Mittwoch, 23. November 2011, 18:00 Uhr

Immer noch auf Droge

Kommt er wieder? Kommt er nicht wieder? Kommt er wieder? Wie beim Gänseblümchen-Abzählvers kreist die Medienwelt wieder um Karl Theodor zu Guttenberg. Kein Politiker, genauer gesagt, kein Ex-Politiker regt die Phantasie der Medien und offenbar auch der Wähler so an wie der gescheiterte Polititstar.

Es scheint tatsächlich die Inszenierung eines Guttenberg-Comebacks zu geben. Oder zumindest einen Testlauf, ob ein Comeback möglich wäre. Erst der ungegelte Auftritt in Halifax, dann die Ankündigung des Interviewbuches „Vorerst gescheitert“, Betonung auf vorerst, und jetzt die ihm sicher schon bekannte Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen.

Allerdings muss sich der Plagiator mit einer Einstellung 2. Klasse zufrieden geben. Nur deshalb, weil er keine illegitimen wirtschaftlichen Vorteile aus seiner Doktorarbeit gezogen hat, bleibt ihm gegen 20.000 Euro für die Kinderkrebshilfe das Strafverfahren erspart. Gleichzeitig aber stellte die Staatsanwaltschaft 23 strafrechtlich relevante Verstöße gegen das Urheberecht fest.

Das Ganze ist wieder typisch Guttenberg. Er kann die Füße nicht stillhalten und prescht nur acht Monate nach dem Skandal zu früh wieder ins Rampenlicht. Der Medienentzug hat nicht geklappt, er ist offenbar immer noch auf Droge. Das Buch wird wenigstens  zeigen, ob er inzwischen zu schonungsloser Offenheit sich selbst gegenüber und zur Demut bereit ist. Und ob er aus seinem Sturz etwas gelernt hat.  Ohne diese Einsicht gibt’s ohnehin kein Comeback.

Und wenn schon über seiner Comeback spekuliert wird, wohin soll es ihn denn führen? Maximal 2013 auf die hinteren bis mittleren Abgeordnetenbänke des Bundestages oder bayerischen Landtages, wenn ihn sein Wahlkreis Kulmbach nominiert. In beiden Fällen möglicherweise sogar auf die Oppositionsbänke. Mehr ist nicht drin. Weder ruft Angela Merkel nach ihm noch Horst Seehofer, der nur noch pflichtschuldig zur Loyalität bereit ist.

In Bayern sind die Pfründe längst verteilt: mit dem neuen Finanzminister Markus Söder hat sich ein ehrgeiziger Mann in der Nachfolgespur von Horst Seehofer festgekrallt.

Wenn zu Guttenberg klug gewesen wäre, hätte er gewartet, bis die Wunde des Skandals vernarbt ist. Jetzt reißt er sie mit seiner Ungeduld wieder auf. Wer ihm dazu geraten hat, hat ihm keinen Gefallen getan. Es kann auch die Inszenierung eines gescheiterten Comebacks werden.

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61 Kommentare

1) Benjamin, Freitag, 25. November 2011, 14:25 Uhr

Das Kalkül Guttenbergs ist ja zu durchschauen. Doch das Buch wird sich blendend verkaufen (siehe Amazon Ranking – und es ist noch nicht einmal erschienen). Ebenso wird wieder über ihn diskutiert, wenngleich nicht sehr positiv; das Gute an der Sache ist, dass dies von der linksliberalen Presse bis zur konservativen FAZ eher kritisch betrachtet wird. Die neuesten Aussagen aus dem Interview schmecken nun auch der CSU nicht mehr so gut (außer in seinem Heimatort), zumal Söder und andere sich positioniert haben. Aber warten wir es mal ab, vielleicht verbrennt er sich auch sehr schnell die Finger mit seiner Comeback-Operation. Wer auf den Inhalt statt auf die Verpackung schaut merkt ohnehin schnell, wie wenig Substanz bei Guttenberg war. Da lobe ich mir wirklich jemanden wie Thomas de Maizière, der sachlich ist und fachlich sich gut einarbeitet (so bereits als Innenminister). Der Blenderfaktor wird dann höchstens noch von BILD etc. hochgehalten,

2) Michael, Freitag, 25. November 2011, 17:46 Uhr

„Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“
http://www.youtube.com/watch?v=YLlSP1FzyuA

Obwohl das Bundesverfassungsgericht urteilte, dass Sitzblockaden nicht den Tatbestand von Nötigung erfüllen, erhielten Gegner von Stuttgart 21 Strafbefehle. Es kam auch zu Prozessen, da Widerspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt wurde. Jüngst wurde in Schleswig-Holstein der Spitzenkandidat der SPD mit einer Torte beworfen. Ob das Ermittlungverfahren gegen eine Spende an einen Obdachlosenverein eingestellt wird? Das öffentliche Interesse wurde im Fall Kohl auch geheilt. Der Einheitskanzler bekam für sein Ehrenwort (Verfassungsbruch) nicht nur Applaus von Vertretern der Elite, sondern auch Geld zur Begleichung des Schadens. Sind diese Spenden steuerlich absetzbar?

3) Peter Christian Nowak, Freitag, 25. November 2011, 19:15 Uhr

40) sk8erBLN,

^^An seiner Seite werden mit Thilo Sarrazin, Hans-Olaf Henkel und Friedrich Merz weitere Sympathieträger mit höchster Wirtschaftskompetenz für frischen Wind in der Parteienlandschaft sorgen.^^
und
^^Der Tatbestand des Fürdummverkaufens^^

Darum geht´s: Fürdummverkaufen. Nur Dumme lassen sich so etwas mit sich machen. Nur Dumme lassen sich für dumm verkaufen. Aber ich traue das Mitsichmachenlassen gerade aus bestimmten Reihen des Wohlfühlbürgertums durchaus zu. Wenn es solche Leute wie Sarrazin, der nicht gerade der Hellste ist, das geschaftt hat, Menschen in die Irre zu führen, warum dann nicht dieser Guttenberg. Die Mischung Sarrazin, Henkel und Merz…davon träumen doch viele Bürgerliche…dieser Mix entspricht doch ihrer Vorstellung vom frischen Wind. — Deutschland, wohin gehst Du?

4) sk8erBLN, Freitag, 25. November 2011, 19:38 Uhr

Meinungsbild:

Tagesschau.de:
Sollte zu Guttenberg in die Politik zurückkehren?
a, Guttenberg sollte jetzt in die deutsche Politik zurückkehren.5029 = 11.2%

Guttenberg sollte zurückkehren, aber erst später.4178 = 9.3%

Nein, Guttenberg sollte nicht in die Politik zurückkehren. 35457 = 78.7%
Stimmen gesamt 45046
http://www.tagesschau.de/inland/guttenbergrueckkehr100.html

Lt. BLÖD:
42 Prozent halten nichts von Guttenberg-Comeback

Berlin/München (dpa) – Eine knappe Mehrheit steht einem möglichen Comeback-Versuch von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nach einer neuen Umfrage ablehnend gegenüber.
42,2 Prozent fänden eine neuerliche Bundestags-Kandidatur nicht gut, wie die «Bild»-Zeitung (Samstag) meldet. Das Lager der Guttenberg-Anhänger ist aber auch nach dem Sturz über die Plagiats-Affäre noch groß: 40,3 Prozent seien für eine Kandidatur bei der Bundestagswahl 2013, ermittelte das Umfrage-Institut YouGov für die Zeitung. Gut 17 Prozent sagten, ihnen sei eine Kandidatur Guttenberg gleichgültig.
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1240699

Damit polarisiert diese Gestalt immer noch so wie kurz vor seinem Sturz im Frühjahr. Damals:

46 Prozent halten Guttenberg nach wie vor für kanzlertauglich, ergab eine Umfrage des Instituts TNS Emnid für das Magazin „Focus“. 45 Prozent meinen, er eigne sich nicht mehr dafür.
http://www.fr-online.de/politik/meinungs-umfragen-guttenberg-verliert-rueckhalt,1472596,7413196.html

@ 43) gabriele, Freitag, 25. November 2011, 09:33 Uhr

Aber natürlich kommt der wieder….
das BILDungsbürgertum wird ja gerade wieder darauf eingenordet, wie man sieht.

Wir werden wohl oder übel noch was vom ex-Gelköpfchen hören, Menschen mit dieser Psyche und Charakter können nicht anders als sich immer wieder selbst zu inszenieren um im Rampenlicht zu stehen. Ob bei der CSU halte ich allerdings für fraglich.

5) Andronico, Freitag, 25. November 2011, 23:32 Uhr

„Die Krankheit aller Politiker ist der Minderwertigkeitskomplex“

Das scheint mir auch bei KTG der Fall zu sein. Es ist offenbar, dass sein selbstbewußtes Auftreten nur ein Rolle ist, eine Maske, von der er denkt, dass sie ein zu Guttenberg so tragen muss. Wenn man schon den Erwartungen eines Names gerecht werden zu müssen glaubt. Wenn der Vater was von Familienehre, die wiederhergestellt werden muss, faselt (was für ein Blödsinn). Welche Option bleibt da einem Mann, der, wie seine Noten in Schule und Studium belegen, offenbar gutes Mittelmaß ist (was ansich wunderbar ist – ich liebe das Mittelmaß, ich gehöre auch bestenfalls zum MIttelmaß – aber man muss es auch leben dürfen), der es aber nicht sein darf oder will, sondern gedrängt wird, was Besonderes sein zu müssen. Wie kann er da sich selber anerkennen, sich selber lieben. Freude an sich haben und sich genug sein, so wie er wirklich ist, ohne seine Maske, ohne Doktor, ohne Medien, die ihn anhimmeln, ohne „Amt und Würde“.

Nein, er muss ja ein Guttenberg sein, seinen „großen Ahnen“ nachfolgen, Großes für das Land leisten etc. Adel verpflichtet! Also wird er wenigstens so tun, als ob. Die meisten werden es ihm schon abkaufen. Und solche Leute kann man wunderbar benutzen. So wie die Hintermänner der Neo-Cons in den USA George W. Bush benutzt haben als Verkäufer für ihre Sache.

Unsere Welt ist voll solcher Blender. Im Arbeitsleben werden viele die „Macher“ mit ihren Powerpoints und dem leeren Managmentsprech schon erlebt haben. Und gesehen haben, dass die Tendenz groß ist, sich täuschen zu lassen (zumindest anfangs). Vor allem die „Entscheider“, die Manager, die „Business-Kasperln“ (wie ein Kollege von mir sehr treffend sagt) lieben es, sich von solchen Typen täuschen zu lassen (weil sie viel zu oft selber so sind und nur durch Blendwerk in ihre Polition gekommen sind). Große Versprechen, ja Visionen, und am Ende geht man fast immer baden. Solche Typen gelten aber trotzdem als erfolgreich (ungeachtet ihrer wirklichen Bilanz), dabei sind die meisten nur leidlich gute Schauspieler, die eine Verkleidung tragen.

Wir brauchen keine KTGs in der Politik, wir brauchen Substanz. Nicht Leute, die sich selbst im MIttelpunkt sehen wollen, ihr Ego stärken, nach Anerkennung und Macht gieren, weil sie meinen, dass sie erst Doktor, Minister, ja Kanzler werden müssen, um es der Welt zu zeigen (=Minderwertigkeitskomplex), sondern Leute, denen es um die Sache geht, Die nicht gut aussehen wollen, sondern die beste Lösung für ein Problem finden wollen. DIe ihr Ego hinten anstellten können, weil die Egobrille immer nur einen eingeschränkten Blick erlaubt (man verfälscht ja alles durch die eigenen Interessen, die – oft auch unbewusst – über allem anderen stehen) und auch manipulierbar macht (man muss diese Leute nur Bauchpinseln, ihnen das Gefühl geben, dass sie wichtig sind, ihnen eine „herausgehobene Polition in Aussicht stellen“, und schon tun sie, was der „Gönner“ oder „Lobbyist“ von ihnen will).

Leider gibt es nicht viele Politiker, die frei genug sind (frei von Ego und Ehrgeiz). Das ist das Dilemma. Dass das System der Parteien solche Köpfe von vorn herein vergrault. Eine freier Abgeordneter – der wäre ja unberechenbar und würde am Ende noch seinem Gewissen folgen. Da funktioniert keine Fraktionszwang mehr. Und kein Lobbyismus.

6) Lacerda, Freitag, 25. November 2011, 23:57 Uhr

Die Brille, Das Haargel und das Lächeln sind weg. Die Eitelkeit und die Attraktivität der Macht sind geblieben.
Der ehem. Rebelle macht sich auf den langen Weg nach Halifax, um im tiefsten Bayern wieder Schlagzeilen zu machen. Das streichelt sein Politikerego. Für die Eiteln gibt es keine reele Zeit. Alles hängt von Äußerlichkeiten ab. Neue Stadt, neues Haus, neue Schule für die Mädchen und doch bleibt alles beim Alten…..er schrieb ein Buch…
Hatten wir das nicht schon mal….?

In diesem Sinne,

CSU-Vorstand und alle Mitglieder auf Weltreise schicken. Die haben Eingangssperre bis Endspiel WM 2014.

7) Lacerda, Samstag, 26. November 2011, 00:03 Uhr

Dem FF muß ich Recht geben.
Der Giovanni di Lorenzo ist ziemlich langweilig geworden.
Du meine Güte !
Deshalb tauchen Moderatorinnen wie die B. Schöneberger auf….
die muß ein wenig Leben in die Bude bringen..
Welche Art von Moderation ist eigentlichen schlimmer ?

8) horst scharnhorst, Samstag, 26. November 2011, 07:42 Uhr

Vielleicht übernimmt er die Rolle des Bundeskanzler-Präsidenten in einer Art „Truman-Show“ de.wikipedia.org/wiki/Die_Truman_Show. In dieser fiktiven Welt im Internet füllt er dann die zentrale Rolle aus. Die anderen Besserwisser-Blender sind die Protagonisten einer virtuellen Regierung. Gemeinsam machen die in ihrer Internet-Show alles richtig. Sie steuern die Welt. Nach dem Währungscrash hat die Regierung eine einfache Lösung. Gutti als Fernsehshow. Alle Nutzer dieser Show werden glückliche Menschen. Gutti als „Master of Ceremony“ und „everybodys darling“. Diese Rolle und nur diese paßt zu diesem unverantwortlichen Gesellen. Der hat vermutlich in seiner Kindheit zuwenig Liebe bekommen und sucht sie verzweifelt in der Öffentlichkeit. Das kann nur schief gehen. Und wird es auch. Gutti ist eine tragische Figur – noch nicht einmal ein echter Hofnarr.

9) xpomul, Samstag, 26. November 2011, 11:16 Uhr

ein themengespinst das von den wirklichen problemen und sorgen unseres landes und seiner bürger ablenkt und ablenken soll.

da guck ich doch fast lieber dsds oder bauer sucht frau.
wenn ich schon unterhaltendes benötige.

guttenberg bleibt ein blender.
wer was anderes glaubt ist selbst schuld.

die medienlandschaft verkommt zusehends.

10) Wertkonservativliberaler, Samstag, 26. November 2011, 12:45 Uhr

Von Guttenberg halte ich so gut wie nichts; ich will das jetzt hier aus Zeitgründen nicht weiter ausführen, empfehle nur sehr das Büchlein: Lepsius/Meyer-Kalkus (Hrsg.): „Inszenierung als Beruf. Der Fall Guttenberg“, edtion suhrkamp (10 EUR). Dort (S. 170 ff.) empfehle ich insbesondere den Aufsatz von Diziol („Die Rücktrittsrede von Karl-Theodor zu Gutttenberg – ein analytischer Essay“) – wenn man nun wieder die „Wortgirlanden“ des Guttenberg im Zeit-Interview mit di Lorenzo liest, begreift man, dass Guttenberg offenbar gar nicht anders kann („von Herzen“, „Erschütterung“ blablabla) – Selbsterhöhung durch Erniedrigung anderer…

Einen Punkt möchte ich aber deutlich ansprechen:

Der falsche Mann hat ein Gespür dafür, auch etwas Richtiges auszusprechen: So war es bezüglich des Wortes „Krieg“ im Zusammenhang mit Afghanistan, und so ist es auch jetzt im Zeit-Interview, in dem er den Begriff „Volkspartei“ in Frage stellt, für Parteien, die bei unter 60%-Wahlbeteiligung gerade 30 – 40 % Wählerstimmen auf sich vereinigen. Und da hat er natürlich etwas Richtiges angesprochen. Der Punkt ist doch: Wenn ich das sagen würde, würde es keiner beachten (ich bin ein No-Name); wenn Herr Spreng es aussprechen würde, na ja, er hätte wenigstens die Chance dazu, dies in einem Deutschlandradio-Interview mal zu tun.

Wenn es aber Guttenberg ausspricht, hat es natürlich eine andere Wirkung, auch wenn seine Aussage so erkenntnisreich ist wie „Der Kaiser hat ja gar keine Kleider an“.

Was ich meine ist also Folgendes:

Politik und Medien versäumen es tatsächlich, erkennbare Defizite schonungslos zu benennen: die etablierten Parteien, die bei geringer Wahlbeteiligung so um die 30 – 40 % bekommen mögen alles sein, aber eben keine Volksparteien mehr.

Der Bürger spürt diese latente Unehrlichkeit von Politik und Medien (eben auch bei dem „Der Euro ist so stabil wie die DM“ und „Es wird keine Transferunion geben“ – Geschwätz). Und Guttenberg ist jemand, der es wenigstens ausspricht, auch wenn ich nicht hoffe, dass dieser Felix Krull jemals wieder ein Staatsamt bekleiden wird.

11) Peter Christian Nowak, Samstag, 26. November 2011, 17:06 Uhr

@53) Wertkonservativliberaler

Als Paradiesvogel kann Guttenberg „schonungslose Offenheit“ bekunden ohne von seiner Partei dafür abgestraft zu werden. Seine Fans werten so etwas als „starke Persönlichkeit“. Dass diese Attitude allerdings lediglich propagandistisches Blendwerk ist, unterfüttert durch positive Beurteilung aus diversen Reihen der Medien, wird von Guttenberg geschickt getarnt.

12) Wertkonservativliberaler, Sonntag, 27. November 2011, 12:23 Uhr

@ 54:

Ja, und die „Methode Guttenberg“ ist ja mittlerweile auch entzaubert und verbraucht. Mit seinem übereilten „Hallo, ich bin wieder da“ nach gerade einmal acht Monaten zeigt für mich Guttenberg übrigens, dass auch sein politischer Instinkt nicht so stark ausgeprägt ist, wie man gemeinhin glaubte.

Umso schlimmer, wenn sich die „Zeit“ so vor Guttenbergs Karren spannen lässt, mit Titelgeschichten das Guttenberg/ di Lorenzo – Machwerk „Vorerst gescheitert“ zu promoten.

13) EStz, Sonntag, 27. November 2011, 20:47 Uhr

@ 53) Wertkonservativliberaler, Samstag, 26. November 2011, 12:45 Uhr

Der falsche Mann hat ein Gespür dafür, auch etwas Richtiges auszusprechen: So war es bezüglich des Wortes “Krieg” im Zusammenhang mit Afghanistan, und so ist es auch jetzt im Zeit-Interview, in dem er den Begriff “Volkspartei” in Frage stellt, für Parteien, die bei unter 60%-Wahlbeteiligung gerade 30 – 40 % Wählerstimmen auf sich vereinigen. Und da hat er natürlich etwas Richtiges angesprochen.
______________________________________________________

Ein wichtiger Punkt, der mir entgangen ist (und neben der Frage, was den Herrn di Lorenzo reitet, der einzig gehaltvolle in dieser Blog-Runde).

Merci

14) riskro, Montag, 28. November 2011, 13:19 Uhr

Da haben wir den Salat. Nicht nur die legislative und exekutive ist käuflich, nein auch die judikative.
Wer Unrecht begangen hat, verkauft das „Un“. In Deutschland bekommt nur Recht auch wenn er Unrecht hat, der, der auch in der Lage ist, das Recht/Unrecht durch alle Instanzen durch zu setzen. Das kostet viel viel Geld und zu viel haben die wenigsten.

15) Wertkonservativliberaler, Montag, 28. November 2011, 21:27 Uhr

Was jetzt so langsam im Internet aus „Vorerst gescheitert“ zu lesen ist:

Guttenberg legt sich mit der Uni Bayreuth an, mit Lammert etc. pp.

Wer schützt diesen Mann eigentlich vor sich selbst? Hat der wirklich keine Berater? Weiß der nicht, was konservativ ist und was nicht? Das ist ja schon bald psychopathologisch, diese Sebstüberschätzung eines gerade mal 40-jährigen, der eigentlich keinen Beruf gelernt hat (ein 1. jur. Staatsexamen und ein Familienvermögen in dreistelliger Millionenhöhe sind kein Beruf).

Zeigt eigentlich nur eines: die „Bestenauslese“ im aristotelischen Sinne funktioniert nicht.

Guttenberg ist zu schnell aufgestiegen; der hätte lieber mal erst fünf Jahre CSU-Generalsekretär bleiben sollen, bevor er Bundesminister wird.

16) Andronico, Mittwoch, 30. November 2011, 10:38 Uhr

http://www.stern.de/politik/deutschland/psychoanalytiker-ueber-guttenberg-inszenierung-eines-chaoten-1756615.html

17) Wertkonservativliberaler, Mittwoch, 30. November 2011, 16:42 Uhr

Nachtrag zu 58:

Wie ich bereits sagte: es ist absolut töricht von Guttenberg und zeugt nicht von Besonnenheit, sich mit den Falschen anzulegen:

http://www.uni-bayreuth.de/presse/Aktuelle-Infos/2011/213-203-Replik-Buch-Guttenberg.pdf

18) Wertkonservativliberaler, Donnerstag, 01. Dezember 2011, 09:38 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

Sie irrten übrigens gestern Abend bei „Anne Will“: das Verfahren gegen Guttenberg wg. Urheberrechtsverletzung ist nach § 153 a StPO gegen Zahlung der Geldauflage endgültig eingestellt worden.

Selbst wenn Guttenberg jetzt also Vorsatz und Täuschungsabsicht zugeben würde, könnte er wegen dieses Vorwurfs nicht mehr verfolgt werden.

Die Urheberrechtsverletzung hat auch nichts mit einem Vermögensnachteil zu tun, letzteres wäre nur bei Betrug (§ 263 StGB) relevant – und seine VG-Wort-Tantiemen für seine Diss. (so ca. um die 500 EUR) hat er ja hoffentlich zurückgezahlt………(wäre diesbezüglich wohl auch seine Bereicherungsabsicht als subjektives Tatbestandsmerkmal des Betrugstatbestands zu verneinen).

Eine Einstellung nach § 153 a StPO bei einem Nicht-Vorbestraften kann man machen als StA und Gericht; wenn es auch ein Geschmäckle hat, denn StA und Gericht müssen bejahren, dass das öffentliche Interesse an Strafverfolgung durch die Geldauflage beseitigt werden kann – bei der Prominenz des Falles und Krassheit des Plagiats geht so etwas wohl nur in einem CSU-regierten Bayern….

Bei dem vergleichbaren Fall des Dr. Andreas Kasper (CDU) in Lippe sah das anders aus: Kasper bekam einen Strafbefehl (!) wegen Urheberrechtsverletzung, ist also nun vorbestraft. Dieses Bundesland ist freilich auch nicht CSU-regiert, und Kasper hatte wahrscheinlich schlechten strafrechtlichen Beistand: denn es ist Ziel jedes guten Strafverteidigers, bei Ersttätern eine Einstellung nach § 153 a StPO zu erwirken.

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