Mittwoch, 14. Dezember 2011, 13:24 Uhr

Der falsche Mann geht

Es scheint absurd: ausgerechnet der talentierteste, intellektuellste und rhetorisch begabteste der jungen FDP-Politiker erklärt seinen Rücktritt. Der überraschende Abgang des FDP-Generalsekretärs Christian Lindner lässt nur einen Schluss zu: er will nicht mit dem sinkenden Schiff untergehen. Zumindest nicht auf der Brücke in verantwortlicher Position.

Lindner will die Handlungs- und Deutungshoheit  über sein “Engagement für die liberale Sache” wiedergewinnen und sie nicht länger an seinen Parteichef abgeben. Und er geht so frühzeitig, dass er noch aufrecht gehen kann und sich für die Zeit nach dem glück- und innovationslosen Philipp Rösler alle Optionen offen hält. “Auf Wiedersehen” sagte er, nicht “Das war`s”.

Die neue Dynamik, die er auslösen will, kann nur eine Dynamik sein, die Rösler in den Abgrund reißt. Spätestens nach einer verlorenen Wahl in Schleswig Holstein. Dann steht Lindner wieder für Führungsämter zur Verfügung, möglicherweise als Fraktionschef, wenn das alte Schlachtross Rainer Brüderle noch einmal übergangsweise bis 2013 den Parteivorsitz übernehmen muss.

Lindners Rücktritt ist aber auch ein Menetekel: eine Partei, die eine erfolgreiche Vergangenheit hinter sich und kaum eine Zukunft vor sich hat, beginnt sich von oben und unten aufzulösen. Die geringe Beteiligung am Mitgliederentscheid zeigt die Auflösungserscheinungen von unten. Weite Teile der ohnehin schmalen Basis resignieren. Der Lebenszyklus der FDP neigt sich seinem Ende zu. Und der Todeskampf findet live vor den Kameras statt.

Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag “Neuer Kapitän auf der FDP-Titanic?” vom 11. Dezember 2011

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50 Kommentare

1) EStz, Freitag, 16. Dezember 2011, 17:31 Uhr

@ 48) Michael A. Nueckel, Freitag, 16. Dezember 2011, 15:20 Uhr

Befremdlich ist es, wenn “nur” die Erwischten nachträglich (wenn sie wissen, ermittelt worden zu sein) den materiellen Schaden ausgleichen; das könnte man vielmehr auch an Ort und Stelle erledigen, indem man stehen bleibt und nicht abhaut. Insoweit kann man Ihre Feststellung “nix passiert” bei dem Delikt der Unfallflucht (unerlaubtes Entfernen vom Unfallort) durchaus als Ausdruck mangelnden Unrechtsbewußtseins verstehen. Und das steht auch und gerade einem designierten Generalsekretär nicht gut zu Gesicht.
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Zum einen verstehe ich die Situation und teile grundsätzlich Ihre Meinung . Ich habe keine 2 Tage gebraucht, um mir in meinem neu gekauften (Wie-neu-Gebraucht-)Wagen auf einem Aldi-Parkplatz eine Beule zu holen, weil irgendeine Tropfennase zu blöd war, die Türe des eigenen PKWs vernünftig zu öffnen.

Ich sehe für Politiker dennoch einen Unterschied darin, ob
– ein Politiker wie Herr Lindner (so interpretiere und verstehe ich es zumindest) sich recht billig aus der Verantwortung für die mitverschuldeten Probleme schleicht, oder
– ob ein politischer Entscheidungsträger wie Herr Wulff unter nicht ganz astreinen Umständen Geld nimmt von einem, der unter bestimmten Unständen Nutznießer politischer Entscheidungen sein könnte und das verschweigt, oder
– ob jemand aus einer bestimmten Situation heraus einen Fehler macht, den anderen auch schon begangen haben, ohne dass das irgendetwas mit Politik o.ä. zu tun hat.

Ich kann die Situation, in der Herr Döring so handelte, nicht beurteilen. Ich kann mir beispielsweise vorstellen, wenn es des Nachts, dunkel und vielleicht nass war, und es dann Spiegel an Spiegel knallt, dass man nach ein paar Metern anhält, sich die anderen Autos anschaut, nichts findet, und erst bei Tageslicht merkt, dass da etwas mehr gewesen sein muss o.ä.

Soll nicht heißen, dass es so war (ich weiß das wirklich nicht), oder dass es irgendetwas entschuldigt, sondern nur, dass ich die näheren Umstände zum einen nicht kenne und zum anderen der FDP daraus keinen Strick drehen will. Da gibt es wichtigere Themen.

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