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Viel Ball, wenig Presse

Pressebälle sind eigentlich ein Anachronismus. Früher dienten sie dem Gespräch in einem anderen, festlichen Rahmen, was ja auch der Sinn des Zusammentreffens von Presse und Politik ist.

Heute sind es reine Jahrmärkte der Wichtigkeit, wobei 90 Prozent der Gäste aus den Kreisen der Lobbyisten kommen. Viele Politiker, darunter Angela Merkel gehen deshalb gar nicht hin, weil sie keine Lust haben, sich den ganzen Abend bei jeder Regung von hunderten von Kameras beobachten und von Dutzenden von Lobbyisten bedrängen zu lassen.

Früher, im alten, beschaulichen Bonn, waren es nur halb so viele Gäste und alle Fotografen mussten um 22 Uhr den Saal verlassen. Dann wurde es auf der Tanzfläche und an den Bars gemütlich. Und dann wurde nicht nur zusammen getrunken, sondern auch geredet. Dann stand man mit Georg Leber, Horst Ehmke, Hans-Jürgen Wischnewski, oder Mildred Scheel an der Bar. Das war lustig, vermittelte manch neue Einsicht – und gelegentlich fiel auch eine Information ab.

Ich war auf etwa 30 Pressebällen. Das reicht für ein Leben. Mein schwierigster Moment auf einem solchen Ball war beim Kölner Presseball, als meine Frau den Hauptpreis, einen Ford Fiesta, gewann.

Daraufhin kam mein Chef, der „Express“-Verleger Alfred Neven DuMont, zu unserem Tisch und forderte mich auf, den Preis zurückzugeben, denn der Verlag sei schließlich Mitveranstalter. Was tun? Ich sagte ihm, dass meine Frau ein selbstständiges Wesen sei und ich könne doch nicht „einer mittellosen Hausfrau“ den Preis wegnehmen. Daraufhin war Ruhe.