politischen Entscheidung der Staatsinsolvenz in Schieflage geraten.

Bei diesem Schritt würden die geldgebenden Banken einen wesentlichen Teil der Folgekosten tragen. In einer mittelfristigen Perspektive würde die Eigenkapitalstützung sogar dazu führen, dass der Steuerzahler eben vergleichsweise wenig in Haftung genommen würde, da die Eigentümer der Banken den Staat aus ihren Unternehmen herauskaufen müssten. Sukzessive würden sie also die Kapitalerhöhung voll finanzieren. Das wäre schonend für den Steuerzahler und würde die geringsten Verwerfungen an den Finanzmärkten aufwerfen.

98) Dieter Carstensen, Dienstag, 11. Oktober 2011, 18:26 Uhr

Man kann ja sagen was man will:

Ich halte Michael Spreng für einen der fähigsten politischen Journalisten in unserem Land, auch wenn er eher wertkonservativ- demokratisch denkt und ich eher sozialistisch- demokratisch, aber wir können als Demokraten fair miteinander umgehen.

Obwohl Michael Spreng eher wertkonservativ ist, schreibt es auch kritisch zu dem, was bei uns im Lande so alles tatsächlich abgeht.

Das rechne ich ihm hoch an.

Und die Ausplünderung Griechenlands durch unsere Banken und Konzerne, ist, mit Verlaub, eine Sauerei erster Güte.

Sind wir Deutschen so verblödet, dass wir nicht merken, dass der sogenannte “Eurorettungsschirm” nichts anderes ist, als der Tarnname, den Banken, welche irrsinnige, durch nichts gedeckte Kredite vergeben haben, weitere hunderte Milliarden zuzuschieben, auf unser aller Kosten?

WIR müssen den Irrsinn von Politikern alle gemeinsam bezahlen, weil sie den Banken hörig sind, nennt sich im Neudeutsch verharmlosend “Lobbyismus”.

Wo sitzen Schröder und Konsorten denn jetzt? In den Führungsetagen von Konzernen, oder?

Was ich nicht verstehe, dass nicht Millionen von Deutschen auf die Strasse gehen, ganz Berlin lahm legen und dieser Regierung mal sagen: ES REICHT!

Die Griechen sind jetzt, wenn man es wie im Schachspiel bezeichnen würde, nur das Bauernopfer.

Und aus wem besteht die Troika, die nun die griechischen Finanzen prüft? Aus ZWEI Deutschen und einem andern.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, oder?

99) Peter Christian Nowak, Dienstag, 11. Oktober 2011, 19:01 Uhr

@78)karel

Es bleibt dabei. Die Banken sind mit in der Haftung. Noch mal: Die Banken wußten, daß Griechenland von sich aus niemals wird die Schulden bedienen können. Aber die Banken wussten auch, daß Europa um der Raison willen niemals Griechenland wird fallen lassen. Das kommt einem Zocker gleich, der sein Vermögen am Rouletttisch verspielt im wissen, daß Oma und Opa seine Spielschulden begleichen wird.

100) Peter Christian Nowak, Dienstag, 11. Oktober 2011, 19:12 Uhr

@81Bernhard Paul
^^weil sich Bankgeschäfte der öffentlichen, oft genug sogar einer efiizienten bankinternen Kontrolle entziehen. ^^

…was politisch gewollt war. Fragen Sie mal bei der BaFin nach. Auch hier hat die Finanzlobby seinerzeit (Schröder/Fischer-Chaos-Ära) ganze Arbeit geleistet.

101) Peter Christian Nowak, Dienstag, 11. Oktober 2011, 19:33 Uhr

@Stefan P.

^^Ökonomische Einschätzungen sind immer auch normativ. Bewertungen von Menschen ändern sich aufgrund neuer Informationen. ^^

Nun erklären Sie mal der Leserschaft, wie Sie die Begriffe “normativ” und “Informationen” zusammen bringen. Preisfrage: Glauben Sie, daß diese beiden Begriffe im Entferntesten etwas miteinander zu tun haben…oder ist es nicht eher so, daß Sie einfach nur so was daherschreiben, weil das für Sie “gut klingt”?

102) Peter Christian Nowak, Dienstag, 11. Oktober 2011, 19:54 Uhr

@97)Stefan P.
^^Problematisch wird die Geschichte, wenn in Folge einer Insolvenz weitere Privatinsolvenzen folgen würden. Damit ist die Politik schon auf dem richtigen Weg, solche Institute zu stützen, die aufgrund der politischen Entscheidung der Staatsinsolvenz in Schieflage geraten.^^

Was haben Privatinsolvenzen mit den der institutionellen, hier Staaten zu tun? Wenn eine Bank pleite geht, dann sicher nicht wegen ein paar armen Teufeln, die ihre Waschmaschine nicht bezahlen können. Anders war es in der subprime-crisis im Kontext Lehman/ Hypotheken BankFanny Mae, wo millionenfach Kredite an Häuslebauer vergeben wurden, die Zinsen dann stiegen, die Papiere verbrieft und verpackt wurden zu neuen Fianzprodukten(Kettenbriefe), und die dann zu den Privatinsolvenzen führten.

^^da die Eigentümer der Banken den Staat aus ihren Unternehmen herauskaufen müssten^^
Wie?Welche Eigentümer kaufen wen heraus?

103) Mark, Dienstag, 11. Oktober 2011, 19:56 Uhr

@ 96) EStz, Dienstag, 11. Oktober 2011, 15:28 Uhr

> “Autsch.”

Ich finde es immer wieder faszinierend, mit welch fundierten Argumenten einige Foristen sich zu Wort melden. Nur leider finde ich außer Gefühlsduseleien und Euro-Ideologie kaum Argumente in Ihrem Kommentar. In der Tat: Autsch.

Soso, Deutschland zahlt also für Griechenland, “weil es Deutschland vergleichsweise gut, Griechenland dagegen vergleichsweise schlecht geht.” Hmmm. Das tun wir doch in der EU schon seit Jahrzehnten. Wir waren, sind, und bleiben der größte Nettozahler der EU. Somit haben wir auch Griechenland mit haufenweise Geld alimentiert. Ohne zu murren, wie ich anmerken möchte.

Doch die Schuldenkrise -das werden sie wohl der Diskussion zugestehen- hat eine andere Qualität. Hier hat ein Staat systematisch falsch gehandelt und das billige Geld verkonsumiert. Jahrelange politische Fehlentscheidungen auf griechischer Seite! Ich begreife es immer noch nicht: Nochmal: Weshalb sollten wir für politische Fehlentscheidungen anderer Länder einstehen? Weshalb? (Ihr Hinweis auf die Hilfen der USA greift in sofern nicht, als das die Deutschen offenkundig etwas aus diesen Hilfen gemacht haben.)

Auch bezüglich ihres zweiten Kommentares bin ich nahezu sprachlos: “Ihre zweite Idee, die Bürger eines Landes für dessen Schulden verantwortlich zu machen, finde ich nicht so berauschend.” Hmmm. Wen, wenn nicht die Bürger eines Landes? Soll die Mittelschicht eines ANDEREN Landes für die Reichen des eigenen Landes aufkommen? Da komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

Ich habe schon des öfteren auf die Vermögensverteilung in Deutschland hingewiesen. Laut DIW (sicher der sozialistiischen Propaganda unverdächtig) besitzen die reichsten 10% der Deutschen weit über 60% des Vermögens in Deutschland. Dies war auch die EINZIGE Gruppe, die seit 2002 ihr Vermögen noch hat ausbauen können. Die anderen, die restlichen 90%, konnten sich nicht verbessern. Einige konnten wenigsten ihren bescheidenen Wohlstand halten. Ich sehe nicht, weshalb man die reichsten 10% eines jeden Landes nicht kräftig zur Kasse bitten sollte. (In Deutschland nicht, und erst recht nicht in Griechenland.)

Und wo wir gerade dabei sind: Erklären Sie mir doch bitte mal, wie Griechenland zukünftig auf einen grünen Zweig kommen soll, wenn sie am Euro festhalten? Erklären Sie’s mir!

104) Winfried, Dienstag, 11. Oktober 2011, 20:32 Uhr

Immer die Banken und immer das Geldsystem – einmal Silvio Gesell lesen!

105) Bernhard Paul, Dienstag, 11. Oktober 2011, 22:23 Uhr

@97 StefanP

Jetzt verlangen Sie doch nicht von Michael Spreng zum wiederholten Mal, dass er wie der letzte Universalgelehrte die Welt der Finanzindustrie und alle sonstigen Probleme der Menschheit so erschöpfend erklärt, dass keine Fragen mehr offen bleiben. Dann bliebe doch Ihnen nichts mehr zu erklären übrig. Wir brauchen Sie schon auch zur Beantwortung der eschatologischen Dinge des Menschen. Freuen Sie sich also, dass Spreng Ihnen was übrig lässt.

106) M.M., Dienstag, 11. Oktober 2011, 23:03 Uhr

Die Lunte wurde durch die deutsche Politik gelegt, indem die Peripherieländer sich zu 2% verschulden durften, obwohl sie 14-18 % Zinsen zu zahlen gehabt hätten! Gegen jede Vernunft wurden die Löhne erhöht und sind heute in manchen Branchen dieser Länder höher als in Deutschland. – Der Bürger darf sich in Deutschland nicht beschweren. Jedes Wochenende flattern ihm Sonderangebote mit Finanzierungsangeboten zu 0 % Zinsen ins Haus. Nur Dumme können an ein solches System glauben!

107) StefanP, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 11:03 Uhr

102) Peter Christian Nowak

Was haben Privatinsolvenzen mit den der institutionellen, hier Staaten zu tun?

Zwei Merkmale sind zentral, um die Insolvenz eines Schuldners festzustellen:
(1) Der Schuldner besitzt keine Eigenmittel mehr. Im Falle von Kapitalgesellschaften ist dies dann der Fall, wenn das bilanzielle Eigenkapital durch Verluste aufgebraucht wurde. Das Eigenkapital rückt dann, wie man fachlich das ausdrückt, auf die “falsche” Seite der Bilanz, nämlich wird aktivisch.
(2) Der Schuldner erhält keine laufenden liquiden Mittel.

Bei jeder der oben von mir genannten Großbanken ist das Eigenkapital deutlich höher als die Höhe seines Griechenlandinvestments, so dass eine bilanzielle Überschuldung bei den Großgläubigern nicht eintreten würde. Allerdings würde ein Totalausfall die Möglichkeiten der Geldschöpfung deutlich reduzieren, zudem sollen die Banken ja mehr Eigenkapital hinterlegen. Beides schränkt die Geldschöpfung ein, erhöht damit Privatzinsen für Unternehmen und verschlechtert die Konditionen der Kreditaufnahme. Insgesamt würde dies ohne Gegenmaßnahmen zu einem kontrahierenden Effekt auf die Geldströme haben, was eine Rezession befördert.

^^da die Eigentümer der Banken den Staat aus ihren Unternehmen herauskaufen müssten^^
Wie?Welche Eigentümer kaufen wen heraus?

Wenn der Staat sich mit Eigenkapital an Unternehmen beteiligt, erwirbt er doch Anteile. Kein Privater hat gerne dauerhaft die staatliche Aufsicht im Haus, es schränkt deutlich die unternehmerische Freiheit ein. Folglich werden auch die “re-kapitalisierten” Banken darauf drängen, durch eine Erhöhung des Eigenkapitals den Staat wieder herauszukaufen. Das bedeutet nichts anderes, als das die eigentlichen Eigentümer der Banken am Ende die notwendige “Re-Kapitalisierung” vollständig selbst bezahlt hätten. Eine elegante Lösung.

In den USA ist das sehr schnell passiert:
http://www.ftd.de/unternehmen/versicherungen/:rueckzahlung-der-staatshilfen-versicherer-aig-wuppt-rekapitalisierung/50213211.html

108) StefanP, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 11:32 Uhr

@98) Dieter Carstensen

Das Problem mit Sozialarbeitern ist, dass sie die Welt zum Problem erklären. Jeder Arzt, jeder Psychater, jeder Unternehmens- oder Personalberater beginnt seine Therapie damit, dem Klienten zu erklären, dass er allein den Schlüssel zu seiner Heilung / seinem Erfolg besitzt. Sozialarbeiter ticken da offensichtlich anders.

Sie besitzen offensichtlich ein Studium. Dort müssen Sie gelernt haben, Texte zu strukturieren und argumentativ aufzubauen. Leider machen Sie von dem Erlernten keinen Gebrauch. Sie hauen eine höchst umstrittene These ins Forum und statt dies sauber zu begründen, erschöpfen Sie sich in weiteren Allgemeinplätzen:

Und die Ausplünderung Griechenlands durch unsere Banken und Konzerne, ist, mit Verlaub, eine Sauerei erster Güte.

Vorangestellt: Griechenlands Staatsschulden befinden sich in der Hand vieler Geldinstitute, nicht zuletzt inländischer Banken. Die sparen Sie aber alle in Ihrem Rundumschlag aus, passt ja nicht zu der von Ihnen geliebten These, deutsche Vermögende seien am Elend dieser Welt schuld.

Aus Sicht der Ökonomen ist die griechische Tragödie durch zwei Schwachpunkte entstanden: zum einen ist es dem Land mit seiner großartigen Geschichte nicht gelungen, eine Industrie aufzubauen, die konkurrenzfähige Produkte für den Weltmarkt herstellt. Nach wie vor dominieren der Agrasektor, Touristik und das Schifffahrtsgewerbe die Handelsbilanz. Zum anderen hat der hellenische Staat es versäumt, ein effizientes Steuer- und Katasterwesen aufzubauen. Bis heute wissen staatliche Stellen nicht, was eigentlich des Staates ist.

Es kann kaum die Schuld ausländischer Geldgeber sein, wenn der Fiskus keine Umsatzsteuer eintreibt und nach wie vor das unternehmerische Belegwesen unter die Rubrik “Nice to have” fällt. Ich war selbst dieses Jahr wieder in Griechenland und tatsächlich fällt den Menschen vor Ort wenig Kreatives ein, der wirtschaftlichen und finanziellen Krise Herr zu werden. Da werden profan in den Touristikgebieten die Preise deftigst erhöht, der heruntergekommene “Duty free”-Shop bietet seine Waren zu Preisen, die man am Frankfurter Airport nur als unverschämt bezeichnen würde.

Der öffentliche Sektor wurde in Jahrzehnten bewusst und gezielt aufgebläht, da er vielen Erwerbstätigen Schutz vor den Widrigkeiten einer Wettbewerbswirtschaft bietet. Damit sich auch alle wohl fühlen, wurden dort die Löhne (ähnlich wie im Öffentlichen Dienst in den östlichen Bundesländern) über das Durchschnittsniveau “normal” Beschäftigter gehoben. Und, mit Verlaub Herr Carstensen, wenn ein Grieche für einen öffentlich bediensteten Job eine hohe Ablöse zahlen muss, kann es – so er nicht grenzdebil ist – dem gemeinen Bürger nicht entgangen sein, dass das so wohl kaum richtig sein kann.

Doch, “selbst schuld” kommt in Ihrer Gedankenwelt nicht vor. Bis auf ein paar Reiche (die an allem Schuld sind) sind alle Opfer. So lösen Sie keine Probleme, so begründen Sie höchstens Ihre eigene berufliche Existenz.

109) StefanP, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 11:44 Uhr

@105) Bernhard Paul

Aufgabe von Journalisten ist es, sich über das Thema, über das sie schreiben wollen, schlau zu machen und dies ihren Lesern in verständlicher Sprache näher zu bringen. Leider vernachlässigen viele Angehörige des Berufsstandes diese Funktion und stürzen sich mit Vorliebe auf “Meinungsmache”. Nur, Meinung ohne umfangreiche Information ist nichts wert und am Ende nur ein Vorurteil.

Wir können Herrn Spreng dankbar sein, dass er uns ein Forum zum Diskurs bietet. Nach meinem Geschmack zu oft bedient er hier jedoch gängige Meinungsschemata statt Originalität.

110) Xpomul, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 11:45 Uhr

natürlich kann griechenland, und andere länder werden folgen in bälde, nur noch mittels schuldenschnitt errettet werden.
genau daher wird ja die errettung der banken so in den vordergrund geschoben.
wie kann man etwas anders glauben ?

hinreichend ist ja bereits erläutert worden das banken nicht gleich banken sind.
eigenhandel muß deutlichst zurückgedreht werden und vor allem der derivatehandel gehört eingestampft.
beide wege wären auf jeden fall geeignet diese finanzindustrie wieder auf den boden der realität zurückzuholen.
andere maßnahmen wie bonideckelung, gehaltsdeckelung, finanztransaktionssteuer, stärkere aufsicht auch über nationale grenzen hinaus sehe ich als flankierende, nicht unwichtige, maßnahmen.
sie machen jedoch nicht dem übel ein ende sondern die erst beiden genannten punkte.

kein mensch, auch kein banker, kann erklären weshalb ein derivatehandel von in summe geschätzten 600 billionen euro notwendig ist für die existenz einer bank.
im gegenteil, wir sehen es ja, sie ist äußerst schädlich und vernichtet volkswirtschaften.

übrigens:
der steuerzahler soll die banken erretten – das ist vergemeinschaftung von schulden.
die gewinne der banken, und sie hatten ja reichichst hiervon, sind bitteschön wo geblieben ?
natürlich in den säckeln der wohlhabenden.
dort gehören sie hin ???

denen die noch immer an das gute von banken glauben wollen empfehle ich sehr nachdrücklich sich mit den thesen von attac auseinanderzusetzen:
http://www.attac.de/

ich habe während meiner bankzeit, und das waren immerhin über 33 jahre bei großbanken in frankturt genau in dem sektor trading und settlement, etliche banker kennengelernt.
manche sind ok, manche sind menschen geblieben, leider ist die mehrzahl total geldgeil und vor allem sind es soziopathen.
das sind in meinen augen assis !!!

111) StefanP, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 12:10 Uhr

@103) Mark

Erklären Sie mir doch bitte mal, wie Griechenland zukünftig auf einen grünen Zweig kommen soll, wenn sie am Euro festhalten? Erklären Sie’s mir!

Man kann die Frage aber auch umdrehen. Ein eigener Währungsraum führt nicht zwangsläufig zu einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft. Die Türkei, vor einiger Zeit lobend vom Bloginhaber erwähnt, ist gerade kein nacheifernswertes Beispiel. Der Boom im Nachbarland der Griechen basiert zu einem wesentlichen Maß auf Kredit und Konsum. Der Investitionsanteil ist gering, ebenso die Entwicklung von Innovationen, ausgedrückt beispielsweise in der Zahl der angemeldeten Patente.

Dass es innerhalb der Eurozone auch anders geht, zeigen die Slowakei oder Estland. Also: der Euro ist für Griechenland kein Hinderungsgrund zu wirtschaftlicher Prosperität. Es wird sich jedoch in den nächsten Monaten zeigen, ob die Griechen (und Europa) bereit sind, den Preis dafür zu bezahlen.

112) Ste, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 12:24 Uhr

Ich fasse wieder zusammen: Diejenigen, die meinen es sei eine Staatsschuldenkrise, halten Lohnkürzungen, per Gesetz verordnete Schuldenbremse und Kürzungen im sozialen Bereich zu Recht als Gründe dafür, dass Deutschland gut durch die Krise gekommen ist. Deren Wertung dessen ist jedoch zynisch hoch drei, der Deutsche solle schön abnicken und “sich nicht beschweren”. Das bringt mich fast in einer Linie zur Bildung, wann wird kritisches und kreatives Denken gefördert? Aber das ist ein anderes Thema, fast.

113) Xpomul, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 12:30 Uhr

nachtrag:

meine rede !

altkanzler schmidt wird man ja nicht unterstellen wollen das er zu alt ist für eine sicht der dinge die fußend auf den ereignissen hand und fuß hat.
auszug aus seinem interview bei handelsblatt:
“”
Auf den sogenannten Finanzmärkten tummeln sich intelligente, aber einäugige Idioten. Sie sind blind auf dem Auge, welches das Gemeinwohl im Blick haben sollte, und mit dem anderen Auge schielen sie auf ihre eigene Bonifikation. Sie haben kein Verantwortungsbewusstsein und gehören deshalb unter viel straffere Aufsicht. Dieser Meinung bin ich seit zweieinhalb Jahrzehnten.
“”
q: http://www.handelsblatt.com/politik/international/der-teufel-soll-sie-holen-wenn-sie-griechenland-nicht-retten/4696022.html?p4696022=3

114) Michael Becher, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 15:20 Uhr

“Wieder gelten Banken als systemisch, als ”too big to fail”. Und das Schlimme ist: das stimmt in den meisten Fällen sogar. Aber es beweist: die Banker, die 2008 die Welt in eine Katastrophe stürzten, haben nichts dazugelernt.”

Ich wüßte zu gerne, warum es keine Alternative geben soll! Ständig beruft man sich auf die angebliche “Systemrelevanz”, aber keine kann und will erklären, warum oder wie genau eine Bank “systemrelevant” ist! Dann heißt es nur von den “Experten”: “Das ist halt so”, “Das ist alternativlos”. Aber keiner sagt “warum”. Ganz einfach, weil es schwachsinn ist! Es gäbe sehr wohl alternativen. Aber unsere Politiker sind viel zu korrupt und die Banken stecken einfach überall zu tief drin

115) EStz, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 15:25 Uhr

103) Mark, Dienstag, 11. Oktober 2011, 19:56 Uhr
Zum einen ist Deutschland durchaus Profiteur vom Euro und von der EU. Die ganzen Vorteile zu verdrängen, die man eingesackt hat, den ganzen Wohlstand in unserem Land als von Gott gegeben (oder noch schlimmer: “haben wir alles alleine und selbst gemacht”) hinzunehmen, aber sich über die Nachteile aufzuregen, das kann ich einfach nicht mehr hören.

Als Beispiele nehmen Sie bitte den Länderfinanzausgleich. Da gibt es Ein- und Auszahler, um ein halbwegs vergleichbares Niveau im ganzen Land hinzukriegen. In den etwas früheren Jahren der Bundesrepublik hat Franz-Josef Strauss mit viel Geld aus diesem Länderfinanzausgleich zahlreiche Investoren nach München und Umgebung gelotst. Nun geht es Bayern gut, nun müssen Sie zahlen. Ich habe kein Verständnis dafür, wenn in Bayern darüber gemurrt wird. (Und nein, andere Bundesländer hatten nicht die gleiche Chance, was unter anderem an der besonderen politischen Situation / Konstellation lag).

Und nicht nur Griechenland, fast alle Staaten haben falsch gehandelt, unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Japan, die USA etc etc etc. Aus welchen Gründen auch immer bricht Griechenland unter der Last des eigenen falschen Verhaltens gerade zusammen, während andere Länder bislang nur in die Knie gehen.

Was die Vermögenssituation Reich/Arm angeht, da liegt einiges im Argen. Da bin ich zu hundert Prozent bei Ihnen.

*** Und wo wir gerade dabei sind: Erklären Sie mir doch bitte mal, wie Griechenland zukünftig auf einen grünen Zweig kommen soll, wenn sie am Euro festhalten? Erklären Sie’s mir!***

Echt keine Ahnung. Ich weiß aber auch nicht, wie Griechenland auf einen grünen Zweig kommt, wenn es aussteigt. Die Situation ist blöd, und in jedem Falle werden viele Leute zahlen, die nichts mit der Entstehung der Probleme zu tun haben. Lässt sich nicht mehr ändern, egal, wie es ausgeht.

116) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 15:29 Uhr

@107) StefanP

^^Wenn der Staat sich mit Eigenkapital an Unternehmen beteiligt, erwirbt er doch Anteile.^^
Zustimmung

^^Kein Privater hat gerne dauerhaft die staatliche Aufsicht im Haus, es schränkt deutlich die unternehmerische Freiheit ein^^
Auch hier Zustimmung unter Vorbehalt. Wenn Banken in Schieflage durch Fehlentscheidungen gekommen sind und infolge dessen der Staat eingreifen muß, dann ist zumindest eine Teilhaberschaft des Staates an zukünftigen Gewinen gerechtfertigt, wenn die Bank wieder aus den Miesen ist. Die Gewinnbeteiligung endet dann, wenn die Bank die Schulden an den Steuerzshler abgetragen hat. (Siehe Beispiel Commerzbank)

^^Banken darauf drängen, durch eine Erhöhung des Eigenkapitals den Staat wiede herauszukaufen.^^

Dezeit können sich Banken nicht aus eigener Kraft rekapitalisieren. Daher ja das ganze Theater in Politik und internationaleFinanzmärkte. Hier schließt sich der Kreis des Dilemmas wieder, um dessen Lösung so heftig gerungen wird.

117) Dieter Carstensen, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 19:03 Uhr

@108 Stefan P.

Lieber Stefan P.,

da es im Leben bekanntlich nie eine “objektive” Meinung geben kann, sondern nur “subjetive” Meinungen, da wir alle durch unsere Herkunft, unseren Werdegang, unsere Sozialisation, unsere Familie und sozialen Strukturen geprägt wurden und dies in alle unserer menschlichen Aussagen logischerweise einfliesst., kann auch ich die Dinge nur aus meiner Sicht beschreiben, egal welchen Beruf ich erlernt habe.

Ich halte das, was mit Griechenland zur Zeit für gemeingefährlich und kriminell!

Man sollte mal weiterdenken:

Bekanntlich stehen auch Spanien, Portugal und vor allem Italien auf der finanziellen Kippe.

Alle Ratingagenturen sehen das so und ich bin wahrlich kein Freund dieser Agenturen.

Aber, so sehr ich diese Institute auch in Frage stelle, sie geben Hinweise auf mögliche Zahlungsschwierigkeiten eines Staates.

Was kommt auf uns zu, wenn die nächsten EU Staaten, was mit fast absoluter Vorraussage zu erwarten ist, pleite gehen?

Dann gibt es einen Dominoeffekt ungeahnten Ausmasses mit unabsehbaren Folgen.

Berlusconi, Sarkozy und Merkel herrschen mittlereweile fast wie Fürsten im Mittelalter.

Und wir sind so dumm und glauben und folgen ihnen noch?

Das Einzige was ich unserer Politikerkaste noch glaube, ist dass sie am nächsten Monatsersten pünktlich ihre Diäten, von uns allen bezahlt, auf dem Konto sehen wollen.

Sonst glaube ich der Bande nichts mehr.

Übrigens: Ich bin in keiner Partei und wüsste nicht mehr, welche ich jetzt noch wählen sollte, obwohl ich als überzeugter Demokrat übrigens für die Wahlpflicht bin, wie in unseren demokratischen europäischen Nachbarstaaten Belgien und Griechenland, was dort niemand aufregt und für die Menschen dort selbstverständlich ist.

Ich sehe es so:

Wir befinden uns in der größten Krise unserer westlichen Demokratien nach dem Ende des furchtbaren II. Weltkrieges und unser wandelnder Hosenanzug in Berlin und die westlichen Politiker versuchen die Krise einfach auszusitzen.

Zu Zeiten eines Helmut Kohl ging das vielleicht noch, aber die Zeiten haben sich gründlich gewandelt.

M.f,G an alle Mitlesenden, DC

118) Mark, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 19:37 Uhr

@ 115) EStz, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 15:25 Uhr

Nein, Deutschland hat NICHT vom Euro profitiert. Wie denn? Seit der Euro-Einführung haben wir als Export-Weltmeister (bzw. Vize) enorme Forderungen gegen andere Euro-Länder aufgehäuft. Da wir dafür aber schon Waren und Dienstleistungen geliefert haben, sich die Forderungen inzwischen aber als wertlos entpuppen, kann man durchaus sagen: Wohlstand in erheblichem Umfang hat das Land auf Nimmerwiedersehen verlassen. Wir haben Autos, U-Boote, Maschinen, und und und geliefert und dafür wertlose Schuldscheine bekommen. Im Gegenzug haben wir Reallohnverlust erfahren, der sicherlich die Wettbewerbsfähigkeit der anderen Länder zusätzlich beeinträchtigt hat. Und nun soll der Steuerzahler die ausfallenden Forderungen bezahlen? Wo ist da der Vorteil für Deutschland?

Leider erklären Sie nicht, welche Vorteile wir nun angeblich erfahren haben. Sie sprechen nur von “den ganzen Vorteilen […] die man eingesackt” habe. Zählen Sie doch mal die Vorteile auf, bitte. Was meinen Sie konkret?

Sie vergleichen die EU mit der Bundesrepublik, und den Rettungswahnsinn mit dem Länderfinanzausgleich. Da gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied: Als Deutscher Staatsbürger und Steuerzahler sehe ich ganz klar einen Sinn darin, einen Länderfinanzausgleich durchzuführen. Es handelt sich um Deutschland, mein Heimatland. Ich finde es OK, wenn ich (als Bayer) die Menschen in Schleswig-Holstein unterstütze. Sie leben im gleichen Rechts- und Wertesystem wie ich. Das kann man von Griechenland, Portugal, Irland usw. nicht sagen. (Ich weiß, Sie als Europa-Fan sehen das wohl anders.)

So, jetzt noch zur Frage, weshalb es für Griechenland (und vor allem: die Griechen) besser ist, wenn sie aus dem Euro austreten?

Zunächst einmal ist die Binnenwirtschaft den viel zu teuren (harten) Euro los. Das ist der Klotz am Bein der Griechen. Importe werden teurer, im Gegenzug werden in Griechenland hergestellte Waren und angebotene Dienstleistungen attraktiver und damit wettbewerbsfähiger. Auch die Exportwirtschaft profitiert, und hier vor allem der Tourismus! Kurzum: die Menschen könnten auf einem niedrigeren Niveau wieder in Lohn und Brot kommen und wieder produktiv werden. Die Wirtschaft wird angekurbelt von innen! Das geht derzeit nicht, weil alle Preise eben in Euro angesetzt werden, und der ist knapp (und somit teuer). Da werden Menschen eher ausgestellt statt eingestellt.

Klar: Das Niveau ist deutlich niedriger. Importe (z.B. Luxusautos aus Deutschland) werden so teuer, dass es sich nur die wenigsten leisten können. Ebenfalls Urlaube im EU-Ausland werden für die meisten Bürger unbezahlbar sein. ABER sie können sich ihr täglich Brot verdienen.

Deshalb werden die Griechen mittelfristig aus dem Euroraum ausscheiden MÜSSEN.

119) Ste, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 19:56 Uhr

Ich erlaube mir gegen die Unternehmerlogik diverser Kommentatoren im Blog ein philosophisches Denken hier auszusetzen:

http://www.youtube.com/watch?v=k6du-fHMNsQ

120) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 20:33 Uhr

@115)EStz

Sie hätten das auch in anderen Worten ausdrücken können. Vielleicht so: Obwohl der Vertrag von Lissabon weder eine Bail-Out-Klausel vorsieht, noch er eine Transfergemeinschaft nach Vorbild des Länderfinanzausgleich ist, werden plötzlich alle Vereinbarungen auf den Müll geschossen: Will heißen: Die sogernannten starken Länder kommen gerne für die Misswirtschaft, die Folgen einer völlig unzureichenden Steuerverwaltung, und nebenbei gesagt, die Folgen der Korruption in den Südländern auf. Auf der anderen Seite der Medaille steht in großen Lettern: Griechenland hat sich die Mitgliedschaft im Euroraum ergaunert, Brüssel und nicht zuletzt Schröder/Fischer haben diskret weggeschaut über die Zahlen vorgelogener Konvergenz des beschissenen BIP Griechenlands. Die Bürger hierzulande und in anderen Ländern sollen diesen Mist, der einem Kompost gleicht, mit noch mehr Sparen, noch mehr Einschnitte, noch mehr Abgaben für die Zukunft in Dünger für Europa verwandeln. “Wir gehen gestärkt aus der Krise”…ich kann diesen Blödsinn nicht mehr hören! Das ist Propaganda, die provoziert. Die macht die Bürger nur noch mehr zornig, als sie es eh schon sind.
Denn, während in Deutschland seit der Agenda 2010 Kürzungen im Sozialbereich en masse, Deutschland von dem wunderbaren Kanzler Schröder zum Billiglohnland No_1 mutierte (nach seiner eigenen Aussage), die Bürger jede Menge Lohnzurückhaltung erleben durften, haben wir ja genug Geld einsparen können, Griechenland und anderen Ländern ihre selbstverschuldeten Pleiten zu bezahlen. Notfalls wird halt noch ein wenig mehr bei den Leistungen und Löhnen gekürzt werden….
So geht Staat nicht…so geht Staat höchstens an die Wand.
Die Leute sind krachendmäßig sauer, weil man ihnen jeden Pence umdreht, sie andererseits mit immer neuen Abgaben belastet. Außer dem Klima haben sie, die Bürger Deutschlands, also noch Europa zu retten. Auf dem Weg dahin ist man sehr erfinderisch, wie z.B. jüngst der Vorschlag die Autobahnvignette einzuführen. Und ich bin mir sicher, da ist noch einiges andere mehr im Köcher. Nach Berlin geht folgende, meine, Mitteilung: Die RAF ist derzeit Geschichte. Darauf sollten Sie sich meine Damen und Herren aber nicht verlassen! Kümmern sie sich mal mehr um die Menschen im eigenen Land und sie werden feststellen, dass so einiges im Argen liegt, was selbstverständlich Sie und Ihre Berater wie Asmussen und die Ackermänner (der Mann muss für alles herhalten, weil den jeder kennt, ist quasi die Metapher der derzeitigen Krise)) aus selbiger Branche verursacht haben. Das hat selbst der stockkonservative MdB Wolfgang Bosbach offensichtlich erkannt. Ihm schlägt offensichtlich das Gewissen bei dem Gedanken, dass alles so weitergeht wie bisher! Denn merken Sie sich den alten Spruch meiner Oma und sonstiger Altvorderen: “Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht!”—Nehmen sie das gefälligst mal zur Kenntnis! Ich glaube, Sie bewegen sich auf einer unseligen Strecke, jenseits der Lebenswirklichkeit ihrer Bürger, für die Sie einen Eid geleistet haben. Vor allem schauen Sie auf das, was die Probleme der Menschen sind und die allgemeine Lage der Bürger in Deutschland, aber auch was in anderen Ländern Europas so vor sich geht.
Und jetzt mal in medias res: Also, wir kommen nicht umhin, wenn wir die Demokratie über diesen Sumpf retten wollen, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die das Desaster mit ausgelöst haben. Die Betonung liegt auf “mit”. Das heißt, die Finanztransaktionssteuer muss kommen. Die Banken müssen (leider) mit Steuergelder stabilisiert werden. Aber: Die Banken, die in Schieflage sind, müssen auch teilverstaatlicht werden. Und dort bleiben sie solange, bis sie die “Alimente aus Steuerzahlerhand” wieder zurückgezahlt haben. Das kostet uns Bürger zwar immer noch einen Haufen Geld, aber ist leider nach Lage der Dinge unumgänglich.
Zweitens: Alle Spekulationen, die auf den Ruin von Staaten abzielen, den Hunger in der Welt beschleunigen, sind sofort zu verbieten. Gemeint sind die Derivatgeschäfte, die Wetten mit “ungedeckten Cheques” usw. Hier hat die Kanzlerin die Möglichkeit, sich international als wirklich “die Mächtigste” zu beweisen. Ansonsten sind das leere Sprüche aus irgendwelchen Mananger- und Wirtschaftsmagazinen und allenfalls fürs Poesiealbum kleiner Mädchen tauglich.
Und dann muss man mal gucken, was man mit Griechenland und anderen Pleitiers macht. Worin liegen die Möglichkeiten, Länder wie Griechenland oder Portugal kompatibel für eine Hartwährung wie den Euro zu machen. Mit Weintrauben und Schafskäse geht da nichts. Da müssen sich Wirtschaftsfachleute mal intensive Gedanken machen. Und dann müssen Entscheidungen her. Es gibt ja auch noch die nicht abgerufenen Strukturfonds der EU, die hier eine gedeihliche Verwendung finden würden.
Und wenn das geklärt ist, muss in der Tat so etwas wie eine verwaltungstechnische Nachhilfe her, besonders im Umgang mit einer geregelten und so was wie staatstragenden Steuerverwaltung. Solange die einfachsten Dinge nicht funktionieren, solange kann man Geld hineinpumpen, solange man will. Es wird nicht funktionieren. So wie der derzeitige ungehemmte Geldfluss ohne flankierende Massnahmen nicht funktioniert.
Sie meine Damen und Herren von der Bundesregierung sollten alles unterlassen, was metastatisch die Demokratie zerfrisst. Dazu gibt es wirklich keine Alternative. Das sollten Sie sehr sehr ernst nehmen!

Die Finanzmärkte bleiben bei der Frage nach der Verantwortung außen vor. Die werden betüttelt und gepampert. Das ist so falsch wie es nur falsch sein kann! Und das ist auch der Eindruck der Bürger. Wenn es bei diesem Eindruck bleibt, ist die Demokratie akut in Gefahr.

121) Bernhard Paul, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 00:40 Uhr

@114 Michael Becher

Warum sind Banken “systemrelevant“?
Banken, insbesondere internationale Großbanken, sind schon deshalb “systemrelevant“, weil sie das Blut für den Kreislauf der westlichen Ökonomien und Märkte liefern, das Kapital – Geld. Ohne sie kann keine Volkswirtschaft auskommen. Nicht einmal China, das mit den internationalen Großbanken ganz besonders verkehrt und nicht zuletzt deshalb boomt, auch irrsinnige Devisenreserven angehäuft hat, mit denen es zum Beispiel die gesamte Zwei-Billionen-Schuldenlast Deutschlands locker auf einen Schlag tilgen könnte.
Vereinfacht gesagt: Ohne Geld läuft halt nichts, nicht einmal im Kommunismus, und das Geld liefern nun mal die dafür ausgerüsteten Häuser. Das war früher so, Mittelalter zum Beispiel, als es kleine und auch schon größere Geldverleiher um die Ecke waren, die an den Zinsen verdienten. Und oftmals auch wucherten. Oder noch früher, Antike, die Münzstuben.
Ist so und in der Tat nicht zu ändern, wenn man nicht wieder eine Agrargesellschaft will, die in Naturalien und Tauschwaren handelt, wie heute noch in mancher Ecke Afrikas.

122) Mark, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 07:37 Uhr

Und wenn Herr Spreng demnächst titelt “Wider die Banken”, dann wissen wir, dass der Widerstand auch im bürgerlichen Lager angekommen ist. ;-)

123) m.spreng, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 08:15 Uhr

@Peter Christian Nowak

Darf ich daran erinnern, dass ein Kommentar dieser Länge kaum noch komplett gelesen wird und den Diskussionsfluss hemmt?

@Dieter Carstensen

Ich finde es nicht zulässig,. die Politiker pauschal als “Bande” zu bezeichnen.

124) sk8erBLN, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 08:47 Uhr

@ 121) Bernhard Paul, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 00:40 Uhr

klar bracht es Banken, die Frage ist nur welche Art Banken es braucht. Anzunehmen es drohe frühgeschichtlicher Tauschhandel wenn man dem Diktat der Finanzoligarchie nicht folge, ist natürlich Unfug. Dass sich wesentliches wird ändern müssen, ist aber zweifellos auch richtig.

Leseempfehlung, inkl. der dort gesetzten Links:

“Ökonomen als Staatsbesetzer
by F.LUEBBERDING on 12. OKTOBER 2011

Das betrifft auch unser Wirtschaftssystem. Also die Frage, wie wir die materiellen Bedingungen unserer Existenz sichern wollen. Dabei werden wir Märkte brauchen und Banken. Aber ganz sicher nicht mehr die Zockerbuden des bankrotten Typs. Aber genau die sollen jetzt wieder gerettet werden. Man kann Banken retten, aber nur wenn wir die anderen Fragen geklärt haben.

http://www.wiesaussieht.de/2011/10/12/okonomen-als-staatsbesetzer/

125) sk8erBLN, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 09:02 Uhr

@ 123) m.spreng, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 08:15 Uhr

“ch finde es nicht zulässig,. die Politiker pauschal als “Bande” zu bezeichnen.”

Mal abgesehen davon dass das eine Meinungsäußerung ist die sich im legalen Rahmen befindet, weshalb sollte die Bezeichnung “nicht zulässig” sein?
http://de.wikipedia.org/wiki/Bande

Wenn Sie diesen Begriff automatisch im strafrechtlichen Bereich einsortieren, ist das Ihre Interpretation, die kann man als zutreffen oder auch als falsch erachten.

Genauso wäre eine Interpretation im Sinne von Clique denkbar und diese Definition scheint so verkehrt nicht. “eine informelle Gruppe mit hoher Netzwerkdichte, im absprechenden Sinn”
http://de.wikipedia.org/wiki/Clique

Dass in den Bürgern ob der Gesamtsituation eine wachsende Wut aufsteigt, kann man ihnen wohl kaum verübeln.

126) Frankilein66, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 09:08 Uhr

@ m.spreng

Ich denke, ich spreche im Namen einiger Leser dieses Blogs, wenn ich sie bitte, schnellstmöglich einen neuen Beitrag zu schreiben. Die sich im Kreis drehende und bei früheren Gelegenheiten bereits geführte Diskussion unter den immer gleichen Diskutanten mit den immer gleichen Meinungen langweilt mich mittlerweile zutiefst!

127) StefanP, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 09:17 Uhr

@117) Dieter Carstensen

Ich bin als Ökonom ganz schnell bei Ihnen, dass die Situation für viele Menschen in Griechenland schlecht bis dramatisch ist. Armut und Obdachlosigkeit wachsen und das können natürlich keine Staatsziele sein. Aber: die Situation ist selbst verschuldet, eben auch vom Griechen mit dem Laden um die Ecke. Phantasie und Erfinderreichtum setzte man an der Ägäis leider vorrangig dazu ein, keine Steuern zu zahlen. Dazu hat man abwechselnd jeweils die Partei gewählt, die im Wahlkampf am meisten damit protzen konnte, zum einen relativ hohe Beträge aus Brüssel abgeholt zu haben, zum anderen mehr Staatsbedienstete einzustellen.

Ihre deftige Sprache trägt entgegen dem Auftrag Ihrer Profession nicht zur Lösung eines Konflikts bei. Das ist das Kernproblem Ihrer Kommentare, die Sie auch beim Spiegelfechter verfassen und die auch dort nicht auf ungeteilte zustimmende Resonanz treffen. Sie wollen sich empören, doch in Empörung liegt nicht die Quelle für Lösungen.

Man muss nicht wie ich viel in der Welt herumkommen, man muss nur Zeitungen (digitale und traditionelle) lesen und unvoreingenommen beobachten: in aller Welt sind die Menschen mit Politikern höchst unzufrieden. Und das war selbst so im alten Griechenland und dem Weltreich Rom. Wenn die Unzufriedenheit mit Politik eine allgemein gültige Aussage ist, dann liegt die Schuld nicht bei Personen, sondern der Aufgabe von Politik.

Politik regelt das öffentliche Leben, von dem jeder irgendwann betroffen ist. Und da niemand die Dinge so gut regeln kann wie wir selbst, sehen wir alles andere als nicht perfekt an. Und jetzt begebe ich mich auf die Ebene Ihrer Profession: seit längerem ist in den westlichen Industrieländern ein starker Trend zur Versingelung festzustellen. Man kann es in die Formel packen: je wohlhabender ein Land, desto höher der Anteil der Singles. Warum ist das so?

Mit steigendem Wohlstand verlieren wir das Verständnis für Kompromisse. Kompromisse sind eigentlich das Wesen unseres Zusammenlebens, doch je besser es uns geht, desto weniger sind wir fähig, solche zu schließen. Der hohe Wohlstand versetzt viele in die Lage, zumindest materiell auch alleine leben zu können. So bekommt das Wort “Kompromiss” in unseren hoch entwickelten Gesellschaften einen schlechten Klang.

Politik lebt einzig vom Kompromiss. Kompromiss mit anderen gesellschaftlichen Gruppen und Restriktionen durch die Umwelt. Wenn Sie in diesem Kontext Politiker pauschal abqualifizieren, versteigen Sie sich und legen die Axt an die Demokratie und unser Zusammenleben.

Berlusconi, Sarkozy und Merkel herrschen mittlereweile fast wie Fürsten im Mittelalter.

Ein völlig daneben liegender Vergleich. Berlusconi ist reich aus eigenem Tun als Unternehmer. Die Italiener haben ihn dreimal zum Ministerpräsidenten gewählt. Selbst schuld. Alle drei stehen vor der Abwahl in ihren Ländern, weil sie eben in der öffentlichen Wahrnehmung Probleme nicht (ausreichend) lösen.

Was kommt auf uns zu, wenn die nächsten EU Staaten, was mit fast absoluter Vorraussage zu erwarten ist, pleite gehen?

Wer sagt das?

Ich bin in keiner Partei und wüsste nicht mehr, welche ich jetzt noch wählen sollte,(..)?

Dann haben Sie tatsächlich ein Problem mit Ihrer demokratischen Gesinnung. Fünf Parteien im Bundestag plus eine weitere mit potentiell guten Aussichten ins Parlament zu kommen bieten Ihnen keine annehmbaren Ziele, obwohl alle durchaus unterschiedliche Vorstellungen verfolgen? Sie brauchen ungefähr 3 Millionen Gleichgesinnte, um in den Deutschen Bundestag einzuziehen, da ist die Kompromissfindung schon schwierig.

128) Peter Schwarz, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 09:24 Uhr

Lieber Herr Spreng,

Sie dreschen auf die Falschen ein. Was haben die hohen Gehälter in Banken mit den aktuellen Problemen der Finanzinstitute zu tun? Nichts.
Wer hat die Banken dazu genötigt, sich mit Staatsanleihen vollzusaugen, die ihnen jetzt das Leben schwer machen? Das waren genau jene Politiker, die jetzt die Finanzindustrie an den Pranger stellen.
Noch mehr Einfluss der Politik auf die Geschäftspolitik der Banken?
Sorry, aber das kann nicht Ihr ernst sein. Allein die weise, politikgesteuerte Geschäftspolitik der Westdeutschen Landesbank hat den Steuerzahler bislang 15 Mrd. Euro gekostet. Der Betrag, der bei den anderen Landesbanken, bei KfW und IKB versenkt worden ist, dürfte noch weit darüber liegen.

Nein, in der aktuellen Krise sind die Banken mehr Opfer als Täter.
Verantwortlich sind Politiker, die die Staatsausgaben nicht in den Griff bekommen.
Verantwortlich sind aber auch die Wähler, die solchen Politiker ihre Stimme gegeben haben.
Seit den 60er Jahren hat es keinen ausgeglichenen Bundeshaushalt mehr gegeben.
Jetzt kriegen wir die Rechnung für unverantwortliche Schuldenmacherei.
Vielleicht ist auch deshalb die Wut auf Banker und Ratingagenturen so groß.
Wer fasst sich schon gern an die eigene Nase?

129) sk8erBLN, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 10:06 Uhr

Ach ja, fast vergessen: Während unsere geschätzten medien noch damit beschäftigt sind Bratislawas Wende vom “Nein” zum “Ja” für den EFSF zu feiern passiert interessantes hinter den Kulissen:

“Ich sehe gerade, dass die EZB QE2 ausweitet. Neben dem Aufkaufprogramm von Staatsanleihen (siehe oben), werden nun auch wieder Covered Bonds, also besicherte Anleihen, von der EZB gekauft. Name des Programm: CBPP2 (covered bond purchase programm). Volumen 40 Mrd. Euro, Laufzeit von 11/11 bis 10/12.

Nur auf den EFSF verlässt sich Europa nicht. In den Widerstand gegen Aufkaufprogramme scheint die EZB inzwischen vollständig aufgegeben zu haben.”
http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/2011/10/wie-lange-reicht-eigentlich-das-geld.html

Der ganze Artikel lohnt!

130) Dieter Carstensen, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 12:08 Uhr

Lieber Michael Spreng,

ich habe die Politiker ja nicht als “Verbrecherbande” bezeichnet, das haben Sie mir ja auch nicht unterstellt, sondern pauschal als “Bande”..

Vom ursprünglichen Begriff steht das Wort “Bande” auch für Clique oder Zusammengehörigkeit einer Gruppe von Menschen.

So erklärt es zumindest der Duden, man kann es aber auch bei Wikipedia nachlesen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bande

Der Begriff “Bande” kann sehr verschieden interpretiert werden, ich meinte damit, sind eh alle aus demselben Verein, unsere Politiker.

M.f.G

Ihr treuer Leser Dieter Carstensen

131) Xpomul, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 13:19 Uhr

der gute banker josef ackermann will die boni retten:
http://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/diskussion-um-staatshilfe-ackermann-will-boni-retten_aid_674338.html

in einem punkt hat er recht, wen wundert es auch besonders:
” … würden die Mittel dafür zumindest für viele Banken nicht von privaten Investoren aufgebracht, was die Schuldensituation der Staaten weiter verschärfe.

dann warten wir mal auf das große runterstufen der ratingagenturen für deutschland, frankreich und andere halbwegs, am rande des abgrunds stehende, ( vermeintlich ) solvente staaten.

132) Mark, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 13:56 Uhr

@ 121) Bernhard Paul, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 00:40 Uhr

Na, Sie machen sich das aber SEHR einfach mit der Begründung der “Systemrelevanz” der Banken.

Die Diskussion ist aber durchaus schon weiter, insbesondere was die Trennung von Investmentbanken (aka “Zockerbuden”, “Finanzkasinos”) und Geschäftsbanken angeht. Letztere sind nämlich die einzigen Banken, die es überhaupt braucht. Sie finanzieren Vorgänge in der Realwirtschaft (also in dem realen Leben) und nicht irgendwelche virtuellen Finanzmarktprodukte, die aus dem Nichts Geld zaubern sollen.

Sobald eine Bank in Schieflage gerät, sollte man die Bank verstaatlichen, die “Investmentteile” herauslösen und (versuchen zu) verkaufen, während der realwirtschaftliche Teil überlebt, gerne auch mit Staatshilfen und Garantien für Anleger. Dann können die Zockerbuden gerne in’s wirtschaftliche Nirvana geschickt werden, während die wirklich systemrelevanten Teile bleiben. Damit einhergehen muss natürlich eine scharfe Regulierung des Finanzmarktes.

Aber das sind alles Themen, die unsere Bundesregierung noch nicht mal mit einer Kneifzange anfäßt. Die möchte lieber unser aller Steuergeld lustig in der Welt verteilen, als “Retter” gefeiert werden und keine Kritik hören.

133) dörte, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 19:20 Uhr

Ey Junge, wat geht mit dir?! Du has’ die Piraten au’ irgendwie gefresse, ne?

134) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 19:40 Uhr

@)123) m.spreng,

^^Darf ich daran erinnern, dass ein Kommentar dieser Länge kaum noch komplett gelesen wird und den Diskussionsfluss hemmt?^^

Mag sein. Aber es kommt auch auf den Inhalt an. Zugegeben, mein Kommentar ist wirklich lang. Ein komplexer Sachverhalt aber lässt manchmal kürzere Texte nicht zu. Ansonsten stimmt sicherlich der Satz von der Kürze, in der die Würze liegt.

135) Politikverdruss, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 19:46 Uhr

Ich würde ja auch bei einem Banken-Bashing mitmachen. Aber dann sollte es auch schon handfeste Gründe geben.

Derzeit stellt sich die Lage doch so dar: Die Staaten Europas haben sich übermäßig verschuldet. Sie haben das getan, weil sie ihren Wählern Leistungen versprochen haben, die nicht zu erwirtschaften waren. Bei dieser Verschuldung haben sie sich von den Banken Geld geliehen. Die sitzen nun auf diesen Schuldverschreibungen und stellen fest, dass sich der Wert dieser Papiere ständig verschlechtert. Von diesen Papieren haben sich die Banken auch nicht rechtzeitig getrennt, weil die Staaten darum gebeten haben. Und nun erklären die Staaten, dass der Schuldenberg einzelner Staaten so groß geworden ist, dass man ihn nicht mehr abtragen kann. Man werde also nicht zurückzahlen. Damit nun aber die Banken nicht unter der Last der Wertberichtigungen zusammenbrechen, sollen sie von den hoch verschuldeten Staaten Geld annehmen. Dadurch steigt deren Schuldenlast wieder und dann…?

Und Leuten, die sich so etwas ausdenken, wollen wir demnächst die finanz-und wirtschaftspolitische Führung Europas anvertrauen? Wie wäre es, wenn die Staaten endlich mal Schulden abbauen! Und nicht nur die Neuverschuldung reduzieren. Richtiger Schuldenabbau!

136) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 19:52 Uhr

@122)Mark

^^Und wenn Herr Spreng demnächst titelt “Wider die Banken”, dann wissen wir, dass der Widerstand auch im bürgerlichen Lager angekommen^^

Der wird kommen. Ein Blick nach USA genügt. Mit Verspätung zwar, aber er wird kommen.
Siehe auch:
http://www.campact.de/finanzkrise/sn1/signer

137) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 20:02 Uhr

@121)Bernhard Paul

^^Ist so und in der Tat nicht zu ändern, wenn man nicht wieder eine Agrargesellschaft will, die in Naturalien und Tauschwaren handelt, wie heute noch in mancher Ecke Afrikas.^^

Dennoch muß man nicht gleich Kapitulation anmelden. Selbstverständlich haben sich auch Banken gewissen Regeln zu unterwerfen, die verhindern, daß die Steuerzahler für verursachte Miese aufkommen müssen. Hier endet die unternehmerische Freiheit der Finanzmärkte. Die Freiheit des einen darf nicht die Unfreiheit des anderen sein.

138) Gregor Keuschnig, Freitag, 14. Oktober 2011, 09:19 Uhr

@135/Politikverdruss
Ihr Einwand ist nur zum Teil richtig. Zunächst einmal ist ein Großteil der Verschuldung der Staaten während der Finanzkrise 2007-09 aufgelaufen, als fragile Banken gerettet wurden. Desweiteren haben Banken haben den Staaten weiter Geld geliehen, weil sie im stillen darauf vertrauten, dass sie das Geld zurückbekommen.

Wenn Sie die Reaktionen der Kreditversicherer und Banken 2009 mitbekommen hätten, wüssten Sie, wovon ich rede: Damals wurden massiv Kreditversicherungen von Unternehmen gekürzt und gestrichen, die einen hohen Kapitalbedarf geltend machten und durch Investitionen verschuldet waren. Die Banken hatten Angst, dass Unternehmen bei zusammenbrechendem Markt das geliehene Geld nicht zurückzahlen konnten. Damals wurden zuweilen einzelne Branchen pauschal in Haftung genommen. Hätte man diese Kriterien an Staaten angelegt, hätte man längst Griechenland, Italien, Portugal und Spanien kein Geld mehr leihen dürfen. Man hat es gemacht, weil die Politik Entsatz suggerierte. Das erfüllt sich jetzt.

Was Sie über das europäische Führungspersonal schreiben, ist m. E. vollkommen richtig. Es handelt sich um ein komplettes Versagen. DIESES Europa, d. h. ein Europa mit diesen erbärmlichen und lächerlichen Politikdarstellern (Barroso, Trichet – nur um zwei zu nennen) will ich nicht. Für Herrn Spreng bin ich damit ein Anti-Europäer. In Wirklichkeit sind diese Leute die Zerstörer des europäischen Gedankens.

139) Mark, Freitag, 14. Oktober 2011, 09:42 Uhr

Allen, die hier so vehement die Banken verteidigen, sei nur der Hinweis gegeben auf die Marktwirtschaft. Jeder könne und möge so gut wirtschaften wie er eben kann. Wenn’s daneben geht, dann muß derjenige, der das Risiko eingegangen ist (weswegen auch immer) eben auch für die Folgen seines Tuns einstehen. Das verstehe ich unter Marktwirtschaft und auch unter Rechtsstaatlichkeit. (Wenn ich heute plane, eine Bananenplantage in Grönland zu eröffnen und mir für dieses Vorhaben Geld leihe, dann stehe ich mit meinem Privatvermögen dafür ein. Und die Bank wird trotzdem am Ende -sollte das Projekt schief gehen- mit erheblichen Risiken dastehen.)

In sofern würde sich eigentlich jeder Kommentar hinsichtlich der Banken erübrigen. Sie (und ihre Anleger) sind ein Risiko eingegangen, das nun platzt. Das schmerzt natürlich. Und deshalb kommen die Banken angelaufen und betteln nach Mutti’s Rockzipfel – und damit nach unserem Steuergeld! Es hat mir bis heute niemand plausibel erklären können, weshalb wir Banken, die sich verzockt haben, “retten” sollen. WESHALB?

140) Günter Springer, Freitag, 14. Oktober 2011, 09:43 Uhr

Zu 42) Mark
Mit ihrem Beitrag bin ich, wie auch mit vielen anderen Beiträgen, voll einverstanden.
Wir brauche n aber nicht auf den Tag zu warten, an dem wir zur Kasse gebeten werden für Unternehmungen, die wir nicht verschuldet haben.
Wir zahlen schon seit geraumer Zeit. Sehen Sie sich nur die Preissteigerungen an, noch schlimmer
die Ankündigungen für gelante Preiserhöhungen.
Wenn hier einige dem Wähler Schuld zuweisen, kann ich auch nicht uneingeschränkt zustimmen.Wer
klärt sie denn wirklich auf?
Schuld sind vor allen Dingen auch die Medien, die ja die Politik, die Wirtschaft und die Banker oft hochleben lassen an Stellen wo Kritik angebracht wäre.
Mich wundert nur, als Beispiel, daß die Fernseh-und Rundfunkgebühren nicht erhöht werden sollen.
Gerade hier werden doch unverantwortlich Gagen und Gehälter gezahlt, die nur noch Kopfschütteln hervorrufen können.
Wetten, daß diese meine Meinung als Neiddiskussion abgetan wird!?
Sehen Sie sich mal an den Sonntagen den Presseclub an, wie da bei kritischen Fragen auch in der Frageviertelstunde rumgedruckst wird, kaum mal eine klare Stellungnahme, kaum eine geharnischte Kritik. Es scheint bei uns ja alles in bester Ordnung.
Übrigens noch eine Frage an die Runde, wer macht eigentlich einen Schuldenschnitt bei den kleinen Leuten?
Vor allem bei denen die ihren Arbeitsplatz unverschuldet verloren haben und nicht mehr zahlen können?
Sind diese Mitmenschen schlechter als die Griechen?
Wo bleibt der Rechtsstaat, wo bleibt die Wertegemeinschaft?
Wo bleibt die Gerechtigkeit?

141) Günter Springer, Freitag, 14. Oktober 2011, 09:52 Uhr

ich erlaube mir einen kleinen Nachtrag:
zu 113) Xpomul
Der Hinweis auf eine Meinung des Altkanzlers Helmut Schmidt zur gegenwärtigen Situation trifft den Nagel auf den Kopf.
Wetten, das es einigen nicht gefällt?!

142) Xpomul, Freitag, 14. Oktober 2011, 10:32 Uhr

@128) Peter Schwarz, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 09:24 Uhr
“…
Wer hat die Banken dazu genötigt, sich mit Staatsanleihen vollzusaugen, die ihnen jetzt das Leben schwer machen?

Basel II verlangt für die Aufnahme von Staatsanleihen in den Eigenbestand eine Kapitalquote von Null Prozent.
Also, ergo ein lohnendes Geschäft.
Ich zitiere:

Gemäß Basel I war jeder Kredit mit einheitlich 8 % Eigenmitteln zu unterlegen. An dieser Vorgehensweise hat sich mit Basel II grundsätzlich nichts geändert. Jedoch werden die ausstehenden Forderungen der Bank nunmehr, je nach Rating des Geschäftspartners, mit einem Prozentsatz zwischen 0 % (beispielsweise Forderungen gegenüber OECD-Ländern) und 1250 % gewichtet.[4] Die daraus resultierenden „risikogewichteten Aktiva“ sind mit jeweils 8 % Eigenkapital zu unterlegen. Die hier getroffenen Aussagen beziehen sich auf den Standardansatz. Die Vorgehensweise in den IRB-Ansätzen ist deutlich komplexer.”
Q:http://de.wikipedia.org/wiki/Basel_II

Basel III stellt ein Reformpaket aufgrund der Finanzkrise dar und soll 2013 in Kraft treten.
Ich bin mal gespannt wieviel die Bankenlobby noch verwässert bis dahin.
Q: http://de.wikipedia.org/wiki/Basel_III

Beide Themen sind durchaus lesenswert um zu verstehen weshalb Staatsanleihen so lohnend waren.

143) Dieter Carstensen, Freitag, 14. Oktober 2011, 11:01 Uhr

@127 StefanP.

Lieber StefanP., an einem Piunkt irren Sie gewaltig.

In meinem Beruf ist eine deftige und deutliche Sprache absolut notwendig.

Ich war über 20 Jahre in der Jugendsozialarbeit tätig, hatte mit süchtigen und äusserst gewalbereiten Jugendlichen zu tun. Nun habe ich mit suchtkranken Menschen zu tun, die teilweise auch hochagressiv und mir auch meist körperlich überlegen sind.

Es wäre Selbstmord, da keine deutliche Sprache zu finden, um diese mir anvertrauten Menscen, aber auch mich selber zu schützen.

Ich bin es gewohnt Klartext zu sprechen, ich rede nicht drumherum.

Macht der mir symphatische Michael Spreng in seinen Äusserungen auch nicht, ich wunder mich aber immer, dass er in manchen Fernsehdiskussionen so ruhig bleibt.

Ich könnte nicht so ruhig bleiben, weil ich einen anderen Lebenswerdegang habe.

Aber ich bleibe dabei:

Was mit den Griechen gerade passiert, ist eine RIESENSAUEREI.

144) M.M., Freitag, 14. Oktober 2011, 11:41 Uhr

Wieviele Studienabschlüsse und Händlerprüfungen muss man besitzen um das hinzubekommen?

Um die Qualität der Absicherungsgeschäfte zum Beispiel der DEXIA Bank zu beschrieben empfehle ich folgenden link:

http://www.acting-man.com/?p=10867

Zitat:”Apparently the bank was short German bunds in the middle of the euro area crisis, via otc interest rate swaps. Originally, these swaps were meant to hedge the bank against interest rate risk on its other assets, mainly loans to cities and municipalities. However, somehow the bank’s managers ‘forgot’ to hedge the hedge, and ended up with an €46 billion margin call.”

CEO und Chairmani nach dem Motto: Was interessiert uns die Bankbelegschaft?

145) sk8erBLN, Freitag, 14. Oktober 2011, 11:53 Uhr

apropos Widerstand: Aus Hygienegründen mussts die Revolution leider abgesagt werden. (via http://blog.fefe.de/ )

Der Finanzoligarch Bloomberg, zugleich Bürgermeister New Yorks lässt keinen Trick aus um die Räumung des Zucotti Parks zu erreichen und ersucht die Polizei den Park zu räumen….

Darauf hin erklärten die Demonstranten nicht nur den Park zu säubern sondern die Wallstreet, wo der wahre Dreck anzutreffen sei gleich mit.
http://www.observer.com/2011/10/occupy-wall-street-responds-to-bloombergs-eviction-notice/

Und apropos Widerstand II:

“On October 15th, we will meet on the streets to initiate the global change we want. We will peacefully demonstrate, talk and organize until we make it happen.

It’s time for us to unite. It’s time for them to listen.

People of the world, rise up on October 15th!”

Weltweit sind Aktionen in 82 Ländern in 951 Städten geplant.
http://15october.net/

Alle in Deutschland stattfindenden Aktionen zum morgigen weltweiten Protesttag finden sich hier:
http://occupyfrankfurt.de/doku.php?id=alle-demonstrationen#deutschland

146) Oliver, Freitag, 14. Oktober 2011, 12:16 Uhr

“Dennoch muß man nicht gleich Kapitulation anmelden. Selbstverständlich haben sich auch Banken gewissen Regeln zu unterwerfen, die verhindern, daß die Steuerzahler für verursachte Miese aufkommen müssen. Hier endet die unternehmerische Freiheit der Finanzmärkte. Die Freiheit des einen darf nicht die Unfreiheit des anderen sein.”

Banken unterliegen sehr strengen Vorschriften. Darin steht aber eben auch, das europäische Staatsanleihen als ganz sicher gelten. Das war ein Irrtum, oder wenn man es übel sieht, eine Methode der Staaten, sich Finanzierung zu sichern.
Die, die hier regulieren müssten, sind selber beteiligt.

147) Ste, Freitag, 14. Oktober 2011, 12:30 Uhr

Ich kann gar nicht so viel essen wie ich ko—- möchte; wie manche Kommentatoren ihre angeblich schlaue ökonomistische Logik verspritzen, als hätten sie die Weisheit mit dem Löffel gefressen. Der Grieche ist schuld, er, der die falschen Politiker wählte, er der nicht wie der Deutsche haushalten will. Unglaublich wie borniert und festgefahren! Ich weiß es nicht zu 100% was passiert, daher versuche ich stets es heuristisch und offener zu diskutieren. Man müsste Frankilein66 (Beitrag 126) recht geben, aber es bedeutet auch für mich selbst als Leser und Kommentator zukünftig eine andere Weise der Benutzung des sprengsatz-Blogs…

148) Peter Christian Nowak, Freitag, 14. Oktober 2011, 13:21 Uhr

135) Politikverdruss,

So ganz mag ich Ihnen nicht zustimmen. Natürlich liegen hier auch wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen von Staaten vor, die gemacht wurden. Andererseits will ich zu bedenken geben, daß seit Beginn der Reagan/Thatcher-Ära Anfang der 80er die Finanzmärkte mit unumschränkten Freiheiten bedacht wurden. Diese Freiheiten führten dazu, daß die Realwirtschaft von der Fianzwirtschaft mit dem Segen der Politik abgekoppelt wurde. Innovationen auf dem Finanzsektor entstanden, die wie Brandbeschleuniger in der Krise wirken. Und um die gehts, wenn wir heute von Eurorettung sprechen, die in Wahrheit eine Bankenrettung ist. Denn z.B. Leerverkäufe, Missbrauch der Credit-Default-Swaps (CDS), Wetten auf fallende bzw. steigende Kurse, Wetten auf den Zusammenbruch von Währungen wie den Euro und der vielen mehr…raffiniert konstruiert…führen zur derzeitigen Situation, daß Staaten infolge immer mehr ins Hintertreffen geraten und eigentlich nicht mehr Herr über ihre Entscheidungen sind. Was überbleibt ist das Handeln nach dem Muster der Austerität. Die Finanzmärkte bestimmen, wo´s langgeht. Und letztlich über das Budget-Recht von Parlamenten. Das führt auf Dauer zur Entdemokratisierung.
Jetzt haben wir die Situation, daß die Steuerzahler die Zocker retten müssen, die ursächlich für die Verschärfung der Krise mitverantwortlich ist.

149) Peter Christian Nowak, Freitag, 14. Oktober 2011, 13:30 Uhr

@128)Peter Schwarz

^^Wer hat die Banken dazu genötigt, sich mit Staatsanleihen vollzusaugen, die ihnen jetzt das Leben schwer machen? Das waren genau jene Politiker, die jetzt die Finanzindustrie an den Pranger stellen.^^

Also, von Nötigung kann man hier doch wohl nicht sprechen. Ich verstee ja, daß die Banken eigenes Versagen durch Masslosigkeit im Investmentsektor ihr Repertoire der Argumente dahingehend erweitern Denn es ist immer besser, andere für das eigene Versagen verantwortlich zu machen. Das hat in der Vergangenheit ganz gut geklappt, Für die Zukunft ist so eine Haltung aber kein Modell mehr. Die Leute wachen so langsam auf und gehen auf die Strasse. Und das ist gut so!

150) sk8erBLN, Freitag, 14. Oktober 2011, 13:35 Uhr

Wer stoppt den Wahnsinn, mag man angesichts der Tatsache fragen, das Monat für Monat die Forderungen Deutschlands gegenüber den schwächeren Mitgliedern der Eurozone steigen, nicht nur über die Bürgschaften und Garantien der Rettungspakete, sondern auch über das Target2 Zahlungssystem (Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer System). Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt) gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB schossen im September 2011, laut den heute veröffentlichten Daten, um +59,188 Mrd. Euro auf ein neues Rekordhoch mit 461,927 Mrd. Euro, nach 402,739 Mrd. Euro im Vormonat.
Die Eurokraten sind völlig außer Kontrolle und mit ihnen der Saldo aus dem Target2 Zahlungssystem. Der Anstieg der Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt, mit +59,188 Mrd. Euro zum Vormonat, war der höchste jemals verzeichnete Anstieg in der Datenreihe der Bundesbank, hier der Blick auf die Entwicklung der Forderungen (Kredite) der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB:
(Grafik auf der Webseite)

Dies verdeutlicht auch noch einmal, dass die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands, Zeichen der enormen Wettbewerbsfähigkeit, Pyrrhussiege sind, da sie immer weiter die Gläubigerposition Deutschlands gegenüber dem Ausland erhöhen. Gegenüber der Südperipherie der Eurozone findet deren Defizitfinanzierung der Leistungsbilanz sowie die Liquiditätssicherung der Banken u.a. auch über den Kapitalexport via Target2 statt, wie die Verrechnungssalden des Target2 System im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) zeigen. Zugleich sind die Target2 Salden ein enormer Krisenindikator, denn mit deren brachialen Wachstumsraten wird die Finanzierung der PIGS-Länder (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) nicht mehr über den Kapitalmarkt, sondern von den Druckerpressen der Zentralbanken übernommen.
http://www.querschuesse.de/target2-mit-aberwitziger-steigerung-zum-vormonat/

151) Kritiker, Freitag, 14. Oktober 2011, 15:03 Uhr

@Dieter Carstensen

#127 Stefan P. schrieb in Richtung Carstensen:
“…Ihre deftige Sprache trägt entgegen dem Auftrag Ihrer Profession nicht zur Lösung eines Konflikts bei. Das ist das Kernproblem Ihrer Kommentare, die Sie auch beim Spiegelfechter verfassen und die auch dort nicht auf ungeteilte zustimmende Resonanz treffen. Sie wollen sich empören, doch in Empörung liegt nicht die Quelle für Lösungen….”

Dem ist sicher nichts hinzuzufügen. Herr Carstensen war auch mal eifriger Kommentator beim “Der Freitag” und erwähnte dort immer gern, dass er mal als linkes Parteimitglied dieser Partei sehr verbunden war. (siehe hierzu auch: http://tinyurl.com/6fqpzq3 ).

Seine auch dort geübte Weise, kritische andersdenkende Schreiber frontal anzugehen, brachte ihm die rote Karte. Seitdem schreibt er nichts mehr.
Beim Spiegelfechter durfte er nun, nachdem auch dort u.a., ein ganzer Artikel von ihm gänzlich gestrichen wurde, einen seiner Erlebnisberichte verfassen. Selbstverständlich bleibt er sich und seiner Anbiederung an die jeweiligen Blogbetreiber treu (“..Lieber und geschätzter Herr Spreng”, u.ä.)

Sprengs nachdenklicher und lesenswerter Artikel und auch die meisten hier verfassten Kommentare sind lesenswert. Aber leider wird auch hier von jemandem gestört, getrollt, der sich einzig und allein auf seinen ehemaligen Beruf des Sozialarbeiters bezieht und damit alle Probleme der Welt aus seinen Augen her lösen kann. Meint er. Sachkenntnis allerdings oftmals ausser Acht lassend.

Interessant dürfte folgender Artikel zum Fachmann Carstensen sein, der sich leicht bei google finden lässt, wenn man nach Sozialarbeiter Dieter Carstensen aus Waldbröl googelt:

http://www.solinger-bote.de/nachrichten/2011/05/25/oberberg-wie-ein-mann-eine-ganze-stadt-narrt/

Damit sollte eigentlich auch klar sein, dass sich gewisse Antworten auf Carstensens vielfältige Kommentare nicht lohnen.

152) Dieter Carstensen, Freitag, 14. Oktober 2011, 17:22 Uhr

@151 Kritiker

Wenn man, wie ich, sich häufig öffentlich äussert, Michael Spreng wird das als sehr beannter Journnalist kennen, dann gibt es immer Neider, Feinde und Verleumder, die einem Aus purer Boshahftigkeit heraus das Leben schwer zu machen versuchen.

Mir macht das mittlerweile nichts mehr aus, ich bin hartgesotten, durch meinen Lebensweg.

Der Blog Solinger Bote wird übrigens von dem ehemaligen Vorsitzenden der Die Linke Oberberg, namens Carsten Stoffell betrieben, kann man bei Google leicht nachrecherchieren.

Ob das nun eine glaubwürdige Quelle ist, die Sie da zitieren?

Stoffel bleiben Stoffel, ob in der Politik oder sonst im Leben.

Und mir ist klar, dass hinter dem unsinnigen Kommentar ein echter Stoffel steht.

153) Ste, Freitag, 14. Oktober 2011, 17:59 Uhr

@152): Und diese “Neider, Feinde und Verleumder” nennen sich dann auch gern “kritisch andersdenkende” a la Sarrazin-Formel, sehen nicht einmal dass sie Teil einer ganz großen Thesenwolke von vielen ganz bestimmten Leuten sind, die immer wieder in die gleichen Trompeten blasen und durch die Dichte und durchaus in gekonnter Sprache und im durchmoralisierten Bewusstsein in Form und Struktur gegossen, lassen ihre zumeist viel zu langen Traktate und fast shcon hegelianischen Werke keine Begegnung, kein Austausch zu, ein Bewusstsein, welches sich von keiner Ideologiekritik mehr betroffen fühlt, das macht es sehr schwer.

154) Xpomul, Freitag, 14. Oktober 2011, 17:59 Uhr

@144) M.M., Freitag, 14. Oktober 2011, 11:41 Uhr

es geht doch nicht um strategie oder eine händlerprüfung, die übrigens verhältnismäßig einfach ist; es geht vielmehr um zockerei.
ihr beitrag würde mich fröhlich stimmen, wenn es nicht die realität in banken wäre.
übrigens.
dem riskmanagement darf man nicht die schuld in die schuhe schieben.
die verstehen oft die materie gar nicht mehr und werden sehr oft von ihrem vorstand im regen stehen gelassen.
revision und wirtschaftsprüfer ebenso nicht. wie kann man die instrumente auch noch kapieren wenn ganze horden von dipl mathematikern über den formeln brüten bis ein neues produkt offeriert wird.

@150
chapeau !
target2 hatte ich ganz vergessen bei meiner persönlichen betrachtung.
peinlich ……

155) Kritiker, Freitag, 14. Oktober 2011, 18:56 Uhr

#152 Carstensen

Und, wie stets, antworten Sie mit persönlichen Diffamierungen. Dies mal gegen einen Herrn Namens Stoffel.

Sie schreiben:
“Wenn man, wie ich, sich häufig öffentlich äussert, Michael Spreng wird das als sehr beannter Journnalist kennen, dann gibt es immer Neider, Feinde und Verleumder, die einem Aus purer Boshahftigkeit heraus das Leben schwer zu machen versuchen.”

Allein im ersten Absatz Ihres Kommentars, werter Herr Carstensen, machen Sie reichlich Rechtschreibfehler. Für mich aber der Beleg dafür, dass Sie einfach nicht mit Kritik, und Wahrheiten, umgehen können. Mit Schaum vor dem Munde sollte man nichts schreiben. Es fällt auf einen selbst zurück.

Und nun lassen Sie uns diesen Dialog beenden. Ich möchte nun weiss Gott nicht in Ihr Fahrwasser und auf Ihr Niveau geraten.

Und abschliessend: Der Internetauftritt Solinger-Bote ist durchaus lesenswert. Das mag der Herr Carstensen gern anders sehen. Das Recht dazu hat er.

156) Peter Christian Nowak, Freitag, 14. Oktober 2011, 19:24 Uhr

@)150) sk8erBLN

^^Dies verdeutlicht auch noch einmal, dass die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands, Zeichen der enormen Wettbewerbsfähigkeit, Pyrrhussiege sind, da sie immer weiter die Gläubigerposition Deutschlands gegenüber dem Ausland erhöhen.^^

Und weil das so ist unterschätzen manche Leute die Tatsache, wie wichtig kompatible Volkswirtschaften in der Eurozone sind. Viele Staaten sind nämlich aus diesem Grund der Hartwährung Euro nicht gewachsen. Man versuchte diesen Umstand mit Krediten auszugleichen. Die Folgen sehen wir jetzt. Um Volkswirtschaften einander anzugleichen, hätte es seit Maastricht außer den monetären Konvergenzkriterien auch Konvergenzen in der Fiskal,- Wirtschafts- und Sozialpolitik geben müssen. Eine politische Union also. Die Einhaltung einer Schuldenobergrenze reicht nicht. Damit Staaten wieder auf die Beine kommen bedarf es mehr. Es müssten flankierende Maßnahmen zur Eigenentwicklung her. Aber ich fürchte, dafür reicht das Geld nicht und vor allem, es ist politisch nicht durchzusetzen – aus den bekannten und auch ernst zu nehmenden Gründen.

157) Peter Christian Nowak, Freitag, 14. Oktober 2011, 19:34 Uhr

@146)Oliver

Ja, ich stimme Ihnen zu, es sind Fehler auf beiden Seiten gemacht worden. Aber es ist auch sicherlich wahr, daß man selbst aus der Fianzkrise (“man” sind wenige, deren Reichtum explodiert ist) reichlich Kapital hinzugewonnen hat. Es kann auf der anderen Seite auch nicht sein, daß Staaten durch geschickte (gefährliche) Finanzprodukte in die Knie gezwungen werden. Hier eine Lösung zu finden, darum ringen nun die Politiker.

158) Peter Christian Nowak, Freitag, 14. Oktober 2011, 19:51 Uhr

@151)Kritiker

^^Interessant dürfte folgender Artikel zum Fachmann Carstensen sein, der sich leicht bei google finden lässt, wenn man nach Sozialarbeiter Dieter Carstensen aus Waldbröl googelt:^^

Man sollte sich überlegen, ob man aus lauter Wut gegen irgend jemanden so etwas einstellt. Zweidrittel aus einer Adresse gehören bestimmt nicht dazu. Das ist einfach nur schlechter Stil. Hier sollte auch mal Herr Spreng intervenieren…(nur ein Vorschlag)…

159) sk8erBLN, Freitag, 14. Oktober 2011, 21:20 Uhr

@ 147 Ste

Vielleicht tröstet Sie dieser Artikel ein wenig, gibt es ja offensichtliche Parallelen zu manchen Kommentatoren hier….

Borniert, blind, Banker

14.10.2011, 17:45
Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann
Unerträglich und unmoralisch! Derartige Vorwürfe müssen sich die Banker anhören – und das nicht nur von Anhängern der Occupy-Bewegung, sondern auch von gestandenen Managern. Noch vor 20 Jahren waren Banker angesehene Leute – heute fallen gegenüber dieser Berufsgruppe alle Hemmungen. Und das ist deren eigene Schuld: Selten hat sich ein Wirtschaftszweig so borniert gezeigt.

http://www.sueddeutsche.de/geld/image-der-finanzinstitute-borniert-blind-banker-1.1163817

Ich bin übrigens recht zuversichtlich dass die jahrelange Unfähigkeit, genauer der UnWILLEN der verehrten Politik jetzt von der Straße selbst in die Hand genommen wird. Die losgetretene weltweite Protestwelle wird früher oder später dazu führen, dass die Politik unter Handlungszwang gesetzt wird und das dann nicht mehr im Sinne von einer Handvoll Finanzoligarchen und Profiteuren. Die Bankster dürfen sich schon mal warm anziehen, die Zeit der Parties ist für sie in absehbarer Zeit vorbei.

160) sk8erBLN, Freitag, 14. Oktober 2011, 21:28 Uhr

Zu meinem Vorbeitrag ergänzend:

Der Euro frisst seine Retter

Die Schuldenkrise bestimmt weltweit die politische Agenda, auch die Tagung der G-20-Finanzminister in Paris. Der Euro ist zwar gerettet – vorerst. Doch der Preis für die Einigung ist hoch: Fünf Regierungen sind in der Euro-Zone bereits gescheitert. Weitere werden folgen.

Die Euro-Krise wird zur Karriere-Vernichtungsmaschine: Fünf Regierungschefs haben seit Ausbruch des Schuldendramas bereits ihren Job verloren, weitere werden folgen. Von Athen über Paris bis nach Wien müssen die Regierenden um die Wiederwahl zittern – oder ein vorzeitiges Ende der Legislaturperiode fürchten.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,791841,00.html

Und auch das ist nur ein Anfang. Denn folgerichtig wird es danach jenen an den Kragen gehen, die verantwortlich für die Casino-Zockereien sind.

161) m.spreng, Samstag, 15. Oktober 2011, 09:02 Uhr

Liebe Streithähne,

ein Vorschlag zur Güte: Wollen wir es jetzt nicht genug sein lassen? Die Diskussion hat immer weniger Teilnehmer, die dafür aber umso häufiger schreiben – und teilweise immer persönlicher werden. Ich glaube, zu diesem Thema ist jetzt alles gesagt und auch von jedem der nur noch wenigen Diskutanten. Bitte haben Sie Geduld bis zu meinem nächsten Beitrag.

162) Dieter Carstensen, Samstag, 15. Oktober 2011, 10:35 Uhr

Lieber Michael Spreng,

Sie gehen da jemand auf den Leim. Die Kommentare #151, #155 , #158 stammen alle von denselben Leuten. Ich bitte Sie nochmal freundlich um Löschung.

Sie benutzen zwar verschiedene PC’s um Ihre wahre Identität zu verschleiern, aber Ihr einziges Ziel ist, mir Schaden zuzufügen.

Ich gebe zu, ich war mal Mitglied der Die Linke, weil ich gegen die Hartz IV Gesetze bin und ich keine Alternative dazu in der Parteienlandschaft fand.

Es war der größte Fehler meines Lebens, in diese Partei einzutreten, den ich aber korrigiert habe, weil ich sie für antidemokratisch halte, nach meinen Erfahrungen und sie zu recht vom Verfassungsschutz überwacht wird.

Verfolgt werde ich von Einigen, ich will ihnen nicht unterstellen in welcher Partei sie sind, ich weiss es nicht, weil ich öffentlich gesagt habe, dass ich zwischen Nazis und rotlackierten Nazis keinen Unterschied erkennen kann, bezog mich dabei aber auf die Weimarer Republik.

Seitdem wird von diesen Leuten versucht, mich mit allen Mitteln im Internet zu diskreditieren.

Das ist der Hintergrund,

M.f.G

Dieter Carstensen

163) sk8erBLN, Samstag, 15. Oktober 2011, 11:45 Uhr

@ 161) m.spreng, Samstag, 15. Oktober 2011, 09:02 Uhr

Lieber Herr Spreng,

zu diesem Thema (ich meine nicht den persönlichen Kleinkrieg der hier ausgetragen wurde und den man klugerweise erst gar nicht freigeschaltet hätte) gäbe es sogar noch sehr viel qualifiziertes zu sagen.
Zur eigentlichen Frage, ob die Marktwirtschaft gerade scheitert (schließlich hat nicht eine der Maßnahmen die Notenbanken oder Politik bislang ergriffen haben dazu geführt dass die Finanzmärkte nachhaltig stabil wurden). Wir täten gut daran im nächsten Schritt festzustellen, dass auch die Märkte nicht so funktionieren, damit hat sich einmal mehr querschüsse.de befasst.

Ich hatte nicht grundlos die Leistungsüberschüsse Deutschlands mit dem Hinweis auf Pyrrhussieg erwähnt im Beitrag 150. Das dürfte eine der größten Herausforderungen werden was die Zukunft Europas und der Eurozone angeht.
“…Wer sich [wie Merke] also dafür einsetzt, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken und damit in letzter Konsequenz die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Volkswirtschaft anstrebt, der hat sich damit nicht unbedingt auch schon für funktionierende Märkte sowie für Wachstum und Beschäftigung eingesetzt – ein Aspekt, der seit Jahren von der Politik übersehen wird und die Frage in den Hintergrund gerückt hat, wie das wirklich erreicht werden kann….”

http://www.querschuesse.de/dauerkrise-der-markte-und-politik-im-rettungsmodus-scheitert-die-marktwirtschaft/
Ergänzung in [] von mir

Was Merkel bei ihrem beständigen runterbeten der Formel “Deutschland sei ganz ganz toll durch die Krise gekommen” nämlich übersieht ist, auf wessen Kosten und zu welchem Preis das geschieht, damit hat sie das wesentliche schon nicht begriffen! Manchmal lohnt es, ein klein wenig weiter zu denken auch wenn das für das Gros von Diskutanten nicht attraktiv ist und sie sich deshalb nicht mehr beteiligen. Wir können es aber auch gerne dabei belassen einfach festzustellen, dass wir Probleme haben auf die die Politik nur bestenfalls reagiert anstatt aktiv zu gestalten.

164) Peter Christian Nowak, Samstag, 15. Oktober 2011, 13:20 Uhr

159) sk8erBLN,

^^Die losgetretene weltweite Protestwelle wird früher oder später dazu führen, dass die Politik unter Handlungszwang gesetzt wird(…)^^

Wurde aber auch Zeit!

165) Peter Christian Nowak, Samstag, 15. Oktober 2011, 13:32 Uhr

^^Was Merkel bei ihrem beständigen runterbeten der Formel “Deutschland sei ganz ganz toll durch die Krise gekommen” nämlich übersieht ist, auf wessen Kosten und zu welchem Preis das geschieht, (…)

Und die meisten Bürger übersehen im Geist ihres (noch) bestehenden Wohlstandes diese von Ihnen beschriebenen Tatbestand. Noch geht es vielen in dieser Republik noch zu gut…

166) EStz, Samstag, 15. Oktober 2011, 14:52 Uhr

156) Peter Christian Nowak, Freitag, 14. Oktober 2011, 19:24 Uhr

Um Volkswirtschaften einander anzugleichen, hätte es seit Maastricht außer den monetären Konvergenzkriterien auch Konvergenzen in der Fiskal,- Wirtschafts- und Sozialpolitik geben müssen.
__________________________________

Aus meiner Sicht ein extrem wichtiger Punkt und eine der Hauptursachen für die aktuelle Malaise.

167) Günter Springer, Sonntag, 16. Oktober 2011, 09:07 Uhr

Werte Kommentatoren
warum feindet Ihr Euch in diesem Forum so an? Wendet Euren Zorn und Frust doch lieber gegen die Verursacher und Schönredner des europäischen Notstandes an. Das Europa in einem Notstand sich befindet, will doch wohl keiner bestreiten Außer denen, die daran übermäßig noch verdienen.
Die Situation in der sich der westliche Kapitalismus befindet, hat Karl Marks schon vor hundert Jahren beschrieben.
Damit keiner auf den Gedanken kommt ich sei ein schlimmer Linker sei gesagt , wo er,K.M., recht hat, hat er recht.
Schlimm an der ganzen Situation ist nur, daß keiner der Verantwortlichen den Mumm hat, zuzugeben ,daß man sich ganz gewaltig geirrt hat.

168) sk8erBLN, Sonntag, 16. Oktober 2011, 19:26 Uhr

Ist ja interessant wie schnell das auf einmal geht mit den Einsichten kaum dass die “Einschläge näher kommen und nicht nur im angeblich faulen und verlotterten Griechenland via TV zu sehen sind. Am Freitag schrieb ich noch

“Ich bin übrigens recht zuversichtlich dass die jahrelange Unfähigkeit, genauer der UnWILLEN der verehrten Politik jetzt von der Straße selbst in die Hand genommen wird. Die losgetretene weltweite Protestwelle wird früher oder später dazu führen, dass die Politik unter Handlungszwang gesetzt wird und das dann nicht mehr im Sinne von einer Handvoll Finanzoligarchen und Profiteuren. Die Bankster dürfen sich schon mal warm anziehen, die Zeit der Parties ist für sie in absehbarer Zeit vorbei.”

Und prompt geht auf der Gegenseite das Gezeter richtig los: “”Die Politik darf uns jetzt nicht den Krieg erklären – sondern lieber mit uns bei Wasser und Brot ins Kloster gehen und arbeiten, bis weißer Rauch aufsteigt und es eine gemeinsame Lösung gibt”, sagte der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Andreas Schmitz. “Wir haben keine Bankenkrise, sondern eine politische Vertrauenskrise.””
Soso, die Politik DARF NICHT, Sprache ist ja manchmal sowas von verräterisch ;) :D-
Dieser Rückgriff auf päpstliche Symbolik mit dem “weißen Rauch” ist auch interessant. Falsch wäre natürlich anzunehmen die selbsternannten “Finanzpäpste und Oligarchen” hätten irgendwas begriffen. Wie viel Realitätsverlust man als Präsident eines Bundesverbandes doch erleiden kann -erschreckend…””Wir haben keine Bankenkrise,…”

Na wenn das so ist, dann hat die Politik ja auch keinerlei gründe diesen kriminellen Vereinen jemals noch einen Cent zur Verfügung zu stellen. Haircut 100 %, seht zu ob ihr euch das Klo mit den griechischen Staatsanleihen tapeziert und so ins Guiness Buch der Rekorde für die teuerste Tapete kommt. oder euer Laden danach 100 prozentige Staatsbank wird – ohne Abfindung irgendwelcher Aktionäre natürlich.

Schmitz, dieser realitätsverlustig gegangene Komiker, dann weiter “…sondern eine politische Vertrauenskrise.””
1 + 1 zusammenzuzählen fällt diesem Menschen sichtlich schwer. Wie wäre es denn mit “Wir haben eine Bankenkrise UND eine politische Vertrauenskrise.” Da käme er der Wahrheit dann recht nahe auch wenn sich Lobbydurchseuchte und untätige Politiker nochmal extra herausstellen ließen…

Wenn der SPON schreibt im Artikel vom Sonntag, 16.10.2011:

“Kritik an Finanzindustrie
Politiker erklären Banken zum Staatsfeind

Von Veit Medick

Nun schlagen die Politiker zurück. Von Zwangsverstaatlichung ist die Rede, von einer Neuordnung des Finanzsektors und einer Zerschlagung der Geldinstitute. Die Politik erklärt die Banken zum neuen Staatsfeind.

Selbst Strafen für gierige Finanzmanager kann mancher sich nun vorstellen. Er werde sich “persönlich dafür einsetzen”, dass das europäische Recht entsprechend geändert würde, sagt EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Los geht der Artikel so:
Geldhäuser zerschlagen, Zocker hart bestrafen: In seltener Eintracht knöpft sich die Politik die Finanzindustrie vor, selbst die FDP scheint sich mit der weltweiten Anti-Banken-Bewegung zu solidarisieren. Der Staat will so Stärke signalisieren,….”

ist zumindest der letzte Halbsatz Quatsch. Gewisse Politiker haben erkannt was ihnen demnächst blüht und versuchen nun mit galoppierendem Aktionismus/Populismus und gegenseitigem Überbieten für scharfe Regeln ihre Restglaubwürdigkeit im Promillebereich zu erhöhen, _nachdem_ ihnen auf den Straßen Europas _und_ in Deutschland ein wenig Feuer unterm hintern gemacht wurde.

Da wiederhole ich mich: “Vergesst es, ihr erlebt gerade nur den Anfang!”
Glauben die wirklich sie könnten ihr Volk noch einmal so verar***en wie in 2008 wo sie reihenweise Leerfloskeln in der Art absonderten und ansonsten Erfüllungsgehilfen der Finanzoligarchen blieben? Nee, ihr seid 3 Jahre zu spät dran, ihr ward unfähig vernünftiges in Gesetze zu gießen als dafür Zeit war und es haben viel zu viele kapiert dass Ihr es nicht wollt.

Auch der SPON zündet eine weitere Nebelkerze im Artikel:

“Der Chef der Deutschen Bank hat sich ganz dem Kampf gegen die Zwangskapitalisierung verschrieben. Er würde sich “schämen”, wenn sein Haus Staatsgeld in Anspruch nehmen müsste, stichelte er schon 2009. Vergangene Woche erneuerte er seine Kritik. ”

Werte Journaille, sucht euch uninformiertere Idioten denen ihr solche Texte verkauft.
Ackerman hat nur kein _deutsches_ Geld aus der Staatskasse erhalten in 2008. Dafür durften US Steuerzahler sein persönliches Desaster AIG retten wo er mehr als 17 Milliarden US Dollar einstrich. Hätte es die nicht gegeben, hätte die zu diesem Zeitpunkt sehr mangelhaft mit Eigenkapital unterlegte Deutsche Bank so wie Commerzbank in der Schlange der zu rettenden gestanden. So von Alzheimer befallen ist nicht mal Ackermann als das er das nicht wüsste.

Der zugehörige Spon Artikel findet sich hier:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,792058,00.html

169) sk8erBLN, Sonntag, 16. Oktober 2011, 19:35 Uhr

@ 167) Günter Springer, Sonntag, 16. Oktober 2011, 09:07 Uhr

Werter Herr Springer,

was die ad hominem Beiträge hier angeht stimme ich gerne zu. Ihrem letzten Satz dann eher weniger. Es reicht bei weitem nicht, dass sich verantwortliche hinstellen und sagen, sorry, da haben ich/wir uns geirrt.

Dieser gewaltige Irrtum bedarf einer massiven Korrektur und wir sind Meilen davon entfernt, dass die ausreichend in Angriff, geschweige denn umgesetzt wäre.

Im Gegenteil, Leute wie jener Assmussen der demnächst in die EZB Vorstandsetage nachrückt und keinerlei Probleme damit hat wie die EZB agiert ohne Geschäftsgrundlage beim Ankauf von Staatsanleihen zieht seit zig Jahren schon unauffällig die (falschen) Strippen im Hintergrund. Es werden Böcke zu Gärtnern gemacht und das sehenden Auges.

170) sk8erBLN, Sonntag, 16. Oktober 2011, 20:46 Uhr

so, als letztes für heute komme ich auf diesen Punkt zurück:
“…Wer sich [wie Merke] also dafür einsetzt, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken und damit in letzter Konsequenz die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Volkswirtschaft anstrebt, der hat sich damit nicht unbedingt auch schon für funktionierende Märkte sowie für Wachstum und Beschäftigung eingesetzt – ein Aspekt, der seit Jahren von der Politik übersehen wird und die Frage in den Hintergrund gerückt hat, wie das wirklich erreicht werden kann….””

Merkel und Sarkozy haben sich da ein tolles Beispiel geleistet:

Franzosen wollen Gratis-Fregatten an Griechenland liefern
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,792028,00.html

Dass Griechenland pleite ist wissen wir ja. Jetzt also sollen es Fregatten sein. “Und zwar ohne Anzahlung. Denn es geht, wie ich hier ja schon häufiger ausgeführt habe, nicht um Griechenland dabei, sondern das ist Industrieförderung. Frankreich schei**t doch darauf, ob Griechenland das zurückzahlt oder nicht, die wollen ihre Rüstungsindustrie subventionieren. [Anmerkung: Die Subvention der franz. Industrie zahlen am Ende natürlich diejenigen, die den griechischen Haircut bezahlen, also u.a. wir an Frankreich]

Aber wartet, das ist noch nicht der Lacher.

Deutsche Politiker sind empört:

Jawohl! Das ist ja auch empörend! Griechenland hat ja wohl andere Probleme jetzt! Wir sollten darüber reden, wie wir die Griechen finanziell retten, nicht wie wir ihnen noch mehr Schulden aufbürden!1!!
Sie fürchten, dass die eigene Rüstungsindustrie ins Hintertreffen gerät.

Wait, what?! DAS sind die Sorgen der deutschen Politiker? [Anmerkung: Die Subvention der deutschen Industrie zahlen am Ende natürlich diejenigen, die den griechischen Haircut bezahlen, also u.a. wir an dann an die Rüstungsindustrie, die ja lt. Politik nicht ins Hintertreffen geraten darf] Schei** auf die Eurozone, guckt auf unsere Rüstungsindustrie?! Na dann wundert es auch niemanden, wenn wir mit der Eurorettung nicht vorankommen.”

http://blog.fefe.de/?ts=b0642ad3

171) Günter Springer, Dienstag, 18. Oktober 2011, 10:18 Uhr

169) sk8erBLN
Ich gehe davon aus, daß das Zugeben eines Irrtums der erste Schritt zur Besserung ist. Das kann und darf man bezweifeln.
Wenn man sich aber aber die Reden der Politiker, in den Medien anhöhrt gibt keiner von diesen Besserwissern das eigene Versagen zu. Es ist in vielen Fällen geradezu grotesk, wie diese Leute ihre fraglichen Standpunkte verteidigen. Man braucht schon erhebliche Anstrengungen diese Statements
bis zum Schluß anzuhöhren.
Zum Schluß sei mir ein Hilferuf erlaubt: Wo bleiben die Persönlichkeiten, die wir z.B. noch aus der Vergangenheit kennen, die in der Lage wären den vorhandenen Schrott beiseite zu schaffen?

Ansonsten bin ich ganz auf Ihrer Seite sk8erBLN!

172) Michael Becher, Mittwoch, 19. Oktober 2011, 12:41 Uhr

@ 121) Bernhard Paul

Sie haben sehr schön die “Geldfunktion” erklärt (VWL erstes Semester). Warum es für die Bereitstellung der Geldfunktion internationaler Großbanken bedarf, die auf sogenannten “Finanzmärkten” mit risikoreichen, künstlich erzeugten “Finanzderivaten” handeln dürfen, haben Sie leider nicht erklärt. Vereinfacht gesagt: Warum internationale Großbanken “systemrelevant” sind, geht aus Ihrer durchaus zutreffenden Beschreibung der Geldfunktion leider nicht hervor.

173) sk8erBLN, Mittwoch, 19. Oktober 2011, 19:06 Uhr

171) Günter Springer, Dienstag, 18. Oktober 2011, 10:18 Uhr

Besserung? Die ist nicht in Sicht. Die Regierung beabsichtigt ja gerade das Parlament einmal mehr zu hintergehen indem sie Instrumente zum Hebeln des ESFS kreiert, die das Volumen bis auf 2 Billionen aufblasen und weigert sich das dem Parlament zur Abstimmung vorzulegen. Zugeben eines Irrtums ginge anders. Da man natürlich bereits vor der parlamentarischen Zustimmung zuletzt wusste dass die Summen gehebelt werden müssen, formuliere ich sehr bewusst hintergehen des Parlaments. Das ist eher die Fortsetzung des Blindfluges unter Einsatz von Brechstangen und jeder Demokratie unwürdig.

Das beruhigende daran. Sie werden strampeln können wie sie wollen, in Kürze ist Frankreichs Rating im Absturz begriffen und der drohende Verlust des Tripple A für Deutschland damit ebenso automatisch mit eingeläutet. Die gehebelten 2 Billionen des ESFS würden ja gerade mal ausreichen um das schon im freien Fall befindliche Spanien aufzufangen, schon für Italien reicht es nicht.

Dass Deutschland der Verlust seines Rating konkret droht, war kürzlich schon in der renomierten Washington Post nachzulesen hatte ich ja schon mal verlinkt vor einer Weile:

Wie die Washington Post berichtet, dürfte in Kürze auch das deutsche Downgrading seines AAA Ratings anstehen.

Aug. 24 (Bloomberg) — Germany’s government debt may be downgraded in the next three months after Moody’s decision to cut Japan’s credit rating reflects investor concern about developed nation debt, said Aberdeen Asset Management Plc.

“The writing is on the wall” for a German government downgrade, Singapore-based fund manager Anthony Michael said by telephone today, citing “weak fiscal fundamentals” in the country and risks from the euro-area structure.
http://www.washingtonpost.com/business/is-a-downgrade-of-germanys-credit-rating-next/2011/08/24/gIQAXifYbJ_story.html

Willkommen in der Realität. Und mit dem abschmieren der Realwirtschaft die ansteht, ist es auch hier nicht mehr all zu weit mit griechischen Verhältnissen.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,792767,00.html

174) Günter Springer, Samstag, 22. Oktober 2011, 17:42 Uhr

sk8erBLN vom 19.10.011
Werter Herr sk8erBLN,
Nicht aus Sturheit sondern aus Überzeugung halte nach wie vor daran fest, das der Mensch auch ein wenig Gutes inden Genen hat.
Leider. leider haben Sie ja mit Ihren Ausführungen recht und wer ein wenig (wenig reicht schon)
nachdenkt wird zum selben Schluß kommen.
Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, daß danach wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen sein wird und das dieses Licht von Anderen angezündet wird als von denen, die derzeit dabei sind, alles auszublasen.
Demokratie?!,was ist das?

175) Peter Christian Nowak, Dienstag, 25. Oktober 2011, 20:01 Uhr

Die Bankenkrise wird sicherlich Auswirkungen auf den einzelnen Privathaushalt haben. So zum Beispiel auf die Lebensversicherungen.
Zum Lesen und Anhören:
http://www.swr.de/contra/-/id=7612/nid=7612/did=8780402/1ngwid8/index.html

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