Mittwoch, 02. November 2011, 12:44 Uhr

The whole world in their hands

Griechenland hat 11,3 Millionen Einwohner, 9,9 Millionen davon sind wahlberechtigt. Das heißt, es reichen fünf Millionen Griechen, je nach Beteiligung deutlich weniger, die bei der geplanten Volksabstimmung Nein zur Eurozone und zu den drastischen Sparpaketen sagen, um Europa in die schwerste Krise und die Welt in eine neue Rezession zu stürzen.

Fünf Millionen Griechen können – neben dem eigenen Staat – Italien, Spanien und Portugal in die Insolvenz treiben und den Euro zerbrechen lassen. Fünf Millionen Griechen entscheiden über den Fortgang der Welt, über Millionen neue Arbeitsloser. They got the whole world in their hands.

Jetzt könnte man sich auf den Standpunkt stellen, das haben sich die Euro-Länder selbst eingebrockt. Sie hätten Griechenland nie aufnehmen dürfen und hätten Griechenland viel früher pleite gehen lassen sollen, bevor ein Fall Griechenlands die Welt in einer größeren Abgrund reißt als die Banken- und Weltfinanzkrise. Hätte, könnte, wollte – dafür ist es jetzt zu spät. Jetzt wird die Welt zittern, bis die Griechen entschieden haben.

Was aber ist mit den Finanzhilfen für Griechenland, was ist mit der nächsten Acht-Milliarden-Tranche? Sie dürfte streng genommen nicht ausgezahlt werden, denn möglicherweise fällt in wenigen Wochen die Geschäftsgrundlage dafür weg. Denn die Zusagen der griechischen Regierung und die Parlamentsbeschlüsse sind nichts mehr wert, wenn das Volk Nein sagt.

Der griechische Regierungschef Papandreou hat sie sich die Finanzhilfen erschlichen, denn er wusste beim Brüsseler Gipfel schon, dass er ein Referendum plant. Das Täuschungsmanöver, das mit den gefälschten Statistiken bei der Aufnahme in die Eurozone begann, setzt sich fort.

Würden aber die acht Milliarden nicht ausgezahlt, hätte sich das Referendum weitgehehend erledigt, denn dann würde das Land schon in diesem Monat im Chaos versinken. Die Regierungschefs der Eurozone stehen vor einem Dilemma: was sie jetzt auch machen, ist falsch. Also werden sie weiter zahlen in der Hoffnung, das griechische Volk werde ein Einsehen haben. Und wenn nicht?

Europa braucht jetzt einen ganz anderen Rettungsplan als den beschlossenen: alle Kräfte müssen darauf konzentriert werden, wie die Banken bei einem Totalausfall Griechenlands stabilisiert werden, wie Italien, Spanien und Portugal vor den Ansteckung und vor den Spekulanten geschützt werden. Für Griechenland gilt mehr denn je: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein weiterer Schrecken ohne Ende.

Im Übrigen: Die jetzt in Deutschland unter Intellektuellen geführte demokratietheoretische Debatte über Volksabstimmungen ist zwar ehrenwert, aber angesichts dier Bedrohungslage naiv und müßig. Denn kein europäisches oder anderes Volk der Welt hat den Griechen ein so weitreichendes Mandat erteilt.

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127 Kommentare

1) sk8erBLN, Freitag, 04. November 2011, 09:46 Uhr

Krise und Wahn
Tomasz Konicz 04.11.2011
Je weiter sich die kapitalistische Systemkrise in die Gesellschaft und das Massenbewusstsein hineinfrisst, desto irrationaler gestaltet sich die öffentliche Rezeption des Krisengeschehens.

Unter diesem Titel analysiert Konicz das verhalten von Politikern untereinander,
„Die Führer der „westlichen Welt“ benehmen sich wie Schuljungen, die bei wechselseitigen Pöbeleien die Hackordnung auf dem Schulhof herzustellen versuchten.“

und im nächsten Schritt „Spätestens seit der Ankündigung des Referendums über das nächste Kahlschlagprogramm in Athen gehen viele Massenmedien in offene Hetze gegen Griechenland über

“ Das Referendum – eine demokratische Selbstverständlichkeit – wird als „ziemlicher Wahnsinn“ bezeichnet.

Für die Sächsische Zeitung ist Demokratie in Krisenzeiten schlicht unverantwortlich: „In einer politisch aufgeheizten Stimmung wie in Griechenland kann man keine Volksabstimmung abhalten.“ Die übelsten Hetztriaden sondert in bewährter Manier die Bildzeitung ab, die Griechenlands Bevölkerung mit Aussätzigen http://www.az-online.de/nachrichten/politik/spinnen-griechen-pressestimmen-volksabstimmung-1472085.html gleichsetzt: „Und jetzt kommt es einem so vor, als ob man die Patienten auf der Quarantänestation über die Frage abstimmen lässt: Wollt ihr lieber hier bleiben oder in der nächsten Taverne feiern?“ Zum Regierungssturz in Athen ruft hingegen kaum verhohlen die Wirtschaftswoche auf:
Spätestens jetzt müssen die Euro-Retter einsehen: Papandreou ist nicht die Lösung. Er ist Teil des Problems. Bisher galt er als einziger möglicher Partner, da der Führer der konservativen Opposition Antonis Samaras die europäischen Rettungspakete in Bausch und Bogen verdammt hat. Die europäischen Politiker müssen sich schnellstens nach Alternativen umsehen. Anders wird der Euro nicht zu retten sein.“

In dem Zusammenhang: Der US rief Merkel dazu auf einen Militärputsch in Griechenland zu finanzieren. n-tv davon dass die „Daumenschrauben“ angezogen gehörten.

„Albert Einstein definierte Wahnsinn als das Bestreben, „immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“. Die europäische Krisenpolitik erfüllt alle Voraussetzungen, um gemäß dieser Einsteinischen Definition als wahnsinnig bezeichnet zu werden….“

Ein höchst lesenswerter Beitrag:
http://www.heise.de/tp/artikel/35/35813/1.html

2) Frankilein66, Freitag, 04. November 2011, 11:57 Uhr

@ 92, StefanP.

Wenn man deutsche Wort „Austerität“ benutzt, stammt es vom lateinischen „Austeritas“ ab, genau wie das englische Wort „Austerity“, insofern ist ihre Bemerkung „Deutsche lernen Englisch“ inkorrekt!
Außerdem schreibt man „Rhythmus“ mit zwei h, auch wenn ein „Monats“ davor steht.

Glauben sie nur nicht, dass sie der einzige Besserwisser in diesem Blog sind!

3) Mark, Freitag, 04. November 2011, 12:25 Uhr

@ 97) sk8erBLN, Freitag, 04. November 2011, 09:46 Uhr

Ja, sehr gut beobachtet. Wir stecken LÄNGST in einer massiven Demokratiekrise. Das Euro-Spektakel vernebelt nur den klaren Blick darauf.

Die Anti-Demokraten kommen nun aus ihren Löchern gekrochen, um nicht nur die Griechen zu bitten, doch endlich mal das Mail zu halten und gefälligst die nächsten Jahrzehnte Fron-Dienste für die EU und die Troika zu leisten, sondern auch um UNS zu erzählen, dass wir sowieso zu doof und zu radikal wären, um Politik überhaupt zu verstehen. (Siehe hierzu auch z.B. die Auslassungen von Jürgen Trittin — http://www.welt.de/politik/deutschland/article13697630/Trittin-geisselt-schwarz-gelben-Volksentscheid-Vorstoss.html )

Wieder einmal wird die Nazi-Keule geschwungen gegen jeden, der es wagt, das demokratisch nur lückenhaft legitimierte politische Projekt Europa zu kritisieren. Ich frage mich bloß immer – warum? Sind es wirklich nur die Posten und Pöstchen, die verloren gehen für eine kleine Schar zweit- und drittklassiger Politiker? Glauben die Europa-Fanatiker wirklich noch, dass sie Frieden und Wohlstand mit diesem Bürokratie-Moloch fördern? Glauben Sie wirklich, dass der Euro eine gute Idee war? Oder sind sie einfach zu feige, Fehler einzugestehen? Und: Gibt es überhaupt noch irgend jemanden (ausser den direkten Nutznießern), denen sich bei der Erwähnung von Euro, Europa, und Brüssel nicht sofort der Magen umdreht?

Wie gesagt – die Euro-Krise hat uns direkt in eine handfeste Demokratie-Krise geführt. Es ist nun offensichtlich, dass unsere Parlamentarier sich einen Dreck um uns und unsere Interessen kümmern. Sie haben überdies auch keine Ahnung von der Materie und schaffen es nicht, trotz ihrer fürstlichen Bezahlung, sich zumindest eine grobe Übersicht anzueignen. 84% Zustimmung bei der letzten ESFS-Abstimmung im Bundestag, quer durch alle Fraktionen (mit Ausnahme der fantastischen Linken!) – das spricht eine deutliche Sprache, insbesondere im Angesicht der Tatsache, dass eine deutliche Mehrheit der Deutschen gegen weitere Zahlungen für Griechenland und Euro-Rettung waren und sind.

Wir kennen dieses Verhalten des Parlamentes schon von anderen Fragen, speziell Afghanistan. Aber das war weit weg irgendwie und ruft inzwischen nur mehr Schulterzucken hervor. Unsere kollektiv erarbeiteten und erkämpften sozialen Errungenschaften und unseren Wohlstand – das alles sollten wir uns nicht handstreichartig von diesen Polti-Nullen nehmen lassen.

Mich befremdet auch zunehmend die Gleichschaltung und die zunehmend radikale Wortwahl in den Medien. Von neutraler Berichterstattung kann nicht mehr die Rede sein. Fast immer geht es reisserisch zu. Die Tagesschau schreibt, Papandreou drohe den „Machtpoker“ zu verlieren. So what? Er wird schon weich fallen. Das Handelsblatt will erkannt haben, dass Papandreou „um sein Leben“ kämpfe. Bull! Wenn überhaupt, dann kämpft er vielleicht um sein politisches Überleben. Ein physischer Todeskampf sieht dann doch anders aus.

Am meisten ärgert mich aber, dass wir Deutschen offenbar ein Volk von völlig Bekloppten zu sein scheinen. Wie kann es sein, dass bei (angeblich) repräsentativen Umfragen die Union immer noch vorne liegt? Dass die SPD immer noch so stark ist? Dass Merkel immer noch vor Westerwelle liegt? Dass Steinbrück immer noch der zweitbeliebteste Politiker sein soll? Da fässt man sich doch nur noch an den Kopf und denkt sich seinen Teil. WAS, so frage ich mich, muss denn NOCH passieren, damit die Deutschen aufwachen?

4) Philipp Johannes, Freitag, 04. November 2011, 12:57 Uhr

über sinn oder unsinn des referendums in griechenland mag ich nicht urteilen.
ich mag urteilen über den kappes den die politik darüber veranstaltet hat, es war quasi das böse an sich.
das zeigt doch deutlichst was die herrschenden über die demokratie denken.
sie ist in ihren augen das böse schlechthin.

pardon wenn ein wenig ot, doch die die den mindestlohn nicht kapieren oder kapieren wollen sollten mit dem geld mal leben.
leben – nicht überleben !
menschenwürdig ist das in keinster weise.
egal wo auf dieser welt.
mir ist schnurzpiepegal ob das implizit oder explizit oder existenzsicherend oder -förderend ist – es muß lebenswert sein.
alles andere verstößt gegen die menschenwürde.
wir alle massen uns doch an so zivilisiert zu sein und verstoßen gegen dieses grundprinzip der menschenwürde.

die herrschenden wissen sehr wohl weshalb sie das volk so sehr ablehnen und wehe es kommt ein 1929 wieder.
mir wird angst und bange !

warum wohl haben wir in deutschland nur ein grundgesetz und keine verfassung ?
warum hat nie ein deutsches volk über das grundgesetz abstimmen dürfen ?
ist das volk zu doof dafür ?

5) dirk, Freitag, 04. November 2011, 13:23 Uhr

„Denn kein europäisches oder anderes Volk der Welt hat den Griechen ein so weitreichendes Mandat erteilt“
da stehen einem doch die nackenhaare zu berge! lieber autor, Sie und Ihren kreischenden Kollegen sollte man mal ein paar Stunden Nachhilfe in Staatsrecht geben“alle Macht geht vom Volke aus“, das Volk ist der SOUVERÄN und braucht kein Mandat. Man wundert sich ja, da dürfen in“seriösen“sendungen wie im DLF oder dem presseclub selbsternannte“experten“ und spin-doktoren aus europ. think-tanks(ja wer hat denen ein mandat gegeben, die legitmieren sich nämlich nur durch den Förderbescheid von der EU) über irgendwelche Luftschlösser äußern, die entweder jeglicher wirtschaftswiss. Grundlage entbehren oder erstrecht fern jeder verfassungsrealität sind, da äußert sich ein ehem. dt. GENERALANWALT am EUGH, dass seiner Meinung nach die PRÄAMBEL!!!!des GG jede Art von Vereinigter Staaten… zulässt(natürlich ohne Volksentscheid!!!!).
Und Sie gehen jetzt auch schon den weg. Sie sollten sich bewusst sein, wenn Sie meinen ein großes Ziel rechtfertigt jegliche Mittel und auch Rechtsbrüche, dann werden Sie sich irgendwann auch in einem rechtsfreien Raum bewegen, vielleicht gerade dann, wenn Sie auf Recht angewiesen sind.
Am Ende sind Sie auch nciht mehr als ein Hofnarr, der danach sagt“das hat ja niemand wissen können“. aber vielleicht schaffen Sie dass ja noch rechtzeitig mit der Nachhilfe in Staatsrecht und Rechtsphilosophie bevor es zuspät ist, Oder haben Sie hoffnung auf einen lukrativen Posten mit steuerbefreiter Besoldung in Brüssel-das wäre doch schön, dann können Sie weiterhin Europa retten und müssen keinen cent selbst dafür zahlen. wie im paradies…

6) Günter Springer, Freitag, 04. November 2011, 15:24 Uhr

96) EStz
Danke für die Absolution!
Ich denke Merkel und Sarkozi übernehmen sich ungeheuerlich in dieser Sache.
Auch kommt die Frage auf: wer ist Quertreiber, wer der Retter?
Kann man jemanden retten, den man ständig in den Hintern tritt?
Da bin ich mir sehr im Zweifel….!

7) Peter Christian Nowak, Freitag, 04. November 2011, 19:44 Uhr

Nimmt man alle Kommentare einschließlich Leitartikler zusammen kann man vier verschiedene Meinungen herauslesen: 1. Griechen rausschmeißen. 2. Europa und der Euro sind Mist. 3. Europa ist gut, nur der Kapitalismus ist `shit.´ 4. Europa ist gut, nur der Euro ist Mist.
Frage an die Gemeinde: Was ist nun richtig?
Das fragen sich die Griechen sicherlich auch…
Vielleicht wartet man besser wieder auf eine Schönwetterperiode in den Geldbeutel aller …
dann passt es vielleicht auch mit der Demokratie wieder…(so nebenbei).

8) Peter Christian Nowak, Freitag, 04. November 2011, 20:04 Uhr

@)94) John Stuart,

Die EZB kauft jetzt schon in unbegrenzter Menge marode Staatsanleihen aus (fast) allen Himmelsrichtungen auf. Ergo, die Druckerpressen werden jetzt schon ordentlich bemüht. Warten wir´s ab, was innerhalb der nächsten Jahre mit den Preisen passiert. Allerdings, zu hoffen bleibt, daß das Warenangebot sich nicht verknappen wird. Momentan scheint es so zu sein, daß das Warenangebot sich noch vergrössern lässt. Noch können die Fabriken mühlelos ihre Produktion aufstocken.

9) Remling, Freitag, 04. November 2011, 23:02 Uhr

Hat sich ja nu erledigt. Dermokratie ist ein Auslaufmodell. Wo kämen wir in EuroZeiten hin, wenn ein Volk über sich selbst entscheiden könnte? ich sehe schwarz für meines Sohnes Zukunft. Bin dankbar für mögliche Asylländervorschläge.

10) micha, Samstag, 05. November 2011, 01:15 Uhr

„Denn kein europäisches oder anderes Volk der Welt hat den Griechen ein so weitreichendes Mandat erteilt.“

und wer hat den banken das mandat erteilt, milliarden in den sand zu setzen?

wahrscheinlich all die regierungen, die in den letzten 10 jahren nach dem motto „too big to fail“ alle spekulationsverluste an ihre eigene bevölkerung verteilt haben.

11) JG, Samstag, 05. November 2011, 02:32 Uhr

Am besten auf den Punkt gebracht hat es für mich (wieder einmal) die „Titanic“, auf deren Website (http://www.titanic-magazin.de) „enthüllt“ wird, wofür sich die Griechen bei einem Referendum hätten entscheiden dürfen. Entweder:

Griechenland sollte den Euro-Rettungsschirm annehmen, auch wenn das bedeutet, daß das ganze Volk in bitterer Armut versinkt, mit Ausnahme einiger führender Politiker und Schwerreicher.

Oder:

Griechenland sollte den Euro-Rettungsschirm ablehnen, auch wenn das bedeutet, daß das ganze Volk in bitterer Armut versinkt, mit Ausnahme einiger führender Politiker und Schwerreicher.

12) Günter Springer, Samstag, 05. November 2011, 09:04 Uhr

105) Remling
Vorschlag: versuchs mal mit den nordischen Ländern!
Warum sind diese Länder eigentlich zu vielen und den gegenwärtigen Ereignissen so ruhig?

13) sk8erBLN, Samstag, 05. November 2011, 11:20 Uhr

@ 99) Mark, Freitag, 04. November 2011, 12:25 Uhr

Na was wir gerade erleben ist doch die Erosion der politischen Legitimation wegen dieser nicht gelösten Wirtschaftskrise. Da gibts zwar auch weitere Gründe aber der genannte ist für die Politiker so bedrohlich dass nun selbst Teile der Union und FDP für sich sowas wie die Legitimation der Politik durch das Volk sehen.

Zum Welt Artikel. Ich komme da zu anderen Schlussfolgerungen als Sie. Die Frage die sich mir vorrangig stellt ist die, weshalb die Medien die beispielhaft in meinem Link genannt sind sich für diese Art gefährlichen Populismus hergeben. Die verfolgte Strategie ist in meinen Augen dabei einzig die, on den wahren Verantwortlichekeiten abzulenken. Das Problem sind nämlich nicht die Griechen sondern die Finanzoligarchie. Wenn es die von vielen geforderte Volksentscheidung geben sollte müsste die Fragestellung IMHO nur dahin gehen „ob die Strukturen der uns beherrschenden Finanzoligarchie umgehend und nachhaltig zerschlagen werden müssen.“ Wenn ich lese, dass griechische Familien in ihrer konkreten Not inzwischen händeringend versuchen ihre eigenen Kinder in SOS Kinderdörfern unterzubringen, damit sie wenigstens genug zu Essen haben, macht das Eindeutig klar, dass es nicht darum gehen kann bei der „Rettung Griechenlands“ noch mehr aus ihnen herauszupressen als bereits geschehen. Ich bin fast verblüfft, dass das griechische Volk dabei noch so relativ ruhig bleibt.

Was zur Hölle hindert uns, die Menschen, daran das in der Schweiz „schwer arbeitende Geld“ dass dem griechischen Staat und damit den 99% vorenthalten wurde von jenem 1 % Schmarotzer zurückzuholen. Wir sprechen dabei über ein Vermögen dass geeignet ist, die Gesamtschuld Griechenlands zu tilgen?
Was haben denn die Griechen davon demnächst wieder wählen zu dürfen? Weder die Pasok noch diese Neo Konservativen werden den Vorschlag aufgreifen und dafür sorgen dass das Geld der 1 % wieder den 99% der Griechen zurückkommt aus CH. Beide Parteien werden erklären die Maßnahmen seien TINA (there is no alternative). Man könnte auch Sagen sie haben die Wahl zwischen Pest und Cholera.

in der Frankfurter Rundschau gibt es ein lesenwertes Essay:

Das Dilemma ist: Die westlichen Staaten müssen und wollen ihre demokratischen Prinzipien wahren, erfahren aber schmerzlich, dass damit die aktuelle Lage nicht mehr regiert werden kann. Es ist eine Krise der Demokratie, die aus ihrem Inneren kommt: Das Volk als ihr Souverän ist kein berechenbares Prinzip. Doch Unberechenbarkeit stellt momentan die größte Gefahr dar. Man kann sich Demokratie nicht mehr leisten.

Helmut Schmidt, der Altkanzler, hat kürzlich gesagt, jede Demokratie mache Fehler, aber bis jetzt seien Demokraten mit den Problemen einer Gesellschaft besser fertig geworden als die Herren Ulbricht oder Stalin. Das heißt, nur noch darauf hoffen zu können, dass auch weiterhin gutgehen wird, was in der Vergangenheit gutging. Es bleibt dann nur das Vertrauen, dass die demokratischen Institutionen und ihre repräsentativen Vertreter zum Beispiel der Finanzkrise gewachsen sind. Genau dieses Vertrauen ist jedoch verloren.

Nun ist es soweit: Die Demokratie stellt sich selbst in Frage. Es gilt, natürlich, das Grundgesetz, es wachen die Gerichte über die demokratischen Prinzipien. Aber die Politik agiert an ihnen vorbei, notgedrungen. Damit wird die Demokratie zersetzt, wenn auch nicht aus demokratiefeindlichen Gründen. Die Ursache sind jene konkreten Probleme der EU-Erweiterung oder Finanzmärkte, die pragmatisch gelöst werden wollen. Und pragmatisch heißt hier: nicht demokratisch.

Das ist gefährlich, ja. Aber es ist auch das Beste, was der westlichen Demokratie passieren konnte. Wirklich gefährlich wird es nämlich für eine Gesellschaft vor allem dann, wenn das gemeinsame Nachdenken über Auswege aus einer Krise von vornherein durch ein Tabu verstellt ist.

Denn Demokratie lässt ihren Bürgern Freiheit, sie hütet die Grundrechte, sie will für Gerechtigkeit sorgen. Doch zusehends scheitert sie an diesem ihrem eigenen Anspruch.

Demokratie hört auf, wenn ihr Ideal erreicht ist

Die Demokratie will ja, als Gesellschaftsform, die Interessen der Mehrheit sichern, um – dem Ideal nach – allen ein gutes gemeinsames Leben zu ermöglichen. Das Paradox ist: Demokratie hört auf, wenn dieses Ideal erreicht ist. Sie hört aber auch auf, wenn dieses Ideal beschädigt wird. In dieser Situation befindet sie sich jetzt.

Als Regierungsform kommt die westliche Demokratie an ihre Grenzen, wenn sie nicht mehr das leisten kann, wozu sie erfunden wurde: die Interessen der Vielen statt die Einzelner zu sichern und dem Volk so ein gutes Leben zu versprechen.

http://www.fr-online.de/kultur/essay-wir-sind-zunaechst-am-ende,1472786,11103754,item,0.html

Die Frage ob wir uns Demokratie nicht mehr leisten können bedarf einer gesellschaftlichen Diskussion. Die wird so wenig geführt wie an der wirklich Zerschlagung der Finanzoligarchie nicht gearbeitet wird.

14) sk8erBLN, Samstag, 05. November 2011, 11:30 Uhr

Der Französische Think-Tank LEAP schaut in die uns erwartende Zukunft. :

Gleichzeitig hat sich 2011 allgemein in den öffentlichen Meinungen die Erkenntnis durchgesetzt, dass alles, was zu tun ist, noch zu tun bleibt. Die Zukünfte werden jetzt geöffnet . Somit besteht ab 2012/2013 für ein bis zwei Jahre ein „window of opportunity“, wenn die Menschen von den Folgen der Krise genügend erschöpft sind, und genügend entsetzt sind über die Ineffizienz und den Dilettantismus der politischen und ökonomischen Funktionseliten und ihre getroffenen Krisenmaßnahmen. Wenn sich bei den Menschen ab 2012/2013 der Eindruck festsetzen wird, daß mit den beschlossenen Maßnahmen wieder nur lediglich Partikularinteressen bedient werden
sollen, wird die Stimmung radikal umkippen und in Unruhen und Protesten münden, um die Funktionseliten mit allen Mitteln von den Hebeln der Macht zu vertreiben.

Betroffen sind Milliarden Menschen aus unterschiedlichsten politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Systemen. Die laufende Transformation kann nur erfolgreich gelingen, wenn die Maßnahmen präzise und eng gesteckte Ziele anvisieren, die jeder versteht. Vereinfacht gesagt geht es darum, daß die Grundlagen für ein neues System kurzfristig gelegt und die Bomben des alten Systems entschärft werden.

Eines der nächsten Steps wird ein neues Weltwährungssystem sein, das auf der Realwirtschaft aufbaut Agierendes Zentrum werden die Euroländer, die BRICS-Staaten und weitere Schwellenländer sein. Die USA und Großbritannien werden 2012 im kommenden Jahr jegliche Fähigkeit einbüßen, ein solches Transformations-Vorhaben zu verhindern, denn deren eigene prekäre Lage kann dann auch nicht mehr in den faulenden Überresten des alten Systems Kapitalismus verbessert werden können.

http://www.leap2020.eu/attachment/301968/ (PDF)

15) Mark, Samstag, 05. November 2011, 11:31 Uhr

@ 103) Peter Christian Nowak, Freitag, 04. November 2011, 19:44 Uhr

> 1. Griechen rausschmeißen.
> 2. Europa und der Euro sind Mist.
> 3. Europa ist gut, nur der Kapitalismus ist `shit.´
> 4. Europa ist gut, nur der Euro ist Mist.
> Frage an die Gemeinde: Was ist nun richtig?

Hmmmm. Europa als Kontinent ist doch super. Wie kann das sh*t sein? Geht nicht. Die EU in ihrer heutigen Ausprägung als diktatorisches Zentralgestirn (demokratisch nicht hinreichend legitimiert) ist aber abzulehnen, solange demokratische Mindeststandards nicht eingehalten werden (z.B. die Regel „One Man – One Vote“. Von den vielen unsinnigen Regulierungen will ich gar nicht erst anfangen (Gurken, Glühbirnen). Weg damit!

Und der Euro? Wurde falsch konzipiert und wird deshalb über kurz oder lang kläglich scheitern, so wie bisher jeder zwanghaft aufoktroierter Zusammenhalt zusammenbrach (Jugoslawien, UdSSR, römisches Reich). Auch eine Transferunion wird es nicht geben, zumindest wird sie nicht von langer Dauer sein, denn wie soll etwas im Großen funktionieren, das im Kleinen (BRD mit Länderfinanzausgleich) schon nur schlecht funktioniert? Eben.

Somit ist meine Wahl ganz klar Nr. 2, wenn’s umformuliert würde: „EU und der Euro sind Mist“

In zehn Jahren werden wir nicht mehr mit dem Euro bezahlen. Ich gehe davon aus, dass die Rückkehr zu nationalen Währungen schon früher stattfindet, so in zwei, drei Jahren. die wirtschaftliche Realität zeigt einfach, dass es ohne nicht gehen KANN. Die „Nehmerländer“ begehren gegen die radikalen Sparmaßnahmen auf und den Wegfall ihrer Demokratie (Volksabstimmung? Hahaha!); die Geberländer rebellieren gegen das Verschenken ihres Wohlstandes (und die folgenden Sparmaßnamen, um eben das zu erreichen) und den Wegfall ihrer Demokratie.

Und so entpuppt sich die EU und der Euro als das, was sie sind: Feuchte Träume machtbesessener Anti-Demokraten, die sich nicht eingestehen wollen, dass sie letztlich vieles falsch gemacht haben, ja man möchte fast sagen: vieles FATAL falsch gemacht haben! Und das nur, um in irgendwelchen Geschichtsbüchern als Helden und Visionäre einzugehen und so ihrem (in kosmischen Maßstäben gemessenem) lächerlichen Leben den Hauch einer Bedeutung zu geben. Oder, was noch schlimmer wäre, um einfach nur persönliche Vorteile aus der von ihnen „gestalteten“ Politik zu ziehen, z.B. durch eine schicken Vorruhestand im Brüsseler Endlager für Politiker.

Widerlich.

16) sk8erBLN, Samstag, 05. November 2011, 11:39 Uhr

und hier noch eine Nachricht die die Finanzmärkte als nächstes höchst nervös machen dürfte, auch wenn der Bunga Bunga König faselt:
„Silvio Berlusconi insisted that both the economy and government were „solid“. He said he had even turned down an offer of funding from the IMF. “
http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/8871481/Markets-fall-on-G20-indecision-but-Greek-PM-wins-confidence-vote.html

„Italy denies agreeing to IMF monitoring“

(ANSA) – Rome, November 4 – Government sources on Friday denied reports that Italy had agreed to let the IMF monitor its implementation of reforms designed to boost economic growth and cut the country’s massive debt.

Media reports had said Premier Silvio Berlusconi, who is under intense pressure to resign with his majority in parliament crumbling and the country facing a possible financial calamity, agreed to the monitoring overnight at the G20 summit in Cannes.

But government sources said that, while Italy was willing to ask for advice from the IMF and the European Commission on its reform package, there would be no monitoring.“

http://www.ansa.it/web/notizie/rubriche/english/2011/11/04/visualizza_new.html_643879086.html

17) romeias47, Samstag, 05. November 2011, 11:40 Uhr

103) Peter Christian Nowak, Freitag, 04. November 2011, 19:44 Uhr

Sie haben vergessen:

5) Die Idee EUROpa ist super, aber die Ausführung ist shit.

Meine Lösungsvorschläge:

+ Zur neuen Ausbalancierung der Kurse gibt es für ein Jahr den landesbezogenen Euro: also D-Euro, F-Euro (Frankreich), Hellas-Euro (Griechenland, Greuro klingt nicht gut)) etc. Konklave für die Ausarbeitung eines EU-Vortrages, der Sanktionen und Ausstiegszenarien sowie „fühlbare“ direktdemokratische Elemente vorsieht.

+ Islam for Europe (Zins- und Alkoholverbot- no Ouzo anymore).

+ Prof. Bernd Raffelhüschen, Volks- und Finanzwissenschaftler mit Schlagzeilen-Potenzial, veranstaltet auf Santorin Coaching-Seminare für die dort vor sich hinsiechenden reichen und schönen Griechen und vermittelt ihnen, dass es jenseits von 5000 Euro Monatseinkommen keinen Zugewinn an „gefühltem Glück“ gibt – sie könnten also ohne Schmerzen Steuern (nach)zahlen, sogar große Teile ihres Vermögens für soziale Zwecke spenden. Gegenleistung: der für alle Zeiten in Marmor geritzte Name oder Patenschaft für Athener Plätze und Straßen.

Sorry, nachdem nun wieder alles auf Anfang steht – Papandreou Regierungschef, Opposition verweigert sich und fordert Neuwahlen – bleibt mir nur noch die Flucht in den Sarkasmus.

18) Mark, Samstag, 05. November 2011, 13:27 Uhr

@ 113) romeias47, Samstag, 05. November 2011, 11:40 Uhr

> F-Euro (Frankreich)

Naja, Feuro klingt für uns Deutsche auch, hmmm, sehr realistisch, denn es erinnert an „Feuer“. Feuer, in dem unsere Euros verbrennen.

Feurio!

😉

19) Peter Christian Nowak, Samstag, 05. November 2011, 17:27 Uhr

@113) romeias47,@
111) Mark,

OK, einverstanden! Aber ich möchte zu bedenken geben, daß wir Europäer schon noch darauf schauen müssen, was die in Brüssel tun. Ich bin nicht damit einverstanden, daß der Lobbyismus dort dermaßen wuchert, daß hier unbedingt die Bremse reingehauen werden muss. Es geht sicherlich da um viele Dinge, wie z.B. die Zulassung gentechnisch veränderter Lebensmittel, die weitereTierquälerei in der Massentierhaltung (z.B.Käfighühner). Hier werden Gestze unterlaufen. Und solange sich Brüssel solche Dreistigkeiten, solche Rücksichtslosigkeiten gegen Tier wie Mensch erlaubt, solange nehme ich mir das Recht, Europa mit harter Skepsis zu beobachten. Ich habe bisher nur wenig Positives in der Umsetzung des europäischen Gedankens gesehen. Aber ich habe viel Friedensheuchelei, Gemeinsamkeitsheuchelei aus den Taten Brüssels gelesen. Das erzeugt in vielen Köpfen Europas Missstimmung.
Wenn Europa sinnvoll sein soll, sind wir als Bürger angesprochen hier auch knallharte Grenzen denen zu setzen, die meinen, sie könnten Europa und ihre Bürger ihren Interessen unterordnen. Daher könnten sie tun und lassen was sie wollen, die Bürger hätten sowieso kein Eingriffsmöglichkeit in die Politik, die im Wesentlichen von Lobbyisten bestimmt wird. Wir als Bürger sind aufgerunfen diesem Treiben ein Ende zu setzen. Ja, ich frage, wer sollte es sonst tun? Hier sind wir Bürger in der Bringschuld uns zu engagieren. Nur wenn die Interessen der Bürger auch in Brüssel ernst genommen werden, wird Europa ein Europa der Bürger, nicht der Partikularinteressen der Finanzwirtschaft oder von Konzernen, wie Monsanto und anderen.
Also los, packen wir´s an!
http://www.rbb-online.de/kontraste/

http://www.rbb-online.de/kontraste/

20) sk8erBLN, Samstag, 05. November 2011, 21:31 Uhr

und es wird immer besser. Nicht nur dass die Insolvenzverschleppung in Griechenland fortgesetzt wird, nein, man hat trickreich neues ersonnen:

Euro-Retter wollen an Goldschatz der Bundesbank
Paris und Berlin wollen nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Unabhängigkeit der Bundesbank untergraben. Mithilfe der Goldreserven der Bank soll die Haftung Deutschlands in der Schuldenkrise um mehr als 15 Milliarden Euro erhöht werden.
Die Regierungen von Frankreich und Deutschland planen einen Angriff auf die Unabhängigkeit der deutschen Bundesbank. Ziel sind deren in Jahrzehnten aufgebauten Gold- und Devisenreserven. Dies berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise des G-20-Gipfels in Cannes.
Wie die F.A.S. weiter schreibt soll auf diese Weise unter Umgehung des Bundestages die Haftung Deutschlands in der Staatsschuldenkrise noch einmal um mehr als 15 Milliarden Euro erhöht werden.

Die Gold- und Währungsreserven der Bundesbank sind Eigentum der deutschen Bürger; sie werden von der Bundesbank nur verwaltet. Vorgesehen ist offenbar, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) des Goldschatzes bemächtigt. Unter den in Cannes versammelten Staats- und Regierungschefs wurde darüber beraten, das System der Europäischen Zentralbanken mit seinen Devisenreserven von insgesamt 50 bis 60 Milliarden in Form von Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds (IWF) an eine Zweckgesellschaft des europäischen Krisenfonds zu verpfänden.

Als Erfüllungsgehilfin hat sich die Europäische Zentralbank (EZB) den Staats- und Regierungschefs angedient, um die deutschen Reserven für den Euro zu opfern. Offenbar wurden bereits politischen Vorschläge ausgearbeitet. Die Bundesbank beharrt darauf, dass die Sonderziehungsrechte ihr gehören.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/schuldenkrise-euro-retter-wollen-an-goldschatz-der-bundesbank-11518707.html

Das hat ja was, ob man da von der Gründung einer kriminellen Vereinigung sprechen kann?

Und gleich noch eine hübsche Nachricht, das kommt jetzt aber wirklich ganz überraschend *ironiemodus aus* :

Reallöhne der Deutschen
Die Löhne sinken trotz Aufschwung
Die Reallöhne der Arbeitnehmer sinken weiter. Trotz Aufschwung und Klagen über Fachkräftemangel sind die Lohnsteigerungen deutlich hinter der Inflation zurückgeblieben, berichtet die F.A.S.

Doch jetzt wird klar: Selbst nach den Aufschwungjahren können die meisten Lohnerhöhungen immer noch nicht die Inflation ausgleichen. Eine noch unveröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass die Reallöhne der Deutschen in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesunken sind. Auch die vergangenen zwei Aufschwungjahre haben den Trend nicht gedreht.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/realloehne-der-deutschen-die-loehne-sinken-trotz-aufschwung-11518759.html

Hauptsache die Party für das 1 % geht fröhlich weiter, die 99 % müssen leider dabei auf der Strecke bleiben, das ist so gewollt.

Ich sag nur OCCUPY EVERYTHING, nicht nur die Wallstreet.

21) Oliver, Samstag, 05. November 2011, 23:56 Uhr

Lieber Herr Spreng,

wie stellen Sie sich vor, dass Griechenland das nicht entscheide? Sollen Deutschland und Frankreich Griechenland vorschreiben, was es unter welchen Bedingungen anzunehmen hat?
Und was Abstimmungen angeht, so muss man sich fragen, wie das gehen soll. Griechenland hätte die nächste reguläre Wahl 2013. Selbst nach der optimistische Prognose wird bis dahin die Wirtschaft dauernd weiterschrumpfen. Es wird bei der nächsten Wahl kein anderes Thema geben. Solch eine Abstimmung kann man nicht mehr verhindern.

22) EStz, Sonntag, 06. November 2011, 09:08 Uhr

@ 102) Günter Springer, Freitag, 04. November 2011, 15:24 Uhr

Ich denke Merkel und Sarkozi übernehmen sich ungeheuerlich in dieser Sache.
Auch kommt die Frage auf: wer ist Quertreiber, wer der Retter?
Kann man jemanden retten, den man ständig in den Hintern tritt?
Da bin ich mir sehr im Zweifel….!
________________________________________________

Ich stimme zu. Es rächt sich jetzt bitterlich, dass Frau Merkel zu Beginn dieser Geschichte versucht hat, selbige auszusitzen. Sie hat schnell erforderliche, dringend benötigte Entscheidungen nicht getroffen und damit die Situation extrem verschärft. Das versucht sie nun, wettzumachen. Dass Sie und Sarkozy dabei glauben, die Entscheidungen vorgeben zu können, denen Europa dann hinterherhumpelt bzw. sich fügt, kann nicht funktionieren.

Relevante, die Krise hemmende Lösungen wurden dennoch nicht gefunden, und bis dahin wird bezahlt, bezahlt, bezahlt, bis Europa kaputt ist. Absehbar ist: All das geht zu Lasten zukünftiger Ausbildung, zukünftiger Renten, zukünftiger Gesundheitsvorsorge, und dringend erforderlichen infrastrukturellen Maßnahmen (das verfallende Straßennetz oder die in vielen Bereichen marode Kanalisation sind ja nur der Anfang).

Die Titanic (Danke an 107) JG für das schöne Zitat) hat recht. Und es wird die Griechen nicht trösten, dass ihnen auf diesem Weg der Rest Europas dichter auf den Fersen ist, als die meisten Glauben bzw. hoffen.

23) EStz, Sonntag, 06. November 2011, 09:16 Uhr

91) sk8erBLN, Donnerstag, 03. November 2011, 20:30 Uhr

Papandreu hat schon vor langer Zeit auch seine europäischen Kollegen darauf eingestimmt, dass die harten Maßnahmen per Volksentscheid abgesegnet werden müssen (einen Zeitpunkt hat er aber nicht genannt dafür). Dass Merkel & Co nun so überrascht sind, liegt vielleicht an eigenem mangelnden Demokratie-Verständnis. Ist jedenfalls ideal, um den „Schwarzen Peter“ wieder in die „richtige“ Ecke zu spielen.

24) EStz, Sonntag, 06. November 2011, 09:19 Uhr

@ 98) Frankilein66, Freitag, 04. November 2011, 11:57 Uhr

> Glauben sie nur nicht, dass sie der einzige Besserwisser in diesem Blog sind!

Ich weiß jetzt, dass es mindestens zwei gibt.

25) Mark, Sonntag, 06. November 2011, 11:14 Uhr

@ 115) Peter Christian Nowak, Samstag, 05. November 2011, 17:27 Uhr

> ich möchte zu bedenken geben, daß wir Europäer schon noch darauf
> schauen müssen, was die in Brüssel tun. Ich bin nicht damit einverstanden,
> daß der Lobbyismus dort dermaßen wuchert
[…]
> Also los, packen wir´s an!

Sie predigen (leider) dem Falschen! Wie gesagt, Euro und EU gehören in den Mülleimer der Geschichte zumindest solange, wie es sich um diese EU handelt, die mangelhaft demokratisch legitimiert über unser aller Köpfe hinweg entscheidet, gegen unsere Interessen.

Ach, was sehne ich mich nach den glücklichen Schweizer Zuständen. Ja, die Schweizer sind ein schwieriges Volk, und auch ein wenig spießig, aber sie sind FREI. Frei, ihre Meinung zu sagen, frei, ihre Regierung in die Schranken zu verweisen und im Sinne der Bevölkerung zu handeln. Sie werden nie und nimmer dem EU-Irrsinn beitreten. Eher arbeiten sie einen eigenen (schmerzvollen) Weg aus der sich anbahnenden Krise heraus.

Ja, ich wär‘ gerne ein Schweizer. Die machen’s richtig. (Deshalb sind sie der EU auch ein echter Dorn im Auge.)

26) Uhupardo, Sonntag, 06. November 2011, 17:12 Uhr

Schon erstaunlich, was Sie nicht verstehen, Herr Spreng! Wie es scheint, sind Sie im gestern stecken geblieben, verstünden plötzlich das Wort Demokratie nicht mehr und hätten jede Dimension verloren. Da hat man Sie wohl überschätzt! Richtig geschrieben eine Ent-Täuschung.

Saludos del Uhupardo
http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/03/griechenland-ist-unwichtig-der-tag-nach-dem-crash/

27) Fassmann, Montag, 07. November 2011, 12:28 Uhr

@ Uhupardo, was ich ja auch schon laenger sage, rein mental hat der seine Bonner Republik und den kalten Krieg nie verlassen…….

28) Carsten Otto, Montag, 07. November 2011, 12:55 Uhr

Ohne die vielfältigen Bilanzfälschungen, wären sie nie in den Euroraum gekommen! Damit beschäftigt sich auch mein neuer Blog-Eintrag! Wie konnte Griechenland die EU und die EZB täuschen? Ihre Bilanz fälschen? Mehr dazu unter: http://www.roter-beisser.com

29) sk8erBLN, Montag, 07. November 2011, 19:11 Uhr

Na das kommt ja jetzt wirklich total überraschend! Damit konnte man ja wirklich nicht rechnen, siehe meine Beiträge von vor ein paar Tagen:-P 😛

„Investoren verschmähen neue Euro-Papiere
07.11.2011, 17:53

Der Rettungsfonds EFSF, der die Zukunft der Gemeinschaftswährung sichern soll, wird selbst zum Pflegefall. Die EU sucht vergeblich nach Käufern, vielen Investoren ist der Fonds mittlerweile zu kompliziert – und in den Hinterzimmern munkeln die Bonitätswächter bereits über einen Entzug des Spitzenratings.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schlechter-start-fuer-den-rettungsfonds-investoren-verschmaehen-neue-euro-papiere-1.1183215

Und nun Frau Merkozy???

30) sk8erBLN, Montag, 07. November 2011, 19:27 Uhr

@ 119) EStz, Sonntag, 06. November 2011, 09:16 Uhr

ja, das wusste ich, der Zeitpunkt war in der Tat offen dabei und ich glaube auch dass Papandreou ihn selbst nicht weit vorher wusste. Treurig zu sehen was für eine Showveranstaltung daraus wurde. Das mit dem „mangelnden Demokratie-Verständnis“ zieht sich endemisch durch diverse Länder und Regierungen. Ich rechne durchaus damit dass es demnächst deshalb noch richtig knallt.

Die Art und Weise inkompetenter Selbstherrlichkeit diverser Regierender dürfte die Völker in verschiedenen Ländern sehr erzürnen.

@ all

Nachdem es nun doch nicht ums Gold geht läutet das Alarmglöckchen der FAZ/FAS erneut:

Eurokrise
Jetzt die Notenpresse

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/eurokrise-jetzt-die-notenpresse-11520066.html

31) nurmalso, Freitag, 11. November 2011, 00:25 Uhr

so, abgesehen von der frage, ob die (nun schon wieder abgeblasene) volksabstimmung und der darauf aufbauenden papierdrache des herrn spreng clever waren oder nicht – um es mal mit den worten dieses deutsch-griechischen journalisten aus der letzten anne will sendung zu sagen: sie können eine entscheidung (und sei so noch so legal getroffen worden) nicht gegen die mehrheit der bevölkerung durchsetzen. wenn sie wie bei stuttgart21 einer 80jährigen frau tränengas in die augen sprühen müssen, um ihren entschluss durchzusetzen, stimmt etwas nicht.

ebenso ist es sinnlos, den griechen ein mehr als drastisches sparprogramm aufzudrücken, wenn sie nicht mitmachen. bei wem will man denn sparen, wenn das land einfach in anarchie versinkt oder den massenexodus vorbereitet?
diese abstimmung ist bei allen dahintersteckenden winkelzügen im kern der einzig gangbare weg.

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