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Montag, 09. Januar 2012, 12:43 Uhr

Am Tropf von BILD

Im Fall des würdelosen und entwürdigten Bundespräsidenten Christian Wulff gibt es einen zweiten, inzwischen nicht weniger würdelosen Schauplatz: das Verhalten der Medien, genauer gesagt, eines Teils der Print-Medien. Das Medienkarussell dreht sich mit immer schnellerer Geschwindigkeit und gebiert Peinlichkeiten und Absurditäten ohne Ende.

Da preist der “Spiegel”-Chefredakteur bei Günther Jauch sein “morgen erscheinendes Heft” an, in dem das Blatt aus Wulff-Telefonaten mit BILD-Chef Kai Diekmann und Springer-Chef Matthias Döpfner zitiert, während der stellvertretende BILD-Chefredakteur neben ihm sitzt und dann prompt bestätigt, dass “Der Spiegel” korrekt berichtet.

Da wird der “Enthüllungsjournalist” Hans Leyendecker von der “Süddeutschen Zeitung” in BILD ausführlich mit einem Interview zitiert,  in dem erklärt und bewertet, was Christian Wulff Kai Diekmann auf die Mailbox gesprochen hat. Absurder geht’s kaum.

Das Gefühl verstärkt sich von Tag zu Tag, dass auch die sogenannte seriöse Presse in der Wulff-Affäre die Besinnung verloren hat. Alle hängen irgendwie am Tropf von BILD und lassen sich täglich neu instrumentalisieren.

Deshalb eine Rückblende. Die Affäre drohte über die Feiertage einzuschlafen, weshalb BILD der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” (FAS) und der “Süddeutschen Zeitung” durchstach, dass Wulff auf Diekmanns Mailbox mit “Krieg” , einem Strafantrag und dem endgültigen Bruch mit Springer gedroht hatte. Daraufhin brach ein neuer Sturm der Entrüstung los. Die Affäre hatte mit neuem Schwung das neue Jahr erreicht.

BILD wiederum konnte jetzt, ohne sich die Finger selbst schmutzig zu machen, über das Telefonat berichten, mit Empörung darauf reagieren und den Bundespräsideten auffordern, dazu Stellung zu nehmen.

Und dann der Höhepunkt: nachdem Wulff  in seiner teilwahrheitshaften Art im TV-Interview das Telefonat schönte, konnte BILD ihn auffordern, einer Veröffentlichung des Telefonats zuzustimmen. Als dieser ablehnte, stach BILD an den “Spiegel” weitere Einzelheiten durch.

Das Ganze ist ein sich täglich neu selbst anschiebendes Medienkarussell. BILD lagerte das Riskiko eines Bruchs der Vertraulichkeit einfach aus. Um die genaue und erste Quelle, nämlich Kai Diekmann, zu verschleiern, teilte BILD “in eigener Sache” mit, das Telefonat sei in der Redaktionskonferenz breit diskutiert worden. Will heißen: so breit, dass auch wir leider nicht wissen, welcher illoyale Redakteur das herausgegeben hat.

Und da “Spiegel”, “Süddeutsche” und FAS von diesem verlogenen Spiel profitiert haben, gibt es bis heute auch keine kritische Aufarbeitung der Rolle von BILD. Der Fall Wulff ist auch ein Versagen des kritischen Medienjournalismus.

P.S. Damit meine Position klar ist: die Enthüllungsberichte von BILD über Wulffs Kreditaffäre und Carsten Maschmeyers Buch-Sponsoring war verdienstvoll und erfüllten die kritische Funktion der Presse. Nicht aber das falsche Spiel um das Telefonat. Wenn BILD so erschüttert über diesen tatsächlichen oder vermeintlichen Anschlag auf die Pressefreiheit war, wie die Zeitung heute tut, dann hätte die Zeitung sofort nach dem Anruf den Inhalt selbst veröffentlichen und dafür auch das Risiko tragen müssen.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

93 Kommentare

1) Frankilein66, Montag, 09. Januar 2012, 12:57 Uhr

Das alles ist doch von diversen Kommentatoren in diesem Blog bereits thematisiert und kritisch angemerkt worden!

Guten Morgen Herr Spreng, auch schon wach?

2) rainer, Montag, 09. Januar 2012, 12:57 Uhr

…da kann man nur sagen:

…..FREIE PRESSE…..BREITE FRESSE..

3) Mark, Montag, 09. Januar 2012, 13:15 Uhr

Ja, genau. Das Herumgezumpel um den Anruf ist nicht schön. Man reibt sich schon ein wenig die Augen, dass Spiegel und Süddeutsche hübsch zitieren, die BILD aber nur dazu nickt. Aber sei’s drum: Wulff hat ja schon gesagt, dass die Affäre in einem Jahr vergessen sein wird. (Und diese Aussage ist in jedem Falle richtig: Sollte er doch irgendwann dem Druck der Öffentlichkeit nachgeben, dann ist er in einem Jahr wirklich vergessen. Wulff? Wulff? War da was? Und wenn er durchhält, dann wird ihm zwar immer ein Makel anhaften, aber bis dahin, da bin ich mir sicher, gibt es viele neue, bisher ungehnte Möglichkeiten, in selbst aufgestellte Fettnäpfchen zu treten.)

Einzig der Kommentar von Volker Kauder machte mich dann doch stutzig: Wenn er sagt, die Koalition denke überhaupt nicht daran, irgendwelche Nachfolger für irgendwen (und schon gleich gar nihct für den Bundespräsidenten) zu suchen, dann können wir getrost davon ausgehen, dass genau das genau jetzt in vollem Gange ist. :-)

4) Alexander, Montag, 09. Januar 2012, 13:23 Uhr

Medien profitieren von der Dauerempörung!

Deses Statement von Ihnen gefällt mir sehr gut. Die Peinlichkeiten nehmen und nehmen kein Ende. Unser Bundespräsident rückt nur scheibchenweise mit der ganzen Wahrheit raus, die Medien stacheln an und die Öffentlichkeit suhlt sich begeistert in Dauer-Empörung. Eine im Grunde genommen langweilige Posse wird aufgebauscht.

Das Krisenmanagement von Bundespräseident Wulff ist eine Katastrophe und für uns Bürger eine echte Zumutung. Im Interview (vom letzten Dienstag) haben ihn allein seine Wortwahl verraten: Sehr viele “Man sollte”, viel passive Formulierungen und um Hilfe und Verständnis bettelnde Fomulierungen, die nur eines aussagen. Unser Bundespräsident verschleiert, hat Angst sich zu offenbaren. Und er hat grottenschlechte PR-Berater (seine Frau), die ihm jetzt zum Verhängnis werden.

Die Telefonanrufe bei BILD sind grottesk, irgendwie ohnächtig und langweilig. Als gestandener Medien- und Polit-Profi sollte Herr Wulff dieses Haifischbecken doch sehr gut kennen. Wer mit BILD kuschelt, der kuschelt mit einem Hai. Und für Haie bedeutet Kuscheln Fressen, also Nahrung.

Am Schlimmsten fand ich aber die Öffentlichkeit mit ihrer ewigen, furchtbar langweiligen Dauerempörung. Alle haben sich im Misthaufen bis zum gehtnichtmehr rumgesuhlt

5) theo, Montag, 09. Januar 2012, 13:33 Uhr

Es ist schön, dass sich Journalisten langsam der Erkenntnis diverser Kommentatoren und Leserbriefschreiber nicht ganz verschließen. Gut, dass mehr und mehr Medienmacher wach werden und die Rolle der eigenen Zunft beleuchten. Der Journalismus wäre ohne Selbstkritik und Kritikfähigkeit verloren.

Ein Hinweis: Hans Leyendecker hat sich nicht von “Bild” interviewen lassen. “Bild” zitiert ein Interview, das Leyendecker dem Radiosender WDR2 gegeben hat.

http://www.bild.de/politik/inland/wulff-kredit-affaere/hans-leyendecker-ueber-bundespraesidenten-21965588.bild.html

6) StefanP, Montag, 09. Januar 2012, 13:37 Uhr

Sicher mag man darüber streiten können, inwieweit die BILD-Zeitung ein taktisches Spiel mit der Affäre Wulff getrieben habe. Und es kann nicht neu sein, dass Medien selbständig entscheiden, wann sie mit einer Information an die Öffentlichkeit gehen. Die Begründung des Boulevardblattes ist dabei durchaus nachvollziehbar.

Erst der Bundespräsident selber hat sein Telefonverhalten zu einer publica res gemacht. Sein Umgang mit der Wahrheit ist ein ausschließlich taktisches, etwas, was man den Medien von BILD bis Spiegel nicht vorwerfen kann. Und an dieser Stelle muss ich mich zu meinem Eingangskommentar korrigieren. Christian Wulff hat, das zeigt sich heute, sich pharisaerhaft in seiner politischen Karriere verhalten.

Eigentlich war die ganze Sache eine Affäre 2. Ordnung. Der Bundespräsident hat sich in seiner früheren Funktion als niedersächsischer Ministerpräsident von Wirtschaftsgrößen nationaler oder regionaler Bedeutung in einigen privaten Dingen sponsoren lassen. Das macht man nicht, das gehört sich nicht – keine Frage.Offensichtlich wusste der CDU-Politiker das ganz genau, weswegen er alles unternahm um sein dubioses Verhalten zu verschleiern.

Der Bundespräsident selbst hat das wichtigste Kapital eines Politikers verspielt, seine Glaubwürdigkeit. Daran sind nicht die Medien und ihre Veröffentlichungspolitik schuld. Der aalglatte Karrierepolitiker selber ist in die Grube gesprungen, die er eifrig gegraben hat. Das bedeutendste Machtinstrument des Staatsoberhauptes ist die Rede. Doch Christian Wulff redete und redet so und handelt in Opposition dazu. Er predigte jahrelang prominent für Anstand in der Politik und begab sich selbst in Abhängigkeiten. Er preist die Pressefreiheit um am gleichzeitig führende Journalisten zu nötigen. Und: Er fordert Transparenz und schafft es nicht, in eigener Sache Klarheit herzustellen. Im Gegenteil: unabhängig voneinander widersprechen zwei Institutionen (BILD, BW-Bank) dem Bundespräsidenten seiner öffentlichen Darstellung.

Ich möchte keine weitere Erklärung des Niedersachsen. Ich möchte, dass er schnell Platz macht für einen glaubwürdigen Politiker im Schloss Bellevue. Davon gibt es zum Glück noch genügend.

7) m.spreng, Montag, 09. Januar 2012, 13:43 Uhr

@ 5) theo

Stimmt. Schon geändert.

8) 68er, Montag, 09. Januar 2012, 13:47 Uhr

Herr Spreng, Sie haben Recht.

Man schaue sich nur einmal diese verlogenen Artikel der “Welt” an, in denen so getan wird, als habe die “Welt” von den “Drohanrufen” bei Diekmann und Doepfner nur durch die Lektüre fremder Zeitungen erfahren:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article13793634/Wulff-soll-Springer-mit-Bruch-gedroht-haben.html

http://www.welt.de/politik/deutschland/article13803543/Wulff-sprach-auch-dem-Springer-Chef-auf-die-Mailbox.html

Sonst benutzt Herr Döpfner die Titelseite der “Welt” doch auch ganz gerne mal, um uns seine Erkenntnisse und Meinungen kundzutun:

http://www.welt.de/debatte/article11148187/Der-Westen-und-das-hoehnische-Lachen-der-Islamisten.html

http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article12055633/Ein-SKANDAL-Ein-SKANDAL.html

Wie hätte sich Deutschland aufgeregt, wenn Herr Wulff in seinem Fernsehinterview auf die Frage, ob er der Bild Zeitung gedroht hat, geantwortet hätte:

“Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet hat, soll der Bundespräsident bei seiner Mitteilung auf die Mailbox von Herrn Diekmann darum gebeten haben, die Berichterstattung um einen Tag zu verschieben. Dies wurde mir auch auf Nachfrage vom Bundespräsidialamt bestätigt.”

9) Hanns Binder, Montag, 09. Januar 2012, 13:59 Uhr

Ich bin sehr selten Ihrer Meinung – in allen Kommentaren und Wertungen, die sich mit der FDP und ihrem aktuellen Personal befassen – (Altliberaler !!). Aber dieses Mal legen sie den Finger in die Wunde. Ich frage mal öffentlich: Was alles ist in diesem Zusammenhang würdelos? Die Wahl der Bundespräsidenten nach den jeweiligen Mehrheits-/Machtverhältnissen in der Bundesversammlung? Das Verhalten von Wulff als Ministerpräsident in Niedersachsen im Zusammenhang mit Urlaubsaufenthalten und den Verschleierungsbemühungen bei seinem Hauskauf? Sein ganzes Verhalten angesichts der drohenden Veröffentlichung in der Bild? Das von Ihnen sehr deutlich angesprochene Verhalten wichtiger Medien, die sich gegenseitig die Bälle zuspielen? Das Verhalten der Opposition, die von einem Rücktritt Wulffs – Schlag gegen Merkel – erheblich zu profitieren hofft? Wollen sie nicht einen Preis kreieren (z.B. “Hinterfotz des Jahres”. abgeleitet vom bayerischen Attribut “hinterfotzig” mit öffentlicher Abstimmung?

10) theo, Montag, 09. Januar 2012, 13:59 Uhr

@StefanP:

Nicht Wulff hat den Anruf zu einem öffentlichen Thema gemacht, wie Du schreibst. “Bild” hat wochenlang zuvor FAZ und andere gedrängt, den Anruf doch endlich zu einem Thema zu machen. Mehr oder weniger “aus Versehen” hat die FAZ dann indirekt daraus zitiert, die Süddeutsche hat es dann aufgegriffen. Und “Bild” legt regelmäßig Briketts auf. Da wird auch gerne etwas zurecht gebogen. Blome behauptet erst, Wulff habe nicht um Verschiebung gebeten, dann sagt er, Wulff habe AUCH um Verschiebung gebeten.

“Bild” begründet die Nicht-Veröffentlichung im eigenen Blatt damit, dass man das nicht ohne Zustimmung Wulffs machen wolle. Gleichzeitig verschickt das Blatt die Mitschrift des Telefonats durch die Welt.

Nichts für ungut, Stefan: Wenn das für dich “nachvollziehbar” ist, möchte ich dich ungerne anrufen.

Und könnte mir mal jemand erläutern, warum die Androhung (!) einer Strafanzeige ein Anschlag auf die Pressefreiheit sein soll? Ich meine, ungeschickt ist das sicherlich, keine Frage. Aber da hätte ja auch nicht der Herr Wulff darüber zu befinden, was juristisch zu ahnden gewesen wäre. Abgesehen davon sehe ich schon, wie Kai Diekmann vor Angst schlottert… nee, ist schon klar…

Wie sehr der Spiegel sich von Bild abhängig macht, ist fürwahr ein Trauerspiel.

11) Escape, Montag, 09. Januar 2012, 14:20 Uhr

Jeder, der einige Jahre in diesem Staat lebt, weiß doch, wie die Medien hierzulande funktionieren – auch der Bundespräsident sollte das wissen. Was hat er erwartet? So, wie er sich verhalten hat und verhält, bietet er doch Angriffsflächen, die von den Medien in jeder Form genutzt werden. Nicht mehr und nicht weniger.

12) wepoc, Montag, 09. Januar 2012, 14:32 Uhr

Danke, Herr Spreng, für diesen Beitrag!

Nur eine kleine OT Frage: ich habe von dem wochenlagen Wulffsgeheul von BILD, Springer & Co. einen Tinnitus bekommen. An wen muss ich mich bezüglich einer Schmerzensgeldklage wenden?

13) Michael A. Nueckel, Montag, 09. Januar 2012, 14:39 Uhr

Wulff´s Auslandreise liegt 4-5 Wochen, der besagte Diekmann-Anruf ca. 4. Wochen (?) und der Beginn der Thematisierung des Anrufes (Mailbox) in der Öffentlichkeit gut 1 1/2 Wochen zurück? In etwa richtig? Im Büro hat man nicht immer die Zeit, das en detail zu recherchieren. Meine Einschätzung: BILD hat den Ball, der schon auf der Torlinie lag, noch über die Latte gedonnert. Und jetzt wollen Sie was? Foul reklamieren, Wiederholung oder was? Pech gehabt oder ich würde sagen, die hatten Angst vor der eigenen Courage. Die wissen, und die wußten, mit der ungeschminkten Veröffentlichung ist der “Rubikon” auch so auf seine Art überschritten, nicht nur ggü BPräs. Wulff, und ganz offensichtlich scheu(t)en die Herren das; oder haben Döpfner bzw. Friede Springer doch still eingegriffen? Und es schmerzt diese Zeitungsmacher, diesen einmaligen Matchball so kläglich vergeben zu haben, das Geschreie darum daher nur Nachwehen eigener Unzulänglichkeit. … geht aber vorüber, spätestens mit der nächsten Sau, die durch´s Dorf getrieben wird. Die wird halt jetzt früher kommen müssen.

14) Christian Edom, Montag, 09. Januar 2012, 14:41 Uhr

Manchmal genügt gekonntes Kommentieren nicht, sondern recherchieren ist nötig, um die Dinge einzuordnen, die von alten bekannten und vertrauten Mustern abweichen.

15) StefanP, Montag, 09. Januar 2012, 14:51 Uhr

@10) theo

Dieser Anruf beim Bild-Chefredakteur Diekmann hat nur deswegen an Bedeutung gewonnen, weil Wullff gerade im Umfeld der Affäre mehrmals behauptet hat, die Pressefreiheit zu achten. Damit hat er selber den Anruf zu einem öffentlichen Thema gemacht.

Ich kenne eine Parallele aus dem Umfeld meiner Frau: eine Kollegin hat bei ihren Vorgesetzten massiv interveniert, dass eine Kollegin wegen ihrer Hepatitis-Erkrankung von der Arbeitsstelle entfernt wird. Nachdem dies misslungen ist, biedert sich die gleiche Mitarbeiterin nun bei ihrer Kollegin an, die nichts von dem Vorgang weiß. Darf man so etwas bekannt machen?

Der Bundespräsident ist eine öffentliche Person. Als er gleichzeitig den Bild-Chefredakteur und den Springer-Chef anrief um gegen eine mißliebige Berichterstattung zu intervenieren, hat er sich nicht der Vertraulichkeit des Wortes versichert – zumal die Angerufenen keine Möglichkeit hatten, dazu Stellung zu nehmen. Vertraulichkeit ist nämlich eine Vereinbarung auf Gegenseitigkeit. Der, dem Vertrauen geschenkt wird, muss schließlich die Möglichkeit haben, die Offenbarung einer vertraulichen Mitteilung abzulehnen.

Von daher können Sie mich ganz beruhigt anrufen. Meine Telefonnummer steht unten in der Signatur. ;-)

16) Michael P., Montag, 09. Januar 2012, 15:56 Uhr

Die Verschlungenheit der Verbreitungs- und Veröffentlichungswege von Wulff selbst produzierter brisanter Informationen ändert ja nichts an deren Brisanz. An den Tropf der BILD-Zeitung hat sich der Bundespräsident mit seinen bedenklich entrückten Ansagen auf den BILD-Anrufbeantworter schließlich ausschließlich selbst gehängt. Dann ist eine Zeitung sogar verpflichtet, die Öffentlichkeit über solche gehäuften undemokratischen Entgleisungen des Staatsoberhaupts zu informieren. Hier muß zwischen formalen Nebensachen und deren viel schwerer wiegender politisch-inhaltlichen
Substanz und Brisanz unterschieden werden, die sich in solch undemokratischen Anwandlungen gegenüber recherchierenden Medien zeigen.

17) romeias47, Montag, 09. Januar 2012, 16:00 Uhr

Das kommt davon, wenn man “nette Schwiegersöhne” statt fähige Politiker sucht. Man kann Wulf zugute halten, dass ihn die Berufung ins amt kalt auf dem linken Fuß erwischt hat (nicht vorhersehbar, privater Umbruch nach Scheidung und 2. Ehe). Dass er als Ministerpräsident, dann niemanden gesucht und/oder gefunden hat, der ihm hilft seine “Bude” so aufzuräumen, dass er unbelastet ins Schloss Bellevue einziehen kann, lässt einen am deutschen Politiker-Casting (ver)zweifeln.

Nach dem TV-Gespräch Wulffs kam mir der Gedanke, wo er auch “Opfer” seiner Biografie geworden sein könnte: Die früh abverlangte Fürsorglichkeit könnte eine Art “Entschädigungsstrategie” bewirkt haben, die katholische Sozialisation könnte de Neigung zu Entschuldigungs- und Bescheidenheitsritualen gebahnt haben (“Wer sich erniedrigt, der wird erhöht werden”). Solche Denkfallen wirken im Normalbetrieb oft sogar sympathisch, können aber im Ernstfall fatal werden.

Falls er zurücktreten sollte, und eine Nominierung ansteht, sollte Frau Merkel sich dazu durchringen, jemanden zu benennen, der ihre Schwächen ausgleicht und nicht wieder Befürchtungen hegen, jemand könnte beim “Volk” besser ankommen.

Zu den Medien fällt mir nur ein, dass sie vermutlich für nachrichtenschwache Zeiten den Begriff “Wulff-Faktor” einführen werden. Vielleicht sollte man Wulff, BILD und Spiegel als Preis die
Salami des Jahres und kleine Rumpelstlzchen aus Filz überreichen…

18) f.luebberding, Montag, 09. Januar 2012, 16:10 Uhr

Spreng

Sie operieren mit dem Kenntnisstand von heute über einen Sachverhalt, der jetzt vier Wochen alt ist. Welchen Grund gab es vor vier Wochen, das öffentlich zu machen? Es musste ja erst einmal darum gehen herauszufinden, was überhaupt passiert war. Und zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung hat Wulff nur mit einer kuriosen Begründung versucht zu erläutern, warum Edith und Egon Geerkens nichts miteinander zu tun haben. Wenn man zu diesem Zeitpunkt diese Debatte über den Anruf auf den AB begonnen hätte, wäre also überhaupt nicht deutlich geworden, warum sich Wulff eigentlich in dieser Form exponiert. Damals konnte nur Wulff wissen, warum er von einem Krieg spricht und was an der Sache für ihn so gefährlich ist, dass er diesen Artikel verhindern will. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie dann für eine Veröffentlichung gestimmt hätten.

19) THE BAD TYNAWOOLVES, Montag, 09. Januar 2012, 16:18 Uhr

Da stehen wir nun und starren auf den hässlichen Januskopf: Wir wollen Glasnost und Perestroika, aber mit naiver Leidenschaft….nicht aber von einer großen Koalition der freien und investigativen Presse, die wir uns doch immer einteilen wollten in politische Lager sowie gut/böse.
Enttäuschung und Entfremdung entsteht hier nicht nur gegenüber dem diffusen Begriff von einer politischen Klasse, sondern jetzt auch vermehrt gegenüber unserem bisherigen Anwalt von der sog. vierten Gewalt.
Was bleibt ist der Anblick der erpressbaren Bellevue-Truppe, die über einen Strohmann und seine Strohfrau min. eine halbe Million Schmiergeld erhalten haben könnte. Warum sonst hat der Osnabrücker Ersatzvater frei im SPIEGEL geplaudert? Weil er den wahren Zweck der Mittel tarnt: den man nur ahnt, Verrsicherungswesen oder so etwas.

20) 13rh07, Montag, 09. Januar 2012, 16:34 Uhr

theo schrieb: “Wie sehr der Spiegel sich von Bild abhängig macht, ist fürwahr ein Trauerspiel.”
Dem kann ich nur zustimmen – Als ich am Sonntagabend bei dem von Günther Jauch begleiteten Versuch einer Talkrunde in der ARD die Haltung des Spiegel Chefredakteurs sah, ging mir schlagartig auf, wer in diesem Spiel eigentlich die Fäden in der Hand hält. Herr Blome saß nämlich äußerst gelassen daneben.
Wulff hat sich persönlich mehr als dumm angestellt, als er solchen Leuten auf die Mailbox sprach, statt das persönliche Gespräch zu suchen. Menschlich verständlich – dem Amt unangemessen. Das ist aber Vergangenheit und da muss auch mal ein Strich drunter.
Deshalb sollte die Bild den Wortlaut des Mailbox-Anrufes endlich abdrucken (juristisch ist das wohl möglich) und fertig. Dann darf Wulff sich nochmal entschuldigen oder meinetwegen auch zurücktreten und gut. Nicht daß ich mit Wulff sympathisiere – weit gefehlt – aber das Ansehen der seit Schwarz-Gelb ohnehin kränkelnden deutschen Demokratie wird hier auf der Schlachtbank der Medien geopfert. Das darf nicht sein!
Gestern sagte ein Kommentator in ‘ZDF Berlin direkt’ sinngemäß: “… die Bild hat Wulff einst auf die Bühne gehoben und jetzt läßt sie ihn nicht mehr herunter.”

21) EStz, Montag, 09. Januar 2012, 16:35 Uhr

@ 6) StefanP, Montag, 09. Januar 2012, 13:37 Uhr

>> Sicher mag man darüber streiten können, inwieweit die BILD-Zeitung
>> ein taktisches Spiel mit der Affäre Wulff getrieben habe.
man mag…. Haben Sie Ihren Urlaub auf Kreidefelsen verbracht? :-)

>> Und es kann nicht neu sein, dass Medien selbständig entscheiden,
>> wann sie mit einer Information an die Öffentlichkeit gehen.

Gehen die Medien nach eigenem Ermessen (Zeitpunkt, Person, Thema) mit ihrer Version der Wahrheit
an die Öffentlichkeit, betreiben sie selbst Politik. Das hat dann aber nix mehr mit Pressefreiheit zu tun.

>> Ich möchte, dass er schnell Platz macht für einen glaubwürdigen Politiker
>> im Schloss Bellevue. Davon gibt es zum Glück noch genügend.

Ich habe, als Wulff Kandidat wurde, ihn für den falschen Mann gehalten. Und mit Charakterstärke und Persönlichkeit hat er sich seitdem, wie sag ich’s höflich, ja nicht so richtig profilieren können. Aber seine in Reden dokumentierte Einstellung zum Euro gefällt mir zugegebenermaßen deutlich besser als Gaucks Einlassungen zu diesem Thema.

Gäbe es nicht diese zeitliche Nähe von Merkel-Kritik und Wulff-Hatz, und nicht dieses schleimige Miteinander vom BILD, SPIEGEL, FAZ etc, wäre ich wohl gegen ihn. Gut finde auch ich das alles nicht, was da so hochkommt.

Aber ich kann nicht zu Wullf “nein” sagen, weil das gleichzeitig automatisch “ja” zur BILD-Kampagne bedeutet. Im Zweifel ist mir ein geschwächter Bundespräsident deutlich lieber als eine gewaltig erstarkte, skrupel- und hemmungslose BILD. Ich bin NUR deshalb für Wullfs Verbleib, er ist aus meiner Sicht das DEUTLICH kleinere Übel.

22) gabriele, Montag, 09. Januar 2012, 16:40 Uhr

Ich habe vor Bellevue demonstriert, NICHT um dem Schmierblatt zu dienen, sondern, weil ich es für eine Anmaßung halte, dass Bürger (lt.Gesetz) AUFSTEHEN müssen, wenn der BuPrä den Raum betritt.
Brave Bürgerlein erheben sich, wenn der König einschwebt?

Nach m-M. verschanzt sich Herr Wulff sich in unserem schönen Schloss, um seine MP-Affäiren aussitzen zu können. (Verjährung)
Hier werden interessante Denkanstöße gegeben:
http://www.faz.net/aktuell/politik/wulff-affaere-im-praesidentenpelz-11596855.html

Im übrigen hoffe ich, dass des BuPrä Rechnung nicht aufgeht!

„Wir haben eine Anzeige wegen Nötigung im Zusammenhang mit der Mailbox-Nachricht erhalten“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Dienstag (= 3.1.) auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd.

23) Körner, Montag, 09. Januar 2012, 16:46 Uhr

Als Schiedsrichter würde ich beide vom Platz stellen.

BILD sollte verboten werden, dafür liefert die Zeitung jeden Tag ein Dutzend Gründe.

Wulff ist ein aalglatter, opportunistischer, postengeiler Taktiker und Karrierist. Eine peinliche Witzfigur. Nur noch armselig.

BILD und Wulff bringen die Leser bzw. Bürger kein Stück weiter, sondern stehen nur für Verdummung und Eigeninteresse. Beide raus!

24) Bernd, Montag, 09. Januar 2012, 17:11 Uhr

Bei diesem Beitrag, Herr Spreng, weis ich nicht, welche Botschaft sie ihren Lesen geben wollen. Mir und sicher auch vielen anderen Lesern war von Anfang an klar, BILD will den Skalp des Bundespräsidenten und da sie es noch nicht geschafft haben machen sie weiter, mit allen Mitteln die im Hause Springer so verfügbar sind.
Ich bin kein Leser von BILD und schon gar kein Verteidiger, aber die Fakten stimmen eben. Ausgangspunkt der Affäre war nun einmal der Hauskredit von Herrn Wulff.
Wenn der Herr Wulff in Sachen seines Hauskredits ein reines Gewissen hat, warum wurde dann sein Kreditvertrag von 2008 innerhalb der Laufzeit schon zweimal abgelöst. Warum war Herrn Wulff die Nachricht von der Veröffentlichung auch auf Dienstreise im fernen Kuwait nicht egal? Warum war nicht schon die pure Idee eines persönlichen Anrufs bei Herrn Dieckmann unter seiner Würde?
Ein BILD Artikel in dem steht, daß auch ein niedersächsischer MP sein Eigenheim nicht cash bezahlen kann, sondern sich dafür Geld borgen muß, wäre ja keine Sensation gewesen. Ein stinknormaler Kreditvertrag, wie ihn Millionen andere Häuslebauer auch haben, wen hätte das aufgeregt. Da wäre BILD auf der Story sitzen geblieben, vorausgesetzt sie hätte die Hürde der Redaktionskonferenz überhaupt geschafft. Statt dessen hat BILD recherchiert: der Kredit war in vielen Dingen nicht normal, es wurde von den Beteiligten aktiv Verschleierung betrieben (Unterschrift durch Frau Geerkens, anonymer Bundesbankscheck) und als dann doch eine Veröffentlichung drohte, gingen Herrn Wulff die Nerven durch. Herr Geerkens war nicht nur persönlicher Freund von Herrn Wulff, sondern er wurde vom MP Wulff zur Teilnahme an dessen Dienstreisen eingeladen, welchen Dienst hat er dem Land Niedersachsen dabei geleistet?
Alle nachgeschobenen Erklärungsversuche von Herrn Wulff sind nach meiner Einschätzung nicht glaubwürdig, sondern er versucht mit treudoofem Dackelblick Mitleid zu erwecken. Dabei können mich auch die CDU/CSU und FDP Granden nicht beeindrucken, die aus politischem Kalkül die Debatte abwürgen möchten.
Herr Spreng, sie könnten ihren Lesern doch etwas mehr bieten als nur ein paar neue Tatsachen mit einer Titelzeile darüber. Ihre Erfahrung als Politikberater könnte doch die Grundlage bieten für die Erklärung von Interessen und deren Zusammenhang. In „Die Spur des Geldes“ http://www.sprengsatz.de/?p=3778 waren sie in dem Thema schon einmal weiter.

25) Huge, Montag, 09. Januar 2012, 17:55 Uhr

Finde ich höchst spannend, wie ein langjähriger Springer-Chefredakteur hier gegen das Gebahren der Bild ledert.
Was mich mal interessieren würde, Herr Spreng: Sie erzählen ja gern aus Ihrem journalistischen Wirken, wie sie Politikern und Verlegern widerstanden haben und konsequent berichtet haben. Gab es unter Ihrer Führung denn auch mal ähnliche Kampagnen gegen Politiker und/oder Parteien? (Gar nicht provokativ gemeint, nur ehrliches Interesse.)

26) Bernd, Montag, 09. Januar 2012, 17:55 Uhr

Schön und wohltuend, dass Sie dieses Thema aufgreifen. Als ehemaliger Journalist wundere ich mich seit Tagen, dass – unabhängig von berechtigter Kritik in der Sache Wulff und am mehr als ungeschickten Agieren des Bundespräsidenten – die offensichtliche Choreografie der Veröffentlichungen nicht zum Thema wird. Angefangen bei der Anfrage mit Fragenkatalog Sonntags um 6.49 Uhr (!!!!) per email mit Fristsetzung für den Sonntagnachmittag – nach “monatelanger” Recherche an dem Thema würde ich dieses Timing durchaus als “Affront” und ersten Aufschlag für die folgenden Dramaturgie sehen. Der Gipfel dann das scheinheilige “Durchstechen” der Mailbox-Nachricht. Welch Zufall, dass Siegmar Gabriel just vor der Mailbox-Klimax den Burgfrieden ausruft, um dann eine Woche später erst richtig loslegen zu können….
Trotz wochenlanger Recherchen gibt es keine Neuigkeiten zu Geerkens oder Maschmeyer – die Fakten also eher lau. Aber vielleicht ist das ganze ja nur das Vorspiel einer kommenden grossen Koalition – ein Rücktritt von Wulff, kein gemeinsamer Kandidat als Vorwand für den Ausstieg aus der Koalition – Gabriel wäre dann mit im Boot, Merkel muss nicht mit der FDP weiterwursteln und – wer weiss – Guttenberg kommt dann auch noch aus der Kiste….

27) FF, Montag, 09. Januar 2012, 18:10 Uhr

Ich war immer bereit, aller Artikel über Bildwulffdiekmannbettinagroßburgwedelgeerkensmaschmeyer zu lesen. Aber jetzt habe ich die Grenzen meiner Kräfte erreicht.

PS.: Is’n Plagiat.

PPS.: Wie lange soll das so weitergehen? Das einzige, was ich noch hören will, ist: unser Held tritt ab. Oder eben nicht. Der Rest ist mir wumpe.

28) Schulze, Montag, 09. Januar 2012, 18:15 Uhr

Ich denke, dass sich der BP mittlerweile recht professionell verhält, was sicherlich zu einem nicht kleinen Teil seiner Anwaltskanzlei zu verdanken ist.

Wulff hat zu Recht “einen auf den Deckel” bekommen. Er wird draus gelernt haben. Er kann dadurch noch ein richtig guter BP werden.

Bei mir ist der Zustand erreicht, wo ich sage: Es reicht. Lasst ihn einfach in Ruhe seine Arbeit machen. Er wird bestimmt in Zukunft versuchen, und das ist nur menschlich, es den Menschen in unserem Land “zu zeigen”, und zwar im positiven Sinne. Immerhin habe ich (im Gegensatz zu zu Gutenberg) den Eindruck, als komme ein Auswandern für ihn nicht in Frage.

Das Volk, so mein Eindruck, hat mehr und mehr die gleiche Meinung: Lasst ihn in Ruhe.

Das mediale Mehrinteresse in Zukunft kann er positiv nutzen. Und mein Eindruck ist, dass er das auch möchte. Da er uns ja noch sehr lange auf der Tasche liegen wird, hat auch das Volk ein Recht auf einen guten BP.

Für den Otto-Normal-Verbraucher war es in den letzten Wochen wie ein Krimi. Absolut spannend, nervenaufreibend, und für die Auflage der “Medien” sicherlich sehr förderlich. Auch für den BP sehe ich Licht am Ende des Tunnels. Also quasi nur Gewinner… ein Märchen sozusagen. Ich bin gespannt.

29) Norbert, Montag, 09. Januar 2012, 18:20 Uhr

> Wie sehr der Spiegel sich von Bild abhängig macht, ist fürwahr ein Trauerspiel.

Zugleich aber auch vollkommen konsequent, schließlich ist der Spiegel die Bild am Montag oder die Bild für Intellektuelle, aber gewiss nicht seriös.

30) Gonda, Montag, 09. Januar 2012, 18:24 Uhr

Herrn Diekmanns Pressefreiheit ist nicht meine Pressefreiheit

http://verfassungsblog.de/herrn-diekmanns-pressefreiheit-ist-nicht-meine-pressefreiheit/

31) Robin, Montag, 09. Januar 2012, 18:29 Uhr

Vor einer Woche wäre dieser Beitrag noch originell gewesen. Dennoch, die Qualität des Beitrags liegt darin, die skurrile Mediendynamik in der Wertung komplett unabhängig von den Vergehen Wulffs zu betrachten. Tatsächlich ist ein Plädoyer gegen Springer keines für Wulff, auch nicht andersherum. Es stimmt hoffnungsfroh dass sich diese Feinsinnigkeit in der sonst so zugespitzten und verengten Öffentlichkeit nun langsam durchsetzt.

32) Alexis, Montag, 09. Januar 2012, 18:37 Uhr

Hallo Herr Spreng,

bin über link-Umwege (bildblog,taz u.a.) eben auf Ihre Seite gestoßen. Bin sonst ehrlich kein großer Anhänger Ihrer diversen TV-Auftritte. Vielleicht liegt das aber daran, dass Sie in Ihrem Blog viel ehrlicher auftreten können/dürfen als im Mainstream-TV. Kurz und Gut: Ihr Diekmann-Artikel ist ein Volltreffer. Nur eins liebe Leute: Ihr hackt alle nur auf dem Diekmann rum, im Grunde ist das nur ein kleiner Lemour von Herrn Döpfner, der wiederum bei seiner Herrscherin Friede volle Freiheit genießt. Den Döpfner, den ach so gebildeten und musischen Typ, müsst Ihr mal näher angehen! Für die Schmutzarbeit hat der seine Putztruppen von BILD bis WELT (hier rübrigens die widerwärtige Recherche über Wulffs Stiefschwester schon länger zurück). Wie auf dem Schachbrett: Nicht die kleinen Bauern vorne umhauen, sondern König und Dame angreifen, sonst wird es nix mit Schach Matt.
Auch finde ich mutig von Ihnen, dass Sie selbst die medialen Gralshüter SZ und FAZ angehen, zwar noch behutsam, aber immerhin. Könnten Sie mal einen Artikel machen, und mir/uns erläutern, warum gerade die FAZ sich in der Wulff-Sache so intrigant verhält ? Das ist ja nicht mehr zum Aushalten. Während SZ-Prantl heute die weiße Flagge hisst und zum Rückzug bläst, weil er merkt, dass die Stimmung kippt, entblödet sich Schirrmacher nicht, um zum “Endsieg” zu kommen, nunmehr die letzten Geschütze aufzufahren und bis dato renommierte Schriftsteller/innen in seine Kampagne zu instrumentalisieren. Nur was die gute Maron heute in der FAZ abgeliefert hat, ist eher dürftig gar peinlich. Damit alles schön überparteilich rüberkommt, pinkelt sie jetzt noch Alt-Kanzler Schröder ans Bein. ..Warum dieser Hass der FAZ-Leute, können Sie das erklären ?
Bleiben Sie am Ball!
MfG Alexis

33) Hartmut, Montag, 09. Januar 2012, 18:42 Uhr

Cui bono?
Als Glashausbewohner, habe ich mir mehr als Zeit gelassen, die Causa Wulf zu kommentieren.
Lassen wir mal die Fakten sprechen:
Frau Merkel hat Herrn Wulff zum BP gemacht.
Zur Wahl stand ein Herr Gauck
Ein “schwarzes” Blatt gibt den Schwarzen BP zum Abschuss frei – und alle machen mit.
Zu Bedenken sei folgendes: Herr Wulf ist seinerzeit als MP der Eu -Komission entgegengetreten, und hat das VW-Gesetz NICHT geändert.
Wie, wenn sich nun ein sturer BP dazu entschlösse, dem ESM seine Unterschrift zu verweigern?
Na ? Klick Klack Klick Klack

34) wschira, Montag, 09. Januar 2012, 18:56 Uhr

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Ich muss StefanP vollinhaltlich zustimmen und kann jedes Wort seines Beitrags unterschreiben.

35) mambo, Montag, 09. Januar 2012, 19:43 Uhr

irgendjemand ist sehr daran interessiert ,angelas präsident kunstgerecht und scheibchenweise zu demontieren.
wer könnte das sein ?
die gehörnte exfrau ,ein enttäuschter amigo … ?

36) Politikverdruss, Montag, 09. Januar 2012, 19:56 Uhr

„Wider die Maßlosigkeit“ in der Wulf-Berichterstattung, kommentiert die SZ heute. Und die taz erklärte schon vor Tagen: „Diekmann, spielt über die Bande und instrumentalisiert andere Medien für seine Zwecke.“ Ergebnis: Eine deutsche „Einheitspressefront“ gegen Wulff. Man glaubte sein Augen nicht zu trauen. Die Leyendeckers, Diekmanns, Blomes, Kohlers und Mascolos Schulter an Schulter im Kampf um die „bedrohte Pressefreiheit“. Flankiert von den Öffentlich- Rechtlichen mit der Freundschafts-Abzockerin Frau Schausten an der Spitze. Das war eine wirkliche Demonstration des „Qualitätsjournalismus“ in Deutschland. Und es stellt sich nun sehr dringend die Frage: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

37) Gertrud Theisen, Montag, 09. Januar 2012, 20:26 Uhr

Lieber Herr Spreng,

in diesem Fall kann ich Ihnen inhaltlich nur zustimmen.Sie wissen schließlich, wovon Sie reden, und dass soll keine Kritik sein. Bei Aufklärer Leyendecker von der Süddeutschen fällt mir allerdings seine Rolle bei Netzwerk-Recherche ein. Wurde hier nicht auch Staatsgeld unrechtmäßig vereinnahmt? Es gibt einen bitteren Beigeschmackt, gilt doch der Hinweis: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!

38) JG, Montag, 09. Januar 2012, 20:59 Uhr

@ 11) Escape

Sie haben völlig recht.

Medienschelte hin, Medienschelte her. Das lenkt die Diskussion schön in eine Richtung, wo nicht mehr über Qualifikation und Verhalten dieses Herrn im höchsten Amte geredet wird.

Selbigem gebricht es offenbar nicht nur an ausreichenden Fähigkeiten, er hat auch sehr schlechte Berater – oder ist schlichtweg beratungsresistent. Ich vermute letzteres, da die von ihm kolportierte Wunschvorstellung, in einem Jahr werde niemand mehr an diese Affaire denken, auf einen kompletten Realitätsverlust schließen läßt, unter dem wohl viele Politiker leiden – je weiter sie nach oben gekommen sind, desto schlimmer.

39) Ludger, Montag, 09. Januar 2012, 21:08 Uhr

Ich finde auch, das die Bildzeitung in den letzten Tagen falsch und link ist.
Die Bild hätte das Telefon auch am 13.12 veröffentlichen können. Aber nein, dann hätte die ganze Geschichte nur ein oder zwei Wochen gedauert. Vielleicht hätten wir dann auch keinen Präsidenten mehr. Der stellvert. Chefredakteur sitzt am 13 oder 14 in einer Talkrunde, weiß alles und erzählt nur 20% der GEschichte.

40) Winfried, Montag, 09. Januar 2012, 21:28 Uhr

Alle Kriege begannen mit der Sytsempresse, sie machte Politik für die Eliten. Hier macht eine Zeitung auch Politik, wie wäre es denn mit einer Werbesteuer bei Presseorganen?

41) grisogono, Montag, 09. Januar 2012, 23:02 Uhr

Bitte nicht ablenken! Die Presse ist nicht schuld an diesem Skandal.
Der wahre (Halb)Lügner ist Mr. Bundespresident. Ein Rücktritt wäre anstänig und ein Signal!

42) Angela, Montag, 09. Januar 2012, 23:08 Uhr

Die verifizierten Fakten bisher:
November 2008 bezahlt ein deutscher Bundespräsident mit einem anonymen Bundesbankscheck von 500.000 E sein neues Haus in “Über”Großburgwedel.

Und Herr Spreng regt sich über die BILD auf.

43) Mark, Dienstag, 10. Januar 2012, 07:15 Uhr

@ 33) Hartmut, Montag, 09. Januar 2012, 18:42 Uhr

> Cui bono? [...] Wie, wenn sich nun ein sturer BP dazu
> entschlösse, dem ESM seine Unterschrift zu verweigern?
> Na ? Klick Klack Klick Klack

Tja, diese Theorie liest man immer mal wieder in den Kommentarbereichen: Wulff als Anti-Euro-Held, der dem ESM-Gesetz nicht die Absolution erteilt, weil er mal diese oder jene Rede gegen “die Finanzmärkte” gehalten habe.

Ich halte das für nicht stichhaltig, denn sie macht aus Wulff etwas, das er nicht ist: Einen integren, sich um die Zukunft der Deutschen sorgenden, Bundespräsidenten, der die Sorgen und Nöte der Deutschen versteht.

Aber auch strategisch passt es nicht: Wulff weiß doch, dass er Merkel -wenn überhaupt- dann nur durch eine plötzliche Aktion entgegentreten kann (z.B. aus heiterem Himmel ein durch den Bundestag geprügeltes ESM-Gesetz nicht unterzeichnen). Durch wohlfeiles Ankündigen macht er sich nur angreifbar.

Außerdem fehlt Wulff die Größe, um sich tatsächlich gegen die CDU-Vorsitzende zu stellen; letztlich weiß er ja, dass er Bundespräsident von Merkels Gnaden ist. Ohne ihre aktive Mithilfe hätte er diesen fürstlich bezahlten Posten nie erreichen können. Und da er ja offenbar hin und wieder zuwenig Geld hatte, wird er sich immer wieder darüber freuen.

Eher könnte ich mir vorstellen, dass Wulff vielmehr eine Abenkung darstellt von anderen Entwicklungen, z.B. der Euro-Rettung. Aber auch da ist “Business as usual” angesagt: Die Bundesbank rettet weiter fleissig mit Target-Krediten den Rest der Euro-Zone; die Politiker haben immer noch keinen blassen Schimmer, wie sie die Krise bewältigen können (bzw. erkennen zunehmend ihre eigene Hilflosigkeit). Aber das ist nichts, was durch die Causa Wulff zugetüncht werden würde. Dafür ist Wulff einfach zu klein, zu einfach.

Hier handelt es sich eher darum, dass eine sterbende Mediengattung (Zeitungen) kurz vor dem Verschwinden in der Gruft noch mal auf ihre Bedeutung aufmerksam machen möchte. Ob BILD, FAZ, Süddeutsche, Spiegel, Fokus – sie ALLE haben mit sinkenden Auflagen zu kämpfen. DIe Bürger finden das Verkaufsargument “die Nachrichten von gestern schon heute” einfach zu langweilig. In Zeiten der Krise bestellt man schon mal überflüssige Dinge ab, und das gilt besonders für Zeitungen. Noch dazu, wenn man ohnehin nur eine üble Melange aus “Nachrichten von gestern”, “informelle Gleichschaltung” und “politisch genehme Kommentare” geliefert bekommt.

Nein, BILD wollte mal wieder eine schöne investigative Story bringen (etwas, das der Spiegel seit Jahren nicht mehr hinbekommen hat). Da ist der erste Mann im Staat gerade gut genug, denn Merkel darf wohl nicht angegangen werden. Und so ist der schwache Wulff ein echter Volltreffer für die BILD und die anderen Printmedien, die in der Tat in diesem Fall “am Tropf der BILD” hängen.

44) Maren P., Dienstag, 10. Januar 2012, 08:18 Uhr

Danke, Herr Spreng, dass Sie noch einmal das Verhalten der Medien in der Affäre Wulff thematisieren. Ich erwarte Wulffs Rücktritt wegen erwiesener Unfähigkeit. Zugleich möchte ich nicht, dass BILD, Bunte und Glotze die nächsten Kandidaten nach dem größten PR-Faktor küren. Gestern nahm Bettina Wulff am Jahresempfang des Hamburger Abendblattes der Springer AG teil, als sei nix gewesen. Business as usual – auch wenn “die Frau des Bundespräsidenten” als Verfassungsorgan nicht vorgesehen ist? Hauptsache Glamour – egal, welcher Preis dafür gezahlt werden muss? So viel zur Glaubwürdigkeit der Wulffs.

Seit ca. drei Jahren beobachte ich, dass BILD und SPIEGEL sich systematisch gegenseitig zitieren. Das ist umso leichter, desto mehr sich beider Niveau kontinuierlich angenähert haben. (Mein Spiegel- Abo habe ich deshalb vor einem Monat gekündigt.) Es gibt nämlich ein Ranking der meistzitierten Medien, das sich wiederum gewinnbringend im Anzeigengeschäft auswirkt. Durch diese Methode sind SPIEGEL und – oh Wunder – die BILD immer ganz vorne mit dabei. Gepriesen sei die journalistische “Unabhängigkeit”. ;-)

Sehr schön hat das Verhalten der Medien auch Stefan Niggemeier im neuen Beitrag in seinem Blog dargelegt. Als Quelle seiner Gedanken nennt er u.a. auch Ihren (diesen) Sprengsatz-Kommentar.
http://www.stefan-niggemeier.de

45) gabriele, Dienstag, 10. Januar 2012, 09:58 Uhr

Vielleicht hilft David Hume weiter: (Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand)

Aus http://de.wikipedia.org/wiki/David_Hume

„[.....] Hume empfiehlt eigene Wahrnehmungen für Inner- und Zwischenmenschliches
sowie innerhalb der Wissenschaften sehr genau zu erforschen, anstatt voreilig davon auszugehen, dass die Dinge so sind, wie sie jedem jeweils zu sein scheinen.
Seine eigenen Annahmen möchte er nur auf das beziehen, was er mit anderen
gemeinsam wahrnehmen und dadurch abgleichen kann.“
***
Darum ist die causa Wulff interessant und u.U.lehrreich:
WARUM verhält sich der Mann -nach unserer Meinung – so irrational.
Er ist (eigentlich) nicht dumm (Jurist) und seine Frau ist clever.
(ihr Auftritt bei BILD in Hamburg…O du Fröhliche – oh wie schön, o wie lacht)
Also fragt man sich: hat(te) Herr Wulff Angst und ist GETRIEBEN?
Oder ist er: DURCHTRIEBEN und versteckt hinter dem Volk
zum Fraße vorgeworfenen “Dummerle-Attitüden”
Man höre genau auf die gewählten Worte
Stahl-Gewitter ist sehr aufschlussreich.
i.d.T. – der Mann ist von klein auf durch ein Stahl-Bad gegangen.
Also weiter: DER SPUR DES GELDES FOLGEN

46) rofl, Dienstag, 10. Januar 2012, 10:28 Uhr

War der Herr Spreng nicht mal selbst bei der Blöd? Komisch, dass sich unser Saulus erst nach kappen des Geldtropfes zum (angeblichen) Paulus entwickelt hat, dann aber direkt den großen Alpha-(Schein-)Heiligkeitsprediger geben möchte.
0/10 Glaubwürdigkeitspunkten Herr Spreng, vom plumpen Aufspringen auf einen längst fahrenden Zug mal ganz abgesehn …
Darüber hinaus sollten doch für alle Beteiligten die selben Regeln gelten: wenn beim Wulff nur nachweisbar Gesetzesverstöße was zählen, wollen wir bei der andern Seite doch nu nich mit der Goldwaage hantieren, ne.
Darüber hinaus fragt man sich, warum die Empörung denn bei den ungleich ausufernderen Kampagnen gegen (zB) die Pleitegriechen und Hartz4-Empfänger gänzlich ausblieb. Es bewahrheitet sich hier mal wieder, dass man im Glashaus nicht nackt Fernsehn sollte, Herr Spreng.

47) Zu ebener Erde, Dienstag, 10. Januar 2012, 11:15 Uhr

“Würdelos und entwürdigt.” Auch das sind, wie die Berichterstattung des Hordentriebs der Medien, maßlose Übertreibungen. Diese werden allerdings erst dadurch praktisch teilweise menschenverachtend, dass viele Medienkonsumenten sie sozial konstruiert glauben. Das Opfer wird willkürlich herausgesucht. Jeder Mensch hat kleine Fehler auf dem Konto. Aber die Heuchelei kann in der heutigen Fast-Food-Mediengesellschaft bisher scheinbar nicht zu groß sein.

48) Michael, Dienstag, 10. Januar 2012, 11:18 Uhr

Vielen Dank Herr Spreng für Ihren aufbauende Schilderung. Wenn ich die letzten Zeit im Internet die vielen Blog – Kommentare gelesen habe sowie die Kommentare der Opposition (Grünen, …) gehört habe, die unverschämt den höhsten Amtsträger unserer Republik an den Pranger stellen, wurde mir Angst um Bange um die Auslegung von Rechtsstaatlichkeit in diesem Lande.

Der Umgang in den Medien, insbesondere bei der Bild Zeitung, erscheint mir auch in diesem Falle beschämend und auf rein wirtschaftlichen Interessen ausgelegt. Anruf bei Chefredakteure von Politiker sind heute völlig normal und gehören zum täglichen Umgang der Presse mit der Politik.

Nachdem fähigen Menschen wie Herr Horst Köhler bereits aus genau diesen Gründen zurück getreten ist, hatte ich gehofft, dass von diesem Schritt Signalwirkung ausgehen würde. Leider hat weder die Presse noch die politische Opposition nicht im geringsten daraus gelernt, was ich sehr schade finde.

Insofern mein Appell:
GEHT FAIRER MIT UNSEREN REPRÄSENTANTEN UM !

49) Jaccomo, Dienstag, 10. Januar 2012, 11:27 Uhr

Worüber wird hier eigentlich gestreitet?

Ein BP wandert, der nächste Onkelt, ein anderer schmeißt hin, noch einer hält Ruckreden von denen nichts übrigbleibt und jetzt macht einer so eine Art Spesenbetrug, jedenfalls vom Niveau her.

Das Amt ist nicht groß sondern belanglos, insofern kann es kaum beschädigt werden. Und die Amtsträger sind meist gleichermaßen belanglos. Weizsäcker gern ausgenommen, aber der brauchte auch nicht das Amt, um Größe zu haben. Der BP ist so eine Art Folklore, die man gern anschaut, die aber nur Sonntags eine vermmmeintliche Bedeutung hat. Sturm im Wasserglas.

Die Belanglosigkeits Wulffs war vorher klar, beschämend nur, wie noch kleiner als angenommen er ist. Über ein paar wenige Tausend Euro für Urlaub / Zinsen zu stürzen ist schon wahrhaft dämlich und eines vermeintlichen Politprofis, als der er ja nach Köhler ins Amt geholt wurde unwürdig. Hätte er doch wenigstens einen “großen Beschiß” a la Meadoff inszeniert oder sich eine schicke Villa geleistet oder ein Verhältnis mit Pipa Middleton gehabt, hätte mir das noch einen gewissen Respekt abgenötigt. In Bayern hätte man dann gesagt “a Hund is a schon”. Wulff ist dagegen nur ein Dackel.

Moralisch ist er eh durch. Worüber will er noch glaubhaft reden? Wer will sich noch in seinem “Glanze” sonnen? “In einem Jahr ist es vergessen” – glaube ich nicht, die Medien werden es sich auf WV legen und Ihn regelmäßig daran erinnern. Da bleibt nur der eh schon zu späte Rücktritt, der die Ehre nicht mehr rettet aber meine Belästigung beendet. Aber ich traue ihm die Stumpfheit zu, im Amt zu bleiben. Beinahe so peinlich wie Berlusconi.

50) Journalist, Dienstag, 10. Januar 2012, 11:35 Uhr

@ 26) Bernd, Montag, 09. Januar 2012, 17:55 Uhr
Als ehemaliger Journalist wundere ich mich seit Tagen, dass – unabhängig von berechtigter Kritik in der Sache Wulff und am mehr als ungeschickten Agieren des Bundespräsidenten – die offensichtliche Choreografie der Veröffentlichungen nicht zum Thema wird. Angefangen bei der Anfrage mit Fragenkatalog Sonntags um 6.49 Uhr (!!!!) per email mit Fristsetzung für den Sonntagnachmittag – nach “monatelanger” Recherche an dem Thema würde ich dieses Timing durchaus als “Affront” und ersten Aufschlag für die folgenden Dramaturgie sehen. Der Gipfel dann das scheinheilige “Durchstechen” der Mailbox-Nachricht.
===============
Die Bild-Zeitung hat kein Interesse daran, die Instrumentalisierung zu thematisieren. Die Instrumentalisierten haben das auch nicht.

51) RM, Dienstag, 10. Januar 2012, 11:42 Uhr

Das Thema bewegt offensichtlich die Gemüter. Daher ist es gut, dass das Verhalten des Bundespräsidenten in den Schlagzeilen bleibt. Es geht um Wahrheit, Moral und um ein schon zu lange existierendes System in dem ein grosser Teil der politischen Klasse selbstbezogen und häufig nur noch auf den eigenen Vorteil bedacht ist.

Wenn sich aber die politische Klasse in einen Dschungel der Eigeninteressen begibt, ist es ganz besonders Aufgabe der freien Presse, Regierung, Parlament und natürlich auch den Bundespräsidenten zu kontrollieren und Missstände offenzulegen. Solange es der Wahrheitsfindung dient, ist es nicht relevant, wer was schreibt. In diesem Fall hat sich Herr Wulff ja erst als ganz harter Kritiker anderer Missetäter profiliert und sich dann aus meiner Sicht als Heuchler offenbart. Alle Medien sollten dies daher publizieren und sich nicht durch Grabenkämpfe lähmen – das dient nur wieder den Politikern, die sich darüber freuen. Oder?

52) EStz, Dienstag, 10. Januar 2012, 11:53 Uhr

@ 41) grisogono, Montag, 09. Januar 2012, 23:02 Uhr

>> Bitte nicht ablenken! Die Presse ist nicht schuld an diesem Skandal.
>> Der wahre (Halb)Lügner ist Mr. Bundespresident.
>> Ein Rücktritt wäre anstänig und ein Signal!

Dass aus dieser Nummer eine solche Schmierenkomödie geworden ist, liegt daran, dass eventuell hinter dem Wulff-Kredit mehr steckt, als wir sehen können, und weil hinter der Enthüllung durch BILD auch mehr steckt, als wir sehen können. Beide Seiten verdrehen die Wahrheit, in erster Linie durch Verschweigen bzw. durch das Verkünden von Halbwahrheiten. Beide Seiten arbeiten mit Salami-taktik. Beide Seiten versuch(t)en zu tricksen und wurden dabei erwischt.

Es gibt in dieser Geschichte kein Schwarzweiß. Alles tristes Grau, wohin man blickt. Wenn Wulff gehen muss, Ist Wullf der große Verlierer, und BILD der große Sieger. Bleibt Wulff, gibt es zwei kleine Verlierer. Das ist mir von beiden Möglichkeiten die liebere Variante.

53) federkiel, Dienstag, 10. Januar 2012, 11:56 Uhr

Schreckliche Zeiten, jetzt muß nicht “man” sondern ich auch noch Herrn Speng Recht geben. In der causa Wulff fast durchgehend. Aber was für Herrn Speng vielleicht wirklich neu ist, für den interessierten Zeitungsleser war es schon lange klar. Unsere Journaille, ob sie sich für seriös hält oder ob sie ihren Arbeitgeber ( Springer) lieber verschweigen, Scheinheilige sind sie allesamt. Und wenn Tatoo-Betty gestern beim Abendblatt Empfang Pomade-Diekmann richtig eins auf die Zwölf gehauen hätte, sie wäre sofort wieder die Bundespräsidentengattin unserer Herzen geworden.

54) aachen, Dienstag, 10. Januar 2012, 13:16 Uhr

Ja, Herr Spreng, genau so ist es. Wie aber auch schon einige hier geschrieben haben und ich schon in meinem Kommentar zu Ihrem Blog “Wulff verzeiht sich” klar angedeutet habe, sind hier die beteiligten Printmedien auch nicht ohne Schuld, sagen wir besser nicht unbeteiligt an dieser mittlerweile zur Posse gewordenen “Berichterstattung”.
Damit auch ich richtig verstanden werde. Ich bin immer noch der Meinung, dass Hr. Wulff zurück treten muss, eben weil er im Umgang mit seinen Fehlern und Ungereimtheiten eine sehr schlechte bis dem Amt schädigende Figur gemacht hat.

Was aber von den von Ihnen zitierten PrintMedien und auch von den weiteren Medien wie TV daraus gemacht wird, ist mindestens genau so zu verurteilen. Mal abgesehen davon, dass mich die gesamte Berichterstattung mittlerweile Nervt.

Warum machen das diese Medien?
Klar, Auflage und Quote – ist das aber noch im Sinne von Presse und Pressefreiheit. Ist die Presse denn überhaupt noch frei?

Einfach mal so ins Blaue überlegt…
Wer refinanziert denn die großen Verlage?
Wer refinanziert die Medienanstalten …
Wonach richten sich denn die Zinssätze von Refinanzierungskrediten ….?
Ich bin mir da gar nicht mal mehr so sicher, ob immer alles was berichtet wird so unabhängig ist.
Es ist eine Presseindustrie, keine wirkliche Säule mehr unserer Demokratie, oder bin ich da zu pessimistisch?

55) Hardy Prothmann, Dienstag, 10. Januar 2012, 13:56 Uhr

Guten Tag!

Meiner Meinung nach ist das vor allem ein Problem des Hauptstadtjournalismus – die Zirkel sind zu eng, man kennt sich zu gut und hat den Kontakt zur Außenwelt verloren:

http://www.pushthebutton.de/2012/01/07/affaere-wulff-jede-menge-ruecktritte-vonnoeten/

Beste Grüße
Hardy Prothmann

56) Escape, Dienstag, 10. Januar 2012, 17:42 Uhr

Muss noch mal nachlegen:
Panem et circenses – Brot und Spiele …

Ablenken von den eigentlichen Problemen unseres Landes.
Aber so ganz nebenbei wäre es schon interesant, wie weit die “freundschaftlichen” Gefühle unseres BP zu Herrn Maschmmeyer gehen, denn DARÜBER wird ja nur sehr wenig berichtet – in allen Medien wird er schlichtweg ignoriert. Seltsam, oder?

57) StefanP, Dienstag, 10. Januar 2012, 18:37 Uhr

@21) EStz

Leider hatte ich noch keinen Urlaub, das kommt demnächst. Doch keine Sorge, meine Bissigkeit habe ich mir bewahrt. ;-)

Gehen die Medien nach eigenem Ermessen (Zeitpunkt, Person, Thema) mit ihrer Version der Wahrheit an die Öffentlichkeit, betreiben sie selbst Politik.

Die Presse muss selbständig entscheiden, ob und wann eine Information berichtenswert und von öffentlichem Interesse ist. So ist die private Beziehung eines Politikers zu einem Unternehmer erstmal nicht von Belang. Zu einer berichtenswerten Information wird die Beziehung dann, wenn sich das Geschäftsgebahren in irgendeiner Form mit den Aufgaben des Politikers kreuzt. Frage also: war der Anruf bei Diekmann zu dem Zeitpunkt eine berichtenswerte Information? Angesichts dessen, was hier geschrieben wurde, wohl kaum. Denn häufig erhalten Journalisten von Amtsträgern entsprechende Anrufe, ohne dass dies eine Zeitungsschlagzeile wert wäre.

Ich habe, als Wulff Kandidat wurde, ihn für den falschen Mann gehalten. Und mit Charakterstärke und Persönlichkeit hat er sich seitdem, wie sag ich’s höflich, ja nicht so richtig profilieren können. Aber seine in Reden dokumentierte Einstellung zum Euro gefällt mir zugegebenermaßen deutlich besser als Gaucks Einlassungen zu diesem Thema..

Auf so etwas habe ich nur gewartet. Inwiefern ist die Einstellung zu einer Sachfrage eines repräsentativen Amtsinhabers (ohne Gesetzesgebungsgewalt) relevant für seine Eignung oder überhaupt nur für seine Wahl? Anders gesprochen, welches Anforderungsprofil ist an einen Präsidentschaftsbewerber deutscher Prägung zu richten?

Als Repräsentant aller Deutschen muss er über dem politischen Betrieb stehen und gleichzeitig politische Prozesse dem gemeinen Volk vermitteln können. Er ist dabei Repräsentant, nicht Richter und nicht Akteur. Dazu gehört eine integre Persönlichkeit und ein über jeden rechtlichen Zweifel gesetzestreues Verhalten. In diesen Punkten erscheint Joachim Gauck bis heute dem aktuellen Bundespräsidenten überlegen.

Was wenden die Kritiker des früheren Chefs der Stasi-Abwicklungsbehörde ein? Joachim Gauck sei ihnen wegen seiner Einstellungen zu bestimmten Sachfragen (“neoliberal”) nicht zuzumuten. Ich habe mich immer gefragt, warum das eine Bedeutung haben sollte. Diese Herrschaften schätzen es wohl, wenn der Bundespräsident sich kritisch zu politischen Entwicklungen äußert. Den Kopf soll er jedoch nur anderen waschen, man selber hat so etwas nicht nötig. Deutlich gesprochen: Öffentliche Repräsentanten haben gefälligst die vielen anonymen Investmentbanker heftigst zu kritisieren, nicht jedoch die wenigen anonymen Occupy-Aktivisten. Ein solcher Bundespräsident hat die Erhöhung des Renteneintrittsalters kritisch zu bewerten und zur Generationengerechtigkeit zu schweigen.

Solche Überzeugungen können nur von Leuten kommen, die in Landtagswahlkämpfen für einen bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn werben und bei Bundestagswahlen für eine Vermögensteuer auf Länderebene streiten. Selbst Josef Ackermann im Schloss Bellevue könnte nicht die Unterschrift unter ein Gesetz zur Finanztransaktionssteuer verweigern und Oskar Lafontaine müsste in der gleichen Position eine allgemeine Einkommensteuersenkung durchwinken.

58) theo, Dienstag, 10. Januar 2012, 18:39 Uhr

@41 und gleichlautende Kommentare:

Es gibt nicht nur den einen Skandal. Wenn wir aufhören, die Dinge differenziert zu betrachten, dann verweigern wir uns der Realität.

In diesem Fall hat Wulff sich falsch verhalten. Und die “Bild” ebenso wie auch Teile der so genannten Qualitätspresse. Letzteres macht mir aber mehr Kummer. Denn dass Politiker versagen, ist kein Ausnahmefall. Aber wenn die wichtigsten Medien des Landes kopflos, hysterisch reagieren und dabei wesentliche Berufs-Standards missachten, ist das ein Missstand, auf den man nicht oft genug hinweisen kann.

@f.luebberding:

“Welchen Grund gab es vor vier Wochen, das öffentlich zu machen? Es musste ja erst einmal darum gehen herauszufinden, was überhaupt passiert war.”

Sie vergessen eines dabei: “Bild”-Leute haben wochenlang versucht, FAZ und andere zu überreden, doch endlich die (durchgestochene) Sache mit der Mailbox zu veröffentlichen. Das ist dann erst per Zufall geschehen. Und “Bild” hat die Sache mit Geerkens nicht heraus gefunden. Der Sprecher Wulffs hat dem “Bild”-Reporter das vorgelegt.
Im Grunde hat “Bild” viel weniger herausgefunden, als sie vorgeben.
Dass “Bild” die Geschichte nicht selbst veröffentlicht hat, ist wohl durchdacht. Einmal wollen sie sich nicht die Hände schmutzig machen, und anderereits kontrollieren sie auf dem eingeschlagenen Weg nahezu die komplette Berichterstattung zum Thema.
Für Diekmann ist das ständige Verweisen großer Blätter wie FAZ, SZ, Spiegel auf “Bild” als Quelle ein innerer Reichsparteitag.

59) Winfried, Dienstag, 10. Januar 2012, 20:24 Uhr

Der Skandal der kein Skandal ist wurde durch die Presse erst dazu gemacht! Hier sollen die politischen Eliten gewarnt werden zu kuschen, im Rahmen der Banken und Geldsystemkatstrophe!

Der Präsident sollte auf eine langjährige Weltreise gehen, keine Gesetze mehr unterschreiben und stetig die Fordrung erheben, das er nur dann zurück trete wenn der nächste Präsident vom Volk gewählt werden würde! Fahre das Amt gegen die Wand, hoch lebe das Amt!

60) Oliver McCullen, Dienstag, 10. Januar 2012, 21:10 Uhr

1. Auch ARD und ZDF haben ein gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit. Der Auftritt des Bp hätte in eine für alle Medien zugängliche Pressekonferenz gehört und nicht in ein Privatinterview für die beiden Staatssender. Hallo? Zwei durch die politische Landschaftspflege vorpräparierte und willige Hauptstadtlakaien?

2. Das Verharmlosen von Übernachtungen durch die Einführung einer Jugendfreundin bei Jauch hatte den Zweck, die Gewährung von Gefälligkeiten durch Geschäftsleute und kriminelle Finanzdienstleister und Vertriebsdrücker zu verschleiern. Hallo? Netzwerk oder höhere Weisung?

3. Die relevanten Themen sind:

(i) Konspiratives Vorgehen mit Täuschungsabsicht durch LZB-Scheck und Einzahlung auf das Konto der Ehefrau, um anschließend den Landtag mit einer Halbwahrheit zu täuschen. Sleezy. Typischer schmieriger Jurist. Das lernt man in diesem Beruf. Fassaden wachsen dann langsam nach innen und prägen nach und nach den Charakter. Hallo? Staatsanwalt? Oder ist die deutsche Justiz nicht nur auf dem typischen braunen Auge blind, sondern auch auf dem niedersächsischen?

(ii) Wiederholte gezielte Angriffe auf die Pressefreiheit. Hier ist keinem der Gaul durchgegangen. Blödsinn. Ruhiges und ganz gezieltes Drohen mit Krieg. Hallo? Ist so einer würdig, der erste Bürger unserer Bundesrepublik zu sein? Haben wir uns das mit der Wiedervereinigung eingehandelt, dass jemand uns eine Pfeife nach der anderen aufs Auge drückt? Da sitzt unser eigentliches Problem. Wie hat der Altkanzler in der Wahlnacht 2005 gesagt? Sie kann es nicht.

61) Doktor Hong, Dienstag, 10. Januar 2012, 21:22 Uhr

@ 29) Norbert

Der Spiegel ist höchstens die Bild für Leute, die sich für intellektuell halten, aber ganz sicher keine Zeitschrift für Intellektuelle.

62) Frankilein66, Mittwoch, 11. Januar 2012, 08:15 Uhr

Wenn ich mir die Kommentare der Zeitungen in ihren Internetportalen der letzten Tage ansehe wird die Fassungs- und Ratlosigkeit über den ausgebliebenen Rücktritt von Christian Wulff sehr deutlich. Nach den üblichen “Gepflogenheiten” hätte er schon längst weg sein müssen. Nun versuchen Spiegel, Stern, “Bild”, Süddeutsche und FAZ verzweifelt etwas zu finden, um ihn doch noch zum aufgeben bewegen zu können. Es fällt ihnen sichtlich schwer!

63) PPHBLN, Mittwoch, 11. Januar 2012, 08:21 Uhr

Der Haken ist nicht das Verhalten von BILD. BILD tut, was BILD immer macht. Unseriös und meinungsmachend die jeweiligen Geschichten umbiegen, verbiegen das die Schwarte kracht.

Nur wäre das alles an sich uninteressent, eben business as usual, wäre da nicht ein Bundespräsident als Fehlfarbe höchster Kathegorie, der sich wie ein alternder Tanzbär am Nasenring in die Manege ziehen läßt. Ich frage mich, welcher Irre den Bundespräsidenten berät. Das ist jetzt schon eine Affäre in bester Guttenberg-Manier. Nicht der Skandal an sich wird Wulff das Amt kosten, sondern der Umgang.

Hätte er nicht, krank vor selbstgefälliger und allmächtiger Eitelkeit, das Telefonat inhaltlich dargestellt sondern “mea culpa” gesagt, ihm wären die Pferde durchgegangen, hätte BILD keine Kampagne gehabt. Jemanden, der Springer / BILD so verbunden ist, hätte klar sein müssen, dass eine auf Tonband aufgezeichnete (was für ein Depp…) Nachricht als belastbares Beweismittel nicht einfach so per Interview zu retournieren ist.

Kurzum: Ich mag die BILD in keiner Weise. Das vorliegende Problem Wulff ist sicherlich dank der BILD ans Licht gekommen. Ich frage mich aber natürlich, warum und weshalb. Was ist schiefgelaufen in der fruchtbaren Beziehung Wulff/BILD. Was ist passiert, dass der vielzitierte Aufzug nun runter fährt statt rauf. Das ist die eigentliche Frage. Das die anderen Medien in dem Zirkus mitspielen, liegt m.E. in der Natur der Sache. Das kann man kritisch sehen, es ist auch bedenklich aber letztlich ist das von Wulff selbst gelegte – und vom Dieckmann bebrütete Ei viel zu schön, als daraus keine Story zu machen.

Das Spiegel und Co. damit ein wenig zum Steigbügel des Kampagnenjournalismus werden, ist in einem Jahr alles vergessen ;-)

64) Günter Springer, Mittwoch, 11. Januar 2012, 09:44 Uhr

Wie dickfällig, wie arrogant, wie selbstüberschätzend kann ein Mensch nur sein um nicht zu erkennen, daß er am falschen Platz ist?
Es wird doch nicht über “Lieschen Müller” gesprochen, die in ihrer Einfälltigkeit ein überlagertes Brötchen nimmt und es damit vor dem Mülleimer bewahrt, dafür aber von unserem Rechtsstaat verurteilt (um nicht zu sagen niedergemacht) wird. Gleiches Recht für alle!
Hier und an vielen Stellen anderswo wird über den Mann gesprochen, der selbstherrlich von sich überzeugt ist, er sei der Richtige.
Armes Land, das sich solch einen BP leisten will. Mir läuft ein Schauer über den Rücken wenn ich daran denke, das dieser Mann künftig salbungsvoll mit dem Brustton der Überzeugung Reden über Anstand und Moral halten will.
Ich habe mir kürzlich einen Kredit genommen der mit über 7% belegt ist um meine in die Jahre gekomme Heizung zu erneuern.
Ich glaube der Kreditgeber hätte mich zur Untersuchung geschickt wenn ich einen Zinnssatz von 1 % gefordert hätte.
Der Herr Wulff ist ja der Meinung, das des Volkes Gedächnis höchstens für ein Jahr reicht, weil dann alles vergessen ist. Ich hoffe, das wir ihn dann vergessen haben.

65) Benedikt, Mittwoch, 11. Januar 2012, 11:23 Uhr

Wulff hat auch mit den Medien gespielt, jetzt spielen die Medien mit ihm. Zumal sich Wulff offen mit den Medien angelegt hat. Das hatte Guttenberg auch gemacht, kurze Zeit später war er weg vom Amt. Gutti dachte auch, der würde das durchstehen, dachte er!

Bei (seinen) Ermittlungen zu den NSU Morden läuft für ihn auch alles schief. Wulff und viele andere haben sich bereits festgelegt, dass die Morde todsicher die NSU begangen hat. Jetzt findet das BKA bloß keine Beweise dafür. Die ersten in U Haft sitzenden dürften sehr bald wieder frei sein. Wulff hat jetzt aber schon ein Staatstrauerakt angesetzt, den er nicht wieder absetzen kann. Ohne Beweis ein Staatstrauerakt, ob das was wird.

66) Ste, Mittwoch, 11. Januar 2012, 14:48 Uhr

Also ich hab ja schön Dokumentationen über Inuits am Polarkreis, Estland oder traditionelles Kochen und Arbeiten in Bayern gesehen. Von Zeitungen krieg ich nur schwarze Finger; aber eins hab ich dann doch mitgekriegt: Im Westen nichts Neues.

Gesundes neues Jahr

67) karola, Mittwoch, 11. Januar 2012, 15:30 Uhr

Ich lese tgl. so viele Berichte in den Zeitungen, die halb, richtig oder völlig falsch sind, dass ich mich oft Frage, was für einen Job Journalisten/innen eigentlich machen, wie sich selbst als Journalisten/innen sehen.

Vielleicht wäre es richtiger, den “Fall Wulff und Dieckmann” einmal ein bisschen psychologisch strategisch zu betrachten.

Guttenberg wird durch die “Zeit” ins deutsche Pressebewusststein zurück erobert. Sogar im Presseclub eine Sendung über ihn.

Dann kommt der “Fall” Wulff.

Dieckmann-Bild übergibt die Geschichte an andere, um den Anschein zu erwecken, dass er sich da heraushält. Das gelingt.

Das Mailbox-Telefonat. Dieckmann ist in New York, nicht weit davon wohnt Guttenberg.
Dieckmann-Guttenberg, Freunde und Atlantikbrückler.

CSU bewirbt Guttenberg mit Ämtern, sogar mit Ministerposten.

Guttenberg erklärter Rivale von Merkel.
Löste er sich von der CSU und ginge in eine andere Partei – stünde ein möglicher Verlust von Wählerstimmen bevor.

Der “Fall” Wulff wird auf kleiner Flamme weiter geköchelt.

Da Wulff, durch seine Art mit Tatsachen umzugehen, sehr unglaubwürdig geworden ist wegen seiner mangelnden Geradlinigkeit, besteht die Gefahr, über kurz oder lang wieder in Probleme verwickelt zu werden.

Guttenberg kommt geläutert zurück, Dieckmann hat die Hände sauber und Wulff kann fallen.
Merkel und alle anderen wären einen Konkurrenten los, indem Guttenberg der gewünschte Nachfolger von Wulff werden würde.

Friede Springer und Liz Mohn, Freundinnen von Merkel wären zufrieden mit der Arbeit von Dieckmann.
Es gibt auch Reden von Wulff, in denen er sich gegen einige sozial-politische Verhältnisse hier ausspricht, ebenfalls seine Aussage, dass der Islam inzwischen zu D gehöre, hat viele – vielleicht auch Mächtige – verärgert.

Ich kann mir beistem Willen nicht vorstellen, dass Dieckmann-Bild irgendetwas aus reiner Menschenliebe oder Ethik tun würde, erst recht nicht in diesem Fall, in dem es auch um seinen Freund geht, diesen hier in D wieder in Amt und Stellung zu verhelfen.

68) andreas, Mittwoch, 11. Januar 2012, 15:31 Uhr

Es ist heute nicht leicht, Menschen für eine aktive Mitgestaltung zu gewinnen . Die Parteien verlieren ihre Mitglieder, die Wahlbeteiligung sinkt immer weiter und Demonstranten bekommt man nur noch mit großem Organisationsaufwand auf die Straße. Die Ansicht, dass einzelne nichts verändern können, hat sich festgesetzt. Wenn es heute noch Demonstrationen gibt, an denen mehrere hundert Menschen teilnehmen, haben mehrere Organisationen dazu aufgerufen. Die Demonstration gegen Bundespräsidenten Wulff soll über Facebook aus dem Volk organisiert worden sein. Was üblicherweise über Facebook organisiert wird, sind Partys und „flashmobs“, zu denen eher junge Menschen kommen, welche hauptsächlich das Internet nutzen. Die Demonstration vor dem Schloss Bellevue stand unter dem Motto „Wulff den Schuh zeigen“. Fast jeder der Demonstranten hatte auch einen Schuh mitgebracht oder schwenkte ein Plakat. Die Ausstattung der Demonstranten, vom Holzbein mit Schuh, über Megafon, bis zum A3 Farbhochglanzdruck und der Querschnitt durch alle Bevölkerungsschichten, war beeindruckend. Besonders bemerkenswert ist, wie viele ältere Menschen über Facebook vernetzt sind. Mich würde interessieren, ob es einen Journalisten gibt, der unter den Teilnehmern nach Mietdemonstranten gesucht hat. Es gibt zahlreiche Artikel über Mietdemonstranten, in denen auf die Firma „erento“ hingewiesen wird. Auf der Internetpräsenz ist aber im Moment nicht ein einziger zu finden. In dieser Gesellschaft ist alles käuflich und die Meinungsfreiheit eines Demonstranten kostet laut Internet 30 -145 €. Wenn hier nur ein gekaufter Demonstrant Schuhe geschwenkt hat, ist dies ein viel größerer Skandal.

69) EStz, Mittwoch, 11. Januar 2012, 15:44 Uhr

>> Doch keine Sorge, meine Bissigkeit habe ich mir bewahrt. ;-)
Ich sehe schon…. :-)

>> Die Presse muss selbständig entscheiden, ob und wann
>> eine Information berichtenswert und von öffentlichem Interesse ist.
Grundsätzlich: JA! Wenn aber ein bestimmter Verstoß von einem Vertreter der Partei X und von einem Vertreter der Partei Y bekannt ist, und man berichtet nur über X, macht man Politik. Ist von einem Politiker der Partei X etwas bekannt, und man wartet mit der Veröffentlichung einen bestimmten Zeitpunkt ab, oder man veröffentlicht (oder nicht), um einem Dritten einen Gefallen zu tun, macht man Politik. Wenn man etwas über Politiker X weiß und droht eine Veröffentlichung an, falls nicht dies und das gemacht wird, macht man Politik.

>> Anders gesprochen, welches Anforderungsprofil ist an
>> einen Präsidentschaftsbewerber deutscher Prägung zu richten?
Wie ich an anderer Stelle schon schrieb, ist (aus meiner Sicht) die Erfüllung speziell dieses Amtes sowohl politisch als auch charakterlich zu sehen. Natürlich erwarte ich eine Vorbild-Funktion, gesetzestreues Verhalten und tadelloses Auftreten, natürlich will ich kein kleinliches Rumtaktieren, wie man es vielleicht einem im rauhen Alltagsgeschäft stehenden Ministerpräsidenten noch zubilligen würde. Diesen Teil ds Anspruchs erfüllt Christian Wulff sicherlich deutlich weniger als jeder andere Amtsinhaber vor ihm. Und auch ich traue Joachim Gauck hier ein deutliches Plus zu.
Ich erwarte aber auch den politischen Durchblick, nicht zu allem Ja und Amen zu sagen, was die Tagespolitik gerade ausheckt, und gesetzwidrigen Aktivitäten der Regierung entgegen zu treten. Von ganz, ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (Brandts Ostpolitik, Schmidts Nato-Doppelbschluss, Schröder s Agenda 2010) schielt doch JEDE demokratisch gewählte Regierung auf die nächste Wahl. Und auch Lösungen für größte Problemw werden in der Regel so angelegt, dass sie bis kurz nach der nächsten Wahl reichen, dann sieht man weiter. Und hier ist Christian Wulff meiner Meinung nach weiter als ein Joachim Gauck, der seine eine famose Rede in Abwandlungen immer und immer wieder hält und sich sonst zu den großen Problemen eher läppisch geäußert hat. (Er hätte ja nicht zwangsweise alle Investment-Banker verfluchen und die Occupier mit Heiligenschein versehen müssen; wahrschenlich wäre es besser gewesen, hier einfach mal die Klappe zu halten. Aber in einem freien Land darf man natürlich auch mal was Dummes sagen)

Was die Einschätzung der Person Wulff bzw. deren Eignung für das höchste Staatsamt angeht, liegen wir nicht weit auseinander. Den Kredit (wenn es das war) von einem derart guten Freund und Bekannten halte ich für zwar legal und legitim; aber alles, was danach kam, reicht eigentlich für ein halbes Dutzend Rücktritte. Aber: Was mir mordsmäßig widerstrebt, ist die Rolle der BILD-Zeitung. Da wird eher mehr getrickst und gemogelt, verdreht, vertuscht, an der Wahrheit vorbei operiert, als Wulff das tut, und das will wirklich etwas heißen (natürlich nicht für BILD, aber sonst).
Mich stört, dass (im übertragenen Sinne) einer, der seine Frau schlägt, jemanden anzeigt, der seinen Hund getreten hat und sich dann von aller Welt als sanftmütiger Tierliebhaber feiern lässt.

70) EStz, Mittwoch, 11. Januar 2012, 15:47 Uhr

52) PPHBLN, Mittwoch, 11. Januar 2012, 08:21 Uhr

>> Das vorliegende Problem Wulff ist sicherlich dank der BILD ans
>> Licht gekommen. Ich frage mich aber natürlich, warum und weshalb.
>> Was ist schiefgelaufen in der fruchtbaren Beziehung Wulff/BILD.
>> Was ist passiert, dass der vielzitierte Aufzug nun runter fährt statt rauf.
>> Das ist die eigentliche Frage.

Sehe ich genau so

71) riskro, Mittwoch, 11. Januar 2012, 16:47 Uhr

21) EStz, Montag, 09. Januar 2012, 16:35 Uhr<<< bei seiner Lieblingsbeschäftigung, sich genötigt zu sehen die Kommentare anderer Blogger zu kommentieren und ihnen aufzuzeigen, wie falsch sie doch liegen. Denn seine M einung ist die Richtige.
EStz empfehe Ihnen noch mal meine Kommentare unter Wulff verzeiht sich 172,173 u. 174 zu lesen

72) THE BAD INAWOLVES, Mittwoch, 11. Januar 2012, 16:50 Uhr

Ich kann nicht erkennen, was an dieser BILD-Kampagne gewöhnlich sein soll: sie erfolgt konzertiert durch alle relevanten Medien, zudem war Wulff ein Lieblingsneffe Springers und zudem in der CDU. Also, wem nützt das auf ein Mal? Man kann Wulff auch nicht die Eignung als BP perse absprechen, derzeit wird nur seine etwas schmierige Politvergangenheit verhandelt, und dass er sich das Glamourleben heute durch schlechte PR selbst beschädigt.
Wer aber Wulff damals in der Bundesversammlung durchboxte, ist verantwortlich für den Schaden, denn man sollte seinen Kandidaten schon kennen.
Ich habe mehr Angst davor, dass CSU, Springer, Spiegel, Süddeutsche und Schlichtbürger sich nicht schämen und fürchten, Herrn Guttenberg als Heilsbringer zu restatuieren, als davor, dass Herr Wullf im Amt bleibt.
Ganz einfach weil im letzgenannten Fall der Schaden vorkalkulierbar und abgegrenzt bleibt.

73) Frankilein66, Mittwoch, 11. Januar 2012, 17:24 Uhr

@ karola, 67)

Wenn sie täglich so viele Berichte in den Zeitungen lesen, dürfte ihnen eigentlich nicht entgangen sein, dass sich der “BILD”-Chefredakteur Diekmann und nicht Dieckmann schreibt. Sie mögen mich für einen Korinthenkacker halten aber ich finde, wenn man sich über jemanden in der Öffentlichkeit äussert, zumal kritisch, sollte man ihm wenigstens die Ehre angedeien lassen seinen Namen richtig zu schreiben.

Ist mir auch schon bei anderen Diskutanten aufgefallen!

74) Ste, Mittwoch, 11. Januar 2012, 18:30 Uhr

@andreas (68): Randbemerkung zu Ihnen: Die Jugend ist nie politikverdrossen gewesen; Generalsekretäre sind das schon eher (siehe Herrn Gröhe bei hart aber fair diesen Montag, ein großes Palaver) und Parteien sind demokratieverdrossen (siehe Artikel FAZ von heute, Seite 1 unten rechts; sorry, kann nicht mehr nachsehen, hab ich leider weggeschmissen, wegen schwarzen Fingern).

75) Günter Springer, Mittwoch, 11. Januar 2012, 19:06 Uhr

@Frankilein66
so sprechen Paukerseelen!

76) Sprengfan, Mittwoch, 11. Januar 2012, 19:33 Uhr

Exzellenter Auftritt bei Markus Lanz gestern Abend Herr Spreng! Wunderbar! Danke! Leider war die Runde wieder einmal unsäglich schwach. Viele Grüße!

77) Winfried, Mittwoch, 11. Januar 2012, 19:48 Uhr

Es sind alle Großmedien, nur das man im Fernsehen etwas geschickter vorgeht – dieses Beispiel zeigt doch die Gleichschaltung auf!

78) EStz, Mittwoch, 11. Januar 2012, 20:53 Uhr

71) riskro, Mittwoch, 11. Januar 2012, 16:47 Uhr

>> bei seiner Lieblingsbeschäftigung, sich genötigt zu sehen
>> die Kommentare anderer Blogger zu kommentieren und ihnen
>> aufzuzeigen, wie falsch sie doch liegen. Denn seine Meinung ist die Richtige.

Tut mir leid, den Kommentar verstehe ich nicht. Es ist weder ein Zitat von mir, noch eine Replik auf meinen Beitrag dort (zumindest ist für mich der Bezug nicht erkennbar).

>> EStz empfehe Ihnen noch mal meine Kommentare unter
>> Wulff verzeiht sich 172,173 u. 174 zu lesen

Mache ich gerne, mögliche Antwort auch dort.

79) Winfried, Mittwoch, 11. Januar 2012, 21:04 Uhr

Korinthenkacker scheißen so kleine Perlchen, weil sie zu den großen Themen nichts zu sagen haben.
Dickmann ist auch nur ein dürrer Hecht, der macht was ihm die Eigentümer sagen!

80) squirrel, Mittwoch, 11. Januar 2012, 23:03 Uhr

Wer kennt eine Antwort auf die Frage, warum Wulff bei seiner bisherigen Haus- und Hofpostille so abgrundtief in Ungnade gefallen ist? Was ist da passiert zwischen Springer und ihm? Friede und Angie sind doch so dicke, warum will Springer nun den Merkel-Bubi stürzen? Wem würde das was bringen?

Oder sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr? Hilfe …

81) Dieter Carstensen, Donnerstag, 12. Januar 2012, 01:49 Uhr

Lieber @73) Frankilein66

Wenn man wie Sie andere wegen Ihrer Schreibweise kritisiert, sollte man selber das Wort “angedeihen” nicht ohne “h” schreiben, so wie Sie.

Nur mal als Anmerkung.

82) Frank, Donnerstag, 12. Januar 2012, 03:20 Uhr

“Wir sind Papst!”
Kurz vor Weihnachten war ich auf einer Geburtstagsfeier meiner Freundin. Auch ein hundsgemeiner Abteilungsleiter war anwesend, der schon mehrere Seminare für Führungskräfte besuchte. Dort lernt man autoritäres Führen und wie man den Druck auf das Personal erhöht (in den letzten sieben Jahren nahmen psychische Erkrankungen signifikant zu). Ich erfuhr alles von meiner Freundin im neuen Jahr. Auf der Geburtstagsfeier erzählte er nichts über sich. Er sagte meiner Freundin, dass ich krampfhaft bei der Geburtstagsfeier einen Teller mit Mini-Baguettes hielt. Ich hätte keine Manieren. Der Schweiger sagte ihr nicht, dass ich der Dame neben mir ein Mini-Baguette anbot und auch die anderen fragte. Ich habe meine Freundin gebeten, daß sie ihn nicht mehr einlädt. Ich kann seine Fresse nicht mehr sehen!

83) wschira, Donnerstag, 12. Januar 2012, 03:35 Uhr

@66, Benedict

Wen meinen Sie denn, der da in dem Bereich Rechtsterrorismus ermittelt? Herrn Wulf etwa? Das wäre der neueste Gag.

Im übrigen lese ich aus dem zweiten Absatz heraus, dass Sie versuchen, die rechtsterroristischen Mörder reinzuwaschen. Ich halte das für einen Skandal.

84) Senta Rieger, Donnerstag, 12. Januar 2012, 05:15 Uhr

Mich interessiert nur folgendes: Hat Geerkens (er und sie) die Leihgabe für den Hauskauf versteuert?
Wie genau ist die Reise des Geldes vonstatten gegangen-oder wird hier jemand begünstigt, resp. benutzt, um aus Geld sauberes Geld zu machen?

85) romeias47, Donnerstag, 12. Januar 2012, 07:06 Uhr

- Donnerstag, 12. Januar 2012 06:00 Uhr
- Wulff-Anwalt weiter gegen Veröffentlichung der Medienanfragen, am Vormittag
- Neujahrsempfang des Kabinetts
- Bundespräsident Wulff bleibt in der Kredit- und Medienaffäre weiter unter Druck.
- Erstmals sprach sich mit dem CDU-Abgeordneten Wellmann ein Mitglied der
- Unionsfraktion im Bundestag für den Rücktritt des Staatsoberhaupts aus. ….weiter
- http://www.dradio.de/nachrichten/201201120600/1

Allmählich wird die Causa Wulff zum Bellevue-Boulevard-Theater und ich nehme mir das Recht, mich von unserem Staatsoberhaupt nach allen Regeln der Kunst verhonepipelt zu fühlen.
Nicht dass ich partout alle 500 Fragen und Antworten lesen und prüfen wolltte. Die Zumutung besteht darin, dass Wulff etwas in einem Exclusiv-Interview mit absehrbar hohen Einschaltquoten verspricht, was sein Rechtsbeistand eine Woche später mit “Rücksicht” auf die Rechte Dritter zurücknimmt. Gab es vorher keine Strategie-Besprechung für das TV-Gespräch? Und falls Wulff, die Veröffentlichung spontan entschieden hat, warum kam die Rücknahme RA Lehrs nicht postwendend?

Und wo bleiben eigentlich die Stimmen/Kommentare der (vorgeschobenen?) Journalisten. Es gibt Presserat und Berufsverbände, die dem in Skrupeln gefangenenv Anwälten vielleicht Erleichterung verschaffen können. Auf mich wirkt das alles inzwischen so halbseiden, dass ich mich entschlossen habe, TV und Radio für fünf Minuten auszuschalten, wenn Wulff auftaucht.

86) Tiedgen, Donnerstag, 12. Januar 2012, 10:04 Uhr

Vielleicht sollte man weniger auf den emotionalen Schlagabtausch zwischen dem sich von den Medien gejagt fühlenden Bundesorösidenten und der sich zensiert fühlenden Presse (Bild u. Cons.) achten, sondern einen Blick auf nüchterner analysierende Beiträge in der Zeitung werfen.

So fand ich den Beitrag auf der Seite 10 der FAS (Meinung) inspirierend. Der Autor Zastrow entwickelte da eine Analogie zu einer anderen Affäre, in der eine dubiose Aussage zur Herkunft eines Geldbetrages vorgeschoben wurde, um die wahre Herkunft (erfolgreich) zu verschleiern.

Aus diesem strategischen Blickwinkel betrachtet könnte es sich eben auch im Fall des Bundespräsidenten um eine “Rettungsaktion” von Freunden handeln. Und dann hätte der mündliche Vetrag mit “Handschlagqualität” mit einer anderen Person stattgefunden. (Apropos: solche Verträge waren unter Hamburger ehrbaren Kaufleuten gängig, weil im “Bürgeadel” ein Betrüger sozial und als Geschäftspartner erledigt gewesen wäre.)

Vielleicht brauchen wir keinen Kampf um die Pressefreiheit, sondern eher eine Lobby für den seriösen, gut recherchierten Journalismus, der die Unmenge an Informationen filtert, sie zu einem plausiblen ‘Gebilde zusammensetzt und die möglichen Schlußfolgerungen daraus zieht.

In diesem Sinne wünsche ich mir auch in diesem Blog weitere pointierte Beiträge, die diese Einordnungsfunktion wahrnehmen.

87) Hefe, Donnerstag, 12. Januar 2012, 10:24 Uhr

Vielleicht stellt sich die Situation doch etwas anders dar:

http://de.wulffplag.wikia.com/wiki/Vorwurf_der_N%C3%B6tigung_von_Redaktionen#Rekonstruktion_der_Mailbox-Nachricht_Wulffs.5BAnm._1.5D

da versucht das Wulffplag den Sachverhalt zu rekonstruieren, insbesondere die Nachricht auf der Mailbox.

Könnte sein, dass es bei den Drohungen nicht um die Veröffentlichung des Hauskredits ging, sondern um einen Artikel über die Vergangenheit von Wulffs Frau. Unmöglich erscheint mir das nicht. Ein übles Spiel von der Bild Zeitung ist es auf jeden Fall. Wer sich Diekmann anschaut, der traut es ihm zu.

Natürlich bleibt auch bei Wullf noch einiges im Dunkeln. Zb. warum benötigt er einen Kredit, der höher ist, als der Wert des Hauses??

Wer hier etliches zu verbergen hat, der kann sich gegen derartige Intrigen schlechter wehren. Gut für Diekmann.

88) petra pik, Donnerstag, 12. Januar 2012, 11:14 Uhr

“Springer-Presse halt die Fresse!” die alte Losung aus der Studentenbewegung von 1968 – gewinnt sie eine neue Aktualität?

89) Michael A. Nueckel, Donnerstag, 12. Januar 2012, 13:55 Uhr

Die -gerade letzten- Beiträge zeigen, uns fällt nichts mehr ein, die Statements immer bizarrer, eher gehen wir aufeinander los [@ Frankilein66, 73) = Künstlerpech – mein Kompliment an @ Dieter Carstensen, 81) = ich hab´s glatt übersehen), die Luft ist wohl raus, Wulff noch im Amte, derweil BILD den finalen Schuss nicht absetzt. Wer kann (uns) da noch helfen? Weg von Thema??

90) Frankilein66, Donnerstag, 12. Januar 2012, 16:45 Uhr

@ Dieter Carstensen, 81)

Mein Kommentar bezog sich ausdrücklich nicht auf Rechtschreib- oder Tastaturfehler, die kommen immer wieder vor und sind unvermeidbar. Insofern geht ihre Anmerkung haarscharf am Thema vorbei, dennoch bin ich ihnen für die Korrektur dankbar!

Ich finde halt, das jeder Mensch wenigstens das Recht hat, seinen Namen im Internet richtig geschrieben zu sehen!
Das meinen sie doch auch, Herr Karstensen?

91) riskro, Donnerstag, 12. Januar 2012, 17:55 Uhr

Hallo EStz

Wollte Ihnen auf Ihren Kommentar 175 im Themenblog “Wulff verzeiht” sich antworten. Leider ist nach dem Abschicken ein unvollständiger Beitrag erschienen, Lag wahrscheinlich daran, dass er in Word geschrieben wurde und eingefügt werden sollte. Probiere es morgen noch mal: Iht Kommentar kann so nicht stehen bleiben.

92) winfired, Donnerstag, 16. Februar 2012, 19:28 Uhr

Man kann sehr Reich sein und dennoch Arm, wenn man sich mit den Asozialen der oberen Zehntausend vergleicht, diese Brut hebt gerne völlig ab!

93) christine david, Montag, 20. Februar 2012, 00:31 Uhr

Sind denn jetzt alle ver-rückt geworden!
Habt Ihr alle miteinander was zu euch genommen…raucht ihr irgendein Kraut oder was!!!!

Herr Wulff ist nun endlich zurück-getreten! Gebt doch endlich Frieden!

Und was die gesamt Medienlandschaft betrifft,welche ich über Wochen nun reichlich genossen in allen
Variationen…das wird denen irgendwann mal auf die Füße fallen…egal was und wieviel Schuld ein Mensch auf sich lädt ,doch man muss nicht auch noch nachtreten wenn dieser schon am Boden liegt!

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