Donnerstag, 22. Dezember 2011, 17:31 Uhr

Präsident auf Bewährung

Warum erst jetzt? Warum so spät? Christian Wulff hat die allerletzte Chance genutzt, um zu seinem dubiosen Kreditgeschäft mündlich und vor den Kameras Stellung zu nehmen. Einen Tag später wäre das Zeitfenster geschlossen gewesen, um ihm noch die Chance zu eröffnen, die Affäre zu überstehen. Es musste vor der offiziellen Weihnachtsansprache sein. Alles andere hätte die TV-Ansprache lächerlich und heuchlerisch wirken lassen.

Jetzt gibt es zwei Weihnachtsansprachen Christian Wullfs: eine als Bundespräsident, eine in eigener Sache. Die in eigener Sache ist in diesem Jahr die wichtigere – und wahrscheinlich auch die spannendere. Er bescheinigte sich selbst mangelnde Gradlinigkeit und das tue ihm leid.

Diese Worte hätte Wulff schon vor einer Woche finden müssen. So aber verschlechterte sein katastrophales Krisenmanagement von Tag zu Tag seine Lage. Zwischen seinen Beratern muss es, wie meist in solchen Fällen, zu erbittertem Streit darüber gekommen sein, was das richtige Krisenmanagement ist. Nur so ist die Entlassung (oder der Rücktritt) seines engsten Vertrauten, des Pressesprechers Olaf Glaesecker, zu erklären. Wulffs Salami-Taktik, immer nur das zuzugeben, was die Medien jeweils enthüllten, war verheerend.

Aber auch jetzt gilt: Vorhang zu und viele Fragen offen. Das Kreditgeschäft mit dem Ehepaar Geerkens bleibt dubios, seine extremen Vorzugszinsen der BW-Bank ( 0,9 bis 2,1 Prozent auf 25 Jahre) sind merkwürdig und erklärungsbedürftig, seine Urlaube bei befreundeten Unternehmern zweifelhaft. Und bei der Werbespende des umstrittenen Carsten Maschmeyer für sein Buch „Besser die Wahrheit“ muss geklärt werden, ob es sich um verdeckte Wahlkampffinanzierung gehandelt hat.

Bundespräsident Christian Wulff  hat mit Mühe und Not noch die Feiertage erreicht und er kann jetzt die Hoffnung haben, dass die Medien Januar neue Themen in den Vordergrund stellen. Mehr nicht.

Seine Bitte, ihm auch künftig zu vertrauen, hätte korrekt lauten müssen, ihm wieder zu vertrauen. Denn er ist ein angeschlagener Präsident, dessen Integrität verletzt und dessen moralische Autorität beschädigt ist. Er muss sie neu erwerben. Wulff ist ein Präsident auf Bewährung. Werden neue Verfehlungen aufgedeckt, droht die Höchststrafe: Rücktritt.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

67 Kommentare

1) der Herr Karl, Dienstag, 27. Dezember 2011, 12:39 Uhr

@44, Dr. Dr. Joachim Seeger
Nein, einen solchen BP hat Deutschland nicht verdient. Dieses Amt verlangt Menschen mit etwas anderen Charaktereigenschaften. Filz und Klüngelei dürfen nicht mit diesem Amt in Verbindung gebracht werden.
Oder war ihr Kommentar Satire?

2) wschira, Dienstag, 27. Dezember 2011, 16:14 Uhr

@44) Ihr Beitrag ist der schlagende Beweis dafür, dass auch ein zweifacher Doktortitel (so er denn echt ist) nicht davor schützt, absolut daneben zu liegen. Im Übrigen sind Ihre Kenntnisse in Verfassungsrecht gelinde gesagt etwas schütter. Die Bundeskanzlerin hat an keiner Stelle der Verfassung die Befugnis, ihre „schützende Hand“ über ein anderes Verfassungsorgan zu halten. Dafür ist das andere Verfassungsorgan schon selbst verantwortlich. Es muss also den bösen Schein vermeiden und wenn doch etwas passiert, sauber aufklären, was in diesem Fall mitnichten geschehen ist, das Management dieser Krise durch Herrn Wulff und seine Berater war grottenschlecht.

Ich wünsche Herrn Spreng und allen Foristen ein erfolgreiches Neues Jahr und schliesse darin auch (in nachweihnachtlicher Milde) meinen Lieblingsneokon StefanP ein.

3) xpomul, Dienstag, 27. Dezember 2011, 16:20 Uhr

@43) Dr. Dr. Joachim Seeger, Sonntag, 25. Dezember 2011, 21:46 Uhr

seltsam wie sich ein weltbild liest, wenn man, wie sie offensichtlich, an den lippen eines bewundernden mannes hängt.
eine frage hätte ich dann dennoch an sie:
welche interessanten thesen hat denn der mann in die politik hineingeworfen ( das ist übrigens eine irritierende wortwahl in ihrem gesamtkunstwerk ).
erzählen sie doch mal, klären sie mich auf, lassen sie mich an ihrer weisheit teilhaben.
bitte !!!
mir ist bisher nur aufgefallen das der mann geld und nerven kostet.
sollte er doch etwas produktives in die politik hineingeworfen haben ?

4) jk, Dienstag, 27. Dezember 2011, 16:35 Uhr

@38:
“Ich hab jetzt wirklich viel zu diesem Thema gelesen, und ich denke inzwischen, dass der Kredit als solcher in Ordnung geht.”
Nay. Tut er definitiv nicht.

Erstens: Die absolute Höhe des Kredites (120% des Kaufpreises) ist schon merkwürdig genug.
Zweitens: Die Zinsen sind – in Anbetracht der Gesamtsituation (keine Sicherheiten etc) – ein schlechter Scherz.
Drittens: M.W.n. verbietet das niedersächsische Ministergesetz (das Ministerpräsidenten mit einschließt) grundsätzlich die Annahme von vergünstigen Krediten.

Ergo: Der Kredit war nach heutigem Kenntnisstand nicht nur höchstwahrscheinlich ein absolutes Schnäppchen (das Herr Geerkens wohl nicht aus lauter Altruismus gegeben hat, sondern wohl erwartet hat, dass Herr Wulff sich bei Gelegenheit revanchieren würde), sondern es spricht auch einiges dafür, dass Herr Wulff mit der Annahme des Kredits gegen das Gesetz verstoßen hat.
Dass er den Landtag somit höchstwahrscheinlich ganz bewusst getäuscht hat und in Absprache mit Herrn Geerkens über den Umweg Frau Geerkens auch noch die ganze Aktion vertuschen wollte, spricht dann ebenfalls für sich.

Aber vielleicht hat er auch einfach den Überblick über seine Finanzen verloren, die er auf paarundachtzig Disketten abgespeichert hatte. Und weil 500000 Euro ja Peanuts sind, hat er einfach vergessen, dem Landtag den Kredit mitzuteilen.
Kann ja mal passieren.

5) D. Lux, Dienstag, 27. Dezember 2011, 17:03 Uhr

Aus meiner Sicht ist die Frage „Was ist ein Bundespräsident heute“ richtig zu klären. Ist der Bundespräsident eine Art Vater für sein Land? Ist er die geistige Leitung und der/die Bundeskanzler/in die weltliche Leitung (Prinzip dualer Führung)? Oder ist er eine „pouvoir neutre“ mit rein repräsentativen Aufgaben?

Ich jedem der drei Fälle sollten seine Haltungen und sein Verhalten *sauber* sein.

lg
D. Lux
http://www.luxundpartner.at

6) EStz, Dienstag, 27. Dezember 2011, 17:26 Uhr

@ 47) sk8erBLN, Dienstag, 27. Dezember 2011, 11:33 Uhr

>>> “Ich hab jetzt wirklich viel zu diesem Thema gelesen,
>>> und ich denke inzwischen, dass der Kredit als solcher
>>> in Ordnung geht.”

> Ich wäre ja zurückhaltend mit dieser Feststellung,
> bevor nicht alle Fakten dazu restlos aufgeklärt sind.

Lieber Skater,

einmal mehr haben Sie Ihre Empfangsantenne abgebrochen und an die Sendeantenne geklebt: Ich habe nichts festgestellt außer meiner aktuellen Meinung zum aktuellen Kenntnisstand.

So, nun verlassen mal kurz meine Realitätsebene und begeben uns auf Ihre. Bitte gestatten Sie mir, dass ich Sie hier mit Ihrem Kampfnamen anspreche.

Lieber Jesus Marx,
ich teile Ihr Bedauern darüber, dass ausgerechnet das verkommenste Subjekt, dass je in Deutschland Politik betrieben hat, sich zum Bundespräsidenten aufschwingen konnte. Ein Mann, der sich von einer befreundeten Familie einen Kredit hat geben lassen – und das auch noch ohne Gegenleistung. Als er erkannte, dass das problematisch war, hat er versucht, den Kredit auf eine Bank umzubiegen. Und er hat das gute Angebot der Bank nicht abgelehnt, um freiwillig für weniger Geld mehr zu bezahlen. Solch ein kriminell-korrupter Volksschädling hat sich dann noch in Deutschlands höchstes Amt geschummelt, wo er fürs Nichtstun, für schöne Reisen und gutes Essen auf Staatskosten, auch noch Milliarden scheffelt. Und nun, da die GANZE WEITE WELT, die ja keine anderen Probleme hat, wie gebannt auf diesen unermesslichen Skandal starrt, wie es zuvor auf der GANZEN WEITEN WELT noch keinen gegeben hat, müssen alle Menschen in Deutschland, die bislang Ihr ganzes Leben lang dauernd immer stets absolut anständig, fehlerfrei, rechtschaffen und ehrlich waren, zusammenstehen bei ihren Bemühungen, dieses Scheusal-Ungeheuer vom okkupierten Thron zu stoßen.Und wer das nicht versteht, ist realitätsfern und würde sich wahrscheinlich sogar von einer Klobürste vertreten lassen (oder ist gar selber eine?).

Wieder runter von der rosa-roten Wolke….

Was mich an Leuten wie Ihnen wirklich und aufrichtig stört, ist nicht die andere Meinung. Sondern der stete Versuch, die Welt der eigenen Sicht anzupassen, und wer dabei nicht mitspielt, ist doof. Nehmen Sie endlich Ihre Scheuklappen ab: Wir haben keinen Berlusconi, keinen Sarkozy, keinen Putin, keinen George Bush. Das Herr Wulff nicht mit Ruhm bekleckert hat, steht ja außer Frage. Es geht doch darum, ob der Mist, den er gebaut hat, für einen Russchmiß angemessen groß ist. Und da sind die Meinungen der Leute geteilt – MEHR NICHT.

Und wenn Sie von Ihrem Selbstgerechtigkeits-Heuchel-Neid-Empör-Trip mal wieder runterkommen und sich mal ein bisschen bei Ihrer Familie, in Ihrer Straße, in Ihrem Ort oder in Ihrem Job umschauen, werden Sie feststellen, dass es keine absolute Gleichheit unter allen Menschen geben kann und wird.

Und wenn Sie bei all dem Dummkram, den Wulff sich geleistet hat (und den er auch nicht bestreitet), nicht wahrnehmen wollen, dass das ganze eine ziemlich abgekartete Sache ist, die direkt im Anschluss an seine Euro-Kritik-Rede losging, bin ich geneigt, Ihren Klobürsten-Bezug in eine andere Richtung herzustellen.

7) Frank, Dienstag, 27. Dezember 2011, 17:30 Uhr

@53 (jk): Geerkens hat ja tatsächlich Gegenleistungen erhalten – er war mehrfach Teilnehmer der Wirtschaftsdelegation des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten. Ohne überhaupt noch in Niedersachsen zu wohnen. Schließlich spart es sich in der Schweiz steuerlich ganz trefflich.

8) Michael, Dienstag, 27. Dezember 2011, 18:46 Uhr

In welcher Folge finden Justus, Peter und Bob eine Leiche mit einem Einschussloch im Schädel und einer Uniform?
a) Die drei ??? und der sprechende Totenkopf
b) Die drei ??? und das Aztekenschwert
c) Die drei ??? und die gefährlichen Fässer
d) Die drei ??? und das Heilbronner Phantom
Sie können einen Sozialdemokraten anrufen, z. B. Jörg Ziercke. Die Nummer kennt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Bundespräsident (CDU).
E-Mail-Adresse: bundespraesidialamt@bpra.bund.de
In diesem Jahr würde ich den Bundespräsidenten nicht mehr kontaktieren. Es ist nicht auszuschließen, dass er Beruhigungstropfen nimmt, deren Nebenwirkungen (z. B. Verwirrtheit) erst nach 21 Tagen nachlassen. Verwirrt könnte der Bundespräsident die Nummer von Obama Ihnen per Einschreiben mit Rückschein mitteilen.

9) nurmalso, Dienstag, 27. Dezember 2011, 19:12 Uhr

der wulff kann oder darf sich momentan wohl noch nicht lösen (man hört, die kanzlerin hat den rücktritt – noch -untersagt).
damit ist er der präsident auf abruf. und das alles, ohne (bis jetzt) gegen ein gesetz verstossen zu haben. einfach aufgrund des moralischen anspruches, den er nicht mehr erfüllen kann.
wahrscheinlich hat man in der bild-zeitung ein persönliches interesse daran, dass gift langsam träufeldn einzuflössen.
und wenn es stimmt, was z.b. in der berliner zeitung stand, dann kann es noch unangenehmer für ihn und vor allem seine frau werden, wenn die redaktion den einsatz privater interna freigibt.

nurmalso

10) sk8erBLN, Dienstag, 27. Dezember 2011, 19:53 Uhr

Wes Geistes Kind dieser Wulff ist sollte spätestens mit seiner Einlassung vom 15. Dezember 2011 klar sein.

Einmal mehr unterschlägt er die Wahrheit um nicht deutlicher zu formulieren er lügt durch weglassen entscheidender Details:

In einer Erklärung vom 15. Dezember hatte der Bundespräsident mitgeteilt, der Vertrag sei in einen Hypothekenkredit mit üblichem Zins umgewandelt WORDEN. Dagegen berichtete die «Welt am Sonntag», der neue Vertrag gelte erst ab Januar 2012.

http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1254383

Überraschend? Nö!

11) Maren P., Dienstag, 27. Dezember 2011, 20:38 Uhr

Einen sehr guten Kommentar zu Wulff & Konsorten habe ich von Bettina Gaus gelesen. Leider auch wieder kein Rezept dabei, wie wir die Krähen erfolgreich vergrämen können.
http://www.taz.de/Kommentar-Wulff-und-seine-Geisteshaltung/!84382/

12) romeias47, Mittwoch, 28. Dezember 2011, 12:16 Uhr

Nur als Einwurf nebenbei sozusagen: An dieser Geschichte wundert mich ganz extrem, dass Wulff, der einer Partei angehört, die gerne von den geradezu heiligen Institutionen Ehe und Familie labert, sich darauf beruft, er habe den Vertrag mit Frau Geerkens gemacht – als handle es es sich um die ausgesourcte Finanz-Abteilung der Firma Geerkens, die sämtliche Kommunikationsverbindungen zur „Mutter“ gekappt hat. .

Und bei den oben angesprochenen Vorteilen durch die Teilnahme an Reisen macht man Geerkens auch zu einer Art Sozial-Monade. Man kann auch im Auftrag anderer die Ohren offenhalten und den Präsidentenflüsterer geben. Die dadurch entstandenen Vorteile bei Dritten schlüssig nachzuweisen, dürfte auch die brillanteste Investigations-Redaktion überfordern. Dieser Bereich läuft vermutlich konsequent analog und beleglos- im trauten Gespräch in privaten Kaminzimmern oder Saunen.

Und zu Wulffs Weihnachtsansprache: Er sagt, es gebe in Deuetschland keinen Raum für rechtsextremes Gedankengut. Der Satz verrät, dass die Rede – von wem auch immer – in der Haltung eines Sechstklässlers beim Verfassen eines Schulaufsatzes geschrieben wurde. Die Rechtsextemen haben diesen Raum doch durch subversive Aktionen längst gekapert (zum Teil nie aufgegeben), in Ostdeutschland gab bzw. gibt es „national befreite Zonen“. Von einem Bundespräsidenten erwarte ich, dass er kraft eigener Reflexion an die Schichten rührt, die dazu führen, dass es den Raum eben tatsächlich gibt und wie die Mehrheitsgesellschaft ihn (zurück)holen kann. Die Politik zu nachhaltigem Handeln aufzufordern, gehört auch dazu (Wegen ein paar tausend Euros jahrelanges Engagement zu zerdeppern ist nun mal ebenso destruktiv wie dämlich).

Man könnte von einer solchen Ansprache auch Anregungen zum Alltagshandeln erwarten: woher wollen wir anständig bezahlte Jobs haben, wenn wir alles gratis oder als Schnäppchen haben wollen, wo machen wir in 25 Jahren unseren Schaufensterbummel, wenn wir alles online kaufen? Wie können wir Datensicherheit erwarten, wenn die Leute ihr Privatleben freiwillig asbreiten bzw. nicht darüber nachdenken, womit ein Werber/Verkäufer seine Kohle eigentlich verdient? (Geschäftsmodelle mit Datenverkauf als Kollateral-Gewinn).

Mein Neujahrswunsch?! Ein gehäufter Teelöffel Inspiration für die Spitze der Republik.

13) sk8erBLN, Mittwoch, 28. Dezember 2011, 18:05 Uhr

@ 55) EStz, Dienstag, 27. Dezember 2011, 17:26 Uhr

Liebe/r ESTz,

„Ich habe nichts festgestellt außer meiner aktuellen Meinung zum aktuellen Kenntnisstand.“
dito. Und speziell an Sie gerichtet war lediglich die Bemerkung dass jede Absolution in Punkto Kredit verfrüht erscheint, inkl. Begründung. Die Begründung lässt sich um einen weiteren Aspekt erweitern:

Es gibt Stoff für neue Zweifel an den Krediten von Christian Wulff. Der Bundespräsident wirkte als Koordinator für die Reform der Landesbanken und erhielt gleichzeitig Sonderkonditionen von einer Tochter der LBBW. Es stellt sich [einmal mehr] die Frage nach Interessenskollisionen.
..
Da Wulffs neuer Kreditgeber eine Tochter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist und Wulff attraktive Sonderkonditionen erhielt, stellt sich die Frage, ob der damalige niedersächsische Ministerpräsident alles getan hat, um den Anschein einer Interessenkollision zu vermeiden. Denn Wulff wirkte innerhalb der CDU als Koordinator für die Reform der Landesbanken, die für die öffentlich-rechtlichen Finanzinstitute von großer Bedeutung war. Von dieser neuen Aufgabe berichtete Wulff FTD-Redakteuren Ende 2007. Tatsächlich meldete sich der Landesvater in der Folge immer wieder zum Thema und dürfte auch Kontakt zu den Spitzen der LBBW gehabt haben. Bisher hat es Wulff mit einer Empfehlung der Kreditgeberfamilie Geerkens begründet, dass er als Hannoveraner Politiker eine Stuttgarter Förderbank als Kreditgeber wählte.
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:privatkredit-wulffs-raetselhafte-umschuldungen/60147207.html
[] = Anmerkung von mir.

Ihre Geschichte war eher kleine Glanzleistung nach meiner Meinung. Zudem enthält sie Punkte die der Korrektur bedürfen. „…das verkommenste Subjekt, dass je in Deutschland Politik betrieben hat “ So weit wüde ich nicht gehen. Verkommen trifft es allerdings. Begriffe wie „Volksschädling“ werden Sie in meinen Beiträgen niemals lesen können -es sei denn als Zitat wenn es um den Nationalsozialismus geht. Da reagiere ich überaus sensibel.

“ Als er erkannte, dass das problematisch war, hat er versucht, den Kredit auf eine Bank umzubiegen.“

Falsch! Er hat den Kredit deshalb umgebogen, weil die Konditionen noch erheblich günstiger waren als bereits zuvor beim Geerkens-Kredit. Der Zinssatz fiel ja von 4 % auf für jedermann unerreichbare max. 0,3 % über dem Zinssatz zu dem sich Banken untereinander Geld leihen (EURIBOR) was 0,9 – 2,1 % entsprach. Zur Beurteilung des Kredites empfehle ich die Lektüre des Handelsblatt Artikels von Max Herbst. Er gilt als Deutschlands Baufinanzierungspapst.
http://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/nachrichten/christian-wulff-ist-ein-finanzgenie/5997346.html

Und dann ist da noch die Nervosität der BW Bank:
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.kredit-affaere-fall-wulff:-bw-bank-zeigt-sich-nervoes.b3c52617-604b-4839-8b88-e9f8e5634edb.html
Besonderes Augenmerk verdient auch der letzte Absatz.

In Punkto Kreditkonditionen/Vergabe könnte eine Korrektur ihrer Einschätzung liebe/r ESTz nicht schaden.

Ob mehrfach Teilnehmer einer Wirtschaftsdelegation eines MP sein zu dürfen keine Vorteilsgewährung ist, auch wenn Geerkens die Reisekosten selbst trug, ziehe ich in Zweifel. Aus Langeweile oder zur persönlichen Erbauung und Wulffs Pausenclow ist Geerkens ganz sicher nicht auf diese Reisen gegangen.

Zum Part „dass es keine absolute Gleichheit unter allen Menschen geben kann und wird.“:
Sie lesen meine Beiträge wie es scheint nicht gründlich genug. Ich hatte mehrfach geschrieben dass Wulffs verhalten bei einer Privatperson durchaus akzeptabel wäre. Ein MP oder gar BP ist aber gerade keine Privatperson und muss sich an anderen Maßstäben orientieren.

Und was ganz und gar nicht geht ist die Salamitaktik mit der Tag für Tag neue Absurditäten ans Licht der Öffentlichkeit geraten. Wie lange soll das noch konsequenzlos so weitergehen und was kommt da noch alles? Und ja, ich halte es für schädlich wenn die Welt in der Lage ist beißenden Spott à la “ Der Mann, der das Bundespräsidialamt in eine Kreditanstalt umgebaut hat,“ und „Selbst bei der BW-Bank kann man sich nicht so richtig erklären, wie der Wulff-Kredit funktioniert. Seit wann zahlt eine Bank dem Schuldner Zinsen? Kann man als Bundespräsident auf das Schloss Bellevue eine Hypothek aufnehmen Und ist es tatsächlich möglich, als einzige Sicherheit „zwei Tattoos der Ehefrau“ anzugeben?“
http://www.welt.de/debatte/kolumnen/zippert_zappt/article13786535/Zwei-Tattoos-von-Bettina-Wulff-als-Sicherheit.html

Ja, die Welt hat natürlich weit größere Probleme, über die schreibt Herr Spreng aber nichts aktuell. Entsprechend macht wenig Sinn die im Kommentarbereich zu einem Artikel über den BP unterzubringen. Da sich hier die letzten 5 (!) Artikel mit nichts anderem als der Affaire Wulff befassen, fällt schwer an irgend einer passenden Stelle über die sonstigen Entwicklungen zu schreiben.

14) M.M., Freitag, 30. Dezember 2011, 09:40 Uhr

Wie will eigentlich Herr Gabriel diesen Mann im Amt halten? Der „Fall Wulff“ ist ein Fass ohne Boden.

15) M. Fiermann, Freitag, 30. Dezember 2011, 16:46 Uhr

@ sk8erBLN 62)

Wenn Sie andere Leser (z.B. @ EStz, 55) mit den Worten angreifen,“ Sie lesen meine Beiträge wie es scheint nicht gründlich genug“, dann sollten Sie tunlichst Ursache mit Wirkung nicht verwechseln, da Ihre Beiträge stets langatmige Wiederholungen bekannter Veröffentlichungen sind.

16) EStz, Freitag, 30. Dezember 2011, 18:59 Uhr

@ Skater

Immer so viele Wörter….

Gemeinsamkeit 1: Solch ein Privatkredit wäre bei einem normalen Menschen in der Form in Ordnung.
Gemeinsamkeit 2: Ein Ministerpräsident darf sich nicht durch Kungelgeschäfte in Abhängigkeiten bringen.
Gemeinsamkeit 3: Wulffs Verhalten auf Nachfragen bzw. in Sachen Aufklärung genügt, höflich gesagt, nicht ansatzweise den Ansprüchen, die er schon von anderen verlangt hat.
Unterschied 1: Ich halte es für möglich, dass der Kredit aufgrund der sehr langjährigen Beziehung einen quasi-familiären Hintergrund haben könnte, und stimme nur aufgrund dieser Möglichkeit im Zweifel für den „Angeklagten“.
Unterschied 2: Ich glaube, dass die Geschichte lanciert wurde, um Wulff zu stürzen, da dieser die Euro-Politik von Angela Merkel sehr heftig angegriffen hatte. Das halte ich für den viel größeren Skandal.
Gemeinsamkeit 4: Der Bundespräsident wird sich nicht halten können; wenn Frau Merkel einen passenden Kandidaten gefunden hat, kriegt er den Todesstoß.

So, und nun nehmen Sie ihren Zeigefinger mal wieder runter….

17) helmut mederle, Dienstag, 03. Januar 2012, 20:20 Uhr

Hallo, EStz,

unter Bezugnahme auf Ihren Beitrag Nr. 37 zu „Präsident auf Bewährung“ und zu Nr. 119 zu „Merkels Präsidenten“ zusammenfassend: Zwar habe ich bei weitem nicht Ihr Hintergrundwissen, habe aber ein paar Einblicke in Abgründe öffentlicher (ist bei weitem nicht immer gleich: „politischer „) Schlammschlachten und habe jetzt ein wenig in dieses „Thema“ hineingelesen.

Sie haben unfassbar recht und Recht: Das „alles“ ist an Widerwärtigkeit nicht mehr zu überbieten, – eigentlich.

Bis – wie Sie vorhersagen – zum nächsten Mal.

18) Dr. Dr. Joachim Seeger, Sonntag, 08. Januar 2012, 16:01 Uhr

@xpomul

Eine kurze Antwort: „Der Islam gehört zur Bundesrepublik Deutschland“ (Christian Wulff).

Halten Sie die These von Wulff nicht für bemerkenswert? Und dann noch von einem Christdemokraten …?

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


granny - the social agency from Berlin