Sonntag, 11. Dezember 2011, 13:42 Uhr

Neuer Kapitän auf der FDP-Titanic?

Am 13. Mai 2012 jährt sich zum ersten Mal der Tag, an dem Philipp Rösler zum Bundesvorsitzenden der FDP gewählt wurde. Es ist fraglich, ob er sein Einjähriges erreicht. Denn am 6. Mai wählt Schleswig-Holstein einen neuen Landtag. Wenn die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, wird Rösler einen seltenen Negativrekord aufstellen: er wird dann der FDP-Vorsitzende mit der kürzesten Amtszeit gewesen sein.

Dann bleibt ihm nur noch übrig, am 7. Mai in der FDP-Präsidiumssitzung seinen Rücktritt zu erklären – sechs Jahre vor dem von ihm selbst genannten Rückzugsdatum aus der Politik. Er ist heute schon der erfolgloseste Vorsitzende in der FDP-Geschichte. In seinen bisher sieben Monaten Amtszeit flog die FDP dreimal aus Landtagen. Er hat es bis heute nicht geschafft, zu erklären, warum Deutschland noch einen organisierten Liberalismus braucht.

Politisch fiel Rösler nur Guido Westerwelles Misserfolgsthema Steuersenkungen ein. Er verwirrte die CDU und die Wähler mit erratischen Äußerungen zu Europa. Sein Gesundsheitsminister plant Schutzgesetze für Apotheker und sein parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium kassiert Spenden von einer Waffenfirma.

Das ist die bisherige Bilanz der Rösler-FDP. Selbst FDP-Präsidiumsmitgliedern fällt zu ihm nur ein: „Ein sympathischer Kerl“. Selten hatte „sympathisch“ einen so vernichtenden Klang.

Jetzt starren die verbliebenen FDP-Anhänger wieder gebannt auf den 6. Januar, den Tag des traditionellen Dreikönigstreffens. Überfrachtet mit Erwartungen kann Rösler auch dann nur  unter der Messlatte durchlaufen. Selbst dann, wenn er dort endlich einmal die soziale Marktwirtschaft gegen ihren heute mächtigsten Feind, die Finanzindustrie, verteidigen sollte, käme dies zu spät. Die Zähmung der Finanzindustrie ist längst Programm aller anderen Parteien.

Wie nervös Rösler ist, beweist die Meldung, er wolle nicht, dass in Stuttgart – wie bisher immer üblich – auch der Fraktionsvorsitzende im Bundestag spricht. Denn dieser Mann heißt Rainer Brüderle. Er könnte ja die bessere Rede halten, mehr Beifall bekommen. Und Brüderle ist derjenige, auf den verzweifelte Liberale jetzt setzen.

Deshalb gibt es prominente FDP-Leute, die sich Röslers politisches Ende schon vor der schleswig-holsteinischen Landtagswahl wünchen, weil sie glauben, es wäre ein positives Signal., ihn durch Brüderle zu ersetzen. Dann könnte Christian Lindner als Fraktionsvorsitzender den Versuch machen, sich für die Zeit nach dem 66jährigen Brüderle zu profilieren. Mehr ist nicht mehr drin im Personalköcher der FDP. 

Und inhaltlich? Brüderle ist zwar, wenn man ihn versteht, wortgewaltig und angriffslustig. Inhaltlich aber steht er für die Apotheker/Ärzte und Anwälte-FDP, für eine Partei, der außer Steuersenkungen nichts mehr einfällt. Brüderle wäre nur ein neuer Kapitän auf der Titanic, nachdem sie mit dem Eisberg kollidierte.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

51 Kommentare

1) wschira, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 13:07 Uhr

@StefanP nr 45

Wie immer schwurbeln Sie herum und unterstellen mir Behauptungen, die ich nicht gemacht habe. Ich habe nichts zu beweisen versucht, sondern nur Ihre unbewiesene Behauptung der immensen Wohltaten des Liberalismus mit dem Armutsbericht der OECD konterkariert. Im Übrigen ist es lächerlich, alle, die nicht Ihrer Meinung sind, als linke Spinner zu diffamieren.

2) Lacerda, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 13:47 Uhr

Rösler ist eben vor die Presse getretten und hat gezeigt, daß er nichts gelernt hat.
Durchhalteparolen, Geschlossenheit usw.
Gut so, den so ist sicher, daß bald diese Klientelpartei aus der parteipolitschen Landschaft verschwinden wird.

3) JohannesL, Samstag, 17. Dezember 2011, 00:56 Uhr

http://www.sekundemal.de
Gebt dem Mann Zeit sich zu erklären.

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


granny - the social agency from Berlin