Samstag, 31. Dezember 2011, 09:55 Uhr

Vom Stamme Nimm

Der Fall Christian Wulff begleitet die deutsche Politik und Öffentlichkeit (leider) auch ins neue Jahr. Je mehr Einzelheiten über sein merkwürdiges Finanzverhalten herauskommen, desto mehr stellt sich die Charakterfrage. Bisher ist bekannt, dass Wulff immer nur das an Fehlverhalten zugibt, was die Medien gerade aufdecken. Salami-Taktik nennt man so etwas. Erfolgreich war sie noch nie.

Jetzt, nachdem die BW-Bank erstmals und der Bundespräsident erneut zum umstrittenen Supersonderkredit Stellung genommen haben, ergibt sich ein noch deprimierenderes Bild. Wulff hat seine merkwürdige Hausfinanzierung immer erst dann geändert, wenn Aufdeckung drohte.

Erst nach der Anfrage der Grünen über Verbindungen zu Unternehmern wandelte er den Kredit des Ehepaares Geerkens in einen Kredit der BW-Bank um. Und diesen Spezialkredit, der nur für Unternehmen zur Zwischenfinanzierung üblich ist, bekam er offenbar nur deshalb, weil sein Unternehmerfreund Egon Geerkens den Kontakt zur BW-Bank herstellte. Und erst dann, als „Stern“, „Spiegel“ und BILD über seine Hausfinanzierung recherchierten, wandelte er den Supersonderkredit in ein normales Hypothekendarlehen um. 

Wulff versucht aber weiterhin, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Weil jetzt die BW-Bank erklärte, der Supersonderkredit sei erst am 21. Dezember in ein Hypothekendarlehen umgewandelt worden, schoben seine Anwälte nach, aber schon im November, also vor Aufdeckung der Affäre, sei darüber verhandelt worden. Ja klar, denn seit November waren Wulff die bohrenden Fragen und intensiven Recherchen der Medien bekannt. 

Wulff will den Eindruck erwecken, er habe aus eigener Einsicht gehandelt und nicht erst unter dem Druck der Presseveröffentlichungen. Das ist falsch. 

Er hat in keiner seiner Finanz- und Freundesaffären aus eigener Einsicht und aus eigenem Antrieb gehandelt. Auch den Preis eines Upgrading in die Business-Class  bezahlte er erst nach Aufdeckung durch den „Spiegel“ und den Preis für seinen Urlaub in der Mallorca-Villa des Unternehmers Carsten Maschmeyer bezahlte er offenbar nur deshalb, weil ihm Maschmeyer nach dessen Angaben dazu geraten hatte.

Ohne die Kontrollfunktion der Medien (und der niedersächsischen Grünen) hätte Wulff sein Finanzverhalten nie geändert. Er wäre immer noch Mitglied des Stammes Nimm.

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66 Kommentare

1) horst scharnhorst, Montag, 02. Januar 2012, 17:58 Uhr

Der Stamm Nimm ist sehr groß. Wulff ist ein Tollpatsch aus der Provinz. Jetzt hat er den Salat. Das kann man alles besser machen. Früher wurden nur Reiche Präsidenten. Oder nur Alte. Da stellte ich die idiotische Frage nach einem billigen Haus in einem langweiligen Ort nicht. Deutschland ist Provinz. Schlimmer geht’s nimmer. Laßt den armen Tollpatsch in seinem Amt – er ist Deutschland. Einer von uns.

2) Erster Karl, Montag, 02. Januar 2012, 18:39 Uhr

Was ist Charakter bei vielen unsere Politiker?

Zu Wulffs Fehlverhalten und der wahrscheinlichen Vorteilsnahme ist genug berichtet wurden und müsste eigentlich für einen Rücktritt reichen. Da aber in dieser Republik das „Krähenprinzip“ herrscht und auch die sogenannte unabhängige Justiz gerne bei solchen Leuten Zugeständnisse macht ( siehe letztes Beispiel Guttenberg ) glaube ich nicht so recht daran, dass Wulff zurücktritt.
Auch einen gewissen Zwang zum Rücktritt schließe ich vorerst aus, denn die Opposition verhält sich ja auch sehr zurückhaltend ( komischerweise auch die Linken) und gequält interessiert.
Sollten allerdings Wulffs Aussagen zum Abschluss seiner Reise in die Golfstaaten stimmen,
– Zitat aus der taz
Zwar seien Presse- und Meinungsfreiheit „immer ein Stachel im Fleisch der Regierenden und der Herrschenden“, sagte Wulff laut Berichten von Nachrichtenagenturen, am Ende seien sie aber „die beste Grundlage für erfolgreiche gesellschaftliche Entwicklung“. Zitat Ende
wäre er nicht mehr zu halten, nämlich in Anbetracht der nun bestätigten Telefonate mit Diekmann und Döpfner.
Hier steht die Glaubwürdigkeit( egal wie man sie persönlich bewertet) Deutschlands auf dem Spiel und würde nach meiner Auffassung mehr Schaden anrichten, als ein zweiter Rücktritt eines BP in kurzer Zeit.

3) EStz, Montag, 02. Januar 2012, 19:16 Uhr

@ 38) Mitschi, Montag, 02. Januar 2012, 13:37 Uhr

> Wer noch alle Sinne beisammen hat, konnte von Anfang an sehen,
> um was für eine scheinheilige, farblose Träne es sich bei Wulff handelt.

m Nachhinein ist jeder schlau 😉

4) Peter Christian Nowak, Montag, 02. Januar 2012, 19:53 Uhr

@28)Mark

(…)Ich halte die Legitimation daher für nicht ausreichend, insbesondere wenn man an den Niedergang der FDP denkt(…).

In der Tat.

Und was den Euro betrifft: Was wäre gewesen, wenn wir jetzt noch die DM hätten? Haben wir eine Eurokrise? Oder haben wir eine Schuldenkrise der Mitgliedsstaaten? Oder haben wir eine grundsätzliche Krise, die Europa dann infrage stellt, wenn es um Gemeinschaftung von Schulden, von Transfers im wahrsten Sinne geht – also eine Europakrise? Denn bis jetzt haben wir deutsche und ausländische Banken gestützt. Kein Cent floss in staatliche Förderung, weder nach Griechenland, noch nach Spanien oder Portugal usw.
Die Kanzlerin hat meiner Meinung nach den Begriff „Fiskalunion“ bewusst missbraucht. Eine Fiskalunion im wahrsten Sinne heißt doch: die Starken unterstützen die Schwachen, wie wir es auch durch den Länderfinanzausgleich kennen.

Gemeint ist aber: Sparen bis der Arzt kommt – will heißen: was gut für Deutschland (Agenda 2010) ist, ist gut für den Rest der Welt.
Und damit spart man sich in die Rezession, was Deutschland noch teurer käme – meiner Meinung nach.

Ist diese ganze Krise nicht mit dem ungezügelten kapitalistischen System verbunden, wenn man an unregulierte Finanzprodukte, oder das deregulierte Finanzsystem denkt?
Ist das derzeitige System nicht so gestrickt, dass eine kleine Minderheit vom System profitiert, während das Gros das Risiko trägt? Und ist das ganze Gerede um Rettung des Euros nicht ein Ablenkungsmanöver von den wirklichen Ursachen der Krise? Ist es nicht das System, das die Ursache des Übels verantwortlich gemacht werden müsste? Und: Gefährdet das derzeitige System nicht die Demokratie – dieses System, das von allen Neos so hoch gelobt wird und als Markstein wirtschaftlicher wie demokratischer Freiheit gepriesen wird? Ist es in Wahrheit nicht DAS Krebsgeschwür, das einer Minderheit auch in Krisenzeiten großartige Renditen verschafft und sich über doofe Politiker und doofe Bürger köstlich amüsiert? Sind wir im Konzert mit der politischen Klasse nicht gerade dabei, – wenn auch unbeabsichtigt – die Demokratie abzuschaffen, weil ein jeder von uns sich mehr um sich selbst kümmert und wenig gewillt ist, über eigenen hedonistischen Tellerrand einen Blick zu werfen? schaffen wir uns nicht in dieser Richtung ab, und weniger in Richtung krudem Weltbild vererbbarer Dummheit? Da hätte Sarrazin mal drüber schwadronieren können!

Oder: Wenn Finanzmanager eine Vergütung für Kapitalrendite bekommen, die nicht an die Risiken angepasst wird, wenn Bankmanager gewinnen, wenn die Dinge gut laufen, und wenn die Dinge nicht so gut laufen, sie nichts verlieren? – sich gewissermaßen auf die Systemrelevanz berufen dürfen? Und tatsächlich: Die springen übers Stöckchen, dank der angeblich so kompetenten Berater aus der Finanzwelt, die das ganze Desaster zu verantworten haben.

5) Namensvetter, Montag, 02. Januar 2012, 20:06 Uhr

23) Bernhard Paul, Sonntag, 01. Januar 2012, 20:55 Uhr:
„Es ist hier sehr viel Doppelmoral unterwegs…“

Im Prinzip stimme ich Ihnen zu. Aber warum ist das so? Wie wird sich das zukünftig entwickeln?

Es gibt Ämter und Positionen, die als Rolle eines gesellschaftlichen Vorbildes angelegt sind. Das Bundespräsidentenamt gehört dazu. Man kann der Meinung sein, dass das Volk einen „Heiligen“ als Präsident gar nicht verdient hätte. Das darf ruhig die Toleranz der Wählenden beeinflussen; die Konzeption und die Verpflichtungen für den Amtsträger sind damit aber nicht beiseite zu wischen. Wer sich auf das Amt einlässt, muss sich an dieser Rolle messen lassen und an seiner Integrität geprüft werden dürfen. Der Anspruch des Volkes auf diese Funktion ist für die Demokratie so wesentlich und selbstverständlich wie bspw. der eines Kriminellen auf einen fairen Prozess, auch wenn der Begünstigte dieses Anspruches das Recht mit Füßen getreten hat.

Dem wird Wulff nicht gerecht. Dass eine Doppelmoral in der Diskussion zu erkennen ist, liegt vielleicht daran, dass er nur mit einer Marginalie beispielhaft für viele andere steht, die ähnliche Verpflichtungen treffen. Es zählt das Gesamtbild. Nachlässigkeiten um harte politische Fakten wiegen aus meiner Sicht viel schwerer. Wulff vervollständigt diesbezüglich schlichtweg einen Eindruck und sät Zweifel. Ist z.B. die Eurorettung sachgerecht oder durch den Einfluss von Lobbygruppen geprägt? „Rettung“ oder Untreue gegenüber dem Steuerzahler? Analog zur Antwort auf solche Fragen wird Steuerhinterziehung als asozial, Bagatelle oder Notwehr interpretiert. Amtsträger wie Wulff können die Antworten der Bürger langfristig wesentlich beeinflussen. Ein positives Beispiel dafür will mir nicht einfallen.

6) Michael A. Nueckel, Montag, 02. Januar 2012, 21:21 Uhr

Wie einige hier nicht zu Unrecht bemerken, sollten wir den Blick für die Verhältnisse wahren – und es gibt ja weitaus drängendere Probleme. Und dann wird bei dem Stamm Nimm nicht nur der Sprößling Wulff „belastet“ sein. Doch es gibt keinen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht, und nur weil es auch andere (unentdeckte) Nimm´s gibt, muß der Stammesbruder Wulff nicht ungeschoren davon kommen. Denn wir haben „nur“ EINEN Bundespräsidenten, und der sollte zumindest den Anschein der Unverfänglichkeit, der Souveränität und der Seriösität wahren – und sei es, dass er mit den Vorwürfen wahrhaft präsidial umgehen kann, was die Frage miteinschließt, ob man dann nicht früher eine andere Linie gegen die bekanntermaßen „ermittelnde“ Presse hätte fahren sollen. Das alles ist bei Wulff hoffnungslos in die Hose gegangen. Hier ist ein Emporkömmling aus bescheidenen Verhältnissen an seine Grenzen gestoßen, auch wenn er das nicht wahrhaben will, weil er sich wohl für überlegen und grandios hielt. Doch jetzt erfolgt gnadenlos der Rückstoß nach dem herben Aufprall an der Mauer, weshalb man allmählich sagen muß: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Wulff beschädigt das Amt, er ist eines Präsidenten nicht (mehr) würdig, dieser Anzug ist jetzt mehr als nur eine Nummer zu groß für ihn – erst recht, wo er jetzt so klein gemacht wird. Daher: @ Rüdiger Dierke 36), @ Mitschi 38), @ Michael 41), @ Ralf E. Hansen 42), @ marcpool, 45) u.a.: ich stimme Ihnen allen zu.

@ Ste, 45): Nein, eher welche Sau danach durch´s Dorf getrieben wird.

7) Reinhard Rätzel, Montag, 02. Januar 2012, 22:21 Uhr

Auf ein Neues – nur, wie lange noch? Der Titel des Wulff-Buches entbehrt jedenfalls nicht der ungesunden Selbstüberschätzung die nun, nach der Sprachaufzeichnung beim Bild-Chefredakteur, eine völlig neue Qualität erreicht hat.
Welche „Bodenhaftung“ haben unsere „Würdenträger“ eigentlich noch? -vermeintlich keine, denn wer sein Krisenmanagement so nachhaltig an die Wand fährt, lebt den präsidialen Stresstest bis er in allen Kasten zur persona non grata herabgestuft wird.
Es ist wirklich sehr bedauernswert. wie sich wieder einer selbst von der Gallionsfigur zum „wer bitteschön ist Christian Wulff ?“ downgradet.
Hab´n wir jetzt auch dafür einen Rettungsschirm? – Arme Angie…………
Der „Bellevue-Countdown“ in Berlin scheint schon wieder zu laufen…………..

8) JG, Montag, 02. Januar 2012, 22:38 Uhr

Nach den heute bekannt gewordenen neuen Vorwürfen, dem (ratlosen?) Schweigen aus Schloß Bellevue und dem („lautstarken“) Schweigen der bisherigen Wulff-Freunde könnten wir doch eigentlich anfangen zu diskutieren, wer – im Februar oder März – Nachfolger werden dürfte?

Wird Mutti versuchen, ihren Fehler vergessen zu machen, gerade indem sie ihn eingesteht und reumütig probiert, Gauck zum Kandidaten zu machen, der sich einer großen Mehrheit in der Bundesversammlung sicher sein dürfte? Oder wird sie einen weiteren vermeintlich pflegeleichten Gruß-August aus dem Hut zaubern, obwohl Union und FDP nur noch ganz knapp die Mehrzahl der Mitglieder der Bundesversammlung bestimmen dürfen (siehe http://www.wahlrecht.de/lexikon/bundesversammlung.html)?

9) Wertkonservativliberaler, Montag, 02. Januar 2012, 22:57 Uhr

Welchen Affentanz musste ich vollführen, um als promovierter Volljurist ein Existenzgründerdarlehen (Rechtsanwalt) in Höhe von 18.000 EUR bei einer öffentlichrechtlichen Bank zu erhalten! Lebensversicherung abschließen und Abtretung derselben als Sicherheitsleistung. Zusätzlich Provisionen für eine öffentlichrechtliche Bürgschaftsbank.

Und diese Wullf-Dämlichkeit! Privatdarlehen als Ministerpräsident aufnehmen! So dämlich sein, gegenüberi einem Bild-Chefredakteur Drohungen auf Mailbox zu sprechen!

Er soll dennoch in Amt bleiben:

Neben Walter Scheel, Richard v. Weizsäcker, Roman Herzog und Horst Köhler möchte ich als Steuerzahler nicht noch einen weiteren (52-jährigen!!!) Alt-Bundespräsidenten mit Anspruch auf „Ehrensold“ (volles Bundespräsidentensalär plus Büroleiter plus Sekretärin plus Fahrbereitschaft auf Lebenszeit!) durchfüttern!

Für den Job eines Bundespräsidenten sollte in Zukunft nur die Generation 70 + in Frage kommen! Mit Rücksicht auf den Steuerzahler.

10) Bernd, Dienstag, 03. Januar 2012, 00:09 Uhr

3.) @ Dieter Carstensen , @ alle
*Ich weiss noch, wie seinerzeit, ich meine es war der Spiegel, für die Politikerkaste und ihren *Machtmissbrauch in der DDR und UdSSR der Begriff “Nomenklatura” in unseren Sprachgebrauch *eingeführt wurde.

Also da tun Sie dem Spiegel zu viel Ehre an.
Das Wort Nomenklatur ist lateinischen Ursprungs und bedeutet Namensliste.
Bei der Übernahme ins Russische hat die Endung „a“ die grammatikalische Funktion des Genus Femininum. Auch auf Russisch bedeutet „Nomenklatura“ eigentlich nur Namensliste. Im engeren Sinn galt der Begriff für Namen von Personen, die aus Sicht der sowjetischen Staatspartei KPdSU, als von Jugend an förderungswürdig für Führungsaufgaben in Staat und Partei galten. Angehörige der Nomenklatura sind also nicht per se böse Menschen. Erst deren Entwicklung zeigt, ob sie der Verführung der Macht erliegen oder nicht. Auch Michail Gorbatschow und seine Frau Raissa gehörten zur Nomenklatura.
Wenn es, wie Sie Herr Carstensen meinen, der Spiegel war, der dieses Wort in den Sprachgebrauch eingeführt hat, so haben dessen Journalisten damals schludrig recherchiert und so zur Mißdeutung des Wortes beigetragen.

11) Maren P., Dienstag, 03. Januar 2012, 00:10 Uhr

Ob links, ob rechts, niemand kann ernsthaft wollen, dass eine fragwürdige Allianz aus Springer, Bertelsmann und Holtzbrinck Bundespräsidenten aus dem Amt und neue in das Amt schreiben. Nicht um der Bundesrepublik zu dienen, sondern nur, um Macht zu demonstrieren.
Wulff ist wirklich der passende Klapskalli an der Spitze der Bananenrepublik. Aber brauchen wir dazu die BLÖD, um das zu erkennen? Ein schmieriges Boulevardblatt, dass man sehr gut einfach ignorieren kann?
Wulff wird zurücktreten. Aber wen kriegen wir dann? Jemand von Friede Springers, Liz Mohns und Sabine Christiansens Gnaden, weil Angie Freundinnen braucht? zu Guttenberg, den ebenfalls gut geölten Blender?
Die Perspektiven werden mit dem Rücktritt einfach nicht besser!

12) Reinhard Rätzel, Dienstag, 03. Januar 2012, 01:49 Uhr

46/2
Es ist , wie es ist…….die köll´sche Variante erspare ich mir

Bisher war ich der Meinung, dass die Menschen in der Politik eine genetische Abweichung zur übrigen Bevölkerung aufweisen. Erst diese Tatsache ermöglicht ihnen im politischen Alltag ein Überleben. In den letzten Jahren jedoch hat die genetische Forschung große Fortschritte in der Entschlüsselung fundamentaler Zusammenhänge geliefert, es wurde sogar die vollständige Entschlüsselung des menschlichen Genoms verkündet.
Offensichtlich hat das aber alles nichts mit meiner wohl irrigen Annahme zu tun, dass Politiker an einer genetischen Abweichung auszumachen wären. Es handelt sich wohl doch nur um Zustände, die in der Herkunft, der frühkindlichen Einflüsse und dem gesamten entwicklungspsychologischen Portfolio begründet sind. Eine Nähe zu sarraziniereden Theorems weise ich an dieser Stelle ausdrücklich von mir.

Eigentlich Schade, hätte doch die Genetik viele der besonderen Verhaltensweisen mehr oder weniger nachvollzieh- und erklärbar erscheinen lassen.

So sind wir, als nicht „belastete“ Normal-Bürger nach wie vor in der schwierigen Situation eines Kreditgebers, unseren Repräsentanten den erweiterten Vertrauens- und Kreditrahmen für sein „Unternehmen“ zu gewähren, dessen Business-Plan uns nur in Fragmenten vorliegt, geschönt ist, bzw. einen anhaltenden, negativen, Cash-Flow ausweist.

13) Andreas, Dienstag, 03. Januar 2012, 07:56 Uhr

So, so, vom Stamme Nimm – mag sein, aber Herr Spreng: wie oft profitieren Sie und Ihre Journalistenkollegen von Sonderkonditionen für Journalisten? Beim Autokauf? Beim Telefonieren? Bei Urlaubsreisen?

Ich weiß aus sicherer Quelle, dass z.B. die Redakteurin einer großen überregionalen Tageszeitung sich gerne äußerst günstig in einer Fastenklinik entschlacken lässt und anschließend über das Haus auch wohlwollende Artikel schreibt.

Tut mir leid, Herr Spreng, aber für mich sind gerade Journalisten nicht weniger vom Stamme Nimm als Politiker – sie greifen vielmehr weitaus gedankenloser zu, denn wer sollte darüber berichten?

14) Günter Springer, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:04 Uhr

Man muß sich für die Repräsentanten dieser Republik schämen.
Sie selber besitzen weder Scham noch Gewissen.
Um diesen Umstand zu beschreiben reicht das Wort „Schlimm“ nicht mehr aus.
Herr Wulff, ich fordere Sie auf sofort zurückzutreten und auf alle Absicherungen zu verzichten.
Das Amt des Bundespräsidenten ist durch Sie, Herr Wulff, dermaßen beschädigt, das es abgeschafft gehöhrt.

15) Eine Juristin, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:52 Uhr

Uhh la la.
Herr Spreng bringt es auf den Punkt.
Herr Wulff ist ein Mitglied des Stammes Nimm.
Gleichzeitig stammt er auch von den Stämmen Salamischnitt-Hanswurst, Pluster&Charakterlos und Dreist.

Demokratie wird langsam etwas, was sich bald nur noch im Museum betrachten lässt.
Kein Politiker brüllt, ob das Wülfilein im schlechtsitzenden Schafspelz noch ganz knusper ist.
Nein, es wird verdächtig laut geschwiegen.
Ein Schelm wer Böses dabei denkt…

Wie sagten schon mein Ausbilder (leider mit einem Augenzwinkern) und mein Bruder: Wer an öffentliche Aufträge kommen will schmiert die Amtsinhaber. Das sei ein Grundprinzip. Ob man da mitschwimmen will ist halt eine Charakterfrage. Seitdem ich viele solche Fälle immer wieder konkret gesehen habe, widert mich die politische Klasse an, wie kaum jemand anderes. Immer diesselben Staubsaugervertretertypen mit kleinem goldfarbenem Sondersäcklein im Vertreterkoffer.

Achja! Neulich im Nachbarort:
Bürgermeister X konnte sich überhaupt net erklären, wieso 3 Großunternehmen seit 10 Jahren keine Gewerbesteuer zahlen mussten.
Ausserdem habe er keine Zeit für ein Interview (trotz Staatsanwaltschaft um Rathaus), da er jetzt auf ein Rockkonzert nach Grossbritannien reisen müsse. Das sei sein Urlaub und schließlich wohl verdient. Halleluja!

Pfui!

16) Michael A. Nueckel, Dienstag, 03. Januar 2012, 11:12 Uhr

@ Andreas, 58)

Wieso stürzen Sie so auf die Sonderkonditionen für gerade die Journalisten??? Selbst ein kath. Pfarrer profitiert beim Autokauf von einem Rahmenvertrag, ebenso Mitarbeiter großer Unternehmen u.v.m. Was ist daran so schlimm, wenn Arbeitgeber, berufständische Ogranisationen u.a., ja z.T. sogar (Sport-) Vereine im Amateurbereich ihre Einkaufsmacht bündeln? Höre ich da Neid heraus?

17) karola, Dienstag, 03. Januar 2012, 13:18 Uhr

So viele Kommentare – auf Wulff – und die Frage bleibt – ist es diese Geschichte überhaupt wert ?
Richtig gesehen von Herrn Spreng – die Springer Presse steht gut da als Verfechter der Pressefreiheit und Wulff ist der ausgewiesene Verlierer.

Der war er aber von Anfang an. Nur durch Merkels Gnaden und Parteiräson in dieses Amt gekommen – warum eigentlich war gerade er der Auserwählte?

Gute Politikberater bemühen heutzutage Psychologen um zu psychologischen Erkenntnissen über einen Probanden zu kommen. Die Amerikaner tun es – denn dann wissen sie – wie sie jemanden manipulieren können, ob sie es können, wo Schwachpunkte sind etc.. Profiler können das.

Dass Wulff ein ideales „Opfer“ für Profiler gewesen wäre, ist sicher. Hätte man also seine Biografie, seine Sozialisation, seine Identitätsfindung im Laufe der Jahre genauer untersucht, wäre man zu dem Schluss gekommen, dass er genau das ist, was er heute zeigt: Ein naiver Mann in mittleren Jahren, stolz auf das, was er geworden ist. Seine Identität ist der Stolz, das Amt, nicht seine Ideale, denn die hat er nicht. Sein Ideal ist die Macht, das Amt. Das Amt oder die Macht ansich, sind leer, Hülsen, die gefüllt werden müssen mit Idealen. Aber da er diese nicht hat – bleibt das Amt leer – welches er selbst beschädigt hat indem er diesem keinen Inhalt gegeben hat.

Viele Jäger sind des Hasen Tod. Ein Mensch ohne Ideale, in einem hohen Amt, muss zu Fall kommen, wenn Journalisten nur richtig recherchieren und arbeiteten wie Profiler arbeiten würden.

Zum Schutz für Wulff – fangen alle (Journalisten als Profiler) mal bei Merkel an, sie profilerisch auseinanderzunehmen und nach Unstimmigkeiten zu suchen und dann das ganze Prozedere auf die gesamte Bundesregierung ausweiten – dann können wir alle noch mal über Wulff reden.

Kurz gesagt: Wer ohne Schuld, der werfe den ersten Stein.

18) Andreas, Dienstag, 03. Januar 2012, 13:53 Uhr

@Michael, 61)

Wer sagt Ihnen denn, dass ich nicht ebenfalls von Sonderkonditionen profitiere? Der Neidverdacht ist unsachlich.

Versuchen Sie zu verstehen: Journalisten verfügen über etwas, was für viele interessant ist: Zugang zur veröffentlichten Meinung. Und da liegt es nahe, positiv auf die Berichterstattung Einfluss nehmen zu wollen. Das geschieht in vielfacher Art und Weise und ich bin sicher, Herr Spreng könnte seitenweise Versuche schildern, wie es bei ihm versucht wurde.

Es ist daher schlicht problematisch, dass viele Journalisten (nicht alle) sehr hohe Maßstäbe an andere anlegen, gerne auch unter Berufung auf die Meinungs- und Pressefreiheit, sie aber selbst nicht ansatzweise einhalten. Das Thema Vergünstigung für Journalisten ist im Übrigen selbst unter Journalisten ein heiß diskutiertes – denn der Verdacht liegt nahe, dass Gefälligkeiten durch positive Berichterstattung belohnt werden wollen.

19) Reinhard Rätzel, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:27 Uhr

ich stelle fest ! die Luft wird zusehends dünner…….. daher eine kleine Metapher.
CH BIN DANN MAL WEG…………

das Wort Hape Kerkelings könnte ebenso für Christian Wulff zu gelebter Erfahrung werden. Das hieße nicht zwangsläufig, den Weg nach Santiago de Compostela zu gehen, aber „einen Gang“ wurde es schon erfordern – das Ziel muss jedoch klar erkannt worden sein.
Sind wir nicht alle Wanderer, die sich irgendwann schon einmal „verlaufen“ haben.Dann spätestens gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren, den Kompass zur Hilfe zu nehmen, oder sei es ein GPS Empfänger.
Hilfsmittel und Helfer gibt es so viele wie Sand am Meer – die Kunst des Managements besteht in der zielsicheren Auswahl und der Festlegung auf die Marschrichtung.
Was es letztendlich bedeutet eine falsche Richtung eingeschlagen zu haben, erfährt der Pilger spätestens am Abend nach des Tages Kräfte verzehrendem Marsch.
Nun wird mit der Erreichung des Ziels, bzw. der Herberge für die Nacht belohnt, oder :
er bleibt ungeschützt der Unbill der Natur ausgeliefert.

Hier wäre das „eli eli lama sabachthani“ als die letzten Worte des Herrn an seinen Vater angemessen, um das Verlassen des Schauplatzes der selbst erkannten Hybris, zu meistern

20) Michael A. Nueckel, Dienstag, 03. Januar 2012, 17:43 Uhr

@ Andeas, 63), 58)

Ihre Replik überzeugt mich nicht so ganz: Es ist -wenn überhaupt- ein Thema, das hierin nicht paßt. Denn es hat Totschlagsargumentcharakter. Sonderkonditionen, durch Kammern u.a. ausgehandelt (Telefon, Auto), wofür der Einzelne sodann in den Genuß kommen kann, sind derart institutionalisiert zustande gekommen, dass ich die Gefahr der Gefälligkeit ggü dem Einzelnen nicht erkennen kann. Was die Maßstäbe betrifft, naja, dann würden ca 30 % unserer Pfarrer, und x % unserer Richterschaft ebenfalls an den -wie Sie sagen- selbst gestellten Ansprüchen scheitern; hab´ ich jemanden vergessen? Nehmen wir also Ihren Satz (und verfremden ihn ein bißchen): „Es ist daher schlicht problematisch, dass viele … (nicht alle) sehr hohe Maßstäbe an andere anlegen, gerne auch unter Berufung auf …, sie aber selbst nicht ansatzweise einhalten.“ Mit diesem Ansatz können Sie alle packen: Auch Polizisten, die sich nachts bei McDonalds das kostenlose Essen abholen, erst recht Ärzte bei Fachkongressen der Pharmaindustrie an malerischen Urlaubsorten und, und, und. Eine andere Sache ist die mißbräuchliche Verwendung des Presseausweises, und die von Ihnen genannte positive Berichterstattung für Gegenleistung (z.B. Ihr Beispiel). Das ist kein Problem der Vergünstigung, sondern müßte unter Bestechung laufen. Das ist eine ganz andere Nummer und kein Fall des Journalistenrabatts. Diese Doppelmoral haben viele, ich kenne einen mit Bundesverdienstkreuz u.a. ausstaffierten Prof. für Ethik aus D, der in seinem Nebenamt als GF einer Akademie Mitglieder der wiss. Projektgruppen ausbeutet. So sind die Menschen, die Journalisten wohl nicht besser, aber auch nicht schlechter. Ich muß mich dann immer an Erving Goffmann erinnern: „Wir alle spielen Theater.“

21) Reinhard Rätzel, Dienstag, 03. Januar 2012, 18:33 Uhr

nun denn – wie in wenigen Stunden die Großwetterlage derart umschlagen kann….
wie war das mit „in Gottes Hand sein“, auf dem Meer , vor Gericht und ?

Die „Affäre Wulff“ wird wohl bald keine mehr sein. Stellt sich die Frage, woher eine Neue oder einen Neuen nehmen.
Joachim Gauck leidet m.E. nicht am „Schwan-Syndrom“, aber würde er´s jetzt noch wollen? – zu früh?
da gibt´s wohl demnächst erhöhten Bedarf an Kreativität bei der Ausschau nach unbelastetem „Material“ – die Brainstorming – Vorrunden sind bereits konspirativ in Klausur, nur Ergebnisse darf keiner erwarten, zumindest nicht, solange in Großburgwedel oder wo auch immer, die weiße Fahne gehisst wird.
by the way: Ehrensold ist eine schöne Sache; hier sollte sich der Gestzgeber alsbald um eine sinnvolle Nachbesserung bemühen, i.B. ,wenn die Halbwertzeiten des BP weiter in den Keller gehen.

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