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Vom Stamme Nimm

Der Fall Christian Wulff begleitet die deutsche Politik und Öffentlichkeit (leider) auch ins neue Jahr. Je mehr Einzelheiten über sein merkwürdiges Finanzverhalten herauskommen, desto mehr stellt sich die Charakterfrage. Bisher ist bekannt, dass Wulff immer nur das an Fehlverhalten zugibt, was die Medien gerade aufdecken. Salami-Taktik nennt man so etwas. Erfolgreich war sie noch nie.

Jetzt, nachdem die BW-Bank erstmals und der Bundespräsident erneut zum umstrittenen Supersonderkredit Stellung genommen haben, ergibt sich ein noch deprimierenderes Bild. Wulff hat seine merkwürdige Hausfinanzierung immer erst dann geändert, wenn Aufdeckung drohte.

Erst nach der Anfrage der Grünen über Verbindungen zu Unternehmern wandelte er den Kredit des Ehepaares Geerkens in einen Kredit der BW-Bank um. Und diesen Spezialkredit, der nur für Unternehmen zur Zwischenfinanzierung üblich ist, bekam er offenbar nur deshalb, weil sein Unternehmerfreund Egon Geerkens den Kontakt zur BW-Bank herstellte. Und erst dann, als „Stern“, „Spiegel“ und BILD über seine Hausfinanzierung recherchierten, wandelte er den Supersonderkredit in ein normales Hypothekendarlehen um. 

Wulff versucht aber weiterhin, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Weil jetzt die BW-Bank erklärte, der Supersonderkredit sei erst am 21. Dezember in ein Hypothekendarlehen umgewandelt worden, schoben seine Anwälte nach, aber schon im November, also vor Aufdeckung der Affäre, sei darüber verhandelt worden. Ja klar, denn seit November waren Wulff die bohrenden Fragen und intensiven Recherchen der Medien bekannt. 

Wulff will den Eindruck erwecken, er habe aus eigener Einsicht gehandelt und nicht erst unter dem Druck der Presseveröffentlichungen. Das ist falsch. 

Er hat in keiner seiner Finanz- und Freundesaffären aus eigener Einsicht und aus eigenem Antrieb gehandelt. Auch den Preis eines Upgrading in die Business-Class  bezahlte er erst nach Aufdeckung durch den „Spiegel“ und den Preis für seinen Urlaub in der Mallorca-Villa des Unternehmers Carsten Maschmeyer bezahlte er offenbar nur deshalb, weil ihm Maschmeyer nach dessen Angaben dazu geraten hatte.

Ohne die Kontrollfunktion der Medien (und der niedersächsischen Grünen) hätte Wulff sein Finanzverhalten nie geändert. Er wäre immer noch Mitglied des Stammes Nimm.