Sonntag, 23. Oktober 2011, 14:43 Uhr

Yes, he can?

Yes, he can. Der Alte aus Hamburg-Langenhorn hat gesprochen. „Er kann es“ sagt Helmut Schmidt über seinen Co-Buchautor Peer Steinbrück und ernennt ihn damit zum Kanzlerkandidatenkandidaten der SPD.

Und wenn es nach dem Altkanzler ginge, zum Kanzlerkandidaten und nächsten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Steinbrück hört es mit der selbstverständlichen Genugtuung eines Mannes, der schon immer wusste, das er zum Höchsten berufen ist.

Und jetzt? Vorhang zu, alle Fragen der SPD gelöst? Wenn das so einfach wäre. Denn selbst Steinbrück-Sympathisanten geht der Steinbrück-Hype langsam auf die Nerven. Haben die SPD, Deutschland und Europa im Augenblick keine anderen Sorgen als das Ja oder Nein zu Steinbrück?

Entscheiden – bei allen Verdiensten – ein 92-Jähriger und ein 64-Jähriger im Alleingang, wer Deutschlands nächster SPD-Kanzlerkandidat wird? Ist das so einfach, wie man gemeinsam „Zug um Zug“ ein Buch schreibt?

Auch Steinbrücks Kanzlerkandidatur entwickelt sich Zug um Zug. Erst die verkappte Selbstausrufung, dann die Fremdausrufung durch eine Politikone, die viele Deutsche trotz ihres hohen Alters am liebsten immer noch selbst als Kanzler sehen würden. Muss sich die Bundes-SPD jetzt so fügen wie sich die Bayern-SPD der Selbstausrufung Christian Udes zum Ministerpräsidentenkandidaten fügte? Ist das das Mehr an innerparteilicher Demokratie, das SPD-Chef Sigmar Gabriel versprochen hatte?

Und könnte es Steinbrück wirklich besser als Angela Merkel? Müsste er sich nicht auch durch den Nebel der Eurokrise tasten? Oder kennt er das verborgene Geheimrezept, das mit einem Schlag alle Probleme löst? Es spricht einiges dafür, dass er mutiger wäre als Merkel, aber hilft Mut jetzt noch weiter?

Trotz aller markigen und vernünftig klingenden Sätze gehört auch Steinbrück zu den Politikern, die ohne Erfahrung und ohne Blaupause einen Weg aus der Krise finden müssen – immer am Rande des Abgrunds.

Steinbrücks Ruf basiert auf einem kurzen Fernsehauftritt mit Merkel, als beide zusammen die Sicherheit der deutschen Spareinlagen garantierten. Das konnten sie zwar objektiv nicht, aber der psychologische Hammerschlag wirkte.  Aber das war während der letzten Krise und da waren nationale Alleingänge noch möglich. Heute wäre auch Steinbrück in der europäischen Schlangengrube gefangen.

Es macht also nur Sinn, die Frage, ob Steinbrück der richtige Kanzlerkandidat wäre, unter parteitaktischen Gesichtspunkten zu prüfen. Er könnte nur Erfolg haben, wenn er zur SPD und die SPD zu ihm passt, wenn sich die ganze Partei so geschlossen hinter ihm versammeln würde wie es die bayrische SPD hinter Ude getan hat.

Die drei P müssten zusammenpassen: Person, Partei, Programm. Steinbrück müsste sachlich über manches Stöckchen springen, die SPD-Linke über die persönliche Hürde.

Sollte dies geschehen, dann wäre Steinbrück – trotz des befremdlichen und undemokratischen Verfahrens – wahrscheinlich der richtige Kanzlerkandidat. Denn die SPD hat nur dann 2013 (oder vielleicht sogar früher) eine Chance, wenn sie Stimmen aus der Mitte holt. Steinbrück müsste deutlich mehr CDU-Sympathisanten für die SPD gewinnen, als sie durch seine Kandidatur möglicherweise  an „Die Linke“ verliert. 

Das reicht aber noch nicht. Die SPD müsste das schier Unmögliche versuchen, nämlich 2013 stärker als die CDU/CSU zu werden. Denn Merkel hat trotz ihrer trostlosen Koalition die besseren Chancen, Kanzlerin zu bleiben, wenn die CDU/CSU wieder stärkste Partei wird – als Chefin einer neuen großen Koalition oder von Schwarz-Grün. Denn je stärker die Piraten werden, desto unwahrscheinlicher wird eine rot-grüne Mehrheit. Die Piraten könnten ungewollt die Steigbügelhalter für Merkels dritte Kanzlerschaft werden.

Deshalb muss die SPD auf Sieg setzen. Und das geht mit einem Geistesgefährten Helmut Schmidts besser als mit der Alternative Frank-Walter Steinmeier, der zwar beliebt ist, aber in der Mitte nicht als echte Merkel-Alternative wahrgenommen wird.  

Yes, he can – vielleicht. Und wenn nicht, dann kann er ja wieder an Merkels Seite rücken.

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139 Kommentare

1) EStz, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 18:40 Uhr

@ 90) & 91)Peter Christian Nowak

Ich muss Ihnen zustimmen, dass viel zu lesen war zum Thema Steinbrück. Ich „ignoriere“ das durchaus nicht (ist übrigens eine eigenartige Formulierung dafür, dass jemand nicht die gleichen Schlüsse zieht wie Sie). Ich kann weder behaupten, dass Sie richtig, noch dass Sie falsch liegen mit Ihrer Einschätzung. Ich komme halt zu einem anderen Ergebnis, wahrscheinlich durch meine Vorprägung.

Von Politik verstehe ich soviel, um sagen zu können, das nach Gerd Schröder keiner mehr in der SPD sich angemaßt hat, „Basta“ zu sagen; Entscheidungen wurden und werden im Team getroffen. Und in Kenntnis der Mechanismen der Medien reichen mir diese Dritte-Hand-Information nicht für ein finales, absolutes, abfälliges Urteil.

Ähnliches gilt für Ihren Nachtrag. Sie haben recht, dass die Lohnzurückhaltung ein wichtiger (aber nicht der einzige) Aspekt für unsere wirtschaftliche Situation ist. Aber auch das betrachte ich nicht automatisch als, übertrieben formuliert, „Geschenk“ der Arbeiter an die Bosse. Das hat(te) im Rückblick (Vergleich mit der Arbeitslosenentwicklung in anderen Ländern) durchaus auch einen eigennützlichen Aspekt.

2) Günter Springer, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 18:51 Uhr

Wer hat hier etwas gegen die 70ger Jahre. Gegen die jetzige Entwicklung könnte man die 70ger Jahre herwünschen, wäre nicht schlecht.
Ich fühle mich nicht angesprochen. Mit solchen Meinungen kann man aber Leute verhöhnen und Arroganz hat auch nie weiter gebracht.

3) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 19:24 Uhr

@98) Gregor Keuschnig,

^^Die “Nachdenkseiten” sind weitgehend auf dem sozial- und ordnungspolitischen Stand der 70er Jahre stehengelieben.^^
Ach Herr Keuschnig, was bedeuten schon Jahreszahlen! Jahreszahlen sind politisch nicht relevant. Wie hat Herr Kohl seinerzeit so treffend die Effizienz in der Politik beschrieben? „Wichtig ist, was hinten raus kommt“.

4) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 19:44 Uhr

@74)Mark
^^Nein. Wir müssen die Banken, die Anleger, die Zocker, die Superreichen in die Haftung nehmen. Vollständig. Der MdB Frank Schäffler hat ein Konzept entwickelt, mit dem die Rückkehr zu einem marktwirtschaftlich funktionierenden Finanzsystem gelingen könnte, ohne dass die Realwirtschaft zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Das finde ich gut. Das ist zielführend.^^

Ich bezweifle aber, daß die Politik sich von den internationalen Finanzmärkten emanzipieren kann. Die ganz harten Bandagen anzulegen gegen England z.B. wird sie sich nicht trauen.
Und so wird es kommen: Letzten Endes werden die kleinen und mittleren Steuerzahler das Ganze bezahlen. Die Saat hierfür haben Eichel und Schröder und der berühmte Aussenminister Joschka gelegt.
Das sollten sich die Steinbrück- und SPD-Fans hier im Forum mal zu Gemüte führen:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=545

5) Benjamin, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 19:53 Uhr

@93) Peter Christian Nowak:

Ja, ich fand Schmidts Aussage diesbezüglich auch nicht optimal formuliert, manches schob er nach, aber die Wirkung war wohl anders als intendiert – daher sicherlich auch Steinbrücks „Nachtrag“. Ist ist auch zu hoffen, dass die westlichen Demokratien zukünftig mehr darauf bedacht sind, ein Modell auch zu leben, anstatt vor allem realpolitisch Ressourcen zu sichern.

6) Mutwill, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 20:58 Uhr

Steinbrück hat dich 2008 bezüglich des Eigenkapitals on Ackermann über den Tisch ziehen lassen und hinterher sinnlos rumgepoltert.
Besser als der ist Merkel allemal.

7) ThomasK, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 21:45 Uhr

@ – 86 – Frankilein66

Es geht nicht darum, was er jetzt oder evtl. als „Kanzler“ dann verdient, sondern darum, dass er seinen Pflichten und Aufgaben als Volksvertreter nachgeht. Und das tut er nicht. Seine üppige Vorträge hält er nämlich in seiner Arbeitszeit als Bundestagsabgeordneter, die Sitzungen werden einfach ignoriert, die Entlohnung erfolgt aber in voller Höhe.
Tut einer von uns das,fliegt er sofort aus der Firma raus und hat gar keine Chanche vor dem Arbeitsgericht.
Warum gilt das nicht für einer P.Steinbrück?
Die Antwort können Sie mir sicherlich auch nicht geben oder?

8) Dieter Carstensen, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 22:15 Uhr

@96 Dass die anderen (Regierung) es noch schlechter machen, ist für mich kein Argument dafür, dass ich dem schlechtesten aller schlechten SPD Kandidaten, nämlich Peer Steinbrück, auch nur ein bisschen politische Ahnung zusprechen könnte.

Übrigens war ich zur Regierungszeit von Helmut Schmidt noch SPD Mitglied, aber von Helmut Schmidt habe ich ebenso wie von Peer Steinbrück nie etwas gehalten.

Schmidt hatte nicht ohne Grund den Spitznamen „Schmidt Schnauze“, Widerspruch duldete er nicht, war für die Notstandsgesetze, hat das Milliardengrab „Schneller Brüter“ in Kalkar zu verantworten und den NATO Raketendoppelbeschluss.

Er und Steinbrück passen prima zusammen:

Selbstherrlich, uneinsichtig und borniert.

Man musste bei der Sendung von Günther Jauch mit den Beiden nur genau hinhören.

Beide waren der Meinung, dass man auch gegen die eigenen Wähler handeln müsse, wenn es aus ihrer Sicht die Lage erfordern sollte und ansonsten sei alles nur eine Frage der Vermittlung, wenn das, ach so dumme Wahlvolk, ihre Ansichten nicht verstehen wolle.

Als Schmidt Kanzler war, gab es im Bundestag anfangs nur CDU/CSU, SPD und FDP.

Helmut Schmidt hat sich als Kanzler wiederholt dahingehend geäussert, dass er für Deutschland ein zwei Parteien System wie in den USA anstrebe, da er die FDP endgültig los werden wollte.

Der Altkanzller und Peer Steinbrück haben ein für mich äusserst befremdliches Demokratieverständnis und beide lobten bei Günther Jauch auch noch die Hartz IV Verbrechergesetze.

Solche, gegen die eigenen Fehler, lern- udn veränderungsresistente Politiker hat dieses Land meines Erachtens nach nicht verdient.

Steinbrück, Schröder und Co. haben seinerzeit die „bessere“ CDU Politik gemacht.

Was solche Leute mit „SOZIALDEMOKRATISCH“ zu tun haben sollen, will sich mir nicht erschliessen.

9) StefanP, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 23:22 Uhr

@89) Xpomul

Wer hat eigentlich die Geschichte in die Welt gesetzt, Exportüberschüsse des einen Landes seien Schuld an steigender Staatsverschuldung andererseits? Die USA haben traditionell eine negative Handelsbilanz, dennoch schwankte das Staatsdefizit in den vergangenen 30 Jahren ganz erheblich. Wie haben die das gemacht? Kurz: durch einen hohen Kapitalimport.

Beispiel: ein amerikanischer Konsumgüterproduzent importiert Vorleistungen im Wert von 100 aus Deutschland und erstellt damit Waren für den einheimischen Markt. Der Import verursacht einen negativen Saldo in der Handelsbilanz. Es gibt nun drei Wege, diesen Import vorzufinanzieren und nur in einem Fall steigt ohne Anpassung (Steuererhöhung) das Defizit:

(1) Der Staat gewährt einen Investitionszuschuss.
(2) Das Unternehmen nimmt einen Bankkredit auf.
(3) Ein deutscher Investor beteiligt sich an dem amerikanischen Unternehmen (Kapitalexport).

Dass die Verlinkung „Handelsdefizit / Haushaltsdefizit“ so stattfindet hat damit zu tun, dass man benefit spending bei den Staaten unterstellt. In dem Steuern niedrig und / oder Haushaltstransfer hoch gehalten werden, können die Bürger mehr konsumieren und kaufen mit einem Teil des überlassenen Geldes ausländische Waren.

Es gibt des weiteren ebenfalls drei Möglichkeiten, in einem gemeinsamen Markt Ungleichgewichte abzubauen: der exportstärkere Teil reduziert seine Wettbewerbsfähigkeit durch höhere Steuern und höhere Löhne (linke Variante), der exportschwächere Teil verbessert seine Wettbewerbsfähigkeit durch Absenkung von Löhnen und Steuern (liberale Variante) oder es wird eine Sonderwirtschaftszone mit Handelsbeschränkungen geschaffen (konservative Variante). 40 Prozent des deutschen Exports gehen außerhalb der Eurozone, die Wirtschafts- und Finanzkraft des Eurobereichs würde damit massiv bei der linken Variante geschädigt.

10) M.M., Donnerstag, 27. Oktober 2011, 23:23 Uhr

@ThomaK.
Peer Wer? muss sich halt durchschlagen, bis es soweit ist! Und – Egal woher der Wind weht – die Deutsche Bank ist dabei.

11) Doktor Hong, Freitag, 28. Oktober 2011, 01:40 Uhr

@(97) StefanP

Trotz diverser Bear Market Rallys (..) ist es ziemlich wahrscheinlich, dass die Wirtschaft voll in die deflationäre Wand hineinkrachen wird. Die Schuldengebirge, die sich aufgetürmt haben, sind inzwischen einfach zu riesig.

Das passt nun nicht zusammen. Hohe Schulden stützen die Neigung, sie von Seiten der Zentralbanken wegzuinflationieren.

Dann erklären Sie doch mal, wie die Zentralbank das macht.

Fragt sich, wer von denen, die völlig überschuldet sind, dann noch unsere Exporte auf Pump kaufen können.

Diese These ist so banal, dass man sich wundert, dass intelligente Menschen sie überhaupt vertreten. Wenn Stihl seine Sägen verkauft, fragt der Vertrieb kaum, ob der Staat Griechenland Defizite schreibt, wenn sein privater Abnehmer die Forderung innerhalb der vereinbarten Zahlungsfristen begleicht.

Wenn man einen Einzelhaushalt betrachtet, ist das schon richtig. Wenn ein Land ein Außenhandelsdefizit hat, dann muss es Kapital importieren, um die Waren zu bezahlen. Anders ausgedrückt, es muss sich im Ausland verschulden. Wenn das Defizit strukturell ist, dann steigt die Auslandsverschuldung immer weiter an.

Übrigens zählen dazu auch private Schulden, daher kann ich Ihre Argumentation, in der Sie die Staatsverschuldung hineinbringen, um eine von Ihnen unterstellte Aussage zu widerlegen, nicht ganz nachvollziehen.

Bleiben wir bei Ihrem Beispiel. Stihl verkauft Sägen an griechische Baumärkte, holzverarbeitende Betriebe etc. Diese Betriebe leihen sich das Geld dafür zufällig im Ausland. Eine Weile geht das gut, bis die Betriebe anfangen, unter ihrer Schuldenlast in Schwierigkeiten zu kommen. Evtl. gibt es Zahlungsausfälle. Die Hausbank von Stihl, die den Griechen das Geld geliehen hat, um die Sägen zu kaufen, muss Abschreibungen machen und hört auf, den griechischen Betrieben Geld zu leihen. Stihl kriegt seine Sägen nicht mehr verkauft, weil niemand mehr den Importeuren Geld leihen will. Das Ende vom Lied: Stihl bekommt Absatzschwierigkeiten, die Griechen haben Sägen, die Banken Forderungen, die vielleicht nicht mehr beglichen werden.

Zugegeben, dieses Beispiel ist arg vereinfacht. Auf welchen Wegen genau die Schuldforderungen wandeln, lässt sich in der Realität nicht nachvollziehen, netto fließt aber Auslandskapital ins Land. Wenn die griechischen Holzbetriebe zufällig alle im Staatseigentum sind, dann werden die Forderungen durch griechische Anleihen besichert sein. Es kann auch sein, dass Ihre Rechnung für den einen oder anderen Einzelbetrieb in Deutschland tatsächlich aufgeht.

Tatsache ist aber, dass ein Land, das über Jahrzehnte Handelsdefizite einfährt, Auslandsschulden anhäufen muss, bis an den Punkt, an dem die Kreditwürdigkeit leidet. Dann gerät – mit zeitlicher Verzögerung – auch der Absatz der Überschussländer unter Druck.

Ihre Ausführungen, die irgendwelche Exportverbote betreffen, sind mir ziemlich schleierhaft.

12) romeias47, Freitag, 28. Oktober 2011, 11:08 Uhr

Ich finde, die deutsche Bundesregierung sieht neben dem Bundeskanzler als Regierungschef einen Finanzminister und einen Wirtschaftsminister vor. Warum muss der Kompetenzschwerpunkt des Kanzlers dann unbedingt in der Wirtschaftspolitik liegen – wie z.B. bei Steinbrück. Mir wäre es wichtiger, der Regierungschef häte etwa zu zwei Drittel auch noch Blick für Soziales und Kultur.

Da aber außenpolitische Aufgaben immer stärker vom Bundeskanzler(amt) wahrgenommen werden, sollten die Parteien aber mal überlegen, ob sie die Rekrutierung des Nachwuchses nicht mal vom Kopf auf die Füße stellen: Schickt die jungen Leute ins Ausland – mindestens ein Jahr in ein westlich geprägtes Land und ein Vierteljahr in ein Land eines anderes Kulturkreises. Da ist bei vielen Politikern Fehlanzeige zu melden. Klick-Rekorde bei YouTube könnten damit vermieden werden.

Plakate kleben können auch Senior(inn)en – nicht alle haben Rheuma. Wir haben leider die Neigung junge Leute „daheim“ festnageln zu wollen, anstatt sie erstmal in die Welt ziehen zu lassen, damit sie irgendwann wieder bereichert zurückkommen.

13) Rüdiger Dierke, Freitag, 28. Oktober 2011, 12:19 Uhr

Nun spielen Schmidt und Steinbrück auf dem Buchdeckel des gemeinsamen Buches auch noch „falsch“, wie findige bzw. kundige Schachspieler feststellen. Die ganze Inszenierung in dieser Woche gerät mehr und mehr zu einer peinlichen Posse.

14) Xpomul, Freitag, 28. Oktober 2011, 13:20 Uhr

@107) StefanP, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 23:22 Uhr

ich sprach von handelsbilanz und von leistungsbilanz ( die bekanntlich die kapitalbilanz beinhaltet )..
somit kein widerspruch in meinen auslegungen.

alle länder der eu, besonders der eurozone natürlich bedingt durch ihre gemeinsame währung, sollten zügist ihre hausaufgaben machen und vor allem erledigen.
unter „alle“ verstehe ich halt auch deutschland.
aber.
warum immer nur zu lasten der unteren schichten ?
(eine rein rhetorische frage die keiner antwort bedarf)

15) sk8erBLN, Freitag, 28. Oktober 2011, 13:33 Uhr

111) Rüdiger Dierke, Freitag, 28. Oktober 2011, 12:19 Uhr

Wichtiger als das Detail dass Schmidt Steinbrück nur Posen für das Coverbild des Buches (die Ursprüngliche Quelle http://blog.fefe.de/?ts=b054b2ed wäre übrigens durchaus erwähnenswert 😉 )

@ all

…finde ich ja die Tatsache dass
„Das Verfassungsgericht hat das Geheim-Eurorettungs-Sondergremium eingemottet. Die Budgethoheit liegt beim Parlament, nicht bei Sondergremien, insofern war das abzusehen.“
http://blog.fefe.de/?ts=b054a875

„Karlsruhe gibt Eilantrag zu EFSF-Kontrolle statt“
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/efsf154.html

Der Versuch Merkels die Rechte des Parlaments auszuhebeln ist gescheitert am BVerfG. Gut so!

Was ich im übrigen so gar nicht verstehen kann ist die Opposition. So viel wie sie an Merkels Vorgehen zu recht herummäkeln, wäre ja nur konsequent nicht letzten Endes jeweils zuzustimmen sondern sich mindestens zu enthalten. Andererseits dokumentiert es das sowieso offensichtliche: Es gibt keinen wirklichen Unterschied mehr zwischen den Parteien, die Opposition verzichtet großzügig darauf ein eigenes Profil zu entwickeln. Ob das auf Dauer klug ist wage ich zu bezweifeln.

Ebenso ist sicherlich dumm den gerade getätigten Minnischritt als „Rettung“ zu bejubeln, schon weil vieles unklar blieb. Außerdem: Die nächste Rettung kommt bestimmt schon in Kürze 🙂

16) EStz, Freitag, 28. Oktober 2011, 16:09 Uhr

110) romeias47, Freitag, 28. Oktober 2011, 11:08 Uhr

Warum muss der Kompetenzschwerpunkt des Kanzlers dann unbedingt in der Wirtschaftspolitik liegen – wie z.B. bei Steinbrück. Mir wäre es wichtiger, der Regierungschef häte etwa zu zwei Drittel auch noch Blick für Soziales und Kultur.
______________________________________________________________

Um in Ihrem Beispiel zu bleiben: Auch Soziales und Kultur will bezahlt sein.

Ansonsten denke ich, dass die Top-Priorität des Top-Regierungsmitglieds beim Top-Problem sein sollte.

17) EStz, Freitag, 28. Oktober 2011, 16:23 Uhr

106) Dieter Carstensen, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 22:15 Uhr

Dass die anderen (Regierung) es noch schlechter machen,
ist für mich kein Argument dafür, dass ich dem schlechtesten
aller schlechten SPD Kandidaten, nämlich Peer Steinbrück,
auch nur ein bisschen politische Ahnung zusprechen könnte……
___________________________________________
Aus diesen und den folgenden Zeilen Ihres Kommentars sehe ich, dass Sie ein sehr fest gefügtes Weltbild haben. Sie hören nur mit einem Ohr, sehen nur auf einem Auge.

Ich für meinen Teil kenne mich mit etwa Elektronik recht gut aus. Sie, wie ich an anderer Stelle lesen konnte, engagieren sich sehr im sozialen Bereich. Wenn Sie ein Problem mit Ihrem Fernseher, Ihrer HiFi-Anlage oder Ihrem Computer haben, werde ich wahrscheinlich diese Probleme besser lösen als Sie. Wenn ich Probleme mit einem schwer erziehbaren Kind hätte, könntes Sie mir sicherlich den einen oder anderen hilfreichen Rat erteilen.

Aber, mit Verlaub, von Finanz- und Wirtschaftsploitik verstehen wir beide zusammen nicht genug, um beispielsweise einem Herrn Ackermann, einem Hern Schäuble oder einem Herrn Steinbrück seine Arbeit zu erklären oder seine Fehler nachzuweisen. Was nicht heissen soll, dass es keine Fehler gab, sondern nur, dass wir nicht genug davon verstehen, um das alles richtig aufzudröseln oder gar besser zu machen.

Wir können zwar weiterhin glauben, dass alles schlecht war und ist, was die Bande da treibt, aber dann sollten wir das Ganze auch anderen und uns selbst gegenüber als „Glauben“, „Meinung“ oder Annahme“ einstufen, nicht als Fakten, die die anderen in ihrer Beschränktheit nicht wahrnehmen können oder wollen. Denn wenn man das tut, ist man (ich zitiere): „Selbstherrlich, uneinsichtig und borniert.“

18) Frankilein66, Freitag, 28. Oktober 2011, 17:39 Uhr

@ Rüdiger Dierke

Ich bin sowohl ein findiger, als auch ein kundiger Schachspieler und wenn das falsch gelegte Brett unser einziges Problem bleibt, ist mir um Deutschlands Zukunft nicht bange!

19) sk8erBLN, Freitag, 28. Oktober 2011, 19:30 Uhr

Aus der Rubrik Mathe&Bankster-Genies bei der Arbeit

HRE-Bad-Bank verrechnet sich um 55 Milliarden

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/fms102.html

😀

Da ist dann ja auch nicht weiter verwunderlich dass die PHYSIKERIN uns weismachen möchte es habe einen 50% Schuldenschnitt für Griechenland gegeben. Kann ja mal vorkommen dass man vergisst hinzuzufügen dass sich die 50% auf theoretische Nominalschulden beziehen und nicht etwa auf den Wert, mit dem Griechische Staatsanleihen aktuell noch notieren. 50 % klingt halt besser.

20) sk8erBLN, Freitag, 28. Oktober 2011, 19:36 Uhr

ohh, ich habe beim Beitrag von heute Mittag zum Urteil des BVerfG was wichtiges vergessen:

Das Urteil löst leider nicht zugleich die Inkompetenz derer die nun wieder im Plenum das Händchen heben. An deren Ahnungslosigkeit dürfte sich in den letzten Wochen wenig geändert haben.

21) sk8erBLN, Freitag, 28. Oktober 2011, 20:05 Uhr

und dann, nachdem wir die Rettung des Euro gerade mal 8 Stunden lang gefeiert haben and en Börsen kommt jetzt der nächste Akt -wenig überraschend:

Freitag, 28. Oktober 2011

Finanzmärkte bestrafen Berlusconi
Italien muss hohe Zinsen zahlen
Der Druck der Finanzmärkte auf Italien steigt. Das hochverschuldete Land findet für neue Staatsanleihen zwar Käufer, doch die Investoren verlangen üppige Zinsen. Italien mache große Sorgen, so Harvard-Ökonom Rogoff. Die Schuldenkrise drohe damit auf Frankreich überzugreifen.

Bei der ersten Auktion nach dem als Befreiungsschlag gegen die Schuldenkrise gewerteten Euro-Gipfel stieg die Rendite für eine Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit auf 6,06 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Einführung des Euro.“

Und was sagen die Mathe & Bankster-Genies dazu? Sie sind ÜBERRASCHT!!! Nee wirklich damit konnte auch wirklich niemand, also wirklich jetzt, damit konnte niemand rechnen. :

„Ich bin überrascht, dass die Kosten für die Geldbeschaffung so gestiegen sind“, sagte Analyst Christian Reicherter von der DZ Bank in Frankfurt. „Damit steigt der Druck auf Italien, sein Schuldenproblem zu lösen.“
Quelle http://www.n-tv.de/wirtschaft/Italien-muss-hohe-Zinsen-zahlen-article4642001.html

22) StefanP, Freitag, 28. Oktober 2011, 20:48 Uhr

@117) sk8erBLN

Da ist dann ja auch nicht weiter verwunderlich dass die Physikerin uns weismachen möchte es habe einen 50% Schuldenschnitt für Griechenland gegeben. Kann ja mal vorkommen dass man vergisst hinzuzufügen dass sich die 50% auf theoretische Nominalschulden beziehen und nicht etwa auf den Wert, mit dem Griechische Staatsanleihen aktuell noch notieren.

Wenn die Anleihe ausläuft, welchen Wert muss der griechische Staat erstatten – den Nominalwert oder den Kurswert? Und wo wird der Kurswert am Fälligkeitstag wohl liegen?

Für diejenigen, die nicht mit der Materie vertraut sind: bei Fälligkeit muss natürlich der Nennwert bezahlt werden. Wenn zuletzt Griechenland-Anleihen bei bis zu 30% des Nennwertes valutierten, heißt das nur, dass der Markt den Schuldenschnitt bereits abgedeckt und die Alt-Anleger diese Verluste getragen haben. Da die Banken die Anleihen in der Regel lange gehalten haben, haben sie im wesentlichen die Verluste zu tragen.

P.S.: Nicht gerade eine Glanzleistung des Spiegelfechters / NDS.

23) StefanP, Freitag, 28. Oktober 2011, 21:10 Uhr

@109) Doktor Hong

Hohe Schulden stützen die Neigung, sie von Seiten der Zentralbanken wegzuinflationieren.
Dann erklären Sie doch mal, wie die Zentralbank das macht.

In dem die Zentralbank die Geldmenge schneller ausweitet als die Menge der produzierten Güter sowie die Umlaufgeschwindigkeit steigen. Dann ist billiges Geld im Markt, was die Preise steigen lässt und zu Blasenbildung in Boommärkten führt. So ist die letzte amerikanische Immobilienblase entstanden. Billiges Geld sucht sich Investitionsobjekte und lässt Produktionskosten und Endpreise steigen.

Wenn ein Land ein Außenhandelsdefizit hat, dann muss es Kapital importieren, um die Waren zu bezahlen. Anders ausgedrückt, es muss sich im Ausland verschulden.

Nicht unbedingt, es bleibt der Kapitaltransfer durch Beteiligung ausländischer Investoren. Das lässt eben nicht die Defizite steigen.

Stihl verkauft Sägen an griechische Baumärkte, holzverarbeitende Betriebe etc. Diese Betriebe leihen sich das Geld dafür zufällig im Ausland. Eine Weile geht das gut, bis die Betriebe anfangen, unter ihrer Schuldenlast in Schwierigkeiten zu kommen. (..). Die Hausbank von Stihl, die den Griechen das Geld geliehen hat, um die Sägen zu kaufen, muss Abschreibungen machen und hört auf, den griechischen Betrieben Geld zu leihen. Stihl kriegt seine Sägen nicht mehr verkauft, weil niemand mehr den Importeuren Geld leihen will.

Das Problem ist: Ihre Annahmen sind falsch. Unternehmen kaufen ja nur dann Vorprodukte, wenn sie einen Abnehmermarkt haben. Spätestens mit den regelmäßigen Verkäufen werden also die Schulden bei der Hausbank getilgt, andernfalls kann das griechische Unternehmen (Baumarkt) nicht wirtschaftlich arbeiten. Zweitens, der Baumarkt wird sich in der Regel nicht im Ausland, sondern auf dem heimischen Markt verschulden. Ergo: die Verschuldung entsteht nicht im Ausland, sondern im internen Bankensystem (Subprime-Markt USA). Drittens, anders als von Ihnen unterstellt, wird auf diesem Wege die Verschuldung nicht zu einem Problem des ausländischen Kreditinstituts.

So funktioniert das nicht, sondern wie bereits von mir weiter oben beschrieben. Der Staat ermöglicht mit seinem Defizit eine erhöhte Konsumnachfrage der Haushalte und Unternehmen. Deutschland hat mit wichtigen asiatischen Handelspartnern ein strukturelles Handelsbilanzdefizit, mit Nordamerika und EU jedoch einen positiven Saldo. Dies entspringt der Struktur der deutschen Wirtschaft: Import billiger Endprodukte, Produktion von Investitions- und Luxusgütern für den Weltmarkt. Solange Deutschlands Mittelständler ihre Weltmarktstellung halten können und Produktionsprozesse einen immer höheren (Investitions-) Kapitalbedarf verursachen, wird Deutschland einen positiven Saldo aufweisen.

24) Mutwill, Freitag, 28. Oktober 2011, 21:50 Uhr

@115
Du hast Ahnung von Elektronik. Steinbrück aber von Nichts.
Wenn von dir reparierte Anlagen massenweise abrauchen bekommst du keine Aufträge mehr.
Während Steinbrücks Amtszeit gab es die Katastrofe und er ist mitschuldig und unwählbar.

25) sk8erBLN, Freitag, 28. Oktober 2011, 21:54 Uhr

85) StefanP, Mittwoch, 26. Oktober 2011, 15:32 Uhr

„Die Eurozone ist doch, anders als in Ihrem Verständnis, keine geschlossene Veranstaltung.“

Nein, mach meinem Verständnis ist die Eurozone vermutlich eher eine beschränkte Veranstaltung. Ich meine zeitlich beschränkt wenn es so weiter geht….

Hier hübsch illustriert.
http://fbkfinanzwirtschaft.files.wordpress.com/2010/05/eurohuhner.jpg

Wer das jämmerliche Schauspiel im BT verpasst hat
http://www.youtube.com/watch?v=GzdoiIQhqjw

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren da quasselt eine *zensiert*
Kurz zur Folge der Heutigen Entscheidung, das Fazit nehme ich schon mal vorweg:
„… Die Chance, den passenden institutionellen Rahmen für solche Interventionen zu setzen und damit wirklich glaubwürdig etwas gegen die Krise zu tun, haben die Europäer vor allem wegen der deutschen Fundamentalopposition vertan. Wieder ist eine Gelegenheit verpasst worden, den Euro auf eine sichere Grundlage zu stellen und der Panik auf den Finanzmärkten etwas entgegenzusetzen. Die Krise schwelt weiter, der Flächenbrand wird immer wahrscheinlicher und damit das Ende des Euro.“

http://blog.zeit.de/herdentrieb/2011/10/26/das-risiko-der-efsf-wird-jetzt-vervielfacht_3712#more-3712
Der Kommentar Nr 1 fasst es richtig zusammen:
„Wenn man absichtlich das Vertrauen in den Euro hätte erschüttern wollen, man hätte es nicht besser machen können.

Wenn eine Gemeinschaft von Staaten, die ALLE Schulden haben, zusammentun um einen Staat zu retten der noch mehr Schulden hat, dann geht das nur, wenn man die Gläubiger davon überzeugt, das man genügend Geld hat um alle Liquiditätsanforderungen zu erfüllen und genügend Wirtschaftskraft um langfristig solvent zu sein. Sonst kommt es zu einem ‘bank run’.

Stratt dessen spart sich Eurapa in die Depression und posaunt mit der Hebelung des ESFS in die Welt hinaus, das man nicht bereit ist genügend Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Awesome.“

Und werfen Sie mal einen Blick auf diese Zahlen
http://de.wikipedia.org/wiki/Welthandel/Tabellen_und_Grafiken#Handelsbilanzsalden
Denken Sie ernsthaft das sei „gesund“? Dann empfehle ich diese niedliche Geschichte:
http://www.cdu-huelzweiler.de/leserbriefe/103-mitgliederbriefe/453-exportueberschuesse-und-staatsverschuldung.html
„Vom Armen, vom Fischer, dem Geldgeber, dem Spekulanten und von dem, der die Zeche bezahlt….“

Sie schreiben der Export in die „Eurozone“, ich spreche von Europa, kleiner Unterschied!

„…Bemerkenswert ist, dass die
zwölf neuen EU-Staaten (einschl. Bulgariens und Rumäniens)
bereits über 10 % des gesamten deutschen Außenhandelsumsatzes
auf sich vereinen und damit die Größenordnung
des deutschen Warenhandels mit Amerika erreichen.
Durch die florierenden Exportgeschäfte deutscher Unternehmen
mit Osteuropa hat sich der positive Außenhandelssaldo
mit den neuen EU-Mitgliedstaaten von 2004 bis 2006
fast verdreifacht, 2006 lag er bei 15,9 Mrd. Euro. Der hohe
Exportüberschuss Deutschlands im gesamten Europa-Handel
von 143 Mrd. Euro (2006) ist fast ausschließlich auf den
EU-Handel zurückzuführen.“
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Querschnittsveroeffentlichungen/WirtschaftStatistik/Aussenhandel/ExportweltmeisterDeutschland,property=file.pdf

Wir sind gerade auf dem Wege erfolgreich Nachfolger für das jetzt ausgefallene Griechenland zu basteln. Denen erklären wir dann in ca 10 Jahren sie hätten halt nur besser wirtschaften müssen, jetzt müssen sie leider sparen …. Es ist geradezu absurd auf ewig währendes Wachstum und steigende Außenhandelsüberschüsse auf Kosten Dritter zu setzen.

26) StefanP, Samstag, 29. Oktober 2011, 09:50 Uhr

@123) sk8erBLN

Sie schreiben der Export in die “Eurozone”, ich spreche von Europa, kleiner Unterschied!

Das Argument handelt von der Eurozone, also bleibe ich dabei. Großbritannien hat dann weniger mit dem Euro zu tun.

Denken Sie ernsthaft das sei “gesund”?!

Lesen Sie dazu bitte meine Argumentation 97). Glauben Sie ernsthaft, Indien und Hongkong, ja auch die USA unter bestimmten Bedingungen, seien dauerhaft auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig, weil sie mit die höchsten handelsbilanziellen Defizite aufweisen? Bei den Amerikanern, die immer noch den größten Binnenmarkt dieses Globus bieten, wäre es geradezu verwunderlich, hätten sie einen positiven Saldo. Das hat die USA nicht daran gehindert, in den 1990er Jahren Haushaltsüberschüsse zu erwirtschaften.

Denken Sie tatsächlich, die Welt wäre so einfach?

27) sk8erBLN, Samstag, 29. Oktober 2011, 11:16 Uhr

@ EStz, Freitag, 28. Oktober 2011, 16:23 Uhr

“ XYZ seine Arbeit zu erklären oder seine Fehler nachzuweisen.“

Ich denke nicht, dass es eines ausserordentlichen Sachverstands bedarf um die gerade einmal mehr weiterentwickelte Krücke EFSF zu durchschauen. Wenn ich erlebe dass diese EFSF dass da bis vor noch 14 Tagen bei der Abstimmung im Bundestag gar kein Hebel vorgesehen war, es bis gestern mittags noch hieß er wird auf 1 Billionen gehebelt und gegen Abend heute bereits ein Hebel auf 1,7 Billionen die Runde macht ohne dass überhaupt geklärt wäre wer denn die Hebelung „kauft“ von den potentiellen Investoren, ich parallel sehe das Italien mehr als 6,06 Prozent für seine Staatsanleihen ausgeben muss (aktuell hat IT ca. 1,8 Billionen Schulden die so bis 2020 auf ca. 3,5 Billionen anwachsen dürften…).. Zudem das BVerfG das Konstrukt „Sonderausschuß“ zur Genehmigung stoppt ….

Dann muss ich nicht mal was von Wirtschaft verstehen. Da wird kurzfristig Zeit gekauft und mehr passiert nicht.

Ein paarLinks dazu um das gesagte nachzuvollziehen:
KRISENFEUERWEHR

„Einen Run kann nur die EZB stoppen“
LUKAS SUSTALA, 28. Oktober 2011 17:37
Die Europäische Zentralbank (EZB) soll am Anleihenmarkt aktiv bleiben, sagen Ökonomen. Der EFSF reiche nicht, einzig die EZB hätte „unendlich Feuerkraft“
Wien/Frankfurt – Die Kapitalmärkte haben mit großer Erleichterung auf das Ergebnis des EU-Gipfels reagiert. Doch Ökonomen warnen, dass mit dem Ergebnis nur weitere Zeit erkauft wurde. „Das derzeitige Programm kann nicht alle beruhigen“, warnt etwa der Ökonom Guntram Wolff vom Brüsseler Think-Tank Bruegel. „Einen Run auf ein Land kann nur die Europäische Zentralbank stoppen.“

Zwar wurde der Rettungsschirm EFSF mit „mehr Feuerkraft“ ausgestattet, doch „der EFSF ist kein Ersatz für die EZB“, glaubt auch Paul de Grauwe, belgischer Ökonom und Professor an der Universität Leuven. Zum einen sei der EFSF zeitlich nicht so flexibel, denn im Notfall könnte der politische Prozess die Rettung eines Staates lange hinauszögern. Zum anderen ist auch die Feuerkraft begrenzt. Das würde Investoren einladen, sich Szenarien auszudenken, in denen der Rettungsschirm nicht mehr ausreicht.

http://derstandard.at/1319181526945/Krisenfeuerwehr-Einen-Run-kann-nur-die-EZB-stoppen

EU RUFT UM HILFE

Chinesisches Mauern beim EFSF

Mit dem kürzlich erzielten Durchbruch in Brüssel, den Rettungsschirm aufzublasen, ist es nicht getan. Denn woher nehmen?

Außerdem wäre die lindernde Finanzmedizin aus Fernost alles andere als umsonst – sie wäre an strikte Bedingungen, schärfer gesagt, Deals geknüpft.

http://derstandard.at/1319181488751/EU-ruft-um-Hilfe-Chinesisches-Mauern-beim-EFSF

“Wir haben ein Einnahmeproblem, kein Ausgabenproblem. Deutschland gibt nicht zu viel Geld aus. Es nimmt zu wenig Geld ein. Die Arbeiter und Angestellten, deren Einkommen seit Jahren stagnieren, haben keineswegs über ihre Verhältnisse gelebt. Es sind die anderen, die ihre Verhältnisse beständig verbessert haben. In den vergangenen 20 Jahren sind die Geldvermögen von 1,8 Billionen auf mehr als 4 Billionen Euro gestiegen und die Staatsschulden von 600 Milliarden Euro auf rund 2 Billionen. Die Schulden des Staates sind die Vermögen der Reichen. ”
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794313,00.html

28) Xpomul, Samstag, 29. Oktober 2011, 11:36 Uhr

wenn wir schon ein wenig im thema abdriften:

http://www.occ.gov/topics/capital-markets/financial-markets/trading/derivatives/dq211.pdf

ausgesprochen lesenswert !!!

250 billionen usdollar derivate schwimmen im globalen ozean.
ich wette das die rettung des euro nicht zu feiern war mit diesem gipfel am mittwoch.

die bombe tickt !!!

29) Xpomul, Samstag, 29. Oktober 2011, 11:39 Uhr

@123) sk8erBLN, Freitag, 28. Oktober 2011, 21:54 Uhr

„“Es ist geradezu absurd auf ewig währendes Wachstum und steigende Außenhandelsüberschüsse auf Kosten Dritter zu setzen.““

dito.
es ist sogar eher unmoralisch und unethisch und exakt der grund weshalb das finanzsystem (wiedermal !!!) kollabieren muß.

30) sk8erBLN, Samstag, 29. Oktober 2011, 12:18 Uhr

Und dann hätte ich da noch den BVlick auf die Bank mit dem Slogan „Leistung aus Leidenschaft“


Was für eine Anhäufung von Kreditschrott sich in der Bilanz der Deutschen Bank befindet, dafür liefert das Handelsbuch, mit den zum Fair Value bewerteten finanziellen Vermögenswerten einen deutlichen Beleg:

[Grafi siehe Webseite]
Die Summe der nach FairValue bewerteten Vermögenswerte zum 30.09.2011 betrug 1,351876 Billionen Euro. Festhaltenswert die Level3 Assets wuchsen um +2,877 Mrd. Euro auf 49,533 Mrd. Euro, noch gravierender die Level2 Assets stiegen um +242,263 Mrd. Euro auf 1,22395 Billionen Euro an! Über die Qualität dieser Assets sagen die verwendeten Bewertungsmethoden viel aus, denn Level 3 Assets sind Vermögenswerte, die nicht handelbar sind und für die es keine verfügbaren Marktpreise gibt, de facto werden diese illiquiden Vermögenswerte mit Fantasiebewertung nach “Mark to Model” bewertet. Selbst bei Level2 Assets besteht noch großer Bewertungsspielraum, denn hier werden bei nicht direkt vorhandenen Marktwert oder nicht ausreichend liquiden Märkten einfach vergleichbaren alternativen Marktpreisen zur Bewertung herangezogen.

Die Deutsche Bank ist hochgehebelt, wie eine Investmentbank oder ein Hedgefond. Das Leverage Ratio (Verhältnis Aktiva zu Eigenkapital) nach IFRS stieg zum 30.092011 auf satte 43, nach 38 Ende 2010! Dies bedeutet die Aktiva (Vermögenswerte) der Deutschen Bank sind bei einem Einsatz von 1 Euro Eigenkapital mit 43 Euro Fremdkapital gehebelt.

Statt Leistung aus Leidenschaft dokumentiert der Geschäftsbericht der Deutschen Bank, eine Bilanz mit hohem Leverage Effekt und damit einhergehende spekulative Exzesse über den OTC-Derivatemarkt und dies impliziert die dringende Notwendigkeit die spekulativen Aktivitäten einzudämmen und die Banken an die Kandare zu nehmen.

http://www.querschuesse.de/leistung-aus-leidenschaft/
Quelle Daten und Tabellen: Deutsche-bank.de/Geschäftsbericht Q3 2011
http://www.deutsche-bank.de/ir/de/download/DB_Zwischenbericht_3Q2011.pdf

31) sk8erBLN, Samstag, 29. Oktober 2011, 12:47 Uhr

@ 120) StefanP, Freitag, 28. Oktober 2011, 20:48 Uhr

Eher so:
Der 50% Schuldenschnitt durch die Banken bedeutet keinesfalls, dass die griechischen Staatsschulden demnächst halbiert werden. Darauf aber käme es an damit der Hauch einer Chance besteht dass die Griechische Wirtschaft irgendwann auf einen grünen Zweig kommt.
Aus der „Vereinbarung“ die eben per se keine ist da „invite“ und „voluntary“:
To this end we invite Greece, private investors and
all parties concerned to develop a voluntary bond exchange with a nominal discount of 50%
on notional Greek debt held by private investors.
http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/ec/125644.pdf

Und nun rechnen wir mal:

Griechische Schulden 350 Mrd € [Milliarden]
./. Troika-Kredite 70 Mrd €
./. EZB, die 75 Mrd € hält
Bleiben BANKSCHULDEN von 205 Mrd €
Davon bei griechischen Banken 85 Mrd € [Die können nicht 50% nachlassen, sie sind bereits de facto pleite]

Bleiben bei nichtgriechischen Banken 120 MRD €

EFFEKTIVER Forderungsverzicht = 60 Mrd €, das entspricht gerade mal 17,14 % von Griechenloands Schulden.

Ergänzung:
… die griechischen Banken bekommen für die 40 Mrd. €, die sie “ihrem” Staat erlassen, von Europas Steuerzahlern 30 Mrd. € als Hilfe, wie inzwischen klar wird. Die 30 Mrd. wird Athen später auch an der Backe haben, weil die Banken im Land das nicht werden zurückzahlen können. Wenn doch, bleibt es bei den 29% Reduktion der Griechenland-Schulden, wenn ich Recht behalte, werden die Staatsschulden um 20% reduziert. Aber die HÄLFTE – illusorisch. Beides – 29% oder 20% – dürfte nicht reichen, um das Land aus der Schuldenfalle heraus zu führen …
http://blog.markusgaertner.com/2011/10/27/griechenland-50-ist-nicht-die-halfte/
Was uns da vorgelegt wurde sind Taschenspielertricks, nichts weiter!

p.s. hier noch weitere Überlegungen:
http://blog.markusgaertner.com/2011/10/27/griechenland-50-ist-nicht-die-halfte/#comment-4712

32) Peter Christian Nowak, Samstag, 29. Oktober 2011, 17:54 Uhr

@129) sk8erBLN

Von den Zahlen war schon in Insiderkreisen zu hören. Von wegen, der 50%ige Schuldenschnitt der Banken! Eine einzige Roßtäuscherei!
Der Punkt ist doch der , vor der Krise ist nach der Krise. Letztlich ist nach dem Gipfel nur eines sicher, nämlich daß die vornehmlich deutschen Steuerzahler am „Ende der Nahrungskette“ der Money-Junkies stehen. Und richtig ist, daß nach dem Gipfelergebnis vornehmlich deutsche Steuerzahler es sind, die für Europa´s Banken haften und die für Europa´s Banken in Frankreich und hierzulande bluten werden: entweder, durch Steuererhöhungen, wahrscheinlich die Mehrwertsteuer, oder durch wachsende Inflation. Mit dem dubiosen Finanzhebel verstärkt sich das Ausfallrisiko.
Nein, die Krise und ihre Folgen werden in Deutschland das Heulen und Zähneklappern auslösen.
Hier werden Existenzen von Millionen von Bürgern aufs Spiel gesetzt zu Gunsten einer Ideologie, die mittlerweile des Wahnsinns ist -so kann man den Eindruck haben.
Dieses Europa ist weder lebensfähig, noch geniesst dieses Europa das Vertrauen der Gesellschaftsmehrheit. Was sich zur Zeit abspielt ist der krampfhafte Versuch die europäische Idee vor dem Exitus zu bewahren. Nichts ist gut mit Europa.

33) Peter Christian Nowak, Samstag, 29. Oktober 2011, 18:02 Uhr

Ach ja, noch ein Nachtrag. Daß Europa nun auch noch bei den Chinesen um Geld betteln muß, ist wohl der Gipfel der Bankrotterklärung!

34) EStz, Samstag, 29. Oktober 2011, 22:12 Uhr

123) sk8erBLN, Freitag, 28. Oktober 2011, 21:54 Uhr
………..
Es ist geradezu absurd auf ewig währendes Wachstum und steigende Außenhandelsüberschüsse auf Kosten Dritter zu setzen.
_______________________________________________________________
Wenn ein rumänischer Fabrikant Werkzeugmaschinen benötigt, und kauft die bei einem deutschen Mittelstandsunternehmen – soll das den Auftrag ablehnen? Falls das geschieht, verlieren die deutschen Arbeitnehmer ihre Jobs, und die Werkzeugmaschine wird aus Japan geliefert. Gekauft wird sie so oder so, da das Unternehmen die Maschine braucht. Der rumänische Fabrikant wird schon wissen, warum er sich nicht mit einem einheimischen Produkt begnügen mag (das gibt es nämlich nicht).

Ich kann doch nicht gleichzeitig Export- und Geschäftsverzicht (gleichbedeutend mit höherer Arbeitslosigkeit) für die deutsche Wirtschaft fordern und mich gleichzeitig über effektiv sinkende Löhne aufregen. Das ist typisch „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“.

35) EStz, Samstag, 29. Oktober 2011, 22:44 Uhr

@ 125) sk8erBLN, Samstag, 29. Oktober 2011, 11:16 Uhr
Ich denke nicht, dass es eines ausserordentlichen Sachverstands bedarf um die gerade einmal mehr weiterentwickelte Krücke EFSF zu durchschauen…..
____________________________________________________
Vielleicht habe ich mich da nicht klar genug ausgedrückt, ich versuche es nochmal, diesmal mit dem von Ihnen genannten Beispiel:
* Ich habe kein Vertrauen in die aktuell entworfene Lösung.
* Ich habe auch kein Vertrauen in den Ablauf des Verfahrens.
* Ich teile Ihre Einschätzung, dass die Probleme durch die aktuellen Maßnahmen, höflich formuliert, nicht zufriedenstellend gelöst werden.

Aber aufgepasst, nun kommt’s:
* Ich halte die gefundene Lösung zwar für schlecht. Ich halte aber auch alle anderen mir bekannten Lösungen (soweit ich sie verstanden habe) für schlecht.
* Ich kann nicht ausschließen, dass die aktuell gefundene schlechte Lösung die beste der schlechten Lösungen ist, die man zum aktuellen Zeitpunkt in Europa durchsetzen kann.
* Ich selbst kann keine Lösung vorweisen, die bessere Ergebnisse garantiert (wobei besser wieder eine Frage des Standpunktes ist: Deutschland, Frankreich und Europa sind schon mal drei unterschiedliche Paar Schuhe).
* Hätte ich solch eine Lösung, könnte ich sie in Deutschland oder Europa wohl kaum durchsetzen.

Das bringt mich (so bin ich halt) dazu, meine Meinung nur als ganz persönliche Einzelmeinung zu vertreten, statt abfällige Urteile mit absolutem Anspruch abzugeben. Und ich finde (das ist aber nur meine persönliche Einzelmeinung), dass aus ebendiesen Gründen auch dem einen oder andere Mitdiskutant eine etwas besonnenere Ausdrucksweise besser zu Gesicht stehen würde.

36) sk8erBLN, Sonntag, 30. Oktober 2011, 11:05 Uhr

@ 132) EStz, Samstag, 29. Oktober 2011, 22:12 Uhr
„Wenn ein rumänischer Fabrikant Werkzeugmaschinen benötigt, und kauft die bei einem deutschen Mittelstandsunternehmen – soll das den Auftrag ablehnen?“

Wie wäre es, wen wir beim Konkreten Fall Griechenland bleiben, da ist die Situation konkret vor die Wand gefahren und (noch nicht) in Rumänien.

Dann stellen wir als erstes fest dass nicht „Werkstoffmaschinen“ bei irgendwelchen Mittelstandsunternehmen zum besseren Verpacken der Olivenernte geordert wurden sondern anderes:

Deutschland ist Rüstungsweltmeister, es belegt Platz 3 nach den USA und Rußland.
Die weltweiten Rüstungausgaben steigen in den vergangenen fünf Jahren um rund 20 Prozent. Allein Deutschland kann seinen Anteil an den Rüstungsexporten nahezu verdoppeln. Das meiste Geld verdient die deutsche Rüstungsindustrie mit U-Booten, Kriegsschiffen und Panzern. Hauptabnehmer sind die Türkei, Griechenland und Südafrika. [Anmerkung: Die 11 Mio Griechen sind europas größter Waffenimporteur!!]


Das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland gehörte in den vergangenen fünf Jahren zu den fünf größten Rüstungskäufern der Welt.
http://www.n-tv.de/politik/Deutscher-Waffenexport-boomt-article775244.html

und dann das:
Griechen sollen sparen – aber bloss nicht bei ihren Rüstungskäufen

Was mussten sich die Griechen nicht alles anhören, bevor ihnen das rigorose Sparprogramm auferlegt wurde. Pleite-Griechen war da noch einer der harmloseren Begriffe, die nicht nur in der Zeitung mit den vier großen Buchstaben (und dem von deren Redaktion offensichtlich angenommenen Intelligenzquotienten der Leser in ähnlicher Höhe) zu lesen oder zu hören waren. Sparen sollen die, verdammt nochmal, schliesslich haben die Griechen geschätzte 300 Milliarden Euro Schulden!

Die griechische Bevölkerung muss die nächsten Jahre einen sehr harten Sparkurs ertragen, nichtsdestotrotz drängen Deutschland und Frankreich Griechenland zum Kauf von U-Booten und Fregatten – Gesamtsumme der neuen Verträge: Über 4,5 Milliarden Euro. Höchstwahrscheinlich waren die neuen Rüstungskäufe sogar Voraussetzungen, um in den „Genuss“ des Rettungspaketes zu kommen, welches die EU-Staaten für das Land geschnürt hatten. Tja, wer solche Freunde hat, braucht eigentlich keine Feinde mehr, gegen diese Art von „Gönnern“ nutzen leider die paar Kriegssschiffe nichts.
http://halbnachvoll.wordpress.com/2010/07/27/griechen-sollen-sparen-aber-bloss-nicht-bei-ihren-rustungskaufen/
Siehe genauer:
http://www.heise.de/tp/artikel/32/32961/1.html

In dem Zusammenhang hatte ich auch schon Frankreichs jüngsten Coups hier verlinkt. Kriegsschiffe für Griechenlands Marine,

Entgegen der Notwendigkeit aller Sparpakete gibt sich die griechische Regierung ausgerechnet im Rüstungssektor spendabel – und bestellt französische Kriegsschiffe im Wert von bis zu 1,2 Milliarden Euro. „Fünf Jahre zins- und ratenfrei
Fregatten-Deal: Paris irritiert Deutschland
http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/Fregatten-Deal-Paris-irritiert-Deutschland_aid_1027507.html

Besonders pikant ist auch die Anschuldigung des deutschen Industriekonzerns ThyssenKrupp, der sich ebenfalls um den Auftrag bemüht hatte, jedoch abgewiesen wurde. Laut einem internen Dokument des Unternehmens verstößt der aktuelle Deal möglicherweise gegen das EU-Subventions- und Vergaberecht.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,792028,00.html

Bitte wachen Sie mal auf EStz!!
Es geht mitnichten um Produkte die auch nur im Entferntesten Griechen oder Griechenland nutzen um auf die Beine zu kommen. Und ja, ich habe sehr viel fdagegen wenn auf diese Art und Weise deutsche Arbeitsplätze gesichert werden. Es ekelt mich geradezu an und ich bin glücklich da nicht der einzige zu sein. Die paar lumpigen Arbeitsplätze in der Kriegsindustrie interessieren mich geradezu einen Dreck, insbesondere deshalb, weil nicht nur EU Länder wie Griechenland mit Waffen beliefert werden sondern auch die Despoten und Diktatorenschaar weltweit. Und wozu sie diese Waffen nutzen, hat zuletzt u.a. Saudi Arabien vorgeführt als es die deutschen Panzerfahrzeuge im Nachbarland zur Niederschlagung friedlicher Demonstranten auffahren ließ.

Das ist so wiederwärtig dass ich es kaum in Worte fassen kann.

Vielen Dank an dieser Stelle für die klärenden Worte in Ihrem Beitrag 133. Ich verstehe nun besser worauf Sie hinaus wollten…..

Und natürlich sind das hier alles Einzelmeinungen und nicht mehr. Für mich sind die bisherigen Lösungsansätze z.B. bei weitem zu „kleinkariert“ gedacht, es ist für mich schlecht gemachtes Flickwerk, was IMHO benötigt wird, ist ein gänzlich andere Wirtschafts- und Geldmodell.

Dafür ist diese Regierung mit der Tippelschrittchen vollführenden Merkel und der Mentlität einer „visionsbefreiten sachbearbeitenden Abteilungsleiterin“ natürlich eine Fehlbesetzung par excellence.

Und was dabei herauskommt, können wir Tag um Tag besichtigen.

37) StefanP, Sonntag, 30. Oktober 2011, 11:17 Uhr

@129) sk8erBLN

Wären Sie mein Finanzchef, würde ich Sie auf der Stelle rauswerfen. Denn Sie wollten mir am Ende noch verkaufen, wenn mir ein Kunde ausfällt, dass ich zwar die Forderungen zu 100% verloren hätte, aber das wären ja gar nicht 100%, schließlich sei der Kunde noch bei zahlreichen anderen Unternehmen verschuldet, so dass meine 100% nur 10% seien. Chaupeau!

Wer hat Ihnen eine solche Rechnung beigebracht?! Deutsche und französische Banken haben keinen Einfluss auf die Investmentpolitik anderer Banken oder das Verhalten der Zentralbank. Was verlangen Sie also eigentlich? Selbst wenn der internationale Bankenverband auf sämtliche Forderungen verzichtet hätte, kämen wir nach Ihrer Rechenweise gerade mal auf einen Forderungsverzicht von rund 35%. sollen die Banken, die gar keine Griechenlandanleihen halten, nun Ihrer Ansicht nach auch noch Schuldscheine der Zentralbank kaufen?

38) EStz, Sonntag, 30. Oktober 2011, 11:54 Uhr

@ 129) sk8erBLN, Samstag, 29. Oktober 2011, 12:47 Uhr

@ StefanP …..Der 50% Schuldenschnitt durch die Banken bedeutet keinesfalls, dass die griechischen Staatsschulden demnächst halbiert werden. …. usw
__________________________________________

Hallo Skater,

nicht bös sein, da halte ich mich lieber an Ihren Kontrahenten. Der argumentiert mit seinem eigenen Verstand, anstatt sich per Google nur die Zitate herauszupicken, die seine Meinung stützen.

39) FF, Sonntag, 30. Oktober 2011, 19:07 Uhr

Jetzt kommt die Dame wirklich mit dem Mindestlohn um die Ecke. Unfaßbar. Peinlich allerdings für die Spezialdemokraten der „S“PD, die dieses Thema in zehn Regierungsjahren nicht mal mit der Kneifzange anfassen wollten…

Mittlerweile hasse ich diese ehemaligen Sozialdemokraten nicht mal mehr für ihren gewissenlosen Opportunismus. Die Ersatz-CDU läßt mich mittlerweile kalt.

Schön nur, daß die bis heute ernsthaft glauben, aus ihrer 2009er Pleite ein entschiedenes „Weiter so“ ableiten zu können. Programm und Personal – alles gleich. Das ist doch ein Witz, oder?

40) EStz, Montag, 31. Oktober 2011, 17:25 Uhr

@ 134) sk8erBLN, Sonntag, 30. Oktober 2011, 11:05 Uhr
Wieder einmal habe ich den Eindruck, dass Sie sich ein paar Punkte und Zitate herauspicken, die Ihre Meinung bestätigen. Ihr KOmmentar widerlegt meine Argumentation nicht, sondern liefert einmal mehr nur Ihre Meinung bzw. Weltanschauung.
Zu behaupten, dass Deutschland und Frankreich die Griechen drängen, quasi zwingen, deutsche und französische Kriegsschiffe zu kaufen, da sonst das Rettungspaket nicht freigegeben würde, grenzt schon an böswillige Faktenverdrehung. Und das Ganze mit einem derart läppischen Kommentar (sorry, aber ist so) zu „dokumentieren“, sollte Ihnen peinlich sein.
Desweiteren: Weder erzielt Deutschland nur bzw. in erster Linie seine Exportüberschüsse aus Waffenverkäufen, noch sind Griechenlands Probleme hauptsächlich auf Waffenkäufe zurückzuführen. So zu tun als ob, halte ich für unredlich. Beides hat, wenn überhaupt, nur einen kleinen Anteil.
Desweiteren: Wenn Griechenland Waffen kaufen will, kaufen sie die auch. Wenn nicht bei uns, dann woanders, „schlimmstenfalls“ aus einem Nicht-Euro-Land.
Auch bin kein Freund von Waffenexporten, von Waffen überhaupt, von Krieg, Terror, Mord und Totschlag. Geld zu verdienen mit dem Töten, Verletzen, Vernichten anderer finde ich auch eklig. Aber die Welt ist, wie sie ist. Ich habe in den 80er Jahren gegen den von Helmut Schidt initiierten Nato-Doppelbeschluss demonstriert, und lernen müssen, dass ausgerechnet diese von mir verhassten und verachteten Atomraketen ein durchaus massgeblicher Grundstein für die spätere Deutsche Einheit war. Ich hab mich im Stillen schon mehr als einmal bei Helmut Schmidt dafür entschuldigt.

Ich habe daraus gelernt, dass ich nicht alles weiß und nicht alles beurteilen kann, erst recht nicht, wenn es gegen meine Überzeugungen geht. Jeder sollte in seinem Rahmen versuchen, die Welt besser zu machen. Nur: Ausser, dass Sie sich vielleicht etwas besser fühlen, weil Sie sich zu den aufrechten Guten zählen, bringt dieses argumentations- und folgenlose Idealisieren niemanden weiter.

41) Doktor Hong, Montag, 05. Dezember 2011, 16:38 Uhr

@ 121 StefanP

Hohe Schulden stützen die Neigung, sie von Seiten der Zentralbanken wegzuinflationieren.
Dann erklären Sie doch mal, wie die Zentralbank das macht.

In dem die Zentralbank die Geldmenge schneller ausweitet als die Menge der produzierten Güter sowie die Umlaufgeschwindigkeit steigen. Dann ist billiges Geld im Markt, was die Preise steigen lässt und zu Blasenbildung in Boommärkten führt. So ist die letzte amerikanische Immobilienblase entstanden. Billiges Geld sucht sich Investitionsobjekte und lässt Produktionskosten und Endpreise steigen.

Nur teilweise richtig. „Die Notenbank weitet die Geldmenge aus, indem sie die Geldmenge ausweitet“ ist nicht wirklich eine Erklärung. Ebenso könnte man sagen, „Ein Auto fährt, indem es fährt.“ Oder: „Ein Flugzeug fliegt, indem es fliegt.“ Derartige Tautologien haben eine eher begrenzte Aussagekraft.

Nicht unbedingt, es bleibt der Kapitaltransfer durch Beteiligung ausländischer Investoren. Das lässt eben nicht die Defizite steigen.

Schon richtig. Aber was heißt das? Der ausländische Investor leiht einer heimischen Firma Geld, was direkt in Auslandsverschuldung resultiert. Oder aber der ausländische Investor verschuldet sich bei seiner Hausbank, um Investitionen zu tätigen. Die Rendite aus der Investition benutzt er, um die Schulden bei seiner Hausbank zu tilgen, was Kapitalrückexport bedeutet. Das muss sich nicht auf die Handelsbilanz auswirken.

Wie dem auch sei, ich denke, wir beide sind uns einig, dass die maßlose Verschuldung durch den griechischen Staat absolut inakzeptabel gewesen ist. Was die Ursache der Verschuldung ist, ist im Grunde nebensächlich.

Nun gibt es klassisch zwei Möglichkeiten, der Verschuldung beizukommen. Sie erhöhen die Einnahmenseite oder kürzen die Ausgabenseite oder beides.

Ersteres tut man, indem man die Steuern massiv erhöht. Was das für die wirtschaftliche Entwicklung bedeutet, brauche ich Ihnen als Proponenten von Steuersenkungen nicht erklären. Oder aber man fährt massiv die Ausgaben herunter, was zu einer massiven Kontraktion des Konsums führt.

Beide Maßnahmen würgen die Wirtschaft ab und sind nichts als deflationäre Mechanismen, ausgelöst durch Überschuldung.

Nicht mehr und nicht weniger habe ich behauptet.

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