Kommentare
97
Tagcloud
BILD Bild am Sonntag CDU CDU/CSU Christian Wulff CSU Der Spiegel Die Linke FDP Grüne große Koalition Hartz IV Helmut Schmidt Kohl Linkspartei Merkel Philipp Rösler Schäuble Schröder Schwarz-Gelb Seehofer Sigmar Gabriel SPD Steinbrück Steinmeier Steuersenkungen Stoiber Wahlkampf Westerwelle zu Guttenberg
Dienstag, 03. Januar 2012, 09:40 Uhr

Das Schlusskapitel

Das letzte Kapitel in der Geschichte des Sturzes von Bundespräsident Christian Wulff ist zugleich das unappetitlichste. Es ist erneut unrühmlich für den Präsidenten, aber auch für die agierenden Medien.

Weil sich BILD nicht selbst die Finger schmutzig machen wollte (es gibt ja noch so etwas wie ein Fernmeldegeheimnis), gab die Zeitung den vertraulichen Inhalt eines Telefonates an die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS) und die “Süddeutsche Zeitung” weiter, die sich für das Schlusskapitel instrumentalisieren ließen. BILD lieferte den Inhalt und bestimmte das Timing, die beiden sogenannten seriösen Blätter erfüllten ihre Rolle in der BILD-Dramaturgie. BILD brauchte nur noch zu bestätigen.

So weit die Inszenierung, denn die ”Bild-Zeitung” wusste seit der ersten Veröffentlichung, welchen finalen Pfeil sie noch im Köcher hat.

Journalistisch ist aber auch nachvollziehbar, warum sich FAS und “Süddeutsche” in dieser Form instrumentalisieren ließen. Die exklusive Vorweihnachtsansprache Wullfs auf der Mailbox des BILD-Chefs ist nun einmal eine Top-Story. Da lässt sich ein Präsident (“Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut”) so tief in sich selbst herab, dass er eine Zeitung bedroht, um mit aller Macht eine unliebsame Veröffentlichung  zu verhindern. 

Vielleicht dachte Wulff damals noch, er spräche mit einem alten Freund, mit dem er doch so viele schöne Geschichten gemeinsam gemacht hat. Und mit dem er ganz offen reden könne. Aber da gilt die alte Regel: Lieber einen guten Freund verlieren als eine gute Geschichte. Insbesondere dann, wenn der Betroffene keinen Schirmherren oder keine Schirmherrin im Konzern hat.

Auf jeden Fall waren die Drohungen (“Krieg”, “endgültiger Bruch”, “Rubikon überschritten”) ein tödlicher Fehler und es war  unsagbar dämlich, sie auch noch zu Diktat zu geben. Die Drohungen waren ohnehin lächerlich, denn auch ein Bundespräsident ist gegenüber BILD (oder anderen mächtigen Medien) nur ein Bittsteller, wenn er eine so schmierige Kreditaffäre am Hals hat.

Unfassbar auch, dass Wulff in Kenntnis der Bombe auf Kai Diekmanns Handy in seiner Erklärung zur Kreditaffäre noch über die Pressefreiheit redete, ohne rot zu werden. Auch dies beweist den Realitätsverlust Wulffs und die Verdrängungsmechanismen bei der Bewältigung einer solchen Affäre. Wieder ein Fallbeispiel für katastrophales Krisenmanagement.

Wulff hatte seinen moralischen Kredit schon vor dem finalen Schuss verbraucht. Es wird Zeit für ihn zu gehen. Und im Abgang schafft er es noch, BILD und den BILD-Chefredakteur zu Helden der Pressefreiheit zu machen. Sauber hingekriegt, Herr Präsident.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

97 Kommentare

1) Rischeck, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:03 Uhr

Warum hat sich eigentlich niemand empört, als der Herr Bundespräsident im Fall Sarazin die grundgesetzlich verbriefte Meinungsfreiheit mit Füßen getreten hat? Und warum erinnert sich in den aktuellen Pressekommentaren niemand daran?

2) C.Mayer, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:14 Uhr

Wie naiv muss Herr Wulff gewesen sein, auf Diekmanns Mailbox seine Schimpfkanonade auch noch zum Diktat zu hinterlassen. Damit war klar, dass nach dem ersten Schuß am 13.Dezember sich der entscheidende Blattschuss im Köcher befand um pünktlich nach den Weihnachtsferien abgefeuert zu werden. Wulff hat mit diesem Anruf auf die Mailbox und dem nachfolgenden Erklärungen bewiesen, dass er nicht die Statur hat, die dieses Amt verlangt. Der Bundespräsident hat keine eigentliche Macht, er ist eine moralische Instanz, er sollte durch seine persönliche Integrität ein hohes Ansehen im Volk genieße, Dieses Ansehen hat Herr Wulff für immer verspielt, da ihm die menschliche Reife fehlt, die dieses Amt verlangt. Ein Bundespräsident, der sich wie ein herumpolternder Lokalpolitiker verhält, der den Chefredakteur seines Lokalblattes anruft, wenn ihm die Berichterstattung nicht passt, hat einfach nicht den Stil, den dieses Amt verlangt. Christian Wulff ist kein Bundespräsident, er war es nie gewesen. Warum Frau Merkel eine solch schwache Persönlichkeit auserkoren hat, wäre auch eine Diskussion wert.

3) Uli, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:19 Uhr

“Wer mit der BILD im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.” – Mathias Döpfner.
Zu der ganzen Angelegenheit sollte man sich unbedingt noch mal alte BILD Artikel zu Gemüte führen::
http://www.bildblog.de/35960/gewitter-im-aufzug-bei-christian-wulff/

Eine neue Frau schwängern während man noch mit der alten verheiratet ist? Kein Problem für einen “konservativen”, “christlichen” Politiker so lange man die BILD auf seiner Seite hat!
Herr Wulff war schon immer der falsche Mann für den Job, aber so lange er von den Medien hofiert wurde fiel es nicht ganz so sehr auf.

Nun bleibt nur noch eine Frage: Braucht Deutschland nach Wulff überhaupt noch einen Bundespräsidenten oder sollte man das Amt lieber ganz abschaffen?

4) Ekkehard von Weiher, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:23 Uhr

Alles nur ein schlechter Fake ?
Günter Wallraff: Ganz oben Ganz unten :
Der Mann, der bei „Bild“ Christian Wulff war…

5) EStz, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:26 Uhr

Am Anfang stand nur ein vergleichsweise läppischer Kredit von einem väterlichen Freund. Was hat er daraus nur für eine Affäre gemacht? Wie dumm kann ein Mensch alleine sein?

Timber…

6) Horst Schmidt, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:30 Uhr

Christian Wulff und ihnen sei gedankt für die Klarheit. Wulff wußte wo die “Macht” sitzt, Sie schreiben es.

“Insbesondere dann, wenn der Betroffene keinen Schirmherren oder keine Schirmherrin im Konzern hat.”

Also die Zeit ist reif, die Schirmherrin sollte den schützenden Schirm über Angela Merkel wegziehen und sie im Regen stehen lassen.. Dieses Land und Europa we)ü)rden es ihr danken.

Dennoch. Auch Sie Michael Spreng können die entscheidende Frage nicht beantworten, warum diese “Kampagne” gerade jetzt gefahren wird und gegen wen sie eingetlich gerichtet ist. Denn eines scheint wohl klar zu sein, Wulff kann nicht das eigentliche Ziel, Opfer sein. Er selbst, aber auch das Amt wären es nicht “wert”.
.
Hier wird über Bande an der Demontage – Zeit wird es!!! – von Angela Merkel gearbeitet.
Nicht zu vergessen,. auch aus dem anderen Schirmherrinhaus Mohn wird scharf auf Wulff geschossen. Mit einer einzigen Ausnahme, Hans Ulrich Jörges will NOCH nicht so richtig mitziehen.

7) Joachim Saxowski, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:33 Uhr

Bei alledem sollte man nicht vergessen wer diesen Präsidenten,auch gegen erhebliche Widerstände
(drei Wahlgänge sprechen für sich) in den eigenen Reihen,in das Amt gebracht hat.Es sollte auch daran erinnert werden,wer ohne Not als Verfassungsorgan Solidaritätserklärungen für ein anderes Verfassungsorgan abgegeben hat,was unüblich ist.

Die “Affäre Wulff” ist im Begriff auch eine “Affäre Merkel” zu werden.

Nicht der Rücktritt des Bundespräsidenten vom Amt wäre die Staatskrise,sondern sein Verbleib.

8) Kehraus, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:46 Uhr

Richtig! Und am wichtigsten finde ich Ihren Hinweis über die “BILD-Dramaturgie”. Es gibt ein Drehbuch in dieser ganzen Geschichte, welches Bild in den Händen hält. Leider wird viel zu wenig über den Grund dafür gesprochen als über die Auswirkungen. Woher kommt der Bruch mit Bild? Was steckt dahinter? Nur eine gute Story sicher nicht. Bild hat ihn hochgeschrieben und warum gerade jetzt das Gegenteil?

9) Ekkehard von Weiher, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:47 Uhr

Frau von der Leyen kann hoffen:
“Die Männer machen es nicht gut”
Zitat von Hildegard Hamm-Brücher
in der ARD Sendung “Günther Jauch”

10) christoph, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:49 Uhr

herzlichen dank, herr spreng. herr wulff wird nach seinem rücktritt respekt für diesen schritt einfordern. aber den hat er mitte dezember verspielt.

11) Politikverdruss, Dienstag, 03. Januar 2012, 10:54 Uhr

Ohne Kommentar:”Aber da gilt die alte Regel: Lieber einen guten Freund verlieren als eine gute Geschichte.”

12) Black-Jack, Dienstag, 03. Januar 2012, 11:20 Uhr

Herr Wulff hat so eindrucksvoll bestätigt, was viele politisch interiessiert Mitbürger schon lange vermuten. Wir werden von einer karrieresüchtigen, ergomanischen Kaste von Berufspolitikern gegängelt, den es an vielen Persönlichkeitsmerkmalen für eine gemeinwohlorientierte Führungskraft mangelt. Bemerkenswert ist hierbei nur, das die schwarz-gelben Repräsentanten mit ihren ureigensten wertevorstellungen (die grundsätzlich richtig sind) momentan die nach unten weit offene Richterscale immer wieder überbieten.
Danei sind die Hauptakteure der Roten, Grünen, und wer weiss was da noch kommt, auch nicht viel besser.
Dieser Typus Mensch (wie Herr Wulff) als Politakteur ist der Totengräber der Demokratie. Nur nicht anecken! Für eigentlich nichts gerade stehen; keine wirklichen Ziele bis zur praktikablen Realisierung verfolgen. Stets das eigene Interesse bzw. fortkommen (oder Geldsparen auf Kosten anderer) im Auge, vollkommen abgehoben von der Realität. Im esentlichen nur an oberflächlichen Schlagzeilen interessiert, die öffentlichkeitswirksam (wenn überhaupt) mit großem Tam-Tam vorgetragen werden; aber schon am nächsten Tag in der Versenkung verschwinden. Mit der Pauschalentschuldigung; die aktuellen Mehrheiten sind nunmal dagegen. nur wie soll sich etwas ändern, wenn sich keiner mehr der hochbezahlten Hauptakteure für die Überzeugung on Mehrheiten ggf. über Monate und Jahre einsetzt.
Mit einer solchen Politikermentalität (verdrängen, verschweigen, vertuschen) lösen wir weder die Bankenkrise (Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren); das Problem der überbordenden Gesundheitskosten (fehlende Transparenz und Qualitätskriterien), die Ausbildungsmisere (Perspektiven und Jobs für unsere Kinder); die Umweltverschmutzung (Wachstum bis ein Krebs uns hinwegrafft), die zunehmende Bedrohung durch Fanatismus, egal wo er herkommt (Geld für Militäreinsätze ja, aber zuwenig für langjährige Entwicklungshilfe als Hilfe zur Selbsthilfe in gleicher Höhe); das Mobilitätsproblem (mehr auto geht nicht mehr; aber für die halbstaatliche Bahn und komunale ÖPNV sind keine zukünftsfähigen Konzepte erkennbar; usw., usw.
Warum haben wir imemr noch keine scharfen Gesetze gegen Abgeordneten bestechung, vorteilannahme oder ähnliches für öffentliche Repräsentanten. Warum fehlt es immer noch für eine Verpflichtung wie in den USA endlich die hosen runter zu lassen. Wer das nicht möchte. braucht ja nicht zu kandidieren!
Ich hoffe bis zum Schluss, das die Presse (wie auch und von wem auch immer) solche zweifelhaften Persönlichkeiten wie Herrn wullf objektiv demaskiert, damit der Rest der Gesellschaft nicht auch noch den Bach runter geht.
Wenn sich die Mehrheit unserer Volkvertreter nicht endlich nachhaltig um praktikable Lösungen der vielfältig aufgestauten Probleme von Minderheiten kümmert; werden sich diese vernachlässigkten Minderheiten insgesamt neue Mehrheiten suchen. Damit steigen die Chanchen für Rattenfänger; egal ob von rechts oder links.

13) Daniel, Dienstag, 03. Januar 2012, 11:24 Uhr

Welch unrühmliches Schlusskapitel im präsidialen Drama. Die Hoffnung die Affäre möge zwischen den Jahren im Sand verlaufen kann Herr Wulff nun wohl aufgeben.
Erschreckend ist für mich die Erkenntnis, dass es jemand mit solch offensichtlich fundamentalen Mängeln an Moral und Ethik in das höchste Staatsamt der Bundesrepublik geschafft hat.
Ich kann mir derzeit auch nicht wirklich vorstellen, wie dieser Mann hier noch glaubhaft Aufklärungsarbeit leisten kann. Geschweige denn das Amt mit all seiner Würde weiterhin zu vertreten.

14) Martin Heidingsfelder, Dienstag, 03. Januar 2012, 11:29 Uhr

Sollte Wulff nicht zurücktreten, wird es wohl am 7.1. eine Demonstration für den Rücktritt des Bundespräsidenten geben. Die Anmeldung für “Wulff den Schuh zeigen” läuft.

15) Mr. Truth, Dienstag, 03. Januar 2012, 11:37 Uhr

Ja, finde auch es wäre an der Zeit zu gehen. Die Geschichte nimmt ja immer italienischere Züge an. Unsauberes Geld, schlechte Drohungen und merkwürdige Verbindungen zu zuvielen Männern, die im Hintergrund irgendwelche Sachen für ihn erledigen. Hat er bei Berlusconi ein Praktikum gemacht?

http://dreckigewahrheit.blogspot.com/2012/01/il-presidente-regieren-wie-in-italien.html

16) hans schwab, Dienstag, 03. Januar 2012, 12:09 Uhr

und wir sind DOCH BLÖD!
– die »bild«-falle hat wieder einmal zugeschlagen und bundespräsident christian wulff an die wand genagelt. und alle nageln mit. und niemand merkt, was hier eigentlich abgeht. die medien, und allen voran das blutorgan »bild« zeigen wieder einmal unter dem schlagzeilengeilen siegel der pressefreiheit wer unser land regiert.
die wulff-sache muss sicher mit aller kritik näher betrachtet werden, denn unsere politik braucht in unser aller interesse wieder mehr vertrauen und glaubwürdigkeit. gleichwohl werden hier die maßstäbe völlig verschoben und der teils hysterische mediale aufmerksamkeitswettbewerb macht allzu oft blind und vernebelt den blick für die eigentlichen probleme: und das ist hier zumindest auch das unsägliche machtspiel der »bildzeitung«.
sind wir jetzt wirklich alle so blöd, nicht mehr wahrzunehmen wie uns die »bild« wieder einmal ihr interesse diktiert. die »wir sind helden«-frontfrau judith holofernes hat im februar 2011 mit ihrer abfuhr an die bild-zeitungs-werbeagentur jung von matt sehr schön aufgedeckt, wie es der »bild« gelingt, viele bekannte menschen als werbeträger zu missbrauchen ( heldinnen sind doch nicht blöd ) und sich damit ein neutrales glaubwürdigkeit vorspiegelndes image zu geben.
wo ist hier eigentlich noch der mediale gegenpol, wenn der kritische blick hinter die kulissen verlorengeht; wenn wir alle so blöd geworden sind, dass nicht einmal mehr die headline und das interesse der »bild« kritisch hinterfragt wird. überlassen wir jetzt wirklich der springer-presse gänzlich unsere geschichtsschreibung, wie sie springer-chef mathias döpfner bereits einmal für sich reklamiert hat: wer mit uns im aufzug nach oben fährt, der fährt auch wieder mit uns nach unten!
manchmal hilft auch der blick zurück zu neuen oder zumindest nötigen erkenntnissen, wie es max goldt 2001 in seinem buch »der krapfen auf dem sims« formuliert hat: »diese zeitung ist ein organ der niedertracht. es ist falsch, sie zu lesen. jemand, der zu dieser zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. es wäre verfehlt, zu einem ihrer redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das gesetz gerade noch zulässt. es sind schlechte menschen, die falsches tun.«

17) Andronico, Dienstag, 03. Januar 2012, 12:11 Uhr

Sehr interessanter Artikel! Er zeigt, wie “das Geschäft” anscheindend funktioniert, und wie Medienmacher offenbar denken. Interessant finde ich, wie normal Sie das alles zu finden scheinen. Es geht mir hierbei gar nicht um Herrn Wulff, und ob er zurücktritt und was er getan hat (ich war nie ein Anhänger von ihm und hätte weder ihn noch Gauck gewählt, wenn es eine Direktwahl gegeben hätte), sondern um das Prinzip der ganzen Aktion. Ist man darum Journalist geworden? Um “Pfeile im Köcher” zu haben? Um für “eine gute Geschichte einen guten Freund” zu opfern? Um Politik zu machen, und Leute erst hoch zu schreiben, und dann zu vernichten? Was sind denn das für wunderbare Menschen bei BILD und Co., die sich dabei auch noch über die Verderbtheit der Politiker aufreden und die Moralkeule schwingen?

Interessant auch, dass Herr Wulff eine Gestalt wie Kai Diekmanns ernsthaft als Freund betrachtet haben soll. Was man in diesem “Geschäft” wohl unter Freundschaft versteht? Dass man den anderen hofiert, sonlange er einem nützlich ist? Und ihn dann wegwirft und es auch noch genießt, seine “Freund” fertig zu machen?

18) Frank, Dienstag, 03. Januar 2012, 12:19 Uhr

@1/Rischeck: Wer als Bundesbank-Vorstand ein Buch schreibt, das von “Spiegel” und “Bild” zum Bestseller gepusht wird, muss nicht um sein Recht auf freie Meinungsäußerung fürchten. Kritik jedoch schon. Aber Ihre Verwechslung ist beliebt… das Kapitel Sarrazin/Islam ist im Übrigen meines Erachtens eines der wenigen, wahrscheinlich das einzige Highlight der Wulff’schen Präsidentschaft.

Dennoch ist es jetzt Zeit für ihn zu gehen, zu sagen hat er ja offenbar nichts mehr.

19) sk8erBLN, Dienstag, 03. Januar 2012, 12:42 Uhr

Bild? Die hat konsequent so gearbeitet wie immer und wie es der Vorstandsvorsitzende Döpfner in einem Satz auf den Punkt brachte:
“Wer mit der BILD im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.” – Mathias Döpfner.
Zu der ganzen Angelegenheit sollte man sich unbedingt noch mal alte BILD Artikel zu Gemüte führen::
http://www.bildblog.de/35960/gewitter-im-aufzug-bei-christian-wulff/

Im Übrigen war dies nicht der erste Versuch der Nötigung durch den Bundespräsidenten wie inzwischen deutlich wird. Also kein einmaliger “Aussetzer” sondern System.
http://www.welt.de/politik/deutschland/article13794951/Als-Wulff-gegen-Bild-einen-Krieg-fuehren-wollte.html

Ein déja vue also im Springerimperium.

“Die „Welt am Sonntag“ hatte im Sommer vergangenen Jahres bei einer Recherche ganz ähnliche Erfahrungen wie nun die „Bild“-Zeitung gemacht. Um eine Veröffentlichung zu verhindern, intervenierte das Bundespräsidialamt massiv – nicht nur beim Chefredakteur, sondern auch an höchsten Verlagsstellen.”
“Jurist spricht von “versuchter Nötigung”

Hört man sich unter Juristen um, wie Wulffs Äußerungen gegenüber der „Bild“-Zeitung einzuordnen sind, hört man immer wieder ein Wort: „Nötigung“. Damit könnte Wulffs Verhalten als Straftat angesehen werden.

Der Berliner Presserechtler Johannes Weberling sagte „Welt Online“: „Falls der Sachverhalt wie dargestellt stimmt, müssen Strafrechtler klären, ob es sich um versuchte Nötigung handelt. In jedem Fall handelt es sich um eine versuchte Einflussnahme auf Medien.“”

Hieraus einen Vorwurf in Richtung Bild zu machen halte ich für verfehlt. Wie Döpfner sagte, der Aufzug fährt in BEIDE Richtungen und wer nicht ganz dämlich ist, weiß das auch bevor er sich mit Bild einlässt und handelt entsprechend.
Wer mit dem Feuer spielt (Bild), muss damit rechnen darin umzukommen. Und nachdem Wulff das Amt selbst massiv beschädigt hat, wäre ich für die komplette Abschaffung. Nie war der Zeitpunkt günstiger. Auch die potentiell nächste von Merkel auf den Posten gehievte Zensursula aka Ursula von der Leyen, als letzte potentiell gefährliche Konkurrentin im CDU Lager, wäre nämlich eine ebenso schlechte Wahl. Hat sie bereits eindrucksvoll bewiesen mit ihrer Zensurkampagne.

20) ThomasS, Dienstag, 03. Januar 2012, 13:08 Uhr

Bitte,bitte nicht die Frau von der Leyen aus Hannover mit Ihren Stoppschildern.

21) FF, Dienstag, 03. Januar 2012, 13:23 Uhr

Warum in Gottes Namen ruft er bei Bild-Diekmann an? Und schimpft auf’s Band?

Meine Vermutung:

Ort: Präsidentenmaschine, 10 000 Meter Höhe, alle sind fürchterlich genervt.

Bettina: “Jetzt hör’ endlich auf zu jammern und unternimm’ gefälligst was!”

Wulff: “Schatz, was soll ich denn machen, alles war umsonst.”

Bettina: “Ruf’ doch mal den Kai an, ihr habt euch doch immer so gut verstanden.”

Wulff: “Na gut, ich probier’s mal.”

22) Schimanski, Dienstag, 03. Januar 2012, 13:23 Uhr

Ich glaube nicht, dass sich Wulff alleine auf die Kredit-Story bezogen hat. Wenn das so wäre, muss er auch noch schizophren sein – hat doch das Präsidialamt VOR besagten Telefonaten in seinem Auftrag eine Erklärung an die BILD zu der Causa geschrieben.

Wulff wusste, dass da recherchiert wird – nicht umsonst gab es einen langen Rechtsstreit, inwiefern Grundbuch-Einträge an die Presse weitergegeben werden dürfen.

Er wird wegen einer anderen Sache so schockiert gewesen sein. Und wenn das stimmt, dann hat Wulff einen dicken Fehler gemacht (Kredite, Nähe zu Unternehmern…), ist aber nicht rücktrittsreif. Die BILD wäre es dann aber mal endlich.

23) Steven60, Dienstag, 03. Januar 2012, 13:24 Uhr

“How do you sleep” Mr. President?

24) Sigi, Dienstag, 03. Januar 2012, 13:27 Uhr

Schützt das Fernmeldegeheimnis nicht vor Eingriffen des Staates in die private Kommunikation? Wenn Herr W. dem Herrn D. etwas auf die Mailbox spricht, dann verletzt D. doch nicht das Fernmeldegeheimnis, wenn er das dann veröffentlicht oder weitergibt. Da müsste es schon eine Verschwiegenheitsvereinbarung zwischen beiden Parteien geben.

25) Gregor Keuschnig, Dienstag, 03. Januar 2012, 13:32 Uhr

@18/Frank
Vermutlich ist die Sarrazin-Geschichte nebst “Islam-gehört-zu-Deutschland” einer der Anlässe, die “Bild” dazu bewogen hat, ihre Hofberichterstattung zu wandeln (ich hatte darauf sofort verwiesen). Wulff wird nicht zurücktreten. Vielleicht will man die Wahlen in Schleswig Holstein abwarten und hofft danach eine stabilere Mehrheit in der Bundesversammlung zu haben. (Ein geeigneter Kandidat mit Zustimmungspotential auch in der SPD wäre Klaus Töpfer. Hätten SPD/Grüne eine Mehrheit, dann wäre Steinmeier eine Möglichkeit.)

26) Benjamin, Dienstag, 03. Januar 2012, 13:51 Uhr

Es ist schon interessant zu beobachten, wie dumm sich Wulff verhalten hat. Er ist doch Karrierepolitiker und muss wissen, wie die Mechanismen von Politik und Medien funktionieren. Selbst wenn er dem totalen Irrglauben verfallen war, dass die Bild tatsächlich ein befreundetes Medium sei (die Synthese scheint mir wie bei Guttenberg, nun ging es eben bergab und da wird man eben von Bild auch gegrillt), so ist es doch unfassbar, dass er auf einer Mailbox eine derart delikate Nachricht hinterließ.

Man kann nur den Schluss ziehen, dass Wulff vollkommen die Realität verkannt hat und offenbar völlig überfordert mit der brenzligen Lage war. Er agierte wie ein Kreispolitiker, der das Politische nebenbei macht, nicht wie das Staatsoberhaupt. Er hat anscheinend nicht nur ein seltsames Verhältnis zum persönlichen Handeln und dem Eingestehen von Fehlern, sondern auch keine starken Nerven, anders kann ich mir das nicht erklären – wobei die Frage wäre, wer ihn da noch beraten hat, wenn überhaupt, denn das Ende war doch absehbar. Hätte er gleich reinen Tisch gemacht, wäre die Sache wohl zu Weihnachten erledigt gewesen.

Jetzt ist nicht nur Wulffs planlose Salamitaktik vollkommen gescheitert, er muss nun mit einem Skandal im BP-Amt umgehen – alles andere (Hauskredit etc.) war ja davor, die Verschleierung und Versuch der Beeinflussung der Presse (anscheinend auch bei WELT im Sommer zu einem anderen Thema und laut SPON nun auch Bild am Sonntag) ist aber im Amt geschehen. Wulff scheint sich immer tiefer sein eigenes politisches Grab zu schaufeln. Es ist ja auch interessant, dass es nun keine Treuebekundungen der Union mehr gibt. Mal sehen, wie lange das Theater noch dauert. Merkel kann es sich eigentlich nicht leisten, BP Nr. 2 von ihren Gnaden zu verlieren, das Land kann aber auch keinen gescheiterten BP brauchen.

27) Andreas, Dienstag, 03. Januar 2012, 13:56 Uhr

Widerliche Kampagne, die BILD und andere fahren. Aber Wulf hat selbst bereitwilligst die Munition geliefert und sich daher selbst um das Amt gebracht.

28) AlterKnacker, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:00 Uhr

Da ich wirklich kein Freund von Herrn Spreng bin, kann ich auch ohne weiteres sagen, dieser Beitrag hat Klasse.

Wenn Herr Spreng sich jetzt noch die folgenden Kommentare zum SPON-Beitrag (http://forum.spiegel.de/f22/anrufe-bei-journalisten-wulff-soll-auch-welt-am-sonntag-bedr%E4ngt-haben-51285.html) reinzieht, dann kann er garantiert noch einen drauf setzen und möglicherweise sogar unsterblich werden.

29) m.g.t., Dienstag, 03. Januar 2012, 14:02 Uhr

Schön, dass die Presse noch Oscar Wilde kennt: Besser einen Freund verlieren als eine Pointe.

@hans schwab (16)
Thema verfehlt, setzen.
Es geht hier doch nicht um die ganz große BILD-Schelte. Schon gar nicht muss ich mich erziehen lassen von Max Goldt oder anderen, die ihre Abneigung (die sicher vielfach zu Recht begründet ist) gereadzu heraus geifern. Selbst wenn ich Ihnen gerne zustimmen würde, bei diesen Tonfall wird es mir schwer gemacht.

@m.spreng:
Lese ich da etwas verschämte Bewunderung über das Matt-in-8-Zügen der BILD gegen “Schach? Ist das das mit der Schlossallee?” von Christian Wulff heraus? Haben Sie jemals einen solchen Coup gelandet? Ausgerechnet die hässliche Tante, das Schmuddelkind der Presselandschaft, das Ding vom Katzentisch in der Wahrnehmung der Intelligenzia, zieht an den Fäden der ach so respektablen SZ und FAS (-Marionetten?). Und zeigt ganz nebenbei, wo das heutige Sturmgeschütz der Demokratie steht.

Und warum Wulffie? Vergangenheitsbewältigung? Um vom Versagen bei zu Guttenberg abzulenken?

Oder der Zukunft zugewandt: Um jetzt schon zu zeigen, wie “bipartisan” und wunderbar politisch unabhängig man ist? Um Siggi Pop mit dem Zaunpfahl zu winken, was ihm bevorstehen könnte, wenn er und Nahles Eurobonds einführen wollen? Schließlich hat man “damals”, also 2012, sogar einen CDUler aus Bellevue herausgekickt… da kann man jetzt (2013) doch umschwenken auf die SPD.

Die FDP müsste ganz schnell Leutheußer-Schnarrenberger als BuPrä-Kandidatin aufstellen, dann wäre Merkel (und Rösler) noch einmal gerettet. Vielleicht wäre Schnarri das Omega zu Heuss’ Alpha, Beginn und Ende der FDP als Machtfaktor in D.

30) romeias47, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:09 Uhr

Wir sollten aber auch mal alle zusammen über den Begriff und das Verständnis von “Professionalität” nachdenken. Wird er nicht oft so verstanden, dass man erfolgreich alle Skrupel und Ansätze von Empathie verdrängt oder beiseite schiebt? Dass Wulff bei seinem “Es-lebe-die-Pressefreiheit”-Auftritt nicht rot geworden ist, wundert mich deshalb nicht.

Anscheinend hat Maschmeyer Wulff nachdrücklich zu einer Bezahlung für die Nutzung einer seiner Immobilien ermuntern müssen. Für mich ist das allein schon ein Symptom für ein korrumpiertes “präsidiales Immunsystem”.

BK Merkel sollte also für ihre wohl anstehenden Sondierungsgespräche eine Frage in den Katalog aufnehmen:

“Sind Sie sicher, dass Sie Ihr privates und Ihr berufliches Haus gut bestellt haben?

Dieses “Sein-Haus-bestellen” bei gravierenden Lebenseinschnitten findet man eigentlich nur noch in alten Texten, man sollte aber mal darüber nachdenken.

31) Benjamin, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:31 Uhr

PS: eine kleine Presseschau bietet etwa die SZ: http://www.sueddeutsche.de/medien/presseschau-zu-bundespraesident-wulff-das-ist-unterste-schublade-1.1249242

32) Bernd, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:42 Uhr

Eine Staatskrise hätten wir, wenn Wulff im Amt bleiben würde. Andererseits wäre es aber KEINE Staatskrise, wenn wir nach seinem Rücktritt (ich gebe ihm keine 24h mehr) auch gleich das Bundespräsidialamt mit abschaffen würden. Den Etat von ca. 30 Millionen könnten wir in Form einer Steuersenkung auch gleich selbst verkonsumieren. Das hilft dann wenigstens noch der Wirtschaft.

33) Mark, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:49 Uhr

Herr Spreng, Sie haben es -wie so oft- mit wenigen klaren Worten auf den Punkt gebracht. Herr Wulff sollte zurücktreten, und ich gehe auch davon aus, dass er es bald tun wird. Sonst wird er bei jeder öffentlichen Veranstaltung nur Hohn und Spott ernten. Sobald er Worte wie “Ehrlichkeit”, “Aufrichtigkeit”, “Moral”, oder -jetzt neu!- “Pressefreiheit” in den Mund nimmt, wird jeder denken: “Jaja, red’ Du nur.” Das macht ihn unerträglich für die Bürger und somit auch untragbar als Repräsentant Deutschlands.

Was mich bei einigen (Nutzer-) Kommentaren aber ärgert ist das Herumgehacke auf der BILD-Zeitung. Und das, obwohl ich nun wahrlich kein Freund dieses Revolverblattes bin! Ich lese die Zeitung nicht, und ich besuche auch nicht ihre Webseite. Trotzdem gibt es viele, die mäkeln, dass dies ein schuftiger Plan gewesen sei, eiskalt und hinterhältig von einem miesen Blatt ausgeführt. Das mag ja alles sein, nur eines muss man (neidvoll?) anerkennen: Ohne die mutige Berichterstattung dieses Blattes hätte diese Affäre nicht das Tageslicht erblickt. (Die tiefere Motivation der BILD-Zeitung lassen wir mal gänzlich beiseite.) Wieviele Chefredakteure bei kleineren Zeitungen hätten gekniffen beim Anruf des Bundespräsidenten? Eben.

Und so stehe ich und applaudiere der BILD-Zeitung und rufe: Wenn sie doch bitte, bitte auch alle anderen im Sumpf steckenden Politiker auf diese Weise ausmerzen könnten! Gut, unsere Parlamente wären nahezu leer, aber dennoch – jeder Politiker, der Vorteile so selbstlos annimmt wie Herr Wulff und enttarnt und entmachtet wird, ist ist ein Fortschritt für unsere Gesellschaft. Jeder.

34) Dieter Carstensen, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:50 Uhr

Lieber Michael Speng,

wenn ich es pragmatisch betrachte, finde ich, dass jeder Tag den dieser “Bundesversager”, jede andere Bezeichnung für diesen Mann empfände ich als unpassend, wo dieser Mann noch im Amt bleibt, unserer Demokratie weiter schweren Schaden zu fügt, der Mann gehört, bei allen Schwierigkeiten, welche das für unsere Demokratie bedeutet, einfach weg!

Verteidigen tut ihn ja eh schon keiner mehr, auch aus den Reihen von CDU/CSU und FDP nicht mehr, es ist auch denen mittlerweile einfach zu peinlich und gegenüber der Bevölkerung nicht mehr vermittelbar, was dieser Mann mit unserer Demokratie und unserer Pressefreiheit veranstaltet.

Es ist absurd, ich habe heute bei keiner einzigen konservativen Zeitung in ihren Kommentaren noch Stellungnahmen FÜR diesen “Bundesversager” gefunden und wenn es so schon weit gekommen ist, dann bleibt nur ein schneller Abgang!

Wenn Herr Wulff nicht bis Freitag spätestens wenigstens noch den Anstand hat, zurück zu treten, werde ich ihn ab Samtag öffentlich nur noch als “Herr Bundesunanstängiger”, bezeichnen, kann er mich ja verklagen, wäre bestimmt ein spannendes Gerichtsverfahren …

M.f.G.

35) peterpan4670, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:55 Uhr

Der Bundespräsident Christian Wulff hat offenkundig Fehler gemacht, keine Frage! Aber die Art und Weise wie BILD und andere Zeitungen nun Stück für Stück neue Tatsachen veröffentlichen, lässt bei mir den Eindruck entstehen, dass es die genannten Medien sind, denen man Salami-Taktik vorzuwerfen hätte.

Hier geht es m.E. nicht mehr um Pressefreiheit! Hier soll ein Mensch politisch vernichtet werden; die wahren Motive bleiben im dunkeln. Ich habe den Satz “das Amt wird beschädigt” bislang immer für eine Floskel gehalten, aber unter dem Eindruck der aktuellen Entwicklungen wird das Amt tatsächlich beschädigt. Wer will diesen “Job” denn überhaupt noch machen?! Vielleicht ein Verlagsvorstand oder ein Chefredakteur?! Immerhin haben die ja wohl KEINE Leichen im Keller!

36) Lena, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:57 Uhr

Wenn man sich mal so ansieht, wieviel Geld ein Bundespräsident noch über seine Amtszeit hinaus erhält und dies in das Verhältnis zu seiner Funktion und “Machtrolle” in der Politik setzt, stellt sich doch wirklich die Frage, ob wir einen Bundespräsidenten überhaupt noch brauchen…

37) Don Corleone, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:59 Uhr

@18) Frank:
“das Kapitel Sarrazin/Islam ist im Übrigen meines Erachtens eines der wenigen, wahrscheinlich das einzige Highlight der Wulff’schen Präsidentschaft.”

Sie irren, Frank. Es war nicht das einzige Highlight der Ära Wulff, sondern der erste von vielen Hinweisen darauf, wie wenig dieser Präsident von der grundgesetzlich garantierten Rede-, Meinungs- und Pressefreiheit hält. Ebenso typisch: Es war (wie seine Islam-Umarmung) eine populistische Fehlspekulation auf den vermeintlichen Publikumsgeschmack. Auch Angela Merkel begab sich auf diesen Holzweg der Verdammung eines Buches, das weder sie noch Herr Wulff auch nur aufgeschlagen hatten.
Zu behaupten, dass Sarrazins “Deutschland schafft sich ab” nur dank “Spiegel” und “Bild” zum Bestseller wurde, ist ebenfalls ziemlich skurril. Fragen Sie einfach einen Buchhändler!

38) Frank, Dienstag, 03. Januar 2012, 15:18 Uhr

@25/Gregor Keuschnig:

Mag sein, dass sein Ansatz in der Integrationspolitik und der darauf zugezogene Hass der Islamophoben (siehe auch 37/Don Corleone) ein Anlass für “Bild” war, den Aufzug für Wulff nun auf “Runter” zu schalten.

Steinmeier als Bundespräsident? Möglich scheint mittlerweile alles und damit bliebe das Amt quasi in der Familie bzw. im hannöverschen Krökelkeller.

39) thomas, Dienstag, 03. Januar 2012, 15:25 Uhr

fukushima ist überall,asse grüsst euch alle.nichts ist unmöglich,jetzt auch im bellevue mietnomaden…

40) karpatenhund, Dienstag, 03. Januar 2012, 15:40 Uhr

Das Fernmeldegeheimnis ist hier überhaupt nicht einschlägig. Und auch sonst hätte die BILD wohl durchaus über das Telefonat berichten dürfen. Die Vertraulichkeit des Wortes ist nicht über allem erhaben, sondern tritt in einem solchen Fall durchaus zurück. Die Weitergabe des Gesprächs dürfte eher andere Gründe gehabt haben. Vielleicht ein letztes bisschen Anstandsgefühl. Denn es hat schon eine andere Qualität, ob man dem Bundespräsidenten – mit dem man jahrelang in einträchtiger Symbiose gelebt hat – selber das Messer in den Rücken rammt oder ob man einem Dritten die Möglichkeit dazu verschafft. Jeder Beteiligte weiß, was Sache ist; das Ziel wurde erreicht; und doch ist formal ein Dritter schuld. Es hat ein wenig was von den Stellvertreterkriegen während des kalten Kriegs, nur dass der hier sehr einseitig geführt wird.

41) Andronico, Dienstag, 03. Januar 2012, 15:47 Uhr

Zu Sarrazin: wir sollen das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht damit verwechseln, dass man Kritik unterbinden will. Sarrazin konnte sein Buch ungehindert veröffentlichen, durch unzählige Talkshows tingeln und seine sog. “Thesen” dort verteidigen. Dass er aber, meiner Meinung nach zurecht, für seine Ausführungen heftig kritisiert wurde, hat nichts mit Unterdrückung der Meinungsfreiheit zu tun, sondern das ist das Recht auf freie Meinungsäußerung der Kritiker. Wer genzen Bevölkerungsgruppen den Krieg erklärt und sie kollektiv diffamiert, muss auch den Sturm, den man selber entfacht hat, aushalten können. Man sollte keine Legenden stricken und Sarrazin zum Opfer umdeklarieren, nur weil man sein einfaches schwarz-weiße Weltbild teilt.

Sarrzin kann seltsame Thesen aufstellen und als Buch veröffentlichen (unterstützt von vielen Medien, die ihm ungeheuer viel Raum eingeräumt haben), solange er auf dem Boden von Recht und Gesetz agiert, aber es steht allen, die das hören frei, das für dumme und perfide Hetze zu halten und das auch zu laut sagen, solange auch das auf dem Boden von Recht und Gesetz passiert.

42) FF, Dienstag, 03. Januar 2012, 15:59 Uhr

Boah! Schon die neue Titanic-Startseite gesehen? Böser, endfieser Uppercut. Wo bleibt das Handtuch? Wird Zeit, daß irgendjemand unseren Helden aus dem Kampf nimmt.

43) Toertjex, Dienstag, 03. Januar 2012, 16:04 Uhr

Hoffentlich kann man den Herrn Gauck als Ersatzmann gewinnen.

44) Andreas, Dienstag, 03. Januar 2012, 16:13 Uhr

Schon etwas seltsam …
unser Bundespräsident übt sich in Erpressung,
und unsere Gangsterrapper werden wegen
Angelns ohne Angelschein vor den Kadi zitiert …

45) Iris Bücker, Dienstag, 03. Januar 2012, 16:21 Uhr

was Wulff kann, kann sogar ich besser. Daher möchte ich mich als nächste Bundespräsidentin bewerben. Ich habe weder Kredite, noch Beziehungen zur Presse. Wer in Hartz4 ist, wie ich, bekommt erst gar keinen Kredit und kann auch sonst keiner (spätrömischen) Dekadenz frönen.
Damit wär ich schon mal auf der sicheren Seite.
Moralisch gesehen wäre ich auch passend, denn ich habe weder einen Ehemann, noch irgendwelche Affairen. Lesbisch bin ich auch nicht.
Man wird mich niemals besoffen erwischen, denn ich bin trockene Alkoholikerin und weiß somit immer genau was ich sage. Ich bin nur etwas vergesslich.
Meine abgrundtiefe Ehrlichkeit belegen meine autobiographischen Bücher, ganz dumm bin ich also auch nicht, obwohl so richtig schön deutsch blond, mit etwas weniger Luftkissenvorbau als Frau Katzenberger.
Mit 52 Jahren dürfte auch die nötige Reife für den Job vorhanden sein, wie auch die gehörige Portion Humor, um den ganzen Rummel zu ertragen ;-)
… herzlichst – Iris Bücker

46) marcpool, Dienstag, 03. Januar 2012, 16:36 Uhr

der alte Spruch bewahrheitet sich hier :
” Wer solche Freunde hat braucht keine Feinde mehr … ”
man weiss eigentlich nicht , welches Verhalten schäbiger ist , das von Wulff oder das von Diekmann.

47) Michael A. Nueckel, Dienstag, 03. Januar 2012, 17:13 Uhr

Vielleicht ist es auch ganz anders, und Wulff überlängst zum Rücktritt bereit, doch Bettina will nicht mitziehen, will dort bleiben, meint sich nichts vorwerfen zu müssen … weshalb Angela´s Kandidatensuche nochmals einen Tick schwieriger wird ;-) )) Würd´ mich nicht wundern, wenn daraus noch eine formidable Ehekrise der Wulff´s folgt, von wegen Schlusskapitel, aber das Privatleben unserer Politiker ist unserer Presse ja heilig. Oder?

48) Riesenmaus, Dienstag, 03. Januar 2012, 17:34 Uhr

Die BILD-Zeitung schreibt Wulff soll gehen – Wulff gehorcht und geht! Gott sei Dank sind wir in unserem Land, welches sich dem christlichen Kulturkreis zugehörig fühlt, noch lange nicht so weit. Alle Viere grade sein zu lassen oder in christlichem deutsch: Verzeihen oder ein gewisser journalistischer Anstand, das gehörte bei den allermeisten seriösen Blättern allerdings seither schon zu unserem Kulturkreis.

Und dann gibt es noch das Zitat aus der Bibel, mit dem Splitter im Auge des Nächsten und dem Balken im eigenen Auge, wobei ich bei BILD eher von ganzen Wäldern sprechen würde. Wo ist all dieses Gedankengut geblieben?

Was da gerade mit unserem Staatsoberhaupt geschieht ist in meinen Augen unterste Schublade! Wo ist jetzt der Aufschrei, der versammelten Linken, welche mit BILD noch mehr als ein Hühnchen zu rupfen hat? Können wir es wirklich zulassen, dass die Presse versucht unseren obersten Repräsentanten zu demontieren, nur weil ihm einmal die Hutschnur geplatzt ist?

NEIN und nochmals NEIN! Pressefreiheit ist ein sehr hohes Gut in unserem Land, jedoch dürfen wir es auch nicht zulassen, dass irgendwelche Journalisten so lange provozieren bis….. Das schadet unserer Demokratie und zerstört letztlich unsere Pressefreiheit und nicht Herr Wulff. Last darum endlich den Bundespräsidenten in Ruhe! Es gibt Wichtigeres auch wenn momentan etwas „Saure Gurken Zeit“ herrscht!

49) Dieter Carstensen, Dienstag, 03. Januar 2012, 18:04 Uhr

Der Wulff gibt uns demnächst bestimmt sein “Ehrenwort”. Da gab es schon mal einen von der CDU, der …

50) PeterK, Dienstag, 03. Januar 2012, 18:33 Uhr

Wulff wegen Amtserschleichung und Merkel wegen versuchter Volksverdummung in den Gulack nach Sibirien. Und jeder darf (muß) noch 100 Berater mitnehmen.

51) The Bettina Woolffs, Dienstag, 03. Januar 2012, 18:34 Uhr

Was nützt es der konservativen Kampfpresse, einen der besten der ihren zu schlachten?
Das ist das einzige, was mich an dem Fall des notorisch intriganten Provinzwürstchens interessiert, aber nach seinem Rücktritt morgen halt auch nicht mehr aufgeklärt werden kann.
Vielleicht sendet G. Knopp in zwanzig Jahren “Chr. Wulff und die Frauen und das Geld und die wirklichen Eliten und ihre Politmarionetten und die Dummheit der Gier”.

52) Liesel, Dienstag, 03. Januar 2012, 19:33 Uhr

Welches Fernmeldegeheimnis? Art. 10 GG und § 201 StGB sind hier jedenfalls nicht zutreffen. Das Handeln der Bild ist vielleicht moralisch verwerflich aber noch lange nicht rechtswidrig.

Oder darf ich demnächst einen Journalisten verklagen, nur weil er mit mir telefoniert hat?

53) Peter Christian Nowak, Dienstag, 03. Januar 2012, 19:41 Uhr

@16)Hans Schwab

Das Beste, was ich bisher im Zusammenhang mit der Wulff-Affäre gelesen habe.
Über allem Skandal, der hinter Wulff steckt, sollten WIR (Bürger) nicht vergessen, wo die wirklichen Skandale in der Politik liegen. Merkwürdig nur, daß sich dann keiner aufregt! Es regt sich keiner darüber auf (auch die BILD nicht) , daß beispielsweise die Rettung der HRE und IKB völlig blödsinnig war und die Steuerzahler Abermilliarden in dreistelliger Höhe kostet. Dass innerhalb von drei Monaten(!) nochmals der komplette Haushalt als Schulden aufgenommen wurden, um die Banken zu sanieren. Alles kein Problem! Das nur als Beispiele von vielen weiteren…

Die Bemerkungen über die Bildzeitung in Ihrem Beitrag sind völlig richtig. Ihr – der BILD – geht und ging es auch unter anderem darum, ihr beschädigtes und renovierungsbedürftige Image zu restaurieren. Die Auflagen gehen seit Monaten zurück. Wulff hat zum Stopp dieser Entwicklung beigetragen.

Und was die Kreditaffäre und ihren “durchschlagenden “Skandalon betrifft: Hier können sich aufgebrachte Leser ihren Erregungstacho neu justieren:
http://www.wolfgangmichal.de/?p=1512

54) Marc, Dienstag, 03. Januar 2012, 20:35 Uhr

Die Drohungen waren auch deswegen dämlich, weil die Fakten ja stimmten.

Und wenn Wulff zurückgetreten ist, lassen wir den Posten bis zur nächsten regulären Bundespräsidentenwahl 2015 verwaist, da es ja mit dem Bundesratspräsidenten einen Vertreter gibt. Damit verschwendet nicht noch ein Bundesprätendent dreieinhalb Jahre Steuern. Und CDU/CSU und FDP haben mal Zeit einen guten Kandidaten zu finden. Und nicht einen den keiner kennt, und auch nicht einen der Leute kennt, bei denen er billig Urlaub machen und Kredite bekommen kann.

55) Steven60, Dienstag, 03. Januar 2012, 21:00 Uhr

45) Iris Bücker

Sehr geehrte Frau Bücker, meine Stimme in der Bundesversammlung
wäre Ihnen schon mal sicher!

56) JG, Dienstag, 03. Januar 2012, 21:05 Uhr

Es gibt auch Amüsantes an der ganzen Geschichte:

Zum Beispiel jene Zeitgenossen, die wieder einmal wissen, daß auch hinter dieser Affäre eine gemeine, hinterlistige Verschwörung steckt, um eine charismatische Lichtgestalt, wenigstens aber einen überaus beliebten und unbequemen Politiker zu stürzen – mehr noch: “einen Menschen zu vernichten”.

Christian Wulff zu dieser Kreditnahme zu ZWINGEN, zu seinen Ausflüchten, seiner Salamitaktik, schließlich der Pöbelei auf einem Anrufbeantworter, danach noch zu dem Lob der Pressefreiheit, zu seinem ganzen unfaßbar dilettantischen und kopflosen Umgang mit der Affäre – das war ohne Frage genauso geschickt eingefädelt wie seinerzeit eine gewisse Prinzessin GEZWUNGEN wurde, nicht nur zu einem angetrunkenen Fahrer ins Auto zu steigen, sondern sich auch – selbst als man mit überhöhter Geschwindigkeit durchs nächtliche Paris bretterte – nicht anzuschnallen.

Vor so geschickten und vor allem mächtigen (durch Mikrowellen? Erdstrahlen? Hirnschnecken?) Weltverschwörern ziehe ich meinen Hut.

57) Maren P., Dienstag, 03. Januar 2012, 21:09 Uhr

@ 25) Gregor Keuschnig @ all

Steinmeier als Bundespräsident? Ein ehemaliger Geheimdienst-Koordinator, der einen deutschen Staatsbürger (Murat Kurnaz) in Guantanamo schmoren lässt? NEIN danke – NIEMALS!

Egal, wer es letztlich wird (ich wünsche mir eine Bundespräsidentin), er oder sie sollte das Grundgesetz nicht nur kennen, sondern täglich wahren und verteidigen!

Ich traue das Amt zwei Personen zu, die ich für kompetent und integer halte: Dr. Rosemarie Wilcken, langjährige Bürgermeisterin der Hansestadt Wismar, derzeit Vorsitzende der Deutschen Nationalstiftung, und Jens Böhrnsen, Senatspräsident der Hansestadt Bremen. Er hat als Bundesratspräsident diese Aufgabe bereits vertretungsweise mehrere Monate sehr gut gemacht.

58) tanne, Dienstag, 03. Januar 2012, 21:34 Uhr

Sehr schöner Kommentar, Herr Spreng – ‘vollste’ Zustimmung.

Auch wenn ich keine BILD lese (und mich weigere, sie als Zeitung zu bezeichnen), dieses Bashing und das Mockieren über den Zusammenhang Pressefreiheit und BILD finde ich unangebracht. Wer sich wie Wulff dermaßen angreifbar macht, muss damit rechnen, dass ein solches Schmierenblatt diese Steilvorlage nutzt – das ist ihr Geschäft und z.T. sogar auch ihre Aufgabe.

Ich freue mich ‘wie Bolle’ über das Zusammenrücken und ‘Reihenschließen’ auf Seiten der Presse, die einvernehmlich, über politische Prägungen hinweg, die Fahne der Pressefreiheit hoch hält, und hoffe, dass man sich ihrer auch weiterhin bewusst bleibt! In diesen Zeiten ist eine selbstbewusste, unabhängige Presse wichtiger denn je.

59) Doktor Hong, Mittwoch, 04. Januar 2012, 00:29 Uhr

@ 57) MarenP

Ich möchte zwar in keiner Weise die Misshandlungen, die Murat Kurnaz widerfahren sind, entschuldigen oder sonst irgendwie verteidigen, aber Kurnaz war zum Zeitpunkt seiner Gefangennahme kein deutscher, sondern türkischer Staatsbürger.

Weiterhin steht hier Aussage gegen Aussage. Die Amerikaner behaupten, die Freilassung von Kurnaz angeboten zu haben. Steinmeier bestreitet das.

Wem wollen Sie nun glauben und warum? Den Amerikanern, die überhaupt erst einmal damit begonnen haben, Verdächtige ohne rechtsstaatliches Verfahren gefangen zu nehmen und zu foltern? Die vor der UN-Vollversammlung gelogen haben, dass sich die Balken biegen, um einen Vorwand zu haben, den Irak zu überfallen? Oder einem ehemaligen Außenminister, dessen Ansehen durch diese Geschichte beschädigt werden würde?

60) M.M., Mittwoch, 04. Januar 2012, 02:33 Uhr

BP Wulff war sicher geschockt, als er erfuhr, dass sein sogenannter “Freund” und Kreditor in einer Gütergemeinschaft mit seiner Ehefrau lebt.

61) RM, Mittwoch, 04. Januar 2012, 07:47 Uhr

Es ist an der Zeit, die hohe Kunst der Korruption in der deutschen Politik endlich radikaler zu bekämpfen. Den Niedergang der Politik und der politischen “Führungselite“, die zu sehr mit ihrer eigenen Karriere, ihrem Einkommen und der Sicherung ihrer Pfründe beschäftigt sind kann das Volk nur noch mit radikaleren Gegenmassnahmen begegnen, da ja auch das Rechtssystem im Griff der politischen Klasse ist – die systematische Verfilzung muss endlich weg. Der Fall Wulff sollte als Exempel statuiert werden: Bezüge stoppen, ausziehen, kein Büro, kein Fahrer – mal schauen wer von seinen vielen Freunden ihm neue Positionen anbietet. Dem politisch hoffenden Demokraten, die noch zu den sogenannten demokratischen Wahlen gehen, hat Wulff enorm geschadet – er muss nun endlich ausgeschaltet werden. Mutti, bitte handeln.

62) federkiel, Mittwoch, 04. Januar 2012, 08:23 Uhr

Lieber Herr Speng, danke für das erwartete Testergebnis. Sobald man die tägliche lebenskorrupte Vorteilsnahme durch die Feilschmöglichkeiten mit dem Journalistenausweis erwähnt geht es in blogs deutscher Journalisten zu, wie bei Merkels Atomkurs. Sofort abschalten! Die Erwähnung des Schnäppchenausweises scheint bei ihren Kollegen und ihnen auch die gleichen Ängste auszulösen wie der drohende Atomtod :-)

63) horst scharnhorst, Mittwoch, 04. Januar 2012, 09:11 Uhr

Wer setzt diese Kampagne gegen Wulff in Szene? Es kann doch wohl ernsthaft nicht um die lächerlichen Vorwürfe gehen. Warum prügelt die Bild auf Wulff ein? Warum ist seinerzeit Köhler zurückgetreten? Was hat der Rücktritt Köhlers und die Demontage Wulffs mit Frau Merkel zu tun? Steckt vielleicht die Finanzmarktkrise dahinter? Verweigert Wulff Unterschriften – wie seinerzeit – wie man hört – Köhler? Wie heißt es: Es ist nichts so wie es scheint. Ihre Journalistenkollegen – vielleicht Herr Ulfkotte – sollten sich der Sache mal annehmen. Die Sache stinkt.

64) Torsten, Mittwoch, 04. Januar 2012, 09:35 Uhr

Vor Weihnachten wurde lautstark über andere Dinge berüchtet, die eine scharfe Reaktion Wulffs hätten bedingen können. Die Redaktion recherchierte demnach nicht nur zur Kreditaffäre, spondern hatte auch einen ganz anderen Zugang.

“Wenn Wulff nicht bald folge, so wurde in Berlin gemunkelt, könne das Blatt mit einer Geschichte über das Vorleben Bettina Wulffs aufwarten. Angeblich verfügt die Redaktion über Informationen, die bisher auf Weisung von ganz oben nicht gedruckt werden dürfen. Aus Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten. Man wird sehen, ob die wenigen Sätze aus dem Schloss Bellevue den Präsidentenjägern nun genügen.”

http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1321007859941

Dass die BILD unter die Gürtellinie geht, um jemanden in der Hand zu haben, wäre plausibel. Warum spielt das seither keine Rolle mehr? Waren die Gerüchte falsch? Wurden sie vielleicht sogar gezielt gestreut? Oder lässt man kollektiv das Unappetitliche unter den Tisch fallen aus vermeintlichem Respekt vor dem Amt oder weil sich niemand die Finger schmutzig machen will.

65) Fassmann, Mittwoch, 04. Januar 2012, 09:54 Uhr

Was soll all die Aufgeregtheit? Diesen Praesidenten hat diese Bananenrepublik doch wahrlich verdient, in jeder Beziehung.

66) Frank, Mittwoch, 04. Januar 2012, 10:32 Uhr

@62/federkiel: Der Presseausweis, das am meisten überschätzte Stück Plastik. Ein paar Museums- und Zoobesuche sind gratis drin, das war’s. Die sagenumwobenen Vergünstigungen bei Mobilfunk, Fluglinien und Autokauf sind entweder passée oder waren von vornherein Milchmädchenrechnungen. In unserer rabatsüchtigen Gesellschaft gibt’s immer günstigere Angebote. Glauben Sie’s mir, die Aufregung lohnt nicht…

Aber ich will nicht billig von den Journalisten ablenken oder solchen, die gemeinhin dazu gezählt werden wie Herr Diekmann. Seine Rolle in dem Stück ist in der Tat dubios. Andererseits darf sich ein Politiker halt nie so weit mit der “Bild” einlassen, wie Wulff es getan hat, um Scheidung und zweite Heirat zu einem PR-Erfolg werden zu lassen. Es ist in dem Zusammenhang ja immer von dem “Aufzug” der “Bild”-Zeitung die rede. Schön plastisch wird das Bild für die, die den Paternoster im Berliner Springer-Haus kennen… Wulff war oben, dem “Journalistenclub” von Axel selig, angekommen. Aber dann rumpelt’s und anschließend geht’s abwärts. Nur will er’s noch nicht wahr haben.

67) Marvin, Mittwoch, 04. Januar 2012, 12:02 Uhr

Unfassbar, dass Wulff nicht längst zurückgetreten ist. Nach seinen eigenen Maßstäben die er anderen anlegte, müsste es so sein. Bild (bzw. Blöd) hat mal wieder einen Verkaufsschlager.

68) federkiel, Mittwoch, 04. Januar 2012, 13:21 Uhr

@66Frank:Klar, deswegen auch die “Transparenz” auf diesem Gebiet. Man darf nur gratis ins Affenhaus um die Gestik von “Nichts hören,nichts sehen und nichts sprechen ” Affen im Zoo zu studieren ? Nein frank, stimmt einfach nicht. Es gibt nach wie vor gutsortierte Auto-Elektronik-Weinkontore etc. die sehr wohl entsprechend auf Journalistenausweise Rabatt geben. Und bei Reisen und Hotelbesuchen gilt das oft ebenso. Ich kenne nur ein Wohnarthaus in Berlin in dem ausdrücklich nur eine Schreibmaschine mit Journalistenrabatt gewährt wird. Ist kein Zoo und kein Museum, auch wenn die Artikel des Hauses sehr nostalgisch sind. Für viele sog. “Freie” Journalisten ist der Ausweis auch bitter nötig, denn das einzig freie am freien Journalisten ist der Verleger. Er ist frei von Krankenkassen-Sozialleistungen und kann für Artikel Hungerlöhne zahlen sobald seine Gewinnmarge unter 20% rauscht. Dann werden wieder Feste zu Freien gemacht und der kollektive Nachrichtenbrei einer Agentur übernommen. Deshalb wäre es gerechter, die Verleger würden die Rabatte ersetzen und nicht der Steuerzahler.

69) Don Corleone, Mittwoch, 04. Januar 2012, 13:25 Uhr

57) Maren P.:
Mit Dr. Rosemarie Wilcken liegen Sie vollkommen richtig. Diese aufrichtige, integre Frau war vor der Wende Wismars beste Ärztin; viele bedauerten ihren Wechsel in die Politk der Hansestadt, weil sie als Medizinerin beispielhaft und liebevoll war.
Obwohl sie auf dem SPD-Ticket segelte, verfolgte sie als Bürgermeisterin eine liberale, wirtschaftsfreundliche Strategie, die für Industrieansiedlungen und Tausende neuer Arbeitsplätze sorgte. Darüber hinaus gelang es ihr, in zäher Arbeit als bundesweite Spendensammlerin und Akquisiteurin öffentlicher Fördergelder die verfallenen historischen Kirchen und andere Bauwerke Wismars in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.
Vor dieser Frau kann man nur den Hut ziehen. Ihre Geschichte und Lebenserfahrung, auch fern der Politik, ihre humorvolle Weisheit (ja! Sie ist wirklich weise) und Intelligenz machen Dr. Wilcken auch für mich zu einer idealen Bundespräsidentin.
Lassen Sie uns hoffen, dass wir nicht die einzigen sind, die das so sehen. (Herrn Böhrnsen kenne ich nicht — aber ich bezweifle auch so, dass er Wismars ehemaliger Bürgermeisterin übertreffen kann.)
Herzliche Grüße!

70) Daniel, Mittwoch, 04. Januar 2012, 13:36 Uhr

“Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben”

-Wulff zur Flugaffäre von J. Rau im Jahre 2000

71) Don Corleone, Mittwoch, 04. Januar 2012, 13:39 Uhr

Pardon! In der vorvorletzten Zeile ist das R in “ehemaliger” überflüssig.

72) EStz, Mittwoch, 04. Januar 2012, 13:40 Uhr

@ 56) JG, Dienstag, 03. Januar 2012, 21:05 Uhr

>> Es gibt auch Amüsantes an der ganzen Geschichte:
>> Zum Beispiel jene Zeitgenossen, die wieder einmal wissen,
>> daß auch hinter dieser Affäre eine gemeine, hinterlistige
>> Verschwörung steckt, um eine charismatische Lichtgestalt,
>> wenigstens aber einen überaus beliebten und unbequemen
>> Politiker zu stürzen – mehr noch: “einen Menschen zu vernichten”.
>> Christian Wulff zu dieser Kreditnahme zu ZWINGEN,
>> zu seinen Ausflüchten, seiner Salamitaktik, schließlich der Pöbelei
>> auf einem Anrufbeantworter, …

Ganz ehrlich, ich beneide Sie um Ihr schlichtes Weltbild.

Natürlich ist das für eine abgekartete Sache. Zwar halte ich Wullf nicht für eine charismatische Lichtgestalt, sondern für einen ganz normalen Menschen. Seinen Privatkredit halte ich zwar für OK; aber alles Folgende für hoch dilettantisch abgewickelt, mit großen Versäumnissen, krassen Fehlern bis hin zu Rechtsverstössen etc.

Aber: BILD ist normalerweise nicht so blöd, eine Kuh zu schlachten, die man melken kann. Junge, hübsche Frau, Nachwuchs, Tattoo, Schloß Bellevue – viele schöne Geschichten hätten gewartet. Und BILD hat sich immer mit den Mächtigen arrangiert, außerdem steht Christian Wulff auch politisch auf der richtigen Seite. Warum also, und warum also jetzt? Weil man sich der Allgemeinheit verpflichtet fühlt, oder einen “sauberen” Präsidenten will? Ich bitte Sie…

Und wenn BILD eine so gute Geschichte um der Geschichte und des journalistischen Anspruchs macht, warum teilt sie dann und gibt der Konkurrenz einige dicke Brocken dieser “tollen” Story ab? Aus Kollegialität oder gar aus Nächstenliebe?

Wenn BILD jemanden wie den Bundespräsidenten fallen lässt (auf den man mit einer unveröffentlichten Geschichte ja auch irgendwie hätte Einfluss nehmen können), dann stehen da handfeste finanzielle und/oder politische Interessen dahinter. Es gibt einen Anlass, es gibt ein Timing, es geht um sehr viel Geld, um hohe Politik und um Einfluß in Europa (Euro-Krise). Wulff hat mit seiner rabiaten Merkel-Kritik gestört.

Und was Wulffs Verhalten gegenüber BILD angeht: Die Berliner Zeitung ließ durchblicken, dass BILD angeblich noch eine Hintergrund-Story über das angebliche Vorleben von Bettina Wulff in der Hinterhand habe. Ob es ein Vorleben gibt (und welches) oder nicht, geht ausser dem Ehepaar Wulff ja wohl niemanden etwas an. Wenn ich so etwas mitkriegen würde, wäre ich auch am Anschlag gewesen.
Aber diese Story (ob erfunden oder wahr, spielt ja in diesem Land keine Rolle mehr) kann er mit viel Glück nur vermeiden, wenn er das Bashing erträgt und erst dann geht, wenn Frau Merkel einen passenden Nachfolger gefunden und durchgesetzt hat.

EStz (nicht amüsiert)

73) Robson Bottle, Mittwoch, 04. Januar 2012, 13:42 Uhr

Nach dem vernichtenden Statement von Gertrud Höhler (s.u. ab Minute 10) gestern Abend im heute-journal, das mich in seiner Schärfe dann doch überrascht hat, werde ich das Gefühl nicht los, dass hier (groß)-bürgerlich-(rechts)-konservative und sehr einflussreiche Kreise (ist Frau Höhler nicht mit Friede Springer befreundet?) mit Hilfe der Offenlegung der Ungeschicklichkeiten und Unglaublichkeiten des tollpatschig-kleinkrämerischen “Bundespräsidenten” Wulff, eigentlich einen Schlag gegen die “sozialdemokratisierte” Merkel-Regierung nebst der immer bedeutungsloser werdenen FDP führt.
Sehr spannend wie das weitergeht!
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/1533222/ZDF-heute-journal-vom-3-Januar-2012

74) Journalist, Mittwoch, 04. Januar 2012, 13:52 Uhr

@ 62) federkiel, Mittwoch, 04. Januar 2012, 08:23 Uhr

> Sobald man die tägliche lebenskorrupte Vorteilsnahme durch die
> Feilschmöglichkeiten mit dem Journalistenausweis erwähnt
> geht es in blogs deutscher Journalisten zu, wie bei Merkels
> Atomkurs. Sofort abschalten! Die Erwähnung des
> Schnäppchenausweises scheint bei ihren Kollegen und ihnen
> auch die gleichen Ängste auszulösen wie der drohende Atomtod :-)

Zu den Vergünstigungen:
Es gibt genug Journalisten, die Presserabatte in Anspruch nehmen, meist aus Wichtelei oder weil sie zu faul zum Suchen sind. Ist halt genau so wie bei den Beamten, Siemens- oder VW-Mitarbeitern etc
* Schnäppchen-Urlaubsreisen sind billiger
* EU-importierte Autos sind billiger
* Elektronik (Fernsehen/Computer) sind (meist) in vielen Märkten oder im Internet billiger
* Telefon-Tarife auf dem freien Markt sind billiger
* Versicherungen sind eher teurer
* und wer seinen Journalisten-Parkschild benutzt, um zu parken, wo es verboten ist, kriegt gleich zweimal eine rein. Dafür habe ich freien Eintritt auf Messen und andere Veranstaltungen, die ich dienstlich besuche.

Und das schlimmste überhaupt: Viele Firmen (etwa Apple, der Leib-und Magenlieferant der gesamten Journaille) geben gar keinen Presserabat. Schluchz.
Aber egal: Ich habe einen, und Sie nicht – ätsch
:-)

75) Journalist, Mittwoch, 04. Januar 2012, 13:55 Uhr

@ 47) Michael A. Nueckel, Dienstag, 03. Januar 2012, 17:13 Uhr

> Vielleicht ist es auch ganz anders, und Wulff überlängst zum Rücktritt bereit,
> doch Bettina will nicht mitziehen, will dort bleiben, meint sich nichts vorwerfen
> zu müssen … weshalb Angela´s Kandidatensuche nochmals einen Tick schwieriger wird ;-) ))

Andersrum: Die wollen raus und dürfen nicht, weshalb unsere Kanzelrin sich beeilen muss, was die Sache einen Tick schwieriger macht.

76) romeias47, Mittwoch, 04. Januar 2012, 14:18 Uhr

Vielleicht oollte er schon mal mit Ministerpräsident Orbán Kontakt aufnehmen. In Budapest gibt es vielleicht mehr Leute mit Sympathien für seine Auffassung von Pressefreiheit. Und seine Frau gibt dort dann die Piroschka ….

Wulffs Hartnäckigkeit erweckt bei mir den unangenehmen Eindruck, dass er sich in eine finanzielle Unbeweglichkeit gebastelt hat. Vielleicht hat er seine präsidiale Alterversorgung schon anderweitig als “Sicherheit” verhökert? Dass sich jemand, der es bis zum Ministerpräsidenten gebracht hat, in eine solche Situation bringt, und noch ins höchste Amt des Staates geschubst wird, lässt Rückschlüsse auf unsere Mechanismen und Strukturen zu. Frau Merkel muss sich jetzt etwas Schlüssiges einfallen lassen.

Was in Ungarn läuft finde ich aber nicht weniger Aufmerksamkeit der (EU-)Politiker und der Medien wert. Nicht nur wegen der Mediengesetze, sondern weil ich nicht einschätzen kann, inwieweit die Zusammenarbeit Orbáns mit China spaltpilzverdächtige Präzedenzfälle schafft.

77) Kante, Mittwoch, 04. Januar 2012, 14:56 Uhr

Was wird NICHT thematisiert, während mensch das tollpatschig-korrupte Wülffchen mit dem Nasenring durch die Manege zieht ?
Ganz oben auf der Agenda sollte der FINANZKRIEG von Wallstreet und City gegen den Rest der Welt stehen … und dann natürlich der immer näher rückende ATOMSCHLAG der USA&Israel gegen den Iran. Wenn letzteres geschieht und die russische und die chinesische Führung NICHT kleinbeigeben, dann wird aus der ENDZEIT das ZEITENENDE (G.Anders) …. und dann ist das Räsonieren über das Wülffchen nur das, was es ist: Pillepalle.

78) Journalist, Mittwoch, 04. Januar 2012, 15:33 Uhr

68) Journalist, Dein Kommentar wird noch moderiert. Mittwoch, 04. Januar 2012, 13:52 Uhr

Böse Falle:

>> * Schnäppchen-Urlaubsreisen sind billiger
>> * EU-importierte Autos sind billiger
>> * Elektronik (Fernsehen/Computer) sind (meist) in vielen Märkten oder im Internet billiger
>> * Telefon-Tarife auf dem freien Markt sind billiger

ALS DIE ANGEBOTE DURCH JOURNALISTENRABATTE

So muss es natürlich heißen. Bitte eine Portion Häme für mein Eigentor.

79) federkiel, Mittwoch, 04. Januar 2012, 15:54 Uhr

@74) Journalist. Das Ätsch des Abstaubers sei ihnen gegönnt.Dafür haben sie keinen Rabatt im Ansehensranking der Berufe. Dort liegen sie bei der Bevölkerung knapp über den Politikern. Danach kommen nur noch Leuten die von Uniformierten zum Umschluß begleitet werden. Ätsch :-)

80) EStz, Mittwoch, 04. Januar 2012, 15:55 Uhr

33) Mark, Dienstag, 03. Januar 2012, 14:49 Uhr

>> Trotzdem gibt es viele, die mäkeln, dass dies ein schuftiger Plan
>> gewesen sei, eiskalt und hinterhältig von einem miesen Blatt ausgeführt.
>> Das mag ja alles sein, …
Das ist auch so.

>> nur eines muss man (neidvoll?) anerkennen: Ohne die mutige
>> Berichterstattung dieses Blattes hätte diese Affäre nicht das
>> Tageslicht erblickt.
Mutig ist man, wenn man handelt und dabei verlieren kann. Das ist für die BILD nicht der Fall gewesen.
Sonst haben Sie Recht. Denn die “Affäre” um den Privatkredit von Frau und/oder Herr Geerkens ist eigentlich keine Affäre. Die entstand ja erst durch das selten dämliche Verhalten Wulffs, das Ganze zu vertuschen. Aber da, denke ich, stecken auch die unterschwelligen Drohungen zu Enthüllungen über die First Lady mit im Sack, da hätte er so oder so keine Chance gehabt.

>> (Die tiefere Motivation der BILD-Zeitung lassen wir mal gänzlich beiseite.)
Warum?

>> Wieviele Chefredakteure bei kleineren Zeitungen hätten gekniffen
>> beim Anruf des Bundespräsidenten?
Nun, auf das Argument gebe ich nicht viel.
Zum einen: Als damals Bundeskanzler Helmut Kohl den Deutschen versprach, die Einheit ohne zusätzliche Steuererhöhungen durchzuziehen, und anschließend der Solidaritätsbeitrag eingeführt wurde, legte ihn der damalige Chefredakteur Hans-Herman Tiedje auf dem BILD-Titel quer: Aufmacher “Der Umfaller”. Kohl kriegte eine Entschuldigung, Tiedje wurde rausgeschmissen.
Zum anderen: Welche andere Zeitung zündelt derart ungehemmt und versucht, Bundespräsidenten oder Kanzler abzuschießen? Keine. Die Infos zu Wulff hatte die BILD entweder früher und wurden verschwiegen, oder sie wurden der BILD-Zeitung erst zum Zeitpunkt von Wulffs Europolitik-Kritik gesteckt. An Zufälle glaube ich nicht. Und wie planvoll und machtbewußt BILD vorgeht und es sogar schafft, Spiegel, Süddeutsche & Co zu instrumentalisieren, ist auch nicht das Riesen-Argument für aufrechten Journalismus.

81) EStz, Mittwoch, 04. Januar 2012, 16:28 Uhr

@ 76) romeias47, Mittwoch, 04. Januar 2012, 14:18 Uhr

>> Vielleicht sollte er schon mal mit Ministerpräsident Orbán Kontakt aufnehmen.
>> In Budapest gibt es vielleicht mehr Leute mit Sympathien für seine Auffassung
>> von Pressefreiheit.

Ich bitte Sie…. Wenn man mit Ihnen das Gleiche gemacht hätte wie Wulff, hätten Sie Fantasien von Mord und Totschlag. Und eine Presse, die einem missliebigen politischen Gegner wie Jürgen Trittin die Teilnahme an einer Gewaltdemo unterstellt, indem sie auf einem Foto ein Seil zu einem Schlagstock hinmanipuliert, ist nicht frei. Die menschenverachtenden Manipulationen, die BILD regelmäßig im Kleinen oder Großen durchzieht, haben NICHTS mir Pressefreiheit zu tun.

>> Wulffs Hartnäckigkeit erweckt bei mir den unangenehmen Eindruck,
>> dass er sich in eine finanzielle Unbeweglichkeit gebastelt hat.
>> Frau Merkel muss sich jetzt etwas Schlüssiges einfallen lassen.
Wer weiß, ob er schon weg darf? Ein möglicher Nachfolger ist noch nicht ansatzweise im Gespräch, und eine dritte Panne wird dann langsam auch für Frau Merkel kritisch.

82) Frankilein66, Mittwoch, 04. Januar 2012, 17:57 Uhr

Die Sache ist doch ganz einfach.

Die anderen Medien und das Internet haben im letzten Jahr Guttenberg solange gemobbt bis er zurücktreten mußte, gegen den Willen der “BILD”.

Mit der Causa Wulff will die “BILD” beweisen, wer in diesem Land das Leitmedium ist und welcher Verlag in diesem Land die größte Macht hat.

Nach dem Motto: Was ihr könnt, können wir schon lange!

83) Mark, Mittwoch, 04. Januar 2012, 18:25 Uhr

Oh, wie unwürdig dieses Spektakel ist. Die Medien titeln: “Wulff will weiter Präsident bleiben”, gerade so als wäre das eine Überraschung. Das ist doch “Hund beißt Mann” und völlig irrelevant. Wulff geht in die Geschichte ein als Präsident, über den OFFEN gelacht wird. Buh-Rufe bei Veranstaltungen werden keine Seltenheit sein, und weil das so kommen wird, werden nur mehr Claqueure eingeladen werden. Oder die Verlautbarungen finden gleich bei wohlwollenden Journalisten statt. Wie unwürdig!

84) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 04. Januar 2012, 19:16 Uhr

(…)Und umgekehrt sind wir alle längst zu Bundespräsidenten geworden,(…) Zitat: Wolfgang Michal

…und zum Fußball-Bundestrainer Jogi Löw…

http://www.wolfgangmichal.de/?p=1544

85) xpomul, Mittwoch, 04. Januar 2012, 19:46 Uhr

ich fürchte er bleibt uns erhalten.

frau angela bleibt wohl ebenso noch eltiche jahre kanzlerin;
alternativlos mangels qualität in der oppostion.
wo ist die eigentlich ???

frau ursula, ich muß es beklagen, wohl ebenso.

ich würde gern auswandern auf meine alten tage.
die schweiz nimmt mich auch nicht auf mangels millionen auf dem konto.

ich möchte heulen ob solcher basisdaten.

86) Politikverdruss, Mittwoch, 04. Januar 2012, 19:52 Uhr

War das nun das „Schlusskapitel“? Oder hat Herr Dieckmann noch ein paar “Freunde”, die er gegen “gute Geschichten” eintauschen kann.

87) Frank, Mittwoch, 04. Januar 2012, 23:45 Uhr

Christian Wulff hat sich aus juristischer Sicht nicht schuldig gemacht und gerade SPD und Grüne sind doch diejenigen, die sich sonst immer sehr laut für das Prinzip der Unschuldsvermutung aussprechen! Er hat zu keinem Zeitpunkt gelogen und sich auch keine Vorteile erschlichen. Die Annahme eines Privatkredits und die Übernachtung bei Freunden ist nichts Verwerfliches. Spekulationen sind keine Beweise, zumal Herr Wulff den besagten Unternehmer schon seit seiner Tenagerzeit kennt. Sein Verhalten den Medien gegenüber war natürlich nicht in Ordnung. Wer in der Öffentlichkeit steht, der muss sich auch eine kritische Berichterstattung gefallen lassen. Allerdings müssen sich die Medien ebenfalls zwei kritische Anmerkungen gefallen lassen: Erstens fällt mir seit vielen Jahren auf, dass in den Medien vor allem konservative Politiker oder Menschen mit konservativen Positionen (Thilo Sarrazin und Eva Herman) an den moralischen Pranger gestellt werden. Das Medienimperium der SPD und der Marsch durch die Institutionen (die 68er-Revolte) lassen grüßen. Und zweitens kann es nicht sein, dass Herr Wulff sich einerseits schon längst bei der Bild-Zeitung entschuldigt hat und die Medien der Öffentlichkeit gleichzeitig nur belastende, aber eben keine entlastenden Fakten über Herrn Wulff präsentieren. Ich wünsche Herrn Wulff alles Gute und hoffe, dass er weiterhin unser Bundespräsident bleibt. Er macht seine Arbeit sehr gut, auch wenn er manchmal etwas lauter sein könnte!

88) EStz, Donnerstag, 05. Januar 2012, 03:06 Uhr

87) Frank, Mittwoch, 04. Januar 2012, 23:45 Uhr

>> …Die Annahme eines Privatkredits und die Übernachtung bei Freunden
>> ist nichts Verwerfliches. Spekulationen sind keine Beweise, zumal
>> Herr Wulff den besagten Unternehmer schon seit seiner Tenagerzeit kennt…. usw

Danke!

89) Michael, Donnerstag, 05. Januar 2012, 07:50 Uhr

Besser als das kleine Mädchen im Morgenmagazin kann man es nicht ausdrücken. Wenn der Bundespräsident aber nicht einmal mehr moralisches Vorbild für unser Kinder taugt, wozu taugt er dann?

Über Politikverdrossenheit braucht man sich bei derartigem Verhalten nicht zu wundern – und das vom ersten Mann im Staate – ich schäme mich dafür. Wer ist in der Lage, unserer Gesellschaft wieder Werte zu vermitteln?

90) Reinhard Rätzel, Donnerstag, 05. Januar 2012, 10:50 Uhr

Anspruch und Wirklichkeit – ist nach dem Fernsehinterview vielfach bestätigt, vor allem wenn ich Michael Sprengs Worte richtig verstehe – eigentlich bräuchte das Land Herrn Wulff, so wie er ist und sich gibt, NICHT.
Nur – gibt es eine Zertifizierung für Bundespräsidenten? – nein es gibt sie nicht – noch nicht, nicht einmal für NICHT-Verfassungsorgane, also den “gemeinen” Politiker.
Fordern wir, die wir ebenso nicht ohne Fehl und Tadel im Leben stehen, eine präsidiale Lichtgestalt die im wirklichen Leben nirgendwo existiert. Sicher, unser Anspruch, gerade an dieses Verfassungsorgan muss hoch sein, aber wo genau verläuft die Grenze.
Mit einem HOP oder TOP BP ist niemandem geholfen. Das diplomatische Corps wird im also zum Neujahrsempfang die Ehre erweisen…..
Nur, sollte jetzt auch nur ein investigativ-journalistisches Zündholz entflammen, so wäre das mit Sicherheit das entzünden einer verspäteten Sylvesterrakete vom Typ CW.

91) Joachim Haug, Donnerstag, 05. Januar 2012, 12:38 Uhr

Die Medienwölfe haben ihr Fressen gefunden, der Wulf muß weg, alles was er jetzt tut ist falsch, die Meute hat sich festgebissen und wird nicht eher aufgeben bis die Beute erlegt ist.

Als Bürger bezeichne ich das als Medienterror, die neuste Form des Terrorismus.

92) Doktor Hong, Donnerstag, 05. Januar 2012, 13:02 Uhr

Ich weiß nicht, Herr Spreng. Ist das so außergewöhnlich? Hat man niemals versucht, auf Sie und Ihre Berichterstattung Einfluss zu nehmen? Sie haben doch selber geschrieben, dass das geschehen war – wohl eher mit Zuckerbrot, als mit Peitsche, aber ungewöhnlich scheinen diese Vorgänge ja nicht zu sein.

Wenn also diese Vorgänge nicht selten sind – aber man nur selten von ihnen hört – heißt das, dass sie oft von Erfolg gekrönt sind?

Nun gut – durch seine Handlungen räumt Wulff im Subtext ein, dass er sich bewusst ist, dass das Bekanntwerden dieser Vorgänge seinem Ansehen schaden würden. Und das tun sie auch. Nur, wen kann das überraschen, wenn man sich überlegt, wie die Präsidentenwahl gedeichselt worden ist?

Wulff ist doch nur deswegen Präsident geworden, damit Merkel demonstrieren kann, dass sie die Zügel in der Hand hält. Darum und um nichts anderes ging es doch.

Als sie 1999 während der Spendenaffaire sich blitzartig von ihrem Ziehvater Kohl distanzierte, da dachte ich als sehr junger Mensch: Das muss echter Machtinstinkt sein. Man muss sich auch mal vor Augen halten, gegen wie viele einflussreiche Politiker mit Hausmacht in der CDU sie sich durchgesetzt hat. Sie hat uns alle nicht enttäuscht.

Und welche Glaubwürdigkeit soll Wulff denn bitte verspielt haben? Für mich hatte er nie welche.

93) Logorrhoe, Donnerstag, 05. Januar 2012, 14:37 Uhr

WIR (Bevölkerung, Presse, Politiker) alle generieren hier ein Dilemma: Welcher kluge Kopf mag sich diesem “Feuer” aussetzen? Wie können wir erwarten, dass unter solchen Bedingungen tatsächliche ELITEN (hohe geistige, intellektuelle, fachliche Kompetenz, IQ & EQ, Eloquenz, etc….) in die obersten Ämter dieses Staates gelangen? Sie werden unterdurchschnittlich bezahlt (if you pay peanuts, you get monkeys), geben ihr Privatleben auf & preis, stehen ständig unter Beobachtung und bekommen einen auf die Legislaturperiode befristeten Arbeitsvertrag. Wer setzt sich dem gerne freiwillig aus? Wulff hat recht mit Truman’s Zitat “If you can’t stand the heat get out of the kitchen” – nur wir dürfen uns dann nicht wundern, wenn wir unter solchen Bedingungen überwiegend mediokres Personal bekommen. Mal ganz abgesehen davon, dass der BuPrä ja nicht tatsächlich gewählt wird: kein Wahlkampf, keine Auswahl aus einer Vielzahl von Bewerbern, sondern de facto Akklamation durch die in der Bundesversammlung die Mehrheit innehabende(n) Partei(en). Da kann dann auch schonmal so etwas dabei herauskommen. Hier haben Frau Merkel und die schwarz-gelbe Koalition grandios versagt! Und Herr Wulff hätte sich erst garnicht nominieren lassen dürfen, doch es hat ihm bereits hier an Weitblick und Übersicht gefehlt, zu erkennen, dass dieses Amt zu groß ist für ihn. Er redet von einer “Lernphase”!! Ist nach dem Praktikantenstadl der FDP nun auch das Amt des BuPrä ein Ausbildungsberuf und Herr Wulff der Azubi?

94) Rolf, Donnerstag, 05. Januar 2012, 14:52 Uhr

Kann man alles sehen, wie man möchte. Allerdings hätte Herr Wulff seine Erklärungen etwas früher abgegeben, so wäre sicher noch grosser Schaden vom Amt abwendbar gewesen.

Allerdings – Herr Spreng: Manche Leute, die gerne mal “tief ins Glas” sehen, können dann die Realität nicht mehr erkennen :)

95) Arbeiter- und Bauernstaat, Donnerstag, 05. Januar 2012, 15:02 Uhr

BILD ist die Zeitung der unteren 10 Millionen, also des Proletariats.

Wer mit BILD nach oben kommt, geht auch mit BILD unter, so sinngemäß deren “Eigenwerbung”.

Das Zentralorgan des Proletariats entscheidet also über Wohl und Wehe unserer “Eliten”?!

Wow, ich wusste nicht, dass BILD ein kommunistisches Blatt ist, eine völlig neue Erkenntnis, Genosse Diekmann!

Sparen wir uns also die Kosten aller zukünftigen “freien” Wahlen und lassen BILD entscheiden, wer uns führen DARF. So kann sich dann jeder A-, B- oder C-Promi ungehemmt für dieses Blatt prostituieren, ohne Gewissensbisse zu bekommen – TOLL!

96) Sehnsucht…., Donnerstag, 05. Januar 2012, 15:10 Uhr

Herr (Georg) Schramm, was sagt Lothar Dombrowski dazu?? Ich erwarte SEHNSUCHTSVOLL seinen Kommentar dazu!

In etwa so (Beispiel aus 2003, immer noch aktuell):
http://www.georg-schramm.de/html/video_dombrowski.html

97) Vamp, Montag, 06. Februar 2012, 08:10 Uhr

Guter Termin alle diese hochdotierten, bombensicheren Beamtensaläre zu Kippe. Freie Marktwirtschaft bei jeder Form von Arbeit und Beschäftigung ist jetzt angesagt. Wer brauchst solche flach grinsenden Konfirmanden im ausbildungsmodus? Siehe auch Joschka Fischer: vom Egoisten zum global Staatsmann auf kosten des Steuerzahlers. Vamp

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


apparent media - iPhone Apps aus Berlin